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Full text of "Preussisches Wörterbuch : ost- und westpreussische Provinzialismen in alphabetischer Folge"

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PREÜSSISCHES  WÖRTERBUCH 


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OST-  UND  WESTPBEUSSISCHE  PEOVINZIALISMEN 


IN  ALPHABETISCHER  FOLGE. 


VON 


H.  FRISCHBIER. 


ZWEITER  BAND. 

L  —  Z.     Nachträge  und  Berichtigungen. 


BERLIN  1883. 

VERLAG   VON   TH.  CHR.  FR.  ENSLIN. 

(RICHARD  SCHOETZ.) 


/ 


L. 


I,  Schmelzlaut,  behält  im  Plattdeutsch 
an-,  in-  und  auslautend  hochdeutschen 
Klang;  nur  bleibt  es  zuweilen  vor  s 
weg:  als  as. 

Laaky  /.,  StraPze  in  Königsberg  am 
rechten  Pregelufer.  Estn.  lagge^  finn. 
laaka  flach,  holstein.  Laak  Pfütze, 
Lache;  in  Hamburg  in  gleicher  Bedeu- 
tung Lake^  in  Breu).  dasselbe,  doch 
besonders  niedrige  sumpfige  Wiese,  mnd. 
lake  Lache,  seichte  Stelle.  Vor  ihrer 
Bebauung  war  die  Königsberger  Laak 
flaches  Wieseoland.  S allmann,  24. 
Schützen,!.  Richey,  146.  Brem. 
Wb.  III,  5.  Mnd.  Wb.  11,  613b.  S. 
Lake. 

Laby  L&f,  Laf,  n.  1.  der  vierte  Magen 
des  Rindes.  2.  die  sauer  gewordene 
und  geronnene  Feuchtigkeit  in  dem 
vierten  Magen  eines  Kalbes,  die  Käl- 
bermagensäure,  welche  man  benutzt, 
um  frische  süJ'ze  Milch  gerinnen  zu 
machen.  Das  Lab  ist  nur  von  solchen 
Kälbern  brauchbar,  welche  gesogen  und 
noch  nicht  gefressen  haben.  3.  Laf,  in 
der  Danziger  Gegend  magerer  frischer 
Käse.  W.  S  ei  d  e  1 ,  32.  In  Brem.  Lebbe^ 
mnd.  lafy  hoU.  leb,  lebbe^  luhbe^  schwed. 
lope,  Brem.  Wb.  III,  28.  Vgl.  Bock, 
Nat.  I,  260. 

Lab,  m.  jud.  Vorn.,  s.  Leib. 

Labach,  Labbach,  m,j  s.  LAband. 

Labagienen,  Ortsn.,  Fischerdorf  bei 
Labiau  mit  Fischguano-  und  Knochen- 

FrUehbitr,  WÖrtArbocb  II. 


mehl-Fabrik;  daher  im  Volke:  Laba- 
gienen  ist  eher  zu  riechen  ah  zu  sehen, 

LAband,  m.^  grofzer  (langer)  träger, 
unordentlicher  Mensch,  Nichtsnutz,  Tau- 
genichts, arbeitsscheuer  Herumtreiber. 
Als  Schimpfwort,  namentlich  auf  halb- 
wüchsige Jungen.  In  Berlin  Laban; 
in  Konitz  Labasch,  im  Ermlande  und  in 
Elbing  Labach;  sonst  auch  noch  Labas. 
Treichel  hat  für  Westpr.  noch  Lu- 
batsch.  Laband  wohl  Anlehnung  an 
den  biblischen  Laban.  Vgl.  Büch- 
mann ,  Geflügelte  Worte.  12.  Aufl.  S.  5. 
Die  Verwandtschaft  mit  Lorbas,  Lai- 
dak,  Lodschak,  Ludschak,  Leichak,  welche 
alle  gleiche  Bedeutung  haben,  ist  er- 
kenntlich. Von  allen  Wörtern  werden 
Adjektive  auf  ig  gebildet. 

Labas,  m.,  s.  das  vor. 

Labasch,  m,  1.  s.  v.  a.  Ldband.  2. 
Scheltwort  auf  eioen  Jungen,  der  sich 
herumgetrieben.  Aber,  kliener  Labbasch, 
tüte  hott'r  sich  wödder  abgeröcht.  Schal tj. 
3,  4. 

labaschig, .  adj.  von  Labasch.  En  gro- 
terlabascKgerBengel,  Dorr,  1.  Wiew., 
126. 

Labber,  m.  u.  /.,  weiches,  schwam- 
miges Fleisch,  Hautfleisch,  fleischige 
Haut.  Kalbfleisch  hat  viel  Lahber  — 
ist  (oft)  die  reine  Labber.    Vgl.  Ladder. 

labberig,  adj.,  s.  labbrig. 

labbern,  sw.,  s.  labbern  und  sabbern. 

labbern,  lebbern,  IVbbern,  libbern,  sw., 

l 


Läbberschulden  —  LächeL 


nippend  trinken,  in  verschiedenen  Ab- 
sätzen und  kleinen  Zügen  trinken,  zö- 
gernd und  mit  Unlust  Speise  oder  Trank 
geniefzen;  lecken,  schlürfen;  auch  lek- 
kern.  Fratien  labbern  das  Biei^  den 
Wein.  Bock,  31,  u.  Hennig,  147: 
löbbeimy  lübbem;  Schemionek,  23: 
löbbem,  HoU.  labberen  schlappen,  dän. 
labe  lecken,  schlürfen,  mhd.  lafien^  ahd 
laffan^  lat.  lambere  lecken :  lahium  Lippe. 
Vgl.  Schade,  530b.  Mühling  hat 
labbern^  labbern  zunächst  in  der  Be- 
deutung: saugen;  Gordack  labbern  u. 
lebbern  schlürfend  und  zögernd  essen. 
Sich  labbern^  sich  in  kleinen  Posten, 
kleckweise  mehren.  Das  labbert  sich 
zusammen,  aus  Pfennigen  werden  Tha- 
ler. Kleine  Schulden^  die  allmählich 
bei  verschiedenen  Gläubigem  gemacht 
wurden,  sind  Läbberschulden,  Flick- 
schulden. Statt  labbern  u.  in  allen  Bil- 
dungen auch  läppern;  bei  Schmeller 
II,  486,  u.  Vilmar,  247:  leppem.  aus- 
iäbbem,  etwas  labbernd  ausessen.  Einen 
Teller  mit  Suppe  ausläbbem.  Mühling 
hat  noch  als  Erklärung  für  ausläbbem: 
kindisch  zu  sein  aufhören;  zu  küssen 
aufhören,  veriäbbern,  leckemd  und  für 
Eleioigkeiten  sein  Geld  verschwenden. 

Läbberschulden,  plur,,  s.  das  vor. 

labbrig,  labberig,  adj.  1.  von  Speisen: 
flau,  fade,  weichlich,  ungesalzen,  süi'z- 
lich  und  darum  für  den^  der  an  kräf- 
tige Kost  gewöhnt  ist,  widerlich.  Das 
Essen  ist  mir  zu  labbrig,  Bock,  30. 
Hennig,  140.  Schemionek,  22. 
Nach  Gordack  adj,  von  labbern.  Im 
Götting.  labbefnffy  lauywerig;  auch:  en 
labberig  Minsche,  ein  schlaffer  Mensch. 
Schamb.,  117a.  2.  von  der  Wärme: 
flau,  mäl'zrg,  von  geringer  Höhe.  Das 
war  ein  labbriger  Winter.  Dän.  in  der 
Seemannssprache  laber  schwach,  leise, 
mäfzig,   holl.  lahber  schwach,    von  der 


Kälte.  3.  vom  menschlichen  Befinden: 
'Ml  ÖS  labbtng  to  Mod,  mir  ist  flau  zu 
Mute. 

labfiren,  sw.,  umherschweifen,  ^rumr- 
laberen,  sich  umhertreiben.  Treichel. 
Im  Brem.  Wb.  HI,  2:  labben  plaudern 
gehen,  holl.  lafen;  bei  Frisch,  Wb. 
I,  563  c:  la/eren,  lafem  schwatzen. 

Labiau,  Ortsn.«  Kreisstadt  an  der 
Deime.  Er  kommt  an  wie  der  Hund 
von  Labiap,,    Sprw.  I,  83. 

Lablaugken,  Name  eines  Waldgebietes 
im  Kreise  Darkehmen.  S.  Rogge^  4. 
Vgl.  Gttnig. 

Labommel,  nach  Treichel  Labummel, 
77).,  von  bammeln  bummeln^  also  Bumm- 
ler; doch  zunächst  groizer,  geil  auf- 
geschossener, schlottriger  junger  Mensch, 
abgerissener  Nichtsnutz;  zur  Verwandt- 
schaft der  Ldbande  und  Lorbasse  ge- 
hörig. Bock,  30.  Hennig,  140. 
Sperber,  42.  Schemionek,  22. 
Davon:  labommeln,  sw.,  bummeln,  sich 
zwecklos  herumtreiben,  labommellg,  adj,, 
wie  ein  Labommel  sein. 

Labskaus,  m,,  Gericht:  Stockfisch  mit 
Kartoffeln.     Danzig. 

Labummel,  m,,  s.  Labommel. 

Lachader,  /.  Ihm  ist  die  Lachader 
geplatzt,  sagt  man  scherzend  von  dem, 
der  sich  im  Lachen  nicht  zu  mäi'zigen 
vermag.     Sprw.  I,  2266. 

Lachaim-taufe,  jüd. -deutsch.  Trink- 
spruch. Sperber,  44.  Rein iiebräisch : 
Vchajim  tauvim  zu  einem  guten  Leben 
=  vivat     Allgemein  gebräuchlich. 

LAche,  /.,  s.  LAke. 

Uchel,  Lechel,  Lttchel,  Ugel,  Legel, 

Dem.  Lächelke  etc.  n.,  Fäfzchen,  das 
gewöhnlich  an  einem  Riemen  getragen 
wird.  Es  schickte  Herr , . .  einen  Bohten 
mit  einem  Legel  nach  Or. -Lichtenau, 
vor  sich  gute  reine  Butter-Milch  zu  hoh- 
len.   Hartwich,  524.    Dabey  ein  gut 


lachen  —  Lachsangel. 


Ldgel  mit  Bier.  Pierson,  Matth.  Prätor., 
83.  Geht  auch  mit  dem  Lägel  herum 
und  theilt  einem  jeden  was  davon  mit. 
Ibid.,  89.  Schemionek,  23:  Läget, 
ein  Viertelankerfafz,  aufs  Feld  mit- 
zonehmen  Ahd.  lagelld^  mhd.  lagel^ 
ldgel,  legely  mnd.  läge,  lechelen,  legelen^ 
lechelken,  lat.,  mlat.  lagena^  lagellum, 
aleman.  logel^  lit.  u.  lett.  legh*^,  poln. 
lagiew\  dän.  legel,  schwed.  ldgel.  In 
Hessen  Legel.  Vi  1  mar,  240.  Brem. 
Wb.  III,  36.  Mnd.  Wb.  II,  612b.  642a. 
Vielfach  ist  das  Legel  so  eingerich- 
tet, dai'z  es  beim  Trinken  an  den  Mund 
gesetzt  werden  kann.  S allmann, 
36  b. 

lachen,  sw,,  in  Redensarten:  Er  lacht 
vne  ein  Spitzbubey  er  freut  sich  über 
die  Verlegenheit  oder  den  Unfall  eines 
andern.  Er  lacht  mit  dem  ganzen  Ge- 
sieht,  ist  Seelen  vergnügt.  Er  lacht  sich 
die  Faust  voll  —  in\  Fäustchen,  Er 
lacht  sich  zum  Spänchen,  er  lacht  ohne 
Aufhören.  Er  lacht  sich  einen  Puckel 
wie  eine  grofze  graue  Erbse,  Ös  noch 
wU  vom  Lache,  säd  jen  Make  on  gren. 
Er  hat  Lachen  und  Weinen  in  einem 
Sack,    Sprw.  I,  2267  ff. 

LAchengeschworener,  m.,  s.  LAke. 

iachern,  sw.,  zum  Lachen  geneigt  sein, 
lachein,  aus  Wohlbehagen,  innerm  Glück, 
Zufriedenheit,  aber  auch  aus  Verlangen. 
Dat  lacherd  mienem  Ohm  en  bat  (dal'z 
seine  Tochter  schön  gefunden  wurde). 
Dorr,  15.  Em  lächert  de  Bart  nau'm 
Posske,  er  hat  Verlangen  nach  einem 
Külzchen. 

Lacherty  m,,  lautes  Lachen.  Er  kriegt 
den  Lächert,  er  bricht  in  lautes  Lachen 
aus.     V.  Auer. 

Lachmann,  m.  jQd.  Vom.  Flatow. 
Schmitt,  112. 

lachrig,  adj.,  zum  Lachen  geneigt. 
Mir  ist  wol  nicht  lachrig^  ich  bin  nicht 


in  der  Stimmung  zu  lachen.  Soph.  R. 
VI,  231. 

iächrig,  ad;,,  s!  löcherig. 

Lachs,  pltd.  Las,  m.  1.  der  bekannte 
Fisch  salmo:  Trutta  salar  L,  Man 
unterscheidet:  Silberlachs,  der  heller  ge- 
färbte weibliche  Fisch,  Hakenlachs,  Fisch 
mit  hakenförmig  gebogener  Schnauze, 

Schwarzlachs,  Strandlachs.    Die  beiden 

letzten  Namen  bezeichnen  den  dunklem, 
sterilen  Lachs,  der  nicht  in  die  Flüsse 
aufsteigt,  sondern  an  der  Seeküste  ver- 
weilt und  hier  ziemlich  viel  gefangen 
wird;  den  Namen  Silberlachs  führt  auch 
eine  gleiche  Form  der  Meerforelle  (s. 
Lachs forelle).  Altpr.  lasasso,  lit.,  kur., 
laszis,  mas.,  kass.  losos,  laususz,  Lit. 
heifzt  der  Hakenlachs  woszis,  der  ma- 
gere, vom  Laichen  zurückkehrende 
Lachs  'kargis,  kleine  Lachse  heü'zen 
gleich  der  Meerforelle  trump,  trumpis. 
Benecke,  157  ff.  Der  Länge  nach,  in 
Streifen,  Streimel,  geschnitten,  wird  der 
Lachs  geräuchert  und  als  Streimellachs 
verkauft.  2.  Redensart:  Der  Lachs  ist 
mitzunehmen,  ein  augenscheinlicher, 
bedeutender  Vorteil.  Sprw.  I,  2275. 
3.  Danziger  Lachs,  stark  abgezogener 
Branntwein.  Klein  I,  2(58.  Er  gähnte, 
sah  in  die  .  Uhr,  nahm  einen  Schluck 
Lachs  etc.  Soph.  R.  1,  44.  Nun  ein 
Schnappschen  Lachsf  Ibid.  IV,  71.  Der 
danziger  Laichs  und  sein  Krambambuli 
sind  beinahe  in  der  ganzen  Welt  be- 
rühmt.  Bock,  Nat.  I,  655;  III,  650. 
(Der  „Lachs^  war  ursprünglich  die 
Firma  der  Döstillation  in  Danzig.)    Vgl. 

Danziger. 

Lachsangel,  /.,  Ajigel  zum  Lachs- 
fange; man  unterscheidet  an  ihr  drei 
Stücke:  das  Steintau  mit  der  Boje,  die 

Lenkleine  mit  der  Lenk  und  den  Vorlauf 

mit  dem  Angelhaken.  Beschreibung 
und  Abbildung  in  Benecke,  401  f. 

V 


Lachsfang  —  laden. 


Lachsfang,  ?/».,  Falle,  in  welche  der 
Lachs  hineinspringen  mui'z  und  in  der 
er,  teils  wegen  der  geringen  Wasser- 
tiefe, teils  weil  er  nicht  stromabwärts 
springt,  gefangen  bleibt.  In  den  klei- 
nen Flüssen,  welche  dem  Putziger  Wiek 
zuströmen.    Benecke,  400. 

Lachsfaren,  m.,  s.  Lachsforelle. 

Lachsforelle,  /.,  Silberlachs,  m.,  Lachs- 
faren,  w.,  die  Meerforelle,  Trutta  trutta 
L,;  lit.,  kur.  trump,  trumpis,  Silber- 
lachs heifzt  der  ungefleckte  Fisch.  Be- 
necke, 161.    Bujack,  392. 

Lachslanke,  /.,  s.  Lachsnetz. 

Lachsnetz,  n.,  Netz  zum  Fang  der 
Lachse.  Dreifzig  solcher  in  gerader 
Linie  vor  Pricken  aufgestellter  Netze 
bilden  eine  Lachslanke;  jedes  dieser  Netze 
ist  15  bis  18  Klafter  lang.  Die  Maschen 
der  Netze  und  Säcke  enthalten  3  Zoll 
im  Quadrat.  Die  Lachslankenfischerei 
wird  wie  die  Stcücnetzfischei'ei  ausgeführt. 
Fisch.-Ord.  f.  d.  fr.  Haff,  §  31.  Sper- 
ber,  20. 

Lachsstelle,  /.,  Stelle,   d.  i.  Ne^auf- 

stellung  aus  Streichtuch  und  Säcken 
bestehend,  zum  Fang  der  Lachse.  Be- 
schreibung und  Abbildung  in  Ben-ecke, 
394  f. 

Lachstaparre,  /.,  Fischn.,  s.  DTbel. 

Lachswadegam,  n.,  Wadegarn  zum 
Lachsfange.     S.  Beneckc,  355. 

lachtig,  adjektivisches  Grundwort  in 
Zusammensetzungen ,  aus  schlachten 
schlagen,  ähneln,  nacharten.  Es  deutet 
an,  daf'z  die  im  Bestimmungswort  ge- 
nannte Eigenschaft  annähernd  erreicht 
wird  und  entspricht  den  Endungen  ?^, 
ZtcA,  licht  RMlachtig  ist  alles,  was 
ins  Rote  schlägt;  ebenso  gelblachtig, 
graulachtig^  griinlachtig ^  tceifzlachtig^ 
was  ins  Gelbe,  Graue,  Grüne,  Weifzc 
fallt  .  .  .  di£  Land'Haufz- Mutter  sa- 
gende:  Dafz   die   Bleyfarbe   Leinwand 


ehe  weifz  würde  als  die  weifzschlachte. 
Linem.,  Qq  la.  Aul'zer  Farben:  kühl- 
lachtig^  trüblachtig^  dicMachtig^  diinn- 
lachtig,  alüachtig,  bei  Mielcke  II,  22b: 

altlächtig.    Vgl.  schlachten. 

Lack,  m. ,  Siegellack;  ostindischer 
Harzsaft  zum  Firnissen.  Lit.  lakis, 
poln.  laky  laka.  Doch  glaub  ich,  wenrCs 
(das  Kloster)  auch  war  mit  Lack  und 
Pech  versiegelt,  So  schleicht  des  Mönchen 
Lieb  doch  durch  die  Seufzer  ein.  Carm. 
nupt  II,  170  c.  B}r  ist  im  -Lack  — 
ist  lackiert,  ist  angetrunken. 

lackieren,  sw,,  s.  das  vor. 

LAdchen,  n..  Dem.  von  Lade,  kleiner 
Kasten. 

Ladder,  (?),  das  weiche  Fleisch  im 
Gegensatz  zum  Kemfleisch.  Sche- 
mionek,  22.    Vgl.  Labber. 

Lade,  pltd.  Lad'  (a  =--  ä),  f.  1.  Kasten, 
Truhe,  kistenförmiger  Behälter;  mhd. 
lade,  poln.  lada,  lit.  lade,  schwed.  Idda. 
Gewerkslade,  Lade  zur  Aufbewahrung 
der  Dokumente,  Bücher  und  Gelder 
des  Gewerkes.  Sie  wird  nur  bei  Ge- 
werks Versammlungen,  Quartalen,  unter 
althergebrachten  Ceremonien  geöffnet. 
2.  Decke,  Deckel,  Flügel,  eigentlich  der 
Laden:  Fensterlade,/.,  hölzerner  Flügel 
zum  Verschlul'z  der  Fenster  über  Nacht. 
Einem  die  Fensterladen  anhalten,  ihm 
die  Augen  blau  schlagen.  Sprw.  I, 
831. 

laden,  pltd.   lade(n)  (a^ä),  st   1. 

einladen.  Ahd.  ladön,  laden,  mhd.  la~ 
den,  goih.  lathon.  Schade,  530a.  Hei 
Idd't  de  ganze  Welt  6k  de  vntt  Kobbel, 
er  ladet  eine  groize  Gesellschaft  ein. 
Sprw.  I,  2276.  2.  aufladen,  abladen, 
einpacken,  auspacken.  Ann,  du  hest 
et  nich  7nehr  schwoar.  Du  loodst  dat 
letzte  Moal  dit  Joahr,  Dorr,  44.  Bild- 
lich: Er  hat  gut  —  er  hat  schief  gela- 
den,  er  ist  betrunken. 


Ladenschwengel  —  Lake. 


Ladenschwengel,  m.^  verächtliche  Be- 
nennung eines  Handlungsgehilfen,  La- 
dendieners. 

Lader,  pltd.  Lader  (a  =  a),  m.,  von' 

laden  2,  der  Auflader^  Ablader  bei  den 
Feldarbeiten,  in  der  Ernte. 

Laderin,  pltd.  Ladersche  (ji  =  ä\  /., 
von  Lader,  Die  Laderin  ferkelty  wenn 
ihr  beim  Einfahren  des  Getreides  einige 
Garben  vom  Wagen  fallen.  Sprw.  I, 
2278. 

Lädings,  Leidings,  nach  Sperber,  21, 
Leiding  u.  LUding,  m.,  Netzwand  zwischen 
zwei  Säcken  oder  Wentem.  S.  Streich- 
tuch. 

ladschig,  adj.,  s.  latschig. 

Ladung,  pltd.  Ladung  (a  =  d),  /.  Seine 
Ladung  voll  haben^  genug  getrunken 
haben,  angetrunken  sein.  Wenn  nun 
ein  jeder  seine  Ladung  voll  hat^  gehen 
sie  von  einander  und  machen  ein  Ende 
dieses  Trauermahls,  Pierson,  Matth. 
Prätor.,  105. 

Ladwich^  m.  Vorn,  Ludwig.  Hart- 
wich, 54, 

LAf,  Laf,  n.,  s.  Lftb. 

Lafferei,  /.,  albernes,  dummes  Wesen, 
Possen,Narrenzeug.Mühling.  Grimm, 
Wb.  VI,  57,  hat  nur  einen  Beleg  des 
Wortes  aus  Herders  Schriften,  ein  Be- 
weis, dafz  das  Wort  provinziell. 

lag,  adj.^  s.  Kg. 

Lägel,  n.,  s.  Lächel. 

Lagerbruder,  pltd.  Lagerbröder  (a=äX 
w.,  Bruder  vom  Lager,  Gelage,  Säufer. 
Mühling.     Sprw.  I,  2281. 

Lagerkom,  pltd.  Lagerkörn  (a  =  a),  n., 

Roggen,  der  sich,  meist  in  Folge  hef- 
tiger Regengüsse,  legt,  lagert 

Lagerstock,  m,,  s.  Ueger. 

lahm,  pltd.  Iftm  (a  =  ä)^  adj,^  krank, 
beschädigt,  verletzt.  Man  spricht  vom 
lahmen  Kopt\  Auge^  Puckel  etc.:  es 
kann  jeder   Körperteil    lahvh    werden. 


lahm  druckt  überhaupt  eine  Beschädi- 
gung, einen  Fehler  aus.  Ahd.  u.  mhd. 
lam^  engl,  lame^  schwed.,  dän.  u.  hoU.  * 
lam^  altnord.  lami  lahm;  lit.  Iüttmjs 
lahm  (an  den  Händen),  altpreufz.  Kw- 
twei  brechen,  poln.  tamac  brechen,  zer- 
brechen. Vgl.  Adelung  H,  1873. 
Grimm,  Wb.  VI,  72.  Nsslm.  Th., 
93.  Scherzweise  heifzt  es  von  einem 
Hinkenden :  Hei  ös  lahm  on  hinkt  dabl. 
Bei  Jeroschin  bildlich:  sigis  la7n  wer- 
din  76d.  Pfeiffer,  185. 
lahmen,  pltd.  lame(n)  (a  =  d),  »w,^ 

lahm  gehen,  hinken.  Er  lahmt  auf 
einem  Fufz. 

Lahmpot',  7/1.,  Mensch  mit  lahmer 
Pfote,  gelähmter,  kranker  Hand.  Trei- 
chel. 

Laichfisch,  pltd.  LfikfUsch,  m.^  die 
Quappe,  Gadus  Lota^  weil  die  Fischer 
glauben,  dafz  alle  übrigen  Fische  sich 
im  Laichen  nach  der  Quappe  richten. 
Bock,  Nat.  IV,  552. 

Laichgam,  pltd.  Lfikgarn  (a  --=  a),  n., 

Fischernetz  zum  nächtlichen  Fang  der 
Brassen  während  der  Laichzeit.  Bock, 
Nat.  IV,  696,  u.  Hennig,  80:  Leich- 
garn. 

Laidak,  gewöhnlich  Leidak,  m.,  lieder- 
licher, nichtsnutziger  Mensch,  Tauge- 
nichts, Bummler.  Aus  dem  gleichbed. 
poln.  tajdak^  und  dies  vielleicht  zurück- 
zufuhren auf  das  lit.  Uidmi^  UidaUy 
leisti  etc.  einer  Sache  ihren  Zug  lassen; 
erlauben,  zulassen,  gehen  lassen;  flöfzen, 
und  in  sonst  noch  vielgestaltiger  Be- 
deutung, woraus  auch  leidikkas  Holz- 
flösser.  S.  Nsslm.Wb.,  360a.  Schmitt, 
107;  Westpr.,  166.     Sperber,  38. 

Lake,  LAche,  /.,  plur.  Ldken^  Lachen, 
1.  die  kleinen  naturlichen  Abflüsse  der 
Niederungen:  die  Jung f ersehe  Ldclve; 
die  Seeldkey  wie  die  kleine  Schwente 
anfanglich  heilzt;   aber  auch  die  zahl- 


lakeidern  —  Land. 


reichen  künstlich  hergestellten  Kanäle, 
welche  nach  den  natürlichen  Wasser- 
zügen geleitet  sind.  Endlich  ist  auch 
der  Bruch  in  dem  Dainme  der  Jung- 
f erzchen  Lache  gefangen.  Kgsbg.  Hartg. 
Ztg.  1871.  No.  89.'  1.  Beilage.  Wenn 
wi  nu  (im  Winter  auf  dem  Eise)  flitzen 
frank  on  fH  Op  Look  on  Haff^  op 
Schwönt  (Schwente)  on  Ti  (Tiege). 
Dorr,  16.  Mit  der  Beaufsichtigung 
dieser  Vorfluten  sind  die  LAken-,  La- 
chen- oderSchiickgeschworenen  beauftragt, 
welche  aus  dem  Stande  der  Besitzer 
gewählt  werden.  Prov.  Preufz.,  474. 
Bei  Hart  wich  finden  sich  S.  320, 
aul'zer  den  Ldk-  und  Schlickgeschworenen 
noch  Schwentgeschworene, .  welche  ihren 
Namen  wohl  nach  dem  Schweoteflufz 
haben.  2.  Pfütze.  Ahd.  lacha,  mhd. 
lache  Pfütze;  schwed.  lag  Feuchtigkeit, 
Wasser,  See,  lat  lacus,  ital.  lago^  franz. 
lac.    Hennig,  141.     Vgl.  Laak. 

lakeidern,  sw,^  zwecklos  hin  und  her 
rennen,  fahren;  bummeln.     Mühling. 

LAken,  Laken,  pltd.  Lake(n)  (^a^d), 

n,  1 .  zunächst  Tuch  (von  Wolle),  dann 
aber  auch  Gewebe  aus  Linnen  und 
Seide.  Ahd.  lahhan,  lachan,  mhd.  lachen, 
alts.  lacan,  mnd.  laken^  hoU.  laken. 
Schade,  531a.  Ein  Idkenei*  Rock, 
ein  Tuchrock.  Ein  Schneider  brauchet 
Eir  und  Lacken.  Carm,  nupt  I,  250. 
Da  hett  he  lang*  on  körte  (Röcke)  vom 
schonst^  Laketieg  Lhrztg.  4,  355  b.  2. 
Decke,  Spreittuch,  Betttuch.  Bettlaken 
oder  Leildkeny  Leilach,  d.  i.  Leinlaken, 
pr.-poln.  ptachta.  Der  Kranz  wird  mit 
einem  weifzen  bunten  Leylach  bedeckt, 
welches  von  beideri  Seiten  und  hinten 
herab  hanget  Pierson,  Matth.  Prätor., 
83.  S.  das.  S.  87.  Nach  Vilmar,  245, 
ist  Leilaken  aus  Uh  (Leich  corpus)  und 
laken  zusammengesetzt.  Tischlaken 
Tischtuch.     Uennig,  141. 


LAk-,  LAkengeschworener,  m.,  s.  Lake. 

Läkenwall,  m..  Wall,  Damm,  der  die 
Laken  einschlielzt.  Öck  keem  moal  von 
der  Jagd  Den  Loakenwall  to  goan\ 
Dorr,  24. 

lakömsch,  adj.,  lecker,  naschhaft  wäh- 
lerisch beim  Essen.  Er  ist  ein  lakom- 
scher  Kerl,  ein  Feinschmecker,  Gour- 
mand.  Westpr.  Von  dem  poln.  tako- 
mic  sif  lecker  oder  gierig  auf  etwas 
werden  oder  sein,  woraus  das  Adj. 
takojny  gierig,  begierig,  naschhaft,  lecker. 
Mrongo V.  I,  190a.  Schmitt,  108, 
und  Westpr.,  166,  hat  aus  gleicher 
Wurzel  iakummig,  adj,,  geizig,  gierig, 
habsüchtig. 

Läks,  Ortsn.,  Dorf  in  den  Laukschen, 
dem  Grafen  Dohna-Schlobitten  ge- 
hörigen Gütern.  Spott:  Wenn\  bottert, 
denn  botteris,  on  morge  bottre  se  ön 
Läks.     Sprw.  I,  508. 

iakummig,  adj,,  s.  lakömsch. 

lammen,  sw.^  zunächst  ein  Lamm  ge- 
bären; dann  überhaupt  gebären.  So 
schwär,  OS  wenn  de  Bock  lamme  wöll. 
Sprw.  I,  3452.    Vgl.  bocken. 

LämmerhUpfen,  n.,  das  Hüpfen  der 
Lämmer,  zur  Bezeichnung  des  Tanzes 
der  Backfische.     Treichel. 

Lämmerschwänze,  plur,,  Pflzn.,  Segge- 
arten, Carea:  Mich.    Saalfeld. 

Lampe,  /.,  bildlich:  Kehle,  Hals, 
Schlund.  Einen  (Schnaps)  auf  die 
Lampe  giefzen.     Sprw.  I,  1532. 

Land,  n,  1.  neues^  das  sich  neu  bil- 
dende Terrain  am  Ausflusse  der  Nogat 
und  Weichsel,  aus  Sumpf,  Land  und 
Wasser  bestehend,  mit  seiner  amphi- 
bienartigen Halbnatur  einen  scharf  aus- 
geprägten Gegensatz  gegen  die  Niede- 
rung des  kleinen  und  groCzen  Werders 
bildend.  y^Neues  Land''  nennen  es  die 
Beicohner  der  altem  AUuvionen  und 
blicken  darauf  mit  einer  Art  von   Ver- 


Landbote  —  lang. 


acktang^  wie  die  römischen  Patrizier  auf 
die  yjwmines  novi*^.  Passarge,  204. 
2.  In  Redensarten:  Wer  Land  hat, 
Tnu/z  eine  Band  haben,  sonst  bringt  es 
ihm  keinen  Vorteil.  Wer  Land  hat, 
hat  Streit,  mit  den  Nachbarn.  Noch 
ist  Land!  noch  ist  die  Gefahr  nicht  zu 
grofz,  noch  bleibe  ich  Herr  der  Situa- 
tion: Etwas  ans  Land  ziehen.  Zunächst 
wörtlich  von  den  Bewohnern  des  Ost- 
seestrandes. In  manchen  Strandkirchen 
wurde  früher  sogar  Gott  um  einen  „ge- 
segneten Strand^  angefleht.  Sprw.  I, 
2284.  Von  heiratslustigen  Mädchen 
heifzt  es:  Et  ös  nich  blofz  e  Hand  voU^ 
et  OS  dat  ganze  Land  voll   Ibid.,  2286. 

Landbote,  m.,  Titel  für  den  Schreiber 
des  Deichgräfen, 

Landbringgeld,  n.,  es  ist  ein  zwei- 
faches: das  des  Schiffers  und  das 
der  Papiere.  Ersteres  wird  gezahlt, 
wenn  der  Kapitän  eines  auf  der  Reede 
vor  Anker  liegenden  Schiffes  mit  dem 
Lotsen  ans  Land  kommt  (1  Thlr.); 
letzteres,  in  gleichem  Betrage,  müTz 
entrichtet  werden,  wenn  der  Kapitän 
das  Schiff  nicht  verlassen  kann  und 
dem  Lotsen  die  Schiff  und  Ladung  be- 
treffenden Papiere  zur  Aushändigung 
an  seinen  Mäkler  übergiebt.  Pillau. 
Fr.  Prov.-Bl.  XVU,  51. 

Ländchen,  n.,  blaues,  Name  der  Kreise 
Neustadt  und  Bereut  in  Westpreulzen. 
Muhling. 

Landding,  n.,  zur  Ordenszeit  das  Land- 
gericht in  Angelegenheiten  des  Grund- 
besitzes, mnd.  lantdink  Ijuid-,  allge- 
meines Gericht  Es  bestand  als  stehen- 
des Gericht  aus  einem  Landrichter  und 
gewöhnlich  12  Schoppen  aus  dem  Stande 
der  Ritter  oder  vornehmer  Lehnsleute. 
Appellations  -  Instanz  war  der  Hoch- 
meister. Das  Land  war  in  verschiedene 
Gerichtsbezirke     geteilt,     deren  jeder 


ein  Landding  hatte.  Muhling;  Mnd. 
Wb.  n,  621  b. 

Landgarn,  n,,  s.  Wade-  u.  Windegarn. 

Landgamfischerei,  /,  s.  Wade-  u.  Wind- 
gamfischerei. 

Landl(omtur,  m.,  s.  Komtur. 

landsch,  adj,,  ländlich,  im  Gegensatz 
zu  städtisch.  Sie  ist  ganz  hübsch,  aber 
gräjzlich  landsch,  sie  hat  sich  an  städ- 
tisches Leben  und  Wesen  noch  wenig 
gewohnt.  Substantivisch  die  Landechen. 
Die  Landsche  haben  'ne  annere  M6d^ 
als  jenne  in  der  Stadt 

landtagen,  sw.,  herumlandtagen,  sich     * 
unbeschäftigt  umhertreiben,    bummeln. 
Sprw.  I,  2291. 

Landverzehrer,  pltd.  Landvertfirer,  m., 

die  Wucherblume,  Chrysanthemum  se- 
getum  L.    S.  Banicrottblume. 

Landwehr,  /.,  Wehr,  Verteidigung  des 
Landes;  Einrichtung,  Befestigung  zur 
Verteidigung  eines  Landes.  Bei  Je- 
r  0  s  c  h  i  n :  der  meistir  —  zusamme  brachte 
ein  michil  her  haltinde  kegn  in  lantwer 
121a.  zuhant  nach  disen  zttin  wurdin 
zu  Ragntten  in  eine  lantwer  gesant  dt 
brüdrelBSh.  Pfeiffer,  186.  Grimm, 
Wb.  VI,  U9.       ^ 

lang,  adj.  u.  adv,  1.  hmgus.  Sprw.: 
Wer  lang  hat,  läfzt  lang  hangen,  zum 
Wohlhabenden,  der  Aufwand  machen 
kann.  Hennig,  141,  meint,  dafz  die 
langen  Gewänder  der  reichen  Vorvor- 
dem  die  Entstehung  des  Sprichwortes 
vcranlalzt  haben.  Das  ist  so  lang,  so 
breit,  es  ist  völlig  gleich  —  wie  ich 
z.  B.  eine  Sache  ausführe.  2.  zähe; 
von  Speisen  und  Getränken.  Das  Essen 
wurde  mir  so  lang  im  Munde.  3.  dünn, 
wässerig;  von  Brühen,  Suppen.  Das 
ist  eine  lange  Suppe,  4.  entlang,  längs. 
di  littouwsche  dit  gesezzin  di  der  Memil 
lanc.  Jeroschin,  139b  Pfeiffer, 
185. 


8 


Langbau  ra  —  Lanke. 


Langbaum,  pitd.  Langböm,  9n.,  Baum, 

der  die  Vorder-  and  Hinterachse  eines 
(Leiter-)  Wagens  verbindet. 

Langbroi,  n.,  nach  Hennig,  142,  ein 
kleines  längliches  Brötchen,  welches 
1  Schilling  kostete.  Jetzt  als  beson- 
derer Brotname  nicht  mehr  üblich. 

längdaus,  adv.y  der  Länge  nach.  Längd- 
aus  gehen  —  hauen  (mähen). 

langen,  siv,  1.  reichen,  erreichen,  der 
Länge  nach  ausreichen.  Der  Rock 
langt  bis  ans  Knie,  Lang'  das  Glas 
hei\  Ich  kann  ni^ht  langen^  ich  bin  zu 
klein,  um  den  hoch  stehenden  Gegen- 
stand erreichen  zu  können.  2.  aus- 
reichen, auf  die  Länge  aushalten,  zu- 
reichen. Das  Tu^h  langt  nicht  zum 
Rocke ^  langt  nicht  aus,  reicht  nicht 
hin.  Da»  bijzchen  Mehl  langt  nicht  zu 
einem  Brot,  Das  langt  nicht  hin^  nicht 
hei\  ist  unzulänglich.  Das  Geld  langte 
ist  ausreichend,  hält  für  bestimmten 
Zweck  vor.  Nach  Treichel  beim 
Kartenspiel  beim  Uberstechen :  das  längt 
=  langt  nicht! 

Langgassenträger,  plur.,  zu  Hennigs 

Zeit  Eckensteher,  Arbeitsleute,  in  Kö- 
nigsberg, so  genannt,  weil  sie  sich  vor- 
zugsweise in  den  drei  Langgassen  Kö- 
nigsbergs aufgestellt  hatten.  Hennig, 
142. 
Langhals,  auch  Pfeilschwanz,  Tn.^Spiefz- 

ente,  Anas  acuta.  Drausensee.  Müh- 
ling,  Tiern.,  174. 

Langhans,  m.,  langer  Hans,  auch 
Langmann,  langer  Mann;  in  der  Kinder- 
sprache der  Mittelfinger.  In  der  Ge- 
gend von  Tollniingkehmen  heifzt  er  als 
Nachbar  des  Goldfingers:  Goldapet*  mit 
Hinblick  auf  die  Stadt  Gohlap. 

Langkohl,  wi.,  langgeschnittener  Weilz- 
kolil,  den  man  in  Fleischsuppen  kocht. 

Langmann,  m.,  s.  Langhans. 
Langschnabel,  m.,  s.  Kneifer. 


längst,  praep.  u.  adv.^  längs.    Längst 
der  Wand  —  dem  Zaun  gehen. 

Langstroh,  pltd.  Langströ,  -strau,  n., 

langes,  ungeknicktes  Roggenstroh,  wie 
man's  zum  Dachdecken  gebraucht,  ge- 
wöhnlich Richtstroh  (s.  d.). 

Langut,  n.^  von  dem  poln.  lan  Hufe, 
Lehngut  in  Westpreufzen  und  Erniland 
zur  Zeit  der  polnischen  Herrschaft,  das 
bei  einem  allgemeinen  Aufgebot  einen 
völlig  ausgerüsteten  und  in  den  Waffen 
geübten  Krieger  zu  Ful'z  zu  stellen 
hatte,  sonst  aber  von  allen  weiteren 
Abgaben  and  Lasten  befreit  war.  Zur 
Entstehung  der  Langüter  gab  die  Er- 
richtung einer  regulären  Infanterie  un- 
ter König  Stephan  Veranlassung,  indem 
von  demselben  mit  Zustimmung  des 
Reichstages  verordnet  wurde,  flalz  in 
den  Königlichen  Domaineugütern  jede 
erledigte  zwanzigste  tarifmäCzige  Hufe 
—  deren  jede  aus  einer  Hufe  in  allen 
drei  Feldern,  folglich  aus  drei  Hufgn 
kulmisch  bestand  —  unter  der  oben 
angeführten  Bedingung  vergeben  wer- 
den sollte.  Die  übrigen  19  Hufen 
muCzten  die  sonstigen  Abgaben  und 
Lasten  übernehmen.  Später,  bei  Ein- 
führung eines  stehenden  Heeres,  wurde 
dieser  Natural kriegsdienst  in  eine  Geld- 
abgabe (JLanowe)  verwandelt,  anfanglich 
IQO  Gulden  poln.,  später  16  Thlr.  60  Gr. 
preuGs.  List,  Contributions- Verfassung 
in  Westpr.  und  Ermland.  Beitr.  z. 
Kde.  Pr.  IV,  342. 

Langzung,  Langtung,  m.,  Schimpfname 
für  einen  Verleumder,  Zänker,  Läste- 
rer.    Hennig,  142. 

Lanke,  /.  1 .  eine  Netzreihe,  bestehend 
aus  einem  Sack,  einem  Tuch  und  wie- 
der einem  Sack.  Es  müssen  zicisc/ten 
den  sogen,  Lanken^  sotvie  zwischen  den 
einzelnen  Stak-  und  Kaulbarsnetzen  öff- 
nu7igen  von  20  RiUeii  zum  Durchgang 


Lapatte  —  läppern. 


der  Fische  und  zur  Schiffahrt  ofen 
bleiben.  Fisch.-Ord.  f.  d.  fr.  Haff  §  37. 
Nach  Benecke,  376,  bilden  20  Stör- 
netze, zusammengefügt,  eine  Lanke.  2. 
Busen  des  kurischen  Haffes.  Fisch.- 
Ord.  f.  d.  kur.  Haff  §  12.  Nach  Grimm, 
Wb.  VI,  187,  ist  Lanke,  die  Seite,  eins 
mit  Flanke,  ahd.  hlancha,  lancha,  mhd. 
lanchCy  lanke. 

Lapatte,/.,  Dem.  Lapatchen,  Lapatke, 

Lepatke,  n.  1.  Schulterblatt,  Schulter- 
stuck, besonders  vom  Hasen  und  Reh, 
doch  auch  von  andern  Tieren,  wie 
Hammel  und  Schwein;  nach  Hennig, 
142,  das  Vorderviertel  vom  geschlach- 
teten Vieh.  „Nach  dem  Eulmischen 
Privilegio  mufzte  eine  Lapatte  jedes- 
mal an  die  Herrschaft  gegeben  werden. 
Die  alten  Litauer  beurteilten  aus  den 
Knochen  der  Schweinelapatte  das  Wet- 
ter des  künftigen  Jahres."  Hennig, 
a.  a.  0.  Erl.  Pr.  I,  133.  Lit.  lapatka, 
poln.  u.  russ.  Icpaika  Schulterblatt,  wohl 
Dem.  zu  lit.  lapetäy  poln.  u.  russ.  fo- 
päta  Schaufel;  im  prlz.  Voc.  ist  lopto 
(548)  Spaten,  pette  (104)  Schulter  und 
petiis  (106)  Schulterblatt.  Nsslm., 
Forsch.  2;  TL,  89.  Schmitt,  108; 
Westpr.,  166.  Pierson,  Lit.-Aeq.,  20. 
2.  Sperber,  38:  die  Lopatt  und  Lapatt 
der  Lauf  des  Hasen.  Schemionek, 
23:  Lapattkeii  die  Vorderbeine  vom 
Hasen  oder  Wild.  Hier  das  franz.  la 
patte  Pfote.  Daher  auch  übertragen 
die  Hand.  Enem  bt  de  Lapattkes  nehme, 
ihn  bei  den  Händen  ergreifen. 

Lapitschkeschwenker,  m.,  Slovake,  der 
mit  MausfaUen  etc.  umherzieht,  Töpfe 
mit  Draht  bestrickt.  Aus  dem  poln. 
tapica  Falle,  Mausfalle,  und  dem  deutsch. 
schwenken*,  letzteres  wohl  besonders  in 
Bezug  auf  den  Draht.  Westpr.;  sie 
heifzen  hier  nach  Treicbel  auch  Lapki. 


Man  nennt  diese  Leute  häufiger:  Ratzi- 

faller,  Mausefaller. 

Lapitzer,  ?/».,  s.  Lappjuch. 

Lapki,  m.,  s.'  Lapitschkeschwenker. 

Lappchen,  pltd.  Lappke,  n.,  Dem.  von 
Lappen,  ein  bil'zchen-,  ein  wenig.  B}n 
Lapke  Heu.    Treichel. 

läppen,  sw.,  schwatzen,  albernes  Zeug 
reden,  wobei  Aufschneiderei  und  Luge 
mit  unterlaufen.  Summa,  welcher  Na- 
tivitetsteller  am  hurtigsten  läppen  kan, 
ist  der  beste  und  wertheste  Mann. 
Lineu).,  T  la.  Schmeller  H,  486, 
führt  aus  dem  Jahre  1618  das  Sprich- 
wort auf:  Thaler  klappen,  Wort  läppen, 
dicta  mm  sonant. 

Lappen,  m.,  in  der  Jägersprache  die 
Zeugflicken,  welche  an  langer  Schnur 
ein  Jagdrevier  umschliefzen,  um  das 
Wild  von  dem  Durchgange  abzuhalten. 
Bricht  es  dennnoch  aus  dem  Revier, 
so  ist  es  durch  die  Lappen  gegangen. 
Lost  mer  nich  des  meinste  Wild  dorch 
de  Lappes  gehn!  Dorr,  Driewjagd. 
Hiervon  bildlich  von  einer  Person,  die 
entkommen,  oder  einer  Sache,  die  ver- 
loren gegangen:  sie  ist  durch  die  Lap- 
pen gegangen.  Gegenteils  im  eigentlichen 

wie  bildlichen  Sinne:  belappen,  belapsen. 

Hennig,  U2.  Sprw.  I,  2300.  Sper- 
ber,  20.     Schemionek,  23. 

Lappen jagd,/.,  Jagdreiten  ähnlich  der 
Schnitzeljagd ^  wobei  die  Wegstationen 
durch  Lappen  bezeichnet  sind.  Trei- 
chel. 

Lapperei,  /*.,  von  Lappen.  1.  das  Zer- 
lappte,  in  Lappen  Aufgelöste,  Plunder. 
2.  eine  unwichtige,  unbedeutende  Sache, 
Kleinigkeit.  Manclier  mochte  wol  sehr 
weitlich  lachen,  wai^mb  ich  mit  solcher 
lapperey  zu  marckt  käme.  Linem., 
Uu4b. 

läppern,  sw.,  s.  labbern. 


10 


Lappjach  —  lassen. 


Lappjuch,  m.^  abgerissener,  in  Lappen^ 
Lumpen,  gehender  Mensch,  Herumtrei- 
ber; ein  solcher,  der  überhaupt  nichts 
auf  sein  Aufzeres  halt.  Auch  Lapitzer, 
m,  Mühling.  Lapitzer  könnte  wohl 
von  poln.  lapica  Falle  abgeleitet  sein. 
Vgl.  Lapitschkeschwenker. 

Lappländer,  m.,  ein  in  Kleidern  her- 
untergekommener Mensch,  der  in  Lap- 
pen  umhergeht;  von  dem  Bewohner 
Lapplands  ist  nur  des  Scherzes  halber 
der  Name  geliehen.  Sperber,  44, 
schreibt  LappUnder. 

Lappsack,  m.,  armseliger  Mensch; 
nach  Mühling  auch  ein  alberner,  also 
soviel  wie  Laps, 

Laps,  m.,  läppischer,  alberner,  un- 
gehobelter Mensch;  nach  Treichel 
auch  Laphans,  in  den  Gedanism.  Flaps. 
Es  18  ein  rechter  Laps.  Du  wärscht  e 
LapSy  du  bo8t  e  Laps  on  warscht  e 
Lapske  hltwe,  Sprw.  I,  2304.  Ee^  rep 
de  Spej'zmann:  Oler  Laps,  nomm'  dach 
e  Schnaps!  Firmenich  III,  116a.  Bei 
Bernd,  153:  der' Ldppsch;  bei  Sall- 
mann,  18b:  Laps  Eind.  Davon  lap- 
slg,  adj,,  läppisch,  albern,  unreif  an 
Gestalt  und  Wesen.  Er  ist  lapsig  — 
sieht  lapsig  aus. 

tapsen,  sw.,  entwenden,  stehlen;  auf 
Exekution  kommen.  Davon  Lapser,  m., 
Dieb,  im  Ermlande  mehr  noch  Exeku- 
tor, lapsersch,  adj.y  diebisch;  im  Erm- 
lande mehr  abdringend,  quälend,  zwin- 
gend.    Mühling. 

Lapshans,  m.,  lapsig,  adj.,  s.  Laps. 

Larbe,  /.,  Larve.  Man  kennt  den 
Falcken  an  der  Färb  So  hat  sein  (des 
Bräutigams)  Wandel  keine  Larb.  Cann. 
nupt  I,  262. 

Lanil,  9n.,  zunächst  Lärm,  dann,  da 
68  auf  Hochzeit  oder.  Eindtaufe  mun- 
ter und  laut  herzugehen  pflegt,  Hoch- 
zeits-  oder  Eindtaufisschmaus.    Will  bei 


solchen  Festen  die  Munterkeit  nicht 
recht  aufkommen,  so  fragt  man:  ös 
hier  Zarm  oder  Larmf  Samland.  Zarm 
(s.  d.)  =  Festmahl  beim  Begräbnis. 

Lftrmstange,  /.,  grol'zcr  Mensch,  na- 
mentlich grofzes  Frauenzimmer.  Sie 
ist  eine  wahre  Lärmstange, 

Las,  77».,  s.  Lachs. 

lasch,  ad}.,  lässig,  träge;  feige,  mut- 
los, schlaff,  matt;  mnd.  la>s,  lasch;  franz. 
lache,  En  lascher  Lakai  g§ft  ''nen 
frischen  Tapper  (Zapfer).  Dorr,  1. 
Wiew.,  18.     Sperber,  44. 

Lasche,  Latsche,  /.   1.  ein  als  Keil, 

Streifen  oder  Zwickel  angesetztes  Stück, 
besonders  an  Kleidungsstücken.  Die 
Latsche  im  Hemd,  Keil  im  untern  Teile 
des  Ärmels;  sie  heifzt  auch  Winnlatsphe, 
weil  durch  sie  die  Weite  des  Ärmels 
gewonnen  wird.  Mühling.  Klein 
II,  233,  hat  für  Danzig  Windlatsche. 
Die  Latsche  am  Rock,  die  Platte  an 
der  Seitentasche.  Vgl.  Adelang  11^ 
1910.  Grimm,  Wb.  VI,  210.  2,  Strei- 
fen,  Lappen,  Fetzen  überhaupt,  er  wart 
also  zuhouunn,  daz  man  mocJUe  schau- 
win  im  hengin  von  dem  libe  bloz  man-- 
chin  vleischis  laschin  gröz,  Jeroschin, 
99c.     Pfeiffer,  186.     Vgl.  latschen. 

laichfir,  adj.,  leicht^  bequem,  unge- 
zwungen, das  franz.  Idger,  Sperber, 
44. 

Lasker,  m.  jüd.  Vom.  Lascaris.  Fla- 
tow.     Schmitt,  112. 

lassen,  pltd.  late(n)  ia  =  d),  st.    1. 

sinere.  2.  mögen,  sollen.  La/z  er  man, 
mag  er  doch!  La/z  er  man  kommen! 
La/z  ihn  man  reden!  La/z  er  das 
nicht  noch  einmal  thun!  La/z  er  doch 
gehen!  Ldt  em  manrtde.  Volksr.,  38, 
147.  3.  kleiden,  aussehen,  sich  machen, 
sich  geziemen,  scheinen,  das  Ansehen 
haben.  Dat  lett  em  e  mal  stramm,  das 
kleidet    ihn    einmal    schön!     4.    aufzer 


Last  —  Latsche. 


11 


sich  sein;  sich  nicht  bergen,  retten 
können.  Öck  wüst  mt  nich  to  lote  ver 
Lache.  Dat  measchte  huckt  he  (der 
Späfzemacher)  dem  Lehra  op'm  Ledda^ 
de  »öck  ganich  to  loate  umst  Boldt, 
7.  Ahd.  Idzan,  Idzen,  mhd.  lazen.  Vgl. 
Sprw.  II,  1658  f.  '    .. 

Last,  /.,  Zasaromenfassung  von  60 
Scheffeln  (Getreide)  zu  einer  Einheit. 
Ein  Schiff  von  x  Last^  zur  Bezeich- 
nung der  Grölze  des  Fahrzeuges  Vgl. 
Wispel. 

LastadiS,  Lastadje,  /.,  Ladeort  an  den 
Flulzufem  von  Handelsstädten.  Die 
Lastadie  (Laatadiengasse)  in  Königs* 
berg  —  in  Damig.  Mnd.  lastadie,  hoU. 
lastadje.  Nach  Adelung  U,  1919,  aus 
dem  von  Last  geformten  mit.  lastadium 
und  lastagium  Ballast,  Schiffsfracht, 
fmz.  lestage,  engl,  lastage. 

Lasterbalg,  m.,  Schimpfwort  schon  zu 
Jeroschins  Zeit  .  .  .  ein  engistltche 
valscheit,  in  der  sich  mit  gelubede  wdÜc 
ziizin  sus  der  lastirbalk  41b.  kegn  des 
tuväs  lastirbalc  46c.  Pfeiffer,  186. 
In  jetziger  Zeit  ist  Balg  in  diesem 
Sinne  sächlichen  Geschlechts. 

Labbauer,  m.^  Bauer,  dem  Land  und 
Inventarium  seiner  Besitzung  nicht 
eigentumlich  gehörten,  sondern  von 
der  Gutsherrschaft  nur  belassen  vira- 
ren;  er  konnte  mithin  sie  auch  nicht 
vererben.  Die  weitere  Vergebung  der 
Besitzung  an  einen  der  Angehörigen 
blieb  ein  Vorrecht  des  Gutsherrn.  Im 
Öffentl.  Anzeiger  des  Amtsblattes  der 
Eönigl.  Regierung  zu  Königsberg,  1840, 
Nr.  35,  8.  280,  wird  von  Seiten  des 
Land-  und  Stadt-Gerichtes  Wormditt 
der  adliche  LaJzbaiLerhof  Thalbach 
Nr.  4,  zum  geistlichen  Stifte  Krossen 
bei  Wormditt  gehörig,  zum  Verkaufe 
ausgeboten.     Mühling. 


Lafzbauerhof,  m.^  Hof  eines  La/zbauem. 
S.  das  vor. 

LafzdUnkel,  m.,  eingebildeter  Mensch. 
Dieses  sei  zu  gefallen  dem  Einfältigen, 
atu:h  wol  vielleicht  einem  und  dem  an- 
deren La/zdünkel  cmgezeiget.  Linem., 
S2b. 

lat,  adv.,  spät.  En  bet  to  lat,  is  vel 
to  lat,  ein  biizchen  zu  spät,  ist  viel  zu 
spät.  Gr.  Werder.  Freej  op  de  Beer! 
on  lat  fiit  Bedd.  Dorr,  1.  Wiew.,  27. 
Leewer  dree  Stunden  to  freej,  as  eene 
Minut  to  lat  Ibid,,  50.  In  Hessen 
Mte  spät  am  Tage,  zur  Abendzeit. 
Vi  1  mar,  237,     Vgl.  lOt 

LatallHz,  m.,  dämonisches  Wesen,  dem 
Alf  (s.  d.)  gleich,  schwarz  mit  feurigem 
Schweife,  der  den  Seinen  durch  den 
Schornstein  die  Kisten  und  Kasten  mit 
Schätzen  füllt.  Er  hat  den  Latallitz, 
ihm  gedeiht  alles.  Mewe.  Berent. 
Carthaus.     Treichel.     Vgl.  Parok. 

Latke,  Latkeblatt,  Pflzn.,  s.  Lottchen- 
blatL 

Latsch,  f.  Bei  Pr.-Eylau  Name  fQr 
ein  Wäldchen :  die  krumme  Latsch.  Mnd. 
las,  lasche,  keil-  oder  zwickeiförmiger 
Streifen;   Gehre.     Mnd.  Wb.  H,  630a. 

Vgl.  Lasche. 
Latsche,    LAtsche,   /     1.   plumper, 

groizer  Fufz;  Latschen,  plur.,  auch  weit 
ausschreitende  Beine.  Sperber,  42. 
2.  schlechter  niedergetretener  aus- 
schlüpfender Schuh.  In  Hessen  Datsche, 
Latschen^  Latsche  der  aus  Lumpen  oder 
Salbenden  zusammengenähte  oder  zu- 
sammengeflochtene Schuh  (wohl  unsere 
Wuschen)  ärmerer  Leute,  zumal  der 
Frauen;  von  Tatze.  Vilmar,  66.  238 
In  Posen  Latsche  in  ihrem  Anzüge 
nachlässige  Person,  namentlich  weib- 
lichen Geschlechts.  Ich  bin  ein  Ldht- 
schel  gewesen,  desto  besser  kann  ich  jetz 


12 


latschen  —  laufen. 


vnrthschaften.  Soph.  R.  I,  634.  3. 
Federbüschel  an  den  Füfzen  der  Hüh- 
ner und  Tauben:  LaUchfufze^  haizehr- 
kühner^  Latschtatiben. 

latschen,  »w.,  auch  latschen,  in  Lat- 
schen gehen;  schlürfend,  schleifend 
gehen,  als  trüge  man  latschen.  In  Est- 
land litsch-latsch  lautnacbahmend  vom 
schleppenden  Gang.  Sallmann,  70a. 
verlatschen,  Schuhe  schief  treten,  aus- 
treten, zu  Latschen  machen;  auch  aiis- 
latschen,  herumlatschen,  latschend  um- 
hergehen, in  latschigem  Schuhwerk 
gehen.  Marold  hat  für  latschen  und 
die  Komposita  lautschen,  Treichel 
ISschen;  auch:  Eine 'runtei^ldtschen^  eine 
Ohrfeige  austeilen. 

latschig,  läbchig,  adj.  von  latschen^ 
nachlässig,  ohne  Halt;  von  der  Klei- 
dung, vom  Gange.  Südlich  und  Iaht- 
schig  bei  zunehmendem  Mangel.  Soph. 
R.  HI,  231.  Die  des  morgens  recht 
lahtschig  aussehen.  Ibid.  VI,  477. 
Schemionek,     23:      ladschig.       Vgl. 

schludrig. 
Lattenzaun,  pltd.  Lattetfin,  m.,  Zaun 

aus  Lattenstaben  oder  Staketen,  daher 

auch  Stakfitenzaun. 

Latze,  /v  Klappe  oder  auch  (neuer- 
dings) Spalte  an  der  Männerhose;  sonst 
allgemein  der  Latz.  Vgl.  Brustlatz.  S. 
Grimm,  Wb.  VI,  282. 

lau,  adj.^  mild.  Laues  Wetter;  lauer 
Winter.  Schon  bei  Jeroschin:  Nu 
was  der  wintir  aho  Id  70b.  Pfeiffer, 
185. 

Lau,  m.y  der  Leu,  Löwe.  In  Danzig 
heilzen  Speicher:  der  goldene,  der  rote 
Lau  (Passarge,  112);  in  Königsbei^ 
giebt  es  einen  Lauen-Krug. 

Laube,  im  Ermland  Lfiwde,  /.,  be- 
deckter, vom  und  an  den  Seilen  offe- 
ner Vorbau,  von  Säulen  getragen.  Bei 
den  Häusern  um  den  Markt  in  Marien- 


burg und  in  den  ermländischen  Städ- 
ten, wo  die  an  einander  hängenden 
Lauben  einen  verdeckten  Gang  die 
ganze  Marktstrafze  entlang  oder  den 
Markt  umischlielzend  bilden.  In  den 
Lauben,  im  Volksmunde  Lewen^  Löwen, 
Lewden,  bieten  Kleinhändlerinnen  ihre 
Waren  feil.  An  den  vereinzelt  stehen- 
den Landhäusern  nennt  man  diese  Vor- 
hallen Vorlauben  (s.  d  ).  Schlecht  ver- 
hochdeutscht  von  dem  altpr.  lubbo^ 
Zimmerdecke,  Bretterlage  über  den 
Balken,  lit.  lubcL,  gew.  im  Plur.  lubos; 
im  Lett.  ist  lubba  wie  oben  Laube. 
Zu  vergleichen  poln.  lub  Wagendecke, 
russ.  pa-liiba  Schiffsdeck.  Nsslm. 
Thes.,  97.  In  Posen  LöwCy  Ijobe.  Bernd, 
158. 

Lauben,  m.,  Fischn.,  s.  Häsling. 

Laubenkraut,  n.,  gemeiner  Teufels- 
zwirn, Lycium  barbarum  L.,  weil  es 
als  Zierstrauch  zu  Lauben  herangezo- 
gen wird.     Treichel,  Volksth.  II. 

Lauchel,  Pflzn.,  Knoblauchs-Hederich, 
Erysimum  alliaria  L.     Hagen,  694. 

Lauenberg,  Wald  zwischen  Herms- 
dorf und  Zinten.  Gd  na  Laueberg  Zege 
hede.  Zum  alten  tJunggesellen,  zur  alten 
Jungfer.     Sprw.  I,  1146. 

Lauend,  /,  s.  Leinwad. 

lauem,  pltd.  lQre(n),  ^ir.,  harren,  war- 
ten. Ldt  ons  nick  lang  Iure,  Det  Ber 
wat*d  ans  versure!   Volksr.,  225,  12.    S. 

belauem. 

laufen,  pltd.  Idpe(n),  st.  1.  in  Redens- 
arten: Er  läuft  sich  die  Beine  ab  — 
läuft  sich  das  Genick  ab  —  er  bemüht 
sich  ei£rig,  namentlich  durch  viele  Gänge 
um  eine  Sache.  Er  läuß,  dafz  ihm 
die  Hacken  ßiegen,  sehr  schnell.  Er 
läuft  wie  ein  Fajzbinder  —  wie  die 
Katz  von  Sinnen  (?).  He  lept  mot  de 
Lvs  dm  e  Wedd.  Wer  läu/t^  ist  gut 
Jagen,     Hei  lept  tcie  de  Filzlüs   op    de 


Laufschwarke  —  Laaser. 


13 


geteerte  Presenning.  Lat  em  lope,  os 
nich  om  Foss.    Vgl.  Sprw.  I,  2318  ff.; 

II,  1661  ff.  2.  von  Gefafzen,  die  leck 
sind:  der  Eimer  —  die  Wassertanne 
lauft. 

Laufschwarke,  /.,  die  laufende,  d.  i. 
schnell  ziehende  Schwarke  (s.  d.)  = 
Regenwolke.     Hennig,  142. 

Laufspule,  pltd.  LOf-,  LOp8pOI(e),  /., 

groJ'ze  Spule,  worauf  das  zur  Scherung 
gehörige  Garn  von  der  Garnwinde  mit- 
tels des  Spulrades  (mit  breitem  Lauf) 
gewunden  wird.  Die  Zahl  der  Lauf- 
spulen beträgt  gewöhnlich  20,  oft  noch 
einmal  so  viel.  Auf  jede  Spule  mui'z 
das  gewisse  Garn,  die  bestimmte  An- 
zahl Stucke,  Gebinde  kommen.  Das 
•  Wirkgestell,  126. 

Lauftagel,  m.,  bei  Stein,  Peregrinus 

III,  7,  unter  res  nauticae,  Tagel  (s.  d.) 
s.  V.  a.  Strick. 

Laura,  blav£^  Pflzn.,  Winde,  ConvoU 
vtdus  tricolor  L,  Weichseldelta.  Trei- 
chel,  Volksth.  IH. 

Laurin,  Pflzn.,  gemeines  Tausend- 
guldenkraut, Efryihraea  centaurium  L, 
Hagen,  255.     Hennig,  143. 

Laus,  pltd.  LOS,  f.  Vielfach  in  Sprich- 
wörtern und  Redensarten.  £}r  hat  sich 
eine  Laus  in  den  Pelz  gesetzt  Wenn 
de  Lüs  ut  em  Schorf  gehawe  ward,  denn 
ward  se  schäftig,  E  Lus  ön  e  Komst 
os  beter  als  gar  kein  Flesch.  Wenn  der 
Junge  die  Mutze  abzunehmen  vergifzt 
(beim  Grul'z  oder  Eintritt  ins  Zimmer): 
Jungy  hast  Angst,  dat  dt  de  Lues  ter- 
frere.  Vgl.  Sprw.  I,  2324  ff.  Studen- 
tischer Ausdruck:  Nicht  die  Laus,  nicht 
das  Geringste.  Der  Mensch,  vergUchen 
mit  der  Laus:  Wie  eine  Laus  kriechen; 
—  geschäftig  —  karsch  —  lustig  — 
schäftig  sein;  wählig  sein  wie  eine  Laus 
int  Schorf;  —  sich  pflegen  —  den  eige- 
enn    Willen   haben   wie   eine  Laus   im 


Schorf;  —  karwendig  —  luchter  sein 
wie  eine  Kleiderlaus;  —  einem  auf  dem 
Halse  sitzen  wie  eine  Laus,  Korrespbl. 
m,  52. 

Lausangel,  pltd.  LOsangel,  m.,  Schimpf- 
wort; dem  eigentlichen  Sinne  nach  zer- 
lumpter, lausiger  Kerl,  „gleichsam  eine 
Angel  für  die  Läuse**.  Sperber,  20. 
Das  Brem.  Wb.  I,  18,  weist  für  die 
Herleitung  auf  die  alten  Angeln  hin, 
„welche  (ihrer  Seeräubereien  wegen) 
vielleicht  bei  den  übrigen  Sachsen  im 
Übeln  Ruf  gewesen  als  heimtückische 
und  garstige  Leute  . . . ,  so  dafz  man 
einen  verhalzten  Menschen  einen  An- 
gel genannt  hat**.  Da  aulzer  Laus- 
angel (hier  übrigens  Lau-sangel  ge- 
sprochen) anderweitig  noch  weitere  Zu- 
sammensetzungen mit  Angel  auftreten, 
wie:  Netangel,  der  Nisse,  Lauseier  hat, 
Fretangel  Fresser,  Fletangel  Grobian, 
Zotenreii'zer,  Glür-  oder  Lürangel  heim- 
tückischer, lauernder  Mensch,  Spudd- 
angel  Schmutzfink  u.  a.,  so  deutet  das 
Mnd.  Wb.  I,  88b  an,  dafz  Angel  sich 
vielleicht  auf  anghe  (^hanghe)  Natur, 
Wesen,  Gewohnheit  (bei  uns  auch 
Angewohnheit)  zurückführen  lasse. 

Lausbart,  pltd.  LQsbart  (a  =  a),  m., 

Kerl,  der  im  Bart  Läuse  hat;  Schimpf- 
wort. 

Lauschenknicker ,    pltd.   LQskeknUcker, 

Läuseknicker,  in  der  Kindersprache  der 
Daumen.     Volksr.,  32,  124. 

lausen,  pltd.  IQse(n),  sw.  1.  nach  Läu- 
sen suchen.  2.  einen  züchtigen, .  durch- 
prügeln. Öck  war  dt  lüse!  als  Drohung. 
3.  betrügen,  ausbeuteln.  Se  hebbe  mt 
got  gelüst. 

Lausepulver,  n.,  s.  KuckuckssaaL 

Lauser,  pltd.  LQser,  m.,  Mensch,  der 

Lause    hat.       Bei    Stein,    Peregrinus 

XIII,   88,    unter    den    Schimpfwörtern 

neben  Lausbart,     Das.  90:    Laushund, 


14 


lausern  —  lawen. 


Lauspungel  als  Schimpfwort  unter  Ehe- 
leuten.    W.  Mtsbl.  VI,  159.  173. 

lausern,  pltd.  iQsem,  sw,^  lauernd  zö- 
gern, zaudern,  verziehen,  saumselig 
warten,  langsam  sich  fördern,  langsam 
arbeiten.     Latcser  nicht  so  lang! 

Lausetag,  pltd.  LQsdag,  7/1.,  Tag,  an 
dem  den  Kindern  die  Läuse  abgekämmt 
werden,  der  Sonnabend.  Vgl.  Kamm- 
tag. 

Lausharke,  /.,  Harke,  Rechen,  für 
Läuse,  Umschreibung  für  Kamm.  Volks- 
ausdruck? 

Laushund,  m.,  Schimpfwort,  s.  Lauser. 

lausig,  pltd.  IQsig,  adj.,  mit  Läusen 
behaftet.  Beliebtes  Schimpfwort:  lau- 
siger Kei*l  —  Hund  etc. 

Lauskamm,  m.,  Kamm  für  Läuse, 
dichtef  Kamm.  Vgl.  klattem  u.  Nufz- 
kamm. 

Lauspungel,  m.,  Schimpfwort,  s.  Lau- 
ser. 

Lauswenzel,  m.,  schlechter  Rauch- 
tabak, Tabak,  an  dessen  Rauch  selbst 
Läuse  zu  Grunde  gehen.  He  schockt 
ml  na  e  Packke  vom  dtre  LvswenzeL 
Kgsbg.     Firmenich  I,  102b. 

laut,  pltd.  IQt,  adj.  laut  werden  — 

vom  Hunde,  der  auf  der  Fährte  des 
Wildes  anschlägt.  Wenn  §k  dittmal 
lud  warr^  on  §k  heww  keene  Spar  (Spur, 
Fährte)^  denn  trat  mi  miendag  nick 
mehr.    Dorr,  1.  Wiew.,  101. 

lauten,  pltd.  lUdde(n),  sw.,  läuten.  Die 
Glocken  lauten. 

lautschen,  sw.^  s.  latschen. 

lavieren,  pltd.  Iaw6re(n),  8w.   1.  hin 

und  her  segeln,  um  gegen  Wind  vor- 
wärts zu  kommen.  2.  bildlich:  widri- 
gen Verhältnissen  durch  Abwarten  und 
geschicktes  Entgegenwirken  vorbeugen, 
entgegen  arbeiten,  Umwege,  Umschweife 
machen,  wenn  man  auf  geradem  Wege 
nicht   zum   Ziele   gelangt.    He  lawert 


vne  Boldt  öm  Landgräwe^  er  kommt 
nicht  zum  Ziel.  Danzig.  Sprw.  I,  2339. 
Hennig,  143. 

Lftwd, /.,  s.  LAwe. 

Lftwe,  LAwd,  LAbe,   LObde,   LUwd,  /. 

1.  Verlobung,  die  im  Ermlande  feier- 
lich durch  den  Geistlichen  geschieht. 
Item^  Wann  Lobde  geschickt^  da.zu  sollen 
personen  vber  fünff  nicht  körnen^  den 
Breütigam  mit  ein  gerechent  Kleider- 
Ordnung  in  Königsberg.  N.  Pr.  Prov.- 
Bl.  a.  F.  Vn,  374.  De  Lawd  on  de 
Kesting  koste  foats  e  poa  Hundat.  Ermld. 
Freisch.,  10.  2.  der  Schmaus  nach  der 
Verlobung.  Ermland.  Mnd.  lovede, 
lovete^  lofte.  Nsslm.,  Forsch.  2,  führt 
die  Formen  Ldwe,  Lobe^  Lobde  auf 
das  Altpr.  zurück;  sie  gehören  nach 
seiner  Angabe  augenscheinlich  der  Wur- 
zel an,  von  der  wir  im  Katechismus 
lubnigsy  luieniks  der  Kopulierer,  lubir- 
laiskas  Traubuch,  Trauformular,  sa-lu- 
ban^  salavban  Ehe,  sa-lubsna  Trauung 
haben.  Lit.  litibyju^  liübyti  gern  haben, 
lieben,  susi-liübyti  sich  lieben,  Neigung 
haben  einander  zu  heiraten.  Vgl.  auch 
Nsslm.  Th.,  97, 

LAwegeld,  Lobegeld,  n.,  Abgabe,  welche 
bei  der  Verlobung  eines  Paares  zu 
entrichten  war.  Wir  heben  auf  und 
tödten  in  ganz  Preussen  alle  üngelde^ 
Accisen^  Lawegelde  etc.  Begnadigungs- 
schrift des  Polenkönigs  Wladislaw  Ja- 
gello  v.  J.  1410.  Verschieden  im  Sinne 
ist  das  Lobegeld  der  älteren  deutschen 
Rechtssprache,  lat.  laudemium.  Vgl. 
Adelung  II,  2082.    Nsslm.,  Forsch. 

2.  Hennig,  143. 

Lawelbier,  pltd.  LawelbSr,  n.,  mnd. 

lovelber^  Gastmahl  bei  der  Verlobung, 
Verlobungsfeier.  In  der  Landesordnung 
des  Siegfried  von  Feuchtwangen,  Art. 
12.    Hennig,  143.    Vgl.  Kindelbier. 
läwen,  sw.    1.  loben,  preisen.   2.  dem 


Lebas  —  Lebenskraut. 


15 


Werte   Dach   schätzen,    veranschlagen,  sön,   Dat  ös  e  Lewe  vde  öm  Lehm,   Das 

den  Preis  angeben.     Wat  Idwe  se  dat  Leben  üt  jetzt  Gras^  es  geht  damit  zu 

Toppke,   was  loben  sie  das  Töpfchen,  Ende,  ist  in  Gefahr;  auch  als  scherz- 

was  soll  es  kosten?    3.  verloben.    Das  hafte  Drohung.    Vgl.  Sprw.  I,  2340 ff.; 

ahd.  lobon^  hpon  u.  loben^  wie  das  mhd.  II,  1671  ff.     2.  lautes,  unruhiges  We- 

loben  haben  aufzer  der  Bedeutung  un-  sen,  Lärm.     Mach  nicht  solch  ein  Le- 

ter  1,  auch  noch  die  von  geloben  und  hen!  ruft  man  dem  lärmenden  Knaben 

versprechen.     Vgl.  Lftwe.  zu.    Er  macht  von  der  Geschichte  ein 

Lebas,    m.^    fauler,    träger   Mensch,  so  grofzes  Leben,  d.  i.  Aufheben,  spricht 

Treichel.    Wäre  das  Wort  gleichbed.  viel  darüber. 

mit  Dummkopf,  so  würde  es  zurück-  Lebensbaum,  m.,  wuchernder  Stein- 
zufuhren sein  auf  das  poln.  ieb  Kopf  brech,  Saadfraga  sarmentosa  L.,  auch 
in  verächthchem  Sinn.    Mrongov.  I,  Schusterblume,  (?).  Treichel,  Volksth., 


193a.    Vgl.  Lorbas. 
lebbem,  sw.y  s.  labbern. 


II,  20. 
Lebensgeist,  pltd.  Lewensgeist,  m.,  Zu- 


leben,  pltd.  Iewe(n),  sw.,  in  zahlreichen  sammensetzung   aus   Oeist  und  Leben. 

volkstümlichen  Redensarten  und  Sprich-  He  heft  Lewensgeistei'y  er  ist  ein  geizig 

Wörtern:    Er   lebt   auf  Regiments  ünr  begabter,  geweckter  Kopf. 
hosten  —  vom  Winde  —  von  Essen  und       Lebenskraut,  pltd.  Lewenskrflt,  n.,  Fett- 

Trinken  —  wie  Gott  in  Frankreich  —  henne,  Sedum  telephium  L.   Der  Name 

wie  die  Made  im  Speck  —  wie  ein  Mo-  rührt  daher,  dai'z  die  Pflanze,  in  freier 

tador.   He  lewt  üt  Solt  on  Wäter^  sehr  Luft  hängend,  zu   vegetieren  fortfahrt 

elend  —  wie  Forschte  Sü  on  e  Sesswäke^  und,   nach    der  Volksmeinung,   Leben 

es  geht  ihm  sehr  gut.    Er  lebt  vne  der  und  Tod  anzeigt;  daher  beü'zt  sie  nach 

Bauer   auf  seinen   Hufen  —   tvie  der  Mühling   in  der  Gegend   von   Rössel 

Bauer   Kieunt  in  Lohberg  —  une   der  auch  Leben  und  Sterben.   Hagen,  478: 

fapst  von  Lenzen  —  he  lewt  so  as  Bo-  Wenn  sie  in    einer  Stube,    worin   ein 

napat  om  (am?)  Heckeposte.    Jerrento-  Kranker  ist,  unter  den  Balken  gescho- 

witz.    Er  lebt  auf  seine  eigne  Hand  und  ben,    aus  wächst,    so  zeigt    dieses    die 

kocht  sieh  selber.    Je  länger  da/z  man  Wiederherstellung  des  Kranken  an;  ge- 

lebt,  je  mehr  einem  widerfahrt.    Pannke  schiebt  dieses  nicht,    so  hält  man  ihn 

fett  leben.    Wt  lewe  rtw  on  niche  Johrke  für  verloren.    Nach  Hagen,  a.  a.  0. 

so  lang.    Warscht  lewe,  warscht  sehne  —  schleicht  sich  auf  dem  Lande  das  un- 

war  wie  lewe,  war  wi  sehne  u.  a.     Se  verheiratete  Gesinde  in  der  Johannis- 

lewe  vom  Profit  on  föhre  Stdt  vom  Be-  nacht,  weun  der  Hahn  zum  erstenmal 

drege.     Dönh.     Vgl.  Sprw.  I,   2346  ff.;  kräht,    auf   das   Feld    und    sucht   die 


n,  1674  ff. 


Pflanze  auf.    Diese  wird  den  folgenden 


Leben,  pltd.  Lewe,  in  der  Dzg.  Nhrg.  Tag  zwischen  11  und  12  Uhr  mittags 

LBwen,  n.    Vi o  16t,  102.    1.  in  Sprich-  unter  einen  Kreuzbalken  versteckt  und 

Wörtern  und  Redensarten:  E  Lewe  ohne  täglich  besehen.    Hält  sie  sich  bis  den 

Lew  ÖS  wie  e  Hund  ohne  Zägel  —  toie  zwölften  Tag  frisch,    so    bekommt  die 

e  Hund  fei'  e  Gfvsche.     He  frett  sock  Dirne  in  dem   Jahr  einen   Mann  und 

dat  Lewe  af  er  verzehrt  sich  in  Gram,  der   Knecht   eine  Frau.     Verdorrt   sie 

Fer  solk  Lewe  schon   lewer    verheiräft  dagegen,    so    bedeutet    dieses    Böses 


tma» 


uBSsacaBM 


JEm 


16 


Leben  —  Lecks. 


und  wohl  gar  den  Tod  dessen,  der  eine 
fröhlichere  Vorbedeutung  erwartete. 
In  der  Gegend  von  Saalfeld  wird  als 
Lebenskraut  Sedum  mcucimum  unter 
die  Stubendecke  gehängt  „für  jeden^ 
wo  (den)  man  will:  für  Vater,  Mutter, 
Schwester  etc."  Abgekochtes  Sedum 
max.  liefert  einen  heilsamen  Trank. 
Auch  benutzt  man  nach  Treichel  im 
Weichseldelta  als  Lebenspflanze  den 
Gartenkohl,  Brassica  oleracea  L.,  indem 
man  am  Johannisabende  einzelne  Pflan- 
zen für  die  Angehörigen  einpflanzt. 
Weil  die  Pflanze  in  der  Johannisnacht 
gesammelt  wird,  heifzt  sie  auch  Johannis- 
kraut   Vgl.  Volkskal.,  113. 

Leben  und  Sterben,  Pflzn.,  s.  das  vor. 

Leberwurst,  pltd.  Lfiwerworscht,  /.    1. 

Wurst  von  Leber.  2.  Name  im  Volks- 
witz: Hans  Hans  Lcwerworscht^  lewt 
dtn  öl  Wiw  noch?  Ja^  ja^  se  ISwt  noch^ 
liggi  öm  Bed  on  zabbelt  noch, 

Lechel,  n.,  s.  LächeL 

lecken,  pltd.  lUcke(n),  sw.  1.  rinnen, 
triefen,  tropfenweise  flrel'zen.  Der  Eimer 
leckt^  er  hält  nicht  dicht,  ist  verspakt. 
Hennig,  144.  Die  Nase  leckt  ihm^ 
er  hat  starken  Schnupfen.  Das  Blut 
leckt"  ihm  man  so  aus  der  Nase,  ihm 
blutete  die  Nase  heftig.  Bildlich:  Es 
leckt  ihm  in  die  Bude,  er  hat  Schaden, 
Unglück.  2.  wenig,  oder  mit  Unlust, 
langen  Zähnen  essen.  Vom  Lecken  wird 
keiner  fett.  3.  trinken.  Hesiu  ml  sehne 
locke!  d.  i.  mit  Begierde  und  Wohl- 
behagen trinken.  Carm.  nupt  I,  282, 
15.  4.  küssen.  In  ihrem  (der  Nadrauer) 
Ehestande  wird  man  aber  nicht  gewahr, 
dass  sie  si<;h  so  öf  entlich  lecken,  als  man 
toohl  bei  den  jungen  deutschen  Eheleuten 
siehet  Pierson,  Matth.  Prätor.,  93. 
Das  viele  Lecken  setzt  blaue  Flecken, 
die  Zärtlichkeit  während  der  Braut- 
schaft schlägt  in  der  Ehe  oft    in    ihr 


Gegenteil  um.  Wenn  vmn  en  Possken 
von  erem  Fell  on  Leppen  leckt  Carm. 
nupt.  I,  298.  5.  sich  sauber  und  rein- 
lich kleiden.  Sie  ist  wie  vom  Bullen 
geleckt,  namentlich,  wenn  das  Haar  glatt 
und  glänzend  gemacht  ist. 

Lecker,  m.  1.  Appetit,  lebhafte  Be- 
gierde, heftiges  Verlangen.  Sich  den 
Lecker  stillen  —  vergehen  lassen.  Der 
Schmecker  verdirbt  den  Lecker^  zu  Kin- 
dern, wennsie  sich  etwas  „zu schmecken* 
erbitten.  2.  die  Zunge.  Sich  den  Lecker 
verbrennen..    Sprw.  I,  2379. 

leckern,  sw.,  naschen,  für  Süfzig- 
keiten  das  Geld  verthun;    liebeln.     S. 

löffeln. 

Leckgut,  n.  über  die  Schweinsborsten 
haben  die  Königsbergische  Bürstenbinder 
ein  Privilegium,  da/z  kein  sogenannte 
Leckgut,  welches  weifze  auserlesene  £(w- 
sten  sind,  ohn  ihre  Marke  im  Handel 
vertrieben  werden  kann,  Bock,  Nat. 
IV,  248. 

Leckkuchen,  m.,  Lebkuchen,  Honig- 
kuchen. Thomer  Leckkuchen.  Bock, 
Nat.  I,  269. 

leckmaulen,  pltd.  lUckmQle(n),  sw.,  das 
Maul,  die  Lippen  lecken,  nach  etwas 
starken  Appetit  haben.  Ile  leckmült 
OS  Lemke's  Bock  ndm  Arftestroh.  He 
löckmiUt  wie  de  Domnausche  StadtboU. 
In  Domnau  hat  man  einst  den  Stadt- 
bullen an  einer  um  den  Hals  gelegten 
Schlinge  aufs  Stadtlhor  gewunden,  da- 
mit er  das  dort  wachsende  Gras  ab- 
weide. Als  das  in  der  Luft  schwebende 
Tier,  dem  Ersticken  nahe,  die  Zunge 
zum  Rachen  herausstreckt,  schreien  die 
Domnauer  fröhlich:  Seht,  seht,  nun 
leckmault  er  schon  nach  dem  Grase! 
Vgl.  Sprw.  I,  2381. 

Leckmeritzensaft,  m. ,  Lakritzensaft, 
SUCCU8  liquiritiae. 

Lecks  mir  am  langen  Widerhaken,  Me- 


Leckwerk  —  leg. 


17 


dikament.  Elixir  ad  longam  vitam. 
Königsberg. 

Leckwerky  n.,  Med.,  EUctuarium  e 
Senfut. 

L6d,  n.  1.  Lied.  2.  Leid.  Mtn's 
graten  Leck!  ist  nach  Bock,  31,  und 
Hennig,  144,  durchgängig  die  Aus- 
ruf ungsformel  bei  Schreck  oder  Ver- 
wunderung, oder  auch,  wenn  man  etwas 
Übles  befürchtet.  Nach  dem  Preulz. 
Archiv  I,  530,  lautet  der  Ausruf:  Meins 
grojze  Lids!  Er  hat  sich  ein  Leid  ge- 
\han^  er  hat  sich  ums  Leben  gebracht. 

3.  Glied.    Vgl.  Udwasser. 

LCde,  ^/.,  wüst  hegendes  Land,  na- 
mentlich in  Niederungen ;  von  leg  (s.  d.). 
Eis  ist  sehr  wahrscheinlich^  dafz  hieseihst 
nctch  20  oder  30  Jahren  keine  Brücher, 
Leeden  und  ungebauete  Felder  dürften 
angesoffen  werden;  die  wenigere  aus- 
genommen ^  so  einer  Verbesserung  un» 
fähig  sind,  Bock,  Nat.l,  639.  Grimm, 
Wb.  VI,  537:  Lehde. 

Leder,  n ,  Haut  des  Menschen.  Einem 
aufs  Ledergehen,  ihm  mit  Prügel  drohen, 
ihn  durchprügeln.  Sprw.  I,  1.  Enem 
op*m  Ledder  hucke^  ihn  belästigen  mit 
Besuchen,  Aufträgen,  Späl'zen  etc. 

Ledering,  /.,  s.  Gadder. 

Ledermatz,    pltd.    Leddermatz,     9n., 

Schimpfwort:    er  ist  ein  rechter  Leder- 
matz.    Gedanism. 

Lederung,'/.,  s.  Gadder. 

ledig,  pltd.  leddig,  adj.  1.  ledig,  leer. 
De  Buk  ÖS  leddig,  der  Bauch,  d.  i.  der 
Magen,  ist  leer,  ich  bin  hungrig.  2. 
unverheiratet  öck  si  noch  leddig,  Se 
ÖS  en  leddget  Fntenzömmer.  Schon  bei 
Jeroschin:  do  quam  ein  ledic  vrouwil 
gdn  64b.     Pfeiffer,  186. 

LMkauf,  LTdkauf,  m.,  eigentlich  Leid- 
kauf, das  festgesetzte  Reuegeld,  das 
beim  Rücktritt  von  einem  Kaufe  zu 
zahlen  ist     Hinzuweisen    ist   auf   das 

Fritehbier»  Wörterbuch  II. 


mlat.    leudum   Währgeld.      Vgl.    Lein- 

kauf. 

Lfidwasser,  n.,  Wasser  im  Led,  Glied, 
Gliedwasser,  Eiterwasser  unter  der  Haut 
bei  Wunden.  Im  Brem.  Wb.  IH,  64: 
Ledewater, 

Ifidweg,  I6dw6gig,  adf,  in  Königsberg 
auch  I6gw6lig,  wackelig,  gebrechlich, 
ohne  Festigkeit  und  Halt  in  den  Glie- 
dern oder  Fugen.  Von  Möbeln  und 
anderen  Sachen,  aber  auch  vom  Men- 
schen. Das  Rad  am  Wagen  ist  led- 
wegig.  Ein  ledwegiger  Stuhl,  Tisch  — 
ein  ledwegiger  Mensch,  ein  lang  auf- 
geschossener Mensch  ohne  Festigkeit, 
Halt  und  Kraft.  In  Hamburg  und 
Bremen  ledeweek,  Brem.  Wb.  III,  64. 
Der  erste  Teil  des  Wortes  ist  LM, 
Lid,  Glied,  der  zweite  in  dem  ham- 
burg-bremischen  ledeweek:  wek  weich. 
Hennig,  144. 

Leffel,  pltd.  LSpel,  m.,  s.  LOffeL 
leffeln,  pltd.  ISpeln,  sw,,  s.  löffeln. 

I6g,  lag,  adj.  1.  niedrig,  seicht;  ahd. 
läge,  mnd.  lech,  lege,  ags.  Iah,  holl. 
laag,  leeg,  dän.  lav.  Der  Stuhl  ist  lag, 
niedrig.  Der  Bach  ist  lag,  seicht.  Det 
läje  Föld  öm  Woater  steit  Dorr,  18. 
In  Elbing  giebt  es  eine  hohe  und  eine 
leege  Brücke,  letztere  stromabwärts  von 
ersterer  gelegen,  in  Danzig  ein  hohes 
und  ein  leges  Tlior,  auch  eine  lege  Stadt, 
Niederstadt,  als  Stadtteil.  Als  Sub- 
stantiv L6g,  /.,  niedrige  Fläche,  Thal. 
Der  Weg  in  der  Leg  ist  recht  schlecht 
Saalfeld.  Auch  auf  Personen  ange- 
wandt: Hoch  on  Leeg  bedreegen,  Rick 
on  Arm,  hoch  und  niedrig  betrügen, 
reich  und  arm.  Dorr,  1.  Wiew.,  22. 
Ludewig  Napolejohn,  so'n  Kerl,  so  leg 
on  wenig.  Volkslied:  Dat  Danziger 
VoUblod.  2.  abgeschrägt,  abfallend  zur 
Niederung.    Ein  Grahenufer  ist  leg,  es 

schrägt  sich  zur  Tiefe  ab.    Vgl.  Brem. 

2 


18 


LegaD   —  lebreii. 


Wb.  III,  4:  laag.  Schütze  II,  19  u. 
Dähn.,  271a:  leeg.  Hennig,  144. 
Sperber,  21.  ScLemionek,  23. 
Grimm,  Wb.  VI,  68. 

Legan,  d.  i  leg  an,  mache  Halt,  Name 
für  Gast-  und  Wirtshäuser.  Vor  dem 
Steindammer  Thor  Königsbergs  gab  es 
ein  Wirtshaas  Legan,  das  durch  den 
Festungsbau  beseitigt  ist,  \vähren(l  das 
benachbarte  Sprechan^  d.  i.  sprich  an, 
noch  heute  besteht.  In  Danzig  ein 
Legan  an  der  Weichsel.  Hennig, 
144. 

Ugde,  /.,  s.  Lege. 

Lege,  pltd.  Legg,  Legge,  /.,  von  legen^ 

det  Hintere  der  Hühner,  weil  sie  aus 
demselben  die  Eier  legen.  De  Legg 
heft  sock  schon  ganz  verändert^  de  Höh- 
net' wäre  bölä  legge.  Übertragen  auf 
den  Podex  des  Menschen.  Er  hat  eine 
gute  Lege,  Ihm  rei/zt  die  Legge  aws, 
er  läfzt  einen  fahren.  Samland  (Kor- 
kehnen). 

L6ge,  LSgde,  /.,  von  leg^  läg^  niedrig 
gelegene  Stelle,  Vertiefung  in  11  acher 
Gegend.     Mühling. 

Legel,  n.y  s.  Lächel. 
legwSlig,  adj,^  s.  ledwSg. 

Lehmblätter,  Pllzn. ,  groi'z  blättriger 
Huflattich,    Tussilago  petasites   L,     S. 

Lottchenblatt  u.  Pestilenzwurzel.  Hagen, 
867. 

Lehmdiele,  pltd.  LehmdSI,  /'.,  Scheu- 
nendiele, Tenne,  weil  der  Fulzboden 
aus  festgeschlagenem  Lehm  besieht. 

Lehmkaule,  /.,  s.  Kaul. 

Lehmpatze,  /.,  Ziegel  aus  Lehui,  in 
der  Luft  getrocknet,   also   ungebrannt. 

LehmstAke,  /.,  Fachwerk  mit  hölzer- 
nen Sprossen  (ßuikeri)^  welche  mit  Lehm 
ausgeklebt  sind.  Mühling.  Nach 
Treichel  Füllung  in  Wänden,  wozu 
Stücke  Ziegel  nebst  Lehm  und  Stroh 
verwandt  siod;  auch  Klebst&ken.     Nach 


dem  Mnd.  Wb.  H,  662b,  lemstaken 
Flechtwerk  von  Zweigen  und  Pfählen 
mit  Lehm  dazwischen. 

Lehne,  /.,  Pflzn.,  s.  Leinbaum, 
lehnen,  lenen,  leinen,  sw,^  leihen,  bor-. 

gen.  Lehn  mir  doch  dein  Messer! 
Ebenso  in  Liv-  und  Estland.  Hupel, 
141.  Mnd.  lenen^  leJienen,  leinen.  Da- 
von ablehnen, .  weglehnen. 

Lehnsleute,  plur.^  Bezeichnung  für 
alle  diejenigen,  welche  in  der  alten 
Verfassung  bei  den  Anstalten  zum  Han- 
del beschäftigt  waren,  als  die  Korn-," 
Holz-,  Herings-,  Gewürz-,  Flachskapi- 
tane,  die  Messer,  Braker  etc.  Sie 
wurden  mit  ihrem  Amte  vom  Magistrate 
belehnt  und  eingeschworen,  bildeten 
eine  Körperschaft  und  konnten  ihr  Lehn 
auch  an  andere  Personen  verkaufen. 
Danzig.  W.  Seidel,  32.  Vgl.  Be- 
lehnter. 

Lehr,  /'.,  Lehre.  1.  Unterweisung  in 
den  Fertigkeiten  eines  Handwerkes. 
Er  ist  beim  Uhrmacher  in  der  Lehr, 
2.  Unterricht  der  Konfirmanden  in  der 
Religion  durch  den  Geistlichen,  und 
dann  gewöhnlich  Kinderlehre  (s.  d.). 
Sie  geht  in  die  Lehr,  Oberland.  3. 
Unterricht  überhaupt.  Hei  ös  schlecht 
ön  e  Lehr^  vom  Schüler,  der  Lehre 
und  Unterricht  nur  schwer  zu  fassen 
vermag. 

lehren,  pltd.  ISre(n),  oberländisch  ITren, 

5w;.,  Verwechselung  mit  leimen^  wie 
lernen  mit  lehren.  De  Jung  lehrt  nuscht 
ön  e  Scholz  der  Junge  lernt  nichts  in 
der  Schule.  De  Mönsch  ward  alt  wl 
e  Ko  on  lehrt  (lernt)  Ö7nmer  Tnehr  dato. 
Sprw.  I,  44.  Ga  ön  de  Schul  on  lehre 
wat.  Volksl.,  25,  16,  3.  Zum  Lehrer, 
dem  die  Mutter  das  Söhnchen  ziiführt: 
Lernen  sie  ihm  doch  man  gut.  Wer 
hat  dir  das  geleimt^  Ebenso  scliwed. 
löra    lehren    und  *  lernen,    hoU.    leeren. 


Lebrkind  —  Leibstuck. 


19 


Bei  Jeroschin  (3070.  Strehlke):  Di 
Jüdin  —  bi  in  (den  Heiden)  stritin 
lerten  und  dt  iei*e  kei*tin  vurbaz  ouch 
an  ire  kint    S.  ablehren. 

Lehrkifid,  n.,  Konfirmunde. 

Leib,  pltd.  LIW,  n.,  Leib,  Bauch,  Ma- 
^en.  Ins  Leib  schlagen^  essen.  E 
Schdlche  (Schälclien)  icas  Warmes  ins 
Leib,  Das  Leib  tJiut  mir  weh.  Ich 
hab'  ein  schlhmnes  Leib^  Durchfall  mit 
Leibschmerzen  verknüpft.  Die  schmerz- 
lose Diarrhöe  bezeichnet  man  mit 
boses^  offenes  Leib,  Sie  hat  sich  den 
Leib  vollgeärgert^  ist  schwanger  gewor- 
den. In  der  Zusammenfugung  mit  Le- 
ben :  Bei  Leib  und,  Leben  nicht,  durch- 
aus nicht.  Es  fror  mich  übei*  Leib 
und  Leben^  am  ganzen  Leibe.  Dat  ös 
hei  möt  Ltw  on  Lewe,  das  ist  er,  wie 
er  leibt  und  lebt.  Eebb  eck  mtns  Lfws 
Letvs  Dag  solk  Titverdrtw  gesöhne! 
Carm,  nupt  I,  282,  9.     Uennig,  144. 

Leib,  m.  jüd.  Vom.,  Levi.  Auch 
Leibusch^  Lab^  Lobel,  Flatow.  Schmitt, 
112. 

Leibchen,  pltd.  Uwke,  n.,  Dem.  von 
Leib^  pltd.  Ltw,  Frauenjacke  ohne 
Ärmel,  Mieder,  Weste,  Joppe. 

Leibchenkraut,  pltd.  LlwkekrQt,  Pflzn., 

domige  Hauhechel,  Ononis  spinosa  L., 
also  Leibeskraut,  Kraut  für  den  Leib. 
Es  dient  mit  vielen  anderen  Pflanzen 
präparieit  als  Mittel  gegen  Schwind- 
sucht. Der  Name  hängt  wohl  zusam- 
men mit  der  poln.  Bezeichnung  babie 
drzeuso  =  Frauenbaum.  Treichel, 
Volksth. 

Leibgericht,  pltd.  LTwgerUcht,  n.,  Ge- 
richt, das  man  gern  il'zt^  das  dem  Leibe 
lieb  ist.  Heute  hat  die  Mutter  viein 
Leibgericht  gekocht.  Gliek  bringt  evi  de 
Mutschke  ok  hiede  sien  Lietvgeröcht 
Boldt,  19.    J}bs>  Leibgericht  wird  dem 


Kinde  gewöhnlich  zum  Geburtstage  be- 
reitet. 

Leibkuchen,  pltd.  LTwköke,  m.^  kreis- 
runder, aus  Butterteig  gebackener  Ku^ 
chen,    der  vorzugsweise    an  Festtagen 
beliebt  ist.     Zu  Bocks  und  Hennigs 
Zeit   pflegte    man    am    Neujahr    recht 
grolze  Leibkuchen  zu  bereiten.    S  auch 
Bock,  Nat.  1,  270.    Bock,  30,  erzählt 
noch,  dalz  abergläubische  Leute  auf  die 
Neujahrs-Leibkuchen  vor  dem  Backen 
die  Namen  der  Personen  kleben  liefzen, 
an    welche  sie    dieselben    verschenken 
wollten.    Derjenige,  dessen  Kuchen  ge- 
borsten war,   mul'zte,  nach  ihrer  Mei- 
nung, in  dem  Jahre  sterben.  Der  Stamm 
des  Wortes  ist.  wohl   das  goth.  hlaifs^ 
hlaibs  Brot,  ahd.  leib,  leip  und  hlaiba, 
laiboj  mhd.  leib  Laib,  geformtes  Brot; 
ags.  hldf,  engl.  Icaf  schwed.  lef,  böhm. 
chleba^  poln.  chleb,  ser b ,  hlab.    Schade, 
404b.     S.   Adelung  II,   1997.     Hen- 
nig,  144.    Sperber,  20,  erklärt  Lcmä- 
kuchen  als  Lebkuchen,   was,  wenn  da- 
mit der  Pfeflferkuchen  gemeint  ist,  we- 
nigstens für  Königsberg  unrichtig  ist. 
Sperbers  Erklärung  als  berechtigt  an- 
genommeu,  wäre  das  Wort  auf  das  lat. 
libum  Kuchen,  Opferkuchen  zurückzu- 
führen. *    • 

Leibrock,  pltd.  LTwrock,  m.,  Frack. 
Zieh  den  Leibrock  an,  zieh  den  Leib- 
rock  an,  am  Sackrock  sind  nicht  Knopfe 
dran,  Dönh.  Sprw.  II,  1 693.  S.Sper- 
ber, 20. 

Leibschneidung,  pltd.  LTwschnTdung,  /. 

u.  n.,  Leibschneiden,  Schneiden,  Schmerz 

in    den   Eingeweiden.     Ock   hebb   son 

Ltvfschntdung, 

LeibstUck,  pltd.  LTwstOck,  n.,  Rumpf, 

torso;    Kleidungsstück,    Weste.      Rock 

on   kein   Liefstock   dran.     Volksl.,    87, 

22.    Junge  Frü  möt  dem  öle  Ltwstock, 

2* 


20 


Leibtage  —  Leink&fer. 


als  neckeDder  Zornf  an  Mädchen  und 
Frauen,  ist  doppelsinnig. 

Leibtage,  plur,^  Tage  meines  Leibes; 
in  der  Zusammenziehang  mit  Lebtage^ 
Tage  meines  Lebens.  Gedrungen!  mein 
leibundlebtagef    Soph.  R.  VI,  325. 

Leibwehtage,  /*.,  s.  Wehtage. 

Leichenträger,  pltd.  LTIcedräger,  m.  Er 
ist  besoffen  wie  ein  Leichenträger.  Eönigs- 
berg. 

Leichtericahn,  m.,  s.  Lichter. 

Leidalc,  m.,  s.  Laidalc 

Leiden,  n.  Bjt  ist  im  Leiden,  er  hat 
einen  Rausch.     Tiegenhof. 

leiden,  sw,  1.  leiten,  führen.  2.  ge- 
leiten, begleiten.  In  erster  Bedeutung 
pltd.  ledde(n),  ahd.  leitan,  mhd.  leiten, 
alts.  Irdjany  in  zweiter  pltd.  leide(n), 
ahd.  Itdan,  liden  lidin,  mhd.  Itden  einen 
Weg  nehmen,  gehen,  fahren.  Schade, 
545  a.  553  a.  Dat  Perd  to  Uid^  spanne, 
das  Pferd  als  leitendes  spannen,  als 
Leitpferd,  Leinenpferd,  Sattelpferd. 

leidern,  sw,,  klagen.  Hei  leidert  noch 
emTner  öm  das  schone  Geld,  das  er  dum- 
mcUs  (damals)  verlor.     Saalfeld. 

Leidings,  m.,  s.  Lädings. 

Leidomassis,  (?),  Zugnetz.  Zu  dem 
Ende  (Fischerei  mit  Kähnen)  können 
sie  einZugnetz^Leidomassis  oder  Tinklas- 
Leidzamaszis)  und  ein  Vorstellnetz  (^Me- 
tomage  oder  Tinklas-Mettomaszis)  zu 
Hülfe  nehmen.  Fisch.-Ord.  f.  d.  kur. 
HalBF  §  23.     Sperber,  40. 

Leie,  w.  jüd.  Vorn.,  Lea.  Flatow. 
Schmitt,  114. 

leiern,  sw,,  von  Leier,  zunächst  die 
Drehorgel,  die  Leier,  spielen.  Von 
deren  stetem  Einerlei:  L  dasselbe  fort 
und  fort  wiederholen,  ein  Musikstück, 
ein  Lied,  eine  Rede,  einen  Yers,  einen 
Satz  etc.  Leien^  nicht  imvaer  dasselbe! 
Das  ist  ja  die  alte  Leier,  2.  langsam, 
schläfrig  fahren.  Er  leiert  so  langsamche 


fort.  Ebenso:  langsam  arbeiten.  3. 
ohne  gute  Betonung  reden,  namentlich 
deklamieren.  In  ähnlicher  Bedeutung 
in  Liv-  und  Estland  und  weiter.  Ha- 
pel,  141.     Grimm,  Wb.  VI,  686. 

Leim,  m.,  Lehm,  Töpferthon.  Der 
geübte  Bawherr  giebt  auch  wol  Acht, 
dafz  auch  der  Leim  aus  seiner  Gruben 
nicht  anders  als  bey  oder  neben  dem 
Newen  Licht  möge  gegraben  tferden. 
Linem.,  Mm  2a.  Soll  sich  auch  keiner 
unterstehen,  Leim  oder  Sand  .  .  .  zu 
gi^aben.  Hartwich,  331.  .  .  ein  sehr 
strenger  Leime  tregt  nicht  leichüich 
Röcken,  Gersten,  Heydenkom  etc.  Hen- 
nenberger,  I. 

Leim'd, /.,  Leinwand,  s.  Leinwad. 

leimen,  sw.,  gliemen,  stänkern,  sich 
unmanierlich  auffuhren;  betrugen. 

leimem,  adj.  von  Leim^  lehmem,  thö- 
nern.  Das  „Kind  der  Sorge"  nennt 
Herder  ein  leimemes  Bild. 

Leinbauer,  m.,  Bauer,  der  vorzugs- 
weise Lein  oder  Flachs  anbaut.  Die 
Leinbauem  im  ßrmlande. 

Leinbaum,  Ltnbaum,  Linbaum,  m.,  spitz- 
blättriger  Ahorn,  Acer  platanoides  und 
campestre  L,  Der  Baum  heifzt  auch 
Lehne,  Lenne,  Lönne.  Hagen,  1075. 
Hennig,  330.    Vgl.  Brillenbaum. 

leinen,  sw.,  s.  lehnen. 

Leinenechse,  m.,  s.  das  folg. 

Leinenpferd,  pltd.  Ltnepfird,  n.,  eigent- 
lich leitendes  Pferd,  das,  weil  es  vom 
Kutscher  gefuhrt  wird,  das  Nebenpferd 
leitet;  daher  gewöhnlich  Leitpferd. 
Wird  das  Gespann  vom  Wagen  aus 
durch  die  licine  dirigiert,  so  ist  das 
Pferd  links  vom  Fuhrmann  in  eigent- 
lichem Sinne  das  Leinenpferd.  Ebenso 
Leinenochse.    Vgl.  leiden. 

Leinentänzer,    pltd.    Ltnedanzer,   m., 

Tänzer  auf  der  Leine,  Seiltänzer. 
Leinkäfer,  m.,  Maikäfer.     Oberland. 


Leinkauf  —  Lelek. 


21 


Leinkauf,  pltd.  UnkOp,  m.,  Trank, 
Schmaus  nach  abgeschlossenem  Ver- 
kauf, Kauf-,  Vertragstrunk,  den  in  der 
Regel  der  Verkäufer  bezahlen  muiz. 
In  manchen  Gegenden  pflegt  man  bei 
Viehverkäufen  die  Neige  des  Trunkes 
rückwärts  über  den  Kopf  zu  giel'zen, 
damit  das  Gekaufte  gedeihe.  Statt 
Leinkauf  hört  man  auch  Magrietech 
(9.  d.).  Das  poln.  Uikup  ist  ein  Ger- 
manismus und  hat  auch  die  Bedeutung 
von  Handgeld,  mnd.  litkop,  Vkdp,  Vgl. 
über  Leinkauf  Haupts  Zeitschr.  £ 
deutsch.  Altertb.  VI,  269  ff.  Der  Lein- 
kauf wird  schon  im  pomesanischen 
Recht  etwa  um  die  Mitte  des  14.  Jahrh. 
erwähnt.  La  band,  Jura  Prutenorum 
1866,  p.  12.  Altpr.  Mtsschr.  IH,  691. 
—  Im  Ravensbergischen  heilzt  nach 
Klein  H,  232,  das  Handgeld  Wien- 
koop^  Weinkauf.  Das  Wort  ist  zurück- 
zuführen auf  die  allgemeine  deutsche 
Sitte,  erst  nach  dem  Gelage  wichtige 
Beschlüsse  zu  fassen,  ja  selbst  die  be- 
deutendsten Kaufverträge  abzuschliei'zen. 

Leinwad,  Linwad,  Linwand,  /.,  Lein- 
wand. Alle  Ausdrücke  sind  veraltet, 
dagegen  hört  man  im  Krmlande  Leim'd, 

Leiwind,  Leiend,  Leuend,  und  überall 
pltd.  LUnwand.  Die  beiden  letzten 
Namen  und  Lauend  auch  in  der  Elbin- 
ger  und  Danziger  Gegend.  He  hadd 
'nen  langen  Mantel  von  wittei*  Lauend 
omnamen.  Dorr,  Driewjagd.  Bre-r 
misch-nds.  Lewend.  Brem.  Wb.  HI, 
60.  ,  .  .  da  die  Stadt-Frawe  verdrufz 
hatte  über  ihre  schwartze  oder  BUyfarbe 
Linwad,  .  .  .  Nun  ists  bekand^  je  stär- 
cker  die  Sonne  wircket  auf  der  Linwand 
je  geschwinder  wird  sie  trocken,  Line  m., 
Qqla. 

Leinwandsbaum,'  pltd.  LSnwandsbOm, 
1».,  im  Webestuhl  der  Querbaum,  vom 
unten  gelegen,  auf  den  das  fertige  Ge- 


webe, die  Leinwand,  gerollt  wird,  in- 
dem sie  über  Brustbaum  und  Knie- 
baum sich  hin  wegzieht.  Vgl.  Das  Wirk- 
gestell, 124. 

Leinwebergasse,  pltd.  LUnnewfiwergass', 

StraCzenname  in  Königsberg,  Strafze,  in 
der  Leinweber  wohnten. 

Leis,  Leise,  n.y  Gleis,  Geleise,  Spur. 
Gewöhnlich  in  der  Zusammensetzung: 
Wagenleis.  Ahd.  leisa,  mhd.  leise^  leis. 
Schade,  543b.  Hennig,  331. 
*  leisen,  sw,y  fest  im  Leise^  Geleise, 
bleiben.  Zunächst  vom  Wagen,  der 
in  seinen  Rädern  fest  ist,  nicht  schwankt. 
Mühling. 

Leiser,  m.  jüd.  Vom.,  auch  Lesser^ 
Loser ^  Loser,  Less,  Les-che.  Elieser. 
Flatow.     Schmitt,  112. 

Leisten,  Liestfin,  Listen,  Ortsn.,  Löwen- 
stein, Kirchdorf  im  Kreise  Gerdauen. 
Dönh. 

Leibienen,  Ortsn.,  Dorf  im  Kreise 
Wehlau.    Vgl.  Schallen. 

leit,  3.  Person  des  Präsens  von 
liegen  und  legen,  Ermland.  Ober- 
land. Da  leit  er,  da  liegt  er,  der  Ge- 
fallene. He  leit  (legt)  sick  längs  de 
Awebank.     VolksL,  32,  21,  2. 

Leiter,  Leitfisch,  pltd.  Ledder,  Ledd- 
fOsch,  m,,  ein  Bastard  des  Brassen  oder 
des  Gieben;  von  den  Fischern  des 
frischen  HaiSTes  so  genannt.  S.  Be- 
necke, 125. 

Leitpferd,  n.,  s.  leiden  und  Leinen- 
pferd. 
Leiwind,  /,  Leinwand,  s.  Leinwad. 

ISIcen,  sw.j  laichen,  schwed.  leka.  De 
Schulmeister  leke,  sie  gehen  in  der  Fe- 
rienzeit auf  Reisen.     Sprw.  I,  3421. 

Lelek,  m,  nach  Mrongov.,  Wb.  I, 
194a,  der  Waldkauz,  Strix  aluco;  nach 
Treichel  der  Tagschlaf  oder  Ziegen- 
melker, Caprimulgus  europaeus.  Der 
Name  ist  rein  polnisch. 


22 


UJUm  -—  lesen. 


lAiOtf  fulj»^  wackelif^,  von  alt*?m  Ilau.'i- 
ger&t,  H,  V,  a,  IMwIg. 

Ltfltflltl,  m,  jfid.  Vom,,  I^muel.    Fla- 

Llflf  w.  Vom,  ll<;lf;n^,  Magdalcne. 
Hart  wich,  hh. 

lanen,  ir?^,  h,  lehnen. 

Linertf  rn.  Vom«,  Lcontiard.    Ilart- 

Lenewen,  (?),  aU«r  KUnderHioff.  Vio- 

l/'t,  178. 

Lenk,  /'.,  »-  Lenkleine. 

Lenkleine,  pli<l.  Lenkitn,  f.,  Leine  mit 

FloU.lir>|jf5i«i  n,  am  oberen  Knde  den  Stein- 
tnueM  hefeHiigt  und  in  die  Lenk,  einen 
aJM  Hoje  dienenden  Ilol/kloU,  endigend; 
nie  lenkt,  leitet,  lülirt  nnd  hfUt  die 
eigentlich<*  AngelHchnur  mit  dem  Laehs, 
det*  daran  geltisHen.    S.  Heneeko,  402. 

VkI.  Laohiangel. 
Lenne,  /.,  h.  Leinbaum. 

LenOr,  w.  Vorn.,  KWnore.  llart- 
wieli,  ßf). 

lernen,  ^^e.,  8eliilTernusdruek,  ein 
leekeH  SehilV  dureh  pumpen  *flott  er- 
halten. Troie.hel.  I>l\n.  hnM\  lioll. 
/f'W^vw  leeren. 

Lernen.  OrUn.,  Oorf.  ly,  ^[oilen 
noi*tl«\s(lieh  von  Klhing,  in  der  Nahe 
des  iVisehen  Haffes,  bekannt  und  be- 
sueht  we^en  der  weiten  und  lierrlioheu 
Aussiebt  von  den  dortigen  Hölien.  Der 
Nan^e  ist  eine  VorstümmeUuig  des  altpr. 

8.  Nssluu,  Tbes .  8l>. 

Lentitange«  i\^  s,  Lindstock. 

Lftpe. /\  Milohnapf.     l\Mih. 

L^k«  w^»  \^fkh.    Sperber,  o8. 

Lerchtn.  fiH%\  von  /.c^väa  bildlich 
t'rtr  liold.  h\  liv'^t  />*fvA/w  i/tiryrw>  er 
giobt  viel  i?eld  aus.     Vgl.  Llwtriu 

Lerchefiklt«\  Tfl^n..  Feld-Kitterspom, 


LerchentriDer,  m.,  Benemumg  far  einen 
Aüi'zen  Schnaps. 

Lerke,  /.,  s.  LSwarfc. 

lefinen,  «ir.,  s.  v.  a.  lehren  (s.  d). 

Lesbretty  Lesebrett^  n.,  etwa  drei  Fin- 
ger breites  Brettchen  mit  Handgriff, 
das  an  jeder  Seite  20  Löcher  hat,  durch 
welche  beim  Abwinden  des  Games  von 
der  Scherleiter  die  Fäden  der  einzelnen 
Spulen  gefuhrt  werden,  wodurch  beim 
Scheren  das  Verlesen  der  Fäden  er- 
leichtert wird.  Vgl.  Das  Wirkgestell, 
127. 

Leichak,  m,^  Faulenzer,  zu  allem  un- 
lustiger Mensch.  Poln.  lezuch  Faulen- 
zer, la:§ga  fauler  Schleicher,  Land- 
streicher, langsamer  Kriecher,  leiak 
Lagerholz,  liegender  Bienenstock,  Lager- 
stnck.  Vgl.  Nsslm.,  Forsch.  3;  Th., 
93  Altpr.  Mtsschr.'  XV ,  582.  Nach 
den  Gedanism  soll  poln.  lejak  der 
Pfahl  heilzen,  den  man  auf  Weiden 
einschlägt,  damit  daran  das  Vieh  sich 
reibe;  gewöhnlich  heil'zt  dieser  Pfahl 
Schubbjak  (s.  d.).  Die  Annahme  von 
Schmitt,  107(Westpr.  166),  dafz  Le^ 
i^chak  nach  dem  Poln.  Leichtfufz  be- 
deute, ist  nicht  nachweisbar.  Nach 
dem  Wb.  von  Mrongov.  II,  483  b, 
heilzt  Leichtfufz  frzpiot^  rozstrzepaniec. 

leichaken,  sw,,  von  Leichak^  sich  fau- 
lenzend herumtreiben,  unbeschäftigt 
die  Zeit  verbringen.  Westpr.  Spfw.  1, 
2291. 

L6s-chey  m.  jud.  Vorn.,  s.  Leiser. 
LesebretL  n.,  s.  LesbretL 
Lesebuch,  pltd.  Lfisbök.  n.,  kirchliches 
(lesaugbuch.     Westpr.     Hintz,  81. 
Ifiselkes.  adj..  s.  Kslich. 

lesen.  .<f.«  sammelnd  aufheben«  nach- 
einander aufnehmen.  Ähren  ^  Kartof- 
rW«  eti\  roni  FWA-  tev».  Er  taffn 
Ei-'h^m  tJtis  Jer  SchHUsel  /«tstw,   der  un- 


leslich  —  Letzte. 


23 


tüchtige  Leseschüler,  —  belesen,  das 
Fleisch  mit  dem  Munde  vom*Knochen 
abnagen,  den  man  in  den  Fingern 
hält.     Sperber,  21.     Vgl.  pQlen. 

ISslich,  Ifiselkes,  adj,  u.  adi\^  leise, 
behutsam^  sanft,  gelind.  Gah  leslich. 
Fat  et  man  leseVces  an,  behutsam,  da- 
mit es  nicht  zerbrochen  werde.  Er 
ist  leüich  mit  ihm  umgegangen.,  er  htft 
ihn  sanft,,  milde,  schonend  behandelt. 
Hennig,  148,  schreibt  fOslich;  mnd. 
losUken,  adv.  Bei  Jeroschin:  daz  was 
bl  der  sumirztt  als  das  wetir  warmin 
pfitt  und  dt  kelde  wesit  Us  138a.  Pfeif- 
fer, 189. 

Lespler,  m.,  Lispeier.  Bei  Stein, 
Peregrinus  XII,  82,  al^  Ekelname  und 
Schimpfwort.     W.  Mtsbl.  V,  191. 

Less,  Lesser,  m.  jöd.  Vorn.,  s.  Leiser. 

Lesung,  /.,  s.  v.  a.  Einlesung  (s.  d.). 

leterbängig,  adj.,  lehmig,  thpnhaltig, 
*zäh ;  vom  Acker.  In  der  ersten  Hälfte 
des  Worteis  Anklang  an  Letten. 

Kterbfinig,  adj.,  gedrückt,  trübselig. 
Kastenburg.  In  Hessen  letterbmig  eigen- 
sinnig, übel  zu  lenken,  störrig,  unge- 
horsam, zumal  von  heranwachsenden 
Knaben,  welche  in  die  sogen.  Flegel- 
jahre getreten  sind.     Vilmar,  248 

Lfitharl,  LOtharl,  -hardel,  Pflzn.,  aus- 
dauernder Lolch,  Lolium  perenne  L. 
Mühling. 

Lettauen,  n.,  s.  Litauen. 
Lettauer,  m.,  s.  Litauer. 

lettisch,  adj.y  von  Lette,  zur  Bezeich- 
nung der  Sprache.  Die  lettische  Sprache 
ist  von  der  litauischen  nur  unwesent- 
lich unterschieden,  daher  lettisch  oft 
gleichbed.  mit  litauisch.  Auf  der  kü- 
rischen Nehrung  nennt  man  das  Let- 
tische kurisch.  Letisch  Farkel,  Ditsch- 
tei^darwer,  zu  einem  das  Deutsche  rade- 
brechenden Litauer.     Sprw.  I,  836. 


Letz,  n.,  Lektion.    Ahd.  Jicijd,  mhd. 
lecze,  letze,  /. 

0  lieber  Meistet*  und  mein  Herr, 
Möcht  ich  doch  allen.  Flei/z  ankehm, 
Di/z  Letz  die  ist  mir  viel  zu  schivar. 
Ich  lehr  (lerne)  sie  nicht  in  Hundert 

Jahr. 
Hartwich,  299,  aus  einem  Gesprächs- 
liede.     Vgl.  Fäm. 

Letzte,  m.  1.  in  Sprichwörtern  und 
Redensarten:  Den  Letzten  beten  deHuing. 
Elbingc  Ndrg.  Allgemein  hchd. :  Den 
Letzten  beifzen  die  Hunde  Der  Letzte 
der  Fettste.  De  letzte  Schwtn  krtge  den 
dickste  Drank.  2.  als  Kinderspiel.  Wenn 
die  Kinder  aus  der  Schule  oder  vom 
Spielplatz  nach  Hause  kehren,  so  giebt 
dieses  oder  jenes  mit  dem  Rute:  Den 
Letzten!  dem  andern  einen  Schlag  und 
läuft  davon.  Der  Geschlagene  eilt  dem 
Gegner  nach,  um  diesem  „den  Letzten^ 
zurückzugeben,  was  sich  so  lange  wie- 
derholt, bis  einer  „den  Letzten^  zu- 
frieden mit  nach  Hause  nimmt:  er  h<it 
den  Letzten.  Zu  seiner  Beruhigung  und 
dem  Gegner  zum  Hohn  ruft  er  diesem 
zu: 

Letzte  —  fettste  Düweschlag^ 

Biet  de  Katt  de  Zägel  af! 
oder:  (Oberland.) 

Letzte  —  fettste  Awendschlag, 

ScheUer  mu^ker  Drw!  (Samland.) 
In  Königsberg  ruft  der  Schlagende: 

Letzter  —  fettster  Kringeldieb! 
Der  Geschlagene  antwortet: 

Ic?i  nelivi'  den  Letzten  vorli^b, 

Du  bist  ein  *KHngeldieb ! 
oder: 

Wei*  den  Letzten  giebt, 

Ist  ein  Kringeldieb! 

{Ist  dem  Bäcker  sein  Kringeldieb!) 
Als  triumphierende  Rückantwort  hört 
man  noch: 


2i 


Lctttboler  —  Lrvark. 


Wer  dm  Latztm  pebm  komm. 
O  das  iüt  em  broK^  Mamml 
Vgl  gprw-  L  2404,  Volki^-  91.  385. 
Ia  Bcfiic  beiJiEi  die»  Kioder^lel  ZddL 
Lf  tTtfcthr  plvi^  I  itrtfcyii  (g  =  a^  »^ 
H</J^  de^  hewufüL  Bei  den  HihKut- 
>>ritterD  in  K^Hai^rct^erf  defi^nig«,  weicher 
diui  Letztie  Too  deo  Tnbem  abkok  and 
daf'ir  ckfat  nur  da«  nasE«  Stroh.  &oii- 
dem  aiick  «to«  Vienelu^niie  Taielbier 
ohesieiu  bekommt.     Heonig.  145. 


alliDaiilk-k  TerzeixreD.  I>en  Frmrti 
rieLen  diese  Wüii&er  bkrcälea  vibrend 
ikrer  Pesi-jäe  in  den  J^nytshih.  Streut 
mas  A»ehe  —  ZTo}fi«£sia&<LeL  d.  k.  in 
den  Zv^lücn  gebraxizii«'  Af«^  —  nm 
den  KiankcüL  «o  w&chesi  ^ 


Körper,  \a  man  aekt  dans  sccar  ihre 
Fa:z$parcn.     In  der  Wehla^^acr  Gegend 


A  s.  UcMh 
/.,  Leinwand^  s. 
pitd.  IM%  plur,.  Dem. 
L  in  gewöhnlicher  Bedentong  in  Sprich- 
w<(irtem  and  Iledensarteo :    AIU   Leuf 
mnd  wunderlich.     OU  UUd  iönd  vrun- 
dtrlich,  wenn  u  iU^   woUe  u  ok  kacke 
—  ir^nn  u  kacke  j  wolle  »e  ok  pm^  — 
wenn  $e  gti'jete  keljbe^  wolle  u  ok  drinke. 
Junge   Lüed  de  wp^U  fj^m^    ohle  l.üed 
de  brf/mme  ghn.    Jonge  Landborschen, 
welche   gern   zur   Stadt   mit  mochten, 
fragt  man  zurftckweLsend:     Wat  woUät 
daj    wolUt   LüeJ    grt'te    (grüizec;    an 
St/'ner  »t'tef    Schöne  Leute  haben  schöne 
Sachen;   auch  mit  dem  Zusätze:    wenn 
tie  nie  nicht  haben,  lauen  sie  rieh  machen, 
Öck  von   Lüedkeg  on   Lüedken  von  mij 
eine  Hand  wäscht  die  andere.     Einen 
mank   (unter)    die   Leute   brinffen,    ihn 
ioH  Gertfde   bringen,    .schlecht  machen. 
Vgl.  Sprw.  1,  2406  ff.;  Sprw.  U,  1705 ff. 
2.    Gesinde.      Ldt   de    Lüed   tom    Ete 
klinge.     De  Uledstiw,  Leutestabe.     Dat 
UMbrot    dos  Brot  fOr  die  Leute.     3. 
da«    Brautpaar,   junge    Ehepaar.     Nu^ 
Oott  behöd  fu  junye  Lüed.    Lärm.  nupt. 
l  282,  17. 

Ltllte,  plur.,  kalte,  kleine^  farlnge^ 
wei/ze,  nach  dem  Volks»;laul)€n  Wür- 
mer, Kobolde,  welche  den  Menächen 
in  iieinem  Innern  plagen,    quälen   und 


Kopfe,  mit  denen  ein  S;ecLen  Terbon- 
den  ist.  Poln.  kratsmo  hrda  n.  büde 
htdzie.  Genaueres  üh«r  die?e  Lernte^ 
wie  deren  Erkennung  and  Vertreibung 
s.  Toppen^  AbergL,  i2S.  Hexspr., 
74ft 

Lewarfc.  Lewerfc,  Lewrik.  LemML  Urfc, 
Lkkt,  Urfce,  nach  Treichel  Lewnk, 
in  Westpr.  auch  Lsrcfc,  im  Oberiande 
Lirch,  /.  u.  m.,  Lerche,  Alauda  arten- 
9U,  Ahd.  lerahha.  amhd.  h'werchj  mhd. 
Vrche^  mnd.  lewerike^  lewerke^  ags^  Id- 
verre,  schott.  laceroc^  engl,  lark^  holL 
lewerUc  (auf  leeuw  Löwe  gedeutet),  dan. 
lärke.  S.  Schade,  549b.  Hennig, 
144.  So  lange  die  Lerche  Tor  Licht- 
mel'z  (2.  Februar)  singt,  so  lange  mul'z 
sie  nach  Lichtmelz  schweigen.  Wenn 
de  Lewark  singt  cer  »ine  Tldj  so  mot 
he  schwif^e  on  sine  Ttd,  t.  Au  er. 
Samland.  Wenn  die  Lerche  Tor  Petri 
Stuhlfeier  (22.  Februar)  singt,  so  muTz 
sie  nach  diesem  Tage  unter  dem 
Schlitten  singen  (der  „Gesang^  des 
unter  dem  Schlitten  pfeifend  knirschen- 
den Schnees  soll  damit  angedeutet  wer- 
den), und  zwar  für  jeden  Tag  vorher 
eine  Woche.  Dönh.  Wenn  aber  die 
Lerche  dauernd  sin;?t,  so  will  die  Ar- 
beit in  der  Stube  nicht  mehr  behagen: 

De  Lewark  singt., 

De   Wocke  stinkt. 
In  Natangen  auch:    Der  Leicark  singt. 
On  hhed  (das  Schneiderlein)  möt  e  (der 
Prinzessin)  oagnegt  un  e  Lowrik  un^mn 


L^wd  —  lichten. 


25 


MimmeL  Rastenburg  Firmenich  I, 
110b.  Den  Gesang  der  Lerche  hat 
das  Volk  mannigfach  in  Worte  über- 
tragen.    Er  lautet: 

DrtWy  Peterke,  drtw  driw! 

Hast  e  ffode  Werth^  denn  bltw  bliw, 

ös  hei  schlämm  denn  teh  wtt  wU  wtt 
weg  weg  weg!  Samland. 
Weitere  Varianten  des  Gesanges  s. 
Volksr.,  68,  260.  Der  Mensch,  ver- 
glichen  mit  der  Lerche :  Wie  eine  Lerche 
munter  sein;  —  vtsene  wl  e  drachige 
Lwch.  Korrespbl.  111,  52.  *  Brem.  Wb. 
III,  59  auch:  Lenerke, 

Uwd, /.,  s.  LOwd. 

Uwde,  /.,  s.  Laube. 

Uwen,  in  der  Dzg.  Nhg.  LOwen,  n., 
Leben. 

Lewendel,  tt».,  Lavendel,  Lavandula. 

Lewerengs,  LOwerenz,  /.,  Korrumpie- 

rang  von  Reverenz.  Eck  maakt  en 
Löwerengs^  on  böckd  mi  quantswls  dep. 
Carm,  nupt  I,  282,  10.  So  mahckt  eck 
Loewerengcks  on  boeckt  mie  srhrecklüh 
doehp.    Ibid.  111,  77  c.    8.  Lorenz. 

Lftwerk,  LCwrik,  LCwrink,  /.,  s.  Lewark. 

ISwthulig,  lüwthulig,  adj.,  in  Liebe  zu- 
gethan,  zuthunlich,  anhänglich.  Sche- 
mionek,  23. 

libbern,  sw,^  s.  labbern. 

licht,  ad;.,  hell,  oflFen,  frei  und  .un- 
behindert in  der  Aussicht.  So  danz^ 
wC  bet  tom  lichte  Morge.  Volksl.  45, 
28,  6.  E  lichte  Stäw,  eine  helle,  freund- 
liche, der  Sonne  zugekehrte  Stube.  De 
Schtoaw  (Stube)  ös  man  e  böske  licht. 
Boldt,  14.  Ein  lichter  Waldy  ein  we- 
nig bewachsener  Wald.  Eine  lichte 
Stelle  im  Walde.     Vgl.  Uchiung. 

Lichtchenschwemmen,    pltd.    Lichtke- 

SChwemme,  n.,  Sylvesterbelustigung.  Für 
jedes  Familienglied  wird  ein  Endchen 
W^achsstock  auf  ein  Kartenblatt  oder 
in  eine  Walnafzschale  geklebt,  ange- 


zündet und  in  eine  Schale  mit  Wasser 
gesetzt.  Wessen  Licht  zuerst  erlischt 
oder  untergeht,  der  mui'z  im  kommen- 
den Jahre  sterben.  Auch  werden  nur 
zwei  solcher  Lichtschiffchen  auf  das 
Wasser  gesetzt,  das  eine  nach  einenji 
Jüngling,  das  andere  nach  einem 
Mädchen  benannt.  Treffen  die  Schiff- 
chen zusammen  und  schwimmen  ver- 
eint, so  wird  sich  das  Paar  heiraten. 
Samland.     Yolkskal.,  28. 

Uchtchenträger,  pltd.  Uchtkedräger,  m,, 

Irrlicht.  Natangen.  Et  ös  eene  grote 
Sing  (Sünde),  kleene  Kinga  ongedeept 
(ungetauft)  scktoarwe  to  late.  De  Geista- 
kes  (Geisterchen)  motte  sea  lang  as 
Lichtkedrägasch  oppe  Sörnp  römhöpse 
(auf  den  Sümpfen  umherhüpfen). Boldt, 
10. 

Lichtchentröpfen,  pltd.  LichtkedrOppe(n), 

-drippen,  n.,  als  das  Schicksal  befra- 
gende Belustigung  in  der  Sylvester- 
nacht. In  das  Wasser  einer  Schüssel 
läl'zt  ein  Braut-  oder  Liebespaar  Talg- 
oder Wachstropfen  eines  brennenden 
Lichtes  fallen.  Kommen  die  nach  dem 
Paar  benannten  Tropfen  zusammen,  so 
vermählt  sich   dasselbe  in  dem  neuen 

Jahre.  Vgl.  Lichtchenschwemmen,  s. 
GlUck. 

Lichtdieb,  pltd.  Lichtdäw,  m.,  in  frühe- 
rer Zeit,  als  Talglichte  gebrannt  wur- 
den, üblicher  als  heute:  Dochtknoten, 
der  stärker  und  mit  Funken  brennend, 
den  übermäfzig  geschmolzenen  Talg 
zum  Überflieizen  brachte. 

Lichtdrippen,  7i,,  s.  UchtchentrSpfen. 

lichten,  sw,  1.  leichter  machen,  ent- 
lasten. Ein  Schiff  lichten^  es  ausladen. 
Oft  geschieht  dies  nur  teilweise,  damit 
das  Schiff  geringem  Tiefgang  erhalte 
und  auch  den  Flufz  befahren  könne; 
so  wurden  Seeschiffe,  welche  nach  Kö- 
nigsberg   sollen,    in    Pillau     gelichtet. 


26 


Lichter  —  licken. 


Kähne,  mittels  deren  man  Seeschiffe 
lichtet,  heil'zen  Lichter  oder  Lichter- 
kähne, Bei  Jeroschin:  sich  der  Sün- 
den entlichten,  ich  mac  nicht  irsterben 
-^  ich  enhabe  o  gebtcht  und  allir  sun- 
dinmich  intltcht  n2ei.  Pfeiffer,  144. 
(Wir  sprechen:  bichten  —  entlichten), 
2,  leuchten.  Ldcht  em  de  Trepp  ^run- 
der. Bildlich:  Bhiem  e  Wüüichte,,  — 
ihm  heimleiichten^  ihn  mit  harten  Wor- 
ten oder  gar  Schlägen  zum  Hause  hin- 
ausweisen. 3.  l)litzen,  engl,  to  lighten. 
S.  Uchting.  4.  im  lichten:  a)  zur  Be- 
zeichnung der  Weite  eines  umgrenzten 
Raumes.  „Eine  Stube  hat  12DFurz 
im  lichten^  d.  h.  sie  ist  12  Fulz  lang 
und  ebenso  viel  Fufz  breit,  die  Mauer 
mag  übrigens  so  viel  Fui'z  einnehmen, 
als  sie  will^.  Hennig,  145.  Holl. 
ligten^  von  ligt  leicht,  helle,  b)  Sich 
im  lichten  stehen^  sich  irren,  unerwartet 
Nachteil  haben. 

Lichter,  Lichterkahn,  auch  Leichterkahn, 
w.,  im  Weichselgebiet  Lidgan,  w.,  klei- 
neres Fahrzeug  zum  Lichten  gröCzerer 
Schiffe.  Engl,  lighter,  lighterboat,  holl. 
ligtet\  poln.  lichtan^  lichton. 

Lichterknecht,  m.,  Knecht,  der  die 
Lichtstümpfchen  trägt,  Einsatz  für  den 
Leuchter,  auf  dessen  Zacken  der  Stumpf 
gespiel'zt  wird;  er  heil'zt  auch,  recht 
bezeichnend,  Profiichen,  polonisiert  pro- 
fitka.    Bock,  24.     Hennig,  126. 

lichtfärig,  adj,,  leichtfahrig,  wie  ein 
leicht  gehender  Wageuy  leicht  zu  Fufz, 
schnell,  leicht  fertig,  leichtfertig.  M  ü  h  - 
ling. 

Lichting,  m.,  in  der  Saalfelder  Gegend 
auch  Leuchting,  /.,  der  Blitz;  der  Teu- 
fel. Gotts  Lichting!  nu  ginget  arCt 
Schmerlexen,  Parad.,  49  Dat  dt  de 
Lichting!  Fluch:  dalz  dich  der  Blitz 
erschlüge!  Hol  ihn  der  Lichting!  im 
Sinne  von:  Hol  ihn  der  Kuckuck,  der 


Teufel.  Fahr*  zum  Lichting!  Das' 
Wort  tritt  auch  adjektiv  auf,  so  in  dem 
Fluche:  lichtingsch  Oicedder  (Unwetter), 
wobei  an  Blitz  und  Donner  zugleich 
gedacht  ist.  Westpr.  Donner  on  Lieh- 
tmg,  w^n  §k  noch  mal  juivg  weer^  dat 
Schwert  sullmi  helpen,  *  Dorr,  1.  Wiew., 
4.  Schhig  on  lAchting^  dat  da  gk.  Ibid., 
6.  lAchting  noch  eent^  wat  heww  §k 
vergeten!  Ibid.,  29.  50.  Botts  Lichting 
«=  Gottes  Blitz:  Ibid.,  78.  Hai  em  de 
Lichting!  Ibid.,  69.  Du  Lichting!  auch 
als  Scheltwort.  Treichel.  —  Lichting 
a.  s.  a.  Lichtung  (s.  d.). 

lichtingsch,  adj,,  von  Lichting^  blitz- 
artig, teufelmäfzig.  Für  die  erstere  Be- 
deutung s.  Belegstelle  unter  ßitzen.  He 
es  ganz  lichtingsche  kaspi'at  daräwer, 
dat  se  §m  §nt  Water  schmeeten.  Dorr, 
1.  Wiew,  88.    . 

Lichtingszeug ,  pltd.  Uchtingstfg ,  n., 
Blitzzeug,  Teufelszeug;  als  Scliimpf- 
wort.  Dat  Lichtingstieg  schmeet  mi  §n 
dat  Water,     Dorr,  1.  Wiew.,  81. 

lichtlich,  adj,  u.  adv,^  auf  leichte  Weise. 
Jeros  chi  n :  d*  burc  sooestewas^  daz  man 
in  lichtlicher  Schicht  ir  gewinnin  mochte 
nicht  53  b.  wa7it  er  nü  lichtlich  hofte' 
nemin  da  das  huis  gewunnin  157  a. 
Pfeiffer,  189. 

Lichtschwemmen,  n.,  s.  Uchtchen- 
schwemmen. 

Lichtung,  f.^  lichte,  ausgehauene  Stelle 
im  Walde,  Aushau,  Waldblöfze;  auch 
Lichting.    Vgl.  licht 

licken,  sw.^  ostpr.  pltd.  glike(n%  glei- 
chen, gleichkommen,  ähneln,  .nach- 
schlagen (s.  schlachten),  Sönd  uk  noch 
andre  scheen,  Wer  lickent  dif  Dorr, 
37.  Dat  lickent  nich  nd  em^  nich  na 
er,  Einlage  bei  Elbing.  Sprw.  11, 
1716.  Das  likentihm  nicht,  kommt  ihm 
nicht  gleich.  Schemionek,  23.  Dat 
ji  dem  Kneebands' Ring  deiin  lichien  ganz. 


liddern  —  Lilach. 


27 


Dorr,  1.  Wiew.,  121.  Im  Brem.  Wb. 
III,  70:  liken,  bei  Schamb.,  I24b: 
liken. 

liddern,  sw.,  s.  beliddem. 

Ifden,  s^M  dulden,  ertragen,  aushalten. 
Se  mot  dat  alles liden.  Bei  Jeroschin: 
dfi  von  er  diz  nwkt  lange  leit  IIb. 
Pfeiffer,   189. 

Lidgan,  m.,  $.  Lichter. 

Liebe,  pitd.  Lew',  /.  1 .  amar,  2.  Name 
eines  Flül'zchens  bei  Marienwerder.  Die 
Liebe  geht  durch  Sorgen  in  die  Not 
Wortspiel.  Das  Flüfzchen  Liebe  geht 
durch  den  Sorgen-See  in  die  alte  No- 
gat  (Noacht,  fast  wie  Not  gesprochen). 
In  gleichem  Wortspiel  sagt  man  auch: 
B^  Marienwerder  hört  die  Liebe  auf. 
3.  w.  jud.  Vorn.,  auch  Lippe.  Flatow. 
Schmitt.  114.  4.  h^enneiide  Liebe. 
eine  Verbenenart  mit  brennend  schar- 
lachroten Blumen. 

Liebhaberei,  /.,  Liebe.  Aber  habt  ihr 
auch  Liebhaberei  für  das  Mäche  ?  Dorr, 
1.  Wiew.,  18.    S.  Lieblichkeit. 

Liebicind,  pltd.  LCfkind,  n.,  nicht  Kind 
der  liiebe,  sondern  Kind,  das  geliebt 
wird.  Sich  Liebkind  machen,  sich  durch 
Schmeichelei  bei  jemand  in  Gunst 
setzen.  Bock,  31.  Hennig,  145. 
*    Ueblichkeit,  pltd.  Leflichkeit,  /.,  Liebe. 

Ihr  möj'zt  ons  heilig  versgcheni^  ob  ihr 
Leeflichkeit  for  er  ibbrig  habt.    Dorr, 

L  Wiew.,  13.    S.  Liebhaberei, 
liebstes,  pltd.   läwstet,  Superl.   von 

lieb.,  adj.^  Zärtlich keitsausd  ruck,  Schmei- 
chelwort. Liebstes^  goldenstes^  rosenstes 
Mutter  che! 

Liebstock,  Pilzn.,  gebräuchlicher  Lieb- 
stöckel, Levisticum  of/icinale  Koch. 
Weichseldelta.  Der  provinzielle  Name 
ist  aus  dem  allgemein  deutschen  und 
dieser  aus  dem  lat.  luevi^ticum  entstan- 
den.    Treichel,  Volksth.  III. 

Liederjftn,    m..,    wörtlich    liederlicher. 


Johannes;  zur  Bezeichnung  eines  lieder- 
lichen, durchtriebenen  Menschen,  aber 
auch  eines  Taugenichts.   Vgl.  Ausbund. 

liederlich,  o^;.,  aufzer  den  gewöhn- 
lichen Bedeutungen:  fröhlich,  munter, 
durchtrieben,  zu  Scherzen  geneigt. 
M  ü  h  1  i  n  g.  Er  ist  ein  liederlicher  Stinck 
—  liederlich  tvie  ein  Stri<;k.  Das  ist 
'mal  eine  liederliche  Margell!  aber  das 
Wort  hat,  lächelnd  ausgesprochen,  gar 
keine  üble  Nebenbedeutung,  Rosen- 
kranz, Kgsbg.  Skizzen  I,  145. 

liegen,  pltd.  ligge(n),  st  1.  sich  zeit- 
weise, vorübergehend  an  einem  Orte 
in  der  Provinz  aufhalten,  wie  das  von 
Jremdep  Kaufleuten  geschieht.  Davon 
Lieger,  m.,  Vertreter  einer  auswärtigen 
Firma,  der  auf  gewisse  Zeit  diese  in 
einem  Orte  vertritt.  Für  solche  Li^ger 
stellte  die  Wett-  und  Liegerwdnung 
in  betreff  des  Handels  das  Genauere 
fest.  S.  wetten.  Vgl.  Hirsch,  227.  2. 
verweilen,  die  Zeit  zubringen.  Viel 
auf  de?'  Landstraf ze  liegen. 

Lieger,  m.  1.  s.  das  vor.  2.  lagern- 
der Bienenstock,  liegende  Klotzbeute; 
daher  auch  Lagerstock.  Ist  der  Sto^.k 
aufrecht  gestellt,  so  heil'zt  er  Ständer. 
Bock,  Nat.  V,  205. 

Liegerordnung,  /.,  Ordnung,  Gesetz 
lur  die  Lieger.    S.  Wettordnung. 

Liepe,  Dorf  in  der  Nähe  von  Königs- 
berg. Einem  etwas  vom  Liepschen 
Schmied  erzählen,  ihn  durchprügeln. 
Sprw.  I,  1. 

Liepmann,  m.  jiid.  Vom ,  auch  Lipp- 
mann u.  Lippme.  Flatow.  Schmitt, 
1 12. 

LiestSn,  Ortsn.,  s.  LeistCn. 

Lietke,  m.  Vorn.,  Elias,  s.  Elies. 

Lilach«  m.,  Voc  491:  Lylach  deut- 
scher AusdiHick  für  das  altpr.  Ploaste 
Betttuch,  Bettlaken.  Nsslm.,  Thes., 
132. 


28 


Lüge  —  linden). 


Lilge,  Ulje,  rein  pitd.  LSIge,  /.,  Lilie. 
Lilienkonfalge,  Lilienkafalge ,  -kumfalge, 

pltd.  LOIgekafalge,  Maiblume,  Convallaria 
majalis  L,  Korrumpierung  des  syste- 
matischen Namens;  ebenso  poln.  hon- 
walia.  V.  Auer  deutet  lilia  cumJolio.Q) 
Ruf  der  Landfrauen  in  den  Stral'zen: 
Frä's^  Lölgekafalge !  Gegenruf  der 
Stralzenjungen:  Du  Rackerkanalge  (Ka- 
naille)!    Kgsbg. 

lilla,  Ifla,  adj,  \,  zur  Bezeichnung 
der  Farbe  lila.  2.  bildlich:  Er  ist  et- 
was liüa  —  ZiTa,  er  ist  angetrunken. 
Mt  ÖS  ganz  liüa^  mir  ist  unwohl^  katzen- 
jämmerlich zu  Mute.     Bartenstein. 

Limone,  /.,  Kürbis,  Cucurbita  L, 
Weichseldelta.      Treichel,    Volksth., 

m. 

Limpe,  /.  E/ine  lAmpe  ziehen^  die 
Unterlippe  vorschieben  als  Übergang 
zum  Weinen;  namentlich  von  kleinen 
Kindern.  Westpr.  Treichel.  Mnd. 
eine  lipe  (Lippe)  machen.  Mnd.  Wb. 
n,  701b.    Vgl.  SchUbbchen. 

Lin,  /.,  Leine,  langer  Strick  aus  Hanf 
oder  Flachs.    Jaglfne,  -leine,  /.,  Leine 

zum  Jagen,  Fahren,  namentlich  bei 
vierspännigem  Fuhrwerk  die  Leine, 
mittels  deren  man  die  Vorderpferde 
regiert;  Leine  am  Jagnetz,  KICderIfn, 
Waschlfn,  Kleider-,  Waschleine,  /^  Leine, 

woran  man  Kleider  und  Wäsche  zum 
Trocknen  aufhängt.  Ahd.  lind^  mhd. 
llne. 

Unft,  hchd.  Unau,  Fluizchen  im  grol'zen 
Werder.  Ahd.  u.  mhd.  d  als  zweiter 
Teil  von  Flufznamen,  aus  aAa,  ahe^  /. 
Passarge,  351.     Schade,  la. 

LTnbaum,  Linbaum,  ^^.,  s.  Leinbaum. 

lind,  ling,  adj,  1.  gelind,  mild.  Et 
ÖS  Und  Loft  2.  lose,  wenig  dicht. 
Vgl.  lindem.  Bei  Jcroschin:  mild, 
nachsichtig,    nachgiebig,    den  undirtd^ 


nin  stvinde  und  kegn  den  vtnden   linde 
112d.     Pfeiffer,  189. 
*  Lind,  /.,    Linde.     Hei  ös  ndkt  vn  e 
Lind^    welcher    die    Rinde    abgezogen 
ist. 

Linde,  /.,  gewöhnlicher  Heilige  Ldnde, 
ehemaliges  Kloster  im  Kr.  Kastenburg, 
in  der  Nähe  der  Stadt  Rössel.  Was 
ich  vor  dem  vortreflichen  Marienbilde 
im  Kloster  Linde  empfand.  Soph.  R. 
VI,  526.  Über  die  heilige  Linde  s. 
Näheres  Preulz.  Land-  und  Volksk., 
509  f. 

Lindendraschke,  m.,  s.  Draschke. 

Linderende,  n.,  s.  lindern. 

lindern,  fingern,  sw.^  langem,  ver- 
längern. Der  Aufzug  eines  Gewebes 
(die  SchetHng)  endet  in  dem  sogenann- 
ten Linderstock,  Lingerstock,  der  durch 
die  Enden  der  aufgezogenen  Fäden 
geht.  Dieser  Stock  ist  mit  dem  Under- 
strick,  Lingerstrick,  verbunden,  welcher 
sich  um  den  Garnbaum  windet.  Reicht 
der  Aufzug  nicht  mehr  vom  Garnbaum 
bis  zum  Kamm^  so  mufz  er  gelindei% 
gelingert^  d  h.  durch  Abwinden  des 
Ldngerstricks  verlängert  werden.  Statt 
des  Lingerstrickes  näht  man  oft  auch 
ein  Tuch  an  den  Aufzug,  das  Linder- 
tuch, Lingertuch,  oder  zieht  mehrfach 
Schnüre  um  den  Linderstock;  diese 
ganze  Verlängerung  des  Aufzuges  heil'zt 
das  Linderende  oder  Lingerende.  Auch 
nennt  man  das  nach  dem  Lindem  ge- 
webte Ende  eines  Leinwandstuckes  das 
Linderende,  Lingerende,  weil  es  linder, 
linger,  loser,  nicht  so  dicht  in  der  Fa- 
denlage ist  als  das  übrige  Gewebe. 
Der  Aberglaube  fordert,  daCz  das  Lin- 
derende sofort  abgewebt  werde;  bliebe 
die  Leinwand,  nachdem  nachgelindert 
ist,  noch  über  Nacht  auf  dem  Web- 
stuhle,   so  würde    das    nächstgeboreue 


Linderstock  —  Lis. 


29 


• 

Kind  sich  einst  aufhängen.  Vgl.  Hexspr., 
126.     Das  Wirkgestell,  127. 

Linderstock,  -strick,  m.^  -tuch,  n.,  s. 
lindern. 

Lindstock,  m.^  langer  Stock,  Stange, 
ruhend  auf  der  Wagenachse.  An  den 
Lindstöcken  werden  die  largen  Leitern' 
der  Erntewagen  befestigt.  Kr.  Bereut. 
Sie  heilzen  im  Er.  Neustadt  Lenzstan- 
gen,  und  wird  dort  die  Fertigstellung, 
das  Langmachen  .des  Erntewagens  das 
Auslenzen  genannt.     Treichel. 

lingen,  sw.,  tauen,  abtauen;  von  be- 
frorenen  Fensterscheiben.  Die  Fenster 
lingen^  sie  tauen  ab^  das  Eis  auf  den 
Scheiben  löst  sich  in  Wasser  auf.  Ldng 
=  Und  (s.  d.).     Ermland. 

linger,  comp,  von  lang  u.  ling  (lind)^ 
langer,  linder,  loser,  lockerer.  S.  lin- 
dem. 

Lingerende,  -stock,  -strick,  -tuch  u.  Un- 
gern, 9w.,  s.  lindem. 

LThje,  /.,  Linie. 

LTnjAI,  n.,  Lineal. 

Linkpöt,  m  ,  eint^r,  der  die  linke  Pfote, 
Hand,  zur  Arbeit  gebraucht.  Schimpf- 
and  Scheltwort.  Ebenso  in  Liv-  und 
Estland.     Hupel,  143. 

Linksanwalt,  m.,  im  Gegensatz  von 
Rechtsanwalt  zur  Bezeichnung  eines 
schlechten  Katgebers. 

linksch,  adj.^  von  links.  Er  ist  linksch^ 
arbeitet  mit  der  Linken. 

Linnen,  pltd.  LOnnen,  n.,  Leinwand. 
Auch  Unnenzeug,  pltd.  LOnne(n)tfg,  n. 

Sie  hat  schönes  Linnen.  Se  heft  schö- 
net Lönnetig,  Lit.  Unnas  ein  Flachs- 
stengel, linnai  Flachs,  Lein.  Nsslm. 
Wb.,  369b.     Hennig,  146. 

Linnenschaff,  n.,  Schaff,  Schrank,  zur 
Autbewahrung  von  Linnenzeug.  Hen- 
nig, 146. 

Linnenzeug,  n.,  s.  Linnen. 

Linnewille,  /.,   Zusammensetzung  aus 


Linnen  und  Wolle^  Gewebe  aus  Leinen 
und  Wolle,  woraus  ärmere  Leute  ihre 
Kleider  verfertigen.     Hennig,  146. 

I?nsch,  adj,,  s.  lUnisch. 

Lint,  Linte,  /.  1.  leinenes  Band,  auch 
seidenes  Hut-  u.  Armband,  Zierband 
der  Platzmeister  bei  Hochzeiten,  Schleiff , 
Bandende.  Lettst  du  recht  lang  dei 
Linte  flattre,  Nowack,  61.  Mnd.  fo'n^ 
plattes  Band,  holl.  Unit  Band,  Borte, 
lit.  linta  Zierband,  Hutband.  Nsslm. 
Wb,370a;  Forsch.  2.  Hennig',  146. 
2.  Quersaum,  Quarder,  Querdel. 

Lintrock,  m ,  Rock  mit  Linten  besetzt. 
Be  heft  sine  Moder  ehr^  Lintrock  an^ 
Ös  keen  HaaK  noch  Öse  dran,  Volksr., 
275,  961. 

Linwad,  /.,  s.  Leinwad. 

Lipp,  m.  Vom.,  Gottlieb.  In  der  Dzg. 
Nhg.  Ueper.    Viol^t,  102. 

Lippe,  w.  jud   Vom.,  s.  Liebe. 

Lippiz,  Lippit,  tti.,  weifzer  Met,  der 
aus  Lindenblutenhonig  gekocht  wird. 
Bock,  31.  Hennig,  146.  Der  hell- 
gelbe  Meih^  so  von  dem  wei/zesten  Honig 
bereitet  toird^  heifzet  Lippitz  und  wird 
vorzüglich  in  und  um  Kauen  gebrau£t, 
Bock,  Nat.  1,  276,  Auch  jetzt  noch 
kennt  man  hier  Lippiz-Honig,  der  aus 
polnischen  Linden  wäldern  eingeführt 
wird  Der  Stamm  des  Wortes  ist  altpr. 
lipe  (Voc.  601},  poln.  lipa^  lit.  lepa^ 
lett.  leepa  Linde.  Nsslm.  Forsch.,  2; 
Th.,  94.     Lit.  Aeq.,  20:  Lippit. 

.Uppmann,  Lippme,  m.  jiid.  Vom.,  s. 
Liepmann. 

lirumlarum,  interj,^  zurückweisend,  in 
dem  Sinne:  dummes  Zeug.  Eir  kann 
nicht  lateinisch  lesen,  Lirum  larum^ 
versetzte  Herr  Puf^  er  wird  sie  deutsch 
curiren.     Soph.  R.  I,  362. 

L?S,  Lise,  w.  Vorn.,  Elisabeth. 

Lis,  LOfz,  /.,  auch  Usstock,  LOIzstock, 
m.y  am  Leiterwagen  eine  der  vier  ge- 


30    • 


Lisch  —  Lischke. 


krümmtf^n  starken  Stangen,  Stämm- 
leisten,  welche  auf  den  Achsen  in  dem 
Achsenuagel  ruhen  und  mittels  des 
Lisringes  o(}er  der  LiswCde  die  licxtem 
tragen.  Ihnen  parallel  gehen  aus  den 
Ach.sen polstern  oder  Krängein  durch  die 
Leitern  die  vier  Rungen,  Wagenlebnen; 
sie  tragen  den  zweiten  King  des  Lds- 
nnges,  Grimm,  Wb.  VI,  1020:  Li^se^ 
aui^  mhd.  liuhse. 

Lisch,  m.,  Pflzn.,  stinkender  Schwer- 
tel,  Iris  foetidissima  L.     Magen,  46. 

Usche.  /.,  s.  das  folg. 

Lischke,  pltd.  LOschke,  /'.  1.  Köber 
oblonger  Gestalt,  aus  Bast,  gespaltenen 
Weidenruten,  Rohr,  Wurzeln  etc.  ge- 
flochten, in  welchem  Feldarbeiter  und 
Reisende  ihren  Mundvorrat  mit  sich 
zu  führen  pflegen.  Die  Lischke  wird 
an  einer  durch  die  hervorragenden  Rän- 
der der  schmalen  Seiten  des  Hauptkör- 
pers und  des  Deckels  gezogenen  Schnur; 
an  weicher  der  Deckel  auf-  und  nie- 
dergeschoben werden  kann,  über  der 
Schulter  getragen.  Nsslm.  Th.,  95. 
Dajfiach  gehe7i  nie  in  äneti  Knig,  der 
ihnen  gelegen  ist^  die  Männer  setzen  sieh 
sonderlich^  die  Weiber  dergleichen,  und 
JuAen  Paudeln  und  Lischken  mit  Fischen^ 
Gebratenes  und  Gesottenes.  Von  den 
alten  Sudauen  etc.  Erl.  Pr.  V,  718. 
In  einer  Urkunde  der  Haushaltungs- 
visitatoren  des  Oberlandes  von  1615 
(im  Magistnits-Archiv  zu  Passenheim) 
wird  der  Herrschaft  „das  kleine  Markt- 
recht,  als  hölzerne  Eimer,  Schaufeln, 
Töpfe,  Lischken  und  ßesem  und  an- 
dere dergleichen  kleine  Waare  in's 
Amt  Orteis  bürg  zu  nehmen"  vorbehal- 
ten. Toppen,  Altpr.  M.  IV,  149.  By 
dem  liüttel'  onn  Pahnschen  HochtietS" 
feste  wull  d(it  Brut-Paar  onn  gesanirnte 
Gäste  so  good  als  he  centwcht  beehm 
onn   dit  klön  Löschkke   Hiem   verehm. 


Caj'm.  nupt.  V,  220  a.     In  Westpi-eufz. 
(Schmitt,    W'estpr.,    166.     Klein  I, 
248    für   Danzig)    Luschke;    es    tret<^n 
doli  auch  die  Namen  Lusch,  Usche  u. 
Liske  auf.'  Möt  Pannkook  ward  de  Lusch 
geföUt.      Dorr,    19.      2.    Lischkei    und 
^  Liske  auch  Namen  von  Ansiedelungen 
um    eipe    Ordensburg,    welchen    noch 
nicht  das  Stadtrecht  beigelegt  war.    Sie 
bestanden  zum  grofzen  Teil  aus  sogen. 
Kretzem  (Voc.  382  karczenio\  d.  i.  aus 
'Schank-    und  Ilökerwirtschaften,    aus 
welclien  die   Burgbewohner   sich    ver- 
proviantierten.    Der  Name    in  diesem 
Sinne  bat  sich  noch  erbalten  in  Lisca- 
Schaaken,  Dorf  in  der  Domäne  Schaa- 
ken,  Kr.  Königsberg,  Liesken,  Vorwerk 
bei  Bartenstein,    Lisken^    zwei   Dörfer 
in    den  Kreisen  Lyck    und    Johannis- 
burg,  u.  m^  Lieskendorf  hex  Nordenburg. 
In  Urkunden  begegnen  wir  dem  Namen 
öfter:  Barthen  die  lyschke  hat  9  krecze- 
mer^  iezlicher  czinset  3  mark,     die  zu 
Lunenburg  (Leunenburg)  us  der  lyske^  die 
gehören  dem  pfleger.    Rat^  scheppen  und 
die  gemeyne  der  lyscliken  czur  Ilaw  (Pr. 
Eylau)    .  .  .  huldigten  .  .  .    am  Sontage 
nach  PetH   dd   vincula  etc.     Vgl.    die 
ausführliche  Abhandlung  von  Toppen: 
Über  preul'zische  Lischken,  Flecken  i^. 
Städte.    Altpr.  M.  IV,  51  \  ff.  u.  621  ff. 
Nsslm.    Forsch.,  2;    Th. ,    95,    macht 
darauf  aufmerksam,  dalz  beide  Bedeu- 
tungen des  Wortes  Verwandtschaft  zei- 
gen, indem  Lischke   1.  für  das  Indivi- 
duum dasselbe  ist,  was  Ldschke  2  für 
die  Bewohner  einer  Ordensburg    war, 
nämlich  der  Verwahrsam  für  den  Mund- 
vorrat.    Toppen  (Altpr.  M.  IV,  149) 
wie  Nesselmann  (Altpr.  M.  VI,  317) 
weisen  für   die  Ableitung  des    Wortes 
auf  das  altpr.   listis  (Voc.  412)  Lager, 
Heerlager  hin,  ersterer  mit  Hindeutung 
aui  das  lit.  lizdas  Nest,  letzterer  mit 


Lischkener  —  Litauer. 


31 


der  Annahme  einer  falschen  Schreibung 
statt  ii'scis.  Mit  dieser  Annahme  wäre 
jedoch  nur  Lischke  2  erklärt;  für  1. 
bietet  sich  das  von  Toppen  a.  a.  U.. 
genannte  Zisa,  liska^  lisica,  das  in  ver- 
schiedenen slavischen  Sprachen  in  der 
Bedeutung  von  acutes  ^  craticula  ge- 
flochtener Korb,  Hürde,*  Gitterkasten 
vorkommen  soll,  und  das  poln.  ittszczka 
Hülse,  Samenbehältnis,  hohles  Behält- 
nis, Schale  bedeutet.  Mrongo.v.  H, 
415b;  I,  202b.  N.  Pr.  Prov.-Bl.  a.  F. 
VII,  108.  —  Scherzweise  bezeichnet 
man  mit  Lischke  1  auch  den  Bq^uch^ 
Magen:  Ei'  hat  seine  Lischke  gut  voll- 
gepackt^  er  hat  tüchtig  gegessen.  Sprich- 
wörtlich :  Kopp  af^  Zagel  ön  de  Lusch, 
Elbinger  Ndrg  Öck  Heir^  du  Herr, 
wer  ward  LöscJike  dräge?  Wat  Gott 
göft^  dat  stock  ön  e  LöscJike,  Sprw.  I, 
1586.  1354.  Bock,  32.  Hennig, 
148.  Schmitt,  108.  Sperber,  40. 
Schemionek,  23. 

Lischkener,  vi.^  pUd.  LOschkener,  nach 

llennig,  149,  Postbote,  weil  ein  sol- 
cher die  Briefe  und  kleineren  Pakete 
in  einer  Lischke  mit  sich  trug.  Nsslm. 
Th ,  95. 

Lischkenkicker,  pltd.  LOschkekicker,  m., 

der  in  die  Lischken  kuckt,  sie  revidiert, 
der  Steuer  -  Kontrolleur.  Vgl.  Sack- 
spicker. 

Lfse,  /.,  w.  Vorn.,  Elisabeth,  als 
dumme  Lise  das  Seitenstück  zum  dum- 
,men  Hans, 

LTseo,  Füssen,  ;)Zttr..^,  Fett  des  Schwei- 
nes am  Bauche,  s.  v.  a.  Sclimer.  Müh- 
ling. 

Liske,  /,  s.  Lischke. 

Lisring,  ?/2.,  gebogeiies  Eiseuband  mit 
zwei  Endringen,  in  welchem  an  Lis- 
stock  u.  Runge  die  Wagen leitcr  ruht. 
An  einfachen  Leiterwagen,  namentlich 
in  Masuren,    ist  das  Band  aus  festen 


Wurzeln  gedreht  und  heii'zt  dann  Lis- 
w6de,  /.,  Lisweide;  Weide  -  Rute. 
Letzterer  Name  vielfach  auch  über- 
tragen auf  den  (eisernen)  Lisring, 

Lisse,  w.  Vorn.,  Elisabeth.  Engeseg- 
net he/t  de  Paster  Jan  on  Lissen  en  de 
Tni.    Volksl,  42,  27,  2. 

Lisstock,  VI.,  s.  Us. 

Listen,  Dorfname,  s.  Leisten. 

Liswede,  /.,  s.  Lisring. 

LK,  Litt,  pltd.  Lött;  n.  1.  Sclienk- 
bänk,  Ladentisch,  Krämertisch,  ge- 
wöhnlich Tonhank^  Tombank^  /.-  In 
ihr  befindet  sich  eine  Klapp  thür, 
welche  den  Verkehr  zwischen  Verkäu- 
fer und  Käufer  ermöglicht.  Ouch  alle 
dg  do  byr  schenken,  dy  sullen  einen  ke- 
gyl  vf  ir  lyt  setczen  by.XXXVl  schü, 
Willkür  der  Stadt  Marienburg  von  1365. 
Voigt,  Gesch.  Marienburgs,  528.  Bei 
Jeroschin  auch  in  der  Bedeutung  von 
Glied,  Teil,  Abteilung:  al  sine  lit  ir- 
qudniin  54  a.  der  lidir  ardenunge  2  c. 
Pfeiffer,  189.  2.  Gelenk  am  Deckel 
eines  Trinkgeschirres.  Hennig,  146. 
Ahd.  lit,  litfi,  lid,  mhd.  lit  Deckel  oper^ 
culum,  angs.  hlid,  n,  Deckel,  Thür, 
engl,  lid  Deckel,  altfr.  Idid,  lid  dass., 
altnord.  hlidJi  Thür,  dän.  led  Zaunthür. 
Schade,  407a. 

Litauen,  Littauen,  pltd.  Lettaue(n),  n., 

Ländername.  Das  preul'z.  Litauen  um- 
fafzt  das  Gebiet  zwischen  den  Flüssen 
Deime,  Pregel,  Angerap  und  Goldap. 

Litauer,   Littauer,  pltd.   Lettauer,  m., 

Bewohner  von  Litauen.  Ausführliches 
über  ihn  enthalten:  Lepner,  Der 
preusche  Littauer  etc.  Danzig  1744. 
Pierson,  Matthäus  Prätorius'  Delieiae 
Pinissicae  etc.  Berlin  1871.  Bock;  Ver- 
such einer  wir  th  schaftlichen  Natur- 
geschichte etc.  Dessau  1782.  1,  154  ff. 
Preul'z,  Preulzische  Landes-  u.  Volks- 
kunde.    Kgsbg.  1835.    S.  224  ff.     ihre 


♦  r 


32 


Litewka  —  Lob. 


eigentömlichen,  Volkslieder,  Dainos^  fin- 
det man  in:    Dainos  oder  litthauische 
Volkslieder,  gesammelt  etc.  von  L.  J. 
Rhesa.    Kgsbg.  1825.    Nesselmann, 
Littauische     Volkslieder,      gesammelt, 
bearbeitet  und  übersetzt      Berlin  1853 
Lit.  Volkslieder  und  Mitteilungen  über 
deren  Wesen  bieten  ferner  die  N.  Pr. 
Prov.-Bl.  I,  230.  II,  261.  321.  HI,  80. 
V,59.  88.  344.    VI,  16. 190. 199.   VIII, 
401.  411.  416.    X,  321.  323.    XI,  88. 
97.  240.    N.  Pr.  Prov.-Bl.  a.  F.  Xlt, 
356.  421.     Ebenso  enthalten  dieselben 
vielfache  Mitteilungen  über  lit.  Sprache, 
Sagen,  Sitten  und  Gebräuche.   Vgl.  III, 
367.   IV,  144.  209.  173.    V,  232.    VII, 
456.    463.     VIII,    73.    75.    469.     Die 
Sprache  der  Litauer  fixierten  die  Wör- 
terbücher   von     Ruhig,      Königsberg 
1747;    Mielcke,    Königsberg    1800; 
Nesselmann,    Kgsbg.    1851;    Kur- 
schat, Deutsch-lit.  Wb.    Halle  LS70ff. 
2  Bde.;   Kurschat,    Grammatik    der 
lit  Sprache.   Halle  187n.    A.  Bezzen- 
bergers    lit.    u.   lettische   Drucke  des 
16.  Jahrh.   Göttingen  1874  ff.  u.  dessen 
Litauische   ForschuDgen.     Ebd.    1882. 
Von    beachtenswerter   Bedeutung   sind 
auch  die   Mitteilungen   der  (1879    ge- 
stifteten) litauischen  litterarischen   Ge- 
sellschaft.    Heidelberg    1880  ff.  —  Der 
Litauer  im    Sprichwort:     Der   Litauer 
ist  keinem  Deutschen  treu  und  wenn  er 
bis  Mittag  schläft  —  und  wenn  er  mit 
ihm  in  einem  Bett  schläft.    Der  Litauer 
läfzt  seine  Nicken  nicht.     Der  Litauer 
kommt  mit  dem  Zaume  auf  die    Welt 
ist  ein  guter  Reiter.    De?*  Litau^  rei- 
tet in  den  Wald  und  kommt  zu  fahren 
heraus,  er  ist  ein  guter  Schirrarbeiter. 
Vgl.    Sprw.  I.    2442  ff.     Der   Litauer 
nennt  sich  einen.  Ochsen j  den  Szameiten 
einen   PfahL   den   Juden   einen   Strick 
(zum  Anbinden  des  Viehes),  den  Polen 


grünes  Gras,  den  Deutschen  eine  Rose, 
Passarge,  Balt,  140. 

Litewka,  /.,  kurzer  Männerrock, 
Waffenrock  der  Invaliden  aus  den 
Freiheitskriegen.  Tapiau.  Poln.  litewka 
Litauerin. 

Litt,  n.,  s.  Lit 

Littauen,  n.,  s.  Litauen. 

Littauer,  m.,  s.  Litauer. 

Litter,  /.,  Leiter.  Oberland.  Erm- 
land. 

Litze,  /.,  dünne  runde  Schnur.  Ver- 
gnügte mich  an  der  künstlichen  Ver- 
schränkung  der  Lizen  in  der  Decke  des 
obem  (Kutschen-)  Bodens,  Soph.  R. 
IV,  441.    Vgl.  Grimm,  Wb.  VI,  1072. 

Litzenpulver,  auch  Mützen-,  MUtzclien- 

pulver,  n.,  Medik    Pulvis  albificans. 

Lizent,  m,  1.  Abgabe  für  ausgeführte 
Waren,  Seezoll,  Zoll,  Accise  überhaupt. 
Von  dem  lat.  licentia,  2.  Gebäude, 
worin  der  Lizent  erhoben  wird.  . . .  dafz 
die  Visitators  im  Thor  und  auf  dem 
Licent  jedermann  durchsuchen,  •  Soph. 
K.  II,  16.  Wer  die  ganze  Einrichtung 
des  Licents  nv  ht  leiden  kann,  der  kann 
auch  keinen  der  beim  Licent  angesetzten 
Offidanten  ausstehn.     Ibid.,  315. 

Lizentschreiber,  m.,  Schreiber  auf  dem 
Lizent.  Herr  Licentschr eiber,  Uissen  Sie 
ihn  doch  rufen . . .  Herr  Licentsclireiber, 
sie  soll  atu'h  kommen,  Soph.  R.  VI; 
536. 

Lizentträger,   pltd.   Lizentdräger ,    m., 

Arbeiter  auf  dem  Lizent-Packbofe. 

Lob,  pltd.  Lob,  n..  Ruf,  Führung;  das 
den  Dienstboten  ausgestellte  Zeugnis, 
es  sei  lobend  oder  tadelnd,  ja  sogar 
in  der  Verbindung  st^hlechtes  Lob,  Sich 
nach  dem  Lob  erkundigen;  —  nach  dem 
Lob  fragen,  bei  der  bisherigen  Herr- 
schaft des  Dienstboten  über  dessen  Be- 
tragen und  Auffühnmg  Erkundigung 
einholen. 


Lobatsch  —  Loddert. 


33 


Lobat8€h,  771.,  roher^  ungeschlachter 
Mensch.    Treichel.    Vgl.  Labasch. 

ISbbern,  dtr.,  s.  labbern. 

Lobde,  Lobe,  /.,  s.  Läwe. 

Ubenichty  pltd.  LVwnicht,  LSwnick,  m,y 
Stadtteil  von  Königsberg,  früher  selb- 
ständige Stadt  Der  Löbenicht  hat 
wahrscheinlich  seinen  Namen  von  dem 
Flüfzchen  Lobe  mit  der  Endung  nick 
'  welche  zur  Bezeichnung  der  an  einem 
Orte  wohnenden  Ansiedler  oft  vorkommt 
(WoliUnick  an  der  Wolitte),  Der  Or- 
den und  die  deutschen  Einzoglinge 
mochten  die  neu  erbaute  Stadt  im 
Gegensatz  zur  Altstadt  Neustadt  nennen 
(Hennig,  147);  man  wäre  aber  kaum 
auf  den  Gedanken  gekommen,  fQj*  diese 
Neustadt  den  Namen  Löbenicht  zu  er- 

• 

finden,  wenn  nicht  schon  vorher  eine 
Ansiedelung  gleicher  Benennung  an 
dieser  Stelle  vorhanden  gewesen  wäre. 
Das  Flüfzchen  Liebe  bei  Marienwerder 
biefz  altpr.  lywa^  lyva,  lyve  (Nsslm. 
Th ,  95),  von  den  Deutschen  in  den 
für  Flüsse  sinnlosen  Namen  Liehe  um- 
gewandelt. (Flüfzchen  mit  dem  Namen 
Liebe  giebt  es  noch  bei  LiebemQhl, 
Liebstadt,  Barten).  Einen  solcben  Na- 
m^n  hat  nun  wohl  auch  das  Flüfzchen 
gefuhrt,  welches  von  oben  her  an  der 
Stelle  des  später  angedämmten  Schlofz- 
teiches  flofz,  und  sodann  an  der  Grenze 
>  des  Lobenichts  (heute  der  Katzbach)  in 
den  Pregel  mündete.  Der  daran  liegende 
Ort  hiefz  nun  Lifwenick^  Lowenick, 
Yhchd,  Löbenicht.  Hoffheinz,  Stral'zn., 
599  f. 

Uchel,  n.,  s.  Lächel. 

LBchelbinse,  /.,  Waldbinse,  Scirpus 
süvaticiis  L,    Hagen,  58. 

IScherig,  gewöhnlich  ISchrig,  lächrig, 
odf/.,  kritisch,  bedenklich,  verwickelt. 
De  Sach  ös  löchrig^  sie  hat  ein  Loch. 
Mühling.      Nach    Treichel    ISckerig 

FriadkUtr,  WorUrbaeb  II. 


löcherig.  Mir  ist  so  lockerig  im  Magen^ 
ich  fühle  Appetit:  lockerig  im  Magien 
und  leckerig  auf  der  Zunge. 

Locke,/.,  Flocke  von  Wolle,  s.  Flusch, 
Treichel.     ISckerig,  adj.,  s.  IScherig. 

Lockrinski,  m.,  von  locker  mit  poln. 
Endung,  lockerer,  leichtfertiger  Mensch. 
Schemionek;  23. 

Loddchen,  Pfizn.,  s.  Lottchenblatt  • 

lodderig,  gewöhnlich  loddrig,  adj,  1. 
von  loddemy  in  allen  Bedeutungen.  2. 
unordentlich  in  der  Kleidung,  schlotte- 
rig, ohne  Halt,  lose,  nachlässig;  nach 
Gordack  auch  unzuverlässig.  Ahd. 
lotar^  mhd.  toter,  htter  locker,  leichtfer- 
tig; nichtsnutzig;  gauklerisch.  Schade, 
571b.  In  Hessen  noch  lotterig  \x,  lod- 
dericht  Vilmar,  254.  Bock,  31. 
Hennig,  147.  Nsslm.  Th.,  218.  Sper- 
ber, 21.      • 

Lodderjän,  m.y  wörtlich  hddriger  Jo- 
hannes.   S.  Loddert 

loddern,  sw.  1.  müfzig.  gehen,  fau- 
lenzend die  Zeit  totschlagen.  Er  lod- 
dert den  ganzen  Tag  umher,  2.  ohne 
Anstrengung,  träge,  mangelhaft,  lang- 
sam und  schlecht  arbeiten.  Hiervon 
das  Subst.  Gelodder,  n.  Das  ist  ein 
reines  Gelodder  und  keine  Arbeit.  3. 
mit  dem  Seinigen  unwirtlich  umgehen, 
es  verbringen,  verkommen  lassen:  ver- 
loddern.  Es  ist  bei  ihm  alles  verloddert 
Er  ist  ganz  verkoddert  und  verloddert^ 
in  Kleidern  und  Wesen  herunterge- 
kommen. In  Hessen  laddem.  Vilmar, 
234.  Für  Liv-  und  Estland  bei  Hu- 
pel,  144.  Sali  mann,  74.  Vgl.  ver- 
ludern, loddrig. 

Loddert,  m.^  schmutziger,  unordent- 
licher, verlodderter  Mensel^,  Taugenichts, 
Mui'ziggänger.  Unter  den  Schimpf- 
wörtern bei  Stein,  Peregrinus  XIl,  82. 
W.  Mtsbl.  V,  191.  Mhd.  loter,  lotter, 
lockerer^  leichtfertiger  Mensch,  Tauge- 


34 


Loden  —  löfsch. 


nichts;  lit.  Idtras^  Spitzbube.  Schade, 
571b.  Ebenso  Lodderjan.  In  Hessen 
Ladderhans.  Vilmar,  234.  Vgl.  Lie- 
derjan. 

Loden,  plur.^  alte,  wertlose  Kleider. 
Sie  hatte  nur  die  paar  Loden  auf  dem 
Leibe.  Treichel.  Ahd.  lodo,  ludo^ 
SLf^s.  loäa,  altn.  lodi  grober  Mantel,  zot- 
tiger  Überwurf.  Vgl.  Weigand  I, 
960.     Grimm,  Wb.  VI,  1116. 

loden,  sw.j  Bettfedern  in  die  Ein- 
schüttung (s.  Einlatt)  füllen. 

Lodiksblatt  (o  kur?),  r^.,  Pflzn.,  ge- 
bräuchliche Klette,  Lappa  officinalis 
All.;  wohl  von  dem  poln.  hdyga  Sten- 
gel. Die  Pflanze  heil'zt  auch  Pfaffen- 
knSpfe,  jp/t^r.  Kr.  Carthaus.  ImWeichsel- 
deltA  Klettenbusch,  Klattbosch,  von  Klette 
oder  Klatten  =  Klunkern  (s.  d.).  Trei- 
chel, Volksth.  I  u.  lU. 

Lodtehak,  m,^  verlodderter  Mensch, 
ohne  Haltung,  in  unordentlich  hängen- 
den Kleiden).  Davon  lodtehakig,  adj. 
Nsslm.  Th.,  96.  Vgl.  lodderig,  Loddert, 
Leichak,  Laband. 

Lodiche,  /.,  Weichselkahn,  flaches 
Flulizschifi*,  nach  Schemionek,  23, 
offenes  flachgehendes  Frachtschiff  füi* 
den  Drausensee.  Poln.  lodz^  russ.  lod'jay 
böhm.  lodj  Boot,  Kahn,  Schiff';  in  Est- 
land Lodge  Lichterschiff.  Nsslm 
Forsch.  3.  Pierson,  A.  W.,  24.  Sall- 
mann,  13.  Nsslm.  schreibt  auchLo^i- 
dije.     S.  Lit-Aeq.,  20. 

LOfFel,  LefFel,  pltd.  Lfipel,  m.  Bei 
Jeroschin:  leffiL  Pfeiffer,  186.  1. 
in  Redensarten :  Den  Löffel  fallen  lassen 
—  hinlegen  —  weglegen  —  umdrehen^ 
sterben.  Et  heft  wedder  ener  den  Lepel 
hengeleggty  sagt  man,  wenn  die  Sterbe- 
glocke geläutet  wird.  Einen  über  den 
Löffel  barbieren^  ihn  betrugen.  Sie 
essen  mit  (aus)  gro/zen  Löffeln,  es  geht 
bei  ihnen  hoch  her.    Er  ifzt  heute  mit 


dem  grofzen  Löffel,  befindet  sich  in 
vornehmer  Gesellschaft.  Er  ist  dicht 
beim  silbernen  Löffel^  ist  seinem  Ziele 
sehr  nahe.  Den  Löffel  umkehren^  hat 
aber  auch  eine  rein  wörtliche  Bedeutung. 
Wer  bei  der  Mahlzeit,  namentlich  bei 
einem  Gastmahl,  den  Löffel  umgekehrt 
auf  den  Teller  legt,  deutet  damit  an, 
dafz  er  von  der  genossenen  Speise  zur 
Genüge  habe.  2.  Ohr,  zunächst  des 
Hasen,  dann  aber  auch  des  Menschen. 
Eis  ist  ihm  auf  die  Löffel  gefallen^  er 
ist  schwerhörig,  taub.  Vgl.  Sprw.  I, 
2453  ff'.;  II,  1734  f. 

LOffelgardist,  Lepelgardist,  m.,  Spott- 
name für  einen,  der.  sich  mit  Unrecht 
rühmt,  Soldat  gewesen  zu  sein;  auch 
scherzhafte  Benennung  für  einen  Kna- 
ben. 

LSffelkost,  pltd.  Lüpelkost,  /.  (in  der 
Dzg.  Nhg.  mit  kurzem  e\  Speise,  die 
mit  dem  Löffel  zu  essen  ist:  Vorspeise, 
Suppe.  BjS  war  niehts  als  Löffelkosty 
zur  Bezeichnung  einer  dürftigen  Mahl- 
zeit. Hennig,  147  f.  Scherzweise: 
Flesch  ÖS  de  beste  Lepelkost  Sprw.  I, 
904.  Für  Liv-  und  Estland  bei  Hu- 
pe 1,  144.     Vgl.  hOjanen. 

ISffeln,  leffeln,  pltd.  Ifipeln,  sw.    1.  mit 

dem  Löffel  essen.  Ist  es  nicht  geschef- 
felt, so  ist  es  doch  geleffelty  als  Aus- 
druck der  Genügsamkeit.  Übertragen: 
Es  löffelt  sich  ^  so  sachtche  fort,  man 
konmit  allmählich  vorwärts.  Treichel 
hat  noch  vor-  und  nachlOffeln,  im  Trin- 
ken vor-  und  nachkommen.  2.  schmei- 
cheln, schön  thun:  Sich  gelöffelt  füh- 
len, sich  geschmeichelt,  geehrt  fühlen. 
Erinnert  an  Löffel  =  Ohr  (Hase).  Bu- 
len,  Löffleny  schertzen,  Leckejm,  schos- 
siren,  cm'tesiren,  kiitzeln,  streichlen,  Hei- 
sen,  küsnen,  Possen.  Stein,  Peregrinus 
XIII,  1.  W.  Mtsbl.  VI,  111. 
ISfsch,   Kfsch,  ISpsch,  ISwsch   (Vokal 


löften  —  Lomse. 


35 


lang),  adj.^  läufiscb,  brunstig;  von  der 
Hündin;  übertragen  auf  mannstolle 
Franenzinimer.  De  Zock  ös  löfsch^  die 
Hündin  verlangt  nach  dem  Hunde. 
Bock, -32.    Hennig,  148. 

Üfften,  9w.^  s.  lüften. 

ISflig,  ctdj.^  von  laufen^  pltd.  I6pe(n\ 
lo/eriy  flink,  schnell,  munter.  Leute^ 
sad  hey  heite  seid  mer  mal  hvpsch  löfUg 
ze  Bein.    Dorr,  Driewjagd. 

lohnen,  sw,  1.  befriedigenden  Ertrag 
gewähren.  Der  Roggen  hat  in  diesem 
Jahr  gut  gelohnt  2.  von  Erfolg  be- 
gleitet sein.  Das  lohnt  schon.  Dem 
ein  gutes  Wort  zu  geben  ^  lohU  nicht, 
es  wäre  vergeblich.  Im  ersten  Sinne 
auch  bei  Hupel,  144. 

Lohnhofmann,   -hOmann,  7n.,   s.   Hof- 


loi,  adl/.,  laU;  säumig,  laiz,  träge. 
Dönh.  Friedland  Ostpr.  Holl.  lui 
trage.  Davon  loien,  sw.  Von  Pferden, 
welche  nicht  mehr  ziehen  wollen  oder 
können,  sagt  man,  sie  loien. 

loien,  sw.y  8.  das  vor. 

Lpllafsch,  m.y  aus  loi  und  latsch  von 
latschen  (s.  d.)  zusammengesetzt,  trä- 
ger, matter,  abgespannter  Mensch,  der 
nicht  vorwärts  will  oder  kann. 

Lok,  Pflzn.,  Sumpf- Brachsenkraut, 
boetes  lacustris  L.,  wohl  nur  der  pltd. 
Lauchy  mit  welchem  das  Brachsenkraut 
Ähnlichkeit  hat.  Treichel,  Yolks- 
ihümliches  U. 

LBIapp(olang),  ?n.,  Nichtsnutz,  Leicht- 
fufz.  Lafz  den  Löhiapp,  den  Schulz, 
fahren.    Soph.  R.  VI,  123. 

LBIge,  /.,  Lilie^  s.  Ulge. 

Lommo,  kurz  Lomm,  auch  wohl  Lumme, 

/.,  nach  Nsslm.  Forsch.  3,  und  Th., 
218,  kleiner  flacher  Handkahn^  Boot, 
dessen  sich  die  Jäger  bei  der  Enten- 
jagd bedienen,  dann  Entenlomm  ge- 
nannt.   Der  Jäger  legt  sich  der  Länge 


nach  in  das  Boot,  die  Flinte  neben 
sich,  und  sucht  sich  mittels  ganz  kur- 
zer schaufelartiger  Handruder  dem  En- 
tenvolke unbemerkt  zu  nähern.  Der 
Name  tritt  jedoch  allgemein  für  Boot, 
Kahn  auf.  Nach  W.  Seidel,  32,  ist 
luomme  ein  Flufzfahrzeug,  dessen  sich 
die  Nehrunger  zum  Transport  von  Ge- 
treide und  Vieh  bedienen.  Auf  dem 
frischen  Haff  heifzt  Lomme  ein  flach 
gebautes  kleines,  offenes  Segel-  und 
Ruderboot,  ja  selbst  ein  grölzeres  Fahr- 
zeug zum  Transport  von  Steinen,  die 
es  selbst  mittels  Hebevorrichtung  aus 
der  Tiefe  emporhebt.  De  Lomm  toat\i 
tärt  (geteert)  on  värgesocht,  zur  Zeit 
des  Eisganges.  D  orr,  18.  Vgl.  Sicke  u. 
Angelsicke. 

Lommenreeder,  tti.,  Spitzname  für  einen 
Fischer,  der  ein  kleines  Boot  oder  einen 
kleinen  Kahn  besitzt  und  sich  daher 
mehr  dünkt  als  seine  Nachbarn;  über- 
haupt ein  reicherer  Fischer. 

Lumpen,  plur,^  unterer  Teil  der  Bein- 
kleider, etwa  von  der  unteren  Wade 
abwärts.  Hosen  hadcC  he  ohne  Lömpen. 
Dorr,  63.  Volksl.,  16,  8,  6.  Nicht 
bloi'z  unten  zerzauste  und  abgerissene^ 
sondern  auch  aufiallig  kurze  Bein- 
kleider nennt  man  Hose  ohne  Lömpen. 

Lomse,  /.,  Stadtteil  in  Königsberg  auf 
dem  westlichen  Ende  der  Insel  zwi- 
schen dem  alten  und  neuen  Pregel.  An- 
fanglich war  diese  Gegend  mit  Baum-, 
Hopfen-,  Kohl-  und  Küchengärten, 
Scheunen,  Speichern  und  Ställen  be- 
deckt, uÄd  noch  im  Jahre  1535  ver- 
pflichteten sich  die  Einwohner  der  Alt- 
stadt durch  einen  Vergleich  mit  den 
Kneiphöfem,  hier  keine  Wohnhäuser 
und  Keller  zu  erbauen.  Faber,  138. 
Eine  Deutung  des  Namens  Lomse  ist 
bis  jetzt  nicht  gelungen.    Die  mir  aus 

kaufmännischen  Kreisen  gemachte  An- 

8* 


36 


Lönne  —  Loröl. 


gäbe,  dal'z  Wittinnikcr,  SchimkcD,  von 
homza  an  dem  Narew,  welche  Stadt  in 
alter  Zeit  mit  KöDigsberg  lebhafte 
Haodelsverbindung  hatte,  hier  ihre  Ge- 
treidelager aufgeschichtet,  ihre  Quaran- 
täne gehalten  und  sich  eine  ähnliche 
Stätte  hergerichtet,  wie  die  Firnen  auf 
der  Przerabka  in  Danzig,  läiizt  sich 
nicht  begründen. 

LSnne,  /.,  s.  Leinbaum. 
Lopatke,  /.,  s.  Lapatte. 

LOper,  m.,  Läufer,  Zugleine  mit  Stroh- 
wiepen oder  Strohbundeln  besetzt,  zum 
Aufscheuchen    der    Fische.      Putziger 

Wiek.    Vgl.  Wischleine. 

Loppen,  77).,  Haufen;  vom  Heu  in  der 
Menge,  wie  man  es  den  Pferden  in  die 
Kaufe  wirft.  De  Peerd  gekregen  fresche 
Streu  Un  enen  degen  Lappen  Heu, 
Viol^t,  102.  194. 
•  ISpsch,  adj,^  s.  lOfsch. 
Lorbas,  m.,  Lieblingsschimpfwort  in 
Ostpr.,  besonders  in  Kgsbg.,  auf  einen 
rohen,  rüden,-  flegelhaften  Menschen, 
namentlich  auf  einen  ungeschlachten, 
halbwüchsigen,  bengelhaften  jungen 
Burschen,  in  dem  Sinne  von  Lümmel, 
Taugenichts.  Aus  dem  gleichbed.  lit. 
lurbas^  lett.  lurbis  dummer,  gedanken- 
loser Mensch.  In  Estland  Lurjes  Schlin- 
gel, Lotterbube,  Lümmel,  lurfus 
Taugenichts,  von  lurjamq  unnütz  um- 
herschlendem;  isL  luri,  schwed.  lurk 
Schlingel;  erinnert  sei  an  das  pltd. 
lüren^  lauem,  lungern,  faulenzen.  In 
der  Saalfelder  Gegend  auch  Lorbasch. 
Im  Brem.  Lobbes,  Nsslm.  Wb.  376a; 
Forsch.  2;  Th.,  96.  Pierson,  A.  W., 
24.  Lit.  -  Aeq.,  20.  Brem.  Wb.  lU, 
77.  Sperber,  2L  Schemionek,  23. 
Hupel,  147.  Sallmann,  53b.  Da- 
von das  Adj.  lorbassig.  Vgl.  Laband. 
Lorbe,  /.,  Keil,  den  die  Brettschnei- 


der von  den  Stützen  ihres  Gerüstes  in 
die  Erde  einschlagen,  damit  diese  nicht 
ausgleiten.  Ermland.  In  der  Gegend 
von  Nordenburg  LorL  Mühling,  N. 
Pr.  Prov.-Bl.  a.  F.  IE,  440.  Lork,  w., 
Lorke,  /.,  ist  zunächst  der  Keil,  mit 
welchem  die  Brettschneider  den  Schnitt 
erweitern,  um  der  Säge  leichte  Bahn 
zu  machen.  Die  Lorke  schlagen,  den 
Keil  weiter  auf  die  Säge  zu  treiben. 

Lorch,  /.  u.  m.,  Lerche,  s.  LSwark. 

LöPe,  Lör,  /.,  Dem.  Lörchen,  w.  Vorn., 
Leonore,  Eleonore.  Ich  that  Lorcheh 
vieinen  Antrag.     Soph.  R.  II,  170. 

Lorenz,  m.  Vorn.,  Laurentius.  Hart- 
wich,  54. 

Lorenz,  w.,  krummer,  Reverenz,  und 
wohl  nur  Korrumpierung  dieses.  Wor- 
tes, Visite.  Einen  hemmen  Lorenz 
machen,  einen  Glückwunsch  darbrin- 
gen, durch  einen  Besuch  Ehrerbietung 
bezeugen.  Sprw.  I,  2460.  Op  der  du 
Feu'  on  Brochmansche  Kesting  icuU 
sienen  krommen  Lorentz  maacken  an 
truhai^er  Buhr.  Titel  eines  Hoch- 
zeitskarmen.    Königsberg,  1722.    Carm. 

nupt  I,  282.    Vgl.  LOweiiengs. 

Lorenzer,  Sanct,  plur,,  Bewohner  von 
8t  Lorenz,  Kirchdorf  im  Samlande, 
Kr.  Fischhausen.  Der  Volkswitz  nennt 
sie  Schnodderschmtter  (-schmeifzer), 
spricht  ihnen  also  den  Gebrauch  des 
Taschentuches  ab.    Vgl.  Sprw.  1,  2461. 

Lork,  m,,  Lorice,  /.,  s.  Lorbe. 

LOrk,  LSrke,  /.,  Lerche,  s.  Lewark. 

Lorke,  Lurke,  /.,  Schelte,  Verweis. 
Er  hat  Lorken  bekommen.  Einem  Lor- 
ken anhängen.  Bock,  32.  Hennig, 
148.  Poln.  bu7'ka  dass.  In  Bayern  lurken 
auch :  verächtlich  reden.  S  c  h  m  e  11  e  r  II, 
489. 

LorOl,  Loriflje,  n.,  Lorbeeröl,  mhd. 
lorole.    Hennig,  148. 


lorpsen  —  losseD. 


37 


IBrpsen,  su?.,  ralpsen,  wohl  nur  Kor- 
rampieruDg  dieses  Wortes.  Friedland 
Ostpr. 

los,  adj,  1.  locker.  Bei  Jeroschin 
aucli  noch  in  der  Bedeutung;  von  ver- 
änderlich: want  vil  veste  und  nwht  los 
was  stn  seligir  wüle  64 d.  Pfeiffer, 
190.  Er  läfzt  nicht  los  und  locker^  er 
ist  ein  fester,  energischer  Charakter. 
Vgl.  Losbäcker.  2.  unangebunden,  frei. 
Er  hat  ein  loses  Maul,  redet  unumwun- 
den, rücksichtslos. 

losackem,  »w.,  etwas  durch  anhalten- 
deS;  bestürmendes  Bitten  erlangen.  Das 
liat  tcas  gekostet^  bis  ich  das  hsgeacke^ii 
habe.     Vgl.  loseisen  unter  eisen, 

Losbäcker,  m.,  Bäcker  losen,  lockeren 
Brotes,  des  Weil'zbrotes,  im  Gegensatz 
zu   Fastbäcker  (s.  d.).     Hennig,  148. 

losbändig,  adj,^  ungebundeu,  ünver- 
heiraCet,  locker.     Schein ionek,  23. 

Losbrot,  m,  1.  losgebackenes  Brot, 
Brot  vom  Losbäcker.  2.  Spitzname 
für  einen  schwachen  und  schlechten 
Arbeiter.  Ejt  ist  ein  Losbrot^  eigent- 
lich Losbrotesser,     Sprw.  1,  2465. 

Lttsch,  /.,  Laterne.    M  ü  h  I  i  n  g. 

LBsch  (o  lang),  n.,  das  Schilf,  wel- 
ches von  den  Böttchern  zum  Verdich- 
ten der  Fal'zdauben  gebraucht  wird. 
Mühling. 

loichSre(n),  »w,^  pltd.,  wohnen,  frz. 
loger.  Wo  loschert  de  Herrf  Du  lo- 
scherst  ganz  nett, 

Ufschke,  /.,  s.  Uschke. 

LSschkener,  m,y  s.  Uschkener. 

loseisen,  sw,,  s.  eisen  u.  losackem. 

Loser,  LSser,  m.  jüd.  Vom.,  s.  Lei- 
ser. 

Losgänger,  m,y  der  los*  geht,  frei  und 
'  nicht  gebunden,  unverpflichtet  ist,  un- 
abhängiger und  unverheirateter  Arbei- 
ter.   Uennig,  148.     Vgl.  Losmann. 

Losleder,  m,^  beliebtes  Schimpfwort. 


Nach  Klein  I,  286,  der  nur  den  Plur. 
anführt,  in  Danzig  Leute,  welche  sich 
mit  keinem  ordentlichen  Gewerbe  be- 
schäftigen, ümtreiber;  scherzweise  auch 
unverheiratete  Personen.  Sperber,  21, 
der  für  die  Etymologie  auf  los  u.  ledig 
hinweist,  erklärt:  sanguinischer,  leicht- 
sinniger Mensch;  Schemionek,  23: 
„Mensch,  dem  die  Kleider  vom  Leibe 
fallen '',  also  los  auf  dem  Leder  sitzen. 
Du  Ijosleder^  tvie  kannst  du  so  faul 
sein!    Davon 

loslederig,  adj.y  unordentlich.  Als 
Schimpfwort:  losled'riger  Hund! 

Losleute,  plur.  von  Losmann  (s.  d.). 

ISslich,  adj.  u.  adv,^  s.  I6slich. 

Losmann,  m.,  plur,  Losleute,  Leute, 
die  los  =  frei  sind,  Tagelöhner,  die  in 
keinem  dienstlichen  Verhältnis  stehen 
und  unabhängig  zur  Miete  wohnen. 
Nach  Hennig,  der  nur  die  Mehrzahl 
hat,  sind  die  Losleute  unverheiratet, 
also  auch  nach  dieser  Richtung  hin  los 
und  frei,  was  jetzt  nicht  stets  der  Fall 
ist.  Sie  werden  auch  Losgänger  ge- 
nannt. Von  den'  Handwerkern j  Po- 
wirpen^  Hirten^  Loosgängem  und  Ge- 
sinde soll  der  Decem  treulich  eingebracht 
werden,  Insterbg.  Kirch.- Visitat.-Ord- 
nung  II,  §6.  Henüig,  148.  Li  Liv- 
und  Estland  nennt  man  Lostreiber  bäuer- 
liche Tagelöhner,  Häuslinge.  Hupel, 
144.  Sallmann,  70a.  Mnd.  losjun- 
gere  Hörige,  die  in  keiner  Genossen- 
schaft stehen.  Mnd.  Wb.  U,  729a. 
Vgl.  Freimann,  Hochmieter  u.  Inglleute. 

losschiefzeh,  sw.^  plötzlich  hervor- 
brechen; mit  der  Rede  herauskommend 
Schiefze  los!  zum  Kinde,  das  reden  soll. 

lossen,  s^o,  1.  entlasten,  ausladen, 
lichten.  Ein  Schiff  lossen^  jetzt  löschen. 
2.  s.  V.  a.  aufmerken,  achten,  hören. 
Kommty  last  uns  eilig  lossen  (^: Possen) 
Und   sehn^   wer  Bräutgam   ist,     Carm, 


38 


Losshaken  —  luchsen. 


t:. 


nupt  II,  280  d.  3.  kaufen  und  ver- 
kaufen, also  losen.  Vonn  Fischtrogenen 
zu  lassen.  Es  soll  kein  Mann  umb  die 
Fischtroge  auf  der  Fischbrücken  ge- 
legen, lossen,  es  sei/  den  das  er  ein  Mit- 
bürger ist  und  habe  der  Fischer  Guide. 
Kgsbg.  Willkur  von  1394.  Benecke, 
272.  Vortmehr  soll  niemandt  anders  uf 
der  Fischbrücke  loszen  umb  die  Fisch 
tröge  und  um  die  Lachs  bencke^  den  die- 
ser Aldenstadt  einwohner  und  mitbürger 
und  die  dieser  Fischer  gilde  haben.  Der 
Kgsbg.  Fischer  Rolle  1538  §  6.  Be- 
necke, 287. 

Losshaken,  m.,  Haken  am  frischen 
Ha£P.  Eine  Laichstelle  in  demselben 
reicht  vom  Losshaken  quer  über  die 
Bucht  bei  Haffstrom. 

lossprechen,  pltd.  losspreke(n),  st,  frei- 
sprechen. 1.  Lehrlinge  werden  losge- 
sprochen^ d.  h.  vor  der  Gewerkslade 
aus  der  Jungenschaft  entlassen  und  zu 
Gesellen  erklärt.  2.  Konfirmanden  wer- 
den vom  Unterricht  durch  die  Einseg- 
nung losgesprochen,  befreit.  Danzig. 
Klein  1,286.  E.  Förstern.  Anton, 
9,  18. 

lost  Es  lost  nichty  es  lohnt  nicht. 
Emiland.  Sperber,  21.  Der  Infinitiv 
losten  tritt  nicht  auf. 

LSIz,  /.,  LS(zstock,  77».,  s.  Us. 

löt,  adj.  u.  adv.^  spät.  Marienbg. 
Ndrg. 

Lot,  n.,  Richtung,  Ordnung.  Es  alles 
gm  Loth,  ist  alles  in  Ordnung?  Dorr, 
l.Wiew.,  126. 

IStabengIg,  IStarbengIg,  ISterbengig,  adj., 
nach  Mühling  in  der  Gegend  von  Bar- 
ten s.  V.  a.  unbändig,  aus  Rand  und 
Band;  bei  Schippenbeil  u.  Bartenstein 
weichmütig,  nachgiebig,  gleich  zu  Thrä- 
nen  gerührt.  In  der  Gegend  von  Dönh. 
blöde,  ängstlich,  weichmütig.  bengig 
würde  die  Doppelbedeutung  bängig  (von 


Band  u.  bange)  haben;  Mühling  deu- 
tet die  erste  Hälfte  des  Wortes  Iota  etc. 
=  los.  (?) 

LSthardel,  -harl,  Pflzn.,  s.  Letharl. 

LStt,  Tl.,  5.  UtL 

Lottchenblatt,  pltd.  Lottkeblatt,  n.,  ge- 
wöhnlich im  plur.  Lottchenblätter,  nach 
Mühling  auch  Loddchen,  Pflzn.  1 .  Huf- 
lattich, Tussilago  far/ara  und  petasite^ 
L.  I^ttchen,  auch  Latke,  ist  Korrum- 
pierung von  Lattich.  In  der  Gegend 
von  Friedland  und  Saalfeld  Ostpr.  auch 

Latkeblatt   und  BrandlottchenblatL    Die 

Blätter  des  gemeinen  Huflattichs  dienen 
den  Kindern  als  Sonnenschirme,  die 
von  T.  petas.  gebraucht  man  als  Haus- 
mittel auf  Wunden  und  Geschwüre. 
Hagen,  867.  Sperber,  21.  2.  grol'zer 
Wegerich,  Flantago  major  L.  Die  Blät- 
ter werden  als  kühlendes  u.  zusammen- 
ziehendes Wundkraut  gebraucht.  '  Dat 
Lottkeblatt  helt,  kelt  on  titt  de  Ilött  af\ 
es  heilt,  kühlt  und  zieht  die  Hitze  ab. 
S.  Leunis,  896.  956.  Vgl.  Lehm- 
blätter. 

istwenig,  adj.,  los,  locker,  ein  wenig 
los.     Pillau.     Mühling. 

LOwd  (ö  lang),  /.,  s.  Läwe. 

iOwen,  sw.,  zieren,  besondei-s  beim 
Essen  Low  dt  man  nich,  ziere  dich 
nur  nicht!     Samland. 

LBwen,  n.,  s.  Leben. 

LOwenhagen,  Ortsn.,  Dorf  (Bahnhof) 
im  Kr.  Königsberg.  Schimpf:  Ön  Lowe- 
hage  ös  c  Knäke  to  gnage  fer  e  Hund. 

LSwerengs,  LSwerenz,  /.,  s.  Lewerengs. 

IVwsch  (o  lang),  adj.^  s.  lOfsch. 

Lowf8(e),  w.  Vom.,  Luise. 

ISwthulig,  adj.,  s.  lewthulig. 

luchsen,  luxen,  auch  lugsen,  sw.,  wie 
ein  Luchs  verfahren,  scharf  lauernd 
sehen,  im  günstigen  Moment  schnell 
zufahren  und  stehlen,  stehlen  überhaupt. 
In  Zusammensetzungen:   abluchsen,  be- 


Lubatsch  —  Laedbrot. 


39 


luchsen.    In  der  SchreibuDg  lugsen  ist 
an  lugen  gedacht.     Vgl.  Grimm,  Wb. 
VI,  1223. 
Lubatsch,  ?n.,  s.  Läband. 

Lnbbe,  /.,  Pflzn.,  Gartenmalve,  Lava- 
tera  trimestris  L.    Mühling.     Dönh. 

lubben,  sw.^  verschneiden,  entmannen, 
kastrieren;  schinden,  abschinden.  Mnd. 
u.  holl.  lubben  dass.;  lit.  luppuy  Iwppau^ 
lupsu^  lüpti  schälen,  schinden.  Bock, 
S2.  Hennfg,  149.  331.  Nsslm.  Wb.,. 
S76a. 

lUbbem,  sw,,  s.  labbern. 

Luchty  f.y  Bodenraum,  Söller.  Ostpr. 
In.  Westpr.  ßon,  Bän,  Lacht  =  Luft ; 
dän.  u.  engl,  loft  Boden,  Söller,  in  Liv- 
und  Estland  Lticht  und  Luft  Fenster, 
Fensteröffnung.  Auf  der  luftigen  Lucht 
wird  Wäsche  getrocknet.  Auf  dei*  Lacht 
wohnen^  im  höchsten  Stockwerk  woh- 
nen. Er  ist  von  der  Lucht  gefallen^ 
hat  sich  die  Haare  verschneiden  lassen. 
Brem.  Wb.  III,  31.  Bock,  32.  Hen- 
nig,  149.    -Sallmann,  37. 

'  Luchte,  /.,  s.  LOke. 

Luchtenknaster,  Tn.,  Knaster,  nur  auf 
der  Lucht  zu  rauchen,  zur  Bezeichnung 
einer  schlechten  Sorte  Rauchtabak. 
Auch  Luchtländer,  aus  dem  Luchtlandc. 
Vgl.  Drängsei. 

luchtem,  adj.  1.  munter^  freundlich^ 
hell,  leuchtend,  lebhaft^  keck,  feurig. 
Ef'n  luchtemes  Mädchen,  Was  hat  die 
für  luchteme  Atcffen  !  Diese  guten  Eigen- 
schaften in  der  Entartung:  durchtrie- 
ben, pfiffig,  listig,  yerschlagen  (Müh- 
ling), leichtfertig  (Schemionek,  24), 
begehrlich,  lüstern  (Sperber,  21).  Se 
plinkt  mi  to  on  kickt  mi  von  der  Sied 
80  luchtern  (begehrlich)  an.  Dorr,  1. 
Wiew.,  20.  Der  Stamm  des  Wortes  ist 
Licht  ^  goth.  liuhtfan,  ahd.  liuhtan^ 
mhd.  liuJiten  leuchten,  Licht  verbreiten. 
Schade,  566a. 


Luchtländer,  m.,  s.  Luchtenknaster. 
Lücke,  f.,  s.  LQke. 

lUcke,  lUck,  adj,,  glucklich.  Je  sehe- 
wei*  je  lücke^  je  me'  (mehr)  de  Lüed 
dana  kicke,  Jerrentowitz.  Im  Brem. 
luk^  im  Götting.  lücke^  im  Rein.  Vos 
lu^cke^  n.j  das  Glück,  holl.  luk,  engl. 
luck,  Brem.  Wb.  III,  96.  Scham b., 
127  b. 

Ludd,  m.  Vorn.,  Ludwig. 

Luder,  n,  1.  Fleisch.  Das  Pferd  be- 
kommt Luder  auf  die  Knochen^  es  wird 
fett.  2.  Aas.  Das  stinkt  unterm  Lu- 
der^ ärger  als  Aas.  3.  altes,  mageres 
Pferd:  4.  Schimpfwort,  auch  in  scher- 
zendem Tone:  ßr  ist  ein  dammligeSy 
ein  vei*drehtes  Luder.  Sprw.  I,  2471. 
5.  Bei  Jeroschin  Spiel,  Verlockung, 
Nachstellung,  Lockfalle.  Pfeiffer, 
190.  6.  Haut,  zur  Bezeichnung  der 
Faulheit.  Dingsdag  lig  öck  op  dem  Lo- 
der  {Luder)  ^  auf  der  faulen  Seite. 
Sprw.  I,  2653. 

Luderbude,  /.,  im  Volksmunde  Bude, 
in  der  abgekochtes  kaltes  Fleisch  feil 
gehalten  wird.  Eine  solche  stand  in 
Königsberg  an  der  Holzbrücke. 

Luderjan,  LUderjAn,  m,,  verluderter, 
verlodderter  Mensch.     Vgl.  LodderL 

Luderkaule,  pltd.  LQderMtl,  /.,  Grube 

für  das' Luder,  Aasgrube.  Dat  stinkt 
urt  on  e  Luderkul, 

lodern/  sw,  1.  faulenzen,  tagedieben. 
Er  ludert  den  ausgeschlagenen  Tag  herum, 
Mhd.  luoderen,  luodem  schlemmen,  ein 
lockeres  Leben  führen.  Schade,  578a. 
2.  Luder  fressen;  von  Tieren.  Bei 
Jeroschin:  verlocken,  reizen,  da  mite 
st  in  Inderin  (:  brüderin)  woldin  vf  de^ 
todis  ds  84d.    Pfeiffer,  191. 

Lüding,  m,,  s.  Lädings. 

Ludichak,  m.,  Taugenichts^  s.  v.  a. 
Leichak. 

LUedbrot,  n.,  LUedstftw,  /.,  s.  Leute. 


40 


lüften  —  LulleL 


lUflen,  pltd.  ISfte(n),  sw.  1.  befreien, 
öffnen,  aufmachen  und  dadurch  der 
Luft  Zugang  verschaffen.  Das  Zimmer 
lüften.  Schoten  lüften  —  auslüften, 
aufmachen,  enthülsen,  die  Erbsen  aus 
den  Hülsen  nehmen.  Engl,  to  lift, 
schwed.  lyftcLf  dän.  lofie^  franz.  lever^ 
lat.  u.  itaL  levare.  Sperber,  21.  2. 
Platz  machen,  Bahn  öffnen.  *  Eck  schreg: 
Wech!  Platz  gelofft!  Cami.  nupt,  I, 
282. 

LUfUing,  n».,  windiger,  leichtfertiger 
Mensch. 

Luftpulver,  pltd.  Loftpolver,  n.,  grauesy^ 

pulverisierte  RacUx  ipecacuanha.   M  u  h  - 

Lufltropfen ,   pltd.   Loftdroppe,  f>/ur., 

Medik.  Spiritus  aethereus. 

higen  (u  kurz),  sir.,  lugen,  lauem, 
ahd.  luog*^  mhd.  luogen  aus  einem 
Wrstecke  hervorsehen.  In  Masuren 
(Bialla)  nennen  die  Kinder  im  Versteck- 
spiel das  verstohlene  Sehen  durch  die 
Finger  der  die  Augen  bedeckenden 
Hände  luggen.  Du  mujzt  luggen!  d.  h. 
dir  die  Augen  zuhalten,  sagen  die 
Kinder,  welche  sich  verstecken  wollen, 
zum  „winkenden^  Kinde.    Vgl.  pKnzen. 

Ulgensack.  pltd.  Legesack,  i/».,  zur  Be- 
zeichnung eines  Menschen,  der  gleich- 
sam einen  Sack  voll  Lügen  mit  sich 
fährt,  eines  grofzen  Lügners. 

bgsen,  str.,  s.  hicliseiu 

Lukafz,  m..  Klotz,  auf  den  ehemals 
die  Verbrecher  behufs  der  Auspeitschung 
gelegt  wurden.  Von  dem  lit.  /«fXtviniji. 
Sie  (Wahrsager  u.  Zigeuner)  soüen  von 
Anfang  zum  u>enigsten  mit  dem  Ge- 
fängnis und  der  Luiatzeti  gtzüektigf 
und  gestraft  trerden.  I osterb.  Kirchen- 
Yisit,-Ordg.  Uennig,  149.  Nsslm. 
Forsch.  2;  Th,  97. 

Lyke,  hin  und  wieder  auch  üicke,  r.. 


fensterartige,  jedoch  unverglaste  Öff- 
nung in  Speichern  und  Bodenraumeu^ 
die  mit  einer  Lade  geschlossen  werdm 
kann,  auch  in  Kellern,  die  jedoch  meist 
offen  bleibt  und  als  Luftloch  dient; 
Eingangsloch  in  den  Verdecken  der 
Schiffe,  das  eine  Fallthür  scUiel'zt 
Vgl.  ahd.  luogy  luak^  mhd.  hjunh^  luoc 
Loch  etc.  Schade,  578b.  Die  Luke 
zumachen,  sie  mit  der  Lade  schliefzen. 
Kickst  du  ml  üt  de  Lükef  venu  man 
die  Schliche  eines  andern  dai'chschaut. 
Treichel.  Der  Tod  safz  auf  der 
Keüerluk\  d.  h.  in  der  Öffnung  selbst 
auf  dem  Lukenbrett.  Volksr,  121.  511. 
In  Hessen  der  Luken.  Vi  1  mar,  2o4. 
Brem.  Wb.  IIl,  97.  Dahn ,  288a. 
Danneil,  129a.  Hupcl,  147.  Sall- 
mann,  37.   Hennig,  150.    Vgl.  LuchL 

üikfichte,  /.,  Pflzn.,  schlechte  Fichte, 
vom  poln.  idokno  Faser.  Schmitt, 
Westpr.,  166.  Treichel,  Volksth.  Vgl. 
Hebte. 

Lukrinski,  m..  aus  luiri^^en  mit  poln. 
Maskulinendimg  gebildet,  ein  Mensch, 
der  seinen  Vorteil  zu  ergattern  ver- 
steht.    Gortzitza. 

Lulch«  m.y  Pflzn.,  Schafschwingel, 
Festuca  ovina  L.  Boct,  XaU  IH,  279. 
Auch  Lolche  Lolium  peienne  L. 

Lullcheiu   pltd.   Lullke,  n,    1.   kurze 

Tabakspfeife.  Dat  ös  geroad  genog^ 
mien  LuUke  antostocke.  Carm.  nupt  I, 
282,  3.  ( hi  ok  nnen  IxHrtet  LhUke  {nam 
eck  iMf>  moty  Ibid.  VI,  242  b.  Auch 
LulL  Lulle,  f.  im  Flatowschen  Lulk, 
korruuip.  NuUc  von  dem  gleichbed.  poln. 
lulka,  Soll  nach  Forste  mann  türki- 
schen Trsprangs  sein.  Schmitt,  108. 
2.  Säugling,  leides  von  luUen  sau- 
gen. 3.  Nach  Bock«  32^  auch  Schimpf- 
name..    Hennig,  150. 

Lliliei,  m.y  TolpeL  den  man  zum  besten 


lullen  —  Lüntrus. 


41 


hat  .  . .  makt  mi  ixlm  LuUei  on  drieft 
mnen  Spa/z  mft  ml  Dorr,  l  Wiew., 
71. 

lullen,  sw.  1.  saugen,  an  der  Brust. 
2.  rauchen,  weil  der  Rauchende  saugt. 
Davon  einlullen,  ein  saugendes  Kind  in 
den  Armen  schaukelnd  einschläfern, 
wobei  man  sein  Gesicht  auf  das  des 
Kindes  druckt  und  dabei  leise  siugt 

Lumme,  /.,  s.  Lomme. 

Lümmel,  m.  1.  zur  Bezeichnung  eines 
unnützen  Knaben,  nichtsnutzigen  Jun- 
gen, ünierdessen  liefz  sich  der  Lümmel 
im  Hcnue  herumtragen  und  schrie  aus 
Leibeskräften.  Soph.  R.  VI,  525.  Lüm- 
mel als  flegelhafter  Mensch,  Tauge- 
nichts, ist  allgemein.  Vgl.  Grimm, 
Wb.  VI,  1289  f.  2.  penis.  Seinen  Ijüm- 
mel  anbringeUj  coire, 

Lumps,  97».,  schlechter,  grober  Mensch, 
Lump.     Treichel. 

Lundrte,  Lundnis,  ^n.,  Taugenichts. 
In  Danzig  und.  in  Westpr.  überhaupt 
ist  Lundris  ein  ebenso  beliebtes  Schimpf- 
wort, wie  in  Königsberg  u.  in  Ostpr. 
Lorbas. 

Lungerbank,  /.,  Bank,  auf  der  man 
lungerty  Faulbank.     Mühling. 

Lungerer,  m,y  Faulenzer. 

lungern,  sw.  1.  faulenzen,  mui'zig 
gehen.  2.  bettelnd  etwas  zu  erlangen 
suchen,  s.  v.  a.  lunkem  (s.  d.).  Davon 
herumlungern,  sich  bettelnd  herumtrei- 
ben* 

lUnfsch,  lUnsch  (ü  lang),  iTnsch,  adj., 
und  meist  in  letzterer  Form  auftretend, 
tückisch,  versteckt,  falsch,  hinterlistig; 
in  der  Bedeutung  verwandt  mit  glupsch. 
£s  ist  das  im  Begriff  verstärkte  lau- 
nisch, pltd.  Itinisch,  und  wird  von  heim- 
tückischen Hunden  und  Menschen  ge- 
braucht. Nach  Marold  in  der  Gegend 
von  Kreuzburg  dummdreist,  von  einem, 


der,  dickhäutig,  sich  überallhin  erst 
treiben  läfzt.  Bock,  32.  Hennig, 
150.  Schemionek,  24:  lunsch  (wohl 
lünsch). 

lunkern,  sw.^  mit  Augen  und  Gebär- 
den nach  etwas  lugen  und  langen, 
streben,  begehren,  gierig  verlangen; 
durch  Schmeichelwort  das  Erstrebte  zu 
erlangen  suchen:  das  verstärkte  lungern. 
Pierson  in  den  Lit.  Aeq.  weist  auf  das 
lit.  lunginti  schmeicheln  hin;  Nsslm., 
Forsch.  3,  bezeichnet  als  näher  liegend 
lungurti  in  derselben  Bedeutung,  und 
das  substantivische  lünguro  zödzei 
Schmeichelworte,  lett.  lunkis  Schmeich- 
ler, Fuchsschwänzer,  lunkains  gelenkig, 
schmeichlerisch,  und  init  Übergang  des 
k  in  z  lunzinaht  sich  anschmiegen  wie 
eine  Katze,  ee-  und  pee-lunzinatees  sich 
einschmeicheln.  In  Zusammensetzun- 
gen: ablunkern  (s.  d.),  durch  Schmeichel- 
wort und  Schmeichelblick  oder  durch 
List  etwas  erlangen,  gewinnen,  abneh- 
men ;  in  Posen  ablucfiem.  In  gleichem 
Sinne  erlunkern.  Bock,  33.  Hennig, 
•150.  Brem.  Wb.  HI,  99;  VI,  189. 
Sperber,  5.  Nsslm.  Forsch.  3;  Thes., 
218.     Bernd,  2,     Anton,  9,  19. 

lUnsch  (ü  lang),  adj.^  s.  lUnisch. 

Hinsehen,  sw.,  nach  Mühling  bos- 
haft, mürrisch  aussehen.  Wohl  mit 
lünisch  verwandt. 

Luntenpuster,  m.,  Anblaser  der  Lunte, 
Spitzname  für  einen  Artilleristen. 
Mühling. 

Lunter,  m.,  unter  den  Schimpfwörtern 
bei  Stein,  wohl  =  Luntims.  Pere- 
grinus  XH,  82.     W.  Mtsbl.  V,  191. 

Lunirus,  m.,  Schimpfwort  in  dem  Sinne 
von  L(yrbas  (s.  d.).  Lit.  lätrojs  Tauge- 
nichts, Spitzbube.  Auch  in  gemüt- 
lichem Sinne:  /,  Ive  kleener  Ijuntrujz, 
he!  wie  hot  he  $ech  wedder   zugericht! 


42 


luDtrussig  —  Machandel. 


Schaltj.,  1,  437.  Ermland.  Elbiog. 
Pierson,  A.  W.,  25.  Lit.  Aeq.,  20. 
Sperber,  42.     Schemionek,  24. 

lunirussig,  adj.^  von  dem  vor. 

Lunz,  771.,  Lappen,  Lumpen;  als 
Schimpfwort.  Ut  mienei*  Dar^  ji  Uex^ 
ji  AaSj  ji  Lunz^  ji  Elk.ß  Flerr!  Dorr, 
1.  Wiew.,  100. 

LOr,  771.,  hinterlistiger,  tückischer 
Mensch.  Eck  sy  ön  gooder  Buar^  findst 
du  dat  nich  by  my^  so  segg:  eck  sy  ön 
Luhr,  Carm.  nupt  V,  190  b.  Von  dem 
pitd.  lüren  lauem,  hinterlistig  auf- 
passen, sich  tückisch  zurückhalten;  da- 
her Lürangel  tückischer  Mensch.  Brem. 
Wb.  m,  101  f. 

Lurche,  /.,  schlechter  Kaffee.  Trei- 
chel. 

IQre(n),  »w.,  s.  lauem. 

Lurke,  /.,  s.  Lorke. 

Lusch,  y.,  s.  Lischke. 

Luiche,  w.  Vom.,  Luise.  Davon  das 
Dem.  Lusctichen,  G  o  r  d  a  c  k  hält  Lasch- 
chen  für  Abkürzung  von  Karluschchen^ 
Dem.  von  Karl.  Danzig.  In  Ostpr. 
ist  Luschchen  Tändelname  für  Personen ' 
beiderlei  Geschlechts. 

Luschke,  /.,  s.  Lischke. 

Lust,  pltd.  Lost,  /.   Sie  ifzt  mit  Ldist^ 


ist  schwanger,  nach  der  Wahrnehmung, 
dalz  Frauen  in  diesem  Zustande  ab- 
sonderlichen Appetit  empfinden.  Bock, 
33.     Sprw.  I,  2490. 

Lustbude,  pltd.  LostbAd,  /.,  Garten- 
haus, Gartenlaube.     Mühling. 

Lustgärtnierer,  m.,  s.  Gärtnierer. 

lustig,  pltd.  lostig,  adf.  Er  ist  lustig, 
ist  angetrunken. 

lutschen,  »w,^  anhaltend,  ausdauernd 
saugen.  An  einem  StUck  Zucker  —  an 
der  Mutterbrust  lutschen.  Vgl.  ablut- 
schen. 

Lutschpummel,  m.^  s.  das.  folg. 

Lutschpungel,  n.,  Lutsch-,  Saugbeutel 
zur  Stillung  kleiner  Kinder.  Li  Westpr. 
auch  Lutschpummel.  T reich el.  Vgl. 
Pungel. 

Lütter,  m.^  der  durch  Feuer  abgetrie- 
bene Brapntweinstoff.  Mühling.  Von 
lüttem.    Vgl.  Grimm,  Wb.  VI,  1354. 

lüttem,  sw.  1  läutern,  abklären,  ab- 
giel'zen.  Mühling.  2.  lodern.  Ver- 
grabenes Geld  luttert  zuweilen,  es  lodert, 
brennt.     Treichel,  Volksth.  IIL 

Lux,  m.  Vorn.,  Lukas.  FI  artwich, 
54. 

luxen,  sw.,  s.  luchsen. 


M 


m,  Schmelzlaut,  hat  als  Anlaut  im 
Plattdeutsch  gleichen  Klaug  mit  hchd. 
m,  als  Auslaut  tritt  es  oft  statt  n  auf: 
Fadem  Faden,  Bessern  Besen,  Bosseni 
Busen,  Spadem  Spaten,  Jumfer,  Jam- 
fer  Jungfer.  Lehmann,  Volksmd., 
29. 

mä,  adj.,  s.  mär. 

Mäagt,  /.,  Magd.  Dzg.  Nhg.  Vio- 
l^t,  102. 


Machandel,  m.,  Wachholder,  Junipe- 
rus; Wach  holderb ranntwein,  holl.  Ge- 
never,  engl.  Crin.  Er  wird  oft  mit 
Zucker  versülzt  getrunken  und  dann 
in  einem  Glase  mit  einem  Stäbchen 
zum  Umiühren  vorgesetzt.  Daher  for- 
dert man :  Machandel  mit  dem  Knüppel 
und  M.  ohne  Knüppel.  Danzig.  El- 
binger  Ndrg.  Sprw.  I,  1532.  Pas- 
sarge, 220.    Auch  in  Bremen  Machan- 


M^he  —  maddern. 


43 


d^2  Wachholder,  Mcu^handelbeerenWs^h' 
holderbeeren.  Das  Wort  ist  durch 
Wechsel  des  M  mit  W  gebildet.  Brem. 
Wb.  m,  108.  Ebenso  bei  Schutze 
111,70.  Danneil,  130a.  In  Göttin- 
gen Machandele u.  Macfioldere.  S  c  h  a  m  b., 
128a. 
Mache,  Mäche,  Mächen,  pltd.  Make,  n., 

Mädchen.  Ermland.  Elbing.  Nu  wäar  es 
doch  och  Zait^  dafz  wa^s  Mache  wo  kunne 
unjabränge.  Ermland.  Freisch.,  5.  An 
der  See  sack  he  en  Machen,  Elbing. 
Schaltj.,  3,  6.  Könnt  ihr  verspreche 
dem  Mäche  Gutts  ze  thuel  Dorr,  1. 
Wiew.,  13. 

Macheier,  m.,  wollener  Kleiderstoff 
alter  Zeit.  Kleider-Ordnung  v.  1529. 
Frisch  I,  ()30c.    Vgl.  Durant 

Machftle,  /.,  cunnus^  vulva.    Friedland 

Ostpr.    Vgl.  Mechtle. 

machein,  sw.^  aufhetzen,  verleumden; 
betrugen;  betteln.  Mühlin g  Davon: 
Machler,  m.,  Ränkeschmied,  Verleum- 
der, Betrüger.  Machlerei,  /.,  Verleum- 
dung, Klatscherei,  Durchstecherei. 
machleriach,  ad)'.,  zum  Hetzen  geneigt  etc. 
Nach  T reich el  hat  machein  auch  die 
Bedeutung  essen,  wohl  von  dem  hebr. 
ochal  essen,  ma^achol  Speise,  also  Speise 
zu  sich  nehmen. 

machen,  pltd.  make(n)  (a  «=  a)y  sw.   1 . 

cacarCy  in  der  Kindersprache.  Mach 
doch!  Hast  schon  gemacht?  A-a  ma- 
chen, 2.  aus  sich  etwas  machen^  auf 
sich  halten,  sich  geltend  zu  machen 
wissen ;  gegenteils :  aus  sich  nichts  ma- 
chen. Sich  breit  machen^  hoffartig  thun. 
Hennig,  320 f.  3.  sich  machen,  pltd. 
sock  mdke^  sich  darstellen,  ausnehmen. 
Es  macht  sich  gut,,  sieht  gut,  d.  h.  ge- 
fällige ansprechend  aus. 

Mächen,  n.,  s.  Mftche. 

machhaftig,  od/.,  angänglich,  möglich, 
ausfuhrbar.     Da»    §s   nich  maclhhaftig,^ 


dafz  das  Concil  von   einem  0/rohr  ze 
höre  kriegt.     Dorr,  1.  Wiew.,  4. 

Machhurtig,  m,^  Diarrhöe,  s.  DUnne. 

Machtle,  m,,  s.  Mechtle. 

Machler,  m,,  Machlerei,  /.,  machlerisch, 
eui/.,  s.  machein. 

mächtig,  adj,  u.  adv.y  aui'zer  der  üb- 
lichen Bedeutung:  sehr,  ausnehmend, 
besonders :  mächtig  grojz,,  mächtig  reiche 
mächtig  kalt.  Hennig,  151.  In  gleichem 
Sinne  früher  grofze  Macht,  Das  Auf- 
gebot zur  Heeresfolge  an  die  Freien 
auf  Samland  vom  Jahr  1464  schlielzt, 
nachdem  alle  Forderungen  genau  ge- 
stellt und  die  Mahnung,  denselben  mit 
Fleifz  nachzukommen,  ausgesprochen, 
mit  den  Worten:  denn  unserm  ganzen 
Orden  und  uns  aUen  mit  einander  ist 
grofze  Macht  daran  gelegen,  Beitr.  z. 
Kde.  Pr.  I,  352. 

Mächtiger,  m,,  nach  Klein  U,  4,  ein 
Danziger  Ausdruck  für  Advokat,  gleich- 
sam Bevollmächtigter.  Scheint  in  die- 
ser Bedeutung  untergegangen.  E. 
Forst em.  In  Pommern  ebenfalls  in 
der  Bedeutung:  Bevollmächtigter. 
Dähn.,  292b. 

mack,  adj.,,  s.  mak. 

mackeln,  sw,,,  wohl  Dem.  zu  ma^hen^ 
daher  etwas  im  geheimen  thun.  Klein- 
liches vorhaben.    Marold. 
.    Mädchenmutter,  /.,  s.  Mägdemutter. 

Mädchens,  im  Ermlande  Mäches,  pltd. 
Makes,  plur.  von  Mädchen.  Die  Mäd- 
chens  vom  Hofe,    Vgl.  illa. 

maddern,  8^c.  1.  unbefugt  mit  einem 
Gegenstande  sich  zu  thun  machen. 
Man  ruft  Kindern,  welche  sich  mit 
Sachen  viel  zu  schaffen  machen,  die 
sie  verderben  könnten,  zu:  Lafz  stehn^ 
madder  nicht!  Was  madderst  du  an  der 
Uhr?  2.  probieren,  versuchen,  mit 
dem  Nebenbegriffe  des  Ungeschicks, 
stümperhaft  mit  einer  Sache  umgehen. 


u 


Madel  —  Mägritsch. 


Wie  lange  maddert  er  denn!  Maddetm 
kostH  Geld.  3.  etwas  stümperhaft  aus- 
führen, arbeiten,  obenhin  verrichten. 
Das  ist  man  gemaddert  und  nicht  gear- 
beitet! Bock,  33.  Hennig,  151.  289. 
Davon  Madderei,  /.,  unnütze  und  un- 
befugte Beschäftigung,  schlechte,  stüm- 
perhafte Arbeit,  Stümperei.  In  Pom- 
mern Madderij  u.  Maddwark,  Dähn., 
291b.  Madrak,  m.,  Madderer,  Stüm- 
per etc.  Sperber,  38.  vermaddem, 
durch  ungeschickte  Behandlung  ver- 
derben, in  Unordnung  bringen.  Es  ist 
alles  vermaddert,  Lit  madaröti  mad- 
dem,  unnütze  Dioge  vorhaben,  viadd- 
.  renka^  m.  u.  /.,  Nichtsnutz*  Sudeler, 
madaras  schlechte  Arbeit,  Sudelei ;  pöln. 
madrowac  pfuschem.  In  Hamburg  u. 
Bremen  maddeln  für  martern  und  übel 
handhaben.  Nsslm.  Wb.,  378a;  Forsch. 
3;  Th.,  218.  Altpr.  M.  VIII,  366. 
Pierson,  A.  W.,  25.  Mrongov.  II, 
580a.  Brem.  Wb.  III,  108.  Für  Liv- 
und  Estland  Hupel,  148.  Sallmann, 
37  a. 

Madel,m.  jüd.  Vom.  Flatow.  Schmitt, 
112. 

Madenscheifzer,  pltd.  Madeschfter  (a=a); 

m.  1.  grofze  Fliege,  Schineii'zfliege, 
Aasfliege.  Nach  Mühling,  Tiern-,  174, 
auch  Madenträger.  Wt  e  Mädeschtter 
bromme  —  kräle,  Korrespbl.  III,  52. 
2.  ein  Reicher.  Ös  wedder  e  Madescfu^ 
ter  (auch  Mddesack)  gestoi'we,  Kgsbg. 
Vgl.  Bratenfresser. 

madig,  adv,^  in  madig  m^achen^  aus- 
schimpfen. Du  half  emal  den  Alundy 
so  madig    la/z  ich  mich  nicht  maclien, 

Madrak,  m,,  s.  maddem. 

Maffetchen,  n.,  kleiner  Witz,  Streich. 
Ata  fettchen  machen  ^  Streiche  machen. 
Sperber,  46. 

Magarttsch,  m.,  s.  Magrttsch. 

Magdy  pltd.  Magd  (a  =  a),  in  der  Dzg. 


Nhrg.  Mäagtf  plur.  Mägd£^  im  Gegeu- 
satz  zu  Knecht  jeder  weibliche  Dienst- 
bote. Von  dem,  der  einen  fettigen 
Mund  hat,  sagt  man:  Du  kannst  got 
Magd*  mede  (mieten). 

Mägdemutter,  /.,  früher  Bezeichnung 
für  eine  Gesindevermieterin.  Danzig. 
W.  Seidel,  32.  Klein  U,  4,  hat: 
Mädchenmutter.  Auf  der  Dzg.  Nhg. 
Mägdmöder.    Violiit,  102. 

mägen,  Präs.  mag{ch)^  Imperf.  mogt^ 
muchty  Part,  gemocht,  mögen,  können, 
wollen,  begehren.  Wer^t  ma^h^  de 
macKtj  wert  nich  machy  de  macKt  ivol 
nich  mdgen.  Dorr,  79.  Wat  öck  nich 
mach,  dat  drägt  de  Schlag-  Sprw,  I, 
2646.     Mach  et  all,  sei  es! 

Magenschraper,    pltd.    Mageschraper, 

m.,  was  den  Magen  schrapt,  den  ver- 
dorbenen Magen  wieder  in  Ordnung* 
briogt.  Alter  Wein  ist  ein  guter  Ma- 
genschraper, Hennig,  246.  Vgl.  schrft- 
pen  u.  Schrftper. 

Magenwehtage,  /.,  s.  Wehtage. 

Magerkraut,  w.,  wohlriechender  Wald- 
meister^ Aspemla  odorata  L,  Hagen, 
156 

l^agOCj  A  s.  Nage. 
Magistratsdroschke,  /.,  Deckelwageu, 

in  welchem  Trunkene  oder  Renitente 
von  der  Stral'ze  fortgeschaflft  werden; 
auch  Nasenquetscher.     Königsberg. 

maglich,  adj ,  s.  maklich. 

Magrttsch,  Magarttsch,  MargrTtsch,  m,, 

Vertragstrunk,,  Kauftrunk,  Schmaus, 
den  nach  abgeschlossenem  Kaufgeschäft 
gewöhnlich  der  Verkäufer  dem  Käufer 
und  den  Zeugen  des  Handels  giebt. 
Etwas  zum  Magrttsch  geben.  JS/u  mot 
Wt  6k  noch  Magrttsch  drinke.  Hennig, 
leitet  es  von  merga  Maid,  Magd,  her 
und  meint,  anfänglich  sei  das  Geld  dt^- 
runter  verstanden,  welches  man  den 
Mägden    beim    Mieten    auf   die    Hand 


mahlen  —  mak. 


45 


gab.  Lit.  magaryczos^  magryczos^  niss. 
mogarycZy  magarycz.  Nsslm.  Forsch. 
2;  Th.,  98.  Hennig,  151.  331.  Sper- 
ber, 41.    Vgl.  Leinkauf: 

mahlen,  part,  gemahlen^  wühlen,  gra- 
bend Erde  aufwerfen.  Der  Moltwurm 
(Maulwurf)  mahlt 

Mahlgast,  pltd.  Malgast,  ^n.,  Kande 
in  einer  Mühle,  der  daselbst  regel- 
niäfzig  sein  Getreide  mahlen  läfzt.  In 
früheren  Zeiten  waren  gewisse  Dörfer 
gewissen  Mühlen  durch  obrigkeitliche 
Anordnung  zugeteilt;  es  bestand  somit 
MaMzwang,  Vgl  Grimm,  Wb.  VI, 
1456. 

Mahlpfennig,  m.,  Zins,  den  der  Orden 
von  den  Mühlen  einzog,  von  5  bis  auf 
60  Mark.     Mühling. 

Mahlzeit,  pltd.  MaltTd  (a  ==^),  /.,  Hoch- 

zeitsmahL  Zfur  Hochzeit  bist  du  doch 
nicht  geladen^  sondern  nur  zur  Mahl- 
zeit, sagt  man  zweideutig  scherzend, 
wenn  jemand  von  seiner  Einladung 
zur  Hochzeit  spricht. 

Mähr,  Mähre,  /.,  Möhre,  gelbe  Rübe, 
Daucus  carota  L, 

.Maiaffe,   pltd.    Maiftp,   m.,    Schimpf- 
wort.    Na  solke  Maiape! 

Maibaum,  Maien,  m.,  weü'ze  Birke, 
Betula  alba  L,    Hagen,  1002. 

Maibutter,  pltd.  Maibotter,  /*.  1.  Butter, 
die  im  Monat  Mai  bereitet  ist.  Ka- 
rauschen mit  Maibutter^  Karauschen  in 
Maibutter  zubereitet.  2.  Medik.  Un- 
guentum  Majoranae. . 

Maie,  /.  u.  m.,  junger  Ast  vom  Mair- 
baumy  Birkenzweig.  Zu  Pfingsten 
werden  Häuser,  Zimmer,  Baugerüste, 
Pferde  etc.  mit  jungem  Birkenlaube, 
den  sogen.  Maien,  geschmückt.  Volks- 
kalender, 101. 

Maien,  m.,  s.  Maibaum. 

Maiholz,   n.,   Pflzn.,   mandelblättrige 


Weide,  Salix  amygdalina  L.    Hagen, 

1015.    Pritzel,  354. 

^  Maikatze,  pltd.  Maikatt,  /.,  Katze  im 

Mai  geworfen.  Die  Maikatzen  ersäuft 
man,  weil  sie  nicht  gut  mausen  und 
viel  schreien. 

Maikrick,  Maikreck,  m.  u.  /.,  Knäk- 
ente, Anas  querquedula,  Bujack,  388. 
Mühling. 

Malte,  w.  jüd.  Vom.  Flatow.  Schmitt, 
114.  • 

Maizauken,  /.,  Pfl2n.,  gemeine  Mai- 
blume, ConvaUaria  majalis  L,  Hagen, 
368.  In  Schwaben  Maienzacken, 
Pritzel,  107. 

Mftk,  Mftke,  /.  1.  die  Mache,  das 
Machen,  FertigschafiFen  eines  Dinges. 
Dat  Kled  ös  ön  e  Mdk,  ebenso  hchd. 
das  Kleid  ist  in  der  Mache.  2.  bildlich : 
Einen  in  der  Mdk  haben  —  ihn  in  die 
Make  nehmen,  ihm  zusetzen  mit  Hieben, 
Verweisen,  Spott  etc.  Er  sieht  aus, 
als  hätten  ihn  die  Krähen  in  de  Mdk 
gehabt,  abgerissen,  unordentlich  in  den 
Kleidern.  Sprw.  I,  194.  Hennig, 
150. 

mak  mack,  adj.  1.  matt,  abgemattet, 
müde,  abgetrieben,  erschöpft,  verzagt, 
geduldig,  friedsam,  zahm;  von  Tieren 
und  Menschen  und  namentlich  von  sol- 
chen, die  zuvor  wild  und  unbändig 
waren.-  Nur  aber  Aug  und  Haupt  im 
Noihfall  gut  verhüllet.  So  wird  das 
Thierchen  mack,  das  sonsten  rüUt  und 
brüllet.  Carm.  nupt.  I,  264.  Ihr,  und 
die  so  mack  und  kirre.  Die  so  v^liebt 
dort  stehn  im  Kranz,  Ibid.  II,  232  f. 
Engl.  Tneek,  isl.  miuk,  in  Bremen,  Dit- 
mars.,  Osnabrück,  Holstein  mak.  Brem. 
Wb.m,  113.  Schütze  III,  72.  Dan- 
neil, 130a.  Hennig,  152.  2.  wohl, 
behaglicb,  zufrieden;  Gegensatz  unmak, 
onmaL      Et  os  gewefz   keen    dommer 


46 


mäkeln  —  malen. 


Schnack,  Ek  fehl  mi  hier  (in  der  Neh- 
rung) gewaltig  mack.     Viol^t,  194. 

mäkeln,  sw,  1.  Kleinigkeiten  tadeln^ 
Fehler  aufsuchen,  namentlich  an  den 
Speisen  einen  Makel  finden.  Er  hat 
immer  was  zu  mäkeln,  S.  bemäkeln. 
2.  sich  mit  dem  Verkauf  geringer  Dinge 
abgeben,  Kleinhandel  treiben,  oder  auch 
,  das  Amt  eines  Mäklers  verwalten.  Hen- 
nig, 153.  Vgl.  Grimm,  Wb.  VI, 
1489. 

makhafty  adj.,  machhaft,  d.  i.  vortreff- 
lich. He  word  §m  Drunk  gemakty  §s 
dat  nich  en  moMuifter  Humoi^?  Dorr, 
1.  Wiew.,  19. 

Mäkler,  m.  1.  Tadler,  tadelsuchtiger 
Mensch.  2.  Kommissionär,  Unterhänd- 
ler, Verkäufer. 

maklich,  adj,  u.  adv,  1.  mächlich, 
gemächlich,  bequem,  leicht,  mühelos. 
Maklich  sitzen^  bequem,  unbeengt  sitzen. 
Maklich  geseten  on  langsam  gegeten^  ji 
glewen  nichy  LCdkes,  wat  de  Mensch 
denn  ierdragen  kann.  Elbinger  Ndrg. 
Das  kann  er  maklich  vennchten^  damit 
kann  er  ohne  grofze  Anstrengung  fer- 
tig werden.  Wir  können  maklich  hin- 
kommen^  bequem,  bei  guter  Zeit  Uck 
weer  de  Anbarg  nich  to  steil^  an  so  kann 
ek  ganz  macklig  opwarts  stiegen.  Dorr, 
Driewjagd.  Auch  vom  Winde:  ein 
mäkliger  Wind^  ein  leichter,  gelinder 
Wind.  Marienbgr.  Ndrg.  onmaklich, 
unbequem;  unwohl.  Dzg.  Nhg.  Vio- 
l^t,  103.  2.  behaglich,  gemütlich,  wohr 
lig,  lieblich.  Ein  reicher  Bauer  sagte 
zu  seinem  Gast:  Wenn  se  sech  nu  was 
metgebracht  hädde,  könnte  wt  das  ganz 
maklich  verzehre.  Den  Schloappölz  an^ 
de  Piep  öm  Muul,  Wenn't  baten  störmt, 
da£s  maklich  fufd.  Dorr,  Iß.  Wenn 
wiet  de  Schwoan  trock  äwert  Land^ 
Wat  weer  dat  maklich  scheen    Ibid.  48. 


Vgl.  Richey,  73.  Brem.  Wb.  III, 
114.    Hennig,  153. 

mäklig,  adj.  von  mäkeln^  wählerisch. 
Er  ist  sehr  mäklig  im  Essen. 

Makuwken,  plur.j  Mohn ;  Mohnkuchen. 
Flatow.  Schmitt,  108;  Westpr.,  166. 
Treichel,  Volksth.  Poln.  mak  der 
Mohn,  makowka  Mohnkopf,  makowy 
placek  Mohnkuchen.  MrongoviusI, 
205b. 

Mai,  pltd.  Mal  (a  =  a),  n.  1.  Flecken, 
besonders  Zeichen  auf  der  Haut;  wenn 
angeboren,  so  heifzt  es  Muttermal.  2. 
bezeichneter .  Mark-,  Grenz-  u.  Sicher- 
heitsort bei  E^abenspielen.  Von  dem 
Male  wird  ausgelaufen,  wer  das  Mal 
unbehindert  erreicht,  darf  nicht  mehr 
angeschlagen,  ergri£Fen  werden.  Hier 
ist  das  Mal!  Ich  bin  im  Mal!  In  Po- 
sen heifzt  es:  Hier  ist  Fax!  wohl  noch 
das  übrig  gebliebene  Latein  der  Kloster- 
schulen.   Bernd,  204.    Hennig,  153. 

malaaslg,  adj.^  rein  pltd.  mäläsig^  von 
dem  ffanz.  malaise  Unbehaglichkeit 
spuren.  Mi  ös  so  mälasig  to  Modj  mir 
ist  übel  zu  Mute.     v.  Au  er. 

mal  auf  mal,  pltd.  mal  op  mal,  ein- 
mal nach  dem  andern.  So  auch  in 
Estland.     Sallmann,  70a. 

Maldeninker,  Maldininker,  m.,  s.  Surin- 
kimininker. 

Maldeuten,  Ortsn.,  Dorf  bei  Saalfeld 
Ostpr.  Spott:  Von  Maldeutenf  Leck 
mir  im  A.  von  alV  beid!  Seiten.  Sprw. 
I,  2524. 

Male,  pltd.  Male  (a  =  ä\  Dem.  MdU 
chen,  Mälkcy  w.  Vom.,  Amalie.  Neck: 
MälCy  Mäle^  Pepermähl^  Dine  Kinder 
freie  veel^  Alle  Dag'  e  Dittkebrot,  Nömm 
e  Kiel  on  schlag*  se  dot!  Königsberg. 
Volksr.,  79,  313. 

malen,  pltd.  male(n)  (a  =  ä\  sw.^  pin- 

gere.    MaV  dir  wojs^  siehe  zu,  wo  und 


M&]gen  —  mang. 


47 


wie  du  etwas  herbekommst!  Häufig 
die  Verwechselung  mit  molere.  Der 
Müller  hat  gemalt  —  der  Maler  ge- 
mahlen. Der  Jpleine  Junge  hat  eine  Lo~ 
komotive  gemahlen. 

Mftigen,  plur,y  die  silbernen  Hefte, 
womit  man  ehemals  in  PreuTzen  die 
Halsbinden  zusammenknüpfte.  Hen- 
nig, 153.  • 

Malinchen,  n.,  Fischn.,  s.  Moderlies- 
chen. 

Malinenbaum,  m,^  wilder  Schneeball, 
Vibumum  opultis  L,  Hagen,  341. 
Vgl.  Kalinchenstrauch. 

Malinne,  /.,  Frucht  von  RtUms  idaeus^ 
Himbeere.  Von  dem  gleichbed.  poln. 
malina. 

Malke,  w.  jud.  Vom.,  Fem.  zu  Mei- 
lech^  Königin.    Flatow.  Schmitt,  114. 

Mallftr,  n.,  Unannehmlichkeit,  das  frz. 
maUieur. 

Malm,  m.,  zerriebener,  in  Staub  zer- 
witterter  Körper,  Grus,  Stauberde.  Bei 
fleroschin  Malm,  nds.  mnd.  melm 
Staub,  schwed.  malm  Sand,  ital.  melma 
Kot  Vgl.  Molm  u.  MUH.  Wurzel  von 
Malm^  Moboy  Mull  ist  mahlen  molere^ 
woraus  malmen,  zermalmen,  zu  Malm 
werden,  machen.  Vgl.  Adelung  UI, 
39.     Frisch  I,  637c.     S.  aushicken. 

Malter,  n.  u.  m,^  gröiztes  Getreide- 
mal'z,  12  Scheffel  umfassend.  2  Malter 
=  1   Wispel,  5  Malter  =  1  Last. 

Malutchen,  Malutschchen,  n.,  Kosewort, 
Kleinerchen,  von  dem  poln.  maly  klein. 
Nach  Sperber,  38,  sowohl  von  Per- 
sonen wie  Sachen  gebrauchlich. 

mälzen,  sw,^  Malz  bereiten,  Geiste 
zu  Malz  machen.  Vilmar,  268,  schreibt 
melzen. 

Mälzenbräuer,  f)ltd.  MttltebrUer,  m.,  aus 

Malz  und  brauen  zusammengesetzt, 
Bierbrauer.  Bei  Frisch  I,  638a,  Mal- 
zen-Brauer,       Die    Mälzenbräuer    ge- 


hörten zu  den  Grofzbürgern  u.  hatten 
auf  ihren  Grundstucken  die  Brau- 
gerechtigkeit. In  Königsberg  wohnen, 
mehr  noch  wohnten,  sie  gröfztenteils 
im  Löbenicht.  Von  ihnen  galt  das 
Sprichwort:  Aut  miles^  aut  monachus^ 
aut  Mälzenbräuer  im  Löbenicht,  Vgl. 
Sprw.  I,  2634.  Die  Zünfte,  8  ff.  Hen- 
nig,  153. 

Malzer,  Mälzer,  pltd.  Matter,  m..  Be- 
reiter, Dörrer  des  Malzes,  Brauknecht. 
Kgsbg.  Nach  Hennig,  153,  bildeten 
sie  eine  besondere  Zunft.  Mhd.  mal- 
za£re  Brauer.  In  Panzig  die  Mälzei^- 
gasse.  Förstemann,  Strai'zn.  Vgl. 
Schmellerll,  574. 

Malzsack,  m.,  s.  Moltwurm. 
mammedrachtig,  mammeldrachtig,  adj. 

u.  ado.  Ick  schlä  (schlage)  dt  mam- 
medrachtig.    Schippenbeil. 

man,  adv.  u.  conj.^  nur,  allein;  aus- 
schliei'zlich;  aber.  Komm  man  her! 
Lafz  man  sein!  Ich  hab^  man  wenig 
gegessen.  Öck  mhi  m^n  so.  Kommen 
sie  doch  man  recht  gut  nach  Hause! 
Man  nich  zu  viel!  Das  ist  man  nichts! 
ist  gar  nichts,  wertlos,  dummes  Zeug. 
Öck  wöll  ttdlewens  dtnem  Name  man 
före.  Volkslieder,  62,  40  IH,  8.  Ich 
wei/z  wohl,  man  ich  sag''  es  nicht.  Bei 
wöU  wolly  man  hei  kann  nich.  Zur 
Verstärkung  tritt  bei  und  blojz  hinzu: 
Das  ist  man  bei  gut,  das  ist  nur  gut, 
daCz  es  so  ist.  Man  bhjz  so  thun.  Es 
ist  man  bloJz  einet*.  Vgl.  Brem.  Wb. 
III,  121.  Schütze  III,  75.  Dan- 
neil, 131a.  Mi,  53.  Hupel,  149. 
Sallmaun,  37a.     S.  bei. 

Mandel,/.,  polniscfie.*  Sie  hat  16  Stuck. 
Treichel. 

Mandelblume,  /'.,  Ackerwinde,  Con- 
volvulus  arvensis  L.  Sie  heii'zt  in  der  Ge- 
gend von  SaaKeld  auch  Gotteshemdchen. 

mang,    mank,  präp.   u.   ado.j   unter. 


48 


Mangel  —  Mann. 


darunter,  zwischen,  mit  dem  Begriff 
des    Vermengtseins;    zur   Verstärkung 

damanky  darmank,  dermank  (s.  d.),  mank- 

ander.  mengen  ist  die  Wurzel,  daher 
die  Schreibung  viang  die  richtigere, 
wenngleich  stets  mank  gesprochen  wird; 
mnd.  manky  manket^  mankent^  mangen^ 
alts.  mengian,  angs.  amang^  ^Qgl-  among. 
Bei  Jeroschin  mang^  manc,  inmanc. 
Pfeiffer,  178.  193.  Mang  die  Fufze 
kommen.  Er  klemmt  den  Zagel  mang 
die  Beine  und  schiebt  ab,  Sprw.  I,  4133. 
Einen. mang  die  Leute  bringen^  ihn  ins 
Gerede  bringen.  Sich  manck  die  an- 
dren Geste  setzen.  Die  Zünfle,  1 1.  Brot 
ess'  ich  nichts  da  is  Mehl  mang.  •  War 
de  Wulf  mank  de  Schopf  iVa,  de 
Schap  wäre  doch  nich  mank  de  Wulw' 
8Ön.  Litauen.  Firmenich  III,  118a. 
A  stungd  mangk  e  Karassta,  Ermländ. 
Freisch.  N.  Pr.  Prov.-Bl  IX,  398.  Es 
war  viel  Krakzeug  mankander^  viel  Pö- 
bel darunter.  Hennig,  154.  331. 
Sperber,  21.  ferem.  Wb.  III,.  128. 
Schamb.,  130a.  Danneil,  131.  Sali- 
mann,  37a.    Mi,  53a. 

Mangel,  /. ,  Mange,  Glättrolle  für 
Wäsche;  zunächst  grofzer  mit  Steinen 
beschwerter  Kasten,  der  von  mehreren 
Personen  über  zwei  Glättrollen  hin  und 
her  gezogen  wird.  Sie  ist  zum  grofzen 
Teil  verdrängt  durch  die  Drehmangel^ 
Drehrolle.  Wird  das  Mangelbrett  von 
einer  Person  über  eine  Rolle  hinweg- 
geführt,   so    heiizt   die  Mange   Hand- 

«  

mangel:  Davon:  mangeln,  sw,,  Wäsche 
auf  einer  J/aTi^^Z  rollen,  glätten.  Mangel 
ons  beide  nett  de  Hemde,  VolksL,  45, 
28,  2.  Wer  Gott^  vertraut^  der  mangelt 
nichty  sagte  ein  witziger  Faulpelz,  den 
man  an  eine  Mangel  stellen  wollte. 
Mangelfrau,  /.,  Frau,  die  Wäsche  glät- 
tet. 

Mangel,   m.,   inopia^   defectusy   nach 


Hennig,  154,  vom  Volke  im  »gegen- 
seitigen Verstände"  gebraucht,  beson- 
ders wenn  von  Krankheiten  die  Rede 
ist  J&r  hat  Mangel  am.  Fieber^  er  ist 
mit  dem  Fieber  behaftet.  Er  hat  Man-- 
gel  am  Höchsten,  er  hat  die  Epilepsie. 
Ist  in  diesem  Sinne  von  mir  nicht  ge- 
hört. 

mangeln,  sw,y  s.  Mangel. 

man  ichts,  culv.y  nur  soeben.  On 
wie  de  beed  Verliebte  das  man  ichts 
merkten,  da  füllen  se  zehof  dem  Kenik 
vor  de  Fi/z,  Schalt].,  3,  7.  In  der 
Gegend  von  Saalfeld  man  krads  soeben, 
nur  gerade .  noch  zur  Zeit.  Vgl.  ac- 
crftd. 

Manist,  Menist,  m.,  Mennonit.  plur, 
Monisten,  Manister,  Manistersch^  Me- 
nisten^MenisteryMenistersch,  Mennonisten. 
Die  Mennoniten  wohnen  vorzugsweise 
in  den  Niederungen  und  Werdern.  Sie 
unterscheiden  sich  im  Werder  in  grobe 
mi  feine..  S.  Hartwich,  276  ff.  Vgl. 
Klarken,  Rtk  wt  e  Manist,  Dat  geit 
so  sacht,  as  wenn  de  Manist  ön  de 
Dragktp  fahrt,  wenn  eine  Sache  lang- 
samen und  unmerklichen  Fortgang  hat. 
Mockrau.  Wo  de  Queckstert  kann  stdne^ 
kann  de  Menist  wdne,  Sprw.  I,  3109. 
2608. 

mank,  mankander,  präp,  u.  adv,y  s. 
mang. 

Mänkekapp,  Pflzn.,  Männchen-,  viel- 
leicht auch  Mönchenkappe,  Sturmhut, 
Eisenhut,  Aconitum  Toum,  Weichsel- 
delta.    Treichel,  Volksth.  111. 

mankig,  adj.^  nebelig,  trübe,  bewölkt. 
Mühling. 

man  krads,  ado.,  s.  man  Ichts. 

Mann,  m.    1.  vir,  Plur.  Manns^  Män- 
ner, besonders  Landarbeiter,  Instleute. 
Sind  die  Manns  schon  alle   daf     Alle. 
Manns  sulle  op't  Földl    Den  Manns, 
gewöhnlich  verheiratet^  steht  entgegen 


Manna  —  Mantelgeld. 


49 


das  Weibervolk.  S.  Sperber,  21.  Vgl. 
Knecht^  Jung^  Margell,  2.  m.  jiid.  Vom. 
Flatow.     Schmitt,  112. 

Manna,  n,  1.  flutende  Schwaden, 
Glyceria  fluitans  R.  Br.  Hagen,  91. 
2.  Schwadengrutze.  Poln.  u.  lit.  eben- 
falls mcmna.  Nach  Bock,  Nat.  I,  262, 
wird  aus  dem  preufzischen  Manna  „ein 
sehr  wohlschmeckendes  Backwerk"  be- 
reitet. Manna  als  Handelsartikel: 
Bock,  a.  a.  0.,  580.  S.  auch  Bock, 
Nat.  ni,  282.    Hennig,  154. 

Mannchen,  Männchen,  pltd.  Mannke,  n. 

1.  Dem.  von  Mann,  2.  possierliche 
Gebärde.  Er  macht  äUei'hand  Männ- 
chen^ auch  Männchens^  er  macht  selt- 
same Bewegungen  mit  dem  Kopf  und 
den  Händen.  Der  Hase  macht  ein  Männ- 
chen, wenn  er  sich  aufrichtet.  Hen- 
nig, 154. 

Männing,  m,y  der  verschnittene  Kater. 

Manns,  plur.^  s.  Mann. 

Mannsarbeit,  /.  1.  Arbeit,  die  dem 
Manne  zukommt.  2.  Mannsarbeit  machen^ 
Männerkleider  anfertigen,  daher  Manns- 
arbeiter, m.,  Schneider,  der  nur  Männer- 
kleider arbeitet. 

Mannsbild,  m,.  Mann.  Da/z  es  vor 
^ine  gro/ze  Sünde  daselbst  geachtet  werde^ 
so  ein  Manns-Bild  einer  Jungfrauen 
Gesichte  sehen  wollte.  Carm.  nupt,  IV, 
92  c.    Vgl.  Weibsbild. 

mannsdoll,  adj.^  männertoU. 

Mannsleute,  plur.,  s.  Mannsvolk. 

Mannstage,  plur,^  Arbeitstage  der 
Männer,  im  Gegensatz  zu  den  Frauen- 
tagen; es  wird  an  ihnen  ein  höherer 
Lohn  gezahlt.     Mühling. 

Mannstreu,  Seemannstreu,  Pflzn.,  Meer- 
strands -  Männertreu ,  Eryngium  mari- 
timum  L.  Auch  Meerwurzel,  Meerbrack- 
disteL     Hagen,  301.    Pritzel,  146. 

Mannsvolk,    auch    Mannsleute,    pltd. 

MannsWdy   sing,  u.  plur,^   mnd.  man- 

Fiteehbl«,  WSrUrbneh  IL 


volk^  Mannsleute,  Männer,  im  Gegen- 
satz zu  Weibervolk^  pltd.  Wiwervolk^ 
Fruenslii^d^  Frauen.  Mehr  Glocken  lau- 
tetefi  jetzt^  und  das  Mannsvolk  ging  zur 
Kirche  hinab.  Soph.  R.  IV,  451.  Wenn 
twe  Mannsvolk  (Mannslüed)  tosamme 
danze,  dat  sit  ut,  als  wenn  sock  twe 
Bare  ränge.  In  Pommern  u.  Mecklbg.- 
Vorpommem :  Mannsminsch ;  Manns- 
lüde  u.  Mannsvolk  nur  im  Plur.  Dähn., 
298a.  Mi,  53. 
Mansch,  m..  Mansche,  /.,  s.  manschen. 

manschen,  sw.  1.  mit  den  Händen 
in  einer  Flüssigkeit  spielend  rühren;  sie 
durcheinander  rühren.  2.  mengen,  mi- 
schen. Ebenso  in  Bayern:  durchein- 
ander mengen,  besonders  flüssige  Spei- 
sen ;  schlecht  kochen,  also  s.  v.  a.  un- 
ser matschen  —  daher  auch  mantschen, 
mauntschen.  Schmellerll,  600.  Da- 
von: Mansch,  m..  Mansche,  Manscherei, 
/.,  das  Durcheinandergerührte  von  Spei- 
sen, Getränken,  Flüssigkeiten.  Von 
Mansch erei  im  Essen  vmfzte  man  nichts^ 
denn  man  vmfzte  ja  nichts  von  fran- 
zösischen Criftmischem.  Soph.  R.  I, 
391  f.  Gordack  erklärt  manschen:  mit 
vollen  Backen  kauen,  so  dafz  ein  schnal- 
zender Ton  entsteht  (vgl.  schmatzen). 
Nach  Treichel,  Mansch  u.  Mansche 
auch     flüssiger    Strafzenschmutz.      S. 

Matsch  u.  MotL 

Manschette,  f.  Er  hat  Manschetten^ 
—  das  Manschettenfieber ^  er  hat  Furcht. 

Mantel, 77», spanischer.  Strafinstrument 
früherer  Zeit  „Ein  starkes  rundes  Ge- 
fafz  von  Eichenholz,  unten  ganz  offen, 
oben  aber  mit  einem  engen  Loch,  so 
daCz  man  den  Kopf  durchstecken  kann. 
Es  wird  dieses  Gefaiz  zur  Strafe  je- 
mandem wie  ein  Mantel  angelegt,  und 
mul'z  er  solchen  durch  einige  Strai'zen 
hindurch  tragen.^     Hennig,  155. 

Mantelgeld,   n.,   noch    zu   Hennigs 

4 


50 


mantschen  —  Märchen. 


Zeit  das  Geld,  ,,was  einem  Kandidaten, 
wenn  er  zom  Predigtamt  kommt,  von 
der  Kirche,  wohin  er  berufen  wird, 
zor  nothdorftigen  Kleidung  ausgezahlt 
wird".  Es  betrug  gewöhnlich  33  Thlr. 
30  Gr.    Hennig,  155. 

mantschen,  sw.,  s.  matschen. 

Manze,  /.,  Fischemetz,  s.  Herings- 
manze. 

MAr,  Mart  (a  =  a),  m.  u.  /.,  Alp,  Dä- 
mon, inciUms.  Es  giebt  Menschen-, 
Pferde-  u.  Vogelmäre.  Der  Mar  plagt  die 
Geschöpfe,  indem  er  sie  nachts  druckt, 
und  so  das  sogen.  Mär-  oder  Alp- 
drücken verursacht,  daher  auch  Nacht- 
mAr.  Em  dröckt  de  Mdrt.  Werder. 
El  binger  Ndrg.  Wenn  einen  der  Mar 
drückt,  so  sage  man:  „Komm'  morgen 
zum  Frühstück  und  bring'  dir  einen 
Löffel  mit!"  Wer  dann  am  Morgen 
zuerst  ins  Zimmer  tritt,  ist  der  Mar. 
Man  kann  ein  Kind  zum  Mar  machen, 
wenn  man  als  Taufzeuge,  während  der 
Geistliche  den  Taufnamen  des  Kindes 
verkündet,  leise  Mär  sagt.  Masuren. 
Gordack.  In  Bremen  moor^  nagt- 
moory  mnd.  mar,  ags.  u.  schwed.  mara^ 
engl.  night^marBy  holl.  nagt-marrie^  frz. 
cauchemar.  Brem.  Wb.  III,  184.  Im 
Götting.  mdrtej  ncu^htmarte,  Schamb., 
131a,  in  Pommern  nagtmare.  Dähn., 
322b.    Hennig,  152.    Hexspr.,  71. 

mär,  mä,  mSr  (Vokale  lang),  adj.  u. 
acfo.,  mürbe,  weich,  morsch,  locker. 
Das  Fleisch  ist  mär^  es  ist  weich  ge- 
kocht. Das  Eis  ist  mdr^  es  ist  mürbe, 
bricht  leicht.  Der  Kuchen  ist  mär,  er 
ist  locker  gebacken.  Ich  werde  ihn 
doch  endlich  mar  kriegen^  ihn  mürbe 
machen,  nachgiebig  stimmen.  Ahd. 
marOy  marawi,  mhd.  mar;  angs.  maerwa, 
mearUj  mearwa^  franz.  meur^  holl. 
morwj  murw;  bei  Jeroschin  murwe: 
hl  von  dS  der  Memlen  is   was   munce 


unde  dunne^  138a.  Pfeiffer,  198;  in 
Bayern  mar^  mor^  marw.  Schmeller 
II,  608,  in  Bremen  mar  (aber  auch, 
wie  holl.,  wa&).  Brem.  W.  HI,  186. 
121.  In  Göttingen  9nc^r.  Schamb.,  138a. 
Hennig,  152. 

Mara,  /.,  dummer,  unbeholfener,  zag- 
hafter Mensch,  unentschieden  wie  die 
„weifze  Salbe".     Sperber,  38. 

marachen,  sw,^  angestrengt  arbeiten, 
sich  abquälen,  durch  harte  Arbeit  ent- 
kräften. In  der  Altpr.  M.  VIII,  366: 
marachden.  Stamm  ist  das  alts.  und 
ahd.  margy  marag^  marc  Mark.  Hen- 
nig, 156,  und  das  Brem.  Wb.  lU,  129, 
leiten  es  von  marah^  marach  Pferd  ab; 
es  bedeutete  dann:  durch  schwere  Ar- 
beit, Pferdearbeit,  ermüden.  In  Ham- 
burg und  Bremen  mara^ken^  im  Hol- 
steinschen  marachen^  ebenso  in  Pom- 
mern, Posen  etc.  S.  Brem.  Wb.  HI, 
129.  Schütze,  III,  80.  Dähn.,  298a. 
Bernd,  2.  Danneil,  132.  Hupel, 
150.  Sallmann,  48a.  Hennig,  156. 
In  Zusammensetzungen :  abmarachen : 
ich  bin  ganz  abgemaracht^  entkräftet. 
zermarachen,  sich,  sich  bis  zur  Auf- 
lösung abquälen.  Wie  abmarachen  auch: 

abmergeln. 

Marakel,  n,^  Mirakel.  On  wull  sock 
ansehn'  dat  grote  Marakel.  Volksl,  38, 
25  II,  1. 

Marast,  ?7».,  Morast.   Davon  maraaüg, 

Maraun,  m.,  Pflzn.,  Mutterkraut,  Py- 
retlirum  parthenium  Sm.  Auch  Mar- 
tern,  Martern,   Mettram.    Hagen,  892. 

Märbraten,  m.,  s.  Märchen. 

Märchen,  n.,  Märbraten,  /n.,  Lenden- 
braten, mehr  noch  das  zarte  Fleisch, 
welches  unter  den  Nieren  am  Rück- 
grate der  Rinder  und  Schweine  sitzt; 
daher  Rindermärchen,  Schweinemärchen, 
In  Bremen,  im  Holsteinischen  und  in 


Marcbt  —  Marginne. 


51 


Pommern  Morhrade,  Von  mär  mürbe. 
Das  Märchen  wird  auch  Haschen  Häs- 
chen genannt.  Brem.  Wb.  III,  187. 
Schützern,  111.  Dähn.,311a.  Hen- 
nig,  152. 

Marcht,  Mftrcht,  m.,  Markt,  Markt- 
platz und  Marktverkehr.  Der  Marcht- 
tag,  Tag  an  dem  der  Markt  abgehalten 
wird,  ist  in  kleinen  Städten  ein  halber 
Feiertag. 

Marczeczanky  m.,  Pflzn.,  Feldkümmel, 
Thymus  serpyllum  L.  Mühling.  Von 
dem  poln.  macierzanka.    Hagen,  633. 

mflren,  sw.  1.  wühlen,  heromkramen 
und  dabei  das  Geordnete  in  Unordnung 
bringen.  Sie  mdrt  in  der  Kommod^ 
sehieblade  herum.  Sei  heft  dat  alles 
vermdrt  on  vei^mäsert  2.  sich  unruhig 
bewegen,  zwecklos  umherirren;  nament- 
lich von  Kindern.  Wat  märt  dei  doch 
ömmer  heröm,  3.  Nach  Mühling  auch 
unermüdlich  in  der  Wirtschaft  arbeiten 
und  schaflTen.     Der  Stamm  ist  Mar, 

Marettttt,  /.,  s.  Mftrzitze. 

Margen y  auch,  jedoch  seltener  Mer- 
gelig /.,  plur,  Margelles^  Margellen(s). 
1.  Mädchen;  meistens  in  geringschätzi- 
gem Sinne  von  dienenden  Mädchen, 
aber  auch  in  zutraulichem  und  herz- 
lichem von  Kindern  als  Deminutiv. 
Dm  Jungfervolk  ^  die  man  Margellen 
nennet^  haben  statt  der  Hauben  schlichte 
Sammetbügel,  Pierson,  Matth.  Prätor., 
1 18.  Gotts  Schlag!  §s  dat  en  Margeü- 
ken^  dat  Annken.  Dorr,  1.  Wiew.,  29. 
JEs  ist  eine  tüchtige  Margell  —  eine 
trautste  —  eine  hübsche  Margell!  Mein 
einige»  MargeUchen!  Von  dem  lit.  mer- 
gile^  Dem.  von  merga  Jungfrau;  im 
altpreufz.  merga^  ^n^^fo  Jungfrau(Vocab. 
192),  mergu^  (Katech.),  mergvs  (Grü- 
nau) Magd.  Nsslm.,  Forsch.  2;  Th. 
101.  103.  Pierson,  A.  W.,  25.  Sind 
die  Margellen  ländliche  Dienstbotinnen, 


so  stehen  sie  im  Gegensatz  zu  den 
Knechten  und  Jungen.  De  Knechts  on 
de  Mergelles  makte  sock  äwer  den  SpäfZy 
utgekäm/mde  Här  brCt  Ftr  to  schmtte, 
Samland.  Firmenich  I,  104a.  In 
Zusammensetzungen :  Diensbnargelly 

Dienstmädchen,  Kindermargell,  Kinder- 
mädchen, Milchmargell,  Mädchen,  das 
Milch  zum  Verkauf  herumträgt.  In 
Posen  Margelle  schimpfende,  spottende 
Benennung  eines  alten  Weibes.  Bernd, 
168.  2.  nach  Bock,  33,  u.  Hennig, 
155,  in  Brauhäusern  „das  Hölzchen, 
auf  welches  man  das  Licht  zu  stecken 
pflegt,  vielleicht,  weil  es  die  Dienste  der 
Magd  verrichtet,  die  sonst  das  Licht 
halten  müi'zte." 

Margen,  Marjen,  in  Zusammensetzun- 
gen ~  Marien,  daher,  die  unten  ge- 
nannten Pflanzennamen  im  Volksmunde : 
Margenblume j  -gras,  -nessel,  -röslein^ 
'Schuhchen,  -spark.  In  Bayern  Märgen, 
Mergen.    Schmeller  II,  615. 

Margenblatt,  n.,  Marienblatt,  Morgen- 
blatt, Tanacetum  balsamita  L. 

Margenburg,  Ortsn.,  Marienburg.  Blin- 
der, sist  (siehst)  de  Margeborg  nichf 
Sprw.  I,  3465. 

Margendreher,  Pflzn.,  Nestwurz,  Neot- 
Ua  {Epipactis)  nidus  avis  L.  Hagen, 
926. 

Margengras,  Mariengras,  n.,  wohl- 
riechendes Honiggras,  Holcus  boreaUs 
(odoratus)  L.     Hagen,  1061. 

Marginne,  /.,  ein  National-Kleidungs- 
stück  der  Litauerinnen.  Es  besteht  aus 
einem  rotgestreiften  wollenen  Gewände, 
welches  von  der  linken  Schulter  bis  zu 
den  Fül'zen  herabhängt  und  an  den 
Hüften  von  einem  Güi*tel  zusammen- 
gehalten wird,  während  der  rechte  Arm 
frei  bleibt.  Von  dem  lit.  margas  bunt, 
buntgestreift.  Nsslm.Wb.,  383b.  Liebe 

Tochter,  Simonene,   Worin  mrst  du  ihn 

4* 


52 


Margritsch  —  Marmel. 


(den  Knaben)  einhüllen?  Mutte^\  Mut- 
ter^  meine  Ehre,  In  den  Fitigel  der  Mar- 
ginne.  Rhesa,  Dainos,  243.  Vgl. 
auch  das.  S.  322.  Marginne  dient 
auch  zur  Bezeichnung  des  bunten  Wei- 
berrockes überhaupt.  Meletelle  der  Far- 
bengott  über  die  Farbenh^äuter,  damit 
sie  ihre  MarginneUy  d.  i.  ihre  Kittel 
färben.  Pierson,  Matth.  Prätor.,  32. 
Die  eigentliche  Marginne  kommt  immer 
mehr  aus  dem  Gebrauch.  Hennig, 
155. 

Margritsch,  m.,  s.  Magritsch. 

Marie,  kratcse,  Pflzn.,  gemeiner  Sinau, 
Akhemilla  vulgaris  L,     Saalfeld. 

Marieige,  /.,  Margellchen,  Name  eines 
alten  Tilsiter  Bieres.     Vgl.  Bier. 

Marienblume,  /.,  ausdauernde  Malz- 
liebe,  Bellis  perennis  L.   Hagen,  888. 

Mariengras,  n.,  s.  Margengras. 

Mariennessel,  /.,  gemeines  Eatzen- 
kraut,  Nepeta  cataria  L.  Bock,  Nat. 
in,  442.    Hagen,  601. 

Marienrttslein,  -chen,  n.,  gemeine  Licht- 
nelke, Lychnis  dioica  L.  Hagen, 
485. 

Marienschuh,  m.,  -chen,  n.,  gemeiner 
Frauenschuh,  Cypripedium  calceolus  L. 
Hagen,  933. 

Marienspark,  n.,  Pflzn.,  Feldspark, 
Spergula  arvensis  L.  Hagen,  492. 
Pritzel,  385. 

Marjen,  Gen.  von  Maria,  s.  Margen. 

Markenthor,  n.,  das  Marktthor,  der 
Uhrturm  in  Elbing.  Sehern ionek, 
24. 

MArklatt,  Mftrklatte,  /.,  Weichselzopf, 
plica  Pohnica.  Zusammensetzung  aus 
Klatte  und  Mary  also  das  von  dem  Mar 
verwirrte  Haar.  Vgl.  Mftrzopf.  Nach 
Treichel,  Volksth.,  auch  Pflanzen- 
name. 

Markopeczei,  Markopeten,  plur,,  Nacht- 

gesprnster.      Hennig,    156,    leitet   es 


her  von  dem  wend.  mrok  Abenddäm- 
merung und  pece  Geschäftigkeit;  das 
Wort  bezeichnet  also  Wesen,  „die  des 
Abends  zu  wandern  anfangen  und  ge- 
gen Morgen  wieder  in  ihre  Wohnung 
zurückkehren. "  Bock,  Nat. '  1 ,  111: 
Martopeten,  Martoputen,  kleine  Erd- 
menschen.    Vgl.  Untererdschken. 

Marks,  m.  1.  Mark;  Gehirn.  2.  Bild- 
lich: Verstand;  Kraft.  Er  hat  Marks 
im  K(ypfy  er  ist  ein  verständiger  Mensch. 
E'  hat  Marks  in  den  Knochen,  er  ist 
ein  starker,  kräftiger  Mann.  3.  Pflzn., 
kriechender  Hahnenfufz,  RanuncuXus 
repens  L.  Weichseldelta.  Vielleicht, 
weil  der  Genui'z  der  Pflanze  beim  Vieh 
Marky  Kraft,  erzeugt,  oder  weil  sie  im 
Futter  das  Mark  ist.  Treichel, 
Volksth.  ni.  4.  Kürzung  des  m.  Vom. 
Markus.     Hartwich,  54:  Marx. 

Markt,  /.  1.  Marke,  Zeichen.  Geben 
Sie  mir  sechs  Markten.  Ebenso  schwäb.- 
augsb.     Birlinger,  329a. 

Marktgroschen,  m.,  beschönigende  Be- 
nennung für  das  von  Dienstmädchen 
bei  Einkäufen  auf  dem  Markte  unter- 
schlagene Geld.  Sie  hat  sich  einen 
schönen  Marktgroschen  gemacht.  Dzg. 
Klein  II,  7.    Auch  Knipsgroschen. 

marktsgang,  adj.y  mittelmäl'zig,  ziem- 
lich. Mühling.  Zusammensetzung  aus 
Markt  und  gehen^  also  wohl  von  Gegen- 
ständen, die  auf  dem  Markte  als  Durch- 
schnittsware noch  Abgang  finden. 

Mariein,  Marling,  Merlein,  pltd.  MarlTn, 

m.y  starke  hänfene  Schuur  zum  Binden, 
starker  Bindfaden.  Mnd.  marlink^  holl. 
marling,  in  Bremen  Marlinen^  Marrel- 
linen.  Brem.  Wb.  HI,  133.  Hennig, 
156.  Vgl.  SchnUrling. 
Marmel,  Murmel,  m.  u.  /.,  kleine  runde 

Schnellkugel,  als  Kinderspielzeug,  ur- 
sprünglich Schusser.  Der  Stamm  ist 
Marmor.    Vgl.  Weigand  H,  28  f. 


Märmoos  —  Märzaum. 


53 


MArmoos,  n.,  Bärlapp^  s.  Morzeböb. 
mannülsch,  murmül8ch,murmüli8chy  adj,, 

unfreandlich,  verdrielzlicli.  Lit.  mur- 
viiti  brummen,  murmuli/s  mürrischer 
Mensch,  Brummbart.  Bock9  34.  Hen- 
nig, 156.  Nsslm.,  Wb.,  411a.  Pier- 
son, A.  W.,  27. 

MaropSten,  -pQten,  plur.^  s.  Markopeczei 
u.  Untererdschken. 

Mftrschy  pltd.  Marsch  u.  Merschj   m.^ 
Arsch,  Podex.    Ebenso  JNdrsch  (s.  d.). 

Marschrat.  „Dieses  Wort  kommt  vor 
in  der  Begnadigungsschrift,  welche  |den 
Preufzen  Anno  1410  von  dem  Könige 
in  Pohlen  angeboten  worden,  wo  es  §  4 
heil'zt :  „Die  Schazzung  Mai^chrat  ver- 
bieten wir  ganz  und  kein  gut  Mann 
soll  das  mehr  fordern  noch  geben  zu 
ewigen  Zeiten.**  Der  bekannte  Preui'zi- 
sche  Schriftsteller  Grunow  macht  da- 
bei folgende  Anmerkung:  Marschrat 
war  eine  Geldgebung  von  jeglichem 
Überhande!,  als  liei'z  sich  ein  Bürger 
einschreiben  in  die  Zech  der  Schuster 
und  wollte  gleichwohl  mit  zulegen  im 
Kaufmannshandel;  so  muite  er  ein 
Jahr  geben  50  Mark  der  Stadt.  Allein 
Hemis  in  seiner  lateinischen  Anfuhrung 
dieser  Stelle  nennt  es  jxyixarium^  auf 
deutsch  Schwein-  oder  Saugeld.  In 
dem  Hauptvergleiche  der  Preui'zen  mit 
den  Pohlen  vom  Jahre  1454  wird  da- 
her auch  dieses  Geldes  in  folgenden 
Worten  gedacht:  item  in  terra  Ponie- 
raniae  exactionem^  quae  porcus,  alias 
Narzafz^  veteri  institutione  ducum  Po- 
loniae  vocabatur^  regia  viunificentia  tol- 
limus.  Ebenso  heilt  es  auch  in  einer 
alten  Urkunde  vom  Jahr  1175  in  Ma, 
Rangonis  Originihus  P&mefanicis  S.  155, 
da  die  Geistlichen  zu  Camin  freige- 
sprochen werden  ab  omni  exactitme^ 
insuper  Naraz  etc.  Eben  daher  scheint 
auch   die  Leseart:    Das  Ungeld  Nar- 


zafz,  welche  in  einer  alten  Abschrift 
gefunden  worden,  die  ächte  zu  sein, 
woraus  andre  Abschreiber  Marschrat 
gemacht  haben.  Siehe  Pr.  Sammlun- 
gen, S.  244  u.  752.«     Hennig,  156 f. 

Martche,  w.  Vorn.,  Dem.  von  Martha, 
verstummelt  aus  Marthaclien. 

Martern,  m.,  Pflzn ,  s.  Maraun. 

martig,  adj.,  faul.  Du  bösi  so  maortlg. 
Elbing.     Dzg.  Nhg.     Viol^t,  102. 

Martin,  m.  Vom.,  aus  Mars  (Pott, 
45);  Tag  des  h.  Martinus,  11.  Novem- 
ber. Der  Martinstag  ist  der  Tag  des 
Dienstwechsels  für  das  ländliche  Ge- 
sinde. 

MartTnspungel,  n,,  Pungel,  Bündel,  das 
das  Gesinde  amMartinstage  beim  Dienst- 
wechsel schnürt.  Nimm  dein  Martins- 
pu7igel  und  geh  zum  Geier!  Da  geht 
er  (der  Knecht)  mit  seinem  Martins- 
pungel^  mit  dem  Bündel,  das  sein  Hab 
und  Gut  enthält. 

Martzsche,  /.,  Braut,  doch  mehr  noch 
die  Neuvermählte  im  Hause  der  Schwie- 
gereltern, die  Schwiegertochter,  die 
Schwägerin.  Hennig,  157,  schreibt 
Marzsche,  Von  dem  gleichbed.  lit.  marti, 
Nsslm.  Wb.,  384b. 

Maruschken,  Maruschke,  w.  Vorn.   1. 

Mariechen,  foln,  Marysza.  Marie^  Marie^ 
MarusclJcaka!  Volksr.,  40,  152.  2. 
nach  Klein  II,  8,  Maruschke  in  Dzg. 
Bezeichnung  für  die  polnischen  Weiber, 
welche  kommen,  um  den  Bauern  in  der 
Ernte  zu  helfen.  In  Westpreufz.  auch 
Mai^uske. 

Marx,  m.  Vorn.,  s.  Marks. 

Mftrzaum,  pltd.  MärtAm,  m.,  Zaum  der 
Mar,  Die  Mar  drückt  auch  die  Pferde 
und  flicht  dabei  aus  den  Haaren  der 
Mähne  eine  Art  Zöpfe,  welche  man 
Märzdume  nennt.  Die  Haare  sind  der- 
art durcheinander  gezogen  und  ver- 
wirrt,   dafz  man  sie  nicht  auseinander 


54 


Märzblume  —  Masseln. 


zu  lösen  vermag  und  den  ganzen  Mär- 
zaum wegschneiden  mufz.     Samland. 

Märzblume,  /*.  1.  Leberblume,  Hepa- 
Uca  triloba  GiL  2.  gelbe  Osterbium e, 
Anemone  ranunculoides  L,     Mühling. 

S.  Aprilblume. 

Marzene,  /.,  nach  Simon  Grünau, 
Tract.  I,  cap.  III,  eine  in  Prenfzen  vor- 
kommende Fischart;  vielleicht  Maräne? 
Benecke,  285. 

Märzhase,  m.,  Hase,  der  im  März  ge- 
boren ist.  Er  ist  vernickt  tcie  ein  März- 
hose.  Hei  ös  e  Märzhdske^  ein  schwäch- 
licher, kränklicher  Mensch.   Vgl.  Herbst- 

keichel. 

Marzipanblume,  /.,  fleischige  Porzellan- 
blume, Hot/a  camosa  R,  Br.^  wegen 
des  suCzen  Tropfens  in  der  Blüte. 
Weichseldelta.    Treichel,  Volkth.  III. 

Mftrzitze,  pltd.  MArettttt,  /.,  Brustwarze 
der  Mdr^  der  Donnerkeil,  Teufelsfinger, 
ein  bekannter  Belemnit.  Die  Litauer 
nennen  ihn  Laumh  pdpas  Brustwarze 
der  Laume  (Mar).  N.  Pr.  Prov.-Bl.  II, 
380. 

Märzkater,  m.,  Kater,  im  März  ge- 
worfen. Er  ist  verliebt  wie  ein  März- 
kater,    Sprw.  I,  3905. 

Mftrzopf,  Mftrezopf,  pltd.  Mftrzopp,  m., 
Weichselzopf,  poln.  koltun.  Auch  Mar- 
flechte^  Märklatte^  Mahrlocke  (Hupel, 
148),  Mahrflocke  (Sallmann,  37a). 
Vgl.  Adelung  III,  35.  Es  schlich  sich  in 
meine  Familie  die  Weicfiselzopfkrankheit 
—  Mahrezopf ^  koltun  —  ein.  Aus  dem 
Briefe  eines  Lehrers  im  Kreise  AUen- 
stein.  Marzopf  ist  die  Verfilzung  des 
Menschenhaares  und  wird  hier,  ebenso 
wie  die  unlösliche  Verwirrung  des 
Pferdehaares  beim  Märzaum  der  Mär 
zugeschrieben;  doch  auch  der  Märzaum 
heü'zt  Märzopf.  Gordack  teilt  folgen- 
des Heilmittel  mit:  Nimm  zwei  Steine 
von  dem  Rasenstück,  welches  durch  die 


Kreuzung  der  Wege  in  der  Mitte 
bleibt  (?),  lege  einen  Stein  unter  den 
Zopf  und  mit  dem  andern  klopfe  auf 
den  Zopf,  bis  er  abfallt.     Masuren. 

Märzschaf,  n.,  s.  Merzschaf. 

Marzsche,  /.,  s.  Martzsche. 

Märzschein,  pltd.  Marzschln,  m.,  klarer 
Sonnenschein  von  Mitte  Februar  an. 
Dönh. 

Maschlaber,  Pflzn.,  sprossender  Bär- 
lapp, Lycopodium  annotinum  L.  Hen- 
nig, 158.    Hagen,  1086. 

maserig,  adj.  1.  von  Maser^  fleckig, 
wolkig  im  Holze.  2.  fleckig,  finnig  im 
Gesichte.  3.  in  Westpr.  kränklich,  ver- 
kommenjämmerlich aussehend,  schwäch- 
lich, angegriflFen.  On  das  jüngste^  das 
Mächen^  w&rd  ganz  masng  vor  Betriebt- 
heit  Schaltj  1,  441.  Mühling.  Sche- 
mion ek,  24. 

Maskopie,  Maschkopie,  /.,  Maskopei, 
Gesellschaft,  Handelsverbindung,  welche 
gemeinsam  Gewinn  wie  Verlust  des 
Unternehmens  teilt.  Schwed.  matskopi, 
hoU.  maatschuppye^  mnd.  mätscfiop,  ma- 
scliop^  (matscliopie)^  maschupie^  maskopei^ 
in  Bremen  Maatskuppije^  Maskuppije, 
in  Pommern  Maschopij^  bei  Frisch  I, 
647b,  Maschopey.  Mnd.  Wb.  lU,  45  f. 
Brem.  Wb.  III,  136.  Dähn.,  300  b. 
Es  stammt  also  von  Mät^  Geselle,  Ge- 
nosse und  Mätschaft,  Gesellschaft,  Ge- 
meinschaft. Maschkopt  ös  Schttert^  ist 
nicht  viel  wert.  Sprw.  I,  2552.  Hen- 
nig, 158. 

Masse,  /.,  langer  Stab  in  Gestalt 
eioer  Schaufel,  um  damit  beim  Billard- 
spiel den  Ball  fortzustoi'zen.  Lassen 
Sie  U71S  Billard  spielefi^  mit  der  Masse 
kann  ich  noch  ohn  Unbequemlichkeit 
spielen,  Soph.  R.  IV,  373.  Hier  ward 
sie  so  tcüihend^  dafz  sie  dk  Masse  gegen 
ihn  aufhob.     A.  a.  0. 

Masseln,  plur.^  Masern,  Einderkrank- 


Massüfzel  —  Matkrillis. 


55 


heit  mit  Ausschlag  und  roton  Flecken. 
Hennig,  158.  331.  Das  Kind  hat  ge- 
pocht und  gemasselt^  die  Kinderkrank- 
heiten überstanden.  Schemionek,  24. 
Ahd.  mdsdy  mhd.  mase^  /.,  Wundmaul, 
Narbe,  entstellender  Flecken,  mni,  mase; 
engl,  measles  Masern,  Finnen,  schwed. 
massei  Erätze,  Mäsling  Blattern;  in 
Bremen  Masel^  Maassel^  mnd.  masele^ 
massele,  maselen,  massein,  Adelung 
III,  93.  Brem.  Wb.  III,  135.  Mnd. 
Wb.  III,  41. 

MassUfzelyPflzn.,  gemeine  Kugelblume, 
Globulariu  vulgafns  L,    Hagen,  148. 

Mast,  /.,  Eicheln,  als  Schweinefutter. 
iii  gäbe  dies  Jahr  keine  Mast  (d.  h. 
doch,  tcie  Sie  toissen :  keine  Eicfieln  für 
die  Schweine),     Soph.  R.  VI,  230. 

Mastelle,  /.,  schlanker  Baum  als  Trä- 
ger des  Baugerüstes,  Fahnenstange. 

Mastschabander,  m,^  Mastochse.  Dan- 
zig.     Mühling. 

Mak,  n,  1.  Zu  Mafz  kommen,  zu  rech- 
ter Zeit  kommen.  Wer  langsam  geht, 
kommt  auch  zu  Mafz,  Zum  Bissen  zu 
Majz  kommen,  in  fremder  Haushaltung 
erscheinen,  wenn  gegessen  wird;  man 
sagt  dann  scherzweise:  Da  komm  ich 
zu  Mafz.  Dei'  ist  auch  zu  Mafz  ge- 
kommen (als  die  Nasen  ausgeteilt  wur- 
den), sagt  man  von  dem,  der  eine  groi'ze 
Nase  hat.  Wer  unbeabsichtigt  in  eine 
Schlägerei  gerät,  kommt  eben  zu  Mafz, 
He  kömmt  so  to  Mdt  vde  jenne  tdm  üt- 
stipe,  Sprw.  I,  2556.  Wer  zu  einem 
Termin,  einer  Andacht  etc.  zu  spät 
kommt,  kommt  nicht  mehr  zu  Mafz.  2. 
Mit  Mafzen  trinken,  mäi'zig  trinken;  aber 
auch  scherzweise:  viel  trinken,  indem 
darauf  hingewiesen  wird,  da(z  der 
Trunkenbold  mit  (d.  i.  aus)  Mafzen 
trinkt.  Hennig,  158.  3.  Das  Mafz  ver- 
lieren. Krankheit.  Unter  Mafz  wird 
hier  die  Übereinstimmung  der  Dimen- 


sion von  Fingerspitze  zu  Fingerspitze 
bei  gerade  ausgebreiteten  Armen^mit 
der  Länge  des  Körpers  vom  Scheitel 
bis  zur  Sohle,  oder  von  der  linken 
Schulter  zum  rechten  Fufz,  mit  der  von 
der  rechten  Schulter  zum  linken  Fufz 
verstanden.  Bei  Krankheiten,  welche 
man  nicht  sofort  erkennen  kann,  heifzt's: 
Er  hat  geivifz  das  Mafz  verloren,  und 
beginnen  sofort  die  Messungen.  Ver- 
lust des  Mafzes  deutet  auf  Verlust  des 
Lebens.  Das  verlorene  Malz,  oft  durch 
„Verbrechen"  beim  Heben  schwerer 
Lasten  erzeugt,  kann  wiederhergestellt 
werden  durch  das  sogenannte  Ziehen 
oder  durch  Verbrennen  des  Mafzunter- 
schiedes  unter  gewissen  Spruchformeln. 
Vgl.  Hexspr.,  78.  Sprw.I,  2555.  Hintz, 
118.  Bock,  Nat.  1,  278.  —  Der  Schnei- 
der hat's  Mafz  verloren,  wenn  er  ein 
Kleidungsstück  zu   weit  oder  zu  enge 

gefertigt  hat.    4.   kulmisches  Mafz,   s. 

kulmisch, 

Mftt,  m,,  Geselle,  Genosse,  Gehilfe 
bei  einer  Arbeit,  Kamerad.  HoU.  maat, 
engl,  mate.  Davon  das  Dem.  Mdtke, 
nach  Bock,  34,  holländischer  Schiffer. 

Mat,  /.,  Metze,  als  Malz.  E  Mat 
Grup,  eine  Metze  Graupe.    Samland. 

Mater,  Materkraut,  Pflzn.,  Mutterkraut, 
Matricaria  parthenium  L,  Mühling. 
Treichel,  Volksth.  III. 

Materialsalbe,  Med.,  Merkurialsalbe, 
Läusesalbe,  Ungu^entum  mercuriale  di- 
lutum,     Ungt.  pediculorum, 

Materie,  /.,  Eiter  in  Geschwüren  und 
Wunden. 

Matgetreid,  Metzgetreide,  rein  pltd. 
Matgeträgd  (d*  lang),  n.,  Koggen  und 
Gerste  durcheinander  gemengt;  von  den 
Metzen,  welche  der  Müller  von  dem 
Getreide  der  Mahlgäste  nehmen  darf. 
Samland.  • 

Matkrillis,  m.,  Wassertreter,  Wasser- 


56 


Matsch  —  Matz. 


Ijiufer,    Totanus  Bechst.    Nsslra.  Th., 
219. 
Matsch,   Matsche,  m,  u.  /.   1.  durch 

Zerquet schling  oder  Fäulnis  entstande- 
ner (lickflussiger  Brei.  Dw  Birnen 
sind  eine  Matsch,  Einen  zu  Matsch  liauen, 
2.  breiig  gewordener  Strafzenkot.  Das 
ist  ein  rechter  Matsch,  Vgl.  MotL  3. 
die  durch  Gehen  und  Fahren  zer- 
(juetsclit<3  wässrige  Schnee-  u.  Schmutz- 
masse. Man  nennt  sie  gewöhnlicher 
Patsch,  Quatsch,  m.  Ebenso  in  der  Alt- 
niark.     Dauneil,  133a. 

Matsch,  m,    Matsch  machen,  im  Kar- 
tenspiel sämtliche  Stiche  machen. 

Mftischaft,  /.,  Gesellschaft,  Gemein- 
schaft im  Handel,  Maskofjie.  Von  MdL 
Dafern  nach  Verßiefzung  der  Dienst- 
jahre ein  Gesell  bei  seinem  Brotherrn, 
länger  bleiben  und  mit  ihm  in  Matschaft 
treten  wollte^  stehet  solches  zu  beider  Ver- 
gleich, Wettordnung  von  1715.  Art. 
XVII.  Hennig,  158.  Auf  Heia  heilzt 
eine  Genossenschaft  der  Fischer  Mftt- 
schappie.    Benecke,  425. 

matschen,  sw,  1.  durcheinander  men- 
gen, mischen,  manschen;  besonders  Ge- 
tränke. Bter^  Wein  icird  gematscht^ 
d.  i.  durch  Zusätze  von  Wasser  ge- 
fälscht. 2.  im  Wasser  oder  in  einer 
andern  Flüssigkeit,  im  Strafzenkot  man- 
schen, wühlen;  dieses  aber  auch  pat- 
schen, Matsch  ni-ch  on  e  stire  Koinst^ 
de  Mutter  heft  em  gekjkt^  \iiiW  die  Sache 
auf  sich  beruhen.  Sprw.  1,2559.  Matsch 
7iichj  ÖS  M'"s  (Mus).  Vgl.  manschen.  3. 
sich  nalz,  schmutzig  machen.  Ich  mu/z 
immer  im  Kot  matschen  und  patschen. 
In  Zusammensetzungen:  abmatschen, 
eine  Speise  übel  zubereiten.  Bildlich: 
eine  Rede,  einen  Vortrag  schlecht  und 
unverständlich,  obenhin  halten.  be- 
matschen ,  schmutzig ,  unsauber ,  nafz 
machen;    auch  reflexiv,     zermatschen, 


zu  Matsch  machen,  zerquetschen;  zer- 
fetzen, verwunden,  übel  zurichten.  Das 
Fleisch  zermatschen.  Der  Verwundete 
war  zermatscht.  Für  diese  Bedeutung 
pafzt  das  holl.  matsen  m  atzein,  worauf 
Hennig  rücksichtlich  der  Abstammung 
hinweist.  Bock,  34.  Hennig,  4. 
159. 

matschig,    adj,   von  Matsch,    1.  halb 

flüssig,  breiig,  zergangen,   kotig.     Die 

Strafzen  sind  matschig,     2.  regnerisch, 

feucht,  nalzkalt.    Das  ist  ein  matschiges 

Wetter,    Ebenso  patschig. 

Matschkedeiser ,  (?),  Heuschrecke. 
Mühling. 

Matte,  /.,  Decke,  gewöhnlich  aus  Fa- 
denbast geflochten,  daher  meist  Bast- 
matte^ Bastematte.  In  Dauzig  heifzt 
eine  Stralze  Mattenbuden ^  weil  man 
hier  früher  die  Matten,  mit  welchen 
das  aus  Polen  gekommene  Getreide  be- 
deckt war,  oder  die  hier  von  Matten- 
bindem  eigens  angefertigt  wurden,  zu 
verkaufen  pflegte  Löschin,  Danzig, 
43. 

Matterwendel,  m.,  auch  Natterwendel, 

Wendehals,  Jynx  torquilla,    Mühling. 

Vgl  Drehhals. 

Matthfis,  m.  Vorn.,  Matthäus  u.  Mat- 
thias. Vom  Aposteltage  Matthäus 
(24.  Februar)  heilzt  es:  Matthes  Bricht 

A  A 

Es,  Hat  er  ke's^  Macht  e  Es,  Uennig, 
159.  Sprw.  1.2558.  Im  Werder:  Mat- 
thies  Brecht  is,  Fingt  Iie  keens,  Meckt 
he  eens,  Böbel,  Haus-  und  Feld- 
weisheit etc.,  14.  Je  zum  schweren 
Matthys,  rief  er,  hier  ist  was  zu  Fädeln  ! 
Soph.  R.  III,  221. 

Matz,  1.  m.  Vorn.,  Matthäus,  Mat- 
thias. 2.  einfältiger  Mensch,  Mensch, 
den  man  hänselt.  Von  dem  mlat.  mat- 
tus,  ital.  matto  Narr.  Er  ist  ein  rechter 
Matz.  Er  ist  Matz  in  allen  Gassen, 
As  fnienen  Matz  war  §k  ju  emmer  an- 


Mau  —  maulen. 


57 


sehnen.  Dorr,  1.  Wicw.,  123.  Ich  will 
wol  Matz  heifzen^  wo  dieses  zu  ent- 
decken jemand^  der  sonsten  Wei/zheit 
Eymer-^weise  von  sich  schwitzen  kann, 
sich  unterstehen  dorffe,  L  i  n  e  m .,  D  4  a. 
In  Zusammensetzungen:  Hampel-^  Plun- 
dermatz.  Vgl.  Sprw.  I,  2560.  Anton, 
10,  6.  Adelung  III,  113.  3.  Name 
und  Lockruf  für  Schaf  und  Lamm; 
für  letzteres  mehr  noch  das  Dem.  Mätz- 
chen.    Volksr.,  64,  242  d. 

Mau,  Maue,  plur.  Mauen^  Dem.  Mau- 
clten^  pltd.  Mauke  und  so  in  Königs- 
berg und  Ostpreul'zen  überhaupt  meist 
genannt.  Kurzes  Vorärmelchen  zur 
Warmhaltung  des  Pulses  und  daher 
auch  Pulswärmer,  eine  Art  Manschette 
aus  Wolle  gestrickt,  seltener  von  Pelz- 
werk. Die  Mattchen  werden  bei  Kälte 
über  die  Hand  gestreift  und  umschlieizen 
wärmend  die  Handwurzel  u.  den  vordem 
Teil  des  Unterarmes.  In  Westpreuiken 
Mau^  Mauen,  {Mauchen  ist  mir  dort 
nicht  entgegengetreten)  Ärmel,  Hemd- 
ärmel; auch  (Gegend  von  Marienwerder) 
Magen,  So  reiten  die  Frauen  Mit  ihren 
weiten  Matten!  Volksr.,  36,  187.  Jack 
hadd  he  ohne  Matten.  Dorr,  63.  Volks- 
lieder, 16,  8,  5.  In  Brem.  Moue^  in 
Hamburg  Matte ^  mhd.  mouve,  mnd. 
inouwe^  mowe,  mawe  Ärmel,  besonders 
der  weite  Ärmel,  holl.  mouw,  mou  Är- 
mel, Manschette,  plur.  mouwtjes^  woraus 
Muffe  entstanden.  Lit.  ist  mduju,  mduti 
streifen,  aufstreifen,  worin  Nsslm, 
Forsch.  2;  Th.  219,  die  Wurzel  des 
ostpr.  Mauchen  vermutet.  In  Liv-  und 
Estland  Maue^  wie  unser  Mauchen,  ein 
Handmüffchen  und  ein  Halbärmel  oder 
Überärmel  von  feiner  Leinwand,  auch 
Halbmatte  genannt.  Hupel,  150.  Bei 
Stein:  maulschmiren ,  ermel  ansetzen, 
auf  die  mawen  binden  =  Lügen  auf- 
binden, Nasen  drehen,  betrugen.     Pe- 


regrinus  XU,  14.  W.  Mtsbl.  V,  188. 
S.  Hennig,  159.  Frisch  I,  649b. 
Grimm,  Kleine  SchriftenHI,  108.  Eine 
zweite  Bedeutung  s.  Puichmau. 

Mauchen,  n.,  s.  das  vor. 

mauen,  sw.^  miauen. 

Mauerblume,  /.,  gewöhnlich  im  Dein. 
Maiterblvmchenj  Dame  im  Tanzsaal, 
welche  zum  Tanze  nicht  aufgefordert 
wird  u.  die  Mauer  ziert.     Treichel. 

mauern,  »w,,  mit  guten  Karten  passen. 

Mauersalat,  m.,  Mauer- Lattich,  Lac- 
tuca  muralis  Less.     Hagen,  809. 

Mauerschirck,    pltd.    Mü'rschOrk,   m., 

Holzwurm,  der  pickt  und  zirpt.  Wer 
den  Matterschirk  schreien  hört,  stirbt 
bald.  Nach  der  Volksmeinung  ist  er 
der  Tod  selber.  Saalfeld.  Vgl.  Schirk. 
Maul,  pltd.  MQI,  n.,  Mund.  Einem  das 
Maul  vergönnen,  ihn  um  etwas  bitten. 
Vgl.  Hund.  Fettes,  blankes  Maul,  zu- 
nächst wörtlich,  dann  aber  auch  zur 
Bezeichnung  eines  Schmauses,  Festes. 
Htde  göfft  et  e  blanket  Mul.  Ock  hadd 
noch  nuscht  gekräge,  öck  mrnd  doch  6k 
davon  en  fettet  Mal  to  dräge.  Carm. 
nupt  1,  282,  13.  Wt  he  sock  frl  en 
blanket  Mvl  toul  maken.    Ibid.,  298. 

Maulchekoser,  m,  maulchekosen,  m., 
s.  maulkosen. 

mauldrang,  pltd.  mQldrang,  adj.,  maul- 
faul. Von  einem,  der  sich  drängen 
läi'zt,  das  M  a ul  zu  gebrauchen.  M  ü  h - 
ling. 

maulen,  pltd.  müle(n),  sw.,  das  Maul 

aufisetzen,  schmollen,  mucken,  verdriefz- 
lich  sein  Ungezogene  Kinder,  denen 
das  abgeschlagen  wird,  was  gesittete  be- 
kommen, und  die  jetzt  maulen  und  ihre 
glücklichem  Brüder  lächei^lich  machen. 
Soph.  R.  I,  37  f.  Und  ich  unleidliche 
Creatur  —  prügeln  möchte  ich  mich!  — 
ieh  maulte.  Ibid.,  163.  Eent  geew  dem 
andre   na,    muhlt  jo    keinmahl    tohop. 


/ 


58 


Maulgesperr  —  Mauseschwänzchen. 


Cann,  nupt.Yy  264c.  Bock,  34.  Hen- 
nig, 159.  Sperber,  21,  hat  maulen 
in  der  Bedeutung:  das  Maul  gebrau- 
chen, widersprechen.  Wort«pielend  sagt 
man  in  Königsberg  von  einem  schmol- 
lenden Kinde:  Es  tat  nach  Maulen  ge- 
fahren. Maulen,  Dorf  hei  Königs- 
berg.    Sprw.  I,  2580. 

Maulgesperr,  pltd.  MQIgesparr,  n.,  Auf- 
sehen, Aufheben.  Das  macht  ein  zu 
grofzes  Maulgesperr.  Mach  nicht  solch 
ein  Maulgesperr  von  der  Geschichte!  Aus 
Maul  und  sperren  gebildet;  Neugierige 
pflegen  den  Mund  aufzusperren. 

maulkosen,  maulchekosen,  pltd.  mOlke- 

kOsen,  se&.,  zu  Maul,  zu  Munde  reden, 
schmeicheln.  YgLkOsen.  Ein  Schmeich- 
ler heiizt  Maulkoser,  Maulchekoser,  pltd. 
MQIkekOser.    üennig,  159. 

maullos,  pltd.  müllos,  adj.y  abgemattet, 
entkräftet,  namentlich  von  Pferden, 
wenn  die  Zügelführung  wirkungslos 
wird,  sodann  von  Tieren  überhaupt. 
Friedland  Ostpr. 

Maulschelle,  /.,  Gebäck  aus  Weizen- 
mehl, etwa  3  Finger  breit  und  6  Zoll 
lang,  viereckig  und  dickblätterig. 

Maultachtel,  f,y  Maulschelle,  Ohrfeige. 
Davon  das  Verb. 

maultachteln,  pltd.  mQltacht'le(n),  sw. 

Muultachtelt  rechts^  stomöckselt  links 
(von  der  Ostsee  ist  die  Rede),  Dat  ös 
denn  doch  e  ander  Dings.  Reusch, 
Pltd.  Ged.,  21. 

Maulwerk,  pltd.  Mülwark,  n.  Sie  hat 
ein  gutes  Maulwei^k^  sie  ist  gewandt  im 
Sprechen.  In  Pommern  Mundtüg^  Mund- 
ledder^  Mundwark.     Dähn.^  316a. 

Maus,  pltd.  Müs,  /.  1.  Geschwulst  an 
der  Seite  tragender  Kühe  in  der  Gröize 
einer  Maus^  die  sich  schnell  hin  und 
her  bewegt.  Kommt  die  Maus  bis  an 
den  Hals,  so  muCz  die  Kuh  sterben. 
Mittel:   Man  durchsteche  die  Maus  mit 


einem  Pfriem.  Man  ziehe  dem  kran- 
ken Stück  Vieh  schnell  die  Zunge  aus 
dem  Maul  und  beifze  die  Spitze  ab. 
Dönh.  2.  cunnu^^  vulca.  Kleinen  Kin- 
dern, welche  sich  das  Röckchen  auf- 
gedeckt haben,  schlägt  man  dieses  schnell 
zurück  und  ruft:  De  Mus,  de  Miis! 
Sprw.  I,  2586.  3.  Geschichten,  Hän- 
del, Sorge,  Kummer.  (Sie)  macht  den 
Eltern  so  viel  Mäuse^  dajz  sie  sie  ins 
Kloster  sperren.  Soph.  R.  HI,  138.    Vgl. 

Pogge. 

Maus,  /.,  Mehlsuppe,  s.  MQs. 

Mausbraten,  m.,  in  Sahne  aufgebrate- 
ner Schinken.     Mühling. 

Mausch,  w.  Vom.,  Kosename  für  Marie. 
Treichel. 

Mauschel,  auch  Mausche,  m.,  Jude; 
von  Mosclie  Moses.  Vgl.  Bernd,  172. 
Davon  mauscheln,  m.  1.  jüdisch,  oder 
so  unverständlich  und  wortreich  wie 
ein  Jude  reden.  2.  handeln,  schachern, 
mit  dem  NebenbegriflF  der  Unredlich- 
keit. Daraus  Mauschelei,  /.,  in  beiden 
Bedeutungen,  vermauscheln,  verkaufen, 
verschachern.  Mensch,  was  willst  du 
dann  nun  noch  vermauschelnf  Soph.  R. 
I,  397. 

Mausefaller,  m.,  Slovake,  als  Verfer- 
tiger der  Mausefallen.  Vgl.  Lapitschke- 
schwenker. 

Mäuseholz,  Pflzn.,  Nachtschatten,  So- 
lanum.    Treichel. 

mausen,  pltd.  müse(n),  sw.  1.  Mäuse 
fangen.  Die  Katze  lä/zt  das  Mausen 
nicht.  2.  heimlich  und  mit  List  steh- 
len. Sie  haben  ihm  alles  gemaust.  Bei 
Jeroschin  müsen:  mit  dem  michse 
konde  er  müsen,  112d.  Pfeiffer,  198. 
ausmausen,  auslesen,  aussuchen. 

Mausepeter,  m.,  Katze,  namentlich  je- 
doch Kater,  der  ein  guter  Mauser  ist. 

Mauseschwänzchen,  n.,  Pflzn.,  s.  Perl- 
blUmchen. 


Mausezaho  —  Mehlbaum. 


59 


Mausezahn,  pitd.  MQstän.  m,^  Milch- 
zahn. Die  Kinder  werfen  den  aas- 
gezogenen Zahn  auf  den  Ofen  und 
sprechen  dabei :  Mmke^  Muske,  göf  mt 
€  tse/me  Tan,  öck  gcw  dt  e  knäkeme! 
Volksr.,  94,  397. 

mausig,  pltd.  mOsig,  adj..  keck,  groiz, 

stolz  thun.  Er  macht  sich  matisig.  Cu- 
pido  kanns  nicht  leiden,  dafz  dieser 
Krieg^ott  sich  hier  so  mausig  macht 
Ca^-m,  nupt  II,  277  b. 

Mauskopf,  m.,  s.  Klosterwenzel. 

mauskopfig,  pltd.  müskäpsch,  adj.,  die- 
bisch.   Egsbg.    Vgl.  mausen. 

Mauzenkraut,  n.,  stinkender  Gänse- 
fafz,  Chenopodium  olidum  Gurt  Ha- 
gen, 287. 

Mayen,  plur,,  Krieger,  welche  im 
14.  Jahrh.  dem  deutschen  Orden  von 
den  Städten  gestellt  wurden.  Ihre 
Uauptleute  wurden  aus  dem  vorneh- 
mem Burgerstande  gewählt.  Müh- 
ling. 

Mayerke,  /.,  kleine  Mütze.  Auf  dem 
Haupt  eine  Mayerke  (Mützchen)  van 
Filz  mit  rauhen  Fasern  durchstochen. 
Pierson,  Matth.  Prätor.,  112. 

Mazze,  /.,  plur.  Mazzen,  Mazzes,  un- 
gesäuerter Osterkuchen  der  Juden; 
hebr.  mazzo,  Schmitt,  110.  Sper- 
ber, 44. 

MechTle,  MechTio,  ^.,  der  Hintere, 
Podex;  von  dem  hebr.  mechillo  Höhle, 

Höhlung.    Vgl.  Machele. 

Meckerziege,  /.,  Pleonasmus  für  Ziege, 
weil  sie  meckert.     Treichel. 

medäl,  adv,,  gar  nicht.  Der  Tag  ist 
medcd  licht,  er  ist  gar  nicht  hell,  er 
ist  trübe.  Dönh.  Mühling  schreibt 
medall  und  erklärt:  mein  Lebtag,  alles 
mit  allem. 

Medaschke,  Pflzn.,  Nachtviole,  Hespe- 
ris  matronalis  L.     Dönh. 

Meddel,    Pflzn.,    Windhalm,    Apera 


Spica  venti  P,  B.  Treichel,  Volksth.: 
Meddeln,  wohl  ans  dem  poln.  mieüica, 
und  daraus  verplattet  in  Merdel. 

Medder,  /.  1.  Mutter.  Im  Oberlande 
Anrede  Unverheirateter  an  verheiratete 
Frauen.  Vgl.  Moder  und  Vedder.  Zur 
Medder  werden,  zur  Mutter  werden,  zu 
Falle  kommen.  Bock,  34.  2.  Fru 
Medder,  f.,  Libelle.  Sie  heifzt  auch 
verwünschte  Jungfer,  Die  Kinder  sin- 
gen sie  an:  Fru  Medder y  Seit  ju 
nedder!  Volksr.,  60,  230.    N.  Pr.  Prov.- 

Bl   a.  F.  I,  69.    Vgl.  Feddernedder. 

Medenau,  Ortsn.,  Kirchdorf  im  Kr. 
Fischhausen.  Die  Bewohner  verspottet 
man  mit  dem  Zurüf:  Drink  ut  on  göf 
noch  ene! 

Meder,  w.,  Mieder,  Frauenjacke.  So 
vei*mak  öck  gegen  dt:  .  .  .  mtner  Modersch 
Meder,    VolksL,  15,  7,  3. 

Median,  m.,  der  Milan,  Folco  milvus? 
Vgl.  Kohl. 

Medicinapotheke,  /.,  s.  Apotheke. 

Medritze,  /.,  s.  Metritze. 

Mcerbrackdistel,  /.,  s.  Mannstreu. 

Meergans,  /.,  als  Ekelname  u.  Schimpf- 
wort bei  Stein;  ebenso  MeerkatL  Pe- 
regrinus  XII,  82.    W.  Mtsbl.  V,  191. 

Meergrasblume,    -nelke,   /.,   gemeine 

Grasnelke,     Armeria    vulgaris    WiUd. 

Auch  Seegrasblume.    Hagen,  346. 

Meermannstreu,  f.,  s.  Mannstreu. 

Meersalzkraut,  n.,  krautartiges  Glas- 
schmalz, Salicomia  herbacea  L.  Ha- 
gen, 1. 

Meerschwein,  n.,  Fischn.  bei  Hennen- 
b erger,  Anhang,  29. 

Meerwurzel,  /.,  s.  Mannstreu. 

mfigen,  sw.,  sock,  s.  milhen. 

Megerkraut,  n.,  s.  Meierkraut. 

Mehlbaum,  m.,  nach  Hennig,  160, 
Hagedom,  gemeiner  Weil'zdorn,  Mespi- 
lus  oxyacantha  Gärtn,  Hagen,  515,  hat 
hoch  Mehlbeere,  -dorn,  -platten. 


60 


Meier  —  Melk. 


Meier,  rotery  auch  rote  Mtre^  Acker- 
gauchheil, AnagaUis  arvensis  L,  Ha- 
gen, 221.    Vgl.  MTre. 

Meier,  lu.  jiid.  Vor-  und  Mannesn., 
der  Leuchtende,  hebr.  Melr,  Flatow. 
Schmitt,  112. 

Meier-,  Megerkraut,  w.,  Pflzn.,  Wald- 
meister, Asperula  odorata  L,  Hagen, 
156.    Vgl.  Mteke. 

meiern,  sw,^  anfuhren,  übervorteilen, 
zum  besten  haben.  Den  haben  sie  gut 
gemeiert,     Sperber,  21. 

Meilech,  m.  jud.  Vorn.,  von  dem  hebr. 
?7i^/^cA  König.    Flatow.    Schmitt,  112. 

Meirichen  doch,  Beteuerungsfprmel.  Ei 
Afeincfien  doch!  Sie  sind  doch  nicht 
etwa  der  Prediger^  dem  sie  . . .  das  Körb- 
chen gegeben  hat?    Soph.  R.  IV,  266. 

meindftg,  rein  hchd.  meintage,  pltd. 

ininddg,  doch  stets  verneinend:  meinddg 
nicht,  adverbial  im  Sinne  von  niemals, 
nimmer.  Das  geschieht  meinddg  nicht, 
d.  i.  80  lange  meine  Tage  währen, 
mein  Leben  dauert.  Sticht  man  sie 
(Vergleichungen),  so  taugen  sie  mein 
Tage  nichts,  Soph.  R.  I,  371.  Predi- 
gen habe  ich  meintage  nicht  gewollt. 
Ibid.  II,  482.  Wenn  ihr  ein  gut  Ge- 
wissen habt,  weint  ihr  meintaje  nicht 
Ibid.  VI,  217.  Rätsel:  Ver  Jungfre 
grlpe  sock  on  krtge  sock  mtndag  nich. 
Die  Wagenräder.  Nach  dissem  Stöcks- 
ken  w§ll  §k  mi  miendag  ni<ih  melir  be- 
supen.     Dorr,   1.  Wiew.,  11. 

meiner,  meine,  Pron.  poss.,  Mann, 

Frau.  Dat  war  mtnem  stne  Mutter, 
das  war  die  Mutter  meines  Mannes. 
Dat  OS  mlner  ehr  Dok,  das  ist  meiner 
Frau  Tuch.  Ebenso  in  der  Oberlausitz. 
Anton,  2,  11.  In  der  Gegend  von 
Saalfeld  meiner  auch  gleich  mein.  Mei- 
ner Mann  is  krank. 

meins,  pltd.  mtns,  statt  meinet,  in 
meinshalben,  -wegen,  -gefallen,  meinet- 


halben etc.  Mienshalwe  kann  dei  SchÜJi- 
derie  Op  ons  nu  gohne  wie  nach  nie! 
Nowack,  67.  Meinsgefallen  kann  er 
dableiben. 

meinst,  adv,,  meistens.     Saalfeld. 

Meiran,  m.,  Majoran,  Origanum  ma- 
jarana  L. 

Meiser,  m.,  Mörser.  Dzg.  W.  Sei- 
del, 32. 

meist,  adv.,  wohl,  vielleicht;  beinahe, 
fast.  Das  könnte  meist  wahr  sein.  Das 
ist  meist  zu  grofz.  Im  Engl,  repräsen- 
tiert most  den  ursprunglichen,  almost 
den  späteren  Begriff;  auch  das  deutsche 
fast  in  seiner  Lutherschen  Bedeutung 
(fast  schön  =  sehr  schön)  und  in  seinem 
jetzigen  Sinne  ist  ein  ziemlich  analoger 
Fall.    E.  Förstem.    Vgl.  sacht 

melden,  sw,  1.  verraten,  angeben,  an- 
zeigen. So  schon  bei  Jeroschin:  da 
melte  er  bt  namin  alle  dt  da  hdten  üf 
dt  valscheit  geraten  141b.  Pfeiffer, 
195.  Wer  meld't,  der  prellt  Volksr., 
116,  484.  2.  sich  melden,  anmelden. 
Nach  dem  Volksglauben  zeigt  der  Ver- 
storbene fernen  Verwandten  und  Freun- 
den seinen  Tod  an,  indem  er  ein  auf- 
fallendes Geräusch  verursacht,  einen 
Gegenstand  auf  unerklärliche  Weise  zu 
Falle  bringt  etc.  Dat  kann  de  Jung 
bt  Gott  öm  Himmel  nich  afbede  (ab- 
beten),  dat  hei  söck  nich  gemeldet  lieft! 
Es  knackste  so  in  der  Wand.  Herr  Gott, 
es  vield^t  sich  wer  an!  In  Hessen  nennt 
man  dieses  Melden  stVr/t  äugen  {eigen), 
Vilmar,  19. 

Mfilhafter,  m,,  Möwe,  Haffmöwe.  Na- 
tangen. 

Melk,  /.,  Milch.  Bock,  34,  ver- 
zeichnet den  Stral'zenruf:  Melk  kcp! 
den  in  Kgsbg.  die  Milchmägde  er- 
schallen lassen;  heute  ^uiLmiiSchmand! 
Schmand!  zum  Verkaufe  ausgerufen, 
und  die  Milch  nebenbei  verkauft. 


Meli  —  Merzschaf. 


61 


Meli,  Tn,  u.  /.,  Pflzn.,  s.  Mill. 
Mendel,    m.    jüd.    Yorn.,    £manueL 
Flatow.    Schmitt,  112. 
mengelieren,  pltd.  mengeiere(n) ,  sw,, 

mengen,  mischen,  vermischen,  und  in 
letzterem  Sinne  auch  vermengelieren. 
Tabak  mengeliei^en.  Was  soll  ich  mich 
in  die  Geschichte  mengelieren.  Die  Worte 
vermengelieren^  verworren  reden.  Vgl. 
Danneil,  136b.  Anton,  2,  11.  Mi, 
54  a. 

menger,  pronominales  Adj.,  mancher. 

Menist,  m.^  s.  Manist 

Mennig,  m,,  dünner  viereckiger  Honig- 
kuchen, Pfefferkuchen.  Ist  er  mit  Ge- 
würz vermischt,  so  heifzt  er  GewUrz- 
mennig.  Bock,  34.  Hennig,  160. 
Hennig  hält  Mennig  für  eine  Zusam- 
menziehang  aus  mengen  und  Honig, 
oder  für  eine  Korrumpierung  von  Jl/awwa, 
und  weist  auf  das  poln.  minija  hin,  das 
jedoch  nur  die  Mennig-Farbe  bezeich- 
net. Das  Wort  ist  für  Honigkuchen 
heute  wohl  kaum  noch  im  Gebrauche. 

mennigmal,  adv.,  manchmal. 

Mennonitenblume,  /.,  s.  Teerblume. 

Mensch,  pltd.  MVnsch,  1.  m.,  Knecht, 
Diener,  Kutscher,  Magd,  Dienerin. 
Mühling.  Vors  erste  dem  Mensch  (so 
nandte  er  auf  schlesisch  eine  Magd) 
fünf  Groschen  für  Papier,  Soph.  R.  I, 
628.  Schleufzerin  heifzt  ein  Mensch. 
Ibid.  in,  248  (es  ist  von  S*n  —  Schle- 
sien —  die  Rede).  2.  w.,  plur.  Men- 
scher,  Frauenzimmer,  in  gutem  und 
verächtlichem  Sinn.  Von  der  Euphrasia 
vnrd  folgendes  geschrieben:  Es  wurddifz 
iunge  Mensch  .  .  .  d^ihin  getrieben  etc. 
Carm.  nupt  II,  143  b.  Will  einem  Gott 
zur  Eh'  ein  schönes  Mensch  zuschantzen. 
So  ist  es  Danckens  werth.  Ibid.  III, 
86  c.  Et  Öse  abscheulich  hübschet  Mönsch, 
ein  sehr  hübsches  Mädchen.  Was  das 
Mensch  sich  einbildet!  Das  Mensch  geht 


wol  gar  in  Seidel  Soph.  R.  V,  568. 
Als  Schimpfwort  auch  in  der  Ver- 
stärkung: Saumensch,  namentlich,  wenn 
die  so  benannte  Person  zugleich  sich 
unsauber  hält.  Vgl.  Frauensmensch. 
Menschenfett,  n.,  Medik.,  Wabrat. 

Menschenfresser,  pltd.   MVnschefrfiter, 

m.,  Fischn.,  Gründling,  Gobio  fluviati- 
lis  Cuv, 

Menschenhilf,/^  zur  Bezeichnung  eines 
Kindes,  das  sich  mitzählt,  wenn  die 
Zahl  der  Menschen  in  einer  Gesellschaft 
festgestellt  werden  soll:  Du  bist  man 
Menschenhilf     Dönh. 

menschenmVglich,   pltd.  mVnschemäg- 

lich,  adj,  Ist  das  menschenmöglich,  ver- 
mag das  ein  Mensch? 

Menschheit,/.,  Menge  von  Menschen. 
Nei,  was  da  für  e  Menschheit  war! 
Danzig.  W.  Seidel,  32.  Schemio- 
nek,  25.  Danneil,  137b.  Anton, 
2,  11. 

Mentel,  m.,  Mantel.     Danzig. 

Merakel,(?),  Plackerei,  Quälerei,  Um- 
stände.     Marold.     Vgl.  Marakel. 

Merins,  w.  Vom.,  Emerentia.  U art- 
wich, 55. 

Mergeil,  /.,  s.  Margell. 

Meritz,  /.,  s.  Metritze. 

Merieln,  m.,  s.  Mariein. 

Merreddig,  Merrettig,  w.,  Meerrettich. 

M6rsch,  m.,  s.  Mftrsch. 

merstenteils,  pltd.  merschtendfils,  adv,, 

meistenteils. 

Mertern,  m.,  Pflzn.,  s.  Maraun. 

Martin,  Mirtin,  M£rten,  m.  Vom.,  Mar- 
tin; Kalendertag:  11.  November. 

Mertinsgans,  /.,  Martinsgans.  Gans- 
braten, der  am  Martinstage  auf  den 
Tisch  kommt.  Dat  Gdmken  ,  .  .  dat 
stnen  Num£n  as  man  sieht,  von  dem 
Sanct  Mertenföhret   Cai^m.  nüpt  I,  298. 

Merzschaf,  fälschlich  Märzschafy  n., 
das  ausgemerzte  Schaf. 


62 


Mesch  —  Met 


Mesch,  m.  Yorn.,  Michael.  Hart- 
wich, 54. 

meschant,  adj,^  bösartig,  boshaft, 
schändlich,  niederträchtig;  das  franz. 
michant 

meschugge,  meschugger,  adj,^  verrückt; 

Yon  dem  gleichbed.  hebr.  meschtu/a. 
Aach  betranken.  Frisch,  gesund  und 
meschugge.    Sprw.  I,  998. 

Mfise,  Mttse,  /.  1.  Mutze,  Mine  Mos 
ÖS  weg.  2.  cunnus,  vulva^  Diese  im 
Er.  Neustadt  auch  Mos.     Treichel. 

Meselain,  tt».,  Kleiderstoff  älterer  Zeit 
Violöt,  178. 

Mtoke,  MVske,  Mtek,  MVsk,  m.,  /.  u. 
n.  1.  Meise,  Parus.  Volksreim:  Es 
sa/z  ein  Meske  an  jenem  Sprink;  es  war 
kein  Meske,  es  war  ein  Fink.  Dönh. 
Angs.  masa,  mnd.  mese,  meseke(n%  hoU. 
meeSj  meeze,  engl,  titmause,  franz.  m^- 
sänge,  holstein.  Meesch,  in  Pommern 
Meseke.  Brem.  Wb.  III,  149.  Schutze 
in,  93.  Dähn.,  304b.  2.  m.,  Schwäch- 
ling.    Hei  ÖS  en  echter  Meske. 

Mteke,  Pflzn.,  Waldmeister,  Asperula 
odorata  L.  Bock,  Nat  III,  310: 
Meeske,  mnd.  möseke.  Hagen,  156: 
Mee/zke. 

Mtekefeuer,  MVskefeuer,  n.   1.  kleines 

Feuer,  von  nur  wenigen  Stückchen  Holz 
unterhalten.  2.  Lichtschein  des  faulen 
Holzes  in  der  Finsternis.  Bock,  35. 
Hennig,  163.  Bock  schreibt  auch 
Mäuschenfeuer  und  deutet  rucksichtlich 
der  Herleitung  auf  Maus,  mus;  Hen- 
nig dagegen  leitet  es  von  Mos  „Ge- 
müse, Mehlsuppe,  wegen  Ähnlichkeit 
der  Farbe,  weil  ein  solch  kleines  Feuer 
nur  blafz  brennt.  Daher  nennt  man 
ein  blal'zes  Gesicht  irgend  eines  kränk- 
lichen Menschen  MVskengesicht'*.  Im 
Brem.  Wb.  III,  189,  dem  Hennig 
hier  folgte,    ist  Möskengerigt  ebenfalls 


unter  Mösken,  Dem.  von  Moos,  Mehl- 
suppe, Pappe  für  Kinder,  gestellt.  Die 
Aussprache  des  Wortes  ist  jedoch  all- 
gemein Meske,  und  konnte  man  wohl 
an  die  weifzen  (leuchtenden,  bleichen) 
Backen  des  Vögleins  denken,  vielleicht 
mehr  noch  an  eine  Verwandtschaft  mit 
misrig  (s.  d.). 

MfisketrOster,  m.,  von  Meske  Meise, 
elend  aussehender,  leidender  Mensch. 
Davon  das  Adjektiv  mteketrOsterig. 
Natangen. 

Messekorn,  n.,  Abgabe  an  Korn  und 
Hafer,  je  ein  Scheffel  von  der  bebau- 
ten Hufe,  für  die  vom  Orden  neu- 
errichteten Pfarreien.     Mühling. 

Messepfennig,  m.,  zur  Ordenszeit  Ab- 
gabe von  1  Schilling  von  jedem  Hin- 
tersassen an  den  Geistlichen.  Müh- 
ling. 

Mestel,  /.,  Mistel,  Viscum  album  L. 
In  Natangen  WVsp,  Wespe,  im  Samlande 
Wispe;  auch  tinruh.  S.  Nistel.  Unter 
den  Bäumen,  auf  welchen  die  Mistel 
wächst,  ruhen,  der  Volksmeinung  nach, 
groi'ze  Schätze  verborgen.  Mühling. 
Reusch,  Sagen,  66. 

mestnafz,  adj.,  s.  mistnafz. 

mfifzig,  adj.  1.  mäl'zig.  2.  freundlich. 
Hei  ÖS  mejzig,  er  ist  freundlich  wie 
ein  Meske. 

Mefzkere, /.,  nach  Müh  ling  Aalangel, 
bestehend  aus  langen  Schnüren  mit 
zahlreichen  Angelhaken;  nach  der 
Fisch..Ord.  f.  d.  kur.  Haff  §  36  Jtf<?/i- 
kem  die  Haken  an  der  Aalschnur.  Lit. 
mhzkere  die  Angel. 

Met,  m.,  Honigtrank.  Über  die  Be- 
reitung dieses  in  Preuizen  einst  sehr 
beliebten  Getränkes,  das  auch  jetzt 
noch  gebraut  wird,  s.  Bock,  Nat.  I, 
275  ff.  und  Der  pr.  Sammler  I,  509. 
Mhd.  mete,  mit,  ahd.  metu,  mito,  mnd. 


metche  —  Mietsfrau. 


63 


mede;  lit.  medüs^  altslav.  med'\  rass. 
miod  der  Honig.  Weigand  II,  83 f. 
Hennig,  331. 

metche,  plur.  des  pronominalen  Ad- 
verbs manche.  Metche  Menschen,  Saal- 
feld. 

Metke,  m.  1.  Wurm  am  Angelhaken. 
2.  penü^  namentlich  in  gewöhnlichem 
Zastande.  3.  kleiner  Gegenstand  über- 
haupt.   Treichel. 

INetomage,  (?),  s.  Leidomassis. 

Metritze,  Medritze,  /.,  trichterförmiger 
Netzsack,  daher  auch  blofz  Sack, 
kass.  macia;  auch  Meteritze^  Mettritze, 
und  der  Metritz,  lit.  mettnzes^  metryczia. 
Welcher  an  sein  Windgam  eine  un- 
gewöhnlich enge  Medritzen  geb^raucht, 
dem  soll  die  Medritz  genommen  und 
dazu  um  30  Mark  gestraft  werden, 
Fischerordnung  v.  J.  1640.  Hennig, 
159.  Bock,  Nat  IV,  696.  Die  Fisch.- 
Ord.  f.  d.  kur.  HafiF  vom  J.  1845  schreibt 
stets  Mettritze,  Am  Meteritz  sind  un- 
ten Leinen  angeschürzet^  und  vnrd  die- 
ses von  bastenen  Leinen  gedrehete  Stück 
des  Netzes  Spann  genannt.  Bock, 
a.  a.  0.  714.  Nsslm.  Th.,  104,  führt 
noch  die  Metritz  oder  Metritz-Kampe 
an  der  Nogat,  oberhalb  Marien  bürg, 
an. 

Mette,/.,  Frühpredigt  in  evangelischen 
Kirchen  an  Sonn-  und  hohen  Feier- 
tagen. Jetzt  nicht  mehr  üblich.  Ahd. 
matttna,  metttna^  mhd.  mettine^  lat. 
(hora)  matutina.     Schade,  596b. 

Mettomassis,  (?),  VorsteUnetz.  Sper- 
ber, 41.    S.  Leidomassis. 

Mettram,  m,^  Pflzn.,  s.  Maraun. 

Mettritze,  /.,  s.  Metritze. 

Metz',  /.,  im  Oberlande  Anrede  der 
Mädchen  unter  einander,  ohne  die  ent- 
ehrende oder  beschimpfende  Bedeutung 
von  Metze  =  Hure.  Sperber,  21. 
Über  die  ursprünglich  reine  Bedeutung 


dieses  Wortes  s.  Weigand  II,  85  f. 
In  dem  deutschen  Brevier  des  14.  Jahrh. 
in  der  Giefzener  Handschrift  (s.  Haupt, 
Zeitschr.  VI,  484)  liest  man :  Wer  ditz 
buch  lese  der  bite  (bitte)  vor  einer  metzen 
sele. 

Meuscil,  (?),  s.  Halinclienbier. 

Miclid,  Miclidis,  m.  Vorn.  1.  Michael. 
2.  Michaelis,  Kalendertag  (29.  Septem- 
ber). 

Micliel,  m,y  scherzweise  Benennung 
für  ein  groi'zes  Trinkgefal'z.  Adh  michilj 
michel^  mhd.  michel^  goth.  mikUs,  angs. 
miJeil  grof'z.  Schade,  698b.  Hen- 
nig, 332. 

micl(ern,  mUcl(em,  auch  miggem,  mUg- 

gern,  mucl(ern,  sw,  1.  kränkeln,  ver- 
kümmern, im  Wachstum,  in  der  Ent- 
Avickelung  zurückbleiben.  2.  krank- 
haft wimmern,  stöhnen.  De  Kllne 
(Kleine)  is  so  elendiglich  auf  de  Zahnche^ 
se  mickert  den  ganzen  Tag,  Saalfeld. 
Davon  vermicl(em  etc.,  und  als  Adj. 
micicrig,  mUcicrig,  mucloig,  migg'rig,  mUgg'- 

rig,  kranklich,  verkümmert,  elend;  in 
der  Saalfelder  Gegend  auch  mockrig. 
He  hefft  en  Ideenet  muckriget  Ges§chtken, 
Dorr,  1.  Wiew.,  23.  S.  Sperber,  22. 
W.  Seidel,  32.  Dähn.,  314a.  Vgl. 
misern  und  muggern. 

micict,  präs.  3.  Pers.  sing,  von  mäken 
machen.  Denn  mickt  (macht)  dir  das 
nichts.     Gordack. 

mienen,  sw,^  bieten  auf  Auktionen. 
Wahrscheinlich  daher,  daiz  man,  an- 
statt laut  zu  bieten,  solches  durch  eine 
Miene,  Gebärde  that,  wie  das  auch 
jetzt  noch  beim  Ausrufe  oft  genug  ge- 
schieht. Dzg.  W.  Seidel,  31.  Klein 
U,  16,  hat  nur:  etwas  im  öffentlichen 
Ausrufe  an  sich  bringen. 

Miete,  /.,  s.  Mite. 

Mietsfrau,  pltd.  MfitsfrQ,  /.,  Vermieterin 
weiblichen  Gesindes.   Vgl.  Mägdemutter. 


64 


Mietsgärtner  —  minder. 


Mietsgärtner,  m.^  s.  Gärtner. 

Mietspfennig,  m.^  Mietsgeld. 

Mietsvater,  pltd.  Metsoader^  m.y  Ver- 
mieter männlichen  Gesindes. 

mtfen,  sw,  1.  winseln,  verhalten  heu- 
len; zunächst  vom  Hunde,  dann  aber 
auch  von  Kindern.  2.  hinterher  sein, 
nachgehen,  umschwänzeln:  vorzugs- 
weise Mädchen,  um  deren  Gunst  zu 
erlangen.  Sperber,  22.  Scheraionek, 
25. 

miffem,  »w,^  den  Wind  lassen.  Sper- 
ber, 46. 

Migg',  Migge,  MUgge,  /.,  Mucke.  Migge- 
spritscher,  Mnckemp'itzer  heifzen  die 
Bewohner  von  Füchhavsen  (s.  d.). 

Migge,  M7ge,  plur.^  Mädchen.  Migge 
{Mtge),  gdt  ligge!    Volksr.,  122,  515. 

Miggengreifen,  pltd.  MiggegrTpe(n),  n. 

Er  hat  das  Miggengreifen^  das  Greifen 
nach  Mücken,  zur  Bezeichnung  eines 
hohen  Grades  von  Trunkenheit,  Deli- 
rium.    Sprw.  I,  445. 

migg'rig,  adj.^  s.  micl(ern  u.  miirig. 

MTl(e,  /.,  w.  Vorn.,  Dem.  Mlkchen^ 
Marie.  Hartwich,  55.  Geh  mit  der 
Miehy  geh.  Soph.  R.  V,  459.  Miekgen^ 
die  um  ein  Jahr  oder  so  älter  war  als 
Carl^  Miekgen  blieb.  Ibid.,  595.  Vgl. 
Mttsch. 

Milchblume,  /.,  gemeine  Kreuzblume, 
Polygala  vulgaris  L.     Hagen,  731. 

milchen,  sw.^  melken.  Ebenso  in  Liv- 
und  Estland.  Hupel,  153.  Sall- 
mann,  126  a. 

Milchfrau,  pltd.  Melkfrfi,  /.  Frau, 
welche  Milch  zum  Verkauf  nach  der 
Stadt  bringt.    Vgl.  Schmandmann. 

Milchgras,  Pflzn.,  Wollgras,  Eriopho- 
rum  polgstachyum  L,  Spec.  Planta  im 
poln.  mlodheta;  giebt  Milch  (poln.  mleko) 
den  Kühen  vor  Johanni,  wenn's  schol'zt. 
Treichel,    Volksth.      Nach    Hagen, 


61,  ist  der  pohi.  Name  loelnianka  szero- 
kolindowa. 

Milchkuh,  pltd.  MelkkO,  -kau,  /.,  scherz- 
hafte Bezeichnung  für  einen  kathol. 
Priester.  Man  sagt  von  dem,  der  einen 
solchen  zum  Verwandten  hat:  Er  hat 
eine  schwarze  Milchkuh.    Sprw.  I,  2633. 

milgebrig,  mildgebrig,  adj.^  aus  geben 
und  mild  gebildet,  mild  und  zum  Geben 
bereit,  weichherzig.  He  schonk  gleich 
was  den  Armen^  denn  he  war  sehr  miU- 
gebrig.    Schal tj.  3,  8.     Saalfeld. 

mTlings,  adj.^  sanft,  lieblich,  hold, 
angenehm.  Lit.  mielas^  poln.  mih. 
Muhling. 

Mill,  MUH,  pltd.  Meli,  m.  u.  /.,  Pflzn., 
guter  Heinrich,  Chenopodium  bonus  Hen- 
ricus  L.y  und  die  Gattung  Gänseful'z, 
Chenopodium y  überhaupt;  ebenso  die 
Gattung  Melde,  Atriplex  Toui^n.  Die 
schmalblättrige  Melde,  Atr.  angusti- 
folium  Sm.y  heifzt  in  der  Gegend  von 
Friedland  Ostpr.  Mttll,  auch  ScheifzmVIl, 
pltd.  SchttmOII.  In  Natangen  ist  Schei/z-- 
mell  Air.  hastatum  L.  S.  Lhrztg.  1880, 
S.  243b.  Nach  Hagen,  1068,  ist 
Müll  die  Gartenmelde.  Nach  Hagen, 
280,  heifzt  der  Gute  Heinrich  auch 
Stolzer  Heinrich,  Schmerbely  Hacken» 
schary  Wilder  Spinat. 

Mill,  n.,  s.  MUH. 

milzen,  sw.,  sich  die  Milz  durch  äuTzem 
Druck  beschädigen  und  daher  kraftlos, 
atemlos  werden.  Der  Hirsch  war  auf- 
gelaufen und  hatte  sich  gemilzt. 

mind,  adj.,  billig,  gering,  wenig.  Na- 
tangen. Im  Ermlande  der  Kompar. 
minder,  billiger,  geringer,  weniger.  Ein 
Sehe  fei  minder  eine  Metz,  also  löMetzen. 
Sperber,  22. 

Mindel,w.jud.Vom.  Flatow.  Schmitt, 
114. 

minder,  adf;.,  s.  mind. 


mindern  —  Misekatz(e). 


65 


mindern,  pltd.  mingem,  8w,y  munter 
werden,  zu  Kräften  kommen,  aus  einer 
Ohnmacht  erwachen;  gewöhnlich  re- 
flexiv sich  er-j  terminderny  ^-,  termin- 
gem.  Hei  termingert  sock  allwedder^ 
ermuntert  sich,  giebt  Lebenszeichen, 
erholt  sich.  Samland.  Hennig,  161, 
hat:  Man  hat  ihn  gemindert^  er  ist 
wieder  zu  sich  selbst  gekommen. 

Mtne,  /.,  w.  Vom.,  Wilhelmine;  Mtn\ 
steck  Schwin!    S.  Volksr.,  79,  314. 

mTnen,  sw.y  s.  mienen. 

Minutenkraut,  Pflzn.,  Adler-Saumfarn^ 
Pteris  aquilina  L.,  weil  es  nur  eine 
Minute  blühen  soll  Treichel,  Volks- 
thfimliches. 

Minutensalbe,  /.,  Medik.,  Emplastrum 
Meliloti. 

mir,  adj.y  mehr.     Saalfeld. 

mire,/.,  gemeines  Yogelkrautj/S^äarm 
media  ViU.  Auch  Vogelmeier,  HUhner- 
darm,    Hagen^  344.    S.  Meier. 

mirig,  adj.  1.  schmutzig,  elend^  er- 
bärmlich, gemein,  unanständig,  ekel, 
geizig.  Ein  miriger  Kerl.  Er  sieht 
mirig  aus.  Es  geht  ihm  mirig.  2.  Einen 
mirig  machen,  ihn  ausschelten,  be- 
schimpfen, ihm  derbe  Wahrheiten  sa- 
gen. Engl,  mire  Schmutz.  Vgl.  mis- 
rig.  Sperber,  22.  Schemionek, 
25. 

miricsen,  sw.,  in  Absätzen,  Pausen 
aufseufzen  und  wimmern.  Saalfeld.  Im 
Samlande  blinzen. 

Mir!,  w.  jüd.  Vom.  Flatow.  Schmitt, 
114. 

mirmeln,  sw.,  marmeln,  marmorieren, 
bunt  wie  Marmor  machen.  Muhling. 
Davon  das  Adj.  gemirmeU.  Dönh.;  in 
Eönigsbg.  gemarmorierty  pltd.  gemärt 
merert. 

mir  nichts  dir  nichts,  geradezu,  ohne 
weiteres,  selbstverständlich;   teilnahm- 

Prisehbior,  WörMrbnoli  II. 


los,  gleichgültig.  Das  scheint  gut  Glück 
genug  zu  sein^  dafz  ich  das  Engelkindy 
die  Sophie,  vsieder  hier  habe:  dafz  sie 
aber  thut  als  mir  nichts  dir  nichts,  das 
ist  der  Kukuk!  Soph.  R.  V,  581.  Für 
Liv-  und  Estland  bei  Hupel,  153. 

Mirsemau,  Mirichemau,  MOrsemau,  Mur- 
ichemau,  m.  1.  Pflzn.,  Tannen-Bärlapp, 
Lycopodium  selago  L.  Hagen,  1088. 
Nsslm.  TL,  219.  Pierson,  A.  W., 
27.  Nach  Bock,  Nat.  I,  281:  Murse- 
mau,  hycop.  clavatum,  poln.  morzybob. 
Vgl.  Treichel,  Volksth.  IL  S.  Merze- 
böb.  2.  MirichevnaUy  in  der  Farbe  un- 
bestimmt, gemischt,  auffällig.  Ein  der- 
artig gefärbter  Kleiderstoff  ist  Mirkhe- 
mau  mit  Bremsen  besetzt 

mTs,  adj.,  wohl  Kürzung  von  miser, 
betrübt,  traurig,  schlecht,  unwohl,  weh. 
Mir  ist  recht  mis  zu  Mute,  In  Est- 
land mis  vom  Wetter:  schlecht.  Sall- 
mann,  126a,  fragt:  Abkürzung  von 
miserabelf 

MTs,  MTZ,  /.,  Name  und  Lockruf  für 
die  Katze,  nach  ihrem  Geschrei,  na- 
mentlich in  der  Kindersprache;  span. 
miz,  ital.  muccia.  Frisch  I,  667a. 
Dem.  Mischen,  Mizchen,  Mtzel;  die  bei- 
den letztern  aber  auch  Schmeichelnamen 
für  Marie.  Auch  MTsel(atz.  Im  Gott, 
ist  der  Lockname  der  Katze  Minse, 
Minseken  u.  Müseken.  Schamb.,  136a. 
140b.  Vgl.  Danneil,  138a.  Anton, 
2,  12.     Sperber,  22. 

mis,  präp.,  mit.     Dönh. 

MischpOch',  MischpOI(e,  /.,  auch  Musch- 
pOI(e,  von  dem  hebr.  mischpocho,  Fa- 
milie, Verwandtschaft;  übertragen  auch 
Gesellschaft.  Die  ganze  Mischpoche. 
Sperber,  44. 

misdrfttsch,  adj,,  falschgedreht,  wider- 
haarig; von  Fäden,  vom  Haar. 

Mtsekatz(e),  /.,  s.  MTs. 

5 


66 


Miser  —  Mistkäfer. 


Miser,  w.,  elender,  verkommener,  ver- 
kümmerter Mensch.  Polonisiert  Mise- 
rinski.    Sperber,  42. 

miierig,  adj,,  s.  miirig. 

Miserinski,  m.^  s.  Miser. 

Miserist,  m.,  derjenige,  der  im  Boston- 
spiel misere  ansagt.     Sperber,  44. 

mTsem,  sw,,  sich^  sich  quälen.  Er. 
Neustadt. 

misern  (i  kurz),  su?.,  kränkeln,  ver- 
kümmern, s.  V.  a.  mickem  (s.  d.);  von 
dem  lat  miser.  Selbst  die  Lampe  mi- 
sert^  wenn  sie  trübe  brennt.  Davon 
vermisem,  verkommen  etc.  Vgl.  mu- 
sem, 

mTskeprTstrig,  adj.^  elend,  kränklich 
aussehend.    Dönh.    Pr.  Holland.    Vgl. 

miMg. 

Mispely  /.,  Mistel,  Vtscum  aUbum,  So 
schon  Voc.  646. 

miirig,  miterig,  adj,^  von  müem^  ver- 
kümmert^ kränklich,  schwächlich,  elend, 
erbärmlich,  jämmerlich,  miserabel;  von 
Tieren  und  Menschen.  Ut  em  miirige 
Farkel  ward  manchmal  e  ddger  Barg, 
Sprw.  I,  825.  In  gleichem  Sinne  auch 
mickrig  etc.  unter  mickem^  muslig  und 
nach  Schemionek^  25,  mtserig  mit 
der  Nebenbedeutung  verdriefzli eh.  S  p  e  r - 
ber,  44. 

MisrUck,  n.,  Ackerbeet,  das  beim  Säen 
irrtümlich  ausgelassen  wurde.  Müh- 
ling.  Der  Sämann,  der  ein  Misrück 
hinterläCzt,  stirbt  in  demselben  Jahr. 
Hexspr.,  136. 

Miss,  /.,  Messe,  missa.  Regnet  es  un- 
ter der  Miss,  regnet  es  Woch'  über  ge- 
tri/z,    Sprw.  I,  3105. 

Miss,  f.,  Bodenvertiefung,  selbst  wenn 
sie  mit  Wasser  gefüllt  ist.  Westpr. 
In  Hoch-Paleschken :  die  weif  ze,  schwarze, 
die  Pavel-,  die  Fichtmiss.    Treichel. 

Mist,  pltd.  Mest,  m.  1.  Nebel,  Nebel- 
dunst.    Ebenso   engl.    u.   hell.;   angs. 


müt  Dunkelheit.  Brem.  Wb.  III,  167. 
Schütze  m,  103.  Schamb.,  136a. 
Vgl.  Dak.  2.  Dünger.  Den  Mist  auf 
den  Acker  fahren,  3.  Gemischtes, 
Mengsei,  Zusammengebrachtes  und 
kaum  Zusammengehöriges ,  miatum ; 
auch  Durcheinander,  Unsinniges  in 
That  und  Rede.  Er  spricht  lauter  Mist. 
Treichel. 

Mist,  pltd.  Mest,  n.,  vom  vorigen,  be- 
liebtes Schimpfwort  auf  ein  Frauen- 
zimmer.    Ölet  Mest,  altes  Mist! 

Mistadel,  m.,  s.  Mistsftdel. 

Mistelfuhr,  /.,  s.  Mistfuhr. 

Mistelzeit,  /.,  Zeit  des  Mistfahrens, 
s.  Mistfuhr.  Ein  Taglöhner  soü  haben 
in  der  Mistel-Zeit  6  bis  7  Gr.  Hart- 
wich, 353. 

misten,  sw.,  cacare.  Klein  Vieh  misft 
auch  gut. 

Mistfink,  m.  1.  Bauer,  Gutsbesitzer; 
auch  Mistkäfer.  2.  unsauberer  Mensch; 
in  diesem  Sinne  auch  Misthammel. 

Mistforke,  /.,  s.  Forke. 

Mistfuhr,  pltd.  MestfOr,  im  Ermlande 
Mistelfuhr,  /.,  Zeit  des  Mist^,  Dünger- 
ausfahrens.  Op  Föschhauser  MestfSr 
von  sewe  Huper,  scherzhafte  Antwort 
auf  die  Frage  nach  dem  Alter.  Doch 
lett  Gott  mihnen  Söhn  de  Mestfohr  man 
erlehwen,  eck  Scheck  em  en  de  Schohiy 
dat  he  darop  stodehrt  Carm.  nupt  HI, 
50  d.  On  de  Gritche  woa  an  a  Möstel- 
fua  {Mestelfud)  von  fünbezwanzig.  Ermld. 
Freisch.,  9. 

mistig,  pltd.  mestig,  adj.  von  Mist.  1. 
nebelig,  trübe,  feucht.  Vorzugsweise 
in  der  Fischer-  und  Schiffersprache. 
.  .  .  bei  gelindem  Wetter  so  stehet  die 
Stadt  im  Rauch,  gleichsamb  in  einem 
mistigen  Dunstrevier,  oder  im  Nebel. 
Linem.,  Yylb.  Vgl.  dftkig.  2.  dün- 
gerartig, schmutzig:  ein  mistiger  Weg. 

Mistkifer,  m.,  s.  Mistfink. 


Mistkaule  —  Mitsch. 


67 


NRstkaule,  pitd.  MestkOI,   /.,   Dünger- 
grube.   S.  Kaul. 
misbiafz,  pItd.  mestnatt,  aach  zur  Hälfte 

pltd.,  zur  Hälfte  hchd.  mestnafz,  adj.^ 
nebelig,  feucht,  stark  angefeuchtet;  vom 
Wetter,  von  der  Wäsche.  Hennig, 
160.    Vgl.  mistig. 

Mistsftdel,  Mistftdel,  pltd.  Mestsädel^  m., 
Mistwasser,  Mistjauche.    S.  Adel. 

Mistus,  m.,  Latinisierung  von  Müt^ 
Dünger.  Wo  Mütus^  da  Christus^  wo 
Dunger  im  Acker  ist,  da  ist  auch  Se- 
gen. Sprw.  I,  2635.  Wo  ni  is  MütuSy 
is  ok  ni  Christtis,     Eonitz. 

Mistwetter,  n.,  Yon  Mist  1,  Nebel  wetter. 
Vgl.  mietig,  mietnafz. 

mTswringrig,  culj.^  aus  mts  (weh)  und 
tmngen  (winden,  drehen),  übel,  wehe. 
A/t  ÖS  so  miswringrig^  mir  ist  so  un- 
wohl zu  Mute^  als  wolle  sich  alles  in 
mir  umdrehen.  Elbing.  Die  Aussprache: 
müsvyringrig  erinnert  an  Mus  Maus, 
womit  das  Wort  selbstverständlich  nichts 
zu  thun  hat.  Im  Brem.  Wb.  IH,  200, 
findet  sich  eine  ähnliche  Zusammen- 
setzung: muulwrängisch^  unwillig  zum 
Reden. 

mit,  pltd.  mOt,  1.  präp.  im  Accus. 
Mit  die  Kinder.  2.  nach  Hennig,  332, 
auch  adj,  =  recht  gelegen,  wohlgefällig. 
Es  ist  ihm  nicht  mit^  es  ist  ihm  nicht 
gelegen.  3.  mit  oaer  ohne?  Gekürzte 
Frage:  Trinken  Sie  den  Kaffee,  Thee, 
mit  oder  ohne  Schmand? 

mitdrunter,  pltd.  mOtdrunder,  adv.   1. 

mitten  darunter,  vermengt,  gemischt, 
doch  mit  dem  Nebenbegriff  der  Ver- 
einzelung. In  der  Mtis  ist  hin  und 
wieder  ein  Spvrkelchen  mitdrunter.  2. 
mitunter.    Mitdrunter  ins  Theater  gehen. 

Vgl.  mittendamanic 

Mite,  /.,  kegelförmig  aufgeschichteter 
Haufe  von  Getreidegarben,  Heu,  vor- 


zugsweise jedoch  von  Kartoffeln.  West- 
preufzen.  Das  angs.  mi^n  bedecken 
dürfte  die  Wurzel  sein;  in  der  Bedeu- 
tung überein  stimmt  das  lat.  meta^  das 
jede  pyramidenförmige  Höhe  bezeich- 
net. Ebenso  in  Bremen  u.  Pommern. 
Brem.  Wb.  HI,  168.  Dähn.,  308b. 
Im  Holsteinschen  bez.  Mtte  einen  vier- 
eckigen Misthaufen.  Schütze  IH,  99. 
Sonst  nennt  man  in  der  Provinz  diese 
Haufen  auch  Stfticen. 

Mite,  Miete,  /.,  Milbe,  acarus.  Franz. 
u.  engl,  fnite.  Das  Wort  ist  verwandt 
mit  Made  u.  Motte.  Ebenso  im  Brem., 
im  Holsteinschen.  Brem.  Wb.  HI,  168. 
Schützern,  99.     Hennig,  160. 

Miteban,  (?),  Gefängnis.  Kulmisches 
Recht,  Buch  H,  Kap.  21.  In  den  Lit. 
Aeq.,  S.  20,  wird  die  Vermutung  aus- 
gesprochen, dal'z  das  Wort  vielleicht 
zusammenhängt  mit  der  lit.  Wurzel 
met  werfen,  von  welcher  uzmet^klis  der 
Riegel  an  der  Thür.     Hennig,  161. 

mithalten,    pltd.   mOthOle(n),  st,  an 

einer  Sache  sich  beteiligen,  teilnehmen. 
Vgl.  Gill. 

mithecliten,  sw.,  mithalten,  gleich- 
kommen. Er  möchte  gern  mithechten, 
aber  der  Geldbeutel  (die  Gesun^Omt)  ver- 
bietefs  ihm.     Treichel. 

mitig,  od;.,  voller  Mieten.  Der  Käse, 
das  Mehl,  das  trockne  Obst  ist  mitig. 
Hennig,  161. 

mttrig,  adj.,  elend.  Saalfeld.  Vgl. 
miirig. 

mitsamts,  pltd.  mOtsamts,  adv.,  mit- 
samt. Ich  schmeijz  dich  mitsamts  der 
MargeU  ins  Wasser. 

Mttsch,  /.,  w.  Vorn.,  Dem.  Mitsch- 
chen,  Marie.  Hartwich,  155.  Dzg. 
Nhg.  Viol^t,  102.  194.  Dorr,  42: 
On  Mitsch  Marie,  Nu  bliew  bi  mi! 
Auch    Spottname    für    eine    einfUtige 


68 


mitschen  —  Modder. 


Frauensperson.  Geh^  du  dumme  Mit&ch, 
Namke  os  Nämhe^  wenn  dat  Jungke  6k 
Mttschke  het    Vgl.  Mike. 

mitschen,  sw,^   manischen,    patschen. 

Vgl.  matschen. 

MTtschOrt,  w.  Yom.^  Zusammenziehung 
der  Namen  Mttsch  (Marie)  und  Ort 
(Dorothea).     Dönh. 

Mittag,  pltd.  MOddag,  n.  1.  Mittags- 
essen, -mahl/eit.  Das  Mittag  ist  schon 
mehrmals  kalt  geworden,  sagt  die  Haus- 
frau zum  verspätenden  Manne.  2.  Mit- 
tag essen^  zu  Mittag  essen.  Wir  wollen 
Mittag  essen.  Ebenso  in  Estland.  Sall- 
mann,  126a. 

Mittelbauch,  pltd.  MOddelbQk,m.,  zweite 
Abteilung  in  einem  Sack  oder  Wenter. 

mitteldamank,  adv.^  s.  mittendamank. 

Mittelknecht,  m.,  s.  Knecht 

Mittelkranz,  pltd.  MOddelkranz,  m.,  die 
mittlere  Abteilung  der  Metritze  des 
karischen  Wadegarns. 

Mittelmagd,/.,  analog  nach  Mittelknecht 
gebildet,  ältere  und  in  der  Stellung  be- 
vorzugtere Magd.  Wo  OS  denn  de  Mod- 
delmägdj  de  den  Foss  von  de  Gänse 
jagtf  Volksr.,  44, 169  u.  S.  278.  VolksL, 
46,  29,  2. 

Mittelrock,  pltd.  MOddelrock,  m.,  die 
mittlere  Abteilung  des  Eeitelgams,  lit. 
middraks.     S.  Keitel. 

Mittelschlag,  pltd.  MOddelschlag ,  m., 

das  die  Mitte  Haltende,  die  mittlere 
Art  oder  Gattung.  Die  Leinwand  ist 
Mittelschlag^  sie  ist  weder  fein,  noch 
grob.  Pferde,  die  weder  vorzüglich 
grol'z,  noch  sonderlich  klein  sind,  sind 
guter  Mittelschlag,  Hennig,  161.  Ade- 
lung IE,  248. 

mittendamank,    gewöhnlich    mittelda- 

mank,  adv,,  mitten  darunter.    Die  Mar- 
gell  ist  immer  mitteldamank,  sie  ist  viel 
und  gern  unter  den  Knaben. 
Mittfach,  pltd.  MOdfach,  n.,  Mitt«l£ach 


der  Scheune,  Raum  über  der  Dresch- 
tenne, dessen  Grundlage  Querbäume 
oder  Querstangen  bilden.  Dat  Mul  ös 
em  wi  e  Schoppeloch  on  de  Möge  wt  e 
Mödfcxh^  er  ist  unersättlich.  He  rekt 
vom  Mödfach  to  frete,  ein  Mensch,  der 
besonders  grolz  gewachsen  ist.  Sprw. 
I,  2571.  3112.  De  Buk  e  Schtn,  de 
Mäge  e  Mödfach^  Wunsch  eines  starken 
Essers.    Sprw.  H,  271.    Hennig,  332. 

MTz,  f.y  s.  MTs. 

miibeln,  ^.,  s.  vermObeln. 

Mocke,  Name  und  Lockruf  für  das 
Kaninchen.  Volksr.,  64,  242 f.  Vgl. 
Tnisch. 

Mockerau,  Ortsn.,  Kirchdorf  in  der 
Nähe  von  Graudenz.  Ncu:h  Mockerau 
reisen y  sterben.  Vielleicht  hängt  die 
Redensart  mit  den  Revuen  zusammen, 
welche  unter  Friedrich  II  seit  1772  in 
jener  Gegend  öfter,  und  unter  seinen 
Nachfolgern  noch  von  Friedrich  Wil- 
helm H  (zweimal)  und  Friedrich  Wil- 
helm Hl  (dreimal,  zuletzt  1804)  ab- 
gehalten wurden.  Pr.  Land.-  u.  Volksk., 
421.     Sprw.  I,  115. 

mOdbarschen,  gewöhnlich  zer-  u.  ter- 
mOdbarschen,  sw.^  sich,  sich  abquälen, 
abmüden,  auCzer  Atem  arbeiten,  meist 
mit  dem  NebenbegrifF  der  unnützen 
Thätigkeit;  auch  abmOdbarschen.  Das 
Wort  ist  aus  mod^xii  und  barschen^ 
barsten  bersten  zusammengesetzt.  In 
Hamburg  und  Bremen  moodbarsten, 
Brem.  Wb.  HL  172,  im  Holsteinschen 
mootbarsten,     Schütze  III,  115. 

Moddel,  n.  1.  das  Modell.  2.  das 
Obstlager  im  Heu  oder  Stroh  zum  Nach- 
reifen des  Obstes.     Dönh. 

Mttddelenttwei,  m.,  Mittelentzwei. 
Mensch  ohne  Haltung,  Labommel 
(s.  d.). 

Modder,  m,y  Moder,  Schlamm,  Sumpf, 
Morast^   Strafzenkot.     Davon   moddrig, 


Moder  —  Möglichkeit. 


69 


adj,^  modrig,  ^as  aus  Moder  besteht, 
Moder    enthält,    Dach    Moder    riecht. 
Hennig,  161.     Vgl.  MotL 
Moder,  MOder,  Medder,  /.   1.  Mutter, 

wie  hchd.  Frau,  Gattio,  Hausfrau,  da- 
her auch  Hausmutter,  pitd.  HQsmOder. 
Sihn  HuufZ'Moder  sehd:  Mann!  dat 
motst  du  nich  lieden,  Carm,  nupt  III, 
50b.  Mooder^hüV  nich!  Elbing.  Spook, 
471.  2.  Anrede  des  Gesindes  an  die 
Hausfrau;  auch  HerzmOder,  neuerdings 

gens  FrQke.    Vgl.  Vader. 

Nltfder  (o  lang),  n.,  Mieder,  leinenes 
Wams,  kurzes  Halbhemde.  In  der  Ge- 
gend von  Konitz:  Meidet  Bock,  35. 
Hennig,  161.  Mhd.  mtioder,  altnd. 
nrnder.  S.  Genaueres  Weigand  H, 
90. 

Moderlieschen,  n.,  Fischn.,  Spierling, 
Letuaspius   delineatiis  Lieb.    (Q/prinus 
aphya  L.)  auch  Name  für  junge  Fische 
aller  Art^     Das  Fischchen  heifzt  auch 
Mutterloseken ^    Mutüosen    (Voc.    580), 
Mudchen^  Muttchen,  Modke^  Malinchen^ 
alipr.  blingo.  Benecke,  131.  Bujack, 
339.    Bock,  Nat.  IV,  662:   Die  hiesi- 
gen gemeinen  Leute  nennen  ein  Meines^ 
längliches^     gründelartiges  ^     rundliches 
Fischchefi,    das  sich  unter  dem    eigent- 
liclven  Stint  einfindet  und  mit  demselben 
gefangen  wird^  ein  Moderliejzken,    Der 
Name  Mutterloseken,  pltd.  Moderloseken, 
Mut(ieir)losen,  Moderlieschen,  rein  pltd. 
Moderlisken,  soll,  nach  Mühling,  Tiern., 
175^  daher  kommen,  weil  man  ehemals 
glaubte,  der  Fisch  entstehe  ohne  Vater 
und  Mutter,  allein  durch  Fäulnis.    Die 
Namen  Mudchen  und  pltd.  Modke,  viel- 
leicht  auch    Malinchen  =  Mutterchen. 
Im  Holsteinschen  ehenidUsModef^loseken, 
Moderli/chen,    mit   gleicher   Erklärung 
über     die    Entstehung     des    Namens. 
Schütze  lU,  105.     In  Pommern  Mo* 
derlöseken,    Dähn  ,  310a.     In  Estland 


Moderlieschen   Schlammpeizker,   Cobitis 
fossilis.     Sali  mann,  126  a. 

moderselig,  moderwind  allein,  s.  mutter- 
selig. 

modes,  adj.,  vernünftig,  gut.  Dat  os 
e  modesser  Mönsch,  Natangen.  Von 
modesttisf 

MOdge,  Ortsn., Modgen,  Dorf  imKreise 
Pr.-Eylau.  Es  heilzt  von  den  Be- 
wohnern neck  weise:  Hei  ös  üt  Modge, 
wo  de  Lüed  Mod  (Mott?)  undre  Nds 
/lebbe. 

Modke,  n.,  Fischn.,  s.  Moderlieschen. 

mOffig,  adj.,  s.  milffig. 

mVg  (p  lang),  3.  Pers.  sing,  präs.  von 
mögen:  er  mag.  Er  mog  wohl  reich 
seinf    Oberland. 

Mogelike,  /.,  s.  Mogille. 

mOgeln,  sw.,  übervorteilen,  betrügen, 
durch  Betrug  überlisten,  namentlich 
beim  Kartenspiel,  daher  häufig  bemO- 
geln.  Sperber,  22.  Danneil,  138b. 
In  Estland  mogeln  heimlich  aus  dem 
Wege  räumen,  meucheln.  Sallmann, 
37a.  Von  mögein:  MOgelant,  MOgeler, 
«i.,  Betrüger,  Fälscher,  namentlich  fal- 
scher Spieler.     Mogelei,  /.,  Betrug  etc. 

mVgen,  sw,,  sock,  s.  mUhen. 

Mogille,  /.,  Dorfkirchhof,  Nebenkirch- 
hof, verschieden  von  dem  für  ein  Kirch- 
spiel gemeinsamen  Friedhof  des  Kirch- 
dorfes. Lit.  mogiUa,  poln.  mogila  Hü- 
gel, Erdhügel,  Grabhügel,  aber  auch 
Steinhaufe,  russ.  mugilni.  Es  steht 
jeder  Ortsgemeinde  frei,  eine  Mogille 
anzulegen;  auch  tritt  der  Name  nicht 
ausschliei'zlich  in  Litauen  und  Masuren, 
sondern  auch  sonst  in  der  Provinz  auf. 
Vgl.  Hintz,  70.  Nach  Treichel  Mo- 
gelike, altpreui'zischer  Grabhügel,  sogen. 
Hünengrab. 

MVglichkeit,  pltd.  Mäglichkeit,  /.  Is 
das  die  Möglichkeit!  als  Ruf  des  Er- 
staunens.    Bis  in  die  aschgraue  Mög- 


70 


Mohnkanne  —  molsch. 


lichkeit^    zur    Bezeichnung    des    Unbe- 
grenzten. 

Mohnkanne,  pltd.  Mänkann^  /.^  der 
wie  eine  Kanne  gestaltete  Mohnkopf. 

Mohnkeilchen,  pltd.  Mänktlke,  plur,, 
Keilchen  in  Milch  mit  geriebenem  Mohn. 
Fastnachtsgericht.    S.  Keilchen. 

Mohnnudeln,  pltd.  Mdnnüdle,  plur,, 
Nudeln  in  mit  geriebenem  Mohn  abge- 
kochter Milch.     Fastnachtsgericht. 

Mohnsens,  m.,  kleiner  Mohnkuchen 
der  vorzugsweise  in  der  Fastenzeit  ge- 
backen wird.  Nach  Bock,  35,  und 
Hennig,  162,  die  Mohnsanse  schrei- 
ben, auch  „kleine  Fladen,  die  mit  Ho- 
nig bestrichen  und  mit  fein  geriebenem 
Mohn  bestreut  sind."  Wenn  öck  war 
na  Gnttstadt  käme,  war  eck  di  e  M&n- 
sens  kepe. 

Mohnstribel,  pltd.  Mämtrötzel,  m., 
Stritzel  mit  Mohn.  Der  Mohn  wird 
zur  Entfernung  des  bittem  Geschmak- 
kes  gebrüht,  gerieben  und  unter  Zuthat 
von  Eiweiiz  und  Gitronenöl  auf  den 
ausgerollten  Teig  gethan,  wodurch  er 
in  dem  fertigen  Gebäck  eine  reihen- 
weise Lage  erhält.  Fastnacht  und  Pfing- 
sten. Ostpr.  Treichel,  Volksth.  HI. 
Mohring,  Ortsn.,  Mehrungen.  Herder 
ist  in  Mohring  geboren. 

Meidet,  n.,  s.  MSder. 

Mokkakäfer,  m.  Mit  der  Gescfmindig- 
keit  eines  Mokkakäfers.     Treichel. 

mSlen,  sw.y  in  Unordnung  bringen, 
durcheinander  werfen;  auch  vermSlen. 
Treichel. 

MolkebrSch,  m.,  Broch,  Bauch,  der 
von  Molken  stark  geworden.  Wat  suU 
se  mot  dem  Molkebröchf  Volksl.,  60, 
40 1,  6.    Vgl.  Bröch. 

Molkenschubber,  m,,  s.  das  folg. 

Molkentewer,  pltd.  Molketöwer,  m,^ 
Kohlweifzling,  aber  auch  jeder  andere 
Schmetterling,    jede    gröfzere    Mottei 


jeder  Nachtschmetterling.  Aus  Molken^ 
mhd.  auch  Milch,  und  tewem  hexen, 
zaubern,  zusammengesetzt,  also  wört- 
lich: Milch  verhexen  Sie  heifzen  auch 
Molkendeve,  Molkendiebe,  nach  Muh- 
ling,  Tiern.,  174,  auch  Molkenschub- 
ber;  in  Elbing  Molkenzfiber.  En  Mächen 
so  sehen  .  . .  tvie  so'n  recht  bunter  Mol- 
kenzeber.  Schalt].,  3,  6.  Schemionek^ 
25,  schreibt  Molkenzöber,  in  Bremen 
Mulkentöve7\  Brem.  Wb.  IH,  144;  in 
Pommern  Molkendeev.  Dähn.,  311b. 
Die  Volksjugend  singt  den  Schmetter- 
lingen zu: 

MoVcetewer^  sett  dtj 
Gew  dl  e  Stöckke  Botterbtvt!  etc. 
Vgl.  Volksr.,  60,  233.    N.  Pr.  Prov.-Bl. 
a.  F.  I,  69.    Bock,  35.    Hennig,  162. 

Moll,  Molle,  /.,  s.  Mulle. 

M8II,  n.,  s.  MUH. 

mollen,  sw.^  sich^  sich  wohlbehaglich 
wälzen,  rollen,  sich  einnisten. 

mollig,  adj,,  weich,  wohl,  behaglich. 
Es  ist  hier  ganz  mollig. 

MSIIitz,  Fischn.,  s.  Forelle. 

Molm,  Mulm,  m.,  trockene,  lockere 
Stauberde,  Fäule  im  Holz,  Wurmmehl. 
Ahd.  molt^  molta,  mhd.  motte  Staub, 
Erde.  Schade,  619b.  HoU.  molm. 
Bei  Jeroschin:  der  vucks  —  ofte  scha- 
din  grnz  vorsieht  dl  wtl  er  schirrit  in 
dem  molt  Pfeiffer,  197.  Vgl.  Malm. 
Sali  mann,  37  u.  75,  verzeichnet  das 
Ädjekt.  mulmig.    Vgl.  olmig. 

molsch,  adj,^  morsch,  angefault,  wund. 
Molsches  Holz  —  Obst  Molsche  Fü/ze, 
Füfze,  die  stark  schwitzen,  wund  sind. 
Bayr.  mohchet.  In  der  Saalfelder  Ge- 
gend molsch  auch  sumpfig.  Vgl  Mulsch 
und  mär.  2.  faul,  trage,  unlustig  zur 
Arbeit,  übermüdet,  angegriffen.  Öck 
st  hOde  ganz  molsch.  molsch  und  mär 
sind  wohl  gleichen  Stammes;  ob  dieser 
jedoch,  wie  Bock,  35,  and  Hennig, 


niolschen  —  Moorente. 


71 


162,  meinen,  das  lat.  moUis  weich, 
bleibe  dahingestellt.  Nach  Sperber, 
22,  nennt  man,  wohl  in  studentischen 
Kreisen,  den,  der  an  Katzenjammer  lei- 
det, ihn  ironisch  adelnd,  Mohch  von 
Geltem. 
molschen,  mutechen,  sw.    1.  molsch 

werden,  anfaulen,  faulen.  2.  faulenzen. 
3.  prügeln.  WenrCt  nich  ^  der  Kiark 
tvesen  weei\  so  hadd  §k  em  gemohcht^ 
oder  he  hadd  mi  gemohcht  Dorr, 
1.  Wiew.,  126  f. 

Molt,  n.,  Malz.  Ags.  mealty  engl. 
malt,  holl.  niout  Brem.  Wb.  III,  182. 
Im  Götting.  Malt  Schamb.,  129b. 
An  dem  ös  Hoppe  on  Molt  verlöre, 
Sprw.  I,  1653. 

Moltdieb,  m.,  Malzdieb.  Schimpfwort 
auf  den  Müller:  De  Meiler^  de  Meiler^ 
de  Moltkedew.     Volksr.  14,  65. 

Molterbeere,  Multbeere,  /.,  Sumpf- 
brombeere, Rubtis  chamaemorua  L. 
Hagen,  529. 

Moltsack,  9n.,  Malzsack;  auch  zur  Be- 
zeichnung eines  korpulenten  Menschen. 
Vgl.  Mdlzsack  unter  Moltwurm. 

Moltwurm,  Moltworm,  Moltwurf,  Mälz- 
sack, m,y  Maulwurf,  talpa.  Der  Molt- 
umrvi  malt  In  dem  ahd.  molt,  molta 
Staub,  Erde,  ist  der  Stamm  zu  suchen ; 
es  tritt  noch  heute  auf  in  MoU,  MuH, 
Molm,  Mulm.  Der  Moltwurm  ist  also 
der  Erdwurm,  der  Moltworf  der  Erd- 
werfer, Erdaufwerfer,  Erdwuhler.  In 
Mdlzsack  ist  deutlich  rndlen,  wühlen,  zu 
erkennen.  Ahd.  multwurf,  ebenso  mhd., 
aber  auch  moltworf,  moltwerf  u.  molt- 
werfe.  Vgl.  Schade,  625  a.  In  Bayern 
Mdlwurf,  Mälwulf,  Mauraffy  Moltwerf, 
Modwerf,  Schm eller  11,  566.  609. 
572.  Birlinger,  332a.  337b.  In  Ham- 
burg und  im  Holsteinschen  Mulworp, 
in  Bremen  Winworp,  holl.  molworp, 
molworm.  Brem. Wb.  III,  199.  Schütze 


III,  118;  in  Sommern Mullworm,  Dähn., 
315  b,  im  Göttingenschen  Multwojp, 
Schamb .,  139b.  Mühling,  Tiern., 
174. 

molum,  adj.,  lustig,  angetrunken.  Er 
ist  molum, 

Mommel,  /.,  Pflzn.,  s.  Mummel, 

Monat,  n.  Er  hat  das  Monat  15  Thalet^ 
Gehalt 

MSnch,  ?n.,  schmaler,  überliegender 
Hohlziegel,  der  den  unten  liegenden, 
die  Nonne,  an  den  Kanten  überdeckt« 
Hennig,  162.     S.  Adelung  HI,  267. 

mlinchenf  sw,,  verschneiden,  kastrieren, 
besonders  Tiere  männlichen  Geschlechts. 
Vgl.  nonnen.    Hennig,  162. 

MSnchenhof,  m,,  s.  Münch. 

Mondschein,  m.  1.  früher  Name  für 
eine  ünterhaube,  die  von  ihrer  Form, 
welche  dem  Halbmond  glich,  den  Namen 
führte.  S.  Schauer.  2.  Glatze.  Hen- 
nig, 332. 

M Ankengasse,  pltd.  Mänkegass,  f., 
Strafze  in  Königsberg,  nach  Hennig, 
162,  eigentlich  Mönchengasse,  „weil  un- 
weit davon  im  Papstthum  ein  Mönchen- 
kloster soll  gestanden  haben.^  Ebenso 
Faber,  134.  Hoffheinz,  Strafzn.,  604, 
hebt  hervor,  dalz  auf  dem  Behring- 
schen  Plane  von  Königsberg  1613  diese 
Sti'afze  gar  nicht  vorhanden:  „Wenn 
nun,  wer  weifz  um  wie  viel  später,  das 
Bedürfnis  einer  Strafsenanlage  entstand, 
so  war  die  Erinnerung  an  ein  Kloster, 
selbst  wenn  ein  solches  vor  der  Refor- 
mation dort  gestanden  hätte,  viel  zu 
sehr  erloschen,  als  dafz  man  davon 
hätte  Anlal'z  zur  Namengebung  nehmen 
können.^  Hoffheinz  meint,  die  Strafze 
habe  ihren  Namen  von  irgend  einem 
Manke  (Personenname,  der  hier  häufig 
auftritt),  woraus  Manke-  und  nhchd. 
Monkengasse  entstanden. 

Moorenie,  /.,  weil'zäugige  Ente,  Anas 


72 


Moorkrick  —  Morgengrätzchen. 


leucophihalmus,      DrauseDsee.      M  u  h  - 
ling,  Tiem.,  174. 

Moorkrick,  Pfeifente,  Anas  Penelope, 
Mühling,  Tiern.,  174. 

Moosblume,  /.,  s.  Kuhblume. 
Moosbude,  /.,  s.  Mostbude. 

Moppchen,  pltd.  Mopke,  n.  u.  ?n.,  hart- 
gebrannter Ziegelstein,  sonst  Klinker 
genannt;  Ziegelmehl  als  Putzpolver: 
Putzpulver  ist,  loie,  wo^  wenn  man  nicht 
hat,  nimmt  man  Mopke.  In  Danzig 
Moppe.  Holl.  mxyp.  Der  Sorquittische 
Thon  giebt  liolländische  Ziegel  oder 
Moppen,  Bock^  Nat.  II,  57.  Altpr.  M. 
Vm,  366. 

mopsen,  sw.,  von  Mops.  1.  Ich  werde 
dir    was    mopsen,    als   Zurückweisung. 

2.  übervorteilen,  betrügen,  stehlen. 
Westpr.    Treichel.     Vgl.    bemopsen. 

3.  sich  mopsen,  sich  langweilen.  Er 
mopst  sich,  wie  der  Furz  im  Tisch- 
kasten. 

mSr  (o  lang),  adj.,  s.  mär. 

morasten,    sw.     He  mot  noch  ön  e 
Welt  moraste  lehre,  stark  arbeiten,  aber 
auch  Gutes  thun  lernen.    Für  die  Ab- 
leitung  wäre   sowohl  Morast,    als    das 
lat.  mores  zu  beachten. 

morben,  sw.,  mürbe  werden,  faulen; 
vom  Obst.  Er  verhindert,  da/z  Baum 
noch  Apfel  mögen  morben.  Carm. 
nvpt.  n,  32. 

Morche,  /.,  eine  in  PreuJ'zen  vor- 
kommende Fischart.  Simon  Grünau 
Tract.  I,  cap.  III. 

morcheln,  sw.,  mit  den  Händen  viel 
und  stark  betasten,  durch  handgreifliche 
derbe  Liebkosungen  quälen.  Eander 
morcheln  gern  junge  Tiere,  Vögel  etc. 
Morchel  nicht  die  Kotz!  Bock,  36. 
Hennig,  163.  Treichel  hat  murcheln, 
Marold  norcheln,  wohl  nur  abweichende 
Schreibung  von  nörgeln  (s.  d.).    In  der 


Altmark   in   gleichem  Sinne   maddeln, 
maggeln.     Danneil,  130a. 

Mord,  9n.,  wilder,  wüster  Lärm,  der 
schlimmstenfalls  zum  Morde  führen 
könnte.  Da  giAis  Mord  und  Totschlag! 
Sein  sie  ruhig,  Tod  und  Mordschlag 
wird!s  nicht  geben.  Soph.  R.  IV,  556. 
Mordax,  Murdax,  m.,  kleiner  Hund. 
Saalfeld. 

mSrdern,   sw.    1.  totschlagen,  töten. 
2.  stark  schlagen,  so  dalz  der  Tod  er- 
folgen könnte.     Sie  haben  ihn  rein  ge- 
mordert.    Bei  Jeroschin  das  ad/,  mort- 
lieh.    Pfeiffer,  198. 
mordlAnsch,  adj.,  s.  mords. 
mords,  adj.,  auizerordentlich,  gewaltig, 
stark,  grofz,  ungewöhnlich,  tüchtige  aus- 
gezeichnet.   Ein  mords  Kerl  —  mords 
Frauenzimmer  —  mords  Hase  etc.    Ein 
mords  Fresser  sein,  mords  Hunger  haben. 
Mords   Heu   bauten,    vorzügliches    Heu 
und  reichlich  davon  ernten.   In  weiterer 
Ausgestaltung  und  Bildung:  mordlAnsch, 
mordsmäfzig,   ersteres  auch  in  der  Be- 
deutung martialisch:  ...'ne  mordionsche 
Positur   önnehme.     Dorr,    Driewjagd. 
\g\.pomale.   ImGötting.,  inMecklbg.- 
"Vorpom.  mordsch,  in  Hessen  mdrdsch. 
Schamb.,  138a.     Mi,  56a.     Vilmar, 
271.     Auch  bei   uns  tritt  vwrdsch  auf^ 
jedoch  mehr  in  der  Bedeutung  maitia- 
lisch,    wie  denn  auch  in  Hessen  Tno^*- 
dalisch   als  Bezeichnung   der   gröfzten 
Verwunderung   gebraucht   wird.     Sau 
maackt  noch  grötre  Argemös  my  noch 
darto  ons  mortscher  Teppei\   Carm.  nupt. 
V,  216  b.    mords   auch    substantivisch 
in:    Mordskerl,    Mordshase,    Mordsheu, 
Mordshafer  etc. 
Mordschlag,  m.,  Totschlag,  s.  Mord, 
mordsmäfzig,  adj.,  s.  mords. 
Morgengräbchen,  n.,  die  blaue  Libelle. 
Dönh. 


morgeuländem  —  Mo8ke(o)bade. 


73 


morgenländern,  sw,^  betrugen  im  Kar- 
tenspiel; auch  mit  guten  Karten  zum 
Nachteil  des  Mitspielers  passen,  also 
gleich  maueim  (s.  d.).     Treichel. 

Morgensegen,  m.^  Schelte  der  Haus- 
frau am  frühen  Morgen.  Das  davon 
betroffene  Gesinde  sagt:  Se  trampelt 
den  Morgesegen,  Im  Holsteinschen 
heil'zt  es :  Nu  kummt  dat  Morgengebedd. 
Schütze,  m,  112. 

Morgensprache,  /.,  die  durch  Gesetz 
geregelte  Zusammenkunft  der  zünftigen 
Burger  aus  dem  Kaufmanns-  undMälzen- 
bräuerstande  unter  Assistenz  von  De- 
putierten des  Rates  und  Gerichtes  auf 
dem  Junkerhofe.  Eigene  Angelegen- 
heiten der  Zünfte  bildeten  den  Gegen- 
stand der  Verhandlungen,  und  selb- 
ständig strafte  die  Morgensprache  Ver- 
gehen gegen  die  gesetzlich  feststehende 
Ordnung  in  Hof  und  Garten.  Der 
Name  erklärt  sich  aus  dem  Umstände, 
dafz  die  Versammlungen  am  Vormittage 
(Morgen)  stattfanden.  Auizerordentlich 
einberufene    Morgensprachen     hiefzen 

Beimorgensprachen.  Vgl.  Die  Zünfte, 
41  ff.  Hennig,  163.  Frisch  I, 
670  b. 

Moriche,  /.  Nach  Simon  Grünau, 
Tract.  I,  cap.  111,  ein  Fisch  in  Preufzen. 

Morib,  m.  Vom.,  Mauritius.  Hart- 
vich,  54. 

Morib,  korrump.  aus  dem  lat.  mores. 
Ök  war  dt  Moritz  Ure^  ich  werde  dich 
Sitte  lehren.  Bei  Mi,  56a:  Moritzen 
Uhren^ 

MSrmelmaus,  auch  WUrmelmaus,  pltd. 

-mOs,  /.,  der  Maulwurf.  Natangen. 
Mormel  wie  Würmel  sind  wohl  Aas- 
gestaltungen von  Moll^  Molm,  Mulm, 
Vgl.  Moltwurm. 

mSrschen,  (ö  lang),  sw.^  von  Morsch^ 
Marsch^  Arsch^  unruhig  sitzen,  auf  dem 


Sitz  hin-  und  herrücken;  auch  liebkosen, 
da  Liebkosende  selten  ruhig  sitzen. 
Se  morsche  sock.     Kgsbg. 

mSrschlig,  odf/.,  auffällig  bunt  mar- 
moriert.   Mühling.    S.  Mirichemau  2. 

MSrsemau,  m.,  s.  Mirsemau. 

Mortche,  Moije,  m.  jüd.  Vorn.,  von 
Mardochai.     Flatow.     Schmitt,  113. 

mortiälsch,  adj,^  martialisch. 

m Artig,  adj,,  faul,  s.  mottig. 

Morzeböb,  Pflzn.,  Tannen -Bärlapp, 
Lycopodium  selago  L.,  poln.  morzybob. 
Dem  Klange  nach  aus  dem  Deutschen 
ins  Polnische  herübergenonmien  und  aus 
ilf«r?noo8  =Hexenmoo8  verderbt.  Trei- 
chel, Volksth.  II.    Vgl.  Mirsemau. 

IM68,  /.,  s.  MOS. 

Mos,  /.,  s.  M6se. 

MAsbude,  /.,  s.  Mostbude. 

Mosch,  n.,  Fünf  blatt,  Kartenspiel,  bei 
welchem  5  Blätter  in  der  Hand  des 
Spielers  sich  befinden.  Man  darf  die 
nicht  ansprechenden  Karten  weglegen 
und  andere  dafür  yfzaufen^.  Es  wird 
oft  um  hohen  Einsatz  gespielt.  Nach 
Sperber,  38,  kommt  der  Name  von 
dem  poln.  mo'ze  er  kann.  Auch:  Fupp- 
chenziehen  (s.  d.). 

Mosch,  Mosche,  /.,  s.  Musch. 

Moiche,  /.,  altes  Mädchen.  &e  ös  *ne 
olle  Mosche,  Friedlaud  Ostpr.  Sonst 
MuscJie^  Weibsperson,  die  sich  hingiebt. 
S.  Weigand,  II,  159. 

M8se,  /.,  s.  Mese. 

MSsel,  (?),  wohl  Dem.  von  Mos^  Mus, 
Milchmus  aus  einem  flussigen  Teig  von 
Weizenmehl  und  Eiern.  Litauisches 
Gericht  in  der  Gegend  von  MemeL 
Bock,  Nat.  I,  264. 

moiig,  adj.^  kraftlos,  matt,  schwach. 
Ein  modiger  Kopf.    Vgl.  moilig. 

MSsk,  MSske,  m.,  /.  u.  n.,  s.  Mfiske. 
Moske(o)badei  /.,  s.  Muskebade. 


74 


Modkengesicht  —  MnckeL 


n^  8.  Mtekefeuer. 

moslig,  adj,j  klein,  anansehnliclL  Ein 
yacmliger  Junge.     Vgl  Glieiel   ii.  motig. 

Moftbtlde,  /.,  Bade,  in  der  Most  ge- 
schenkt Würde,  Landhaus,  Gasthans  bei 
Königsberg  vor  dem  SackheimerThore; 
jetzt  verschwunden.  Wir  fuhren  nicht 
nach  der  Kirche^  sondern  —  nach  der 
Mosibude.  Soph.  R.  V,  272.  In  meiner 
Knabenzeit  Mosbude  und  Moosbude, 

Möt,  w.  Vom,  Erdmut.  Dzg.  Nhg. 
Viol^t,  102. 

Moteres,  /,  s.  Muturas. 

Motje,  m.  jQd.  Vom.,  s.  Mortche. 

Mütke,  n.,  s.  HStke. 

Mott,  m.y  Strafzenkot,  zäher  Schmutz, 
Moor,  Moder.  Bei  Jeroschinst.  Neu- 
trum: und  da  dl  heidin  durch  das  mot 
(:  6t)  wolhab  gebrochin  hdtin  sichy  48  c. 
s6  lange  treib  st  disin  strit  um  er  stürzte 
in  daz  mot  {:got)  lOOd.  Et  os  aller 
m  Matt  on  Blott.  Mnd.  mode^  mudde^ 
engl,  mvd^  holl.  modder^  dän.  mudder^ 
schwed.  modd^  modder,  ital.  mota.  In 
Bayern  Matt  Moorerde,  die,  ausgegraben, 
in  Häufchen  ausgebrannt  und  mit  zum 
DQngen  der  Felder  und  Wiesen  be- 
nutzt wird.  Schmeller  II,  653.  Vgl. 
Adelung  III,  256.  Frisch  I,  671a. 
Bock,  36.  Hennig,  163.  Pfeiffer, 
198.    S.  Modder. 

Mott,  /.  Es  darf  nur  auf  der  Tiefe 
des  IJafeSj  in  dem  Strom  oder  der  Matt 
mit  dem  Uerbstgam  gefischt  werden^  ohne 
die  Schaaren  und  flaclien  Stellen  zu  be- 
rühren.    Benecke,  344. 

Mottblume,  /.,  s.  Kuhblume. 

Mottel,  (?),  EinhQllang,  Bedeckung, 
Verwahrung,  Versteck,  worin  Obst  oder 
andere  Elzwuren  vor  Kindern  oder 
Dienstboten  heimlich  aufbewahrt  wer- 
den. MQhling.  In  Baiem  maucken^ 
f,  u.  m.,  mauten^  /*.,  Schmeller  II, 
548.  647. 


Mottenkrallt,  n.,  Schabenkraut,  Verbas- 
cum  blattaria  L,    Hagen,  245. 

MttHIOgel,  m.,  Lederflugel  über  den 
Hinterrädern  des  Wagens,  welche  das 
Aufspritzen  des  Mottes  verhindern. 
Mühling. 

Motthundi  m.,  Schimpfwort  auf  einen 
schmutzig  geizigen  Menschen.  Müh- 
ling. 

niottig,  adj.  von  Matt,  kotig,  schmut- 
zig, schlammig.  Nach  Mühling  auch 
feiul.  In  letzterem  Sinne  in  der  El- 
binger  Gegend  mortig  (das  6  =  od). 
In  Hessen  motig.     Vilmar,  278. 

mottkalt,  adj.,  nafzkalt,  s.  v.  a.  dreck- 
kah (s.d.).   Bock,  36.    Hennig,  163. 

mucheln,  sw.,  vermuchein,  abthun,  um- 
bringen; eine  Karte  im  Spiele  stechen; 
mehr  können,  wie  ein  anderer.  T rei- 
ch el.    Verwandt  mit  meucheln. 

muchllch,  ac{;.,  s.  munklich. 

muchtig,  adj.,  modrig,  stinkend,  ver- 
dorben.   Mühling.    Vgl.  mllffig. 

Muck,  auch  Mucks,  m.^  vereinzelter 
Laut,  der  sich  halb  unterdrückt,  als 
Widerspruch  hören  läfzt;  von  Menschen« 
Hunden.  Und  sagt  er  Muk,  so  werde 
ich  noch  einmal  den  Pukel  ihm  aus- 
walken. Soph.  R.  I,  508.  Noch  unter- 
wegs kam  immer  der  Muk.  Ibid.  IV, 
349.    Vgl.  mucken  und  mucksen. 

Mucke,  /.,  üblicher  der  Plur.  Mucken, 

s.  mucken. 

Mücke,  /.  Mücken  fangen,  Grillen 
fangen;  eine  gewöhnliche  Sache,  ge- 
mein wie  die  Mücke;  auch  ironisch  eine 
seltene  Sache:  die  Mücke ^  ein  rares 
Insekt.     Treichel. 

Muckel,  m.,  kleiner  Mensch,  auch 
Dummkopf.  Verwandtschaft  mit  mü- 
ckem,  8.  mickem;  vielleicht  auch  An- 
klang an  Michel.  Treichel.  Beliebter 
zur  Bezeichnung  der  Kleinheit  ist 
Nickel  und  Nuckel. 


muckelke  —  muffen. 


75 


Muckelke,  n.,  Eafzchen. 

mucken,  »w.,  in  halblauten,  verein- 
zelten Tönen  übele  Laune  zeigen, 
trotzig,  nickisch  sich  gebärden,  maulend 
und  grollend  im  Eigensinn  beharren. 
Kinder,  die  ihren  Willen  nicht  bekommen, 
mucken.  Ebenso  mucksen,  doch  nähern 
die  trotzigen  Töne  sich  mehr  dem 
Schluchzen.  Davoq  das  Subst.  Mucken, 
plur.^  dessen  Einzahl  kaum  gebraucht 
wird.  Er  hat  Mucken  im  Kopf.  Einem 
die  Mucken  vertreiben^  ihn  durch  Hiebe 
zur  Raison  bringen,  muckisch,  mucksch, 
€Ldj.  Er  ist  mucksch.  Vgl.  Schütze 
III,  118.  Schamb.,  139a.  Anton, 
10,  11.  Danneil,  140a.  Hupel,  156. 
Sperber,  22.     Weigand  II,  142. 

Mttckenfett.  n.,  Medik.,  Schweinefett. 

MUckenkraut,  n.,  Wasserpfeffer,  Poltf- 
gonum  hydropiper  L.  Hagen,  424. 
Pritzel,  298. 

MUckenprHscher,  -spriber,  m.^  einer, 
der  nach  Mücken  spritzt.  1.  Schimpf- 
wort auf  Eahnschiffer,  weil  sie  sprit- 
zend die  Segel  netzen.  Spitzname  auf 
die  Bewohner  von  Fischhausen  (s.  d.) 

Mucker,  m.y  der  Hase. 

muckern,  sw,,  s.  muggern. 

mUckern,  sw.^  s.  mickern. 

muckisch,  adj,^  s.  mucken. 

muckrig,  od)'.,  s.  mickem. 

mucksch,  adj.^  s.  mucken. 

mucksen,  sw,^  s.  v.  a.  mucken  (s.  d.). 

muckstill,  adj,,  still,  da(z  man  auch 
nicht  einen  Muck  hören  läl'zt.  Er  ist 
muckstUL     Schemionek,  25. 

Mttckus,  (?),  von  Prätorius  unter  den 
Fischen  Preui'zens  aufgeführt.  Pier- 
son, Matth.  Prätor.,  15.    Vgl.  Mulkus. 

Mudchen,  (o  kurz),  n.,  s.  Moder- 
lieschen. 

muddeln,  sw.^  schmutzig  sein,  im 
Schmutze   arbeiten.     Treichel.     Vgl. 

schmuddeln. 


MUe8Ag,n.,  Kollerassel,  Oniscus  asellus. 
He  krüpt  as  e  Müesog  (Mausauge).  Ko- 
nitz.     Sprw.  II,  1595. 

Muff,  /.,  Muffe,  s.  Mau. 

muff,  interj.,  zunächst  zur  Bezeich- 
nung des  kurzen  Hundeanschlags.  Er 
kann  nicht  muf  sagen^  er  vermag  aus 
Dummheit,  Befangenheit  oder  Schuld- 
bewufztsein  nichts  zu  sagen.  Sprw.  I, 
2668.     Verwandt  mit  Muck  (s.  d.) 

muffelig,  adj,,  s.  muffeln. 

muffeln,  mUffelni  sw.  1.  mit  geschlos- 
senen Lippen  mühsam  und  langsam 
kauen,  besonders  mitdenYorderzähnen. 
Von  alten  zahnlosen  Leuten  sagt  man: 
Sie  muffeln  ihr  Stuckchen  Brot  Doch 
auch  mit  Behagen  trocken  Gebäck  essen. 
Da  sötzt  je  der  kliene  Jung  on  muffelt 
am  Franschbrot  Schalt).  3,  4.  Nach 
Henn  ig,  163,  auch  heimlich,  unbemerkt 
essen.  In  Hamburg,  im  Holsteinschen 
und  im  Göttingenschen  muffeln^  in 
Bremen  mummeln.  Schütze  III,  177. 
Brem.Wb.III,  194.201.  Schamb.,  139b. 
In  Bayern  murfeln^  m/orfeln^  mumpfeln. 
Schmellerll,  615.576.  Birlinger, 
340a.  In  Pommern  muffen,  Dähn , 
315  a.  Bei  Bernd,  183:  mumfeln.  In 
Hessen  Mumfel^  /.,  ein  Mundvoll. 
Vilmar,  274.  S.  noch  Anton,  10, 
12.  Sallmann,  37b.  V^eigand  II, 
145.  2.  vor  sich  her  brummen,  murren, 
maulen,  ein  abstöfziges  Wesen  zeigen. 
Hiervon  muffelig,  adj,^  unliebenswürdig. 
Treichel.  Vgl. pUffelig.  S.Weigandll, 
145:  muffen, 

muffen,  sw.^  übel  riechen,  wie  ver- 
dorbenes Fleisch;  nach  Schimmel  oder 
Moder  riechen.  Es  mufft  HoU.  muffen^ 
bayr.  muffen^  mOecheln^  maucken  und 
ähnlich,  in  Bremen  muffen^  im  Götting. 
und  in  Posen  muffen.  Brem.  Wb.  IH, 
195.  Schamb.,  139a.  Bernd,  182. 
In  Hessen  der  Muff  Schimmel,  Moder; 


76 


muffig  —  Muhme. 


Mordgerucb ;  muffen^  muffen^  miffen^ 
müffzen^  müffem^  müffzening.  V  i  1  m  a  r , 
273f.    Hennig,  163. 

mUffig,  mSffig,  auch  mufflig,  adj,^  dum- 
pfig, angekommen,  stockig,  nach  Ge- 
ruch und  Geschmack;  von  Fleisch, 
Getreide,  Getränken.  Hennig,  163. 
Schemionek,  25.  Sperber,  22. 
Vgl.  Dähn.,  313f.  Danneil,  140a. 
Mi,  56b. 

Muff  muff,  m.^  schlechtere  Sorte  Rauch- 
tabak. Treichel.  Auch  Muffmaff  und 
dann  Zusammensetzung  aus  muff  und 
maff^  Interjektionen  nach  der  Bewegung 
der  Lippen  beim  Rauchen,  ähnlich  ge- 
bildet, wie  fifffaff^  kliffklaff  etc.  Nach 
.Weigand  H,  146,  bezeichnet  Muff- 
maff  einen  unfreundlichen,  brummenden 
Menschen. 

MUgge,  /.,  Mucke,  s.  Migg'. 

Mugger,  m.,  verkommenes  Geschöpf, 
Mensch  oder  Vieh,  besonders  elendes 
Fohlen.    Treichel.     S.  Muckel. 

muggern,    muckern,    8«£7.,    stolz  weise 

schmerzen;  von  den  Zähnen.  Der  Zahn 
muckert  immer  noch    Treichel.    Vgl. 

mickern. 

Muh,  /*.,  Name  und  Lockruf  für  die 
Kuh,  nach  ihrer  Stimme;  auch  Muiche- 

muh.    Vgl.  Muich. 
mühen,  pltd.  mfigen,  mSgen,  sw.    1. 

Schmerz,  Mitgefühl  empfinden,  be- 
dauern. Wt  mt  de  Männkes  mege! 
Samland.  Firmenich  UI,  499a.  Ahd. 
mtuyjany  mhd.  muejen^  müewen,  rnHen 
beschweren,  quälen,  beunruhigen,  be- 
kQmmcrn,  ärgern,  verdriefzen.  Bei 
Jeroschin  muwin:  iz  muwit  im  und  tet 
im  we,  90a.  Pfeifer,  198.  Schade 
Wb.,  627  b.  2.  sich  mühen  ^  megen, 
mögen,  sich  grämen,  härmen.  Dem 
Schuster  ös  de  Kobbel  dot^  Hei  darf  sock 
gar  nich  mege  etc.  Volksr.,  83,  337. 
Hennig,  332. 


MUhlchen,  pltd.  Mfilke,  n.,  Einderspiel, 
bei  welchem  in  den  9  Räumen  der 
nachfolgenden  Zeichnung  #  Nullen 
und  Striche  oder  kleine  „Holzsteinchen^ 
von  zwei  Spielenden  wechselweise  so 
lange  hin  und  her  gesetzt,  oder  hin  und 
her  geschoben  werden,  bis  einer  3  in 
eine  Reihe  gebracht  hat.  Sie  sprechen 
dabei:  Ich  lösch'  mein  Nullchen  (Strich- 
chen —  Einschen)  ab  und  setz'  es  hier 
hin!  oder:  Ich  heb'  mein  Steinchen 
auf  etc.  Nach  Bock,  36,  heifzt  das 
Spiel  anderwärts  Tripp  trapp  trulL 
liennig,  164. 

MUhlenjunker,  m.,  ehemalige  Bezeich- 
nung für  den  Inspektor  der  grofzen 
Mühle.    Dzg.    W.  Seidel,  32. 

MUhlhausen,  Ortsn.,  Städtchen  an  der 
Ostbahn,  das  zweite  Abdera  der  Pro- 
vinz Ostpreulzen  neben  Domnau.  Die 
MüMhäusener  haben  einen  grossen  Krebs 
im  Teiche  an  einer  grossen  Ketten  liegen, 
der  ihnen  die  Stadtmamren  vmbgefressen 
habe.  Bis  werden  aber  ins  wasser  ge- 
worffen,  die  ihn  selten  wollen,  Hennen- 
berger,  321.  In  MühUiavsen,  wo  sie 
die  gfi*oJzen  Keilchen  kochen  und  die 
lange  Suppe  machen.  In  Mühlhausen, 
wo  sie  mit  dem  Langholz  quei*über  her- 
einkommen, Dat  gölt  (gilt)  ön  Mül- 
hüse,  Sprw.,  I,  2670—72.  1225.  Die 
Mühlhdusener  schieben  ihr  Rathaus  im 
Winter  auf  Erbsen,  im  Sommer  auf 
dem  Pelz  umher,    Sprw.  H,  1881. 

MUhlkoppe,  MUllerkoppe,  m.,  Fischn., 
Kaulkopf,  Cottus  gobio.    Benecke,  68. 

Muhme,  /.,  Dem.  AJumche,  Muhmke. 
1.  Tante;  aber  auch  Cousine  und  Seiten- 
verwandte überhaupt.  De  Muhm  lät 
de  Muhm  grüsse  on  de  Muhm  frage,  op 
de  Muhm  to  Hüs  ös,  wenn  de  .JtfuA^Ti 
to  Hus  blifty  ward  de  Muhm  de  Muhm 
beseke.  Sprw.  I,  2673.  . . .  hergegen 
mufz  die  Braut  den  Bräutigam   auch 


Muiclie  —  mullern. 


77 


nicht  kränken^  wenn  er  mit  Schwester- 
chen  und  Muhmchen  schone  thut.  Carm. 
nupt  I,  1*28.  Meine  liebste  Jungfer 
Muhm,  Gott  allein  gebührt  der  Ruhm. 
Ibid.  III,  65d.  Ahd.  muomd,  mhd.  mtio- 
mCy  im  Bremischen  moie,  moje^  holl. 
moei^  moeye.  Schade,  628a.  Brem. 
Wb.  111,180.  2.  Fru  Muhmke,  Anrede 
für  die  Hausmutter.    Üblicher  Moder. 

Muiche,/.,  plwr.  Aft^tcA^,  kleine  Fliegen, 
die  in  die  Augen  fliegen.  Mühling, 
Tiem.,  174.  Von  dem  poln.  mucha 
Fliege,  altpr.  musa^  muso^  lit.  mv^e^  lett. 
muscha.  Nesslm.  Forsch.  3;  Th., 
107. 

muklig,  adj,^  s.  munklig. 

MQI,  n,y  und  Znsammensetzungen, 
s.  Maul. 

Mulkus,  Fischn.  Mulckus  unter  den 
preufzischen  Fischen  bei  Hennen  ber- 
ger, Anhang,  20.     Vgl.  MUckus. 

Mull,  m.  1.  Staub,  Erde.  S.  Molt- 
wurm.  2.  Maulwurf,  der  Mull  aufwirft. 
Flatow.  Dat  dt  de  Mull  ahasst,  dafz 
dich  der  Maulwurf  anbellt.  Dat  dt  de 
Mull  basst  (beifzt)!  Firmenich  1, 119. 
3.  Mühling,  Tiem.,  174,  hat:  MuU^ 
Rotbart,  eine  Meerbarbe  (?). 

Mull,  Dem.  MuUchen,  weibl.  Vom., 
Emilie. 

MUH,  Pflzn.,  8.  Mill. 

MUH,  pltd.  M8II,  GemUH,  pltd.  GemSII, 
n.  1.  Staub,  Schutt,  Kehricht,  zer- 
riebener Unrat  aller  Art,  lockere  Erde, 
Strafzenschmutz.  üblicher  ist  Gemüü, 
Fleddermüs  fegd!  ut  dat  Hus  On  drög 
6k  dat  Gemoll  herut,  Volksr.  4,  13. 
Ahd.  molt,  moltüy  goth.  mulda^  ags. 
myl^  mofd,  isl.  mo/,  mold,  engl,  mouldy 
dän.  muldy  holl.  mul^  molm^  gemul. 
In  Baiem  müUen  zerreiben,  zerquet- 
schen, GemiUl,  das  durch  Zerreiben, 
Zermalmen  Entstandene;  ehensomtUferny 
nfdUfemj    Oemülfer.      Schmoll  er   II, 


569.  570.  In  Bremen,  im  Holsteinschcn 
und  in  Pommern  Mull.  Brem.  Wb.  III, 
198.  Schützein,  118.  Dähn.,315a, 
Hennig,  83.  Weigand  II,  150. 
2.  auf  der  Dzg.  Nhg.  auch  die  vom 
Meere  zusammengespülten  und  aus- 
geworfenen Holzstuckchen,  Schilf-  und 
Wurzelreste,  Tangföden  etc.,  worin  sich 
Bernstein  findet.  Man  fischt  nach  die- 
sem Müü  mit  Eäschem.  Yiol^t, 
94. 

MuHe,  Mull,  pltd.  Moll,  /.  1.  Mulde. 
Im  Brem.  Wb.  III,  182:  Molde  und 
A/oZfe,  bei  Schamb.,  137b:  Molle,  bei 
Danneil,  139:  MoU.  Es  regnet  (gie/zt) 
wie  mit  Midien  (Mollen).  Backmull, 
Mulde,  worin  das  Mehl  angeteigt,  und 
der  Teig  zum  Bäcker  getragen  wird. 
Fleischmulle,  Mulde,  worin  Fleisch  ge- 
tragen wird.  2.  Schnur  mit  600  Haken 
der  Aal  und  Dorschangeln.  S.  Aal- 
angel. 

mullen,  sw.^  wie  der  MuH,  Maulwurf, 
wühlen,  Mull  aufwerfen.  Nach  T rei- 
che! auch  eine  muldenförmige  (s.  Mulle) 
Vertiefung  herstellen,  einmullen,  sich^ 
sich  einwühlen,  einnisten,  z.  B.  in  die 
Betten. 

Müller,  phd.  Meiler,  m.  1.  In  der 
Kindersprache  der  Maikäfer,  wenn  er 
mit  weif'zlichen  Haaren  bedeckt  ist  und 
wie  mehlbestaubt  aussieht.    Mühling. 

Er  heifzt  auch  MUllergesell.  Vgl.  Rot- 
gerber und  Schuster.  2.  Name  eines 
Fisches  inPreufzen.  Hennenberger, 
Anhang,  29. 

MUllerkoppe,  Fischn.,  s.  Mtthlkoppe. 

mullern,  sw.y  sich^  sich  einwühlen, 
in  die  Erde,  ins  Lager.  Das  Schwein 
muUert  sich  in  den  Schmutz.  Davon: 
auhnullern,  den  Schmutz  aufwühlen,  auf- 
rühren. Das  Wasser  aufmuüem^  es 
trübe  machen,  mit  einem  Stecken  den 
Grundschmutz  aufrühren.    Treichel. 


78 


Müllgeld  —  Mummeltäucher. 


MUllgeld,  n.,  Abgabe,  welche  fär  die 
Wegführung  des  StraTzenschmuizes  ent- 
richtet wird.     Dzg.    Klein  II,  16. 

MUllhaufen,  GemUllhaufen,  pltd.  MSII-, 
GemSllhQpe,  m.,  Haufen  von  Moll,  zu- 
sammengefegt oder  aufgeschüttet 

Müllkasten,  m.,  MUllldst,  /*.,  GemUllkasten, 
m.,  Kasten  oder  Kisten,  in  welche  das  MüU 
geschüttet  wird.  In  gröi'zeren  Haus- 
haltungen heifzt  ein  kastenarliger  Ver- 
schlag auf  dem  Hofe  so.  Für  Danzig 
Klein  n,  17:  Mülkist,  -häufen. 

mOllos,  adj.,  s.  maullos. 

Mulm,  7n.,  s.  Molm. 

Muftbeere,  /.,  s.  MoHerbeere. 

muKem,  «tr.,  (s.  midien^  mullern)^ 
wühlen,  besonders  in  der  Erde.  Saal- 
feld. Nach  Mühlin g  auch  verfaulen, 
in  Staub  zerfallen,  zu  AfuU  werden. 

mulfrig,  adj.^  verfault,  schimmelig 
(Mühling),  s.  V.  a.  muffig^  dumpfig. 
Auch  als  Schimpfwort:  .Er  ist  ein  mul- 
triger  Kerl!  In  der  Oberlausitz  eben- 
falls multerig,  Anton,  10,  12.  In  Bre- 
men, in  Estland,  in  der  Altmark  mtU- 
sterig.  Brem.  Wb.  III,  200.  S all- 
mann, 37b.  Danneil,  140a.  Bernd, 
183. 

muHum^  adv,^  viel,  reichlich;  das  lat. 
mtdium.  Es  gab  Hiebe  multum.  Eben- 
so in  Hessen.     Vilmar,  274. 

Mulus,  m.,  das  lat.  mtUtis  Maulesel; 
studentisch :  Abiturient,  noch  nicht  im- 
matrikulierter Student. 

mum,  intery.y  zur  Bezeichnung  unent- 
schiedener, unklarer,  murmelnder  Rede. 
Niemand  will  mit  der  Wahrheit  heraus»^ 
8(mdem  nur  unter  dem  hart  mit  mum, 
mum^  mum.  Stein,  Peregrinus  XV, 
23.    W.  Mtsbl.  VI,  186. 

Mumm,  m,y  s.  v.  a.  Grimm  (s.  d.). 
Verlangen,  Begehr,  Appetit  etc.  T rei- 
che!. 

Mumm,  /.,  Muhme.    S.  Knisterbart. 


Mummatsch,  m.,  von  mummen,  der 
Vermummte  als  Kinderschrecker.  Trei- 
chel. 

Mummel,  pltd.,  Mommel,  /.,  weifze  und 
gelbe  Seerose,  Nympha^a^  alba  und 
lutea  L,    Hennig,  164. 

MUmmel,  /.,  Memelflufz.  Dafz  du 
verlast  den  schönere  Pregel  Und  an  der 
Mummel  streichst  die  Segel,  Carm.  nupt. 
I,  232. 

mummeln,  sw,,  auch,  jedoch  selten, 
blofz  mummen,  einhüllen,  bekleiden,  ver- 
mummen; von  Mummte  (verlarvt«  Per- 
son) Verkleidung.  Hiervon  bemummeln, 
einmummeln  (s.  d.).   In  gleichem  Sinne 

mutleln,  pummeln,  pumpein,  und  hiervon 
wieder  be-,  ein-,  vermutteln,  -mummeln 

etc.  Mühling  hat  als  Gegensatz  von 
einmummeln',  ausmummeln,  enthüllen, 
ablegen,  worin  man  eingemummelt 
war.  In  allen  Formen  auch  reflexiv. 
Vgl.  Weigand  II,  151:  die  Mumme, 

mummeln,  sw.,  leise^  undeutlich  spre- 
chen, unter  dem  Barte  reden,  murmeln, 
nicht  recht  mit  der  Sprache  heraus- 
wollen. Et  vergafz  auch  wol  sein  Ver- 
bum  und  mummelt  also  das  erste  beste 
in  den  Bart,  Soph.  R.  IV,  309.  Man 
mummelt  so  lang  von  einem  ding  bis  es 
ausbricht.  Stein,  Peregrinus XIH,  113. 
W.  Mtsbl.  VI,  174.  HoU.  mommelen, 
bayr.  auch  müem^ln.  In  Bremen  auch 
mumpeln;  in  erster  Bedeutung  ist  dort 
mummeln  was  unser  muffeln,  Brem. 
Wb.  III,  201.    Vgl.  Danneil,  141a. 

mummelstutzig,  adj.,  widerspenstig, 
widerhaarig,  unwirsch,  aufsässig.  Müh- 
ling. Schemionek,  25.  Aus  mum- 
meln (s.  d.)  und  stutzen:  mit  kurzem 
Stolze  widerstofzen  (Weigand  H, 
851);  also  zunächst  mit  murrendem 
Wort  widerstreben. 

Mummeltäucher,  m.,  geöhrter  Steiiz- 
fiifz,    Podiceps    auritus;   auch    kleiner 


mummen  —  munstern. 


79 


Steirzfofz,  P.  minor.  Er  hei(zt  aach 
Zerrbein.    Mühlin g,  Tiem.,  175. 

mummen,  sw.^  s.  mummeln. 

Mummenhaus,  n.,  Horenhaus. 

Mummertle,  /.,  die  Vermiuninte,  Un- 
bekannte, den  Kindern  Holde;  eine 
mythische  Person,  die  den  Kindern 
^ etwas  mitbringt^;  daher  oft  auch  die 
gute  „Tante**.  Treichel.  Allem  An- 
scheine nach  Gegenperson  zu  Mum^ 
maisch, 

Mummpitz,  m.,  Spai'z;  vielleicht  ver- 
mummter (verhüllter)  Spalz.  Mache 
doch  nicht  solchen  Mummpitz!  Trei- 
chel. 

MUnchenhof,  m.,  Platz  und  Strafze  im 
Löbenicht  zu  Königsberg,  so  genannt^ 
„weil  ein  Mönchenkloster  dicht  am 
Thurm  zum  heiligen  Geist  gestanden**. 
Hennig,  162.  Hoffheinz,  Strafzn., 
600.  Die  Münchenhofgasse  hiefz  früher 
und  heifzt  auch  jetzt  noch  im  Yolks- 
munde   krumme   Crrube   (s.    d.).     Vgl. 

Monkengasse. 

Mund,  m.  Einem  den  Mund  vergön- 
nen^ ihm  von  einer  Sache  Mitteilung 
machen,  ihn  um  Rat  fragen,  um  etwas 
bitten. 

Munde,  Münde,  Ortsn.,  früher  Bezeich- 
nung für  den  Ort  der  Mündung  der 
Danziger  Weichsel;  derselbe  heilzt  jetzt 
gewöhnlich  vollständig  Weichselmünde, 
Wir  sind  seit  einer  Stunde  von  der 
Münde  (der  Weichsel)  zurückgekommen. 
Soph.  R.  IV,  589.  In  Pommern  eben- 
falls Münde.    Dähn.,  314a. 

Mundlack,  m.,  Oblate  zum  Briefver- 
schlufz.  Mit  rothem  Mund-Lack  fest 
verschlie/zen.  Carm.  nupt  II,  171b. 
Nach  Treichel  auch  Mundleckerchen. 

Mundloch,  n.,  das  Rauchloch  des  Ofens. 
Dönh. 

Mumiraub,  m.,  das  für  den  Mund,  zur 


Nahrung  Geraubte.  Mundraub  ist  kein 
Diebstahl.    Dönh. 

Mundvoll,  n,  u.  m.,  so  viel  Speise, 
daiz  davon  der  Mund  voll  ist,  auch 
übertragen  zur  Bezeichnung  eines  ge- 
ringeren Quantums.  Olnool  ich  damals 
ein  Mundvoll  Latein  weggekrigt  hatte. 
Soph.  R.  m,  215.    WeigandH,  155. 

Munk,  n.,  dickes  Zeug. 

Munkefufz,  m.,  Dickful'z,  Mensch,  der 
angeschwollene  Füize  hat. 

munkeln,  sw,  1.  heimlich,  versteckt 
mit  andern  sprechen,  von  einer  Sache 
leise,  verblümt  sprechen.  Die  haben 
immer  etwas  mit  einander  zu  munkeln. 
Im  Dunkeln  ist  gut  munkeln.  Die  Ma- 
trone fing  auch  an^  davon  jsu  munkeln 
(da/z  mir  dann  und  wann  einige  Verse 
entfahren  sind)^  und  ich  hoffte  kräftig- 
lieh,  da/z  er  mich  bitten  würde^  sie  ihm 
zu  singen,  Soph.  R.  IH,  305.  2.  ver- 
dächtig und  gerüchtweise  laut  werden. 
Es  munkelt,  es  will  verlauten.  Davon 
ist  lange  schon  gemunkelt  Aus  beiden 
Bedeutungen:  Gemunkel,  n.  3.  merken, 
erkennen:  De  Sesswekixsche,  de  uooal 
mungkeld,  wat  de  Mansche  so  vet^stommcP 
mdkf,  säd  etc.  Natangen.  Firme- 
nich I,  111b. 

munkllg,  adj,,  angekommen,  dumpfig; 
zur  Bezeichnung  der  besondern,  durch 
dumpfigen  Geruch  und  Geschmack  her- 
vortretenden Verderbnis  der  Speisen 
für  Menschen  und  Vieh.  Getreide,  Mehl, 
Grützen,  Heu,  Futter  etc.  werden  mit- 
unter munklig.  Angekommenes  Ge- 
treide riecht  muffig  (s.  d.)  u.  schmeckt 
munklig.  Auch  mukllg;  in  Dzg.  nach 
W.  Seidel,  32,  muchlich.  In  Bayern 
munkeln  (vom  Fleisch)  übel  riechen. 
Schmellerll,  600.     Hennig,  164. 

Munkrock,  m.,  Rock  aus  Munk. 

munstern,   sw.,    mustern,    sich   zur 


80 


Munter  —  Musch. 


Musterang  behufs  Anwerbung,  Heuer, 
stellen.  Ebenso  schon  mnd.  Mnd. 
Wb.  III,  134  b.  S.  Belegstelle  unter 
Heier. 

Munter,  m.,  Hundename. 

Munterbach,  gewöhnlich  Schlofz  Atun- 
terbach^  Name  für  ein  schnell  und  leicht 
gebautes  Haas  als  Arbeiterwohnung. 

Murdax,  m.,  s.  Mordax. 

Murks,  m.  1.  unartikulierter  gnurren- 
der,  grunzender  Ton.  2.  kleiner,  un- 
ansehnlicher, auch  mürrischer  Mensch. 
S.  Adelung  III,  320.  Brem.  Wb.  lU, 
205. 

murksen,  zw.  1.  von  Murks^  gnurrende, 
mürrische  Töne  hören  lassen,  aus  Un- 
willen heimlich  brummen.  Hennig, 
164.  2.  mühsam  arbeiten.  Ich  habe 
den  ganzen  Tag  murksen  müssen,  S. 
nurksen.  Im  frank.  Bayern  murksen 
grob  schneiden.  Schmellerll,  617. 
In  Hessen  murzeln  kurz  und  ungeschickt, 
mit  stumpfem  Instrument  abschneiden. 
Vilmar,  276.  3.  nach  Mühling  auch 
schlachten,  morden,  ermorden,  gewöhn- 
lich abmurksen  (s.'  d.).  4.  nicht  recht 
gedeihen,  so  dafz  Ungeziefer  undSchmutz 
sich  einfindet.  Davon  murksig,  adj.^ 
schmutzig.    Marold. 

Murmel,  m.  u.  /.,  s.  Marmel. 

murmülisch,  murmülsch,  adj.^  s.  mar- 
mülsch. 

Murr,  /.,  Kraft  (Mark?).  Er  hat  noch 
Murr  in  den  Knochen,     Treichel. 

Murrian,  Murrjan,  m.,  mürrischer 
Mensch.  Treichel.  Öfter  noch  Murr- 
kater. 

murrsch,  od;.,  mürrisch.  Doch  mujz 
die  Frau  nicht  mursch,  noch  vne  Xan- 
tippe  sein.     Carm.  nupt  II,  22  c. 

Murichemau,  Mursemau,  m,^  s.  Mlrse- 
mau. 
MOS,  pltd.  Mos,  /.  u.  m.,  Dem.  MOs-Che, 


pltd.  MAske,  das  Mus,  eine  Mehlsuppe. 
Mus  ohne  Klunkern  heifzt  SchlichtmQs, 
mit  Klunkern  KlunkermOs.  In  Westpr. 
(Eonitz)  Maus.  In  der  Gegend  von 
Saalfeld  grtser  Mus^  Mus  aas  grobem 
Mehl.  Vgl.  Kleckermus  u.  Klttermus. 
Vielfach  in  Sprichwörtern  u.  Redens- 
arten: Mos  makt  lostig^  dwer  schwach 
op  de  Ben,  Mos  makt  dat  Ledder  los, 
Schwarte  Mos  on  Bohne  wäre  dt  nuscht 
döne.  Moske  öm  Därmelj  on  Sölwer 
op  em  Ärmel,  Sprw.  I,  2680  f.  Er  ist 
80  dumm  vne  Mus,  Ibid  ,  647.  Eck 
woer  do  so  vergnogt^  as  wen  eck  Mohs 
plegdh  ehte.  Carm,  nupt,  HI,  77  c.  Et 
wä't  6k  on  onse  Schal  Mos  regne^  auch 
unser  Glück  wird  blühen.  Wehlau. 
Bei  Jeroschin  tritt  mus  als  Bestim- 
mungswort in  der  Zusammensetzung 
mushiis  Speisehaus,  Refektorium  auf: 
drte  brudre  stiinden  vf  dem  müshvse  zu 
Cristmemil,  182d.     Pfeiffer,  198. 

MOsbauch,  pltd.  MAsbOk,  m,  1.  her- 
vorstehender wohlgenährter,  oder  auf- 
getriebener Leib,  vorzugsweise  bei  Kin- 
dern; man  schreibt  ihn  der  Ernährung 
durch  Mus  zu.  S.  Volksl.,  61,  40  II, 
6.  2.  übertragen  auf  eine  starkleibige 
Person.     BJr  ist  ein  Musbauch, 

Mufeh,  Muiche,  auch  Moich,  Moiche, 
/.,  Dem.  Muschche^  Moschche^  pltd. 
Muichke^  Moichke^  Schmeichelnarae  und 
Lockruf  für  die  Kuh.  Die  Zärtlichkeit 
in  der  Benennung  verstärkt  sich,  na- 
mentlich im  Kindermunde,  zu  Masche- 
kuhy  Muichekuhche,  Mühling  hat  noch 
den  Lockruf  Muscher,  S.  Volksr.,  63, 
242b.  Schwäb.-Augsb.  Mutschel,  Bir- 
linger,  341a;  Motschen^  Motschelein 
das  Kalb.     Schmellerll,  658. 

Musch,  Muscha,  Dem.  Muschchen,  w. 
Vom.,  Marie.  Liebes  Muschchc^  gieb  a 
Kuschchaj   Da/z  nich  die  Mutter  sitt! 


Mu8chelmÜ8  —  mustern. 


81 


—  „Wenn  die  Mutta  nich  wdt  sdne^ 
Wa  ich  di  a  Kuschcha  gdne  (geben)." 
Guttstadt. 

MliichelmOs,  /.,  ordinäre,  aus  gröb- 
stem Mehl,  das  man  zasammenmuscbelte 
(-kratzte),  bereitete  Mus.  Vgl.  Pracher- 
suppe. 

mufeheln,  sw.  1.  arbeiten  ohne  be- 
sondern Zweck,  zweckwidrig  arbeiten. 
Muhling.  2.  mischen^  mengen,  un- 
sauber zusammenpatschen.  3.  heimlich, 
in  der  Absicht  zu  betrugen,  verfahren. 
Beim  Kartenspiel  wird  gemuschelt.  Vgl. 
fuchem.  In  diesem  Sinne  auch  in  Hessen. 
Vilmar,  277. 

Muscher, /,  s.  Muich. 

MOich(e)rongy  m.  1.  Pflaumen-Blätter- 
pilz, fälschlich  Musseron,  Ägaricus  prvr- 
nvlui  Scop.     2.  cunntis,  vulva. 

muichetttem,  «tr.,  umhersuchen,  um- 
herschn&ffeln.  Was  mtMchetiterst  du 
daf  Treichel.  Vielleicht  von*  dem 
franz.  mauche^  da  die  Fliege  sich  ja 
gern  auf  alle  Gegenstände  setzt. 

Mitschkebade,  Mii8kebade,Mo8ke(o)badey 

/.,  Moskovade,  Rohzucker,  frz.  mas- 
couade^  brauner  Puder-,  Streuzucker. 

Muschkedonner,  m,^  Musketen,  Mus- 
kete^ Flinte,  namentlich  älterer  Art. 
On  mtnem  Hüs  lach  6k  so  en  oller 
Muschkedonner. 

Muschketier,  m.,  Musketier. 

muichlich,  adj.,  schmutzig,  unordent- 
lich. Danzig.  W.  Seidel,  32.  S. 
nuicheln. 

MuschpAke,  /.,  s.  MischpAch'. 

Mufel,  m.  u.  n.,  kleines,  verkümmer- 
tes Wesen  —  Tier  oder  Mensch.     S. 

muilig. 

miliern  (u  kurz)  sw.,  sich^  sich  er- 
holen, kräftigen ;  gewöhnlich  aiismufem, 

heraus-,  rausmutenu    Er  hat  sich  gut 

ausgemusert,  ist  nach  seiner  Krankheit 
wieder  zu  neuen  Kräften    gekommen, 

Prtoekbier,  WörUrbocb  II. 


hat  sich  tüchtig  ausgefüttert,  sich  aus 
bescheidenen  oder  zerrütteten  Verhält- 
nissen emporgearbeitet.  Das  Wetter 
hat  sich  ausgemtisert^  aufgehellt,  der 
zuvor  bewölkte  Himmel  ist  klar  ge- 
worden. Davon  muirig,  adj,^  schwach, 
elend,  vor  Frost  zitternd,  verkommen. 
Das  Gegenteil  ist  vermuiem,  elend  wer- 
den, kränkeln;  leiblich  und  geistig  ver- 
kommen; im  Wachstum  zurückbleiben; 
in  der  Kleidung  unordentlich  u.  schofel 
werden.     Mhd.  »ich  müzen  die  Federn 

c 

wechseln;  mausern;  aus  dem  lat.  mu- 
tare.  Schade,  Wb.,  633a.  Muh- 
ling, Proben,  436.  Sperber,  22. 
Bock,  36.    Hennig,  164. 

Musik,  /.,  zur  Bezeichnung  irgend  eines 
aus  verschiedenartigen  Teilen  bestehen- 
den Ganzen,  immer  in  der  Verbindung: 
die  ganze  Musik;  synonym:  die  ganze 
Prostemahlzeit  Wie  dem  letztern  Aus- 
drucke der  Gedanke  an  die  verschie- 
denen Grerichte  einer  Mahlzeit  zu  Grunde 
liegt,  so  mag  man  bei  dem  ersteren 
an  die  mannigfaltigen  Melodien  einer 
Musik  denken.  Die  Herleitung  von 
Mosaik  ist  mehr  als  fraglich.  E.  Fö  r s te- 
mann. 

Musikantenknochen,  m.,  Ellenbogen- 
spitze. Treichel  meint,  weil  man 
leicht  weint  (Musik  macht),  wenn  man 
sich  daran  stöfzt.    S.  KUmmeleckchen. 

Muskebade,  /.,  s.  Muschkebade. 

muslig  (s  weich),  adj.^  klein,  unan- 
sehnlich, verkümmert;  von  Tieren,  aber 
auch  von  Menschen.  Ein  musliger  Kerl. 
Vgl.  miirig. 

mOspekerig,  adj.^  s.  pfikerig. 

muirig,  adj,^  s.  mufem. 

mustern,  sw,^  putzen,  mit  dem  Ord- 
nen des  Anzuges  sich  viel  zu  schaffen 
machen.  E'  mustert  in  einem  fort  an 
seinen  Kleidern.     S.    ausmustern. 

mQstern,     «tc.,    heimlich     besondere 

6 


82 


inüswringrig  —  mutterseelenAllein. 


Dinge  treibeo,  murmelD,  flüstern,  lie- 
beln. Treichel.  Im  Brem.  Wb.  III, 
209:  mtistem^  lat.  mumtare, 

mUswringrig,  adj,^  s.  mTswringrig. 

mOfzen,  pltd.  mAfze(n),  su;.,  mit  Mm 
überziehen.  Betteinschüttungen  werden 
gemvfzt^  d.  i.  mit  einem  bündigen  Kraft- 
mehlkleister überstrichen,  damit  ihre 
Dichtigkeit  verstärkt  werde.    Ermland, 

Muika,  m.,  der  Stint,  Osmerus  eper- 
lanus;  kass. 

Mutsch,  m,y  Eulz.  Dero.  Mutschchen^ 
pltd.  'ke^  Eüfzchen.  Gieb  mir  ein 
Mutschchen!  Im  Lett.  giebt  es  eine 
härtere  Form  mutte  Mund,  muttite 
Mäolchen,  Küfzchen,  muttiht  küssen, 
und  eine  weichere  muscha  Mund,  mu- 
Hchinich  Mäulchen,  muschot  küssen. 
Nsslm.  Th.,  108. 

Mutsch,  /.,  s.  Mutter. 

mutschen,  sw.^  von  Mutsch^  küssen. 

Mutschken,  plur,^  zur  Bezeichnung  der 
kleinsten  Fische.  Mühling,  Tiern., 
175.    S.  auch  Mutsch,  vi,  u.  /. 

Muttchen,  /.  u.  n.^  s.  Mutter  u.  Moder- 
lieschen. 

mutteln,  »io,j  einhüllen,  sich  mutteln, 
sich  warm  anziehen.     Mühling.    Vgl. 

mummeln. 

Mutter,  /.,  ebenso  pltd ,  aber  auch 
MüdeTy  Moder^  Medder  (s.  d.),  plur, 
MuUers(cK),  1.  mater;  in  mehrfacher 
Deminution  und  Schmeichelform:  Mutt- 
chethy  pltd.  Muttke;  Mutterche^  pltd.  -fe, 
Mutschy  Mutschche^  pltd.  -A^,  Mutte- 
ruschche^  pltd.  -ke^  Mutt{a)ru8chchen, 
Mutteruschey  Muttrullchen^  alle  zunächst 
/.  Muttchen,  gieb  doch  e  Stuckchen 
Brot!  Die  Mutterche  pucht^  schilt.  EH,n 
altes  Mutterchen  zum  Ehgemahl  zu  neh- 
men. Carm,  nupt.  II,  85  b.  Mutterke 
heft  e  flassenet  Hemd  an^  ist  sonntäglich 
gestimmt,  traktiert  Sprw.  I,  2690,  In 
den    Schmeichelnainen    auf  scA,    usch^ 


i/«(rA« klingt poln.  Bildung  durch;  Nsslm. 
Forsch.  3;  Th.,  107,  hält  Mutterusch- 
chen  für  eine  Verhochdeutsch ung  von 
Moter-y  Moderuschke  und  führt,  nach 
Hennig,  165,  an  lit.  moteriszke'  Ehe- 
weib, plur.  moteri^zkes  die  verheirateten 
Weiber  im  Gegensatz  zu  den  Männern 
auf  der  einen,  und  zu  den  Mädchen 
auf  der  andern  Seite.  S.  Lit.  Aeq.,  20. 
Sperber,  22.  42.  Klein  II,  24.  2. 
Mutter  vertrauliche  Anrede  des  Ge- 
sindes an  die  Hausfrau,  vgl.  Moder; 
ebenso  an  alte  Frauen,  an  diese  auch 
Mutsch.  Saalfeld.  3.  die  Mutter  zur 
Schraube,  Schraubenmutter. 

Mutlerche(n),  /.,  Mütterchen,  s.  das 
vor. 

MutterfUllen,  -fohlen,  n.,  Füllen  weib- 
lichen Geschlechts.    Hennig,  164. 

Muttergroschen,  m.^  Groschen  vofl  der 
Mutter,  Reisegeld,  Zehrgeld,  Ausstat- 
tung, welche  dem  Sohne  bei  seinem 
Scheiden  aus  dem  Eltemhause  mit- 
gegeben wird.  Er  hat  Muttergi*oschen 
zu  verzehren. 

Mutterkraut,  n.,  Chrysanthemum  par- 
thenium  Pers.  Bock,  36.  Hennig, 
164.  Auch  echte  Kamille,  Matricaria 
chamomiUa  L.  Nsslm.,  handschriftl. 
Nach  Hagen,  274,  auch  Gldua  mari- 
tima L. 

Mutlerlamm,  n.,  Lamm  weiblichen  Ge- 
schlechts.   Hennig,  164. 

Mutlerloseken,  n.,  s.  Moderlieschen. 

Muttermal,  n.,  s.  Mal. 

mutterseelenallein,  adv.^  zur  Verstär- 
kung des  Begriffes  allein:  ganz  allein, 
ohne  jede  Gesellschaft,  verlassen,  allein 
mit  der  Seele  der  Mutter,  der  seligen; 

auch  mutterseeligallein.  Doar  trolld  öck 

mi  eenmoalganz  mutterseelnalleen,  D  orr, 
26«  Hei  draud  sonst  keinem  nich^  als 
Mooder  seelich  mie.  Carm.  nupt.  IV, 
324  c.     Da   neben   der  seligen  Mutter 


Mutterteil  —  Mütze. 


8d 


oft  auch  der  Wind  dem  Verlassenen 
Gesellschaft  leistet,  auch  mutterseelen- 
windallein,  mijtterwind(8eelen)allein,  pltd. 

m6d€rudnd(i(f)aUein,  Wie  der  Prinz 
so  muttenoindseelen  alleen  nietten  drein 
(im  Walde)  war^  verbiestert  he.  Schaltj., 
3,  6.  Vgl.  Hennig,  164.  Brem.  Wb. 
III,  173.  Schützern,  104.  Dähn., 
309b.  Bernd,  187.  Danneil,  142b. 
Mutierteil,  pltd.  Mutter-^  Moderdel,  n. 
1.  Erbteil  von  der  Hinterlassenschaft 
der  Mutter.  2.  wortspielend  cwmtis: 
Se  ÖS  e  riket  Mäke^  se  heft  er  Mutter- 
del 

Muttenischchen,  /.  u.  n.,  s.  Mutter, 
mutterwindallein,  adv,^  s.  mutterseelen- 
allein. 

muttig,  adj,^  übelriechend,  dumpfig. 
Mühling.  Treichel.  Auch  schmutzig 
=  mottig  (s.  d.). 

Muttlosen,  n.,  s.  Moderlieschen. 
Muttrullchen,  -ruschchen,  /.  u.  n.,   s. 
Mutter. 

Muturas,  /.,  Kopftuch  der  Litauerin- 
nen, das  sie  fest  und  tief  um  den  Kopf 
gebunden  tragen.  Nsslm.  Wb.,  413a: 
muturiSy  /.,  weifzleinenos  Tuch,  das  der 
jungen  Frau  am  Tage  nach  der  Hoch- 
zeit um  den  Kopf  befestigt  wird,  so 
dafz  der  eine  Zipfel  hinten  herabhangt; 
auf  dem  Kopfe  werden  mehrere  Wulste, 
d.  h.  Ausstopfungen  von  Hede  ange- 
bracht. Mühling  hat  für  dieses  Tuch 
Moteres.    Vgl.  Passarge,   Balt.,  248. 

Mutz,  7/2.,  Schlag,  Hieb,  namentlich 
der  naturwüchsige:  der  Hieb  an  den 
Kopf,  Mutzkopf ^  die  Ohrfeige.  Vgl. 
Dutz. 

Mutze,  pltd.  M8tz,  Metz,  /.,  bekannte 
Kopfbedeckung,  zunächst  für  Männer, 
dann  aber  auch  für  Frauen.  Unter  den 
Männermützen  treten  hervor:  die  Litaui- 
sche Mutze  (s.  Kappe)  und  in  der  Dzg. 
Nhg.   die  Verwatmetz  (Viol^t,  172), 


eine  Art  Pelzmütze,  vom  mit  Pelz 
verbrämt.  Der  Volksmund  nennt  jede 
Frauenhaube  Mütze;  unter  den  Frauen- 
mützen zeichnen  sich  aus:  die  Erm- 
ländische  Mütze.,  und  in  früherer  Zeit 
in  der  Dzg.  Nhg.  der  Glubskopei\  die 
hohe  Mütze^  das  KavaUierchen^  die  Kor- 
nette.  VioHt,  173  f  Die  Ermländisclie 
Mutze  ist  aus  wertvollem,  oft  kostbarem 
Goldbrokat  gefertigt;  selbst  die  ärmste 
Magd  ersteht  diesen  ihren  grölzten 
Schmuck  kaum  unter  20  bis  30  Mark. 
Der  Boden,  von  breit  ovaler  Form, 
bildet  den  gröi'zten  Teil  der  Mütze  und 
trägt,  je  nach  dem  Werte,  mehr  oder 
minder  schön  und  reich  ausgeführte 
Stickereien.  Eine  rings  um  die  Mütze 
laufende,  etwa  handhohe,  zierlich  ge- 
faltete, aufstehende  Borte  von  Gold- 
lahn, mit  Spitzen  überkleidet,  giebt  der 
Mütze  ihre  Originalität.  Feingefaltete, 
meist  weiizseidene  Seitenbänder  sind 
unter  dem  Kinn  in  eine  grofze  Schleife 
gebunden  und  flattern,  gleich  einer  zwei- 
ten, an  dem  Hinterteile  der  Mütze  an- 
gebrachten Schleife  rauschend  im  Winde. 
Vgl.  das  vom  Prof.  J.  Heydeck  ge- 
zeichnete Bild  eines  ermländischen 
Bauermädchens  in  meinen  „Ansichten 
aus  dem  Ermlande."  (Der  Feierabend. 
Volks-  und  Familienblatt.  Gotha  1857  f. 
Bd.  II,  S.  21.)  Die  Mütze  kommt  mehr 
und  mehr  aus  der  Mode.  —  Der  Glubs- 
l(Oper  war  eine  Art  Kapuze,  welche 
sich  eng  um  den  Kopf  schloiz  und  nur 
einen  engen  Glub  (Ritze,  Spalte,  zu- 
nächst in  der  Wand.  Birlinger,  197a.) 
für  Augen,  Nase  und  Mund  lielz;  sie 
gewährte  auf  Reisen  Schutz  gegen 
Schneegestöber  und  Staub.  S.  Abbil- 
dung bei  Vi  ölet,  174.  —  Das  Kaval- 
lierchen,  vielleicht  von  dem  franz.  cava- 
lier  kavalicrmäi'zig,  auch  ungezwungen, 
mit  Gold  und  Silber   und    kostbarem 

6* 


84 


mutzen  —  Nabelkraut. 


Pelzwerk  verbrämte  Mütze.  —  Die 
Kornette  war  beliebt  bei  den  Frauen 
der  Nehrung.  Sie  war  eine  kleine 
Mütze  von  schwarzem  Sammet  oder 
Seide,  mit  roter  Einfassung,  oben  mit 
schwarzen  Spitzen  und  an  den  Seiten 
mit  einem  weifzen  Spitzenstriche  be- 
setzt. Von  dem  franz.  comette  Haube, 
Spitzenhaube.  —  Tritt  ein  Gast  in  ein 
Haus^  worin  eine  Wöchnerin  liegt,  so 
nimmt  die  Hebamme  diesem  die  Mütze 
weg,  welche  er  durch  ein  Geschenk 
einlöst.  Wer  die  Mütze  schief  auf  dem 
Kopfe  trägt,  dem  üt  der  Weizen  gut 
geraten.  Dem  Übelgelaunten  steht  die 
Mütze  nickt  reckt.  Einem  auf  die 
Mütze  geben^  ihm  die  Wahrheit  sagen, 
ihn  derb  abführen.  0,  bei  meiner  Mütze, 
ich  bin  das  Dings  müde!  Soph.  R.  YI, 
208.  Weitere  Redensarten  über  Mütze 
s.  Sprw.  I,  2693  ff.;  H,  1905  ff. 


mutzen,  st^.,  von  Mutz.  1.  stofzend 
schlagen,  an  den  Kopf  schlagen,  ohr- 
feigen. 2.  mit  stumpfer  Schere  gnap- 
pend,  struppig  und  ungleichmäfzig  die 
Kopfhaare  verschneiden.  In  Hessen 
mutzen  maulen,  den  Mund  aufwerfen; 
faulen,  in  Verwesung  übergehen.  Vil- 
mar,  278. 

Mutzen-,  MUtzchenpulver,  pltd.  MStzke- 
polver,  n.,  s.  Litzenpulver. 

mutzig,  adj.,  aufgenutzt,  abgenutzt, 
angebraucht,  kurz,  stummelhaft. 

Mutzkopf,  pltd.  Mutzkopp,  m.,  Mutz, 
Hieb  mit  flacher  Hand  an  den  Kopf, 
KopfiioTz,  Ohrfeige.  CHeb  ihm  doch 
einen  Mutzkopf!    Davon 

mutzkopfen,  sw.,  wiederholt  Mutzköpfe 
austeilen. 


N. 


n,  Schmelzlaut,  klingt  pltd.  wie  hchd. 
Es  fallt  in  den  Beugungssilben  und 
namentlich  bei  den  Infinitiven  weg: 
Gäwe  Gaben,  gewe  geben,  hSle^  hole 
halten;  in  WestpreuTzen,  soweit  hollän- 
discher Einflufz  reicht,  besonders  in 
Danzig  und  Umgegend,  wird  es  da- 
gegen, wenigstens  bei  den  Infinitiven, 
regelmäl'zig  beibehalten.  Auch  in  an- 
dern Fällen  fehlt  das  n  am  Ende:  hinge 
hinten,  nä  nein;  vor  Konsonanten:  os 
(aber  auch  ons)  uns.  Über  seine  Ver- 
tauschung mit  m  im  Auslaute  s.  m. 
Der  Mehrzahl  fügt  es  sich  hin  und 
wieder  überflüssig  an:  Messenty  Fenstern, 
Stiefeln  statt  Messer  etc.  Lehmann, 
Volksmd.,  29.     Gortzitza. 

na,  interf.y  Verwunderung,  Unwillen, 


eine  dringende  Aufforderung  ausdrük- 
kend,  oft  auch  nur  zur  Markierung  des 
Anhaltens  im  Urteil,  vielfach  auch  An- 
fangswort in  Ausrufen.  Naf  Na!  Na 
vorwärts!  Na  so!  Na,  was  soü  das? 
Na  Plüme,  wat  O^ds,  na  Pflaumen, 
etwas  Gutes!     Vgl.  Sprw.  H,  1907. 

nft,  präp.,  nach.  Nah  dree  verflatf^ne 
Doge  Schlog  he  sine  Oge  op.  Werdersch. 
Buur,  14,  5. 

nä  (a  lang),  adv.,  nein. 

nabbellg,  oJ;.,  schmutzig.  NabVlige 
MargeU,  schmutziges  Mädchen. 

nabbeln,  sw.,  nagen.  Wohl  nur  eine 
Kürzung  von  gnabbeln.     Vgl.  gnagen. 

Nabelkraut,  n.,  Pflzn.,  epheublättriger 
Frauenflachs,  Anti/rrhinum  cymbalaria 
L.    Hagen,  652. 


Nabelloch  —  Nachhochzeit 


85 


Nabellochy  n.,  GeschlechtsöffiiaDg  des 
ip^eiblichen  Karpfens.   Benecke,  492. 
Nftber,  Nftwer,  Nakver,  Nokber,  Nokwer, 

m.y  Nachbar.  Im  Ermlande  auch  Nftkva: 
Näkfa,  ea  könnt  doch  schreiwe  on  lasef 
Firmenich  lU,  103a.  De  Nabersch 
Friede  de  Schrtioer,  säd  so  to  onse  Wt- 
wer:  Der  Wind  jetzt  anders  bläst! 
Lhrztfi:.  4,  355  d.  Ahd.  ndhcapür^  mhd. 
nuchgebur  (auch  nach  dem  adj.  ndhy 
mhd.  nach:  ndher)^  bei  Jeroschin 
ndkebür  (Pfeiffer,  199),  wendisch  no- 
ber^  aogs.  necheburoj  nehbur^  engl,  neigh- 
bowTj  schwed.  nabo^  isländ.  nacbur,  holl. 
nabuur  (zunächst  kurz  buur)j  abo 
Nahebaaer  ^  Nahewohner.  Schade, 
635b.  ßrem.  Wb.  UI,  211.  Schamb., 
143b.  Adelang  III,  365.  Im  Marien- 
burger  Werder  reden  sich  die  Bauern, 
.Hofbesitzer,  gegenseitig  Ndber  an.  In 
Bayern  Nackpe.    SchmellerU,  689. 

Näber,  m.,  s.  Näbger. 

Nftberin,  /.,  von  Ndber y  Nachbarin, 
doch  üblicher  Näwere^  Näbersche^  und 
so  in  allen  Formen:  Näwersche^  Nah- 
bersche^  Nokwerschey  Näkvasche. 

nftbem,  lAwem,  nokbem,  nokwern,  «u^., 
den  Nachbarn  besuchen.  Ich  komvii 
ein  bifzchen  rhdbem^  freundschaftlich 
plaudern.  Am  liebsten  geht  man  wäh- 
rend der  Dämmerzeit  nahem, 

Nabersche  (a  =  a),  /.,  s.  Nftberin. 

N&bger,  Näber,  Nebiger  (s.  Yoc.  535), 

971.,  groi'zer  Bohrer,  den  man  zur  Aus- 
bohrung der  Nabe  (ahd.  nabc^  napa) 
gebraucht;  auch  Bohrer  überhaupt. 
Donh.  In  dem  hochmeisterlichen  Auf- 
gebot zur  Heeresfolge  „an]^die  Freyen 
auf  Samland  vom  J.  1464  wird  unter 
anderm  angeordnet^  dafz  bei  einem 
itzlichen  Wagn  sey  ein  guter  Spaten, 
ein  Nebiger  etc.^  Beitr.  z.  Ede.  Pr. 
I,  352.  Ahd.  nabagerj  napager^  mhd. 
nabeger^  nebeger^  verstellt  nageber^  um- 


gedeutet negbor  Bohrer,  Nageiböhr. 
Schade,  633  a.  Im  Ermlande  nach 
Mühling  Nfibia,    Nfibiar,    Nöwia;    in 

Bayein  Näbiger^  Näbinger^  Näber^  Nei- 
ber^  Nepper,  SchmellerU,  669.  Im 
Bremischen  Näoiger^  Neviger.  Brem. 
Wb.  III,  225 ;  in  Pommern  Näwiger. 
Dähn.,  321b;  in  der  Altmark  Neber. 
Danneily  145b.  Ein  kleinerer  Boh- 
rer heifzt  Näwger. 

nach,  pltd.  nft.  Er  ist  sehr  nach  sich^ 
pltd.  Hei  OS  sehr  nä  sock^  er  sucht  das 
Gute  und  Meiste  sich  zuzuwenden. 

nachbabbein,  pltd.  nftbabbie(n),  w., 

nachsprechen,  die  Worte  eines  andern 
wiederholen.  Wienachkaiien.  Vgl.  bab- 
bein. 

nachdem,  pltd.  nftdem,  adv.^  später, 

nachher,  sodann.  Komm  nachdem  I  Erst 
essen,  nachdem  trinken. 

Nache,  w.  jüd.  Vorn.,  /.  zu  Nahum^ 
auch  Noche,  Nüechey  Nüechesch.  Flatow. 
Schmitt,  114. 

nachgehn,  pltd.  nftgane,  st.^  nahe  gehn, 
zu  Herzen  gehn,  Trauer  empfinden; 
anstrengen.  Der  Todesfall  geht  mir 
sehr  nach.  Die  Arbeit  geht  ihm  sehr 
nachy  sie  erschöpft  seine  Kräfte.  Hen- 
nig, 165. 

nachgerade,  adv.^  s.  gerade. 
Nachharksel,  pltd.  Nftharksel,  n.,  das 

nachgeharkte  Getreide,  d.  h.  die  Über- 
reste an  Getreide,  welche,  nachdem 
abgeerntet,  mittelst  der  Harke  zusam- 
mengebracht sind.     Mühling. 

Nachhochzoit,  pltd.  Nfthochttt,  /.,  Nach- 
feier der  Hochzeit.  In  den  Werdern 
findet  diese  am  Sonntage  nach  der 
Hochzeit  statt.  Zu  derselben  werden 
auf  der  Danziger  Nehrung  alle  die- 
jenigen eingeladen,  welche  wegen  Man- 
gel an  Raum  oder  aus  sonst  einem 
Grunde  bei  der  Hochzeit  nicht  zugegen 
sein  konnten.  Passarge,  216.  Viol^t, 


86 


nachkauen  —  Nachtag. 


107.     In  Natangen  heifzt  diese  Nach- 
feier auch  Nachkifttsch.  S.  Klitsch.   Vgl. 
Nachtag. 
nachkauen,  pltd.  nftkaue(n),  sw,,  die 

Worte  eines  andern  wiederholen,  na- 
mentlich zum  Spott.  Ebenso  in  Pom- 
mern. Dähn.,  322b;  im  Göttingen- 
schen  nakaulen,  nakaiuweln.  S  c  h  a  m  b., 
142b.    Vgl   nachbabbeln. 

nachkicken,  pltd.  näkicke(n),  »w.,  nach- 
sehen. Substantivisch  in  der  Redens- 
art: Er  hafs  NachMcken^  er  hat  nichts 
von  der  Sache. 

Nachklätsch,  pltd.  Näklätsch,  /.,  Nach- 
fest, Nachhochzeit;  wenn  in  unmittel- 
barer Folge,  verwandt  mit  dem  studen- 
tischen „Katerfrühstück",  oft  aber  einige 
Tage  spater.  S.  Klatsch  und  Nachhoch- 
zeit. 

nachknästern ,  »w.^  nachlaufen.  S- 
knastern  4. 

nachläfzig,  adj.^  die  ursprünglich  rich- 
tige Form  des  modernen  nachldssi^^ 
das  hier  nur  selten  gehört  wird. 

nachpfeifen,  pltd.  näpTpeCn),  st,  ver- 
loren geben.  Kannst  em  naplpe,  er 
wird  nicht  wiederkommen.  Wohl  her- 
genommen von  dem  vergeblichen  Pfeifen 
nach  einem  verlaufenen  Hunde. 

nachschlachten ,   pltd.    naschlachte(n), 

sw.^  nacharten.  Dem  Vater  —  der  Mut- 
ter  nachschlachten,  die  Eigenheiten  des 
Vaters  —  der  Mutter  haben,  zeigen. 

Nachschmack ,  m, ,  Nachgeschmack, 
doch  stets  mit  der  Nebenbedeutung  des 
Unreinen,  Herben.  Das  Bier  —  der 
Kaffee  hat  einen  Nachschmack,  Hen- 
nig, 165. 

Nachschrftp,  m,,  Nachschrapsel,  n.,  das 
Nachgeschrapte.  Vgl.  schrdpen,  pltd. 
schräpe(n),  1.  Speisereste,  die  an  dem 
Innenrande  der  Kessel  und  Töpfe  kle- 
ben bleiben  und  sich  nur  durch  Schra- 
pen  herausbringen  lassen.    In  Pommern 


Naschrapels.  Ile  kriggt  man  dat  Na- 
schrapek,  das  Beste  haben  andere  be- 
reits weg.  Dähn.,  324b.  2.  Reste, 
Überbleibsel  einer  Mahlzeit,  eines  Gast- 
mahls. 3.  Figürlich  das  —  verspätet 
eingetroffene  —  letzte  Kind  in  einer 
Familie.  Das  ist  unser  Nachschrapsel. 
4.  geringere  oder  jüngere  Personen, 
welche  aus  verwandtschaftlichen  oder 
politischen  Gründen  in  eine  Gesellschaft 
Vornehmerer  gezogen  w^orden  sind. 
Bock,  36.     Hennig,  165. 

nachschräpen,  sw.,  nachkratzen,  nach- 
arbeiten, was  ein  anderer  schlecht  vor- 
gearbeitet hat.  Einer  unordentlichen 
Magd  mufz  man  alles  nachschrapen. 
Hennig,  245. 

Nachschrapsel,  n.,  s.  Nachschräp. 

nachsich,  pltd.  näsVck,  adj,,  habgierig, 
eigennützig.  Er  ist  sehr  nachsich,  er 
sucht  alles  nach  (an)  sich  zu  reii'zen. 

nächst,  adv,f  zur  Zeit,  damals;  bald 
darauf,  nachdem.  Nechst,  als  der  erste 
Schnitt  sich  an  die  Halmen  machte .  . ., 
da  dacht  ich,     Carm,  nupt,  125. 

nachstäpeln,  sw,  1 .  aus  stappen,  stapfen, 
nachlaufen  und  zwar  in  unberufener 
Weise.  2.  in  Westpr.  nachgraben;  Er 
stapelt  Kartoffeln  nach^  er  gräbt  auf 
dem  bereits  abgeernteten  Felde  nach 
den  noch  zurückgebliebenen  KartoflPeln. 
Mühling. 

Nacht,  /'.,  freie,  zur  Bezeichnung  freier 
Weide  für  ein  Stück  Vieh.  „In  vielen 
Privilegien  heiizt  e§:  Das  Grufidstück 
hat  vier  freie  Nachte^  es  hat  freie  Weide 
für  vier  Stück  Groi'zvieh.  Solche  Pri- 
vilegien ruhen  nur  auf  kleinen  Grund- 
stücken. Der  vierte  Theil  dieser  Nutz- 
nielzung  wird  im  Ermlande  durch  Fufz 
bezeichnet.''     Mühling. 

Nachtag,  pltd.  Nädag,  m,,  Tag  nach 

der  Hochzeit,  oder  acht  Tage  nach  der 
Hochzeit.    Nachtag  geben.    Stein,  Pe- 


nacht^isch  —  nackendig. 


87 


regrinus  XIII,  1.  W.  Mtsbl.  VI,  111. 
Der  Nachtag  wird  feierlich  begaDgen 
und  oft  „ist  die  Gesellschaft  alsdann 
zahlreicher  und  das  Gastmahl  feier- 
licher, als  am  Hochzeitstage.^  Hen- 
nig, 165.  Man  unterscheidet  lustigen 
und  stiüen  Nachtag '^  auf  ersterem  wird 
getanzt,  auf  letzterem  nicht.  Im  Schwä- 
bisch-Augsburgischen heii'zt  der  Tag 
nach  der  Hochzeit  Nachhof.    Birlin- 

ger,  347a.  Vgl.  Nachhochzeit,  Nach- 
klfttsch. 

nachtfiischy  richtiger  pltd.  nftttisch,  adj.^ 
habgierig,  eigennützig;  also  dasselbe 
wie  nachsich.  Von  ndteen  nachziehen, 
nach  sich  ziehen,  an  sich  reifzen.  Bock, 
37.     Hennig,  166. 

nächtigen,  nachtigen,  sw.^  über  Nacht 
bleiben.  Ich  v)erde  hiernachtigen.  Ebenso 
in  Estland.     Sallmann,  70b. 

Nachtkraut,  n.,  Pflzn.,  gebräuchliches 
Glaskraut,  Parietaria  offidnalü  L,  Auch 
PeterskrauL    Hagen,  1067. 

Nachtliegegeld,  n.,  Geld,  das  der  Lotse 
für  jede  Nacht,  die  er  am  Bord  eines 
Schiffes  aui'zerhalb  des  Hafens  zubringt, 
erhält.  In  Pillau  beträgt  dieses  3  Mk. 
Pr.  Prov.-Bl.  XVH,  51. 

Nachtlilie,  /.,  zweiblättriges  Knaben- 
kraut, Orchis  bifolia  L.  Auch  Nacht- 
schatten.   Pritzel,  255. 

Nachtmftr,  m,  u.  /.,  s.  Mftr. 

Nachtposten,  m.,  Hure,  die  sich  nachts 
auf  der  StraTze  herumtreibt.  Bock, 
37.  Hennig,  167.  In  gleichem  Sinne: 
Nachtvogel,  m. 

Nachtrabe,  m.  1.  Rohrdonunel,  Ardea 
steUarü.  Drausensee.  Mühling,  Tiem., 
175.  2.  nach  Hennig,  167,  Nacht- 
schwärmer. 

nachtragerig,  nachtragerisch,  adj.  von 

nachtragen^  grollen,  Beleidigungen  nicht 
vergessen  können,  bei  passender  Ge- 
legenheit sich  dafür  rächen. 


nachtrecken,  pltd.  natrecke(n),  sw.^ 
nachziehen.    S.  trecken. 

Nachtrecksel,  n.,  das  Nachziehende, 
letztes  Gefolge  bei  pomphaften  Be- 
gräbnissen. Gewöhnlich  bildet  das  Ge- 
sinde das  Nachtrecksel:  Nun  kommt 
das   Nachtrecksel,    Hennig,    279.    S. 

Trecksei. 

Nachtrose,/.,  Pflzn.,  zweijährigeNacht- 
kerze,  Oenothera  biennis  L.  Auch  Nacht- 
schlUsselblume.    Hagen,  407. 

Nachtschatten,  w.,  weifzer^  zweiblättri- 
ges Breitkölbchen,  Piatanthera  bifolia^ 
wegen  der  besonders  des  Abends  wohl- 
riechenden Blüten.  Treichel,  Volksth. 
n.    S.  auch  Nachtlilie. 

nachtschlafend,  adj ,  zur  Nachtzeit  oder 
doch  spät  am  Abende.  Einen  bei  nacht- 
schlafender Zeit  besuchen, 

NachtschlUsselblume,  /.,  s.  Nachtrose. 

Nachtskann',  /.,  Kanne,  Topf  für  die 
Nacht,  Nachtgeschirr.  Die  Nachtskanne 
hat  zwei  Ohren  bekommen^  sagt  man, 
wenn  jemand  die  Arme  in  die  Seite 
stemmt.     Sprw.  I,  2708. 

Nachtvogel,  m,,  s.  Nachtposten. 

Nachtwfirtke,  -wVrtke,  Pflzn  ,  nach 
Hennig,  167,  Orchis  bifolia  L.,  nach 
Mühling  Orchis  morio.    Natangen. 

Nachtzeche,  /.,  Reihe,  Ordnung  der 
Viehhut    während     der    Nacht.      Vgl. 

Zech(e). 
nachwesen,    pltd.     nftwtoe(n).     Da» 

Fleisch  nachwesen^  Wasser  nachgiefzen, 
wenn  die  Suppe  eingekocht  ist. 

nachzageln,  sw.y  wie  einZagel,  Schweif, 
nachschleppen,  nachziehen,  nachfolgen. 
Kinder  zagein  der  Mutter  nach,  Dürre 
Aste,  die  sich  in  Frauenkleidem  fest- 
gehaftet,  zagein  nach,    S.  zageln. 

nachzoddeln,  -zoddem,  sw.y  nachzotteb, 
s.  zoddem. 

nackendig,  adj,.  nackt.  Er  geht  fast 
nackendig,  ist  schlecht  gekleidet. 


88 


Nadeld68(e)  —  Nahrstelle. 


NadeldÖ8(e},  /.,  Nadelbüchse 

Nadelfischy  m.,  s.  Homfisch. 

Nadelkttrfely  m,^  Pflzn.,  Ackersinau, 
Alchemilla  arvensis  Scop.    Hagen,  178. 

nadeln,  sw,^  mit  Nadeln  heften,  ge- 
nadelt sein^  adrett  und  ehrbar  in  Hal- 
tung und  Miene.  Welche  Gründe  hatten 
Sky  in  der  Frau  E.  Gegenwart  immer 
so  —  loie  sage  ich?  —  genadelt  zu  sein, 
da/z  die  gute  Frau  Sie  dann  nur  zum 
erbaulichen  Beispiel  vorstellte  f  Soph. 
R.  IV,  37  f. 

Nadollste,  m.,  der  Nächsttoliste,  Hest- 
starkste.  Er  ist  immei*  noch  der  Na- 
dollste, Samland.  Er.  Neustadt,  in 
dem  ein  Dorf  Nadolle  belegen  ist 
Treichel.  Das  erste  Glied  der  Zu- 
sammensetzung na  kann  auch  als  die 
poln.  Vorsilbe  zur  Bildung  des  Super- 
lativs angesehen  werden. 

Nage  (a  kurz,  g  nach  j  hinklingend), 
auch  Nage,  Naginne,  /.,  Schuh  aus  Eg- 
gen^ Tuchecken;  mit  grober  Leinwand 
überzogener,  besohlter  Strumpf  als 
Schuh  (Friedland  Ostpr.  Mühling); 
nach  Hennig,  166,  Naginen^  Nagin- 
nen  besondere  lederne  Schuhe,  welche 
die  Litauer  nach  Art  der  Paresken 
(s.  d.)  anfertigen.  Nach  Rogge  heifzen 
die  Schuhe  Maggen;  doch  ist  unter 
allen  Namen  der  erste  der  üblichere. 
Von  dem  altpr.  nage  Fufz  (Voc.  145), 
poln.  u.  russ.  noga;  lit.  ndgin4\  nagine 
Sandale,  wohl  aus  dem  preuiz.  entlehnt. 
Nsslm.  Forsch.  2;  Th.  109.  Pierson, 
A.  W.,  27.  Lit.  Acq.,  20.  S.  Beleg- 
stelle unter  Bierhol.  Seif  1724  wird 
diese  Mode  {Paresken  zu  tragen)  seltener 
gesehen^  da  durch  eine  königliche  Ver- 
ordnung sowol  die  Pareesken^  als  auch 
die  Naggen  oder  lederne  Riemen,  zu 
tragen  verboten  tvorden,  Bock,  Nat.  I, 
132.    Vgl.  Wutehe. 

Nagel,  pltd.  Nagel  (a  =  f/),  m,,  die 


Namen  der  verschiedenen  Arten  Nägel 

s.  unter  Klammspeicher. 
Nägelchen,  pltd.  Nägelke(n),  n.  1.  Dem. 

von  Nagel.  Die  Tagldnge  auf  ein  Nä- 
gelchen demonstriren,  auf  das  genaueste. 
Linem.,  A3a.  2.  Nelke,  Nägelein. 
Wenn  Tulp^  Bos\  Negekke  an  Ihrem 
Haupte  stehn.  Carm.  nupt.  II,  165  b. 
Ebenso  Gewürzndgelchen. 

nageln,  sw.y  coire. 

nagelneu,  pltd.  nagelnU  (a  =  ^),  ad}., 

neu,  wie  ein  eben  gefertigter  Nägel.  Ein 
nagelneues  Kleid.  An  de  nagelnüe  Brut^ 
Junfer  Tkrien  Lde/zke  Bobindin.  Carm. 
nupt.  V,  264d.  Bock,  36.  Auch  nlg- 
gei-  und  nuggelnagelneu.  Vgl.  funkel- 
hagelnageineu. 

Nagelwiirm,97».,Finger-,Nagelgeschwür, 
Umlauf,  panaricium;  auch  blofz  Wurm. 
Mühling. 

Nägerchen,  plur.y  von  nagen^  die  an 
den  Knochen  haftenden  Fleischreste, 
welche  abgenagt  werden.  Sperber, 
22. 

Nag't  (a  ^  a%  Flufzname,  Nogat.  S. 
Noacht 

Nagwart,  w».,  Pflzn.,  gemeiner  Stech- 
apfel, Datura  stramonium  L.;  auch  igel- 
kolbe.    Hagen,  246. 

Nfthelt,  /*.,  Nähe,  Nachbarschaft.  .  .  . 
so  in  der  Naheit  vx>hnen.  Hartwich, 
485. 

nahrhaft,  adj.  Er  ist  nahrhaft^  er 
versteht  sich  zu  nähren. 

nährig,  odf;.,  nach  der  Nahrung,  dem 
Erwerbe  sein,  dem  Verdienste  nach- 
gehen, haushälterisch  leben.  Ebenso 
im  Brem.,  Holstein.,  Götting,  in  Pom- 
mern; in  Estland  dagegen  s.  v.  a.  wohl- 
häbig.  Brem.  Wb.  HI,  218.  Schütze 
III,  135. 140.  Schamb.,  144b.  Dähn,, 
320b.    Sallmann,  75b. 

Nahrstelle,  Nahrungsetelle,  /.,  Stelle, 

die  gute  Nahrung,  ein  gutes  Auskom- 


Nabrung  —  Narbe. 


89 


men  gewährt.  Ein  stnrk  besuchtes 
Wirtshaus  ist  eine  gute  Nahrstelle^ 
Nahrungsstelle, 

Nahrung^  /.  1.  Unterhalt,  Auskom- 
men. Er  ist  sehr  nach  der  Nahrung^  er 
gellt  mit  Eifer  dem  Verdienste  nach. 
Hei  heft  stne  gCde  Nahrung^  sein  gutes 
Auskommen.  Ilennig,  166.  2.  Be- 
sitztum, Ackerland.  In  Bergskofchen 
waren  schon  alle  Nahrungen  beurbart, 
. . .  Wenn  Hausväter  ihren  Kindern  die 
Nahrungen  Übergaben  . . .  keiner  der  jun- 
gen Männer  hatte  eine  eigenthümliche 
Nahrung  .  .  Geschunster^  die  nach  dem 
Tode  der  Eltern  ihre  Nahrungen  an- 
genommen hatten.  Anhang  z.  Soph.  R., 
14. 

Naht,/.  Eine  gute  Naht  sauf en,  Sprw. 
I,  445.  Eyr  sitzt  ihm  auf  der  Naht,  er 
beobachtet  ihn  scharf.     Vgl.  Heiduck. 

naja,  adv.,  meinetwegen,  das  kann 
so  sein. 

näj§,  adv.,  nein. 

Nftkver,  m,  Nachbar.  Oberland.  S. 
Ndber. 

HUj  N6I,  w.  Vom.,  Komelia.  Hart- 
wich, 55. 

Nälbaum,  pitd.  Nälböm,  m.^  von  nälen 
zögern,  warten.  Vom  Wählbaum  fällt 
man  auf  den  Nälbaum,  zu  Mädchen^ 
die  in  betreflP  der  Freier  anfanglich 
wählerisch  sind,  und  später  warten 
müssen.     Vgl.  Sprw.  I,  3961. 

nälen  (a  lang),  sw.  1.  zögern,  zau- 
dern, saumselig  und  langsam  eine  Ar- 
beit fördern,  eine  Sache  zustande- 
bnngen.  Herr  Gott,  wie  lange  näht 
du  bei  der  kleinen  Arbeit !  In  de>*  Rede 
nälen,  sehr  langsam  und  mit  groCzem 
Umschweif  reden.  Bei  der  Arbeit  nälen, 
faul  und  langsam  arbeiten.  In  der  Ge- 
gend von  Saalfeld  auch  nillen.  Davon: 
NUer,  91».,  Zauderer^  Zögerer,  Faulpelz. 
Nälerei,  /.,  Saumseligkeit,    nälerig,  adj.. 


saumselig.  In  Zusammensetzungen:  Nat- 
hans, Nälpeter,  NäilTse,  Nältrtn.  2.  lang- 
sam trinken.  In  Bayern  nollen,  nullen 
saugen,  trinken.  Schmeller  TT,  689. 
S.  banalen.  Das  Brem.  Wb.  III,  233  ff., 
hat  für  zaudern  neteln,  notein  u.  nolen, 
für  Zauderer  Neteler,  im  Holstein.,  in 
Pommern  u.  im  Götting.  nolen,  so  auch, 
nach  Treichel,  im  Kreise  Neustadt. 
Schütze  III,  152..  Dähn.,  330a. 
Schamb.,  146a.  S.  noch  Sallmann, 
37.  Hupel,  169.  Danneil,  144b, 
Bernd,  188.  Hennig,  166.  Sperber, 
23:  neelen.    Vgl.  banalen. 

Name,  NOme^  w.  jüd.  Vom.,  Naema. 
Flatow.    Schmitt,  114. 

namkUndIg,  adv,,  namhaft,  dem  Namen 
nach  bekannt.  Es  soll  hinfort  keine 
Beichte  sein,  dadurch  man  schuldig  wäre^ 
alle  Sünden  nahmkündig  zu  machen^. 
(Aus  einer  Predigt  de^  Bischofs  Queis 
in  Riesenburg  v.  J.  1526.)  Hartkn. 
Hartwich,  65. 

nanft,  interj.y  abwehrend  und  drohend. 
Nana,  man  nich  so  hastig! 

nanO,  interj,,  verstärktes  na  (s.  d.). 
Nanu,  was  soll  dasf!  Nanu  — fahr  du! 
Elbing.  Auch  adverbial  in  der  Be- 
deutung: jetzt,  nun  eben.  Nanu  kann's 
losgehn!  Nanu  ne,  jetzt  eben  nicht! 
Dat  war  vehl  behter  (besser)  als  nanu. 
Nowack,  5.    Vgl,  Sprw.  I,  2721  f. 

Napoleon,  umgewandter,  pltd.  omge- 
wendt  Napoljum,  auch  angewandte^'  iV., 
Medik.,  Unguentum  populeum, 

Narbe,  pltd.  Narw,  /.,  leichte  Kruste, 
die  sich  über  sandigem,  auch  feuchtem 
Boden,  oder  auf  einer  Wunde  bildet, 
in  letzterm  Sinne  jedoch  entschiedener. 
Rab,  Man  spricht  von  der  erdartig 
verhärteten  {Sand-)  Narbe  auf  den 
Dünen,  von  der  Moosnarbe  auf  den 
Brüchem,    —    Hiervon   sich    bonarbon, 


su\ 


90 


närgeln  —  Nasenpopel. 


närgeln,  nergeln,  nörgeln,  sw.^  ver- 
wandt mit  nörgeln  und  nurgeln.  mäkeln, 
kleinlich  hadern,  wiederholt  kränken, 
ärgern,  quälen,  verfolgen  mit  Tadel, 
Schelte,  Witzen,  Neckereien,  Spott, 
durch  wiederholtes  Beruhren  einer  ab- 
gethanen  Sache.  Sie  haben  so  lange 
genärgelt  {y^turlupinei*^) ^  bis  der  liebe 
selige  Mann  darüber  ins  Gras  beifzen 
mujzte.  SophR.  V,  588.  NachGort- 
zitza  auch  nirgeln;  ebenso  in  der  Saal- 
felder Gegend,  im  Oberlande. 

narnich;  adv.^  s.  n§rnich. 

Narr,  m.  Mach  di/:h  nicht  zum  Nar- 
ren, als  Zurechtweisung  an  den,  der 
die  Grenze  des  Hergebrachten  und 
Schicklichen  überschreitet.  Er  hat  einen 
rechten  Narren  an  ihm  gefressen,  ist 
ihm  in  blinder  Neigung  zugethan.  Hen- 
nig, 168.    S.  Sprw.  I,  2726  ff. 

narren,  sw.  1.  narren,  täuschen.  2. 
sich  narren,  lieben,  auf  Freiers  Fufzen 
gehen.  Ameng  (am  Ende,  vielleicht) 
krige  wir  bald  Hochzeit  ins  Dorfj  Seile 
Tochter  nanii  soch  all  lang  möt  Schä- 
fers Atcgust  0ns  Herr  geht  auf  die 
Frei,  er  narrt  sich  all  seit  zejahr  (vori- 
gem Jahr).     Saalfeld. 

Narrenkolben,  m,,  breitblättriges  Kol- 
benrohr,   Typlia  latifolia  L.    Hagen, 

944.    S.  Duderkeule. 
Narrenzeug,  pltd.  Narrettg,  Narrentäg, 

n.,  dummes,  albernes  Zeug,  närrische 
Streiche.     Vgl.  Schose. 

Närsch,  Narsch  (a  ^^  ä),  Nörsch,  Närsch, 
Närs,  m,  1.  Arsch,  Podex.  Die  reiche 
Anwendung  des  Wortes  in  Sprichwort 
und  Redensart  s.  Sprw.  I,  118  ff.;  H, 
119  ff.  Vgl.  Marsch.  2.  Öhr  der  Na- 
del. 

narsch,  adj.  1.  närrisch,  komisch.  Ein 
narscher  Kerl.  Wollen  wi  noch  eenmal 
dat  narrsche  Wiefstock  de  Hurtig,  to 
em  schicken.     Dorr,  1.  Wiew.,  73.    2. 


nett,  niedlich,  lieblich.  Ein  narsc/ies 
Kind,  ein  niedliches,  liebliches  Kind. 
Dat  let  (lielz)  ehr  recht  narsch,  sah 
niedlich  aus,  kleidete  lieblich.  Ebenso : 
Dat  ÖS  narsch  —  ös  e  narscliet  Ding 
(Kind),  Nach  Gortzitza  auch  närrsch. 
Vgl.  pQdeinarsch. 

närschen,  sw.y  von  Narsch,  mit  dem 
A.  rühren,  sich  rühren,  thätig  sein. 
Man  mot  narsche,  wenn  man  vorwärts 

woll    herumnArschen,  unruhig  sitzen. 

Narzafz,  s.  Marschrat 

na§cheln,  sw.,  na§chh'g,  adj.,  s.  nu§chein. 

Naschwerk,  n,,  Süfzigkeiten,  Konfekt. 
Bring*  den  Kindern  etwas  Naschwerk 
mit. 

Nase,  /.,  Fischn.,  Chondrostoma  nasus 
L.  Im  Yolksmunde  Näsling,  tti.,  Quer- 
maui,  Erdfisch,  Schwarzbauch,  bei  Heils- 
berg Äsche;  mas.  nos.   Benecke,  142. 

Nasedrippche(n),  pltd.  NäsedrOppke,  n., 

das  Tröpfchen  an  der  Nase.  Volksr., 
32,  122.     Sperber,  22. 

Nasenbaum,  Nasenkneiferbaum,  m.,  s. 
Brilienbaum. 
NasendrUcker,  pltd.  NäsedrOcker,  m., 

einfacher  Brettersarg  mit  glattem 
Deckel,  der  recht  oft  die  Nase  der  Leiche 
drücken  mag.  Auch  Nasenquetscher,  in 
Bayern  auch  Nasenpatsclier,  Seh  mel- 
ier II,  706.  .Hennig,  168.  Vgl.  Not- 
sarg. 

Nasenfärber,  Pflzn.,  Feuerlilie,  Ldlium 
bulhiferum  L.  Weichseldelta.  T  r  e  i  c  h  e  1 , 
Volksth.  III. 

Nasenkiemmer,  m,,  Brille  ohne  Sche- 
ren (Flügel),  die  man  auf  die  Nase 
klemmt,  Pincenez.  Nach  Mühling 
auch  Nasenquetscher. 

Nasenpopel,  m.,  verdickter  Schleim  im 
Innern  der  Nase,  den  man  durch  pSpeln 
(s.  d.)  herausfingert;  auch  bloiz  Pöpel. 
Nasenpopel  auch  zur  Bezeichnung  von 
etwas  Wertlosem.    Um  Nasenpopel  spie- 


Nasenqnetsclier  —  Natterzagel. 


91 


few,  um  nichts,  nur  des  Vergnügens 
wegen,  spielen.  Treichel.  Sperber, 
23.  25. 

Nasenquetscher,  m.,  s.  NasendrUcker  u 
-klemmer. 

nflsheberig,  pltd  näshiwerig,  adj,,  hoch- 
mutig, stolz.  Aus  Nase  und  heben  zu- 
sammengesetzt. 

Näskekntperböm,  7n.,  s.  Briilenbaum. 

näsiang,  pltd.  näslang,  adv.^  von  der 
Länge  einer  Nase,  z.  Bezeichnung  eines 
mehr  oder  minder  längeren  Zeitraums. 
AUe  ndslang  ist  er  da.  Alle  ndslang 
raucht  er  einen  Zug, 

Näsling,  ^.,  Fisclm.,  s.  Nase, 
nassauern,   sw.^    auf  anderer    Leute 
Kosten  leben.     Studentisch. 
Nästuch,   pltd.   Näsedök,   Näsdök,  n, 

Taschentuch,  Schnupftuch.  Hennig, 
168. 

nafZy  adv.  für  najz^  vor  najz  =  für 
umsonst,  frei.  Er  geht  heute  vor  nafz 
ins  Theater.    Treichel.  Vgl.  nassauern. 

nafzkait,  pltd.  nattkölt,  adj.^  vom  Wet- 
ter bei  kaltem  Regen  und  schlaggigem 
Schnee. 

natänisch,  adj.^  eigennützig,  habsüch- 
tig. Mühling.  Ebenso  im  Holstcin- 
schen,  auch  neidisch,  hinterhältisch. 
NachRichey,  172,  von  nateehn^  nach 
sich  ziehen.  Schütze  III,  135.  In 
Pommern  natdgsch.     Dähn.,  324b. 

natansch,  natangsch,  adj\^  natangisch, 
aus  Natangen  '(s-  Abkürzungen  in  I). 
Ein  natanscher  Bauer, 

Nate,  Dem.  Natchen^  w.  Vorn.,  Re- 
nate. 

Nfttely  /.,  Nadel.  Ich  sitze  wie  auf 
NatelUy  habe  dringende  Geschäfte  und 
mufz  wider  Willen  sitzen.  Das  ist  mit 
dei*  hei/zen  Natel  genäht^  wenn  ein 
Kleidungsstück  in  den  Nähten  schnell 
trennt.     Op  Natie  sitten  on  e  Ptp  To- 


hak  rohen,  Elbinger  Ndrg.  Hennig, 
168. 

Nation,  /.,  Schimpfwort:  Gesindel, 
Pack.  Auch  Nationszeug.  Es  ist  eine 
rechte  Nation  —  ein  rechte  Natüms' 
zeug.  On  weil  das  Nationszeig  docht^ 
der  jingsten  Schwester  was  zem  Possen 
ze  thun^  da  nammen  se  de  Hex  gutt  of. 
Schaltj.  3,  11.  Auch  adjektivisch  na- 
tionsch:  nationsche  Erat!  Sprw.  I,  2762. 
Sperber,  44.     Vgl.  Gesipp. 

Nätkias,  7t.,  Klas^  Nikolaus,  der  Nät^ 
Nüsse,  trägt,  der  Weihnachtsmann,  heil. 
Christ;  auch  Nikolaus.  Westpr.  Denn 
drecht  h£  Huckepack  'non  groten  Sack 
voll  Woar,  De  Nät  Kloas  heft  et  schwoar. 
Dorr,  43.    Vgl.  Nickel. 

Nätier,  m.  1.  Nadler.  Die  Neteler  zu 
Lübeck  haben  ihre  Statuten  v.  Jahre 
1356.  In  Danzig  die  Nätlergasse. 
Forste  mann,  Strafzn.  2.  kleiner  Krä- 
mer, Hakenbüdner.  In  gleichen  Be- 
deutungen auch  in  Pommern.  Dähn., 
321  b. 

Nätschy  m.y  Pflzn.,  steifes  Borsten- 
gras, Nardus  stricta  L,;  auch  WoK. 
Hagen,  62.  Ibid.,  981:  spitzkantige 
Segge,  Carex  acuta  L. 

Natterknotchen,  n.,  Pflzn.,  Wiesen- 
knöterich, Polygonum bistorta L.  Müh- 
ling. Nach  Hagen,  422,  NatterknOte- 
rich. 

Nattermiich,    pltd.   Nattermelk,    nach 

Pritzel,  368,  in  Ostpr.  auch  Netter- 
milich,  /.,  Pflzn.,  niedrige  Schwarzwurz, 
Scorzonera  humilis  L.  Auch  Schlan- 
genmord.   Hagen,  800. 

Natterwendel,  m.,  vielleicht  verderbt 
aus  Nackenwender ^  Wendehals,  Jynx 
torquiUa.    S.  Drehhals, 

Natterzagel,  Pflzn.,  gemeine  Natter- 
zunge, Ophioglossum  vulgatum  L.  Hen- 
nig, 168. 


92 


Natiirfagot  —  Nege. 


Naturfagoty  n.    Er  blast  Natur fagott^ 
entläfzt  hörbare  Winde. 
Natzchen,  pltd.  Natzke,  n.,  Tröpfcheu, 

Neige,  kleiner  Rest,  ein  weniges  von 
einer  Flüssigkeit.  Es  ist  nur  noch  ein 
Natzchen  im  Glase,  Ncme  se  noch  e 
Natzke  Kaffee;  beim  Nötigen. 

naUy  adv.^  gekürztes  genau.  Nau  be- 
dingen on  richtig  betdien.  Gr.  Werder. 
Nau  namen  (genau  genommen)  best  du 
mien  Bedeenter,  Dorr,  1.  Wiew.,  15. 
Auch  im  Dem.  naukes,  As  ek  mi  dat 
ganz  naukes  bekickt  hadd.  Dorr,  Driew- 

Nauds,  n.,  Gutes.  An  dem  Menschen 
ist  nichts  Naudsj  nichts  Gutes.  Lit. 
navdä  Nutzen,  Gewinn.  Das  s  an 
Nauds  ist  wohl  deutsche  Neutral- 
endung. Hennig,  332  Nsslm.  Forsch. 
3;  TL,  110. 

nauen,  sw.^  s.  v.  a.  knauen  (s.  d.); 
auch  beengen  etc.  gleich  benau£n  (s.  d.). 
Hennig,  168. 

naunehmend,  od"/.,  s.  genaunehmend. 

näweddrig,  adj.,  s.  nfiweddrig. 

Näwer,  m,,  näwem,  sw.y  Näwersche,  /., 
s.  Näher,  nähern,  Näherin. 

Näwger,  m.,  s.  Nähger. 

näzOckschy  adj.^  nachtragend;  aus 
Zock  =  Tock  TQcke  und  nd  nach.  Er 
ist  sehr  ndzöcksch.  Elbing.  De  ältste 
war  ser  häfzlich  on  von  schlechtem  Oe- 
mitt,  se  war  nahzöcksch.    Schalt).  3,  6. 

n§y  adv.y  nein,  in  Westpr.  noch  mit 
voraufgehendem  Dem.  neche  ne.  Es 
vondag  (heute)  keene  Schoolf  Neeche 
nee!  Dorr,  1.  Wiew.,  88.  Neke  ne, 
Herr  Präger  (Prediger),  awerscht  doch! 

nehhig,  adv,,  jüd.-deutsch,  Ausdruck 
des  Bedauerns,  der  Teilnahme,  Wunsch; 
entstanden  aus  dem  deutschen  nie  bei 
euch.  Eine  Herieitung  aus  dem  He- 
bräischen ist  nicht  festgestellt.  Ich 
hab\  nebbig  (sie  sei  nie  bei  euch,  treffe 


euch  nie!)  eine  schwere  Krankheit  ge- 
habt.     S.  Sprw.  I,  2763. 

Nehel;  pltd.  Näwel,  m.,  litauischer, 
scherzhafte  Bezeichnung  für  einen  all- 
gemeinen Landregen. 

Neheneisen,  n.,  s.  Zoch. 

Nehenpferdy  pltd.  N§weperd,  n.,  Hand- 
pferd, Pferd,  das  neben  dem  Sattelpferde 
geht.     Mühling. 

Nehenverdienst,  m.,  Nebendienst,  durch 
den  man  neben  seiner  Hauptbeschäfti- 
gung noch  etwas  verdient,  gewinnt,  er- 
arbeitet. 

Nlhiger,  m.,  s.  Nähger. 

nlche,   adv.,    Dem.   von    nr   (s.  d.). 
Saalfeld. 
Neckel,  m.  u.  n.,  s.  Nickel, 
necksch,  adj.,  s.  nicksch. 

nedden,  adv,,  unten,  niederwärts,  dal- 
warts.  Dzg.  Nhg.  Violöt,  102.  Dat 
Is  funk  nedden  an  to  goanen.  Dorr, 
19.  In  der  Heiisberger  Gegend  nedda. 
Ahd.  nidana,  mhd.  niden,  alts.  nithana, 
ags.  neodhan,  altnord.  nedhan.  Schade, 
648b.  In  Bayern  niden,  Schm el- 
ler II,  681.  Im  Bremischen,  Holstein- 
schen,  in  Pommern  nedden.  Brem.  Wb. 
in,  227.  Schützern,  138.  Dähn., 
325  b. 

nedder,  adv.,  nieder.  Nedder  mot  em! 
Fru  Medder,  sett  jü  nedder.  Volksr., 
60,  230.  In  Bayern  nider.  Sc  hm  el- 
ler H,  681. 

Nedd'ning,  /.,  s.  Niederung. 

Nedd'runger,  m.,  s.  Niedeninger. 

Neden,  plur.,  Netz  als  Kopfputz  für 
Frauen,  alts.  netti.  Hauben,  Koller, 
Meder,  Hembd,  Krencken,  Neden  u.  a. 
Hofart  Stein,  Peregrinus  XHI,  86. 
W.  Mtsbl.  VI,  159.  S.  Mnd.  Wb.  HI, 
180a. 

N§ge,  /.,  Dem.  Negchen,  Negerchen, 
Neige,  Rest,  besonders  von  Nahrungs- 
mitteln.     Et  geit  op    de   Neg\      Das 


n^edrahtsch  —  Nehrung. 


93 


Nehgchen  wül  ich  noch  venüfzen,  Soph. 
R  "VI,  317.  Im  Schwäbischen  Neigele^ 
in  der  Oberlaas.  NegeL  Birlinger, 
351a.    Anton  2,  13. 

nfigedrahtsch,  adj*,  neandrähtig;  über- 
tragen: schlau,  auf  den  eigenen  Vor- 
teil bedacht.  Schemionek,  26.  Vgl. 
dreihärig. 

nlgeklök,  adj.^  s.  neunklug. 

n6ge(n)y  sw,  1.  nähen.  Du  {Pochke- 
droht)  y  Du  negst  so  manche  fahche 
Naht.  Volks!.,  25,  16,  2.  Im  Bremi- 
sehen  naien^  neien^  im  Göttingenschen 
nejen,  neieuj  holl.  naaijen.  Der  Stamm 
ist  das  keltische  neu,  neut  Faden.  Brem. 
Wb.  III,  214.  229.  Schamb.,  144a. 
2.  neigen,  ein  Gefäfz  beim  Trinken  etc. 

NSge(n)Ogy  n.,  Neunauge,  s.  Pricke. 

negem,  adv,  Sagetj  da/z  sie  dero  Ur- 
sachen  halber  auf  sie  bekannt^  dafz  sie 
konnte  zanzlen^  fveil  sie  am  negem^  wie 
ein  Edelmann  aUhder  begraben  worden. 
Eonitzer  Hexenproz.  v.  J.  1623.  Pr. 
Prov.-Bl.  n,  117. 

NeguSy  m.,  Wein  mit  heilzem  Wasser 
und  Zucker,  genannt  nach  einem  eng- 
lischen General.     Sallmann,  126b. 

nehmen,  st  Einen  nehmen ^  einen 
Schnaps  trinken. 

Nehmerche,  pltd.   N§merke,  m.^  der 

Nehmende,  im  Gegensatz  zu  Geberche 
(s.  d.). 

Nehrung,  /.,  durch  wechselnde  Schrei- 
bungen Neringa^  Neringia^  Nerigia^ 
Nergia^  Neria^  Nergie^  Nerige^  Nerge, 
Nergyay  Nerie^  Nerga^  im  Volksmunde 
Nehring,  Neddening,  Name  der  langge- 
streckten Halbinseln,  welche  die  Ost- 
see vom  frischen  und  kurischen  Haff 
trennen,  daher  frische  und  kurische 
Nehrung,  Bei  Jeroschin:  man  sach 
ztn  wol  achthundtrt  man  von  Ldttouwin 
durch  ir  erge  vhir  d'  kurische  Nerge. 
120d.     er  buite  ungespart  uf  der  kwr- 


schin  Nerge  vart  einre  vestin  bürge  clüs. 
Pfeiffer,  201.  Die  ursprüngliche  Form 
ist  wahrscheinlich  Nerie^  Neria.  Das 
Wort  wird  neuerdings  (Nsslm.,  Forsch. 
2;  Th.,  111)  ausschlielzlich  von  der 
Wurzel  des  lit.  neriü^  n^rti  tauchen, 
untertauchen,  isz-nh'ti,  issi-^nerti  hervor- 
tauchen, abgeleitet;  darnach  wäre  Ne- 
ria^ Nergia  soviel  wie  das  abwechselnd 
Auf-  und  Niedertauchende,  das  ver- 
änderliche Land,  welches,  wie  ein 
Schwimmer,  bald  über  dem  Wasser 
sichtbar,  bald  unter  demselben  ver- 
schwunden ist.  Das  Verdienst  die  Be- 
deutung des  Wortes  iVi?ArM7i^  als  „Tauch- 
land^,  als  ein  durch  flache  Landforma- 
tionen unterbrochenes  Gewässer,  gegen- 
teils  als  ein  der  Zerschneidung  und 
teilweisen  Uberdeckung  durch  Wasser 
unterworfenes  Land,  zuerst  dargethan 
zu  haben,  gebührt  F.  Neumann.  Vgl. 
dessen  gründliche  Abhandlung  über 
den  Namen  Nehrung  in  den  N.  Pr. 
Prov.-Bl.  a.  F.  VI,  385  ff.  (falsch  pagi- 
niert: S.  370 — 382).  Als  Ausgangs- 
punkt seiner  sprachvergleichenden  Un- 
tersuchung bietet  sich  ihm  das  sanskr. 
ndra  Wasser  dar,  dem  sich  zunächst 
gr.  vaqog  nafz,  feucht,  vriQoc  fliefzend, 
neugr.  vi^qov  Wasser  anschlielzen ;  doch 
fehlen  in  seiner  reichen  Zusammen- 
stellung von  Namen  auch  die  lit.  naras^ 
narunaSy  neras  Taucher,  nh'ti  tauchen, 
und  die  slavischen  gleichbedeutenden 
Wörter  nicht:  poln.  norek,  nurek^  russ. 
nuirok^  böhm.  norek,  nurek^  norzec 
Taucher,  als  Person  und  als  Vogel; 
lett.  nirra  Taucher  oder  Wasserhuhn; 
russ.  nuirjaf^  nuimut\  serb.  noriti  sich 
untertanchen;  dass.  lit.  nardytiy  poln. 
nurzac^  nurzyc  etc.  —  Durch  diese 
gründlichen  Feststellungen  sind  die  äl- 
teren Erklärungen  des  Wortes  Nehrung 
antiquiert.     Sie  sollen    hier    der  Voll- 


94 


NehniDger  —  Neschintinnis. 


ständigkeit  wegen  dennoch  aufgeführt 
werden.  Nehrung  wird  (Voigt,  Gesch. 
Preufz.  V,  190)  für  ein  altpreaiiz.  Wort 
gehalten,  so  dafz  neriga  Zeme  soviel 
bedeuten  soll,  als  ausgewühltes,  von 
den  Meereswellen  aufgeworfenes  Land, 
und  daher  Nering  oder  Nehring  ge- 
schrieben ;  oder  es  wird  für  eine  deutsche 
Bezeichnung  angesehen.  Als  solche 
leiten  es  die  Einen  ab  von  ner^  d.  i. 
zusammeogezogen  das  Wort  nieder^  nd. 
neddefi*  und  von  inge^  ingen  Erde,  Land 
(wie  Groningen  =  Grönland,  Bingen  = 
Inland),  und  schreiben  es  Neddering^ 
Nering  =  Niederung  (Wedicke,  Be- 
merkungen auf  einer  Reise  durch  einen 
Theil  Preufzens),  oder  von  ner  und 
der  Nachsilbe  ing  =  ung.  Andere  wol- 
len den  Stamm  des  Wortes  im  deut- 
schen nähern  (nahe  kommen)  finden, 
ui^d  den  Namen  Nahrungen  =  An- 
näherungen als  eine  passende  Bezeich- 
nung für  Gegenden  ansehen,  welche 
nur  durch  eine  schmale  Landzunge  die 
Vereinigung  zweier  grolzen  Gewässer 
verhindern  und  bei  abnehmender  Breite 
das  wechselseitige  Nähertreten  der- 
selben befördern.  (Pr.  Prov.-Bl.  V, 
121.  Preufz,  Pr.  Land.-  u.  Volksk^ 
10.)  Hennig,  166,  teilt  noch  die  von 
Bock  (Vom  preuizischen  Bernstein, 
S.  78)  gegebene  Ableitung  von  Nehr 
rung  mit;  er  meint:  „diese  Erdstriche 
wären  ehemals  Sandbänke  gewesen, 
hätten  sich  aber  nachher  über  die 
Fluth  erhoben  und  einigen  Einwohnern 
durch  den  neuen  Land-  und  Ackerbau 
Nahrung  geliefert."  Über  die  frische 
Nehrung  vgl.  noch:  M.  Toppen,  Die 
frische  Nehrung.  N.  Pr.  Prov.-Bl.  a.  F.  I, 
81ff.  Passarge,  336.  Viol^t,  Ne- 
ringia,  über  die  kurische  Nehrung:  L. 
Passarge,  Die  kurische  Nehrung.  Zu- 


stände   und   Wandelungen.    Altpr.  M. 
VIII,  20  ff.     Passarge,  Balt,  94. 

Nehninger,  m.,  Bewohner  der  Neh- 
rung. 

nei,  ado.j  nein ;  auch  w^,  nä  (s.  d.). 

neien,  sir.,  wiehern.  Engl,  to  neigh\ 
im  Holsteinschen  neitern.  Seh  ütze  III, 
144. 

neineiy  in  der  Kleinkinder-  u.  Idioten- 
sprache =  schlafen.  Dritter  Jahres- 
bericht der  Idioten- Anstalt  zu  Rasten- 
burg, 1872.    S.  29. 

nein  noch,  nei  noch,  adv,^  noch  nichts 
lit.  dar  ne.  Man  hört  auf  die  Frage: 
Bist  du  schon  dagewesen?  die  Ant- 
wort:   Nein  noch.    Hennig,  333. 

N§i,  w.  Vom.,  s.  NAf. 

Neikenschmele,  /.,  Pflzn.,  nelkenblättri- 
ger Hafer,  Avena  caryophyüea  Web. 
Hagen,  83. 

neppen,  sw.^  s.  nippen. 

-ner,  Piuralendung:  EnStiicknerfünf, 
En  Tagner  acht    En  Wochnei*  sec/is. 

nfire,  n§rens,  adv.y  nirgend^  nirgends. 
Oberland.    Ermland.    S.  nfirnich. 

nörgeln,  sw,y  s.  närgeln. 

nerken,  sw,^  necken.  Schemionek, 
26. 

n§mich,  n§ming,  narmich,  adv.^  nir- 
gend, nimmer,  niemals.  In  der  Dzg. 
Nhg.  namich.  Hastig  gesp6t^  ös  nemig 
—  neming  got,  Sprw.  I,  1497.  Ml 
wer  ruLrnich  to,  mir  war  nirgend  wohl, 
recht  behaglich.  Dzg.  Nhg.  Viol^t, 
195.  Dat  fr§8chret  Green  man  narr- 
nich  mehr  kann  sehnen.  Dorr,  1.  Wiew., 
121. 

nerr,  (r  lang  ausgehalten).  Ruf,  mit 
dem  bissige  Hunde  gereizt  werden. 

Neschintinnis,  /.,  Wadegarn  von  un- 
gleicher Flugellänge  (der  kürzere  Flü- 
gel heifzt  Krastegallis,  /.,  der  längere 
Gelissesi/aUis,  /.,  zum  Fischfang  in  den 


N^schken  —  Neuesorge. 


95 


schnell  strömenden  Aasflüssen  der  Me- 
mel,  namentlich  im  Athmath-  und  Skir- 
wiethstrom.  Beschreibung  und  Abbil- 
dung in  Benecke,  350 f. 

Ntochken,  Ntochkes,  plui\  nichtswerte 
Neigen,  dürftige  Überreste;  zusammen- 
hangend mit  nr  und  mischt  Er  ifzt 
immer  das  Beste,  uns  giebt  er  die  Neschr 
kes.    Treichel. 

Nesselfeuer,  pltd.  NetteKUer,  n.,  Nessel- 
fieber, wobei  stark  gerötete  Erhöhun- 
gen auf  der  Haut  hervortreten,  als  ob 
sie  mit  Nesseln  gebrannt  wäre.  Hen- 
nig, 169. 

Nesselhopfen,  m.,  gemeiner  Hopfen, 
Ilumulus  lupulus  L,  mos.  Hagen, 
1040.  Vgl.  Fimmelhopfen  unter  Fim- 
mel. Nach  Pritzel,  185,  in  Ostpr. 
auch  Hopfenkuhn. 

Nesselkönig,  m.,  Zaunkönig,  Troghdytes 
parvulus.  Bujack,  373.  Mühling, 
Tiem.,  175. 

Nesselranken,  plur.,  Pfizn.,  gemeine 
Flach sseide,  Cuscuta  europaea  L.  Ha- 
gen, 180. 

Nesteling,  NesUing,  m.,  Fischn.,  Ucke- 

lei,  Albumus  lucidus  Heck,  Mühling, 
Tiem.,  175.     S.  Ickelei. 

Nester,  m,y  der  Nister,  Nistende.  Bei- 
name für  den  Storcht  Hadebär,  du 
Nester,  bring"  mt  e  junge  Schtcester! 
Volksr.,  50,  191.     Rochholz,  87.    S. 

Röder  u.  Steiner. 

Nesterpflanziingen,  plur,,  die  Anpflan- 
zungen von  Weidengesträuch  zur  Be- 
festigung des  Vorlandes  (s.  d.)  der 
Weichsel;  sie  bestehen  aus  kleinen  im 
Kreise  gesteckten  Ruten  (den  Nestern), 
welche  meist  schon  nach  wenigen  Jah- 
ren ein  dichtes  Gestrüpp  bilden  und 
das  Material  zu  den  Faschinen  liefern, 
durch  deren  Legung  man  ein  Abspülen 
und  Unterwaschen  des  Ufers  oder  Vor- 
landes zu  verhindern  sucht.  Passarg«, 


188;  Balt,  101.  Preufz,  Pr.  Land.- 
u.  Volksk.,  25. 

Nestkelchel,  pltd.  NestkTkel,  Nestkuck- 
chen,  NestkUken,  auch  Nesthäckchen  und 

Nesthuck,  n,  1.  das  letzte  u.  schwächste 
Küchlein.  Oho!  warm  (sitzen)  loie  ein 
Nestküken.  Soph.  R.  VI,  557.  2.  das 
jüngste  Kind.  3.  ein  schwächlicher,  ver- 
weichlichter Mensch;  daher  auch  ein 
verzärteltes  Kind.  Er  ist  ein  Nest- 
keichel.  Er  ist  ein  rechtes  Nesikuckchen, 
Hennig,  169.  Sprw.  I,  2772.  Vgl. 
Keichel. 

Nestling,  m,,  s.  Nesteling. 

N6t,  w.  Vorn.,  s.  Agnfit 

nett,  adj,  u.  adv.  1.  gut,  lieb.  Bjin 
netter  Mensch;  aber  auch  ironisch  in 
gegenteiliger  Meinung.  2.  sicher.  Etwas 
nett  verwahren,  so,  dafz  man  es  selbst 
schwer,  der  Fremde  gar  nicht  zu  fin- 
den vermag. 

Nettermilich,  Pflzn.,  s  Nattermilch. 

Neubruch,  m.  u.  n,,  der  neugebrochene 
Boden,  die  gerodete,  urbar  gemachte 
Palwe  (s.  d.).     Vgl.  Rode. 

Neuesorge,  /.,  früherer  Name  der  Kö- 
nigsstral'ze  zu  Königsberg,  welche  auch 
die  Gumbinnschc  Straize  hiei'z.  Die 
Neuesorge  ist  erst  zu  Anfang  des 
17.  Jahrhunderts  zu  bebauen  angefan- 
gen. Nach  dem  Erl.  Pr.  I,  547,  hat 
sie  ihren  Namen  daher  erhalten,  „weil 
Bogislaus  Itadzivil,  Statthalter  in  Preufz., 
zu  dessen  Zeiten  sie  bebaut  worden, 
auf  die  Frage,  wie  die  Straize  heü'zen 
sollte,  geantwortet  haben  soll:  Aber- 
mals neue  Sorge,  bei  welchem  Na- 
men es  denn  auch  nachgehends  ge- 
blieben". Hennig,  169.  Faber,  119, 
erklärt,  dafz  die  Benennung  Neuesorge 
älter  als  die  Anstellung  des  Fürsten 
Kadzivil  als  Statthalter;  ebenso  werde 
die  Annahme  anderer,  daiz  ein  Flüiz- 
chen,  die  Sorge,  sich  daselbst  ergossen, 


96 


Neuhaaser  —  Neuteich. 


durch  Akten,  Urkunden  oder  Abrissö 
nicht  bestätigt. 

Neuhäuser,  See-Badeort  auf  der  Pil- 
lauer  Halbinsel,  in  der  Nähe  von  Pillau. 
Der  Name  ist  aus  „neue  Häuser**  ge- 
bildet. 

Neujahr,  pltd.  NUejar  (a  =  a),  n.,  Dem. 
Nüejärke.  Hei  os  munter  tote  e  Nüe- 
järke.    Sprw.  H,  1892. 

Neujahrgreifen,  n.,  s.  GlUckgreifen. 

Neujahrsbocky  m.,  eine  maskierte  Per- 
son, welche  am  Sylvesterabende  von 
Haus  zu  Haus  geht  zum  Schrecken  und 
Jubel  von  jung  und  alt.  Das  Haupt- 
requisit der  Maske  ist  gewöhnlich  ein 
umgekehrter  Schafspelz. 

Neujahrsheiigenabendy  pltd.  NUejars- 
höligeawendy  m.^  Sylvesterabend.  An 
diesem  Abend  herrschen  mancherlei 
früher  abergläubische  Gebräuche,  die 
jetzt  vielfach  nur  den  Charakter  der 
Belustigung  tragen.  Diese,  an  betreffen- 
der Stelle  abgehandelt,  sind  folgende: 
Olückgreifen^  Zinngie/zen;  ScfUorrchen- 
schmei/zen ;  LicfUchemchwemmen ;  Haber- 
schwemmen; Rosemociyagen,  Weitere 
Gebräuche,  deren  Anfuhrung  aufzer 
den  Grenzen  dieses  Buches  liegt,  s. 
Volkskal.,  31—57.  Über  die  Feier  des 
Abends  im  Natangenschen  s.  Boldt, 
16  f. 

Neunaugenreuse,  /.,  Reuse  zum  Fang 
der  Neunaugen.  Beschreibung  u  Ab- 
bildung in  Benecke,  397 f.     S.  auch 

Aalreuse. 

Neunaugensacky  9n.,Sacknetz  zum  Fange 
der  Neunaugen.     S.  Wenter. 

Neunaugenwarte,  /.,  Warte  (s.  d.)  zum 
Fange  der  Neunaugen.  S.  Benecke, 
388. 

Neunerlei  Blumen,  —  Kraut,  s.  Kraut 

—  GewUrz,  Medik.,  Tragea  aromaUca. 
Pulvis  aromaticus.  Neunerlei  Gewürz^ 
wie  neunerlei  Kraut  wird   beim  Aus- 


treiben des  Viehes  unter  die  Stallthür- 
schwelle  gelegt-,  das  Vieh  ist  dann  ge- 
gen Behexen  geschützt 

Neunheil,  n,y  Pflzn.,  keulenförmiger 
Bärlapp,  Lycapodium  clavatum  L.  Ha- 
gen, 1084. 

neunklug,  adj.^  üblicher  pltd.  nfige- 
l(lök,  klug  wie  neun,  überklug,  altklug, 
gerieben,  pfiffig,  vorlaut.  Sprw.  1, 2777. 
Bei  Schemionek,  26:  neegenkluff. 
Davon 

Neunkluger,  pltd.  N§geldöl(er,  m.,  Pfiffi- 
kuS;  Schlauberger  etc. 

Neunkraft,  /*.,  Pflzn.,  gebräuchliche 
Pestwurz,  Petasites  offi/dnalis  Mnch, 
Ostpr.     Pritzel,  268. 

Neunmal  des  Teufels,  pltd.  nege  mal 

det  DtwelSy  Medik.,  Tinctura  Asa  foe- 
tida. 

Neunmannskraft-Tropfen,  plur.^    pltd. 

Negemannskraft  -  Droppe^s  ) ,  Medik., 
Tinctura  aromatica. 

Neunspitzen,  Pflzn.,  roter  Gänsefufz, 
Chenopodium  rubrum  L.   Hagen,  282. 

neuschtrig,  rein  pltd.  ntschtrig,  nUschtrig, 
adj,^  neugierig.  Ntschtrig  wie  e  Nacht- 
gäl.  Om  se  recht  niüschirig  to  meaken^ 
Bracht  he  eck  Breaden.  Dzg.  Nhg. 
Parad.,  46.  Ntschtrig  war  de  Moder 
drop,  Samland.  Firmenich  III,  498b. 
, .  .u  is  nigschtg^  efte  (ob  er)  nü  de 
Dikoel  seie  wdt  Konitz.  Ibid.,  637a. 
Davon:  der  Neuschtr'ge  und  die  Neu- 
SOhtrigkeiL  Vdl  Nieschiage  koame  noa 
Hus  an  hebbe  nuscht  geseene.  Boldt, 
12.  Hennig,  170.  ßrem.  Wb.  HI, 
240:  nijsgirig;  Dähn.,  329a:  nijlick; 
Schamb.,  145a:  ntferig;  Vilmar,  283, 
und  Anton,  10,  15:  neuschierig;  Dan- 
neil; nischirigy  nitschirig.  Sperber, 
23,  hat  noch  niglig. 

Neu-Stonupöhnen ,  Ortsn.,  s.  Stonu- 
pOhnen. 

Neuteicb,  pltd.  Nlledlk,  Ortsn.,  Stadt 


Neuzeugmacher  —  nichts. 


97 


im  grofz.  Werder.  Ön  Nüedtk  send  de 
arme  Lüed  nick  rik. 

Neuzeugmacher,  m.,  Yerfertiger  fran- 
zösischer (neuer)  Tuche.  Das  Neu- 
zeugmachei^gewerk  hat  1714  durch  den 
französischen  Fabrikanten  Neuville  sei- 
nen  Anfang  genommen.  Bock,  Nat. 
V,  409. 

nfiweddrig,  adj.  1.  widerhaarig^  wider- 
setzlich, widerstrebend,  widerspenstig, 
ungehorsam,  unliebenswurdig,  einer^  der 
wedder  on  wedder  ne  (wieder  und  wie- 
der nein)  sagt.    In  dieser  Bedeutung 

auch  nfiweddersch  und  n§wenderig.    2. 

verstimmt,  übel  gelaunt,  grämlich,  ver- 
driefzlich,  unzufrieden^  unlustig.  Dzg. 
W.Seidel,  32.  Dzg.  Nhg.  Oberland. 
Wer  noch  so  sehr  nowed^rich  es,  On- 
Toacklich  on  verstommt^  De  ward  glick 
froh^  dat  es  gewefz^  WennH  löwe  Fer- 
johr  kemmt,  Viol^t,  197.  So  best  ok 
du  (Napoleon)  bi  onsem  Glock  näwedd- 
rig  stets  gewese.  Dat  Danziger  Voll- 
blod.  Schemionek,  26:  neewiderig. 
Vgl.  Pierson,  A.  W.,  28,  wo  auf  gal. 
nuadarrach  hingewiesen  ist. 

Newody  nach  den  verschiedenen  Schrei- 
bungen noch  Newoty  Niwad^  Niioody 
Niwat,  Nywat,  Niewat^  Niewody  Nie- 
tooty  Nisat,  m.  Name  eines  Fischer- 
netzes, dessen  Gebrauch  bei  Verleihung 
von  Fischereigerechtigkeiten  häufig  un- 
tersagt wird.  Nach  Hennig,  171,  das 
grofiee  Wintergarn,  womit  in  Preufzen 
unter  dem  Eise  gefischt  wird;  nach 
Be necke,  360,  das  grofze  Wintergarn 
der  Binnengewässer,  masur.  niewod. 
Niewod  oder  grofze  Zuggame^  deren  et- 
liche 6,  6  bis  800  und  mehr  Klafter 
halten.  Pierson,  Matth.  Prätor.,  117. 
Bei  Hartknoch,  667,  Newot;  in  dem 
Privilegium  der  Stadt  Elbing  von  1248: 
Nu/oad.  Mon.  hdst  Warm.  I,  20.  In 
andern  Urkunden  Nywod.    Nach  Hen- 

PriMhbi«r,  Wörterbuch  U. 


nig  wird  das  Netz  in  Waifzels  pr. 
Hist.,  150,  Nisat  genannt;  in  einer  ge- 
schriebenen Chronik  steht  bei  demsel- 
ben Worte  am  Rande:  Nywod  heiCzt 
Liewad,  ist  ein  grofz  Wintergarn.  Man 
findet  es  auch  durch  Störgam  über- 
setzt, weil  damit  die  Störe  gefangen 
werden.  Pisanski,  De  lingua  Polo- 
nica  Jurisconsulto  Prusdco  utüissimay 
S.  4  u.  5.  Lit.  ist  newddas  das  groize 
Netz,  das  von  zwei  Kähnen  gezogen 
wird ;  russ.  nhvod^  poln.  niewod  ist  eben- 
falls das  groize  Zuggam,  die  Wathe. 
Nsslm.  Forsch.  2;  Th.  112.  Lit.  Aeq., 
20. 

nibbeln,  sw.^  s.  nippern. 

nibber,  adf,  emsig,  thätig,  hurtig. 
Dönh.     Samland. 

nibbern,  sw.<,  s.  nippem. 

Nibms,  m.,  Nashornkäfer,  Oryctesnar- 
sicomis,  lit.  nibras.  Mühling,  Ticm., 
175. 

nich,  adv.y  nicht.  Noch  nich.  2.  wohl, 
vielleicht,  etwa.  Kann  ich  nich(t)  mit- 
kommen? Kann  ich  nicht  für  3  Pfen- 
nig Zucker  kriegen? 

Nichtenschaft,  /.,  Verwandtschaft  im 
weitesten  Sinne  des  Wortes,  von  Nichte. 
Wt  sön  Nichte  tohop,  wir  sind  Nichten 
zusammen,  zur  Bezeichnung  einer  Ver- 
wandtschaft, die  sich  nicht  mehr  nach 
Graden  bestimmen  läfzt,  bei  Frauen 
sowohl,  als  auch  bei  Männern.  P as- 
sarge, 214. 

Nichts,  pltd.  Nuscht,  n.,  weifzes,  Me- 
dikament, Nihil  album^  Tutia  alba 
farinacea.  Die  bäuerischen  Hausmütter 
auf  der  EUnngischen  Hohe  bedienen  sich 
eines  rothgelblichen  Thons  anstatt  des 
weifzen  Nichts  bei  den  Kindern^  wenn 
dieselbige  umnd  sind.  Bock,  Nat.  II, 
69  f.    Auch  weifz  Augennichts. 

nichts.  Schweinkraut  fressen  die 
Schweine    icie   nichts   —    zu   ergänzen 

7 


98 


Nicke  —  Niederung. 


wäre:  anderes  gern  =  sehr  gem.   Saal- 
feld. 

Nicke,  NUcke,  /.,  plur,  Nicken  und 
fast  allein  gebräuclilich,  pltd.  NVcke, 
üble,  mürrische,  boshafte  Laune,  Mucke; 
Tücke,  Groll.  Er  hat  Nicken  loie  ein 
altes  Postpferd,  Sprw.  I,  2780.  Denn 
du  hast  auch  deine  Nucken.  Soph.  R. 
VI,  214  f.  Hermes  weist  auf  das  frz. 
petite  tete  hin.  Er  läfzt  nicht  von  sei^ 
nen  Nicken,  Einem  die  Nicken  aus- 
treiben —  vertreiben,  ihn  durchprügeln, 
ßichey,  175.  Brem.  Wb.  III,  251. 
Vilmar,  286.     Hennig,  172. 

Nickel,  Necke!,  m,  u.  n.,  leichtsinniges, 
feiles  Frauenzimmer.  Kommifznickel,  m,, 
Soldatenhure,  gemeines  Frauenzimmer 
überhaupt.  Zunächst  ist  Nickel  ein 
kleines  Pferd,  engl,  nag,  holL  negge, 
die  Bedeutung  Hure  würde  übertragen 
sein.  Vgl.  Brem.  Wb.  HI,  240.  Ade- 
lung ni,  489.  In  Pommern  Hure. 
Dähn.,  329b.  Als  wegwerfende  Be- 
zeichnung für  ein  Mädchen  bei  Her- 
mes: Was  der  Nikel  für  ein  ascendant 
Ober  die  alte  Frau  gehabt  hat?  Soph. 
R.  V,  569.  Bock,  37.  Hennig,  168. 
Bernd,  190.    Anton,  10,  15. 

Nickel,  Nitteklas,  woraus  Nätklas,  auch 
kurz  KIftS,  Klaus,  m.  Vom.,  Nikolaus. 
Hartwich,  54.     Vgl.  Nätklas. 

Nickelsruh,  /.,  Medik.,  s.  Nicklasruh. 

nickkVpfen,  pltd.  nOckkoppe(n),  sw,, 
mit  dem  Kopfe  nicken,  sitzend  schlum- 
mern. 

Nicklasruh,  Nickelsruh,  f,  Medik.,  Re- 
quies  Nicolai,  Schlaftränkchen ,  Ruh- 
pulver ,  Beruhigungssäftchen ,  Opium 
enthaltend.  Vgl.  Adelung  III,  480: 
Neunerlei,  Das  sagt  man  überally  da/z 
die  Wärterin  in  der  Doctarapotheke  am 
Ro/zgarten  eine  Dosis  Nikelsruh  geholt 
und  .  .  .  dem  sei  Kinde  ah  ein  Schlaf- 


tränkchen beigebracht  hat.    Soph.  R.  V, 
488  u.  486. 

Nicknelke,  /.,  Pflzn.,  nickender  Tau- 
benkropf, Silene  nutans  L,  Hagen, 
464. 

nicksch,  nllcksch,  pltd.  necksch,  nVcksch, 
adj,,  nickisch,  Init  Nicken  behaftet, 
eigensinnige  launisch,  heimtückisch.  Ue 
OS  necksch  as  Kungen  Kobbel,  de  wuü 
nich  Räwer  freten,  Sprw.  I,  2782. 
Hennig,  172.  Im  Bremischen  nuksk. 
Brem.  Wb.  LH,  251 ;  in  Pomm.  näcksch, 
nücksch,  Dähn.,  320a.  332a;  im  Götr 
tingenschen  nucksch,  nücksch.  Schamb., 
146b. 

Niedau,  Ortsn.,  Dorf  im  preuiz.  Wer- 
der. Ön  Niedau  steht  de  Ktwitt  ön  de 
Stäke,  to  März  Idte  se  em  herut.  Sprw.  I, 
2784. 

Niederholder,  m.,  Zwergholunder.  S. 
Ackerholunder. 

niederträchtig,  adj.  u.  adv.y  herab- 
lassend  gegen  Ärmere,  leutselig.  Dafs 
enmäl  en  niederträchtger  Herr,  ein  Herr, 
der  mit  dem  Mann  aus  dem  Volke 
wohlwollend  und  leutselig  verkehrt.  0 
wie  so  niederträchtig  kommst  du,  Herr 
Jesus  Christ,  Gesang buchlied.  Soph. 
R.  m,  27.  Ebenso  bei  Schütze  III, 
147.  Schamb.,  145a.  Vilmar,  283. 
Danneil,  147a.  Anton,  2,  14.  Mi, 
58  b.    Vgl.  gemein. 

Niederung,  pltd.  Nedd'rung,  /.,  das 
Marschland  des  Weichseldeltas,  wegen 
der  niedrigen  Lage,  der  geringen  Er- 
hebung über  den  Meeresspiegel;  auch 
Werder  (s.  d.).  In  entschiedenem  Ge- 
gensatze zur  Niederung  rücksichtlich 
der  Erhebung  wie  des  Ertrages  steht 
die  Höhe,  nach  den  beiden  Hauptorten 
der  Niederung  unterschieden  in  Dan- 
ziger  u.  Elbinger  Höhe.  Lewer  ön  de 
Neddrung  vasupe,  as  op  de  Hög  cadrege, 


NiederuDger  —  Nilling. 


99 


lieber  in  der  NiederuDg  —  bei  den  hin 
und  wieder  sich  ereignenden  Über- 
schwemmungen —  ertrinken,  als  auf 
der  Höhe  vertrocknen  —  Not  leiden 
vor  Dürre.  Lieber  in  der  Niederung 
versauf en^  als  auf  der  Hohe  verhungern. 
Sprw.  I,  2787.  Passarge,  238.  — 
Man  bildet  von  Höhe  das  Adjektiv  hö- 
llisch (s.  d.).  Das  Marschland  des  Del- 
tas der  Memel(Niemen)  heüzt  dieLdtaui' 
sehe  oder  Tilsiter  Niede^ning,  Vgl. 
Nehrung. 

Niedeninger,  Nedd'ninger,  m.,  Bewohner 
der  Niederung. 

niedlich,  adj,y  freundlich,  liebenswür- 
dig. Das  ist  niedlich!  also  wollen  Sie 
bei  der  Frau  E.  ein  gutes  Wort  sprechen? 
Soph.  R.  U,  286.  Aber  auch,  ironisch, 
das  Gegenteil.  Das  (^Unrecht)  soll  ich 
mir  gefallen  lassen?  Amw,  das  wäre 
niedlich! 

Nierenkalby  m.,  Fehlgeburt  beim  Rinde. 
Der  mit  nierenartigen  Eoioten  versehene 
Fruchthalter  kommt  umgestülpt  aus  der 
Scheide.  Das  nierenartige  Aussehen 
der  Geburt  hat  zu  dem  Namen  ge- 
führt.   Mühling. 

Niesekraut,  Nieskraut,  n.,  Pflzn.    1. 

Sumpfgarbe,  Achiüea  ptarmica  L,  2. 
Sumpfwurz,  Epipaciis  latifolia  L.  und 
Serapias  rubra  L.  Hagen^  899.  921. 
925. 

niesen,  sw,j  hin  und  wieder  mit  star- 
kem Particip  genossen.  Treichel.  be- 
niesen, 8w,y  bestätigen,  mit  Kopf^  Nase 
und  Hand,  welche  beim  Niesen  thätig. 
Er  hat  es  beniest^  folglich  mufz  es  wahr 
seiny  wenn  jemand  eine  unwahrschein- 
liche Sache  erzählt,  und  er  selbst  zu- 
fallig oder  ein  Zuhörer  boshaft  dazu 
niest.    Hennig,  170. 

Nieskraut,  n.,  s.  NiesekrauL 

niet-  und  nagelfest,  adf.^  das  fest  Ge- 
nietete und  Genagelte;  daher  in  Woh- 


nungen die  Immobilien.  Vor  dem  ist 
nichts  niet-  und  nagelfest.  Im  Bremi- 
schen need'  un  nagel-vast.  Brem.  Wb. 
III,  226.     Hennig,  171. 

Niewod,  m.,  s.  Newod. 

ntfen,  sw.^  der  eigentümliche  pfeifende 
Atemton  bei  verschnupfter  Nase.  Müh- 
ling. 

Niff,  NVff;  auch  Nui,  /.,  Nase.  Öck 
gdw  dt  ent  op  e  Nif  —  op  e  Nui.  Hei 
haud  mie  vor  de  Nöff^  dat  mie  de 
Schtoiem  anquam.  Carm.  nupt  I,  282. 
Angs.  nebb^  engl.  nt6,  dän.  nob,  holl. 
neb  Schnabel,  Nase;  im  Bremischen 
Nihbe.  Brem.  Wb.  III,  236.  M/is  da- 
selbst, 237,  eine  Naseweise;  in  Hamburg 
Nüffe^  Nase;  ebenso  im  Holsteinschen, 
in  Pommern.  Schütze  III,  155.  Dähn., 
331  b.    Vgl.  vemifflig. 

nTfrändsch,  adj,^  korrumpiert  von  neur 
fränkisch. 

niggelnagelneu,  od/.,  s.  nagelneu. 

ntglig,  adj.^  neugierig,  s.  neuschfrig. 

Nignag,  m.^  sehr  schmutziger  Mensch. 
Mühling. 

Nikolaiken,  Ortsn.,  Städtchen  in  Ma- 
suren,  im  Kr.  Sensburg,  das  sich  durch 
Fischfang  (Stinte)  auszeichnet.  Lokal- 
spott: In  Nikolaiken  liegt  ein  Stint- 
/lengst  an  der  Kette.  Mühling.  Sprw. 
I,  2789.    Vgl.  Arys. 

nlkomme,  adj.  De  niekomme  Zepter^ 
der  neu  angekommene  Lehrer.  Dzg. 
Nhg.     Violöt,  98. 

Nilk,  77).,  s.  Nilling. 

Nill(e),  /.,  auch  Niller,  m.,  penis. 
Ebenso  in  Posen,  in  der  Altmark. 
Bernd,  191.     Danneil,  147a. 

nillen,  sw.^  s.  nälen. 

Nilling,  m,^  nach  Treichel  auch  Nilk, 
Iltis.  Ebenso  in  Posen  und  Oberlaus. 
Bernd,  191.  Anton,  10,  16.  Bernd 
preist  für  die  Herleitung  auf  das  schwed. 

Uly   illerj   isl.    tUa,   iür   böse,    woraus 

7* 


100 


Nimm  —  oischt. 


iUingi'  lll-ing^  nebulo.  Dieselbe  Her- 
leitung  s.  auch  Brem.  Wb.  II,  695. 
Wirds  dich  denn  beifzen^  auffressen,  an- 
hauchen toie  ein  Nülling  oder  Wieself 
Soph.  R.  I,  374.    Vgl.  Duck. 

Nimm,  von  nehmen^  als  EigenDame. 
Er  ist  vom  Stamme  Nimm^  er  ist  ein 
Geistlicher.  Sprw.  I,  2790.  Von  einem 
Unverschämten  sagt  man:  Hei  ös  vom 
Stamm  Nömm,  sin  Vädei*  het  Drlst 
Kgsbg. 

Nimmerdaun,   pltd.    NSmmerdOn,   m., 

einer,  der  nimmer  daun  wird,  ein  Nim- 
mersatt.   Vgl.  dOn. 

nimmermehr  =  ganz  und  gar,  rein. 
Das  ist  nimmermehr  wie  Gold,  das  ist 
rein  wie  Gold.     Marold. 

Nimmermehrstag,  Nimmerstag,  m.,  Nim- 
mertag. Er  bezahltes  am  Nimmermehrs- 
tage, Mühling.  Auf  den  heiligen 
Nimm£rstag,    Mewe.     Vgl.  Pfingsten. 

Nimmerstill ,      Pflzn. ,      Pfennigkraut, 

Thlaspi;  auch  Schillinge,  Taschendieb. 

Saalfeld. 

ntp,  ebenso  pltd.,  aber  auch  nep, 
nepl(es,  adj.  1.  genau;  vom  Sehen  und 
Hören.  Er  kann  ntp  sehen  ^  scharf 
sehen  —  ntp  koren  ^  scharf  hören. 
Rohe  ma  neppkes  to,  Jerrentowitz. 
Volksr.,  87,  366.  2.  nahe.  Sieh  nicht 
so  ntp^  du  verdirbst  dir  die  Augen.  Ge- 
wöhnlich vermischen  sich  beide  Be- 
griflFe  beim  Sehen,  und  heifzt  ntp  sehen 
mit  Anstrengung  und  Aufinerksamkeit, 
genau  und  nahebei  mit  niedergebeug- 
tem Kopfe  sehen.  Ich  habe  mir  zwar 
den  Kerl  .  .  .  ni4;ht  so  nipp  angesehn. 
Soph.  R.  VI,  255.  Hermes  zieht  das 
frz.  fixer  qu£lqu^un  an.  Hennig,  176, 
weist  für  die  Ableitung  auf  das.niederl. 
nibben^  nipken  den  Schnabel  einstecken, 
uneigentlich  die  Nase,  das  Gesicht  nahe 
an  etwas  bringen,  was  diejenigen  thun, 
die  etwas  genau  besehen  wollen.    Im 


Bremischen,  in  Hamburg,  im  Holstein- 
schen,  in  Pommern  nipp,  nippe.  Brem. 
Wb.III,241.  Richey,  174.  Schütze 
III,  149.  Dahn.,  329b.  Danneil,  147a. 
Nippchen,  Nips,  n.,  ein  klein  wenig, 
ein  Neigchen,  ein  bifzchen,  ein  kleines 
Stück.     Ein  Nippchen  —  e  Nips  Brot. 

nippein,  sw.^  s.  nippern. 

nippen,  pltd.  neppen,   nSppe(n),  sw.. 

sitzend  schlummern,  wobei  der  Kopf 
oft  unfreiwillig  nippt  nickt;  auch  schlum- 
mern überhaupt.  Ich  toHl  noch  ein  bifz- 
chen nippen.  Bei  Jeroschin  nucken: 
nü  sul  wir  ht  vorzuckin,  dt  rede  Idzin 
nuckin  und  abir  her  tn  vUchtin  ein  teil 
von  den  geschichtin  39c.  Pfeiffer,  201. 
Mit  dem  Kopfe  nicken  heifzt  in  Bayern 
gnaupen,  bei  Tage  schlummern  nau- 
neln^  leicht  schlummern  nuren,  nurein, 
nafzen.  Schmeller,  699.  696.  704. 
683.  Birlinger,  348a.  Im  Göttin- 
genschen  ebenfalls  nippen  und  Nip,  m., 
ein  Schläfchen.  Schamb.,  145  b. 
Bock,  37.  Hennig,  169.  Davon  ab- 
nippen. 

nippern,  nibbern,  sw.^  nippen,  in  wie- 
derholten kleinen  Zügen  trinken.  Hen- 
nig, 172.  Auch  nibbeln  und  nippein. 
benibbeln,  sich^  sich  allmählich  benip- 
pen, betrinken.  In  Bayern  nipfen, 
nipfeln.  Schmeller  H,  700.  Ebenso 
in  der  Oberlaus.  Anton,  10,  16.  In 
Mecklbg.-Vorpom.  niwweln.  Mi,  59b. 
Vgl.  labbern. 

Nips,  n.,  s.  Nippchen. 

nirgeln,  sw,  s.  närgeln. 

NtS,  m.  Vom.,  Kürzung  von  Diony- 
sius.     Hart  wich,    54:     Nyfz.      Vgl. 

Tennis. 

Nisat,  m.,  s.  Newod. 

Nts-chen,  w.  Vorn.,  Dionysia.  llart- 
wich,  55.     S.  NtS. 

nischtrig,  adj..,  s.  neuschtrig. 
nischt,  nichts,  s.  nuscht 


Nistel  —  Norce. 


101 


Nistel,  /.,  Pflzn.,  Mistel;  Viscum  al- 
bum  L.    Vgl.  Mestel. 

Nttelchen,  Ntdelchen,  pltd.  Nttelke,  Nt- 
delke,  n.,  zur  Bezeichnung  eines  nied- 
lichen Mädchens.  Eck  sach  en  Nie- 
telcke  von  der  Dähr  wegschliecke.  Carm. 
nupt.  1,  282,  2.  S.  Fiamiedel  unter 
fix. 

nltsch,  adj.  u.  adv.^  eifrig,  tapfer.  Er 
haut  nitsch  drauf  los.  Stamm  ist  das 
ahd.  nidf  mhd.  ntt,  m.y  Anstrengung, 
Eifer;  feindseliger  Eifer,  Erbitterung, 
Unwillen^  Zorn,  Ingrimm.  S.  Schade, 
Wb.,  648  b. 

Nitteklas,  m.  Vom.,  s.  Nickel. 

nitten,  au?.,  netzen,  spritzen  und  zwar 
im  Strahle.  Kinder  nehmen  den  Mund 
voll  Wasser  und  nitten^  d.  i.  verspritzen 
es  durch  die  zugespitzten  Lippen  in 
weitem  Strahl.  Treichel.  Vgl.  schnirk- 
sen. 

ntwer,  adj.^  lustig,  munter,  freund- 
lich; artig,  niedlich.  Dönh.  Friedland 
Ostpr.  Verwandt  mit  ahd.  niwi^  niuio% 
mhd.  niwey  niuwe  neu,  frisch;  ohne 
Alter  und  Erfahrung;  sich  immer  wie- 
der erneuernd,  nie  veraltend.  S.  Schade, 
Wb.,  655  b. 

Niwod,  77).,  s.  Newod. 

Niwoll,  /.,  Not,  Elend;  von  dem  poln. 
nieißola  Zwang,  Not,  Knechtschaft. 
Sperber,  38. 

nix,  nixt,  unbestimmtes  substanti- 
visches Zahlpronomen,  nichts.  Was 
hast  du  dal  Nix.  Daraus  das  Dem. 
Niache,  das  Nichts-chen.  2ju  Mittag 
giebfs  ein  silbernes  Nixche  und  ein  gold- 
nes  Warteweilche.  Im  Holsteinschen 
ebenfalls  nix.  Schütze  UI,  149.  Vgl. 
nuscht 

Nixe,  /.,  kleine  Kugel,  mit  welcher 
die  Kinder   spielen.     Gedanism.    Vgl. 

Marmel, 
nixt,  s.  nix. 


Noacht,  Nagt  (oa  u.  a  =  a),  /.,  Flulzn., 
Nogat.  Dat  Is  ging  af  en  Noacht  on 
Haf,  Dorr,  41.  Twöschen  Wiessei  on 
Noacht  Titel  von  Dorrs  Plattdeut- 
schen Gedichten.  S.  die  Abkürzungen 
im  1.  Bande.  Über  die  Herleitung  des 
Namens  Nogat  vgl.  Neumann,  Die 
Namen  Nogat  und  Weichsel.  N.  Pr. 
Prov.-Bl.  a.  F.  VI,  411  ff.  S.  ebend. 
noch  Vn,  301  ff.,  VIII,  55  ff.  und 
Nsslm.,  Th.,  114. 

Noahkasten,  m.,  alte  Kutsche.  Müh- 
ling. 

Nobelskrug,  m.j  richtiger  wohl  Nobis- 
krug,  Schenke  oder  Wirtshaus  des 
Teufels,  Hölle.  Nach  Nobelskrug  rei- 
sen^ sterben.  Tilsit.  Sprw.  1, 115.  über 
Nobiskrug  vgl.  Grimm,  Deutsche 
Mythol.  II,  954.  Schwartz,  Der  heut. 
Volksglaube.  1862,  125.  Vilmar,  284. 
WeigandII,283.  Mnd.Wb.ni,  l90b. 
Korrespbl.  V,  28  f. 

Noche,  w.  jüd.  Vom.,  s.  Nache. 

nScksch,  adj.,  s.  nicksch. 

NSff,  /.,  s.  Niff. 

Nokb(w)er,  m.,  nokb(w)ern,  sw.,  Nok- 
b(w;ersche,  /.,  s.  Näber,  nftbern,  Nftberin. 

Nonne,  /.  1.  eine  verschnittene  Sau. 
2.  wahrscheinlich  die  Eisente,  Anas 
glacialis.  Mühling,  Tiem.,  175.  3. 
eine  Art  tief  gehöhlter^  schmaler  Dach- 
pfannen, wie  man  sie  noch  auf  ganz 
alten  Kirchdächem  findet.  Die  über 
zwei  Nonnen  liegenden  convexen  Pfan- 
nen heifzen  Mönche  (s.  d.). 

nennen,  sw.,  eine  Sau  verschneiden, 
zur  Begattung  untauglich  machen.  Hen- 
nig, 172.    Vgl.  mSnchen. 

nopper,  adv.y  Kürzung  des  pltd.  Ain- 
opper  hinauf,  nach  oben  zu.  Müh- 
ling. 

Norce,  Norcye,  /.,  eine  Art  Pflug. 
Stannen  hat  3^1^  Dienste  und  giebt  vom 
Dienste  1  Pfund   Wachs  .  .  .  und  pfiu- 


102 


norcheln  —  Nowia. 


gen  mit  der  norce,  Pnistenik  hat  2 
Dienste  und  giebt  .  .  .  und  pßtcget  mit 
der  norcye,  Zinsregister  von  Sehesten 
1437.  Toppen,  Altpr.  Mon.  IV,  152. 
Pierson  in  den  Lit.  Aeq.,  20,  hält 
Norce  für  gleichbedeutend  mit  NorgeU 
eisen  und  dem  lit.  nordgas  Pflugschar; 
später  in  Altpr.  W.  weist  er  auf  das 
estn.?K)rA^  Winkel  hin,  liest  norke,  norkfe 
und  erklärt  es  ^Is  Hakenpflug.  Vgl. 
Nsslm.,  Forsch.  2;  TL,  114. 

norcheln,  sw.,  s.  morcheln  u.  nörgeln. 

Nordenburg,  Ortsn.,  Stadt  im  Kreise 
Gerdauen.  Spott:  Ftf  os  üt^  segge  de 
Nodeborge7\  Bezieht  sich  auf  ein  Kar- 
tenspiel, in  welchem  die  Partei,  welche 
fünf  Stiche  macht,  gewonnen  hat.  Sprw. 
I,  1024. 

Norderfahrt,  /.,  der  eigentliche,  ab- 
gedämmte AbfluTz  der  Weichsel  nach 
Norden.  Passarge,  158.  Vgl.We«ter- 
fahrt 

Norgau,  Ortsn.,  s.  Klein-Norgau. 

Norgel,  Norgeleisen,  n.,  Pflugschar, 
das  Spitzeisen  am  Pfluge,  womit  die 
Erde  aufp;erissen  wird;  lit.  nordgas.  S. 
Bock,  Nat.  ni,  665;  V,  514  (mit  Ab- 
bildung). Hennig,  172.  Nsslm, 
Forsch.  2;  Th.  114.  Pierson,  A.  W., 
28;  Lit.  Aeq.  20.     Vgl.  Norce. 

nörgeln,  sw,  1.  säumen,  langsam  bei 
einer  Sache  sein.  Bock,  38.  2.  durch 
vielen  Gebrauch  abnutzen,  zerarbeiten; 
daher  auch  abnorgeln  (s.  d).  Hen- 
nig, 172.  Schemionek,  26;  3.  durch 
handgreifliches  Liebkosen  ermüden  und 
abquälen,  durch  ruhelose  Einwirkung 
bearbeiten,  mürbe  machen,  zu  gewin- 
nen suchen,  unaufhörlich  schieben  und 
drängen;  lit.  niürkyti,  su-niürkyti  quä- 
len, zerquälen.  Nsslm.,  Th.,  219.  Vgl. 
morcheln.  4.  brummen,  knurren,  ver- 
drielzlich  sein;  in  Hamburg  u.  Bremen 


nurken,    Richey,  175.  Brem.  Wb.  HI, 
252.     5.  s.  V.  a.  närgeln  (s.  d.). 

nSrgeln,  sw,^  s.  närgeln. 

NSrgelpeter,  -hans,  m.,  Krittler. 

norkeln,  sw.^  s.  nurgeln. 

nSrksen,  sw.^  s.  nurksen. 

nOrsch,  adv,,  wenigstens,  in  dem  Sinne 
von  bei  2.  (s.  d.).     Marold. 

nos  kennimus,  warnender  Zuruf:  Deine 
Gesinnungsart  ist  mir  bekannt!  Sper- 
ber, 46. 

N088-Che,  N6fzen,  m.  jüd.  Vom.,  s. 
NOfzen. 

Not,  w.  Vom.,  Renate.  Dzg.  Nhg. 
Viol^t,  102. 

nSt  (o  kurz),  adj.^  nütze.  Dat  ös 
nuscht  noty  das  ist  nichts  nütze,  wert, 
ist  untauglich.  Alla  (Kartoffeln)  nuscht 
not  In  der  Gegend  von  Friedland 
Ostpr.  wird  nuscht  not  zusammengezo- 
gen zu  nschtnSL 

N6tel,  /.,  schriftlicher  Vertrag,  Hei- 
ratsvertrag; daher  auch  HeiratsnOtel. 
Vom  lat.  notüy  notula.  Ebenso  in  Bayern, 
dort  aber  auch  das  Verb  notein. 
Schmellerll,  720.  ^Hennig,  172. 

Notfisch,  m,^  die  Schmerle,  Cobitis 
barbattda^  weil  man  sie  nur  in  der  Not, 
d.  h.  wenn  keine  anderen  Fische  zu 
haben  sind,  ifzt.  Gegend  von  Fisch- 
hausen, Grünhof,  Zinten,  Mehlsack. 
Bujack,  395.    Mühling,  Tiern.,  175. 

S.  Schmargel. 

Notgroschen,  m.,  Geldersparnis  für 
Notfalle.  In  gleichem  Sinne  hier  und 
in  andern  Gegenden  Notpfennig,  Not- 
schilling.  Vgl.  Brem.  Wb.  HI,  243. 
Dähn.,  331a. 

N6t8,  substantivisches  Adjektiv,  in 
Zusammensetzungen  wie  NStsfunge^ 
Junge,  mit  dem  man  seine  Not  hat. 
Nötskerl    Vgl.  mords. 

NGwia,  m.y  s.  Nftbger. 


nschnöt  —  nurksen. 


103 


nschnSty  oc^'.,  Abkürzung  von  rvuscht 
not  ==  nichts  nütze,  wertlos;  s.  nSL 

nO,  adv.^  nun.  Na  nv!  Wafs  nu 
Widder  losf    Ygl.  na. 

Nucke,  Lockruf,  s.  Nuckel. 

NUcke,  /.,  s.  Nicke. 

Nuckel,  Dem.  Nuckelchen,  n.  1.  zur 
Bezeichnung  eines  kleinen  Kindes,  Tie- 
res, namentlich  herzliche  Benennung 
des  kleinen  Lieblings;  auch  kleines 
Frauenzimmer.  Mein  trautstes  Nuckel- 
chen!  Das  ist  ein  Nuckel  —  ein  Nuk- 
kelche.  Ygl.  Kleinnutsch.  2.  Lockruf  zum 
Schwein,  namentlich  zum  Ferkel;  auch 
Nucke. 

nuckelig,  nucklig,  adj.  von  Nuckel^ 
klein,  zierlich,  lieblich.  Ein  nuckliges 
MargeUchen. 

nUcksch,  adj.^  s.  nicksch. 

nucksen,  sw.^  Iterativ  von  nicken\  von 
Pferden,  die  bei  schwerer  Arbeit  bei 
jedem  Schritt  mit  dem  Kopfe  eine 
nickende  Bewegrmg  machen;  auch  von 
Menschen,  die  beim  Ziehen  von  Lasten, 
beim  Gehen  oder  sonst  mit  dem  Kopfe 
nicken.     Marold. 

nudeln,  sw,  1.  mit  Nudeln  füttern, 
mästen.  Die  Gans  nudeln,  2.  einen 
reichlich  pflegen,  ihn  hegen.  M ühlin g. 
Im  Schwäbischen:  ein  Kind  liebkosend 
herumbalgen.     Birlinger,  356a. 

NUeche,  w.  jüd.  Vom.,  s.  Nache. 

nUel,  culj.  u.  adv.^  nieder,  abwärts. 
Wenn  eine  Nadel  oder  sonst  anderes 
kleines  entfallenes  Ding  auffm  floor  oder 
Bodem  gesucht  unrd^  mag  solches  nicJit 
so  behende  gefunden  werden^  'wenn  man 
na^h  selbigem  gleich  nieder  ab  oder  nUel 
schawet;  denn  erstlich^  so  kan  das  Ldcht 
von  gesuchter  Nadel  in  die  Augen  nicht 
fallen  oder  reflectiren^  angemercket  dafz 
einschräge  einfallendes  Licht  auch  schräge 
von  der  Nadel  weg  }yrallet,   fället  also 


bei  solchem  nOelen  sehen  die  Nadel  ins 
Auge  ohne  Lichty  wefzwegen  sie  nicht 
mag  gemercket  werden.  Line  mann, 
Bbbla. 

nuggelnagelneu,  adj.^  s.  nagelneu. 

nuggern,  sw,y  Iterativ  zu  nagen^  na- 
gender Schmerz  in  den  Zähnen.  Der 
Zahn  fängt  an  zu  nuggern.  Trei- 
chel. 

Nui, /.,  Nase.    Ygl.  Hui  u.  Niff. 

nuien,  st«?.,  zögern.  Nui  nich  so  langt 
Dönh. 

Nulk,  /.,  Tabakspfeife,  s.  Lullchen. 

nullen,  sw.^  von  0  =  Nully  ein  neues 
Jahrzehnt  des  Lebens  beginnen.  Wie- 
viel mal  hast  du  gentUltf  hört  man 
oft  bei  Aufnahme  der  Klassensteuer- 
Rollen  fragen;  auch  als  Frage  an  junge 
Leute,  um  sie  in  Yerlegenheit  zu  setzen. 
Man  nimmt  in  letzterem  Falle  nullen  = 
coii'e.    Ygl.  Sprw.  I,  2807. 

NUlling,  m.,  a.  Nilling. 

NOme,  w.  jüd.  Yom.,  s.  Name. 

Nummer,  /.  Nummer  sicher^  Polizei- 
gefangnis.  Sie  brachten  ihn  nach  Num- 
mer sicher. 

nummern,  sw.^  coire.    Treichel. 

Nuppen,  n.,  s.  Dreb. 

Nurgel,  m.,  Stock  im  Butterfasse;  auch 
Sturgel. 

nurgeln,  sw.  1.  rütteln,  wackeln  an 
einem  Gegenstande,  etwas  hin  und  her 
reiGzen,  schieben,  drehen^  um  es  los 
zu  machen.  Davon  abnurgeln.  Am 
Schlosse  nurgeln^  daran  zerrend  arbeiten 
um  es  zu  ö&en.  Mühling  hat  noch 
norkeln,  mit  der  Thür  hin  und  her  wak- 
keln.  2.  mit  stumpfem  Messer  sägend 
schneiden.  Brot  nurgeln.  Ygl.  murk- 
sen. 

nurksen,  sw.  1.  ab  und  zu  ein  Knur- 
ren hören  lassen .  Marold.  In  Westpr. 
nSrksen,  zur  Bezeichnung  des  ruckweisen 


104 


Nun'eck  —  Na(z8chale. 


Grunzens  der  Schweine.  Treichel. 
2.  angestrengt  arbeiten;  in  beiden  Be- 
deutungen mehr  wohl  murksen  (s.  d.). 

Nurreck,  m,  Nurrecks  machen^  wie- 
derholt beim  Schwimmen  untertauchen; 
von  dem  poln.  nwrek  Taucher,  Colym- 
bus  L.    Neidenburg.     Gortzitza. 

Nuichel,  m.,  unsaubere,  träge,  un- 
ordentliche Person.  Couleur  de  Nuschel^ 
Schmutzfarbe,  Durcheinander  von  Far- 
ben; nach  den  Gedanism.:  CatUeur  de 
Muschel. 

nuichelffiy  sw.  1.  mit  der  Nase,  poln. 
noSy  wühlen;  in  Bremen  nusseln^  in 
Pomm.  nüschen^  in  Bayern  nueschen 
(Nusch  Schwein),  engl,  nuzzle.  Brem. 
Wb.  m,252.  Dähn.,  332a.  Schmel- 
1er  n,  712.  2.  zaudernd,  säumig,  ohne 
rechten  Zweck  arbeiten,  eine  Arbeit 
unvollkommen,  unordentlich,  oberfläch- 
lich verrichten.  Sie  nuschelt  das  so  ab^ 
daß  es  nach  gar  nichts  aussieht  Sie 
nuschelt  den  ganzen  Tag  rum  und  bringt 
nichts  vor  sich,  Lett  knuschindty  nu- 
scheUt  nicht  recht  arbeiten.  Pierson, 
Altpr.  M.  Vni,  367;  A.  W.,  29.  Vgl. 
nälen,  3.  schmutzig,  unsauber  arbeiten, 
Flecken  in  eine  Arbeit  bringen;  in  die- 
sem Sinne  auch  naicheln  und  ab-,  be- 
nuicheln.  Herrjes-che^  wie  hast  du  dein 
Nähzeug  benuichelt!  Die  Kleider  be- 
nuscheln.  Auch  reflexiv:  sich  benu^cheln. 
Sperber,  42;  hat  in  diesem  Sinne  auch 
niicheln,  beniicheln.  4.  undeutlich,  mit 
Verschluckung  von  Lauten  sprechen. 
Wer  so  liest  vemuschelt  die  Wörter. 
vernuicheln  auch  verwischen,  ver- 
wuhlen.  Im  Götting.  nuseln^  nüseln 
näseln.  Scham b.,  146 b.  Vgl.  Bock, 
38.  Hennig,  172.  Danneil,  148b. 
Anton,  2,  13.  Hupel,  161.  Sall- 
mann,  37b. —  Davon:  nuichlig  (naich- 
lig),  adf.y  in  allen  Bedeutungen.  i>ie  ist 
ein  nuichliges  Frauenzimmer.    Nuichel- 


nase,  /.,  zur  Bezeichnung  einer  säumi- 
gen,  unfertigen,  unsauberen  und  nicht 
sorgfältigen  Arbeiterin.  Hennig,  173. 
Ebenso  Nuichellise,  -lotte;  Nuichelhans, 
-peter;  Nutehler. 

nUschTrig,  adj.^  s.  neuschTrig. 

nuschnStz,  adj.^  s.  nuschtnStz. 

nutehrig,  adj.,  nach  Bock,  38,  und 
Hennig,  173,  unsauber,  unreinlich, 
also  s.  V.  a.  nuschlig;  nach  Mühling 
aber  auch  unansehnlich,  elend. 

nuscht,  nischt,  nixt,  nix,  das  unbe- 
stimmte substantivische  Zahlpronomen 
nichts;  auch  als  Substantiv.  Zur  Ver- 
stärkung nuscht  nichy  hchd.  nichts  nich. 
Es  ist  (im  Glase)  nuscht  mehr  drin. 
Nuscht  on  nei  ös  tweierlei.  Von  nuscht 
ÖS  nuscht.  Keen  Voagel,  keen  nuscht 
lett  sock  heare.  Boldt,  10.  Dat  ös 
man  nuscht.  Volksl.,  7,  5  I,  2.  Zu 
Mittag  giebfs  bunte  Nuscht  möt  gele 
Fetkes.  —  Nuscht  möt  ne  on  Salat  darto. 
Sprw.  I,  2640.  Hei  gew  mt  nuscht  nich. 
Ach  dat  schadet  nuscht^  macht  nichts 
aus.  Spook,  470.  Peterke^wat  scheid! t 
dtf  Rein  nuscht  nich.  Volksr.,  88,  370. 
Vgl.  nix. 

nuschtnStz,  adj.^  nichts  nütze,  unnütz, 
untauglich;  auch  nuschnStz.  Schemio- 
nek,  26.    Vgl.  nschnSL 

nUssen,  sw.^  nach  Nüssen  suchen. 
Wenn  de  Huingd  maise  (mausen)  on 
de  Jägasch  nösscy  dann  ös  es  möt  da 
Jagd  geschösse.  Ermland.  Sprw.  I„ 
1741. 

NOfzen,  N6fzen,  Noss-che,  m.  jüd.  Vom., 

Nathan;  auch  Attan.  Flatow.  Schmitt, 
113. 

Nufzkamm,  pltd.  NStIcamm,  m.,  enger 
Kamm  zum  Abkämmen  der  Nisse  und 
Läuse;  daher  auch  Lausicamm. 

Nufzicopf,  pltd.  NStIcopp,  und  nur  pltd. 
als  Schimpfwort,  Kopf  mit  Nissen. 

Nulzschale,  pltd.  Netschal,  f.    Er  geht 


Nufz6cheii2er  —  ö. 


105 


une  auf  Nufzschaien^  laogsam,  unsicher, 
vorsichtig.  Wie  de  Katt  op  NäUchaU 
gdne^  so  gehen  wie  die  Katze,  wenn  ihr 
NoTzschalen  auf  die  FuTze  gesteckt  wä- 
ren, also  unsicher. 

Nufzscheifzer,  gewöhnlich  nar  pltd. 
NStscbtter,  m,^  Knauser^  Geizhals.  In 
Pommern  Netenschtter.    Dähn.,  328  a. 

Nufzstrauch,  pltd.  NStstrQk,  m.,  Hasel- 
noi'zstraach,  Nal'zstaude,  Haselstaude, 
Ccrylus  aveüana  L,    Hagen,  1007. 

Nut,  w.  Vorn.,  Anna.  Hart  wich, 
55. 

Not,  NUtt,   /.,    der  Bedarf,    das  Not- 


dürftige. Zur  Nütt  habeuy  das  Not- 
durftige haben,  zum  eigenen  Bedarf 
haben,  aber  auch  nichts  darüber.  Na- 
langen. 

nutsch,  adj.j  klein,  unansehnlich;  auch 
nutschig  und  als  Substantiv  Nutsch,  n. 
Aus  nuscht  nichts.  In  der  Zusammen- 
setzung mit  klein:  Kleinnuisch  (s.  d.). 
In  Westpr.  Nutsch  Name  für  ein  klei- 
nes Schwein  u.  Lockruf  für  Schweine 
überhaupt. 

nOzund,  adv,,  jetzund,  jetzt;  Bildung 
wie  jetzund  aus  nun  und  und. 


0. 


0,  Vokal.  Das  gedehnte  o  klingt 
pltd.  groi'zenteils  gleich  hchd. :  Not  Not, 
Roa'  Rose,  wo  wo,  B6n'  Bohne,  gröt 
grofz,  röt  rot;  seltener  verkürzt  es  sich: 
Hon(n)ig  Honig,  Mos  Moos,  Bod(d)em 
Boden.  In  Natangen  und  in  Danzig 
nebst  Umgegend  (sogar  bei  gebildeten 
Danzigem)  geht  es  in  ein  bald  ver- 
steckteres, bald  ganz  offenbares  au 
über:  sau  so,  wau  wo,  frau  froh,  draue 
drohen,  während  es  in  anderen  Provinz- 
teilen ein  gedehntes  ä  (läwe  loben, 
bdwe  oben,  Aft  Obst,  Säl  Sohle)  und 
auf  der  Danziger  Nehrung  sogar  ein 
offenes  a  wird  (San,  auch  San  Sohn, 
wdne  wohnen^  Mdnd  Mond)  oder  ein 
a  mit  vorgeschobenem  e  (verleame  ver- 
lorne, heach  hoch).  In  Samland,  Li- 
tauen und  im  Oberlande  wird  es  häu- 
fig ein  e  oder  ä:  Sm^  San  Sohn,  vor 
oder  värr  vor.  In  der  Endung  or  wird 
es  ebenfalls  e:  Kanter  Kantor,  Pro^ 
fesser  Professor,  Rektet*  Rektor  etc.  — 
Das  geschärfte  o  bleibt  pltd.  häufig 
dasselbe:  Dochter  Tochter,  Holt  Holz, 


Nord  Nord  (doch  auch  N6rdenvdnd)^ 
ffrof  grob.  Sonn'  Sonne,  oder  dehnt 
sich:  KnSpy  Knof  Knopf,  WoH  Wort, 
Knöke  Knochen  (solche  Dehnung  tritt 
selbst  hchd.  auf:  Osten,  Ort  [0  =  6])] 
wird  aber  in  einigen  Gegenden  ein  a 
(kurz  oder  lang):  Dachter  (Kulmerland) 
oder  Tachta  (Ermland)  Tochter,  sali 
soll,  Kneake  (Nehrung)  Knochen,  Glack 
(Ermland)  Glocke,  oder  wenigstens 
ein  äj  besonders  in  Samland  u.  Litauen: 
käme  kommen,  Knäke  Knochen,  äpe 
offen,  kake  kochen,  und  dann  sogar  ein 
tiefes  u\  WwZ/Wolf,  swMs^  sollst,  kunn 
konnte.  Es  geht  aber  auch  in  die  Um- 
laute ö  und  ä  über,  in  den  ersten  be- 
sonders bei  den  Samländem:  wälle^ 
tooUe  woUen,  Wäk  Woche,  dräg,  drog 
trocken«  Lehmann,  Yolksnmd.,  20  f. 
S,  Umlaut,  klingt  pltd.  meistens  wie 
ein  gedehntes  «,  mit  Neigung  zum  o^ 
oder  übergehend  in  ei  (Danzig)  und 
ai  (Natangen):  sehen,  schein,  schain 
schon,  schwere  schwören;  Läpel  Löffel, 
Käksche  Köchin,  twelf  zwölf ,  Krät,  oder 


106 


Obacbt  —  Ocbs. 


mit  dem  beliebten  nachschleppenden 
e:  j&a^ Kröte.  Lehmann,  Yolksmd., 
26.  Die  hchd.  Aussprache  des  ö  ist 
fast  durchweg,  und  nicht  blos  von 
weniger  Gebildeten,  e\  Kenig  König  etc., 
auch  a:  Es  ist  ein  kastlich  (köstlich) 
Ding^  da/z  das  Herz  fest  werde.  Soph. 
R.  VI,  144. 

Obacht,  /.,  Acht^  Achtung,  Aufsicht, 
Obhut.  Obacht  geben^  beaufsichtigen, 
auf  etwas  achthaben.  Etwas  in  Ob- 
acht nehmen.  Ebenso  in  Bayern,  Meck- 
lenburg-Vorpomm.  Schmellerl,  21. 
Mi,  60a. 

oben,  pltd.  bawe(n)  (a  ==  a),  adv,^  zur 
Bezeichnung  der  ersten  Etage  im  Hause. 
Er  wohnt  oben.  Gehe  oben  hinauf  gehe 
eine  Treppe  höher  hinauf !  Vgl.  Hupel, 
162. 

Oberfischmeister,  m.  Es  giebt  deren 
zwei;  sie  führen  die  Oberaufsicht  über 
die  Fischerei  in  den  Haffen  und  Haff- 
Flüssen,  sehen  darauf,  dalz  die  Vor- 
schriften der  Fischerordnungen  pünkt- 
lich befolgt  und  Beeinträchtigungen  der 
Gerechtsame  der  Fischereiberechtigten 
vermieden  werden.  Sie  führen  eine 
rote  Flagge,  in  deren  weifzem  Schilde 
sich  der  preufzische  Adler  befindet,  und 
an  ihrem  Kahne  einen  Wimpel  mit  dem 
preul'z.  Adler.  Fisch.-Ord.  f.  d.  kur. 
Haff,  §§  61.  62;  f.  das  frische  Haff, 
§§  66.  67. 

Obericehr,  /.,  Oberkehricht,  die  beim 
Worfeln  des  Getreides  von  oben  weg- 
gefegten Spreuteile.  Voc.  280:  Ober- 
kery  altpr.  aukUxtes.  Nsslm.,  Thes., 
11. 

Oberland,  n.  1.  Ostpreufzische  Land- 
schaft, s.  die  Erklärung  in  den  Ab- 
kürzungen. 2.  im  Weichseldelta  die 
Hohe  im  Gegensatze  zur  eigentlichen 
Niederung. 

Oberstauer,  m.^  s.  stauen. 


Oberstubeben,  n..  Dem.  von  Oberstube^ 
bildlich  der  Kopf.  Es  ist  bei  ihm  im 
Oberstübchen  nicht  richtig.  Er  hat  das 
Oberstübchen  zu  stark  eingeheizt.  Er 
hat  sein  Oberstübchen  verpachtet  —  ver- 
mietet. In  allen  drei  Redensarten  ist 
der  Sinn:  er  ist  irre  oder  betrunken. 
Sprw.  I,  2818  f.  ...  dafz  wenn  einer 
verliebt  toird^  es  im  Oberstübchen  immer 
ein  bischen  laut  zu  sein  pflegt.  Soph. 
R.  m,  36.    Hennig,  173. 

Oberwart,  m.^  s.  Wart. 

Objekt,  w.,  lat.  objectum.  Je  mehr 
Objekty  je  mehr  et  treckt,  das  Gericht 
nämlich:  je  größter  die  Hinterlassen- 
schaft, je  mehr  zieht  das  Gericht  an 
Kosten.     Alt-Pillau. 

obmacken,  sw.^  plätten,  glätten.  Ob- 
macktser,  n.,  Plätteisen.  Dzg.  Nhg. 
Viol^t,  102. 

Oborre,  /.,  Schweinezaun;  von  dem 
poln.  obora  Gehöft,  Viehhof.  Flatow. 
Schmitt,  180;  Westpr.,  166. 

obschtemftt,  adj.^  s.  obstem&tsch. 

obsternfttsch,  obschtemftt,  adj.,  wider- 
spenstig, aufsätzig,  eigensinnig,  hart- 
näckig. Auch  obstimfttsch,  obstinfttsch. 
Von  dem  lat.  obstinatus,  frz.  obstind^ 
engl,  obstinate.  Ebenso  im  Holstein- 
schen.  Schütze  HI,  159;  in  Berlin 
obschtinat;  in  Hessen  obstemdt  Vi  1  mar, 
289.  Vgl.  Mi,  60a.  Hupel,  163. 
Wenn  de  Vater  ehr  was  befahl,  denn 
war  se  obstematsch  on  gab  sehr  brastige 
Wedderred.    Schaltj.,  1,  439. 

Obststand,  m.,  Obstgarten.  Litauen. 
Qeh,  Tochter,  in  den  Garten^  Geh  in 
den  grünen  Obststand.  Nsslm.,  Dai- 
nos,  23.  194. 

och,  interj,,  ach.     Och  ne,  ach  nein. 

Ochs,  pltd.  Os,  m.  1.  bos.  In  Sprich- 
wörtern und  Redensarten:  Den  Ochsen 
vor  den  Pflug,  den  Schelm  vor  die  Karre. 
Jeder  Ochs  an  seinen  Strick    Man  kann 


ochsen  —  Ofenpfisrick. 


107 


vom  Ochsen  nicht  mehr  verlangen  als 
ein  StOck  Rindfleisch.  Es  verscJdägt 
ihm  soviel  wie  dem  Ochsen  eine  Blau- 
beere u.  a.  Vgl.  Sprw.  I,  2822  ff.;  II, 
1971  ff.  Dem  Osse  kann  man  wat  ver 
e  Zagel  legge^  dem  Starken  kann  man 
eine  schwere  Arbeit  zumuten.  Da^ 
isty  als  wenn  man  dem  Ochsen  ins  Hom 
kneifty  vom  unempfindlichen  Menschen. 
Schemionek,  26.  2.  Aqt  bunte  Ochse^ 
ehemals  der  mit  Kränzen  und  Bändern 
geschmückte  Jahrmarktsochse  in  Kö- 
nigsbergs der  nach  feierlichem  Umzüge 
durch  die  Stadt  im  altstädtischen  Jun- 
kergarten ausgewürfelt  wurde.  Erl.  Pr. 
n,  504.  Sprw.  I,  1227.  Bock,  38. 
Hennig,  173.  Er  hielz  auch  Jahr- 
m«*l(tsochse,  Pfingstochse.  3.  der  Mensch 
verglichen  mit  dem  Ochsen:  Wie  ein 
Ochse  dumm  sein  —  arbeiten  (doch  auch 
ironisch:  arbeiten  toie  ein  angebundener 
Ochse);  —  kicken  wie  der  Ochs  in  die 
Bibel;  —  d^rop  kicken  as  de  Os  op  e 
Dale;  —  bewundere  as  de  Os  de  nu^ 
Dtssel;  —  sick  bequeme  a^  de  Os  op 
dem  Morgen  Land;  —  ütsene  wt  e  Jär- 
marktsos.    4.  Schimpfwort.    Du  Ochs! 

ochsen,  sw.  1.  arbeiten  wie  ein  Ochse. 
2.  studentisch:  fleifzig  studieren. 

Ochsenbrech,  Pflzn.,  domige  Hau- 
hechel, Ononis  spinosa  L.  Hagen, 
735. 

Ochsenbremse,  /.  1.  Rindsbremse,  To- 
banus  bovinus.  2.  Dasselfliege,  Oestrus 
bovis.    Vgl.  Biiwurm. 

Ochsengedanken,  plur.  Er  hat  Ochsen- 
gedanken ^  er  verrät  weniger  dumme, 
als  ungewöhnliche,  mutwillige  Neigun- 
gen. Sprw.  I,  2831.  Ochsengedanken 
kriegen^  wild  werden,  weglaufen.  Hei 
krig  Ossegedanke  on  rennd  on  e  Wold. 

Ochsengewende,  pltd.  Ossegeweng,  n., 

Gewende,  das  durch  Ochsen  gepflügt 
ist;  auch  zur  Bezeichnung  einer  kur- 


zen  Wegstrecke.     Eit  ös  man  e  Osse- 
gewend.     Hennig,    174.     Vgl.   Hunde- 

blaff. 

OchsenjOn,  n.,  s.  J6n. 

Ochsenkalb,  n.,  s.  Kalb. 

Ochsenklau,  /.,  Ochsenklaue,  Ochsen- 
fui'z.  Dei  sengd  (sengte)  en  Ossenldau. 
Carm.  nupt  I,  282,  7. 

Ochsenkopf,  pltd.  Ossekopp,^.,  Schimpf- 
wort. 

Ochsenpantoffel,  m.,  Schimpfwort.  Und 
dei'  Ochsenpantoffel  steht  und  sperrt  das 
Maul  auf.    Soph.  R.  H,  356. 

Ochsenpesrick,  fn.,  s.  Pesrick. 

ochsig,  pltd.  OSSig,  adj.  u.  adv.  1. 
plump,  wie  ein  Ochse.  2.  zur  Steige- 
rung des  Begrifies:  groiz,  bedeutend. 
Er  ist  ochsig  dumm.  Er  kann  ochsig 
laufen.     3.  grob.     Das  war  ochsig. 

Ochskroks,  Ochsenkroksenpfiaster,  auch 
Huxtrux,  Medik.,  Emplastrum  oxycro- 
ceum. 

Ockerasche,  /.,  s.  Okras. 

Ockllng,  m.^  von  Ochsy  zweijähriges 
Ochskalb.     Oberland. 

Odel,  m.  jQd.  Vorn.,  s.  Eitel. 

oder,  adv.^  aber.  Oder  die  Korbe^ 
wo  hast  die?  Oder  so  lafz  mich  in 
Ruh!  Die  gleiche  Vertauschung  in 
Hessen,  in  der  Oberlausitz.  Vilmar, 
289.  Anton,  3,  3.  Schemionek, 
26. 

Oderkahn,  m.,  flachgebautes  langes 
Flufzfahrzeug.  Weichsel.  Pregel.  Vgl. 
Dubas  u.  Jadwige.  Scherzweise  sagt  man 
von  grofzen  Überschuhen:  das  sind  ja 
reine  Oderkahne. 

of,  präp.j  auf.  Of  e  Lucht,  auf  dem 
Boden.    S.  op. 

Ofebänk,  /.,  Ofenbank.    Oberland.^ 

Ofengraps,  77).,  pltd.  Awegraps  (A  =  J), 

Striezel,  den  arme  Leute  backen.    Gr. 
Werder. 

Ofenpäsrick,  m.^  s.  pftsem. 


108 


Ofenstopsel  —  Ohr. 


Of enstopsel,  m.  1 .  Stöpsel  zum  Schlafz 
des  Rauchloches  in  alten  Öfen,  Rauch- 
stöpsel. 2.  korpulenter,  kleiner  Mensch, 
nach  Hennig,  333,  in  Deutsch-Litauen 
auch  ein  Mensch,  der  verräuchert  aus- 
sieht. 

offenbar,  orf/.,  offen.  Die  ofenbare 
See.     Kur.  Nehrung. 

Offizier-Komickel,  n.,  wenige  StQcke 
Holz,  wie  man  sie  vom  Höker  für  10 
Pfennige  kauft.  In  Berlin  OffisAer-  Vier- 
tel    Vgl.  Komickel. 

Ggenenzig,  adj.,  s.  augeneinzig. 

Oggaganten,  plur,^  Fdten  in  den  Är- 
meln früherer  Frauenjacken,  den  sog. 
Foderhemden.  Dzg.  Nhg.  Viol^t, 
172. 

Ogice  (0  =  o),  n..  Angehen,  willfahrige 
Geliebte.    Trcichel. 

Ohm,  m,^  gen,  u.  plur,  Ohms^  Dem. 
Ohmice.  1.  Oheim,  Onkel,  des  Vaters 
oder  der  Mutter  Bruder.  Erseht  Ohm^ 
danau  Ohms  San,  der  Oheim  geht  dem 
Vetter  vor,  gewöhnlich  zur  Abweisung 
der  Kinder,  die  von  einer  Speise  zuerst 
verlangen.  Ähnlich:  Erseht  Ohmke,  denn 
Ohms  Sänke,  denn  du,  mtn  Jungks,  Vgl. 
Sprw.  I,  2839.  Susehen  bleibt  übei*  Nacht 
bei  einem  alten  Herrn  Ohmke,  den  sie 
hier  gefunden  hat  Soph.  R.  I,  66.  2. 
wie  Onkel  Benennung  der  Kinder  für 
jeden  Erwachsenen,  der  zum  Besuche 
kommt.  Gof  dem  Ohm  de  Hand  —  e 
Posske,  3.  vertrauliche  Benennung  des 
mennonitischen  Gemeindelehrers.  Isaak 
Ohm  seggt:  Pause,  stäkt  de  Licht  an, 
de  lewe  Ohmkes  käme.  Die  Gemeinde- 
lehrer treten  gemeinsam  in  die  Kirche, 
nachdem  der  Gottesdienst  schon  be- 
gonnen hat.  Sprw.  I,  2840.  4.  Herr 
Ohm,  Herr  Ohmke,  Anrede  an  den 
Hausvater.  Üblicher  ist  jedoch  Väder. 
In  der  Marienbg.  Ndrg.  auch  Benen- 
nung für  einen  bekannten,    alten  und 


ehrwürdigen  Herrn.  5.  Dat  bs  en  dick- 
rigg'ger  Ohm,  ein  Ohm  mit  dickem 
Rücken,  d.  h.  ein  reicher  Landbesitzer. 
Tiegenhof.  Sprw.  H,  1979.  Dat  ös 
Ohm  Plüm,  zur  Bezeichnung  eines 
Menschen,  den  man  nicht  mit  Namen 
nennen  kann.  Sprw.  I,  2838.  6.  der 
Abdecker,  Racker.  Da  käme  dem  Omke 
Sine  Dtiwe,  die  Krähen.  Samland  (Wil- 
gaiten).  7.  nach  Treichel  früher  in 
Danzig  die  Abführer  der  Kloake. 

Ohmkraut,  Pflzn.,  Feld-Sinau,  Alche- 
milla  arvensis  Scop.     Hagen,  178. 

Ohnblatt,  Pflzn.,  s.  Anblatt  und  Blatt- 
los. 

ohne,  adv.  Das  ist  nicht  ohnCy  die 
Sache  macht  sich,  läfzt  sich  hören. 

ohnig,  6nig,  cuij.  u.  adv,,  von  ohne  = 
frei,  los,  ledig,  s.  v.  a.  dnig  (s.  d.).  S. 
Frisch  n,  30c.  Damach  soll  gleicher 
massen  genau  observiret  werden  der  Son- 
nen Mittags  Höhe  in  beyden  Solstitiis, 
da  man  aller  refraction  könne  ohnig 
sein,  Linem.,  £la.  Ein  Alter  aber, 
der  gern  ein  Stück  des  Bartes  allezeit 
wollte  geohniget  sein,  kan  sein  profyt- 
liches  Bartabnehmen  erlangen,  wenn  der 
Mond  in  abnehmendem  Licht,  Ibid., 
Mm  3a.  Von  solcher  Hitze  wissen  nun 
die  Hennen  nichts,  als  welche  solcher 
(lebhaften)  bewegung  (wie  sie  der  Hahn 
hat)  geohniget  seyn,  und  also  auch  nicht 
eines  Leschtrunckes  dürftig  werden,  L i- 
nemann,  Bbb4a.  Sie  mu/zte  soviel 
geben,  da/z  sie  ganz  ohnig  (entblöJ'zt) 
vmrde.    Mühling. 

oho,  intetj.  des  Staunens,  der  Ver- 
wunderung, Bewunderung.  Klein,  aber 
oho,  tüchtig.     Treichel. 

Ohr,  n,,  auris.  In  Redensarten  und 
Sprichwörtern.  Er  ist  hinter  den  Ohren 
noch  nicht  trocken,  zur  Bezeichnung  der 
Unreife.  Einen  Oberes  Ohr  haue7i,  ihn 
betrügen.     E*   hat  Schlaube7i  vor   den 


Ohrbommel  —  Okelname. 


109 


OhreUj  er  will  nicht  hören.  Er  hafs 
hinter  den  Öhren.  Er  hafs  faustdick 
hinter  den  Ohren,  Im  Werder:  He  heft 
et  fustendick  hing  er  de  Ohren  sitten. 
Da»  kann  er  sich  hinter" s  Ohr  schreiben. 
Es  geht  ihm  zu  einem  Ohre  hinein^  zum 
andern  heraus.  Tauben  Ohren  predi- 
gen. Die  Ohren  spitzen.  Ganz  Ohr 
sein.  Die  Ohren  anJcneifen^  Unbill  still 
ertragen.  Die  Ohren  zeigen  —  sehen 
lassen^  dumm,  eselhaft  handeln.  Einem 
ein  Loch  ins  Ohr  schneiden^  ihm  einen 
Denkzettel  geben.  Sich  bis  iiber  die 
Ohren  versaufen^  stark  in  Schulden  ge- 
raten. Auf  dem  Ohr  JiSr^  ich  nichts  die 
Sache  beachte  ich  nicht,  in  die  An- 
gelegenheit mische  ich  mich  nicht.  He 
kann  sock  solwst  wat  brUt  Ohr  segge^  er 
hat  einen  groizen  Mund.  Sich  aufs 
Ohr  legen,  schlafen  gehen,  aber  auch 
sterben.  Vgl.  Sprw.  I,  2841  ff.,  II, 
1980  ff.  In  welchem  Ohr  klingt si  Frage 
beim  Ohrenklingen.  Erfolgt  die  rich- 
tige Antwort,  so  ist  das  Gedachte  wahr, 
trifft  das  Gewünschte  ein.  Einem  eins 
vor  die  Ohren  geben ^  ihn  ohrfeigen. 
Einem  die  Ohren  ruf  ein  —  die  Ohren 
lausen^  ihm  harte  Vorwürfe  machen, 
Verweise  erteilen,  ihn  ohrfeigen.  Hen- 
nig, 174. 

Ohrbommel,  m.  u.  /.,  Ohrring  mit 
baumelndem  Gehänge;  in  Danzig  Ohr- 
bockel.  Gedanism.  Bock,  39.  Hen- 
nig, 174.    Vgl.  bommeln. 

Ohrbommelbaum,  m.,  Fuchsienbaum; 
nach  den  baumelnden  Blüten.  Saal- 
feld. 

Ohrenkneifer,  m.,  s.  KnTper. 

Ohrfei(g),  /.,  Ohrfeige.  E}r  hat  eine 
gute  Ohrfeig  bekornrnen^  er  hat  im  Ge- 
schäft einen  herben  Verlust  erlitten. 
Bock,  39.    Hennig,  174. 

Ohrpatsch,  /.,  Ohrfeige,  s.  Patsche. 

ohrriffeln,  mo.,  einem  die  Ohren  riffeln, 


ihn  riffeln  überhaupt,  durch  empfindliche 
Verweise  strafen.     Hennig,  174. 

Ohrtachtel,  /.,  Ohrfeige,  s.  Tachtel. 

OhrwUrmchen,  n.,  Dem.  von  Ohrwurm. 
Er  ist  so  freundlich  wie  ein  Ohrwurm- 
chen,  er  ist  gegen  jedermann  dienst- 
ergeben und  dienstbeflissen,  sucht  sich 
einzuschmeicheln,  ohne  aufrichtig  zu 
sein.  Von  den  lebhaften  Wendungen 
des  Ohrenkneifers  hergenommeu.  Bock, 
39.     Hennig,  175. 

6janen,  sw.^  gähnen,  s.  hOganen. 

Okel  (0  =  6),  f.,  gewöhnlich  nur  im 
plur.  Okeln.  1.  der  Raum  unmittelbar 
unter  dem  aufliegenden  Dache,  Boden- 
winkel. Hei  (ein  Kobold)  satt  ommef* 
op  e  Lucht  under  de  Okle.  2,  Lucht, 
Bodenraum.  3.  der  höchste  Kaum  im 
Hause  überhaupt.  Er  wohnt  ganz  un- 
ter den  OkelUy  er  wohnt  im  höchsten 
Stockwerke.  In  den  Lit.  Aeq.  Oken.^ 
lit.  auksztas,  in  Bremen  Oker.  Brem. 
Wb.  Hl,  261;  im  Holstein.  Oke,  Oken. 
Schütze  HI,  171;  in  Pommern  Oken, 
Dähn.,  336b.  Bock,  39.  Hennig, 
175. 

6keln,  sw.  1.  nach  einer  Sache  lan- 
gen, reichen.  Man  nkelt  mit  einer 
Stange  nach  einer  hängen  gebliebenen 
Baumfrucht^  nach  einem  zurückgescho- 
benen Gegenstande  unter  Bett  oder 
Schrank.  Von  Okel,  also  etwas  aus 
den  Okeln  hervorholen,  daher  hervor- 
holen aus  einem  Schlupfwinkel.  2.  in 
der  Verstärkung  stehlen.  Das  hat  er 
geökelt  —  weggeokelt  3.  nach  Marold 
auch  humoristischer  Ausdruck  mit  der 
Bedeutung:  prügeln. 

Okelname,  £kelname,  m.,  Spitzname, 

Beiname  als  Schimpf  oder  zum  Spott. 
Mnd.  okelname,  im  Bremischen  Oeker- 
name.  Brem.  Wb.  III,  261.  Hennig, 
1 75.  Stattliche  Reihen  solcher  Namen, 
meist  wohl  unserer  Provinz  angehörig, 


110 


Okras  —  Omacht. 


sammelte  Stein  (Peregrinus  XU,  82; 
Xin^  88).  Sie  mögen  hier,  an  be- 
treffender Stelle  besonders  aufgeführt, 
vereint  ihren  Platz  finden:  Züzensau- 
ger^  Knerps^  Knusel^  kleine  unnütze 
Krot^  Putzmänlein,  Kniefurtz^  Glttper^ 
Glepaug^  Schehmp^  Schnufer^  Schnöfler^ 
Lespler^  Garrer^  Stamler,  Stammerbock, 
Rotzlnfel^  Schmodbot,  Matdaff^  Meer- 
hutz^  Meerganss,  Krickendt,  Hatcskater^ 
Hattsmauser  ^  Hausotter  ^  Glomsneckely 
Ilausschlingel^  Bengel,  Rekely  HausHmr- 
mely  Pomochet^  Wochentölpely  KnoUy 
Rültz,  Fütz,  Tütz,  Ochss,  Flegel,  Esel, 
Knebelj  Hans  üngelenck,  ungeschliffener 
ungebackener  ungesaltzener  Kerl,  Lauser , 
Lausbart,  Lauspungel,  Laushundj  Scharb, 
Dreckharcker,  Grnock,  Schurck,  Gnisck^ 
Gnuser,  Gnegel,  Gnorrer,  Drückpfennig, 
Schüsselpfennig,  Gritzenzelei\  HoUunck, 
Hundsnaas,  Loddert,  Lunter,  Saalbader, 
Aalbander,  Großsprecher,  Brascher,Pra' 
ler,  Windhawer,  Sechsgröscher,  Scharr- 
hanss,  Schindhund,  Bluthund,  Brotdieb, 
Feder  auffieser,  Federn  auffUser,  Knap- 
Speiser,  Knochenbeifzer,  Krippenbeifzer, 
Gnatzer,  Weibergnager,  Kinderplager, 
Hertzenfresser,  Doddemaas,  KakelmatZy 
Plappermatz,  Dreckhans,  Misthammel, 
ünßath.  W.  Mtsbl.  V,  191;  VI, 
159. 

OkraSy  m.^  eine  Lauge  oder  Ejraft- 
brühe,  mittels  welcher  aus  der  gemeinen 
Asche  die  Pottasche  bereitet  wird.  In 
der  Gilgenburger  Gegend,  wo  früher 
Pottasche  vielfach  hergestellt  wurde, 
die  Okrosa.  Aus  dem  poln.  okrasa,  f.. 
Abmachsei,  Fett  zum  Abmachen  der 
Speisen.  Nach  Bock,  Nat.  HI,  189, 
auch  Ockerasche,  wohl  nur  Korrump. 
aus  Okrasa.  Hennig,  175.  S.  Nsslm. 
Forsch.  3;  Th.,  115. 

ölben,  plur.,  s.  HSwelten. 

Olelörbl  iO===6)y  w.,  s.  v.  a.  Alteloröl. 


Oleumpopoleuni,  Medik.,  ünguentum 
populeum, 

OlgStze,  m,,  dummer,  tölpischer,  witz- 
loser  Mensch.  Er  sitzt  da  vne  ein  Ol- 
götze.  Ebenso  in  Pommern,  im  Götting., 
in  der  Altmark.  Dähn.,  334a.  Schamb., 
U7b.     Danneil,  U9b. 

Öl  je,  /.  u.  n.,  Öl,  oleum.  Baum-, 
Leinolje,  Hennig,  175.  Auch  Olicht. 
Saalfeld.  0  Öljeglas,  de  Lamp  geit  üt! 
Ausruf  der  Verwunderung.     Kgsbg. 

Olk,  m.,  lustiger  Schmaus,  Tanzver- 
gnugen. Das  war  ein  gemütlicher  Olk. 
Jetzt  wohl  allgemeiner  Ulk, 

olken,  sw.,  einen  Olk  mitmachen. 

Ölkohl,  englischer,  Pflzn.,  Feldkohl, 
Brassica  campestris  L.     Hagen,  701. 

Olle,  m.,  auch  blofz  der  OIF,  der  Alte. 
S.  Alter. 

Ollsch,  /.,  auch  die  OUsche,  Olsche, 
die  Alte,  die  Matter.  Doch  siene  Ohlsche 
(Mutter)  qudld  em  däglich.  Nowack, 
30.  On  v)i  de  Olsche  dat  vanem  (ver- 
nahm). Volksl.,  14,  6,  5.  Grö/z'  de 
Olsche,  als  Abfertigung.     S.  AHe. 

olmig,  adj,y  faulig,  in  Verwesung  über- 
gegangen, vermorscht,  verfallen.  Dönh. 
Das  Stammwort  Olm  Holz,  das  anfangt 
in  Fäulnis  überzugehen  (Danneil, 
149b),  Fäukis  (Dähn.,  338  a),  vermag 
ich  für  unsere  Provinz  nicht  nachzu- 
weisen; vgl.  jedoch  Mohn,  Mulm. 

Ölsamen,  m.,  Pflzn.,  s.  Rips. 

Olsche  (0  =  o),  /.,  s.  Ollsch. 

Ölsk,  Ölske,  m.,  Iltis,  s.  Duck. 

GH,  adj.,  alt,  und  Zusammensetzungen 
s.  unter  alt 

Olwftde  (0  =  (J),  /.,  Fischemetz,  s. 
Aalwftde. 

Ölwen,  plur.,  s.  Hewelten. 

Sm,  präp.,  um,  und  Zusammensetzun- 
gen s.  unter  um. 

Omacht  (fi^o),  f.,  Ohnmacht.  Da- 
von Ornttchtlg. 


Omama  —  Ort. 


111 


Oniama,  /.,  Grorzmutter,  in  der  Ein- 
dersprache;  ebenso  Opapa  Grolzvater. 

Omskeboll,  m.y  Bezeichnung  für  ein 
Thalerstück.     Gegend  von  Elbiog. 

Onband,  Unband,  m,^  wilder,  unbän- 
diger, zügelloser  Mensch,  namentlich 
Junge. 

Ondocht,  vhchd.  Undocht,  tt».,  Tauge- 
nichts; doch  auch  in  milderm  Sinne: 
WUdfang,  Unband.     S.  Sprw.  I,  3865. 

Vgl.  dögen. 

Onig,  (xdj.  u.  adv.^  s.  ohnig. 

Onkel,  77).,  Oheim;  aber  auch  jeder 
Erwachsene  den  Kindern  gegenüber: 
Gieb  dem  Onkel  die  Hand.    S.  Ohm  2. 

onmak,  onmaklich,  o^'.,  Gegensatz  von 
mak  u.  maklich. 

OnnOsel,  Onnftsel,  m.^  unsauberer,  un- 
ordentlicher Mensch.  Er  ist  ein  rech- 
ter Onnosel.  Vhchd.  Unösel,  Unftsel,  in 
Westpr.  auch  Unnus(s)el,  holl.  annoozel^ 
adj,,  unschuldig,  einfaltig,  ungestalt, 
welches  die  ursprüngliche  Bedeutung 
des  Wortes  zu  sein  scheint.  Sche- 
mionek,  26:  Onosel.  Sperber,  32. 
Hennig,  283.     Vgl.  bemussen. 

onnöselig,  adj.  u.  adv.^  unsauber, 
schmutzig,  unordentlich;  in  Dzg.  auch 
iinnii8(s)lig.  üennig,  283,  hat  das 
hchd.  unftslich  schändlich,  einfaltig.  Er 
redet  lauter  undslich  Zeug,  d.  s.  grobe 
Zoten. 

Ontlg,  n.,  Unzeug,  s.  Unlust 

Onwedder,  n.,  onweddem,  sw.^  s.  Un- 
wetter. 

op,  prdp.j  auf.  Op  em,  auf  ihn! 
Hetz  wort.  Wenn  op,  denn  satt.  Sprw. 
I,  162.  155.  Zusanmiensetzungen  mit 
op  suche  unter  auf.  2.  nach :  Man  woU 
tom  Sinndag  op  SuUmien,  zum  Sonntag 
nach  SuUmin.     Dzg.     Bauernep ,  2. 

Opapa,  m.,  s.  Omama. 

Öpfel,  plur.  von  Apfel.  Kaufen  Sie 
doch  schöne  Opfel!    Kgsbg. 


Spperscht,  Spperst,  adj.  u.  adv.,  oberst, 
äul'zerst.  öch  war  ömmer  der  öpperschte. 
Denn  s§nd  ji  op^t  öpperste  besch§mpt. 
Dorr,  1.  Wiew.,  94. 

opstuings,  ado.^  zur  Stunde,  gegen- 
wärtig, jetzt.  Sonst  kann  ji  opstuings 
dorcKt  Gitter  kuckeluren.  Dorr,  1. 
Wiew.,  39.  Ji  s§nd  s§lwst  en  groter 
Haudegen  west,  wenn  ji  uk  opstuings  en 
Fredensmann  s^nd.    Ibid.,  53.  70. 

-er,  Endung,  wird  er:  Assesser,  Doh- 
ter,  Kanter j  Professer,  Rekter  etc. 

Orate,  j^W.,  Morgenandachten  in  eini- 
gen Gegenden  Westpreulzens,  welche 
in  der  Adventszeit  des  Mittwochs,  Don- 
nerstags und  Freitags  bei  hell  erleuch- 
teten Kirchen  früh  um  6  Uhr  gefeiert 
werden.     Mewe.     Hintz,  39. 

Orban,  m.  Vom.,  Urban.  H  artwich, 
54. 

Order,  /.,  das  frz.  ordre.  He  wull 
partu  nich  Order  parere,  er  wollte 
durchaus  (partout)  nicht  gehorchen, 
auch:  he  vmll  nich  höre,  horche. 

Orduine,  /.,  „eine  Pfeife  von  bieg- 
samem russischen  Holz^.  Er  schlug 
mich  mit  seiner  langen  Orduine  so  ge^ 
waltig  auf  den  Rücken,  da/z  ich  die 
Schwiele  noch  fühle.    Soph.  K.  VI,  106  £ 

Organist,  m.,  das  Geld,  als  nervus  re- 
rum.  Wo  du  nicht  bist,  Herr  Organist, 
da  schweigen  aUe  Flöten — aUe  Pfeifen — , 
da  brummet  keine  Pfeife.  Sprw.  I,  2854. 
Travestie  des  Liedes:  Wo  du  nicht  bist, 
Herr  Jesu  Christ  etc. 

orgeln,  sw.  1.  die  Orgel  spielen.  2. 
coire.  Im  Augsburgischen  tH>77}^^.  Bir- 
linger,  365a. 

omdlich,  culj.,  ordentlich. 

Orscheit,  m.,  s.  Ortscheit 

Ort  (o  kurz  und  lang),  m.,  Ecke,  vor- 
stehende Spitze,  äufzerster  Punkt.  In 
diesem  Sinne  schon  bei  J  er  ose  hin: 
er  buwete  an  des  (gartins)  orte  eine  kirch 


112 


Ort  —  Osemund. 


und  ein  spittdl,  7  b.  gip  mir  wäre  loise 
wort,  daz  dich  m^ner  zunge  ort  lobe  mit 
getichtey  Ic.  Pfeiffer,  202.  Or^  als 
Spitze,  lebt  in  den  Ortsnamen :  BrUater- 
Oi%  Landsort,  Schwarzort  ^  Steinort 
Alle  diese  Ortschaften,  deren  Namen 
mit  langem  hellen  o  gesprochen  wer- 
den, liegen  auf  einer  in  die  See  oder 
das  Haff  gebenden  Landspitze.  Pas- 
sarge, Balt.,  156.  Auch  die  Land- 
spitze, welche  durch  zwei  sich  vereini- 
gende Flüsse  gebildet  wird,  heüzt  Ort  (0 
lang).  Vgl.  Birlinger,  365b.  Brem.Wb. 
in,  268.  Schützern,  180.  Dähn., 
339a.  Vilmar,  292.  Frisch  II,  33b. 
Hennig,  175. 

Ort,  Dem.  Ortchen  (beide  0  =  o),  w. 
Vom.,  Dorothea,  s.  DorAt 

Ortband,  n.,  Metallbeschlag  um  die 
Spitze  einer  Degenscheide.  Hennig, 
175.  Mnd.  ortbant  Mnd.  Wb.  lü, 
239b.    Bei  Dähn.,  339a. 

Ortscheit,  Orscheit  m.,  Schwengel  an 
der  Bracke,  kleine  Bracke  über  der 
Gabeldeichsel  für  einen  Einspänner. 
Westpr.  Werder.  Pob.  orczyk;  in  Voc. 
252:    Orschyt  für  das  altpr.  walis, 

Ortsschwager,  pltd.  Ortschwager  (0=J), 

97).,  Zuchteber;  in  manchem  Dorfe  wird 
nur  ein  solches  Tier  gehalten.  Elbing. 
Vgl.  Sprw.  I,  2855. 

Ortstein  iO  =  6)y  m.,  s.  Eisensand. 

Ortswäke,  /.,  Wune  (ausgehauenes 
Loch)  im  Eise,  End-  und  Wendestelle 
beim  Gamzuge  unter  dem  Eise.  S. 
Winterfischerei. 

Ss,  Sse,  Sst  (ö  lang),  es,  tot,  adf., 
weifz,  zart,  fein;  von  der  Wäsche,  vom 
Brot,  vom  Mehl,  vom  Teint,  von  der 
Leinwand  etc.  Dat  os  öset  —  östet 
Mehl  etc.  So  ös  on  rot  wt  Melk  on 
Blot.  Sprw.  I,  684.  Nach  Klein  U, 
39,  in  Danzig  auch  vom  Fleisch^  be- 
sonders   Kalbfleisch,    wenn    es    recht 


weifz  aussieht.  Von  einem  groben  und 
plumpen  Menschen  sagt  man:  Es  ist 
kein  öser  Bissen  an  ihm,  H  e  n  n  i  g ,  56. 
174. 

Ösbrot,  Ösebrot  (Ö  lang),  n.,  Brot 
aus  fein  gebeuteltem  Roggen mehl,  im 
Gegensatz  zu  Grobbrot  Aus  ös  und 
Brot   Schemionek,  9:  Eesbrot    Vgl. 

Brot  u.  Weclc 

6sch,  adj.,  schwer  zu  behandeln,  aasig 
(in  schimpflichem  Sinne),  garstig,  häfz- 
lieh.  Ästiges  Holz,  das  sich  schwer 
spalten  läl'zt,  ist  osch.  Ermland.  Ver- 
wandt mit  ai/z  (s.  d.).  Mühling^ 
Proben,  435. 

Osche,  Oschft,  Oscher,  Oscheice,  /.,  in 

der  Kindersprache  Grofzmutter.  M  ü  h  - 
ling  hat  Osche  u.  Osche^\ 

OschfOSCh,  m.,  Phosphor. 

Öse,/.,  Dem.  ös-chen.  1.  Drahtöhr, 
-Ringlein,  in  welches  der  Haken  fafzt. 
Haken  und  Ösen  halten  z.  B.  die  Taille 
eines  Frauenkleides  zusammen.  2.  öhr- 
artige Schlinge  in  Band,  Schnur  oder 
Strick.  3.  Knopfloch.  S.  Einosel,  Im 
Holstein.  Oesche^  in  Hamburg  Oegeske, 
Oeske.  Schütze  HI,  168.  Richey, 
176.  Ahd.  ord,  mhd.  ore,  6r  Ohr,  Öhr, 
iat.  aurts,  lit.  ausis,  poln.  ucho.  Vgl. 
Schade,  666b.    Hennig,  174. 

Bse,  adv.  u.  adj.,  barsch,  dem  Ge- 
schmacke  nach.  Es  schmeckt  ose.  Müh- 
ling. 

Ösebrot,  n.,  s.  Ösbrot. 

öseln,  9w.,  wühlen,  sich  balgend  um- 
herwälzen und  dabei  verunreinigen.  Se 
speie  (spielen)  om  Sand  und  öseln  da 
'römmer  (umher).     In    gleichem  Sinne 

auch  Ottern.    beOseln,  sich,  sich  durch 

Oseln  beschmutzen.  Na  Jung,  du  hast 
dich  wedder  gut  beoselt!    Saalfeld. 

Osemund,  mnd.  osemunt,  schwedisches 
Eisen.  15.  Jahrh.  Danzig.  Hirsch, 
257.    Mnd.  Wb.  HI,  242  b. 


Ösen  —  Osterwasser. 


113 


Bsen,  sw.y  den  Faden  in  die  Öse,  in 
das  Öhr  ziehn,  einfädeln,  gewöhnlich 
einasen  (s.  d.).    Hennig,  174. 

Ssen,  9w.,  den  Abtritt  reinigen.  Dzg. 
W.  Seidel,  33.  Mnd.  osen  schöpfen, 
ausschöpfen.  Mnd.  Wb.  lü,  243  a.  In 
Bremen  ist  Oese  die  Dachtraufe  ohne 
Rinne,  das  unterste  Ende  des  Daches; 
aesen  das  Wasser  ausschöpfen.  Brem. 
Wb.  ni,  273.  274.  Holl.  ist  oose  ein 
Giefzer,  Giefzschaufel.  In  Bayern  Ösen 
leer  machen,  aufbrauchen,  erschöpfen. 
Schmeller  I,  121;  in  Ditmarschen 
einen  Brunnen  reinigen,  Wasser  schöpfen. 
Schützern,  161. 

ösfafz,  pltd.  Ösfatty  n.,  schaufelartiges 
Schöpfgefaf'z  zum  Ösen,  in  Böten,  auf 
Kähnen;  nach  Schemionek,  26,  Hand- 
schaufel.   Vgl.  P»lt. 

Ssnasig  (ö  lang),  adj,,  feinnasig,  em- 
pfindlich; von  ÖS. 

OssepOper,  m.,  der  Wiedehopf,  üpupa 
Epops.  V.  Auer.  B^ngt  wie  eine 
Korrumpierung  des  systematischen  Na- 
mens. 

Öster,  /.,  plur,  östers,  Auster,  Ostrea 
eduUs.  Holl  oester^  engl,  oister^  franz. 
huitre,  poln.  ostrzyga,  ostryga.  Im  Hol- 
steinschen  Auster,  aber  auch  zäher, 
dicker  Auswurf.  Schütze  IH,  161. 
Hennig,  175. 

Osterblume,  /.,  Wiesenkuhschelle,  Pulr 
satiUa  pratensis  MilL    Hagen,  566. 

Osterei,  n.,  Ei,  das  zum  Osterfeste 
farbig  gekocht  wird.  Man  kratzt  den 
Kindern  kleine  Bilder,  Namen,  Sinn- 
sprüche etc.  in  die  Schale,  oder  ätzt 
solche  mit  Scheidewasser  aus.  Volks- 
tümliche Ostereier-Reime  s.  Volksr., 
227,  798.  Nach  Hennig,  176,  sind 
Ostereier  die  Eier,  welche  dem  Pfarrer 
und  andern  Kirchenbeamten  zur  Oster- 
zeit  als  Kaiende  gebracht  werden. 

Fritchbier,  W5rterbaoh  II. 


Osterfladen,  m.,  Fladen,  der  zum  Oster- 
feste gebacken  wird. 
Osterkalb,  n.,  s.  OsterwoH. 

Osterlakzie,  Pflzn.,  Osterluzei,  AristO' 
lochia  clematitis  L.  Weichseldelta. 
Treichel,  Volksth.  HI. 

Osterlamm,  n.,  Lamm,  aus  Butter  ge- 
formt, in  liegender  Stellung,  mit  dem 
die  Handelsfrauen  zu  Ostern  umher- 
gehen, um  Gaben  einzusammeln.  Yolks- 
kalender,  95.  In  Bayern  ist  das  Oster- 
lärnblein  Eierkäse  in  Form  eines  Lämm- 
leins, welcher  nebst  den  Ostereiern  etc. 
am  Ostersonntag  zur  Weihe  in  die 
Kirche  gebracht  wird.  Schmeller  I, 
126.  Bei  uns,  wie  auch  in  der  Ober- 
lausitz (Anton,  11,  6),  sieht  das  Volk 
das  Osterlamm  in  der  aufgehenden  Sonne 
hüpfen. 

Osterlilie,  /.,  gemeine  Narzisse,  Nar- 
cisstts  pseudonarcissus  Z..,  weil  die 
Pflanze  zur  Osterzeit  blüht.  Sie  heifzt 
auch  gelbe  Narzisse,  Treichel,  Volks- 
thümliches  IH. 

Osterlinge,  plur.y  alter  Name  für  die 
Bewohner  Preufzens,  als  Volk,  das  ge- 
gen Osten  wohnt.  Hartknoch.  Hen- 
nig, 176. 

Ostern,  n.,  üblicher  Schmackostem 
(s.  d.). 

Österschale,  /.,  Austerschale,  s.  Öster. 

Osterwasser,  n.,  Wasser,  das  in  der 
ersten  Ostemacht  vor  Sonnenaufgang 
aus  einem  Flusse  geschöpft  ist.  Es 
wird  aufbewahrt  und  zum  Waschen  für 
das  ganze  Jahr  benutzt.  Es  soll  die 
Schönheit  nicht  allein  erhalten,  sondern 
auch  erzeugen,  Sommersprossen  und 
alle  Ausschläge  vertreiben,  auch  gegen 
alle  Krankheiten  dienen  und  nie  fau- 
len. Dafz  Letzteres  wirklich  der  Fall, 
glaubt   Mühling    entschieden.     Diese 

Wunderkrafb   hat  das   Wasser  jedoch 

8 


114 


Osterwolf  —  paaren. 


nur  dann,  wenn  bei  dem  Hin-  und 
Rückgange,  wie  während  des  Schöpfens 
kein  Wort  gesprochen  wird;  geschieht 
dies,  so  verliert  das  Wasser  seine  heil- 
same Kraft.  Die  Schöpfenden  werden 
von  Mutwilligen  and  Schadenfrohen  oft 
auf  harte  Proben  gestellt.  Yolkskal., 
84.  Hennig,  176. 
Osterwolf,  pltd.  Osterwulf,  m.,  groi'zer 

alberner  Mensch;  in  gleichem  Sinne  auch 
Osterkalb,  pltd.  -kalw.     Samland. 

Ostirzken,  Ortsn.,  Dorf  bei  Tilsit.  Es 
ist  ein  Ostifzker^  er  hält  den  Mund  offen. 
Er  ist  aus  Ostifzken^  wo  sie  die  lange 
Kobbel  haben.  Man  sagt  den  Bewoh- 
nern des  Dorfes  neckend  nach,  dafz  sie 
ehemals  nur  eine  Stute  zum  gemein- 
samen Gebrauch  gehalten.  Sprw.  I, 
2857  a. 

OstroWy  m.,  Insel  in  Flüssen  u.  Land- 
seen,   Holm;    ebenso    poln.      Westpr. 


Schmitt,  165.  In  Masuren  auch  Halb- 
insel.    Gortzitza.      Nach    Sperber, 
38,  Ostruf,  n.,  das  Werder. 
Ostseehering,  m.,  s.  StrSmIing. 

öfzer,  adv.^  als  Beteuerung  in  dem 
Sinne  von  wahrlich  nicht;  von  dem 
hebr.  osur  verboten.  Vgl.  Sprw.  I, 
2851. 

Otem  {0  =  6%  m.,  Odem,  Atem. 

Otsch,  m.  Vom.,  Otto.  Sperber, 
23.  Otsche,  Dem.  Oischchen,  w.  Vorn., 
Ottilie. 

ottem,  sw.  1.  erwischen,  erlangen, 
erreichen;  aber  auch  stehlen.  Öck  heW 
et  endlich  terottert^  ich  habe  es  endlich 
erreicht.  Dat  heft  hei  geottertj  das  hat 
er  gestohlen.  Samland.  2.  s.  v.  a  Sseln 
(s    d.). 

OtterzHze,  pltd.  OttertStt,  /.,  Belemnit, 
wie  die  Zitze  der  Euh  gestaltet.  Sam- 
land.   Vgl.  Donnerkeil  u.  Pillerstein. 


R 


p,  Lippenlaut,  bleibt  anlautend  im 
Plattdeutschen:  Probe  Prdwy  Paar  Pär^ 
Peitsche  Pitsch;  das  auslautende  (in 
der  Schrift  b)  geht  gern  in  ein  w  oder 
/  über:  ab  a/,  gab  gaf^  Grab  Graf^ 
blieb  blewy  grob  grof;  das  inlautende 
bleibt  p  oder  wird  b:  Lappen  Lappe^ 
Rippe  Ribbe^  doppelt  dobbelt  Lehmann, 
Volksmund.,  29. 

paar,  pltd.  par  {a  =  ä\  adj,  u.  adv., 
paarweise,  gleich,  in  gerader  Zahl;  im 
Gegensatze  zu  unpa^r.  Spiel  um  die 
Zeche:  Paar  oder  unpaarf  in  betreff 
von  Geldstücken,  Schwefelhölzchen  etc., 
welche  man  ungezählt  ergreift.  Für 
Liv-  u.  Estland  Hupel,  166.  S all- 
mann, 50b. 

Paarchen,  pltd.  Parke  (a  ^  a),  n.   1. 


Pärchen.  Sie  ist  von  einem  Paarcfien 
entbunden  worden.  On  schenk  en  Poorcke 
ju  op  öne  hole  Huhpe.  Carm.  nupt.  III, 
77  d.  2.  Brautpaar.  Ich  altei^  Narr 
dachte^  das  müfzte  und  müfzte  ein  Pahr- 
chen  werden.  Soph.  R.  II,  454.  Was 
wird  denn  also  aus  eu^ch  beiden  werden? 
Ein  Pahrchen^  une  ich  hoffe.  Ibid.  III, 
167.  Damit  dies  ein  Pahrcfien  werde? 
Ibid.  IV,  346.  Bis  hätte  das  können 
ein  glückliches  Pahrchen  werden.  Il>id. 
V,  146. 

Paarchentopf,  m.,  s.  Paartopf. 

paaren,  sw.^  paarweise,  je  zwei  und 
zwei,  zusammenthun.  Paaren^  une  der 
Bauer  die  Drosseln.  Die  Drosseln  wur- 
den früher  nur  paarweise  zum  Kauf 
angeboten,  wobei  stets  eine  grolze  und 


Paarsemmel  —  Pademdonnek. 


115 


eine  kleine  zusammengebunden  war. 
^gsbg.  sich  paaren^  sich  paarweise 
ordnen;  sich  geschlechtlich  zu  eiuem 
Paare  verbinden,  verloben,  verehelichen. 
Steit  frie^  dat  eck  en  Dangs  na  miener 
Buurart  hömpelf  Sa  fraagd  eck  erseht^ 
dama  paard  eck  mie  met  der  Greet. 
Carm.  nwpt  I,  282.  16.  Ehrwürdiger 
Bräutigam^  der  sich  heut  paaren  kann. 
Ibid.,  I,  120.  Die  Vogel  paaren  sich, 
Kinder^  paart  jü  !  Sprw.  I,  2859.  Hen- 
nig, 178,  hat  die  Redensart:  Er  ist 
heute  nicht  gut  gepaart,  ist  bei  übler 
Laune,  mürrisch  u.  unfreundlich. 

Paarsemmel,  /.,  Semmel,  Weifzbrot, 
aus  zwei  Stücken  zusammengesetzt,  die 
durch  Bruch  sich  leicht  teilen  lassen. 

Bock,  41.    S.  Pftmel. 
Paartopf,  auch  Paarchentopf,  pltd.  Par- 

topp,  Parketopp  (pltd.  a  =  a),  m.,  irde- 
ner Doppeltopf  mit  Bügel,  worin  das 
Essen  den  auswärts  Arbeitenden  zu- 
getragen wird.  Samland.  Saalfeld.  Dzg. 
Nhg.    Violöt,  164.     Sperber,  23. 

Pachin',  /.,  Marke,  welche  Chaussee- 
oder Bahnarbeiter  zur  Bestreitungaugeo- 
blicklicher  Bedür&isse  als  Vorschufz- 
zeichen  auf  ihren  Arbeitslohn  erhalten. 
Sperber,  42. 

Pachiner,  m.,  Bettler,  Landstreicher. 
Sperber,  42. 

Pachlander,  m.,  Diener,  der  auf  dem 
Gefährt  hinten  aufsteht;  von  dem  poln. 
pachol§  Bedienter,  Aufwärter,  Bursche. 
Schmitt,  Westpr.,  166. 

Pachthofmann,  -hömann,  7n.,   s.  Hof- 
mann. 
Packamor,  m.,  s.  Pakmör. 

Packätehe,  /.,  Bagage;  von  lack  in 
doppelter  Bedeutung:  Gepäck;  Gesin- 
del, Pöbel.  In  Zusammensetzungen: 
Suren-,  Schelmenpackd8che, 

Packmör,  m,,  s.  Pakmör. 

Packrant,   /.,    die  Böschungslinie  im 


Boden  des  kurischen  Haffes,  ehemaliges 
Haffufer;  auch  (zwischen  Memel  und 
der  Windenburger  Ecke)  Krantas,  m. 
Nach  Nsslm.,  Wb.  223b,  ist  lit  kranr 
tos  Rand,  Ufer  eines  Flusses,  nicht 
des  Haffes  oder  der  See;  pakrantas  » 
Stelle  oder  Gegend  am  Ufer.  S.  Be- 
necke, 223. 

Padde,  /.,  nach  Sperber,  23,  eine 
Art  Frosch;  nach  Treichel  in  Westpr. 
Frosch  überhaupt.  In  Ostpr.  hcil'zt  der 
Frosch  allgemein  Pogge  (s.  d.). 

Paddelboot,  n.,  Boot,  das  durch  Pad- 
deln bewegt  wird,  Räderboot,  dessen 
Schaufeln  durch  die  Hand  gedreht  wer- 
den. 

paddeln,  sw,  1.  mit  kurzen  Schritten 
gehen,  trippeln,  watscheln.  Im  Brem. 
padjen,  putjen,  im  Osnabr.  padken  mit 
kurzen  Schritten  laufen;  Päd  FuTzsohle. 
Brem.  Wb.  IH,  279.  Lit.  pddas,  lett. 
pehda  Fufzsohle,  Fufz,  altpr.  peadey 
Socken.  Voc.  482.  Nsslm.  Th ,  122. 
Danneil,  150b,  bezeichnet  als  Stamm 
Päd  (Pfad),  das  Weg  und  Wasser  zu- 
gleich bedeutet,  bepaddeln,  betreten, 
tretend  beschmutzen,  verpaddeln,  zer- 
paddeln,  durch  Paddeln  etwas  zertreten, 
zerstören.  Die  Hühner  —  die  Hunde 
verpaddeln  die  Beete.  Die  Stube  voll- 
paddeln,  mit  dem  Schuhwerk  Schmutz 
hineintragen.  2.  im  Wasser  gehen  oder 
hantieren,  plätschern.  Badende  Knaben 
paddeln  im  Wasser.  Bock,  39.  Hen- 
nig, 176. 

paddeln,  peddeln,  sw.,  treten;  begattend 
treten;  coire.  In  Westpr.  auch  pedden. 
Ein  dreger  Hahn  paddelt  got.  Dat  die 
de  Hahn  hackt  on  de  Häng  (Henne) 
paddelt  Sprw.  I,  1445  f.  Die  Ernten 
peddeln  sich.     Vgl.  das  vor. 

Pademdonnek,  m.,  Fulzfiall.   Eorrurop. 

aus  dem   poln.  upadac  do   nög   einen 

Fulzfall  thun.     TreicheL 

8* 


116 


padolscli  —  PakuIkB. 


padölsch,  podöbch,  adj.y  angeschickt, 
schwerfallig,  ungefügig,  grofz  u.  plump, 
linkisch.  Ein  padoUscher  Kerl.  In 
Mecklenburg  perdokch.  Mi,  62b.  Von 
podolüch^  aus  Podolien  stammend:  p<H 
dolische  Ochsen, 

paffelhaftig,  adj,  u.  adv.  .  .  .  sehet  auffs 
genaueste^  obs  müglich  sei  noch  zur  Zei% 
da/z  man  so  genau  und  gewis  den  Effec- 
tum  oder  das  Gewitter  (Wetter)  treffen 
känne^  als  wol  mancher  ihm  (sicK)  pa fei- 
hafftig  einbildet     Linem.,  D  4b. 

paffen,  sw.^  wiederholt  einen  Paff 
(Knall)  hören  lassen,  knallen;  schnell 
und  hörbar  rauchen.  In  der  Verstär- 
kung paffzen.  Er  paffzt  die  ganze  Stube 
voU^  der  starke  Raucher,  der  scherz- 
weise Paffzer  genannt  wird.  Hennig, 
176. 

Paise,  /.,  s.  Peise. 

Pajatz,  Pojatz,  nach  Sperber,  44, 
auch  Pujatz,  m.,  Bajazzo,  Clown,  Hans- 
wurst. Jetzt  komm  ich^  sagt  der  Pajatz 
—  auch  mit  dem  Zusätze:  und  springt, 

pajen,  sw.^  bepajen,  mit  grofzen,  un- 
förmlichen Händen  jemand  über  das 
Gesicht  fahren.    Elbinger  Ndrg. 

päkem,  sw,^  s.  pekem. 

Pakmör,  Packmör,  Packamor,  in  Ur- 
kunden Podkamor^  Potkamo7\  m.,  Amts- 
diener, Kämmerer  auf  den  ehemaligen 
Amtshöfen,  der  im  Amtsbezirke  die 
niedere  Polizei  ausübte,  die  mündlichen 
und  schriftlichen  herrschaftlichen  Be- 
fehle auf  den  Dörfern  bekannt  machte, 
Gerichtsdiener,  Landreiter.  Lit  paka- 
TnörCy  vom  poln.  podkomorzy  Ünter- 
kämmerer,  nach  Mrongov.  I,  345  a, 
wohl  nicht  genau  Kämmerer,  Kammer- 
herr. Toppen,  Altpr.  M.  IV,  141, 
bemerkt,  dafz  auf  die  beiden  Formen 
Podkamor  und  Packamor  sich  die  be- 
kannten Familiennamen  Puttkamer  und 
Packmohr  stützen.    Nsslm.  Th.,  134; 


Wb.  276a.    Pierson,  A.  W.,  34.    Der 
paxikmßihr^  dafz  ist  der  landtreuter.    Aus 
1520.     Grünau,  Prlz.  Chron.  XHI,  4. 
§  3.    (In  der  gedruckten  Ausgabe  von 
Perlbach  steht,    S.  627,    im    Texte, 
wohl  infolge  falscher  Lesung,  y^landt- 
richter^^   in    der    Note    „landtreuter^.) 
Der  Hochmeister  Ulrich  von  Jungin- 
gen zahlt  zu  Wohnsdorf :  „//  scot  dem 
packamar^y  desgleichen  in  Barten  „IUI 
scot  dem  poikamor^  und  bei  Leunenburg 
y^Ifirdung  dem  potkamor  mit  synem  com- 
pan.^  1409.    Treslerbuch,  275d.  276a. 
Es  soll  ihnen  (den  Litauern)  zu  ihren 
Verlobnissen  nicht  mehr  als  eine  Tonne^ 
zu  den  Hochzeiten  aber  nur  vier  Ton- 
nen Allaus  zu  brauen  und  auszutrinken 
verstattet  sein.     Darauf  denn  die  Land- 
Schoppen    durch    die    Pakmohren    gute 
flei/zige  Aufsicht  haben  sollen.    Lister- 
burger  Kirchen- Visit-Ordng.  H  en n  i  g , 
177.      In    Pisanskis    Nachtr.    Park- 
mohr Landesbote,    der  von  der  Herr- 
schaft  mit  Briefen    verschickt   wurde. 
Es  wird  ihrer  und  der  ihnen  zu  ver- 
schaffenden öffentlichen  Sicherheit  ge- 
dacht in  der  Willkür,  die  unterm  Hoch- 
meister Conrad  von  Jungingen  abgefafzt 
wurde.     Pr.  Landr.  von  1685,  Lib.  I, 
Tit.  I,  §  1,  wo  sie  Packmohren  heilzen. 

Vgl.  Freigut 

Pakulks,  Pakuls,  Pokuls,  Pokulks,  auch 
Pikellus,  m.  In  diesen  Formen  lebt 
noch  das  altpr.  pyculs  Hölle  (Voc.  10), 
pickuh^  Gen.  pickuUas  Teufel,  lit.  py- 
kulas  Zorngott.  Bock,  45:  Man  höret 
noch  zuweilen  aus  dem  Munde  der  ge- 
meinen Leute:  Der  PokulUcs  (Pokuls) 
wird  dich  nicht  holen.  Aus  Korkehnen 
im  Samlande  erhielt  ich  die  Redensart: 
HoFs  der  Pahdks.  Sprw.  H,  1225. 
Auch  hört  man  an  einem  Unglücks- 
tage: Hü^de  regert  de  Pahds.  Heft  mt 
denn  nu  de  PokuUs  Hia  na  Schoppen- 


Pakullas  —  Palme. 


117 


poUgedragef  Volksl.,  67,  44, 10.  Nach 
Sperber,  41:  Der  Pikellus  kommt. 
Man  schreckt  mit  diesem  Rufe  die 
Kinder;  in  der  Weihnachtszeit  ver- 
kleidet man  sich  in  vielen  Gegenden 
als  Pikeüvs^  um  die  Kinder  zur  Artig- 
keit zu  mahnen.  Auch  Gortzitza 
kennt  aus  seiner  in  Neidenburg  ver- 
lebten Kinderzeit  den  Pikellus  (JPih- 
jeUus)  als  Knecht  Ruprecht. 

PakullaSy  m.,  ein  aus  Klunkern  ge- 
drehter Strick.  Mühling.  Lit.  pd- 
kuUa^  gew.  im  plur,  pdkuUos  grobe 
Hede ,  Schvnngelhede ,  Klunkern. 
Nsslm.  Wb.,  208b. 

Pakuls,  m.,  s.  Pakulks. 

Päl,  Dem.  Pälchen,  pltd.  Pälke,  n., 
Pfühl,  Kopfkissen  für  zwei  Personen. 
In  Bremen  Pöly  angs.  pyle^  engl,  pillowy 
holl.  peuluw.  Brem.  Wb.  III,  351.  In 
Pommern  Pal  u.  Pol.  Dähn.,  842a. 
Hupel,  169:  Pe/de. 

palabinken,  sw.^  den  Trank  segnen. 
Nadrauen:  päldbinti.  Vgl.  das  Genauere 
bei  Pierson,  Matth.  Prätor.,  52.  150b. 
Kaum  dass  er  einen  Schluck  gethan^ 
hebt  er  wieder  an  zu  palabinken  i.  e, 
den  Trunk  zu  segnen  und  zu  beten. 
Ibid.,  53. 

Pälchen,  m.  u.  n.,  s.  Pälke. 

Pälchenkuchen,  m.,  Kuchen  für  ein 
Pälchen  (s.  Pälke). 

palem,  sw.^  reden,  schwätzen.  Einem 
etwa»  vorpalem.  Mnd.  palleren  parlie- 
ren, frz.  parier,     Mnd.  Wb.  III,  294b. 

Pairtsch,  /.,  s.  Politsch. 

Palke,  /.  1.  Prügel,  Stock,  Knüttel; 
von  dem  poln.  paika  Keule,  Schlägel, 
Knüttel.    Flatow.     Schmitt,  108.    2. 

a.  Palken  y   m.^    grofzes    und    einzelnes 
Stück,  ein  Grofzes.    Das  ist  ein  Palken. 

b.  plur,  von  1,  längliche  Spielmarken, 
die  nur  1  Point  gelten.     Treichel. 

Pälke,  Pälchen,  Pfilke,  PUlke,  Pälchen, 


Pälcher,  971.,  ehemalige  Kupfermünze, 
2  Pfennige  an  Wert;  in  Preufzen  und 
Polen.  Vgl.  Erl.  Pr.  V,  282.  Öck  heW 
noch  en  kromm'  Pelke^  Dat  woU  öck 
gewe  di.  Kromni  PeUce  ös  to  wenig^  E 
Groschke  ös  to  vel!  Volksr.,  238,  840. 
Die  Bäcker  sollen  ein  Pfund  Speisebrodt 
um  einen  PelcheUy  zwey  Pfund  aber  um 
einen  Ghroschen  geben  und  verkaufen, 
TaxordnuDg  vom  J.  1633.  Hennig, 
190.  Lit.  pellkas,  peRkis;  nach  Hen- 
nig poln.  puiki  (bei  Mrongo vius  nicht 
zu  finden).  Nsslm.  Forsch.  2;  Th., 
123.  Pierson,  A.  W.,  31.  Vgl.  Drei- 
pUlcher. 

Pälke,  plur.^  nach  Mühling  uber- 
jährige  Schweine. 

Pälkekuchen,  m.,  s.  Pälchenkuchen. 

Pälkelicht,  n.,  Licht,  das  1  Pälke 
kostet,  jedes  dünne  Talglicht  überhaupt. 
Er  giebt  keinem  Deiwel  ein  Pälkelicht^ 
er  ist  sehr  geizig.  Er  ist  so  dünn  wie 
ein  Pälkelicht     Sprw.  I,  1068.  670. 

Palken,  m.,  s.  Palke. 

Pälkenagel,  m.,  Nagel,  der  1  Pälke 
kostet.    S.  Klammspeicher. 

Pälketopf,  w.,  grolzer  Topf.  Der  Vor- 
satz ist  hier  wohl  nicht  Bestimmung 
des  Preises,  sondern  unbestimmte  Be- 
zeichnung der  Gröfee.    Marold. 

Pälkezwerg,  w.,  Zwerg  (s.  Dwarg\ 
der  1  Pälke  kostet. 

Pälkom,  n.,  Rundgetreide. 

Palmchen,  n.,  Knöterich,  Polygonum 
Orientale  L.    Weichseldelta.    Treichel, 

Voiksth.  m. 

Palme,  /.,  Zweig  der  Salweide  {Sa- 
lix caprea  L.)  mit  Schäfchen,  Blumen- 
kätzchen, welcher  in  Stelle  des  wirk- 
lichen Palmenzweiges  am  Palmsonntage 
vom  Priester  geweiht  wird  (Ermland); 
auch  das  Schäfchen  allein.  Wer  am 
Palmsonntage  nüchtern  drei  (Sperber, 
23:  neun)  solcher  Palmenschäfchen  ganz 


118 


Palme  —  päroeln. 


verschlackt,  ist  für  das  folgende  Jahr 
gegen  das  kalte  Fieber  geschützt.  S. 
Treichel,  Volksth.  lU.  Um  die  Pal- 
men für  den  Palmsonntag  zu  haben, 
stellt  man  Weidenzweige  in  Wasser 
auf  den  warmen  Ofen.  In  Bayern  der 
Palm.    Schmellerl,  281. 

Palme,  /.,  Fischn.,  Barbe,  Cyprimis 
barbus  L.  (Barbus  fluviatilü  Cuv.).  Gu- 
ber.     Mühling. 

Palme,  f.,  s.  Palwe. 

pälsch,  Zuruf  an  Zugvieh,  wenn  es 
rechts  gehen  soll.     Gumbinnen. 

Palte,  /.,  gew.  plur.  Palten,  kantige 
Rasenstücke.  In  Hamburg,  im  Hol- 
steinschen,  in  Pommern  sind  Palten 
ab^rissene  oder  abgeschnittene  Lap- 
pen, Stücke,  z.  B.  vom  Kleide,  vom 
Brote,  vom  Fleisch.  Richey,  180. 
Schütze  in,  188.  Dähn.,  343a.  Im 
Göttingenschen  Palten^  Palken^  w.,  eine 
grofze  Schnitte,  ein  grofzes  Stück. 
Schamb.,  151a.  Vgl.  Kampe  u.  Pal- 
ken  2. 

PaKrock,  w.,  grober  Überrock,  Regen- 
rock, mnd.  palt-^  pakrock.  Mnd.  Wb. 
III,  295b.  Das  Brem.  Wb.  lU,  287, 
erinnert  an  das  lat.  palla  langes,  wei- 
tes Oberkleid,  Mantel.  Dähn.,  343a, 
erklärt:  Rock  mit  Falten.  Hupel, 
167. 

Paltrockwindmllhle,  /.,  Windmühle,  die 
sich  vollständig  auf  Walzen  dreht,  die 
auf  einem  gemauerten  Eranzfundament 
auf  Bohlen  gehen.  Ich  beabsichtige 
meine  neue  Paltrock- Windmühle  nebst 
12  Morgen  Land  etc.  zu  verkaufen. 
Kirchdarf  Orlowen^  Kr.  Lötzen.  Kem- 
mesies.  Kgsbg.  Allg.  Ztg.  vom  12.  April 
1882.   Beilage. 

Palwe,  /.,  Urland,  Heideland,  mit 
moosigem  Gras  und  oft  noch  mit  nie- 
drigem Gestrüpp,  meist  Kaddig,  be- 
standen, nur  als  (dürftige)  Viehweide 


benutzbar.  Den  Charakter  der  „aus- 
gerodeten Waldfläche"  (Nsslm.)  zeigt 
die  Pahoe  wohl  höchst  selten.  Nament- 
lich reich  an  Palwen  ist  das  Samland. 
Gebauer,  Kde.,  8.  Bock,  Nat.  III, 
767.  Hennig,  177,  hat  in  erster  Reihe 
Palme^  welcher  Name  gegenwärtig  für 
Palwe  nicht  mehr  gebraucht  wird,  je- 
doch in  Ortsnamen  noch  lebt:  Palm- 
nicken  im  Kr.  Fischhausen,  früher  Pal- 
weniken  d.  i.  Leute  auf  der  Palwe; 
Palmnicken  heifzt  auch  ein  Etablisse- 
ment bei  Fürstenwalde  in  Brandenburg. 
Hoppe,  Altpr.  M.  XV,  582.  Pierson, 
Altpr.  M.  Vni,  367,  weist  auf  lett,  plawa 
Wiese  hin;  Passarge,  Balt.,  29,  auf 
pilvis  Moorerde;  Nsslm.,  Forsch.  3, 
auf  poln.  pohwy^  russ.  polewyl,  adjek- 
tivische Ableitungen  von  pole  Feld, 
Ebene,  später,  Th.,  118,  auf  kslav. 
pljewq^  pljeti,  poln.  plewig^  plewic  aus- 
roden, jäten,  kslav.  pljewelu^  russ.  pU- 
wely^  plur.  Unkraut. 

Palze,  /.,  Zehe,  poln.  paUc,  plur. 
palce.    Sperber,  39. 

Pftmel,  Pommel,  /.,  Dem.  Pamelchen, 
Pämelke,  Semmel.  Nach  Bock,  40, 
Brot  aus  Weizen  und  Butter,  welches 
entweder  in  Reihen  an  einander  ge- 
backen (also  Semmel)  oder  auch  stück- 
weise verkauft  wird.  Schemionek, 
29:  Pohmel  Butterstriezel  mit  Rosinen. 
Pdmel  dürfte  eine  Zusammenziehung 
aus  Paarsemmel  sein.  In  Pommern 
ebenfalls  Semmel.  Dähn.,  343a.  Ein- 
derreim: Puschpuschj  mtn  Käterke^  wo 
wärscht  duf  „Ö»  Grofzmutte?*sch  Kä- 
merke^.  Wat  deedst  du  da?  „Eet  seete 
Melk  mot  PämeUce.''  Volksr.,  31,  119. 
De  Kenik  trank  just  Zeffrahnsthee  (Thee 
mit  etwas  Saffran  gemischt)  on  ds  en 
Pohmel  derzu.    Schaltj.,  3,  7. 

pftmeln,  (a  auch  =  a),  sw.^  mit  vollen 
Backen  kauen,  essen. 


pämmeln  —  Pankedorf. 


119 


pämmeln,  sw.^  zimperlich  thun,  sich 
zieren;  verzärteln,  verwöhnen.  Wenns 
(das  Aufgebot)  die  ganze  Gemeine  mit 
Ohren  gehört  hat:  was  häft  das  päm- 
meln f  Soph.  R.  III,  220.  Sorglose  Er- 
ziehung und  das  Pämmeln  und  Hät- 
scheln der  Weiber  thut  dazu  (daiz  die 
Empfänglichkeit  für  den  Schmerz  mit 
den  Jahren  wächst)  viel.  Ibid.  IV, 
337. 

pammlich,  adj.^  dicht,  dick,  voll.  Da- 
for  es  sien  Bart  uck  pammlichy  Dei  er- 
sett  dem  käle  Kopp,    Nowack,  11. 

Pampe,  Pampel,  /.  u.  m.,  Pams,  m., 

Brei,  dickes  Mus;  dicke  Suppe,  Breii- 
ges überhaupt  Die  Erbsen(-suppe)  sind 
heute  eine  Pampe.  Et  ös  reiner  Pams. 
In  Bayern  Pampf,  m.  Schmellerl, 
285.  S.Sperber,  23.  Danneil,  151b. 
Mi,  61a. 

pampelig,  adj,^  breiartig,  weich,  dick- 
flüssig. 

PampelmQs,  /.,  dicke  Mus,  s.  v.  a. 
Pampe. 

pampeln,  sw.  1.  zur  Pampe  machen, 
feste  Speisen  mit  flüssigen  mischen, 
mengen.  Brot  in  die  Suppe  pampeln, 
einbrocken.  Semmel  oder  Kuchen  ein- 
pampeln,  in  den  Kaffee  oder  Thee  tau- 
chen. Bock,  40.  Hennig,  177. 
Schemionek,  26.  2.  viel  essen;  dies 
jedoch  gewöhnlicher  pampsen  (s.  d,). 
3.  verstärktes  ampeln:  im  Schmutz  pam- 
peln.    Vgl.  paddeln. 

pampsen,  sw.,  viel  essen;  einstopfen: 
zunächst  in  den  Magen,  aber  auch  in 
Tasche  oder  Sack,  dann  einpampsen. 
Lit.  Wurzel  pamp  schwellen,  papampu 
ich  schwelle  auf.  Pierson,  Lit.  Aeq., 
9.  In  B&yern  pampfen  stopfen.  Schmel- 
1er  I,  285. 

Pampssattel,  Pamssattel,  m.,  ordinärer, 

hochgepolsterter  Sattel,  lit  pampsas. 
Vgl.  das  vor. 


PampQiche,  PapQtehe,  /.,  grofzer  Filz- 
schuh, Eggenschuh  (s.  Egge),  beque- 
mer und  warmer  Hausschuh  überhaupt. 
Schemionek,  26:  Pammpuhsen.  Poln. 
papti6^  plur.  papucie  Oberschuh;  in 
Bayern  Papotschen,  ungar.  paputs  (por 
putsch),  im  Holsteioscben  Pampuschers, 
plur.  Schmeller  I,  291.  Schütze 
n,  188. 

Pams,  m^  s.  Pampe. 

Pamssattel,  m.,  s.  Pampssattel. 

Pamuchel,  m.,  Dorsch,  s.  DSsch. 

panibratsch,  adj,,  s.  panjebratsch. 

Panltschken^  n.,  Herrchen.  T reich el. 
Im  Fr. -Poln.  panic  junger  Herr. 

panjebratsch,  panibratsch,  adj.,  ver- 
traut, familiär,  du  und  du  sein^  sich 
gemein  machen.  Blr  ist  mit  allen  gleich 
panjebratsch.  Aus  dem  poln.  za  panie 
bracie  z  kirn  bic  mit  jemand  vertraut, 
wie  Bruder  und  Bruder,  leben;  bracie 
sich  verbrüderii,  Brüderschaft  machen, 
pan  Herr.  Mrongov.  I,  320a.  Sper- 
ber, 39. 

Pank,  n.,  grolzes  Stück,  z.  B.  Brot, 
Ladung  Stroh,  Holz.     Treichel. 

Panke,  n.,  plur.  Panken,  Herrchen, 
In  Masuren  Anrede  für  den  Hausherrn. 
Aus  dem  poln.  pan  Herr,  mit  der  pltd. 
Dem.-Endung  ke.  In  dieser  Bedeutung 
hat  auch  die  Bezeichnung  der  kleinen 
westpreufz.  Edelleute  als  Panken  ihren 
Grund.  Droysen,  Leben  Yorks  I,  5: 
Pancken.  Hintz,  114.  Nach  Sper- 
ber, 39,  Panie,  Herr,  als  scherzhafte 
Anrede  auch  bei  den  Deutschen  der 
halbpolnischen  Gegenden  gebräuchlich. 

Pankedorf,  n.,  Dorf^  dessen  Areal 
Pankeherren  besitzen.  Es  zerftllt  in 
zahlreiche  kleine  Anteile,  die  je  als 
besondere  adliche  Güter  in  dem  betr. 
Hypothekenbuche  eingetragen  stehen. 
Diese  Anteile  haben  oft  kaum  die  Gröfze 
eines  Bauernhofes.    Panked6f*fer  findet 


120 


Pankeherr  —  Pipesack. 


man  in  Kassuben,  speziell  in  den  Krei- 
sen Neustadt,  Karthan^,  Berendt,  Star- 
gard,  Konitz  und  in  Pommern  hinein 
bis  Bütow.     Mühling. 

Pankeherr,  m.,  wörtlich  Herrchenherr, 
kleiner  westpr^  namentlich  kassubischer 
Edelmann,  oft  so  ärmlich,  dafz  er  selbst 
auf  seinem  kleinen  Besitztum  mitar- 
beiten mufz  und  seine  Kinder  die  Herde 
hüten.  Erwachsen,  dienen  Yiele  Kin- 
der der  Pankeherren  als  Knechte  und 
Mägde.  Daher  das  kassubische  Sprich- 
wort: Ich  bin  Herr  und  du  bist  Herr, 
wer  wird  aber  die  Schweine  hüten,  ja 
pan  i  ty  pan^  akto  z  nas  bgdsie  »wmie 
padf  MrongoY.  I,  320a.  Vgl.  Panke. 

pankritsch,  adj,^  listig;  schadenfroh; 
engherzig.     Saalfeld. 

panknitt,  adj.^  bankrott 

panksen,  «r.,  dumpf  tonen  bei  einem 
Stolze  oder  Schlage;  schallnachahmend. 
Dm  pankste  man  so!  Poln.  pfkac  knal- 
len.    Treichel. 

Paim,  Panne,  /.,  Pfanne.  Altpr.  penU- 
weko  Tiegel  (Voc  352). 

pannkefett,  adv.^  aus  fetter  Pfanne. 
Parmkefett  leben^  schmausen,  viel  drauf- 
gehen  lassen,  schwelgerisch,  verschwen- 
derisch leben.  Auch:  Pannkefett  spie^ 
Un.  Sprw.  I,  2356.  In  Hamburg  und 
Bremen  bankefett  speien  schmausen, 
lustig  drauf  los  zechen.  Riebe y, 
355.  Brem.  Wb.  I,  48.  In  Hessen 
Pännchen  fett.  Vilmar,  294.  Weitere 
Zusammensetzungen  mit  Panne^  Pannkej 
s.  unter  Pfanne  etc. 

Panse,  m.,  erster  Magen  des  Rind- 
viehes; verächtlich  auch  vom  Men- 
schen: Mei  mot  den  Pause  anvmer  voll 
hebbe. 

Pant,  Pante,  lit.  j:>anto,  /.,  Verbindung 
von  zwei  Säcken  oder  Wentem.  Je 
nach  den  Fischen,  die  mit  der  Pant 
geÜEmgen  werden,  giebt  es  Aal>  HecM- 


n.  SchiOpelpanten.   Nach  Sperber,  23, 
ist  Pante  der  Stock  an  der  Lachswehr. 

Vgl.  Sack  u.  Weiiter. 

Pantoffeiwerfeii ,  n.,  s.  Schlorrcben- 
scbmeifzen. 

Pantsack,  m.,  s.  v.  a.  Pant^  Pante. 

Pantsche,/.,  pantschen,  str.,  s.  Patsche. 

Pap,  plld.  Pap  {a  =  d)^  w».,  Geist- 
licher, PfaflFe.  De  Pap  es  e  Vaterunser- 
krämer,  Jerrentowitz.  Wenn  de  Pap 
lachte  es  en  de  Hell  Jahrmarkt.  Dzg. 
Nhg.  Sprw.  1,2862.  Da  liggt  de  Drech, 
sdd  de  Pap  on  let  dat  Kind  Jolle.  Ebda., 
2435. 

Paparz,  Pflzn.,  Wurmfarn,  Pölys^ 
chum  fiUx  mos  Rth.^  poln.  paprocz^ 
)ji.pap<uiis.  Hagen,  1098.  Treichel, 
Volksth. 

Pap^ngelchen,  n.,  Reim  wort  zu  En- 
gelchen: Engelke  Papengelke,  Wer  wat 
gofft  öi  Engelke^  Wer  nuscht  göft^  5s 
Diewelke!  Engelchen  Popengelchen  etc. 
Volksr.,  93,  393.  394. 

pApem,  mc.  1.  plappern,  schwatzen. 
Davon  GepSper,  n.  Paper  paper!  was 
ist  das  gesagtf  Soph.  R.  IV,  93.  Pa- 
per^  PapeTy  lederne  Weisheit!  Ibid.  V, 
11.  Was  Herr  Puf  d4is  Paperpaper 
der  Gänse  nennt  Soph.  R.  V,  481. 
Dafz  man  ihnen  vom  hübschen  jungen 
Bräutigam  vorpapert.  Ibid.  VI,  418. 
Jukhen^  wie  wirst  du  also^  alles  dies 
Grepaper  kurz  zusammengefafzty  deine 
Kinder  erziehen?  Soph.  R.  H,  410.  2. 
Nach  Mühling  im  Elrmlande:  betteln, 
bitten. 

Pflpersch,  auch  Papfirflege,  PapMIie- 
gen,  plur.y  ganz  kleine  Mücken.  Sam- 
land. 

Pftpesack,  m.,  Pfaffensack.  Pt^ack 
hat  keinen  Bodden.  Pdpensack  on  Mei- 
lers Mdt  waren  nich  voll.  Vgl.  Sprw. 
I,  2899  f.  Paupesack  wat  nimme  satt, 
Konitz. 


Papke  —  Pardel. 


121 


Papke,    Pupke,   t».,    Wasserhuhn,   s. 

Hurdel. 

Pappe,  /.,  Kinderbrei,  Mus,  womit 
man  kleine  Kinder,  denen  die  Mutter- 
milch versagt  bleibt,  ernährt.  Ital. 
papa^  engl,  pap,  in  Bayern  Papp,  m. 
Schmellerl,  290;  in  Hessen  Papp, 
BappSy  Praps.  Vilmar,  294.  Anton, 
3,  6.    Mi,  61b. 

päppeln,  sw,,  viel  sprechen,  ungereimt 
und  sinnlos  sprechen,  unverstaadlich 
sprechen.  Ach,  pappel  nicht!  Er  päp- 
pelt in  einem  fort.  Hiervon:  Gepappel, 
n.  In  Bayern  noch:  pappeleny  pappem. 
Schmeller  I,  290.  In  Posen  auch 
papeln.  Bernd,  199.  Danneil,  152a. 
Mi,  61b.    Vgl.  pdpem, 

Pappelpoten,  plur.,  s.  Poten. 

pappen,  9w.  1.  ein  Kind  mit  Pappe 
speisen.  Ebenso  päppeln.  Das  Kind 
mufz  aufgepappt  (H  e  n  n  i  g ,  177),  auf- 
gepäppelt  werden,  es  erhält  keine  Mut- 
termilch, wird  mit  Pappe  genährt.  2. 
ein  Geschwur  pappen^  es  durch  warme 
Umschläge  von  Pappe,  Grützbrei  etc. 
erweichen.  3.  essen.  Pappe  got,  done 
nuscht,  essen  gut,  thun  nichts.  Sprw. 
I,  2864.  Papp'  Brotke  möt,  üz  das  (in 
die  Milch)  gebrockte  Brot  mit.  Vgl. 
Tutti. 

Papphahn,  m.,  Silbermünze,  8  poln. 
Groschen  an  Wert  (20  alte  Pfennige). 
Westpr.  Thorn. 

Pappstoffel,  m.,  ungeschickter,  unbe- 
holfener, eckiger  Mensch,  Stoffel  (Chri- 
stoph), der  eigentlich  noch  gepappt  wer- 
den müTzte.     Treichel. 

papsten,  sw.,  cacare.  Einen  Papst 
setzen,    Treichel. 

PapQtehe,  /.,  s.  PampQfehe. 

Paradies,  n.,  preufzisches,  ehemals  die 
Pillauer  Halbinsel.  Ist  aber  irgendwo 
eine  angenehme,  und  mit  unzehlichen 
Veränderungen   ausgeschmückte  Gegend 


in  Preu/zen  anzutreffen;  so  ist  es  die, 
in  einem  Haken  von  zwey  Meilen  be- 
griffene Halb-Insul^  welche  den  Weg  von 
Pillau  nach  Fischhausen  ausmachet. 
Nicht  nur  die  unvergleichliche  Lage  die- 
ser Gegend,  sondern  auch  der  üeberflu/z 
aller  Sinn  und  Gemüth  ergetzender  Dinge 
rechtfertigen  ihre  Benennung,  da  man 
sie  absonderlich  das  Preuf zische  Paradies 
heisset.  C.  H.  Rappolt,  Von  dem  sog. 
Preuli.  Paradiese.  Erl.  Pr.  V,  583. 
Wöchentl.  Königsbergische  Frag-  und 
AnzeiguDgs-Nachrichten.  1738.  No.  27. 
Bock,  Nat.  I,  550.    Sprw.  I,  2865. 

Paradiesvogel,  m,,  Fichtenkembeii'zer, 
Fringillaenu>cleator]\d,})l^h\ing,  Tiem., 
175. 

parat,  porat,  adv.,  bereit,  fertig,  öck 
st  all  parat.  Moak  di  OWr  toW  Reü 
poroat.     Dorr,  41. 

Parcham,  m,,  Wallgang  um  das  rechte 
Haus  der  Marienburg,  zugleich  Be- 
gräbnisstätte der  entschlafenen  Brüder. 
Passarge,  267. 

Parchem,  m.,  Parchent,  Barchent.  In 
Pommern  Parcham,  n.    Dähn.,  344b. 

pardauks,  interj,,  s.  pardauz. 

pardauz,  pardauks,  perdauks,  perdauz, 
perduz,  pordauz,  porduz,  interj.,  schall- 
nachahmend; zur  Bezeichnung  eines 
Falles,  namentlich  eines  Falles  von  der 
Höhe.  Pardauz,  da  lag  er.  Perdautz, 
so  lach  (lag)  eck  da.  Cami.  nupt  V, 
190  d.  Hiob,hiob — perd^iuksch  !  ^  oiksr., 
35,  136;  37,  140.  Porduz  fiel  es  her- 
unter. N^.  bräz,  bums,plauksch,schmauks, 
schnippsy  schnurr,  Schwapps.  In  Bremen 
perduus!  Brem.  Wb.  in,309.  In  Pom- 
mern perduuz,  Dähn.,  347a.  Lit. 
4  padaukus  eiti  in  Trümmer  gehen.  Lit. 
Aeq.,  20. 

pardauzen,  porduzen,  sw,,  fallen  mit 
Geräusch  umstürzen.    Hennig,  191. 

Pardel,  m.  1.  gemeiner  Kiebitz.    Bu- 


122 


Pardöropel  —  Parowe. 


jack,  382.  S.  Kiwit.  2.  ein  kleiner 
Hering,  eigentlich  die  Sprotte.  Dzg. 
Mühling.  3.  Pflzn.,  Flachsseide,  CtLS- 
cuta,  Wohl  von  Pardel^  Perdel  =  Perle, 
da  die  Bluten  Perlknöpfchen  gleichen. 

Pardtfmpel,  m.,  Dümpel,  Pfütze  mit 
schmutzigem  Wasser.  Da  weer  en 
grojzer  Pardempel  met  lauter  Klieter- 
Wasser^  on  da  mofzt  ech  dorcK  Schaltj. 
1,  438. 

Pardon,  m.,  das  iTz.pard(m.  Pardon 
gewey  Quartier  gebco,  das  Leben  des 
Feindes  schonen;  verzeihen. 

parfire(n)y  sw.^  gehorchen,  dem  Be- 
fehle Folge  leisten,  parieren,  lat.  parere. 
S.  Order. 

parfisisch,  adj.^  von  Pareske. 

Parftske,  m.,  Bastschuh,  Sandale  aus 
Lindenbast,  auch  heute  noch  von  den 
polnischen  FlöJ'zknechten  vielfach  getra- 
gen. Litauen.  Masuren.  Schon  die 
alten  Preufzen  haben  Paresken  getragen, 
wenn  das  Bild  eines  Preufzen  bei 
Hartknoch  zuverlässig  ist.  Markgraf 
Albrecht  pflegte  scherzweise  zu  sagen, 
er  wäre  so  reich  an  Schustern,  dafz 
er  allein  im  Insterburgischen  Sprengel 
15000  habe,  d.  h.  Leute,  die  ihre  Schuhe, 
PareskeUj  selber  fertigen.  Act.  Bor,  I, 
549.  Ein  Edikt  d.  d.  1.  August  1724 
untersagte  die  Abschälung  und  Ver- 
stümmelung der  Bäume  behufs  Gewin- 
nung des  Bastes  zur  Anfertigung  der 
Paresken.  Auf  die  Reizken-  Püzken- 
und  Nüsseleser  und  Paresischen  Bast- 
holer  sollen  die  Kirchenväter  fleif zig  Ach- 
tung geben,  Insterburg.  Kirch.-Visitat.- 
Ordnung.  Die  Strümpfe  und  Schuhe 
oder  Parrösken  der  Leute  Iqfzt  bald  die 
Wirthin  wegnehmen  und  aufheben.  Pier- 
son, Matth.  Prätor.,  55.  Wo  hast 
du  deine  Paresken  gelassen?  Frage  an 
solche,  die  sich  aus  niedrigem  Stande 


emporgeschwungen  und  nun  im  Glücke 
übermütig  sind.  Hennig,  78  f.  Wenn 
aus  dem  Paresken  ein  Schuh  vrird^  dann 
weifz  er  nichts  wie  er  sich  anstellen  soll. 
Über  eine  zu  „dick"  geratene  Vorspeise, 
Grütze,  Mus  etc.,  kann  man  mit  Pa- 
resken gehen  —  sie  ist  so  dick  wie  Pa- 
reske.  Sprw.  I,  2866  f.  In  der  Saal- 
fe^lder  Gegend  nennt  man  jeden  be- 
quemen, alten  oder  häfzlichen  Schuh 
der,  auch  die  Paresk,  Nach  Mühling 
heifzen  diese  Schuhe  in  Livland  Pas- 
sein;  in  Litauen  heiizen  sie  wyzios.  Die 
Wurzel  liegt  in  dem  preul'z.  Verb  rist, 
reist  binden,  im  preulz.  Katechismus 
sen-rists^  part  verbunden,  per-reist^  inf. 
verbinden.  Dem  entsprechend  hat  das 
Lit.  iiszü^  riszti,  auch  partszti  binden. 
Nsslm.  Forsch.  2;  Th.,  120.  Bock, 
40.  Bock,  Nat.  I,  131;  III,  31.  126. 
Vgl.  Wuschen. 

Par§skenmacher,  m.,  Verfertiger  von 
Paresken.  Komm'  mit  mir  nach  Tilsit 
herrain^  Allda  wo  die  Pareeskenmacher 
sain!    Volksl,  65,  43,  7. 

parforsch,  perforsch,  adv.^  aus  par 

forcßy  mit  voller  Kraft.  Fafzt  e  mal 
alle  mit  par  forsch  an!    Vgl.  forsch. 

Parisklirner ,  plur. ,  Paradieskörner, 
Grana  paradisi.     Mühling. 

Parkmör,  m,,  s.  Pakmör. 
Parlenke,  /.,  s.  Perlenke. 

Paroky  m.y  koboldartiges  Wesen,  wie 
Alf  und  Latallitz  (s.  d.).  Litauen.  Ma- 
suren. Treichel.  Parok  =  Diener, 
wie  T.  angiebt,  nicht  nachweisbar;  da- 
gegen poln.  parobek  Knecht. 

Parowe,  Porowe  (zweite  Silbe  kurz), 
/.,  Schlucht,  Thal,  Regenschlucht,  Grund 
im  Walde,  Waldschlucbt.  Von  dem 
poln.  parow,  m.,  parowa,  /.,  hohler 
Grund,  Schlucht,  Defilee.  Sperber,  39, 
erklärt:     längliche   Bodensenkung   im 


Parpel  —  pasem. 


123 


Acker.  Schmitt,  108;  Westpr.,  166. 
Pierson,  Altpr.  M.  VIII,  367.  Nsslm. 
Forsch.  3;  Th.,  120. 

Parpel,  tw.,  dor  Perpel,  Alosa  finta 
Cuv,^  bei  Hennenberger,  29,  Porpel, 
lit.  perpeh^  perple^  perpele.  Ben  ecke, 
167.     Pierson,  Matth.  Prätor.,  15. 

ParechbUchse/.,  Pirsch-,  Birschbüchse, 
Jagdgewehr.  .  .  .  loenn  beyde  Augen  das 
Korn  auf  einer  Parschbück&en  sehen,  so 
ists  unmüglich,  da/z  mit  beyden  Augen 
der  Zweck  mag  gerade  ersehen  werden 
in  einem  Punct     Linem.,  Y  la. 

Parsche,  /.,  Käsepresse.     Werder. 

parschen,  sw.,  müi'zte,  da  Parsche  die 
Eäsepresse  ist,  zunächst  das  Auspressen 
des  Eäsewassers  bezeichnen;  sodann: 
Wasser  heftig  ausgiefzen,  vergieizen; 
auch  in  der  ZusammensetzuDg:  auspar- 
SChen.     Werder. 

pärschen,  sw.,  s.  pirschen. 

Part,  7n.,  Teil,  Ajiteil,  pars.  Op  min 
Part  keme  100  Däler,  Wegen  mein  Part 
kann  er  kommen  oder  dableiben  =  mei- 
netwegen etc.  Anpart,  w.,  Anteil,  Erb- 
teil. Daran  heft  hei  kein  Anpart,  dar- 
an hat  er  keinen  Anteil,  darauf  darf 
er  keine  Ansprüche  erheben.    Samland. 

Partie,  /.,  Partei,  auch  Teil.  Auf 
meine  Partie,  Bei  Jeroschin:  imjdre 
1228  begundin  in  Italid  dt  parthten  we- 
sin  sd  Gelfin  unde  Gibbeltn  lOd.  eine 
partie  (:drie)  er  kegn  Masow  sante  100a. 
Pfeiffer,  203. 

partfl,  adv.,  durchaus,  unter  allen  Um- 
ständen, schlechterdings,  frz.  partout. 
Dat  do  öck  partu.  He  wuU  partu  Sol- 
dat speie,  er  wollte  durchaus  Soldat 
werden. 

pamichelig,  adj.,  unordentlich,  nament- 
lich in  den  Haaren.  Ein  paru^chelges 
Frauenzimmer^  auch  kurz  Pamichel, 
Panisel.    Treichel. 

Panisel,    m,,    Fladen,    Flamm wecke^ 


meist  mit  Schmalz  abgemacht  und  für 
gewöhnlich  auf  dem  Herde  und  nicht 
im  Backofen  gebacken.  Mühling. 
Nsslm.  Forsch.  3;  TL,  219.  Vgl. 
Flammfladen,  Flammwegg',  Platz. 

paschen,  sw,  1.  mischen,  die  Karten; 
auch  verpaschen.  Sperber,  23.  2. 
kein  sicheres  Spiel  in  der  Karte  haben, 
nicht  mitspielen,  passen;  firz.  passer^ 
ital.  passare.  Nei!  Nei,  öck  pasch  daby^ 
öck  wöü  gar  kein  Gewönn.  Carm.  nupt 
IV,  59c. 

Paschntr,  n.,  Spange,  Gürtelspange. 
Wir  umnschen  dem  Fräulein  ein  goU- 
nes  Paschnir,  Aufs  andre  Jahr  'nen 
jungen  Offizier,  Aus  einem  Brumm- 
topflied im   Kr.  Neustadt.     TreicheL 

pascholl,  adv.,  vorwärts,  weiter,  fort! 
als  Zuruf.  Russisch.  Sperber,  45. 
Sallmann,  IIb. 

Paschur,  f.,  bedeckte  Vorhalle  an  den 
litauischen  Wohnhäusern.    Labiau. 

Päserjunge,  m.,  s.  päsern. 

päsern,  päsern,  pfisern,  pösern,  pttsem, 

sw.  1.  mit  Feuer  spielen,  im  Feuer 
wühlen,  oder  schüren,  in  einer  Licht- 
flamme „maddern^.  Se  pesert  mank 
de  Kohlen.  Pdser  nicht  immer  im  Licht^ 
du  wirst  noch  einpissen!  Nach  der 
Volksmeinung  pissen  Kinder,  wenn  sie 
mit  Licht  oder  Feuer  spielen,  ins  Bett. 
Ich  hohe  den  ganzen  Tajg  pdsem  müssen^ 
am  Feuerherd  stehen  müssen;  nach 
Hennig  auch:  in  der  Sonnenhitze  ver- 
brennen müssen.  2.  Feuer  anmachen 
(Kohlen  brennen?)  auf  dem  Herd,  im 
Walde  und  auf  dem  Felde.  Sintemal 
auch  aus  dem  ungebräuchlichen  (unge- 
bührlichen?) Posem  viel  Schaden  ge- 
schehen,  und  dadurch  die  Weide  samt 
den  Heyden  leztlich  verwüstet  werden^ 
so  befehlen  wir^  dafz  sich  hinfort  nie- 
mand nach  Phüippi  und  Jacobi  anzu- 
fahen^  bis  auf  Michaelis  an  einigen  Ort 


124 


Pllfllack  —  Possenheim. 


zu  posem  unterstehe.  Landes -Ordg. 
des  Herzogth.  Preufzen  v.  Jahre  1640. 
Hennig,  179.  3.  das  Feuer  schüren 
und  unterhalten,  heizen.  In  der  Niede- 
rung ist  dazu  ein  besonderer  Dienst- 
junge: Paserjunge,  der  die  Strohbundel- 
chen, mit  denen  man  das  Feuer  unter- 
hält, einzeln  in's  Feuer  zu  werfen  hat. 
Passarge,  220;  auch  Ofenpäsrick,  pltd. 
Awepäsricky  wenn  er  das  Geschäft  des 
Ofenheizens  hat.  4.  böswillig  Feuer 
anlegen.  Er  hat  gepdset^t.  Davon  ab- 
pösern  niederbrennen;  in  der  Lötzener 
Gegend  abpäsern  auch  im  Gesicht  ver- 
brennen, anpfisern,  anbrennen,  in  Brand 
stecken,  verpfisern,  verbrennen.  Sie 
verpesert  unnötig  Holz,  5.  einräuchem. 
Em  Schorateen  hangen  se  em  (die  Be- 
wohner von  Lichtenau  den  Mönch)  op 
On  mooken  Fiet*  an  bald  derop^  Se  pee- 
serden  em  graulich  sehr^  as  wenn  hei 
Worscht  on  Schinken  weer.  Dorr,  32. 
Poln.  pozar  die  Feuersbrunst,  altpr. 
panno  das  Feuer  (Voc.  33):  entstellt 
liegt  panno  in  lit.  püszkinti  verbrennen, 
deutlicher  in  pdsem,  pösem,  Lit.  Aeq., 
8.  Nsslm.,  Th.,  219,  weist  darauf  hin, 
daTz  pdsem  nahe  anklingt  an  lit.  pä- 
zeriu^  paz^t%  Simpl.  imw,  i^^ti  in  den 
Kohlen,  im  Feuer  schüren,  womit  auch 
altpr.  passortes  Schürstange  (Voc.  334) 
zusammenhängt.  Sperber,  24,  erklärt 
abweichend  und  im  ersten  Teile  wohl 
kaum  zutreflFend:  pesem  mit  dem  Fin- 
ger oder  einem  anderen  Glied  hin-  und 
herfahren,  namentlich  sich  in  dieser 
Weise  mit  Licht  oder  Feuer  zu  schaflen 
machen.  Vgl.  Bock,  41.  Hennig, 
179.  Schmitt,  108;  Westpr.,  166. 
Pierson,  A.  W.,  35. 

Pftslacky  m.  1.  Mensch,  der  päslackty 
freiwilliger  Diener,  Dienstbeflissener, 
dessen  Hilfe  andere  gern  und  viel  bean- 
spruchen, Packesel.    Was  fallt  dir  ein? 


Denkst  du,  ich  bin  dein  Pdslack  f  In 
der  Gegend  von  Saalfeld  auch  Passlack; 
nach  Mühling  Passlack  aufzer  Diener: 
Aufpasser,  Spion.  Davon  Päslackerei, 
/.,  beschwerliche  Arbeit  ohne  Entgelt; 
nach  Gordack  auch  Lumpenwirtschaft, 
Schlunzerei.  Poln.  poslac  schicken,  hin- 
schicken, senden,  postaniec,  poslannik 
Bote,  lit.  pdslas.  Schemionek,  27. 
Sperber,  39.  —  2.  Anschnitt  (Köpf- 
chen) und  Endrest  des  Brotes.  Müh- 
ling. 

päslacken,  sw.,  umsonst  und  ohne 
eigenen  Nutzen  sich  für  andere  ab- 
mühen, andern  oft  und  ohne  Dank  Ge- 
fälligkeiten erweisen,  für  andere  gern 
und  meist  ohne  genügende  Belohnung 
kleine  Arbeiten  verrichten.  Er  pds- 
lackt den  ganzen  Tag  bei  ihm  herum. 
Er  mu/z  für  jeden  pdslacken.  In  Pom- 
mern in  ähnlichem  Sinne  pdsein,  posein. 
Dähn.,  356a.    Vgl.  Pdslack. 

Pasorren,  plur.,  s.  Pisorren. 

passen,  »w.  1.  messen,  im  Mafz  zu- 
treffen. Die  Schuhe  passen  nicht,  sie 
sind  zu  klein  oder  zu  grol'z.  Das  pafzt 
auf  ein  Haar.  Das  pafzt  wie  die  Faust 
aufs  Auge  —  wie  der  Hamen  auf  den 
Nagel  —  wie  Pint  op  Gret.  Dat  pafzt 
wie  fer  Annke  toWMötz.  Sprw.  I,  2870  f. 

3.  reflexiv :  sich  schicken.  Das  pafzt 
sich   nichty   verstölzt   gegen   die  Sitte. 

4.  merken,  aufmerken.  Pafz  Achtung! 
Hennig,  179.  2.  gefallen,  anstandig 
sein.  Das  pafzt  mir  nicht,  das  sagt 
mir  nicht  zu.  Pafzt  mt  nich  ^nöt  aller- 
hand Mansche  to  verkehre,  öck  verdarw 
mt  de  Kundschaft.     Sprw.  I,  2876. 

Passenheim,  Ortsn.,  Stadt  im  Kreise 
Orteisburg.  Die  Bewohner  werden 
spottweise  Passenheimer  Rüben  genannt, 
weil  in  der  Umgegend  der  Stadt  von 
Feinschmeckern  geschätzte  Rüben  ge* 
baut  werden.    Sperber,  27. 


Passlack  —  Patsche 


125 


Passlacky  ^n.,  s.  Päslack. 

Pasteln,  plur.,  eine  Art  Schuhe,  ähn- 
lich den  Paresken^  aber  von  Leder- 
riemen geflochten ;  lett.  pastalas.  N ss Im. 
Forsch.  3;  Th.,  121. 

Pasternak,  m.,  Pastinak,  Pastinaca 
sativa  L.,  poln,  pastemak^  lit.  paster^ 
nokas.  Hagen,  333.  So  nackt  wie  e 
Pasternak.  Sprw.  1,  2710.  Pasternak 
auch  als  Familienname.    Sperber,  39. 

paswälken,  sw,^  arbeiten. 

pafz,  adv,^  recht,  passend,  zur  Be- 
zeichnung des  Mafzes,  der  Zeit,  des 
Erfolges.  Die  Stiefel  sind  mir  pafz^ 
sie  passen.  Er  kommt  zu  pafzy  er 
kommt  eben  zu  rechter  Zeit.  .  .  .  wel- 
ches aber  der  Nördlichen  Dorfschafft 
besser  zu  paskomet^  zu  gröfzerm  Nutzen 
und  Vorteil  gereicht.    Linem.,  Zz  la. 

Vgl.  pafzmat 

Pafz,  m.  1.  Gurt,  Leibgurtel,  früher 
die  bei  den  Bauern  übliche  lange  grüne 
Schärpe  um  den  Leib.  Von  dem  poln. 
pas  GürteL  Eine  Pa/z-  oder  Leibgür- 
telfabrik  ist  1777  in  Stolzenberg  an^ 
geleget.  Bock,  Nat.  I,.  680.  Ist  der 
Gürtel  bandartig,  so  heifzt  er  Pafzband, 
n.  2.  jeder  gürtelartige  Saum,  nament- 
lich der  Armelschlufz  im  Hemde  am 
Handgelenk,  an  Plätthemden  die  Man- 
schette. Der  Rockpa/z^  Gürtel,  Taillen- 
band am  Frauenrock.  Sperber,  38, 
Nsslm.  Forsch.  3;  Th.,  120.  Hennig, 
159.    Vgl.  Querdel. 

Palzglas,  n.,  hohes  cylindrischesTrink- 
gefafz  mit  gleich  weit  von  einander 
angebrachten  Reifen  als  Mafz.  Aus 
dem  mnd.  pajs^  m.  Mafz.  Vgl.  Wei- 
gand  n,  311.  Bock,  41.  Hennig, 
179. 

pa(zmät,  adv.^  eben  recht,  rechtzeitig 
und  genügend,  zumafz^  zupafz.  Zur 
Bezeichnung  der  rechten  Zeit  und  des 
rechten  Mafzes.    Da  kam  ock  pafzmat^ 


sagt  man,  wenn  man  während  der 
Mahlzeit  in  eine  Stube  tritt  Aus  passen 
und  messm  oder  dem  mnd.  pas  u.  mät. 
Ebenso  in  Pommern.     Dähn.,  346a. 

Patengeld,  pltd.  PadegSld  (a  =  a),  n., 

das  von  dem  Paten  für  den  Täufling 
eingebundene  (dargebrachte)  Geldge- 
schenk, Patengeschenk. 

patem,  sw.^  s.  praten. 

Paterswaide,  Ortsn.,  Kirchdorf  im  Er. 
Wehlau.    Vgl.  Schallen. 

Patron,  m.,  Schimpfwort  auf  einen 
durchtriebenen,  verschmitzten,  unnützen 
Kerl  oder  Knaben.  Warf  er^  Patron^ 
ich  werde  ihn  kriegen!  Oft  auch  im 
Dem.:  Patronchen,  ich  kenne  dich! 

Patsch,  m.  1.  schlammiger  Boden, 
Schmutz,  Strafzenkot,  Blott  (s.  d.). 
Auftauender  Schnee  bringt  grofzen 
Patsch.  Vgl.  Matsch.  2.  Patsch^  /.,  Hand, 
s.  Patsche. 

Patsche,  /.  1.  unsauberes  Wasser, 
unreine  Flüssigkeit,  die  man  weggiefzt, 
verdorbenes  Getränk.  Zur  Aufnahme 
der  Patsche  steht  in  der  Küche  als  Pen- 
dant zur  Dranktonne^  welche  die  noch 
als  Schweinefutter  brauchbaren  Speise- 
reste aufnimmt,  der  unappetitliche  Patsch- 
eimer,  dessen  Inhalt  in  Königsbg.  ge- 
wöhnlich in  den  Rinnstein,  die  Gosse, 
entleert  wird.  2.  mürbe  Gewordenes, 
stark  Erweichtes,  Verfaultes.  Die  Bir- 
nen sind  eine  Patsche.  Davon  zerpat- 
SChen,  sw.,  zu  Patsche  machen,  zer- 
drücken, zerquetschen,  zerwühlen.  3. 
bildlich:  Verlegenheit,  Verwirrung 
(Bredouille),  Verwickelung,  Elend,  Not, 
üble  Lage  überhaupt  Einen  in  die 
Patsche  bringen.  Er  steckt  tief  in  der 
Patsche. 

Patsche,  /.,  Dem.  Patschchen,  pltd. 
Patschke.  1.  Hand.  Doch  wie  eck 
em  de  Patsch  tooU  rehke.  Nowack, 
25.     CHeb  mir  dein  Patschchen!  Geben 


126 


Pat8cheirner  —  patzig. 


Sie  das  Patschgen^  geben  Sie!  Soph. 
R.  ni,  193  u.  öfter:  IV,  155;  VI,  341. 
527.  2.  übertragen:  Tatze,  Fufe.  3. 
schallender  Schlag  mit  flacher  Hand, 
und  dann  gewöhnlich  Patsch. 

Patscheimer,  m.,  s.  Patsche. 

patschen  y  sw,  1.  durch  den  Patsch 
gehen;  in  der  Patsche y  aber  auch  im 
Wasser  mit  den  Händen  rühren;  in 
Speisen  übersatt  oder  suchend  herum- 
wühlen. In  Bayern  bätzen^  in  Hessen 
bätschen,  im  Holstein,  patschen,  in  Po- 
sen panschen^  in  Estland  panschen  und 
pantschen\  so  auch  in  der  Niederlaus. 
Schmeller  I,  228.  Vilmar,  27. 
Schütze  III,  187.  Bernd,  199.  Sall- 
mann,  37b.  Anton,  11,  8.  Hennig, 
180.  2.  mit  den  Händen  schallend  zu- 
sammenschlagen, mit  flacher  Hand 
schlagen,  auf  die  nackte  Haut  klatschen. 
Patsch  in't  Eandke!  Volksr.,  29,  114. 
3.  mengen,  mischen,  manschen,  Speisen 
unappetitlich  und  unreinlich  bereiten. 
Vgl.  matschen.  4.  etwas  in  schlechter 
Weise  ausführen,  schlecht  herstellen, 
fertigen.  Sperber,  23.  Über  die  ur- 
sprüngliche Bedeutung  von  patschen 
(fünfe  zählen)  s.  Grimm,  G.  D.  Spr., 
244.  Rochholz,  136.  Vgl.  kttern. 
In  Zusammensetzungen:  auspatSChen, 
sw,y  Flüssigkeiten  durch  Patschen  ver- 
schütten; nach  Mühling  auch:  aus- 
baden, entgelten,  was  man  verschuldet; 
sich  selbst  aus  einer  Verlegenheit  her- 
aushelfen, also  aus  der  Patsche  ziehen. 

bepatschen  (s.  d.).  durchpaischen,  durch- 
wühlen, durchrühren;  durch  Schmutz 
patschen,  einpatschen,  durch  Patschen 
mit  den  Händen  vollschmutzen;  zur 
Patsche  werden,  verpatschen,  wie  aus- 
patschen  in  gewöhnlicher  Bedeutung; 
dann  aber  auch  verderben,  überflüssig 
gebrauchen.     Das  ist  alles   verpatscht 


Butter   verpatschen   —   Papier   verpat- 
schen. 

patschenafz,  adj.^  ganz  nai'z,  so  nafz, 
dafz  man  den  patschenden  Laut  hört. 
Ebenso  in  der  Niederlaus.    Anton,   11, 

8.    Auch  patschnafz  u.  pitschenafz. 

Patscherei,  /.  1.  Wühlerei  in  der 
Patsche,  in  Wasser  überhaupt,  und  da- 
durch Schmutzerei.  Mache  nicht  solche 
Patscherei!  2.  Schmiererei;  von  schrift- 
lichen Arbeiten,  Malereien.  3.  nach 
Mühling  ein  ungesittetes,  unpassen- 
des Verfahren. 

Patschfu(z,  m.y  Fufz  der  patscht;  im 
Tierräts.,  80,  Name  der  Gans:  Patsch- 
folke  geit  äwer  de  Brügg.     S.  Plattfufz. 

Patschhand,  /,  eigentlich  Hand-Hand. 
Dem.  Patschhändchen,  n.  Zu  Kindern: 
Gieb   mir    ein    Patschhändchen!     Vgl. 

Patsche. 

patschig,  adj.  1.  von  Patsch,  schmutzig, 
kotig.  2.  regnerisch.  Das  ist  ein  pat- 
schiges  Wetter.  Ebenso  matschig;  vgl. 
auch  quatschig. 

patschna(z,  adj.,  s.  patschenafz. 

Patschwasser,  n.,  patschiges,  unsau- 
beres Wasser;  schlechter  Eafiee.    Vgl. 

Kiichel-  u.  KTterwasser. 

Patweide,  /,  Weide  an  den  Land- 
wegen, deren  Aste  zu  Zäunen  und  Fa- 
schinen abgehauen  werden.  Westpr. 
Niederung.  Mühling.  Pate,  f.  = 
Pfropfreis,  junger  Stamm,  womit  man 
die  Deiche  bepflanzt;  die  abgehauenen 
Äste  dürften  also  mehr  als  Stecklinge 
benutzt  werden.    Frisch,  Wb.  H,  41c. 

Patze,  /.,  backsteinartiger  Baustein 
aus  einem  Gemenge  von  Lehm  und 
Grand  zum  Aufbau  von  Wirtschafts- 
gebäuden; auch  Lehmpatze.   Treichel. 

Patzern,  m.,  alles,  die  Gesamtheit. 
Da  hast  dem  ganze  Patzern.    Vgl.  PrÄZ. 

patzig,  adj.  u.  adv.,  kühn,  keck,  wich- 


Paudel  —  pauken. 


127 


tig  thuend,  übermütig,  aufgeblaseo; 
grob,  trotzig,  aufsätzig,  widerstrebend. 
Patzig  gehen,  stolz,  forsch  einherschrei- 
ten.  Ich  sah^  wie  ich  vor  dem  Johann 
pazig  wie  ein  umringter  Beutekchneider 
vorbeiging.  Soph.  R.  I,  449.  Patzig 
thun,  sich  dorch  Gebärde  und  Wort 
ein  Ansehen  geben.  In  HamhuTg pratzig, 
in  Augsburg  und  Hessen  bazig,  batzig, 
in  Pommern  paddsig.  Richey,  192. 
Brem.  Wb.  III,  301.  Birlinger,  50. 
Vilmar,  27.  Bernd,  204.  Anton, 
3,  6.  Mi,  62a.  Hupel,  169.  Hen- 
nig, 181.     Vgl.  Weigandll,  316. 

Paudel,  /.,  aus  dem  ursprünglichen 
pltd.  PQdel  vhchd.,  Dem.  Paudelche, 
pltd.  Püdelke.  1.  kleine  ungenagelte 
Eiste,  Schachtel,  gewöhnlich  aus  Lin- 
denrinde und  Bast  und  alsdann  Bast- 
paudel;  schachtelartiges  Gefäfz  von  Holz 
oder  Blech  überhaupt:  Teerpaudel,  Poln. 
pudio,  lit.  pudlas;  ahd.  pütil  Beutel, 
Korb,  Schachtel.  2.  in  früherer  Zeit 
Trinkge&('z,  Bierglas.  Stephan  Schütz 
wird,  weil  er  y,au^  mutwillen  mitt  den 
fettsten  etMche  paudeln  zvhrochen,  zu 
ein  halb  last  bier^  verurteilt  (Morgen- 
gensprache vom  19.  Mai  1595.)  Es 
hetten  die  Eiter-  und  Garüeuihe  schon 
den  10.  Maji  mit  kannen  vff  die  gasse 
vnd  mit  pudeln  zuschencken  angefangen 
.  .  .  dass  sie  ehe  vnd  wann  der  Garten 
recht  geöffnet,  drittehcdb  wochen  lang 
mit  Kannen  auf  die  Gasse  vnd  mit 
Pudelgldsem  geschencket  etc.  (Morgen- 
sprache vom  13.  Juni  1670.)  Die  Zünfte, 
33.  29.  3.  ehemals  Gefafz  zum  Wasser- 
tragen bei  Feuersbrünsten,  Feuereimer. 
Da/z  ein  jeder,  welcher  Haus  und  Hof 
hält,  wenigstens  zwei  Paudeln  bei  der 
Stadt  Bufze  haben,  und  jeglicher  Haus- 
wirth,  wenn  ein  Haus  anfängt  zu  bren- 
nen, bey  drey  Schillinge  Strafe  Paudeln 
mit  Wasser  das  Haus  zu  loschen,  da/iin 


bringen  soU.  Königsbergische  Willkür 
von  1394.  Hennig,  180.  In  der 
Landesordnung  des  Hochm.  Konrad 
von  Erlichshausen  pawdelkromere.  Ja- 
cobson, Gesch.  der  Quellen  des  Kir- 
chenrechts I,  Anh.  293.  Nsslm.  Forsch. 
2;  Th.,  144.  Hupel,  181.  Sallmann, 
50b.  Bock,  41.  Hennig,  180.  Vgl. 
PQdel. 

Paudel,  (?),  Fischerkahn  mit  Behalter. 
Drausensee.     Mühlin  g. 

Paudelkrämer,  Paudelträger,  m.,  ehe- 
mals Händler,  welcher  Galanteriewaren 
in  kleinen  Kasten  (Paudeln)  umher- 
trug, Hausierer.  Spottweise  heifzt  auch 
ein  kleiner  Kaufinann  Paudelkrämer, 
Vgl.  Putchenkrämer.  Wir  befehlen  und 
wollen  auch,  dafz  sich  aus  Königsberg 
und  andern  Orten  unsres  Herzogthums 
keine  Bömsteindreher,  Krämer,  Paudel- 
träger  an  dm  Seestranden  und  dazu 
gehörigen  Dörfern  auf  Samland  an  ir- 
gend einem  Orte  finden  lassen.  Böm- 
steins-Ordnung  v.  J.  1641.  Hennig, 
180. 

Paudelmacher,  m.,  Yerfertiger  von 
Paudeln. 

Paudelschwarz,  n.,  Kienrufz.  Müh- 
ling. 

Paudelträger,  m.,  s.  Paudelkribner. 

Pauer,  m.,  Bauer. 

pauerklug,  adj.  u.  adv.,  klug  wie  ein 
Bauer,  klüglich.  .  .  .  werden  die  grosse 
Erdgewächs,  als  obgedachte  rothte  Rü- 
ben etc.  mächtig  starck  ins  Kraut  schiessen^ 
wefzwegen  sie  leicht  ins  schössen  gerathen, 
wo  ihnen  nicht  Paurklüglich  begegnet 
wird.    Linem.,  Bbb  3a. 

Pauke,  /.,  Schläge,  Hiebe.  Es  giebt 
Pauke,  Hiebe,  als  ob  auf  die  Pauke  los- 
geschlagen würde. 

pauken,  sw.,  auf  die  Pauke  schlagen; 
dann  schlagen  überhaupt,  prügeln,  und 
dies  auch  in  Zusammensetzungen:  auf- 


128 


Paukerei  —  Pechfister. 


pauken,  auspauken,  durchpauken.  Hen- 
nig, 16^  hat  für  aufpauken  noch:  je- 
mand hart  anlassen,  ihm  widersprechen ; 
M  ü  h  ]  i  n  g ,  für  auspauken  aasschwatzen ; 
durchpauken  auch:  mit  einem  Schüler 
eine  Lektion  gründlich  durchnehmen. 
einpauken  ähnlich:  eine  Lektion  ge- 
dächtnüzmäfzig  feststellen.  Sich  zum 
Examen  einpauken.  Fähnriche  ein- 
pauken^ zum  Fähnrichexamen  vorbe- 
reiten. 

Paukerei,  /.,  Schlägerei,  Prügelei. 
Studentisch. 

Pause,  /.,  Absatz,  der  durch  zwei 
wirkliche  Pausen  (Ruhepunkte)  begrenzt 
ist.  In  drei  Pausen  läuten^  dreimaliges 
Geläute.    Marold.    Vgl.  Puls. 

paustrig,  adj.^  s.  pQstrig. 

Pauten,  pZur.,  die  Hoden;  lit.  pautas 
Hode,  Ei.    Marold. 

Pdutkenbeere,  /,  Fracht  der  falten- 
blättrigen  Brombeere,  Rubus  fructicosus 
L.  Die  Lit.  Aeq.  versuchen  die  Zu- 
rückführung  auf  das  lit.  pautas  Ei ;  nach 
Nsslm.  handschr.  Bemerkung  ist  das 
Wort  deutsch.     Hennig,  180. 

Päw,  Bäw,  m.  u.  /.  1.  Pfau.  Lat 
pavOj  angs.  pawa,  pauw,  altpr.  pouns 
(Voc.  773),  poln.  paw,  lit.  pöwas^  lett. 
pahws^  bayrisch  Pfaw^Pfabj  hol\.  paauw, 
pomni.  Pageluun^  im  Göttingenschen 
päwelün€y  pdwelüneke^  pdgalün^  pdge- 
lüne.  Schmellerl,  326.  Schamb., 
152  b.  2.  Frosch.  Die  Kartoffeln  sind 
schorfig  wie  e  Pdw.    Vgl.  Pogge. 

PäwedVtke.  Dat  Pawedötke  schWk  sick 
Smmer  nöger  her,  Carm.  nupt  I,  282. 
10.  En  Pawedetcken  quam  (aus  der 
Schaar  der  geputzten  Hochzeitsgäste), 
moackt  my  ön  Ijowerentz,  Ibid.  V, 
190  d. 

PäwefTst,  PoggefTst,  ^.,  Bovist,  Bo- 

vista.     Sperber,  44:  PuhfiesL 


Pawel,  m.  Vom.,  Paul.  Hart  wich, 
54.     Poln.  pawel. 

Pawese,  (?),  Schild,  scutum.  Müh- 
ling. 

Pawesen,  Ortsn.,  Dorf  im  Kirchspiel 
Niebudfzen,  Kr.  Gumbinnen.  Ue  ös 
üt  Pawese^  wo  de  Hund  op  Schlorre 
gdne  on  möt  'n  Arsch  belle.  Na  nü 
wird  Tag  in  Pawesten  —  nü  ös  Dag 
on  Pawese!  jetzt  kommt  er  endlich  zur 
Einsicht.  Sprw.  I,  3697.  V^.  Per- 
wuiche. 

Pawirpen,  plur.^  s.  Powirpen. 

Pawluner,  ungeschicktes,  zerflickertes 
Schuhwerk,  oder  dergl.  Handschuhe. 
Marold. 

Pawnutz,  (?\  Dickmaul,  angelaufene 
Lippe.     Mühling. 

pawupps,  interj,  zur  Bezeichnung 
schneller  Bewegung.  Pawupps  ön'tBedd. 
Volksr.,  92,  389.     Vgl.  wupps. 

Pazuren,  Pazoren,  plur.^  verächtlicher 
Ausdruck  für  die  Finger;  poln.  pazur 
Klaue,  Kralle,  Fingernagel.  Sperber, 
39. 

Pechboden,  m.  An  den  Ufern  der 
Weichsel  finden  sich  in  gröfzerer  Aus- 
dehnung die  schwereren  Thonablagerun- 
gen  vor^  welche  mit  mehr  oder  weniger 
Crrandr-  und  Sandbeimischung  oft  in 
einem  wenig  humusreichen,  sterilen  und 
deshalb  schwer  ackerbaren  Lehmboden  an 
die  Oberfläche  treten  und  unter  der  orts- 
üblichen Bezeichnung  Pechboden  bekannt 
sind,     Prov.  Preui'z.,  470. 

Pechftster,  pltd.  PVchftster,  w.,  Spott- 
name für  den  Schuster.  Schuster^  Pöch- 
fister^  Drahtklemmer  —  schnurrts!  Kö- 
nigsberg. Sprw.  I,  3430.  Schusta^  Ka- 
pusta^  Drahtdrella,  Pöchftsta  —  schnurz! 
Samland.  Schoste,  Klaboste,  Peckftste  etc. 
Jerrentowitz.  Volksr.,  82,  334.  In 
Augsburg  Pechßsel^  im  übrigen  Schwa- 


Pecbhaube  —  Pedker. 


129 


ben  Pechfidlay  im  Holsteinschen  Pik- 
fiester.  Im  Göttingenschen  Pekeftst^  Peh- 
ftst^  in  der  Altmark  Peckftster.  Bir- 
linger,  89a.  Schutze  III,  209. 
Schamb.,  153a.  Danneil,  153b.  In 
Bremen  heifzt  der  Schuster  Pekedraat/m 
und  Meister  Pekedraat  Brem.  Wb.  HI, 
812. 

Pechhaube,  /.,  Perücke,  welche  die 
jüdischen  Frauen  tragen.  Wenn  de 
Hoor  em  ganz  utgähne^  Sett  hei  sock  e 
Pechhaub  op.     Nowack,  11. 

Pechhütte,  /.  Dein  Freund  bis  in  die 
Pechhütte^  bis  zum  äufzersten,  letzten. 
Treichel. 

Pechlicht,  n.,  Pechkerze,  Kerze  von 
schwarzem  Unschlitt,  welches  zu  aller- 
letzt aus  den  Grieben  gebrannt  wird. 
Brem.  W.  IE,  312.  Er  giebt  keinem 
Teufel  ein  Pechlicht  —  ein  Endchen 
Pechlicht,  er  giebt  auch  nicht  das  Ge- 
ringste, ist  geizig.  Sprw.  I,  1068.  In 
Pommern  Picklicht     Dähn.,  349a. 

Pechtanne,  /.,  s.  Tanne, 
pechteerschwarz,  adj,^  zur  Bezeichnung 
tiefer  Schwärze.   Ygl.  kohlrabenschwarz. 
Peckel,  m.y  s.  Pickel. 

PM,  Peed,  Pflzn.,  Quecke,  Triticum 
repensL,  Hoch -Pal  eschken.  Treichel, 
Volksth. 

peddeln,  sw,^  s.  paddeln. 

Pedder,  m.,  Puder. 

peddem,  sw.^  streuen,  pudern.  Sche- 
mionek,  27:  peddem  stochern  im  Licht 
oder  Feuer,  wohl  Verwechselung  mit 
päsem  s.  pdsem, 

Peddig(k),  Pedding,  m.  1.  Eiterstock, 
Eiterstamm  in  Geschwüren.  On  schon 
ömmer  schtnt  e  Peddik  ^rut  (aus  dem 
Geschwür).  Königsbg.  Firmenich  I, 
102  a.  Den  Peddig  heratcsdrUcken,  2. 
Mark,  innerer  weicher  Kern,  Seele  der 
Pflanze,  des  Baumes.  HoUunderpeddig. 
Wie  ein  solches  der  poddick  oder  Marck 

Fritehbi«r,  W5rt«rbacli  U. 


des  Baumes  .  .  .  augenscheinlich  klat 
machen.  Linemann,  Aaa4b.  Lafzy 
gro/zer  Gott^  .  .  .  dem  Peddig^  Saftes 
voUy  der  stärkste  Frost  nicht  schaden. 
Carm.  nupt  11,  91  d.  Man  erfahret  auch^ 
da/z  sie  (die  alten  Nadrauer)  auf  son- 
derliche Art  solche  Lichte  machen,  nem- 
lieh  sie  nehmen  anstatt  der  Dacht  den 
Pöddig  von  dem  KlettenstieL  Pierson, 
Matth.  Prätor.,  83  f.  3.  die  röhren- 
artigen Füllungen  in  faulen  Kartoffeln. 
Auch  Pesrik;  angs.  pitha^  engl,  pilh^ 
holl.  pit,  in  Osnabrück  Piek^  im  Hol- 
steinschen auch  Peddke  und  Petfk^  in 
Pommern  und  Mecklbg.  Paddik.  Brem. 
Wb.ni,301.  Schützern,  199. Dähn., 
341b.  Mi,  61a.  Danneil,  154a. 
Hupel,  169.    Hennig,  181.  185. 

P§de,  /.,  Wassertrage,  Eimertrage, 
Tragholz  auf  den  Nacken  und  über  die 
Schultern  zu  legen,  mit  herabhängenden 
Stricken  und  Haken  auf  beiden  Seiten, 
um  Eimer  und  Körbe  zu  tragen,  sonst 
Schanne.  Ostpr.;  in  Westpr.  Schande. 
In  Preufz.-Polen  pedy,  sonst  poln.  na- 
biodrki  und  sqdy,  Wurzel  das  altpr. 
ptd  tragen.  Nsslm.  Forsch.  2;  Tk, 
122.  128.  Schade  weist  in  den  W. 
Mtsbl.  Y,  56  ff.  nach,  dalz  das  ostpr. 
Pede  goth.  paida  ist.  S.  auch  Schade, 
Wb.,  671b.  Vgl.  auch  altpr.  pette^ 
pete,  lit.  petis  Schulter.  Pierson,  A. 
W.,  32.    Bock,  42.    Hennig,  184. 

Pfidehaken,  m,  1.  der  eiserne  Haken 
an  dem  Strick  der  P^de.  Mtne  Mut- 
ter schleit  mt  Möt  de  Pedhäke  längst 
dem  Krtzknake.  Volksr.,  266,  927  f. 
2.  bildlich  eine  krumme  Nase.  Der 
hat  einen  guten  Pedhaken  im  Gesicht. 
Schimpfwort:  Pedhakennase,  pltd.  Ped- 
haken^. 

pfidern,  sw.y  s.  y.  a.  pasem,  päsem. 

Oberland.    Mühling. 

Pedker,  m.   Stein  in,  3  unter  Nau- 

9 


130 


Pegasus  —  Fliehen. 


tica:  . . .  Ober  oder  Hochbotfmann^  Un- 
terbotsmann,  Schrewein^  Constabel^  Ped- 
ker^  Schiffszimmermann  etc. 

Pegasus,  m.,  in  der  alten  Schulsprache 
das  Gestell,  auf  welchem  ehedem  in 
den  Schulen  die  Exekutionen  stattzu- 
finden pflegten.  Auf  dem  Pegamis  rei- 
ten,  Prügel  bekommen.  N.  Pr.  Prov.- 
Bl.  VI,  146. 

Pegäuter,  m.,  s.  Pijauter. 

Peikatz,  /.,  s.  Pfkatz. 

Peike,  m.,  Kaulbarsch,  s.  Pukis. 

Peikethran,  77».,  Thran  aus  Peiken^ 
Stinten  u.  a.  kleinen  Fischen.  Kur. 
Haff.    Mühling. 

Peilchen-,  Peilketafel,  /,  s.  Ptiketafel. 

Peis,  (?),  Freiheit  zu  thun  und  zu 
lassen,  was  man  will.  Nun  hat  er 
recht  Peis,  er  kann  nun  thun,  was  er 
wUl.  Danzig.  W.  Seidel,  33.  In 
Bremen  Peis,  Pais  Friede,  Freundschaft 
—  das  franz.  pata,  engl,  peace.  Brem. 
Wb.  m,  283. 

Peise,  Paise,  /.,  eckig  gedrehte  Haar- 
locke am  Vorderkopfe,  wie  sie  na- 
mentlich von  polnischen  Juden  in  Aus- 
führung einer  biblischen  Anordnung 
getragen  wird.  Allgemein  jüd.  Pai-es, 
rein  hebr.  peia  Ecke,  plur,  peiaus,  vwlg. 
peies  Ecken,  jetzt  auch  Locken.  Sper- 
ber, 44:  Pausen, 

Peisker,  Fischn.,  s.  Pisker. 
Peitschenstock,  pltd.  Pitschestock,  77»., 

der  dem  Peitschenstock,  der  Peitsche 
ähnliche  Stab  in  einem  Falz  des  Gam- 
baumes,  über  den  der  Aufzug  oder  die 
Scherung  vor  dem  Aufbringen  gezogen 
wird.  Die  Schnur  des  Peitschenstockes 
wird  wechselweise  durch  die  einzelnen 
Fäden  des  Aufzuges  gezogen,  zur  er- 
sten Andeutung  des  Gewebes.  Das 
Wirkgestell. 

Peitschschmand ,  m, ,  gepeitschter 
Schmand,  Schlagsahne.    Gedanism. 


Peizker,  m.,  s.  Pisker. 

Pek,  /.,  die  vorderste  Spitze  im  Schiffe, 
jetzt  Varspiek.     Hirsch,  265. 

PSkel,  m.  1.  Pökel,  das  Salzwasser 
über  dem  eingesalzenen  Fleisch,  den 
eingesalzenen  Fischen.  2.  bildlich:  das 
Kranken-  oder  Faulbette.  Er  liegt  im 
PekeL  Sie  liegt  im  Pekel,  sie  liegt  im 
Wochenbette.  Engl,  pickle,  holl.  pekeL 
Bock,  42.    Hennig,  181. 

PSkelhering,  m.,  gepökelter  Hering. 
Vgl.  Sprw.  I,  2641. 

pSkeln,  st^.,  pökeln,  einsalzen. 

PSkelzanty  m.,  gepökelter  Zander.  Sei- 
ner wird  in  der  Fischerei-Ordnung  v. 
Jahre  1589  gedacht.  Bock,  Nat.  IV, 
696. 

pSken,  sw,f  picken,  stechen,  mit  der 
Gtkbel  aufheben,  klauben,  kratzen.  Er 
lies  sich  nicht  nothigen,  pehkte  auch  dann 
und  wann  ein  Schnittchen  vom  Salat 
auf  Soph.  R.  I,  377.  Doch  vielleicht 
pehkt  (hier  höhnisch  in  Bezug  auf  den 
Degen)  au^h  das  Jüngken  wol  zuf  Ibid. 
n,  483.  In  Hamburg  pöken,  puken, 
Richey,  190.  194;  in  Hessen  und 
Mecklbg.-Vorpomm.  pecken.  Vilmar, 
295.    Mi,  62a. 

pSkerig,  adj.,  genau,  geizig,  habsüch- 
tig. Das  ist  ein  pekriger  Mensch,  In 
der  Verstärkung  mOspSkeiig,  mauspekc- 
rig,  filzig,  in  Kleinigkeiten  peinlich 
genau. 

pSkern,  pttkem,  sw,,  Frequentativ  von 
peken,  1.  mit  etwas  Spitzigem  stochern, 
wühlen,  wiederholt  stechen.  Sich  in 
der  Nase,  in  den  Ohren,  in  den  Zähnen 
pekem;  ein  Geschurur  aufpekem.  Engl. 
topoke  umrühren;  mit  Stecken,  Sonde  etc. 
untersuchen,  fühlen.  In  Po  mm.  pükem, 
Dähn.^  362a.  2.  coire,  Ön  Gedanke 
pekWe  söckde  Müs\  Bock,  42.  llen- 
nig,  181.    Vgl.  bftkern. 

Pftichen,  n.,  s.  Pälke. 


Pelk  —  Pebmfitze. 


181 


Pelk,  /.,  eine  Art  Obertorf.  Kreis 
Heydekrug.  Mühling.  Lit.  peücos 
Torf;  altpr.  pelkt/  Bruch,  Sumpfstelle 
im  Felde  oder  im  Walde  (Voc.  287), 
lit.  pelke  dasselbe,  lett  pelkta^  pelze 
Wasserpfutze.  Es  treten  heute  noch 
die  Ortsnamen  auf:  Pelkeninken  im  Kr. 
Wehlau,  Pelklack  im  Kr.  Friedland 
Ostpr.,  Popelken  im  Kr.  Labiau.  Nsslm. 
Th.,  123.     Altpr.  M.  IV,  154. 

Peike,  m.,  s.  Pälke. 

Pelkegras,  n.,  schlechtes,  saures,  kur- 
zes Gras,  das  im  Bruch,  peücy^  wächst 
und  vom  Vieh  nicht  sonderlich  gesucht 
wird.     Mühling. 

Pellbulwen,  p/ur.,  Kartoffeln  in  der 
Pelle,  Pellkartoffeln.  Westpr.  Mühling. 
Ygl.  Bulwe. 

Pelle,  /.,  Schale,  ablösbare  Haut, 
namentlich  von  Kartoffeln,  Äpfeln,  Erb- 
sen. Westpr.  Einem  nicht  von  der 
Pelle  geheny  ihm  stets  zur  Seite  blei- 
ben, nicht  aufhören  mit  Antragen  und 
Bitten. 

pellen,  »w,y  schälen,  die  PeUe  ent- 
fernen, schinden,  das  Fell  abziehen, 
abledern ;  mhd.  villen,  ahd.  fillen^  fiüan 
die  Haut  abziehen,  schinden. 

Pelter.  Pelter  kriegen^  Schelte  bekom- 
men.    Gedanüm. 

PeHereien,  pZur.,  Pelze,  Bälge.  Alle 
(Frauen)  zogen  mit  dem  Mannte  auf  die 
Jagd  (bei  den  alten  Preulzen),  und 
war  der  Handel  mit  Peltereyen  inson- 
derheit mit  Marderfellen  sehr  einträglich. 
Der  preuTz.  Sammler  H,  1245.  In  Bre- 
men Pelterije.     Brem.  Wb.  HI,  315. 

Peitsche,  /.,  Pflzn.,  kicherartige  Bä- 
renschote, Astragalus  cicer.   Mühling. 

Peluck,  /.,  nach  Mühling  Peluch, 
schlechtes  Bette.     Danzig. 

Pelud,  /.,  kleiner  Anbau  neben  der 
Scheune.     Öck  wonsch^  dat  min  Mäge 


e  Schtnke  wär^  ok  noch  e  Peludd.   Til- 
sit.    Sprw.  I,  2514. 

Pelull,  m.,  schlafmütziger,  beschränk- 
ter Mensch,  langsam  in  Gang,  Rede 
und  bei  der  Arbeit  Er  ist  ein  rechter 
PeluU. 

Peluschke,  /.,  ausgeartete  polnische 
Erbse.     Treichel,  Volksth.  11. 

Pelz,  m.  Einem  auf  den  Pelz  fah- 
ren^ —  steigen^  —  ihm  den  Pelz  aus- 
klopfen —  auswaschen y  ihn  durchprü- 
geln. Sprw  I,  1.  Myns  grooten  Pelszl 
wat  wart  seck  da  ver  Larrm  erhewen^ 
als  Beteuerung.  Carm.  nupt  HI,  133d. 

Pelzblume,  /.,  Wollgras,  Eriophorum 
L. 

PelzbUrger,  m.,  Kleinbürger,  der  als 
Städter  Landwirtschaft  treibt.  Früher 
sah  man  die  PelzbUrger  fast  beständig 
in  Pelzkleidung  (Jacke  und  Hosen); 
daher  sagte  der  Yolkswitz  von  ihnen: 
den  Tag  vor  Johann  ziehen  die  Pelz- 
bürger den  Pelz  aus  und  den  Tag  nach 
Johann  ziehen  sie  ihn  wieder  an.  Müh- 
ling. 

PelzbUxen,  pZur.,  Pelzhosen.  Von  einer 
Frau,  welche  leicht  empfangt,  sagt  man: 
Se  brvkt  blofz  möt  e  PcMr  Pohboxe  ver 
e  Närsch  to  krtge^  denn  ös  se  fertig. 
Sprw.  I,  2888. 

pelzen,  pltd.  pttlze(n),  sw.  1.  den  Pelz 
bearbeiten,  prügeln.  In  Bayern:  Einen 
pelzen,  ihm  eins  versetzen,  ihn  treffen 
mit  Schlag,  Wurf  oder  Schulz;  engl. 
to  pelt.  Schmellerl,  283.  2.  Es  mag 
sich  so  dahin  fiicken^  läppen  undpeUzen 
biss  an  den  jüngsten  Tag.  Stein,  Pe- 
regrinus  IV,  13.     W,  Mtsbl.  V,  95. 

Pelzkosak,  pltd.  Pttizkosak,  m.,  Kosak 

im  Pelz,  scherzende  Benennung  kleiner 
munterer  Jungen.     Kgsbg. 

Pelzmütze,  pltd.  Pttizmtttz,  /.,  Mütze 

von  Pelz.     Von  einem,    der  nicht  bei 

9* 


132 


Pelcnelke  —  Perlenke. 


ToUem  Yerstande  ist,  sagt  man:  ^  ist 
mit  der  Pehmütze  geschossen  und  nicht 
recht  getroffen.  Sprw.  I,  2830.  In 
Hessen:  Mit  der  Pelzkappe  geschossen 
sein:  in  lächerlicher  Weise  matwillig 
sein,  sicii  närrisch  anstellen.  Yilmar, 
295. 

Pebnelkey  /.,  echte  Eranzrade,  Yexier- 
neVkeyCoronanatomentosaA.Br.  Weich- 
seldelta.   Treichel,  Volksth.  IIL 

Pemke,  Pimke,  m.,  Steinpilz,  s.  Glatt- 


Pems  (s  weich),  m.,  ordinärer  Käse. 
Gordack. 

Penky  f»}.,Moorbnich.  EIrmland.  Dorch 
Lantverschiebong  aus  PelL 

Pennunskey  m^  Pfennig,  lit  pinmn- 
gasy  aach  penningaSy  poln.  pieniqzdk, 
On  dat  Kodderke  es  e  Pennunske.  Pomr 
merellen.     Volksr.,  266,  925. 

penschen,  pinsdien,  «r.,  anwerfen  mit 
ausgehöhlten  (ausgelmtterten)  Knöpfen 
oder  Stackchen  Stahlblech.  Danzig. 
Westpr.  Kinderspiel.  Ton  pantschen 
anschlagen,  anklatschen.     Rochholz, 

427,  45.    S.  antduaefatu 

Penter«  m..  Peitsche,  Strick,  ein  wei- 
cher Prügel  überhaupt,  ßr  hat  mit 
dem  Pmter  gekriegt.  Im  Holsteinschen 
heiizt  ein  nmdes  glattes  Hölzchen  mit 
einem  Stiele^  womit  in  einigen  Winkel- 
schalen Hambarg-Altonas  die  Knaboi 
in  die  flache  Hand  geschlagen  wurden^ 
Pamter.  Schatze  HL  191.  Eb^iso  in 
Pommern.    Dähn.«  344a. 

pentenv  «ir.  1.  mit  dem  Ptnter  schla- 
gen, prügeln.  2.  nach  Treichel  auch 
covrt* 

pepefeu  Mr.,  sprechen,  pappebi  (s.  d.). 
TreicheL 

Pops»  m^  s«  PipSb 

PCr,  /l,  Birne.  Ermland.  Sperber, 
24. 


perband,  adj.  a.  adv.^  schlecht  Gor- 
dack. 

perdauks,  perdauz,  interj.^  s.  pardauz. 

Perdel,  Fischn.,  Parpel,  PardeL  lit 
perpehy  perple^  perpele^  Alosa  finta  Cuv. 
Mühling,  Tiem.,  175. 

perdeln,  mt.,  treten.  Der  Hahn  per- 
delt  die  Henne.  Nehmt  Vemonft  an^ 
Herr,  on  perdeU  nich  mienem  goden 
Humor  op  de  Heehnerogen.  Dorr, 
L  Wiew.,  10.  Wie  ek  nu  cucer  grad  op 
de  Schneedeck  medden  tweschen  de  dree 
Locher  perdeL     Dorr,  Driewjagd.     S. 

IMebock. 

Perdickd,  m.,  kleiner,  untersetzter 
Mensch.    Natangen.     Davon 

perdicklich,  adj\,  klein,  antersetzt 
Perdulge,  /.,  s.  Bredidge. 
perduz,  inter)\  s.  pardauz. 

Ptreböm,  m.,  Bimbaam.  Ermland. 
Sperber,  24. 

pefferseh,  cufr.,  s.  parforech. 
PergamottCe),  PergenetL  /.,  Bergamott- 

bime,  Pirus  bergamotia  RueL 

Pergei,  m^  Kienspan  zam  Anzünden 
des  Feaers.  Lit  pirkszms  glühende 
Asche,  lett  prduls  Feaerbrand,  von 
prduUt  glühen.  Pierson,  Altpr.  M. 
Tm,  367. 
Pcrgewett,  /%  s.  PergaMttt(e). 
PerlMkMhen,  n ,  PefBqfaciBBie,  f^  Bi- 

samhyacinthe,  Muscari  botryoides  L.; 
auch  MawfwiiwfazcheiL  Treichel, 
Yolksth.  n. 

Perleit  Perdefel,  phur.,  Pflzn.«  rand- 
blättriges Wintergrün,  I^irola  rotundi- 
foHa  L.  Aach  PÜnzchen.  Hagen, 
439. 

Perleiike,  m.  a.  /l  Der  Danziger  Co- 
dex des  kalmischen  Rechts  (s.  Altpr. 
M.  I\\  137:  VIL  318)  enthalt  die  äl- 
teste  Erklazong  des  angeblich  altpr. 
Wortes:    iVrfancfaf,   ht  ei»  ge^rohnkeity 


Perlenke. 


133 


der  man  nicht  wiederstehen  soll.  Diese 
rätselhafte  Erklärang  wird  deutlicher, 
wenn  man  aus  späteren  Belegen  er- 
kennt, daiz  mit  Perlenke  ordnungsmäfzige, 
resp.  herkömmliche  Benefizien  bezeich- 
net werden,  die  im  Laufe  der  Zeit  bis 
zum  Trinkgelde  herabsinken.  In  dem 
Amterbuche  des  Hauses  Marienburg 
aus  den  ersten  Jahren  des  15.  Jahrh. 
(Provinzial-Archiv  zu  Egsbg.  A.  31, 
fol.  137  a)  bescheinigt  der  Gartenmeister 
folgendes:  Item  habe  ich  im  garihen 
gelassen  17  tonnen  czwebeln  ufern  soUer 
und  habe  beczalt  des  Tneisters  kochmeister 
1  tonne  und  des  conventes  kochmeister 
auch  1  tonne  vor  erer  porlencken.  In 
den  geschriebenen  Amtsartikeln  y.  J. 
1584,  No.  140,  heifzt  es  (Hennig, 
191):  Der  Hauptmann^  Amtsschreiber 
und  alle  Diener  sollen  sich  keine  Per- 
lenk  oder  Ztigänge  zueignen.  Das  Pro- 
tokoll der  Kneiphöfschen  Morgensprache 
vom  21.  Januar  1597  verzeichnet  fol- 
genden Beschlufz:  Es  hat  die  Margen^ 
sprach  auch  geschlossen,  dafz  nwr  ein 
Schenk,  vmbzech  an  den  die  Ordnung 
kompt  2  stof  hier  zu  seinem  perlenckCy 
vnd  nicht  mehr  haben  soll.  Doch  schon 
am  30.  April  1603  beschliefzt  die  „Er- 
bar  Morgensprach,  da/z  die  perlencke 
so  die  schenken  biss  anhero  genommen^ 
gentzlich  sollen  abgeschafet  sein^  vnd  an 
jkrer  besoldung  sich  genügen  lassen.'^ 
In  dem  Protokoll  der  Morgensprache 
vom  18.  Februar  1713  findet  sich  fol- 
gender Passus:  Hierauf  doliren  die 
Verwalter^  da/z  durch  die  vielen  Per- 
lencken  und  andere  desordres,  die  Leute 
abgehalten  werden^  Hochzeiten  auf  dem 
Hofe  zu  halten  \  bitten  alle  dergleichen 
cUmsus  abzuschaffen^  auch  zu  veransUU- 
teny  da/z  die  Diener  des  herwmbtragens 
des  Handwassers  ^  in  den  winckeln  sich 
enthalten  mögen;  . . .  Ward  geschlossen: 


Die  Perlencken  sollen  von  dato  an^  in 
totum  gehoben  vnd  abgeschaffet  sein,  E,  E. 
Rahts  Diener  aber^  das  herumbtragen 
des  Handwassers^  alter  Gewohnheit  nach^ 
gelassen  werden.  Die  Zünfte,  32  f. 
Toppen  fuhrt  noch,  Altpr.  M.  IV,  138, 
aus  dem  Zinsbuche  der  Eomturei  El- 
bing  aus  der  Mitte  des  15.  Jahrh.  (El- 
binger  Stadt- Archiv,  Sehr.  C.  No.  18) 
eine  umfangreiche  Notiz  an^  nach  wel- 
cher Perlenke  auch  die  Verköstigung 
war,  welche  bei  grofzen  herrschaftlichen 
Grastereien  der  Dienerschaft  verabfolgt 
wurde,  und  welche  namentlich  bei  Ge- 
lagen des  Hochmeisters  gesetzlich  ge- 
nau bestimmt  war;  auch  hier  ist  mit- 
hin Perlenke  =  Beneficium.  Dieser 
Deutung  widerstreben  auch  nicht  die 
von  Bock,  45,  und  Hennig,  191, 
gegebenen  Erklärungen.  Bock:  „Por- 
lenck^  der  Überrest  von  den  Gastmalen, 
die  vormals  bey  den  CoUegien  hier 
Mode  gewesen,  davon  einem  jeden  von 
den  Gästen  sein  Theil  nach  Hause  ge- 
schicket worden;"  Hennig:  y^Porlenk^ 
oder  auch  Perlenk  ^  der  Überrest  von 
den  Gastmalen,  den  die  Gäste  mit  nach 
Hause  bekommen."  Bocks  Annahme, 
Porlenk  solle  Partion  heifzen,  entbehrt 
jeder  Begründung;  Hennig  dagegen 
leitet  es  wohl  richtig  von  dem  lit.  per- 
lenkis  was  einem  zukommt,  Gebühr, 
gebührender  Anteil,  ab,  und  dies  ist 
ja  eben  das  observanzmäfzige  Bene- 
ficium. Die  in  Urkunden  vorkommen- 
den Wortformen  Porlenk^  Porlenke  sind 
fehlerhaft.  —  Verwandt  ist  Parlenke,  /., 
Zutrunk.  Das  ist  einem  eine  gro/ze 
Schaale  zutrinken  und  wenns  schier  ausse 
ist,  das  übrige  in  die  Augen  wid  die 
Schalle  ime  auf  dem  köpf  und  daroon 
mu/z  keiner  zomen.  Mühlin g  nach 
den  N.  Pr.  Prov.-Bl.  ohne  genauere 
Angabe.    Violit,  164,  hat  mit  über- 


134 


Permochel  —  perzeln. 


einstimmender  Erklärang:  einen  Par- 
lenke  zutrinken.  Vgl.  Toppen,  Altpr. 
M.  IV,  137  f.  Nsslm.  Forsch.  1;  TL, 
125.    Pierson,  A.  W.,  32. 

Permochel,  m.^  Dorsch,  s.  Dttsch. 

permucksch,  adj.  u.  adv.y  muckisch, 
mürrisch,  maulend.  Wenn  von  der 
bessern  Kinderzucht  geredet  wird^  dann 
sitzen  die  Frauen  und  sehn  so  permuksch 
auSy  da/z  man  das  Herz  verliert^  weiter 
zu  reden,     SopL    R.  III,    192.     Vgl. 

mucken. 

permufz,  adv.^  mit  mufz,  mit  Gewalt. 
Er  kommt  mit  permu/z. 

pernen,  sw,y  jagen.  Fem'  de  Katt 
''ruty  jage  die  Katze  hinaus.    Samland. 

Perpel,  m.,  Fischn.,  Ahsa  finta  Cuv, 
Benecke,  167.    S.  Perdel. 

Perpelitze,  /.,  Wachtel.  Russ.  p^e- 
pelj  perep^lkay  poln.  przepiorka^  przepo- 
reczkay  illyr.  perpelica.  Nsslm.,  Thes., 
126. 

Perpetuan,  m,^  alter  ordinärer  Kleider- 
stoff.    Viol^t,  178. 

PSrsch,  7n.,  Barsch,  Dem.  PSrschke. 
Hartwich,  44.    S.  Barsch. 

pSrechen,  pttrechen,  sw,^  sich,   sich 

brüsten;  sich  viel  dünken  und  einbilden 
und  dies  zur  Schau  tragen,  sich  auf- 
blähen, aufspielen,  prahlen,  prunken, 
sich  wichtig  machen,  „dicke  thun^.  Na 
pirsch  dich  man  nich  so!  He  peerscht 
sik  as  Finke  Märten  ön  der  Perddeck 
—  as  de  Pogg  ön  e  Teerpudel,  Dorr, 
79.  Sprw.  I,  2881.  Dregt  (dreht)  he 
nich  den  Kopp  §m  Gn^ck  on  peerscht 
sik  bfm  Gähnen.  Dorr,  1.  Wiew.,  24. 
Hennig,  181,  leitet  es  von  Persc\ 
Bersch  Barsch,  perca,  ab,  der  seine 
stachligen  Flossen  aufrichtet.  Pierson, 
Altpr.  M.  VIII,  367,  weist  aufUtpersz- 
lySy  pirszlys  Brautwerber  hin;  ein  sol- 
cher mulzte,  nach  Lepner,  sich  aufs 
Prahlen  verstehen.    In  Posen  pörschen 


emporstehen  machen,  sträuben,  das 
Bernd,  216,  von  por  empor  ableitet. 
Bock,  42.     Sperber,  25. 

PSrechke,  m.,  s.  Pftrech  u.  Barsch. 

PersSI,  früherer  Name  für  die  bei 
einem  Ausrufe  unter  den  Hammer  kom- 
menden Gegenstände.  Dzg.  W.  Seidel, 
33. 

Persty  Pflzn.,  gemeine  Bärenklau,  He- 
racleum  Sphondylium  L.  Hagen,  318. 
Vgl.  Bartsch. 

Perwellberg,  m,y  Name  eines  der  fünf 
grolzen  Sandberge  auf  der  kurischen 
Nehrung  bei  Rossitten.  Altpr.  M.  IV, 
301.    Vgl.  Plick. 

perwupps,  interj,^  s.  wupp. 

Perwu§che,  Ortsn.,  Dorf  Perwissau 
im  Kirchspiel  Postnicken,  Kr.  Königs- 
berg. He  ÖS  üt  PerwuschCy  wo  de  Hund! 
op  Schlorre  gäne.     Sprw.  I,  2892. 

Perz,  m..  Dem.  Perzke,  Furz,  Fürz- 
chen. Samland.  De  Märzke  lett  6k 
noch  Sin  Perzke. 

Perzel,  PUrzel,  m,   1.  Bürzel,  Steifz, 

Podex.  Mühling.  2.  Gangart,  nament- 
lich des  Pferdes;  auch  Krankheit  des- 
selben. Vgl.  perzeln  2.  3.  das  viele 
Hin-  und  Herlaufen,  und  daher  auch 
Diarrhöe.  Er  hat  den  Perzel,  Er  läuft 
als  ob  er  den  Purzel  hätte,  Sprw.  I, 
2893.  Bock,  42.  Hennig,  183.  Vgl. 
Purzel. 

Perzella§che,  /.,  Perzelage,  von  Per- 
zely  affektierter  schwänzelnder  Gang 
eines  Frauenzimmers.  Schemionek, 
27. 

perzeln,  pirzeln,  pttrzeln,  pUrzeln,  sw, 

1.  oft  aus  der  Stube  gehen,  geschäftig, 
aber  unnötigerweise  im  Hause  hin-  und 
herrennen.  In  Posen  und  in  der  Nie- 
derlausitz auch  förzeln.  Bernd,  65. 
Anton,  1,11.  2.  mit  Geziertheit,  mit 
kurzen  Schritten  gehen,  dabei  den  Per- 
zel hin-  und  herwenden;  von  Menschen 


peschien  —  PestilenzwurzeL 


135 


und  Pferden.  Pferde,  welche  nicht  von 
der  Stelle  wollen,  statisch  sind,  perzeln^ 
haben  den  Perzel.  Das  in  Grimm, 
Wb.  IV  2,  1579  angeführte  Mrzeln  (des 
Hundes)  gehört  wohl  unter  diese  Be- 
deutung. Davon :  ausperzeln,  auspirzeln, 
die  Stube  durch  vieles  Pirzeln  aus- 
kühlen, perzelich,  pirzelich,  adj.,  zum 
Hin-  und  Herrennen  geneigt,  geziert 
gehend;  vom  Pferde  statisch.  Wenn 
ein  Nachbar  ein  schnuppichtj  krätzigt 
oder  pertzelicht  Pferd  hat,  und  es  ihm 
im  SchuUzen- Gericht  untersaget  wird, 
dasselbe  abzuschaffen  .  .  .  sondern  last 
es  gehen,  so  soll  der  Schultz  Macht  ha- 
ben .  .  .  das  Pferd  zu  versäuffen  oder 
zu  erschossen,^  Hartwich,  327.  In 
betreflf  der  Herleituug  liegt  Perzel  am 
nächsten,  auch  für  forzeln  =  den  Hin- 
tern (Förzer)  oft  aus-  und  eintragen; 
es  wird  jedoch  auch  pörzeln,  pörtseln 
(Anton,  3,  7)  gesprochen  und  ge- 
schrieben, und  so  erscheint  auch,  da 
in  dem  Worte  der  Begriff  des  öftem 
Öffnens  der  Thür  eingeschlossen  ist, 
die  Herleitung  von porta  Pforte  (Bernd, 
206.  Anton,  a.  a.  0.)  annehmbar. 
Bock,  42.  Hennig,  183.  Sperber, 
24.     Vgl.  übrigens  pttrten. 

pefehlen,  sw.y  s.  piichen. 

Peichull,  m,,  s.  Pi§chull. 

Pesdrick,  Pesek,  m.,  s.  Pesrick. 

Pesel,  m.,  Einfaltspinsel,  langweiliger, 
beschränkter  Mensch.  Oedanism,  Ebenso 
in  Estland;  eigentlich  s.  v.  a.  Pesrick. 
Sallmann,  37b. 

Peserbilte,  /.,  Rohrkampe,  die  nach 
der  Ernte  behufs  eigener  Düngung  ab- 
gebrannt wird.  Zusammensetzung  aus 
pesem  (s.  pdsern)  und  Büte.  Sche- 
mionek,  27, 

Pesericky  m.,  s.  Pesrick. 
pSsem,  sw.,  s.  pftsem. 
Peslacky  m.,  s.  v.  a.  Pesel. 


Pesrick,  Peserick,  Pesrich,  Peserich, 
Beserick,  m.  1.  Ochsenziemer,  das  Mem- 
brum  des  Stiers,  das  getrocknet  als 
Peitsche  dient,  daher  auch  Bolle-,  Ochsen- 
peserik.  2.  jede  Peitsche,  namentlich 
die  von  Leder,  die  Karbatsche.  Eick 
bring  denn  met  e  Päsrick  mi,  On  Pro- 
gel  krögst  du  wie  noch  nie.  Nowack, 
19.  Nach  Preufz,  Lehrgang  221,  be- 
zeichnet Peserik  ursprünglich  den  Stock 
zum  Nachschüren  des  Feuers  (jpesem) 
und,  da  man  diesen  auch  zum  Züch- 
tigen gebrauchen  kann,  auch  jedes  an- 
dere Züchtigungsinstrument.  Auffällig 
ist  die  Erklärung  Gordacks:  Rute 
zum  Bestrafen,  auch  Strauchbesen.  3. 
penis.  Er  hat  einen  guten  Peserik.  Sprw. 
I,  2894.  Hoffheinz  (Nsslm.  Forsch. 
2)  giebt  folgende  Erklärung  des  Wor- 
tes: pyza  i.  e.  cunnuSy  rik  =  riks  i.  e. 
rex;  peserik  ergo  est  rex  cunni,  germa^ 
nice  Mauskönig,  quia  penis  cunnum  in 
potestate  habet.  Nsslm.  a.a.O.  fragt: 
Sollte  es  etwa  einem  lit.  pyzarrykszte 
entsprechen,  aus  pyzä  cunnus  u.  rifkszte 
Rute?  Pierson,  Altpr.  M.  VIH,  367, 
unterstützt  Hoff heinzs  Erklärung,  in- 
dem er  darauf  hinweist,  dafz  -^ick  das 
hchd.  -rieh  (ursprünglich  Herrscher, 
Oberster,  Fürst)  ist,  das  übrigens  auch 
in  dem  Worte  selbst  auftritt,  in  Ver- 
bindung mit  lit.  pyzä  cunnus.  In  Westpr. 
und  auch  sonst  noch  in  Niederdeutsch- 
land Pesel,  nach  Gortzitza  auch  Pes- 
drlck,  nach  Sperber,  39,  auch  Pesek, 
von  dem  poln.  pezek,  das  sich  bei 
Mrongovius  nicht  findet;  hoü.  pees^ 
engl,  pizzle,  im  Osnabrück.  Pitte.  Vgl. 
Richey,  184.  Brem.  Wb.  lU,  309. 
Schützein,  205.  Schamb.,  154a. 
Bock,  43.  Hennig,  183.  Sperber, 
24 

Pesrik,  m.,  s.  Peddig(k). 

Pestilenzwurzel,/.,  groizblättriger  Huf- 


136 


Petchen  —  Pfaffenrohrchen. 


lattich,  Tussüago  petasites  L.  S.  Lott- 
chenblatt.    Hagen,  867. 

Petchen  y  n.,  penü  des  Knaben. 
Gortzitza. 

Petenetten,  plur.^  Kleinigkeiten;  von 
dem  frz.  petit    Davon 

Petenettenkram,  m.^  Kram  mit  Pete- 
netten;  auch  Pipenet-,  Puttenutten-,  Putte- 
luttenkram. 

Petenettenkrämer  y  m.y  Händler  mit 
Petenetten^  Hausierer.  Vgl.  Putchen- 
kriUner. 

Peter y  m.,  zur  Bezeichnung  eines 
dummen  und  gutmütigen  Menschen. 
Knaben  mit  dem  Vornamen  Peter  wer- 
den geneckt:  Pete^  scheet  en  e  Wete^ 
9cheet  en  e  Komst^  daCt  so  plompst! 
Volksr.,  76,  295.  2.  der  senkrechte 
Fensterbalken,  das  Fensterkreuz;  auch: 
Fensterpeter.  Rätsel:  Von  bönne  blanky 
von  bitte  blank,  ön  e  Modd  e  holteme 
Peter  damank.     Das  Fenster. 

PetSrmännchen,  n.,  Fischn.,  der  Stein- 
picker,  Cottus  cataphractus  L,  Danzig. 
M&hling.  Nach  Benecke,  67,  Tra- 
chinus  draco  L, 

Peteminken,  Ortsn.,  Dorf  bei  Pillkal- 
len.  Gä  na  Peteminke,  da  hrigst  to 
ete  on  to  drinke.    Sprw.  I,  1147. 

Peterskraut,  n.,  s.  Nachtkraut 

Petersttl,  n.,  Steinöl,  oleum  Petri. 
Mühling. 

Peterzttige,  Peterzilg,  /.,  Pflzn.,  Peter- 
silie, Petroselinum  sativum  Hoffm,  Kö- 
nigsberg. Im  Ausruf  der  Gemusehänd- 
lerinnen:  Petetzuljick.  Vgl.  Sprw.  U, 
1636. 

Petetschen,  plur.^  s.  Potatschen. 

Petition,  /.,  nach  Hennig,  183,  in 
einigen  Gegenden  von  Preufzen  der 
Kaiendebeitrag,  der  von  den  Einge- 
pfarrten  abgefordert  wird.  Von  dem 
lat.  petitio. 

Petlitzen,  plur,,  ebe  Art  von  Hefteln, 


womit  Kleider  zugeknöpft  werden.  N. 
Pr.  Prov.-Bl.  a.  F.  H,  437.  Poln.  pft- 
lica,  p§telka  Schleife,  Schlinge,  russ. 
pjeüja,  peüja  Strick,  Schlinge,  Knopf- 
loch, lit.  pdntis,  altpr.  panta,  panto 
(Voc.  542)  Fessel.  Nsslm.  Forsch.  2; 
Th.,  127.    Vgl.  Podlitzen. 

PStsch,  m.  Vom.,  Peter.  Dzg.  Nhg. 
Viol^t,  103. 

Petscha,    Petscher,    (?),    Weifzbrot. 

Rastenburg.     Mühling. 

petschen,  petscheln,  pttscheln,  petschT- 
nen,  auch  potschen,  sw.,  mit  leisem, 
langsamem  Stofze  rudern,  um  das  Boot 
nur  schwach  zu  bewegen.  Das  Ruder  fallt 
leise  patschend  ins  Wasser.  Westpr. 
Treichel.    Vgl.  Potschlne. 

petschlnen,  aw,,  s.  das  vor. 

Pettelkau,  Ortsn.,  Dorf  im  Kr.  Brauns- 
berg. Spott:  In  Pettelkau  bellen  die 
Hunde  mit  dem   ZageL    Vgl.    Kraxte- 

pellen,  Prttbbernau. 

Petz,/.,  Hure. 

petzen,  sw.,  angeben,  anklagen,  an- 
zeigen, denunzieren,  wiedererzählen, 
einen  auf  den  andern  hetzen.  Es  ge- 
schieht vorzugsweise  in  der  Schule. 

pf  ist  pltd.  ganz  verschwunden  und 
wird  fast  immer  ein  p:  Perd  Pferd, 
Kopp  Kopf,  Topp  Topf,  kloppen  klopfen, 
Plante  Pflanzen;  seltener  ein  /;  Knof 
(und  Knop)  Knopf,  Far  Pfarrer.  Leh- 
mann, Volksmd.,  30. 

pf,  Laut  zur  Bezeichnung  des  Blasens, 
Hauchens.  Pf,  Federchen !  sagte  er,  in- 
dem er  blasend  Julchen  ihn  (den  Brief) 
hinwarf.     Soph.  R.  VI,  464. 

Pfaffenknttpfe,  plur.,  Pflzn.,  s.  Lodiks- 
blatL 

Pfaffenläuse,  plur.,  Pflzn.,  s.  Pracher- 
läuse. 

Pfaffenrtthrchen,  n.,  Pflzn.,  Löwenzahn, 
Leontodon  taraaacum L.   Hagen,  110. 

Vgl.  Butterblume. 


Pfablgeld  —  Pfefferstadt 


137 


Pfahlgeldy  n.,  die  von  eingehenden 
Schiffen  zu  entrichtende  Hafenabgabe. 
Danzig.  Passarge,  134.  Hirsch, 
213. 

Pfahlkammer,  /.,  in  der  alten  Danziger 
Verfassung  die  Behörde,  bei  welcher 
die  Seezölle  erhoben  wurden.  W.  Sei- 
del, 33.    Hirsch,  213. 

Pfahlknechty  m.,  Beamter  älterer  Zeit, 
der  mit  dem  Hafenwärter  das  hölzerne 
Bollwerk  an  der  Weichselmündung  in 
stand  zu  halten  und  das  Fahrwasser 
oder  Tief  zu  beaufsichtigen  hatte.  Die 
Pfahlknechte  wurden  aus  den  Einkünf- 
ten des  Pfahlgeldes  bezahlt  Danzig. 
Hirsch,  213. 

Pfannchenfirtsch,  m.,  s.  Pfannchen- 
schascher. 

Pfannchenlecker,  pltd.  Pannkelttcker,  m. 

1.  Lecker  der  Pfanne,  Tellerlecker, 
Schmarotzer.  Brem.  Wb  HI,  290.  2. 
in  der  Eindersprache  der  Zeigefinger, 
mit  dem  man  Teller  oder  Pfanne  aus- 
wischt u.  ausleckt  Yolksr.,  32, 124.  Im 
Holsteinschen  Puttjenlicker  Töpfchen- 
lecker.  Schütze  HI,  249. 
Pfannchenschascher,  pltd.  Pannkescha- 

scher,  m.,  Fladen  aus  Roggenmehl,  in 
einer  mit  Fett  ausgeschmierten  Plinsen- 
pfanne gebacken.  Auch  Pfannen-,  Pfann- 
chen-, pltd.  Pannkef utsch.  Dönh.  In  Na- 
tangen  PfannenrMer. 

Pfanne,  pltd.  Pann,  /.  1.  Abkürzung 
für  Dachpfanne,  Dachziegel.  2.  cunnus^ 
Vulva.  Onse  Hanne  heft  e  Panne.  Sam- 
land. 

Pfannenfutsch,  -rttster,  m.y  s.  Pfann- 
chenschascher. 
Pfannkuchen,  pltd.  Pannkoke,  m.,  flacher 

Kuchen,   der  in  der  (Plinsen-)  Pfanne 
gebacken  ist,  Plinse,  Eierkuchen,  also 
völlig  verschieden  von  den  Pfannkuchen 
der  Konditoreien. 
Pfannkuchspredger,  m.,   Bezeichnung 


für  einen,  der  gern  und  viel  über  Sachen 
spricht,  die  er  nicht  versteht.  He  os  e 
Pannkdkspredger.     Samland. 

Pfarr,  1.  /.,  Pfarre.  2.  w.,  Pfarrer. 
Sie  geht  zum  Pfarr^  sie  erhält  Kon- 
firmationsunterricht. Saalfeld.  Kann 
denn  der  Herr  Pfarr  nicht  steuern?  .  . 
Lieber  Herr  Pfarr ^  ich  mochte  gern  für 
das  Begrdbniss  dieses  Mannes  sorgen. 
Soph.  R.  HI,  64.  65. 

Pfarre,  /.,  in  Danzig  niemals  eine  be- 
liebige unter  den  Pfarrkirchen  der  Stadt 
oder  Umgegend,  sondern  immer  nur 
die  Oberpfarrkirche  zu  St.  Marien.  E. 
Förstem. 

Pfarrgebet,  n.,  s.  Gebetverhttr. 

Pfarrwidem,  /.,  s.  Widern. 

Pfeffer,  m.  Aus  dem  Pfefer  bekom- 
men^ starke  Hiebe  erhalten.    Vgl.  Salz« 

Pfefferklops,  m.,  Scheiben  von  Rind- 
fleisch in  gepfefferter  Sauce  geschmort 

Vgl.  Zodderklops. 

Pfefferkraut,  n.,  GartenköUe,  Satureja 
hortensis  L.;  auch  WurstkrauL  Hagen, 
599.    Pritzel,  364. 

Pfefferkuchen,  pltd.  PSperköke,  m.,  Leb- 
kuchen. Unter  die  preufzischen  Lecker- 
bissen zählen  wir  die  in  Thom  zuberei- 
teten  Pfeffer-  und  Leckkuchen.  Bock, 
Nat.  I,  269. 

pfeffern,  pltd.  p6pre(n),  sw.    1.  mit 

Pfeffer  würzen.  2.  bildlich:  mit  un- 
angenehmen Empfindungen  verbunden, 
übermärzig  teuer.    Das  ist  gepfeffert. 

Pfeffersack,  ?n.,  Sack  zur  Aufbewah- 
rung des  Pfeffers;  bei  Stein,  Peregri- 
nus  XYI,  8,  verächtliche  Benennung 
eines  Adligen;  in  gleichem  Sinne 
Pfefferetofzer.    W.  Mtsbl.  VI,  187. 

Pfefferetadt,  /.,  in  alten  Handschriften 
Pfefferstrafze,  Stadtteil  in  Danzig,  wohl 
von  der  Niederlage  ostindischer  Ge- 
würze, unter  denen  der  Pfeffer  obenan 
zu  stehen  pflegte.     Nach  einigen  auch 


138 


Pfefferstofzer  —  Pfenniggras. 


von  den  Pfeifern  oder  Musikanten, 
welche  hier  gewohnt  haben  sollen. 
Löschin,  44. 

Pfefferstofzer,  m,^  s.  Pfeffereack. 

Pfefferstube,  /.,  früherer  Name  für  ein 
Zimmer  im  dritten  Stock  auf  der  Nord- 
seit«  des  Schlosses  zu  Königsberg  ^zur 
Aufbewahrung  ansehnlicher  Verbrecher". 
Hennig,  183.  Bock,  Nat.  I,  61:  die 
Ffefferstube  ein  Gefdngniss  für  condi- 
tionirte  Personen. 

Pfeife,  pltd.  PTp,  /.  1.  Pfeife;  Tabaks- 
pfeife.  E  lange  Ptp  on  e  schnoddrige 
Ntts^  wenn  unreife  junge  Leute  den 
Grolzen  spielen.  Em  geit  de  Ptp  üt, 
die  Geduld,  das  Leben  geht  zu  Ende. 
Sprw.  I,  2907  f.  2.  röhrenartiger  Aus- 
gufz  an  einem  Gefafz,  namentlich  an 
einem  irdenen ;  Brunnenröhre;  Röhren- 
brunnen. Der  Röhrenbrunnen  auf  dem 
alten  Markte  zu  Elbing  heil'zt  Pfeife^ 
im  Volksmunde  Feif^  in  Urkunden 
Pfeifenbom ,  Pfeifenbrunnen,  (Die 
Schmerlenfanger  müssen  mit  ihrem 
Fange)  „bey  dem  Pfeifenbom  umb  bO- 
Ugen  preifz  markt  halten^.  Schmerlen- 
fanger-Ordg.  aus  dem  Anfange  des 
17.  Jahrh.  im  Archiv  der  Stadt  Elbing. 
Benecke,  300.  Bayerisch  Pipen,  engl. 
pipe.  Schmeller  1,291.  Hupel,  170. 
Schemionek,  27.  50.    Hennig,  183. 

pfeifen,  pltd.  pfpe(n),  st^  trinken,  Spi- 
rituosa.  Einen  pfeifen^  einen  Schnaps 
trinken.  Er  pfeift  gut  —  pfeift  einen 
Guten.    Egsbg.    S.  pTpen. 

Pfeifenborn,  -brunnen,  m.,  s.  Pfeife. 

Pfeifengestell,  pltd.  Plpegestell,  PTpe- 

stell,  n.,  im  Samlande,  sonst  auch  SchSr- 
leiter,  pltd.  SchSrIedder,  leiterartiges  Ge- 
stell mit  wenigstens  20  beweglichen 
Sprossen,  worauf  die  Laufspulen  (s.  d.) 
aufgesteckt  werden,  wenn  das  auf  ihnen 
befindliche  Garn  behufs  der  Scherung 
abgewunden  werden  soll. 


Pfeifenkanne,    pltd.    PTpekann(e),   /., 

Kanne  mit  einer  Pfeife.   Hennig,  183. 

Pfeifenstäbe,  plur.^  s.  PTpenstäbe. 

Pfeifenstiel,  pltd.  PTpestei,  m.,  beim 
Kegelspiel  der  einzeln  fallende  Eck- 
kegel nahe  der  Bande.  Der  Kegel- 
junge ruft:  Pipestely  hosit  nich  vel! 

Pfeiferbank,  /.,  Bank  für  die  Pfeifer, 
die  Musikanten,  Orchester.  S.  Die 
Zünfte,  10. 

Pfeifsack, «».,  Benennung  für  ein  Kind, 
das  viel  weint.     Mühling. 

Pfeilschwanz,  m.^  s.  Langhals. 

Pfennig,  ?n.,  zur  Zeit  der  Kreuzherren 
in  den  Privilegiei^  Nummus.  Drei 
Pfennige  gingen  auf  einen  preuCz.  So- 
Udum  oder  Schilling.  ^60  Schillinge 
machten  eine  Silbermark  aus,  die  Mark 
zu  16  Loth  oder  24  Schottgewicht  ge- 
rechnet. Wenn  nun  ein  damaliger 
Schilling  nach  unserm  jetzigen  Gelde 
ungefähr  12  hiesige  Groschen  ausmacht, 
so  wurde  ein  solcher  Pfennig  4  hiesige 
Groschen  gelten."  Hennig,  183.  Der 
Pfennig  galt  also  1  Sgr.  4  Pfg.,  etwa 
15  Pfg.  nach  heutigem  Gelde.  —  Hei 
scIiStt  op  en  Pfennig  on  goß  en  fer  e 
Düttke  üt^  er  ist  sehr  geizig.  In  gleichem 
Sinn:  Er  scheifzt  auf  den  Pfennig. 
Auch  mit  dem  Zusätze :  da/z  keine  ZaM 
zu  kennen  ist.  Sprw.  I,  2910  f.  Bei 
Jcroschin:  üf  den  pfenninc  suwer  = 
habsuchtig,  geizig.     Pfeiffer,  204.  — 

Kulmischer  Pfennig,  s.  kulmisch.   Vierter 

Pfennig,  Abgabe,  Zins,  die  sogenannte 
Quarte.    Vgl.  Starost. 

Pfennigblume,  /.,  preuf zische ,  spitz- 
fruchtiges  Silberblatt,  Lunaria  rediviva 
L.    Ostpr.    Pritzel,  222. 

Pfennigfuchser,  m.,  Geizhals,  Knicker, 
Knauser.  Davon  pfennigfuchserig,  adj.^ 
geizig.    S.  Fuchser. 

Pfenniggras,  n.,  Feld -Pfennigkraut^ 
Thiaspi  arvense  L.    Hagen,  668. 


Pfennigzins  —  Pflaster. 


189 


Pfennigzins,  m.^  in  der  Danziger  Ge- 
richtsyerfassong  das  Kapital,  welches 
zur  ersten  Stelle  anf  ein  Grundstück 
geliehen  wurde  und  für  welches  nur 
das  Grundstuck  allein  und  nicht  auch 
das  sonstige  Vermögen  des  Schuldners 
haftete.    W.  Seidel,  33.    Nach  Klein 

II,  50,  die  Interessen  eines  Kapitals, 
welches  für  ein  dafür  verpfändetes 
Grundstück  ausgeliehen  ist:  Auf  dem 
Harne  stehn  12  000  Gulden  zu  Pfennig- 
zins. 

Pferd,  pltd.  P6rd,  n.  In  Redensarten: 
Ein  gutes  Pferd  findet  sich  wieder.  Ein 
schlechtes  Pferd^  das  den  Hafer  nicht 
frifzt^  der  ihm  vorgeworfen  wird.  Wer 
das  Pferd  kauft^kauft  auch  den  Schwanz, 
Auf  die  magern  Pferde  setzen  sich  die 
meisten  Mücken.  Wer  sich  als  Pferd 
verdungen^  mu/z  auch  als  Pferd  ziehen. 
Wenn  de  Perd  göt  stäne  on  de  Fruens 
afgäne^  denn  kann  de  Bar  rtk  vfare. 
Sprw.I,  2915ff;  II,  2031  flF.  Der  Mensch, 
verglichen  mit  dem  Pferde:  Wie  ein 
Pferd  dumm  —  eigensinnig  —  statisch 
sein;  eigensinnig  sein  wie  ein  Droschken- 
pferd  —  Kutschpferd;  —  ein  Gedächt- 
nis haben  wie  ein  Pferd;  —  Nicken 
lioben  wie  ein  altes  Droschkenpferd;  — 
ißie  ein  Pferd  arbeiten;  —  gehen  wie 
ein  Kürassierpferd;  —  einen  Arsch  liaben 
tüie  ein  Achtzigthalerpferd.    Korrespbl. 

III,  53. 

Pferddreckskäfer,  Pferdskäfer,  m.,  Rofz- 

käfer,  gemeiner  Mistkäfer,  Scarabaeus 
stercorarius.  In  der  Gegend  von  Bischof- 
stein Scheifz-,  pltd.  SchTtwabbel.  Müh- 
ling,  Tiem.,  175.  Sprw.  I,  2921.  Vgl. 
Wabel. 

Pferdefischerei,  /.,  Fischerei  in  kleine- 
ren Flüssen,  bei  der  die  Fische  durch 
Reiter  allmählich  in  ein  quer  ausge- 
spanntes Netz  getrieben  werden.  S. 
Hufzfischerei.    Vgl.  Benecke,  409. 


Pferdeschwanz,  pltd.  Pfirdszagel  (a=ä\ 

m.,  Pflzn.,  gemeiner  Tannenwedel,  Hip- 
puris  vulgaris  L,    Hagen,  2. 

Pferdezahn,  m.,  weifzer,  Pflzn.,  Mais, 
Zea  mais  L.,  weil  die  Früchte  pferde- 
zahnähnliche  Gestalt  haben.  Treichel, 
Volksth.  II. 

Pferdsdreck,  pltd.  PSrdsdreck,  m.,  Ex- 
krement des  Pferdes,  Pferdeapfel,  ge- 
meiner PSrdschIL  Als  ablehnende  Ant- 
wort:   Ja,  Perdschit! 

Pferdseile,  -eule,  pltd.  PerdsTI,/.,  Rofz- 

egel,  Hvrudo  sanguisuga.    Vgl.  Eule. 

Pferdskäfer,  m ,  s.  Pferddreckskäfer. 
Pferdskastanie,  pltd.  Pfirdskasfanje,  /., 

Rofzkastanie,  Aesculus  hippocastanumL. 
Hagen,  405. 

Pferdsliebe,  /.,  plumper,  angeschliffe- 
ner, zudringlicher  Liebesbeweis.  So 
sagt  man  bei  einer  plump-zärtlichen 
Umarmung :  Dat  ös  e  Perdslew^  möt  de 
Bene  öm  e  Hals.    Vgl.  Sprw.  I,  2923. 

Pfifferling,  m.  1.  der  Pfefferschwamm, 
Agaricus  piperatus.  Nach  Klein  II, 
51:  Eot,  Erdschwamm.  2.  zur  Be- 
zeichnung von  etwas  völlig  Wertlosem. 
Das  ist  keinen  Pfifferling  wert.  Auch: 
E^  ist  etc.  Er  giebt  keinen  Pfifferling. 
Ebenso  in  Bayern.  Seh  melier  I,  307. 
S.  Frisch  n,  53a.     Birlinger,  93a. 

Pfingsten,  plur..,  weifze^  zur  Bezeich- 
nung des  Nimmertages.  Vgl.  Nimmer- 
mehrstag, Pflaumenpfingsten. 

Pfingstochse,  m.^  s.  Ochse. 

Pfingstvogel,  tt».,  der  Pirol.  Ifingst- 
vogel  heil'zt  er,  „weil  er  sich  hier  selten 
eher  als  um  Pfingsten  sehen  lälzt^. 
Hennig,  184.     Vgl.  Bierhol. 

Pflänzchen,  n.,  Pflzn.,  s.  Perlen. 

Pflaster,  n.,  goldenes^  Menschenexkre- 
mente. Auf  ein  goldenes  Pflaster  treten. 
Ein  goldenes  Pflaster  auflegen^  —  ge- 
schieht wirklich,  indem  man  die  Ex- 
kremente in  Leinwand  schlägt  und  das 


140 


Pflasterkasten  —  Pfiindbode. 


Präparat  so  auf  die  Wände  legt;  die 
flüssigen  TeQe  sind  das  Heilende. 

Pflastericasien,  m.,  Heilgehilfe,  Chimr- 
gas,  aber  aach  scherzweise  Bezeichnong 
for  einen  Arzt  Qberhaapt. 

Pflatz,  m.  Und  dafz  zu  Gottes  Ehr 
der  Aufwachs  mag  gedeyen  und  jeder 
Zweig  und  Pflatz  sich  wol  gebildet  zeig! 
Carm.  nupt.  I,  39. 

Pflaume,  pltd.  Plfiniy  Dem.  Pflaum- 
chen^  pltd.  Plumke^  f.  1.  Zwetsche, 
Prunus  domestica  L.;  auch  Pßaunv-^ 
Pfldxumenbaum^  pltd.  Plumebam.  2.  cun- 
nus,  vutoa. 

Pflaumeniareide,  /.,  s.  Krade. 

Pflaiinieniifingden,  /.,  zur  Bezeichnong 
des  Nimmertages.  Op  Plümepingste. 
Yg^  Pfingden,  weifze^  Niimnermehrstag. 

Pflaumeiischlarzey  /.,  Neck-  o.  Schimpf- 
wort Du  Plumeschlarze  ut  de  Neddring. 
Jerrentowitz.  In  der  Niederung  wach- 
sen  bekanntlich   viel  Pflaomen.     YgL 

ScUarze. 

PflSg,  /.,  Pfl^e,  Pension.  Er  ist  bei 
mir  in  l^fleg^  in  Kost,  Pension. 

Pflidit  /.,  Tracht.  Eine  Pflicht  Wal- 
ser.   Marold. 

PflifiZy  f.y  s.  Hinze. 

Pflömen,  m.,  s.  HOm. 

pflücken,  9U7.,  abzwacken.  Sie  haben 
ihn  gut  gepflückt,  er  hat  die  gekauften 
Waren  sehr  teuer  bezahlen  müssen;  er 
hat  um  eines  geringen  Vergehens  willen 
eine  hohe  Geldstrafe  erlegen  müssen. 
Die  tollen  Federn  sind  ihm  ziemlich 
ausgepflückt,  er  ist  in  strenger  Zucht 
gewesen.  Ich  habe  noch  ein  HOhmchen 
mit  ihm  zu  pflücken,  ich  habe  ihn  zur 
Rede  zu  stellen,  zur  Rechenschaft  zu 
ziehen.    Bock,  43.    Hennig,  184. 

Pflug,  pltd.  PlOg,  m.  Dat  os  min  Acker 
on  Plog  —  min  Egg'  on  Plog,  mein 
Beruf^  meine  tagliche  Beschäftigung. 

Pfluggewende,  pltd.  PlOggeweng,  n., 


Ackerstrecke  von  einer  Pflogwende  bis 
zur  andern,  gewöhnlich  ein  Moi^en 
Ackerland.  Natangen.  En  Pioggeweng. 
Dzg.  Nhg.  Viol^t,  103.  Keen  Plog- 
geweng  (sal)  mehr  leddig  Uggen.  See- 
lenw.,  112. 

Pflugkom,  n.,  kulmisches,  s.  kuhniscli. 

Pflugmann,  pltd.  PI6gmann,  m^  Pflüger. 

Doch  dePloochmann  schnarkt(schnaTchi) 
nu  sckwoar.     Dorr,  54. 

Pflugmarien,  Maria  Verkündigung, 
25.  März.  In  Westpr.  beginnt  an  vie- 
len Orten  mit  diesem  Tage  das  Rech- 
nungsjahr. Mühling.  Ob  an  diesem 
Tage  dort  zuerst  gepflügt  wird,  ist  nicht 
angegeben. 

Pflugochs,  Eggochs,  m.,  in  beiden  Be- 
deutungen =£gdochs.  Mühling,  Tiem., 
175. 

pflQmen,  mt.,  s.  v.  a.  fisten  (s.  d.). 
Treichel. 

pfropfen,  pltd.  prope(n),  sw,,  coire. 
Treichel. 

pfropfendig,  plt^l.  proppendig,  adj.,  ge- 
pfropft. Es  war  pfropfendig  voll,  ge- 
drangt voll.  Von  Pfropf  Kork.  Ebenso 
im  Holsteinschen  und  im  Hollandischen. 
Schützein,  235. 

Pfuhlschnepfe,  Mittelschnepfe  Scolopax 
media.  Bujack,  383.  Mühling, 
Tiem.,  175. 

Pfund,  pltd.  Pund,  n.  1.  Gewicht  die- 
ses Namens.  Rhetorisch:  Got  gebe  dir 
czwey  hundirt  unde  cztcey  phunt  gudir 
nackt.  Liebesbrief  eines  Ritters  aus 
dem  15.  Jahrh.  Beitr.  z.  Kde.  Pr.  V, 
184.  2.  ein  Quart  Branntwein.  Wir 
hatten  verschiedene  halbe  Pfundchen  ge- 
trunken,   Kgsbg. 

Pfundbude,  /.,  ehemals  Zollhaus  un- 
weit Pillau,  wo,  da  die  Tiefe  noch  bei 
Alt-Pillau  und  dem  Dorfe  Wogram 
vorbeiging,  der  Zoll  von  den  einkom- 
menden  Schrffen  gezahlt    wurde.      In 


Pfunde  —  piddlig. 


Ul 


der  Pr.  Eammerordnung  von  1648  wird 
es  das  Pfundhaus  zu  Pillau  genannt. 
Hennig,  184.  Der  Name  rührt  wohl 
daher,  dalz  die  Waren  nach  Pfänden, 
SchifFspfiinden,  in  Berechnung  kamen. 
Vgl.  Bock,  Nat  I,  551. 

Pfunde,  /.,  Pflzn.,  Quellen-Ehrenpreis, 
Veronica  beccabunga  L.    Hagen,  19. 

Pfundhaus,  n.,  s.  Pfundbude. 

Pfundkirsche, /.,  s.  Pungelkirsche. 

Pfundschreiber,    Pf  und  Verwalter,    m.y 

Zolleinnehmer  in  einem  Pfundhattse, 

Pfundzoll,  m.,  Zoll,  welcher  von  den 
Schiffsfrachten  entrichtet  wird.  Nach 
Mühling  auch  eine  alte  Abgabe  an 
den  Orden,  welche  vom  Lande  bewilligt 
wurde  zur  Säuberung  der  See  von 
Räubern.  Sie  betrug  y,  ®/o  vom  Werte 
der  eingehenden  Waren  und  Ve  7o  vom 
Schiffe,  das  diese  geladen  hatte. 

Phelp,  m.  Vom.,  s.  Felp. 

PhTchen,  w.  Vom.,  s.  Flehen. 

Phlipp,  m.,  s.  Flibb. 

Pf,  Lockruf  für  die  Katze,  der  auch 
neben:  PTpT,  Pichen,  Pipichen,  Name 
für  die  Katze  ist.  Nach  Klein  II,  66, 
heifzt  in  Danzig  die  Katze  Pri  (wohl 
nur  Schreibfehler  für  Pui)^  verkleinert 
Puike.  Der  lit.  Schmeichelname  für 
die  Katze  ist  pu&e.  Vgl.  Pikatz,  Puich, 
Mis,  MIz. 

Piasek,  m.,  Sand,  das  poln.  piasek. 
Es  ist  der  reine  Piasek ,  ein  Landgut 
mit  sandigem  Boden.     Sperber,  39. 

Platen,  Ortsn.,  Dorf  im  Kr.  Inster- 
burg.  Qä  na  Piate^  Dag  anbreke.  Geh 
nach  Piaten,  Tage  anbrechen!  Sprw. 
n,  2049. 

Piauter,  m.^  s.  Pljauter. 

Pfchel,  m.  u.  n,y  leinenes  Vortüchlein, 
das  man  kleinen  Kindern  unter  das 
Kinn  bindet,  damit  sie  sich  beim  Essen 
und  Trinken  nicht  beschmutzen.  Trei- 
cheL    Vgl.  Schiabbe. 


picheln,  sw.j  trinken,  saufen;  vielfeich 
mit  dem  Nebenbegrif^  dafz  solches  mit 
gewissem  Eifer,  unvermerkt  und  in  der 
Stille  geschieht.  Er  pichelt  ganz  ge- 
harig.  In  Hamburg  und  Bremen  auch 
pegeln.  Richey,  182.  Brem.  Wb.  HL, 
303.  In  Pommern  pechein  und  pegeln. 
Dähn.,  346a.  347  a.  In  Posen:  picheln 
mit  anhaltendem  Fleilze  und  mit  Ge- 
duld etwas  vorhaben,  arbeiten;  da- 
gegen heifzt  stark  trinken  pietschen^ 
von  dem  poln.  pH  trinken.  Bernd, 
207  f. 

Pichen,  n.y  Katze,  s.  Pf. 

Pichler,  m.,  Trinker,  Säufer. 

Pickel,  Peckel,  m.,  Eiterbläschen,  klei- 
nes Hautgeschwür.  JEV  hatPickel  zwischen 
den  Fingern^  er  hat  die  Krätze.  Da- 
von pickelig,  adj,^  mit  Pickeln  behaftet. 
In  Hessen  Pickel  =  Knoten,  besonders 
ein  grofzer,  aus  einem  stärkeren  Seil 
geschlungener  oder  geflochtener  Knoten. 
Vilmar,  302. 

pickein,  sw,^  scherzen,  lachen,  durch 
alberne  Streiche  Lachen  erregen.  Hen- 
nig, 186,  leitet  hiervon  Pickelhering ^ 
früher  die  lustige  Person  auf  der  Bühne, 
dann  Possenmacher  überhaupt,  her;  vgl. 
jedoch  Adelung  in,  767. 

pickem,  sto.,  Frequent  von  picken. 
Indem  ich  dies  schreibe^  ist  mir  da» 
Pikem  meiner  Uhr  höchst  lastig.  Soph. 
R.  ni,  375.  Nach  Treichel  auch  von 
dem  Picken  des  Küchleins  im  Ei. 

picksen,  sw,^  Frequent.  von  picken^ 
stofzend  picken.  Einen  mit  dem  Stocke 
picksen.  Pickser,  w.,  der  Picksende; 
aber  auch  der  Gegenstand,  mit  dem 
man  pickst. 

Piddak,  m.  1.  Prügel,  Knüttel,  Stock; 
von  dem  poln.  batog.  Schmitt,  Westpr., 
166.     2.  nach  Treichel  auch  penis. 

piddlig,  adj.^  kleinlich,  übertrieben 
akkurat,  mühevoll.    Schemionek,  27. 


142 


Pietzker  —  Pilberg. 


Piddlige   Arbeit   minutiöse,    die    ihrer 
Kleinheit  wegen  mühsam  ist. 

Pietzker,  m.,  s.  Pfsker. 

P«99(e)>  PUgg(e),  /.,  Jacke,  Wams; 
Frauenjacke  ohne  Scholz,  Joppe.  Dat 
08  Jack  wt  Pigg^y  völlig  gleich.  Sprw. 
I,  1777.  Pügg*  on  keine  Ärmel  dran. 
VolksL,  87,  22,  2.  Lit.  piggm  leicht, 
geschickt  za  handhaben,  wohlfeil.  In  der 
Dzg.  Nhg.  Pigkj  in  Hamburg  Peyy  in 
Bremen  Pije,  in  Osnabrück  Pigge  und 
Ptke.  Brem.  Wb.  IH,  310.  In  Pom- 
mern Pife  und  Pige.  Dähn.,  348a. 
Hennig,  186. 

PijatZy  PipatZy  m.^  Bajazzo,  auch  Kunst- 
reiter, Seiltänzer  im  allgemeinen.  Aus 
Bajazzo;  poln.  figlarz^  lit.  piglorus  Spafz- 
macher,  Possenreifzer. 

Pijauter,  auch  Pegauter,  m.  1.  Arbei- 
ter. 2.  Fischer.  Samland:  Rauschen. 
M  ü  h  1  i  n  g  hat  f ür  Arbeiter  Piauter.  Ygl . 

Plikauter  u.  Piauter. 

Pijauterbauer,  pltd.  -bOr,  m.,  Fischer- 
bauer; Bauer,  der  neben  der  Landarbeit 
Fischerei  treibt.     Rauschen. 

pijautern,  sw,^  arbeiten. 

Pijön,  /.,  Päonie,  s.  Bijön. 

pTk,  adj.  u.  adv,  1.  vortrefiFlich,  aus- 
erlesen. Der  Wein  ist  ptk.  Das  ist 
pikfein.  2.  scharf,  heftig,  strenge.  Es 
friert  pik.  3.  viel.  Der  Kerl  kann  ptk 
saufen.  Holl.  puiky  in  Pommern  piik. 
Dähn.,  348a. 

Pikater,  m.,  s.  Pikatz. 

Pikatz',  /.,  Katze,  Zusammensetzung 
mit  dem  Lockruf  pt;  auch  Pipikatz, 
Dem.  Pipikatzchen.  Pikatz  loill  mich 
bei/zen.  Volksr.,  11,  44.  Pipikattke^ 
hast  6k  e  Zagelke,  zu  dem^  der  nach 
der  Katze  ruft.  Sprw.  I,  2943.  Ebenso 
gebildet  Pikater,  m.  Mi  eenen  (Krin- 
gel), di  eenen  ^  Onsem  graue  Pikater  ok 
eenen.  Volksr.,  131,  547.  Treichel 
hat  auch  Peikatz.   PikeOZf  auch  als  zu- 


rückweisendes Neckwort.  Du  dachtest 
wohl,  es  giebt  heuf  Kuchen f  Ja  Pikatz! 
Hast  du  viel  Geld?  Ja  Pikatz^  d.  h. 
mir  fehlt  eben  Geld.  Saalfeld.  Sper- 
ber, 24. 

Pfke,  Pik,  /.  1.  Stange  mit  spitzem 
Stecheisen.  2.  übertragen:  Groll,  Feind- 
schaft Eine  Pike  auf  jemand  haben, 
ihm  feind  sein,  grollen,  Rache  begehren. 
In  Bayern:  Einen  Pick  etc.^  in  Hessen: 
EinePtkeetc.  Schmellerl,  277.  Vil- 
mar,  301.     Hennig,   184.  333. 

PikelJus,  m.^  s.  Pakulks. 

piken,  sw.^  mit  einer  Ptke,  in  weite- 
rer Bedeutung  mit  jedem  spitzen  In- 
strument, selbst  mit  dem  Finger,  wie- 
derholt stechen,  stofzen. 

pTkiscIi,  ad).,  s.  pTksch. 

pTksch,  pikiscli,  adj.,  feind,  nachtragend, 
rachedurstig;  von  Pike.  Er  ist  auf  ihn 
gewaltig  piksch.     Ygl.  fajscll. 

Pfkscillitten,  m.,  Schlitten,  der  mit  einer 
Pike  weiter  geschoben  wird.  Ptk- 
schlitlen  fahren,  ein  Knaben  vergnügen. 

PikurÜZ,  m.,  Korrump.  aus  Prokurist 
Danzig.     Treichel. 

Pfl,  m.,  Pille,  /,  Piller,  m.,  Dem.  Pitf- 
chen,  PiUerchen,  -ke.  1.  penis,  zunächst 
zu  Knaben  und  von  Knaben  gebraucht. 
In Masuren  Pillack.  Gortzitza.  Über- 
tragen :  2.  Klöpfel  in  der  Glocke.  Hemp 
on  hott,  iseme  PH  on  blecherne  Kott. 
Tierräts.,  12.  (Lösung:  Kuhglocke.) 
In  Hessen  die  BiUe  und  der  Biller. 
Vilmar,  37;  im  Göttingenschen  Pil, 
Pilk.    Schamb.,  154b.    Sperber,  24. 

Vgl.  Pitter,  Pimmel. 

pTl,  adv.y  gerade,  steil.  Der  Regen 
kon^mtpU  von  oben.  Treichel.  Ebenso 
bei  Mi,  62b.     Danneil,  155a. 

Pilberg,  m.,  Schlofzberg,  Berg  mit 
Schlol'z,  von  dem  altpr.  pä,  pila,  pile, 
piUe  Berg,  Burg,  Schlofz.  Nsslm.  Th., 
128.   Die  Pilberge  bei  Kraam,  Lapsau. 


Rle  —  Püwitten. 


148 


Reusch,  Sagen,  64 ff.  Doch  heifzen 
sie  auch  (anrichtig)  PiUenberge:  det* 
PiUenberg  bei  Puschkaiten  (Domnau), 
bei  PranÜack  (Schippen beil). 

PTle^  RufDame  der  Ente.  Lit.  pyle^ 
lett.  jpihle  zahme  Ente.  Nsslm.  Th., 
128.  Doch  klingt  Ruf  und  Name  auch 
kurz  Pia  u.  Piüe.  Yolksr.,  64,  242  h. 
In  Hessen  Btle^  wo  zuweilen  auch  der 
Enterich  Biler  heifzt.     Vilmar,  37. 

Pfike,  PTIken,  (?),  s.  PTIketafel. 

Pf Iketafel,  /.,  bis  50  Fulz  lange,  2  Fu/'z 
breite  Tafel,  die  früher  in  den  Gemeinde- 
gärten aufgestellt  war,  worauf  die  Bür- 
ger runde  oder  viereckige  (Hennig 
nennt  die  letztern  allein;  ich  habe  in 
meiner  Jugend  nur  mit  runden  „Stei- 
nen" spielen  sehen)  glatte  Hölzer, 
„Steine",  im  Spiele  hin-  und  herscho- 
ben. Die  Spielenden  standen  an  den 
schmalen  Seiten  der  Tafel  einander 
gegenüber.  Die  geschobenen  Steine 
durften  die  ungerandete  Tafel  nicht 
verlassen  und  muizten  den  Stein  des 
Gegners  treffen.  Nach  Voigt,  „Fürsten- 
leben auf  den  deutschen  Reichstagen. 
Raumer,  Histor.  Taschen b,  3.  Folge, 
2.  Jahrg.  1850,  S.  387,  war  die  Tafel 
mit  einem  Rande  und  mit  Rinnen  ver- 
sehen, die  Steine  waren  numeriert  und 
kam  es  darauf  an,  dafz  immer  ein  Stein 
über  (hinter,  vom  Werfenden  aus)  den 
Stein  des  andern  zu  stehen  kam,  und 
der  Stein  des  Gegners  so  getroffen 
wurde,  dafz  dieser  durch  eine  der  Öff- 
nungen im  Rande  oder  der  Querleiste 
der  Tafel  in  die  Rinne  hindurchging. 
Hiemach  entschied  sich,  nach  mehr- 
maligen Würfen  Gewinn  oder  Verlust. 
Es  gab  Tafeln  von  46 — 50  Fui'z  Länge 
und  einer  Breite  von  10  Zoll  bis  2  Fufz; 
die  PiVcetafel  des  Altstadtischen  Ge- 
meindegartens ist  gegenwärtig  an  der 
Decke  der  Jubiläum-Halle  in  Königs- 


berg zum  Andenken  befestigt.  Lat 
püa^  poln.  pilka^  lit.  ptUa  der  Ball. 
Bei  Adelung  und  Grimm  Beäketafel; 
sie  heifzt  auch  Drucktafel,  in  Nürnberg 
Schie/ztafel.  Adelung],  820.  Bock, 
43.  Hennig,  185.  Vhd.  Peilke-,  Peil* 
chentafel.  Sie  haben  eintrechtigklich  ge- 
czettget  vnd  bekant  Das  sie  sempüich  bey 
der  Peylkentoffel  gestanden,  Morgspr., 
1532.  Die  Zünfte,  49 f.  .  .  .hat  zuge- 
saget,  dafz  er  vier  püichentaffeln  wolle 
zahlen.  Morgspr.,  1604.  Vgl.  Shak- 
speare,  König  Heinrich  der  Vierte, 
Akt  2,  Szene  4.    Das  Spiel  hiefz  auch 

kurz  Pfike,  Ptiken. 

Pillack,  m.y  Pille,  f.,  penis,  s.  Pfl. 

Pillenberg,  m.,  s.  Pilberg. 

Pillendrechsler,  m.  1.  Spottname  für 
den  Apotheker  als  Pillendreher.  2. 
Pillenkäfer,  der  von  Mist  Kugeln  macht, 
in  die  er  seine  Eier  legt,  Scarabaeus 
L. 

Piller,  7».,  penisy  s.  PTl. 

Pillerstein,  m..  Stein,  wie  ein  PUIer 
gestaltet,  Belemnit;  auch  Donnerkeil  u. 
Otterzitze  (s.  d.). 

Pillkallen,  Ortsn.,  Kreisstadt  im  Reg.- 
Bez.  Gumbinnen.  Die  PiUkaUer  wer- 
den als  Händelsucher  u.  arme  Schlucker 
gehöhnt.  Aus  PiUkaUen  ungeschlagen 
kommen,  ist  ein  Glücksfall.  S.  Inster- 
bürg.  Die  PiUkaller  stochern  sich  in 
den  Zahnen,  wenn  sie  Milch  gegessen 
haben,     Sprw.  I,  2941. 

Pillkauer,  m.,  in  früherer  Zeit  Name 
für  die  alten  Fünf  schillinger.  Neiden- 
burg; entstellt  aus  Piükaüer,  Gort- 
zitza. 

Pilpe,  /.,  Rückstand  der  Stärke. 
Treichel. 

Pilten,  plur.,  s.  Kampe. 

Pilwitten,  plur.,  eine  Art  Zauberer. 
In  den  interpolierten  Gesetzen  des  Hoch- 
meisters Konrad   von   Jungingen   von 


144 


Pik  —  Pindel-. 


1394  (Jacobson  I,  Anh.  285)  heifzt  es 
unter  No.  7:  Auch  woüen  undt  gebie- 
then  tüiTy  das  aUe  Zavherer^  Weydeler^ 
Pihvitten^  Schwarzkonsüer  undt  wie  diese 
Gotteslesterer  mögen  genandt  werden^  alle 
sollen  nach  ernster  vermahnung  etc. 
Nsslm.  Forsch.  3. 

Pilz,  /.,  feiner  auch  die  Pilze,  plur. 
Pilzen,  der  Pilz.  Üblicher  jedoch,  und 
nicht  ausschlieizlich  im  Volksmunde, 
ist  die  und  der  Pilzke,  plur.  Pilzken  u. 
PUzkes,  Die  giftigen  Pilze  fafzt  das 
Yolk  meist  unter  dem  Namen  Fliegen- 
pilzken  zusammen.  Die  beliebtesten  efz- 
baren  Pilzken  sind:  der  Steinpilz, 
Boletus  edtdis  BvU,^  das  Gänschen, 
CanthareUus  cibarius  Fr,y  das  Reizken, 
Ägaricus  delidosus  L.  Saalfeld.  .,,  in- 
dem ich  die  treuge  sawre  PüUzken  für 
ein  unhöfliches  Essen  auch  nicht  schätzen 
wiU.  Linem.,  Sslb.  Da/z  aber  die 
Schwämbe  oder  PüUzken  in  der  Menge 
nachm  feuchten  Donner  her  für  wachsen^ 
mag  aufz  vorigem  leicht  vernommen  wer- 
den.   Ibid.,  Ss2a. 

pilzig,  adj.  1.  aufgedunsen,  ungesund 
feist.  Er  hat  ein  pilziges  Gesicht.  S. 
aufpilzen.  2.  dem  Pilze  ähnlich.  Der 
Apfel  —  die  Rübe  ist  pilzig '^  saftlos. 
Hennig,  186.    Vgl.  Bock,  44. 

Pilzke,  7n.,  s.  Pilz. 

Pilzkenkrug,  m.^  einsamer,  aber  gern 
besuchter  Waldkrug  in  dem  Buchen- 
walde hinter  Lochstädt  auf  der  Pillauer 
Halbinsel.  Der  ihm  neu  beigelegte 
Name  Waldkrug  vermag  nicht  aufzu- 
kommen. 

Pilzkenschneider,  pltd.   PilzkeschnTder, 

m.,  Glückspilz.    He  is  e  Püzkeschntder. 
Tiegenhof. 
Pimke,  m.^  s.  Pemke. 

Pimker,  Pflzn.,  rauher  Röhrenpilz, 
Boletus  scaber  Fr.  Auch  Rotkifpfchen. 
Treichel,  Volksth.  U.     In  der  Saal- 


felder Gegend  Pimpen.    Vgl.  Pemke  u. 
eiattling. 

Pimmel,  m,^  penis  des  Knaben;  wohl 
=  Bimmel^  der  Baumelnde.    Vgl.  Piller, 

Pitter. 

Pimpek,  m.^  eigentlich  Nabel,  von 
dem  poln.  p^ek^  mehr  jedoch  penis. 
Sperber,  39. 

pimpelig,  adj.,  Pimpelilse,  /.,  s.  pim- 
peln. 

pimpeln,  pltd.  pifmpeln,  sw.,  aus  über- 
grolzer  Verzärtelung  gegen  Witterungs- 
einflüsse empfindlich  sein,  über  jede 
Kleinigkeit  klagen.  Mühling.  Ebenso 
in  Posen,  in  der  Niederlaus.  Bernd, 
208.  Anton,  11,  9.  Verwandt  mit 
pumpeln^  pummelny  mummeln.  Davon 
verpimpeln,  verhätscheln,  verzärteln,  engl. 
to  pamper.  Meine  Kinder  sind  nicht 
verpimpelt.  Er  ist  ein  verpimpeltes  Mut- 
tersöhnchen, pimplig,  pimpelig,  adj.  ver- 
weichlicht, verzärtelt,  verhätschelt,  ver- 
wöhnt. Es  ist  gar  nicht  kaU^  du  bist 
nur  so  pimplig,  pimplig  auch  zimper- 
lich, afi*ektiert.  Er  thut  so  pimpelig. 
Pimpelltse,  /.,  verweichlichtes  Frauen- 
zimmer; doch  auch  vom  Mann:  Er  ist 
eine  rechte  Pimpeltse.    Auch  PimperlTse, 

-lotte,  Pifmpelpeter. 
Pimpen,  plur.,  s.  Pimker. 

pimperlich,  adj.^  nüchtern,  flau,  katzen- 
jämmerlich. Mir  ist  ganz  pimperlich 
zu  Mute;  oft  auch  blofz  pimplig.  In 
Dzg.  pimpslich.  Gedanism.  Vgl.  pim- 
pelig unter  pimpeln. 

PimperlTse,  /.,  s.  pimpeln. 

Pimpernell,  Pflzn.,  gemeiner  Stein- 
peterlein, PimpineUa  saxifragaL.  Ha- 
gen, 335. 

pimplig,  adj.^  s.  pimpeln. 

Pin,    w.   Vom.,    Philippine.     Hart- 
wich, 55.    Vgl  Feiptn. 
Pindel,  Pingel,  n.,  s.  Pungel. 
Pindel-y  Pingeljude,  m.,  s.  PUngeljude. 


pindebi  —  pinseln. 


145 


pindeln,  pingeln,  m.^  s.  pUngeln. 
pinglig,  ac^'.,  verdreht.  Danzig.  T rei- 
ch el. 

pingsern,  sw,,  s.  pinksern. 

Pinke,  /.,  Schälchen,  worin  der  Ein- 
satz bei  manchem  Kartenspiel  gelegt 
wird.  In  die  Pinke  setzen.  IHnke  ur- 
sprünglich eine  Art  schneller  Lastschiffe, 
engl,  pinky  franz.  pinquCy  altskandinav. 
pinker.  Brem.  Wb.  III,  318.  Ade- 
lung III,  771. 

Pinkel,  7n.,  Urin,  namentlich  in  der 
Kindersprache. 

pinkeln,  sw.y  pissen,  vorzugsweise  von 
und  zu  Kindern.  Mama^  mich  pinkelt! 
Er  pinkelt  aUe  Atigenhlich  Ins  Bett 
pinkeln.  Davon  bepinkeln,  einpinkeln. 
Ebenso  in  Hamburg  und  Posen.  Richey, 
185.  Bernd,  209.  In  Bremen  jwn- 
keln^  inpinkeln  den  Bauch  mit  Speise 
füllen,  alles  hinein  essen.  Brem.  Wb. 
m,  318.    Ilennig,  186. 

pinken,  sw.,  durch  wiederholten,  steti- 
gen Schlag  den  Ton  pink  hervorbrin- 
gen.    1.  hämmern,    Funken   aus  Stahl 
und    Stein    schlagen;    in   Verstärkung 
pinksen.     Erinnert  sei  an  die  früheren 
Pinkfeuerzeuge:  Stahl,  Feuerstein,  Zun- 
der aus  verkohlter  Leinwand  u.  Schwe- 
felfaden   in    einem   Blechkästchen.     2. 
hämmern;  schmieden,  Funken  schlagen. 
Steinsprenger    müssen    das    Bohrloch 
auspinken^  pinkend  aushämmern.  Pinke- 
pank,   972.,    Schmied.       0   nei^   o   neiy 
du  Pinkepankj  Du  mäkst  mt  mtne  Kopp 
80  krank.    Volksl.,  26,  16,  5.     Pinke- 
panky  heute  noch  Familienname,  begeg- 
net schon  in  Kellers  Fastnachtsspielen 
1,483,  15;  484,  20.  30.   Frommann, 
d.  Mundart.  VII,  217.    3.  in  frei  über- 
tragener Weise:  zechen,  stark  trinken, 
Funken   (s.  d.)   nehmen.     S.  bepinken, 
sich. 

Pritehbier.  WorUrbaoh  U. 


pinkern,  mv.,  mit  Knöpfen  anwerfen. 
Vgl.  anschmeifzen. 

Pinkfeuerzeug,  n.,  s.  pinken. 

pinksen,  sw.^  s.  pinken. 

pinksern,  pingsern,  sw.^  klimpern  auf 
dem  Klavier,  mangelhaft  Klavier  spie- 
len. 

Pinne,  /.  1.  kleiner  Pflock,  Zapfen 
von  Eisen,  Zinn,  Messing;  Nagel  von 
Holz,  Schuhstift.  Die  Pinne  an  einer 
Schnalle.  2.  das  blecherne  Röhrlein, 
womit  die  Enden  der  Schnürsenkel  ein- 
gefafzt  sind.  In  Hessen  eiserner  Schuh- 
nagel mit  kurzer  Spitze  und  breitem 
runden  Kopfe;  doch  auch  hölzerner 
Schahnagel.  Vilmar,  302.  Hennig, 
186. 

Pinnholz,  n. ,  Holz,  woraus  Pinnen^ 
Schuhstifte,  gemacht  werden,  z.  B. 
Ahorn;  nach  Hagen,  258,  auch  Faul- 
baum, Rhamnus  frangula  L.  Vgl. 
Vilmar,  302. 

pinnig,  adj.  u.  adv.y  fleilzig.  Dzg. 
Nhg.     Viol^t,  103. 

Pinsch,  Pinisch,  ?n..  Feuerschwamm; 
von  dem  altpr.  pintys  (Voc.  372),  lit. 
pintis.  Nsslm.  Forsch.  2;  Th.,  129. 
Weil  man  auf  den  Feuerschwamm,  den 
man  entzüuden  will,  schlägt  (mit  dem 
Stahl  auf  den  Feuerstein).  Pinsch  auch 
s.  V.  a.  Prügel,  Hiebe,  Schläge.  Wölbt 
Pinsch  f     Kgsbg. 

pinschen,  sw.  1.  schlagen,  prügeln; 
vom  vor.    2.  s.  v.  a.  penschen  (s.  d.). 

pinschem,  sw.^  jagen,  ursprünglich  mit 
einem  Hunde  der  Pinscherrasse;  auch 
Mädchen  nachstellen.     Treichel. 
Pinschldopfer,  pltd.  Pinschkfopper,  ?n., 

Spitzname  für  Füsiliere. 

Pinsel,  m.,  penis.    Vgl.  Pesel, 
pinselig,  adj.  von  pinseln. 
pinseln,  sw.y  stöhnen,  klagen  über  ver- 
meintes  Unwohlsein,   namentlich   aber 

10 


146 


Pint  —  Pipestell. 


aus.Geiz;  daher  geizen,  knickern,  knau- 
sern, engherzig  handeln,  kleinlich  um 
eine^Sache  dingen,  feilschen.  In  Bre- 
men ^irw^w.  Brem.  Wb.  ILI,  319.  Hät- 
ten Sie  den  Mann  hesser  gepflegt^  hätten 
Sie  ihn  nicht  mit  dem  ewigen  Pinseln 
über  sein  Bücherkaufen  zu  tode  gemar- 
tert! Soph  R.n,  177.  Wollen  Sie  hei 
einer  Aufgabe  von  ein  Duzend  Dukaten 
pinseln.  Ibid.  III,  208.  Kannst  du 
denn  nie  das  Maul  aufthun^  one  vom 
Gelde  mir  etwas  vorzupinselnf  Ibid., 
599.  Davon  pinslig,  pinselig,  adj.  Pins- 
ler,  m.  Vgl.  Bernd,  209.  Danneil, 
155b.    Bock,  43.     Hennig,  186. 

Pint,  m.    1.  penis,  engl,  pintle^   nach 
dem  Brem.  Wb.,  320,  von  Pint^  Punt 
=  punctus;  nach  Mühling  auch  Spitze, 
welches  wohl  die   nächste  Bedeutung. 
Vgl.  das  \it,  pysyne,  pissa  cunnus,  vulva. 
2.   scherzhafte  Bezeichnung  für   einen 
Gegenstand,   der  für  den  vorliegenden 
Zweck  unzureichend  ist.    Ein  Topf,  der 
für  eine  vorhandene  Flüssigkeit  zu  klein, 
ein  Kleidungsstück,    das  zu  kurz  und 
zu  eng  ist,    ist  ein  Pint    Davon  pin- 
tig,  pinterig,  adj.    Der  Rock  ist  pintig. 
Hierher  gehört  wohl  auch  Pinter,    w., 
Spottname  für  den  Kleinkrämer.    Ma- 
rold. 
Pinisch,  m.^  s.  Pinsch. 
PTp,   PTps,   w.,    piepender  Ton,    den 
Kinder  beim  Piepsspiele  hören  lassen; 
auch  heilzt  der  Leiter  des  Spieles  Pips. 
S.  Volksr.,  156,  662. 
Pipatz,  m.^  s.  Pijatz. 
PTpe,  /.,  Flüssigkeitsmafz,  spanisches 
Wein-   oder  Ölfafz.     Brem.   Wb.  HI, 
321. 
PTpegestell,  n.,  s.  Pfeifengestell. 
pTpeln,  sw.^  s.  pTpen. 
pipen,  pTpeln,  pipsen,  pTpseln,  pTpsern, 

»w.    1.  pfeifen;  ruckweise  pfeifen;  ruck- 
weise  leise    pfeifen,    wie    es   Hühner, 


Küchlein  oder  kranke  Vögel  thun.  2. 
mit  hoher,  schwacher  und  pfeifender 
Stimme  sprechen.  3.  kränkeln,  stöhnen, 
winseln,  klagen.  Er  pipelt  immer ^  er 
kränkelt  und  stöhnt  fortwährend.  Von 
pipen  pfeifen,  eine  ganze  Reihe  adjek- 
tiver Bildungen:  pTpsig,  pTpserig,  pTperig, 
pTplicH,  pTpselicIi,  pTpslich,  kränklich, 
kränkelnd,  unwohl,  schwächlich,  ver- 
kommen im  Wachstum,  stets  klagend 
und  stöhnend.  Er  ist  recht  ptpsig  etc. 
Ml  ÖS  ganz  ptpserig  to  Mod,  Ock  st 
ganz  ptpserig.  3.  ptpen  trinken.  Wi 
wolle  enen  ptpen  ^  wir  wollen  einen 
Schnaps  trinken.  Sperber,  24.  Sche- 
mionek,  27.  Bock,  43.  Hennig, 
185. 

PTpenbier,  n.,  Ehrentrunk,  den  ein 
Hochzeitszug  in  jedem  Kruge,  dem  er 
vorüberzieht,  einnimmt.  Samland.  Müh- 
ling. 

Pipenetkram,  m.,  s.  Petenettenkram. 
PTpenstäbe,  vhchd.  Pfeifenstäbe,  plur., 

gespaltenes  Eichenholz,  woraus  die 
Fafzdauben  zu  den  Pipen  und  anderen 
Fässern  gemacht  werden.  In  Bremen 
PipenstavCy  Piepstave^  in  Pommern  Pi- 
penstäwe.  Brem.  Wb.  IH,  322.  Dähn., 
350a.  1777  von  Memel  ausgegangen: 
eichene  Piepenstäbe  3276  Stück.  Bock, 
Nat.  I,  608.    Vgl.  Klappholz. 

Piper,  m.,  von  ptpen,  Pfeifer.  Im 
Tierräts.,  30,  Name  für  die  Maus,  weil 
sie  pfeift:  De  IHpa  on  de  Quara  (der 
Frosch),  De  ginge  op  ene  Barg. 

pTperig,  adj.,  s.  pTpen. 

pTperlings,  pTplings,  adv.,  in  dünnem 
Strahl  wie  aus  der  Ptpe  (s.  Pfeife) 
flielzend.  Die  Thränen  liefen  ihm  pt- 
perlings.  Der  Regen  kam  pyplings  von 
seinem  ganz  durchgeweichten  Überrock. 
Soph.  R.  V,  96.  S.  Schemionek,  27. 
Danneil,  155b. 

PTpestell,  n.y  s.  Pfeifengestell. 


Pipgessei  —  Piptrürig. 


147 


Pipgessei,  PTpsgessel,  n.  1.  ein  Gessel^ 
das  ptpt  2.  ein  kränkelnder  Mensch. 
Er  ist  ein  rechtes  Pipgessei,  So  ein  Pikp- 
ffüssel  will  ich  nicht  haben.  Soph.  R. 
VI,  325.  In  Pommern  Pipffosselken, 
Pipgoos.  D ahn.,  350b.  In  Posen  JRfp- 
gänseL  Bernd,  209.  Hennig,  182. 
Vgl.  PTpsack. 

PTphacken,  plur,^  verdicktes  Gelenk 
an  den  Beinen  der  Pferde,  ein  sogen. 
Schönheitsfehler.     T  r  e  i  c  h  el. 

PTphahn,  pltd.  Piphan  (a  =  a),  w.,  pe- 
nis.  Ebenso  in  Holstein,  Pommern;  im 
Bremischen  auch  PHUiaan^  im  Götting. 
Pilhdn,  rUkhdn,  Schütze  III,  208. 
Dähn.,  350b.  Brem.  Wb.  III,  314. 
Schamb.,  154b. 

Pipl,  /,  Dem.  Pipichen,  Katze,  s.  PI. 

PTpIkatz,  /*.,  s.  PTkatz. 

PTpT  machen,  zu  Kindern  für  pinkeln, 
pissen.  Mach  Ptpt  —  Ptptche!  Ptpl! 
Ruf  der  Kinder,  wenn  sie  das  Bedürfnis 
zu  pinkeln  haben. 

PTpke,  w.,  Dem.  von  PTpe,  Pfeife, 
Weidenpfeife  der  Volksjugend.  Sie 
heiizt  auch  Plarr,  Plärr,  PlSrre.  Ein 
möglichst  starker  Weidenast  wird  durch 
Klopfen,  „Schlagen^,  mit  der  Schale 
des  Messers  von  seiner  Rinde  be&eit, 
und  wird  die  Rinde  mit  Zuhilfenahme 
des  nackten  Astes  zu  einer  Pfeife  ver- 
arbeitet. Damit  die  Lösung  der  Rinde 
gelingt,  sprechen  die  Kinder: 

Pipke^  Pipkcy  g*räd  mij 

Öck  schlä  dt  op  din  Pälke^ 

Öck  schlä  de  op  din  Hinderrädke 

Bet  dtn  Polzke  afföüt    Natangen. 

Volksr.,  61,  237. 
Oder: 

Saft  Saft  Wtde, 

Hund  Schott  Krtde^ 

Katt  Schott  Grade, 

Dat  mit  Ptpke  suU  gerade!  Tapiau. 

Vgl.  Quarre. 


PTpkrecky  /.,  Pfeifkrecke,  Krickente, 
Anas  crecca. 
pTplich,  adj,,  s.  pTpen. 
piplings,  adv.y  s.  pTperlings. 

PTpop,  TW.,  Pfeifauf;  im  Tierräts.,  30, 
die  Maus.  Pipop  on  Quarrop  Ginge  op 
ene  Barg  Wop,    Vgl.  Piper. 

Pjpp,  /.,  penis.  Jerrentowitz.  In 
Posen  Ptpe.     Bernd,  209. 

Pips,  PTps,  Peps,  m.  1.  Krankheit  der 
Vögel,  namentlich  der  Hühner.  Durch 
Verstopfung  der  Nasenlöcher  verhärtet 
die  Zungenspitze  und  entsteht  auf  die- 
ser eine  harte,  weil'ze  Haut,  der  Pips. 
Den  Pips  abziehn^  die  Haut  wegreifzen, 
wodurch  die  Krankheit  gehoben  wird. 
Wenn  sie  (die  Henne)  den  Pips  oder 
Zips  haty  kan  sie  wol  rnehr  zu  solcher 
zeit  saufen  als  nicht  der  Hahn,  Li- 
nemann,  Bbb4a.  Bei  Adelung 
hchd.  PfippSy  2appSy  schwed.  pipp,  engl. 
pip,  franz.  pepie,  span.  peppita,  ital. 
pipita^  mlat.  pipita.  Adelung  III, 
732.  Lit.  pipsas,  in  Bremen,  Holstein, 
Pommern  Pipp.  Wurzel  für  alle  gleich- 
klingenden Namen  ist  wohl  p/p^  pfeifen, 
da  der  kranke  Vogel  viel  plpt.  2.  bild- 
lich von  Menschen:  an  Gesundheit, 
Vermögen  oder  Verstand  Schaden  neh- 
men. Er  hat  einen  Pips  weg,  Sprw. 
I,  2891.  Einem  den  Pips  abziehn  — 
aufziehn,  ihn  betrügen,  ihn  schlagen. 
Hennig,  182. 

PTpsack,  7n.,  Pfeifsack,  kränkelnder, 
stöhnender,  winselnder  Mensch.  Für 
Posen:  Bernd,  209.     Vgl.  PTpgessel. 

pipselich,  adj,^  pTpseln,  pipsen,  sw,^ 
pfpserig,  adj.y  pTpsern,  sw.^  s.  pipen. 

PTpsgessel,  n.,  s.  PTpgessel. 

pTpsig,  pTpslich,  od)'.,  s.  pTpen. 

PTptrQrig,     Pfeiftraurig,    Name    für 

schlechte,    unansehnliche  Besitzungen; 

Spitzname  für  das  Dorf  Draupcfien  bei 

Insterburg.     Hei  kommt  vt  PtptruiHg^ 

10* 


148 


Pirack  —  Pirt. 


die  Redensart  wird  zunächst  zmn  Är- 
ger der  Bewohner  von  Draupchen  an- 
gewandt, aber  auch  gebraucht,  um 
einen  Betrübten  zu  bezeichnen.    Sprw. 

1,  2939. 

Piräck,  m.  u.  /.,  s.  Piräge. 

Pirägge,  Piräck,  Pirogge,  m,  u.  f.  1. 
Weifzbrot,  Pladen  aus  Weizenmehl. 
Litauen.  Hennig,  185.  Lit.  pyrdgca^ 
lett.  pihrags,  russ.  u.  poln.  pirog,  Nsslm. 
Forsch.  2;  Th.,  129.  Ee  socht  (suchte) 
Pirock  on  heft  dabt  et  (das)  Brot  ver~ 
lore.  Tilsit.  Wi  fdre  nä  de  grote  Stadt^ 
Bringe  for^t  huschke  Pirack  Bau.  Toll- 
mingkehmen.  Volksr.,  16,  69.  Bei 
dem  Bissen  wird  observiret^  da/z  der  Pirsz- 
h/8  zween  Kampen  van  P/ragen  (  Weifz- 
brot oder  Stritzel)  und  Brot  schnei- 
det etc.    Pierson,  Matth.  Prätor.,  88. 

2.  Pirogge^  Pastete,  Fleischklofz  in  Teig 
geschlagen  und  gebacken;  nach  Sper- 
ber, 39,  Flinze  mit  gehacktem  Fleisch 
oder  mit  Quark  gefüllt.  Schemionek, 
28.  In  Estland:  Fisch-,  Fleische,  Reis- 
pirogge etc.  Sallmann,  Ida.  Hupel, 
172. 

PTras,  m.,  Regenwurm.  Den  PihraSy 
der  drauf  (auf  der  Angel)  stecken  mu/z, 
füill  ich  besorgen,  Soph.  R.  VI,  405. 
Aus  dem  holl.  pier  Wurm,  Regenwurm. 
Nach  Treichel  PTrab. 

pTren,  pUren,  sw.^  im  Gesichte  feurig 
rot  sein,  glühen.  Das  Gesicht  ptrt  ihm, 
vor  Zorn,  Kälte  oder  infolge  starken 
Trinkens.  Dat  Näske  ptrt  dt  6k  nich 
vom  Schemper.  H  e  n  n  i  g ,  1 85,  schreibt 
fehlerhaft  pieem  und  püem.     Vgl.  ver- 

fUeren.    S.  pirren. 

Pirgel,  w».,  Branntwein.  Einen  Pir- 
gel  trinken,  einen  Schnaps  trinken. 
Samland  (Korkehnen).     Davon 

pirgeln,  sw.,  schnapsen,  Branntwein 
trinken.    Er  pirgelt  gut. 

Pirken,  plur,,  frisch  geräucherte  Man- 


delheringe (in  der  Mandelzahl  käuflich). 
Poln.  vulgär  pirhi.  Westpr.  Trei- 
cheL 

Pirks,  m.,  kleiner  Eerl,  s.  v.  a.  Knirps, 
Nach  Gordack  auch  dummes  Mädchen, 
'dumme  Margell. 

pirksen,  sw,,  krafüos  und  ohne  Wir- 
kung stofzen. 

pirksig,  adj.,  klein,  winzig;  von  Per- 
sonen und  Sachen. 

Plrling,  m.,  eine  junge  Manns-  oder 
Frauensperson,  die  noch  nicht  ihr  ge- 
höriges Wachstum  erreicht  hat.  Pi- 
sanski,  Nachtr.  Hennig,  185,  weist 
für  die  Abstammung  hin  auf  das  lat 
puerulus  kleiner  Knabe. 

Pirtfgge,  m.  u.  /.,  s.  Pirick. 

pirr,  purr,  intet  j..  Ruf  zum  Pferde,  zum 
Zugvieh  überhaupt,  wenn  es  still  stehen 
soll.    Vgl.  burr. 

pirren,  pifrren,  sw.,  aufPordemd  an- 
treiben, anspornen.  Kinder,  welche  die 
Eltern,  mit  denen  sie  auf  Besuch  bei 
Fremden  sind,  zum  Aufbruche  mahnen, 
pirren.  Auch  pTren.  Herrgott,  wat  hew 
Öck  dann  den  Hingst  gepiert,  As  öck 
em  nu  de  Spoaren  geef.     Dorr,  23. 

Vgl.  porren. 

PirschliSy  m.^  Freiersmann,  Brautwer- 
ber, der  für  einen  andern  um  die  Braut 
anhält.  Darzu  denn  auch  etzliche  Pirsch- 
lis  gro/ze  ürsach  und  Anlafz  geben. 
Insterburger  Kirch.- Visit -Ordg.  Lit. 
pirszlys.    Hennig,  186. 

Pirt,  Birl,  f  1.  Badestube.  2.  Brach- 
stube. Lit.  pirtis  in  beiden  Bedeutun- 
gen. -Es  ist  hier  so  heifz  wie  in  der 
Pirt.  Sprw.  I,  1555.  iÄr^  (der  Litauer) 
Badstuieny  so  Pirtis  heifzen,  sind  in  den 
Jaulen  und  Gebäuden,  da  sie  dus  Ge- 
treide zum  guten  Ausdreschen  trucknen. 
Lepner,  139.  Als  sie  (die  Nadrauer) 
noch  selbige  (ßteinofen^  in  ihren  Pürten 
d.  i.  Badstuben  und  Jaugen  d.  i.  Dresch- 


pirzeln  —  PishancL 


149 


hausem  gebrauchen,    Pierson,  Matth. 
Prator.,  109.    Hennig,  187. 
pirzeln,  sw.^  pirzelich,  0(2/.,  s.  perzeln. 

PTs,  Pjes,  m.,  Hund  als  Schimpfwort; 
von  dem  poln.  piea  der  Hund.  Hol  dich 
der  Pi's. 

pTsacken,  8w.y  peinigen,  placken,  quälen, 
scharf  zusetzen,  schurigeln,  ängstigen, 
plagen,  oft  und  stark  prügeln.  Hen- 
nig weist  für  die  Abstammung  auf  das 
lit.  p^azH  pflücken^  rupfen,  an  den  Haa- 
ren zausen.  Schwed.  püka  peitschen; 
daher  pisacken  vielleicht  ein  Vermächt- 
nis aus  dem  30jährigen  Kriege,  wo  der 
Schwede  in  seinen  Quartieren  oft  von 
der  Peitsche  Gebrauch  machte.  Maga- 
zin f.  d.  Lit  d.  A.  Jahrg.  1875,  12  a. 
Eere  Schwester  pisackt  an  Idemptnigt  ae 
fachen.  Schaltj.  3,  6.  Ebenso  in  Ham- 
burg, Bremen,  Holstein,  Pommern,  im 
Göttingenschen.  Richey,  186.  Brem. 
Wb.  HI,  323.  Schütze  HI,  212. 
Dähn.,  351a.    Schamb.,  155b. 

Pi§chan,  m.,  penü;  von  pUchen  pissen. 
TreicheL 

piichen,  «o.,  pissen,  harnen;  auch 
namentlich  zu  Kindern :  puchten^  Pischt 
vnachen^   PUchtche  machen^  pUchuUen. 

Vgl.  PTpT  machen  u.  pittern. 

Piicher,  Piicherinsid,  m.  1.  Weichling, 
Schwächling,  ein  Verzärtelter,  poln. 
pieszczeky  pieszczoch.  2.  ein  gequälter, 
armer  Mensch;  nach  Mühling  auch 
ein  elender,  schwächlicher,  krüppel- 
hafter Mensch. 

Piichtche  machen,  s.  piichen. 

piichten,  sw.y  Piichi  machen,  s.  pi- 
ichen. 

Pisch-,  Pifzkachel,  /.,  Schimpfwort  auf 
ein  unreifes  Mädchen.  Sie  ist  man  noch 
e  Pifzkachel, 

Pi§ch-y  PiTzkaulchen,  n.,  Kaulchen, 
kleine  Grube,  Loch,  in  das  gepifzt  wird. 
PUchkatUchen  spielen^  Kinderspiel,  wo- 


bei Knaben  und  Mädchen  um  das  Kaul- 
chen sitzend  in  dieses  hineinpissen. 

Pischke,  /.,  Graupe,  besonders  grobe 
Gerstengraupe;  poln.  pyszka,  p^ak. 
Elbinger  Niederung.  Westpr.  Schmitt, 
108;  Westpr.,  166.  Nsslm.,  Forsch. 
2;  TL,  129.     Schemionek,  28. 

Pischkekraut,  Pflzn.,  Kronwicke,  Co- 
ronilla  varia  L.    Treichel,  Volksth. 

Pischkenstampe,  /.,  Handmühle  zum 
Mahlen  der  Graupe;  s.  QuTre. 

Pi§chull,  Pi§chulle,  /.,  schlechtes  Bier, 
aber  auch  jedes  andere  abgestandene, 
fade,  dünne,  schlechte  Getränk,  z.  B. 
sehr  schwacher  Kaffee.  Bei  Stein, 
Peregrinus  (s.  Bier^  Bd.  I,  82  a):  Pisul; 
bei  Nowack,  71,  für  Kaffee  Pe§chull. 
Nsslm.,  Forsch.  3,  Th.,  129,  hält  Pir 
schütte  für  ungenaue  Aussprache  von 
pywczulley  vom  altpr.  piwas  (Voc.  383: 
piwis)  lit.  pywas^  poln.  piwo  Bier. 
Bock,  43.  Hennig,  185.  Nach  Sche- 
mionek, 28,  auch  wässerige  Suppe. 
Sperber,  42,  schreibt  IHzull  {z=8ch\ 
erklärt  das  Wort  zunächst  als  Harn 
und  bezeichnet  damit  auch  schlechte 
Tinte. 

piichullen,  sw,  1.  s.  v.  a.  püchen,  2. 
nach  Sperber  in  übertragener  Bedeu- 
tung: einen  mäfzigen  Schluck  nehmen, 
ein  wenig  trinken.  Trinkspruch  des 
Bierkomments  der  Königsberger  Stu- 
denten: Wie  heifzt  der  Postmeister  von 
Elbingf  y^Schwerin,"'  Soll  er  bluten  oder 
pischuUenf  Antwortet  der  Gefragte 
„bluten^  ^  so  hat  Fragesteller  einen  Gan- 
zen zu  trinken;  lautet  die  Antwort: 
piichuttenj  so  trinkt  Fragesteller  einen 
einfachen  Schluck.     Sperber,  42. 

Pisda,/.,  cunnus;  von  dem  poln.  pizda^ 
lit.  pyzda,  pissa,    Sperber,  39. 

PTse,  /.,  s.  Pu§che. 

PTshund,  m.,  Schimpf-  und  Schelt- 
wort;  wörtlich  Hundhund;   poln.  pies 


150 


Pisian  —  Piabock. 


Hund.  Hol  dich  der  Pishund!  Sprw. 
I,  2940. 

Pisian,  m.,  s.  PTsjfln. 

PTsjAn,  Pisian,  m.,  Schimpfwort:  Dum- 
merjan,  Dummkopf,  Einfaltspinsel,  wil- 
lenloser, unentschlossener  Mensch  ohne 
Energie  und  Charakter,  Schwächling, 
Feigling,  Memme.  Wohl  von  dem 
lit.  pyzda  cunnus  und  zugleich  Feig- 
ling. Tu  pyzda  ne  smogus  du  bist  eine 
Memme,  aber  kein  Mann.  Pierson, 
Lit.  Aeq.,  20.  Nsslm.,  Forsch.  3;  Th., 
129;  Wb.  293b.  Die  oft  gehörte  Ab- 
leitung von  dem  franz.  paysan,  Bauer, 
hat  wohl  nichts  weiter  als  den  Klang 
für  sich,  was  wohl  auch  von  dem  Hin- 
weis auf^die  Zusammensetzuog  aus  «/an, 
Johann,  und  dem  poln.  pies,  Hund,  gilt. 

P\sk^  f.  u.  wi..  Maul,  Fresse;  von 
dem  poln.  pysk  Maul,  Schnauze,  Fresse. 
Hol  de  Pük,  halte  das  Maul!  Der  Teu- 
fel haut  dem  Schmied  eins  vor  die  Piesk. 
Schottmüller,  3.  Vgl.  Sprw.  I,  2572. 
2577. 

PTsl(er,  Peisker,  PTzIcer,  Peizicer,  m., 

Schlammpeitzger,     Cobitis    fossilis    L. 

Bujack,  395.  Auch  Schlammpiezker 
und  Wetterfisch,  lit,  kur.  piplys^  mas., 
kass.  piskorz^  pchieskorz.  Benecke, 
143.  Mühling,  Tiem.,  175.  Er  ist 
glatt  vne  ein  Plzker,  Sie  fragt  viely 
aber  ich  wickle  mich  so  umher  wie  ein 
Peisker.  Soph.  R.  Hl,  134.  Nach 
Sperber,  24,  Piezker  auch  ein  kleiner, 
unansehnlicher  Mensch;  Familienname 
Pietschker. 

Pisoiren,  Pasorren,  plur.,  PantoflFeln, 
Korken.    Mühling. 

pi§rig,  adj.y  mühselig,  elend.  Das 
Licht  brennt  pihig.  Ygl.  mi§rig.  Nach 
Gordack:  winzig,  unzureichend,  dOnn, 
dünn  bewachsen. 

Pissa,  /.,  Quellflüfzchen  des  Pregels, 
woran   Gumbinnen   liegt     Lit.  pissa, 


pyzda  cunnus.  Die  Gumbinner  nennen 
die  Pissa  gern  Pregel. 

Pisset,  77».,  kleiner,  dünner,  unbedeu- 
tender Gegenstand.  Es  ist  nur  ein 
Pissel.    Treichel. 

pisserig,  adj.  von  pissen,  das  quälende 
Bedur&is  zu  pissen  bezeichnend.  Nu 
rennt  a  e  romma  toie  e  possaga  Huingdy 
nun  rennt  er  umher  wie  ein  püzriger 
Hund.     Ermid.  Freisch.,  12. 

Pifzkaulchen,  n.,  s.  Pifehkaulchen. 

Pifzpot,  m,y  Nachtgeschirr,  Nachttopf. 
Mühling. 

pTtscheln,  sw.,  s.  patschen. 

Pitschen,pZur.,  grofze,  plumpe  Schuhe, 
namentlich  Filzschuhe,  aber  auch  ver- 
ächtlich von  Schuhen  überhaupt.  Sper- 
ber, 24. 

pitschenafz,  adj,,  völlig  durchnäfzt 
vom  peitschenden,  pltd.  pitschenden. 
Regen.    S.  patschenalz. 

PTtscher,  ?».,  Trinker,  von  dem  poln. 
pic  trinken.  Schmitt,  Westpr.,  166. 
Das  Vorhandensein  des  Verbs  pitschen 
ist  vorauszusetzen. 

pitschi  patschi,  aus  pitschen  (peitschen) 
und  patschen  (erzählen);  wenn  jemand 
die  Auseinandersetzungen  eines  andern 
wiedererzählt,  im  Erzählen  die  Aus- 
führlichkeit als  unnötig  erkennt  und 
nun  abbrechend  schlielzt:  pitschi  patschi, 
Kgsbg. 

Pitter,  m.y  penis  eines  Eiiaben.  Vgl. 
Pilfer,  Pimmel. 

pittem,  sw,^  von  Pitter,  pinkeln,  pissen. 
Treichel. 

PTze,  /.,  weibliche  Brust  An  die 
Pizen  fa^ssen.  Poln.  piers  die  einzelne 
Brust,  plur,  piersi. 

PTzker,  m.,  s.  PTsker. 

Pjes,  m.,  s.  PTs. 

Piabock,  Plebock,  m.,  grober,  püffel- 
hafter,  nichtsnutziger  Mensch.  Kreis 
Neustadt    Treichel.     Poln.   plebejusz 


Plachander  —  pladdern. 


151 


Plebejer,  Unadliger.  MrongoviusI, 
335  a. 

Plachander,  m,  1.  Herumtreiber, 
Zwischenträger,  Verleumder.  2.  Lum- 
penkerl. Flatow.  Schmitt,  108; 
Westpr.,  166.  Im  Ermlande  Plakander 
u.  Plakäder,  m.  Mühling.  Eio  der- 
artiges Frauenzimmer  Plachandersche, 
Plachandei^n,  Poln.  plcLchta  Laken  von 
grober  Leinwand. 

plachandem,  su?.,  von  Haus  zu  Haus 
gehen,  um  zu  erzählen  und  zu  hören, 
auch  um  hie  and  da  etwas  zu  lukrie- 
ren,  schänden,  verleumden,  Hetzereien, 
Zwischenträgereien  machen.  Sie  plor- 
chandert^  sie  schändet,  geht  von  Haus 
zu  Haus,  um  Neuigkeiten  zu  bringen 
und  zu  holen.  Nu  plachandert  enmal 
ene  Hex  ön  der  Gegend  heröm.  Schalt). 
3,  11.  Davon  plachandYig,  adj,  Sie  ist 
ein  recht  plachancCriges  Frauenzimmer, 

Placht,/.,  Taschentuch;  von  dem  poln. 
plachta  Laken.  Flatow.  Schmitt, 
108;  Westpr.,  166.  In  Bayern  die 
Flachen^  Stück  grober  Leinwand. 
Schmeller  I,  333.  Verwandtschaft- 
lich anklingend  ist  das  altpr.  ploaste 
(Voc.  491)  Betttuch,  Bettlaken,  lit. 
plÖ8zte\  russ.  poln.  plaszcz  Mantel. 
Nsslm.,  Th.,  132. 

Placky  971.,  Schlag  auf  die  Hand  oder 
mit  der  Hand,  daher  auch  Handplack. 
Lit.  plakii^  pläkti  schlagen,  mit  Schlä- 
gen züchtigen,  peitschen,  plökis  Hieb; 
lett.  plakich  zur  Bezeichnung  des  Schal- 
les, der  entsteht,  wenn  man  mit  der 
flachen  Hand  aufs  Wasser  schlägt. 
Nsslm.  Forsch.  3;  Th.,  130.  Lit.  Aeq., 
20. 

Plack,  Placken,  w.,  Fleck,  Flecken, 
Mal.  B}r  hat  einen  Plack  im  ^Gesicht 
Op  em  Kind  da  ös  e  Plack,  Hier  e 
Plack  on  da  e  Plack.  Pflzräts.  34. 
Nach  Mühling  Placken  auch  Fehler, 


Verstofz.  Vgl.  Plarr.  In  Bremen  noch: 
Stück,  sowohl  abgerissenes,  als  ange- 
setztes oder  angeklebtes  (Flick) ;  flaches 
Stück  Land,  Blachfeld,  plaga,  Angs. 
plaecy  plaeca,     Brem.  Wb.  III,  325. 

placken,  sw,  1.  Frequentativ  von  pla- 
gen, hart  plagen,  quälen,  zusetzen,  aus- 
saugen, mit  Abgaben,  geforderten 
Leistungen  empfindlich  drücken.  Da- 
von Placker,  w..  Plager,  Dränger,  Quä- 
ler, Leuteschinder.  Bav^mplacker,  Leute- 
placker.  Grüfzen  Sie  mir  den  Bauern- 
placker.  Soph.  R.  VI,  342.  2.  von 
Plack  =  Fleck,  flecken,  Flecken  machen, 
Flecken  bekommen,  fleckig  werden,  in 
der  Farbe  verschiefzen ;  daher  ab-  und 
ausplacken  auch  in  dieser  Bedeutung. 
Das  Kleid  plackt,  fleckt,  ist  in  der 
Farbe  nicht  echt.  Hellet  Tü^g  (Zeug) 
plackt  leicht.  Vgl.  Brem.  Wb.  III,  326. 
Davon  plackig,  adj.,  fleckig.  Die  Kar- 
toffeln sind  plackig,  sie  sind  auf  der 
Schale  gefleckt,  „schorfig".  Mühling 
hat  plackerig;  ebenso  im  Brem.  Wb., 
327.    S.  blecken. 

Placker,  m.,  plackig,  adj\,  s.  das  vor. 

pladäulach,  plädäuksch,  nach  6or- 
dack  auch  pladäutsch,  interj ,  zur  Be- 
zeichnung des  Schalles  beim  Wurf  eines 
Steines  ins  Wasser,  beim  Fall  von 
Fläche  auf  Fläche.  On  renri  äwer  Äcker 
on  äwer  Wees\  Plädäuksch  —  do  lähg 
eck  denn  op  de  Nähs.    Nowack,  12. 

Pladder,  m.,  das  glatt  daliegende 
Flüssige,  Weiche:  ein  Pladder  Schleim, 
Auswurf  Brustkranker;  der  Kuhpladder, 
Kuhfladen,  Kuhmist.  Für  Posen  bei 
Bernd,  210. 

Pladderei,  /.,  s.  pladdern. 

pladdern,  »w.  1.  plätschernd  giefzen, 
stark  regnen,  dafz  die  Tropfen  mit  Ge- 
räusch aufschlagen.  Es  regnet,  dafz  es 
man  so  pladdert.  Davon  Gepladder,  n. 
u.  Pladdere!  y  /.    Hört  der  Regen  auf^ 


152 


Pläderkasch  —  Plarr. 


so  hat  es  abgepladdert.  S.  abpladdern, 
bepladdern y  beregnen,  begiefzen,  be- 
spritzen. Du  hast  dich  gut  bepladdert, 
verpladdern,  vergiefzen,  verschütten  (zu- 
nächst Flüssigkeiten),  eine  Sache  ver- 
derben. Verpladder  nicht  so  viel  Wasser! 
Das  KindeVner  ist  verpladdei%  die  Frau 
hat  abortiert.  In  der  Zusammensetzung: 
pladdernafz,  völlig  durchnäfzt,  so  dafz 
das  Wasser  von  den  Kleidern  pladdert. 
Vgl.  Sallmann,  38a.  Danneil,  156a. 
Bernd,  210.  In  Mecklenbg.-Vorpom. 
pliddem.  Mi,  63b.  Bock,  43.  Hen- 
nig, 187.  2.  in  übertragener  Bedeu- 
tung: laut,  viel  und  unnütz  schwatzen, 
plappern.  Davon  ebenfalls  Gepladder 
u.  Hadderei.    Vgl.  plätern. 

Pläderkasch,  /.,  s.  plätern. 

plädern,  sw,y  s.  plätern. 

Pladrätsch,  m.  u.  /.,  s.  Plär. 

plagen,  sw.  Plagt  er  dichf  Plagt  dich 
dei^  Teufel?    Sprw.  I,  2952. 

Plagge,  f.y  flach  abgestochenes  Rasen- 
stück, zum  Belegen  der  Stalle,  Grä- 
ber etc.  benutzt.  Mühling.  Ebenso 
in  Hamburg,  Bremen,  Pommern.  Ri- 
chey,186.  Brem. Wb.  IH,  325.  Dähn., 
351b.  Danneil,  156b.  Dan.  flagge 
Scholle,  Fläche.  Nach  Sperber,  25. 
Kampe,  Bilte. 

plaggen,  sw.^  Plaggen  abstechen. 

Plakäder,  Plakander,  7n.,  s.  Plachander. 

Plampe,  /.  1.  breiartiger  Schmutz; 
2.  Mehlbrei,  dicke  Suppe,  s.  v.  a.  Pampe 

(s.  d.).     Davon  plamperig,  plemperig, 

adj,     Treichel. 

plampen,  sw.^  in  der  Plampe^  im 
Schmutze,  wühlen,  waten. 

Planet,  w.,  die  Nativität,  die  das  Volk 
auf  Markten  oder  von  Hausierern  für 
wenige  Pfennige  als  fliegendes  Blatt 
kauft. 

Planke,  /.,  Bohle,  dickes  Brett.   Lat. 


planca^  celt.  plange^  engl.  u.  hoU.  plank^ 
franz.  planche.    Brem.  Wb.  III,  328. 
Plankenschreiber,  m,   Aufseher  über 

die  von  den  Kaufleuten  aufgekauften 
und  gelagerten  Planken,  Stab-  und 
Klapphölzer.    Dzg.     W.  Seidel,  33. 

planschen,  sw.^  manschen,  mischen, 
mengen.  Bier  —  Wein  planschen^  mit 
Wasser  oder  geringeren  Sorten  mischen. 
Sperber,  35.     Vgl.  patsc/ien  3. 

pläntern,  sw.^  in  leiser,  wenig  hör- 
und  bemerkbarer  Weise  mit  Wasser 
spielen,  spritzen;  geschieht  dies  ge- 
räuschvoll und  wird  dabei  Wasser  ver- 
schüttet, so  wird  aus  dem  pläntern  ein 

plantschen,  8to.  Treichel.  Marold. 
Vgl.  platschen  u.  patschen. 

Planwagen,  ??».,  Wagen  mit  einem 
Plane,  einem  Verdeck,  von  Leinwand. 

Plapper,  /.,  Mund;  von  plappern.  Hol 
de  Plapper^  halte  den  Mund !  In  Dan- 
zig  giebt  es  eine  Plappergasse,  die  je- 
doch mit  plappern  nichts  zu  thun  hat, 
sondern  eigentlich  Plappartsgasse  heil'zt 
(Happart  Personenname).  Löse  hin, 
46. 

PlapperlTse,  -lotte,  / ,  allgemeine  Na- 
men für  plapperhafte  Frauenzimmer. 
Für  geschwätzige  Männer: 

Plappermatz,  -maul,  -sack,  m, 

Plapperwasser,  n.,  Wasser,  das  plap- 
pern   macht,    Branntwein.     Vgl.    Krftl- 

wasser. 
Piar,  Plarr,  m,  u.  /.,  Plärren,   w., 

Ansammlung  vergossener  Flüssigkeit, 
groi'zer  nasser  Schmutzfleck,  kleine 
Pfütze.  Blut^y  Tinten-,  Qualsterplarr. 
Ech  stölpt  den  Schmandtopp  öm,  un  da 
war  gleich  so  'ne  gi^ofzmächfge  Plarr, 
Saalfeld.  In  Natangen  auch  Pladrätsch, 
m,  u.  /.;  in  Hessen  Plärje,  m.  Vil- 
mar,  30.  Hennig,  333. 
Plarr,  Plärr,  Plärre,  /.    1.  Maul,   be- 


plärren  —  plfitem. 


153 


sonders  grolzes  Maul,  als  Werkzeug 
des  Plärrens.  Adelung  III,  782.  2. 
Weidenpfeife,  welche  die  Kinder  sich 
selbst  fertigen,  weil  sie  schreit  u.  plärrt. 
Vgl.  Quarre,  PTpke. 

plärren,  sw,  1.  viel  und  laut  reden, 
fleiizig  die  Plärre  brauchen.  Hieraus 
Geplärr,  w.,  Gerede,  Geschwätze.  Von 
dieser  Circuhdistantz  machen  die  Libelli 
Sphaerici viel geplarres,    Linem.,  Rda. 

2.  ausfleihen,  ausbreiten.  Die  Wasche 
hervorplarren^  die  beiseite  gelegte 
Wäsche  wieder  auflegen. 

Plärren,  m.,  s.  Plftr. 

plärren,  stc.,  laut,  schreiend  weinen, 
singen,  Gelerntes  hersagen. 

pläichfirlich,  adj.^  vergnüglich,  lustig. 
Von  dem  franz.  plaisir. 

Plaschkinnis,  /.,  ein  dem  Keitel  ähn- 
liches, aber  viel  kleineres,  durch  einen 
runden  Bügel  offen  gehaltenes  Netz, 
lit.  pUzszkinnis.  Die  Plaschkinnisfische- 
rei  ist  auf  dem  ganzen  kurischen  Haff 
untersagt.  Fisch.-Ordg.  f.  d.  kur.  Haff, 
§  20.  S.  Benecke,  341.  Sperber, 
41. 

Plaster,  n.  1.  etwas  Hautartiges,  dünne 
Oberhaut,  z.  6.  die  Haut,  welche  sich 
auf  der  Sahne,  der  Milch,  einer  Wunde 
absetzt.  2.  lappiges,  aufgeblasenes 
Fleisch,  besonders  vom  Kalb  u.  Schöps. 

3.  Schimpfwort  für  ein  unsauberes,  un- 
sittliches Frauenzimmer.  4.  nach  Müh- 
ling  Schmutzflecken.  Davon  plftsterig, 
adj.^  häutig.  Plastriger  Kafee,  Kaffee 
mit  Milchhaut;  pldstriges  Fleisch, 

Pläster,  Piester,  auch  PIttster,  n.   1. 

ungeschlacht  Grolzes,  Schwerfalliges, 
Monstrum,  in  den  Gedanism,  PlesL  Lit 
ple'stüj  pUsti  breit  werden,  iszpUsti  sich 
ausbreiten,  lett.  plestees.  Nsslm.  Forsch. 
3;  Th.,  131.  Dat  os  en  Plaster  von 
Schaf  (Schrank).  Dafs  e  Floster  von 
Stock  Veih,    2.  ein  grofzes  ungeschick- 


tes, unsauberes  und  unsittliches  Frauen- 
zimmer.    Vgl.  Plaster. 

plästern,  sw.  1.  prügeln.  In  Bremen 
plustern  von  plüsen^  plüsen  faseln,  zau- 
sen. Brem.  Wb.  HI,  346.  Einen  durch> 
ver-,  zerplästem,  ihn  derb  abprügebi. 
Hennig,  187.  2.  ausspielen  die  Karte. 
Piaster  em  ruter,  spiele  die  Karte  aus. 
Marienbg.  Ndrg.  3.  nach  Mühling: 
misten;  vom  Vieh.  Gegend  von  Dreng- 
furt.  4.  nach  Treichel  auch  über- 
treiben, etwas  ins  Grofze  ausmalen. 
Der  kann  gut  plästern, 

plästrig,  adj.  von  Pläster,  grofz,  plump, 
ungeschlacht,  ungeschickt,  unförmlich, 
dick;  aufgeblasen  (von  Fleisch).  Du 
plästrigerwatriger Kerbs(ßjiTh\s)\  Dorr, 
1.  Wiew.,  67.  Dat  he  so  plästrig  §n  siener 
Eifersocht  weer.    Ibid.,  73. 

PIät,  /.,  Platte.  Setz"  das  Essen  auf 
die  Hat,  damit  es  warm  bleibt,  auf  die 
Platte  des  Herdes,  auf  den  Herd. 

Platendienst,  m.,  Dienst,  welchen  die 
Kolmer  dem  deutschen  Orden  zu  leisten 
hatten.  Er  bestand  in  Ausrüstung  eines 
Reiters  mit  Harnisch,  Eisenhut,  Helm, 
Schild  und  Speer  und  leichtem  unbe- 
wehrten  Rosse.  Der  Platendienst  steht 
in  gewissem  Gegensatz  zum  Ro/zdienst. 
Gebauer,  Kde.,  60.  Von  Hate  Brust- 
harnisch, eiserne  Brustplatte,  Panzer. 
Sie  gehörte  mit  zum  Heerge wette:  sine 
Platten,  sin  Grusener,  Schilt  und  Era- 
gen,  sein  Brusthamisch,  sein  Waffen- 
rock, Schild  und  Kragen.  Isl.  plata. 
Brem.  Wb.  III,  332. 

plätem,  pletern,  plädern,  sw.,  viel  re- 
den, schwatzen;  schänden,  Geklälsche 
machen.  Im  Rein.  Vos  (V.  4146)  plei- 
teren prozessieren;  vom  franz.  plaider. 
Im  Holsteinschen,  in  Pommern,  im 
Bremischen  ebenfalls  plätem.  Schütze 
m,  216.  Dähn.,  351b.  Brem.  Wb. 
ni,  324.   Davon  pISterIg,  adj.,  schwatz- 


154 


Platsche  —  Platz. 


haft,  zum  Schänden  geneigt.  Pläter- 
kaschy  -ITS,  /.,  schwatzhaftes  Frauen- 
zimmer; ebenso  Pläderkasch,  -ITs.  Vgl. 
pladdern  3. 

Platsche,  /.,  grofzer  platter  [Klofz, 
Eeilcben.  Auch:  Platschkeilchen,  pitd. 
PlatschkTike.    Vgl.  Keilchen. 

platschen y  9w.  1.  klatschend,  plät- 
schernd im  Wasser  patschen,  es  ver- 
giel'zen,  ausgiefzen,  durchwaten;  auch 
putschen.  Er  geht  durch  die  Pfütze^ 
dafz  es  mun  so  platscht.  Da  ös  on 
Wief^  do  geit  ver  Ohle^  dey  putscht  on 
platscht  väl  Water  uth,  Carm.  nupt.  V, 
216b.  2.  stark  regnen,  dafz  die  Tropfen 
tönend  aufschlagen.  In  Hessen  pletschen, 
pldtscJien,     Vilmar,    304.     Sperber, 

25.    Vgl.  plantschen  u.  patschen. 
Plätschken ,    Plätschchen ,    Pletschken, 

-chen,  plur.^  die  jungen  Hülsen  der 
Garten-  und  Felderbsen,  die  zunächst 
nach  der  Blute  sich  ansetzen,  aber  noch 
keine  Kerne  gebildet  haben.  Nsslm. 
Forsch.  3;  TL,  219.  Hennig,  188, 
schreibt  ungenau  Hezschen  und  erklärt 
zunächst:  kleine  Schoten,  die  noch  nicht 
völlig  reif  sind. 

platt,  adj.  u.  adv,  1.  ohne  Umschweif, 
geradezu,  schlechtweg.  Der  Mann  ist 
ganz  platt,  er  redet  und  beträgt  sich 
ungekünstelt.  2.  völlig,  gänzlich.  Ich 
hab^s  platt  vergessen.  Ich  hab's  platt 
verloren^  —  es  ist  mir  platt  von  Hän- 
den gekommeriy  es  ist  gänzlich  weg.  3. 
niederdeutsch.  &ie  redet  mit  dem  Ge- 
sinde platt.  Hennig,  187.  Franz.  u. 
holl.  plat  flach,  engl,  flat^  schwed.  flaat^ 
isl.  /o,  flatur.    Brem.  Wb.  III,  331. 

Platteis,  pltd.  PlattlS,  Scholle,  Pleuro- 
nectes  platessa.  Auch  Scholliken  (bei 
Simon  Grünau),  Glattbutte,  Goldbutte. 
Benecke,  96.    Bujack,  396. 

Plätteisen,  pltd.  PläddTseCn),  n.,  Eisen 


zum  Plätten,  Glätten,  der  Wäsche, 
Bugeleisen. 

plätten,st(7.,  platt  machen, eben  machen, 
glätten,  die  Wäsche  bügeln.  Engl,  flat 
und  plat  Brem.  Wb.  III,  332.  Hen- 
nig, 187.     Plätt/iemde^  Hdttwäscfie. 

Plattfufz,  972.,  im  Rätsel  Name  der 
Gans.     Dorr,  78,  14.     S.  Patschfufz. 

Plattmann,  w ,  Schifierknecht  auf  einer 
Platte^  Plätte^  einem  Wasserfahrzeug 
mit  plattem  Boden.  Weichsel.  Würde 
ein  Steuermann  oder  Plattmann  abinln- 
stig  ohne  redliche  Ursache  so  soll  dem 
Steuermann  der  Halfz^  dem  Plattmann 
die  Hand  abgehauen  werden.  „Landes- 
Wylkore  zu  Marienburg"  aus  1420. 
Bei  Frisch  II,  62c:  Plathenknecht 
Vgl.  Weigand  II,  360:  Platte.  Zer- 
necke, Thomische  Chron.,  39. 

Platz,  m.,  plur.  Plätze  u.  Platzen.  1. 
Fladen,  flacher  dunner  Kuchen.  Altpr. 
plinxne  (Yoc.342,  als  Erklärung  Pleicze)^ 
\it. plyckas, pli/skas,  poln.  placek.  Nsslm. 

TL,  131.  Lit.  Aeq.,  10.  Buttepplatz, 
Fladen  mit  Butter  abgemacht.  Flamm- 
platz =  Flammfladen  (s.  d.).  Kartoffel- 
platz, Flinze  von  Kartoffeln.  Westpr. 
Ygl.  Flinze.  In  Bayern  P/ate,  Plätzen, 
in  Hessen  Blatz.  Schmeller  I,  340. 
Yilmar,  40.  Vgl.  Anton,  11,  10. 
Bernd,  212.  Sperber,  24.  2.in  über- 
tragener Bedeutung:  unbeholfener,  phleg- 
matischer Mensch,  Tölpel,  Klotz.  Wenn 
ich  denJ^,  ich  hol/  einen  Schatz ,  Hab' 
ich  nur  einen  groben  Platz.  Volksr., 
242,  853. 

Platz,  m.y  knallender  Schall,  beson- 
ders Peitschenknall,  davon  platzen. 

Platz,  m.  Etwas  zu  Platz  bringen, 
etwas  zuwege,  zum  Vorschein  bringen. 
Wi  weeten  nich,  wat  alles  uinger  dem 
Deckmantel  von  dem  Wahrsegergewanv 
to Platz  brocht  ward.  Dorr,  l.Wiew.,  100. 


Platz  —  Plauksch. 


155 


Pläb,  fw.,  Fischo.,  s.  Plöiz. 

platzdrachtig ,  adj.  1.  hoch  trachtig, 
trachtig  bis  zum  Platzen.  2.  sich  platz- 
drachtig  ärgern^  sich  bis  zum  Platzen 
argem. 

platzen,  »w.  1.  von  dem  Geräusch,  das 
fallender  Regen,  fallendes  Wasser  ver- 
ursacht. Es  regnet^  dafz  es  platzt  Platz- 
regen. In  Bremen  plastem,  Brem.  Wb. 
III,  329.    2.  knallen,  mit  der  Peitsche. 

3.  schnell  und  mit  Geräusch  in  eine 
Wohnung  dringen,  in  eine  Stube  tre- 
ten. Er  platzte  in  die  Stube.  Bei  Je- 
roschin:  do  platzten  st  ouch  in  daz 
hus   zu    Puteninken    tougenclich    183  c. 

4.  feindlich  auf  jemand  eindringen. 
Jeroschin:  mit  den  stnen  platzte  er 
ungeicamit  uf  dt  schar  111b.  dö  quam 
uf  st  der  vtnde  schar  geplatzit  unge- 
icamit dar  115c.    Pfeiffer,  205. 

Platzer,  m.,  die  Schmitze,  das  Schnur- 
chen an  der  Peitsche,  das  beim  Schwünge 
platzt  ==  knallt. 

Platzmeister,  m.^  Hochzeitsbitter, 
Brautführer  und  Festordner  bei  der 
Hochzeit.  Die  Platzmeistei*  sind  junge, 
unverheiratete  Bursche,  welche  auf  dem 
Lande  das  Amt  der  Hochzeitsbitter 
bekleiden,  dem  Brautpaare  das  Geleite 
zur  Kirche  geben  (Marschälle)  und 
demselben  während  der  Trauung  zur 
Seite  stehen;  auch  haben  sie  bei  der 
Maidzeit  die  Honneurs  zu  machen.  Sie 
werden  von  den  Brautjungfern  mit 
künstlichen  Blumen  und  bunten  Bän- 
dern grell  herausgeputzt,  und  ebenso 
schmücken  sie  ihre  Pferde.  Bei  dem 
Bitt-  (Einladungs-)  Umzüge  reiten  sie, 
wenn  irgend  angänglich,  bis  in  die 
Stube  und  halten  vom  Pferde  herab 
ihre  Einladungsrede.  Der  Platzmeister 
von  Seiten  der  Braut  wird  der  erste 
oder  älteste  genannt.  Sowohl  in  ihrer 
Eigenschaft  als  Hochzeitsbitter  wie  als 


Begleiter  des  Brautpaares  führen  sie 
tüchtige  Enallpeitschen,  in  deren  Hand- 
habung sie  auizergewöhnliche  Virtuo- 
sität beweisen.  Sie  sind  also  Meister 
im  Platzen y  d.  i.  im  Eoiallen  mit  der 
Peitsche.  Doch  kann  man  zur  Er- 
klärung ihres  Namens  sie  auch  als 
Meister  vom  Platze  ansehen.  Toa  K&rch 
foare  uta  de  Brutlied  hlosz  tice  Brut- 
jungfere  on  twe  Hatzmeista^ch^  twe  gode 
Menna  on  twe  gode  Wiewa;  oawasch 
toa  Moaltied  weare  woall  an  achtig  bett 
nägentig  Mönsche  geböde.  Boldt,  6. 
Vgl.  Hintz,  66.  67.  Toppen,  Abergl., 
84  f.  Volksr.,  244.  856.  Die  Platz- 
maister  waren  ehemals  im  Salzburger 
Gebirge  die  Vortänzer  auf  Hochzeiten; 
in  Bayern  ist  der  Plazmaister  Regler 
und  Ordner  des  Tanzes;  er  holt  die 
Mädchen  ins  Wirtshaus,  wirbt  Tän- 
zer etc.  Schmellerl,  340.  In  Hessen 
heifzen  die  Festordner  bei  der  Kirmes 
PlatzburschCy  Platzknechte.  Vilmar, 
62.  303.    Hennig,  187. 

Platzmeisterspruch,  7n.,  Rede  des  Platz- 
meisters, oft  gereimt,  doch  auch  viel- 
fach in  Prosa,  mit  Reimen  untermischt. 
Die  Rede  ist  Einladungsrede  oder  Tisch- 
rede. Solche  Reden  sind  mitgeteilt  in: 
N.  Pr.  Prov.-Bl.  IV,  48  (aus  dem  Erm- 
lande);  V,  232  (aus  Litauen,  lit  und 
deutsch);  a.  F.  XII,  105  (Natangen). 
Volksr.,  244fiF.,  856.  857.  858.  861.  862 
(aus  Westpreufzen  u.  Samland).  Top- 
pen, Abergl.,  87  (aus  Masuren). 

plauksch,  interj.^  schallnachahmend; 
zur  Bezeichnung  des  Tones,  den  ein 
ins  Wasser  fallender  Körper  oder  eine 
mit  einem  Guiz  ausgeschüttete  Flüssig- 
keit verursacht.  Plauksch  fiel  er  hinein. 
Poln.  cJdust,  plusk.  Vgl.  brdz^  bums^ 
pardauz^  schmauks,  schnippSy  schwapps. 
Hennig,  238.    Davon 

Plauksch,  m.y  GoTz,  Regengolz.    Mit 


156 


plaokschen  —  Pleskott. 


einem  PUttiksch  giefzen.    Das  war  ein 
gelwriger  Plauksch  Regen. 

plaukschen,  sw,,  mit  Schall  aasgiefzen, 
gui'zweise  spritzen,  ubergiefzen,  stark 
regnen;   poln.  cfdtistacy  pltiskad.     Vgl. 

Schwauks. 

Plauter,  w.,  Strandbewohner,  der  ver- 
pflichtet ist,  bei  Unglücksfallen  auf  der 
See  Hilfe  zu  leisten.  Strandordg.  vom 
Jahre  1728.    Mühling.    Vgl.  Pijauter. 

Plautz,  Plairtze,  pltd.  PiQz,  /.,  das  Ge- 
schlinge, die  Luftröhre  eines  geschlach- 
teten Tieres  nebst  Lunge,  die  Lunge 
allein.  Weibern,  welche  andern  durch 
Klatscherei  schadeten,  wurde  im  17. 
Jahrh.  das  Maul  mit  Plauzen  gedroschen. 
Notizen  aus  Konitz.  Pr.  Prov.-Bl.  11, 
209.  Mir  quillt  die  Plautze^  hört  man 
den  sagen,  der  in  Zorn  gerät.  Die 
Plauz  lauft  ihm  bald  über^  er  wird 
leicht  zornig.  Sich  die  Plautze  voll  är- 
gem.,  Sprw.  I,  2958.  Man  mufz  sich 
die  Plauz  aus  dem  Leib  ärgern.  Sich 
ärgern^  dafz  einem  die  Plautze  platzt 
Du  kannst  ärbeide^  dat  dt  de  Plüfs  ver 
e  Fei  föllt  etc.  Egsbg.  Firmenich 
I,  101a.  Schloog  em  dot^  Dat  de  Pluz 
em  ruter  flog.  Yolksr.,  130,  546.  Altpr. 
plauti  Lunge  (Voc.  126),  lit.  plaüczeij 
lett.  plauzes^  plau^chi^  poln.  pluca. 
Nsslm.  Forsch.  2;  Th.,  130.  Bock, 
44.  Hennig,  189.  In  Danzig  giebt 
es  eine  Plautzengasse,  in  der  man  früher 
die  Ealdauncn  geschlachteter  Tiere, 
namentlich  Plautzeny  feilbot.  Löschin, 

44. 

plauizig,  pltd.  pIQzig,  adj.  von  Plautze, 
aufgedunsen  wie  die  Lunge,  schwam- 
mig dick,  völlig  und  rund  im  Gesicht. 
Er  hat  ein  plautziges  Gesicht  —  plautzige 
Hand!.  Li  Hamburg  plüssig^  im  Brem. 
plutzig.  Richey,  189.  Brem.Wb.  III, 
347. 

Plautzmauly  pltd.  PIQzmQI,  n.,  Mensch 


mit  dicken  hängenden  Lippen;  aber 
auch  ein  unfreundlicher,  mürrischer 
Mensch. 

Plawnika,  /.,  Staknetz  zum  Fange 
der  Heringe.  Putziger  Wiek.  Benecke, 
380. 

Pleban,  m.,  Pfarrer.  Werder.  Von 
dem  gleichbed.  poln.  pleban.  Sie  schich- 
ten nach  ihrem  Pleban,  da/z  er  dach 
bald  zu  einem  Krancken  in  den  Krug 
kommen  und  ihn  berichten  soUe.  H  art- 
wich, 523. 

Plebb,  /.,  eine  Art  efzbarer  Pilze, 
den  Steinpilzen  ähnlich.   Dönh.     Nach 

Mühling  auch  Schlicker. 

Plebock,  m.,  s.  Piabock. 

Pleckbaum,  m.,  plecken,  m.,  s.  pllcken. 

Pleckfinky  m.^  Heringssalat.  Danzig. 
W.  Seidel,  33. 

plempen,  ««?.,  im  Wasser  arbeiten, 
hantieren.     Vgl.  plUmpem. 

Plempern,  plur.,  die  Blätter  von  Me- 
nyanihes  nymphaeoides  L.  Frische  Neh- 
rung. Die  Blätter  werden  im  Sommer 
als  Viehfiitter  verwendet 

plempern,  sw.,  s.  pittmpern. 

plengen,  sw.^  schänden,  klatschen,  ver- 
leumden, Erzähltes  weiter  tragen;  ur- 
sprünglich wohl:  mischen,  rühren,  durch- 
einander mengen,  Mnd.  Wb.  HI,  345  b. 
In  Bremen  schleppen,  schwere  Arbeit 
thun.  Brem.  Wb.  HI,  337.  Davon 
Plengerei,  /.,  Geklatsche,  Verleumdung. 
Bock,  43.     Hennig,  188. 

PleSchTr,  PlesTr,  pltd.  Ples6r,  n.,  Ver- 
gnügen, Lustbarkeit,  gewöhnlich  Ple- 
schir-  oder  Plestr- Vergnügen.  Das  ist 
mein  Plestr  -  Vergnügen.  Das  franz. 
plaisi?'. 

PIftse,  /.,  Öse  von  Schnur  oder  Tuch 
zum  Enöpfcn.     Schemionek,  28. 

PlesTr,  n.,  s.  PlefehTr. 

PlSskott,  /.,  häfzlicher,  ungeschick- 
ter Mensch,  Tolpatsch.    Treichel. 


ple88^re(n)  —  Plickschulden. 


157 


ple886re(n),  su?.,  blessieren.  Bei  os 
ffeplessert  geworde.    PlessQr,  /.,  Blessar. 

Plest,  Pltoter,  n.,  s.  Piaster. 

pletem,  9w,^  s.  plätern. 

Pletschken,  Pletschchen,  j^/ur.,  s.  Plätsch- 
ken. 

Pletüngy  (?),  ehemaliger  ordinärer 
Kleiderstoff.     Viol^t,  178. 

Pletz,  m.,  Pletze,  /.,  s.  Plötz. 

Pletzentuchgam,  n.,  s.  PItttzentuch. 

Pletzenzug,  m.^  s.  PItttzentuch. 

Plezschen,  pZun,  s.  Plätschken. 

Pllbischken,  Pliwischken,  Ortsn.,  Kirch- 
dorf bei  Wehlau,  in  ostpreufzischem 
Kindermunde  wohlbekannt:  Unser 
Herr  Kantor  von  Plibischken  Ist  geritten 
nach  der  Stadt,  Graue  Erbsen  in  der 
(in  zwei)  Lischken  ^  Die  er  selbst  ge- 
droschen hat.  Statt  Kantor  auch  Prä- 
zentOTy  Ffan^er^  ja  sogar  Amtmann. 
Volksr.,  272, 943 f.  Sperber,  40.  Eine 
noch  angedruckte  Variante  des  Kinder- 
reims lautet:  Unser  Herr  Pfarrer  aus 
Plibischken  Ist  gefahren  in  die  Stadtj 
Er  hat  Eier  in  der  Lischkeny  Die  er 
selbst  geleget  hat  Über  ein  Gewehr 
aus  der  Rüstkammer  in  Plibischken^  wo- 
mit schlechte  Wehr  und  Waffe  bezeich- 
net wird,  s.  Sprw.  I,  1262.  Hennig, 
215. 

Plicht,/.,  Tracht  Schläge,  Hiebe.  On 
heft  doch  solwst  en  sienem  Lowe  So^m 
Junge  manche  Plicht  gegäwe.  Lhrztg. 
1881,  S.  92a.    Vgl.  Pflicht. 

Plichtau,  n.,  in  Stein,  Peregrinus  HI, 
3  unter  res  nauticae. 

Plick,  bei  Hennig,  188,  Plik,  (?), 
Kleinigkeit,  kleines  Stück,  Teil.  Da- 
von: pllckwelse,  pltd.  plöckwts,  in  ein- 
zelnen kleinen  Posten,  Partien.  Plick- 
schulden, plur.y  heute  Flickschulden^  ein- 
zelne kleine  Schuldposten.  Bei  Dus- 
burg Plica  Barthcy  bei  Jeroschin 
Plicke  Bartin  Klein  Barten.    Lit.  Aeq.^ 


20.  Nsslm.  Forsch.  3;  Th.,  131.  Plik 
Kleinigkeit  ebenfedls  im  Brem.  Bi  Plik 
un  bi  Plak  bei  Kleinigkeiten.  Dat  Geld 
kamt  bi  Plik  un  bi  Plak  in^  in  kleinen 
Posten,  aber  nach  und  nach  bei  Heller 
und  Pfennig  ein.  Brem.  Wb.  HI,  328. 
In  Pommern  tritt  PUck,  n.,  in  Zusam- 
mensetzungen als  Bestimmungswort  auf 
und  druckt  ebenfalls  eine  Verkleinerung 
aus:  Plickkroogy  Plickschoole^  Hickschul- 
den,  plickwisCy  adv.    Dähn.,  353a. 

Pllcky  77».,  Kopf.    Dönh. 

Plick,  /.  Lange  Plicky  Name  eines 
der  fünf  groGzen  Sandberge  auf  der 
kurischen  Nehrung  in  der  Gegend  von 
Rossitten.     Altpr.  RI.  IV,  301. 

Pllckai,  Pllckas,  plur.^  handgrofze  Fla- 
den aus  einem  Gemische  von  geriebe- 
nen Kartoffeln  und  Mehlteig,  entweder 
gebacken  oder  in  Wasser  gekocht.  Ge- 
richt am  Palmsonntag.  Litauen.  Lit. 
plyckaSy  plyskas.  Nsslm.  Wb.,  309a. 
Volkskal.,  78. 

plicken,  plecken,  im  ostpr.  Pltd.  pittcke, 

»w,  1.  pflücken,  abpflücken;  einen 
Baum  abschälen,  der  Rinde  berauben. 
Ein  derartig  abgeschälter  Baum  heilzt 
Pleckbaum.  Hennig,  188.  plicken  ist 
wohl  nichts  weiter  als  verderbt  hchd. 
pflücken,  Nsslm.,  Forsch.  3;  Th.,  131, 
denkt  an  eine  Abstammung  aus  dem 
Lit.  und  weist  darauf  hin,  dafz  von 
dem  lit.  plikaSy  kahl,  sich  bilden  die 
Verba  plikyti^  pliBnti  kahl  machen, 
rupfen,  plinku^  pDkti  kahl  werden.  2. 
stopfen,  zustopfen,  und  daher  auch  ver- 
plicken,  Öffnungen  genau  und  sorg&ltig 
verstopfen.  Döhn.  Brem.-nds.  Plugge 
Pflock,  pluggen  mit  einem  hölzernen 
Nagel  (Pflock)  befestigen,  pluggen  un 
to  prinen  schlecht  zustopfen.  Brem. 
Wb.  in,  341. 

Plickschulden,  plur.^  plickweise,  od/., 
s.  Plick. 


158 


PUkaoler  —  plirren. 


nksad»,  plur,^  nach  Hennig.  188, 
armer  MenscL  der  wenig  bat  im  Nach- 
trage, 333:  der  wenig  aaf  seinem  Leibe 
bat,  von  dem  lit.  pttias  kabU  nackt. 
Im  Sinne  von  Hikauter  lett.  plikka- 
dihdü.  Nsslm  ,  Forscb.  3;  Tb.,  131. 
Bock,  44.  Mühling  hat  neben  Hi- 
kauter Pojaiffer,  wohl  «=  Ptjauter  (s.  d.). 

Vgl.  auch  Plauter. 

Piimme,  /.,  s.  anschmeifzen. 

plimpeniy  sir.,  s.  pWmpern. 

Plinder,  Plinger,  m.  u  /.  u.  Zusammen- 
setzungen s.  PiUnder. 

plinken,  plinkem,  «tr.,  bh'nken,  die 
Augen  in  schneller  Wiederholung, 
krankhaft  oder  aus  Angewohnheit, 
scbliefzen,  blinzeln,  mit  den  Augen 
winken,  zuwinken,  durch  Blick  zustim- 
men. Dannzuplinken^zuplinkem.  Welche 
wenn  sie  was  reden  oder  hören  mit  den 
äugen  plincken,  die  stim  runtzeln^  die 
ncts^  das  maul  krumpfen,  und grifflaclien^ 
sind  gemeiniglich  falsche  leut^  zusammen- 
hetzer  und  betriger.  Stein,  Pere- 
grinus  XI,  84.  W.  Mtsblät.  V,  191. 
Se  plinkt  mi  to.  Dorr,  1.  Wiew.,  20. 
Moll,  pinken,  pinkoogen^  engl,  to  pink, 
blink^  schwed.  blinka,  in  Pommern 
plinken,  plinkem,  plinkögen.  Brem. 
Wb.  III,  338.  Dähn,  353a.  Hen- 
nig, 188. 

Plinke(n)fUhrer,  m ,  s.  PlUnderfUhrer. 

Plinkerling,  (?),  Knabenspiel,  s.v.a.  an- 
plimmen.    Tilsit.    S.  anschmeifzen. 

plinsen,  sic.^  s.  plinzen. 

Plinz(e),  /.,  s.  v.  a.  Flinze.  Saal- 
feld. 

plinzelni  sw,,  blinzeln.     Trcichel. 

plinzen,  plinsen,  sw ,  laut  weinen ;  wei- 
nen überhaupt.  Er  plinzt  über  jede 
Kleinigkeit,  Sc  plinzt  seck  oft  de  Oge 
rot  Nowack,  36.  Alien  Sä/m,  doa 
wascht  doch  nich  foaz  plinse,  Boldt, 
20.      Ein    Frauenzimmer,     das    leicht 


weint,  heifzt  Pltnzkathrin\  Da  die 
Kinder  beim  Weinen  oft  die  Hände 
über  die  Augen  decken,  was  auch  beim 
Yersteckspiel  der  thun  mutz,  der  die 
Versteckten  zu  suchen  hat,  so  heifzt 
auch  dies  spielende  Verdecken  der  Augen 
plinzen,  Samland.  Elbing.  Schemio- 
nek,  28.  In  Königsberg  winken,  in  Ma- 
suren  luggen. 

Pnraffe,  m.  s.  PITraoge. 

PITrauge,  pitd.   Pllrög,  n.     1.  Auge 

mit  Pliren;  aber  auch  entzündetes, 
rotes,  triefendes  Auge.  In  Bremen 
Bleeroge.  Brem.  Wb.  I,  99.  2.  Schimpf- 
wort auf  einen,  der  entzündete  Augen 
hat,  oder  der  schlecht,  wenig,  sieht. 
In  diesem  Sinne  auch:  PlTraffe. 

pITraugig,  pltd.  plTrögig,  auch  plfr- 
augsch,  pltd.  pITrAgsch,  adj.,  triefaugig, 
engl,  blear-eyed.  Beliebtes  Schimpfwort. 
Pl'raugsche  Margell! 

PItre,  /.,  die  zähe  Schleimmasse  (Ma- 
terie), welche  kranke  Augen  aussondern. 
Sie  sammelt  sich  vorzugsweise  in  den 
Augenwinkeln  an.  Bock,  44,  u.  Hen- 
nig, 189,  schreiben  PlUren. 

pitren,  sw.  1.  Pliren  aussondern. 
Die  Augen  pliren  mir.  2.  Die  Augen- 
lider zusammenziehen,  um  genau  zu 
sehen;  nach  Bock,  45,  mit  halbge- 
schlossenen Augen  sehen,  zielen,  mit 
den  Augen  blinken,  nach  Hennig, 
189,  die  Augen  wegen  anhängender 
Feuchtigkeit  oft  zusammenziehen.  In 
Bremen  plüren,  in  Hamburg  pliren^ 
engl,  blear.  Brem.  Wb.  IH,  346.  Dan. 
plire  blinzeln.  3.  weinen.  Saalfeld. 
Nach  Treichel  auch  in  Westpr.,  hier 
auch  plirren. 

plTrig,  adj.  1.  mit  PVren  behaftet, 
pliräugig;  nach  Treichel  auch  ver- 
weint, in  den  Augen  krankhaft  aus- 
sehend.    2.  trübe,  Saalfeld. 

plirren,  ^w.,  s.  pITren. 


Plirte  —  plömpern. 


159 


Plirte,  /.,  schlechter  KaflFee.  Trei- 
chel. 

piTsem,  »w  1.  faseln,  zupfeD,  abrei- 
izen,  zerzupfen,  zerpflücken,  zerzausen. 
Pliser  nich  das  Picket  (Bouquct)  zu 
schänden  {entzwei)!  Saalfeld.  Am 
Brot  plfsem^  naschend  Bröckchen  da- 
von abreifzen.  Der  Wind  pltsert  das 
Dach.  Den  Weihnachtsbaum  pltsem^ 
plündern,  was  den  Kindern  zu  Neujahr, 
hin  und  wieder  auch  zu  heilige  drei 
Könige  gestattet  wird.  Sperber,  25. 
In  der  Zusammensetzung  ab-  ver-  u. 
zerpiTsem,  pltd.  «/-,  ver-  u.  tetylisre(n). 
Die  Haare  verpUsem^  zerzausen.  Der 
Sturm  zerplisert  das  {Stroh-)  Dach, 
In  Bremen  plusen,  in  Hamburg  pliisen, 
Brem.  Wb.  III,  346.  2.  mit  Mühe 
auseinanderfalten,  Verzausles  aufwirren. 
Unebenes  glätten.  Die  zusammengekleb- 
ten Blattei*  eines  Bicc/ies  auseinander 
plisom.  Die  Ohren  aus  einem  Buche 
pltsem.    Vgl.  aufpiTsem. 

Pllske,  (?),  Knöchelspiel  der  Kinder. 
Dähn.  Poln.  pliszki^  plur,^  ein  gewisses 
Spiel  kleiner  Kinder  (welcher  Art  nicht 
angegeben).     Mrongo v.  I,  336a. 

Pllske,  m.,  der  Ubergufz  auf  den 
Feiertagsfladen.  Er  besteht  aus  Butter, 
Mehl,  Safran,  Anis  und  Gewürz. 
Samland.  Litt,  plyskas^  plyckas  dünner 
Fladen,  am  Palmsonntag  üblich.  Rag- 
nit.     Vgl.  Nsslm.,  Wb.  309a. 

PIfskesonnabend,  m,y  der  Sonnabend 
vor  Ostern,  an  welchem  Pltsken  ge- 
backen werden.     Samland.    Vgl.  Blau- 

montag. 

PiTte,  /.  1.  abgestandener,  abge- 
schälter Baumstamm;  Holzfloiz.  Die 
Bitten  konmien  als  mit  Waren  belastete 
Holztraften  aus  Polen  nach  Preuizen. 
Poln.  ptyt  Flofz,  ptet  Flofz,  Flolzstamm, 
Flofzbaum,  von  plywam,  plywac  schwim- 
men.   Nsslm.    Forsch.  3;  TL,    132. 


Auch  Pirtholz,  Plittholz;  in  Bock,  Nat. 
I,  585:  Plytten.  Vgl.  Plechbaum  unter 
pllcken.  2.  alter  Foliant,  altes  un- 
brauchbares, zerlesenes  Buch.  Bock, 
44.     Hennig,  188. 

Pirtholz,  Tl.,  s.  PItte. 

putschen,  sw,^  s.  platschen. 

PIHte,  /.,  s.  Bleide. 

Plitte,  PlUtte,  /.,  kleine  Pfütze. 
Treichel. 

Putten,  plur,^  kleines  Gesindel.  (?) 
Mühling. 

Plittholz,  n.,  s.  Pllte. 

PlOggeweng,  n.,  s.  Pfluggewende. 

PlOgmann,  m.,  s.  Pflugmann. 

pittmerant,  n.y  plUmerant 

Plompart,  m.,  s.  PlumparL 

PIttmpe,  /.,  Plempe,  Plämpe,  Seiten- 
gewehr, Säbel. 

pittmpem,  plempern,  plUmpern,  plimpem, 

8?^,  giefzen,  im  Wasser  patschend 
spielen,  es  vergielzen;  hörbar  tröpfeln, 
plätschernd  tröpfeln;  giei'zend  und  mit 
Geräusch  regnen;  giefzend  mischen, 
mantschen.  Das  Ruder  plömpert^  wenn 
es  ins  Wasser  gesenkt  wird.  Kinder 
plimpem  in  der  Suppe^  indem  sie  diese 
schöpfen  und  wieder  aus  dem  Löffel 
plimpend  fallen  lassen.  Öm  Harwst 
plömpert  et  manchmal  von  bäwe  raf^ 
wat  vom  Himmelke  käme  kann,  Kgsbg. 
Firmenich  I,  101a.  Das  Bier  ist  ge- 
plümpert= getauft,  verdünnt,  mit  Wasser 
versetzt.  Zusammensetzungen:  abplifm- 
pem  (s.  d.),  beplttmpern,  begiefzen,  be- 
regnen. Die  hat  sich  gut  beplömpert^ 
nafz  gemacht.  verplOmpem,  vergielzen. 
Verplomper  nicht  so  viel  Wasser!  ver- 
plömpem,  verplempern  aber  auch  Geld 
verthun,  durchbringen.  Sichverplempem^ 
sein  Herz  verlieren,  sich  verlieben;  einen 
Fauxpas  thun:  eine  falsche  Karte  aus- 
spielen und  dadurch  den  Gewinn  ge- 
föhrden,  übereilt  aus  der  Schule  schwat- 


160 


Plön  —  pluddem. 


zen  etc.  Bei  Dorr,  65,  findet  sich  &r 
plampem  noch  die  Bedeutung:  im  Leibe, 
in  den  Gedärmen  rollen,  rumoren:  On 
ock  drink  ömmer  Schomper  (Schemper), 
Dat  deit  mi  om  Buk  romplömpem. 
Bock,  44.  Ilennig,  189.  Sper- 
ber, 35. 

Plön,  m.  1.  die  letzte  Garbe.  2. 
Emtestraufz,  Erntekranz.  Poln.  plon 
Ertrag,  Segen,  litt,  plönis  Ernte- 
kranz. Vgl  Hexspr.,  16,  3.  Kranz- 
bier, das  den  Überbringern  des  Ernte- 
kranzes zur  Stelle  gereicht  wird,  auch 
Emtemahlzeit,  Eniteschmaus,  Ernte- 
bier, Austbier.  Altpr,  M.  VIII,  70. 
Sperber,  39.  Nsslm.  Forsch.  2; 
Th.,  132. 

plDrren,  sw.y  plärren,  schluchzend 
weinen ;  lat.  plorare^  frz.  pleurer.    Vgl. 

blarren. 

PIOS,  Plose  (o  kurz),  /.,  plur.,  der 
besonders  gebräuchlich,  Plosen.  1. 
Fetzen,  Lappen,  Eodder  und,  wie  letz- 
teres, auch  altes  Kleidungsstück.  Er 
reifzt  ihm  die  Plosen  vom  Leibe^  zerrt 
ihm  an  den  Kleidern.  2.  dürftig  aus- 
gestattetes Stück  Federbett,  in  Danzig 
Pluchen  (W.Seidel,  33).  EPlosBett. 
Natangen.  Samland.  Vgl.  Nsslm. 
Forsch.  3;  Th,  132,  wo  die  Verwandt- 
schaft zwischen  Plosen  u.  Pluchen  nach- 
gewiesen, und  das  erstere  als  die  echt 
preufzische  ältere  Form  bezeichnet  wird. 

PWsch,  (?)  Stör  on  Fösch,  Wäter  on 
Plosch^  Plösch  on  Wäter^  Mus  on  Kater, 
Volksr.  149,  637. 

PlOSSen.  „Darumb  hab  ich.,,  dreier- 
ley  meylen  mimen  setzen^  sonsten  hette 
ich  einen  schändlicJien  phssen  gelegt. 
Hennenberger,  S.  9. 

PlOty  (?),  aasgehöhlter  Baumstamm, 
der  als  Kahn  benutzt  wird.  Tiegen- 
hof. 

PISter,   m,,   ärmlicher   Mensch.     Er 


ist  man  so^n  Floter.  Davon  piBt'rig, 
ad}.^  ärmlich,  elend.  Plotrig  sein  — 
sich  plotrig  machen.  PIDterei,  /.,  Ar- 
mut, Elend.  Da  herrscht  grojze  PZ5- 
terei.  plDtem,  si/?.,.  wie  ein  Plöter  leben, 
wirtschaften.     Tr  e  ich  el. 

PlOtZ,  971.,   S.    PlutZ. 

Plötz(c),  /.,  Leudscus  (jCyprinus^  ru- 

tilus.     Auch  Platz,  Pletz,  Pletze,  lit. 

bruiszis^  brunszis,  kur.  brunscha^  hrunsze^ 
mas.  kass.  ptotka,  ploc,  ploczieczka^  pto- 
cica,  Simon  Grünau,  Ti^act  I,  c(tp. 
III,  hat  im  Plural:  ploczenn.  Benecke, 
136.  Bujack,  394.  Schmitt,  108; 
Westpr.,  166.    Mühlin g,  Tiem.,  176. 

PIDtzentuch,  Pletzentuch,  Pletzentuch- 
garn,  pltd.  Fletzendok^  -^^^'^  w.,  auch 
Pletzenzug,  m.,  Abteilung  am  Flügel  des 
Herbstgarns  mit  Maschenweite  von  lern. 
Es  heii'zt  auch  Staggertuch.  Das  Pletzen- 
dooksgam  wird  von  der  schlechtesten 
Ueede^  auch  dicker  tote  das  übrige^  ge- 
spannen.  Bock,  Nat.  IV,  716.  Sper- 
ber, 25.    S.  Windegarn. 

PIDtzenzeug,  n,,  s.  PIDtzentuch. 

PlOtznetz,  n.,  a.  bewegliches,  Netz  zum 
Fang  von  Plötzen  und  ähnlichen  W^eifis- 
fischen,  aus  nur  einem  Flügel  und  einer 
Metritze  bestehend.  Es  heifzt  auch 
Drehnetz,  weil  der  Flügel  im  Kreise 
um  die  mit  einer  Pricke  befestigte 
Metritze  geführt  wird.  Lit.  suktinnis^ 
bristinnis,  Beschreibung  und  Abbildung 
in  Benecke,  344.  b.  Staknetz  ohne 
Gaddei^n,  lit.  bristinnis^  bruiszinnis. 
Benecke,  375. 

Pluchen,  plur.^  s.  Plos. 

Pludderhose,  /".,  Pluderhose,  weites, 
faltiges  Beinkleid.  Im  15.  Jahrh.  plo- 
derJiosen,  im  16.  u.  17.  Jahrh.  Bluder-^ 
Bioderhosen,  Weigand  II,  364.  Poln. 
pludry^  weite,  bis  auf  die  Ferse  gehende 
Hose.    S.  pluddem. 

pluddem,  sw,^  wellig,  bauschig  herab- 


pluddrig  —  plums. 


161 


fallen  und  dabei  rauschend  tönen.    Das 
Wa^&er  pluddert   aufs   Mühlrad,     Die 
wehende  Fahne  plttddert.  Die  pluddemde 
Hose,  s.  Plvdderhosen.    Davon  pluddrig, 
adj.,  lose,  weit;  von  Kleidungsstücken. 
Auch  abgetragene  Kleider  nennt  man 
pluddf'ig^  und  klingt  das  Wort  in  die- 
ser Bedeutung  an  Plunder  an.    In  wei- 
term  Sinne:  dünn,  wässerig.    Die  Suppe 
ist  pluddrig.     In  Bayern  plodem^  plu- 
dem  nicht  anschliefzen,  Falten  werfen; 
von  Kleidern.  Schmellerl,  334.  Nach 
Treichel    pludern    eine    Sache    ohne 
eigentliche  Aufmerksamkeit  behandeln. 
pluddrig,  adj.,  pludern,  sw.^  s.  das  vor. 
PlOm,  /.    1.  Pflaume.    2.  cunnus, 
PlOmeftp  (a  =  a),   m.^   Pflaumenaffe. 
Schimpfwort. 

plUmerant,  plVmerant,  blUmerant,  blü- 
merant, adj.,  unwohl,  schwindelig,  zur 
Bezeichnung  des  Zustandes,  in  dem  es 
bunt  vor  den  Augen  flimmert.  Mir  ist 
ganz  plümerant  vor  Augen  —  zu  Mute, 
mir  ist  es  „grün  und  gelb^  vor  den 
Augen,  ich  bin  einer  Ohnmacht  nahe. 
Von  dem  franz.  bleur-mourant  blaTzblau, 
wasserblau;  däu.  plumre  trüben,  trübe 
machen.  Bei  Danneil,  21a,  blomrant 
auch:  bunt,  blumenartig  gezeichnet. 

Plumpart,  Plompart,  m.   (von  plum- 

bumf).  Bleibe  doch  nicht  allein  bei 
einem  dickriechendem  Physischem  oder 
Plompartschen  Sphaerischen  Tracktat . . . 
Nun  bedencke  ein  Nachsinnender  Phy^ 
sicuSj  denn  auf  die  plumparts  sehe  ich 
nickt.    Linem.,  Pp  3a. 

Plumpe,  pltd.  Plomp,  /.  1.  Pumpe; 
Brunnen.     2.  s.  Pumpe. 

plumpen,  pltd.  plompe(n),  sw.^  pum- 
pen. 

Plumper,  pltd.  Plomper,  m.,  Pumper. 

PlUmper,  m.^  scherzhafte  Bezeichnung 
fär  einen  Fischer.  Von  plumpen,  in- 
dem der  Fischer  plumpend  die  Netze 

Ffitehbltr,  W6rt«rbacli  n. 


ins  Wasser  wirft,  oder  mit  der  Plumpe^ 
Pumpe  y  die  Fische  durch  Plumpem 
scheucht.  Ein  Fischer,  ein  Plumper, 
wann  er  nichts  fangt?  ein  armer  Stüm- 
per. Carm.  nupt  I,  292.  Vgl  Pum- 
pen. 

plUmpern,  sw.,  s.  pISmpem. 

Plumps,  m.,  plumps,  interf.,  s.  plums. 

Plumpsack,  Plumsack,  m.,   zusammen- 
gedrehtes Taschentuch,  worin  ein  fester 
Knoten  geknüpft  ist.    Mit  dem  Plump- 
sack wird   bei  den   bekannten  Spielen 
auf  die  Hände  geschlagen.    Der  Plump- 
sack geht  hei^um,  drum  kehr'  sich  keiner 
um!    Vgl.  die  Plumpsackspiele  in  den 
Volksr.,   174,    687  f.    Er   heifzt   auch 
Glumsack,  pltd.  Glomsack,  bei  Hennig, 
125,    wahrscheinlich    nach    Hermes, 
auch  Klumpsack.    Mir  ward  zuerkannt 
Klumpsack  zugeben  .  .  .  denken  Sie  selbst 
wie  sanft  ich  schlug.    Soph.  R.  lY,  249. 
Ebenso  in  Estland.    S allmann,  34b. 
Plumpschufz,  m.,   Masse,  Menge  von 
einer  Sache.     Einen  Plumpschufz  Höh 
in  den  Ofen  schieben.   Friedland  Ostpr. 
plumpsen,  sw.^  plumpen,  mit  dumpfem 
Geräusch  fallen,  namentlich  ins  Wasser. 
Ist  ein  JuS  ins   Wasser  gefallen, 
Hab'  ihn  hören  plumpsen, 
Wär^  ich  nicht  dazu  gesprungen, 
Wär^  der  JuX  ertrunken. 

Volksr.,  43,  164. 
In  Bayern    und  Schwaben  pflumpfen, 
pflumpsen.    Schmeller  I,  334.     Bir- 
linger,  96a.     Engl,  to  plump  in  the 
water. 

Plumpshecht,  m.,  schwimmendes  Stück 
Menschenkot,  das  ins  Wasser  plumpste. 
Königsberg.  Stammt  aus  der  Zeit,  in 
welcher  noch  öfiPentliche  Abtritte  über 
dem  Pregel  standen. 

Plumpstock,  m.,  s.  Pumpe. 

plums,    plumps,    interj.,    schallnach- 
ahmend, zur  Bezeichnung  eines  schwe- 
ll 


.V 


162 


Plomiar^  —  phirinchen. 


ren  Falles.  Plunu  da  lag  er!  Aach 
als  Substantiva,  welche  den  plampsen- 
den  Schall  aasdrücken:  der  Flums, 
Plumps,  Ebenso  zur  Bezeichnang  eines 
plötzlich  eintretenden  Ereignisses:  & 
ist  zwar  wa(h}r^  da/z  es  LAcht  werde^ 
ehe  die  Sonne  aufgehet:  Aber  das  Licht 
kan  nicht  der  Tag  genant  werden^  so 
man  nicht  plumbs^  weise  davon  reden 
wolle,     Linem.,  A3a. 

Plumsack,  m.,  s.  Plumpsack. 

Plunder,  m.^  wertloses  Gerät,  Zeug, 
Trödelkram.  Das  ist  man  alles  Plun- 
der.    Vgl.  das  folg. 

PlUnder,  pltd.  PiUnger,  Pllnger,  m.  u. 

/.,  gewöhnlich  nur  im  Plural  Plündern^ 
pltd.    Plündre,    Plüngre,    Hingre.     1. 
Lampen,  Hadern.    Koddre  on  Plündre! 
Ruf  der  Glocken  der  litauischen  Kirche 
in   Tilsit.     Volksr.,    269,   937  b.     Der 
Sammler  der  Plündern  ist  der  PlUnder-, 
Plinger-,  in  Westpr.   auch   Plinge-  und 
Plinkef Uhrer,    resp.   -leser;   er   sammelt 
suchend  riündem,  oder  tauscht  sie  ge- 
gen   bleierne    Ringe,    Schmucknadeln, 
kleine  Bilder,  Planeten  u.  a.  unbedeu- 
tenden  Kram  ein,    mit  dem    er   auch 
gegen    bar   handelt.     Nach   Treichel 
nennt  man  diese  hausierenden  Krämer, 
namentlich  wenn  ihr  Geschäft  über  die 
Plündern  hinaus  sich  auf  Eier,  Butter 
und  Hühner  erstreckt,  in  Westpr.  KTpen- 
kerls,  weil  sie  ihre  Ware  in  einer  Ktpe 
führen;   auch   Schatomiks.     Schatomik 
ist  offenbar  poln.  Ursprungs,  durch  das 
Wb.  vonMrongov.  aber  nicht  nach- 
weisbar.    Ist  der  Hausierer  ein  Jude, 
so  heii'zt  er  Plunder-  etc.  Jude,  welcher 
Name  zugleich  Schimpfwort  auf  jüdische 
Kleinhändler  ist.    Hin  und  wieder  nennt 
man   den   Lumpensammler    auch  PlUn- 
dermatz.  ImBrem.  Wb.  lU,  345:  Hun- 
nen; bei  Schütze  HI,  222:    Plünnen. 
2.  Kleider.    Die  Plündern  kosten  Geld. 


Vgl.  Kodder.  Weitere  Zasammensetzon- 
gen:  PlOnderltse,  /.,  in  Kleidern  ab- 
gerissenes Frauenzimmer.  PlOnderpiin- 
gel,  n.,  Pungel  (Bündel)  mit  Plündern, 
mit  wertlosem  Kram.  PKtiidersellery  m., 
Trödler,  der  mit  Plündern^  mit  alten 
Kleidern,  handelt.  YgL  Seiler.  PiUnder- 
staaty  m,y  Planderstaat,  Flitterstaat,  wert- 
loser Putz.  In  gleichem  Sinne  auch  PIDn- 
derwerky  n.  Vgl.  Prachersiaat  Alle  Zu- 
sammensetzungen auch  mit  Plünger  und 
PUnger. 

Plundrigkeit,  /.,  Lumperei,  lumpiges 
Wesen. 

Plunk,  m.y  verwandt  mit  Münder, 
Plunder,  Plünderwerk.  Deine  Kleider 
sind  lauter  Plunken,     Saalfeld. 

Plunschy  m.,  s.  Plurksch. 

pluppem,  sw.,  plätschern,  pantschen. 
Es  pluppert  im  Teich,  Der  erste  Wäch- 
ter ho9't  etwas  pluppem  im  Teich  und 
eilt  hin,  zu  sehen,  was  da  pluppert  Aus 
einem  Volksspiel. 

Pluraffe,  m,,  finsterer,  heimtückischer 

Mensch.    Vgl  PITraffe  u.  PITrauge. 

PlUre,  /.,  plUren,  sw.  etc.,  s.  PITre  etc. 

plOren,  sw.,  greifen,  fassen,  zausen. 
VaudeFritz,  deivmssd*  tau plure(: Bure), 
Wo  Noth  e  detj  brauv  i  de  Hau  (Haar). 
Flatow.     Firmenich  I,  120a. 

Plurksch,  9n.  I.  schallnachahmend:  das 
Klatschen  einer  mit  kurzem  Schwünge 
weggegossenen  Flüssigkeit;  GuCz  der 
Entleerung  beim  Durchfall,  RegenguTz, 
poln.  phisk.  Lit.  plurziti  pladdern, 
plurszkejimas  Durchfall.  Er  giefzt  einen 
Plurksch  Wasser  in  den  Kessel.  Das 
war  ein  guter  Plurksch,  ein  tüchtiger 
(Regen-)  Gul'z.  2.  schlechter  Kaffee, 
dünnes  Bier,  fades  Getränk  überhaupt, 
wert,  mit  einem  Plurksch  weggegossen 
zu  werden.  Nach  Mühling  Plurks, 
nach  Sperber,  43,  auch  Plunsch. 

plurkschen,  sw.    1.  giefzen  mit  einem 


pluschen  —  Poch. 


163 


Flurhch.  2.  mischen,  mantschen,  mit 
Wasser  versetzen.  Das  Bier  ist  ver- 
plurhcht.  verpiurkschen  auch  vergiel'zen. 
3.  stark  regnen,  so  dafz  die  grofzcn 
Tropfen  hörbar  aufschlagen.  Das 
plurkscht  gut 

piuschen,  sw.^  nach  Bock^  44,  s.  v.  a. 
plengen^  also  schänden,  klatschen  etc., 
nach  Hennig,  189,  unordentlich  ver- 
worrenes Zeug  reden,  also  unüberlegt 
schwatzen.  Lit.  plüdza  Schwätzer, 
plüdzUy  plüsti  und  pluszkiü^  phiszkiti 
schwatzen,  poln.  plot§^  plesi.  Nsslm. 
Forsch.  3;  Th.,  132.  Hingewiesen  sei 
auf  hchd.  plauschen^  vertraulich  kosen, 
wie  das  Liebende  thun,  das  ich  in  den 
mir  zugänglichen  Wörterbüchern  nicht 
finde.  In  einem  Männergesange,  der 
ein  Liebespärchen  und  einen  Horcher 
vorführt,  spricht  letzterer:  Mufz  doch 
lauschen^  was  sie  plauschen! 

pluserig,  adj.y  zottig,  aufgeraucht 
Mühling.  Ebenso  in  Liv-  u.  Estland. 
Hapel,  174. 

plustern,  plOstern,  sw.  1.  zausen, 
reil'zen,  zerreii'zen,  in  Unordnung  brin- 
gen; also  ähnlich  wie  pltsem.  Der 
Wind  plustert  das  Dach,  Davon  ab- 
plustern,  kratzend  abreii'zen:  den  Schorf 
von  der  Wunde  etc.  In  Bremen  beim 
Durchsuchen  verwirren.  Brem.  Wb.  HI, 
347.  In  Estland  plustern  zerzausen, 
zerwühlen;  ausgelassen  tollen.  S all- 
mann, 38a.  S.  auch  Danneil,  158b: 
phisn  u.  plustern.  Nach  Marold  plu- 
stern von  den  Vögeln,  wenn  sie  ge- 
räuschvoll mit  den  Flügeln  herumarbei- 
ten. 2.  beschwerlich  waten.  Mühling. 
3.  im  Bade  plätschern  und  schnaufen. 
Friedland  Ostpr.  4.  »ich  plustern^  von 
Vögeln,  die  sich  in  den  Fedefti  auf- 
daunen,  s.  aufplustern. 

plustrig,  adj.^  aufgeblasen,  aufgedaunt. 


aufgebauscht.  Plustriges  Schöpsenfleisch 
—  plustrige  Vogel  —  plustrige  (wirre) 
Haare.  Ein  stark  gesteiftes  Kleid  sitzt 
plustrig. 

Piutz,  Piotz,  m.  Etwas  auf  den  Mutz 
thun  —  machen^  es  augenblicklich,  ohne 
Verzug  und  Aufschub  ausfuhren.  De 
Medeztn  pleggt  op  em  Plutz  to  helpe^ 
auf  der  Stelle,  sofort.  £^  geschieht  alles 
auf  den  Plutz^  im  Augenblick.  H  kam 
mir  auf  den  Plotz,  in  der  Eile,  Ge- 
schwindigkeit. Dieses  Beispiel  bei  Hen- 
nig, 333;  heute  hört  man  fast  aus- 
schliel'zlich  Plutz,  Mühling  hat  noch 
Blutz  und  verweist  auf  das  verwandte 
Blitz,  Hotz  mit  Schall  aufschlagender 
Fall,  der  geschwind  und  unerwartet, 
im  Augenblick  kommt  und  einen  Augen- 
blick währt.  Das  Wort  ist  der  Stamm 
von  plötzlich.  Vgl.  Anton,  11,  12. 
WeigandH,  363. 

plUtzig,  adj.^  nach  Bock,  44,  und 
Hennig,  189,  s.  v.  a.  klitschig  und 
plautzig. 

piOzig,  adj.,  s.  plautzig. 

Pobethen,  Ortsn.,  Kirchdorf  im  Kr. 
Fischhausen.     Spott:  s.  Kragau. 

Pobitzke,  /.,  kleineres  Weichselfahr- 
zeug. Von  dem  poln.  pcbitka  Regen- 
dach über  einem  Flulzfahrzeuge.  Vgl. 
Gefäfz. 

pSblig,  adj,^  pöbelhaft,  grob,  unge- 
schliffen. Ist  das  ein  pobliger  Mensch! 
Treichel. 

Poborren,  plur.^  Steuern,  bei  Hart- 
wich, S.  51,  Brotgelder.  Von  dem  poln. 
pobor  Steuer,  Abgabe. 

Poch,  Pochel,  Pocher,  n.,  Lockruf  und 
Name  für  das  Schwein,  Pochel  beson- 
ders für  das  Ferkel;  für  dieses  auch 
Pochla.  Ermland.  Angerburg.  Sam- 
land.    Vgl.    Volksr.,   64,   242c,     Vgl. 

Posch. 

11* 


164 


pochwollerig  —  Pogegen. 


pochwollerig,  adj,^  roh,  lärmend,  grob. 
Schemionek,  28.  Poln.  pochwaika 
eine  ausgestofzene  Drohung. 

Pockensteiriy  m.,  Stein  von  verschie- 
dener Farbe  mit  pockenartigen  Enöpf- 
chen.    Vgl.  Bock,  Nat  II,  370. 

Pock(e)ramsche,  /.,  fingierter  Name 
f&r  ein  klatschsuchtiges  Weib,  für  ein 
Weib,  an  das  man  unbrauchbare  Ar- 
beiter weist.  Du  kannst  tdr  Pockramsche 
gane.     Königsberg. 

Poddente,  /.,  Pfütze.  Danzig.  W. 
Seidel,  33.  In  den  GMomsm.  Podente. 
Nach  Schemionek,  28,  Podempd 
Sumpf,  Pfütze,  Podronp  Dümpel,  Mist- 
pfutze. 

Ptddik,  Puddik,  m.,  Pudding.  Hen- 
nig, 189. 

Podest,  m.,  der  Auftritt  an  den  Fen- 
stern.    Gedanitm.     W.  Seidel,  33. 

PodtR,  in.,  Dem.  PodTlttke,  das  Eisen- 
band, welches  die  beiden  Homer  der 
Zocke  verbindet:  nach  den  N.  Pr.  Prov.- 
Bl.  XL  74,  Pydiemke  das  kleine  Elisen 
am  Hom  der  Pflugschar.  NachMielcke 
Wb. IL  372b,  lit.  podym^  Pflug :  Nsslm. 
Th ,  133,  erklart  dies  Wort  jedoch  für 
nicht  litauisch,  sondern  als  wahrschein- 
lich aus  der  altpr.  Sprache  eingedrun- 
gen. In  dieser  ist  pedan  (Voc.  245) 
Pflugschar.     Vgl.  Zoche. 

Pwilnke,  in.,  s.  PadMce. 

Podhikenstock,  m.,  findet  sich  ohne 
Erklärung  in  Nsslm.  Wb.,  294b.  Viel- 
leicht   die  Zunge   worin    das   PodÄmke 

hingt. 

PodtakenstridL  m..  s.  r.  a.  PödimkHte^ 
aas  einem  Strick  bestehend. 

PpdtaMte.  f.,  Kette^  Tom  I\>dtm  aus- 
gehend und  die  Gabel  mit  dem  2!oci' 
bäum  Terbindend.  Sie  hingt  in  der 
Zunge.    Vgl  ZmIl 

PtdiMie,  f^  Rauchfuigssteuer:  ehe- 


mals in  WestpreuTz.  üblich;   aus  dem 
gleichbed.  poln.  podymne.    Mühling. 

Poding,  m.,  eiserner  Halter  des  Streich- 
brettes an  der  Zoche  (s.  d.). 

PodTnke,  m.,  s.  Pudtnke. 

PodlHzen,  plur.^  Borten,  Troddeln  am 
Kleide.  Russ.  podol^  poln.  podoUk^  pan 
doteky  böhm.  podolek  Saum  des  Kleides, 
Kockschofz.  Nsslm.  Forsch.  3;  Th., 
134.  Podlitzenmacher,  j9&ir.,  firuhere  Be- 
zeichnung für  die  Bortenwirker,  Posa- 
mentiere, welche  die  von  den  Polen  zu 
ihren  Kleidern  gebrauchten  SchnCLre 
und  Troddeln  verfertigten.  Dzg.  W. 
Seidel,  33.    YgL  PeUHzen. 

podöisch,  adj,,  s.  paddbdi. 

Podromp,  m.,  s.  Poddente. 

Podwod,  /.,  Scharwerksdienst,  Frohn- 
fuhre.  Dzg.  Werder.  W.  Seidel,  33. 
Nach  Klein  n,  61,  eigentlich  Vor^ 
spann,  welchen  in  Polen  die  Edelleute 
und  Bauern  bei  Extraposten  geben 
müssen  (muTzten);  daher  denn  fiber- 
haupt  auch  Frohndienst,  wie  in  Flatow. 
Schmitt,  108.  Poln.  und  russ.  pod- 
u>dda  Frohnfnhre,  Vorspann,  Spann- 
dienst Nsslm.  Forsch.  3;  TL,  134. 
HupeU  175.  Podux»d  an  Scharwerk 
körd  stradts  op.    Seelenw.,  105.     VgL 

Robot 

ptdwroden,  nr.,  von  Podwod,  Vorspann 
geben,  Frohndienste  leisten.  Klein  II, 
t>2:  podu>odden.    Vgl.  scharweiteii. 

?MLnM,m.  I.Pöbel.  Erl.  Pr.II, 
321.  Hennig.  189.  Auch  GepAM. 
Bei  Jeroschin  pocä.  do  wart  dazpo^ 
ril  zechen  f'^f  kirr  lS6h.  Pfeiffer,  206. 
In  Bayern  IhfeL  Pdfei  für  popuba. 
Seh  melier  I,  279.  2.  Ausschuiz, 
schlechte  Ware.  Daron  pifeif,  pölüg, 
adj, 

PMoL  VI.,  s.  PMoL 

Ortsn..  Dorf  im  Kr.  Tilsit 


Pogge  —  Pogiften. 


165 


ön  Pagege^  wo^t  apdd  dagt  Wenn  de 
Folomper  bottem^  denn  dägt  et  Sn  Po^ 
gäge:  Polompen^  Dorf  bei  Wilkischken 
im  Er.  Tilsit,  liegt  östlicher  als  Po- 
gegen. 

Pogge,  /.  1.  Frosch;  nach  Mühling 
in  manchen  Gegenden  auch  die  Kröte. 
Die  Poggen  haben  das  Wassei*  ausge- 
soffen^  wenn  iu  der  Wassertonne  das 
Wasser  ausgegangen  ist.  Wenn  die  Pog 
getreten  toird,  so  quarckt  sie.  Stein, 
Peregrinus  XII,  119.  W.  Mtsbl.V,  192. 
De  Pogg*  kroggt  Oge^  ein  Schweigender 
spricht  endlich,  ein  Langweiliger  wird 
munter.  Ängsi  dl  nich  ver  e  Pogg^  äs 
6k  e  Vägely  äwer  ane  Zdgel,  Sprw.  I, 
2964.  Das  Wort  ist  ursprünglich  fin- 
nisch-estnisch: poeg;  von  hier  über- 
kamen es  die  Schweden  (poike  Knabe, 
Bursche,  pige  Mädchen),  dann  die  Dä- 
nen (pog^  und  Engländer  (bot/^  für  Ko- 
bold Puck)]  dahin  gehört  auch  das  lit. 
pükis  Kaulbarsch  und  Kobold,  und  das 
altn.  püki  böser  Geist.  Passarge, 
handschr.  Als  m,  auch  im  westfälischen 
Hessen  und  in  Westfalen.  Vi  1  mar,  305. 
2.  kleiner  Mensch;  vgl  das  schwed. 
paike.  Von  einem  stolzen  Menschen, 
der  sich  brüstet,  sagt  man:  Er  pfrscht 
sich  wie  eine  Pogge.  Hennig,  190.  3. 
Geschwulst  am  Unterleibe  tragender 
Kühe  und  Stuten.  Auch  nennt  man 
die  Krankheit  des  Bindviehes  so,  bei 
welcher  der  Leib  stark  aufbläht.  Rate- 
formeln gegen  die  Pogge  s.  Hexspr., 
80  f. 

Poggenftst,  im  Ermlande  Poggenfeist, 
m.j  Zusammensetzung  aus  ftsten  und 
Pogge,    1.  Froschlaich.    2.  Bovist    Vgl. 

Paweffst 

Poggenfufz,  pltd.  PoggefOt,  m.,  ein 
kleiner,  unansehnlicher  Mensch.  Kuhm 
had  eck  dat  gedocht,  so  quam  en  Pogge- 


foih^  de  haud  mie  vor  den  Barth,  Carm. 
nupt,  IV,  324d.  De  Dtwel  sull  se  häle^ 
De  öle  Pogge föt.  Volksr.,  238,  840. 
Vgl.  Pogge  2.  In  Hamburg  und  im 
Holsteinschen  Paje/oot  einer,  der  mit 
breiten  Fül'zen  weite  und  langsame 
Schritte  thut.  Richey,  180.  Schütze 
m,  187.     Hennig,  190. 

PoggengraSy  n.y  Krötenbinse,  Juncus 
bufonius  L,    Hagen,  385. 

Poggenhechty  m.,  Märzhecht.  Müh- 
ling. 

Poggenknie ,  Pflzn. ,  ausdauernder 
Knäuel,  Scleranthus  perennis  L.  Na- 
tangen. 

Poggenlaichsalbe.   pltd.   PoggelTksalw, 

Medik.,  ünguentum  cerussae. 

Poggenpfuhl,  m.,  StraCzenname  in  Dan- 
zig,  auf  die  frühere  schlechte  Beschaffen- 
heit hinweisend,  schon  1368  in  einer 
Verschreibung  erwähnt.  Löschin,  45. 
Hirsch,  21. 

Poggenritzer,^.,  stumpfes,  abgebrauch- 
tes Messer.  Mar o Id.  In  Friedland 
Ostpr.  Poggenschlitzer. 

Poggenschalen,  plw.^  Muschelschalen, 
die  man  im  Kies  findet  und  die  aus 
zwei  fest  aufeinanderliegenden  Klappen 
bestehen.     Marold. 

Poggenschnodder,  m.,  Schnodder  (s.  d.) 
der  Poggen,  Froschlaich.    Vgl.  Poggen- 

ffst 

Poggerams,  (?),  „saures  Essen,  so  man 
den  Tag  nach  gehaltenem  Schmaus 
vorzusetzen  pflegt.^  Hennig,  190. 
Wohl  aus  dem  lit.  pdgirios  der  Nach- 
rausch, die  Unbehaglichkeit  infolge 
eines  Rausches,  pagiriomas^  adj,^  im 
Nachrausche  befindlich.  Kurschat, 
lit.-deut8ch.  Wb.,  285b.  Poggerams  ist 
also  ein  „Kateressen^. 

Pogiften,  Pugiften,  Pogifken,  plur.  Bis 
in  die  Pogiften  etc.,  bis  zum  äufzersten. 


16ß 


Pogitschken  —  Polk. 


Der  Berliner  sagt:   Bü  in  die  Puppen! 
Sprw.  I,  2966.    Sperber,  46. 

Pogitschken ,  plur, ,  Johannisbeeren , 
ÄÄM  rubrum  L.  Fr.  Prov.-Bl.  XXVII, 
10.    Poln.  porzeczka, 

Pojatz,  m.,  s.  Pajatz. 

Pojauter,  m.,  s.  Plikauter. 

Pök,  Pökerling,  m.,  kleiner  Stofzdegen^ 
Dolch.  Es  soll  kein  Scholar  keine  Wehr^ 
es  sey  Schwerdt^  Dolc\  Pok^PokerUng  etc. 
tragen.  Fundat.  acad.  leg.  1541.  Hen- 
nig, 190.  Holl.  pook 'Dolchy  IaI.  pugio. 
In  Hessen  Pok  jetzt  stumpfes  Messer. 
Vilmar,  305.  In  Hamburg  und  Hol- 
stein p($X:«n  stechen,  eine  Wunde  stechen, 
daher  PSk  auch:  Stich,  Wunde.  Ri chey, 
190.  Schütze  III,  226.  Im  Braun- 
schweigischen  ist  Pook  auch  ein  schwa- 
cher, unvermögender  Mensch.  Brem. 
Wb.  m,  349. 

pSkem,  sw.^  s.  pfikem. 

Pokulks,  Pokuls,  9n.,  s.  Pakulks. 

P6I,  pltd.  Pal  (a=»^/)»  ^'j  Dem.  Polchen, 
pltd.  Pdlke,  das  Innere  der  Pflanze,  der 
Blattei"-  und  Blutentrieb.  Piepke,  Piepke, 
^rad!  (gerate)  mi,  Ock  schld  di  op  din 
PahUce,  beim  Klopfen  des  Weidenastes 
zur  Pfeife.  Volksr.,  61,  237.  Vgl.  Herz- 
polchen. 

PSIchen,  n.,  s.  Pälke. 

Poiek,  m.,  s.  Polk. 

Polen,  n.  Das  Nachbarland  Polen 
tritt  mehrfach  auf  in  despektierlichen 
Redensarten:  In  Polen  ist  nichts  zu 
holen.  Hier  ist  Polen  offen^  in  einer 
schlechten  Wirtschaft;  besonders  von 
einem  schlechten  Wege.  Schemionek, 
29,  hat  diese  Redensart  als  Ausruf  der 
Freude,  wenn  etwas  wieder  in  Gang 
kommt;  auch  in  der  Niederlaus,  zeigt 
dieselbe  an,  daiz  eine  aufgeregte  Stim- 
mung verbreitet  ist,  bei  Freude  oder 
Schrecken.     Erinnert   an    die    Ausge- 


lassenheit und  ZOgellosigkeit  der  pol- 
nischen Reichstage.  Anton,  11,  12. 
Dat  OS  wi  on  PäUy  wo  de  olste  Lus  op 
em  Awe  sött^  e  Ptp  Toback  rokt  on  Uh- 
sitt^  wt  Streu  gemakt  ward.  Sprw.  I, 
2967  f.    Vgl.  Pollack. 

Polink,  VI.,  s.  Polk. 

Pohtsch,  Palltsch,  /'.,  das  über  dem 
Reithorn  aufwärts  gekrümmte  Streich- 
brett, von  Eisen  oder  Ahornholz,  an 
der  Zoche;  lit.  palyczia.     Ygl.  Zoche. 

poittsch,  a(^'.,  politisch,  schlau,  gewitzt, 
gerieben,  pfiffig,  verschlagen.  Das  ist 
ein  polttscher  Racker.  Schrtwe  on  rrkne 
nuscht,  awer  pollisch.  In  Bayern :  höf- 
lich, fein,  auch  polizeilich.  S ch  mel- 
ier I,  280. 

Polizeiaugen,  plur.,  grofze  Schaum- 
blasen auf  dem  Bier.  Das  Bier  hat 
Polizeiaugen.     Sprw.  I,  356. 

Polk,  Polke,  /.,  Poiek,  Pollak,  Polling, 

Pollink,  m.,  Neige,  Rest,  besonders  der 
im  Krage  gebliebene  Rest.  Wenn  ein 
Preufz  die  Polk  austtnnkty  er  soll  zum 
ersten  vom  frischen  trinken.  Landes- 
Ordg.  des  Hochm.  Siegfried  von  Feucht- 
wangen. Hennig,  190.  Vgl.  Trink- 
recht. Pollakj  wohl  durch  willkQrlicli 
eingeschobenes  a  aus  Polk  gedehnt,  ist 
speziell  der  unverbrannt  gebliebene  Ta- 
bakrest im  Pfeifenkopfe.  Polling,  Pol- 
link  =  PoVc ,  doch  auch  in  erweiterter 
Bedeutung  das  letzte  Kind  in  der  Fa- 
milie. Da  liast  du  den  Polling,  wenn 
man  einem  das  letzte  Stückchen  des 
Brotes  etc.  reicht.  Es  ist  unser  Polling, 
unser  letztes  Kind,  dem  wohl  keines 
mehr  folgt.  Letztere  Form  schliel'zt 
sich  auffallend  leicht  an  das  altpr.  po- 
linka  er  bleibt,  polgnku  sie  bleiben 
(im  Katech.)  an;  der  Infin.  lautet  im 
Katech.  polaikt,  gedehnt  aus  polikt. 
Diesem  preufz.  polikt  entspricht  lit.  pa- 


/ 


polk  —  polnisch. 


167 


llkti^  lett.  palkkt^  daraus  bildet  sich  lit. 
pälaikasy  lett.  pcUiks,  paleeks  Rest^  Über- 
bleibsel, lit.  palMcüj  paDk^  Waise.  Aus 
diesen  Wörtern  oder  ihrem  preufzischen 
Äquivalent  konnten  sich  mit  Elision 
des  %  sehr  leicht  die  Formen  PoUc^ 
Polke  bilden.  Nsslm.  Forsch.  2;  Th«, 
136.  Vgl.  Pierson,  Lit.  Aeq.,  20; 
A.  W.,  34.  Auch  in  Bayern  (Franken. 
Rheio)  ist  der  Föläk  Überrest  eines 
Trunkes  im  Glase.  Schmeller  I,  280. 
poik,  adv.y  vollends,  vollständig.  £}r 
zerbiHcht  den  (bereits  geknickten)  Stock 
polky  ganz  und  gar.  Vef'darw  dl  de  Oge 
nich  polk.  Hei  öa  polk  verdorwe^  er  ist 
ein  Taugenichts.  Et  dürd  nich  lang^ 
80  wurd  öck  polk  ok  alles  loa.  Cami. 
nupt  I,  282,  1.  In  gleichem  Sinne  auch 
polling(k).  Jis  ist  polling  auf^  es  ist 
alles  aufgegessen.  Der  Strick  zerreij'zt 
polling.  Etwas  polling  machen,  es  voll- 
ständig machen,  vollenden.    Vgl.  Polk. 

Polke,  /.,  s.  Polk. 
PVIke,  7n.,  s.  Pälke. 

polken,  sw.y  pellend  ab-  oder  heraus- 
ziehen. Sich  in  der  Nase  polken  — 
den  Schorf  von  der  Wunde  polken,  aö- 
polken.     Treichel.     Vgl.  pOlen. 

PolkSy  m.,grolzer Klacks  (s.  d.).  Trei- 
chel. 

Pblly  /.,  uDverhältnismäi'zig  groizes 
Trinkgefalz,  z.  B.  Schussel  statt  Tasse. 
Schemionek,  29. 

Pollack,  Pollak,  m.  1.  Pole,  meist  in 
verächtlichem  Sinn.  Moder,  wenn  de 
PoUak  keine  Wittönne  mer  schockt^  motte 
wi  alle  op  Stromp  on  Stel  käme,  Kö- 
nigsberg.  Firmenich  1,  101b.  Ock 
kofd*  (kaufte)  se  (die  Pfanne)  vo7n  Pol- 
lacke.  Volksl.,  56,  38,  2.  Die  Polen 
brachten  in  früheren  Jahren  irdenes 
Geschirr,  das  für  vorzüglich  gehalten 
wurde,  auf  ihren  Wittinncn  nach  Königs- 
berg.   E  Pollack   blöwt  e  Pollack   on 


wenn  hei  bet  Möddag  liggt,  dem  Polen 
ist  nicht  zu  trauen.  Scheifs^,  Preufz, 
Pollack  frifzt  alles,  zur  Bezeichnung  un- 
aufrichtiger Devotion.  Masuren.  Sprw. 
I,  2973.  3008.  2.  eine  Art  Schnupf- 
tabak. 3.  verkohlter  Tabakrest  im 
Pfeifenkopf,  s.  Polk. 

Poile,  /.,  Stütze  an  der  Schanzklei- 
dung der  SchifiPe,  woran  man  die  Taue 
befestigt. 

PWIe,  Pille,  /.,  Dem.  PöUke,  Piüke, 
bauchige  Kanne.  E/r  hat  die  Pölle  im- 
mer vor  sich  stehen,  er  liebt  den  Trunk. 
Wie  faake  hebb  öck  da  ma%ch  Pöllke 
Beer  gesaape.  Cm^m.  nuptl^  282,  1. 
Ilennig,  191,  weist  für  die  Ableitung 
hin  auf  das  lit.  pillu  ich  giel'ze,  fülle 
ein.    Bock,  45.     Vgl.  Pulle. 

Pollholz,  n.,  Zopfholz,  Yon  PoU,  PoUe 
Kopf,  Zopf,  Wipfel.  Brem.  Wb.  III, 
351.  Auch  PollsOrenholz,  wipfeldürres 
Holz.  Mühling.  In  Hamburg  soor 
dürr,  trocken,  saftlos;  hoU.  zoor.  Ri- 
chey,  279. 

Polling(k},  m,,  pollng(k),  adj„  s.  Polk 
u.  polk. 

Pollschäwer,  m.  u.  n.,  poil  de  chhriy 
ein  Kleiderstoff. 

PollsOrenholz,  n.,  s.  Pollholz. 

polnisch,  pOlsch,  adij.^  auf  Polenart, 
ebenfalls  wie  Polen  in  verächtlichem 
Sinne:  polnisc/ie  WirUduxft,  polnische 
Sauwirtschaft  Mit  polnischem  Ab- 
schiede weggehen,  ohne  Abschied,  oder 
mit  Hinterlassung  von  Schulden  sich 
in  der  Stille  davon  machen.  Hennig, 
5.  Sprw.  I,  18.  Polnische  Butter, 
Salz;  gequetschte  Kartoffeln  mit  Zwiebeln 
gemischt.  Polnischer  Hecht,  polnisches 
Butterbrot,  Brot  mit  Salz  bestreut.  In 
Masuren  ist  polnisch  =  katholisch,  im 
Gegensatz  zu  deutsch  =  evangelisch. 
Im  pölschen  Bogen  berechnen,  nach  un- 
ge&hrem  Überschlage,  obenhin,   ober- 


168 


Polt  —  Ponjer. 


flächlich  berechnen,  zu  viel,  falsch 
rechnen.  Wohl  korromp.  aas  Bausch 
und  Bogen,  In  Bayern  polüch  =  pol- 
nisch, seltsam,  sonderbar:  Das  kommt 
mir  polüch  voi\    Schmeller,  I,  280. 

Polt,  Polte,  m.  Vom ,  Leopold. 

PSIty  /.,  Schaufel  zum  Ausschöpfen 
des  Wassers  aus  den  Fischerböten ; 
auch  ösfafz.     Samland. 

Polterkammer,   pltd.   Bullerk&mer,  /, 

Kammer,  Raum,  zur  Aufbewahrung 
alten  Gerätes,  Rumpelkanmier.  Holt 
man  einen  Gegenstand  aus  derselben 
hervor,  so  ist  das  ohne  Gepolter  kaum 
anganglich.    S.  GerSllkammer. 

pomade,  adv,,  pomadig,  adj.  u.  adv,, 
gemächlich,  langsam;  von  pomale 
(s.  d.). 

Pomager,  m.  1.  Hilfsarbeiter:  Ar- 
beiter im  Stall  zur  Unterstützung  des 
Kutschers.  W.  Seidel,  33.  Klein 
n,  63.  Brennknecht.  Schmitt,  108; 
Westpr.,  166.  Brauknecht.  Poln.  po^ 
magac^  russ.  pomogäi  helfen,  unter- 
stützen. Nsslm.  Forsch.  3;  Th.  137. 
2.  nach  Bock,  45,  Knicker,  Knauser, 
Grützzähler.  3.  nach  Hennig,  191, 
eine  Art  Seefisch.  Wohl  Verwechselung 
mit  PomucheL  Vgl.  Nsslm.  Forsch.  3: 
Pomucliel. 

pomäle,  adj.  u.  adv.^  von  dem  poln. 
pomalu,  langsam,  gemach,  allmählich, 
sachte,  sanft,  schonend.  Nur  pomale^ 
nur  gemach,  nicht  so  hitzig!  QehnSie 
aho  ganz  pomale  zu  werk.  Soph.  B. 
VI,  370.  Dat  mardionsche  Veeh  (ein 
Hase)  schoof  ganz  pomale  de  Eingerpoot 
ut  der  Schling  herut  Dorr,  Driew- 
jagd. 

Pommel,  /.,  s.  Pftmel. 

PommerSnke,  m.,  ein  Pommer,  meist 
mit  dem  Nebensinn  eines  praktisch 
klugen  Menschen;    doch  auch  zur  Be- 


zeichnung eines  dummen  Menschen. 
Treichel. 

pommem,  »w.^  bitten,  betteln.  Pommer 
nich  ömmef^  weg.     Samland. 

Pomöchel,  m.,  Dorsch,  s.  DDsch. 

PomOkes.  plur.,  lustige  Streiche,  über- 
mütige Einfälle.  He  bringt  ere  Pomokes 
§n  Schumng.  Dorr,  1.  Wiew.,  63.  S. 
BomOchen. 

PompbUxen,  /.,  s.  PumpbUxen. 

pSmpeln,  8w.^  s.  pimpeln. 

Pompex,  m,  allitterierender  Scherz- 
name: Paul  Peter  Pompeji.  Königs- 
berg. 

Pomüchel,  m.,  Dorsch.  Westpr.; 
poln.  pomuchla^  lit.  pomükelis.  S. 
DSsch. 

Pomuchelskopf,  m.  1.  Dorschkopf. 
Er  glänzt  wie  ein  Pomuchelskopf  im 
Mondschein.  Sprw.  1,1281.  2.  Dumm- 
kopf, Dickkopf.  Efi'  ist  ein  rechter  Po- 
mtichehkopf  —  ist  so  dumm  wie  ein 
Pomuchelskopf.  Sprw.  I.  647.  Im 
nördlichen  Norwegen  bezeichnet  man 
einen  Dummkopf  mit  den  Worten:  Han 
er  en  Torsk.  Schmidt,  Bilder  aus 
dem  Norden.  Jena  1851,  193.  3. 
Spitzname  für  die  Danziger.  Auf  Dan- 
zigs  frühes  Emporkommen  scheint  der 
Dorsch  nicht  ohne  Einflujz  gewesen  zu 
sein^  und  die  Scheelsucht  der  Nachbarn 
mag  wohl  den  Provinzialnamen  desselben 
Pomocliel  zum  Schimpfnamen  für  die 
Bewohner  gestempelt  haben.  Bnjack, 
344. 

Pomuchelstelne,  plur.^  Kopfknochen 
des  Dorsches,  die  früher  zu  nieder- 
schlagenden Pulvern  angewandt  wurden. 
Bujack,  396,  Note. 

Pomuggel,  m,  Pomuchel,  s.  DDsch. 

Ponjer,  m.  1.  Mensch,  der  nicht  das 
richtige  Auskommen  hat.  2.  unvoll- 
ständiges, unbrauchbares  Ding:  ein  ab- 


Ponke  —  pörten. 


169 


gebrochenes   oder  stumpfes  Messer  ist 
ein  Ponjer, 

Ponke,  n.,  cunnus,    Jerrentowitz. 

POpel,  m.,  s.  NasenpOpel. 

pOpeln,  8w.  1.  mit  den  Fingern  in 
der  Nase  wühlen.  2.  coire.  Sperber, 
25. 

Pop^gelchen,  n.,  s.  Pap^ngelchen. 

pOplig,  adj,^  ärmlich.  PSplig  ange- 
zogen.    Treichel.     Vgl.   pSflig   unter 

Pöfel. 

Popo,  911.,  Podex.  Ich  hau^  dir  den 
Popo  voll!  Kann  der  nicht  auf  seinem 
p.  0.  po  sitzen^  der  alte  schwache  Mannf 
Soph.  R.  VI,  137.  Nach  Treichel 
auch  POx. 

Popplickpfiaster,  n. ,  Medik.  ,£^p/a8^*um 
cerussae. 

porat,  adv,  s.  parat 

Porbe,  /.  Nach  Simon  Grünau  ein 
Fisch  in  Preufzen:  die  Barbe,  Barbus 
ßuviatilis  Cuv. 

Porchei,  n.  1.  ein  kleines,  dickes 
Schwein.  2.  ein  gleiches  Mädchen. 
Na  tan  gen. 

pordauz,  porduz,  interj.  s.  pardauz, 
porduzen,  sw.,  s.  pardauzen. 

Poritz,  ?n.,  Kaufherr,  reicher,  ange- 
sehener Mann.  Er  ist  ein  gro/zer  Poritz. 
Er  ist  der  Pontz  von  N.  Kgsbg.  Das 
Wort  ist  wohl  russisch. 

Porkan,  /..  s.  Burkan. 
Porlenk,  m.  u.  /.,  s.  Perienke. 

Porobek,  m.^  kleiner  ausgebauter  Be- 
sitzer im  Walde.  Treichel.  Poln. 
parobek  Knecht;  vielleicht  auch  ver- 
wandt mit  dem  poln.  bör  Wald. 

Porowe,  /.,  s.  Parowe. 
Porpei,  m.^  s.  Parpel. 

PSrr,  /.,  unsauberes  Frauenzimmer 
mit  wirrem  Haar.  Schemionek,  29. 
Vgl.  FIBrr. 

porren,  vhchd.,  purren,  sw.y  anregen, 
antreiben,  spornen,   mahnen,    stacheln, 


reizen,  hetzen,  aufscheuchen.  Zum  Auf- 
bruche porren,  was  z.  B.  Kinder  thun, 
die  aus  einer  gröfzeren  Gesellschaft 
nach  Hause  möchten.  ...loenn  nich  de 
Dschtn  oniüig  geworden  wer  on  tom 
Gdnen  getribulh*d  on  geporrt  on  ge- 
droüt  hadd.  Elbinger  Höhe.  N.  Pr, 
Prov.-Bl.  a.  F.  IX,  243.  Firmenich 
III,  495a.  Einen  aus  dem  Bette  porren^ 
ihn  aus  dem  Bette  treiben.  Du  brauchst 
gar  nicht  so  zu  purren^  ich  werdC  schon 
zur  Zeit  fei'tig  werden.  In  Zusammen- 
setzungen: anporren,  aufporren.  In 
Bayern  aufboren^  welches  Schmeller 
I,  192,  fraglich  mit  aufheben  übersetzt. 
Es  durfte  porren  mit  beren  =  heben, 
verwandt  sein.  Bock,  45.  Hennig, 
191.  In  gleichem  Sinne  pSrren  und 
pirren  (s.  d.). 
Porsch,  7/1 ,  auch  Porsch-,  Porstkraut,  n., 

Sumpfporst,  Ledum palustre  L,  Hagen , 
435.  Pritzel,  206.  Gleiche  Kraft 
soll  haben  ein  Kraut  Jodzell^  das  hat 
Blätter  vne  Barsch  und  trägt  schwarze 
Beeren  etc.  Pierson,  Matth.  Prätor., 
115.  In  Liv-  und  Estland  Pors.  Hu- 
pel,  176. 

pDrschen,  sw.^  sich,  s.  pSrschen. 

PSrschke,  m.,  s.  Barsch. 

PSrschken,  Ortsn.,  Kirchdorf  im  Kr. 
Heiligenbeil.  Mann  Gottes  aus  Pörsch- 
ken.  Über  die  Entstehung  dieser  Redens- 
art s.  Sprw.  n,  1774. 

Porsch-,  Porstkrauty  n.,  s.  Porsch. 

Part,  Port,  /.,  Pforte,  Thür.  Rätsel: 
Ös  ener  vor  de  Port,  Heft  nich  gesün- 
digt^ nich  gemordÜt  —  kann  hei  passeref 
(Der  Furz).  JSt  ju  schmieten  ut  de 
Port  achtkantik.     Dorr,  1.  Wiew.,  28. 

Portal,  n.,  das  fettig- milchige  Wasser 
im  frischen  Käse.  Es  wird  durch 
starkes  Pressen  mit  der  Parsche  ent- 
fernt.   Werder. 

pSrten,  m.,  die  Pforte,  die  Thiir  öfiP- 


170 


Portken  —  Pösew. 


nen,  also  pförtnen.  Wenn  die  Kinder 
viel  aus-  und  einlaufen,  so  heii'zt  es: 
Port    nich    so    vel!     Samlund.      Vgl. 

perzeln. 

Portken,  plur.  1.  Hosen.  2.  Der 
Hintere.  Einem  die  Portken  versohlen^ 
ihm  einiges  auf  die  Hosen  zählen.  Von 
dem  ^oln.  portki  Hosen.  Im  Göttingen- 
schen  Purije,  Schamb.  161b.  Bock, 
45.     Hennig,  191. 

porzägeln,  sw.^  purzeln,  umfallen, 
stürzen,  da(z  das  Unterste  nach  oben 
kommt.  Die  Treppe  het^abporzdgeln. 
Hennig,  191.  In  Danzig  porzekeln. 
Gedanism.]  Schemionek,  29:  porzD- 
keln;  Sperber,  26:  purzekeln. 

Porzel,  PSrzel,  /.  u.  n.,  Schmalzkuchen. 
Nach  Schemionek,  29:  Porzeln^ 
Pfannkuchen  ohne  Füllung  in  Schmalz 
gebacken.     Belegstelle  unter  Bob. 

Porzeilanblume,  /.,  Begonia  semper" 
flarens,  Lmk.    Treichel,  Volksth,  III. 

pSrzein,  sw.,  s.  perzeln. 

Posamentkerl,  m.,  Mann,  der  mit  Po- 
samenten, Borten,  Schnüren  etc.  besetzte 
Kleider  trägt,  Gaukler.  Hoffjecken, 
Hoffschrantzen^  güldene  verbremte  Posa- 
mentkerl  Stein,  Peregrinus  XV,  25. 
W.  Mtsbl.  VI,  186. 

Posch,  Dem.  Poschchen,  pltd.  Posclike. 
1.  Name  und  Lockruf  für  Schwein  u. 
Ferkel.  Zu  Kindern,  welche  sich  be- 
sudelt haben :  Du  bist  ein  kleines  Posch- 
chen.  Hennig,  192.  2.  Poschchen 
Tannenzapfen;  dafür  jedoch  üblicher 
Schischke  (s.  d.). 

poicheien,  puicheien,  3to.,  streicheln, 
streichelnd  liebkosen.  Dojs  Kind  po- 
Scheit  der  Mutter  die  Backe.  PuAchei  ml 
doch!  sagt  die  zärtliche  Mutter  zum 
kleinen  Liebling.  Wie  hewt  se  inet  de 
griese  Klaue  De  schmale  Backe  em  po- 
scheit    Nowack,  35.    Vgl.  puichen. 

Poschen,  plur.^  Bügelröcke.   Sehn  Sie 


jene  schlanke  Griechin  im  Tanz^  und 
setzen  Sie  unser  schlankstes  Mädgen 
in  Poschen^  in  Schnürbrust  und  in  spit- 
zen Schuhn  mit  hohen  Absätzen  da- 
neben.   Soph.  R.  IV,  460. 

Poschitschkebeere,  f.,  Beere  vom 
schwarzen  Nachtschatten,  Solanum  nir 
grum  L.  Auch:  Johannisbeere  und 
Bergkrausbeere.  Poln.  porzeczka  Kraus- 
beere, Ribes.    Mühling. 

Piischken,  Ortsn.,  Dorf  bei  Pillkallen. 
Qä  na  PSschke^  Kilkes  sprenge.  Über 
die  Entstehung  der  Redensart  s.  Sprw. 

1,  1U8. 

Pose,  /.  1.  Federkiel,  Federspule, 
Flügelfeder   der  Gans   zum  Schreiben. 

Gewöhnlich  Federpose,  auch  Posenfeder. 

Vor  Einführung  der  Stahlfeder  gab  es 
besondere  Posenhändler.   Hennig,  192. 

2.  Knallbändchen  an  der  Peitsche. 
Dönh. 

Posen,  plur.,  Federn,  Federbett,  poln. 
posciel.  In  die  Posen  gehen  —  nach 
Posen  reisen  (wortspielend),  zu  Bette 
gehen. 

Posenfeder,  /.,  -Händler,  m.,  s.  Pose. 

Posengel,  m.,  nach  Ilennig,  192; 
nach  Bock,  47,  Pusengel,  Spott-  und 
Schimpfname  auf  ein  schmutziges,  ge- 
meines Frauenzimmer.  Man  nennt  je- 
doch auch  ein  voUwangiges  Mädchen 
oder  Kind  Posengel,  und  dürfte  in  dieser 
Bedeutung  das  Wort  Abkürzung  von 
Posaunenengel  sein,  der  ja  mit  vollen 
Backen  bläst.     Vgl.  Puichel. 

Posenocke,  /,  Überziehsocke,  Pa- 
rßske.  2.  kleiner  Kinderschuh.  Sam- 
land. 

pOsern,  pSsern,  sw.,  s.  päsern. 

Pösew,  w.,  Verweis,  Rüge,  Rüffel. 
Er  hat  einen  guten  Posew  bekommen. 
2.  im  Flatowschen  Kreise  auch  Vor- 
ladung; von  dem  poln.  pozewy  russ. 
jpo-2yM?gerichtlicheVorladung.  Schmitt, 


PosnAk  —  poBwollen. 


171 


108;     Westpr.,     167.      Nsslm.    Th., 
138. 

Posnftk,  77).,  Bosnier. 

P0888kel,m.,  grofzer  Schmiedehammer. 
Lit.  posekelü^  poln.  posiekac  zerhauen, 
zerhacken.  Der  Fossekel  heifzt  poln. 
duiy  ci^zki  mht  Hennig,  192,  v^eist 
fGr  die  Ableitung  auf  das  mhd.  bozen^ 
ahd.  pözan  stolzen,  schlagen  hin«  Pos- 
sekel tritt  auch  als  Familienname  auf. 
Nsslm.  Forsch.  2;  Th  ,  138.  Altpr. 
M.  XV,  583. 

Possen,  m.,  neckischer  Streich^  Schel- 
menstreich, Scherz,  Schabernack, Ärger, 
Kränkung,  Tort  Einem  einen  Possen 
spielen  —  ihm  etwas  zum  Possen  thun. 
Denn  sonst  kann  ja  der  Mann  sich  vet*- 
schreiben,  oder  aus  Possen  es  gesagt 
haben.  Soph.  K.  III,  29.  0  hei  wöll 
man  Ko^iwü  dHwe,  Sine  Posse  kenn 
öck  schon,  Volksl.,  7,  51,  4.  Zunächst 
wohl  von  Posse.  Vgl.  Adelung  III, 
812.     Poln.  psota. 

ponen,  sw.,  einen  Po/z  geben,  küssen. 
Hennig  hat  noch  pussen.  Streicheln^ 
liehen j  küssen,  Possen,  Stein,  Pere- 
grinus  XIII,  1.  W.  Mtsbl  VI,  111. 
Awer  doch  nicht  junem  Jäger  siene 
Dochtei*  gepost.  Dorr,  1.  Wiew.,  8. 
Bock,  45.     Hennig,  192. 

Possenlied,  n.,  Spottlied.  Elwen,  singt 
en  Possenleed  on  kniept  em  omzech. 
Dorr,  1.  Wiew.,  122. 

Possjehann,  m.,  Eulzjohann.  Einer, 
der  gern  Mädchen  kufzt.    Vgl.  PTsjan. 

Posstftz,  m.,  Station,  Ruhepunkt, Halte- 
platz. Schemionek,  29.  Poln.  od- 
poczqc  ruhen. 

Post,  n.  1 .  Denkmal,  Grabstein ;  von 
Postament,  Auf  das  Grab  ein  Post 
setzen.     2.  /.  Ortstafel;  Wegweiser. 

Post,  /.,  der  Freitag  als  Tag  des 
Fastens,  des  Aufgebens,  Fahrenlassens 
der  Fleischspeisen.    Poln.  pu^cic  fahren 


lassen,  loslassen,  odpuMc  erlassen,  yer^ 
geben,  odpust  der  Ablafz.  Nach  Ab- 
stolznng  der  Vorsilbe  ist  aus  pust  das 
deutsche  Post  geworden.    Treichel. 

Posten,  m,  Pfosten,  Pfeiler.  Beleg 
s.  unter  entfallen.     Vgl.  Ständer. 

Postronke,  m,,  von  dem  foln, postronek 
Strick,  Tau,  Strang,  u.  zunächst  wohl 
mit  diesem  gleichbedeutend.  1.  eine 
in  früheren  Zeiten  übliche  Prügelstrafe, 
in  Schlägen  auf  den  Hintern  mit  einem 
Strick  oder  Tau  bestehend.  Bock, 
45.  Hennig,  192.  Er  hat  Postronken 
bekommen.  Friedlich  Wilhelm  /,  der 
die  Schonung  der  Lindenbäume  und  den 
Verlust  an  der  Ledersteuer  im  Auge 
hatte,  verordnete  1,  Aug,  1724  gegen  die 
Paresken  Postronken  und,  da  der  Lit^ 
tauer  sich  aus  Stockhieben  wenig  machte, 
29.  Aug.  1725  Katrenarbeit.  Rogge, 
19,  Note.  2.  Rückgrat  und  das  daran 
sitzende  Fleisch,  hier  Rückstrang  ge- 
nannt, und  somit  dem  poln.  postronek 
entsprechend.  Besonders  heifzt  in  Na- 
taugen  und  in  der  Bartener  Gegend 
Postronke,  in  der  Elbinger  Niederung 
Rückstrang  das  Gericht,  womit  am 
Abende  des  Schweineschlachttages 
Hausgenossen  und  Gäste  bewirtet  wer- 
den, und  welches  aus  den  frisch  ge- 
bratenen Stücken  des  von  Speck  und 
Kippen  befreiten  Rückgrats  besteht. 
Dönh     Nsslm.  Forsch.  2;  Th.,  139. 

Postweluk,  971.^  dicker  Stock,  Knüttel, 
Prügel.  Warte,  ich  komme  mit  dem 
Postweluk,  Kr.  Neustadt.  (Treichel. 
Bei  Mrongo w.  nicht  aufzufinden. 

Poswallak,  m.,  ein  Mensch,  der  sich 
alles  gefallen  lälzt;  von  dem  poln.  poz- 
wallac  erlauben,  bewilligen.  Schmitt, 
108;  Westpr,  167. 

poswollen,  sw,,  gehen,  zur  Arbeit 
schreiten.  Wl  motte  man  wedder  pos* 
wolle,    Samland.    Von  dem  poln.  poz- 


172 


PoIz  —  Potlitzen. 


walac  erlauben,  bewilligeD,  heifzt  das 
Fut.  pozwol§, 

Po(z,   m..  Dem.     Po(zchen,   Po(zke, 

Kufz.  En  Pofz  ÖS  en  Stoffe  wer^n  nich 
Itden  kanrij  wäscht  em  af.  Dorr,  79. 
Qöff^  mt  e  Pofzke!  E  Pofzke  möt  Sopp 
erhält  man  von  einem  Kinde  mit  un- 
sauberer Nase.  Abd.  ctis^  chus^  mhd. 
ktis  EuCz,  ahd.  cussiny  chussiny  mhd. 
küssin  küssen,  litt.  buczkU  Kufzchen, 
buczuti  küssen,  lett.  butschoht  kfLssen, 
pobi.  btizia^  buztak  Kufz,  Küfzehen. 
Nsslm.  Th.,  219. 

PSfzbott,  m,  Pifztopf,  Nachtkanne. 

Potabel,  m ,  „ehemals  in  Litauen  die 
Kirchenbedienten,  welche  den  deutschen 
Kirchenvätern  Hilfe  leisteten.  Ihr  Amt 
war,  die  Glocken  zu  läuten,  Wein  und 
Oblate  zu  besorgen,  Kirche  und  Kir- 
chengeräte rein  zu  halten,  den  Kling- 
säckel zu  tragen,  auf  die  unfleiCzigen 
Kirchgänger  zu  merken,  die  Ungehor- 
samen ins  Halseisen  zu  stellen,  den 
Predigern  aufzuwarten,  wenn  sie  zu  den 
Kranken  gchn  mutzten,  oder  Taufen  zu 
verrichten  hatten;  auch  hatten  sie  bei 
der  Dezems-Einnahme  gegenwärtig  zu 
sein,  die  Bauten  zu  besorgen  und  den 
Predigern  beim  Ackerbau  behilflich  zu 
sein.  Für  diese  Bemiihungen  wurde 
ihnen  der  halbe  Zins  für  die  Kirchen- 
hufe, auch  alles  andere  Scharwerk  er- 
lassen. 1724  wurden  die  Potabek  auf- 
gehoben. Insterb.  Kirchen-Visit.  d.  a. 
1738.**  Hennig,  192f.  Einer  von  mei- 
nen gewesenen  littauischen  Kirchen- Auff- 
wartem^  die  man  Potahel  nennt  etc. 
Pierson,  Matth.  Prätor.,  12.  Für 
die  Ableitung  weist  Hennig  auf  die 
Zusammensetzung  aus  po  und  Tabel 
hin,  „weil  sie  mit  den  Tafeln  in  der 
Kirche  das  Geld  sammeln,  oder  an  der 
Tafel  (Altar)  beim  Abendmahl  stehen 


mufzten."    Genaueres  über  den  Pötabel 
s.  Kogge,  31ff. 

potfttschy  adj,^  prahlerisch.  Mit  Ver- 
stärkung: grofzpotdtsch^  was  man  häu- 
figer hört. 

Potatschen,  Petetschen,  plur.  Fleck- 
fieber, jeder  lebensgefahrliche  Haut- 
ausschlag. Anno  1716  krankten  die 
Leute  hin  und  wieder  an  der  Potatschen. 
Hartwich,  518.  Gr.-lat. petechiae^  ital. 
petecchiCy  poln.  petecie,  petocie^  bayerisch 
Petecken^  Pedecken,  Schmeller  I,  301. 
Nsslm.  Forsch.  3;  Th.,  139. 

Pat(e),  /.,  Dem.  Potchen,  Pfote, 
Hand.  CHeb  mir  die  P6t  —  dein  Pot- 
chent  Er  hat  auf  die  Poten  bekom^nen. 
Er  mufz  P6ten  saugen^  leidet  Not, 
ist  ohne  Beschäftigung  (das  Bild  ist 
vom  Bären  hergenommen).  Ein  ge- 
sundes drelles  Mädgen^  mit  ein  paar 
weifzen  niedlichen  Pöhtgen,  Soph.  R. 
IV,  138.  Holl.  poot^  frz.  patte^  engl. 
paw, 

Pote,  Pott,  ?w.,  Steckling.  Pappel- 
poten^  Stecklinge  von  Pappeln.  Pott- 
weiden^  Stecklinge  von  Weiden.  Sche- 
mionek,  27.  29. 

Potelge,  /,  Bouteille,  Flasche. 

poten,  sw,^  mit  den  Pfoten  ergreifen, 
krallen.  Das  Kätzchen  sollte  dich  iioch 
einmal  poten  und  dann  dich  wegschleu- 
deimf    Soph.  R.  VI,  419. 

Potenge,  /.,  Pflzn.,  Betonie,  Betonica 
officinalis  L.  Bock  Nat.  IH,  443. 
Hagen,  621. 

PotTfchen,  n.,  durch  List  oder  auch 
durch  Ränke  erworbener  Vorteil.  Er 
weifz  sich  viele  Potifchen  zu  machen, 
Korrump.  Dem.  \on  Profit.  Bock,  46. 
Hennig,  193. 

Potkamor,  m.,  s.  PakmOr. 
Potlitzen,  plur.^  s.  Petlitzen  und  Pod- 
litzen. 


Potrimmen  —  Powunden. 


173 


Potrimmen,  Ortsn.,  Dorf  bei  Tilsit. 
Kannst  trumpfe  bet  Pötrvmm,  Sprw.  I, 
3846. 

potschen,  «tr.,  s.  petschen. 

PotSchTne,  /.,  grol'zes  Ruder  auf  den 
Holzflöfzen  und  Gallerten.  Danzig. 
W.  Seidel,  33.  Lit.  poczyna^  poczyne\ 
puczynaSy  poln .  paczyna,  N  s  s  1  m.  Forsch. 
2;  Th.,  140. 

Pott,  m.  1.  Topf,  Urne.  Die  Urnen 
der  Hünengräber  nennt  das  Yolk  in 
Westpr.  oUe  PoU.  Treichel.  S.  BoU. 
2.  Schmorpfanne.  Samland.  Engl., 
franz.  und  holl.  pot^  dän.  potte^  in  Bre- 
men Pott^  in  Hamburg  PuM,  Brem. 
Wb.  ni,  355.    3.  8.  Pote. 

PBtt,  Pütt,  Plrtte,  f.,  Pfütze,  nament- 
lich eine  solche  im  Fahrwege.  Es  hat 
fache  geregnet^  dafz  abe  wo  e  Pott  stehe 
bleibt^  ÖS  nich.  Oberland.  Da  war 
sone  Hffe  Pott.  Schaltj.  3,  4.  Der 
Wagen  fiel  in  die  PuU.  Engl,  pit, 
angs.  pyt,  hebr.  botz  Kot.  Brem.  Wb. 
HI,  385.    Hennig,  199.  334. 

P»tt,  /.,  Butte.  He  heft  HoU  on  PoU 
voll,  er  hat  Hütte  und  Butte,  d.  i. 
Haus  und  Keller  voll.    Sprw.  I,  1776. 

Potta,  /.,  Butter.  Ermland.  Im 
Werder  Potter.  Davon  pottern,  sw., 
buttern. 

Pottafrau,  /.,  Butterfrau.  Liebes, 
schönes  Pottafrauche,  Gant  (gebt)  mer 
Eure  TrudC!  Volksr.,  236,  833. 

Pottaklatscher,  m.,  s.  Butterklatscher. 

pSttern,  sw ,  Pötte,  Töpfe,  zerschlagen, 
zerbrechen,  besonders  irdenes  Geschirr. 
Was  hat  er  denn  schon  wieder  gepöttertf 
Treichel. 

Potthund,  m.,  s.  pottig. 

potUg,  adj,,  geizig,  filzig.  Hennig, 
193^  hält  es  für  eine  Zusammenziehung 
von  PoU  und  dicht;  es  würde  also  diese 
Eigenschaft  einemMenschen  zukommen, 
der  seinen  Topf  f&r  andere  dicht,  fest, 


verschlieCzt.  Man  nennt  einen  solchen 
Geizhals  auch:  einen  rechten  Potthund. 
Bock,  46. 

Pottok,  m.,  Morast,  Sumpfloch.  Trei- 
chel.    Poln.  potok  Bach,  Feldflut. 

Pottweide,  f.,  s.  Pote. 

PBtz,  /,  tonnen-  (pott-)  artiges  Ge- 
fal'z  zum  Ausschöpfen  des  Wassers  aus 
den  Schiffen.     Pillau. 

Power,  n.,  Joppe,  Jacke  für  Frauen. 
Samland. 

power,  adj.  u.  adv,,  arm.  Einpowrer 
Mensch.  Powre  Tlt,  armselige,  teuere 
Zeit.  Er  ist  power  dran,  Power  on 
patzig.  Es  ist  das  franz.  pauvre^  lat. 
pauper. 

Powirpen,  Pawirpen,  plur.,  Losmann, 
Freimann,  Tagelöhner,  keinem  ver- 
pflichteter Arbeiter  auf  dem  Lande. 
und  soll  ein  jeder  Handwerker  jährlich 
Decem  geben  30  fzL,  ein  Powirp  15  fd. 
Insterb.  Kirchen- Visit,  v.  1604.  Hen- 
nig, 181.  Eine  zweite  Belegstelle 
unter  Losmann.  Vgl.  auch  Freimann. 
Lit  pavnrpas.  Das  Wort  ist  identisch 
mit  dem  im  Eatech.  vorkommenden 
altpr.  powirps  frei.  Nsslm.  Forsch.  2; 
TL,  140. 

Powunden,  Ortsn.,  Kirchdorf  im  Land- 
kreise Königsberg,  von  Granz  etwa 
eine  Meile  entfernt.  Der  Name  ist 
eine  Zusammensetzung  der  beiden  alt- 
preulz.  Wörter  po  bei,  und  wundan 
Wasser  (lit.  wandu,  dän.  vand).  Po^ 
vounden  ist  also  der  bei  oder  an  dem 
Wasser  (kurisches  Haff)  gelegene  Ort. 
Vgl.  Nsslm.  Th.,  213.  Die  Sage 
deutet  den  Namen  sinnig.  Sie  erzählt 
von  der  Tochter  eines  preufzischen 
Häuptlings,  der  bei  dem  Einfall  des 
Ordens  gegen  denselben  ins  Feld  ge- 
zogen war,  dafz  sie  durch  wandernde 
Apostel  mittlerweile  zum  Christentum 
bekehrt    und    deshalb   von  dem  rück- 


174 


P6x  —  prachern. 


kebrendeD  Vater  ermordet  worden  sei. 
„O  Wunden!  (nämlich  Jesu  Christi) 
soll  sie  sterbend  gerufen  haben;  daher 
der  Name:  (P)o wunden.  Passarge, 
Balt,  117£ 

POx,  m.,  s.  Popo. 

pr,  interj.^  Zuruf  an  Pferde,  wenn  sie 
halten  sollen. 

Prtl,  Prft,  n.,  Vorzug,  Vorrang,  Ober- 
hand, jyrae  aliü.  Er  mujz  immer  das 
Prähaben,  Ebenso  in  Bayern.  Schmel- 
1er  I,  341. 

Pracher,  w.,  Bettler,  Armer,  Ver- 
armter. Poln.  pracharz  Bettler  (  M  r o  n  - 
gov.  II,  587  b),  lit.  prazqs  Bittsteller, 
dän.  prakker,  schwed.  p'ackare  Bettler, 
engl,  prog  etwas  zu  essen  suchen^  praetor 
vulgär  Bettler,  irläod.  proghain  Kum- 
mer, Sorge.  Brem.  Wb.  III,  357.  In 
Holland  ist  Prachei*  Geizbals,  Schinder, 
Wucherer;  in  Hessen  ein  Dürftiger, 
häufiger  fast:  ein  knickeriger  Mensch 
(Vilmar,  305).  Pierson,  Lit.  Aeq. 
20,  hält  Praeher  gleichen  Stammes  mit 
dem  Schimpfworte  7Voy,  mit  welchem 
in  Danzig  1525  die  Lutherische  Partei 
belegt  wurde.  Sei  dienstbar  allen  Leuten^ 
80  wirst  du  ein  Praeher  bei  Zeiten.  Sprw. 
I,  583.  Der  Praclver  hat  Hochzeit^ 
wenn  uberflussigerweise  zwei  Lichte 
brennen.  Wenn  de  Praeher  Onglock 
heft^  verlert  he  6k  den  Prachersack. 
Wenn  de  J 'racher  wandre  wöU,  flockt 
hei  den  Sack.  Heft  de  Praeher  6k  e 
Bedenterf  wenn  ein  ins  Zimmer  Treten- 
der die  Thür  offen  läl'zt.  Vgl.  Sprw. 
I,  2987  ff.;  II,  2091  ff.  Pracherke  mtn 
Bröderke^  zur  Bezeichnung  schlechter 
Vermögenslage,  über  die  Entstehung 
dieser  Redensart  s.  Sprw.  II,  2093. 
P6l8ch  Praeher^  Gesellschaftsspiel.  Be- 
schreibung s.  Volksr.,  199,  735.  Hen- 
nig,  194. 

Pracherei,  /.    1.  Bettelei.    2.  zur  Be- 


zeichnung des  Armseligen,  Unzuläng- 
lichen, Ungenügenden.  Dat  os  R*achert, 
Ich  hab  mich  bei  ihm  in  die  Betteley 
und  Pracherey  gesteckt  Stein,  Pere- 
grinus  XIII,  87.  W.  Mtsbl.  VI,  159. 
Poln.  pracharstwo;  lit.  praszimas  die 
Bitte. 

Pracherfitzelband,  w.,  grau  und  schwarz 
gemustertes  Fitzelband,  aus  alten  Zwim- 
abgängen  gefertigt.   Dzg.  Nhg.  Viol^t, 

103. 

Pracherherberge,  /.  1.  Herberge  der 
Praeher.  2.  elendes  Gasthaus,  armse- 
lige Wirtschaft,  Hungerort.  Das  ist 
hier  wie  in  der  Pracherherberge.  Das 
geht  zu  wie  in  dei  Pracherherberge.  Poln. 
pracharska. 

pracherig,  adj.^  bettelhaft,  ärmlich. 
Bk  geit  ml  pracherig^  es  geht  mir 
schlecht.  Ebenso  in  Hessen.  Vilmar, 
306. 

Pracherjagd,  /.,  Jagd  auf  Praeher: 
die  jährlich  zweimal  unangemeldet  ein- 
tretende Haus-  und  Landes -Visitation, 
bei  welcher  Bettler,  Vagabonden  etc. 
aufgegriffen  werden.  Mühling.  Jetzt 
wohl  abgeschafft. 

Pracheridrchhof,  w.,  Armenkirchhof. 
Sie  fahren  ihn  auf  den  Pracherkirchhof 
(in  der  Pracherpitsclie).    Königsberg. 

Pracherläuse,  pltd.   Pracherlli8,  plur. 

1.  Pflzn.,  gemeine  Spitzklette,  Xanthium 
strumarium  L.  Hagen,  992.  Nach 
Mühling  auch  Pfaffenläuse.  Auch  Sa- 
men der  Hundszunge,  Cynoglossum  offi- 
cinaleL,  In  Schlesien  heiizt  der  Same 
von  Beifulz,  Artemisia  vulgaris  L., 
Bettelmannsläuse.    Treichel,  Volksth. 

2.  Med.  Sem.  Staph.  agriae  (Flor.  Py- 
reihri  rosei  pulv.) 

prachern,  sw.  1.  betteln.  Und  toenn 
ich  prachern  gehen  sollte!  Mit  dem 
kann  man  prachern  gehn,  so  gutmutig 
ist   er.     DickHiun  ist  mein   Reichtum^ 


Pracherpack  —  Pragge. 


176 


l^'oehem  mein  Handwerk.  Kgsbg. 
Wt  mufzte  prachere  gäne^  W%  Bure  aJl- 
tamäl.  Lhrztg.  4,  355  c.  2.  anhal- 
teDd,  liebkosend  bitten.  Er  prachert 
wie  ein  Hund,  Die  Kinder  prachern, 
Lit.  praszyti  bitten,  praazineti  betteln, 
oft  bitten. 

Pracherpack,  n..  Bettelpack,  armseliges, 
elendes  Gesindel. 

Pracherpiische,  /.,  früher  Name  für 
den  Armen-Leichenwagen.  Da  kommt 
die  Pracherpitsche.     Kgsbg. 

Pracherpitscher,  9/».  l.Bettelvogt,  der 
wahrscheinlich  eine  Peitsche  führte.  Die 
Pracherpeitscher  hatten  aul'zer  ihrem  ei- 
gentlichen Amte  während  des  Gottesdien- 
stes an  den  Kirchtüren  zu  stehen  und 
„die  Hunde  oder  trunkene,  unsinnige 
Menschen u.  dgl.  abzuwehren.^  H en n i g, 
194.  2.  Führer  (Kutscher)  einer  Prar 
cherpitache,  3.  jetzt  Spottname  für 
Knaben,  welche  gern  die  Peitsche 
führen. 

Prachersack,  m.,  Bettelsack. 

Prachersche,  /.,  Pracherin,  Bettlerin. 

Pracherstaa^  m.,  Flitterstaat,  Bettel- 
pracht.  Ausputz,  der  wenig  kostet. 

Pracherstolz,  m.,  Bettelstolz,  Stolz  bei 
Armut. 

Pracherstube,  /.,  Stube  eines  Prachers. 
Hier  ob  et  so  warm^  wt  Sn  e  Pracher- 
staw^  von  einem  gegen  Wind  und  Wetter 
möglichst  geschützten  Orte  im  Freien. 
Sprw.  I,  2998. 

Prachersuppe,  /.,  gebrannte  Mehl- 
suppe. Eine  pommersche  Gebranntmehl- 
Buppe  schickt  sich  heute  yut     Soph.  R. 

IV,  255     Vgl  Schmirgel. 
Pracherzerreifzer,  pltd.,  PracherterrTter, 

77».,  Spottname  für  die  Bewohner  des 
Kirchdorfes  Goldbach  bei  Tapiau.  Der 
Sage  nach  sollen  sie  einst  ruhig  zu- 
gesehen haben,  wie  ihre  Hunde  einen 
Bettler  zerrissen.   Noch  jetzt  haben  sie 


„Flicker^  yon  den  Kleidern  des  xer- 
rissenen  Bettlers  zwischen  ihren  Zähnen. 
Die  Neigung  zur  Kl&tscherei  wird  ihnen 
von  den  Nachbarn  nur  zu  bereitwillig 
zugesprochen.     Sprw.  I,  2999. 

Pracherzitz,  /.,  Zitze  des  Prachers, 
Lutschbeutel.    Schemionek,  29. 

Piüdden,  plur,^  Name  eines  Teiles 
der  Sandhügelkette  bei  Kossitten  auf 
der  kurischen  Nehrung.  Volksscbulfr., 
77. 

Prägel,  m ,  durch jc>r^«2neingekochter, 
dicker  Brei,  s.  Brägel. 

piügeln,    prfigeln,    sw,      1.   kochen^ 

braten,  schmoren,  sieden,  rösten,  dörren 
durch  Feuer  oder  Sonne.  De  Sonn' 
prägelt  gCt^  et  gevot  Gewittern,  wenn 
bei  aufsteigenden  Gewitterwolken  die 
Sonne  stechend  brennt.  Bei  solcher 
hitzigen  und  dürren  Zeit  hat  die  Sonne 
gar  sehr  den  oberen  Theil  des  Erdbodem 
durchgepregelt^  oder  durchgebraten  und 
gekochet,  Linem.,  Aaala.  2.  sich 
prägeln^  sich  am  Feuer  quälen  und  er- 
hitzen, sich  von  der  glühenden  Sonne^ 
dem  heifzen  Ofen  mit  Behagen  durch- 
wärmen lassen.  Die  Kdehin  prägelt  sich 
beim  braten.  Der  Alte  prägelt  sich  in 
der  Sonne  —  am  heifzen  Ofen.  Sche- 
mionek, 29,  unterscheidet  prägein  bei 
gelindem  Feuer  braten,  und  präkeln 
in  der  Sonne  schmoren.  Poln.  praiyc 
prägein;  in  Bayern  bregeln  ein  Geräusch 
machen,  wie  etwas,  das  brät  oder  ge- 
lind aufkocht;  gelind  braten  oder  ko- 
chen. Schm eller  I,  256.  Vgl.  das 
identische  biügeln,  s.  elnpiügeln. 

Prager,  m.,  Mann  aus  Prag.  Prager 
Musikanten  (Kgsbg.),  auch  Prager  Stu- 
denten(Pzg.)  heifzen  die  herumziehen- 
den Musikanten,  früher  meist  böhmische 
Bergleute,  nach  ihrer  Zahl,  auch  sieben 
Brüder. 

Pragge,  /.,   grofzer  gefüllter  Klofz, 


176 


Prafalsacht  —  prageln. 


Piragge.  Geinröhnlich  sind  in  die  Prag- 
gen  Spirkel  eingebacken;  sie  worden  in 
früherer  Zeit  nach  Beendigung  des 
Dreschens  den  Leuten  vorgesetzt.  Sam- 
land.    Im  Ermlande  heii'zen  sie  FUlle- 

keilchen. 

Prahlsacht,  Prahlsack,  n.,  Gewebe  aus 
einem  Gespinst  der  Haare  von  Rind- 
vieh, Pferden,  Ziegen  u.  a.  als  Ein- 
schlag, und  aus  Hedegam  als  Aufzug. 
In  vielen  Städten  des  polnischen  Natan- 
gen  wird  ein  Haaremeugy  Prahkacht, 
hau/ig  und  in  Angerburg  allein  in  ei- 
nigen tausend  Stücken^  jedes  zu  40  EUen^ 
jährlich  verfertiget,  Bock,  Nat.  I,  654. 
Prahlsacht  os  6k  Tig^  äwer  et  höh  nich 
lang.  Sprw.  I,  3002.  Prahlsack  os  ok 
von  Lowand.  Dönh.  Pra?dsack  scheint 
jetzt  der  volkstümliche  Name  zu  sein. 
Hennig,  194,  meint  das  Zeug  habe 
seinen  Namen  daher  bekommen,  dai'z 
man  schlecht  damit  prahlen  könne. 

Prahm,  m.  u.  /,  s.  Prftfn. 
Prallauge,  pltd.  Prallög,  n.,  grofzes, 

starrschauendes  Auge;  auch  Person  mit 
solchem  Auge. 

Präm,  Prahm,  m.  u.  /.  1.  plattes 
groizes  Fahrzeug  auf  Flüssen,  Fähre 
zum  Übersetzen.  Holl.  praam,  engl. 
pramcy  poln.  pram,  prom.  Für  Liv- 
und  Estland  bei  S allmann,  38a, 
Hupel,  178.  2.  kubisches  Mafz  für 
Kalksteine  und  Gips.  Ein  Prdm  Kalk- 
steine —  10  Fui'z  lang  und  breit  und 
3  Fulz  hoch  =  300  Kbkfulz.  Ein  Prdm 
Gips  =  21  FuTz  lang,  TV,  Fulz  breit, 
27»  Fulz  hoch  =  393»/4  Kubikfufz. 
Mühling. 

Pr&mgeld,  n.,  Fährgeld. 

Prftmspritze,  /.,  Feuerspritze  auf  ei- 
nem Präm,  schwimmende  Saugspritze. 
Königsberg. 

pramstieren,  sw,,  sich  aufspielen,  sehen 
lassen,  dicke  thun.     Jetzt  da  der  L..I 


sich  dick  gefressen  habe^  käme  er  und 
pramstirte,  und  hätte  noch  Recht  übrig, 
Soph.  R.  I,  255. 

Prangel,  m.,  Knüttel,  Prügel,  Stange. 

Pranke,  /.,  Tatze,  Klaue;  vom  Tier 
auf  den  Menschen  übertragen:  Fulz. 
Der  hat  gehörige  Pranken,  Denn  voll 
Ärger  on  voll  Boofz  Stuart  hei  met  dei 
grote  Pranke  Op  dat  Beerbüfettke  hs. 
Nowack,  40. 

pranzelieren,  sw.^  von  pranzeln^  viel 
reden,  das  grol'ze  Wort  haben,  führen. 
Danzig.  Klein  II,  65.  Schemio- 
nek,  29. 

/  pranzeln,  sw.j  reden,  schwatzen,  na- 
mentlich breit,  umständlich  und  eifrig 
reden,  schelten;  „sich  mit  Worten  un- 
nütz und  mausig  machen^.  Bock,  46. 
Hennig,  194.  Sie  pranzelt  in  einem 
weg.  Nehmt  an  de  triehe  Wongsch. 
On  dat  eck  noch  dabie  Önt  Ohr  Juprantzle 
wehl  tom  Wongsch  on  groth  Geschrie: 
Jahn  Früh  etc.  Carm.  nupt.  111,  77d, 
Wi  motten  de  Lied  prantzeln  loten. 
Dorr,  1.  Wiew.  27.  Sperber,  25, 
hat  (berechtigt?)  pranzeln  ==  betteln, 
unaufhörlich  bitten,  also  s.  v.  a. 
prachem. 

preschen,  sw.,  laut  und  viel  reden, 
lärmend  schwatzen,  prahlen,  groiz  thun. 
Mühling.  Gewöhnlich  brflschen.  Er 
prahschte  noch  immerfort  mit  seither 
Wissenschaft,  Soph.  R.  IV,  165.  In 
Posen  auch  subst.  Prasch  m.,  groizes 
Geräusch  laut  Sprechender,  Schreien- 
der; Lärm.  Bernd,  218.  In  Hessen 
Prasch^m,,  Prsiblerei^  praschen,  pratschen 
prahlen,  groi'z  thun.  Vilmar,  306. 
Vgl.  auch  Anton,  11,  13. 

praSeln,  sw.,  braten;  nach  Schmitt, 
108;  Westpr.,  167,  von  dem  gleichbed. 
poln.  prazac  (findet  sich  bei  Mron- 
govius  nicht;  wohl  prazyc  ~  prägein, 
dörren,  rösten). 


Praske  —  preck. 


177 


Praske,  /.,  Knüttel.  Dat  es  'ne  dicke 
Prcuke,  de  uingen  ^ne  iserbescfdagene 
Speiz  heft.    Dorr,  Driewjagd. 

Prassel,  auch  Prftfzel,  /.,  Pflzn.,  Gar- 
tenerdbeere. Elbing.  Danzig.  Nsslm. 
Forsch.  3;  Th.,  220.  Treichel,  Volks- 
thümliches  II.  Nach  Mühling  in  der 
Tilsiter  Gegend  Prasse.  In  der  Natan- 
ger  Gegend  ist  JPrassel  die  Knackel- 
beere, Fragaria  coüina  Ehrh,  Nsslm. 
a.  a.  0. 

Praiun,  m.^  nach  Mühling  in  der 
Gegend  von  Konitz  und  Tuchel  ein 
Mehlbrei;  nach  Schmitt,  Westpr.,  167, 
eine  Art  Eierkuchen.  Poln.  praiony^ 
pari,  geröstet,  gekrillt  von  prazyc^  s. 
fToieln. 

Prftfzel,  /.,  s.  Prassel, 

pr&t,  ado.y  von  dem  lat.  paratus^  be- 
reit, fertig,  gerüstet.  Holt  ju  hier  ne- 
wenbi §m  Bruhus prat  Dorr,  1.  Wiew., 
66. 

prftten,  pr&tem,  st«?.,  viel  reden,  in 
wohlgefälliger  Breite  schwatzen.  II en- 
nig,  194,  hat  auch  pfttem;  in  Westpr. 
pr&tschen:  er  prdtscht  gro/z,  Holl.  praa- 
tetiy  engl,  to  prate  u.  pratüe.  In  Bre- 
men und  Hamburg  praten  und  davon 
I-^dt  Geschwätz,  Prdtgenmdker  Schwät- 
zer, pratelriy  prdteln  plaudern,  plappern, 
PrdtelUB.u[,  Richey,  191.  Brem.Wb. 
m,  359.  Vgl.  Mi,  65a.  S.  brft- 
sehen. 

pr&ts,  inteij,,  s.  priz. 

Pralz,  /,  s.  Prftz. 

prabig,  adj.^  stolz,  hochmütig.  Ver- 
stärkung von  patzig.  Ebenso  in  Ham- 
burg, Bremen,  Holstein,  Posen,  Liv- 
und  Estland.  Richey,  192.  Brem. 
Wb.  III,  359.  Schütze,  III,  232. 
Bernd,  219.    Hupel,  179. 

pr&z,  interj,^  s.  brflz  u.  prfz. 

Prftz,  Pratz,  /.  1 .  grofze,  unföimliche 
Hand,  grofzer  Fulz;   ist   der   letztere 

Friiehbi«r,  WÖrttrbaoh  U. 


gemeint,  auch  Prftzfufz,  Brfttsehfufz.  S. 
brfttsehig.  Das  ist  'ne  gehörige  Prdz, 
In  der  Elbinger  Ndrg.  heii'zt  die  un- 
förmliche Hand  Prttze,  woraus  prttzen, 
sic.^  maulschellieren.  In  Hessen  Bratze. 
Vilmar,  52.  Grimm,  Wb.  II,  313. 
2.  Schlag  mit  der  Prdz^  nach  Bock, 
46,  u.  Hennig,  194,  auch  mit  dem 
Stocke.  Er  bekam  priz  prdz.  Ich  geV 
dir  'n  Prdz.  Poln.  prask^  interj.  un- 
serm  prdz  entsprechend,  auch  Klaps. 
Pierson,  A.  W.,  37.  3.  Menge,  alles 
Vorhandene,  und  dann  m.     Der  ganze 

Pratz.    Vgl.  Patzern. 

Präzel,  m.,  Bauch.  Hei  heft  e  gode 
Präzely  er  ist  gut  beleibt. 

Präzentor,  auch  PiiLzeptor,  7n.,  das  lat. 
praecentor,  Kantor,  erster  Lehrer  einer 
Kii'chschule  in  Litauen.  Im  Holstein. 
Prdseptor  und  Präzepter  Schulmeister. 
Schützern,  231.  S.  Plibisehken.  Vgl. 
Zepter. 

Pr&zfufz,  m.,  s.  Prftz. 

pr&zig,  adj.^  grofz,  plump,  ungeschickt, 
s.  brfttsehig. 

Pr8,  n.,  8.  Prä. 

Preblau,  Ortsn.,  Dorf  im  Kr.  Grau- 
denz.  (?)  Er  ist  von  Preblau^  wo  de 
Hund!  met  dem  Zagel  loreble.  Jerren- 
towitz. 

Prechsen,  m.,  Brassen,  s.  Bressem. 

Preck,  Prek,  Prick,  pltd.  Pröck,  m., 

Punkt.  Angs.  prikka^  dän.  prik^  in 
Hamburg,  Bremen  und  Holstein  eben- 
falls Prik;  in  Bremen  auch  Plik.  üp- 
pen  Prik  ganz  genau.  Richey,  192. 
Brem.Wb.  III,  362.  Schütze  III,  233. 
Hennig,  165.     Davon: 

preck,  prek,  prick,  prik,  adj.  u.  ado.^ 
genau,  pracis,  deutlich,  bestimmt  bis 
auf  den  Punkt.  Er  kennt  ihn  prek^ 
sehr  gründlich  und  genau.  Ein  picker 
KerL,  ein  Kerl  auf  dem  rechten  Fleck 

und  Platz.     Das   kann   man   nicht  so 

12 


178 


Preckel  —  premsen. 


prick  wissen.  Ich  kann  noch  ganz  prik 
sehen.  Der  kleine  Junge  merkte  das 
recht  prik;  er  kavi^  küjzte  ifire  Band, 
Soph.  R.  m,  93. 

Preckel,  m,,  s.  Prickel. 

predigen,  sw.^  viel  und  überflüssig  re- 
den. Hei  predigt  mt  to  vcl.  Ebenso 
im   Holstein  sehen.     Schütze  III,  232. 

Predrin,  w.,  ein  186  Ful'z  hoher  Dü- 
nenberg anf  der  kor.  Nehrung  in  der 
Gegend  von  Kossitten.  Altpr.  M.  IV, 
301. 

prfigeln,  »w.^  s.  prägein. 

Pregelwasser,  n.,  Wasser  im  und  aus 
dem  Pregel,  letzteres  zur  Bezeichnung 
des  sog.  weichen  Wassers.  Mit  Pre- 
gelwasser kochen.  Wir  sind  alle  mit 
Pregelwasser  getauft,  Königsberg.  Der 
Pregel  hiefz  altpr.  Pregora^  Pregore^ 
Pregor^  Prigora^  Prigore,  Nsslm.  Th., 
142.  Passarge,  Balt,  304:  In  Preg-el 
steckt  vielleicht  der  Name  Alle  {lll^  li- 
ier etc.). 

Prell,  Ortsn.  1.  Krug  im  Kirchspiel 
Wargen,  Kr.  Fischhausen,  seiner  hüb- 
schen Lage  wegen  von  Königsbergem 
gern  besucht.  Am  Anfange  dieses 
Jahrhunderts  mit  seinem  imitierten  alt- 
preui'zischen  Opferhain  und  den  zahl- 
reichen provinziell  patriotischen  Ge- 
denktafeln,  von  denen  Überreste  noch 
heute  vorhanden,  der  Königsberger 
Schuljugend  ein  beliebter  Wallfahrtsort. 
In  dem  wellig  wallartigen  Terrain  läl'zt 
sich  dessen  ehemalige  kriegerische  Ver- 
wertung vermuten,  und  das  Auftreten 
des  Namens  als  Appellativurn  unter- 
stützt diese  Annahme:  Der  Preil  — 
über  den  Preil  gehen.,  fahren  —  im 
Preil^  auf  dem  Preil  gewesen  sein,  2. 
Dorf  im  Kirchspiel  Nidden,  Kr.  Me- 
mel. 

Preise,  /'.,  Saum,  ßesatz,  Einfassung, 
besonders  vom  am  Ärmel  und  am  Halse 


des  Hemdes.  Weigandll,  386.  Die 
Frawen  trugen  (Ende  des  15.  Jahrh,) 
enge  Röcke^  von  färben  braun  vnd  rot., 
die  heften  HJrmel,  daran  Preysen  genant, 
an  welchen  bis  an  den  Elenbogen  sil- 
berne vnd  güldene  knopffe  waren,  diese 
Preysen  macht  man  mit  einem  senckel 
anbinden,    Hennenberger,  279. 

prek,  adj,  u.  ado.,  s.  preck. 

prellen,  sw.  1.  stille  Blähungen  ent- 
lassen, ftsten  (s.  d.).  In  der  Kinder- 
sprache: Wer  meld't,  der  prellt,  wer  an- 
zeigt, dafz  es  übel  riecht,  der  hat  den 
üblen  Geruch  auch  verursacht.  Volksr., 
116,  484.     2.  schlagen  mit  Schwung. 

Preller,  w.,  von  prellen.  1.  Blähung. 
2.  Hieb,  Schlag,  Ohrfeige.  On  steUt 
de  schelmsche  Dod  nd  jnnevi  tratsten 
Lewen,  So  mot  jü  em  vör't  Mül  en  dege 
Preller  gewen,     Carm,  nupt  VI,   230  d. 

prellig,  adj..,  eilig ?  schnell.  Müh- 
ling. 

Prfim,  w. ,  Pfriem.  Dais  gWdd  so^ 
als  wenn  de  Meüer  mot  'w  Prcm  Mehl 
sackt,  die  Arbeit  fördert  sich  nicht. 
Sprw.  I,  1228. 

prSmen,  sw,,  s.  prTmen. 
PrSrnke,  n.,  s.  Prtmchen. 
premmen,  sw.,  s,  premsen. 
Prems,  m,,  s.  Prüms. 

premsen,  sw.  1.  dicht  einstopfen, 
drücken,  drängen, fest  zusammenpressen, 
etwas  gewaltsam  in  einen  engen  Be- 
hälter drängen,  hineinzwängen.     Nach 

Treichel  auch  premmen  und  promsen. 

Wasche,  Kleidungsstücke  in  einen  Koffer 
premsen.  As  §k  (Falstaff)  so  §n  den 
Korf  gepremst weer  etc.  Dorr,  1.  Wiew., 
85.  Lat.  premere,  in  Bremen  prammen, 
prampen,  in  Holstein  pramsen.  Brem. 
Wb.m,358.  Schütze  III,  231.  Hen- 
nig, 195.  S.  einpremsen.  Bei  Jero- 
schin:  premezen  =  coercere.  er  nam  vor 
dl  hungimöt  nicht  wen  wazzir  unde  bröt 


Premser  —  Pricke. 


179 


unde  prempzte  alle  zil  dkz  vleisch  mit 
ahstinenzien  vil.  I74d.  Pfeiffer,  206. 
2.  caire. 

Premser,  m.,  Eiozwänger;  nach  Müh- 
ling  der  Exekutor. 

PrSmtabak,  m.,  s.  Pilmtabak. 

prSpeln,  sw.,  wenig  essen.   Treicliel. 

prepsch,  prOpsch,  adj.  u.  adv,^  frech, 
rücksichtslos,  grob,  trotzig,  widerspen- 
stig, naseweis,  schlagfertig.  EHneprepsche 
Margell.  Prepsch  antworten.  Samland. 
Natangen.  Elbing.  Hennig,  195. 
Nsslm.  Forsch.  3;  TL,  220.  Sche- 
mionek,  30. 

presch,  adj,  a.  adv.^  zusammengeprei'zt, 
gedrangt.  Das  Theater  war  presch  voll, 
Kgsbg.     Vgl.  das  folg. 

preschen,  sw.  1.  pressen,  zusammen- 
pressen durch  Druck  oder  Schlag.  2. 
tüchtig  zuschlagen,  daher  auch  prügeln, 
pferchen,  einpferchen.  Auf  die  Pferde 
preschen^  einpreschen,  mit  der  Peitsche 
knallend  auf  sie  einschlagen,  daiz 
sie  scharf  anziehen,  wobei  sie  sich 
presch  gegen  einander  drängen.  Viele 
Schafe  in  einen  Stau  preschen.  3.  sich 
preschen^  sich  drängen,  entgegenstem- 
men. PrescV  dich  nicht  so  an  den  Glas- 
schrank!  Das  Nebenpferd  prescht  sich 
an  das  Leinenpferd,  anpreschen,  in 
schnellstem  Laufe  angefahren  oder  an- 
geritten kommen.  Er  kam  angeprescht^ 
dafz  es  man  so  sattste.  Für  Posen: 
Bernd,  220.  In  Mecklbg.-Vorpomm. 
preschen  auseinanderstieben.    Mi,  65b. 

Presenning,  m.,  s.  Bresenning. 

pressQren,  sw.^  pressieren,  presseji, 
drängen,  dringlich  bitten,  durch  Worte 
gleichsam  erpressen;  das  lat.  pressare^ 
franz.  presser.  Et  pressürt  je  nich  sau^ 
die  Sache  ist  ja  nicht  so  dringlich,  hat 
nicht  solche  Eile. 

Prefziing,  Pflzn  ,  Knackelbeere,  Fra- 
garia  collina  EhrL    Pritzel,  154. 


preusch,  adj..  preufzisch.  Prettsch 
Eylau^  Preusch  Holland^  Preuschmark, 
Jeroschin  hat  priizsch:  dl  prt'tzche  dit 
10  a.  U7id  ouch  dt  andHn  püzchen  lant 
104c.     Pfeiffer,  207. 

Preufzisch-Freier,  m.,  Stammpreul'ze, 
eingeborener  Preufze.  Auch  manchen 
eingeborenen  preu/zischen  GrrundhefTen 
war  das  Recht  veidiehen  worden  y  die 
Güter  mit  Bauern  zu  besetzen^  und  zwar 
jure  perpetuo  haereditario  culmsnsi  gegen 
Zins  und  Dienstleistungen^  wodurch  die 
sogen.  Preufzisch  -  Freien  entstanden. 
Prov.  Preuiz.,  424  f.     Vgl.  KVImer. 

prewungem,  sw.^  bitten.  Se  prewun- 
gerd'  so  sehr^  sie  bat  so  sehr.  Natan- 
gen. 

PrSzel,  Brfizel,  BrSbe,  /.  u.  m.,  Hals- 
schmuck, aus  aneinander  gereihten  sil- 
bernen Brezeln  (Kringeln)  bestehend, 
Halsschnalle,  Tuchnadel,  Fibula,  in 
Brezclgestalt.  Zum  achten  sollen  Bretzen 
etc.  gentzlichen  verboten  sein.  Kleid.- 
Ordg.  N.  Pr.  Prov.-Bl.  a.  F.,  373.  .  .  . 
eine  {Decke)  auf  einei\  die  andre  auf 
der  andern  Schulter^  und  mit  einem  sil- 
bernen Pretzel  zusainmengeheftet.  Pier- 
son, Matth.  Prätor.,  112.  Bock,  46. 
Hennig,  195. 

prf,  intety.  des  Ärgers.  So  ein  Ben- 
gely  Brausewind!  Prf!  Sopb.  R.  U, 
454. 

Prich,  ?».,  s.  V.  a.  Brich  Bauch.  Sper- 
ber, 39.    S.  BrOch. 

Prtchen,  (?),  Chor  in  einer  Kirche. 
Mühling. 

prick,  adj.  u.  adv.^  s.  preck. 

Pricke,  pltd.  Pr»ck(e),  /.  1.  Stange, 
vermittels  welcher  der  Sack  oder  Wen- 
ter  befestigt  wird.  Zu  einem  Sacke 
werden  6  bis  7  Pricken  gebraucht.  Bei 
allen  Sackfischereien  müssen  die  Pricken 
die     Hausnummer     des     Eigentumers 

tragen.  Fisch.-Ord.  f.  d.  kur.  Haff.  §  53. 

12* 


180 


Pricke  —  Principalsalbe. 


Niemand  soll  Pricken  im  Haff  stehen 
lassen^  sondern  selbige  zugleich  mit  den 
Säcken  und  Netzen  ans  Land  nehmen. 
Fischerordnimg  von  1738.  Bock,  Nat. 
IV,  700.  Lit.  priiös  Bootshaken.  Hen- 
nig, 195,  schreibt  Pröke,  Nsslra. 
Forsch.  2.    Lit.  Aeq. ,  21.    Vgl.  Sack. 

2.  Stecken  mit  Eisenspitze,  oder  spitzer 
Stab,  mit  dem  die  Pflugochsen  ange- 
trieben werden,  lit.  pr^kelis.  Vgl.  Prickel. 

3.  kleiner  Schuhnagel,  der  in  den  Ab- 
satz geschlagen  wird.     Treichel. 

Pricke,  /.,  das  Flufzneunauge,  Petro- 
myzon  fluviatilis  L,  pltd.  N6ge(n)ög, 
lit.  nege^  dewinakisy  kur.  negis,  mas., 
kass.  minoga.     Benecke,  196. 

Prickel,   pltd.   PrOckel,   Preckel,   m., 

eigentlich  Dem.  von  Pricke  Stange.  1. 
Stachel,  zugespitztes  Stockchen,  über- 
haupt alles,  womit  man  prickelt;  lit. 
prikelis.  Die  Wurstenden  werden  mit 
Prickeln  geschlossen,  die  Leinwand 
auf  der  Bleiche  damit  festgesteckt,  der 
Pfeifenkopf  wird  mit  einem  Prickel  ge- 
reinigt. 2.  spottweise  der  Infanterie- 
säbel; ein  schlechtes  Messer.  Vgl.  Keü- 
chenprickeh  Bock,  46.  Hennig,  159. 
3.  kurzer,  dicker  Mensch.  In  Ditmarsch. 
und  in  Holstein  ist  Prickel  eine  Kröte. 
Brem.  Wb.  III,  363.  Schütze  IH, 
234. 
prickeln,  pltd.  prOckeln,  preckeln,  sw. 

1.  mit  etwas  Spitzigem  wiederholt 
stechen.  (Das  Stachelschwein)  hat  mei- 
nem Wachtel  die  Nase  geprickelt  Soph. 
R.  IV,  155.  2.  das  brennende  Stechen 
der  Sonne.  Die  Sonne  prickelt  sehr.  3. 
bildlich:  kitzeln, innerlich  erregen.  Einen 
prickeln^  ihn  mit  Worten  reizen,  durch- 
hecheln. Die  Sache  prickelt  ihn^  wurmt 
ihn,  macht  ihn  verdriefzlich.  4.  mit 
engen  Stichen  fest,  kaum  trennbar 
nähen. 

pricken,  pltd.  prOcken,  precken,  stc.   1 . 


stechen,  mit  ^iner  Pricke  antreiben; 
daher  antreiben  überhaupt.  Er  mu/z 
zur  Arbeit  geprickt  werden.  Da  kann 
man  ommer  pröckcy  gedäne  ward  doch 
nuscht.  Bei  Jeroschin:  er  reiste  mit 
in  vort  in  daz  lant  zu  Medeniken  unde 
wolde  iz  aber  priken  in  vtenüichir  üb- 
birlast  I71a.  Pfeiffer,  207.  2.  mit 
Pricken  befestigen,  anpricken. 

prik,  ad;,  u.  adv.,  s.  preck. 

prim,  adj.^  s.  prVm. 

Prtmchen,  pltd.  Prfmke,   PrSrnke,  n., 

kleiner  Ballen  Kautabak,  den  man  in 
den  Mund  steckt;  holl.  pruimpje  eigent- 
lich Pfläumchen.  Stoppt  sock  e  Premke 
Toback  ovCt  Mül  Königsbg.  Firme- 
nich I,  103a.  Kopf  weg^  e  Premke 
follt  vom  Dack!  Von  de  linke  Sid  e 
Premke^  von  de  rechte  Sid  e  Pip  To- 
back on  ön  e  Mödd  besdpe.  Sprw.  I, 
2140.  3482.     Schamb.,  160b. 

Prtmelchen,  n.,  Himmelsschlussel,  Pri- 
mula  veris  L.    Hennig,  195. 

Prfmeni  w.,  Pfriem,  Pfriemen.  Muh- 
ling. 

prTmen,  pltd.   pr6me(n),  »w.    1.  ein 

Primchen  im  Munde  haben,  Tabak 
kauen,  kauen  überhaupt.  2.  ungeschickt, 
schlecht  nähen,  zunähen,  flicken,  gleich- 
sam als  wäre  es  mit  einem  Primen  ge- 
näht. Hennig,  195.  Schemionek, 
30:  priemen  emcYi  schlecht  stopfen.  S. 
prQmen. 

PrimtZ,  /.,  primitiae^  das  erste  MeCz- 
opfer  eines  neugeweihten  katholischen 
Priesters.  Er  hält  heute  seine  Primiz. 
Ermland.  Wohl  in  allen  katholischen 
Jjändem.     Schmeller  I,  343. 

PrTmke,  n.,  s.  Prtmchen. 

PrTmtabak,  pltd.  PrSmtabak,  m.,  Kau- 
tabak. 

Principalsalbe,  /,  Medik.,  Unguentum 
Hydrargyrum-  cdb.   Auch  Principitat  und 

Prinzmetallsalbe. 


Prinz  —  prfz. 


181 


Prinz,  m.,  ehemals  in  Königsberg 
Bezeichnung  fQr  den  Stadtmusikus,  im 
Gegensatz  zu  seinen  ,, Gesellen".  Von 
dem  lat.  princeps.    Hennig,  196. 

Prinzessin,  /.,  zur  Bezeichnung  eines 
Mädchens,  das  sehr  gefährlich  thut, 
leicht  etwas  übel  nimmt.  In  Daozig: 
Pnnzessin  Perlepomse.    Gedanism. 

Prinzmetallsalbe,  /.,  s.  Principalsalbe. 

Prinzregent,  m.,  als  Bezeichnung  einer 
Schnupftabakssorte.  Königsberg.  Vgl. 
Sprw.  II,  2099. 

priicheln,  9w,^  s.  v.  a.  brischeln  und 
verwandt  mit  krUcheln, 

PrTse,  /.  Eigene  Prtse,  Frauenzimmer, 
mit  dem  schwer  umzugehen  ist.  Sche- 
mionek,  30. 

PrTse,  /*,  lauge  Stange  mit  Krücke, 
die  gegen  die  Achselhöhle  gestemmt 
wird,  zum  Weiterschieben  der  Kähne 
und  Flöfze,  ]it.  prysas,  Nsslm.  Forsch. 
3;  TL,  143.     Lit.  Aeq.,  21. 

Priiel,  Prissel,  m.  1.  ein  wenig,  ein 
bil'zcheu.    2.  Schmutzerdc.    Treichel. 

prlielig,  ddj.,  zimperlich,  aber  auch 
kurz  angebunden.     Friedland  Ostpr. 

Pilsellauch,  m,,  s.  Prtsloch. 

prTslich,  adj.^  preis  würdig.  Bei  Je- 
roschin:  daz  wtsit  manche  gröze  tat, 
dl  er  prhlich  beg  angin  Äa^25b.  Pfeif- 
fer,  207. 

Prtsloch,  PrTslauch,  7n.,  Schnittlauch, 
geschnittener  Knoblauch,  Allium  schoe^ 
noprasum  L,  v.  Auer.  In  Friedland 
Ostpr.  auch  Prtsellauch;  im  Weichsel- 
delta Preselauch^  pltd.  Preselläk.  Klein 
geschnitten  streut  man  den  Lauch  in 
Prisen  auf  Butterbrot  oder  nimmt  ihn 
als  Gewürz  an  verschiedene  Speisen. 
Sperber,  25. 

Prissel,  m.,  s.  PriSel. 
Pristanien,  Ortsn.,  Dorf  am  Mauersee 
im  Kr.  Angerburg.     Hei  haut  ön   wt 


de  Prütanier  on  de  Stint  Sprw.  I, 
712. 

Pritke,/.  (Pricke  ?),Stange  im(frischen) 
Haff  zur  Bezeichnung  der  Fahrrinne. 
Schemionek,  30. 

prTts,  interj.,  s.  prtz. 

pritsch,  selten  prutsch,  schallnach- 
ahmendes Adverb,  verloren,  fort,  weg; 
vielleicht:  schnell  dahin  wie  der  Gufz 
einer  Pritsche  Spritze;  poln.  precz.  Die 
Sache  ist  pritsch.  Die  Flöte  ist  pritsch, 
wie  meine  Geige;  es  kam  einmal  Noth 
an  Mann:  da  ging  sie  flöten,  Soph. 
R.  1,629.  Vgl.  Bernd,  220.  Anton, 
11,  U. 

Pritsche,  /'.  1.  Spritze.  Hennig,  196. 
Das  kommt  wie  aus  der  Pritsche,  kräf- 
tig, in  schnellem  Ergulz.  2.  Lager- 
statte, namentlich  der  Soldaten  auf  der 
Wache,  aus  Brettern  bestehend  und 
auf  niedrigen  Pfosten  ruhend.  Im  Brem. 
Britze.  Brem.  Wb.  I,  141.  3.  Flinte: 
Hei  hadd  de  61  Pritsch  öm,  er  hatte  die 
alte  Flinte  um. 

pritschen,  sw.  1.  spritzen.  2.  ange- 
führt werden,  Verlust  erleiden.  Er  ist 
gut  gepritschty  tüchtig  angeführt,  be- 
trogen. S.  pritsch.  Allgemein  bekannt 
ist  der  gepHtschte  Europäer.  Vgl.  A  d  e  - 
lungl,  1201:  pritschen,  britschen  mit 
der  Britsche  schlagen,  klatschend  schla- 
gen. . . .  dafz  kein  Mensch  mehr  zu  mir 
schickty  und  ich  gepritscht  bin.  Soph. 
R.  VI,  5Ö7.     S.  Bernd,  221. 

Prttze,  /.,  prttzen,  sw.,  s.  Präz. 

prl2,  in  Verbindung  mit  pr&Z,  auch 
prtb,  prftts,  interj.,  nachahmend  den  Ton, 
den  fallende  Schläge  erzeugen.  Er  be-- 
kam  prtz  prdz,  er  bekam  Ohrfeigen 
rechts  und  links.  Prihts,  prahts!  — 
Ich  fuhr  hier  wieder  auf  meine  Bank 
und  krigte  unterwegs  noch  so  einige 
Schmuse.    Soph.  R.  HI,  218.    Vgl.  rtz 


182 


Pröbbemau  —  Prosteiiiahlzeit. 


rdz  u.  Pi'dz.  In  Posen  priz^praz  die 
Thür  oft  und  geräuschvoll  auf-  und  zu- 
macheu,  gleich  unserm  bribraz. 

PrVbbemau,  Ortsn.,  Dorf  auf  der  Sud- 
ecke der  eigentlichen  Danziger  Neh- 
rung. In  Pröbbemau  ist  die  Welt  mit 
Brettern  verschlagen.  Zu  Pröbbeimau^ 
wo's  Ende  dei*  Welt  ist.  In  Pröbbemau, 
wo  die  Sunde  mit  dem  A.  bellen.  Vgl. 
Sprw.  I,  3012. 

Probe,  /.  Nicht  die  Probe^  als  Zu- 
rückweisung. 

Probenreiter,  7».,  Musterreiter,  Commis 
voyageur. 

Probenträger,  plu7\,  Leute,  welche  von 
dem  zu  Lande  ankommenden  Getreide 
die  Proben  umhertragen  und  es  den 
Eaufleuten  zum  Kauf  anbieten.  Dzg. 
W.  Seidel,  33.  —  In  Kgsbg.  heifzen 
sie  Vorkäufer. 

probott,  adj.^  reinlich,  propre.  Muh- 
lin^. 

Probst,  m,^  ehemals  in  Königsberg  der 
Ökonom,  der  die  Mahlzeit  der  Alum- 
nen besorgte.  Von  dem  lat.  praepositus; 
hoU.  proost    Bock,  46. 

PrOch,  m.,  s.  BrBch. 

PrVck,  971.,  s.  Preck. 

prBcky  adj.,  eifrig,  versessen.  Er  ist 
darauf  pröck.    Vgl.  preck. 

PrOcke,  /.,  s.  Pricke. 

PrVckel,  m.,  s.  Prickel. 

prVcken,  sw.^  s.  pricken. 

Profitchen  (i  lang  und  kurz),  n.,  s. 
Lichterknecht. 

PrVkel,  (?),  dürres  Holz.    Treichel. 

PrBl,  m.,  April.  De  März  heft  kein 
Herz^  on  de  Pröl  deit  6k  noch^  wat  hei 
wöll. 

prVlen,  sw^  s.  v.  a.  krftlen. 

prom,  prBm,  prim,  adj.,  aufgeblasen, 
keck,  stolz.  Mühling.  He  sott  prom^ 
er  sitzt  gravitätisch.  Nach  Gordack 
8.  V.  a.  prepsch. 


prBmen,  sw,^  sich,  sich  zieren;  be- 
sonders von  Frauenzimmern.  Danzig. 
Klein  n,  67. 

PrUmmel,  m.,  Bauch,  namentlich  star- 
ker, dicker  Bauch.  Hei  heft  e  gode 
Prömmel,  er  hat  einen  starken  Bauch. 

prVmmlich,  ad/,  erregt,  aufgebracht; 
maulig,  maulfaul.  Se  ös  gUk  prömmlich. 
Friedland  Ostpr. 

Prüms,  Prems,  f.,  Mus,  Meblsuppe. 
Nsslm,  Th.,  220.  Pierson,  A.  W., 
37:  gäl.  Kleienmehl,  Speise. 

promsen,  sw,^  s.  premsen. 

proper,  proper,  (zdj.^  propre,  rein,  rein- 
lich, eigen,  sauber,  nett. 

Propfen,  pltd.  Proppe(n),  Dem.  Prop- 
chen^  pltd.  Propke,  m.,  Pfropfen.  Davon 
der  Propfenzieher,  2.  Propke^  kleines, 
dickes  Kind,  da«  v^ie  gepfropft  ist. 
Treichel. 

proppen,  sw.,  pfropfen;  übermafzig  an- 
füllen; coire. 

proppendig,  adj.^  gepfropft.  Proppen- 
dig  voll^  gedruckt  voll.  Vgl.  Danneil, 
161a. 

prBpsch,  adj.  u.  adv,^  s.  prepsch. 

proschen,  ««?.,  betteln.  Prosche  fa  ne 
Chrosche^  fa  ne  Döttke  dremal.  Jerren- 
towitz.  Von  dem  poln.  prosic'^j  Präs. 
p'osz§  bitten. 

prOst,  das  lat.  prosit^  wohl  bekomm's, 
zur  Gesundheit.  Wunsch  beim  Niesen, 
beim  Zutrinken,  bei  der  Mahlzeit.  In 
gebildeteren  Kreisen  beim  Zutrunk: 
Ptöstchm!  Prösty  Vada  Jost!  Prost, 
gröfz'  den  Vadder  Jost!  Sprw.  I,  3017. 
IVost  de  Mältit,  prosit  die  Mahlzeit! 
Prost  Neujahr!  der  kürzeste  und  be- 
liebteste Neujahrsgluckwunsch.  Prost 
öm  de  Hälft,  det  Ganze  krtg  öck  nich 
mehr^  wenn  man  während  des  Essens 
in  ein  Zimmer  tritt.     Sprw.  IE,  2105. 

Prostemahlzeit,  /.,  s.  das  vor.  und 

Musik. 


Pröstemahbseitsgesicht  —  prusten. 


183 


PrAstemahlzeHsgesicht,  n.,  feistes,  volles 

Gesicht.  Man  schreibt  es  Pastoren  und 
Prälaten  zu.     Sprw.  I,  3019. 

proster,  prosto,  adv.j  geradezu;  von 
einem  dreisten,  kecken  Benehmen.  Er 
redet  prosto  weg.  Das  poln.  prosto  ge- 
rade. Im  Samlande  prosten*  aufgeblasen, 
stolz. 

Prüfz,  (?),  Fladen  von  grobem  Mehl. 

proter,  adj.,  trotzig.    Natangen. 

probig,  od)'.,  eigensinnig,  halsstarrig, 
mOrrisch,  trotzig,  und  aus  letzter m  wohl 
verderbt.  In  Liv-  und  Estland:  patzig. 
Hupel,  180.    Anton,  3,  8. 

prowjeiten,  sw,^  schimpfen.     Saalfeld. 

PrUch,  m.,  s.  BrVch. 

Pruddel,  m.,  pniddeln,  m,^  Pruddler, 
w ,  s.  PrOdel  etc. 

PrQdel,  Pruddel,  m.,  auch  Bruddel.   1. 

Fehler  in  einer  Näh-  oder  Strickarbeit, 
Fehler  überhaupt.,  Dummheit.  Er  hat 
einen  guten  Bruddel  gemacht  Sprw.  I, 
474.  2.  nach  Mühlin g  Dunst,  der  aus 
Flüssigkeiten  aufsteigt,  Brodem. 

prQdeln,  pruddeln.  brOdeln,   bruddeln, 

sw.  1.  schlecht,  ungleich,  kraus,  dicht, 
fest  nähen  oder  stricken.  Vgl.  prickeln 
4.  2.  angestrengt  und  fleiizig  nähen, 
ohne  lohnenden  Erfolg.  Sie  prudelt  den 
ganzen  Tag  und  bringt  nichts  vor  sich, 
3.  liederlich,  schlecht  und  obenhin  ar- 
beiten, pfuschen,  abpfuschen;  daher 
auch  abprQdeln  etc.  In  dieser  Bedeu- 
tung in  Liv-  und  Estland  brudeln. 
Hupel,  35.  Bock,  46.  Hennig,  4. 
196. 

prudeln,  pruddeln,  bruddeln,  sw,^  bro- 
deln, kochend  aufwallen,  langsam  kochen . 
Vgl.  WeigandU,  400f.  Brem.  Wb. 
m,  365.    Schützern,  236. 

PrQdler,  Pruddler,  9».,  einer,  Atr  pru- 
delt; auch  Spottname  für  den  Schnei- 
der, verstärkt:  BUxenprQdler,  pltd.  Bttxe- 
prOdler.    Letzteres  auch  allgemein  als 


Schimpfwort.  So  sagt  ein  Bauer  zu 
seinem  Knecht:  eck  rahd  et  dy^  sy  stoUj 
du  Böckse-Pruddler  du!  Carm,  nupt.  V, 
190  c. 

prOmeln,  prUmeln,  m.^  s.  prOmen. 
prQmen,  prUmen,  prQnen,  prUnen,  sw.^ 

frequent.  prOmeln,  prUmeln,  schlecht  nä- 
hen, stricken,  arbeiten,  wie  prüdeln; 
aber  auch  wie  dieses  fleifzig  nähen.  S. 
Brem.  Wb.  III,  364.  Schütze  lU,  237. 
Mnd.  Wb.  HI,  382.    Vgl.  prTmen. 

prQnen,  prUnen,  sw,,  s.  prQmen. 

Prunzel,  /.,  Falte. 

prunzeln,  sw,  1.  schlecht  nähen,  na- 
mentlich in  der  Naht  kraus  und  faltig. 
2.  coire,    Memel. 

prunzen,  sw.^  s.  v.  a.  brunzen  (s.  d.). 
AU  wenn  se  seck  aüa  hadde  beprunzt. 
Volksl.,  37,  25,  2. 

prunzlig,  adj,,  kraus,  ungleichmäfzig, 
faltig;  von  einer  Naht. 

Prusantel.  1  m  Tierräts.  108 :  die  Fliege, 
heifzt  es  von  dieser:  Kam  a  KeH  (Kerl) 
ve  (von)  Prusely  Uadd  na  Mantel  ve 
Prusantel.    Konitz. 

prusch,  interj.  u.  adv,^  von  pruschen 
u.  prusten.  Prusch  ßng  ich  hier  an  zu 
lachen^  prustend  lachte  ich  los.  Soph. 
R.  V,  520. 

prUicheln,  sw ,  arbeiten,  fleiizig  und 
thätig  sein.     Mühling. 

prQschen,  prQsen,  sw.,  s.  prOsten. 

prUieln,  sw.,  bei  Bock,  46,  u.  Hen- 
nig, 196,  prü/zeln^  s.  v.  a.  brisein  und 
pasem. 

Pnissel,  n.,  unsauberes,  namentlich 
in  den  Haaren  unordentliches  Mädchen. 
Schemionek,  30.     Vgl.  Puichel. 

prQsten,  auch  prQsen  u.  prQschen,  sw. 
1.  stark  niesen,  brausend  schnauben, 
voll  und  stark  atmen.  Dem  Niesenden 
ruft  man  prSst,  priist  =  prosit  zu.  Onse 
Katten  de  pruuse.  Dorr,  70.  Volksr., 
10,  42.    Wenn  man  zu  Gast  fährt  und 


184 


pmtecli  —  pQcldicIl. 


die  Pferde  pr^ken,  ao  kamwä  wum  an- 
ffemdkm.  TreicheL  2.  du  Lmchen  nicht 
mehr  unterdrückeii  koDDen,  6<nideni 
piötzlich  und  mit  Heftigkeit  losbcfaen. 
iMem  üu  Gedekl  prujtten  —  aMprtriHi 
—  u^pririBR  —  lM|visteiL  ErpnJufhu 

Im  ttie  er  neiem  mir  kmging.  Ick  horte, 
da/z  a  ein  Laehen  war;  aber  ick  aber- 
redete  mich,  a  tei  ein  Nieten.  Soph. 
B.  l,  444.  Ueichen  pn/htehie  Um;  denn 
das  Ding  mmfz  lachen.  Ibid.  HL  239. 
AOe  prykuhien  bm^  u%e  fahrende  Bier- 
ßoMchen  den  l^fropfen  werfen.  Ibid.  IT, 
481.  3.  gereizt  entgegnoi,  trotzen,  sich 
widerspenstig  zeigen.  Pr^si  mi  man 
niehffl'kdn-tGeföcht.  Die  Katze  prustet 
den  Hund  an.  De  ward  schön  prustCy 
wird  erzomt,  böse  werden.  Von  prü^ 
sen,  £ra«(t^ii=Geriuisch,  Getose  machen. 
Bei  Jeroschin:  prusen.  Pfeiffer, 
207.    Hennig,  196. 

pmbch,  ade^  5.  pritMh. 

PrzeraMa,  mondgerechter  PMberapka. 

Scberapkey/,  PLitz  zam  Umarbeiten  des 
Getreides.  Danzig.  Poln.  przerabka 
Umarbeitongsplatz,  przerabiac  omarbei- 
ten,  durcharbeiten,  omschatifebi.  Mron- 
gorias  I,  399b.  Schmitt,  Westpr. 
167. 

PlKhakreR,  Flach,  polo.  psia  krew 
Hondeblat.  Der  Deutsche  gebraucht 
dies  sehr  gewöhnliche  Flachwort  mei- 
stens nar  scherzhaft.     Sperber,  39. 

Pscherapka,  /.,  s.  Przerabia. 

PlcMMrowe,  (?),  Trinkgeld  bei  der 
Holzabnahme.  Elbing.  Poln.  przybor 
Au&ahme.     Schmitt,  Westpr.,  167. 

pA,  inter;.,  in  der  Kindersprache  Nach- 
ahmung des  Schalles,  den  ein  Schaiz 
herrorbringt 

Poeh,  Piiche,/..  s.  podien. 

Poche,  /.,  Deckbett,  Ton  dem  poln. 
puch  Dane,  Flaumfeder:  meist  bei  Ju- 


den gebräuchlich      Flato^.    Schmitt, 
108;  Wcs^r.,  167. 

fmkULsw.  l.podben. schelten:  trotzen, 
trotzig  drohen.  Die  Mutter  puckt^  sie 
sagt  den  Kindern  strafecde  Worte.  Da- 
Ton  anpacken.  aii^Mbea.  ausschelten, 
schmähen.  Daron  Pich.  Pache.  r, 
Schelte.  Er  hat  Pkck  pdniegL  i. 
brechen,  den  Flachs.  Flacks  puchtn 
—  zuerst  mit  der  grolzen  Bracke^  dinn 
mit  der  Sekabbraehe.  Das  zweite  I\uken 
ist  also  ein  Schaben.  Natangen.  Auf 
Samland  nennt  man  das  erste  Brechen 
des  Hachses:  stafzea  (Sto/zbraehe).  In 
beiden  Bedeutungen  ist  das  bremische 
pucken  pochen,  klopfen,  schlagen  und 
puken  klauben,  zwacken,  schaben,  kratzen 
verwandt.  Brem.  Wb.  HI.  370.  371. 
S.  Weigand  IL  366:  packen. 

pachlfain,  «tr.,  unaufhörlich  pucken^ 
ausschehen.     Schemionek,  30. 

Pack,  «1.  1.  Hundename.  2.  kleiner 
Mensch.  Wohl  Ton  dem  schelmisch 
neckenden  Nachtgeist  PucL  Weigand 
II,  403. 

Pocke!,  «1.  1.  Buckel,  Bücken.  Einem 
auf  den  I\tckd  steigen  —  ikm  den  Puckel 
besehen  ihm  den  I\tckel  auswalken^  ihn 
durchprägeln.  —  Lfg^f^  Sie  sich  aber 
nur  ein  Buch  Löschpapier  auf  den  PuJxl^ 
denn  ich  schlage  dreimal  auf  eine  StMe. 
Soph.  R.  U,  461.  Einen  krummen 
Pudcel  mad^en^  eine  dienstliche  Visite 
machen.  Hei  os  dm  (pp  em)  Puckel 
rerröckt.  Puckel^  hoT  (halte)  her.  dt 
kein  Dreschddl  da.  wenn's  Hiebe  giebt. 
Dönh.  Sprw.  I,  487  f.  2.  Höcker,  Aus- 
wuchs des  Rückens.  iW/bf/,  Buckel 
von  biegen.     Grimm,  Wb.  H,  484. 

pockrin,  Str.,  mit  .AnstrenguDg  auf 
dem  Rucken  tragen.  Er  hat  sein  gut 
Päckchen  zu  puckdn. 

pockfick,  adj..  backelicht.     Ich  lache 


Pückiinski  —  Püffel. 


185 


mich  pucklich.  Wir  hätten  uns  mögen 
buklicht  lachen,     Soph.  R.  V,  146. 

Pucidinski,  m,,  der  Buckelige.  Der 
Name  ist  mit  polnischer  Endung  ge- 
bildet. 

Puddel,  m.,  Dem.  Puddelke^  kleines, 
dickes  Kind,  korpulentes  Mädchen.  In 
Pommern  und  in  der  Altmark  Puddelke 
ein  solches,  das  zu  gehen  anfangt. 
Dähn.,  361b.  Danneil,  162a.  Vgl. 
Pummel. 

puddeln,  sw  ^  scharren.  Die  Hühner 
puddeln  im  Sande,  einpuddeln^  sich^ 
sich  einscharren,  wie  solches  die  Hühner 
thun;  wühlend  sich  in  Weiches,  Flocki- 
ges, in  Betten  hüllen.  Sich  zurechipud- 
delny  durch  hin-  und  herzausen  der 
Betten  sich  in  eine  behagliche  Lage 
bringen.     Marold. 

Puddik,  m.,  s.  Poddik. 

piiddlig,  adj,^  rund  und  voll  in  der 
Körperform,  fleischig.  Ein  puddliges 
Mädchen.  Im  Brem.  puddig.  Brem. 
Wb.  III,  368.    Vgl.  Puddel. 

PQdel,  /.,  s.  V.  a.  Paudely  und  ist  Pu- 
del das  ursprüngliche  Wort. 

Pudel,  ni.  1.  Fehlschulz,  Fehlwurf, 
Fehler,  Versehen  überhaupt.  Einen 
Pudel  schief zen^  die  Scheibe  fehlen,  — 
werfen  y  beim  Kegelspiel  keinen  Kegel 
treffen.  Vhchd.  selten:  Wo  sie  nicht 
das  Wildprät  kennen ,  Und  ihr  (der 
Jäger)  Schu/z  vom  Pandel  frei^  ist  ihr 
Jagen  Hudelei.  Carm.  nupt  I,  71. 
Hennig,  196.  2.  nach  Klein  II,  68, 
in  Danzig  beim  Bankerott  die  Masse, 
welche  für  die  Gläubiger  übrig  bleibt. 
Wohl  aus  dem  holl,  boedel,  gesprochen 
budely  Erbschaft,  Hinterlassenschaft.  3. 
nach  Sperber,  25,  der  übelriechende 
Schmutz  zwischen  den  Zehen  unsaube- 
rer FüCze. 

pudeldick^  adv.  Er  ist  pudeldick  be- 
sofen^  so  stark  betrunken,  dalz  er  nicht 


stehen  kann.    In  Bremen  puddeln^  pu- 
dein  im  Gehen  wackeln.     Brem.  Wb. 
III,  368. 
Pudelmütze,  pltd.  Pudelmifb,  /.,  Mütze 

aus  Pudelfell,  aber  auch  Pelzmütze, 
ja  Wintermütze  überhaupt.  Vgl.  Schapp- 
kenmUtze. 

pudeln,  sw.^  einen  Fehlschul'z^  Fehl- 
wurf thun. 

pudelnarech,  adj.^  pudelnärrisch,  ko- 
misch, in  Bewegung  und  Manier  spafz- 
haft  wie  ein  Pudelbund.  Das  liefz  ihr 
pudelnarsch.    Vgl.  narsch. 

pudelnafz,  adj.j  nafz  wie  ein  (bereg- 
neter) Pudel. 

Puder,  7n.,  feingestofzener  lugwer, 
zu  Puder  zerriebenes  Gewürz.  Puder- 
zucker. Er  hat  Puder  und  Pfefer  be- 
kommen^ harte  Vorwürfe,  Verweise. 
Bock,  46.    Hennig,  197. 

PudTmke,  m.^  s.  d.  folg. 

PudTnke,  PudTmke,  auch  PodTnke  und 
Podlmke,  m.  1.  kurzer,  dicker  Mensch. 
Hennig,  197.  Vgl.  poln.  poddymac 
das  Feuer  von  unten  anhlAseny  poddymka 
Feuer wedel,  daher  preui'z.  pudiemke 
ein  Mensch,  der  von  unten  ins  Feuer 
bläst:  auch  pflegen  kurze  dicke  Men- 
schen leicht  stai*k  zu  blasen  und  zu 
pusten.  Nsslm.  Forsch.  3;  Th.,  144. 
Pierson,  Lit.  Aeq.,  21,  zieht  in  Ver- 
gleich lit.  pudyne  Milchtopf,  und  in 
den  A.  W.,  34,  zu  Podtnke  dynia  Kür- 
bis. 2.  Der  Stern  Alcor,  das  Reiter- 
chen, gewöhnlich  Dümeke  (s.  d.).  Bock, 
46.  Hennig,  197.  Nach  einer  Mit- 
teilung aus  Pillau  nennen  dortige  Schiffer 
das  Sternbild  Fuhrmann  Podtmke. 

PUffel,  Pdffei,  m.  1.  Büffel.  2.  ro- 
her, ungeschliffener,  ordinärer,  unge- 
bildeter Mensch;  Arbeiter.  Er  ist  ein 
rechter  Püffely  ein  Mensch  ohne  alle 
Manieren.  Wenn  nun  ein  stoUzer  Phy- 
sischer Püffel  diesem  widersprechen  will. 


186 


pfiffelig  —  Pülarbeit. 


so  lerne  er  allererst  die  Trigonometrische 
Leiter  aus  der  spitzklugen  Geomettriu 
anzusehen,  Linem.,  Rr2a.  Dennoch 
weifz  ich,  da/z  starche  Trdge9jmfel(Ij2kSt' 
träger)  sich  mehr  beklaget  haben  über 
das  Geicicht  einer  Thonnen  Wasser,  als 
über  das  Gewicht  einer  Thonnen 
Schwartzbier.  Linem.,  Ee  4b.  3. 
dicker  Rock.     Sperber,  25. 

pUffelig,  pVff(e^lig,  adj,  von  Püfel, 
grob,  UDinanierlich,  von  rohem  Wesen, 
ungeschlifFener  Manier.  Vgl.  pofelig 
und  muffelig. 

pUffeln,  büffeln,  9tr.,  von  Püffel,  Büffel, 
hart,  angestrengt,  wie  ein  Büffel  ar- 
beiten. Ich  habe  heute  hart  püffeln  müs- 
sen.   Hennig,  334. 

puffen,  8w.  1.  knallen,  mit  Puff  schal- 
lend fallen.  Er  fiel  hin,  da/z  es  puffete, 
2.  mit  der  Faost  stolzen,  in  die  Seite 
stofzen,  bayr.  und  nds.  buffen.  Puffen 
undknuffen.  Schmellerl,  157.  Brem. 
Wb.  I,  155.  Schamb.,  35b.  3.  be- 
ben, klopfen.  Das  Herz  pufft  Davon 
verpuffen,  in  puffenden  Knall  auflösen, 
leichtfertig  durchbringen,  sich  entkräf- 
ten. Pulver  — ,  Geld  — ,  Kraft  ver- 
puffen. 

Puffer,  m,  1.  einer,  der  pufft.  2. 
SchlusselbQchse,  Terzerol.  Die  Knaben 
fertigen  den  Lauf  ihres  Puffers  aus 
einem  hohlen  Schlüssel.  Im  Yolks- 
munde  heii'zt  diese  Schlusselbüchse  ge- 
wöhnlich Puffert,  holl.  poffer.  Woher 
kombts,  dafz  eine  Kugel  so  aufzm  Puffer, 
oder  Feurrohr  geschossen,   in  der  nahe 

ein  Brett  durchgehet  etc Bergegen 

im  Fewerrohr  oder  Puffer  wird  über- 
tcunden  die  Gewalt  des  Triebes,  von  der 
Gewalt  des  durchbrechens.  Linem., 
Ee  2b. 

Puffrad,  n.,  Wagenrad  ohne  Eisenbe- 
schiag.   Ein  Wagen  mit  unbeschlagenen 


Rädern  heiizt  Puffwagen,  ein  unbeschla- 
gener Schlitten  Puffschlitten. 

Puffs,  m.  1.  Puff,  Stofz.  Er  kann 
einen  guten  Puffs  vertragen,  er  hält  was 
aus,  ist  ein  tüchtiger  Trinker.  S. 
Knuff,  Knuffs.  2.  zui*  Bezeichnung 
eines  Zeitraumes.  Einen  Puffs  abschla- 
fen,   Mühling. 

paffst,  9n.,  s.  PftwefTsL 

PUgg,  PUgge,  /.,  s.  Pig. 

Pugichel,  m.,  ungeschickte,  unsaubere 
Dienstmagd.     Elbing.    Schemionek, 

30.    Vgl.  Prussel  u.  Puichel. 

Pugiften,  pbir,,  s.  Pogiften. 

Pui,  /.,  Dem.  Puichen,  pltd.  Puike, 
Katze.  Als  Schmeichelwort  auch  Puja 
u  Puje;  in  der  Zusammensetzung:  Pui- 
kab'.  Du  schmengst  (naschest)  wie  ne 
Puikatz\  Saalfeld.  Gedaniam.  Sper- 
ber, 39.    Vgl.  PT,  Pticab'  u.  Puich. 

Puikatz',  /.,  s.  das  vor. 

puingem,  sw.,  coire,  Westpr.  Vgl. 
das  lat.  pungere  stechen. 

Puja,  f.,  s.  Pui. 

Pujab,  f.,  s.  Pajab. 

Puje,  /.,  s.  Pui. 

Pujenge,  /.,  s.  Bujenge. 

Pulds,  m.  1.  Kaulbarsch.  Er  stremmt 
sich  wie  ein  Pukis.  Stillen.  Sprw.  ü, 
2598.  Stint  on  Pükel  Klang  der  Glo- 
cken zu  Karkeln  und  Inse  bei  Tilsit 
Volksr.,  270,  937.  Nach  Mühling 
auch  Peike.  2.  drachenartiger  Kobold, 
der  im  ganzen  nördlichen  Teil  unseres 
Litauens  wohl  bekannt  ist  Lit  pukys 
in  beiden  Bedeutungen.  Bezzenber- 
ger,  Lit  Forschungen,  61  ff.    Vgl.  Alf. 

PQlarbeit,  /.,  Arbeit,  bei  der  viel  zu 
pulen  ist;  mühsame  feine  Arbeit,  die 
mit  grofzer  Genauigkeit  und  Geduld 
ausgeführt  werden  mufz.  Mühling. 
Ebenso  in  Bremen.  Brem.  Wb.  III, 
373.    Sie  heiizt  auch  KnIWelarbeiL 


pulen  —  piimmfzig. 


187 


pQlen,  SU7.,  mit  den  Fingern  an  einem 
Dinge  zupfen,  heruroarbeiten,  etwas 
los-  oder  herausklauben;  auch  mit  den 
Zähnen  zupfend  nagen;  in  weiterer 
Bedeutung  langsam  und  mühsam  ar- 
beiten. Kartoffeln  pitlen,  einzelne  Knol- 
len aus  der  Erde  herauswühlen,  ohne 
der  Staude  zu  schaden.  Bohnen^  — 
Erbsen  pulen,  aushülsen.  Die  Braut 
sa/z  und  puhlte  an  ihren  Kleideim^  une 
eine  GanSy  die  Mi  baden  tvill.  Soph. 
R.  ni,  242.  Sich  in  der  Nase  pülen^ 
mit  dem  Finger  in  der  Nase  wühlen. 
Am  Knochen  ptilen  —  ihn  bepQlen,  das 
daran  befindliche  Fleisch  nagend  los- 
lösen. Das  Brot  bepulen.  Den  Kern 
aus  der  Nufz  pulen  —  auspQlen.  Eben- 
so: abpQlen,  aufpQlen.  Vgl.  hniweln  mit 
dem  es  dem  Begriffe  nach  verwandt 
ist.  Engl,  pull.  In  Hamburg,  Bremen, 
Holstein  ebenfalls  pulen,  Brem.  Wb. 
III,  372.  Schütze,  III,  240.  Sche- 
mionek,  30.     Sperber,  25. 

pOiig,  adj,  von  einer  Arbeit,  an  der 
viel  zu  pulen  ist. 

pulkem,  Str.,  im  Erdboden  scharren, 
kratzen.  Bm  r^ndlichet  Kind  sali  nich 
pulkem.    Dorr,  1.  Wiew.,  89. 

Pulle,  Bulle,  /.,  Flasche,  in  Bremen 
auch  Kanne  mit  dickem  Bauch.  Lat. 
ampulla,  Qu^.  bowl^  hoU.  pull^  angs. 
boUa^  isl.  bolli.  Boly  bul  hat  überhaupt 
den  Begriff  des  Runden,  Bauchigen. 
Brem.  Wb.  III,  373.  Vilmar,  307. 
K^    Vgl.  Sufldel  u.  PVIIe. 

pullen,  »217.,  rudern,  wobei  mau  die 
Rtmen  (Ruder)  kurz  einsetzt.  Samland. 
In  Litauen  auch  auf  pullen.  Gordack. 
Engl,  to  puU  ziehen,  reil'zen. 

Pulpeinen,  auch  BarkhVIzer,  plur.^  die 
über  dem  Wasserspiegel  hervorragen- 
den, horizontal  gelegenen  Planken  des 
Schiffes.     Hirsch,  265. 


Pulswärmer,  m.,  s.  Mau. 
PulterstUck,  n.,  tüchtiges  Fleischstück 
aus  dem    vollen  Schinken.     Mühling. 

Vgl.  PaKe. 

Pulver,  n,  1  Schiefzpulver,  in  über- 
tragoner  Bedeutung.  Er  hat  sein  Pulver 
verschossen^  ist  impotent.  2.  vor  Ein- 
fülirung  der  Schnellfeuerzeuge  der 
Zunder  aus  verkohlten  Lumpen.  Er 
hiei'z  in  Danzig  nach  Klein  II,  70, 
Pulvertuch.  Vgl.  Pinkfeuei*zeug.  Bock, 
47.  3.  Staub,  Asche.  Das  Holz  war 
une  Pulver, 

Pulverzeug,  n.,  Feuerzeug  mit  Pulver 
(Zunder),  Stahl,  Stein  und  Schwefel- 
faden, gewöhnlich  Schwefellicht  ge- 
nannt. Aufzer  Gebrauch.  Es  hiefz 
auch  Pinkf euer  zeug.    S.  pinken. 

Pum,  /. ,  cunnusy  vulva.  Dzg.  Klein, 
II,  70. 

Pummel,  /.,  Dem.  Pummelchen^  und 
dieses  gewöhnlich  zur  Bezeichnung  eines 
pfannkuchenartigen  Gebäckes,  ähnlich 
denKropfen.  Sperber,  25.  InMcklbg.- 
Vorp.  Semmel,  in  der  Altmark  Pumm'l 
breites  dickes  Weizenbrot  an  beiden 
Enden  zugespitzt.  Mi,  66b.  Danneil, 
163  c. 

Pummel,  n,  1.  etwas  Umwickeltes, 
Bepummeltes,  s.  pummeln,  2.  kleines 
dickes  Kind,  kleiner  dicker  Mensch. 
Kreis     Neustadt.       Treichel.       Vgl. 

Puddel  und  Pumpel. 

pummeln,  »w.^  s.  v.  a.  mummeln^  doch 
mit  dem  Nebenbegri£P,  dafz  das  Ein- 
hüllen und  Umwickeln  unordentlich 
und  eilig  geschieht,  wodurch  der  um- 
wickelte Gegenstand  unförmlich  wird. 

Pummfufz,  pltd.  Pommföt,  m.,  Klump- 

fufz,  unförmlicher  Ful'z,  von  Natur  oder 
durch  plumpe  Fui'zbekleidung.  Ma- 
rold. 

pummfzig,    adj,^    unförmlich,    plump, 


188 


Pnmpbüxen  —  Pongel. 


klumpig.     Dicke    anforoiliche  Wollen- 
Strümpfe    sitzen  pumm/zig,     Marold. 

Vgl.  pumpelig. 

PumpbOxen,  pltd.  Pompböxen,  /.,  weite 
Schifferhosen.  Pomp  als  natörlicfaer 
Ausdruck  einer  aufbauschenden,  lockern 
und  weiten  Sache,  welcher  Begriff  auch 
in  dem  lat.  pompa  der  herrschende  ist. 
Adelung  III,  808.  In  Bayern  Pumpf- 
hosen.  Schm eller  1,285.  Vgl.  Pludder- 
hMe. 

Pumpe,  /.  1.  lange  Stange,  an  deren 
Ende  eine  Art  hölzerner  Traube,  oder 
ein  steifes  Leder  befestigt  ist,  welche, 
oft  noch  mit  einer  Anzahl  groizer  an 
Schnüren  sitzender  Holzkugehi  oder 
eiserner  Ringe  ausgestattet,  bei  ihren 
Bewegungen  ein  rasselndes  Geräusch 
Yerursacht  Fischgerat  zum  Scheu- 
chen der  Fische,  dem  sog.  Pumpen. 
Es  heii'zt  auch  Pumpstock,  Plumpe 
u.  Plumpstock^  in  Bremen  auch  Plumpe- 
kUe.  Brem.  Wb  HI,  345.  2.  Brunnen, 
Pumpbrunnen,  üblicher  jedoch  Plumpe. 
3.  Borg,  Kredit.  Auf  Pump  nehmen. 
Er  hat  bei  ihm  Purrtpe. 

Pumpel,  m.  1.  kleiner,  im  Wachs- 
tum zurückgebliebener  Mensch.  Pill- 
kallen.  Vgl.  PummeL  2.  Person,  die 
yiele  Kleider  unförmlich  über  einander 
gezogen  hat.  Vgl.  mummeln.  Daher 
verpumpeln  =  vermummen.  Samland. 
3.  Bündel.    Vgl.  Pungel. 

PUmpel,  m.^  Tölpel.  Ich  dummer 
Pumpel  bedachte  nichts  dafz  die  Moden 
sich  andern.     Soph.  R.  VI,  556. 

Pumpelfritze ,  m.^  verweichlichter 
Mensch,  der  bei  geringer  Kälte  sich 
zu  warm  bekleidet,  bepumpelt.  Trei- 
chel. 

pumpelig,  adj.  1.  weichlich,  schwäch- 
lich, kränklieb.  Mir  ist  so  pumpelig 
(auch  pumpelig)  zu  Mute.  In  der  Ober- 
laus, schwach,   nicht   recht   fest,    ent- 


kräftet Anton,  3,  8.  2.  onformlich, 
uneben,  faltig.  Der  Rock  sUzt  pump- 
lig.     VgL  PumpeL 

pumpeh.  Str.,  einhüllen  etc.,  s.  mus- 

mebL 

Pumpen,  n.  Das  Pumpen  und  Jagen^ 
lit.  spurtkiy  besteht  darin,  dalz  mit 
langen,  besonders  eingerichteten  Stan- 
gen, den  sog.  Pumpen  (s.  d.)  ein  star- 
kes Getöse  im  Wasser  verursacht  wird, 
um  die  Fische  in  aufgestellte  Netze 
hineinzutreiben.  Diese  Art  des  Fisch- 
fanges untersagt  die  J'iscL.-Ord.  f.  d. 
fr.  HaB  unbedingt  (§  46),  die  für  das 
knr.  Haff  gestattet  sie  nur  ausnahms- 
weise bei  der  Dobenfischerei  (§  45). 
Abo  dafz  kein  Fischer . . .  enich  der 
Pompen  in  keinerleg  Fischerei  gebrauchen 
sollen.  Landesordnung  Ton  1498. 
Bock,  Nat.  IV,  694.  YgL  ßenecke, 
410.  Hennig,  197.  Sperber,  25. 
S.  Bullem. 

Pumpskeule,  /.,  s.  Dudericeule. 

Pumpstock,  m.,  s.  Pumpe. 

Pundel,  PUndel,  n.,  s.  PungeL 

Punder,  m.,  wohl  von  Fund  Pfund, 
vereidigter  Wäger.  Bei  Hirsch,  218, 
der  Stadt- Punder. 

Pungel,  PUngel,  Pingel,  PUndel,  Pindel, 

auch  Pumpel,  n.  u.m.  1 .  Bündel,  kleines 
Pack,  Dem.  Pungelche,  pltd.  Pungelke 
etc.  Ein  Kerl  mit  einem  gro/zen  Pun- 
gel.  Och  ha  mar  aus  Elwing  ön 
Pungel  Bett  geholt  Spook,  474. 
Ganze  Pingel  von  dem  Beste^  Schockt 
dem  Pastor  man  to  Neste.  VolksL, 
43,  27,  8.  Eck  sach  von  tciedens  af  sei 
noch  nich  Pungel  droge^  ob  sie  noch 
nicht  die  Packe  mit  den  Hochzeits- 
geschenken brachten.  Carm.  nupt.  I, 
282,  12.  Pungel  machen^  nach  Hoch- 
zeiten, Gebetsyerhoren  und  anderen 
Festlichkeiten  die  Reste  von  Speisen, 
namentlich  von  Gebackenem,  in  Tücher 


Pongeljude  —  pdpen. 


189 


binden,  um  sie  als  Geschenk  für  die 
Daheioigebliebenen  entweder  selbst  mit 
nach  Hause  zu  nehmen,  oder  ins  Haus 
nachgeschickt  zu  erhalten.  Hennig, 
197.  Eck  hoM  den  Kostings-Schniaufz^ 
oock  Dangs^  oock  Pingel  en,  Carm,  nupt 
ni,  133d.  Pungel  und  Packy  alles 
Tragbare.  Mit  Pungel  und  Pack  ab- 
sahen. 2.  Menge^  Haufe.  Ein  Pungel 
Leute.  Sie  stehen  alle  auf  einem  Pun- 
gel, Ein  Pungel  Geld.  3.  bildlich: 
Bürde,  Last,  schwere  Sorge.  Hei  lieft 
S/n  Pungelke  to  drdge.  Er  hat  sich  ein 
gutes  Pungel  auf  den  Rücken  gebunden, 
er  hat  sich  eine  schwere  Sorge  aufge- 
laden. Sprw.  I,  3035.  4.  nach  M  ü  h  - 
ling  auch  in  der  Bartener  Gegend 
eine  Quantität  Garn  von  15  Gebinden, 
ein  sog.  Funfzehner.  Angs.,  schwed. 
u.  dän.  bung^  pung,  mlat.  bungeUus^  bun- 
deloy  bundella,  im  Bremischen  Ping, 
Punge^  Pungel^  in  Posen  Pingel,  Pungel. 
Brem.  Wb.  HI,  377.  Bernd,  208. 
PUngeljude,   Pingel-,   Pindeljude,    m., 

jüdischer  Hausierer,  der  seinen  Kram 
in  einem  Pungel  auf  dem  Racken 
trägt. 

Pungelkirsche, /.,  Doppelkirsche,  wel- 
che mehrere,  ein  Pangel,  Kirschen  an 
einem  Schafte  trägt.  In  Westpr.  Pfund- 
klrsche.    Müh  ling. 

pungeln,  sw.^  s.  pUngeln. 

pUngeln,  pingeln,  pungeln,  pindeln,  sw.^ 

1.  Pungel  machen;  Kleinigkeiten  aus- 
und  einpacken.  2.  langsam  mit  den 
Fingern  etwas  losen  oder  binden;  beim 
Ankleiden  langsam  sein,  sich  verweilen, 
aufhalten,  daher  verweilen  und  auf- 
halten überhaupt.  Pungel  nich  so  lang\ 
mache  nicht  so  lange.  Er  hat  immer 
was  zu  püngeln^  er  hält  sich  stet«  auf, 
kommt  vor  Beschäftigung  mit  Kleinig- 
keiten nicht  zu  einer  ernsten  und  ge- 


regelten Thätigkeit.  Hennig,  198. 
anpingeln,  anpindeln,  sich^  sich  anklei- 
den. Endlich  häbV  m  em  beschwabbelt 
(beschwatzt),  Dat  he  seck  hdwt  ange- 
pindelt  Nowack,  41.  bepingeln,  warm 
einhüllen  in  Tücher,  Kleidungsstücke. 

Punke,  /.,  Knallbüchse,  von  dem 
poln.  pßkac  knallen.  Schmitt,  West- 
pr., 167. 

punken,  sw.^  dumpf  tönen,  tönen. 
Trampeln,  daft  punkt  Schlochau.  S. 
juch. 

Punschkanne,  /.,  Scherzbezeichnung 
für  das  Nachtgeschirr,  die  Nachts- 
kanne. 

Puntschke,  m.,  Pfannkuchen;  von  dem 
poln.  pqczek,  zunächst  Knospe,  dann, 
nach  der  Form,  Kröpfen,  Pfannkuchen. 
Schmitt,  108;  Westpr.,  167. 

Punz,  /.,  der  gebräuchlichste  Name 
für  cunnus,  vulva^  Dem.  Punzchen, 
Pünzchen,  pltd.  Punzke.  Im  östlichen 
Hessen  und  sonst  in  Deutschland  in 
gleichem  Sinne  Bunze,  Bunz,  in  Dzg. 
auch  Pum,  im  Samlande  Ptis,  in  Bre- 
men und  Pommern  Puse,  isl.  puss,  lit. 
pissa,  pisse,  pyze,  pyzda.  Vi  1  mar, 
62.  Brem.  Wb.  HI,  381.  Dähn, 
364  b. 

punzem,  sw.,  coite.  Einlage  bei  £1- 
bing. 

punzmaulen,   pltd.    punzmQle(n) ,   m., 

gram  sehen,  griesmaulen.  Ömmerpunz-- 
mvle  künvL  wl  nich.  Einlage  bei  El- 
bing. 

PQp,  PQps,  m.,  Dem.  PQpke,  PQpske, 
n ,  Furz.  Er  hat  einen  Pup  gelassen. 
Er  schlachtet  (ahnt)  nä  m  Pvpke.  Das 
(er)  ist  unterm  Püpke.  Sprw.  I, 
3037. 

pQpen,  pQp88n,  sw.,  feinere  Bezeich- 
nung für  furzen,  pedere.  In  Bremen, 
Holstein,  Pommern  auch  purten.   Brem. 


190 


Piipke  —  Pusch. 


Wb,  IIK  380.  Schütze  111,  246. 
Dahn«  364a.  In  Posen  auch  noch 
pumi.istn.     Beende  224. 

PQpke,  fii..  Wasserhuhn,  s.  Hiirdei. 

PlippenwerlL  n..  Spiel  mit  Puppen. 
Indessen  höret  nuin^  da/z  auch  die  Klei- 
nen  liebefK  Und  an  dem  Ihppenuerck 
schon  ihtf  Xeiijunff  üben,  tarw,  niipf. 
I,  286. 

poppenu  paspenu  sw.,  schnell  klopfen. 

ängstlich  schlagen:  vom  Herzen.  Mir 
puppert  das  Her:  vor  An^t.  Wie 
pmpert  mer  des  Bart,  Dorr,  L  Wiew., 
56.  In  Hessen  poppem^  Vilm.,  305. 
In  Posen:  schnelL  mit  gewissem  dum- 
pfem l^ut  oder  Gefühl  hin  and  her 
bewegt  werden;  in  der  Bewegung  ein 
dompfess  schnell  wiederiiukes  Geri^uäcli 
hören  lassen:  Der  Wind  pMf^Mri  im 
Ofem.      Bernd,    224.      Verwandt   mit 


Zeichnung  eines  kleinen  Kindes  Die 
Premefz  freu  sich  grausam  sehrchens 
iber  die  beeds  kleene  Purksen  (die  von 
ihr  geborenen  Zwillinge).  Schaltj.  1, 
440.  In  Mcklbg.-Vorp.  kleiner  Mensch. 
Mi,  67a. 

Piumalleiit  Ortsn.,  Gut  bei  Memel. 
He  ÖS  ut  l^urmeUe.  wo  de  Bund"  möt 
rfrtw  ^4.  MIe.    Sprw.  I,  3038. 

purr,  inierj.^  Zuruf  an  Pferde,  wenn 
sie  im  Gamre  anhalten  sollen;  auch 
bVT.  Daher  heilzt  das  Pferd  in  der 
Eindersprache  PwTChe.  pltd.  Ponte, 
PwTpfenlciis,  pltd.  PsTpCnfea. 


«•.,    Rauhhafer,     Avena 
siHffosa  Scknfb.    Hagen,  120. 


Pipi;  M ,  s    Pipw 


^ 


r,  iidj.  Q.  adr^  rein,  lauter«  unver- 
mischt:  von  dem  lat.  pmnt»^  pmrt^ 
PkW  Sekanamd,  reine  Sahne.  ^Sra  dat 
mici  mam  pvnt  ScUtef  lorai.  mmpi^ 
h  l41.  Da»  kist  er  oms  pmrer  Boiskeit 
gtftkan.  /W  rvmt^  B^mckart^  lauter 
junge  Herrschaft.  Seeknw.,  81.  fm 
p^Mpperd  pmrw  ^-kmeaJocAe  Setjubm,  Dzg. 
Nhg.  PimL,  45.  Bei  Jeroschin, 
54>b:  iiflr  i^-iur^  dm  ttkm  kgrtteäeA 
katewr^  vi&z  ^  im  m^  Korti»  pn^^r  der 
Kth'keie  leite  m>rn^    Pfeiffer.  2»>>.    S- 


P«nl.  M.  1.  der  Püizel.  Bürzel 
2.  kleiner,  dicker  KerL  ELnorz.  /,  Arr- 
sA,  du  tcölbt  oms  zöm  Bette  hole.  Erm- 
land.  Firmenich  L  115.  In  die- 
ser Bedeutung  auch  in  Pensen.  Bernd, 
224.  Purz,  Pirz.  Burz^  Birzd;  in 
Bmrzei.  Yilmar.  62.  Bre^ 
Pkrnfi  Bran.  Wb.  UI, 
379.  FngL  lmrii$  dickleibig.  3.  ein 
in  Schmalz  gebackei&er  Ptumkuchen 
<dine  Füllung,  beüebces  Xenjahrsge- 
bäeke:  auch  F6rzei^  /Varf  ^Sw  d.^ 
Dzg.W.  Seidel,  Soc  Nauegec.  Ober- 
land. Xsslm.  Forsch.  3,  Tk  220. 
Sperber,  2^>. 


m^  Baivdbtuau  s. 


;wr..    iraekefi.      Mühling.  pV2ffi§^>oa i W:m± 

Wohl  ^Tiel  a&>  rn»vhgib%^  plRtlL  «r..  s.  py?^ 

AT.^  s^  P^t&.  PV2iBMCk0L  n^   SceLibtem.     Er  kat 

<jBug^.  Toa  pmr  nwi  im  Reichen  $ic&  «ieift  fWc^nc/cAeit  CffrstXBti4Ac^ 

Siuie.     X^  p^ifriuH^  nruut   ITcfswr.   zur  PiSL  rU  cvaumäw  s^  PlMZ. 

BeaeichiLtxit^     etneß     wit5)»erigen.     Ge^  fiKk.    m.,    IVm.    P^tachachuf^    pltd. 

traixk^Sw  E^iächJui.     1.    Bu^rh.    G<jC'I;?c{l.    kLein^r 

wu  K'firors;^  nsUKesdick  zur  Be-  Wald.     E  Pitaciuct    WM.     i.  ScaaciL 


Pusch  —  puscheln. 


191 


. . .  wenn  man  den  Fuchs  belauert:  Man 
leget  mancherlei)  auf  das  gehöhlte  Grab 
an  lausch  und  Strauchwerk  hin.  Carm. 
nupt^  I,  1.  Jeroschin:  beide  durch 
pusch  und  durch  wald  132  b.  er  trat 
in  einen  pusch  bestt  169d.  st  mustin 
sich  behaldin  in  bruche^  puschin^  wal- 
din  102b.  Pfeiffer,  208.  Die  An- 
muih  ziehet  fort  aus  Gärten^  POsch  und 
Auen.  Carm.  nupt.  III,  233  b.  3. 
Straaiz,  Zweig  mit  Blättern  oder  Blu- 
ten. Ein  Pusch  Blumen.  Ein  Pusch- 
chen  Flieder.  4.  Zusammengebundenes, 
das  einem  Basche  ahnt.  Ein  Pusch 
Federn^  Federpusch.  Da/z  sie  sich  van 
dato  an  keineswegs  unterstehen . . .  i%- 
scher  an  den  Ohren  zu  tragen.  Eleider- 
ordnuDg  v.  J.  1684.  Hartwich,  51. 
5.  der  obere  Teil  des  Wockens,  der 
die  Spule  trägt  und  vermittelst  einer 
Schraube  höher  oder  tiefer  gestellt 
werden  kann.  Ahd.  busc^  boscy  mhd. 
buschy  puschy  bosch^  dän.  busk^  schwed. 
bu^ke^  engl.  itwA,  holl.  bosch^  ital.  boscOj 
Span,  bosque^  im  mittlem  Latein,  boscus, 
buscus,  franz.  bois  Gehölz.  Adelung, 
I,  1273.  Weigand,  I,  258. 
Puich,  Puiche,   auch  PQiche,   PQse, 

Pise,  /.,  Dem.  Pubchchen^  pltd.  Pux'chke^ 
Ruf-  und  Schmeichelname  für  die  Katze. 
Onse  Katt  dei  Puiche  {:ichu^ch£). 
Volksr.,  10,  40.  Engl,  puss^  holl.  jpoes, 
lit.  puiz^  puize,  puz,  im  Brem.  Puus^ 
in  Hessen  Ihisse.  Brem.  Wb.  III,  381. 
Vilmar,  307.  Vgl.  Pul.  Der  Kater 
wird  Puicher,  ?».,  gerufen.  Volksr., 
64,  242e.  Bock,  47.  Hennig, 
198. 

puichauen,  sw.^  s.  puicheien. 

Puichchen,  n.,  s.  Puich  und  Puich- 
mau. 

puicheien,  pltd.  puichlen,  sw.,  strei- 
cheln, liebkosend  streichen,  besonders 
Wangen  und  Schultern  (Oberarm) ;  von 


PuHche  Katze,  die  sich  gern  streicheln 
läfzt  und  streichend  anschmiedet.    Auch 

pu§chen,  pukhaien,  pu§chanen  (Sehe- 
mionek,  30),  pu§chkatten,  pu§chkatem. 

Schlugst  den  Wulf  6k?  Na,  puicheie 
war  öck  em  doch  nich.  Volksr.,  262, 
912.  Ve»'  Freide  pu^cheid  hei  dem 
Meister  de  Backe.  Kgsbg.  Firmenich  I, 
103a.  Hennig,199.  pmchkattenkommt 
nach  Bock,  47,  von  einem  Spiel  her, 
mit  dem  Wärterinnen  die  Kinder  unter- 
halten: sie  betrachten  die  Händchen 
der  Kleinen  als  die  Pfoten  der  Katze 
und  streicheln  die  Wangen  des  Kin- 
des. 

Puschel,  (ßch  scharf),  m.^  von  Pusch 
=  Busch,  Straul'z,  Helmbusch,  Feder- 
busch. 

Puichel,  VI.  1.  Magd,  der  die  nie- 
drigste Arbeit  obliegt;  nach  Marold 
auch  junges,  schwaches  Dienstmädchen, 
das  die  Arbeit  noch  nicht  recht  ver- 
steht. Das  ist  der  Puschel.  S  c  h  e  m  i  o  - 
nek,  30.  2.  unsauberes,  schmutziges 
Frauenzimmer  überhaupt.  Sie  ist  ein 
reiner  Pu^cheL  Auch  Puiel;  ebenso  in 
Pommern.  Dähn,  346b.  NachTrei- 
chel  Pusel,  n.,  kleines,  dickes,  liebes 
Mädchen,  Ruf  wort  für  solches,  aber 
auch  für  Hunde,  und  selbst  Hunde- 
name.   Vgl.  Prussel  und  Posengel. 

Pu§chelarbeit,  /*.,  unsaubere  Arbeit, 
Scharwerksdienst.     VgL  puicheln. 

puicheln,  sw.^  verwandt  mit  nuscheln. 

1.  langsam,  obenhin  aber  stetig  arbeiten, 
thätig  sein,  doch  ohne  rechtes  Ergeb- 
nis. Sie  ist  in  einem  Puscheln.  Er 
pu^chelt  den  ganzen  Tag^  und  wenn 
der  Abend  kommt,  ist  nichts  zu  besehen. 

2.  träge,  unordentlich,  unsauber  arbei- 
ten. 3.  schmutzige  Arbeiten  verrichten, 
von  welchen  sich  jeder  gern  fern  hält* 
Schemionek,  30.  4.  mit  einem  wei- 
chen Gegenstand    oder   mit  der  Hand 


192 


puscheien  —  Pnstbacke. 


über  etwas  leicht  hin-  and  herfahren, 
also  verwandt  mit  puscheien,  Pu^ckel 
mir  doch  nicht  im  Gesicht  herum!  5. 
coire.  Ich  hah^  einen  Mann^  Der  mich 
ruUheln  und  puscheln  kann.  Tierräts. 
103.  Hin  und  wieder  namentlich  in 
Westpr.  aach  pufeln.  Davon  Gepuichel, 
n.  Bock,  47.  Hennig,  198.  Vgl. 
Brem.  Wb.  HI,  353.  Dähn.  364  b. 
Danneil,  164a.  Mi,  67a.  Sall- 
mann,  48. 

puichen,  sw.^  s.  puicheien. 
Puichenuckel,  Pusenuckel,  m.,  kleines, 
unansehnliches    erwachsenes   Mädchen. 

Vgl.  Nuckel. 

Puichkaterchen ,  m, ,  schmeichelnder 
Kater.  1.  Name  des  Katers.  Posch- 
käterke^  too  wärscht  duf  Volksr.,  31, 
119.  2.  zur  Bezeichnung  eines  lieb- 
kosenden, schmeichelnden  Knaben.  Du 
bÖ8t     en     Puschkaterke !      Vgl     Piich- 

kabe. 

puichkatern,  pu§chkatten,  str.,  s.  pu- 
icheien. 

Puichkabe,  /.  1.  Schmeichelkatze, 
Katze.  Miene  (Kringel),  dtene^onsePusch- 
katt  6k  ene,  Volksr.,  36, 138.  2.  schmei- 
chelndes Mädchen,  kleiner  Liebling. 
Schläft  mtn  kiener  Puichkatt  Volksr., 
8.  34.    Vgl.  Puichkater. 

Puschlag,  9n.,  Spreu;  von  dem  poln. 
^Äorf Hintergetreide,  Spreu.  Schmitt, 
Westpr.,  167. 

putehlich,  adj.  von  puicheln,  unordent- 
lich, unsauber  in  Arbeit  und  Kleidung. 

S.  buichlich. 

PuichmaUy  Buichmau,  /.,  auch  Puich- 
chen,  Mauchen,  n.,  cunnt^«  =  Kätzchen^ 
Mäuschen.     Vgl.  Pasch  u.  Mau. 

Puichmenk,  /.,  kleine  Kapelle  an  der 
Landstra(ze.  Von  dem  poln.  boza  m§ka 
Gottes  Leiden.     Sperber,  39. 

PuichrOnke,  /.,  buntgestreifte  Lein- 
wand.   Litauen. 


PQse,  /.,  s.  Pu§ch. 

Pu§el,  m.,  puieln,  sw,^  s.  Puichel  etc. 
Pusengely  m.,  s.  Posengel. 
Pusenuckel,  m.,  s.  Pu§chenuckel. 

puierig,  adj,^  unordentlich,  kränklich, 
aufgeraucht,  in  den  Haaren  oder  Federn 
nicht  glatt;  von  Menschen  und  Tieren. 
Davon  Pubruicher,  m.  in  allen  Bedeu- 
tungen.   Marold. 

Puske,  /.,  s.  Purte. 

PQskedQdel,  m.,  auch  PQstke-,  Puizke-, 

dOdel,  PutzkedQl,  kleiner,  korpulenter 
Mensch,  Knirps;  in  der  Saalfelder  Ge- 
gend auch  ein  solcher,  der  viele  Bllei- 
der  über  einander  gelegt  hat  und  da- 
durch unförmlich  geworden  ist. 

Puskuijel,  971.,  Halbkuijel,  Eber  mit 
einer  Hode.     Lit.  pus  halb.     Vgl.  Kui- 

jel  u.  Imktippel. 
puspem,  sw.^  s.  puppern. 

Pusrad,  n.,  ist  wohl  Zusammensetzung 
mit  dem  lit.  pus  halb,  also  halbes,  un- 
vollständiges Rad.  De  ös  rund  wl  e 
Pusrad^  zur  Bezeichnung  eines  kräf- 
tigen, festen,  drallen  Mädchens.  Weh- 
lau. 

pussen,  Str.,  s.  possen. 

PQst,  m.,  Hauch,  Atem;  Luftzug, 
Wind.  Hol  Pust^  halte  Pust,  übereile 
dich  nicht!  Arbeiten  —  laufen^  da/z 
einem  der  Pust  vergeht  Dabei  geht  ei- 
nem der  Pust  aus.  Damöt  verging  mi 
de  Paust.  Spook,  473.  Wenn  §k 
Pust  genog  hadd^  en  Gebed  to  spreken^ 
so  wuil  ik  miene  Sinden  berien.  Dorr, 
1.  Wiew.,  111.  Ihm  ist  der  I\ist  aus- 
gegangen; er  hat  den  l\tst  verloren^  er 
ist  gestorben;  nach  Rosenkranz, 
Kgsbg.  Skiz.  I,  215:  er  hat  den  Pust 
aufgegeben.  Dat  ös  hiide  düchtiger 
Pusty  starker  Wind.  Vgl.  Sprw.  I, 
3029f. 

POslbacke,    /.,    Pausbacke,     aufge- 
poBtete,  aalgeblasene  Backe. 


Pofltblume  —  Pustonen. 


193 


POstblume,  /.,  LöwenzahD,  Leontodan 
taraxacum  L.  Kinder  yersachen  die 
Samenfähnchen  in  einem  Zuge  wcgza- 
pusten.    Vgl.  Butterblume. 

Pustbraten,  m ,  aufgepusteter  Braten; 
übertragen :  Mensch,  der  sich  aufpfutet^ 
aufbläst,  aus  Hochmut  oder  Zorn. 
Hennig,  198. 

Puste,  Pustke,  /.,  abgelegene  Ansiede- 
lung; nach  Treichel  Puske,  Ausbau 
im  Walde.  Poln.  pusty  wüst,  leer, 
herrenlos,  russ.  jmstyi  leer,  lit.  pustas^ 
lett.  pohsts  wüst,  öde,  altpr.  paustas 
wild,  nicht  gezähmt,  nicht  kultiviert. 
In  Danzig  Pustkowe  wüste  Baustelle^ 
poln.  pustkoioie;  von  Schmitt,  108; 
Westpr.,  167,  Pustkowie  ebenfalls  als 
abgelegene  Ansiedelung  erklärt.  ^gL 
MrongoY.  I,  426a.  Nsslm.  Th., 
121. 

pQsten,  8w.  1.  stark  hauchen,  blasen. 
In  den  Löffel  pusten^  dafz  die  Suppe 
erkaltet.  Kannst  nicht  pusten  !  ruft  man 
Kindern  zu,  welche  klagen,  dafz  Trank 
oder  Speise  zu  heii'z.  Ich  werde  dir 
was  pusten^  als  Zurückweisung.  In 
übertragener  Bedeutung:  Der  Wind 
pifstety  bläst  stark.  Der  Ofen  pustet^ 
strahlt  starke  Wärme  aus.  2.  laut  u. 
lebhaft  atmen,  schnaufen^  schwer  und 
kurz  (asthmatisch)  atmen,  atmen  über- 
haupt. Puste  nicht  so!  zu  laut  atmen- 
den Kindern.  De  (Frau  Page)  schweet 
on  pusty  on  sitt  ganz  verwittert  ut. 
Dorr,  1.  Wiew.,  69.  Wozu  sie  ar^ 
beitety  da/z  sie  pulsten  mufs^  das  macht 
ich  weissen,  Soph.  R.  V,  585.  Mein 
Pferd  schnob  und  blies  und  brummte. 
yfPuhst  du  nur^  sagte  ich.  Ibid.,  122. 
£}r  kann  kaum  noch  pusten^  der  Kor- 
pulente, Angestrengte,  Kranke  etc. 
Vgl.  Sprw.  I,  3032  f.  Mnd.  pusten, 
holl.  poesten,  schwed.  pusta,  dJkn.ptustey 
lit.  püstij   bayerisch  pfausen^  pfausten. 

Fritehbier,  Wörurbaeh  IL 


Schmeller,  I,  323.  Hennig,  198. 
In  Zusammensetzungen:  anpOsten,  an- 
blasen: das  Feuer.  aufpOsten,  durch 
Pusten  ausdehnen,  aufblasen,  aufblähen: 
die  Schweinsblase,  das  Schöpsenfleisch 
etc.  Hennig,  16,  hat,  nach  alten 
Fleischertaxen,  das  vhchd.  aufpausten. 
sich  aufpusten,  aufgeblasen  und  stolz 
auftreten,  grofz  thun.  Er  pustet  sich 
gewaltig  auf.  Ich  fing  an  zu  lacheny 
weil  mein  Guimann  sich  so  aufpustete, 
Soph  K.  Y;  520.  auspOsten,  ausblasen : 
das  Licht,  bepusten,  behauchen.  Kin- 
der, welche  sich  gestoizen  oder  sonst 
leicht  weh  gethan  haben,  beschwichtigt 
man  mit  der  Aufl^orderung:  Komm^  her, 
ich  werd!  pusten  —  bepusten!  und 
haucht  dann  auf  die  schmerzende  Stelle. 
verpOsten,  verschnaufen,  durch  Ruhe 
wieder  Pust  gewinnen;  ausruhen.  Die 
Pferde  verpusten  lassen.  Sich  verpusten, 
ausruhen,  in  der  Arbeit  eine  Pause  ma- 
chen. Wie  mir  mehr  daran  lag,  ein 
Augenblickchen  anzuhalten,  um  mich  zu 
verpuhsten.     Soph.  R.  V.  114. 

PQster,  m,,  einer,  der  pustet,  Bläser, 
Blasebalg.  Mühling.  In  Bremen 
und  Hamburg'  Poster  kleiner  Blase- 
balg und  Blaserohr.  Brem.  Wb.  III, 
382. 

pQstTg,  adj.,  aufgeblasen,  keck,  frech. 
Mühling.  In  Bremen  pusig  und  pun- 
stig,  in  Hamburg  und  im  Hannover- 
schen pt'fstig  aufgeblasen  von  Luft,  win- 
dig, kolikalisch.  Brem.  Wb.  lU, 
383. 

Pustke,  /.,  s.  Puste. 

PQstkedOdel,  m.,  s.  PQskedQdel. 

Pustkowe,  Pustkowie,  /.,  s.  Puste. 

Pustkuchen,  m.,  mit  Pust  gefülltes, 
luftiges  Gebäck,  Windbeutel. 

Pustonen,  plur,  bei  den  heidnischen 
Preulzen  die  Priester,  welche  durch 
Anhauchen  Wunden  und  andere  Krank- 

18 


194 


pastrig  —  pQtzeD. 


Leiten  heilten.    Lit.  pitsti  blasen,    we- 
hen.    Hennig,  199. 

pOstrig,  paustrig,  oJ/.,  erzürnt,  aufge- 
bracht, ärgerlich,  mürrisch.  Er  ist 
gleich  paustrig,  er  bläst,  pustet  sich 
gleich  auf.  Hennig,  198,  schreibt 
puhstiicht  und  patistrich. 

PQstrohr,  n,  ßlaserohr. 

Put,  Pütt,  Putte,  /.,  Dem.  Putchen,  plld. 
Putke,  Name  und  Lockruf  für  Küchlein 
und  Huhn;  Schmeichelwort  für  Mädchen. 
Lit.  put  put  Lockruf  für  die  Küchlein. 
In  Bayern  lockt  man  die  Hühner:  Pul 
Pul,  in  Bremen  und  Göttingen  die  wel- 
schen Hühner  PiH  Pul.  Schmeller 
I,28L  Brem.  \Vb.in,393.  Schamb., 
162  a.  Putchen,  Putke  als  Verkleine- 
rungswort überhaupt:  kleiner  Junge; 
Putchenkrämer,  m.,  Kleinhändler.  Put- 
junker, kleiner  Edelmann.  Hennig, 
197. 

Putcher,  mehr  noch  Putker,  7/».  1. 
kleiner  Mensch,  Knirps.  2.  Klein- 
händler, Krämer.  Bock,  47.  Hen- 
nig,    199.      Nach    Gortzitza    auch 

Putschker. 

Pöte,  /.  1.  welsches  Huhn.  2.  über- 
tragen: dummes  Mädchen.  Sie  ist  die 
reine  Pute. 

pOtenrot,  od},,  rot  wie  eine  Pute. 
He  tcord  puterroth  em  Gesecht  Dorr, 
Driewjagd. 

Putke,  n.  u.  m.,  zur  Bezeichnung  des 
Kleinen,  s.  Put.  Putken  kleine  Jun- 
gen; Schiffsjungen.     Hirsch,  265. 

Putkenkrämer,  m.,  s.  Put 

Putker,  w.,  s.  Putcher. 

Putpurift,  /.  1 .  Name  für  die  Wachtel. 
2.  Spottname  für  liederliche  Dirnen. 
Marold. 

Putschker,  m.,  s.  Putcher. 

Pim,  PUtte,  /,  s.  PÄtt. 

Putlelutten-,  Puttenuttenkram ,  m.,  s. 
Petenettenkram. 


putten,  sw.,  mit  Knöpfen  anwerfen. 
Alt-PiUau.    S.  anschmeifzen. 

puttern,  «tr.,  reizen,  treiben,  antreiben, 
anhetzen,  und  dann  anputtem.  Bock. 
47.    Hennig,  199. 

Putthahn,  m.,  -huhn,  n.,  in  der  Kinder- 
sprache jeder  Hahn  und  jedes  Huhn, 
nicht  blofz  das  welsche. 

Puttjunker,  m ,  s.  PuL 

putz,  interj.,  Hetzruf  an  Hunde.    Vgl. 

putzen. 

Putz,  m.  1.  der  Abputz  eines  Ge- 
bäudes. Der  Putz  ist  abgefallen.  2. 
m.  u.  /.  der  verkohlte  Teil  des  Dochte« 
in  einem  Lichte.  3.  nach  Mühling 
in  früherer  Zeit  auch  Keller,  finsterer 
Ort  überhaupt. 

Putzaus,  m.y  Ausputz,  Schmuck.  Das 
ist  hier  ein  hübscher  Ihitzaus,  das  Haus 
oder  Zimmer  ist  festlich  geschmückt. 
Der  ganze  Putzaus  ist  nicht  einen  Gro- 
schen wert,  der  Flitterstaat  eines 
Frauenzimmers.  Sie  denkt  nur  an  den 
Putzaus. 

Putzdttckchen,  n.  Dem.  von  Putzdocke, 
Putzpüppchen  Docke  =  Püppchen. 
Grimm,  Wb.  II,  1208.  Und  das  Putz- 
döckchen^  seine  Frau,  . .  kannte  auf  keine 
bessere  Weise  gedemüthigt  werden.  An- 
hang z.  Soph.  R.,  40. 

Putzelied,  pltd.  PutzelSd,  n.,  lustiges 
Lied.     Dzg.  Nhg.  Viol^t,  103. 

putzen,  sw.  1 .  rasieren.  Ich  habe  mich 
noch  zu  putzen  —  ich  hohe  mir  noch 
den  Bart  zu  putzen  2.  reioigen;  vom 
Getreide.  Mühling.  3.  tüchtig  essen. 
Der  kann  gut  putzen.  4.  derbe  Ver- 
weise geben.  Dei  hat  ihn  gut  geputzt 
—  verputzt  Ebenso  in  der  Niederlaus. 
Anton,  11,  14.  In  Zusammensetzun- 
gen: ausputzen,  sich  (s.  d.),  auch  auf- 
putzen, beputzen,  sich,  sich  mehr  als 
satt  essen.  Sperber,  26.  verputzen^ 
1.  verspeisen,  aufessen,  verzehren.     Wir 


putzig  —  quabbeln. 


195 


haben  schon  alles  verputzt,  2.  Einen 
verputzen^  ihm  derb  die  Wahrheit  sa- 
gen, ihm  harte  Verweise  geben.  In 
Bayern  Geld  und  Gut  durchbringen, 
verschwenden.  Schmeller  I,  30H. 
Bock,  48.    Hennig,  198. 

putzig,  adj.^  possierlich,  sonderbar, 
munter.  Das  ist  ein  putziger  Kerl. 
Sein  Sie  nur  immer  so  puzig  vne  jetzig 
so  wünsch  ich  keine  bessere  Gesell- 
schafterin. Soph.  R.  III,  166.  Holl. 
poetsiff,  potsig.  Im  Bremischen  Putze 
Possen,  Spai'z,  Scherz,  lustiger  Streich. 
Brem.  Wb.  III,  386.  In  Posen  putzig^ 
putzelig  klein,  unansehnlich.  Bernd, 
226.  Vgl.  Anton,  11,  U.  Hennig, 
199. 

PutzkedQdel,  -dOl,  m.,  s.  PQskedQdel. 

Putzkekeller,  9n.,  Bierkeller  für  kleine 
Leute,  wohl  s.  v.  a.  Putkekeller  (vgl. 
Put).    Im  Brem.  putten  schöpfen,  pütt- 


Jen  ein  wenig  trinken,  schmecken, 
Putkeamt  Schenkenamt,  offuivm  prä- 
gustatoris.  Brem.  Wb.  III,  384.  Bock, 
48     Hennig,  199. 

Putzmesser,  n.,  Messer  zum  Putzen, 
iiasiermesser.     Vgl.  putzen. 

Putzmllhle,  /.,  Windharfe,  Drehma- 
schine zum  Reinigen  des  Getreides. 
Hennig,  200. 

Putzriemen,  m.,  Riemen  zum  Strei- 
chen des  Putzmessers.    Vgl.  putzen. 

Putzruicher,  m.,  s.  puierig. 

Putzschere,  /.,  Lichtschere,  heute 
aufzer  Gebrauch.  Er  ist  so  nett  — 
ist  geschniegelt  und  gebügelt  toie  ^ne 
Putzscher.  Bock,  48.  Hennig,  200. 
Schemiooek,  31. 

Putzseife,  /.,  Seife  zum  Putzen,  Bart- 
seife. 

Putzzeug,  n.,  Zeug,  das  zum  Putzen, 
zum  Rasieren  gehört. 


Q 


q,  qu,  Doppelkonsonant,  stets  nur  als 
Anlaut,  im  Klange  kwy  in  manchen 
Wörtern  verwandt  mit  d:  Dwarg  — 
Quark^  dvoer^  choarsch  —  quer, 

Quabbe,  pltd.  Quabb,  /.    1.  Quappe, 

Gadus  Lota  L. ,  Lota  vulgaris  Cuv. 
Alipr.  vdlnis  [wümsf),  lit.  kupa^  kwa- 
paj  kur.  kwapCy  mas.  kas.  nientusz. 
Benecke,  Fische,  89.  Hennenber- 
ger,  Verzeichnis  der  Fische,  29.  Er 
ist  so  fett^  icie'ne  Quabb.  Vgl.  Aal- 
quappe. 2.  Wamme.  In  Bremen 
Quabbe  u.  Quabbel  Wamme,  aber  auch 
Fett-  und  Fleischhöcker.  Brem.  Wb. 
lir,  387. 

Quabbe,  /,  s.  quabbeln. 

Quabbelfett,  n.,  lockeres,  wackelndes, 


hervorstehendes  Fett  Mühling.  Eben- 
so in  Bremen.    Brem.  Wb.  HI,  388. 

quabb(e)lig,  adj.^  s.  quabbeln. 

quabbeln,  sw.^  beben,  schaukeln  vor 
Fettigkeit  oder  Weichheit.  Er  quabbelt 
von  Fett^  er  ist  sehr  fett.  Gallerte^ 
Mehlspeise  (  Wackelpeter)  quabbeln.  Der 
moorige  Boden  quabbelt^  wenn  er  bei 
jedem  Tritte  in  zitternde  Bewegung 
gerät;  daher  nennt  man  einen  solchen 
Quabbe,  Quebbe,  /.  In  Bremen,  jedoch 
weniger  als  quabbeln  gebräuchlich,  auch 
wabbeln.  Brem.  Wb.  Hl,  388.  Vgl. 
das  ahd.  weibön^  weipön  schweben, 
schwanken  und  das  mhd.  wobeien  in 
Bewegung  sein.  Schade,  1113  a, 
1071a.  In  Bayern  jpua6^/n.  Schmeller 

18* 


196 


Qaackelei  —  Qualm. 


n,  402.  Vgl  Weigand  H,  410. 
Davon:  quabb(e)ligy  adj.  1.  was  sich 
fett  uDd  weich  anf&hlt,  vor  Fett  zittert 
und  bebt,  was  weich  wie  eine  Qaabbe 
oder  Wamme  ist.  Engl,  squab  aafge- 
duDsen,  fett,  feist  Em  qtuMliges 
Frauenzimmer.  Am  Eyter  (Euter)  ist 
es  (das  Tier)  auch  recht  quablich,  dick 
und  fett,  Carm.  nupt  III,  203  d.  öhn 
paar  qwaabliche  Häng  (Hände).  Ibid. 
V,  48  c.  In  diesem  Sinne  in  Posen 
quatschelig.  Bernd,  228.  Hennig, 
200.  Sperber,  26.  2.  flau,  übeL  Mirüt 
so  quabbelig  ums  Uerz^  mir  ist  übel  bis 
zum  Erbrechen.  In  diesem  Sinne  auch 
wabbelig, 

Quackelef,  /.^  unnützes,  unbedachtes 
Geschwätz;  von  quackeln. 

Quackeier,  m.  1.  Schwätzer,  unzu- 
verlässiger Mensch  überhaupt;  von 
qu€u:keln. 

quackeln,  sw.^  Frequent.  von  qtuickenj 
verwandt  mit  kakeln,  Unuützes,  Unbe- 
deutendes schwatzen;  leichtfertig  und 
endlos  reden.  Im  Holstein,  quackeln 
unbeständig  sein.  Schütze  III,  254. 
Nach  Bock,  48,  und  Hennig,  200, 
auch  quacksalbern. 

Quackop,  7n.,  der  Quackauf,  im  Volks- 
rätsel der  Frosch.  Tierräts.  30.  Vgl. 
Quarrop. 

Quaddel,  Quiddel,  /,  Blatter,  Nessel- 
brand, kleine  Pustel.  Die  Beulen  beim 
Nesselfeuer  heilzen  Quaddeln  und  Quid- 
dein.  Mühlin g.  Ebenso  in  Bremen; 
in  Hamburg  Quarl,  im  Ditmars. 
Quiddel^  alts.  cwydele.  Es  scheint  zu 
hddeln  kitzeln  zu  gehören,  wegen  des 
Juckens,  das  eine  solche  Blatter  ver- 
ursacht.    Brem.  Wb.  IH,  390. 

Quadder,  m.^  flussiger,  weicher  Stra- 
izenschmutz.  Ebenso  Schwadder.  Das 
ist  lauter  Quadder  und  Schwadder, 

quaddem,   sw.     1.  mit  Geräusch  sie- 


den, brodeln.  Das  Wasser  kocht,  da/z 
es  man  so  quaddert.  Nach  Mühling 
auch  quiddem.  2.  zur  Bezeichnung  der 
quatschenden  Töne  beim  Kneten  des 
Brotteiges,  Hennig,  200.  3.  der  eigen- 
tümlich gequetschte  kollernde  Ton  des 
Atmens  im  Todeskampfe.  In  Bremen 
quatschen,  manschen,  kneten;  es  wird 
als  mit  quetschen  verwandt  bezeichnet 
Brem.  Wb.  HI,  390. 

Quader,  m.  u.  n.  1.  Kader  (s.  d.). 
Schemionek,  32.  2.  s.  v.  a.  Quarder 
(s.  d.). 

Quadrillenachwenker,  m..  s.  Kadriügenr 

Schwenker. 
Quadrupel,  m.,  s.  Korduppel. 

quftfen,  «tr.,  gären.  Er  qudft  von  Un- 
geziefer^ er  ist  stark  damit  besetzt,  e-s 
kribbelt  und  wibbelt  auf  ihm.  Die  Wunde 
qudft,  wenn  sie  unterkötig  und  reich 
mit  Eiter  angefüllt  ist.     Mühling. 

quäken,  8tr.,  mit  schwacher  schriller 
Stimme  reden.     Von  quacken, 

Quäker,  m.,  Bergfinke,  Fringilla  man- 
tana.    Mühling,  Tiem.,  176. 

Quakreiher,  m.,  Nachtreiher,  Ardea 
nycticorcuc.    Mühling,  Tiem.,  176. 

Quälgeist,  m.,  Kind,  das  mit  Bitten 
nicht  aufhört.     Ygl.  Quälliolz. 

Quälliolz,  n.  1.  „das  Holz,  das  die 
Maurer  auf  den  mittelsten  Schluizziegel 
eines  Bogens  auflegen  und  womit  sie 
denselben  fest  eintreiben."  2.  „ein 
Kind,  das  nicht  abläl'zt,  die  Eltern  um 
etwas  zu  bitten."  Du  bist  ein  rechtes 
Qualholz.  Hennig,  *201.  Vgl.  Quäl- 
geist 

Qualm,  m.  1.  Rauch,  Dampf,  ßro- 
dem.  Holl.  walm,  angs.  wijlm^  schwed. 
qvalm.  Von  wallen.  2.  bildlich:  Täu- 
schung, Lüge,  Windbeutelei.  Einem 
Qualm  vormachen^  ihm  Unwahres  be- 
richten. Er  macht  davon  r/rofzen  Qualm^ 
viel  Aufhebens.    In  Bremen  bezeichnet 


qualmen  —  quantsweise. 


197 


Qualm  in  figürlichem  Sinne  alles,  was 
Uolust  und  Qual  verursacht.  Brem. 
Wb.  III,  393.     Hennig,  201. 

qualmen,  im,  1.  dampfen.  2.  starken 
Dampf  beim  Tabakrauchen  aufsteigen 
lassen.  He  qualmt,  ak  wenn  de  arme 
Mann  (de  Bur)  Brot  backt.  3.  aus- 
dünsten. Er  qualmt  von  Branntwein, 
der  starke  Trinker,  der  nach  Schnaps 
riecht.  Hennig,  201.  4.  bildlich: 
Dampf  machen,  aufschneiden,  lögen, 
Windbeuteln. 

Qualster,  m.  1.  ausgeworfener  zäher 
Schleim.  2.  die  Baumwanze,  stinkend, 
von  gelblich  grüner  Farbe.  Hei  stinkt 
w^  eQuaUter,  Dönh.  Mühlin g,  Tiem., 
176.  Brem. Wb.m,  393.  3.dieSchaum- 
cikade.  Samland.  Von  1:  Qualsterer, 
?w.,  bei  Stein,  Peregrinus  XIII,  44, 
alter  Qualster,  zur  Bezeichnung  eines 
alten  hustenden  und  Schleim  auswerfen- 
den Mannes.  W.  Mtsbl.  VI,  128.  In 
der  Verstärkung:  SpHalqualst'rer. 

qual8t(e)rig,  adj.,  wie  Qualster  aus- 
sehend. 

qualstern,  sw.,  Qualster  auswerfen, 
laut  husten  und  dabei  viel  und  un- 
appetitlich ausspucken  —  kölstem;  auch 
verstärkter  Ausdruck  für  spucken.  Wer 
hat  hier  hingequaUtertf  BequaUter  die 
Tafel  nicht  so!  zum  Schüler,  der  die 
Schrift  von  seiner  Schiefertafel  abwischt. 
Ilennig,  201.    S.  kiflstem. 

quamen^  st,  prät  quam,  s.  kommen. 

quängeln,  sw.^  unzufrieden  sein,  mä- 
keln. 

Quante,  /.,  grofzer  ungeschickter  Fuiz. 
V.  Auer. 

quantschen,  sw.,  vergeuden,  durch- 
bringen; gewöhnlich  verquantschen, 
Treichel. 

quantsweise,  pltd.  quantswTs,  quanswTs, 
adi).,  zum  Schein,  pro  forma,  gleich- 
sam, als  ob,  nicht  im  Ernste.    Quants- 


wis,  dat  de  Bür  nuscht  merkt,  —  dat 
de  MÜs  nuscht  merke.  He  ging  quam- 
wts  weg  op  de  Herberg  on  sull  noch 
wedderkäme.  Königsbg.  Firmenich  I, 
103  b.  Drop  geit  he  qvantzwiefz  weg, 
syn  Warck  ön  acht  to  nehme.  Carm. 
nupt  IV,  59b.  Wie  au/z  solchem  Irr- 
thumb  dieses  Eyfz  da/z  Grundeifz  ge- 
nennet  wird,  weil  es  Quants  weise  im 
Grunde  soll  formiret  oder  entstanden 
seyn.  Linem  ^  Q4a.  Ich  habe  so 
quansweise  gehorcht,  ob  Julchen  nach 
Danzig  schreiben  wird,  Soph.  R.  IV, 
348.  Neben  quantsweise  tritt,  jedoch 
nicht  in  der  Umgangssprache  Ost-  und 
Westpreulzens,  gewandsweise  in  vielen 
deutschen  Gegenden  in  gleichem  Sinne 
auf,  und  wenn  Herder,  der  Ostpreufze, 
letztern  Ausdruck  gegen  Lessing  („Les- 
sing nahm  vieles^  was  er  für  schadhaft 
erkannte,  gewandsweise  —  d.  h.  zum 
Schein,  in  schalkhafter  Ironie  —  in 
seinen  Schutz".  Campe,  Wb.  II,  359b) 
gebraucht,  so  ist  diese  Form  nur  ein 
Produkt  der  Accommodation.  Die  Her- 
leitung des  Wortes  ist  vielfa<^h  versucht. 
HoU.  kwanswijs,  kwansuis,  mittelholl. 
quansts,  dän.  qvantsviis,  schwed.  qvans- 
wis;  im  Roll,  ist  kwant,  quant  lustiger 
Bruder,  Bube,  Schalk;  nahe  liegt  das 
lat.  quasi  (quamsi).  Richey,  198, 
teilt  mit,  dal'z  C.  Tuinman  in  seinem 
zu  Middelhurg  1726  gedruckten  „Oor- 
sprong  en  Uytlegginge  der  Neder- 
duitscheSpreekwoordenl,  180"  der  Mei- 
nung ist,  dalz  quanswys  ein  in  der  Aus- 
sprache verändertes  quam  et  sus  anstatt 
als  quam  et  sus  =  als  käme  es  sonst, 
sei;  er  selbst  schlägt  die  lat  quantus 
und  quasi  vor.  Sandvoss  (Korrespbl. 
VI,  30)  glaubt,  der  Ausdruck  sei  auf 
Wahn  zurückzuleiten,  also:  in  wdnes 
wtse.  S.  Weiteres  in:  Richey,  198  f. 
Brem.  Wb.  HI,  394.    Anton,  11,  15. 


198 


Qnappenrüse  —  qnjosdi. 


Weigand  11,  414.  KorrespbL  V,  20ff.; 
YL  30.  55;  YII,  31.  Müller,  Paraphr. 
des  Boches  Hiob.    Halle  1883,  41. 

QuappenrQse,  A  Reuse,  Netz,  Behal- 
ter für  Quappen.  Do  tach  man  ttschin 
uf  der  grurU  vil  manchin  Polen  in  der 
stunt,  des  b'ich  in  dem  getprtise  wart 
eine  quappinru$e,  Jeroschin,  54d. 
Pfeiffer,  180. 

Quappenwarte,  f..  Warte  zum  Fange 
der  Quappen.  Beschreibang  und  Ab- 
bildung s.  Benecke,  395.   Vgl.  Warte. 

Quardel,  m.  u,  n.,  s.  Quarder. 

Quarder,  Querder,  Quardd,  Qoerdel, 
Quedder,  Quader,  Quoder,  m,  u.  n.,  Gür- 
tel an  Fraaenröcken,  Schürzen;  Qaer- 
saum,  Linte,  Band  als  Einfassang  an 
Fraaenröcken,  Hemden,  Unterhosen; 
der  Quarder  omschlieizt  Leib  oder  Hals 
and  trägt  das  Kleidnngsstück.  Die  in 
Ostpr.  üblichste  Form  ist  Querdel.  In 
Danzig  Quedder  Herodekragen.  W. 
Seidel,  34.  Böxequarder^  obere  Ein- 
fassang,  Gürtel,  woran  die  Hose  sitzt. 
Hemd  hadd  he  oahne  Quoader,  Dorr, 
63.  VolksL,  16,  8,  2.  Er  steckt  bis 
an  den  QuerJer  drin,  er  befindet  sich 
in  grofzer  Verlegenheit,  in  stark  ver- 
zwickter Lage,  „es  geht  ihm  an  den 
Kragen".  Sprw.  I,  3590.  Stamm  des 
Wortes  ist  quer;  die  Säame  fassen  der 
Qaere  nach  die  Kleidungsstücke  ein, 
and  könnte  man  sie  auch  als  den  Quer- 
dely  Qaerteil,  derselben  bezeichnen; 
doch  erinnert  das  Wort  auch  an  Crür" 
tel,  ahd.  gurtiU  altfr.  gerdeL  Hennig, 
202.    Vgl.  Ufit  u.  Pafz. 

quarken,  sw,^  s.  quarren. 
qiiarksen98zr.,in  bequark8en,vonQE£ar/r, 
eine  Sache  als  einen  Quark  ansehen, 
sich  nichts  daraus  machen.  Die  ganze 
Geschichte  ist  bequarksty  es  ist  nichts 
los  damit.     Treichel. 


Quarre,  /.,  von  quarren.  1.  quarren- 
des Kind.  Erst  die  Ffarre.  dann  die 
Quarre,  Hennig,  201.  2.  platte  Wei- 
denpfeife aas  dünner  frischsafüger  Rate 
mit  quarrendem  Ton.  Bei  ihrer  An- 
fertigung singen  die  Knaben,  mit  der 
Messerschale  auf  den  Zweig  klopfend: 
Quarrke,  Quarrke^  g'räd  (gerate)  »t«.' 
S    Volksr.,  61,  237. 

quarren,  «tr.  1  quacken  wie  ein  Frosch. 
2.  aus  Unzufriedenheit  weinen,  weiner- 
lich murren,  brummen:  nach  Treichel 
auch  quarken.  Quarren  in  hoher  Ton- 
lage, namentlich  von  Kindern,  heil'zt 
qiurren.  Wenn  die  Pog  getreten  urird^ 
so  quarckt  sie.  Stein,  Peregrinus  !X  H, 
119.  W.  Mtsbl.  V,  192.  3.  klagen, 
stöhnen,  wimmern.  Er  quarrt  den  gan-- 
zen  Tag.  Doch  wenn  he  quarrt^  denn 
wahnt  pi  sienem  Fleesch  fn  sindget  Hart, 
Dorr,  1.  Wiew.,  122.  VgL  gnarren, 
4.  zur  Bezeichnung  des  blähenden  Gur- 
rens  im  Leibe. 

Quarrer,  m.,  einer,  der  quarrt:  im 
Tierrats.,  30,  der  Frosch. 

quarrig,  adj.  von  quarren,  weinerlich 
sein  wie  ein  kleines  Kind,  grundlos 
klagend,  über  Kleinigkeiten  ächzend, 
stöhnend. 

Quarniiatz,m.,  quarrender  Mann.  Vgl. 

Matz. 

Quarrop,  ^n.,  der  Quarrauf,  Aufquar- 
rende,  oder  der  Quar  rop^er),  Quarr- 
rufer. Im  Tierräts.,  30,  der  Frosch; 
auch  Quackop  Quackauf. 

Quarrpupp,/.,  Puppe,  die  quarrt,  wenn 
sie  gedruckt  wird,  Schreipuppe. 

Quarrsacky  m.,  viel  quarrendes  Kind, 
Schreihals.     Es  ist  ein  rechter  Quarr^ 

sack.    Vgl.  Gnarrsack. 

quarschy  adv.  Hei  geit  durer  quarsch^ 
er  geht  zurück.  Tiegenhof.  Vielleicht 
=  aber  quer. 


Quartal  —  Quaste« 


199 


Quartal,  n.,  vierteljährlicher  Gewerks- 
tag  mit  Schmaus  verbunden.  Heute 
haben  die  Maurer  Quartal. 

Quartier,  n.,  der  vierte  Teil  eines 
Stofes  (Quartes).  Aus  dem  lat.  quar^ 
tu8.  Ein  Halbquartier  ist  der  achte 
Teil  eines  Quartes.  E  Halbquartierche 
Schnaps, 

Qu&8,  m.^  Qu&serei,  /.,   auch  Queste- 

reiy  /.  und  QuöS,  m.,  Schwelgerei, 
Schlemmerei,  Völlerei ;  Festlichkeit, 
Schmaus,  Gastmahl,  namentlich  ein 
solches,  bei  dem  es  verschwenderisch 
hergeht.  Sie  leben  beständig  in  Q^ds 
und  Frafz,  Ach^  es  wäre  wohl  zu  stra- 
fen^ dajz  etliche  von  den  Gebietern  gar 
unordentliche  Questereien  anstellen  etc. 
unterweilen  um  eines  WeibesvnUenmachen 
sie  einen  grofzen  Quaas  und  das  ist 
wider  alle  Redlichkeit  etc.  Aus  dem 
Briefe  des  Mönches  Heinr.  Borringer 
an  den  Hochmeister.  1428.  Waissel. 
llennig,  202.  Am  Sonntage  oder  hei- 
ligen Tage  so  ir  begengni/z  geschyt  mit 
dem  nachfolgenden  einen  Tage  sollen  sie 
ihr  quatembergeld  haben,  Rechenschaft 
thuen  vnd  ander  notdur/t  wandeln  und 
keinen  weitem  quas  der  bruderschaft 
zcw  schaden  darohir  halten.  Willkür 
der  Stadt  Älarienburg.  Quds  ist  nicht 
nur  im  Klange,  sondern  auch  dem  Sinne 
nach  verwandt  mit  Frafz  und  weist 
ebenso  auf  Kost  {Kest)  hin.  In  Bre- 
men QuaSy  in  Hamburg  Q^uasty  slav. 
kwass  Hochzeit,  Gastmahl^  Schmause- 
rei. Adelung  III, '886.  Brem.  Wb. 
111,397.  Richey,  200.  Hennig,  202. 
Vgl.  Gequase. 

Quas,  m.,  s.  Kwas. 

quaieln,  quaicheln,  sw.,  unnutzes  Zeug 
reden,  ohne  Überlegung  reden  oder 
handeln.  Quaschel  doch  man  nich  so 
dammlich,  Nowack,  11.  Oawasch 
kwaschel  doch  nich  so   dwatschet   Tieg. 


Boldt,  20.  Davon:  Gequaiel,  n,  Qua- 
seleiy  /.,  Albernheit,  Thorheit,  vorzugs- 
weise in  der  Rede.  Quaseler,  m.,  Mensch, 
der  ohne  Überlegung  redet  oder  han- 
delt. In  gleichem  Sinne  im  Götting. 
Schamb.,  163b. 

qu&sen,  auch  quösen,  sw.^  schwelgen, 
schlemmen,  übertrieben  reich  speisen 
und  trinken;  vergeuden,  verthun  in  der 
Wirtschaft,  mit  Vorräten  verschwen- 
derisch umgehen,  sie  in  Nachlässigkeit 
verderben  lassen,  und  dann  gewöhnlich 
verquasen.  Mit  dem  Gelde  quasen.  Die 
Butter  verquasen,  sie  überreichlich  zur 
Abmachung  von  Speisen  verwenden. 
Bei  denen  verqudst,  veraast  und  ver- 
west alles. 

Quaserei,  /.,  s.  Quas. 

qua§lig,  adj,,  ästig,  verwachsen.  Das 
sind  quasiige  Bäum\  Bäume  mit  dicht 
verschlungenen  Aasten.  Gordack. 
Sehern ionek,  31:  quasselig. 

Quassement,  n.,  verdreht  aus  Kon- 
nossement, dem  franz.  Connaissement 
Frachtbrief,  Vorladungsschein.  Dzg. 
Treichel. 

Quast,  m.  1.  Keil.  Auf  einen  groben 
Ast  gehört  ein  grober  Quast.   Miclcke 

II,  43  b.  379  b.  2.  Hans  Quast,  wun- 
derlicher, seltsamer  Mensch.  Hans 
Quast,  öck  bödd^  di  to  Gast.  Volksr., 
245.  858. 

Quast,  /.,  s.  Quest 

Qua8t(e),  /.  1.  Bündel,  Büschel  von 
Fäden  aus  Seide,  Wolle,  von  Haaren  etc., 
s.  V.  a.  Troddel;  Bündel  belaubter  Bir- 
kenruten: Badequast  (s,  d.).  Brem.  Wb. 

III,  406.  2.  Bandschleife.  3.  Schurze, 
die  Blöl'ze  zu  decken.  Se  bunde  Vogel- 
bleed  un  make  den  Queste  Niederd.  Bibel 
von  1520.  I.Mose  3,  7.  Hennig,  202. 
4.  bei  den  Fischern  Reisigbündel.  In 
Bremen  Quest.    YgL  Quaste. 

Quaste,  Queste,  /.,  loses  Strauchbün- 


200 


qafisten  —  qnatschig. 


del,  das  man  mit  Steinen  beschwert 
vor  Pricken  ins  Wasser  legt,  um  darin 
Aale  za  fangen,  welche  in  die  Qaästen 
gern  hineinkriechen.  Wegen  des  grofzen 
Schadens,  der  dadurch  den  jangen 
Aalen  geschieht,  sind  dieselben  seit 
der  Fischereiordnung  von  1589  wieder- 
holt verboten  worden,  werden  aber 
noch  immer  heimlich  gebraucht.  Be- 
necke, 410.  Bock,  Nat.  IV,  726: 
Queste.  Fisch.-Ord.  f.  d.  kur.  Haflf.  §  45; 
f.  d.  fr.  HafT.  §  46. 

quästen,  sw.  1.  mit  einem  Badequast 
peitschen.     2.    erbetteln,    erbitten,    s. 

questen. 

QuastmUtze,/.,  Mütze  mit  einem  Quast. 
Und  die  gro/ze  Quaaimütze  .  .  .  wieder 
etwas  höher  Ober  die  Stirn  schob,  Soph. 
R.  IV,  256. 

Quaswurm,  m.^  Schwanzwurm,  Ge- 
schwür im  Schwänze  des  Rindviehes. 
Mühling,  Tiern.,  176.  Adelung  III, 
886. 

Quat,  Quate,  n..  Böses.  Doch  sollten 
die  Atannisten  alles  Quate  bei  Seite 
setzen.  Mühling.  Holl.  quade^  adj. 
böse. 

Quatsch,?/».  I.Bezeichnung  des  Schalls, 
den  ein  weicher  nasser  Körper  bei  sei- 
nem Fall  verursacht.  2.  völliges  Er- 
weichtsein saftiger  Früchte  oder  weicher 
Gegenstande:  de  Bere^  de  Kleder  etc. 
sond  ene  Quatsch;  in  diesem  Sinne  auch 
Qautsch.  Sind  'm  doch  de  Steebeln 
(Stiefel)  ene  Quatsch.  Schalt).  3,  4.  3. 
Schmutz:  Et  os  e  reine  Quatsch  on 
Quttsch.  4.  unnützes  und  ungeregeltes, 
unsinniges  Gerede:  auch  Gequatsch.  Vgl. 

Matsch  u.  Quutsch. 

Quatsch,/.  l.Kruprock,  Staubhemde, 
Bluse.  2.  nach  Bock,  49,  und  Hen- 
nig, 203,  ein  korpulentes  Frauen- 
zimmer. 

Quatschbier,  n.,  ehemals  ein  beliebtes 


Bier.  Gebratene  warme  Äpfel  worden 
ins  Bier  gedrückt,  Zucker  und  Grewürz 
hinzugesetzt  und  alles  ^wobi  durch 
einander  gerührt",  gequetscht  und  ge- 
patscht. Bock,  Nat  I,  274 f.  Bock, 
49.    Hennig,  203. 

Quatsche,  /.,  „grofze,  breite  Bohne, 
so  in  den  Gärten  gesäet  wird".  Hen- 
nig, 203;  nach  Mühling  die  Schwert- 
bohne. Natangen.  Pierson,  Lit  Aeq., 
21,  meint,  es  sei  die  Zierbohne  (Dan- 
zig)  und  weist  auf  das  verwandte  lit. 
kwaczummas  Prahlerei  hin.  Quatsch 
hat  zunächst  die  Bedeutung  breit,  vgl. 
Quatschfufz. 

quatschen,  sw.^  von  Quatsch.  1.  zur 
Bezeichnung  des  Lautes,  den  eine  feuchte, 
weiche  Masse  hören  läfzt,  wenn  man 
in  derselben  geht  oder  hantiert;  auch 
des  Tones,  den  ein  weicher,  stark  fal- 
lender Körper  hervorbringt.  Der  feuchte 
Lehm  quatscht  —  Obemasses  und  &- 
fektes  Schuhwerk  quatscht  und  quutscht^ 
ja  quitschty  wenn  der  Ton  hoch  und 
pfeifend  ist.  Er  fiel,  da/z  es  nur  so 
quatschte.  2.  nach  Bock,  49,  u.  Hen- 
nig, 203,  den  Saft  ausdrücken,  von 
quetschen.  3.  viel  reden,  ungewasche- 
nes Zeug  reden,  schwatzen.  Onsönn 
quatsche.  Nowack,  68.  In  Bremen 
quatsken.  Brem.  Wb.  lU,  398.  Vgl. 
queddem  u.  quutschen. 

quatschenafz,  adj.,  s.  quatschnafz. 

Quatschfufz,  m.,  Breitfulz,  PlattfuCz. 
Der  hat  gute  Quatschfüfze,  Füfze,  mit 
denen  sich's  ^i^ quatschen  läfzt. 

quatschig,  adj.  von  quatschen.  1.  über- 
feucht, durchnäizt,  kotig;  vom  Wege. 
Bock,  49.  Vgl  patschig.  2.  quabbe- 
lig, rund  und  voll  in  der  Körperform; 
vom  Menschen.  Ach  Gott,  aber  une 
mager!  too  sind  die  quatschigen  Arme? 
Soph.  R.  VI,  211.  Hennig,  203.  3. 
dumm,  unsinnig  in  der  Rede. 


Quatschkoweki  —  Queif. 


201 


QuaiSGhkOWSkiy  77».,  polonisierter  Narae 
für  einen  dummen  Schwätzer.  Vgl. 
Dwatschkowski. 

quatschnafz,  quatschenafz,   quatschen- 

nafz,  adj,^  nafz  bis  zum  Quatschen, 
triefend,  durch  und  durch  nal'z.  Wo 
hat  he  denn  gestoche^  da/z  em  de  Stebeln 
quatschna/z  sindf  Schalt]  1,  437.  In 
Bayern pfutschna/z^in  Schwaben /^tocA^ 
pfatsche  na/z;  in  Hessen  putschna/z^ 
pütschna/Zy  so  nafz,  als  wenn  man  in 
einer  Pfütze  (Putsche)  gelegen  hätte. 
Schmeller  I,  326.  ßirlinger,  93a. 
Vilmar,  301.  ßei  uns  auch  quutsche- 
nafz,  nach  Sehern ionek,  31,  auch 
quatschendnafz.  Vgl.  pladdemafz  unter 
pUiddem. 

Quax,  n ,  Quark,  nichts,  nichts  Ordent- 
liches. Quaa  lere  se  (in  der  Schule)! 
Ermland.     Firmenich  IXT,  104b. 

Quebbe,  /.,  Moorboden  mit  begraster 
Kinde,  sumpfige  Stelle,  Boden  mit  ver- 
steckten Quellen;  auch  Gequebbe  (s.  d.). 
Den  (Hahn)  eck  öm  Nest  do  fand  op 
jenner  grooten  Quebb.  Carm.  nupt  V, 
190c.    Vgl.  quabbeln. 

quebben,  queppen,  sw,^  zur  Bezeich- 
nung der  wippenden  Bewegung  der 
Quebbey  wenn  man  darauf  tritt,  ihres 
Wasserinhaltes.  Der  Weg  queppt^  ist 
stark  von  Regen  durchnäi'zt. 

quebbig,  adj,  von  Quebbe^  morastig. 
.  .  .  weil  das  Ellemholtz  allein  in  den 
Wasserichten,  qtiebbichten  und  Marrasti- 
gen  Oertem  seinen  richtigen  Wachsthumb 
habe.  Linem.,  Tt2b.  In  Danzig 
quibbig,  durchnäfzt.  W.  Seidel,  34. 
In  der  Gegend  von  Saalfeld  queppen- 
dig.  Der  Regen  hat  mich  queppendig 
nafz  gemacht. 

Quedder,  m.  u.  n.,  s.  Quarder. 

queddem,  sw^  plaudern,  schwatzen, 
plappern,  unnütz  sprechen.    Mühling. 


Goth.  qithan^  alts.  quethan^  ahd.  que- 
dan^  mbd.  queden  sagen,  sprechen. 
Schade,  VVb.,  691.  Jeroschin:  Min 
ist  dl  rdc/ie^  er  da  qutt  Q.  ztt)  =  quidet. 
Pfeiffer,  181.    Vgl  quatschen. 

queicheln,  sw.  1.  hätscheln,  pflegen, 
zärtlichbehandeln,liebkosen.  Die(Frau) 
versteht  ihren  Mann  zu  queicheln  und 
ihm  zu  schmeicheln.  0,  vne  wohl  ist 
der  zu  preisen,  der  ihm  wählt  ein  Schon- 
heit-Bildy  das  mit  Tugend  angefüllt^  die 
dem  Mann  nach  allen  Weisen  wei/z  zu 
queicheln  Herz  und  Muth.  Cai*m.  nupt, 
I,  55.  Sie  wird  seine  Noth  versüssen 
und  ihn  recht  zu  queicheln  ivissen.  Carm. 
nupt  I,  176.  Niemand  isty  der  ihn 
recht  queichelt  Und  mit  zarter  sanfter 
Hand  ihm  vergnügt  die  Wangen  strei- 
chelt. Carm.  nupt  II,  136.  Niemand 
war^  der  dich  im  Bett  in  reiner  Ldeb 
geqveichelt  (gepflegt)  hatt.  Ibid.  III, 
330c.  2.  durch  gute  Wartung  und 
Pflege  kränkliche  Kinder  grofz  ziehen; 
überhaupt  weichlich  erziehen,  verzär- 
teln. Er  hat  in  seiner  Jugend  sehr  ge~ 
queichelt  werden  müssen.  In  diesem 
Sinne  auch  aufqueicheln.  Es  ist  ein  auf- 
gequeicheltes  Kind^  es  verträgt  keine 
harte  Speise,  ist  überhaupt  verzärtelt. 
verqueicheln,  verzärteln,  verweichlichen, 
verwöhnen  durch  Speise  und  Kleidung, 
sich  selbst  oder  andere,  namentlich 
Kinder.  Der  Mensch  ist  ganz  verquei- 
cheltj  verweichlicht,  vermag  Wind  und 
Wetter  nicht  zu  eitragen.  Verqueichle 
dich  doch  nicht  so!  Stamm  ist  das  nd. 
quei  sanft,  gelinde,  mürbe.  Brem.  Wb. 
in,  398.    Bock,  49.    Hennig,  203. 

queichlich,  adj.  von  queicheln  ^  ver- 
zärtelt^ verweichlicht. 

Queif,  m.  Heiy  wat  kort  hei  von  Qe- 
spenster^  Mäht  mt  keinen  Quaif.  VolksL, 
64,  42,  7.     Nach  dem  Brem.  Wb.  UI, 


202 


Quek  —  quer. 


399,  Q^f  Vorwand,  Entschuldigung; 
hier  wohl  dumme  Kedensart,  dumme 
Geschichte. 

QuSk,  QuSke,  /.,  Quecke,  Triticum 
repens  L.,  mehr  noch  die  sich  weit 
verzweigenden  Wurzeln.  Nach  Ha- 
gen, 144,  auch  Queckweizen^  Queckgras. 
Die  Qu^'i-wurzeln  werden  verbrannt 
Von  queck  lebendig,  lebensfrisch,  mun- 
ter, sehr  regsam,  mhd.  qitec,  kec,  ahd. 
queh^  quec,  S.  Weiteres  bei  Wei- 
gand  II,  416. 

quSken,  sw.^  geil  and  reichlich  fort- 
wurzeln, fortwachsen,  sich  vermehren, 
wie  die  Queke.  Der  Acker  ist  ganz 
verquekt^  er  ist  von  Unkraut  durch- 
zogen.    Hennig,  203. 

QuSkspön,  7n.,  s.  Schwenkspön. 

Quekstelz,  m,  u.  /.,  s.  QuSksterL 

QuSkstert,  Quiksterz,  m,  n.  f.  1 .  Bach- 
stelze, MotaciUa,  Der  Name  ist  Zu- 
sammensetzung aus  queck  (s.  Quek)  und 
Stert  Steif'z,  Schwanz,  den  der  hüpfende 
Vogel  lebhaft  bewegt.  Auch:  Qu6k- 
sterz,  wohl  nur  Verhochdeutschung  von 
Quekstert,  QuSkstelz,  Nachbildung  von 

Bachstelze,  Wippenzagel,  Wippzagel,  pltd. 

Wöppzägel;  nach  Möhling,  Tiem, 
176,  auch  Wippquecksterz.  De  Adebar 
bringt  de  Quekstert  op  ^m  Zdgel  möt^ 
die  Bachstelze  kommt  gleich  nach  dem 
Storche  zu  uns.  Dönh.  Vgl.  ManisL 
2.  nach  Mühling  auch,  übertragen, 
ein  lebhafter,  unstater  Mensch.  Im 
Brem  Wb.  HI,  403,  in  beiden  Bedeu- 
tungen Quiksteert 

quellen,  sw,y  Gemüse,  Hülsenfrüchte, 
Reis  in  Wasser  kochen  lassen,  ge- 
wöhnlich aufquellen.  Vgl.  auch  kel- 
len. 

Quellerke,  w.,  Pfropfen.  Von  quellen^ 
st^  da  der  Kork  im  Wasser  quillt. 

Quellkom,  n.,  ein  Korn,  das  quillt 
oder  zu  quellen  hat.     Beim  Verspeisen 


von  Reis  ruft  man  Mädchen  scherz- 
weise zu,  sich  vor  dem  QueUkom  in 
acht  zu  nehmen:  ein  beim  Kochen  nicht 
gut  aufgegangenes  Korn  müsse  im  Ma- 
gen n achquellen.  Sie  hat  ein  QueUkom 
bekommen  —  hat  ein  QueUkom  ver- 
schluckt  y  sie  ist  schwanger.  Sprw.  I, 
69. 

Quellung,  /.    Steigt  die  Fluth  Ober  das 
Vorland,  dann  sickert  d<is  Wasser  durch 
den  Deich  und  sammelt  sich  in  der  so- 
genannten  QueUung   an,     Pas  sarge, 
188. 

Quempas,  m ,  Weihnachtsgesang  beim 
Fruhgottesdienste  am  ersten  Festtage. 
Mewe.  Es  ist  der  Anfang  des  alten 
lat.  Liedes  Quem  pastores  etc.  das  in 
Mewe  noch  gesungen  wird.  Hintz, 
45. 

Quengelei,/,  von  quengeln.  1.  alber- 
nes Klagen,  Stöhnen,  unnötiges  Wim- 
mern. 2.  Betrug,  List,  Täuschung.  JSr 
macht  allerhand  Quengeleien.  Müh- 
ling. 

quengeln,  sw,  1.  unberechtigt  klagen, 
stöhnen,  fromm  weinerlich  reden,  un- 
bestinmit  und  in  Ausflüchten  reden, 
ali)ern  thun.  Ifire  Frömmigkeit  hatte 
jenen  qu£ngelnden  Ton^  der  in  einigen 
Gegenden  Deutschlands  herrscht.  Soph. 
R.  VI,  28.  2.  s.  V.  a.  krängein.  3.  täu- 
schen, Windbeuteln,  betrugen.  Kinder^ 
das  Quengeln  tdll  ich  nicht  Gehorsam 
ist  besser  denn  Opfer.  Soph.  R.  IV,  156 
Davon  quengelig,  adj. 

queppen,  sw.,  s.  quebben. 

queppendig,  adj.,  s  quebbig. 

quer,  pltd.  dwer,  adj.  u.  arfw.,  ange- 
trunken, betrunken.  Er  ist  quer^  sein 
Weg  lenkt  in  die  Breite  und  verkehrte 
Richtung.  Dat  qvöhm  mie  ön  de  qvähr^ 
ich  wurde  davon  trunken.  Carm.  nupt. 
I,  282,  If).  Substantivisch:  Es  liegt 
alles  die  Kreuz  die  Quer^   in  höchster 


Querdel  —  questen. 


203 


Unordnung.  Einem  in  die  Quere  kom- 
men^ seine  Angelegenheit  störend,  hin- 
dernd durchkreuzen.  Mt  geit  alles  de 
Quei\   verkehrt,  gegen  meine  Absicht. 

Querdel,  m.  u.  n..  s.  Quarder. 

Querdel,  Quirdel,  Quirl(e),  /.  1 .  Hand- 
ln Qhle.  Mühling.  Der  alte  Rabe  sitzt 
auf  der  Quirl  und  spielt  den  Bq/'z. 
Masur.  Volkslied.  Goth.  qaimus,  ahd. 
quit^y  mhd.  kum,  küme  Mühlstein, 
Handmühle,  Mühle.  Vgl.  Schade, 
Wb.  H,  690a.  2.  Quirl,  Stabchen  mit 
aufstehenden  Zweiglein  unten,  das  zwi- 
schen den  Händen  gedreht  wird.  Drellst 
di  rund  röm  wie  e  Querdel.  Volksr., 
252,  877. 

querdeln,  quirdeln,  sw,,  auf  einer  Hand- 
mühle mahlen,  mit  einem  Quirl  um- 
rühren, quirlen. 

Querder,  plur.^  wurm  ähnliche  Larven, 
aus  den  Eiern  der  Neunaugen  entstan- 
den, im  Schlamm-  oder  Lehmboden 
der  Flüsse  lebend;  sie  entwickeln  sich 
zu  vollkommenen  Neunaugen.  S.  Be- 
necke,  194  ff. 

Querder,  m.  u.  n.,  s.  Quarder. 

QuerCI,  QuirSI,  /.,  grundlose  Klage, 
Gezänk,  Unfriede.  Er  macht  überall 
Querel^  Stunkerei,  stiftet  Unfrieden, 
klagt  laut  und  viel  ohne  rechten  Grund. 
Es  ist  das  lat.  querela.  Davon:  Que- 
pftler,  wj.,  Zänker,  Stänker,  Friedens- 
störer, querllen,  sw,^  grundlos  klagen, 
Unfrieden  stiften. 

Quermaul,  n ,  Fischn.,  s.  Nase. 

Querrkrank,  /.,  eigentlich  Quarrkrank 
von  quarren^  Eraokhf  it,  die  sich  durch 
Quarren  und  Stöhnen  äui'zert,  dauern- 
des Unwohlseiü.  Dzg.  Nhrg.  Sprw.  I, 
3526.    Vgl.  soddem. 

Quersteg,  pltd.  Querstech,  m.,  Teil  der 

Zoch  (s.  d.);  er  verbindet  die  Homer 
des  Pflugbaumes  und  ragt  über  das 
rechte  Hom  als  Griff  hinaus. 


Qu§s(e),  /.,  Dem.  Queschen^  Bläschen 
auf  der  Haut,  kleines  Haotgeschwür, 
kleine  Pustel.  Er  hat  das  Gesicht  voll 
Quf'sen,  Pierson  weist  vergleichsweise 
auf  das  lit.  kwetka  Blüte.  Lit.  Aeq., 
21.  Vgl.  jedoch  das  ahd.  angweizy 
ancweiz  Pustel.  Schade,  Wb.,  20a. 
Schemionek,  31:  Quose,  Hennig, 
204. 

QuCsenkopf,  m,  1.  Himkrankheit  der 
Schafe.  2.  närrischer,  eigensinniger 
M  ensch,  Querkopf.  Mühling.  In  bei- 
den Bedeutungen  auch  in  Bremen;  im 
Holsteinschen  und  im  Göttingenschen 
nur  in  2.  Brem.Wb.  IH,  407.  Schütze 
III,  261.     Schamb.,  164b. 

qu6sig,  adj.^  voll  Quesen. 

Quest,  Quast,  /.,  Gang,  Fahrt  nach 
Almosen,  Bittgang  überhaupt;  Besuch 
bei  Befreundeten  oder  Verwandten  in 
der  Absicht,  Unterstützung  oder  Ver- 
pflegung auf  längere  Zeit  zu  erhalten. 
Er  geht  auf  die  Quest^  er  geht  sehen, 
wo  er  etwas  erlangen  kann.  Jetzt  sagt 
man's  vorzugsweise  vom  Bettler,  ur- 
sprünglich galt's  von  den  Bettelmönchen. 
Ermland.  Nach  Hennig,  204,  hiel'z 
ein  solcher  Questa,  m.  Mit  Aufhören 
der  Klöster  ist  der  Name  für  die  Bettel- 
mönche aufzer  Gebrauch,  Quest  für  den 
Bettel  jedoch  geblieben.  Poln.  kicesta 
das  Almosen  sammeln,  die  Kollekte, 
kwestarz  Almosensammler.  N  s  s  1  m. 
Forsch.  2.     Vgl.  das  lat.  quaestor, 

Questa,  m,y  s.  das  vor. 

Queste,  /,  s.  Quaste. 

questen,  quästen,  sw.  1.  von  Quest^ 
bittend  etwas  abquälen,  erpressen:  ab- 
questen;  quälen,  drücken,  belästigen. 
Einen  qu^sten^  ihm  zusetzen,  ihn  drän- 
gend bestürmen,  bis  er  das  Gewünschte 
giebt.  In  Pommern  quästen^  in  Bayern 
questem  hin  und  her  gehen,  laufen. 
Dähn.,  366b.    Schmellerll,  404. 


204 


Questerei  —  Quinzillge. 


Questerei,  /.,  s.  Qu&s. 

Quitschen,  /.,  kleiner  Kohlkopf.  Dönh. 
quibbig,  adj,^  s.  quebbig. 

quick,  adj.  a.  odv.,  rahrig,  munter, 
lebensfroh.  Er  ist  noch  ganz  quick  zu 
wege.    Treichel.     Vgl.  Quik. 

quickem,  sw.^  s.  qulken. 

Quiddel,  /.,  s.  Quaddel. 

quiddern,  sw.,  s.  gniddern  u.  quaddern. 

Quik,  //.,  Vieh.  Westpr.  Mühling. 
Im  ßrem.  Quels^  Quiky  mhd.  quec,  Brem. 
Wb.  UI,  399.     Schade  Wb.,  693b. 

qulk,  interj.y  auch  m.,  zur  Bezeich- 
nung des  hellen,  schneidenden  Tones, 
den  ein  Ferkel  hören  lälzt. 

qulken,  sw.  1.  in  hohen  Tonen  hell 
schreien:  vor  Lust,  infolge  des  Kit- 
zeins, vor  Schmerz.  2.  zur  Bezeich- 
nung des  Tones,  den  Schweine  hören 
lassen^  namentlich  beim  Schlachten. 
In Samland  quickem.  Mühling.  Engl. 
to  sgueaky  in  Bayern  quickezen,  Schmel- 
ler  II,  402.  Bock,  49.  Hennig, 
204. 

Quiksand,  m.  Scheuersand  oder  feiner 
weifzer  und  gelblicher  scharfer  Quiksand 
findet  sich  an  einigen  Orten  des  See-- 
Strandes.    Bock,  Nat.  11,  36. 

Quiksterz,  m.  u.  f.,  QueksterL 

quilen,  »w.^  speien.  Westpr.  Müh- 
ling. 

qulmen,  sw.,  s.  quTnen. 

qulnen,  qulmen,  sw,^  kränkeln  und 
daher  kümmerlich  sich  entwickeln,  da- 
hinwelken, langsam  dahinsiechen;  von 
Menschen,  Tieren  und  Pflanzen.  Eck 
qviehnd  gerats  am  Ldef^  ich  hatte  Leib- 
schmerzen. Carm.  nupt.  III,  77c. 
Echt  was  e  trueg^  du  umt  e  krcmk, 
quind  no  e  Pde  Wake  —  da  stuf  e. 
Konitz.  Firmenich  lU,  637b.  Lit. 
kwitauti\  angs.  quanian^  cwinan^  holl. 
kwijnen^  quenen^  dän.  quinie^  isl.  hieina. 


kelt.  cunn  Klage,  das  Weinen,  mnd. 
quin  Abnahme.  Brem.  Wb.  HL  408. 
Mnd.  Wb.  ÜI,  496  a.  Im  Holsteinschen 
auch  queenen.  Schütze  III^  261. 
Heunig,  204.  In  Zusammenset- 
zungen: aufquimen,  aufquinen,  an  der 
Auszehrung,  Zehrkrankheit,  allmählich 
sich  auflösen;  in  gleichem  Sinne  ver- 
quimen  und  verquinen,  auch  von  Tieren 

und  Pflanzen. 

quinkelieren,  sw,^  hoch  und  fein,  ge- 
künstelt singen.  Nach  Treichel  in 
übertragener  Bedeutung  auch:  Aus- 
stellungen machen,  Redensarten  aus- 
sprechen, die  zu  nichts  führen.  In 
Bremen  quinkeln,  quinkeleren^  im  Göt- 
tingenschen  quinkeUren,  holl.  kwinke- 
leren^  schwed.  qvintillera.  Wohl  von 
quinteren^  quinteleren  auf  der  Quinte 
eines  Saitenninstrumentes  fingern.  Brem. 
Wb.  lU,  408.  Schamb.  165a.  Hen- 
nig, 204.    Vgl.  quinteiieren. 

Qulnksclliag,  m ,  feiner,  listiger  Streich, 
Pfiff.  Mühling.  Ebenso  in  Bremen  und 
Hamburg.  Brem.  Wb.  UI,  408.  Ri- 
chey,  201. 

Quinte,  /.  1.  auf  Saiteninstrumenten 
die  fünfte  und  feinste  Saite.  Wenn 
jemand  sehr  hoch  singt,  sagt  man 
warnend:  Die  Quinte  vdrd  platzen.  2. 
Finte,  listiger  Streich,  Pfiff.  Er  macht 
Quinten^  spielt  arglistige  Streiche.  Er 
hat  Quinten  im  Kopf^  er  ist  voller 
Ränke,  auch:  plagt  sich  mit  Grillen. 
Bock,  49.     Hennig,  204. 

quinteiieren,  sw ,  weinen.  Natangen. 
S.  quinkelieren. 

Quintenmaclier,  9n.,  Elänkeschmied, 
Intriguant,  Pfiffikus.  Ebenso  in  Bre- 
men, in  Osnabrück  Quintenfänger. 
Brem.  Wb.  HI,  409. 

Quinzillge,  /.  1.  cunnus^  vulva.  2. 
Schimpfname   für   ein  Weib,    das    bei 


Quirdel  —  Qaütsch. 


205 


jeder  Gelegenheit  weint.  In  Hessen 
und  Posen  Quintipse.  Vilmar,  310. 
Bernd.  231.  414 

Quirdel,  /.,  s.  Querdel. 
quirdeln,  sw.  s.  querdeln. 

Qufre,  /.,  veraltete  Handmühle  von 
Holz  zum  Zerkleinern  des  Getreides 
mittelst  zweier  quer  gehender  Mahl- 
steine. Die  Grutzqutre  giebt  Grütze, 
die  Graupenquire  Graupe ;  letztere  heil'zt 
auch  Pischkenstampe.  T reich  ei.  S. 
Pischke. 

Quir§l,  /.,  s.  Quer§l. 

quirksen,  quirkschen,  mv.  1.  zwit- 
schern, zur  Bezeichnung  der  ersten  Ge- 
sangsübungen junger  Vögel.  2.  quar- 
rende, schrille  Töne  hören  lassen. 
3.  die  ersten  Übungen  auf  der  Geige 
anstellen.  Wohl  von  quirren.  In  Bayern 
^witschen,  qwitschem.  Seh  melier  II, 
404.    Vgl.  schirgeln. 

Quirkser,  Quirkscher,  m.,  einer,  der 
quirkst^  namentlich  Anfänger  im  Geigen- 
spiel. 

Quirl(e),  /.,  s.  Querdel. 

Quirop,  m.  1.  die  quikrufcnde  Maus. 
Im  Volksrätsel:  De  Quirop  on  de 
Quarrop  (s.  d.)  2.  unartiges  Kind. 
Samland. 

QuirrdipSy  m.,  der  Podex  beim  Geflügel. 
Friedland  Ostpr.     Vgl.  Dups. 

quirrelieren ,    pltd.    quirrellren,    sw,^ 

querulieren,    gern  oder  häufig   klagen, 
unbegründete  Beschwerde  führen. 

quirren,  sw.,  s.  quarren. 

Quispely  (?),  etwas  Zusammengedrehtes. 
Natangen. 

QuTst,  /,  Vergeudung.  Ahd.  quist 
Vernichtung,  Verderben  Schade  Wb., 
696  a. 

qutsten,  «w?.,  vergeuden,  verschwenden, 
vei^schleudem,  verthun,  durchbringen. 
Er  verquistet  und  verquast  alles.    Goth. 


qistjan^  ahd.  quistan^  chwistan  verder- 
ben, vernichten.  Schade,  691a.  Holl. 
quisten  vergeuden. 

Quitsche,  /.,  in  der  Saalfelder  Gegend 
auch  Quitschke,  nach  Tr eich el,  Volks- 
Ih.,  Ouitschel,  Beere  der  Eberesche,  Sor- 
Inis  aucuparia  L.  Von  quitschen  quet- 
schen: die  Beeren  werden  gequetscht. 
Sperber,  37,  schreibt  Kwit&che  und 
leitet  den  Namen  von  dem  poln.  kioiat 
Blüte  ab;  der  poln.  Name  für  Quitsche 
ist  jedoch  jarz§bina.  Der  Baum  selbst 
heil'zt  Quitschenbaum  etc.  Hennig, 
204. 

quitschen,  sw.  1.  quetschen.  2.  s. 
V.  a.  quiken;  pfeifend  und  quikend, 
mit  kindischer  Stimme  vsprechen.  Wie 
du  von  ihrer  Stimme^  dieser  mir  quit- 
schenden  Stimme^  bezaubert  gewesen  bist? 
Soph.  R.  IV,  240.  Das  wäre  ober  doch 
verflucht  impertinent^  quitschte  ein  junges 
Ding,  Ibid.  V,  162.  Sperber,  35. 
3.  s.  V.  a.  quatschen. 

Quitschenbaum,  pltd.  -böm,  m.,  s. 
Quitsche. 

Quitschke,  /,  s.  Quitsche. 

quitschnafz,  adj ^  naCz,  dafz  es  quitscht. 
Saalfeld.     S.  quatschen. 

quittern,  sw,^  leise  lachen.  Saalfeld. 
Vgl.  gniddem. 

Quöder,  m.  u.  n.y  s.  Quarder. 

quOken,  sto.^  bebend  schaukeln,  zittern. 
Die  Kämpen  eines  Moores  quoken, 

QuöS,  m.  1.  Schmutz,  durchgearbei- 
teter Lehm  oder  Thon;  Jauche.  Da- 
von quOsig,  adj.,  jauchig,  von  Jauche 
durchzogen.  Der  quosige  Misthaufen. 
Friedland  Ostpr.     2.  s.  Quds. 

quOsen,  »w.,  s.  quftsen. 

quösig,  adj.^  s.  Quös. 

QuOtsch,  m.  1.  Hieb,  Schlag,  Prügel. 
Quütsch  geben,  prügeln.  Vgl.  Knutsch. 
2.  Schenke,  Krug,  in  dem  es  oft  Quütsch 


206 


Qaatsch  —  rabbeln. 


giebt.  In  Pillaa  auf  der  sog.  Holz- 
wiese wird  eine  Kneipe  Blotquütschy 
Blutqautsch,  genannt.     Samlaod. 

Quutsch,  (u  kurz),  7n.,  Nässe^  Schmatz, 
StraCzenkot.   Die  Strafze  ist  ein  Quutsch 
Lautnachahmend     von    dem     quuUcItr- 
Ton,    den    stark  darchnäiztes  defektes 
Schuhwerk  in  durchweichtem  Boden  bei 


jedem  Schritte  hören  lälzt.    In  Bayern 
Pfutsch.     Seh  melier  I,  326. 

quutschen,  sw.y  von  (^autsch  Das 
Wasser  in  den  Schuhen  quutscht^  durch- 
weichter,  lehmiger  Boden  quutscht  bei 
jedem  Tritte.  Davon  quutschig,  adj.  Der 
quutschige  Weg.  quutschenafz,  quiitschend 
nafz^  triefend  nafz,  s.  quatschnafz. 


R. 


r,  Schmelzlaut,  verschwindet  im  Platt- 
deutsch auslautend:  mt  mir  und  mich, 
wi  wir,  Väda  und  Väde  Vater,  maschU 
ren  marschieren,  Qy^atier  Quartier;  auch 
in  Vorsilben:  vo  oder  va  vor  (vagete 
vergessen). 

Raap,  7/1.,  s.  Räp. 

Rftb,  Räf,  RAbe,  Rftpe,  m.  1.  erster, 
junger  Schorf  einer  Wunde.  Ahd. 
rafjan,  raphen  sich  schliefzen,  verhar- 
schen, Schorf bildung zeigen.  Schade, 
697  b.  Im  Hanno V.  Robe^  in  Bremen 
Ravey  in  Hessen  Rop.  Brem.  Wb.  III, 
440.  Vilmar,  330.  2.  Rinde,  Kruste, 
Decke  überhaupt.  Es  lag  ja  nur  ein 
Heines  Räbchen  Schnee  auf  der  Treppe. 
Hennig,  205. 

'pab,  pltd.  Va/,  Waffer^  adv,^  herab, 
hinab.  Komvi  Wab!  On  ^raff^  '^^i^? 
erafer.  Dorr,  1.  Wiew.,  24.  Gegen- 
satz: Wauf  (s.  d.). 

RabackyC?),  Elapperei^  eine  alte,  nichts- 
nutze  Sache.  Mühling.  In  Bremen: 
Blen  oold  RahaJc  ein  altes  verfallenes 
Gestell,  Haus  etc.  Brem.  Wb.  HI,  413. 
Wohl  verwandt  mit  Kabaclie. 

rabacken,  sw,.,  rasseln,  rumoren,  klap- 
pern. Mühling.  Ebenso  in  Bremen. 
Brem.  Wb.  III,  413.  In  Posen  rabat- 
zen.    Bernd,  231.     Vgl.  rabasteln. 

Rabant,  (?),  Peitsche,  Eantschu.    Da- 


von rabanten,  sw.^  auspeitschen.   Thorn- 
sehe  Chronik,  199.     Mühling. 

rabasen,  rabosen,  sw.  1.  tollen,  ra- 
sen, lärmen.  2.  rauben,  stehlen.  Müh- 
ling. In  zweiter  Bedeutung  also 
übereinstimmend  mit  rabüschen  (s.  d.) 

rabasieln,  auch  rabasseln,  sw.^  ge- 
räuschvoll hantieren,  lärmend  herum- 
wirtschaften, rasselnd  arbeiten,  mit  Ge- 
räusch aufräumen.  Se  spenkerf  und 
schmefz  em  (um)  sich^  on  raboAtelf  met 
Tesch  on  Stuhl.  Schaltj.  1,  439.  Ee 
hadd  dat  wohl  gefeehlt.,  wie  em  wat 
Wecket  an  de  Been  rabastelt  weer.  Dorr, 
Driewjagd.  sich  rabasteln^  sich  beim 
Liegen  oder  Sitzen  hin-  und  herwer- 
fen, um  eine  bequemere  Lage  zu  fin- 
den, oder  sich  zu  erheben:  sich  auf- 
rabasteln.    Marc  Id.     Vgl.  basteln  und 

brasteln. 
Rabäu,  m.,  s.  Radäu. 
Rabbas,  Rabbax,  m.,  Stolz,  Schlag, 

Hieb.  Öch  ha  a  och  all  mänge  Rabbas 
ver  e Bloss  gegjane.  Ermland .  Firme- 
nich 111,  103b.  Auch  bildUch.  Er 
hat  einen  guten  Rabbas  weg,  einen  em- 
pfindlichen Schaden  gelitten.  Poln. 
rabac  hauen,  raz  Hieb,  Schlag. 

rabbeln,  räbbeln,  sw.^  sich  bemühen, 

nach  einer  Sache  emsig  bestrebt  sein. 
Mühling.    In  Bremen  ist  rabbeln  ge- 


Rabbeltasche  —  Racker.   . 


207 


schwind  und  unbedachtsam  plaudern, 
im  Göttingenschen  raivweln^  holl.  rab- 
belen,  Brem.  Wb.  III,  413.  Schamb., 
169  a.    Vgl.  rappeln. 

Rabbeltasche,  /.,  Plappermaul.  M ü  h- 
ling.  Ebenso  im  Holsteiuschen,  im 
Götting.  Rawweltasche,  Schütze  III, 
268.    Schamb.,  16'Ja     Vgl.  rabbeln. 

Rabe,  /.,  s.  Rftb. 

Rabheier,  m^  s.  Dannecker. 

rabiOnsch,  adj..  habsuchtig,  geizig. 

rabosen,  sw.^  s.  rabasen. 
rabotten,  sw,^  s.  robotien. 

Rabsgras,  n.,  Kasenschmelc,  Aira 
caespitosa  L,     Hagen,  81. 

Rabunek,  w.,  poln.,  Raub,  Plünderung. 
Auf  Rabunek  gehen,     Sperber,  39. 

rabunten,  »w.  rabunten  gehen^  böse 
Wege  wandeln,  herumschwärmen.  Vgl. 
Brem.  Wb.  lU,  413. 

Rabdsch,  m.,  s.  Rabüscher. 

rabdschen,   rabdschem,   si^.,   rauben, 

stehlen,  überhaupt  etwas  ohne  Recht 
und  Berechtigung  sich  aneignen.  Poln. 
rahm    der    Rauber,    rabowac    rauben, 

plündern.    Vgl.  rabasen. 

Rabdscher,  7n,  von  rabitschen^  Dieb, 
ein  Mensch,  der  alles  sich  anzueignen 
versteht.  Am  Ostseestrande  Arbeiter, 
der  auf  eigene  Hand,  also  gesetzwidrig, 
nach  Bernstein  gräbt.  Auf  dem  Rück- 
wege nahmen  ihm  verschiedene  Maro- 
deurs —  Rabüscher  von  den  Landleuten 
genannt  -  sein  weniges  Geld  ab,  (1807.) 
Lehrerz.  f.  Ost-  und  Weslpr.  1880, 
S.  242a.  Sperber,  39:  Rabusch  Ufkxx- 
ber,  verwilderter  Mensch. 

rachaldeln,    rachheldeln,    st^.,    coire. 

Klingt  jüdisch,  stammt  jedoch  nicht 
aus  dem  Hebr,  wird  auch  nicht  von 
Juden  gebraucht,  ist  vielmehr  Nach- 
bildung des  an  ei  und  oi  reichen  jü- 
dischen Jargons. 
Rachenputzer,  m,^    Schnaps,   der  den 


Rachen  reinigt.  Vgl.  Seh  melier 
HI,  10. 

rächfär,  adj.  u.  adv,^  s.  rftkfär. 

rachgierig,  adj,^  habgierig,  habsüchtig, 
eigennützig.  Ebenso  und  rachig  in 
Hessen,  woraus  hervorgeht,  dal'z  das 
Volk  an  Rachen  (fatuc)  denkt.  Vil- 
mar,  312.  Mühling  hat  in  gleichem 
Sinne  noch  rachsUchtig;  Schemionek, 
31,  rachhalsig;  Hennig,  334,  hat  raff- 
gierig, von  raffen^  als  den  edleren  Aus- 
druck —  ^der  gemeine  Mann  sagt 
rachgierig,^ 

rachhalsig,  adj.y  s.  das  vor. 

rachheideln,  sw,,  s.  rachaideln. 

rachsUchtig,  adj.^  s.  rachgierig. 

Rachull,  Rachuller,  m,,  rachullen. 

rachullen,  «m?.,  gierig  verlangen,  an 
sich  reil'zen.  Er  rachullt  überall  herum^ 
er  sieht  zu,  wo  er  etwas  ergattern,  ge- 
winnen kann,  sucht  nach  Beute.  Auch 
hier  wird,  wie  bei  rachgierig^  an  Ra- 
chen gedacht;  doch  liegt  wohl  das 
poln.  rachowac  rechnen,  zählen,  näher, 
dessen  Präs.  rachuj§  lautet.  Davon 
Rachull,  Rachuller,  m..  Habgieriger,  Un- 
ersättlicher. rachull(e)rig,  orf/.,  gierig, 
habsüchtig,  sehr  ^nach  sich**.  Sche- 
mionek,  32:  rachhultrig,  Sperber, 
26.     Schmitt,  Westpr.,  167. 

racl(,  adj,y  straflF,  steif.  Zudem  ist 
der  nüchterne  Leib^  wegen  der  gleichsam 
erstorbenen  Geisterlein^  gleichsamb  rack^ 
Star  und  kalt,  Linem  ,  Dd  Ib.  De 
Hans  was  rack  on  möd  von  allem  Peper- 
stampe.  Carm,  nupt.  I,  282,  7.  Vgl. 
Schmeller  III,  38. 

racken,  sw,^  s.  raggen. 

Racl(er,  m.  1.  Schinder,  Abdecker, 
Henkersknecht;  von  raggen y  racken. 
Ebenso  engl.,  holl.  und  schwed.  Et 
föllt  göt,  seggt  de  Racker.  Schlechte 
Ttty  seggt  de  Racker^  et  föllt  nuscht 
2.    Bezeichnung    für    einen    Pfiffikus, 


208 


Rackerei  —  radbrechen. 


Schelm.  Er  ist  ein  geriebener  Racker. 
3.  Schimpf-  und  Schmeichelwort,  je 
nach  dem  Geschlecht:  der  Racker^  die 
Racker.  Du  Racker^  dÜ  denkst^  d!  kannst 
alleen  scheten.  Soph.  R.  III,  382.  Kamt 
m§t^  §k  war  ju  dolkte  Geschichten  von 
dissem  Racker^  dem  Forih^  verteilen. 
Dorr,  LWiew.,  116.  4.Racke,  Mandel- 
krähe, Coracius  garrtda,  Muhling, 
Tiem.,  176.  Die  Krähen  überhaupt 
nennt  der  Yolksmund:  dem  Racker  sine 
Dffwey  die  Tauben  des  Rackers.  Racket* 
im  Sprichwort  s.  Sprw.  I,  3050  AT. 
Vgl  Bock,  49.  Hennig,  206.  Ri- 
eh ey,  204.  Brem.  Wb.  III,  425. 
Vilmar,  313.     Sallmann,  38b. 

Rackerei,  pltd.  Rackert,  /.  1.  Woh- 
nung des  Schinders.  2.  Schwere,  ab- 
mattende Arbeit,  Quälerei,  Plage.  Es 
ist  eine  reine  Rackerei.  3.  Unreinigkeit, 
Schmutz. 

Rackerhund,  m,^  Hund  des  Rackers; 
beliebtes  Schimpfwort  In  Hessen  ist 
Racker  zunächst  bissiger  Hund.  Yil- 
mar,  313. 

rackerig,  rackrig,  adj,^  schmutzig,  sehr 
beschwerlich,  ermüdend.  Eine  racke- 
rige  Arbeit  Nach  M  ü  h  1  i  n  g  auch :  auf- 
gebracht, erzürnt;  in  diesem  Sinne  auch 
in  Posen.     Bernd,  232. 

Rackerkarre,  /.,  Karre  eines  Rackers. 

Rackerkaule,  /.,  Kaule,  Grube,  worin 
der  Racker  die  Reste  der  abgethanen 
Tiere  vergräbt.  Nach  Mühling  der 
Platz,  auf  welchem  er  sein  Geschäft 
betreibt,  Schindanger.  Ebenso  auch 
im  Bremischen.     Brem.  Wb.  HI,  425. 

Rackerknecht,  m.  1.  Knecht  eines 
Rackers,  Schinderknecht.  2.  Schimpf- 
wort. 

rackermOde,  adj.^  rock  und  müde, 
steif  und  müde,  sehr  müde.  In  der 
Verstärkung:  hunderackermOde.     Ward 


uck  rackermod  onmatt.    Nowack,  42. 

Vgl.  rack. 

rackern«  sw.y  angestrengt  arbeiten, 
sich  abmühen,  namentb'ch  wenig  loh- 
nende, schmutzige  Arbeit  verrichten. 
Wer  de  ganze  Wäk  (Woche)  gerackerty 
Dem  es  de  Stäw  denn  vehl  to  eng. 
Nowack,  36.  Vgl.  raggen^  rocken^ 
Ranker,  abrackern,  sich^  sich  abarbei- 
ten, durch  angestrengte  Arbeit  müde 
machen.  Sperber,  5.  anrackem.  Sich 
einen  Hund  anrackem^  ihn  mit  An- 
strengung und  Mühe  an  sich  gewöhnen. 
Dönh.  verrackem,  sichy  sich  überar- 
beiten. 

Rackerzeug,  pltd.  Rackertlg^n.,  Gesindel, 
Geschmeiiz,  böse  Brut.  Schimpfwort, 
oft  auch  in  gemütlichem  Sinn.  -S.  Be- 
leg unter  Elk. 

Rackopill,  /.,  Schabe.    S.  Franzosen. 

Racks,  m.y  Stich.  Er  hat  ihr  einen 
Rocks  beigebracht.     Friedland  Ostpr. 

racks,  interj  ^  schalluachahmend,  zur 
Bezeichnung  eines  Bruches  =  knacks. 
RackSy  brach  der  Wagen!    Treichel. 

racksen,  sw.^  Iterativ  zu  rackeny  gleich- 
bedeutend mit  rackern^  angestrengt  ar- 
beiten.    Treichel. 

Räckske,  n.,  Röckchen. 

raden.  su?.,  roden,  ausrotten.  H  en  n  i  g , 
205. 

räd  on  rund,  adv.j  s.  rCd. 

Radäu,  Rabäu,  m.,  Lärm,  Geschrei, 
Spektakel,  Unfug. 

Radaune,  /.,  Flul'zn.,  s.  RadQn. 
rftdbrechen,  rftdebraken,  pltd.  rädbrä- 

ke(n\  st.  1.  mit  dem  Rade  zerbre- 
chen, rädern.  2.  verstümmelt  sprechen, 
also  beim  Sprechen  die  Worte  zer- 
brechen, wie  es  kleine  Kinder  thun, 
die  zu  sprechen  beginnen,  oder  Leute, 
die  eine  fremde  Sprache  schlecht  spre- 
chen.    Das  Kind   radbräkt  schon.     Er 


Radbrecher  —  raggen. 


209 


rddbrdkt  im  Deutschen,  Holl.  rad- 
brakeriy  rabraken^  im  Göttingenschen 
rabraken.  Vgl.  Adelung  HI,  912. 
Scham b.,  166a.  Hennig,  334.  Da- 
von: 

Rftdbrecher,  pltd.  RädJbräker^  m.,  einer, 
der  rddbi*dcht 

Rftde,  f.y  Kornrade,  Agroatemma  gi- 
thago  L,  RddÜ  und  Tresp  Hält  den 
Bauer  fest;  Aber  Schmel  und  Klapper 
Jaget  ihn  vom  Acker.  Samland.  Sprw, 
I,  3054.    Hennig,  205. 

rftdebraken,  «to.,  s.  rftdbrechen. 

Radel,  n.,  Waldläusekraul,  Pedündaris 
silvatica  L.  Bock,  Nat  lU^  455. 
Hagen,  650:  Rodel.  Nsslm.  Th.,  220: 
Rodel,  Sumpfläusekraut,  Ped.  palu- 
stris L. 

Raderkuchen,  m.,  richtiger  Räderkw- 
chen,  läDgliches  Schmalzgebäck  zum 
EafiPee,  dessen  Teig  durch  ein  sporen- 
artiges Rad  der  Länge  nach  zerschnit- 
ten ist,  wodurch  der  Rand  gezackt  er- 
scheint. Durch  einen  Einschnitt  in  der 
Mitte  wird  das  Gebäck  knotig  geschürzt 
und  heifzt  daher  auch  SchUrzkuchen. 
Samland. 

Radheuer,  m.,  auch  Ratteier  ge- 
schrieben, Arbeiter,  der  zum  Pflügen 
(fürs  Rad)  geheuert  wird.    Treichel. 

Radikalacker,  m.,  der  eingewurzelte, 
erbliche  Acker,  der  ohne  den  dazu  ge- 
hörigen Hof  nicht  verkauft  werden 
durfte.     S.  Behnisch,  76f. 

radlichy  adj.,  weit  auslaufend.  Von 
den  Wurzeln  der  Kartoffeln.     Dönh. 

Radnelke,  /.,  Kornrade,  Agrostemma 
githago  L.    Hagen,  482. 

RadSI,  Pflzn.,  lanzettlicher  Wegerich, 
Plantago  lanceolata  L.    Hagen,  170. 

Radom,  /.^  Rohrdommel.    Samland. 

Radschen,  Ortsn.,  Dorf  im  Kirchspiel 
Küssen,  Kr.  PillkalleD.  Du  böst  wohl 
von  Radsche,  wo  se  de  Flinse  op  ene  Std 

Fritehbitr,  Wört«rbaoh  H. 


backe  —  wo  se  de  Wagens  op  ene  Sid 
schmere,  so  sagt  man^  wenn  jemand 
eine  Arbeit  linkisch  oder  nicht  voll- 
ständig macht.  Das  Dorf  ist  so  ge- 
baut, dafz  alle  Gebäude  auf  einer  Seite 
der  Landstrafze  stehen.  Sprw.  I, 
3055. 

RadOn,  /.  1.  sumpfige,  nasse  Stelle 
im  Acker,  auf  dem  Felde.  Treichel. 
2.  nach  Hennig,  205,  ursprünglicher 
Name  des  Flüfzchens  Radaune  in  Dan- 
zig.  Hennig  folgt  für  die  Herleitung 
des  Namens  der  Sage,  nach  welcher 
er  von  Rettung,  pltd.  Reddung,  ab- 
stammt, weil  ein  Missethäter  sich  durch 
Anlage  der  Mühlenwerke,  welche  die 
neue  Radaune  treibt,  das  Leben  ge- 
rettet haben  soll. 

Rftf,  m.  u.  n.,  s.  Räb. 

räfen,  sw,,  Sahne,  Rahm  bilden:  Die 
Milch  wiU  nicht  rdfen,  oder:  räß  gut. 
Hennig,  205.    Vgl.  Räb, 

Raffel,  m.,  s.  Räpel. 

Rafferin,  /.,  von  raffen,  die  hinter 
dem  Schnitter  herschreitende  Binderin 
des  Getreides.  Hinter  mir  sputet  sich 
die  Raff erin,  aufnehmend,  greifend  bin- 
det sie  Garben.  Aus  einem  masurischen 
Liede. 

raffgierig,  adj.,  s.  rachgierig. 

rftgbar,  adj,^  s.  rflkfär. 

ragen,  sw.,  s.  rftken. 

Ragge,  /.,  Körper,  vielleicht  .mehr 
noch  Rücken.  Dei  Ragge  voUschmere, 
durchprügeln.  2.  Pferd.  Dei  heft  e 
Paar    gode    Ragge.      Samland.      Vgl. 

Kragge. 
raggen,  racken,  sw.,  mit  Mühe  und 

Ajistrengung  vom  Schmutze  reinigen, 
aus  dem  Grunde  reinigen,  Unflat  aus- 
räumen. Unsauberes  waschen^  scheuem, 
überhaupt  angestrengt  bei  einer  un- 
saubem  Arbeit   beschäftigt   sein,     ab- 

raggen,  ausraggen.     Einem  die  Läuse 

14 


310 


TaglgendigToIl  —  rikfitr. 


abraggen.  Es  ist  nicht  cnuzuraggen^ 
der  Schmatz  ist  nicht  wegzabekommen, 
es    ist    nicht   rein   za   bekommen.     S. 

beraggeiL    Hennig,  206.    YgL  raken. 

raggendigvolly  adj,^  überaas  schmatzig, 
so  ansaaber,  dalz  der  Schmatz  nicht 
za  raggeUj  atuzuraggen  ist. 

Ragnit,  Ortsn.,  Kreisstadt  im  Reg.- 
Bez.  Gambinnen  an  der  Memel.  Lebt 
in  der  Redensart:  Ragniter  (bei  Bock, 
50  and  Hennig,  206,  Rangnitter\  ma- 
chen,  Verbrecher  gefänglich  einstecken. 
In  dem  alten  Schlosse  der  Stadt  be- 
findet sich  eine  Proyinzial- Straf -An- 
stalt Sprw.  I,  3056.  Vgl.  Nsslm. 
TL,  145.    Altpr.  M.  XV,  583. 

Rahriy  Rohn,  m.,  Rahne,  /.,  Rahnen, 
77».,  Stuck  Bauholz,  noch  anbeschlage- 
ner Baumstamm.  Lit  r&nas ;  ahd.  rano, 
mhd.  rone,  ron  umgestürzter  Baum- 
stamm Denn  wenn  der  Rahnen  90  ge- 
schnitten  wird^  dafz  auf  einer  Seite 
allein  feste  Dielen^  auf  der  andern 
Seiten  allein  sckwammichte  und  fosche 
Dielen  entstehen^  so  etc.  —  aber  leicht- 
fertige falsche  Dielen  entstehen^  wenn 
ein  Rahn  anders  geschnitten  wird,  Li- 
nem.  Tt  2a.  Brettschneider  so:  Fichte- 
röne^  FichteronCy  Schnitt  fer  Schnitt  e 
Achtehalber!  Kinder-Neckreim.  Kgsbg. 
Nsslm.  Forsch.  2;  Th.  146:  Rone, 
Rrinen.  Vgl.  Altpr.  M.  XV,  584.  Mnd. 
Wb.  m,  504b. 

Rahnenschneider,  m.,  Schneider  des 
Rahnen,  Brettschneider.  ., ,  ein  Hau/z- 
vater  und  Bawherr  den  Rahnen-  oder 
Bretschneidem  eimurahten  hat^  wie  er 
die  Dielen  abschneiden  solle.  Linem., 
Tt  2a. 

Rainfurty  Pflzn.,  gemeiner  Rainfarn, 
Tanacetum  vulgare  L.  Dem  gesunden 
Vieh  giebt  man  die  Pflanze,  klein  ge- 
schnitten   und    mit    Salz,    ^furd    Ge- 


schmack', d.  h.  damit  es  gut  firifict, 
dem  kranken  mit  Bier  gekocht. 

Rajöle,/.,  Rigole,  Rinne,  Abzugsgraben. 
HoU   riool.  in,  rigole. 

rajMen,  «tr.,  rigolen,  umgraben,  am- 
kehren,  den  anten  liegenden  Boden  eines 
Ackers  oder  Gartens  nach  oben  schaf- 
fen. Nach  Überschwemmungen  in  der 
Niederung  wird,  wenn  der  Sand  nicht 
gar  zu  hoch  die  Frachterde  überdeckt, 
der  Acker  rctfolt  Passarge,  341; 
Balt,  195.  Franz.  rigoler,  poln.  rjfff^ 
das  Präs.  von  ryc  wühlen,  die  Erde 
umgraben,  slavon.  ru/u  furchen,  auf- 
wühlen. Frisch n,  122a:  rioZ^fi.  Hen- 
nig, 206. 

Rakel,  m.,  s.  RtkeL 

rdkeln,  sw.,  sich,  sich  dehnen,  behäbig 
sich  einrichten,  breit,  unnütz  machen 
Fast  gleichbedeutend  mit  rekeln.  Trei  - 
cheL 

rdken,str.,  treffen,  rühren,  berühren,  al- 
terieren,  interessieren,  reichen,  ausrei- 
chen, verschlagen.  Gortzitza  schreib 
ragen.  Das  rdkt  ihm  nicht,  sagt  man 
wenn  einen  Reichen  ein  Verlust  getroffen 
der  von  ihm  ertragen  werden  kann 
Was  rdkt  dem  ein  Puckel  voll  Prügel 
Dat  rdkt  nuschty  verschlägt  nichts 
Es  rdkt  ihm  nichts,  es  beunruhigt  ihi 
nicht,  interessiert  ihn  nicht.  Pr.  Ar 
chiv  I,  526.  Lafz  seyn,  da/z  Metzei 
auch  nicht  reine  Körner  mahlen,  Wa 
geht  das  Jungfern  an,  was  rakt  es  dt 
Vestalen.  Carm.  nupt.  1.  Dei  fehx 
(beim  Schiefzen  nach  der  Scheibe),  oi 
raackt  gewifz  ant  Schwarte  nich  henati 
Ibid.  133  c.  Holl.  raaken.  Verwand 
mit  reken  reichen.  Brem.  Wb.  HI,  425 
Muhling  hat  raken  auch  in  der  Be 
deutuDg  von  schaden.     Hennig,  205 

rtUrfär,  rokfar  (a  =  d),  rdchfar:  nac 
Schemionek,    31,   auch    rägbar,    ad 


rallen  —  rampen. 


211 


und  ado,^  ge&hrlich,  miizlicli,  be- 
denklich. Es  ist  rdkfdr^  auf  schwa- 
ches Bas  zu  gehen^  —  mit  Licht 
sich  leicht  entzündbaren  Stoffen  zu 
nahen.  Einen  Handel  mit  wenig  gang- 
baren Waren  zu  beginnen  —  ist  eine 
rdchfdre  Geschichte,  Et  bs  fähe  ser 
rokfär^  es  ist  häufig  sehr  gefahrlich. 
Die  erste  Silbe  weist  auf  das  alts.  raka^ 
«hd.  rahha^  rahcha^  racha^  Rede,  Re- 
chenschaft; Sache.  Schade,  699  a. 
In  Pommern  ist  das  Subst.  Rakefaart^ 
n.y  ein  Ungefähr,  ein  Zufall,  der  viel 
einbringt:  dat  was  so^ne  Rakefaart 
Dähn.,  372b.     Hennig,  205. 

rallen,  sw.  1.  laufen,  sich  jagen, 
balgen,  rasen,  tollen,  sich  wälzen  vor 
Lust,  Possen  treiben.  Tobenden  Kna- 
ben wird  zugerufen:  Rallt  nicht  so! 
Die  Jugend  aber  rallen,^  tanzen,^  stielen 
wie  sie  können,  P  i  e  r  s  on ,  Matth.  Prät., 
82.  86.  Denn  war  zwee  Tag^  hinter 
enander  en  Gejuchtz  an  en  Rallen  on 
Dollen  on  ommer  Musick,  Schalt).  3, 
9.  In  Bayern  rallen  herumlaufen. 
Schmeller  III,  79.  Im  Götting.  ral- 
ken  sich  hin  und  her  wälzen.  S  c  h  a  m  b. , 
167  a.  rallen  in  Verbindung  mit  dallen 
s.  dollen,  Bock,  50.  Hennig,  206. 
2.  coire;  von  Schweinen. 

Räm,  9n.,  auch  RämstOck,  n.,  von  Rah- 
men,  Balkenlage  auf  der  Mauer,  wo- 
rauf das  Dachgerüste  ruht.  Oberland. 
Auch  Rahmen,  Einfassung,  Umgebung 
überhaupt;  in  Danzig  ist  Ram  oder 
Rdmel  Name  einer  Stral'ze,  die  früher 
zur  Umgebung  des  Schlosses  gehörte. 
Löschin,  45. 

ramasaeln,  ramasteln,  sw.,  geräusch- 
voll thätig  sein,  rasseln,  klappern, 
hämmern  und  klopfen.    Hennig,  206. 

RambaUy  m.,  Strafzenname  in  Danzig, 
richtiger  Rammbau^  da  der  sumpfige 
Boden  durch  eingerammte  P&hle  und 


Steine  befestigt   werden  mulzte.    Lö- 
schin, 45. 

rämen,  sw.,  nach  Mühling:  über- 
wältigen, bezwingen,  ringen;  bei  Je- 
roschin:  zielen,  ins  Auge  fassen,  aufs 
Korn  nehmen.  Er  rdmte  sin  so  langCy 
unz  er  in  durch  ein  wange  mit  eine 
spere  gestach^  56a.  Pfeiffer,  304. 
Und  jagen  es  (das  Wild)  par  force  ins 
flache  Feld  hinein.  Dann  gehts  ans 
Rahmen^  da/z  die  Wolle  davon  stäube. 
Carm.  nwpt  IV,  56b.  Vgl.  Frisch  II, 
85a.  2.  trefien,  antreffen,  begegnen 
und  dann  auch  anrämen;  zur  rechten, 
gelegenen  Zeit  kommen.  Ich  rdmd  ihn 
schlecht^  ich  traf  ihn  bei  schlechter 
Laune.  Ich  hatte  eine  schlechte  Zeit  ge- 
rdmt  Die  Arbeit  rdmt  nichts  es  ist 
wenig  Arbeit  anzutreffen,  sie  ist  schwer 
zu  finden.     Natangen. 

rammdäsig,  -dSsig,  adj,^  zum  rammen 
däsig,  so  borniert,  dafz  man  den  Dumm- 
kopf als  Ramme  gebrauchen  könnte. 
Treichel.    Vgl.  däsig. 

rammeln,  sw,^  sich  begatten;  zunächst 
von  Kaninchen,  Hasen,  Katzen,  Schafen, 
dann  aber  auch  von  Menschen.  Von 
Ramm  Schafbock.  Vgl.  Brem.  Wb.  HI, 
431.  Davon  Rammelei,  /.,  Rammelzeit, 
pltd.  Rammelttd,  /. 

Rammklotz,  m.  1.  Klotz,  mit  dem 
gerammt  wird.  2.  bildlich  zur  Be- 
zeichnung eines  korpulenten,  kräftigen 
und  behäbigen  Menschen.  Er  ist  ein 
rechter  Rammklotz.  Er  ist  so  dick  wie 
ein  Rammklotz.    Sprw.  I,  570. 

Ramp,  m.y  s.  rampen. 

rampen,   nimpen,    rllmpen,    rümpfen, 

rümpfen,  pltd.  r8mpe(n),  sw,^  in  Bausch 

und  Bogen  kaufen.     Namentlich  wird 

auf  Jahrmärkten  Töpfergeschirr  gerampty 

gerümpft  etc.    Ein  Einzelner  kauft  den 

ganzen  Rest  der  Töpferware,  sucht  dann 

Abnehmer   und   teilt  nun  den  Vorrat 

14* 


212 


RamBch  —  ra]izeon^re(n). 


in  so  viele  Haafen,  als  er  Teilnehmer 
gefunden,  auf  jeden  Haufen  das  ihm 
übergebene  Pfandstück  des  neuen  Be- 
sitzers legend.  In  auderm  Falle  setzen 
auch  die  Töpfer  selbst  am  Schlüsse 
des  Jahrmarktes  den  Rest  ihrer  Vor- 
rate in  Haufen  und  verkaufen  oder  ver- 
losen diese  kleinen  Rampe  an  einzelne 
Liebhaber.  Nach  Mühling  werden 
die  Töpfe  ihrer  Gröfze  nach  in  Reihen 
gestellt,  und  hat  jeder  Käufer  eine  ganze 
Reihe  gleichartiger  Töpfe  zu  überneh- 
men. Der  ganze  Rest  oder  jeder  ein- 
zelne Haufe,    jede  Reihe  ist  ein  Ramp, 

Rump,  RUmp,  Rumpf,  R8mp,  auch  Rummel 

und  Ramsch,  daher  das  Verkaufen  im 
Ramsch^  ohne  Auswahl,  auch  ramschen 
genannt  wird.  In  Bremen  heifzt  der 
ganze  Haufe  Rummel^  im  Osnabrück- 
schen  Ramter,  franz.  ramas,  holl.  rom- 
melzoo.    Brem.  Wb.  HI  431.  553. 

Ramsch,  m.,  ramschen,  sw.y  s.  rampen. 

Ramskopf,  m.,  Ramsnase,  /.,  Pferd  mit 

Kopf,  Nase,  wie  sie  der  Ramm^  der 
Schafbock,  hat. 

rftn,  oJ/.,  s.  rank. 

'rftn,  'ranne,  'ranner,  adv ,  heran.  De 
Möddag  kömmt  Wanne.  Volksl.  35, 
23,  3. 

Ranche,  Pflzn.,  Rainfarn,  Tanacetmn 
h,     Rössel.     Mühling. 

Rand,  m,  1.  die  äui'zere  Einfassung. 
AvÄ  Rand  und  Band  sein.  Das  ver- 
steht sich  am  Rande^  ohne  weitere  Be- 
merkung, von  selbst.  2.  der  Mund. 
Halte  den  Rand! 

RandftI,  m.,  Lärm,  Skandal.  Randdl 
machen^  Randdl  schlagen^  Skandal 
machen.  Zur  Verstärkung:  Heidenran- 
dftl.    Davon:  randälen,  randalieren. 

Randnetz,  n.,  s.  Kh'ppe. 

Rftne,  /.,  Rftnen,  m.,  s.  Rahn. 

Ranefenblume,  /.,  s.  Romei. 

rangeln,  sw,^  s.  rangen. 


rangen,  sw.^  sich^  ringen,  im  Ring- 
kampfe die  Kräfte  prüfen,  in  Danzig 
rangeln.  Die  Jungen»  rangen  sich.  Dat 
sit  ütj  als  wenn  sock  twe  Bare  range^ 
wenn  zwei  Männer  sich  küssen.  </a, 
ere  twei  op  enem!  säd  de  Dtwelj  wt  hei 
sock  mot  dem  Knecht  rangd^  on  dei  rep: 
Help  de  lewe  Gottke!  Sprw.  I,  3744. 
Vgl.  Schützern,  273.  Bernd,  233. 
Bock,  50.    Hennig,  206. 

Rangnit,  Ortsn.,  s.  Ragnit 

rank,  adj.^  schlank,  dünn  und  lang, 
schmächtig.  Ein  rankes  Pferd.  Ironisch 
sagt  man  über  den  Wuchs  eines  Men- 
schen: So  rank  on  schlank  wt  e  Wäge- 
brett.  Sprw.  I,  3060.  Da  sech  ock  en 
ranket  fixet  Offztrken.  Elbinger  Höhe. 
N.  Fr.  Prov.-BL  a.  F.  IX,  245.  Fir- 
menich ni,  496a.  Mühling  hat  rAn; 
holl.  ran^  rank^  engl.  u.  schwed.  rank, 
ebenso  in  Bremen.  Brem.  Wb.  IH, 
433.  In  Bayern  rän^  ranig.  Seh  mel- 
ier III,  92. 

rankein,  sw.^  ranken,  hoch  u.  schlank 
aufschieizen,  drehend  sich  winden,  lok- 
ken.  Die  Bohne  —  das  Haar  rankein 
sich.    Mühling. 

ransenieren,  sw.^  s.  ranzeon§re(n). 

Ranze,  m.,  s.  Ränzel. 

Ränzel,  77».,  Dem.  von  Ranzen^  Bauch. 
Er  hat  seinen  Ränzel  voll^  er  hat  sich 
satt  und  voll  gegessen.  Eck  frat  den 
Rentzel  voll.  Carm.  nupt.  I,  282,  14. 
Drinke^  singe  ^  darne,  Vullschlon  mine 
Äanz^.'Schlochau.  Firmen  ich  1, 118  b. 
Volksr.,  222,  790.    Hennig,  211. 

ranzen,  sw.  1.  heftig  anfahren,  aus- 
schelten. Einen  anranzen.  2.  sich  nachts 
liederlich  herumtreiben.     Mühling. 

ranzeon§re(n),  sw.^  sich^  sich  ranzio- 

nieren,  in  der  Bedeutung  von  einrich- 
ten. Hei  wet  sock  to  ranzeonere,  er  ver- 
steht sich  einzurichten.  In  Westpr. 
auch   ranseneren.     Treichel.     In   der 


Rap  —  RapunzeL 


218 


gewöhnlichen  Bedeutong:  loskaufen,  hat 
Hennig,  207,  nach  Schütz,  Preufz. 
Chron.,  326,  ranzQnen.  Vgl.  ßrem.  Wb. 
m,  434. 

Rftp,  Räpen,  Rappe,  R§pe,  m.,  der 
Rapfen,  Aspvus  rapax^  altpr.  rapü^  kur. 
rapzur.  Nach  Mühling,  Tiem.,  176, 
auch  Rapan,  sonst  noch  Rohrkarpfen, 
Alaty   Raubalat,  Frefzalat,  Salat,  Zalat, 

Alanty  lit.  salatis^  celatos^  salote^  kur.  sa- 
latey  ahd,  alunt  Benecke,  130.  Bock, 
Nat.  IV,  659.  670. 

Räpel,  Raffel,  m.,  R§pe,  /,  hölzerner 
Flachskamm  zum  Abreü'zen  der  Samen- 
knoten des  Flachses.  Er  besteht  aus 
dem  Räpelbaum  und  den  Regeln;  erste- 
rer  ist  auf  der  Dreschdiele  in  Quer- 
lage angebracht  und  hat  eingestemmte 
ÖfiPhungen,  in  welche  die  Räpel  wie 
Zähne  gesteckt  werden.  Durch  diese 
werden  die  Stengel  hindurchgezogen 
und  die  Samenknoten  abgerissen.  Vgl. 
Brem.  Wb.  III,  482.    Mi,  69a. 

räpeln,  st^.,  mit  einem' Rdpel  die  Sa- 
menknoten des  Flachses  abreifzen.  Im 
Holstein,  röpeln.     Schütze  III,  307. 

Räpeltän,  m,  1.  Zahn,  Zacke  eines 
Rdpek.  2.  zur  Bezeichnung  eines  Men- 
schen, der  andere  gern  neckt  und  durch 
die  Zähne  zieht.  In  Pommern  Schelt- 
wort auf  häizliche  alte  Weiber  und 
Mägde,  denen  die  Haare  ums  offene 
Maul  hängen.  Dähn.,  372  a.  Im  Göt- 
tingenschen  repelten  der  Raffzahn,  der 
stark  hervortretende  Vorderzahn  bei 
Menschen;  der  Mensch  mit  einem  solchen 
Zahn.     Schamb.,  171a. 

Rftpen,  Rappe,  m.,  s.  Räp. 

Rappel,  m,,  momentaner  Irrsinn.  Er 
hat  einen  Rappel,    Vgl.  Raps. 

rappelkSpsch,  -kSpfig,  adj,^  leicht  er- 
regt, aufbrausend,  jähzornig.  Kopf,  in 
dem  es  schnell  rappelt  .  .  .  dafz^  da 
sie  stolz  und  mein  Bruder  rappelköpßach 


ist,  die  Sache  hoffentlich  atLseinander- 
gehn  kann,     Soph.  R.  V,  605. 

rappeln,  sw.  1.  rasseln,  klappern.  2. 
bildlich :  dem  rappelt' s  im  Kopfe,  er  ist 
nicht  bei  gesundem  Verstände,  bei,,ruhi- 
ger  Überlegung.  Nun,  weiVs  rappelte. 
Soph.  R.  n,  420.  RappeKsf  werden  Sie 
sagen.  Ibid.,  482.  3.  —  sicA,  sich  auf- 
raffen, emporrichten,  zusammennehmen, 
herausarbeiten.  Sich  in  die  Höhe  rap- 
peln, das  Tier  z.  B.  aus  einem  Sumpfe, 
in  dem  es  steckt,  der  Mensch  aus  einer 
üblen  Lage,  in  der  er  sich  befindet. 
In  letzterm  Sinne  auch  aufrappeln. 

rappelndig  voll,  bis  zum  Cberlaufen 
voll.     Treichel. 

rappen,  sw.,  zahlen,  in  berappen,  be- 
zahlen. Hast  all  berapptf  Nun  heifzt 
es  berappen! 

Rapphenn',  /.,  Rebhuhn.    Saalfeld. 

rapplig,  adj,  von  rappeln,  nicht  recht 
bei  Sinnen. 

Raps,  m,,  Sparren  im  Eopf ;  wunder- 
licher, fast  irrsinniger  Einfall,  plötz- 
liche dumme  Neigung;  Rausch.  Er 
hat  einen  Raps,  er  ist  nicht  bei  vollem 
Verstände.  Hei,  rep  he,  wat  schadet 
ml  e  Raps?  Man  noch  e  Schnaps! 
Samland.  Firmenich  HI,  115b.  Man 
hört  auch  das  allgemein  gebräuchliche 

Raptus. 

rapsen,  sw,  1.  mit  Geschwindigkeit 
und  heimlich  raffen,  widerrechtlich  an 
sich  reii'zen.  Vgl.  ripsraps,  2.  von 
Raps.  Es  rapst  bei  ihm,  er  handelt  un- 
sinnig.    Treichel. 

raptim-zaptim,  adv.,  eilig,  im  Moment, 
im  Handumdrehen.  Das  ging  raptim- 
zaptim,     Sperber,  43. 

Rapuck,  /.,  Wrucke,  s.  BrOke.  Ma- 
rold. 

Rapunzel,  Pflzn.  1.  gemeine  Winter- 
kresse,-ßariaro^a  tn^artsÄ.-ßr.  Prit- 
zel,  54.     2.  Teufelskrallen,  Phyteuma 


2U 


rapzig  —  rasen. 


L.  Hagen^  236  f.  3.  franzSsischer  Ra- 
punzel, aach  RUbrapOnzel,  zweijährige 
NiLchikeTzey  Oenothera  biennis,  Hagen, 
407. 

rapzig,  adj,  von  Raps^  plötzlich  an- 
sinnig, Yon  falschem  Gelast  ergriffen. 
Sie  wurde  rapzig  und  wollte  nach  der 
grofzen  Stadt. 

rar,  adj.y  aas  dem  lat.  rarus,  selten, 
wertvoll,  trefflich,  vorzüglich,  aasge- 
zeichnet. Das  Geld  ist  rar.  Ein  rarer 
Besuch.  Bin  rares  Essen.  Et  kostet 
wol  zwär^  äwer  et  schmeckt  6k  rar, 
Sprw.  I,  2153.  Dat  lett  em  rär^  das 
kleidet  ihn  gat.  Dat  os  wat  Rarschy 
mtn  Dochter j  e  Schntder!  Dönh.  Wat 
es  Rohret  denn  to  sehne?  Nowack, 
39.  Aber  auch  in  ironischem  Gegen- 
satz: ein  rarer  Kerly  ein  schlechter  Kerl. 
Vgl.  Brem.  Wb.  III,  437.  Schmeller 
III,  120.   Vilmar,  315.  Hennig,  207. 

rareifen,  sw?.,  lärmen,  schreien.  Wer 
nach  der  letzten  Glocken  von  Bier  gehet 
oder  in  andere  Häuser  ^  der  soll  ohne 
alles  Säumen  heimgehet^  und  nicht  auf 
den  Gassen  gehen  rareifen.    Heilsberger 

Willkür,  56.    Vgl.  raren, 
raren,  pltd.  rare(n)  (a  =  ä)^  sw.   1. 

tosend  brüllen,  stark  schreien ;  zunächst 
vom  Rindvieh,  dann  von  der  See.  Er 
rdrt  vne  ein  Stück  Vieh.  Auch  saget 
die  Iloffmutter  von  Korwienen  noch  eid- 
licher aus,  da/z  vergangenen  Donnerstag 
in  der  Nacht  gleichfalls  als  wenn  einem 
Kalbe  der  Hals  abgeschnitten  würde^  so 
gerahretj  und  vne  sie  darnach  gesehen^ 
sei  nichts  gewesen.  Inquisitions-Kezefz 
etc.  Beitr.  z.  Kde.  Pr.  IV,  60  f.  Heir 
(höre)  maZ  to,  wo  de  Kerl  (der  Hahn) 
rärt!  Tierräts.  39.  Das  Getose  der 
aufgebrachten  Fluth  ahnt  dem  Todes- 
brüUen  eines  Ertrinkenden  —  er  (die 
Ostsee)  rahrt.  Pr.  Prov.-Bl.  XXVI, 
429.    Hexspr.,  156.  Die  Strandbewohner 


sagen:  Die  See  raret,  welches  meinem 
Bedünken  nach  heissen  soll,  sie  raset. 
Bock,  Nat.  I,  391.  On't  (Strom  nnd 
Eis  bei  der  Überschwemmung)  roari 
on  bröUt  une  Ongewitter.  Dorr,  19. 
2.  laut  weinen.  3.  im  Todeskampfe 
röcheln.  4.  in  der  Trunkenheit  röchelnd 
lallen.  Er  rdrt  nur  noch.  Sprw.  I,  445. 
Engl,  to  roar^  angs.  raran,  holL  reeren^ 
franz.  r^er^  im  Elsafz  rören.  Brem.  Wb. 
in,  437.  Ahd.  rereny  mhd.  reren;  in 
Bayern  reren.  Schmeller  HI,  120. 
Bock,  50.     Hennig,  207. 

Rftrer,  m.  von  raren,  Schreier,  Brül- 
ler, zur  Bezeichnung  eines  Kindes,  das 
ohne  Aufhören  schreit;  auch  Rdrhals, 
Schreihals. 

rasaunen,  aw.^  geräuschvoll  thätig  sein; 
von  Frauenzimmern.  Sie  rasaunt  im 
Mause  umher.  Nsslm.  Forsch.  3;  Th., 
220.  Nach  Marold  in  weinerlichem 
Tone  sich  anausgesetzt  entschaldigen 
oder  etwas  zu  erlangen  suchen ;  er  weist 
auf  raisonner  hin. 

Rasch,  m.y  ein  leichtes  Wollgewebe; 
in  der  Kleid.-Ordg.,  370,  Harres.  Man 
onterschied  Raschmacher  und  Zeug- 
Tnacher.  Du  muttst  vom  Pährd^  du  magst 
Tüchmaker  sin  edde  Raschmaker^  du 
mafzt  vom  Pferde,  du  magst  Zeugmacher 
sein  oder  Raschmacher.  Soph.  R.  TTT, 
382.  In  Westpreussen  waren  ums  Jahr 
1778  86  Rasch-  und  ZeugmacJier  und 
von  denselben  78  in  den  combinirten 
Städten  vor  Danzig.  Bock,  Nat.  I, 
679. 

Raschel,  m.,  Rausch.  Hei  ös  öm  Ra- 
schele er  ist  angetrunken,  hat  einen 
Rausch.     Samland. 

Raschewill,  m.,  s.  Ru§chewill. 

Raschwalzer,  m..  Schnaps,  der  rasch 
durch  die  Kehle  walzt.    Sprw.  I,  1532. 

ra§eln,  sw.^  s.  ro§eln. 

liteen,  sw.,  vom  Zittern  der  Fenster 


Raspe  —  ratzekahl. 


215 


bei  Donnerschlägen  oder  sonst  merk' 
lieber  Erschütterung  des  Hauses.  EI- 
binger  Ndrg. 

Raspe,  /.  So  viel  Kamer y  so  viel 
Scheffel^  So  viel  Rispen j  so  viel  Raspen! 
Erntespruch.    Volksr.,  229,  803.    Ahd. 

raspön,  mhd.  raspen  u.  raspelen,  eilfertig 

sammeb ,  zusammenraffen.  Schade, 
701a.    Vgl.  Schmellerin,  141. 

Raspeibrot,  n.y  kleines  rundes  Bröt^ 
eben  aus  Weizenmehl  mit  rauher  Rinde. 
Es  Mrird  besonders  aui  Hochzeiten  den 
Gästen  vorgelegt.  Hennig,  207.  Nach 
Adelung  IH,  944,  hart  gebackenes 
Weizenbrot,  woran  die  Kinde  mit  einer 
Raspel  abgerieben  worden. 

raspebiy  sw.^  schön  thun  gegen  Mäd- 
chen :  Süfzholz  raspeln.  Du  kannst  dat 
Rasple  Uite,     Nowack,  37. 

rasselig,  adj.,  halb  verruckt,  über- 
geschnappt. Er  ist  rasselig,  Sprw.  I, 
3062. 

Rastenburg,  Ortsn.,  Kreisstadt  im 
Reg.-Bez.  Königsberg.  Sprw. :  Er  glüht 
füie  Rastenburg,  er  ist  erhitzt  oder  be- 
trunken. Siehe  das  Genauere  in  den 
Sprw.  1, 1318.  Die  Rastenburger  heii'zen 
auch  Kapusendiebe. 

Rasumäck,  m.^  s.  Rosemöck. 

Ratai,  Ratteier,  m.^  Arbeiter,  der  auf 
einem  Gute  gegen  mäl'zigen  Lohn  an 
Geld  und  hin  und  wieder  auch  etwas 
Acker  zur  Nutzung  als  Pflüger  dient 
und  auf  Scheffel  -  Tantieme  drischt. 
Hennig,  334,  schreibt  Retay,  Ober- 
land. Poln.  ratay  Gärtner,  Besitzer 
eines  Gartengrundstuckes  ohne  Acker- 
land; nach  Mrongovius  I,  430a,  zu- 
nächst ein  zum  Kriegsdienste  verpflich- 
teter Landmann,  im  Pr.-Poln.  Ganz- 
bauer, Ganzhöfner.  Nsslm.  Forsch.  3; 
Th.,  146.  Schmitt,  108;  Westpr.,  167. 
Förstemann,  424. 

Rateformel^  /.,  Segensspruch,  Spruch, 


der  beim  Raten  „gebetet**  wird.  Vgl. 
raten.  Eine  Sammlung  provinzieller 
Rateformeln  enthält:  Hexenspruch  und 
Zauberbann  etc.  von  S.  27  ab. 

raten,  sw,  1 .  Rat  erteilen.  2.  Hilfe  in 
Krankheit  bringen  durch  Hersagen  eines 
Segensspruches  (einer  Besprechungs- 
formel) und  durch  besondere  Hand- 
lungen und  Zeichen.  Sich  raten  lassen, 
sich  in  angedeuteter  Weise  von  Krank- 
heit heilen  lassen.  Solches  heii'zt  auch 
besprechen,  besegnen.  Genaueres  in 
Hexspr.,  S.  26  ff.     Hennig,  207. 

ratlich,  adj.,  sparsam  sein,  mit  dem 
Seinigen  zu  Rate  zu  gehen  wissen.  He 
ÖS  rätlich  as  Schmedts  Katei%  de  fratt 
dat  Licht  op  on  satt  dm  Dtstem,  Dzg. 
Nhg-    Sprw.  I,  3065. 

rftts,  interj.y  s.  rtts. 

Ratteier,  m.y  s.  Radheuer  u.  Ratai. 

rattern,  rattern,  rettern,  sw.,  polternd 

rasseln,  knarrend  prasseln.  Über  Stein- 
pflaster rollende  Wagen,  explodierende 
Feuerwerkskörper  rattern  und  rattern. 
On  de  Polverboxen  rettern.  Dzg.  Nhg. 
VioUt,  188.  Volksl.,  42,  27,  2.  Vgl. 
Brem.  Wb.  HI,  489.  Schütze  III,  277. 
Dähn.,  372a.    Hennig,  207.' 

Ratz,  Ratze,  /.,  Ratte.  In  Verbin- 
dungen: Schlaf'j  SpielratZy  wobei  das 
Volk  kaum  an  den  Ratz  =  Haselmaus, 
Murmeltier,  litis,  denkt. 

Ratze,  /.,  Rüzwunde,  also  =  Ritze. 
Treichel. 

Ratzefaller,  m.,  s.  Ratzenfalle, 
ratzekahl,  ratzenkahl,  adv.,  ganz  und 

gar,  völlig,  mit  Stumpf  und  Stiel;  Kor- 
rumpierung von  radikal.  Er  hat  alles 
ratzekahl  zerschlagen.  Die  pltd.  Form 
rattekdl  habe  ich  nie  gehört;  das  Volk 
scheint  also  zu  fühlen,  dalz  es  einem 
Fremdworte  gegenüber  steht.  In  Hessen 
rattekahl  und  zwar  in  dem  Sinne:  kahl 
wie  ein  Rattenschwanz.    Vilmar,  316. 


216 


ratzen  —  räum. 


ratzen,  sichy  sw.  1.  angestrengt  ar- 
beiten, sich  mit  Arbeit  abquälen:  sich 
abratzen,  verratzen.  Nein^  was  mu/z 
man  sich  verratzen!  2.  zanken,  strei- 
ten, sich  mit  einem  ratzen^  herumratzen^ 
sich  mit  ihm  streiten,  zanken,  balgen, 
reifzen  and  schlagen.  Davon  Ratzerei, 
/.  und  GeratZy  n.,  angestrengte  Arbeit; 
Gezanke,  Balgerei,  Prügelei. 

Ratzenfalle,  /.,  Falle  zum  Fang  der 
Ratten.  Die  slavischen  Yerfertiger  von 
Rattenfallen  heifzen  Ratze-,  RatzHaller. 
Vgl.  Lapitschkeschwenker. 

Ratzerei,  /.,  s.  ratzen. 

Ratzifaller,  m.^  s.  Ratzenfalle. 

Raubalat,  m,  s.  Rftp. 

räubern,  sw.^  Lügen  erzählen,  aof- 
schneiden.  Eine  unwahre  Erzählung 
ist  eine  Räubergeschichte. 

Raubritter,  m,^  Besitzer  eines  kleinen 
neuentstandenen  Gutes  problematischer 
Existenz.     Gortzitza. 

Rauch,  m,  1.  in  Redensarten:  Sich 
aris  dem  Ratcch  machen^  sich  aus  dem 
Staube  machen.  Der  Biscfiof  von  Heils-' 
berg,  sagten  die  Einen^  ist  eigentlich^ 
was  lange  kein  Mensch  gewufzt  hat,  im 
Bann^  und  wufzte  kein  besseres  Mittel^ 
den  Bann  los  zu  werden^  als  dieses^  dafz 
er  sich  an  den  Kaiserhof  schicken  liefz 
und  hat  sich  so  aus  dem  Rauch  gemacht 
Aus  einem  Briefe  des  Hochmeisters 
L.  von  Erlichshausen,  d.  d.  Marienburg, 
Dienstag  nach  Bamabä  1453.  Voigt, 
Gesch.  der  Eidechsen-Gesellsch.  in  den 
Beitr.  z.  Kde.  Pr.  V,  222.  Sprw.  I, 
3068.  Er  hat  sich  Rauch  um  die  Nase 
gehen  lassen^  er  hat  etwas  durchgemacht, 
ist  ein  erfahrener  Mann.  2.  Herd.  Eigner 
Rauchj  eigener  Herd. 

Räucherbude,  /.,  Bude  zum  Räuchern 
der  Flundern.  Kurische  Nehrung.  Im 
Dorfe  Sarkau  befinden  sich  mehrere 
Räucherbuden.    Passarge,  Balt.,  299. 


Räuchergans,  pltd.  RSkergans,  /.,  ge- 
räucherte Gans. 

Räucherkaule,  /.,  Eaule,  Grube,  in 
welcher  Fische  geräuchert  werden.  Ku- 
rische Nehrung. 

Rauchhaber,  m.^  Rauh-  oder  Sand- 
hafer, Ävena  strigosa  Schreb.  Hagen, 
120. 

Rauchhaus,  n.,  Haus  ohne  Schorn- 
stein. Die  Fischerhäuser  auf  der  kuri- 
schen  Nehrung  sind  Rauchhäussr. 

Rauchlinde,  /.,  langgestielte  Ulme,  ÜU 
mus  efusa  Willd.  Hagen,  293.  Der 
Name  rührt  von  den  am  Rande  zottig 
gewimperten  (rauhen)  Fruchten  her. 

Rauchstopsel,  m.  1.  aus  Thon  gefer- 
tigter Stöpsel  zum  Verschlufz  desRauch- 
loches  im  Ofen,  Rauchröhrenstein.  2. 
kleiner  Mensch.    Vgl.  Ofenstopsel. 

Rauchzahl,  /.  u.  m.,  Zahl  der  Rauche^ 
Rauchfange,  wie  Mühling  erklärt,  oder 
Abgabe  von  jedem  Rauch ^  von  jeder 
Feuerstätte,  von  jedem  Wohnhause.  Vgl. 
Rauhe.  Die  Tanseer  haben  aUein  die 
Unkosten  (zum  Kirchen-  und  Schulbau) 
vom  Rauch'Zahl  zusammengelegt.  H  a  r  t  - 
wich,  167. 

'rauf,  pltd.  rop,  ropper,  adv.,  herauf, 
hinauf.  Hochd.  auch  ^raufert  Kofnmen 
Sie  Waufert!  Sehern ionek,  32.    Vgl. 

'rab. 

Rauhe,  plur,^  nach  Hennig,  208, 
Landleute,  die  ein  eigenes  Häuschen 
nebst  Garten,  aber  keinen  Acker  be- 
sitzen. BjS  sollen^  damit  bei  der  Decems-- 
Einnahme  nichts  zurückbleibe^  die  be- 
setzte  und  unbesetzte  Huben^  Vorwerke^ 
die  Rauhe  und  Instleute  und  Eigene 
thümer  so  nicht  auf  Hüben  sitzen^  in 
der  Rechnung  richtig  spec^icirt  werden. 
Instrukt.  z.  Kirch.- Visit,  de  anno  1609. 

rauhen,  sw,^  ruhen. 

räum,  pltd.  rQm,  adj.  u.  adv.  1.  ge- 
räumig, ausgedehnt,  unbeschränkt,  un- 


Baum  —  rebbeln. 


217 


begrenzt,  weit,  frei,  ahd.  rümi^  mhd. 
rvme^  rum.  Ein  raumer  Platz,  Die 
räume  See.  Strauch  oder  Baum^  der 
im  räumen  stehet.  Linem.,  Cc  la. 
Rum  gebeten  on  langsam  gegeten^  man 
glSwt  nich^  wat  man  beharbarge  kann. 
Werder.  Sprw.  I,  764.  2.  nach  Klein 
II,  82,  in  Danzig :  völlig,  reichlich.  Es 
ist  räum  ein  Jahr.  Vgl.  Adelung  III, 
978. 

Raum,  m.  1.  Abkorzang  für  Holz- 
raom,  d.  i.  der  Platz,  auf  welchem  die 
Bäcker  und  Brauer  das  ihnen  gehörige 
Holz  stehen  haben.  Dzg.  W.  Seidel, 
34.  2.  Er  kann  nichts  zu  Raum  brin- 
gen^ er  vermag  in  der  Rede  nicht  vor- 
wärts zu  kommen.  Hennig,  208. 
Sprw.  I,  3072.  Er  kommt  nicht  zu 
Raum^  er  wird  nicht  fertig,  kommt 
nicht  aus.  3.  in  früherer  Zeit  Malz 
für  Fische.  1  Raum  =  1  Va  Ausschlag 
=  77«  gehäufte  Sehe  fei.  Fisch. -Ordg. 
von  1589,  Artikel  5.     Benecke,  295. 

räumen,  sw.^  denken,  raten,  ergrübein. 
Mühling. 

Raupen,  plur.  Er  hat  Raupen  im 
Kopf y  dumme  Streiche,  überspannte 
Ideen,  ist  hochmütig. 

Raupengras,  Böhmers  Lische,  Phleum 
Boehmeri  Wibel.    Hagen,  66. 

Raupenscheifzer,  pltd.  RQpeschfter,  m., 

Schmetterling,  namentlich  Nachtschmet- 
terhug.    Vgl.  dräwen. 

'raus,  'raufzer,  adv,^  heraus,  hinaus. 
S.  Vein. 

Rauschbach,  Ortsn.,  Dorf  zwischen 
Heiligenbeil  und  Mehlsack.  Du  hast 
e  anschlägt ge  Kopp.,  dei  mot  nau  Rusch- 
beck  on  e  Fleschkorw.     Sprw.  I,  2135. 

Raute,  pltd.  ROt',  /.,  Fensterscheibe. 
Rauten  einsetzen.    Hennig,  208. 

Rautele,  m.  u.  n.,  s.  Forelle. 
Rautenberg,  Ortsn.,  Dorf  im  Kreise 


Ragnit,  im  Volksmunde  PUistenen  Phi- 
listerland. 

Rawau,  m.,  s.  Kannaus. 

Rebarber,  m.,  Pflzn.,  gemeine  Berbe- 
rize,  Berberis  vulgaris  L.    Mühling. 

Rebbel,  m.,  Rest,  Überbleibsel; 
Menge,  Schwärm,  Haufe,  mit  dem 
NebenbegriflF  des  Wirren,  Ungeregelten. 
Nimm  den  ganzen  Rebbel.  Wir  fahren 
hetUe  den  ganzen  Rebbel  ein.  Mühling. 
Hinger  em  her  e  ganzer  Rebbel  von  siene 
Kornraden.  Dorr,  L  Wiew.,  84.  Lafz 
den  ganzen  Rebbel  sein^  gieb  die  Sache 
auf.     Sperber,  26. 

rebbeln,  sw.^  auffasem,  in  Fäden  auf- 
lösen, los-  und  abwickeln  —  ein  Ge- 
webe, Gestricktes,  dessen  Maschen  aus- 
einandergezogen werden  oder  sich  von 
selbst  auflösen;  daher  gewöhnlich  auf- 

rebbeln,  ausrebbeln.    Den  Strumpf  auf- 

rebbeln  —  ausrebbeln;  Sperber,  5,  hat 
hierfür  auch  äbrebbeln,  abribbeln;  doch 
bezeichnet  man  mit  diesen  Ausdrücken 
gewöhnlich  nur  das  teilweise  Aufrebbeln. 
Bildlich:  sich  aufrebbeln,  sich  stark  er- 
eifern, eine  Sache  mit  übergrofzem 
Eifer  betreiben,  sich  ungebärdig  stellen, 
als  wolle  man  sich  —  wie  ein  Gewebe 
—  selbst  auflösen.  iVa,  rebbel  dich  nur 
nicht  auf!  Hei  rebbelt  sock  op  wi  e  61 
Twemsock,  wie  eine  alte  Zwirnsocke. 
Sprw.  I,  166.  Er  hat  sich  für  ihn  rein 
aufgerebbelt^  für  ihn  ein  lebhaftes  In- 
teresse gezeigt,  unendlich  viel  für  ihn 
gethan.  Se  wuüt  sech  foorts  om  se  of- 
rebbele^  on  macht  sich  bei  ehr  lieb  Kindche. 

Schaltj.  1,  441.  sich  zerrebbeln,  in 
"gleichem  Sinne  wie  das  vorige,  dann 
aber  auch:  sich  so  gebärdeu,  als  wolle 
man  bis  zur  eigenen  Auflösung  arbei- 
ten, thätig  sein,  sich  mit  einer  Sache 
zu  schafiPen  machen.  In  Bremen  reffeln^ 
in    Pommern    r abbein  ^    hoU.    ravelen^ 


218 


Rebbes  —  recken. 


engl,  ravel:  to  ravel  out  sich  zerfasern, 
to  unravel  sich  ausfasern;  alem.  reble 
sich  kraftlos  hin  und  herbewegen.  He- 
bel, alemannische  Ged.,  168.  Hen- 
nig, 208.  Brem.  Wb.  HI,  464. 
Dähn.,  370b. 

Rebbes,  m.,  Profit;  aus  dem  aramäi- 
schen ribbis  Zins,  Wucher. 

Rebeiler,  ?w.,  Rebell,     v.  Au  er. 

Rachel,  m.^  Rechen,  Harke.  Ermland. 
Mühling. 

recht,  adj,^  überaus  beliebtes  Attribut. 
Er  ist  ein  rechter  Narr^  ein  rechter  Lor- 
bas, ein  rechter  Labommel^  ein  rechter 
Rarer  etc.  Sie  ist  eine  rechte  Schlunz^ 
eine  rechte  Kläterlts  etc.  Nach  Klein 
n,  83,  höi-t  man's  bei  Scheltworten 
hintenan:  du  Spitzbube  rechtei\  Es 
drückt  somit  das  franz.  qu£  vous  etes, 
auf  ähnb'che  Weise  gebraucht,  aus. 
Adverbial:  in  die  recht  bringen,  in  den 
richtigen,  normalen  Zustand  versetzen. 
Sperber,  46. 

Recht,  n. ,  preu/zisches .  H  e  n  n  i  g ,  208, 
führt  dreierlei  preufzisches  Recht  an, 
von  dem  das  zweite  ein  Späfzchen: 
1.  unverzogen  Recht,  d.  h.  unverzöger- 
tes  Recht,  Gastrecht,  das  dem  Fremden 
ohne  die  sonst  üblichen  Weitläufig- 
keiten des  Prozesses  schleunigen  Schutz 
und  Sicherheit  gewährte.  2  Preusch- 
märkisch  Recht.  Nach  diesem  behält 
man,  was  man  bekommen  hat,  auch 
die  Prügel  und  die  Beleidigung.  S.  das 
(sagen hafte) Genauere:  Bock,  51.  Hen- 
nig, 208.  Sprw.  I,  3076.  3.  Preufzi- 
sches Trinkrecht  Es  basiert  auf  einer 
(apokryphen)  Festsetzung  des  Hoch- 
meisters Siegfried  von  Feuchtwangen 
(•(•  1311)  zum  Schutze  der  Deutschen 
gegen  die  der  Giftmischerei  beschul- 
digten Preul'zen,  welche  anordnet :  Wenn 
ein  Preus  die  Polcke  oder  Neige  des 
Tranckes  austrinke^  er  solde  auch  zue 


Erstem  vonn  dem  Frischenn  trincken. 
Später  ward  es  zur  allgemeinen  Ge- 
wohnheit, dafe,  wer  die  Neige  getrun- 
ken, auch  zuerst  vom  Frischen  trinke, 
die  heute  noch  bei  dem  schlichten 
Mann  als  Form  der  Höflichkeit  besieht, 
indem  er  den  ihm  dargebotenen  vollen 
Krug  mit  den  Worten:  ,.Steht  in  gu- 
ter Hand!"  dem  Spender  zum  An- 
trunke  zurückweist.  Vgl.  Altpr.  M.  III, 
56  ff.  Sprw.  I,  3835.  4.  Kulmisches 
Recht    S.  KSImer. 

Rechte,  m.,  der  Richtige,  Geeignete, 
aber  auch  ironisch:  der  Unrechte,  Un- 
richtige, Ungeeignete.  Du  bist  mir  der 
Rechte!    S.  Rechtschuldiger. 

rechthaberig,  adj,,  unfügsam,  starr- 
köpfig. Das  ist  ein  rechthaberiger  Mensch, 
ein  Mensch,  der  in  allem  die  richtige 
Ansicht  zu  haben  meint  und  diese  stier 
behauptet. 

Rechtpfarrer,  m.,  der  rechte  Pfarrer, 
der  oberste  Pfarrgeistliche.  Hennig, 
209. 

Rechtpredigt,  /,  die  rechte  Predigt, 
Predigt  am  Vormittage.  Hennig, 
209. 

rechtschuldig,  adj.,  richtig,  zuverlässig, 
geeignet.  Das  Auge  allein  wird  ein 
7'echtschuldiger  Meister  seyn^  welches 
nebenst  der  Vernunft  uns  der  Farben 
Natur  entdecken  kan.     Linem.  Oo4a. 

Rechtschuldiger,  m,  1.  der  von  Rechts 
wegen  Schuldige,  der  Richtige.  Sie 
wird  schon  heiraten,  wenn  der  Recht- 
schuldige kommt.  2.  ein  solcher,  der 
seine  Sache  aus  dem  Grunde  versteht, 
oder  —  in  ironischem  Gegensatze  — 
auch  nicht  versteht.  Er  ist  der  Recht- 
schuldige. Nun  bin  ich  an  den  Recht- 
schuldigen gekommen.  Spöttisch:  «/a, 
du  bist  der  Rechtschuldige! 

recken,  sw,,  sich,  sich  mit  ausgebrei- 
teten Armen    dehnen,    strecken.     Da- 


rM  —  Regimenter. 


219 


von  reckerig,  adj.  Mir  ist  so  reckerig 
zu  Mute^  ich  bin  schläfrig,  unwohl, 
möchte  mich  strecken,  dehnen  und 
gähnen. 

rtd,  ad/.,  bereit,  fertig,  parat.  Ich 
bin  red^  bin  fertig,  bereit.  Wenn  du 
red  bist^  komm!  Der  Rock  ist  red,  ist 
fertig,  red  und  rund,  ganz  und  gar. 
De  Botter  ös  red  on  rund  vertilgt 
Nowack,  49.  Hennig,  209,  hat: 
JSr  zehrt  von  reeden,  d.  i.  (elliptisch) 
von  reden  Dingen,  fertig  liegenden 
Gütern.  Man  sagt  es  von  einem  sol- 
chen, der  sein  Vermögen  allmählich 
aufbraucht.  Engl,  ready,  holl.  reed, 
gereed,  isl.  radan,  in  Bremen  reed,  rede; 
in  Pommern  reed,  reede^  im  Götting. 
reie,  in  Hessen  reide,  rede,  Brem. 
Wb.m,452.  Dähn.,376a.  Schamb., 
169b.     Vilmar,  320. 

reddeln,  sw,,  eigentumliches  Ver- 
fahren die  Kartoffeln  mit  dem  Pfluge 
zu  reinigen ;  von  dem  poln.  radlic  zwie- 
brachen,  mit  dem  Hakenpfluge  in  die 
Quere  pflügen.  Flatow.  Schmitt, 
108;  Westpr.,  167. 

Reddig,  m,,  preuf ziselier ,  schwarzer 
Rettich,  Raphanua  sativum  L, 

rfidick,  adv.,  nach  Scheraionek,  32, 
der  reMick  schreibt,  übervoll,  z.  B. 
Baum  mit  Früchten  stark  besetzt. 

Redfs,  (e  kurz),  Radieschen,  Strafzen- 
ruf :  Frü's  Zeldt,  Redls,  Frauen,  Salat 
und  Radieschen!     Kgsbg. 

r§d8,  adv.,  s.  rSts. 

redselig,  adj.  Er  ist  redselig,  spricht 
sehr  viel;  ist  betrunken.  Sprw.  I, 
445. 

R§f,  m.,  s.  R§p. 

P6f,  odr.,  s.  rUw. 

Refe,  /.,  Voc.  403,  deutscher  Aus- 
druck für  das  altpr.  dongo.  Nach 
Krug,  Glas,  Becher  als  letztes  Wort 
unter  den  dem  Worte  Kretzem  subsu- 


mierten Begrifl^en;  wahrscheinüch  Ge- 
stell für  Schenkgeräte,  Gläser-  oder 
Tellerbrett.  In  Bayern,  in  der  Schweiz 
das  auch  der  Reff,  Reft  das  Gestell 
für  den  Rücken,  worauf  Lasten  ge- 
tragen werden.  Schmeller  III,  61. 
Vgl.  Nsslm.  Th.,  31. 

Reff,  n.,  alte,  namentlich  weibliche 
Person.  Ein  altes  Reff.  Treichel. 
Bildliche  Übertragung  von  Reff,  Ge- 
stell, in  seinen  verschiedenen  Bedeu- 
tungen. 

Refschläger,  m.,  s.  R§per. 

r6g,  adj.j  rein.  Wat  sin  mut,  mut 
stn :  Sünndags  a  bits  Flesch  un  a  regen 
Bernd.     Konitz.     Sprw.  H,  2467. 

Regal,  RogftI,  n.,  Repositorium. 
Bücher-,  Teller",  Topf r egal.  Stamm 
ist  wohl  das  pltd.  rege  Reihe.  In  Bre- 
men heifzt  das  Regal  Rak,  engl,  rack, 
holl.  rak,  rek.  Brem.  Wb.  III,  426. 
Vgl.  Anton,  12,  6.     Hennig,  210. 

rlgen,  sw.,  reihen,  in  Reihen  stellen. 
Daraus  anrSgen,  anreihen,  in  eine  Reihe 
bringen.     Hennig,  210. 

RSgen,  m.,  Fischrogen.  Hennig, 
213,  schreibt  Rogen;  Hupel,  185: 
Ragen.     Vgl.  RSgel. 

Regengalle,  /.,  s.  Galle. 

Regensbogen,  m.,  Regenbogen. 

Regenswurm,  m.,  Regenwurm. 

reggen,  adj.,  roggen,  von  Roggen- 
mehl. KUke  mot  regge  AI  schmeckt 
got,  Wortspiel;  eigentlich:  Eeilchen 
von  Roggenmehl  mit  Aal  schmecken 
gut. 

Reggen-.  ReggekISmpe,  plur.,    Klölze 

aus  Roggenmehl.  Vorigen  Sinndag  eet 

hei  noch  Bi  mi  sure  Reggenklömpe. 
Volksl.  5,  41,  5. 

Regge(n)mehl,  n.,  Mehl  aus  Roggen. 

Regimenter,  m.,  Obmann,  Anführer, 

Leiter,    der   über  eine  Schar  Arbeiter 

das  Regiment  hat.  Der  Regimenter  der 


220 


Register  —  rein. 


Holzfäller  etc.  Kr.  Neustadt.  Trei- 
chel. 

Regbier,  n.  1.  Verzeichnis.  Öck  ge- 
Jwf'  OfCt  ole  Regüter^  auch  hchd.  ich 
gehöre  int  alte  Register,  ich  darf  mich 
nicht  mehr  zur  Jugend  zahlen.  2.  zur 
Bezeichnung  eines  Menschen.  Langes 
Register  —  altes  Register.  Ebenso  im 
Holstein.    Schütze  HI,  284. 

RehbodCy  m.  1.  Ruf  des  Eegeljungen, 
wenn  die^  Kugel  die  Kegel  fehlt,  oder 
einen  Sprung  über  diese  hin  wegmacht. 
Hennig  weist  für  die  Herleitung  auf 
die  „krummen  Sprünge  der  Rehböcke^ 
hin.  Übertragung:  2.  Einen  Rehbock 
schiefzen,  einen  Fehler,  einen  ärger- 
lichen Streich  machen.  3.  dreispitziger 
Baamast,  der  als  Dreibein  au%estellt 
wird  und  nach  dem  die  Knaben  mit 
Holzstück  oder  Stein  werfen.  Er 
heifzt  auch  Zibock.     Gambinnen. 

Rehbraten,  pltd.  Rehbräde,  m  Ge- 
segneten Rehbraten!  Abschieds  wünsch 
Yor  der  Mittagsmahlzeit. 

Rehehir8Chen,;Pflzn.,  gemeines  Spring- 
kraut, Impatiens  noli  tangere.  Ostpr. 
Pritzel,  190.  Auch  Springkraut,  Spring- 
samenkraut,  Waldwolfsmilch,  RUhr  mich 
nicht  an.  Hagen,  272.  Vgl.  Hirsch- 
melde. 

Rehheide,  Pflzn.,  besenartige  Pfriemen, 
Spartium  scoparium  L.     Hagen,  732. 

rehrkes,  adv.,  s.  r§rkes. 
rehrzageln,  sw.,  s.  rSrzageln. 
Rehwalde,  Ortsn.,  s.  Golombiewo. 

Rehzimmer,  m.,  Rehziemer. 

Reibach,  t/i.,  Gewinn,  besonders  un- 
verhoflFter.  Aus  dem  hebr.  rewach 
Raum,  Kettung;  davon  Vorteil.  Er 
m9ucht  heut  seinen  Reibach,    Davon; 

reibachen,  sw»,  gewinnen^  gut  ver- 
dienen, seinen  „Schnitt"  machen.  Trei- 
chel. 

Reibbroty  n.,  altgewordenes  Weifzbrot, 


das  zerrieben  in  Klops-  oder  Wurst' 
fleisch  gemischt  wird. 

ReichbauersShnchen,  n.,  Kartenspiel 
Verspielt  ein  Bagateüchen  von  500  Dur 
caten  bien-cordonnSs  (zum  Sohn:  und 
worinnf  in  Pharonf  oder  in  Rt/kbuhrs- 
söhnkenf)    Soph.  R.  HI,  495. 

reichverarmt,  adj.  Hei  5s  rlkcerärmL 
Ahnlich  wie  das  mhd.  edelarm.  Schade, 
123  b. 

Reif,  m.,  s.  Rip. 

Reiferbahn,  /.,  Reifschläger,  m.,  s. 
RSper. 

reihern,  sw.,  wie  der  Reiher  thun, 
der,  wenn  er  auffliegt  (nach  Treichel), 
exkrementiert;  auch  erbrechen,  vomie- 
ren, sich  bereihem,  sich  im  Rausche 
bespeien;  concacare. 

Reihzaun,  m.,  Grenzzauo,  der  von  den 
Einsassen  eines  Dorfes  der  Reihe  nach 
gesetzt  und  unterhalten  werden  mulz. 
Westpr.  Mühling. 

rein,  pltd.  rein  und  r§n,  adj.  und  adv. 
1.  rein,  purus^  im  Gegensatze  zu  un- 
rein. Reine  Wasche,  Reine  Hände; 
dieses  auch  bildlich:  ehrliche,  schuld- 
freie Hände.  2.  frei,  leer,  ledig.  Rei- 
nen Tisch  machen,  alles  Aufgetragene 
aufessen;  sein  gauzes  Vermögen  ver- 
schwenden ;  das  Gesinde  plötzlich  gehen 
lassen.  Hennig,  210.  rein  ab!  rufen 
die  Kinder  bei  Greif-  und  Anschlag- 
Spielen,  wenn  sie  das  Spiel  aufgeben 
oder  wenigstens  durch  diesen  Ruf  sich 
vom  Anschlage  befreien  wollen.  Volksr., 
210,  783.  Im  gleichen  Sinne  hört 
man;  Jch  verbiet' !  Jetzt  bin  ich  rein^ 
ich  habe  alle  Schulden  bezahlt.  3.  un- 
vermischt,  lauter.  Der  Weg  ist  reiner 
Dreckj  nichts  als  Dreck.  4.  untaug- 
lich. Von  einer  untauglichen  Ware 
sagt  man:  sie  ist  reiner  Dreck^  reiner 
Jiucy  oder  noch  derber.  5.  durchaus, 
ganz  und   gar,   völlig.    Es  ist  rein  so. 


'rein  —  Reilzkiiochen. 


221 


ah  wenn  ich  behext  hin^  beim  Mifz- 
lingen  einer  Sache  trotz  aller  Bemühung. 
Er  ist  rein  dwatsch  —  rein  toU  —  rein 
rasend  —  rein  von  Sinnen^  er  ist  ganz 
und  gar  anzorechnungsfahig  und  wü- 
tend. Er  hat  sich  für  ihn  rein  auf- 
gerebbeltf  er  ist  mit  Aufopferung  in  sei- 
nem Interesse  thätig  gewesen.  Es  ist 
rein  aUer^  es  ist  völlig  verbraucht,  es 
ist  ganz  und  gar  nichts  mehr  von  der 
Sache  vorhanden.  Met  ju  ^t  rein  ut. 
Dorr,  1.  Wiew.,  70.  Er  rennt  mtch 
rein  um.  Rein  nuscht  sagen^  völlig 
schweigen.  Ihm  fehlt  rein  gar  nichts^ 
renches  nuscht  nich^  gar  nichts.  (Saal- 
feld). 6.  wahr:  reines  Wunder.  Et 
weer  en  reinet  Wunder^  dat  mi  nich 
ganz  de  Pust  verging.  Dorr,  1.  Wiew., 
86.  7.  ähnlich,  fast  echt:  das  ist  rein 
wie  Gold^  es  sieht  dem  Golde  tauschend 
ähnlich. 

'rein,  adv.,  auch  'reiner,  'rin,  'rinner, 
herein,  hinein.     Gegensatz;  'raus. 

Reinfall,  m.^  Name  des  Weines  von 
Rivoglio  in  Istrien,  vinum  rifolium^  bei 
den  Alten  vinum  Pudnum^  der  am  Hofe 
der  Hochmeister  gern  getrunken  wurde. 
Mühling.  Bei  Schmeller  UI,  95, 
Rainfal. 

Reiniger,  m.  Yom.,  Reinerus.  Hart- 
wich, 54. 

Reinstoff,  m,  s.  Klftrken. 

reisch,  adj.  Ihr  (der  Braut)  unbe- 
griff^ner  Grürtel  Fleckt  darumb  nichts 
ob  ihre  Arme  füllt  Ein  reischer  Falck. 
Carm.  nupt.  I,  264. 

Reise,/!  l.Gang,Fahrt.  JederGepäck- 
träger  nennt  seinen  Geschäftsgang  eine 
Reise;  ebenso  jeder  Droschkenkutscher 
seine  Fahrt.  öcksoUu)olömmer  deschlechte 
Reis  hebbe.  Kgsbg.  Jeroschin  nennt 
Feldzug,  Eriegszug  eine  Reise:  den 
Albrecht  man  sach  mit  andrin  brüdrin 
reise  vam  129a,  und  öfter.    Pfeiffer, 


209.  2.  Pülausche  Reise^  Diarrhöe. 
S.  DUnne. 

Reisekahn,  m.,  Flufzfahrzeug  mit  fla- 
chem Boden,  30—70  Fulz  lang  und 
12—22  Fufz  breit.  Die  Reisekahne 
tragen  15— 60  Last  und  gehen  2 — 7  Fufz 
tief.  Pregel.  Deime.  Gr.  Friedrichs- 
graben. Gilge.  Niemen.  S.  Hirsch, 
Danzigs  Hdlsgesch.,  163. 

reisen,  sw.^  gehen,  ziehen.  Nu  woU 
wi  man  reise^  nun  wollen  wir  nur  ge- 
hen. Mhd.  zu  Felde  ziehen.  Bei  Je- 
roschin: st  müstin  alle  reisin  in  tSt- 
Itchin  vreisin  nach  iren  hergeseUin  an 
undirldz  zur  hellin  37  d.  also  st  hin 
reisten  in  der  Pogezenin  lant  103  d. 
Pfeiffer,  210. 

Reifzaal,  plt.  Rttaal,  so  aber  auch  von 
Hochdeutschen  gebraucht,  m.  l.  ge- 
rissener und  geräucherter  Aal.  Hen- 
nig, 212.  2.  PrögeL  Einem  Rttaal 
geben y  ihn  durchprügeln,  ihm  etwas 
überreifzen. 

reifzen,  st.  1.  schleifzen.  Federn 
rei/zen.  2.  stechen  beim  Kartenspiel. 
Rit  dem  Kathrtnke!  ruft  der  Stechende. 
3.  schlagen  mit  Stock  oder  Peitsche: 
einem  eins  rei/zen,  auch  überrei/zen.  4. 
sich  rei/zen,  sich  mit  Eifer  um  eine  Sache 
oder  Person  bemühen.  Wie  hat  den" 
sich  nach  ihr  gerissen! 

Reifzer,  m.  1.  Person,  die  zu  rei/zen, 
an  sich  zu  bringen  versteht;  Eommis, 
der  Käufer  von  der  Strafze  in  den 
Laden  lockt  und  zieht.  Nach  Trei- 
chel  auch  ein  Kaufmann,  der  viel  aus 
einer  Ware  herausschlägt.  2.  Tafel- 
ente, Anas  ferina.  Drausensee.  Müh- 
ling, Tiem.,  176. 

Reifzfisch,  m.,  Fisch,  der  gerissen, 
gespalten  wird,  s.  Bressem. 

Reifzknochen,  m.,  Brustbein  des  Ge- 
flügels. Es  heiTzt  deshalb  so,  weil  es 
bei  Tische  von  zwei,  namentlich  jungen 


222 


Reilsiieder  —  Rekel. 


Personen,  gern  zerrissen  wird.  Jede 
der  reifzenden  Personen  denkt  sich  da- 
bei etwas;  die  erlangte  gröf'zere  Hälfte 
des  Knochens  bürgt  für  die  Erfüllung 
des  Gedachten. 

Reifznieder,  m.,  volkstümliche  Be- 
nennung für  Branntwein,  weil  er  zu 
Boden  wirft 

Reirzteufel,  pltd.  Rttdiwei,  m.,  s.  Rtte- 
spllL 

Reibung,  pld.  Rttung,   Rtting,  /.,   das 

Reil'zcn,  Rheumatismus.  Ich  habe  Rei- 
fzung  in  allen  Gliedern.  He  schröcht 
mi  de  Ore  voll  äwer  Rtting  am  Krtz. 
Kgsbg.  Firmenich  I,  102a.  Riting 
auch  Risse,  Hiebe:  et  wart  tcol  Riting 
gevoe.    Ibid.  102  b. 

Reiteisen,  n.,  die  Schar  an  der  lin- 
ken Gaffel  des  ostprenizischen  Pfluges, 
der  Zach  (s.  d.),  weil  sie  auf  der  Seite 
des  Reitochsen  liegt. 

reiten,  «^,  equitare.  In  Redensarten: 
Der  Teufel  reitet  ihn.  M!  rött  dat  On- 
glock.  Einen  zum  Wasser  reiten  Triok- 
art  im  15.  Jahrhundert.  Eine  Schale 
Bier  steht  mitten  in  der  Stube.  Einer 
stellt  sich  auf  alle  Viere,  ein  anderer 
besteigt  ihn  als  Reiter  und  treibt  ihn 
zur  Tränke.  Der  Kriechende  hat  die 
Schale  zu  leeren.     Mühling. 

Reiter,  m.  1.  spanischer  Reiter^  frü- 
her Bezeichnung  für  den  Kunstreiter. 
Die  spanischen  Reiter  kommen!  Kgsbg. 
Vgl.  die  spaniscJien  Reiter  unter  Kappel. 
S.  Fuhrmann.  2.  Boje  aus  einer  etwa 
6  m  langen  Stange  bestehend,  die  in 
der  Mitte  mit  Korkholz  umgeben  ist, 
an  der  Spitze  ein  Fähnchen  trägt  und, 
an  einem  Steine  verankert,  senkrecht 
auf  dem  Wasser  schwimmt.  Sie  dient 
als  Marke  für  die  Lage  des  Netzes. 
S.  Benecke,  379.  403. 

Reitersalbe,  pltd.   RTtersalv,  /.,  auch 


spanische  Reitersalbe,  Medik.,  Unguen 
tum  pediculorum. 

IMterskraut,Pflzn.,  aloeblättrige  Krebs 
schere,  Stratiotes  atcides  L.  Hagen 
1050. 

Reitbom,  n.,  die  linke  Gaffel  an  de 
Zoch^  weil  sie  auf  der  Seite  des  Reix 
ochsen  liegt 

Reitochs,  pltd.  Rtdos,  Hennig,  21S 
Rietofz^  der  Leinenochse,  der  vom  Pfln 
ger  links  gehende  Ochse  Der  Name  \% 
analog  dem  Pferdegespann  gebilde 
S.  Zoch.  Reitochs  sonst  un verschnitte 
ner  Stier;  Zuchtbulle.  Frisch  B 
109a.     Adelung  10,  1078. 

Reitschlitten,  plt.   RTdschiede,  «n.,   ii 

Voc.  305:  Rgetslete,  leichter  Schlittei 
Einspänner,  in  dem  man  reitend  sitzt. 

Reitwagen,  m.,  leichte  Droschke  (s.  d. 
in  der  man  rittlings  sitzt,  gegenwärtij 
aufzer  Mode;  in  älterer  Zeit  Reisewa 
gen,  Packwagen,  Kriegs  wagen,  ahd 
reitwagan,  reiticagen,  amhd.  reitwagef^ 
Schade,  710a. 

Reizche,  n.,  s.  RTzchen. 

reizen,  sw,  im  Kartenspiel  dorc! 
herausforderndes  Ausspiel  nach  de 
Farbe  fragen. 

Reizlce,  n.,  s.  RTzchen  u.  Pilz. 

Rejadel,  m.,  nicht  mehr  gebräuchlich 
Benennung  für  den  Gerichtsdienei 
Wachtmeister.     Ermland.     Mühling. 

RSIceJy  m.  1.  fauler,  unfeiner  Mensel 
der  sich  reckt  und  dehnt,  langsam  sie 
bewegt,  mit  Unmanier  sich  setzi 
flegelhaft  sitzt.  Davon  RSkelei,  /*.,  rt 
Icelhaft,  adj.y  rSIceln,  sw.    2.  Spottnam 

für  die  Bewohner  von  Barten.  Barter 
scher  R6kel.  Am  Bartner  Amt,  eine 
alten  Ritterburg,  befindet  sich  auf  eine 
wallartigen  Erhöhung,  nahe  dem  Baupt 
gebäude,  ein  roh  gearbeitetes  Steinbild 
das  Brustbild  eines  Mannes  darstellend 


Rßm  —  R^per. 


223 


der  Bartensche  Rekel.  Man  sagt,  es 
solle  das  Bild  des  Erbauers  der  Burg 
sein.  Behnisch,  16,  leitet  Rekel  her 
von  dem  in  preufzischen  Urkunden 
vorkommenden  ryks^  rekis,  reyks  =  rex. 
N.  Pr.  Prov.-Bl.  III,  123.  Sprw.  I, 
247.  248.  Vgl.  Bartel  3.  Rabe.  Ei, 
Rekel,  springt  brav!  Säd  de  Kreeg  nu 
to  dem  Raw.     Volkr.,  113,  548. 

Rem,  RSmen,  n.,  rSmen,  m.,  s.  RT- 
men. 

Remei,  Pflzn.,  s.  Romei. 

remmer,  rimmer,  rSmmer,  rummer  adv., 
herum.    Reinmer  etc.  rennen, 

remOren,  sw.,  rumoren,  spektakeln, 
herumpoltern. 

rempeln,  sw.,  in  anrempeln,  anrennen, 

anlaufen  mit  Stofz.     Studentisch. 

Remter,  m.,  Bock,  50  u.  Hennig, 
206,  schreiben  Rämter,  groizer  Saal  in 
den  Gemeindegärten.  In  Königsberg 
besteht  nur  noch  der  Löbenichtsche  Rem- 
ter als  Tanzsaal.  Da  es  sich  in  der 
Zeit  trefen  mochte,  dafz  der  (Kneip- 
höfsche)  Rembter  an  Leinentänzer,  Co- 
moedianten  vnd  dergleichen  j  vermietet 
würde  etc.  Morgenspr.  in  1678.  Die 
Zünfte,  35.  Die  Festsäle  der  Marien- 
burg heifzen  ebenfalls  Remter:  der 
gro/'ze,  der  kleine  Remter.  Das  Wort 
ist  wohl  eine  der  zahlreichen  Entstel- 
lungen von  refectorium:  in  Hamburg 
Reventher,  in  Holstein  Reventeer,  in 
Bayern  Refenter,  Rebenter,  Revent  etc» 
Brem.  Wb.  HI,  477.  Richey,  210. 
Schütze  m,  289.  Schmeller  HI, 
61.     Frisch  II,  95a. 

rftn,  adj,  u.  adv.,  s.  rein. 

Renfisch,  m.,  Rheinfisch,  s.  Bressem. 

rennen,  st,  rinnen,  fliel'zen.  Das 
Wasser  rennt, 

rennsch,  adj,,  vom  Pferde,  das  sich 
der  Lenkung  entzieht  und  durchgeht; 
vom  Hengst,   der  nach  der  Stute  ver- 


langt. Die  erste  Bedeutung  wurzelt 
in  rennen,  die  zweite  wohl  in  dem  ahd. 
mrenno,  reinno  etc.  Hengst :  in  Pommern 
torenschen,  im  Brem.  wrensken  wiehernd 
nach  der  Stute  verlangen.  Dähn, 
558b.  Brem.  Wb.  V,  297.  Schade, 
1202a.  Schemionek,  32.  Hennig, 
112. 

rentlich,  adj.,  reinlich.  Ein  rentlicher 
Mensch. 

R6p,  R6f,  Reif,  m.  u.  /.,  Leine,  Seil, 
Strick,  Tau;  ahd.  u.  mhd.  reif,  engl. 
rope,  schwed.  rep,  dän.  reeb,  holl.  reep, 
f.  Brem.  Wb.  IH,  480.  Schade, 
708a.  . . .  zween  Schlitten,  zwo  Winden, 
die  Leinen  oder  Reepen,  die  an  jeder  * 
Seite  200  Faden  halten . . .  Die  ange- 
zeigten Leinen  oder  Reepen  dürfen  nicht 
von  einerlei/  Dicke  und  Stärke  seyn. 
Bock,  Nat.  IV,  716 f.  Das  Netz  loird 
an  einem  Reef  von  90.  Klaftern  in  eine 
Wune  unter  das  Eis  gelassen  und  mit- 
telst einer  Winde  wieder  aufgezogen. 
Fisch.-Ord.  f.  d.  fr.  Haff,  §  38.  Auch 
das  Ende  Tau  am  Garn-  oder  Netz- 
flügel, woran  die  eigentlichen  Refe  be- 
festigt werden,  heil'zt  Ref.  Hennig, 
211. 

reparSre(n),  sw.,  reparieren,  aus- 
bessern. 

RSpe,  /.  1.  Raufe.  Frisches  Heu  in 
die  Repe  werfen.  De  kann  met  de 
Schap  ut  eene  Reep  frete,  der  elend 
Aussehende,  Kränkliche.  Sprw.  I,  3239. 
2.  s.  V.  a.  Räpel  (s.  d.)  Hennig, 
211. 

RSper,  Röper,  Repschläger,  Refschläger, 
Reifschläger,  m.,  Seiler,  Vorarbeiter  des 
Hanfes  und  Flachses  zu  Stricken  und 
Schiffstauen ;  von  Rep,  Rof,  Reif.  Reep- 
schlägerbahn,  lang  sich  ausdehnender 
Platz  zum  Seil-  und  Taumachen,  in 
Danzig  (seit  1390)  und  Elbing;  in 
Königsberg  Reperbahn,  hchd.   Reifer- 


224 


Repetschke  —  Retchen. 


hahn  (alte  and  neue),  jetzt  auch  Stra- 
fzen,  die  neue  yoUständig;  in  Danzig 
Röpergasse  (seit  1357);  in  Königsberg 
Reifachldger'^  pltd.  Repscfddgergasse. 
Hirsch,  Dzgs.  Handelsgesch.,  324. 
Schemionek,  32.  Frisch  II,  104c. 
Brem.  Wb.  lU,  481.    Hennig,  211. 

Repebchke,  m.^  Frosch.  Gegend  von 
Wehlau,  Labiaa.  In  ersterer  scheint 
der  Name  auch  ein  koboldartiges  We- 
sen zu  bezeichnen,  indem  es  von  einem 
Ackerbesttzer,  dessen  Land  durchaus 
nichts  tragen  will,  heifzt:  De  heft  Re- 
petschke op  em  Land.  Wäre  für  die 
Herleitung  des  Wortes  an  das  lat.  re- 
pere^  reptare  kriechen,  zu  denken? 

reppen,  sw.^  berühren  mit  Worten,  in 
Anregung  bringen,  etwas  fast  Verges- 
senes wieder  aufrühren.  Wo  aber  pnant 
die  (durch  Vertrag  abgeschlossene)  aach 
reppen  oder  gedencken  wurde  oder  vn- 
billiger  fumemen  wü  man  den  vbertreter 
stToffen.  Gartenbuch:  in  1539.  Die 
Zünfte,  51.  Mnd.  Wb.  IE,  465a,  rep- 
pen^  repen,  ropen  rühren,  anrühren,  be- 
wegen. 

rtr,  adv.^  s.  rUr. 

rfirkes,  rehrkes,  adv,^  von  reren  rüh- 
ren. Wi  he  reehrkes  stell  darsatt,  wie 
er  ohne  sich  zu  rühren,  zu  bewegen, 
still  dasafz.  Dorr,  Driewjagd.  Bi 
Noaber  Freesen  gink  ock  reehrkes  stoü 
verbiß  ohne  Geräusch  zu  machen,  ruhig. 
Dorr,  26. 

r§rzageln,  sw.,  ^.  rUhrzageln. 

rtsch,  rSschy  adj,  u.  adv,,  hart  ge- 
backen oder  gebraten,  croquant,  stark 
geröstet,  knusperig,  so  dafz  das  Ge- 
bäck oder  der  Braten  beim  Brechen, 
Anschneiden  oder  Beifzen  rauscht  und 
kracht.  Resche  Zfwieback,  Nach  Gor- 
dack  auch  resches  (von  der  Sonne  ge- 
dörrtes) Oras,  Heu,  Das  Wort  ist  schall- 
nachahmend.  In  Posen  reesch.    Bernd, 


236;bei  Frisch  n,  122b, rwcA.  Bock, 
52.    Hennig,  213. 

rtochen,  rSschen,  sw.j  r^ch  machen; 
nach  Mühling  auch  frieren. 

re8chpekt6re(n),  sw,,  achten  mit  dem 
NebenbegrifF  des  Fürchtens.    v.  Au  er. 

Rtoke,  m.,  Leisten.  De  Schuster  heft 
Ledder,  keen  Reesken  darto.  Dorr, 
68.     Volksr.,  7,  30. 

re80nnSre(n),  sw,,  räsonnieren,  murren, 
brummend  Einwendungen  machen;  das 
frz.  raisonner, 

Resty  m.,  Ende.  Einem  den  Rest  ge- 
beny  ihn  völlig  zu  Tode  bringen,  ihn 
gänzlich  zu  Grunde  richten.  Das  hat 
ihm  den  Rest  gegeben, 

rteten,  sw.,  Flachsrösten.  Sperber, 
26.    S.  rtten. 

Rester,  Röster,  in  Westpr.  auch  RMery 
n.,  Lederflick,  mit  dem  das  schad- 
hafte Oberleder  des  Schuhwerkes  aus- 
gebessert wird.  Hennig,  211,  weist 
für  die  Abstammung  auf  das  nd.  rehen 
reihen  hin.  Lit.  riszti  binden,  varai' 
szytqfis  ein  Flicker.  Lit.  Aeq. ,  21. 
In  Hamburg  und  in  Bremen  auch 
Reister.  Richey,  209.  Brem.  Wb.  III, 
467. 

rfistem,  rBstern,  rTstem,  «to.,  ein  R&ter 
auflegen.  Den  Stiefel  berestem  lassen. 
NachTreichel  übertragen:  eine  Sache 
wieder  in  Gang  bringen;  so  nament- 
lich ausrlstem. 

.  Resun,  /.  1.  Matador  beim  Solo- 
spiel. Natangen.  2.  bei  den  Seeleuten 
die  Menage,  also  Ration.     3.  Raison. 

Retai,  m.,  s.  Ratei. 

Rfitchen,  n.,  Rietchen,  spanisches 
Röhrchen.  Strafinstrument  in  Schulen. 
Er  hat  mit  dem  Retchen  bekommen.  Es 
ist  das  Dem.  von  Rtth  Ried,  Schilf- 
rohr, angs.  hreody  engl,  reed,  hoU.  ried, 
franz.  roseau.  Vgl.  das  lat.  reta  (retare 
einen  Fluiz   vom  Rohr   reinigen).    In 


R^te  —  Ribbengasse. 


225 


Bremen  Reit^  Reet^  Riet,  Brem.  Wb. 
ni,  467.  Hnpel,  189.  Hennig, 
334. 

RSte,  R8te,  RSfze,  /.  1.  die  Röste, 
Ort  in  einem  Flusse  oder  Teiche,  in 
welchem  Flachs  geröstet  wird.  Den 
Flachs  in  die  Rete  legen.  In  Bremen 
Rate  die  Fäulnil'z,  das  Verrotten^  auch 
der  Ort,  wo  etwas  fault  Brem.  Wb. 
III,  439.  In  Bayern iZq/}?.  Schmeller 
m,  138.     Hennig,  214. 

rtten,  rtftten,  reuten,  sw.^  den  Flachs 
rösten.  In  Bremen  raten  rotten,  ver- 
rotten, üaolen^  engl,  rot^  angs.  rotan^ 
rotian,  Brem.  Wb.  HI,  438.  In  Bayern 
röfzen^  auch  rötzen.  Schmeller  III, 
138. 175.  Im  Götting.  roten.  Schamb. 
175a. 

reter6re(n),  ««?.,  von  dem  frz.  retirer 
zurückgehen,  sich  zurückziehen,  in 
Sicherheit  bringen.  Öck  wuU  ml  mit 
min  KoK  (die  auf  der  Weide  krank 
geworden  war)  to  Hus  reterere.  v. 
Auer. 

Rfitkamm,  (ntkamm,  m.^  Kamm,  etwa 
von  der  Länge  des  Gambaumes,  mit 
Holzzähnen,  durch  welche  je  ein  hal- 
ber ^Gang,"  d.  h.  10  Fäden  des  Auf- 
zuges gezogen  werden,  damit  diese 
regelrecht  neben  einander  zu  liegen 
kommen  und  gleichmäfzig  angezogen 
werden.  Ret^  Rei%  Rtt  Rohr,  woraus 
ursprünglich  die  Webekämme  gemacht 
werden.  Brem.  Wb.  UI,  468.  Vgl. 
Das  Wirkgestell,  128. 

rets,  rfiz,  rfizerschy  rSzach,  ado.^  jetzt, 

eben,  soeben,  plötzlich.  Elck  kenn  mank 
gavdet  Wief^  de  alle  Dage  wettert  on 
denckt:  o  wenn  eck  doch  reeds  man  noch 
Junfer  weer!  Carm.  nupt.  V,  264  b. 
Denn  lafz  es  aü  reis  (eben)  geschdne. 
Ermland.  Reez  (plötzlich)  kämm  V 
aber  an  'ne  See.  Schaltj.  3,  6.  Er 
kam  rez   (plötzlich,    schnell)   um   die 

FriMhbicr,  Wörterbuch  IL 


Ecke.  In  Natangen  auch:  früher,  ehe- 
mals, vormals;  in  Pisanskis  Nachtr.: 
schon,  bereits  und  dann  gewöhnlich 
rSdy  rtds,  airfid,  aIrMs,  engl,  already, 
holl.  reedsy  alreede.  Lehwster  Gott!  Se 
iss  wol  rehts  krankt  sagte  sie  bewegt 
Soph.  R.  IV,  450.  Hermes  übersetzt: 
Lieber  Gott!  Sie  sind  wohl  krank? 
Vgl.  Brem.  Wb.  m,  453.  Dähn.,376a. 
Hennig,  209. 

retten,  redden,  sw.y  stehlen.  Redden 
heet  dat  bi  ons  noble  Lied!  Stehlen f 
pfui!    Dorr,  I.  Wiew.,  19. 

rettern,  sw.y  s.  rattern. 

reuten,  sw.^  s.  r&ten. 

rfiw,  adv.^  s.  rllw. 

rewalgen,  sw.^  gehen,  wallen,  wan- 
deln. Wt  motte  rewalge^  wir  müssen 
gehen.  Wo  möge  dei  nü  rewalgey  wo 
mögen  die  sich  jetzt  aufhalten,  wandeln? 
Samland.    Vgl.  drawalgen. 

r&z,  rfizasch,  rfizersch,  adv.  s.  r&ts. 

Rhabarberbeeren,  plur.  s.  d.  flg. 

Rhebarber,  m.,  Berberize,  Berberis 
vulgaris  L.  Bock,  Nat.  HI,  177.  Auch 
Rhabarberbeeren.    Pritzel,  57. 

Rheinfisch,  m.^  s.  Bressem. 

Rt,  /l  1.  schmale  Wiese,  die  sich 
an  einem  Bache  hinzieht;  auch  Bruch: 
EUert  =  Ellerbrach.  öck  hebb  uk 
nuscht  gefangen  öm  Brak  on  on  der  Rt. 
Dorr,  27.  2.  Begraster  Rand,  Ab- 
hang eines  ehemaligen  Grabens:  Wir 
haben  nur  noch  die  Rt  zu  hauten. 

Ribb,  Ribbe,  /.  1.  Rippe.  Das  schlägt 
an  die  Ribben^  macht  fett.  Das  geht 
an  die  Ribben,  greift  an,  mattet  ab. 
2.  Ribbe  als  Handelsartikel:  Ribben 
(eine  Art  Holz)  1476  Stück  (aus  Me- 
mel  ausgegangen).  Bock,  Nat.  I, 
608. 

Ribbenfett,  n.,  Rippenfett.  Es  giebt 
Ribbenfett,  es  giebt  Prügel. 

'   Ribbengasse,    jetzt    Rippengasse,    /., 

15 


226 


Ribbsper  —  Rick. 


Stral'ze  in  Königsberg.  Sie  hat  ihre 
BenennuDg  von  ^einer  Ribbe,  die  an 
eines  Leinwebers  Yalerii  Geifzlers 
Hause,  etwan  acht  Ellen  lang  gehangen, 
and  von  demselben  nachmals  auf  die 
Lastadie  verkauft  worden".  Erl.  Pr.  I, 
549.    Hennig,  211. 

Ribbspfir,  RippspSr,  n.,  Rippenbraten, 
namentlich  gebratene  Schweinerippen, 
welche  hohl  zusammengenäht  und  (ge- 
wöhnlich mit  Pflaumen)  gefüllt  werden. 
Schwed.  reßensspjäll.    Hennig,  112. 

Rieht,  Richte,  pltd.  RScht,  f.,  gerade 
Richtung,  Direktionslinie,  der  geradeste 
und  kürzeste  Weg.  In  die  Rieht  gehen^ 
einen  Umweg  vermeiden,  den  kürzesten 
Weg  gehn.  Es  ist  über  Schaberau  in 
die  Rieht,  zur  Bezeichnung  eines  be- 
deutenden Umweges,  einer  unnützen 
Arbeit.  Von  Tapiau  nach  Wehlau 
führt  über  Feld  ein  Richtweg,  von  dem 
man  sehr  leicht  ab  in  die  nach  dem 
Dorfe  Schaberau  führende  Stial'ze  kom- 
men kann;  man  macht  alsdann  einen 
weiten  Umweg  nach  Wehlau.  Sprw.  I, 
3230.  Einem  in  die  Richte  kommen^ 
gerade  auf  ihn  zugehen ;  ihm  entgegen- 
kommen, zuvorkommen;  seinen  Aus- 
flüchten vorbeugen.  Rieht  über^  in  ge- 
rader Richtung  gegenüber.  In  der 
Saalfelder  Gegend  nichts,  adv,^  gegen- 
über. Brem.  Wb.  HI,  448.  Schmel- 
1er  HI,  31.  Bock,  52.  Hennig, 
211.    Vgl.  gericht 

Richte,  /.  Aiceh  soll  er  (der  Zunft- 
Bruder)  nicht  Macht  haben^  einen  alten 
Zug  zu  belegen  mit  der  Richte  und  ei- 
nen neuen  aufzusetzen  etc.  Rolle  d. 
Kgsbg.  Fischergilde  v.  1662.  Bock, 
Nat.  V,  563. 

richten,  sw.  1.  etwas  in  die  gerade  Li- 
nie bringen,  nach  einer  geraden  Linie 
arbeiten;  übertragen  auf  den  Menschen: 
Er  kann  nichts  mit  ihm  richten^  nichts 


mit  ihm  anfangen,  ihn  nicht  auf  den 
richtigen,  geraden  Weg  führen.  2.  auf- 
richten. Ein  Haus  inchten^  das  Zimmer- 
werk auf  den  Mauern  zusammensetzen 
und  aufrichten,  so  dalz  das  Haus  seine 
volle  Gestalt  gewinnt.  Dasselbe  was 
beren.  Goth.  raihtjan^  ahd.  ri&toit, 
mhd.  rihten,  alts.  rihtjan,  schwed.  rätOy 
rdtta  in  die  Höhe  richten.  Vgl.  das 
lat.  erigere  und  erectio.  Adelung  UI, 
1100.  Schade,  714b.  Hennig,  212. 
Richtholz,  72.,  Richtscheid,  Handwerks- 
zeug der  Maurer  und  Zimmerleute. 

richts,  ado,y  s.  Rieht 

Richtschmaus,  m.,  Schmaus,  den  der 
Bauherr  nach  dem  Richten  des  Gebäudes 
den  Bauhandwerkem  giebt 

Richtsteig,  Richtweg,  m.,  Fufzweg,  der 
in  die  Richte  geht,  die  Bogenumwege 
der  Landstraizen  abschneidet;  gerader 
kürzerer  Weg  überhaupt.  . . .  da/z  eine 
solche  mächtig  grojze  und  unglattbUche 
Reyse  durch  einen  sehr  bequemen^  kurt- 
zen  und  der  Natur  gantz  ähnlichen  Richt- 
steig möge  verrichtet  werden,  Linem., 
M2b. 

Richtstroh,  pltd.  RSchtstrau,  n.,  Stroh, 
welches  die  Richte,  Richtung  hält,  al- 
so gerade  und  ungeknickt  ist.  Es  wird 
vorzugsweise  zumDachdecken  gebraucht. 

Ygl.  Langstroh  und  Krummstroh. 

Richtweg,  ?n.,  s.  Richtsteg. 

Ricl(,  RUcl(,  n.  u.  m.,  lange  Stange, 
langer  Ast,  Latte.  Wann  einer  wird 
aber  die  Berge  zeunen  oder  rücken^  so 
wird  er  inehr  Pfäle  und  Ricke  bedürfen^ 
als  in  der  Ebene,  Linem.,  Ss  4b. 
Bohnenrick^  Bohnenstange.  Zaunricky 
Ast  oder  Sprosse  eines  Rickzaunes, 
Er  ist  trocken  wie  ein  Rick.  Ein  ein- 
rickiger  Zaun^  Zaun  mit  einem  Rick. 
In  Bayern  ist  Rick  eine  fortlaufende 
Reihe  (Steinrick)  oder  ein  Gestell,  lun 
etwas    der  Reihe    nach    daran,    darauf 


ricken  -  Rimen. 


227 


zvL  hängen,  zu  stellen.    Sc  hm  eller  m, 
42.     Von   recken   ausdehnen.      S.    Ha- 
gen, 
ricken,  rtlcken,  pltd.  rtfcken,  sw.^  einen 

Zaun  aus  Ricken  setzen. 

Ricken-,  RUckenzaun,  m.,  s.  Rickzaun. 
Rick-,  RUckstamm,  m.,  Holzstamm,  aus 
welchem  Ricken  geschnitten  werden. 

Rick-,  Rickenzaun,  Rück-,  RUckenzaun, 

m.,  Zaun  aus  Ricken.  Seine  Haupt- 
stützen sind  Fichten-,  Tannen-  oder 
Eichenpfahle;  Aste,  Latten,  Schwarten 
bilden  die  Verkleidung  oder  den  Schlufz. 

Vgl.  Stackelzaun,  Strauchzaun. 

Rtdel,  7n.,  Spaten,  Grabscheit.  Von 
dem  gleichbed.  poln.  rydel.  Passeuheim. 

Rtdos,  m.,  s.  Reitochs. 

riechen,  aty  aufzer  der  gewöhnlichen 
Bedeutung:  1.  merken,  wissen,  voraus 
wissen.  Das  kann  ick  nicht  riechen^ 
ich  habe  keine  Bundsnase,  2.  stinken. 
Pfuiy  loie  riecht  das  hier! 

Riecher,  pltd.  Rtker,  m.  1.  Nase.  In 
einem  Volksrätsel:  Op  em  Lecker  steit 
e  Rtker.  2.  Bildlich:  Er  hat  einen  gu- 
ten Riecher,  er  kommt  zu  einer  An- 
gelegenheit rechtzeitig,  wie  gerufen. 
Sprw.  I,  3140. 

Riechsei,  pltd.  RTksel,  n.,  etwas,  das 
gut  riecht,  ein  Blumenstrauiz  u.  dgl. 
In  Pommern  RükCy  n.  Nach  Müh- 
ling  auch  das  einmalige  Riechen. 

Riefholz,  w.,  bei  Stein  III,  3,  Ruf- 
hoher  unter  res  nauticae. 

Riemchenschneider,  m.,  ein  auf  seinen 
Vorteil  bedachter  Kleinigkeitskrämer. 
Treichel.     Verwandt  mit  dem  folg. 

Riemchenstecher,  m.  1.  Riemenstecher, 
Gaukler,  der  einen  Riemen  so  ge- 
schickt in  mannigfache  Krümmungen  zu 
rollen  verstand,  dal'z,  stach  man  in 
eine  derselben  hinein,  der  Stich  immer 
neben   dem  Riemen  hinging.     Frisch 


II,  119c.  Später  Spiel  der  Schuljugend. 
2.  Freund  des  schönen  Geschlechtes; 
von  Riemen  =  penis.  Vgl.  Sprw.  I, 
3142. 

Riemen,  m.  1.  Ruderholz,  Ruder. 
Hirsch,  Dzgs.  Handelsgesch. ,  254. 
W.  Seidel,  34.     S.  RTmen.    i.penis. 

Riementräger, />2ur.,  in  Dzg.  eine  Zunft, 
welche  die  aus  den  Schiffen  ausgelade- 
nen Waren  auf  Tragbahren  fortschaffte. 
Ihre  Mitglieder  zeichneten  sich  dadurch 
aus,  dal'z  sie  über  ihren  Kleidern  weiize 
Hemden  und  schwarze  Schurzleder  tru- 
gen.    W.  Seidel,  34. 

Riene,  /.,  Rinne.     Die  drei  Überfälle 

—  

sind  der  Marienhurger  Überfall^  die  El- 
binger  Reihen^  Riene  genannt^  und  der 
Rodacker  Überfall.  Königsbg.  Hartg. 
Ztg.  1875.    Nr.  30.  Abend-Ausg. 

Riesenburg,  Ortsn.,  Stadt  in  Westpr. 
Er  ist  ein  Riesenburger^  ein  riesiger 
Mensch.  Simon  Grünau  in  seiner 
Chronik  meldet,  „dai'z  5  Ellen  hohe 
Männer  die  Stadt  Riesenburg  mit  dem 
Schlofz  gebauet  hätten,  welche  Burg 
der  Riesen  von  dem  deutschen  Orden 
zerstöret  worden.**  Der  pr.  Sammler  II, 
1243.     Sprw.  I,  3146. 

Riesenglocice ,  Pflzn. ,  breitblättrige 
Glockenblume,  Campanula  latifoUa  L, 

Auch  gro(ze  Waldgioclce.   Hagen,  231. 

RTge,  Rlje,  /.,  Darre,  Trockenscheune, 
lit.  rej^^  lett.  rija^  russ.  riga.  Nsslm. 
Forsch.  3;  Th.,  148. 

rlgeln,  sw.y  nach  einer  Ursache  zum 
Zanke  suchen.     Friedland  Ostpr. 

Rigg,  n.,  s.  RUcIcen. 

RTke,  w.  Vom.,  Kürzung  von  Frie- 
derike. 

RTmen,  R6men,  R6m,  7/1.,  langes  Ruder, 
lat.  remuSy  franz.  rame.  Bei  J  e  r  0  s  ch  i  n , 
88  d:  rlmen  unde  stuir  Riemen  und 
Steuerruder.     Pfeiffer,  228.     Unsere 

lö* 


228 


rimmer  —  rit». 


SchifiFer  sagen  statt  Rtmen  und  Steuer: 
Rimen  und  Ruder.  Davon  rTmen,  rfi- 
meriy  sw.^  rodem. 

rimmer,  adv,j  s.  remmer. 

'rin,  adv.,  s.  'rein. 

Rinderweizen,  m.^  s.  Tag  und  Nacht 

Rindkest,  /.,  s.  KesL 

Rindsauge,  Pflzn.,  weilze  Wucher- 
blume, Chrysanthemum  leucanthemumi 
L.   Auch  Johannisblume.   Hagen,  889. 

ringer,  adv.^  geringer,  wohlfeiler  im 
Preise,  weniger.  Ringer  kann  ocKt  nich 
läte^  wohlfeiler  vermag  ich's  nicht  zu 
verkaufen. 

ringem,  9w,^  gerioger  machen,  ver- 
ringern, im  Werte  herabsetzen. 

Rinnbahn,  /.,  Zwischenraum  zwischen 
den  Flugein  des  Wenters,  d.  h.  der 
Raum,  den  die  Fische  benutzen  können, 
um  in  den  Wenter  hinein  (^rm)  zu  ge- 
langen.    Benecke,  384. 

Rinne,  /.,  das  Gerinne,  Kanal  zwischen 
den  Kampen, 

'rinner,  adv.^  s.  'rein. 

Rinnstein,  pltd.  Rennstfin,  m.,  das  Ge- 
rinne im  Strafzenpflaster,  das  sich  den 
Häusern  entlang  zieht.  Ebenso  in  der 
Niederlaus.     Anton,  12,  9. 

rintlich,  pltd.  rSntlich,  adj.^  reinlich. 
JSr  üt  ein  rinüicher  Mensch, 

Rippentriller,  m.,  Stolz  in  die  Rippen. 
SuU  öck  dl  e  Rippetriller  gewe.  Königs- 
berg. 

Rips,  m.,  Pflzn.,  Kohlraps,  Raps,  Bras- 
sica napus  L.    Nach  Hagen,  702,  auch 

RUbs,  RUbsamen,  ölsamen. 

ripsraps,  intetj.  zur  Bezeichnung  eili- 
gen Zugreifens;  vgl.  rapsen,  Ripsraps^ 
da  war's  aller  —  da  waren  die  Kir- 
schen auf.  Auch  ripschrapsch.  Volksr., 
127,  532.  Bock,  52.  Hennig,  212. 
Vgl.  ,Weigandn,  479. 

riieln,  sw.^  rieseln.  Es  riselt  mir  durch 
Mark  und  Bein. 


rTsen,  sw.^  sich^  sich  aufrichten,  er- 
heben; daher  gewöhnlich  aufrfsen,  sich 
in  die  Höhe  richten.  Das  Pferd  rist 
sich^  es  erhebt  sich  auf  den  Hinter- 
beinen. /2/V  di^  mtn  Sdhn^  stehe  auf! 
In  Hessen  hat  rtsen  die  gegenteilige 
Bedeutung:  sinken,  fallen:  das  reife 
Obst  rtst.  Vilmar,  328.  In  beiden 
Bedeutungen  ist  es  mhd.  rtsen^  ahd. 
rtsan  sich  von  oben  nach  unten  oder 
von  uDten  nach  oben  bewegen,  fallen, 
steigen,  alts.  rtsan  aufstehen,  sich  er- 
heben, goth.  reisan,  S.  Schade,  718a. 
Hennig,  216. 

Riss',  Risse,  plur.^  Hiebe,  Schläge, 
Prügel.  Es  giebt  Risse.  Gieb  ihm  einen 
Ri/z!  Wie  wöa  nach  ön  de  Schul  ginge^ 
da  gabs  dach  all  foat  Rofz^  dafz  wa 
ons  de  Hose  voll  schösse.  Ermland. 
Firmenich  HI,  103b.    Hennig,  212. 

Rtster,  n.,  s.  Rtoter. 

Rttaal,  m.,  s.  Reifzaal. 

RTtdtwel,  m.,  s.  RltesplTL 

RTtespiTt,  m.,  zur  Bezeichnung  eines 
Menschen,  namentlich  eines  wilden  Kna- 
beü,  der  seine  Kleider  schnell  zerreifzt. 
Er  ist  ein  rechter  Rttesplit.  Aus  rtten 
reifzen  und  spltten  spleü'zen  tautologisch 
gebildet.  Man  nennt  einen  wilden  Jun- 
gen, der  die  Kleider  rasch  aufträgt, 
auch  Reifzteufel,  pltd.  Rltdtwel.  In  Ham- 
burg Rietenspliet^  Rietup.  Brem.  Wb. 
HI,  507.  In  Pommern  RitspUit  auch 
ein  solcher,  der  alles  an  sich  reifzen 
will.  Dähn.,  383a.  Danneil,  173a, 
Hupel,  190:  Rei/zspleis.  Hennig, 
212. 

Ritkamm,  m,,  s.  R6tkamm. 

RTtnagel,  m.^  s.  SpITtnagel. 

rlts,  interj.  schallnachahmend,  ge- 
wöhnlich in  Verbindung  mit  räts,  zur 
Bezeichnung  des  Tones,  der  beim  Wer- 
fen, Ausschütten,  Schlagen  etc.  gehört 
wird.     Ätto,  seggt  de  Bur  on  schött  ön 


Ritt  —  Rocklor. 


229 


e  Äffte.  RitsrdtSy  schott  de  Bür  ön  e 
Arfte.  Sprw.  I,  274.  Rttsrdts,  da  hatte 
er  die  Ohrfeigen  weg. 

Ritt,  9n.,  ^wird  von  jeder  Handlang 
gesagt,  die  kurz,  aber  mit  Beschwerde 
vollbracht  worden  ist.  Es  kostete  drei 
Ritt,  bis  icKs  zu  Stande  gebracht^. 
Hennig,  334.  Dat  ös  e  Rött,  seggt  de 
Schmodt^  on  titt  de  Kobbel  den  Warm 
ut  e  Nasch  y  dat  se  schott.  Kreuzburg. 
Rött  kann  hier  durch  Rifz,  von  rcüzen, 
und  Ritt,  von  reiten,  übersetzt  werden. 
In  Pommern  Ritt,  n.  In  enen  Ritt, 
auf  einmal.     Dähn.,  383a. 

Ritter,  arme.  Semmelschnitte,  über 
welche  Eier  geschlagen  sind,  in  Butter 
gebacken.  Bock,  152,  und  nach  ihm 
Hennig,  212,  erzählen,  dafz  zu  der 
Benennung  ein  armer  Ritter  Veran- 
lassung gegeben  habe,  der  mit  diesem 
Gebäck  seine  guten  Freunde  bewirtete 
und  sich  entschuldigte,  wie  er  als  ein 
armer  Ritter  ihnen  nichts  Besseres 
vorsetzen  könne.  Nach  Mühling  hört 
man  in  Deutschland  noch  den  Zusatz: 
in  Elendsfett  gebacken.  Denn  seine  Sonn- 
tags-Kost  heist  Stint  und  arme  Ritter. 
Carm.  nupt,  H,  199  c.  Vgl.  Bock,  Nat. 
I,  266. 

Ritterkreuz,  Pflzn.,  Wiesensalvei,  Sal- 
via  pratensis  L.     Hagen,  37. 

RTtwurm,  m.,  s.  Schrotwurm. 

Ritze,  /.,  Spalte  überhaupt;  Spalte  in 
der  Bretterbekleidung  des  Ful'zbodens. 
Er  ist  in  die  Ritze  gescharrt,  wenn  je- 
mand nicht  sogleich  auj^ufinden  ist. 
Auf  die  Ritze  hauen,  Glück  im  Karten- 
spiel haben.  Um  zu  erproben,  ob  je- 
mand angetrunken  ist  oder  nicht,  läfzt 
man  ihn  auf  der  Ritz'  gehen.  Sprw.  I, 
3149 ff.     Sperber,  27. 

Rttzlce,  m.,  s.  RTzchen. 

rTWy  adv.y  s.  rllw. 

RixhSfty  Landspitze  am  Anfange  der 


Landzunge  Heia.  Haft  =  Haupt,  Spitze, 
Landspitze,  Vorgebirge;  Riahoft  =  des 
Reiches  Spitze.  Vgl.  Spruner,  Histor. 
Schulatlas,  Karte  3. 

Rtachen,  pltd.  RTzIce,  auch  Reizche, 
Reizice,  n,  n.  m.,  el'zbarer  Schwamm, 
Reizker,  Rietschling,  Agaricus  delicio- 
sus  L.  Poln.  rydzy  rydzek.  Nach  Bock, 
Nat.  HI,  617,  unterscheidet  man  in 
Preufzen:  Steinreizke,  Kemling  oder 
Bruchreizke  und  BirkUng  oder  Birken^ 
reizke.     Bock,  53.     Hennig,  216. 

rTzrftz,  interj.,  s.  rlts. 

Robötty  Robötte,  m.,  Frohndienst, 
Scharwerk,  Hand-  und  Spanndienst, 
schwere  Arbeit  überhaupt.  Poln.  ro- 
bota,  russ.  raböta  Arbeit,  lit.  rabatä 
Arbeit,  Mühe,  Plage;  russ.  rab  Sklave, 
Leibeigener.  Nsslm.  Forsch.  3;  Th., 
149.  Schmitt,  108;  Westpr.,  167. 
In  Bayern  Robaty  Robold,  Robald^  f, 
SchmellerUI,  9.  Davon  Roböttbauer, 
m.,  Scharwerksbauer.     Mühling. 

robötten,  gewöhnlich  rabötten,  sw.^ 
stark  und  angestrengt  arbeiten.  Ra- 
batten gehen,  zur  Arbeit  gehen.  Ich 
habe  den  ganzen  Tag  zu  rabotten. 

ROch,  m.  1.  Rauch.  2.  Rauchfang 
und  daher  Herd.  Neben  dem  soU  jeg- 
licher Wirth,  sowohl  die  vam  Adel,  als 
Freyen  oder  Pauren  von  jedem  Roch 
aber  den  jetzt  gedachten  Decem  8  Schill, 
Schülergeld  jährlich  zu  geben  schtUdig 
sein.  Grub.  Corp.  Const.  Pruten  P.  I.  N.  1. 
Von  Erwehlung  der  beyder  Bischof 
Samlandt  und  Pomezan  im  Herzogthum 
Preulzen,  d.  anno  1568,  pag.  10.  Hen- 
nig, 212. 

RocIceUceim,  Ortsn.,  Dorf  im  Kreise 
Wehlau.    Vgl.  Schallen. 

Rocken,  m,,  Roggen,  Seeale  cereale 
L.;  üblicher  Korn.     S.  Hagen,  137. 

RocklOr,  m.,  mantelartiges  Kleidungs- 
stück.   Von  demselben  hielz  es:    V^e 


230 


Rodacker  —  Roggenwolf. 


e  Schnob  on  hinde  e  Singohr^  vorne 
eine  Schnippe  and  hinten  ein  Singohr  (?). 
Wehlau.  In  Natangen  ein  Überrock. 
Franz.  roquelaure  nach  dem  Herzog 
von  Roqaelaare  (f  1738),  der  diesen 
Mantel  einführte.  Weigandll,  483. 
ROdacker,  m.,  gerodeter  Acker. 

Roddog,  Roddow,  n.,  s.  Rotauge. 

Rode,  /.,  die  gerodete,  urbar  gemachte 
Palwe;  auch  Neubruchy  m.  u,  n.  Bock, 
Nat.  m,  767.  Weigandll,  483:  das 
Rod^  der  angerodete  Boden,  ausgereu- 
tete  Platz. 

Rode,  /.,  lange  Stange,  die  bei  der 
Fischerei  unter  dem  Eise  gebraucht 
wird.  .  .  .  die  Gabeln,  womit  (bei  der 
Winterfischerei)  die  Stangen  unter  dem 
Eise  fortgeschaßt  werden,  die  hier  Roo- 
den  Imjzen  und  60  bis  70  Fujz  lang 
sind.    Bock,  Nat.  IV,  717. 

Rodel,  n.  1.  Ruder.  Denn  schmiet 
wi  Roodel  on  Lomm  ant  Sied  (an  die 
Seite).  Dorr,  21.  2.  s.  v.  a.  Rodel 
(s.  d.). 

roden,  sw.,  gewöhnlich  in  der  Zu- 
sammensetzung ausroden,  pltd.  utrOde(n), 
sw.,  ausreuten,  Baumstumpfe,  Gestrüpp, 
Unkraut  mit  der  Wurzel  aus  der  Erde 
herausarbeiten.  Hennig,  18,213.  Wei- 
gandll,  483. 

ROder,  m.,  der  Ruderer,  Beiname  für 
den  fliegenden  Storch:  Hadebdr,  du 
Roder,  Bring'  mt  e  junge  Broder.  Volksr., 

50,  191.  Rochholz,  87.  S.  Nester  u. 
Steiner. 

ROdergat,  n,  älterer  Name  für  den 
Kucker,  die  Öffnung,  wo  das  Steuer- 
ruder am  Hintersteven  an  Deck  kommt. 
Hirsch,  Dzgs.  Handelsg.,  265. 

rOdlachtig,  ad},,  s.  lachtig. 

ROfe,  /.,  Raufe,  Futterleiter. 

RogftI,  n.,  s.  Regftl. 
Rogfttsch,  m ,  Pflugsterze,  auch  Zoch- 
baum,  lit.  ragöcze,  ragöczus,  ragözius, 


poln.  rogacz,  wohl  von  ragis,  lit.  rdgaSy 
poln.  rog  Hom,  nach  der  Gestalt  be- 
nannt. Nsslm.  Forsch.  2;  Th.,  149. 
Lit.  Aeq.,  21.  Hennig,  213.  Vgl 
Zoch. 

Rögel,  7/1.,  Fischrogen.    Mühling.  S. 

Regen. 

rSgeln,  sw.,  den  Rögel  entlassen,  lai- 
chen.    Mühling. 

Roggelmoggel,  n.  Beim  Schlachten 
schickt  man  jemand,  um  ihn  zu  hän- 
seln, zum  Nachbar  und  läfzt  um  das 
Roggelmoggel  bitten.  Der  Nachbar  füllt 
eine  Lischke  mit  Steinen  oder  Erde,  so 
dai'z  der  Genarrte  schwer  zu  tragen  hat 
Elbing.     Sprw.  I,  3156. 

Roggen,  m.,  volksublich,  wie  auch 
anderwärts  (Bayern:  SchmellerHI,  71. 
Hessen:  Vilmar,  320),  ist  dafür  Kom. 
In  Zusammensetzungen  wechselt  Roggen 
und  Kom:  Roggenmehl y  pltd.  Regge- 
mehl,  Reggekilke,  Kombranntwein,  pltd. 
Kömbrannwin. 

Roggenblume,  mehr  jedoch,  fast  über- 
all, Kornblume,  /.,  Centaurea  cyanus  L. 
Hagen,  903.     Pritzel,  86. 

Roggenbrot,  n.,  s.  Brot 

Roggenhund,  m,,  mythisches  Wesen, 
das  sich  in  Roggenfeldern  aufhält.    Vgl. 

Roggenwolf. 

Roggenmuhme,  -mutter,  /.,  s.  Kom- 
mutter. 

Roggenschlunk,  m.,  Yielfral'z,  Nimmer- 
satt, auch  Geizhals,  geldgieriger  Mensch. 
Er  ist  ein  rechter  Roggeschlunk.  Sprw. 
I,  3157. 

Roggenwolf,  m.  1.  mythisches  Ge- 
bilde von  Wolfsgestalt  und  wölfischem 
Gebaren,  das  sich  im  Roggenfelde  auf- 
hält und  namentlich  Kindern  gefahrlich 
wird.  Man  warnt  die  Kinder,  ins  Kom 
zu  gehen,  da  lau're  der  Roggenwolf. 
Über  ihn  und  den  Roggenhund  s.  Mann- 
bar dt,  Roggenwolf  und  Roggenhund. 


Rohleder  —  Rolling. 


231 


Beitrag  zur  Germanischen  Sittenkonde. 
Danzig  1865.  2.  übertragen:  Mensch, 
der  alles  an  sich  reü'zen  will,  nie  ge- 
nug bekommen  kann.  Praust  bei  Dan- 
zig. Yom  gefräfzigen  Menschen  heilzt 
es:  er  frifzt  wie  ein  Roggenwolf,  Mann- 
hardt,  a.  a.  O.,  11.     Sprw.  I,  968. 

Rohleder,  ^n.,  von  der  rohen,  nnge- 
gerbten  Haut  übertragen  auf  den  rohen, 
unmanierlichen,  ungebildeten  Menschen. 
Er  ist  ein  rechter  Rohleder, 

Rohn,  m ,  s.  Rahn. 

Rohrdommel,  m,  Spitzname,  den  die 
Litauer  den  Deutschen  geben.  Müh- 
ling. 

Rohrdrummely  -drump,  -dump,  /.,  Rohr- 
dommel, Ardea  stellaris,  Lett.  dumpis, 
Mühling,  Tiem.,  176.     Vgl.  Iprump. 

Rtfhre,  /.,  gewöhnlich  RShr,  viereckige, 
tiefe,  mit  Kacheln  ausgelegte  Höhle  im 
Kachelofen  der  Wohnstube,  mit  ab- 
schlieCzender  Thür,  zur  Warmstellung 
von  Speisen  etc.  Nicht  zu  verwechseln 
mit  der  Ofenröhre  =  Rauchröhre.  Apfel 
in  der  Röhre  braten.  Stell  den  Kafee 
ön  de  Röhr! 

Rohreif,  m.y  s.  Rohrreif. 

Rohrglanz,  Pflzn.,  rohrartiges  Glanz- 
gras, Phalaris  arundinacea  L.  Hagen^ 
63. 

Rehrkampe,  /.,  Kampe,  die  mit  Rohr 
bewachsen  ist.  Das  Rohr  wird  ge- 
wöhnlich im  Winter  abgehauen.  Müh- 
ling. 

Rohrkarpfen,  m.,  s.  Debel,  Dlbel  und 
Rftp. 

Rohrreif,  pltd.  ROrrTp,  ROerTp,  m.,  auch 
Rohreif,  der  eisige  Reif,  der  sich  bei 
Nebelfrost  an  die  Zweige  der  Bäume  etc. 
ansetzt,  Rauhreif,  Rauchfrost.  Der 
Rohrreiff  aber  entstehet  alfzdann^  wenn 
bei  Nebelichter  Constitution  des  Gewitters 
(Wetters)  es  sehr  kalt  etc.  Linem., 
Xx  4a.   Davon  rohrreifen,  rohreifen,  pltd. 


rSrrtpe(n)^  r6eripe(n)^  rSrrifen.  Kriip 
unne,  lewe  Ltse^  et  het  rorrtß.  Nach 
der  Volkserfahrung  hört  die  Kälte  drei 
Tage  nach  dem  Auftreten  des  Rohr- 
reifes auf.    Vgl.  Auf  hang. 

Rohrsperling,  m.^  Rohrammer,  Embe- 
riza  schoeniclus.  Da  er  im  Rohre  mun- 
ter zwitschert  und  schreit,  so  heifzt  es 
von  einem  lebhaft  streitenden  Menschen: 
er  schimpft  wie  ein  Rohrsperling. 

Rohrwrangel,  m.,  kleiner  Rohrsänger, 
Sylvia  arundinacea.  Bujack,  373. 
Mühling,  Tiern.,  176. 

rojfllsch,  adj,^  kolossal,  stattlich,  be- 
sonders vom  Frauenzimmer.  Schemio- 
nek,  32. 

rokfar  (a  =  a),  ad;.,  s.  rftkfftr. 

rokOsen,  sw.y  zur  Bezeichnung  des 
rockenden  Trommeins  der  Tauben. 

Rolf,  Rolof,  m.  Vorn.,  Rudolf.  Hart- 
wich, 54. 

Roll,  (?),  Gericht  aus  Hafergrütze, 
Pflaumen,  Rinderfleck  und  Sirup.  Ma- 
rienburg. 

Rollberg,  «n.,  Strai'ze  in  Königsberg 
auf  dem  Steindamm.  Sie  hat  ihren 
Namen  nach  einem  normannischen  Her- 
zog Rollo,  der  eine  Zeitlang  daselbst 
gewohnt.  Hennenb erger,  43.  Sie 
hieiz  früher  Glappenberg^  nach  dem 
Erl.  Pr.  II,  842,  von  dem  daselbst 
gehängten  ermländischen  Heerführer 
Glappo.  Hoffheinz,  Strafzn.,  604, 
meint,  der  Name  könne  auch  vom  Volks- 
witz gebildet  sein,  der  hier  manches 
Fuhrwerk  bergab  rollen  sah. 

rollen,  sw.  Einen  rollen^  ihn  im  Kampfe 
niederwerfen,  besiegen. 

Rolling,  Rollinge,  Rollung,  /.,  die  in 
regelmäl'zigen  Intervallen  rollenden  Wel- 
len der  bewegten  See,  auch  der  Ha£Pe. 
Es  ist  zuviel  Rolling^  wir  köfinen  nicht 
in  die  See  hinaus^  sagen  die  Fischer 
am    Ostseestrande.      Die    Fischerfahr" 


232 


Rollo  —  Roratenbruder. 


zeuge  des  kurischen  Hofes  werden  nur 
mit  ganz  flachem  Boden  und  äusserst 
geringem  Tiefgang  gebaut^  trotzdem  segeln 
sie  vortrefflich  und  sind  ganz  besonders 
in  der  auf  dem  kwr.  Haffe  sehr  gewöhn- 
lichen kurzer^  RoUung  etc.  äusserst  tüch- 
tig. Benecke,  223  f.  An  der  Nord- 
See  bezeichnet  raUen  das  Überlaufen 
der  Wellen  über  einen  seichten  Grund 
oder  den  Anlauf  derselben  gegen  eine 
Fläche  hinauf.  Brem.  Wb.  IH,  426. 
Vgl.  Schftlung  u.  Wachte. 

Rollo,  n.^  Rouleaux. 

Rollung,  /.,  s.  Rolling. 

Rolofy  m.  Vom.,  s.  Rolf. 

Rölps,  m.,  Kulps,  laut  aufstofzende 
MagenblähuDg.  Eck  loht  en  RöUpSy 
möt  GonstI  eck  kun  en  nich  verhöhde. 
Carm,  nupt  I,  282,  14.  Davon  rölpsen, 
sw.y  rülpsen. 

Rom,  m.y  RuCz,  jeder  Schmutz,  der 
schwärzt.  Davon  berömen,  sw.^  sich^ 
sich  anschwärzen,  beschmieren.  Wer- 
der. 

Romel,  m,^  Pflzn.,  echte  Kamille,  Ma- 
tricaria  chamomiUa  L.,  lit.  ramüne. 
Hennig,  213.  Hagen,  894.  Nach 
Pritzel,  93,  in  Ostpr.  auch  Remey, 
Raneyenblume  (?  fehlerhaft  für  Rameien- 
blume),  Haugenblum  und  Magdblum.  Vgl. 
Hundsromei. 

Rominte,  /.,  Nebenflufz  der  Pissa,  in 
lit.  Liedern  viel  genannt  und  oft  be- 
sungen. Lit  Rominta.  Der  Name  deu- 
tet auf  ein  schnelles,  eiliges  Dahin- 
wandern.  Der  Flufz  heil'zt  an  seiner 
poln.  Quelle  Blandianka^  in  PreuTzen 
anfänglich  Bllndeflufz,  von  dem  lit.  blinde^ 
Salweide,  die  dort  an  seinen  Ufern 
wächst.    S.  Passarge,  Balt.,  311. 

RomInten,  Ortsn.,  Dorf  an  der  Ro- 
minte  im  Kr.  Goldap.  Gä  na  Rominte, 
Zigge  opschwänze.  Über  die  Entstehung 
der  Redensart  s.  Sprw.  I,  1149. 


rommeldOn,  adj.,  s.  dOn. 

rommein,  sw.,  binden,  pfänden.  Ein 
Gebranch  der  Brantleute^  „da  sie  die 
Fremden,  so  an  das  Brautfeuer  treten, 
zu  binden  pflegen,  nnd  von  ihnen  zur 
Auslösung  ein  Geschenk  abfordern^. 
Bock,  53.  Hennig,  213.  Auch  das 
pfandende  Binden  überhaupt,  öek  romr 
mel  enne  op  ene  grene Platz!  Ans  einem 
Spruche  beim  Binden  auf  dem  Emte- 
felde.    Volksr.,  233,  814. 

rammen,  sw.  1.  räumen,  aufiranmen, 
wegräumen.  2.  etwas  durchsuchen. 
Engl,  rummage.  Davon  aufrommen, 
aufräumen;  verrommen,  etwas  verlegen, 
verkramen,  so  dalz  es  schwer  zu  fin- 
den ist. 

rtfmmer,  adv.,  s.  remmer. 

RSmp,  9n.,  rtfmpen,  sw.,  s.  rampen. 

ROn,  m.,  s.  Rahn. 

Rttnne,/.,  schmale,  vielfach  gekrümmte 
Rinne^  Fahrstrafze  im  kurischen  Haff 
längs  der  Nehrung.  S.  Benecke,  223. 
Auch  das  frische  Haff  hat  eine  Rönne. 
In  der  PUlauer  Haff-Rönne  hat  sich 
während  der  Winterstürme  eine  wenig 
umfangreiche  Sandbank  gebildet^  welche 
dem  Schifffahrtsverkehr  nach  Königsberg 
sehr  hinderlich  ist  Kgsbg.  Allg.  Ztg. 
1882.  Nr.  74.  Abend-Ansg. 

Rontfisch,  m.  Nach  Simon  Grünau, 
Tract.  I,  cap,  HI,  „ein  treuger  fisch  aus 
der  pomuchil''. 

Röper  und  Zusammensetzungen  s. 
Rfiper. 

röppschlagen,  st  1.  zur  Bezeichnung 
übergrofzer  Magerkeit  und  Kraftlosig- 
keit: die  Rippen  schlagen  gleichsam 
zusammen.  2.  stark  anstrengen,  bis 
zum  Zittern^  Rippenbeben. 

rSr,  adv.y  s.  rUr. 

Roratenbruder,  m.  Die  Roratenbrü^ 
der  sind  eine  kirchliche  Sängerzunfb 
im  Ermlande.     Auizer  in  der  Kirche, 


rönreifen  —  Rosenwinkel. 


233 


singen  sie  aach  bei  feierlichen  Begrab- 
nissen vor  dem  Sterbehaase  und  bei 
den  Vigilien.  Stamm  ist  das  lat.  ro- 
rare.  Der  Volkswitz  nennt  sie  rare 
Brüder^  auch  Rdrbrüder  (vgL  rar  und 
raren).    Mühling. 

rOrreHen,  sw.^  s.  Rohrreif. 

Roiak,  m,  1.  Rücken.  Op  emRoiak 
gewe^  Hiebe  auf  den  Rücken  geben. 
Samland.  2.  Prügel,  Hiebe.  Et  göfft 
Roiak.  Friedland  Ostpr.  Sprw.  II, 
2211. 

Rotenke,  Rossanke,  (?),  zur  Bezeich- 
nung eines  schlechten  Bieres.  Nach 
Mühling  eine  Art  WeiTzbier,  das  im 
Anfeuige  des  17.  Jahrh.  in  Angerburg 
gebraut  wurde.     Vgl.  Bier. 

rttschy  adj.^  s.  rtech. 

Roschbocl(,  m.^  Rehbock.    Saalfeld. 

rttschen,  sw,^  s.  rfischen. 

ROschke,/.,  Schnupftabaksdose,  eigent- 
lich:   Tabakshom.     Kr.    Neustadt.     S. 

Kurb. 

Roseiy  m,^  Gemisch  yon  Zucker,  rotem 
Sandelholz  und  Zimt,  womit  der  Milch- 
reis bestreut  wird.  Schemionek,  32. 
Milchbrei  mit  Rosei.  Ofm  andren  Ena 
(der  Tafel  stand)  ganz  dick  atisgequoll- 
ner  Reis  möt  reener  Molch  gekocht  on 
dick  mot  Rosei  bestreet.     Schalt).  3,  9. 

roieln,  raiein,  sw.^  rasen,  toben,  wild 
leben.  In  der  Jugend  mufz  man  au8- 
roiein,  austoben.  Heisa^  Mutter^  räsel 
nick!  Zuruf  an  Stolpernde.  Dönh. 
Sprw.  I,  3163. 

Rosemöck,  Rosemöck,  Rosumöck,  Rasu- 

möck,  m.  1.  fingierter  Spuk.  Den  Rose- 
mock  jagen^  beliebter  Sylvesterscherz. 
Einen  unerfahrenen  Burschen  stellt  man 
am  Sylyesterabende  mit  einem  grofzen 
Sack  unter  die  Treppe  oder  an  die 
Leiter,  die  zur  Lucht  (Boden)  führt 
und  weist  ihn  an,  den  Sack  aufzuhal- 
ten und  gut  aufzupassen,  damit  er  den 


Roaemock^  der  da  oben  sich  versteckt 
habe  und  mit  Knütteln  heruntergejagt 
werden  solle,  gewifz  fange.  Die  an- 
dern gehen  nun  in  das  Haus,  auf  den 
Boden,  und  machen  einen  Lärm,  als 
ob  sie  wirklich  jemand  jagten  und 
immer  weiter  vorwärts  trieben.  Wäh- 
rend der  Sackhalter  draui'zen  oder 
unten  sorgsam  auf  die  Ankunft  des 
Rosemock  wartet  und  sich  alle  Mühe 
giebt,  den  Sack  so  zu  halten  und  zu 
wenden,  dalz  der  Rosemock  ihm  ja 
nicht  vorbeischlüpfe^  wird  ihm  selbst 
von  oben  her  ein  Topf  oder  gar  ein 
Eimer  Wasser  über  den  Kopf  gegossen. 
Samland.  Litauen.  Volkskal.^  30. 
Lit.  heil'zt  dieser  Spuk  razumükas^  wohl 
Dem.  zu  razümaSy  poln.  rozum^  russ. 
räzum  Verstand,  Witz,  poln.  razumek 
(verächtlich)  vermeinter  Verstand,  A  ber- 
witz;  aber  poln.  rosomaka^  russ.  rasa- 
machaj  rosamak  der  Vielfrafz,  ürstis 
gulo.  Nsslm.,  Forsch.  3;  Th.,  150. 
2.  unruhiger,  unstäter  Mensch,  auch 
ein  in  Kleidern  zurückgekommener 
Mensch.  Dat  ös  e  rechter  Rosemock, 
Er  sieht  aus  wie  ein  Rosemock^  auch: 
wie  ein  Rosemock  popolski.  3.  der  Viel- 
£ralz,  ürsus  gulo, 

rosemöcken,  sw.^  zappeln,  trampeln, 
mit  Händen  und  Fülzen  lebhaft  arbei- 
ten;   übermütig    munter    herunu'asen. 

Auch  rosmöcken,  rusmöcken.    Vgl.  das 

vorige. 

rosensteSyac?;.,  Superlativ  von  ro8^  (ro- 
sig), Schmeichelwort.  Rosenstes  Mutsch- 
chen^  rosigstes  Mütterchen.    S.  liebstes. 

Rosenwinkel,  m.,  Raum  in  dem  Saale 
des  Kneiphöfischen  Junkerhofes,  der 
den  Kaufleuten  als  Vereinigungspunkt 
diente;  ihn  schmückte  das  Wappen  der 
Kaufmannschaft:  eine  weilze  Rose  mit 
kleiner  vergoldeter  Knospe.  Die  Zünfte, 
10. 


234 


Roserock  —  Rozmok. 


Rotarock,  m.,  GetGmmel,  Lärm, 
Verwirrung,  Aufruhr.  Von  dem  gleich- 
bedeutenden poln.  rozruch. 

ROfinenkringel,  m,,  Kringel,  in  den 
Kaminen  eingebacken  sind;  beliebtes  6e- 
b&ck  in  Königsberg. 

Roimöck,  m.,  s.  Rozmöck. 
rosmöcken,  »w.,  s.  roiemöcken. 

Roit,  m.f  Flufz  im  Kopf  <^  Kotz.  S. 
Frinch  II,  129b.  iJck  roock  noch  nich 
den  lirtutde^  dut  maackt,  eck  hadd  den 
tichnojfp,  myn  Kojyp  wafz  voller  Rost, 
(krm.  nui)t.  V,  190  b. 

Rillt,  /.,  H.  RUit 

roiteln,  buk  1.  sich  rühren,  sich  zu 
bew(*gen  anfangen.  Jlei  röateld  8Öck 
(im  Dotto),  er  rührte  sich,  machte  Miene 
auf/<uHtohen.  2.  nich  rüsten,  fertig  ma- 
chnn. 

Ritfter,  RUfter,  /.,  Ulme,  Ulmus  cam- 
jmtrü  Ln    Ilngen,  291. 

Ritfter,  n.,  H.  Retter. 
Roiumdck,  m.,  s.  Roiemöck. 

Rttfzchen,  n.,  Dem.  von  Kol'z,  Libelle. 
Mühling,  Tiorn  ,  17(). 

Rofzdienit  m.,  der  von  den  reichen 
adligtH)  (iutsbesitxern  dem  Orden  zu 
IfiHtondo  l>ion8t.  Der  zu  stellende 
Heiter  mulkto  iu  voller  Eisonrüstimg 
auf  einem  starken,  mit  Panzerdecke 
versehenen  Streithengst  erscheinen. 
Gebauer»  Kde.,  tH>. 

Rubra,  fs  s,  RAte. 

RoftgtrtMK  UN.  L  eingehegter  Weide- 
plat«,  nicht  ausschliefzlich  för  IMerde« 
3.  Stadtteil  in  Konigsl>erg«  der  Ursprünge 
lieh  Kolkgarten  gewesen,  SimlicK,  ^cie 
1«  imf  iifm  KiUZfjartifn  l^rtxHHte.  Si^ph. 
K,  IIL  UH. 

mMMilt«  /\s  Grubt\  Pttlue.  in  wel- 
cher d«r  Flachs  gehütet  \rird.  Ober- 
bmd«    llennig.  :!14, 

IMMl|t,    pltd.    RitlS,    «..    Fisika. 


Roddog,  Roddow,  Roifeder,  RotflosMr,  fit 

rttdakis,  rudawa^  ruduszis^  kor.  rudauk, 
mduschy  nidaney^  mas.  sdrena^  czencone 
oko^  kass.  radowka.  Benecke,  134^ 
Bujack,  394.  Mühling,  Tiera^ 
176. 

Röte,  /,  s.  Rete. 

Rotenkurz,  m.,  s.  Kasper  2. 

Rotfeder,  /,  Fischn.,  s.  Rotauge. 

Rotflosser,  m.,  s.  Rotauge. 

Rotflofz,  Rotflofzgiester,  m.,  s.  Gieb. 

Rotgerber,  m.,  Maikäfer  in  gewöhn- 
licher brauner  Farbe.  Vgl.  Müller 
und  Schuster.  Mühling,  Tiem^ 
176. 

RotkSpfchen,  n.,  Pflzn.,  s.  Pimker. 

RotstOr,  m.  1.  Pflzn.,  stumpiblättri- 
ger  Ampfer,  Rumea  obtusifoUus  L. 
Fried land  Ostpr.  2.  Rauchtabak  aus 
Pflanzenblättern,  worunter  die  von  Erd- 
beere und  Kirsche.     Samland. 

Rott,  m.,  von  rotten  faulen,  Fäulnis. 
...  sie  zeigen  nicht  an^  wie  der  Glantz 
im  faulen^  mürben  und  in  Rott  ze/r- 
fallenden  Holtz  entstehen  könne.  Line- 
mann, Z  4b. 

Rottanne,  /.,  s.  Tanne. 

rtftten,  Str.,  8.  r§ten. 

Rottscher,  m.,  Stockfisch.  Bock, 
Nat.  I,  f>93.  Mühling,  Tiem.,  176. 
Bei  Simon  Grünau  Tract.  I,  cap.  III, 
im  Plural:  rottscheren, 

Rotzbartei,  m ,  Schimpfwort  auf  einen 
Menschen  mit  rotziger,  unsauberer  Nase. 
Ebenso:  Rotzlöfel  (Stein,  Peregrinus 
XII,  82.  W.  Mtsbl.  V,  191),  Rotz- 
mauly  Rot::nase^  SchnodderbarteL 

Rotzberger,  m.,  s.  Dreckhäuser. 

rBtze«  adj.^  etliche.  De  Lowd  Ofi 
Kesting  h»te  rotze  P6a  Uundat,  Erm- 
ländische  Freisoh.    Manuscripi. 

RoZHMk«  Rosnock«  m.«  eingelegter 
Brassen.  Ditt  im  dem  pdmscken  Di- 
strikt mm  gro/zf  &vn  «vAjwikie  Lamd- 


nibbeln  —  rucksen. 


235 


leute  legen  die  Bressen  in  Essig  und 
Gewürz  und  nennen  diese  wohkchmeckende 
Speise  Rozmock.  Bock  Nat,  lY,  678. 
Nach  Bujack,  393,  ist  Rozmok  ein  in 
Bier  gekochter  Bressem.  Poln.  roz- 
Tnoczyc  aufweichen,  durchweichen.  Bock, 
53.     Hennig,  214. 

nibbeln,  sw.y  Frequentativ  von  reiben: 
reiben,  scheuem,  namentlich  Unebenes; 
ebenen,  glätten,  glatt  machen.  Nach 
Mühling  auch  hin-  und  herrntschen. 
abnibbeln,  abreiben,  mit  Anwendung 
von  Kraft  mittelst  eines  Lappens,  einer 
groben  Bürste,  eines  groben  Hobels. 
Dreck  abrubbeln.  Lofz  dich  ehrscht  deeg 
abrubbeln.  Schaltj.  3,  5.  Die  Kar- 
toffeln  abrubbeln^  sie  vor  dem  Kochen 
in  einem  Kübel  mit  Wasser  mit  strup- 
pigem Besen  durch  einander  rühren 
und  so  von  der  auf  der  Schale  sitzen- 
den Erde  reinigen.  tKn  Brett  ab^ 
nibbeln^  es  obenhin  glatt  hobeln.  Über- 
tragen: zausen,  prügeln.  Sprw.  I, 
1498.     Sperber,  5. 

nibbllg,  adj,^  uneben,  rauh.  Das  Reib- 
eisen ist  rubblig  —  ein  pockennarbiges 
Gesicht.  Holl.  robbelig,  in  Bremen 
und  in  Pommern  rubberig.  Brem.  Wb. 
m,  537.    Dähn.  387  b. 

RUbchen,  n..  Dem.  von  Rübe,  Rvb- 
chen  schaben^  Neckerei  der  Kinder,  wo- 
bei sie  mit  dem  Zeigefinger  der  rechten 
Hand  den  Zeigefinger  der  linken  scha- 
ben^ sprechend:  Schäm'  aus^  schäm' 
ans!  Im  Holstein.  Rövken  schrapen^  in 
Bremen  auch  ütslipen  (ausschleifen, 
auswetzen)  aushöhnen:  SVp  üt,  sltp  üt! 
Schütze  HI,  310.  Brem.  Wb.  IV, 
833. 

RUbe,  /.,  Ptmenheimer^  s.  Passen- 
heim. 

RUbenhahnenfufz^m.,  knolliger  Hahnen- 
foTz,  Ranunculus  bulbosus  L.  Hagen, 
583. 


'ruber,  adv.^  herüber,  hinüber. 

RUbs,  RUbsamen,  m.,  s.  RTps. 

RUck,  m,  s.  Rücken. 

Rucken,  m,^  Ruck,  kurzer,  kräftiger 
Stofz,  meist  mit  Geräusch  verbunden. 
Plötzlich  ertönte  durch  die  stille  Luft 
des  Abends  ein  Krach^  wie  wenn  in 
weiter  Feme  eine  Karume  abgeschossen 
würde.  Mein  Wirth  sagte,  es  gebe  an 
Sonvmerabenden^  wenn  See  und  Haff 
ganz  ruhig^  oft  einen  solchen  Rucken. 
Ich  glaube^  er  rührte  von  einer  Schaar 
ziehender  Vogel  her^  welche  bei  plötz- 
licher Schwenkung  diesen  seltsamen  Laut 
erzeugen.    Passarge,  Balt.,  177. 

Rücken,  m.  Einem  den  Rücken  mes-- 
sen  —  waschen,  ihn  durchprügeln.  Mit 
dem  Rücken  herhalten  müssen^  Prügel 
bekommen. 

Rücken,  Rüggen,  pltd.  Rück,  Rigg,  m. 
1.  Ackerbeet,  Beet.  2.  Zaunstecken 
und  dann  gewöhnlich  Rüggen^  Riggen^ 
Röcke(n).  He  (der  Schulmeister)  leep 
bet  an  e  Röcke^  Da  bleef  liei  stocke. 
Volksr.,  112,  464.  Ein  ans  solchen 
Stecken  zusammengesetzter  Zaun  heifzt 

RUckenzaun. 

RUckgarben,  Ortsn.,  Dorf  bei  Schippen- 
beil. Hei  heft  et  önnerlich  wt  de  Roch- 
garwsche  Kinder.     Sprw.  I,  1806. 

RUckgesäfz,  n.,  Rücksitz,  Hintersitz 
im  mehrsitzigen  Wagen.  Setz  dich  aufs 
Rückgesäfz.  Auch  Hinterges&fz;  beides 
im  Gegensatz  zu  Vordergesäfz,  Vorder- 
sitz. 

Rucks,  m.,  Stofz,  heftige,  kurze  Er- 
schütterung durch  Stofz.  Dat  gew  e 
göde  Rucks^  das  gab  einen  guten  Stofz. 
Hei  heft  e  Rucks  weg,  er  hat  Schaden 
genommen,  leidet  an  Gesundheit  oder 
Vermögen.  Nach  Treichel  hat  man 
für  einen  verstärkten  Rucks  Runks.  Vgl. 
Drucks. 

rucksen,   sw.,   Frequent.  von  rucken^ 


236 


Rückstau  —  rulleiu 


ruckweise  etwas  Schweres  stofzen, 
schieben,  ziehen,  reifzen,  fortbewegen. 
Einen  ztisammenrtickseny  ihn  gehörig 
durchschütteln,  indem  man  ihn  beim 
Kragen  fafzt.  Bildlich:  einen  tüchtig 
zusammennehmen,  vermahnen.  Ma- 
rold. 

RUckstau,  m.,  das  Haff-  und  Flufz- 
wasser,  welches  durch  starken  Wind 
stromaufwärts  getrieben,  angestaut  wird. 
Der  Rüchtau  aus  dem  Haff  erzeugt  bei 
anhaltendem  Seewinde  den  tief  in's  Land 
dringenden  fliegenden  Strom.  Werder. 
Passarge,  205. 

RUckstrang,  m.  Einem  den  Rück- 
Strang  messen^  ihn  durchprügebi .  M  ü  h  - 
ling. 

Ruckum,  9n.,  schlechteste  Getreide- 
sorte, letzter  Abfall  des  geharften  Ge- 
treides.    Samland. 

ruckweise,  adv.^  in  einzelnen  Rucken 
oder  Stolzen,  Absätzen.  S.  Sprw.  II, 
2218. 

rfldeln,  sw.y  Bewegliches  hin  und  her 
rollen,  wälzen,  schieben,  dal'z  es  Ge- 
räusch giebt;  besonders  einen  wackligen 
Tisch  oder  Stuhl,  so  dal'z  es  knarrt. 
Auch  nippeln.    Marold. 

Rudnick,  Ortsn.,  Dorf  bei  Graudenz. 
Gä    na    Rvdnicky    Kose    opschwänze. 

Sprw.  I,  1150.    Vgl.  Rominten. 

Rufen,  n.,  Glockengeläute,  durch  wel- 
ches die  Leichen  ertrunkener  Fischer, 
die  das  Meer  behalten,  ans  Land  ge- 
rufen werden  sollen.  Nach  der  Volks- 
meinnng  wirft  das  Meer  nach  diesem 
Geläute  die  Leichen  aus.  Samland: 
Rauschen. 

ruffen,  no.  1.  raufen.  2.  heftig  krat- 
zen. Er  ruft  sichy  ein  Zeichen,  dafz 
er  Läuse  hat. 

rflgen,  sw.y  sichy  sich  ruhen,  aus- 
ruhen. 


rügen,  ruggen,  str.,   mit  Ruck  heben. 

Dönh. 

RUggen,  m.,  s.  RUcken. 

rllhr,  adv,  s.  rUr. 

Rühren,  n.,  das  Pflügen  des  Acker- 
landes in  die  Quere.  Bock,  Nat.  HI, 
681. 

RUhrlinie,  /,  Berührungslinie,  Tan- 
gente. Ziehet  femer  im  Sinne  ein  Ruhr- 
linien oder  Tangant^  so  da  der  Sannen 
und  der  Erden  Corpere  berühre^  welche 
so  weit  lauffcj  bifz  solche  Rükrlinienj 
diejenige  Linie,  so  da  durch  die  Mittel- 
punkte der  Sonnen  und  der  Erden  gehetj 
durchschneidet.    Linem.,  Ss  2a. 

Ruhr  mich  nicht  an,  n.,  s.  Rehehir- 
schen. 

RUhrn&rsch,  pltd.  Rohmarschy  m., 
einer,  der  viel  mit  dem  A.  rührt,  un- 
ruhig sitzt,  auf  einer  Stelle  nicht  lange 
Ruhe  hat. 

rUhrsam,  adj.^  beweglich;  von  alten 
Leuten,  die  noch  regsam  und  rührig 
sind.    Ygl.  berUhrsam. 

rUhrzageln,  pltd.  rerzägeln^  sw.^  mit 
dem  Zagel  (Schweife)  rühren,  wedeln 
vor  Lebenslust  und  Mut,  oder  auch  vor 
Bangigkeit  und  Furcht;  in  letzterem 
Sinne  übertragen  auf  den  Menschen: 
demütig  thun,  kleinlaut  werden.  Denn 
solle  mtne  Kegkes  rerzägeln!  sagte  der 
Bauer,  als  er  den  Hafer  nicht  teuer  genug 
verkaufen  konnte  und  daher  beschlol'z, 
seine  Kühe  damit  zu  füttern.  Tiegen- 
ho£  Sprw.  II,  2226.  Ek  tofll  em  dar- 
to  bringen  (dal'z  er  gute  Worte  giebt), 
oder  he  sail  reehrzageln.  Dorr,  1. 
Wiew.,  54. 

rujenieren,  sw.^  ruinieren.  Die  Kleid&r 
rujenieren. 

RQIchen,  pltd.  RQIke,  Dem.  von  Ru- 
dolf. 

rllllen,   sw.    So   wird  das   Thierchen 


Rulz  —  Runge. 


237 


macky    das    sonsten   rüUt   und   brüllet, 
Carm.  nupt  I,  264.     Vgl.  mak. 

RUIz,  m,  roher,  uDgesitteter  Mensch, 
gleichbedeutend  mit  dem  allgemeiner 
üblichen  Rülps,  Bei  Stein  Rültz  als 
Schimpf-  und  Ekelname.  Peregrinus 
XII,  82.  W.  Mtsbl.  V,  191.  Wir 
haben  auch  solche  ungeschliffene  Rül- 
tzen  in  diesem  grofzen  Marjenburgischen 
Werder^  die  der  Teufel  also  eingenommen^ 
dafz  sie  ungescheut  sagen  dürfen:  Wer 
einmal  todt  ist,  der  wird  wohl  todt  blei- 
ben etc.    Hartwich,  529. 

'nim,  adv,j  herum.  ^ruTnaasen^  -bochr 
ten,  -dammelny '  dosein j  -flankieren^  -flit- 
zen,  -jacheln^  -jachem^  -karjolen^  krcmr- 
geln,  -zoneln.    S.  remmer. 

'rumalken,  pltd.  romalken,  sw.,  lär- 
mend umher,  tollen;  von  Kindern.  El- 
binger  Ndrg.     Vgl.  alken. 

Rummel,  m,  1.  Gesamtheit  von 
Gutem  und  Schlechtem^  namentlich  aber 
altes  Gerät,  Warenreste,  bunt  durch 
einander,  als  Ganzes.  Den  ganzen 
Rummel  nehmen.  Was  kostet  der  Rum- 
melf AuchRumpel,  m.^  Hennig,  214: 
Rummelei,  /.  Gleichbedeutend  mit  Ramp^ 
Rump  etc.  s.  rampen.  2.  Verständnis, 
Geschick  zur  Wahrnehmung  des  eige- 
nen Vorteils.  Er  hat  den  Rurrvmel 
'raus  —  versteht  den  Rummel.  Nach 
WeigandH,  502,  die  Zahl  der  gleich- 
farbigen Karten  im  Pikett- Spiel.  3. 
dumpfer  Ton.  4.  Verkaufsmaf'z  für 
Gartensaat,  etwas  mehr  als  eine  Prise, 
d.  h.  soviel,  als  man  zwischen  zwei 
Finger  fassen  kann.     Treichel. 

Rummelei,  /.,  s.  das  vor. 

rummer,  adv,,  s.  remmer. 

Rump,  m,  1.  Rumpf.  Gänserump^ 
Schiffsrump,  Kleiderrump^  zusammen- 
gehcfiietes  Kleid,  dem  noch  die  Ärmel 
fehlen.  Hennig,  215.  2.  im  Erm- 
lande  auch  Rumpf  Bienenstock,  zunächst 


der  aus  einem  Klotze  gefertigte.  Ln 
Ermlande  mufzte  1526  vom  Rumpfe 
5  Grosch.  Abgabe  an  Polen  gezahlt 
werden.  Mühling.  3.  s.  v.  a.  Ramp^ 
8.  rampen, 

RUmp,  m,,  s.  rampen. 

Rumpel,9n.   1.  Erhöhung,  Hügel,  Erd- 

klofz.    Mühling.    Vgl.  Humpel,  Kum- 
pel.   2.  s.  V.  a.  Rummel, 
rumpelig,    gewöhnlich  rumplig,   adj.^ 

uneben,  höckerig,  holpericht.  Der  Weg 
ist  rumpelig.  Bock,  53.  Hennig, 
214. 

Rumpelkammer,  /.,  Kammer,  Raum, 
Gelai'z  für  allerlei  Gerumpel. 

Rumpelkasten,  m.  1.  Kasten,  Lade 
für  allerlei  altes  Gerät.  2.  Kasten- 
artiges .überhaupt.  Auf  den  alten  Rum- 
pelkasten (eine  Laute  ist  gemeint)  dürfte 
er  sich  auch  nichts  einbilden,  Soph  K.  I, 
255.  Ein  altes  Klavier  heifzt  ebenfalls 
Rumpelkasten;  ebenso  auch  eine  alte, 
unförmliche  Kutsche.     Bernd,  239. 

rumpeln,  pltd.  rempeln,  sw,^  rollend 
poltern;  stofzend  erschüttern.  Der  Wa- 
gen rumpelt  auf  unebenem  Wege,  auf 
schlechtem  Pflaster. 

rumpen,  rUmpen,  sw.,  s.  rampen. 

Rumpf,  RUmpf,  m.y  rümpfen,  rllmpfen, 
SU7.,  8.  rampen. 

rumplig,  adj.,  s.  rumpelig. 

Rumpschlump,  m.y  eine  Menge  von 
Dingen  ohne  Auswahl,  alles  durch  ein- 
ander. Li  gleichem  Sinne  wie  Rump 
und  Rummel.    Mühling. 

rumtreiben,  st^  s.  umtreiben. 
Rumirift,  m.^  s.  Umtreiber. 

Rundsei,  n.,  Rundteil,  Rondel,  kreis- 
förmige Figur.     Mühling. 

rQnen,  sw.^  raunen,  flüstern.  Serune 
sock  an  de  Ore.  Ahd.  rünen^  mhd. 
rünen. 

Runge,  /.,  aufrechter  Stab  in  dem 
Ende  der  Krängel  eines  Arbeitswagens 


238 


rungenfaul  —  ruschebüschig. 


ZOT  Stütze  der  Leitern  oder  Seiten- 
bretter des  Wagens;  mhd.  runge^  ahd. 
runga^  von  dem  goth.  hrugga  Stab. 
Schade,  426b.  Pierson  (Altpr.  M. 
Vm,  367)  weist  auf  lett  runga  Fuder- 
stütze, Knüppel  hin.  Sonst  krig  eck 
bohl  de  Rung  onn  schlag  dy  an  de  Ohre, 
Carm.  nupt  V,  190  c.  Da  die  Runge 
sich  leicht  aus  dem  Krängel  ziehen  läfzt 
und  handlich  ist,  so  dient  sie  häufig 
als  Prugelinstrument.  S.  Sprw.  I,  129. 
Vgl.  Us. 

rungenfaul,  adj,^  faul  wie  eine  Runge, 
die  sich  allein  von  allen  Teilen  des 
Arbeitswagens  nicht  bewegt,  sehr  faul, 
sehr  träge.     Hennig,  334. 

Runkel,  Pflzn.,  Bete,  Beta  mdgaris  L. 
Gericht:  Gehackter  Kohl  mit  Runkeln. 
Saalfeld.  Im  Weichseldelta,  T  re i  c h el , 
Volksth.  III,  auch  TroUius  europaeus  L 

Ygl.  Bete  und  Zwickel. 

Runks,  m.,  s.  Rucks. 

Runkunkely  /,  altes,  uiürrisches  Weib. 
Mühling.  Ebenso  in  Posen  und  in 
Hessen.     Bernd,  240.    Vilmar,  333. 

'runter,  adt?.,  herunter,  hinunter. 

ruppeln,  sw.^  s.  rOdeln. 

TÜppeUjSw.^sichy  sich  fördern,  eine  Sache 
rasch  beenden.  Mühling.  In  Bremen 
rapen  raflfen,  reppen  bewegen,  hurtig 
bewegen,  rühren,  rap  schnell,  hurtig, 
geschwind.  Brem.  Wb.  HI,  434. 
435. 

ruppig,  adj.  u.  adv.  1.  zerrupft,  lum- 
pig; armselig  in  weiterer  Bedeutung. 
Das  ist  ein  ruppiger  Kerl^  ein  Kerl,  der 
in  schlechten  Kleidern  und  unsauber 
erscheint.  2.  geizig,  filzig,  unanstän- 
dig. Er  nahm  sich  recht  ruppig.  3. 
uneben,  rissig,  rauh.  Er  hat  ein  rup- 
piges Gesicht.  In  Bremen  ruppen  rup- 
fen. Brem.  Wb.  HI,  560.  Hennig, 
215. 


Ruppsack,  m.,  ruppiger,  unanständiger, 
filziger  Mensch.     Sperber,  27. 
Rups,  m.y    rascher  Griff.     Mühling. 

Vgl.  rilppen. 

rUr,  rilhr,  pltd.  rVr,  rftr,  adv.^  dicht, 
nahe,  zum  Berühren  nahe.  DcU  es 
rör  dran^  es  ist  dicht  daran.  Ein 
Nachbar  wohnet  rühr  an  dem  andern, 
Lepner,  73.  Ebenso  auch  in  Bremen. 
Brem.  Wb.  HL  527. 

rllrkftlen,  sw.^  unruhig  sitzen,  sich  auf 
einem  Sitze  viel  rühren.     Westpr. 

rusch,  cuij.  u.  adv.  1.  rasch,  schndl, 
eilig;  zeitig,  früh.  Öck  wer  rusch  e 
Wtw  geworde.  Sprw.  I,  4158.  Öch  sei 
so  ruscher  da^  ich  bin  so  schneller, 
früher  da.  Heilsberg.  Im  Brem.  Wb. 
HI,  560:  Ruus  eine  Weile,  Zwischen- 
zeit. Bock,  53.  Hennig,  215.  2.  ver- 
derbt für  russisch.    E  ruscher  Schlitten. 

RUsch,  /.,  Halskrause  von  Tüll,  Mull, 
Band,  als  Garnitur  des  Fraüenkleides. 

ruschbusch,  ruschebusche,  €tdv.  auch 
Subst.  1 .  zur  Bezeichnung  einer  hastig, 
eilig,  überschnell  ausgeführten  Hand- 
lung. -Es  ging  ruschbusch  rasch  (rusch), 
über  Hals  und  Kopf,  wurde  in  Bansch 
und  Bogen  abgemacht;  daher  auch: 
etwas  in  Rusch  und  Busch  nehmen,  in 
Bausch  und  Bogen  abmachen.  Sprw. 
1,  3174.  Hennig,  215.  2.  unordent- 
licher, verwilderter  Mensch.  Er  ist  ein 
rechtem*  Ruschehusch.     Vgl.  RuschewilL 

Ruichebuiche,/.,  Unordnung,  Unruhe; 
mit  dem  vor.  identisch.  In  Bremen 
Rusebuse  grol'ze  Unordnung,  die  von 
einer  Menge  Sachen  verursacht  wird. 
Brem.  Wb.  HI,  562.  Vgl.  Rufobe- 
muiche. 

rOichebOichig,  adj.^  windig,  stürmisch: 
nUchebuschiget  Wedde7\  Elbinger  Ndrg. 
Vielleicht  aus:  ruschen^  rauschen,  und 
Busch. 


ruschelig  —  Rutsch. 


289 


ruichelig,  ruichlig,  adj.^  unordeDtlieh, 
wirr  in  den  Haaren.  Er  hat  einen 
ruifchligen  Kopf. 

Ruichelkopf,  97» ,  Kopf  mit  verr  aschelten , 
wirren  Haaren. 

ruicheln,  sw.^  rascheln,  raaschen,  sich 
rühren.  SchiUche  Patrusche,  wat  ru- 
ichelt  öm  Stroh  etc.  Volksr ,  7,  30. 
Heut  abends  wirdCs  unter  dem  Kopf- 
kissen  immer  mit  der  Frage  rascheln: 
isf 8  auch  recht?  Soph.  R.  IV,  91.  Ein 
seidenes  Kleid  ruscheltj  rauscht  ruicheln 
und  puächeln.  Vgl.  pu^cheln  5.  In 
Bremen  rusken^  ruusken  rauschen. 
Brem.  Wb.  III,  563.  Davon:  aufni- 
icheln.  Die  Haare  aufruicheln^  auch 
vemifeheln,  in  Unordnung  bringen,  auf- 
rauhen. 

Ruichelpuichel,  n.  Ich  begegnet  einem 
schwarzen  Geschelein^  Das  bot  mir  Ru- 
ichelpuschel  an  etc,  Tierräts.  103.  S. 
puicheln. 

Ruichemuiche,  /.,  Unruhe.  Von  dem 
poln.  rozmqcic  aufrühren.  Schmitt, 
108;  Westpr.  167.    Vgl.  Ruichebuiche. 

Ruichewill,  m.  u.  /.,  $.  Ruichwill. 

ruschkens,  adv,^  sehr.  De  Lewark 
singt  zeddergister  so  ruschkens  schmeck 
üstbowen  en  de  Loft,  die  Lerche  singt 
seit  gestern  so  sehr  schön  dort  oben 
in  der  Luft.  Dzg.  Nhrg.  Violöt,  98. 
Im  Werder:  rusken.  Akzies  gaf  öck 
von  miner  Waa7%  So  rusken  wennig  det 
ganze  Jahr.  Testament  vom  rieke  Buure. 
N.  Pr.  Prov.-Bl.  II,  346. 

ruichlig,  adj.y  s.  ruichelig. 

Ruichwill,  Ruichewill,  m.  u.  /,  unru- 
higer, flatterhafter,  verwilderter  Mensch. 
Es  ist  ein  rechter  Rv^chtoill.  Sie  ist 
eine  rechte  Rwichioill.  Man  hört  auch 
Raschewill.  Es  ist  also  rusch  rasch  auch 
hier  für  die  Bedeutung  herbeizuziehen. 
Zusammensetzung  aus  rasch  und  urildf 

Vgl.  nitehbuich. 


Rftse,  /.,  Grube  zur  Aufbewahrung 
von  Gemüse,  Kartoffeln  etc.  während 
des  Winters.  Sie  wird  mit  einem 
Hügel  überschüttet.  Lit.  rusis  und 
rusis. 

rQsen,  sw.  1.  eine  Ruse  graben.  2. 
Gemüse,  Kartoffeln  etc.  in  eine  Ruse 
zurUberwinterungeinschliefzen :  letzteres 

auch  verrQsen. 

rflsig,  oc^'.,  grausig,  ungestüm;  vom 
Wetter.  Wohl  nur  Abzweigung  von 
grusig  grausig. 

rusken,  adv.,  s.  ruschkens. 

rusmöcken,  sw.^  s.  rosemöcken. 

Russen,  plur.,  weil'ze  Schaben.  M  üh - 
ling. 

Russenrad,  n.,  Rad  eines  russischen 
Wagens,  dessen  Felgen  aus  einem 
Stücke  bestehen.  Elbing.  Sprw.  I, 
653. 

RUst,  RSst,  /.,  Ruhe,  Rast.  De  Uwe 
Sonne  geit  toW  Rüst,  sie  geht  zur  Ruhe, 
geht  unter.  Besacht.,  besacht!  sprok  et 
Schntdake  (zum  Bären),  öck  kann  dt 
noch  to  Rost  bringe.  Rastenburg.  Fir- 
menich I,  109b.  Goth.  und  ahd. 
rastay  mhd.  raste^  altnord.  rost^  alts. 
resta,  holl.  rust,  in  Bremen  Rust  Brem. 
Wb.  III,  560.  Jeroschin  hat  sundir 
rastin  ohne  Aufenthalt. 

RUster,  /.,  s.  Rttster. 

'rOt,  adv.^  heraus,  hinaus. 

Rute,  /.,  Querholz  über  dem  Wasser- 
spiegel zur  Verbindung  des  Lachswehrs. 
Die  Ruten  heil'zen  auch  Scheren,  lit. 
kikstis.  Benecke,  381.  Vgl.  Winter- 
fischerei. 

Rutsch,  /.,  Reise,  Fahrt,  Sturz;  von 
rutschen.  Glückliche  Rutsch! eis  Wunsch 
beim  Abschiede.  Glöckliche  Rutsch^ 
e  Pdr  Pareske  op  e  Weg!  Glöckliche 
Rutsch  ön  e  erschte  Grawe,  möt  dem 
Kopp  unde,  möt  de  Föt  bäwe.  Scherz- 
hafie  Glückwünsche  auf  die  Reise.    V  gl. 


240 


Ratsche  —  8. 


Sprw.  I,  3178£     Jeroschin:   8U8   — 

was  er  genesen  von  dem  moeren  geveüe 

der  rutschin  in  dt  helle  163b.    Pfeiffer, 

213. 

Rutsche,  RIHsche,  /.,  FoTzbank.     Yon 

rutschen.     Und  haben  die  jetzige  Jans- 

sen,    die  damals  drei  Jahr  alt  gewesen 

sein  mag,  auf  einem  Rutschchen  zu  den 

Füfzen  sitzen  gesehen.   SopL  R.  III,  107. 

Ra  ri  Rutsch,  vnr  fahren  in  der  Kutsch! 

Einderreim.     In    Sachsen   Rutsche,   in 

der  Niederlaos.    Rutsche.     Anton,  3, 

11. 
Rutsche,  /.,  Pflzn.,  geknäuelte  Binse, 

Juncus   conglomeratus  L,   auch  Sende, 

Knopfbinse,  Dochtbinse.    Hagen,  373. 

rutschen,  sw.,  gleiten,  gleitend  sich 
fortbewegen;  auch  auf  denKnieen  und 
dem  Hintern.  Bildlich  von  der  un- 
schmackhaften,  unbeliebten  Speise:  die 
Erbsen  wollen  nicht  rutschen. 

Rutscher,  m.,  Tanz.  Komm,  mr  wol- 
len ^nen  Rutscher  machen.    Treichel. 

Rutschholz,  n.,  Teil  des  Wagens^das 
unter  dem  Langbaum  rutschende,  die 
Deichselarme  verbindende  Holz,  auch 
der  SchwenIcspOn. 

Rutschpartie,  /,  Partie  im  Rutschen: 
Fahrt  einen  Abhang  abwärts,  auch 
Fall.  Wir  haben  eben  eine  Rutschpartie 
gemacht,  sind  hingefallen.  Vgl.  Sper- 
ber, 27. 


Ruttich,  m.,  Pflzn.,  gemeiner  Knöte- 
rich, Polyganum  persicaria  L.  Hagen, 
426. 

rUw  (ü  lang),  llW,  r«,  ado.  1.  soi^- 
los,  unbekümmert,  verschwenderisch, 
üppig.  Er  lebt  rüw  in  den  Tag  hinein. 
Er  lebt  aUzu  rüw,  er  läfzt  viel  draof- 
gehen.  On  wiel  §k  riew  weer  m§t  dem, 
wat  §k  hadd  etc.  Dorr,  1.  Wiew.  76. 
Wt  lewe  rtw  on  nich  e  Jahrke  so  lang. 
Obberland.  Engl,  rife,  holl.  ryf,  ryve 
überflüssig,  in  welcher  Bedeutung  rive 
auch  in  Bremen   auftritt.     Brem.  Wb. 

III,  508.  Im  Holstein,  rieve  freigebig, 
milde,  verschwenderisch.  Schütze  HI, 
295.  Hennig,  216.  2.  adj.,  rüde, 
roh,  grob  Dat  os  en  rtwer  Kerl,  ein 
Grobian.     Pillkallen. 

Ruzen,  (u  kurz),  m.,  Fischerhamen. 
. . .  nicht  zu  gedenken,  da/z  dieser  nähr- 
reiche  Ort  (Memel)  allerhand  Fische 
hervorgiebt^  die  von  den  hiesigen  Fischern 
mit  Netzen,  Angeln,  Ruzzen,  Wadden, 
Wentres  sowohl  in  der  See  als  üurschem 
Haff  gefangen  werden.  G.  Reimer, 
Merkwürdigkeiten  der  Stadt  und  Fe- 
stung Memel,  §  VII.  Hennig,  294. 
Hennig8(S.216)  Ableitung  des  Wortes 
von  dem  hchd.  Reuse  zweifelt  Nsslm. 
an:  Forsch.  3;  Th.,  220.    Vgl.  Erl.  Pr. 

IV,  245. 


s. 


S,  Sauselaut,  ist  im  Plattdeutschen 
anlautend  vor  t  und  p  ■--  seh,  wie  auch 
im  Hochdeutschen :  Stol  (ßchtdl)  Stuhl, 
Spräk  (Schpräk)  Sprache;  ebenso  auch 
vor  k:  Slddw  (Schldaw)  Sklave;  sock 
schklawe  sich  sklaven.  Es  lautet  häufig 
seh  auch  zwischen  r  und  t:  erseht  erst. 


Firscht  Fürst,  Därscht  Durst,  WorschJt 
Wurst,  Forscht  Forst,  Borscht(e)  Borste, 
Garsekt,  Gerscht(e)  Gerste,  Oberscht 
Oberst.  Das  auslautende  s  bleibt  bei 
Substantiven  und  Adjektiven  hinter 
einem  Vokal  geschärft:  Hüs  Haus,  Miis 
Maus,  krtts  kraus,  geht  aber  bei  ande- 


S  —  sabbern. 


241 


reo  Wörtern  in  t  über:  dat  das,  vt 
aus,  et  es,  so  auch  hinter  einem  Konso- 
nanten: Krewt  Krebs.  Hinter  r  wird 
auch  das  auslautende  s  wie  seh  gespro- 
chen: annersch^  andersch  anders,  Bü- 
enchmann  Bauersmann,  Ackerschmann 
Ackeremann;  eigentümlich  ist  die  Bil- 
dung Aijcti  ^^  ^^s  Obst.  Lehmann, 
Volksind.,  32.  —  Häufig  tritt  8  als 
Pluralendung  auf,  hochdeutsch  wie 
plattdeutsch:  Kerls  iC^Vfe,  Kinderchens 
Kinderkes^  Jungens  Junges^  Mädchens 
Makes ^  Margellens  Margelies;  ebenso 
schliel'zt  es  sieh  Infinitiven  an:  et*  schlief 
im  Stehens^  —  a/z  im  liegens^  —  redete 
im  Schlafens.  —  S8,  J'z  bleibt  in  weni- 
gen Worten:  Gass^  Gasse,  gröj'ze  grü- 
fzen,  und  geht  meistens  in  t  über: 
groter  grölzer,  satt  salz,  ete  essen,  moUe 
müssen,  lät  lafz,  schmite  schmeii'zen, 
auch  mit  Dehnung  des  vorangehenden 
Vokals:  Wäter  Wasser,  en  hetke  (auch 
bejzke^  bdj'zke)  ein  bii'zchen.  Lehmann, 
Volksmd.,  33. 

S,  aus  Holz  geschnitzt,  Zeichen  der 
Schulzenwürde.  Ward  es  von  dem 
Schulzen  im  Dorfe  umhergesandt,  so 
erschienen  die  Geladenen  sofort  zur 
Gemeindeversammlung  oder  auch  zum 
Einzeltermin  im  Schulzenamte.  Werder. 
Mühling.     Vgl.  KrIWfile. 

Saat,  /.,  in  Danzig  in  kaufmännischen 
Kreisen  auch  n.  1.  Same,  der  ausge- 
säet  wird;  vorzugsweise  in  Zusammen- 
setzungen: Aussaat^  Sommersaat^  Win- 
tersaat etc.  Bildlich:  Die  Saat  wieder 
haben^  beim  Kartenspiel  den  verlorenen 
Einsatz  zurückgewonnen  haben.  2.  das 
aus  dem  Samen  erwachsene,  auf  dem 
Halm  stehende  Getreide.  Die  Kinder 
sollen  nicht  in  die  Saat  gehen^  sonst 
kommt  die  Koi*nmuttei\  3.  Die  Hand- 
lung des  Säens.  Godet  Wedder  t6r 
Saat. 

Frifchbier,  Wörttrbuob  U. 


Saatfahr,/.,  das  Pflügen,  welches  un- 
mittelbar vor  dem  Säen  stattfindet,  das 
Saatfurchen;  nach  Bock,  Nat.  IH^ 
681:  zur  Saat  pflUgen.  Vgl.  Adelung 
HI,  1234. 

Saatknoblauch,  m.^  Ackerlauch,  Alli- 
um  vineale  L.  Auch  Komzwiebel  und 
Weinlauch.    Hagen,  357. 

Saatkorn,  n.,  -roggen,  m.,  Roggen  zur 
Aussaat. 

Sabarje.  Auf  Sabarje  ringen^  in  der 
Art  ringen,  dal'z  man  sich  gegenseitig 
an  die  Zipfel  der  Rockkragen  falzt 
Westpr.  Von  dem  poln.  za  hinter 
und  iari Schulter.  Schmitt,  Westpr., 
167. 

Sabber,  m.,  Geifer^  namentlich  von 
Kindern  und  Greisen.     Davon: 

sabbern,  »w.  1.  geifern,  den  Speichel 
fliefzen  lassen^  nach  Treichel  auch 
labbern.  2.  viel  und  unnütz  reden:  die 
Worte  flieizen  lassen  wie  den  Speichel. 
In  diesem  Sinne  jedoch  mehr  schabbem 
und  schlabbern.  Im  Bremischen  sabben^ 
sabbeln,  sabbern^  in  Hamb.^  im  Hol- 
steinischen und  in  Pommern  sabbeln^ 
im  Götting.  saweln,  in  Hessen  auch 
seibemy  sebbem.  Brem.  Wb.  IV,  568. 
Richey,221.  Schütze IV,  4.  Dähn. 
395a.  Schamb.  179b.  Vilmar,  335. 
380.  Bock,  54.  Hennig,  216.  S. 
besabbern.  —  In  Zusammensetzungen: 
Sabberbart,?/).,  Sabberfresse,/.,  in  gleichem 

Sinne  wie  Sabbermaul  (s.  d.)  —  Sabber- 
lappen, m.,  s.  V.  a.  Sabberschiabbe, 
Sabbermaul,  pltd.  SabbermQI,  n.  1.  Maul 
voll  Sabber^  das  sabbert.  2.  Benennung 
für  kleine  Kinder  und  alte  Leute,  auch 
für  Personen,  welche  Tabak  kauen. 
3.  Plappermaul,   Schwätzer.     In    allen 

Bedeutungen  auch  Sabberbart,  Sabber- 

mlchel  und  in  der  Verstärkung  Sabber- 

fresse,  pltd.  SabberfrtL  —  Sabberregen, 

m.y   feiner,   sabbernder  Regen,    Staub- 

16 


242 


Sabelkraut  —  Sackbiixon. 


regen.  Mühling.  —  Sabberschlabbe, 
Sabberschlappe,  /.,  gewöhnlich  im  Dem. 
Sabberschlabbchen^  Brostlätzchen  (s. 
Schlabbe)^  das  man  kleinen  Kindern  um- 
bindet, damit  der  Sabber  nicht  das 
Kleid  beschmutze  und  nässe;  auch 
Sabbertuch,  Sabberlappen.  —  Abgeleitet: 
sabbrig,  sabberig,  adj.^  voll  Sabber,  be- 
geifert, geifernd.     Der  sabbrige  Mund. 

Säbelkraut,  n.,  s.  Wassersäge. 

Säbeln,  plur.,  Zobelfell.  Hirsch, 
261. 

Sabul,  in,j  komische  Verdrehung  von 
Säbel.  Und  wenn  gleich  der  Sabul 
bricht. 

sach,  Prät.  von  sene,  sehen.  He  sach 
nich^  er  sah  nicht. 

sachelkes,  adv.,  s.  sachtchen. 

sacht,  sachte,  adj.  und  adv.  1.  leise, 
sanft,  gelinde,  langsam.^  nicht  heftig. 
Sacht  sprechen,  leise,  langsam  reden. 
Geh  nur  sacht,  geh  nur  langsam,  tritt 
nicht  hart  auf,  gehe  nicht  ungestüm. 
Man  sachte!  nur  nicht  heftig,  nicht  so 
hastig.  Man  sachte!  sagte  der  Regen- 
tourm  zum  Hahn,  ah  dieser  ihn  frafz. 
2.  leicht,  beinahe,  wohl.  Ich  kann  es 
sacht  thun,  ich  kann  es  leicht,  mit 
Leichtigkeit  ausführen.  Ich  kann  sacht 
dahin  gehn,  kann  heiizen:  ich  kann 
langsam  dahin  gehen,  oder:  es  macht 
mir  keioc  Schwierigkeit  dahin  zu  gehn. 
Ich  habe  sacht  genug,  ich  habe  beinahe 
genug,  eigentlich:  mehr  könnte  mir 
schaden.  Das  kann  sacht  so  sein,  das 
kann  wohl  so  sein.  Bock,  54.  Hen- 
nig, 217.    Vgl.  meist. 

sachtchen,  sachtchens,   pitd.  sachtke, 

-kens,  auch  sachelkes,  adv.,  Deminutiv- 
form von  sacht,  leise,  behutsam,  sanft, 
glimpflich,  langsam,  gemächlich.  Er 
ging  sachtken  sachtken  auf  meinen  Thee- 
tisch  zu.  Soph.  R.  1,  238  f.  Na,  na, 
man   sachtken,    geoiach,    nicht   hitzig! 


Man  sachtclien,  —  sachtke!  Aufforderung 
zur  Behutsamkeit,  z.  B.  beim  Verbin- 
den einer  AVunde,  beim  Passieren  eines 
schmalen  Weges.  Wi  wolle  sachtke  gäne^ 
—  krupe!  Mahnung  zum  Aufbruche. 
Gät  man,  ok  kam  sachelkes  na,  geht 
nur,  ich  komme  sachtchen  nach. 

Sachtleben,  m.,  stiller,  schlichter 
Mensch;  auch  wohl  Einfaltspinsel. 
Mühling.     Sprw.  I,  3183. 

sachtmutig,    pltd.    sachtmOdig,     adj., 

sanftmütig,  leutselig;  wenig  unterneh- 
mungslustig. 

Sack,  m.  1.  Saccus.  Vielfach  in  Sprich- 
wörtern und  Redensarten:  Bjin  lediger 
Sack  kann  nicht  aufrecht  stehn.  Er 
klopft  auf  den  Sack  und  meint  den 
Müller.  Das  bleibt  nicht  im  Sack,  es 
wird  bekannt,  hört  auf  Geheimnis  zu 
sein.  Hand  vom  Sack!  Hand  vomSackj 
ösHawet*  bön!  wenn  jemand  eine  Sache 
anfassen  will,  die  er  nicht  berühren 
soll.  Die  Katze  im  Sack  haben,  jemand 
in  seiner  Gewalt  haben.  Ich  hab^  ihn 
im  ScLck,  ähnlich  wie:  ich  haV  ihn  in 
der  Handy  —  in  der  Tasche,  er  ist  in 
meiner  Gewalt;  von  einem  Schuldner. 
Düster  vne  im  Sack.  Hei  stockt  em  üt 
6k  ön  e  Sack.  Bock,  54.  Hennig, 
218.  2.  Fischnetz,  sackartiges  Netz^ 
Wenter  (s.  d.).  Nach  dem  Wasser,  in 
welchem  die  Säcke  angewandt  werden, 
unterscheidet  man  Haff-  und  Stromsäcke; 
nach  den  Fischen,  die  damit  gefangen 

werden:  Aal-,  Brassen-,  Neunaugen-,  Stich- 
lings-  und   Zandersäcke    oder   -wenter. 

3.  scrotum.  Sock  an  e  Sack  seiche, 
sich  selbst  anführen,  selbst  betrügen. 
Hau  em,  dat  em  de  Sack  wöppt!  Wem 
de  Sack  juckt,  dem  läwe  de  Makes.  Vgl. 
Sprw.  1,3184  ff  4.  Schimpfwort:  Da- 
melsack,  Diebssack,  Fre/zsack,  Glüpsack, 
Ruppsack,  Saufsack, 

SackbUxen,  pltd.  SackbVxe,  plur.,  Bein- 


Säckel  —  Sackträger. 


243 


kleider  von  Sackleinwand,  Klunkerlein- 
wand;  auch  weite^  sackartig  sitzende 
Hosen. 

Säckel,  7n.,  Dem.  von  Sack^  Klingel- 
beutel. Soph.  R.  VI,  144.  Vgl.  Kling- 
beutel. 

Säckelkraiit^  n.,  s.  Wassereäge. 

Säckeln,  sw,,  den  Sack,  Beutel,  die 
Börse  füllen.  Der  sich  in  Rechts-Hän- 
del  lä/zt  ein^  Mufz  allenthalben  ge- 
seckelt  sein;  Mit  Unvei*schamt  der  erst 
sei  gefüllt^  Der  andr  mit  Geldj  der  dritt 
mit  Gedtdt  Deckeninschrift  der  (1624 
erbauten)  Börse  in  Kgsbg.  Erl.  Pr.  III, 
487.    Sprw.  I,  4368. 

sacken,  sw.  1.  in  Säcke  füllen,  ein- 
messen:  Getreide,  einstecken:  Geld. 
Nach  Treichel  einsacken  auch  ins  Ge- 
genteil verkehrt :  Sie  hat  sehr  eingesackt^ 
gealtert.  JSr  hat  eingesackt ^  Geld  im 
Spiele  verloren.  2.  sich  sacken^  wie  ein 
Sack  hängen,  Falten  werfen.  Der  Rock, 
dus  Kleid  sacken  sich.  Ilennig,  218. 
Die  Tücher  sollen . .  .in  der  Schau  un- 
terstAcht  werden  .  .  .  ob  die  Fäden  aus- 
gesjn^ngen,  ob  das  Tuch  Säcke  oder 
Taschen  hohe  u.  der  gl.  Bock,  Nat.  I, 
646.  3.  sich  anhäufen^  stopfen,  fest 
stopfen  durch  Rütteln  und  Schichten. 
Der  Ruiz  sackt  sich  in  der  Ofenröhre 
—  Die  Röhre  ist  versackt.  Das  Wasser 
in  Strafzendrummen  sackt  sich,  wenn 
der  Durchlaiz  verstopft  ist.  Hirichebrei 
saxske  dt.  Sprw.  I,  1627.  Efz  langsam^ 
es  sackt  sich  besser, 

sackerieren,  pltd.  -6ren,  9w,,  fluchen^ 

wettern;  frz.  sacrer, 

Sackfischer,  Sackner,  m.,  Fischer,  der 
mit  einem  Sacke  oder  Wenter  fischt. 
Auch  darf  kein  Sackfischer  gleichzeitig 
mehr  als  16  Säcke  oder  8  Tücher  oder 
8  Netze  ausstellen.  Fisch.-Ord.  f.  d.  fr. 
HafF,  §  4.    Benecke,  312.  319. 

Sackheim,  m.^  Stadtteil  in  Königsberg, 


ursprünglich  ein  Dorf;  er  soll  jedoch 
schon  1326  eigene  Gerichtsbücher  ge- 
habt haben.  Gerichtssiegel:  weifzes 
Lamm  mit  roter  Siegesfahne.  Faber, 
122.  Nach  dem  Erl.  Pr.  I,  672,  hat 
der  Sackheim  seinen  Namen  daher  (^be- 
kommen, „weil  er  im  Grundriiz  einem 
langen  Sacke  gleichet,  der  unt€n,  näm- 
lich am  Löbenicht,  schmal  und  enge 
zugehet".     Hennig,  218. 

sackig,  adj.,  gesackt,  faltig. 

Sackleinwand,  /.,  grobe  Leinwand, 
woraus  Säcke  gefertigt  werden. 

Sacklucht,  /.,  Lucht,  Bodenraum  in 
der  Mühle,  auf  welchem  das  Getreide 
aufgesackt,  oder  in  Säcken  aufgeschich- 
tet wird,  der  Schüttungsboden. 

Sacknadel,/.,  Fischn.,  s.  Seenadel. 

Sackner,  m.,  s.  Sackfischer. 

Sackpreis,  pltd.  Sackprfs,  m.,  Fang, 
Gewinn  bei  der  Fischerei  mit  Säcken. 
Hennig,  217. 

sacksfdegrob,  adj.,  zur  Bezeichnung 
höchster  Grobheit;  Säcke  näht  man 
nicht  mit  Stde  (Seide). 

Sackspicker,  m.,  der  in  die  Säcke 
spickt,  sticht,  der  Steuerkontrolleur. 
Vgl.  Lischkenkicker. 

Sackspriefz,  m.,  Sacksprosse,  lange 
Stange  zum  Befestigen  der  Säcke  (Wen- 
ter), Pricke.  Auf  welchen  kann  dar- 
gethan  werden,  dafz  er  Sackspriefzen 
habe  stehen  lassen,  soll  6  Mark  ver- 
fallen haben.  Fisch.-Ord.  v.  1640. 
Hennig,  217. 

Sackträger,  pltd.  Sackdräger,  m.   1. 

Korporation  von  Arbeitern,  deren  Ge- 
schäft es  ist,  das  Getreide  in  Säcken 
aus  den  Speichern  in  die  Schiffe  und 
aus  den  Schiffen  in  die  Speicher  zu 
tragen.  Ihr  Vorsteher  führt  den  Titel 
Vorläufer,  m.,  Läufer,  der  die  Spitze 
hat,  weil  die  Träger  mit  ihrer  Last  in 

kurzem  Laufe  sich  bewegen.    Egsbg. 

16* 


244 


Sackträgerherberge  —  salben. 


Dzg.  Vgl.  Träger.  2.  scherzhafte  Be- 
zeichnung för  den  Mann.  Dtn  Väder 
08  e  Sackdräger!  neckt  sich  die  Volks- 
jugend. 

Sackträgerherberge,  /.,  Schenke,  in  der 
die  Sackträger  verkehren. 

SU,  Send,  /.  1.  Futterkorb,  Kiepe. 
2.  die  zur  Sättigung  eines  Pferdes, 
eines  Kindes  gehörige  Portion  Futter; 
auch  der  Futterinhalt  einer  Säd.  Göff 
em  noch  e  Säd  Häcksel.  Dönh.  Fried- 
land Ostpr.  Für  die  Abstammung  sei 
hingewiesen  auf  ahd.  satald^  satUd^  /., 
Trockenfruchtmafz ,  ahd.  satta^  mhd. 
satte^  /.,  Art  Korb  f&r  Speisen,  aus 
dem  bibl.-lat.  mlat.  satum^  bibl.-gr. 
oaxov^  \om  aramäischen  mtä.  Schade, 
745  b. 

Sadebaum,  m.,  wilder^  vielgabliger 
Bärlapp,  Li/copodium  complanatum  L, 

Auch    Waldcypresse.      Pritzel^    226. 
Hagen,  1085. 

Sftdel,  m.  1.  Sattel  2.  Jauche,  Mist- 
jauche, Dünger.     Dönh. 

Sadelstrauch,  m,^  europäi^^ches  Pfaffen- 
hütchen, Evonymus  europaea  L,;  auch 
Zwickholz. 

Sftdelzeit,  pltd.  SftdeHtt,  nach  S ehe- 
rn ionek,  33,  Satelzeit,  /.  1.  die  Saat- 
zeit, Zeit  zur  Saat.  Kommt  Ttt  kommt 
Rat,  kommt  Sädelttt  kommt  Sät.  Dorr, 
79.  Sprw.  I,  4163.  Es  ist  jetzt  die 
beste  Sddelzeit  Er  lounderte  sich,  da/z 
die  Sattelzeit  im  Sambländischen  bey 
gar  nahen  Dorffem  ni^ht  gleich  fielen. 
Linem.,  Yy4b.  Hennig,  217.  2. 
Zeit  der  Mistfuhre.   Von  Sadel  2.  Dönh. 

Sadrach,  m,,  Satansdrache:  böses 
Weib;  Teufel.  Wie  führt  denn  der  Teu- 
fel diesen  Sadrach  in  die  Küche!  Soph. 
R.  1,  213.  Wo  führt  der  Sadrach  den 
/let*? 

Sadschirken,  Sadscherken,  SadschVrken, 
plur.,  s.  Satschirken. 


Safrankuchen,  pltd.   SafrankAke,  m., 

fladenartiger  Kuchen  mit  Safran,  früher 
auf  den  Königsberger  Jahrmärkten  sehr 
beliebt  Vgl.  Rosenkranz^  Kgsbg. 
Skizzen  I,  199. 

Safransblume,  /.,  Cacalia  sonchifoüa 
L.  Weichseldelta.  Treichel,  Volks- 
thümliches  lU. 

saftig,  adj.,  derb,  unzüchtig,  zotig, 
unflätig;  von  der  Rede.  Das  war  recht 
saftig.    Bock,  55.     Hennig,  217. 

Säg,  Säj,  /.,  die  Sau,  das  weibliche 
Schwein.  Westpr.  La,  Mutter,  de  S^' 
öfz  loahm.  Dorr,  69.  In  Ostpr.  pltd. 
SfK 

Sage,/.,  Säge.  J  e  r  o  s  c  h  i  n :  (ie  (Bäume) 
durchsnitten  st  gar  mit  sagen  cd  durch 
den  kern  187a.     Pfeiffer,  213. 

Sägekraut,  n.,  pltd.  Pflzn.,  Krebs- 
schere, Wassersäge,  Stratiotes-  ahides 
L,  weil  beliebtes  Futter  für  die  Schweine 
{Säge  =  Säue).  Treichel,  Volksth. 
III. 

SagelspOn,  SagespOn,  m.,  plur.,  SageU 

späne,  'Spener,  Sägespan.  Hennig, 
217. 

Sagelsiern.  Asa  foetida.    Treichel. 

sagen,  sw.,  sägen.    S.  aufsagen. 

SagespOn,  m.,  s.  SagelspOn. 

Säj,  /.,  s.  Säg. 

Saye,/.,  dünnes  Wollenzeug,  1 5.  Jahrb. 
Danzig.     Hirsch,  253. 

Saker,  m.,  mhd.  sachers,  Art  gerin- 
ger Falken,  frz.  sacre.  Schade,  737  b. 
S.  Kohl. 

säkerig,  adj,,  s.  sftkerig. 

Säl,  n.,  Säle,  /.,  s.  Siel. 

Salat,  m.^  Fischn.,  s.  Rftp. 

Salbe,  pltd.  Salw,  /.,  Medik.  1.  äggf- 
tische,  Unguentum  aeruginis.  2.  alte 
ScliadensalJbe,  Altschadensalbe,  Ungt.  ex- 
siccans  sive  calaminae. 

salben,  pltd.  salwe(n),  sw.,  schmieren, 
sudeln,  schmutzen,  verunreinigen,  na- 


salen  —  Salzkraut. 


245 


menüich  reflexiv  in  be-  und  einsalben. 
Hennig,  218. 

salen,  sw.^  reden,  salbadern.  T  rei- 
che!. 

Sälen,  sftlen,  sflen,  sUlen,  sw,^  »ich.   1. 

sich  walzen;  sich  im  Kote  wälzen,  an 
unsauberen  Gegenstanden  besudeln. 
Wölln  ons  uf  Blome  sdlen  un  lache. 
Dorr,  1.  Wiew.,  56.  Das  Pferd  stlt 
sich,  wälzt  sich  auf  dem  Rücken.  Er 
säU  sich  überall  herum^  reibt,  wischt 
überall  an  und  macht  sich  dabei  schmutzig. 
Wo  ho  fr  sich  denn  herömgeseeltf  Schaltj. 

3,  4.  Davon  absälen,  absflen,  besälen, 
besTlen,  in  Westpr.  auch  zusälen,  sich^ 
sich  beschmutzen.  Neie  Bexen^  da/z 
du  se  wedder  so  zttseelen  kannst!  Schaltj. 
3,  5.  Vgl.  alts.  siUjan  besudeln,  ahd. 
besfüjan^  ags. syljan^ seljan  dass.  Schade, 
891  u.  sich  besdlen,  beseien,  auch:  sich 
einen  Rausch  antrinken.  Er  hat  sich 
rechtschaffen  besah.  Hennig,  254.  269. 
Vgl.  Sftlader,  Sftlschurz.  2.  sich  den 
ganzen  Tag  mit  schwerer  Arbeit  be- 
schäftigen, plagen.  Nach  Bock,  55, 
und  Hennig,  219,  von  dem  Pferde- 
geschirr, den  Sielen,  hergenommen, 
also:  wie  ein  Pferd  angestrengt  in  den 
Sielen  liegen. 

Saierei,  STierei,  Sielerei,  /.,  Quälerei, 

zur  Bezeichnung  eines  mühseligen,  durch 
schwere  Arbeit  angestrengten  Lebens. 
Hennig,  219.     Vgl.  Sälen. 

Saljett,  Salwjett,  Silwette,  /.,  Serviette. 

Salm,  w.  Vom.,  Salome.  Hartwich, 
55. 

Salupp,  /.,  kurzer,  mit  Pelz  besetzter 
Überwurf  für  Frauen.  Schemionek, 
33. 

Salwei,  m.,  Salbei,  Salvia  L. 

Salwjett,  /.,  s.  Saljett. 

Salz,  pltd.  Seit,  n.  In  Redensarten: 
Bei  der  Arbeit  ist  nicht  das  Sah  (zu 
verdienen).    Etwas  ganz  aus  dem  Salze 


machen,  „es  ganz  aus  (auTzer)  der  Weise 
machen,  unleidlich  werden^.  Es  aus 
dem  Salze  bekommen,  heftige  Schläge 
erhalten.  Die  Hiebe  aus  dem  „PfefiFer*' 
sind  schärfer.  Bock,  54.  Hennig, 
219.  Sprw.  I,  3198  flf.  Salz  und  Brot 
bringt  man  gern  Neuvermählten  beim 
ersten  Besuche. 

Salzbinse,  Salzgras,  Pflzn.,  Sumpf- 
Dreizack,    Triglochin  palustre   L.     S. 

Harmus. 

Salzburger,  m..  Nachkomme  der  ein- 
gewanderten Salzburger.  Er  ist  ein 
Salzburger, 

Salzburgerchen,  n.,  frühere  Wioter- 
kleidung  der  Königsberger  Frauen.  „Sie 
bestand  in  einem  kurzen  Pelz  ohne 
Ärmel".  Der  Name  stammt  von  den 
Salzburgern  ab,  an  denen  man  „diese 
Tracht  bemerket".     Hennig,  220. 

salzen,  pltd.  SOlte(n),  sw.  Das  ist  hier 
alles  sehr  gesalzen,  sehr  teuer.  Hen- 
nig, 219.  versalzen,  ungeniefzbar  machen, 
verderben.  Einem  ein  Vergniigen  ver^ 
salzen, 

Salzfladen,  pltd.  SoKflade  (a  =  a),  m,, 

Salzkuchen.  Neckreim:  De  Schuster 
Magiin  Sott  op  em  Tun  On  frett  sock 
an  Soltfläde  dick  on  dun.    Kgsbg.    Vgl. 

Schusterjunge. 

Salzfladenkttnig,9n.,  Spitzwort  auf  einen 
Bäcker,  Brothändler.     Kgsbg. 

Salzgras,  n.,  s.  Salzbinse. 

Salzhaufchen,  pltd.  SolthQpke,  n.  Am 
Sylvesterabende  stülpt  man  mit  einem 
Fingerhute  so  viele  Häufchen  Salz  auf 
den  Tisch,  als  Familienglieder  vorhan- 
den siod.  Diese  Häufchen  läizt  man 
über  Nacht  stehen:  wessen  Häufchen 
am  Neujahrsmorgen  versehrt  ist,  der 
stirbt  in  dem  neuen  Jahr.  Samland. 
Volkskal.,  31. 

Salzkraut,  n.,  Meerstrands-Milchkraut, 
Olaux  maritima  L,    Hagen,  274. 


246 


Salzpaudel  —  Sandkaul. 


Salzpaudel,  pitd.  Sottpfldel,  /.,  Käst- 
chen von  Holz  oder  Blech^  worin  in 
der  Küche  das  Salz  aofbewahrt  wird. 
Hennig,  219.    Vgl.  Paudel. 

Salzplab,  phd.  Soltplab,  m,  1.  Salz- 
fladen. Vgl.  Platz,  2.  Schimpfwort. 
Du  ongerädner  Soltplatz^  du  ungerate- 
ner, unnützer  Mensch.    Sprw.  I,  3204. 

Salzseller,  m.,  Kleinhändler  mit  Salz. 
Hennig,  219.  Jetzt  wohl  kaum  noch 
gebräuchlich.     Vgl.  seilen. 

Salzatapler,  7n.,  ,,in  Königsberg  ein 
geschworener  Belehnter,  der  die  Salz- 
fässer auf-  und  her  unterstapelt  ^.  Hen- 
ttig,  219. 

Samaiten,  das  litauische  Niederland 
nördlich  der  Memcl  und  die  Bewohner 
dieses  Landes.  Was  man  in  Samadten 
(und  Litauen)  findet  und  nicht  findet, 
erzählen  Verse,  mitgeteilt  im  Erl.  Pr. 
I,  142,  und  in  den  Sprw.  I,  3206.  Die 
Samaiten  kommen!  sagt  man,  wenn  die 
Kinder  sich  schläfrig  zeigen.  Vgl.  Sand- 
mann, 

S&mann,  m.,  gelbe  Bachstelze,  Mo- 
tacüla  flava.  Mit  ihrem  Erscheinen 
beginnt  die  Saatzeit.     Dönh. 

Sftmekomft,  /.,  Zusammenkunft,  Ver- 
sammlung. Gr.  Werder.  In  Bremen 
Sambtkome^  Sambtkumst,  Samtkumst 
Brem.  Wb.  IV,  588.  Li  Bayern  Sam- 
nunff,  Sammung ^  /.,  in  der  älteren 
Sprache  Verein,  Korporation,  Konvent. 
Schmeller  IH,  244. 

Samen,  m.,  zur  Bezeichnung  von 
Karpfenbrut.     S.  Benecke,  494. 

Samenwicke,  Futterwicke,  Vicia  sa- 
tiva  L.    Hagen,  754. 

Sftmerladen,  plur,^  Sommerloden,  die 
jungen  klebrigen  Blätter  derErle^  welche 
auf  Wunden  gelegt  gut  thun. 

SSmening,  /.,  periodische  Trocken- 
legung und  Beackerung  der  Karpfen- 
teiche.    S.  Benecke,  272.  501. 


Samft,  m.^  Sammet,  s.  Sanft. 

sämig,  adj,^  s.  seimig. 

Sämisch,  sftmisch,  ad/,  1.  fettgares 
Lcder.  2.  übertragen:  sämischer  Menadi^ 
—  Junge^  „in  Natangen  ein  fauler,  trä- 
ger Mensch,  der  sich  immer  zieht,  dehnt 
und  reckt".     Hennig,  253. 

Samland,  n.,  Landschaft  zwischen  dem 
kurischen  Haff,  der  Ostsee,  dem  frischen 
Haff,  dem  Pregel  und  der  Deime. 

Samländer,  m,^  Bewohner  der  Land- 
schaft Samland,  De  Samländer  frete 
de  Schap  ruch  op  on  denn  schite  se  fer 
de  Natanger  Pölz'!    Alt-Pillau. 

Samlod,    Samlot,    Samlotten,   Pflzn., 

Grundheil,  Peucedanum  areoselmum 
Mnch,     Hagen,  313.     Pritzel,   269. 

Samolsin,  Versammlung,  Sammelplatz. 
EfT  ist  zu  Samolsin  gegangen^  er  ist  ge- 
storben.    Pierson,  Matth.  Prätor.,  7. 

Sampanter,  m,^  aus  u?m  Poln.  stam- 
mende scherzhafte  Benennung  des 
Schnupftabaks,  von  sam  (selbst)«  pan 
(Herr)  und  ter  oder  tart  (er  rieb),  also 
den  der  Herr  selbst  gerieben  hat. 
Mrongov.  Wb.  T,  464b. 

samst,  adv.,^  samt,  zusammen,  mit 
Ich  samst  de  Eltern,   Auch:  mit  samst, 

Sandat,  m.,  Fischn.,  s.  Zant 

Sandblatt,  Pflzn.,  Huflattig,  Tussilago 
farfara  L.  Weichseldelta.  Treichel, 
Volksth.  HL 

Sanddorn,  m.,  roter,  weidenblättriger 
Seedorn,     Hippophae    rhamiioides     L, 

Auch  Seekreuzdorn,  Stechdorn,  Haftdom, 
rote  Schlehen.  Pritzel,  182.  Hagen, 
1038. 

Sandhaber,  m.,  Sandhaargras,  Elymus 
arenarius  L,  Auch  Sandweizen,  See- 
gras, Seehaber.    Hagen,  136. 

Sandhuhn,  n.,  lerchengrauer  Regen- 
pfeifer, CAaradriM«0^c?wr7itf7WM5L.  Thom. 
Mühling,  Tiem.,  177. 

Sandkaul,  /.,  Sandgrube.    S.  Kaul. 


Sandkicher  —  Sarkaa. 


247 


Sandkicher,  Pflzn.,  Sand-Bärenschote, 
Astragalus  arenaria»  L.   Hagen,  768. 

Sandmann,  m.^  der  Schlaf,  der  sich 
den  Kindern  naht.  Sie  reiben  in  schläf- 
rigem Zustande  die  Augen  so,  als  wäre 
ihnen  Sand  hineingestreut.  Der  Sand- 
mann kommt,  —  ist  da,  —  streut  Sand 
in  die  Auffen.  In  Bremen  Sandsaier, 
in  Pommern  Sandsaijer,  im  Götting. 
Sandman.  Brem.  Wb.  IV,  589.  Dähn., 
396b.  Schamb.,  179a.  Hennig,  220. 
Sprw.  I,  3205, 

SandpQper,  m,,  kleines  kurzbeiniges 
Frauenzimmer  mit  hängendem  Hintern. 

Vgl.  pQpen. 

Sandregerlein,  n.,  Sandläufer,  Wasser- 
schnepfe. M  ü  h  1  i  n  g.  Wahrscheinlich 
der  Zwergstrandläufer,  Actodroma  mi- 
nuta. 

Sandspirring,  m.,  gemeiner  Sandaal, 
s.  Suter. 

Sandstein,  m.,  schlechtere  Sorte  Bern- 
stein. Bock,  Nat.n,  217.  218.  Vgl. 
Stein. 

Sandweizen,  m.,  s.  Sandhaber. 

Sandwerft,  Pflzn.,  geöhrte  Weide, 
Salia  aurita  L.  Hagen,  1031.  Auch 
Salix  arenaria,     Ibid,  1024. 

Sanft,  Samft,  rn.,  Sammet.  Sprw. 
Sanft  am  Kragen,  Klei  im  Magen. 

sanftlich,  adj.,  leise,  mild,  glimpflich. 
Schemionek^  33. 

Sänge,  /.,  Zustand  des  Roggens,  wenn 
er  nach  der  Blute  anfangt  Körner  an- 
zusetzen. Das  Korn  ist  schon  in  der 
Sänge.     Nsslm.  Wb.,  509b. 

Sangel,  /.,  Ähre,  Ahrenbüschel.  Po- 
trimpo  war  wie  ein  junger  Man,  ohne 
hart,  gekrönt  mit  Sangelen,  Hennen- 
berger,  465.  Vgl.  Schmeller  III, 
270.    Birlinger,  384a.  D ahn.,  397a. 

sangein,  sangem,  sw.,  vom  Roggen, 
wenn  er,  nach  vollendeter  Blüte,  Kör- 


ner ansetzt.  Das  Korn  sangelt  —  san- 
gert.     Hennig,  220. 

sangein,  sengein,  sw,,  ein  wenig  sen- 
gen, anbrennen.  Das  Bossen  schmeckt 
gesangelt,  ist  angebrannt.  Wenn  die 
Suppe  angesangelt  ist,  will  die  Köchin 
freien.    Vgl.  ansangein.    Davon 

sangerig,  sangrig,  adj.,  sengerig,  ge- 
sengt; angebrannt  von  Speisen.  Bock, 
55,  Hennig,  220:  sangricht 

sangern,  sw.,  s.  sangein. 

Sängern,  sw.,  sengen,  brennen,  prickeln, 
stechen.  Mühling.  Bei  Richey^  224, 
ist  sangem  das  prickelnde  Brennen  und 
Stechen  in  Händen  und  Fuizen,  wenn 
sie  nach  heftiger  Erkältung  wieder  zur 
Wärme  kommen. 

SanktomftI,  m.,  s.  Senktomftrsch. 

Sannat,  m.,  Fischn.,  s.  Zant. 

Sannchen,  Sannke,  w.  Vom.,  Dem. 
von  Sänne,  Kürzung  von  Susanne, 
Hartwich,  55. 

Sappen,  sw,,  plump  und  schwerfällig 
geheu,  namentlich  im  Kote  mit  hör- 
barem Laut.  Ebenso  mhd.,  in  Bremen, 
im  Göttingenschen,  in  Bayern.  Brem. 
Wb.IV,  590.  Schamb.,  179a.  Schmel- 
ler III,  275.  Hennig,  221,  erklärt: 
saftig  sein,  einen  Saft  von  sich  lassen, 
im  klebrigen  Safte  oder  im  Kote  hör- 
bar rühren.  Die  Schuhe  sappen,  wenn 
das  Regenwasser  in  dieselben  eindringt 
und  beim  Gehen  eigentümlich  quutscht. 

Vgl.  Suppen. 

sappig,  adj.,  saftig,  kotig,  schmutzig; 
von  Sappen.  Es  ist  sappig  zu  gehn,  der 
Weg  ist  kotig.     Hennig,  221. 

Sappust,  /.,  Fastnacht;  von  dem 
gleichbed.poln.^apttö^y.  Schmitt,  109; 
Westpr.,  167. 

Sarkau,  Ortsn.,  Fischerdorf  auf  der 
kurischen  Nehrung.  Oä  na  Sarkau,  KrSge 

btte.  Sprw.  1,1151.  Vgl.  Krähenfresser. 


248 


Sarrast  —  Sao. 


Sarrast,  m.  1.  Rest.  Nöm  den  gan- 
zen Sarrast,  nimm  den  ganzen  Rest. 
Samland.  Wohl  aus  poln.  zaraz  mit 
einemmal,  auf  einmal.  2.  Knüttel.  In 
diesem  Sinne  vielleicht  gleichbed.  mit 
Sarras  Degen,  nach  Weigand  U,  526, 
scheinbar  aus  poln.  za  für,  bei^  an,  und 
raz  Hieb,  Stol'z;  nach  Adelung  III, 
1281,  verwandt  mit  poln.  zaraz  in  der 
Bedeutung  gleich,  sogleich,  alsbald. 

Sarg,  n.,  der  Sarg.  Das  Sarg  ist 
viel  zu  teuer.     Egsbg. 

Sarhirrock,  m.,  langer  Rock,  fast  bis 
zur  Erde  reichend,  mit  sehr  hohem  Kra- 
gen und  so  langen  Ärmeln,  dafz  man 
nur  mit  Hilfe  eines  andern  in  dieselben 
hineinkam.  18.  Jahrh.  Danziger  Nhg. 
VioUt,  176.  NachSchemionek,  83, 
Saturrock  Überzieher,  frz.  surtout  Wie 
och  dein  Satuhrrock  aussitt!  Schalt] . 
3,  4. 

Sassen, SU7.,  sich  festsetzen,  einen  festen 
Wohnort  nehmen.     Davon 

Safzhaft,  adj\,  ansäfzig,  wohnhaft. 
Mühling. 

Satelzeit,  /.,  s.  Sftdelzeit 

Satschirken,  plur.,  Klümpchen  von 
Mehl  und  Wasser  zur  (Mehl-)  Suppe; 
Mehlsuppe,  Mus.  Von  dem  gleichbed. 
poln.  zacierki^  plur,  von  zaderka.    Auch 

Sadschirken,  Sadscherken,  Sadschttrken. 

Satt,  /.,  Milchnapf.     Dönh. 

Sattelhaus,  n.,  zur  Ordenszeit  das  Ge- 
bäude, worin  die  Ausrüstung  für  die 
Pferde  aufbewahrt  wurde.  Bruder  vom 
Sattelhause  hiefz  der  Ritter,  dem  die 
Aufsicht  über  Sättel,  Zäume,  Gurte, 
Halfter  etc.  anvertraut  war.  Hart- 
knoch  II,  614.     Hennig,  221. 

Sattelholz,  Pflzn.,  gemeiner  Spindel- 
baum, Evonymus  europaeus  L,  Müh- 
ling.   S.  HahnenklOtchen. 

Sattelpferdy  n.,  ursprünglich  das  Pferd, 
welches   den  Sattel   trägt,   allgemeiner 


jedoch  das  links  der  Deichsel  gehende 
Wagenpferd,  selbst  wenn  es  keinen 
Sattel  trägt;  das  auf  der  rechten  Seite 
der  Deichsel  schreitende  Nebenpferd 
heifzt  Handpferd. 
Sattelzeit,  /.,  s.  Sftdelzeit 

Sattin,  97}.,  nach  Hennig,  221,  ein 
ehemals  beliebtes  Wollenzeug.  Die 
Weiber  und  Töchter  der  Freyen  und 
Schulzen  mögen  zu  Ehren  Lundische, 
oder  sonst  von  schönem  Gewände,  auch 
Sattin  und  halhzahne  Rocke  tragen, 
Kleiderordg.  vom  J.  1640.  In  Pommern 
Satiin.  Dähn.,  397a.  Jetzt  ist  Sctdn 
Seidenzeug,  Atlas,  feiner  Glanzkattun. 

Saturrock,  m.,  s.  Sarturrock. 

Satz,  m,  1.  Gesetztheit,  Ernst.  Ma* 
r  0 1  d.   2.  Earpfenbrut.   B  e  n  e c  k e ,  494. 

Sau,  pltd.  SO,/.  1.  weibliches  Schwein, 
und  davon  beliebtes  Schimpfwort  in 
mannigfacher  Zusammensetzung:  Sau- 
aas,  'bar,  -besen,  -hund,  -läppen,  -leder, 
-Tnagen,  -mensch,  -michel,  -pelz,  -nigel 
(Sauigel),  -trommel,  -zahn,  -zeug.  2. 
Glück,  tautologisch  SauglUck.  Er  hat 
ein  Sauglück.  Vgl.  Schwein  2.  3. 
Fischerboot  mit  durchlöchertem  Fisch- 
kasten zum  Aufbewahren  der  gefange- 
nen Fische:  Sau,  Saw,  Szaw,  Seue, 
Sewe,  Zeuwe  (1491 :  Szaw-Kewtel).  1402: 
Fohrt  mehr  gönnen  wir  Ihnen  vnsem 
Mohlgraben  aus  vnd  einzufahren  vnd 
sie  Ihre  Sewe  mit  Ihren  ßschen  darinnen 
behalten  vnd  auf  beiden  vberen  frey  an- 
halten vnd  Ihre  Fische  daselbst  verkaufen. 
Danzig.  Hirsch,  307.  Würde  es  sich 
begeben,  dafz  von  den  Brüdern  einer 
seinen  Knecht  oder  Sohn  mit  der  Saw 
hinausschickte,  der  soll  etc.  Rolle  der 
Kgsbg.  Fischergilde  von  1662.  Bock, 
Nat.  V,  563.  Wenn  eine  Sau  im  Pre- 
gel  zu  Grmide  gehet,  der  soll  sie  nicht 
länger  liegen  lassen  als  bis  an  den  drit- 
ten Tag  und  sie  alsdann    herausziehen 


Sauball  —  Saufgroschen. 


249 


lassen  bey  Strafe,  Städte-Willkur  vom 
J.  1394.  Bock,  Nat.  IV,  693.  Vgl. 
N  SS  Im.  Forsch.  3;  Th.,  220.  Benecke, 
273.  277.  283.  Jetzt  heifzt  das  Boot 
Seige  und  Sicke,  /.,  Sicken,  n.,  nach 
Hirsch  von  seihen  =^ sickern.  (?)  Hen- 
nig, 253,  hat  Seechen,  Seeken,  für  „ein 
ganz  kleines  Fischerboot*',  welche  Na- 
men ebenfalls  hierher  gehören  und 
wohl  dasselbe  Boot  bezeichnen.     Vgl. 

Seuner. 

Sauball,  m,^  ein  Treib-Ballspiel.  Her- 
nach ward  Sauball  gespielt.  Soph.  R. 
m,  237.  Nach  Treichel  heiizt  dies 
Spiel  auch  Surrchen. 

Sauborg,  ^n.,  verschnittene  Sau.  Trei- 
chel. 

Saubrot,  Pflzn.,  gemeine  Schuppen- 
würz,  Lathraea  squamaria  L,  Ostpr. 
Pritzel,  203.    Vgl.  Anblatt 

Sauchelocker,  nu,  s.  Koschkelocker. 

Sauchen,  pltd.  SOke,  Dem.  von  Sau^ 
Fischn.,  s.  Barbe,  Auch  kurze  Benen- 
nung für  SaubaU. 

Saudistel,  f.^  s.  StechwarL 

sauen,  pltd.  8fle(n),  sw^  obscön  reden 
oder  handeln. 

Sauenkohl,  m.,  Pflzn.,  Saudistel,  Son- 
chus  L.  Ist  in  seinen  hiesigen  Arten 
als  gutes  Schweinefutter  in  Verwendung. 
Treichel.  Volksth.  Hl. 

sauer,  pltd.  sQr,  adj.  Das  kannst  du 
dir  sauer  kochen!  als  Zurückweisung 
einer  unbrauchbaren,  unnützen  Sache. 
Sauer  und  sü/z  kochen^  eine  Speise  mit 
gesül'zter  saurer  Sauce  bereiten,  z.  B. 
graue  Erbsen,  Bohnen,  Linsen,  Eeil- 
chen  (Klöl'ze).  Sür  an  sof,  vn  de  Uwe 
Ehstand,     Sprw.  H,  2264. 

Saueramp,  Sauramf,  pltd.  SQramp,  m., 

Pflzn.,  Sauerampfer,  Rumex  acetosa  L. 
Nach  Mühling  auch  Schnitt.  In  Pom- 
mern S/V,  Sür.  Treichel,  Volksth. 
Sperber,  27. 


Sauerei,  pltd.  SQerT,  /.,  meist  wohl 

absichtliche  Korrumpierung  von  Soiree. 
Sauerffst,  pltd.  SQrffst,  m.  Barsche 
Sitrftst  vom  öle  Sätan^  Medik.,  Balsa- 
mumsulphuris  terebinthinatum,  (^Oleum 
terebinth.  sulsphuratum.) 

Sauerkohl,  m.,  Sauerkraut,  n.,  gewohn- 
lich saurer  Kumst,  pltd.  sure  Kamst, 
Kopfkohl,  Brassica,  oleracea  L.  var. 
capitata.     Namentlich  als  Gericht.     S. 

Kumst. 

Sauerling,  m.,  Pflzn.,  gemeiner  Sauer- 
klee, Oxalis  acetosella  L.  Hagen, 
481. 

Sauermaul,  pltd.  SOrmOl,  n.,  zur  Be- 
zeichnung eines  Menschen  mit  sauerm 
Maule,  finsterer,  verdrielzlicher  Miene, 
eines  unfreundlichen  Menschen  über- 
haupt. Üblicher  Sauertopf,  pltd.  SQr- 
top,  bei  MQhling  noch  Sauerzapp. 
Davon :  sauermaulsch,  -topfsch,  -zappisch, 

adj.,  unfreundlich,  finster,  mürrisch. 

sauem,  sauren,  pltd.  8flre(n),  sw,    1. 

sauer  sein  oder  werden.  Mühe  machen. 
Wat  nich  si/ert,  dat  söt^t  6k  nich,  was 
nicht  sauer  wird,  das  sufzt  auch  nicht, 
was  nicht  mit  Anstrengung  erreicht 
wird,  das  macht  auch  nicht  die  rechte 
Freude.  Sprw.  I,  3221.  2.  gären, 
in  aussauem,  aussauren.  Die  Krank- 
heit mujz  aussauren,  sie  muCz  ihre  Zeit 
der  Gärung  haben,  damit  sich  alle  „Un- 
lust" aus  dem  Körper  scheide.  Un- 
bestimmtes Wetter  mufz  eben&lls  aus- 
sauem, dann  wird  es  hell  und  freund- 
lich. Bock,  55.  Hennig,  221.  Rei 
Jeroschin  stiren  in  dem  Sinne  von 
sauer  sehen,  eine  saure  Miene  machen : 
nicht  sach  man  st  trurin  noch  murmeln 
noch  sfirin.  Pfeiffer,  230.  Ebenda 
auch  süren,  n.  u.  sürkeit,  f. 

Saufgroschen,  pltd.  SQpgrosche(n),  m., 

Geld  zum  Versaufen.    £}r  hat  sich  einen 
Saufgroschen  gemacht,  er  hat  Gold  durch 


250 


Saafralz  —  Schaaken. 


Verkauf  von  Sachen  oder  sonst  wie  zu 
erlangen  gewalzt. 

Saufrafz,  m,  Frafz,  Fressen,  Speise 
für  eine  San,  zur  Bezeichnung  schlechter 
oder  schlecht  zubereiteter  Speisen. 

Säugefnutter,  /*.,  s.  Taufmutter. 

saugen,  pitd.  8Qge(n)y  sw.,  stark  trin- 
ken.   Der  saugt  gut.    S.  besaugen. 

SaugfUllen,  pltd.  Sogfälle,  n.,  Füllen, 
das  noch  saugt.  Hei  ös  munter  wie  e 
SogfäUe.     Sprw.  I,  2675. 

Sauglocke,  pltd.  SQklock,  /.   Die  Sau- 

glücke  ziehen^  scherzweise  die  Bewegung 
des  Läutens  roachen,  wenn  in  einer  Ge- 
sellschaft eine  obscone  Redensart  ge- 
fallen. En  Suh-Klock  (Unflat)  afz  hei 
was^  brukt  keinen  bätren  Knäpel,  Carm, 
nupt.  I,  282,  8. 
SauglUck,  n.,  s.  Sau. 

Saugzagel,  m.^  Zagel,  Schwanz,  der 
gesogen  wird  oder  saugt:  1.  kurze  Ta- 
bakspfeife; 2.  der  Raucher  einer  sol- 
chen.    Treichel. 

Sauknoten,  m.^  Pflzn.,  Wasser-Braun- 
wurz,  Scrophularia  aquatica  L.    Auch 

Kreuznessel.  Hagen,  658.  Pritzel, 
368. 

Saukraut,  pltd.  SQkrOt,  n.,  schwarzer 
Nachtschatten,  Solanum  nigrum  L. 
Hagen,  253. 

Saulapp,  -läppen,  m.,  Schimpfwort. 

Sauloch,  n.,  Loch  für  eine  Sau,  zur 
Bezeichnung  einer  schmutzigen  Woh- 
nung. Ebenso  Saunest  Für  Posen  bei 
Bernd,  245. 

Saulocker,  Sauchelocker,  m.,  s.  Koschke- 
locker. 

SauIVffel,  m.,  Pflzn.,  schwimmendes 
Samkraut,  Laichkraut,  Potamogeton  na- 
tans  L.     Hagen,  182. 

Saumagen,pItd.SQmäge(n),m.,Schimpf- 

wort  für  einen  schmutzigen,  unflätigen 
Menschen.  Er  ist  ein  rechter  Sau- 
magefi. 


Saumeister,  m.,  Meister  einer  Sau, 
eines  Fischerbootes  (s.  Sau  3),  Führer 
des  Bootes,  Fischerknecht.  Einem  Saw- 
meister,  so  lang  er  fahret,  wöchentlich 
3  Mk.,  Gottespfennig  2  Mk.  10  Gr. 
RoUe  d.  Kgsbg.  Gildef.  v.  1662.  Bock, 
Nat  V,  559. 

Saumensch,  n.,  Schimpfwoit,  s. 
Mensch. 

Saumichel,  m.,  Schimpfwort. 

Saunickel,  m,  1.  Pflzn.,  europäischer 
Sanikel,  Sanicula  europeaL.,  auch  Scber- 
näkel,  Scherneckel.  Pritzel,  362. 
Bock,  Nat.  m,  347.  Hagen,  303. 
2.  unreinlicher,  säuischer  Mensch  = 
SauntgeL 

Saunfgel,  m.  I.Sauigel,  Schweinigel, 
Erinaceus.  2.  ein  in  hohem  Grrade  un- 
sauberer, oder  ein  in  seinen  Reden  ob- 
scöner  Mensch. 

Sauramf,  m.,  s.  Saueramp. 
sauren,  sw.,  s.  säuern. 

Sausack,  m.  1.  schmieriges,  schmut- 
ziges Frauenzimmer.  2.  stupider,  maul- 
fauler Mensch. 

Sautod,  m.,  Pflzn.,  unechter  Gänse- 
fui'z,  Chenopodium  hybridum  L.  Die 
Schweine  sterben  davon,  selbst  wenn 
er  ihnen  gekocht  unter  das  Futter  ge- 
mischt wird.     Hagen,  285. 

Sauwetter,  n.,  regnerisches,  stürmi- 
sches Wetter,  bei  dem  selbst  Säue, 
Schweine  nicht  im  Freien  aushalten. 

Sauzahn,  m.,  Schimpfwort:  Grobian. 

Saw,  /.,  s.  Sau  3. 

Sawatzki,  Sawatzke,  /.  Einem,  eins 
vor  die  Sawatzki  geben,  ihm  eine  Maul- 
schelle, eins  an  den  Kopf  geben.  Poln. 
zawadzic  anstofzen,  zawadza^  komu  im 
Wege  stehen,  hinderlich  sein. 

Scaprich,  Pflzn.,  Schachtelhalm,  Equi- 
setum  L.     Pritzel,  141. 

sch  lautet  pltd.  stets  wie  hehd. 

Schaaken,  Ortsn.,  s.  Schaken. 


Schabander  —  schabbig. 


251 


Schabander,  m.^  Ochse.  On  wenn  eck 
enmal  schlachten  wöll  Een  groten  fetten 
Mastachabander(JÄdi&io(^&[i),  Seelen w., 
73f. 

Schabbel,  m,  1.  Säbel;  von  dem 
polD.  szabla^  russ.  säblja,  lett.  schablis^ 
Ht.  szöble  dasselbe.  Nsslm.  Forsch.  3; 
Th. ,  162.  2.  Bohne,  gewöhnlich 
Schabbeibohne,  nach  der  säbelähnlichen 
Gest4dt,  Schwertbohne,  Schneidebohne. 
Er  liej'z  sich  Schabbeibohnen  mitCanni' 
nat  zurecht  machen,  Soph.  R.  I,  399. 
In  Westpr.  Schabbein.  Schmitt,  109; 
Westpr.,  167.  Viol^t,  104.  Treichel, 
Volksth.  IL  Schemionek,33.  Sper- 
ber, 40.  Bock,  55.  Hennig,  222. 
Schwabbelbohne  bei  Pritzel,  273,  ist 
fehlerhafte  Bildung.  In  Posen  auch 
Schappel.     Bernd,  248. 

SchabbeKufz,   pltd.   Schawwelföt,  m., 

Fulz,  der  schabbelt;  auch  Schimpfwort. 

S.  schabbeln. 
Schabbeihesse,  /.,  s.  v.  a.  Schabbelfu/z, 

Ygl.  Hesse  und  schabbeln. 

SChabbelTg,  adj,  1.  vom  Holz:  ge- 
wunden, gedreht,  schief,  dem  Schabbel 
ähnlich,  2.  vom  Menschen,  wenn  er 
schiefe  (krumme,  Säbel-)  Beine 
hat  und  in  seinem  Gange  unsicher  und 
langsam  ist.     Mühling. 

schabbeln,  schawweln,  sw,  1.  unsicher, 

schwankend  gehen;  vom  Menschen. 
2.  über  die  Deichsel  treten ;  vom  Pferde. 
Mühling. 

Schabbeln,  plui\  von  Schabbel  (s.  d.) 

Schabbeischoten,  plur.^  Schabbelboh- 
nen. 

SchabbelQn,  /.,  Schablone,  Formbrett, 
Muster,  Vorbild.     Mühling. 

Schabber,/.,  Maul,  Mund;  \on  Schah- 
bem.  Die  Schabber  nicht  halten  können. 
In  der  Zusammensetzung  tautologisch 
Schabberfresse,  -maul,  Schwätzer,  na- 
mentlich ein  solcher,    der  ihm  Anver- 


trautes weiter  erzählt;  polonisiert  ochab- 

berinski. 

wSchabberhans,  -michel,  -peter,  m., 
-iTse,  -lotte,  /*.,  Schwätzer,  Schwätzerin. 

§chabberig,  §chabbrig,  adj.  von  dchab- 
bem,  schwatzhaft,  plapperhaft.  Sie  ist 
ein  schabberiges  Frauenzimmer.  Wenn 
de  lewe  Gott  nich  noch  e  Wort  beschert^ 
denn  kam  öck  nich  mot  dem  schabbrige 
Mtil  torecht,  sagt  die  Schwätzerin. 
Dönh. 

§chabbern,  sw,,  viel  schwatzen,  reden, 
plappern.  Er  schabbert  in  einem  fort. 
Er  ichabbert  seinen  Stiefel  weg.  Vp;l. 
sabbern,  schiabbem,  schwabbeln.  Davon: 
Ge§chabber,  n.,  Geschwätz.  Es  war  ein 
Gezabber,  ein  Geschrei,  da/z  die  Hunde 
drob  anfingen  zu  heulen.  Soph.  R.  Y, 
590.  Hermes  übersetzt  Gezabber  mit 
dem  fi'z.  riote  (er  wählte  zur  Bezeich- 
nung des  «cA-Lautes  das  pöln.  z).  Auch 
jabbem.  Jabber  doch  nicht!  Trudchen^ 
trautstes,  erbai'Tri  dich  was  jahberat  du! 

Vgl.  jabbeln. 
Schabbernack,  m.,  s.  Schabernack. 

Schabbes,  m.,  Sabbat,  das  hebr. 
schdbbos. 

Schabbesdeckel,  m.,  Sabbat-,  Sonntags- 
hut, zur  Bezeichnung  eines  schlechten 
Hutes.     Sperber,  45. 

Schabbesglilschen,  n.,  das  Gleiten, 
Schurren,  auf  der  Eisbahn  am  Sabbat; 
da  dieses  aber  verboten  ist,  eine  be- 
sondere exquisite  Art  des  Gleitens  der 
jüdischen  Jugend,  namentlich  in  Polen. 
Schabbesglitschen,  haste  gesehn!  Nach 
Treichel  Redensart  beim  Kartenspiel, 
wenn  unvermutet  noch  ein  Trumpf 
ausgespielt  wird.  Der  Trumpf  erscheint 
also  unerwartet  und  in  gewissem  Sinne 
unberechtigt  wie  ein  Glitscher  am 
Schabbes. 

schabbig,  adj.,  übel,  elend,  leidend, 
kränklich,  angegriö'en;  abgegriffen,  ab- 


252 


Schabbräcbe  —  Schacktarp. 


geschabt,  abgerissen.  Ji  sehnen  recht 
schabbig  ut  Dorr,l.  Wiew.,  31.  Nach 
Schemionek,  33,  auch  von  schlechtem 
Wetter.  En  schabbiger  Rock.  Vom 
Rock  auf  den  Mann  ubeitragen :  Ein 
schabbiger  —  schabiger  Kerl^  ein  Kerl, 
verlumpt  im  Charakter. 

Schabbräche,  /.,  die  Brache,  das  Bre- 
chen des  Flachses  durch  Schaben.    Vgl. 

puchen  2. 

schaben,  sw.  1.  prügeln.  Ermland. 
Muhling.  2.  geizen,  schinden,  hart 
bedrucken  und  ausbeuten.     Vgl.  schin- 

gen. 
Schaben,  /!,  s.  Schäwen. 
Schabernack,   pltd.  Schawernak,   m., 

arglistiger  Possen,  böser,  heimtückischer 
Streich;  mutwilliger  Scherz,  verdriefz- 
liche  Neckerei.  Einem  eiwas  zum  Scha- 
bernack thun.  Das  ist  Schavemack^ 
Necken  ist  das.  Soph.  R.  VI,  459. 
Naber,  du  saht  6k  sehne^  wo  di  de 
Scha/wemak  gespeelt  ös.  Hexspr.,  145. 
Vgl.  Weigand  U,  535.  Hennig, 
222. 

Schaberllbchen,  n.  1.  Rübe,  welche 
zum  Kochen  geschabt  wird:  Gelbmöhre 
oder  Steckrübe.  2.  Kindemeckerei, 
bei  welcher  das  Schaben  derart  nach- 
geahmt wird,  daCz  man  mit  dem  Zeige- 
finger der  rechten  Hand  den  Zeige- 
finger der  linken  mit  höhneader  Ge- 
bärde streicht  (schabt).  Gewöhnlich 
ruft  der  Schabende  dem  Grehöhnten  zu: 
Scham'  aus!    Hennig,  223. 

schäbig,  adj.,  s.  schäwig. 

SchabrQn,  Dem.  Schabrflnchen,  s.  Schu- 
prfne. 

Schacherjude,  m.,  Jude  der  schachert^ 
Handelsjude.  Knaben  bei  ihren  Kuppel- 
oder Tauschgeschäften  nennen  den  un- 
reellen Kameraden  Schacherjud. 

Schachermachai.  Kinder  schreien  den 
jüdischen   Hausierern    höhnend    nach: 


Judche^  ScJiachermachai!  Der  Zuruf  ist 
entstanden  aus  dem  alten  hebräischen 
und  biblischen  Grufz:  Schalaum^  achad 
Friede,  meine  Brüder!  Man  begegnet 
auch  dem  höhnischen  Zurufe:  Sclio- 
lemachai. 

Schacht,  Schecht,  m.^  in  der  Gegend 
von  Friedland  Ostpr.  auch  /.  1.  Schaft, 
langer  und  dabei  ziemlich  dicker  Ast, 
Stange.  Bohnenschacht^  Bohnenschecht, 
Stange,  um  welche  die  Bohnen  sich 
ranken.  Deckekchecht  (s.  d.)  Alth. 
scafty  angs.  sceaft^  hoU.  Schacht  und 
Schaft,  engl,  shaft.  Brem.  Wb.  IV, 
616.  Lit.  szakä  Ast.  2.  da  der  Ast, 
Schaft  etc.  auch  als  Prügelinstrument 
dient,  Schacht  auch  s.  v.  a.  Prügel, 
Hiebe.  Es  giebt  Schacht.  Krigst  Schacht 
nach  Note!  Volksr.,  89,  373 d.  Vgl. 
Schicht.  3.  penis  des  Hengstes;  davon 
ausschachten.  4.  Stiefelschaft,  welcher 
Schienbein  und  Wade  umschliel'zt,  mehr 
jedoch  Schecht  (s.  d.) 

schachteln,  st^.,  in  übertragener  Be- 
deutung tüchtig  und  mit  Appetit  essen ; 

auch  einschachteln. 

schachten,  sw ,  von  Schacht  2,  prügeln. 
öck  war  dt  schachte! 

Schachtwurm,  m.  1.  Idothea  entomon. 
Ostseestrand.  Die  Strandbewohner  nen- 
nen das  Tier  wegen  seines  verborgenen 
Aufenthalts  in  der  Tiefe  des  Meeres 
Schachtwurm.  Siebold,  Zur  Fauna 
Preulzens.  N.  Pr.  Prov.  Bl.  VII,  183. 
Mühling,  Tiern.,  177. 

schacksen,  sw.  1.  schäkern,  lustig 
lachend  spielen.  Das  Kind  mag  gern 
mit  andern  schacksen.  Friedland  Ostpr. 
2.  nach  Mühling  hinkend  gehen.    Vgl. 

schapsen. 

Schacktarp,  Schaktarp,  m.,  die  Zeit,  in 
der  nach  den  Herbst-  und  Frühjahrs- 
überschwemmungen das  sich  bildende 
oder   abziehende  Eis    den  Verkehr   in 


schaddern  —  schäffern. 


253 


den  litauischen  Niederungen  vollständig 
aufhebt;  lit.  szaktarpas.  Der  Schock- 
tnrp  kommt,  S.  die  genauere  Schilde- 
rung Sprw.  II,  2273. 

schaddern,  »w,^  viel  und  unnütz  spre- 
chen.    Mühling. 

schädderriy  sw.y  schuttein.  Hei  lacht, 
(int  hei  sock  schaddert. 

schade,  pltd.  SChäd  (a  -  a),  adv.  zuschade. 
Der  Rock  ist  zu  schade,  alltags  getra- 
gen zu  werden,,  er  ist  noch  zu  gut  da- 


zu. 


schaden,  sw»,  fehlen.  Was  schadÜt  dir, 
was  fehlt  dir,  worüber  klagst  du? 
Schad^  man  dafür!  in  dem  Sinne  von: 
Was  wirst  du  nicht?  Du  wirst  das 
schon  riskieren. 

Schadenkauf,  m.,  Diskonto.  1472 
wird  in  Danzig  eine  Wechselschuld, 
deren  Valuta  der  Gläubiger  schon  vor 
der  Ycrfallzeit  zu  haben  wünscht,  an 
einen  Dritten,  der  dafür  gegen  einen 
Abzug,  den  sich  der  Inhaber  des 
Wechsels  gefallen  läl'zt,  sogleich  Zah- 
lung leistet,  übertragen,  und  dieses  Ge- 
schäft wird  ein  Schadenkauf  genannt. 
Hirsch,  238. 

Schäder,  m.,  Mensch,  der  andern 
Schaden  und  Arger  verursacht.  Müh- 
ling. 

schadern,  sw.  schadem  gehen y  Eier 
der  Raubvögel  ausnehmen  gehen  und 
so  Schaden  vorbeugen.  Dorfknaben, 
die  solches  thun,  erhalten  von  den 
Wirten  als  Lohn  für  jedes  Raubvogel- 
ei,  das  sie  abliefern,  ein  Hühnerei. 
Ermland.     Mühling. 

schädem,  sw.,  Schabemak  machen, 
Possen  treiben.     Ermland.     Mühling. 

Schäfchen,  pltd.  Schftpke  (ä=a),  n..  Dem. 
von  Schaf,  pltd.  Schap,  plur,  Schäf- 
chens, Schapkes.  1.  kleines  Schaf. 
Bildlich:  Er  weifz  seine  Schafchens 
gut  zu  scliereny   seinen   Vorteil   wahr- 


zunehmen. Bir  hat  seine  Schafchens 
schon  ins  Trockene  gebracht,  seinen 
Vorteil  eingeheimst.  2.  Schmeichel- 
wort für  kleine  Kinder.  B^  bist  mein 
trautes  kleines  Schafchen,  3.  Schaum- 
welle der  See.  JSide  heft  de  See  schöne 
Schapkes,    Samland. 

Schaff,  nach  T reich el  in  Westpr. 
auch  Schapp,  n.,  Schrank,  Schrein, 
Spind.  Bücher-,  Kleider-,  Essen-,  Speise-^ 
Küchen-,  Topf-,  Wäscheschaff.  Glas- 
schaffy  Schrank  mit  Glasthüren.  Poln. 
szafa,  szafka  wohl  aus  dem  Deutschen. 
Wenn  man  nicht  Küch,  nicht  Schaff, 
nicht  Keller  kann  bespüren,  Carm, 
nupt,  U,  22  b.  So  kann  au>ch  sie  das 
Geld  ins  Schaf  zusammenlegen.  Ibid. 
S.  Hagen,  Norika.  Leipzig,  1872, 
S.  84.  Bock,  55.  Hennig,  223. 
über  Schaf  als  oben  oflFenes  Gefaiz, 
Falz,  Becken  s.  Weigand  II,  539. 
Schade,  778b. 

schaffen,  stu.sw,  1.  machen,  herbei- 
bringen, herbeiholen,  besorgen,  an- 
scha£Pen.  Das  mufzt  du  mir  schaffen! 
Schaff  mir  ein  Pferd  —  Geld  etc,! 
AW  diese  Sachen  hab^  ich  mir  geschafft, 
2.  wirken,  nützen,  fördern,  vorwärts 
bringen,  vorwärts  konmien.  Dcts  schafft 
==  fördert,  wirkt,  hilft!  Das  schafft 
nichts!    Die  Mouschiri  schafft  was, 

Schäffer,  m.,  SchaflEner,  Verwalter, 
Aufseher,  Wirtschafter,namentlichGuts- 
verwalter,  Inspektor.  Von  schaffen;  in 
einigen  Gegenden  Deutschlands  un- 
mittelbar Schaffer.    Hennig,  224. 

schäfferieren,  sw,,  s.  schäffern. 

Schäfferin,  Schäffersche,  /.,  Schafinerin, 
Wirtschafterin.    Hennig,  224. 

schäffern,  sw.,  von  schaffen,  sich  zu 
schaffen  machen:  1.  befugt  und  dann 
s.  V.  a.  im  Hause  eifrig  herumwirt- 
schaften. 2.  unbefugt  in  anderer  Leute 
Sachen  sich  mischen  oder  unter  ihrem 


254 


Sühäffersche  —  Schalbelehtiter. 


Hausgeräte  sich  zu  scha£Pen  machen. 
Woi  hast  du  hier  zu  schafemf  Bock, 
56.  Hennig,  224.  In  beiden  Bedeu- 
tungen auch  schäfferieren.  Vgl.  käm- 
mern. 

Schaff  ersehe,  /.,  s.  Schaff  erin. 

schäffrig,  adj.  von  schäffem. 

Schafscher,  Pflzn.,  Schafgarbe,  Achü- 
lea  miUefolium  L.  Friedland  Ostpn 
Treichel,  Volksth.  HI.  Nach  diesem 
heifzt  die  Pflanze  im  Weichseldelta 
pltd.  auch  Schftpscharwel.  Beide  Namen 
erklären  sich  daraus,  dal'z  die  Bluten 
der  Pflanze  aus  der  Feme  aussehen, 
als  wären  sie  Stücke  der  geschorenen 
oder  gescharwten  (s.  scharwen  •  und 
Scharwel)  Wolle  des  Schafes. 

Schafshusten,  m.,  Husten  eines  Schafes; 
zur  Bezeichnung  eines  kurzen  trockenen 
Hustens. 

Schafskopf,  m,    1.  Kopf  eines  Schafes. 

2.  Schimpfwort  für  einen  dummen  Men- 
schen. ESchdpskopp  kosft  tteDäler  — 
wenn  du  wölkte  denn  kep.  Der  Schafs- 
kopf als  Injurie  ist  gemeint.    Sprw.  I, 

3243.    Ebenso  Schafsnase,  Schafszagel. 

3.  beliebtes  Volks-Kartenspiel. 

Schafskot,  m,,  Pflzn.,  s.  Kaffeebohne. 
Schafsnase,/.,  -zagel,  m.,   s.  Schafs- 
kopf. 

schäftig,  ad},f  grob,  frech,  trotzig  in 
Rede  und  Gebärde;  keck,  forsch,  vor- 
witzig, redefertig  und  geschäftig  im 
Wesen.  Sie  hat  ein  schäfüye»  Maul. 
Sie  war  noch  schaftig,  sie  behandelte 
uns  grob,  schrie  uns  an.  Sei  man  noch 
schaftig,  frech,  unverschämt !  geschäftig 
ist  eine  moderne  und  in  der  Bedeutung 
abgeschwächte  Abzweigung.  M  ü  h  l  i  n  g 
fuhrt  noch  die  Bedeutung:  tbätig,  ar- 
beitsam an,  die  wohl  die  ursprüngliche 
ist,  aber  gegenwärtig  provinziell  kaum 
üblich  sein  dürfte.  Sie  findet  sich 
noch    in    Luthers    Bibel:     Spr.    Sal. 


14,  4:  Wo  der  Ochse  schäfüg  ist^  da 
ist  viel Einkom7nens,  Bock,  55.  Hen- 
nig, 223. 

schaggern,  sw,,  etwas  lose  auf  ein- 
ander schichten,  hauptsächlich  Dinge, 
die  nicht  fest  sich  zusammenlegen,  wie 
z.  B.  Strauchwerk.     Marold. 

Schäk,  m.,  dünne  Leine  an  dem  Ende 
der  Treibleine  des  Braddengams,  die 
während  des  Fischzuges  neben  dem 
Steuer  des  Braddenkahns  festgemacht 
wird.     Benecke,  337. 

Schflke,  /.,  Glied  einer  Uhrkette. 
TreicheL 

Schaken,  Schaaken,  Ortsn.,  Kirchdorf 
im  Kreise  Königsberg.  Die  Schakener 
ziehn  sich  Paresken  an,  gehn  zur  Kirche 
und  singen:  Ein  Wohlgefallen  Gott  an 
uns  hat    Samland. 

Schäker,  m.,  nach  Hennig  s.  v.  a. 
Schacher,  kleiner,  hagerer,  kränklicher 
Mensch.  Er  sieht  aus  wie  ein  Schaker. 
In  Hamburg  und  Bremen  SchräkeL 
Brem.  Wb.  IV,  689. 

Schakerillenbork,  Schakrillenbork,  Scha- 

krill,  /.,  Medik.,  Cortex  cascarillae. 

schäkig,  od)'.,  scheckig,  bunt.  (?)  De 
Fiebel  had  (eck)  derchlekrt  on  wüste  op 
en  Haar  Dat  schehckge  ABC  dabie  de 
andre  Siehde.    Cai^m.  nupt.  HI,  77c. 

Schaktarp,  m.^  s.  Schacktarp. 

SChakOterig,  adj.,  zum  Herumtreiben 
geneigt,  unstät:  ein  schakuteriges  Frauen- 
zimmer. 

Schal,  /.  u.  m.,  Shawl. 

Schalbelehnter,  m.,  ein  mit  der  Schale, 
Wagschale,  Belehnter;  vereidigter 
Wäger  bei  den  städtischen  Wagen. 
Königsberg.  Dan  zig.  £benso  Schal- 
knecht,  w.,  Aufsetzer  der  Gewichte  bei 
den  öffentlichen  Wagen.  Dzg.  W. 
Seidel,  34  Heute  heiizen  in  Kgsbg. 
Schalbelehnte  die  Aufsetzer  der  Ge- 
wichte. 


Schäl  her  —  Schallen. 


255 


Schälber,  ?n.,  schälbern,  sw.y  s.  Schei- 
ber etc. 

Schälblatter,  f.y  Blatter,  die  sich 
schält,  „abschäl wert",  Hitzblatter.  Wir 
bitten  Mütter^  bei  deren  Kindern  die 
sogen,  Schefdblattem  sich  nicht  finden^ 
aufmerksam  zu  sein,    Soph.  R.  IV,  335. 

SchAldiele,  /.,  Diele  zum  Verschalen 
des  Daches;  man  benutzt  daza  gern 
die  sog.  Schwarten. 

Schale,  /.  1.  Schüssel,  Napf.  2. 
kaUe  Schale.  KaHschAl,  /.,  Getränk, 
Schale  mit  Bier,  seltener  mit  Wein, 
worinSchiflFszwieback  gebröckelt,  Zucker, 
Zitrone  etc.  hineingethan  wird.  BAn 
Glas  Kaltschdl.    Hennig,  224. 

Schäle,  pltd.  Schell(e),  plur.  Schälen, 
Schelle(n),  /.,  Schale.  Kartoffeln  mit 
Schälen^  in  der  Schale  (Pelle).  Hen- 
nig, 229. 

schälen,  gewöhnlich  verschälen,  sw. 

1.  schal  werden,  Geist  und  Kraft  ver- 
lieren; von  Getränken.  Das  Bier  ist 
verschalt.  2.  die  Fläche  des  Daches 
mit  Brettern  uberkleiden,  daher  üblicher 
verschälen,  also  mit  einer  Schale,  Hulle^ 
bekleiden.  Im  Holsteinschen:  den  Mast 
cerschalen^  ihn  unten  mit  Holzplatten 
einschliei'zen;  in  Pommern:  Das  Ufer 
schalen^  verschalen^  ein  Ufer  mit  Bret- 
tern verkleiden.  Schütze  IV,  20. 
Dähn.,  400a.     Hennig,  224.  290. 

schälen,  pltd.  schellen,  sw.     1.   der 

Schale   entledigen.     Kartoffeln  schalen. 

2.  schuppen,  abschuppen;  von  der 
Haut,  die  sich  in  kleinen  dünnen 
Schuppen  ablöst.  Gewöhnlich  schalbem^ 
schälwem.  3.  spülen;  vorzugsweise  von 
den  Wogen  des  Meeres,  welche  sich 
am  Ufer  brechen.  Das  Ufer^  der  Damm 
wird  weggeschält.  Das  Getreide  schält, 
es  wogt  gleich  den  Wellen.  Die  Wäsche 
schälen,  sie  durch  Hin-  und  Her- 
schwenken iui  Wasser  spulen,  reinigen. 


4.  mit  der  vorigen  Bedeutung  verwandt : 
schnell  fliefzen.  Das  Wasser  schält 
man  so.  Nach  Mühlin g  in  diesem 
Sinne  auch  schTnen.  abschälen,  in  den 
Bedeutunoren  1  bis  3.  Hennig,  225. 
229.    Vgl.  schelen. 

schalig,  adj.  von  schale  kraft-,  ge- 
schmack-,  geistlos. 

Schäling,  /.,  s.  Schälung. 

Schalk,  7».,  verwilderter  Schöizling 
kohlartiger  Pflanzen.  Weifzkohl,  Wruk- 
ken,  Kohlrabi,  Runkelrüben  etc.  sind 
zweijährig  und  bilden  nur  im  ersten 
Jahre  brauchbare  Köpfe,  resp.  Wurzeln, 
aus  denen  im  zweiten  Jahre  Blüten- 
und  Fruchtstengel  treiben.  Wenn  sie 
nun  (ausnahmsweise)  bereits  im  ersten 
Jahre  Stengel  treiben,  so  kommen  die 
brauchbaren  Köpfe  und  Wurzeln  nicht 
zur  Ausbildung,  und  die  Pflanzen  hei- 
izen  alsdann  Schälke,  Schalken,  lit. 
szalkei.  Nsslm.  Forsch.,  3;  Th.  220. 
Im  Götting.  ist  schalkkdl  ebenfalls 
gleichsam  betrügerischer  Kohl,  d.  i. 
Kohl,  der  keine  Köpfe  oder  Bollen 
bildet.     Schamb.,  180a.     Vgl.  KumsL 

Schälkartoffeln,  plur.,  Kartoffehi  in  der 
Schale  (PeUe). 

Schalknecht,  m.,  s.  Schalbelehnter. 

Schallen,  Ortsn.,  Dorf  im  Kirchspiel 
Allenburg,  Kreises  Welilau.  Als  die 
Chaussee- Verbindung  zwischen  Allen- 
burg und  Wehlau  noch  fehlte,  führte 
eine  gewöhnliche  Landstralze  alter  Art 
von  Allenburg  nach  Wehlau  über  die 
Orte  Schallen,  Leü'zienen,  Rockelkeim 
und  Paterswalde.  Den  Zustand  dieser 
Landstralze  schildert  der  nachfolgende 
Volksreim:  Körnst  du  na  Schcdle^ 
warscht  du  motte  knalle,  Ön  Leifziene 
warscht  du  motte  grtne,  Awer  ön  Ro- 
ckelkeim,  da  schlag  dat  Wedder  drein! 
Bet  du  kömst  nä  PäterswSld,  heft  de 
Diwel  alles  gefiolt     Sprw.  I,  3244. 


256 


Schalra  —  Schande. 


Schalm,  m.  1.  Waldstück,  Waldteil, 
Streifen  Waldes,  besonders  abgegrenzt. 
Öck  hebb  en  ganzen  üchalm  gehofft  2. 
llolzstrecke.  (?)  Godrienen.  3.  Rain, 
Grenzt»,  besonders  im  Walde.  Natan- 
gt'n.  4.  Marke  in  Waldbäumen;  vgl. 
jschalmen, 

schalmen,  ««r.  1.  Bäume  im  Walde 
durch  AbschuK'n  oder  Abschlagen  eines 
Stückes  der  Kinde  zeichnen,  entweder 
lUs  Grenzmarke  oder  als  zum  Fällen 
bestimmt.  2.  eine  Grenze  im  Walde 
schlagen;  einen  Wald  durchhauen,  ab- 
SChabnetl  in  der  Bedeutung  1  und,  nach 
Hennig«  i>,  einen  Teil  des  Waldes 
einhegen  als  Weide  oder  Schonung. 
VgL  Grimm,  Wb.  I,  95. 

Scbtiti  wi.,  Appellationsbericht,  Be- 
sohwerdesohrift  an  das  Ol^ergericht 
über  ein  Urteil  des  Untergerichts. 
Bone«  Beilrag  «.  preufz.  Seerecht»  26. 
Eim  VfttH  .<rA<iA(*M^ appellieren.  11  en- 
nig.  225. 

SCkiHtn  WNI  waHtn  =  handeln,  thun. 
Et    $K^kitlttt    nmi    nrtilM    Air*    nrie   er 

SchtKtnls,  IN«.  Pin>gge^  ausgerollter 
MehUoig«  der«  tuswomiengelegt.  in  fei- 
n^nH\  Häusern  mit  Konfitüren«  in 
s^Klichteren  Haashaluing^n«  namentlich 
in  lauiuen«  mit  Glumse  gefuUt  und 
dann  $elvackeii  wird.  Die  Glumse  wird 
häufig  mit  IKxni^  i^ier  Zucker  süii  g«^ 
macht  und  mit  fein  g^riebem^m  Zimmet^ 
«^ii4:lisok<'m  ii^wür*.  etw;iis  Satnin  und 
kleiuei;  K^Nsir^n  dun^hp^knetot.  IVr 
Name  d^^  ursfxrikngtioh  litauisckT^n  G\^ 
rickufts  ist  ^ixe  Zu;^«lem«^^.s«^t^ttn^  aus 
Kt.  c;s47i  tn<Hrva  ^.s:,>J^,»  kalO  und  *kw 
Xa:>*f^  b<Ni<utrt  alsv^  .»kalte  Nas^^'*,  In 
a»\^<nNX  G^^WÄxie«  d^^r  IVnirj  hei  .rei: 
*tK>s^  l\rv>5:j>rr.  tr«V«rwi!rVv-yw^%s  im  F.rm- 
la»\W  ^t,M^Tirt<Ä>u^  V^;  B.^vk«  Na;* 
l    1^-4. 


Schalung,  /.,  Verschalung,  Verkleidung 

mit  Brettern.  Der  Polier  hat  nicht  an- 
geordnet^  die  Stet  fen  fortzuschlagen^  Mn- 
dern  nur  die  Schalung  zu  lichten,  Egsbg. 
Hart.  Ztg.  vom  ll.Oktbr.  1873.  Nr.  239. 
Abd.-Ausg. 

Schälung,  Schäling,  /.  1.  die  leichte 
Brandung  der  See,  das  Anspülen  nnd 
Zurücktreten  der  Wellen.  2.  der  be- 
spülte Rand  des  Meeres  selbst.  An  vie- 
len  Stellen  schief zet  das  Seeufer  so  allmäh- 
lich ab^  dafz  man  mit  Kutsch  und  Pfer- 
den bis  in  die  Scheelung  ganz  gemäch- 
lich herabfahren  kann.  Bock,  Nat.  I, 
447f.     VgL  RolUng. 

SchahippeiMiaiik,  n.,  Umschlagetuch. 
Treichel. 

SChalusch,  adj\,  hinterlistig,  auf  eige- 
nen Vorteil  bedacht.  E  schabtscher 
KM. 

schUwenu  sw.y  s.  sdielbem. 

Sdiamel,  m.,  Schatten  des  Menschen. 
Saalfeld. 
schSiMiiani,  sir..  s.  sdmimern. 
SchlMMrsbnde.  /.,  s.  Schimmerung. 
scMuii|wlii«  MC.«  s.  sciiMBipeln« 

achl1lifr>ny  nr.,  entsteilen,  verun- 
ziervn.  Sc^td  öck  «w  de  Nds  af 
$chamf>f'r  öd  mh  Gesockt 

ScUn,  m.  Vom.«  Abkürzung  für 
Ohrisüan.  Hartwich,  54:  Szan. 
Schämht^  bAf  ma»L  Christimncken,  bete 
nach.  Samland.  Sprw.  I,  30.  Wenn 
iVat  vkM  ir«/;>l  IT.'  oet  dem  Sekdn^  nU- 
m^m  i^w  SJji.  Mpf  hr»«.  Königsberg. 
Firmenich  L  lOia. 


rU  WasiSit^nzage«  Pede.  E. 
For<:em  erinaen  zur  Ableitmi^  dalk 
trüber  in  NoruLaosien  tind  wtdil  madi 
ari  an«ien»i  Oneti  Huren  Tor  dem 
Ka:ha9L>ie  i.>e 
mu  t«< 


ko^cm.      Im    P^ 


ilnrdieScInl- 
(SMta) 


schänden  —  Schappkenmfitce. 


257 


mofzte  der  Verbrecher  die  Schandsieine 
am  den  öffentlichen  Markt  tragen  und 
aaf  den  Kcuik  oder  Pranger  niederlegen. 
Dähn.,  401a. 

schänden,  sw.,  Schandhaftes  nachsa- 
gen, verleumden,  beschimpfen;  schim- 
pfen, schelten,  Verweise  aasteilen, 
dann  gewöhnlich:  ausschänden;  über- 
haupt über  jenfknd  sprechen.  SckäfuT 
jü  allwedderf  In  gleichem  Sinne  schan- 
tieren,  pltd.  8chand(re(n).  Hingegebe  dem 
Schandeere  an  dem  KickelkackeL  Dorr, 
1.  Wiew.,  125. 

Sc\imAw\imA^T.Schandet*bandei*  schlägt 
sich^  Schanderbander  oertrdgi  sich.  Kö- 
nigsberg Soviel  als  Pack,  aus  Schande 
und  Bande  zusammengesetzt.  Sprw.  II, 
2289. 

Schandfleck,  m.  u.  /.  1.  Schand- 
flecken, wie  aligemein.  2.  harte  Schelte, 
Schimpfrede.  Datgew  e  Get'öcht  Hchand- 
ßeck,  das  gab  tüchtige  Schelte.  Einem 
ein  Gericht  Schandfleck  anhangen. 
Schandfleck  wird  wortspielend  mit  Ge- 
richt in  Zusammenhang  gebracht,  da 
Fleck  eine  provinzielle  Lieblingsspeise 
ist.  For  e  Grosche  Schandfleck !  fordern 
Spal'zvögel  in  Königsberg  von  den 
Marktfrauen,  und  sie  erhalten  Schimpf- 
worte reichlich  zugemessen.  Für  Posen 
bei  Bernd,  247. 

schändlich,  adv.^  zur  Verstärkung  im 
Sinne  von  sehr.  Er  ist  schandlich  reiche 
—  hat  schändlich  viel  Geld,  —  schdlt 
schändlich. 

Schandmaul,  n.  1.  loses,  schmähsüch- 
tiges Maul,  Lästermaul.  2.  Person,  die 
ein  solches  Maul  hat.  . . .  darauf  dies 
Schandmaul  geantwortet:  Mein  lieber 
Herr.,  ich  frag'  den  Teufel  nach  der 
Busse.  Hartwich,  528.  Hennig, 
225. 

schamlshalber,     schanshaiber,     adv., 

acbftodenlMdber,  anstandshalber,  ehren- 

MteMter,  WfirtwbiMk  U. 


halber  etwas  thun  oder  lassen,  weil 
man  sich  sonst  zu  sehr  schämen 
müfzte,  nicht  aus  innerem  Antriebe. 
Schmeller  III,  370. 

Schäne,  /.,  schänen,  sw.,  s.  Schftne. 

§chan(re(n),  sw,^  sich^  sich  genieren, 
blöde  sein.     Be  schauert  sock  man. 

Schang,  n.,  WoUenzeug^  einfach  ge- 
wirkt, vne  Linnen;  also  nicht  Drillich 
oder  Halbdrillich. 

Schank,  m.  u.  /.,  Schenke.  Bier-- 
schanky  Bierschenke. 

Schankäich,  /*.,  s.  Schenkäich. 

schänken,  sw.^  Schanker,  m.,  Schän- 
kersche,  /.,  s.  schenken  etc. 

Schankreis,  n.,  Zweig  vor  einer 
Schenke.  Um  die  Quirl  und  Schank- 
reiser  zusammen  zu  bringen^  werden  die 
muntersten  und  besten  Fichten  und  Tan- 
nen  nicht  verschonet,  Bock,  Nat.  lU, 
33. 

schanshalber,  adv.^  s.  schandshalber. 

schantieren,  m*.,  s.  schänden. 

schanzen,  sw..,  mühsam  und  ange- 
strengt arbeiten.  Ich  habe  den  ganzen 
Tag  schanzen  mimen.    Vgl.  ZUSChanzen. 

Schanzenläufer,  Schanzeläufer,  m  ^  kur- 
zer Frauen-Uberwurf.  Schemionek, 
33. 

Schäpel,  m.^  von  Sperber,  27,  kurz 
als  „eine  Fischart"  bezeichnet.  Wohl 
fehlerhaft  für  Schnäpel  (s  d.). 

schäpen,  str.,  schiffen,  zu  Markte  fah- 
ren und  zwar  per  Achse.  Getreide  schä- 
pen.    Gr.  Werder. 

Schapp,  n.,  s.  Schaff. 

schappieren,  pltd.  schapp&re(n),  auch 
eschapp6re(n),  entgehen ,  entschlüpfen, 
franz.  echapper.  Hei  es  schappert. 
v.  Auer. 

Schappke,  n.,  Käppchen.  Gr.  Wer- 
der 

Schappkenmiifze,  pltd.  Schappkemüb, 

f.,    wörtlich    Eäppchenmütze^    leichte 

17 


258 


Schapscharwel  —  Scharre. 


Sommerxn&tze,  im  Gegensat  zzur  Pudel- 
mütze^ Pelzmütze,  Wintermütze.  Gr. 
Werder. 

Schapscharwel  (erstes  a  =  ä),  Pfizn., 
s.  Schafscher. 

SChapsen,  sw,^  gehen,  laufen,  schaps 
man  af\  mache,   dal'z  du  fort  kommst. 

Vgl.  schacksen  2. 

Schar,  /.  u.  w.,  8 — 12  m  breite  streifen- 
artig sich  hinziehende  Bodenfläche  in 
den  Ha£Pen  nächst  der  Packrant  (s.  d), 
mit  plötzlichem  Abfall  des  Grundes. 
Wesentlich  für  die  Schar  ist  der  plötz- 
liche Abfall  des  Grundes,  vfo  ein  sol- 
cher nicht  vorhanden  ist,  giebt  es  keine 
Schar.  Man  unterscheidet  harte  und 
weiche  Schar^  je  nach  der  Beschaffen- 
heit des  Grundes.  Benecke,  223. 
Innerhalb  dieser  Grenzen  dürfen  nur 
die  zur  Dorfschaft  Alt-PiUau  gehörigen 
Fischer  unter  der  Bedingung^  dafz  sie 
die  Schaaren^  den  Kessel  und  den  Strom 
beiPillau  vermeiden^  ihre  bi^henge  Fische- 
rei mit  dem  Strandgame  ausüben.  Fisch.- 
Ord.  f.  d.  fr.  Haff,  §  13.    Vgl.  Mott,  /. 

schär,  adj.^  schräg,  schief.    Natangen. 

Schärbock,  SchSrbock,  m.,  Scharbock, 
Skorbut.  Worauf  er  hernach  merch- 
lichen  frisch  sich  befunden  hat^  nach- 
dem er  vor  weniger  Zeit  einen  starcken 
anstosz  von  Schörbock  gehabt  Linem., 
Zz3a.  Nds.  schärbuk,  holl.  scheurbuik, 
schwed.  skörbjuggy  engl,  scurvy^  woraus 
das  neuere  Uit.  scorbutus.  Über  die  Ab- 
leitung s.  Adelung  III,  1360.  Wei- 
gandll,  548. 

schären,  sw,y  schüren.  Juhn  Find 
verlahm  ^  wenn  hei  seekt  Onglöck  anto- 
schdre.  Carm.  nupt.  1,  282,  17.  Juhn 
Fingdt  verlohm^  verkrom^  de  Ju  wat 
schlehms  to  schäre,     Ibid  III,  77  d. 

Schärfe,  /.,  verschärfte  Strafe,  höhe- 
res Strafmal'z;  vielleicht  auch  eine  be- 
stimmte Strafe,    vnd  ob  sie  (die  Her- 


ren der  Morgensprache)  woll  gnugsame 
vrsache  jhn  hart  zustraffen  gehabt,  haben 
sie  jme  dennoch  die  scherffe  erlassen, 
1549.    Die  Zünfte,  46. 

Soharfischerei,  /.,  Fischerei,  welche 
nur  auf  den  Scharen  ausgeübt  werden 
darf.  Sie  wird  mit  dem  Schargam  be- 
trieben, das  mit  dem'  Windegam  gleiche 
Einrichtung  und  gleiche  Maschenweite 
hat,  jedoch  bedeutend  kleiner  ist.  Auch 
bei  dieser  Fischerei  dürfen  weder  Ruder 
noch  Segel  angewandt  werden,  um  das 
ausgebreitete  Garn  in  der  Länge  vor- 
wärts zu  ziehen.    Sie  heilzt  auch  Som- 

mergarnfischerei. 

Schargam,  n.,  Garn,  Netz,  zur  Fische- 
rei in  der  Sommerzeit  auf  den  tiefen 
Scharen  des  frischen  Haffes;  es  heilzt 
auch  Sommergam.    S.  Benecke,  344. 

Schärker,  m.,  s.  Hahnenpfote. 

Scharmachergasse,/.  Danzig.  Förste- 

mann,  Stral'zn. ,  15,  fragt:  Ist  dabei 
an  Yerfertiger  von  Pflugscharen  zu 
denken?  oder  von  Schirmen?  schwer- 
lich an  die  Scharwache. 

Scharmull,  m.,  s.  Kräfzel. 

scharmutzieren,  sw^  schön  thun,  lie- 
beln, mit  Mädchen  tändeln.  Gleichbed. 
mit  Scharmützeln  von  Scharmützel  Klein- 
gefccht. 

scharnig,  adj.^  fett,  gemästet.  Im  Göt- 
tiug.  schamefett  zum  Schlachten  fett, 
sehr  fett;  von  Tieren  und  Menschen. 
Schamb.,  181a.  Lit.  szeriu,,  szerti 
futtern,  nuszenu  mästen.  Lit.  Aeq.,  21. 
Nsslm.  Forsch.  3;  Th.,  163.  Hennig, 
226. 

Scharp,  Scharpvogel,  w.,  Schnarrwach- 
tel, Crex  pratensis;  nach  dem  Geschrei 
scharp  scharp.     Vgl.  Grasser. 

Scharre,  /.,  Fischn.,  s.  Flinder 

Scharre,  /.,  Scharren,  m.,  Bank,  Tisch, 
auch  Lokal,  Gebäude,  zum  Kauf  und 
Verkauf  von  Brot  oder  Fleisch.  Fleisch- 


scharren  —  Scharwerk. 


359 


scharren^  Fleischbank.  Brotscharren 
Brotbank.  In  Hamburg  Schrange^  in 
Braunschweig  und  in  Pommern  Schar- 
ren^  im  Götting.  schartig  in  Bayern 
Schrann^  Schrannen.  Kichey,  241. 
Dähn.,  401a.  Schamb.,  181a. 
Schmellerlll,  512.  Hennig,  226. 
Vgl.  WeigandU,  550. 

scharren,  sw.y  kratzen,  hervorkratzen. 
Kartoffeln  scharren^  aus  der  Erde  kratzen. 

S.  klauen. 

scharrewarre,  ocfe.,  unordentlich  und 
verworren  durcheinander  liegend.  Das 
liegt  alles  schairewarre,  Wohl  aus  dem 
frz.  charivari  Gezänk,  Lärm;  Katzen- 
musik; im  Kartenspiel  alle  vier  Damen 
in  einer  Hand.     Hennig,  226. 

Scharrfufz,  m ,  Kratzful'z,  Verbeugung, 
Kompliment,  Visite.  Ich  mujz  ihm  mei- 
nen Scharrfufz  machen.  Eck  dankt  met 
fehl  Complent  on  makt  em  doehp  Schar- 
Foth,  Carm,  nupt  HI,  77c.  Hennig, 
226.    Vgl.  Kratzfufz. 

Scharrhans,  m.^  Hans,  der  scharrt, 
einscharrt,  zusammenrafft:  Geizhals, 
Filz.  Schimpfwort.  Stein,  Peregrinus 
XII,  82.     W.  Mtsbl.  V,  191. 

Scharriwarri ,  /.,  „lange  Beinkleider, 
die  man  auf  Reisen  oder  zu  Pferde 
trägt,  um  sich  nicht  zu  beschmutzeu; 
eigentlich  wol  persische  Beinkleider. 
£in  altes  persisches  und  sehr  in  fremde 
Sprachen  gedrungenes  Wort  (S.  Ro- 
landi  Diss,  de  veteri  lingtut  Fers»  voc, 
Sarabara.y     Dzg.     Klein  II,  107. 

scharrjäken,  sw.^  rasen,  tollen,  wild 
und  unordentlich  sich  benehmen.  Müh- 
ling. 

Scharrkuchen,   pltd.    ScharrkAke,   m, 

letzter  Fladen  (Kuchen),  zu  dessen  Her- 
stellung die  Teigreste  zusammenge- 
scharrt wurden. 

Schart,  m.,  kleiner  Napf  zui*  Auf- 
nahme  des  Katzonfntters.    TreicheL 


Scharugge,  /.,  altes  Pferd.   Treichel. 
Vgl.  Kracke. 
Scharwel,  m.,  s.  Scherbel  u.  scharwen. 

scharwen,  sto.,  schneiden,  schrapend 
schneiden.  Wer  de  längste  Bart  heft 
(beim  Essen  am  meisten  den  Mund  be- 
schmiert hat),  mufz  op  e  Sinndag  Kohl 
scharwe.  El  hing.  Sprw.  J,  246.  Da- 
von Scharwsel,  Scharwel,  n.,  das  Ab- 
geschnittene: Kaiixiffelscharwsel.  Schap- 
schaffet,  die  abgeschorene  Wollflocke. 

Vgl  Schafscher, 
scharwenzeln,  scherwenzeln,  sw,y  schmei- 

chelnd  dienstwillig,  um  jemand  sich 
viel  zu  schaffen  machen,  ihm  Ergeben- 
heit beweisen,  mit  dem  Beigeschmack 
des  Unstäten  und  Müi'zigen.  Nach 
Gortzitza  auch  scharwenzen.  Von 
Scharwenzele  w..  Unter  (Bube)  im  gleich- 
namigen Kartenspiel;  Allerweltsdiener; 
dienstbereitester  Bückling  mit  Scharr- 
ful'z.  Weigand  II,  552.  Er  scher- 
wenzelt stets  um  ihn  herum.  Nu  kam 
emal  ^ne  mächtige  Fee  bei  er^  on  om  die 
scharwenzelt^  (fehlerhaft  steht  schwar- 
wenzelf)  se  herum.  Schalt).  1,  441. 
Komm^  §k  kann  nich  scharwentzeln. 
Dorr,  1.  VView.,  68.  Wo  bleibt  ehr  (der 
Erde)  da  noch  Zeit  om  de  Sonn'  i^um- 
mer  ze  schet^wenzeln,     Schaltj.  1,  442. 

Scharwerk,  pltd.  SchArwark,n.,  Dienst- 
iirbeit,  verpflichtetes  Tagewerk.  Ins 
Scharwerkgehn^  zur  verpflichteten  Dienst- 
arbeit gehn.  Der  Begriff  Frohndienst, 
Frohnarbeit,  der  früher  mit  dem  Worte 
verbunden  war,  ist  in  demselben  gegen- 
wärtig nur  noch  in  soweit  lebendig, 
als  die  Verpflichtung  zum  Scharwerk 
für  eine  durch  Übereinkommen  festge- 
setzte Zeit  besteht.  Vgl.  Scharwerker. 
Aus  Schär e  mhd.  schar ^  ahd.  scara 
Heeresabteilung,  Haufe,  Menge,  zuge- 
teilte, der  Reihe  nach  zu  leistende 
Dienstarbeit;      polonisiert      szarwark, 

17* 


260 


scharwerken  —  Schatolz. 


Hennig,    225.      Vgl.    Weigand  II, 
552. 

scharwerken,  9u^.  1.  Scharwerksdienste 
leisten.  Do  gab  er  (Meinhardt  von 
Qaerfart)  den  Pauem  fünf  gantze  Jahr 
frey^  da/z  de  nicht  dorffen  schössen  noch 
schorwercken.  Hartwich,  6.  So  müssen 
sie  doch  dem  Schlojz  und  dazu  gehöri- 
gen Gütern  zur  gewissen  Z^t  schaar- 
wercken.  Denn  wenn  zu  Schlo/z  etwas 
grauet  oder  repariret  tcird,  müssen  sie 
aUe  Materialien  und  Zubehör  beiführen. 
Ibid.,  55.  Nach  Gordack  bezeichnet 
man  mit  scharwerken  auch  die  Thätig- 
keit  der  sog.  „Zweiten"  in  der  Küche, 
des  Nachharkens  auf  dem  Felde.  2. 
arbeiten,  ohne  sonderlich  dafür  belohnt 
zu  werden.  Ich  habe  den  ganzen  Tag 
zu  scharwerken  und  verdiene:  doch  so 
gut  wie  nichts.  Ich  mufz  ihm  viel  schar- 
werken.  3.  sich  abarbeiten,  quälen.  — 
In  Pommern  schaarwarken  geschäftig 
sein,  Verkehr  und  Gewerbe  betreiben. 
Dähn.,  398b.    Hennig,  225. 

Scharwerker,  tt».,  ein  zum  Schar  werk 
verpflichteter  Arbeiter,  meist  unverhei- 
ratet. Auf  den  Gütern  sind  die  Inst- 
leute verpflichtet,  eine  bestimmte  An- 
zahl Scharwerker  zu  halten,  mit  welchen 
sie  auf  Erfordern  des  Gutsherrn  in  die 
Arbeit  rücken  müssen.  Sie  zahlen  den- 
selben einen  bestimmten  Tagelohn;  nach 
Sperber,  27,  zahlt  diesen  die  Guts- 
herrschaft. Dumm^  faul  und  gefräfzig 
giebt  einen  guten  Scharwerker,  Fül  on 
e  gödet  Mül  göft  e  gCde  Scharwerker, 
Er  geht  wie  ein  Scharwerker^  er  geht 
sehr  langsam. 

Scharwerksbauer,  m.^  Bauer,  der  zum 
Schar  werk  verpflichtet  ist;  ira  Gegen- 
satz zum  Zinsbaua*  oder  Hochzinser. 
. .  ,  da  man  dort  (in  England  etc.)  keine 
Schaarwerksbauem  wie  in  Preu/zen  habe. 


Bock,  Nat  I,  629  u.  171.  Vgl.  Schar- 
werksdiensL 

Scharwerksdiensty  m.,  Verstärkung  von 
Scharwerk.  Manche  Grundstücke  müssen 
(bei  einem  Dammdurchbruche)  aufzer 
den  Geldbeiträgen  noch  Arbeiten^  „Schar- 
werksdienste^  ^  leisten^ — sogenannte  schar- 
werkspßichtige  Hufen.    Passarge,  195. 

Schasch,  Schaschk,  auch  Schaschke  u. 

Schatechke,  m.,  Bernstein.  Nehrung. 
Samland.  Tolkemit.  Man  unterscheidet 
Underschaschke,  Stücke  unter  1  u  über 
i  Lot,  und  Bäwerschaschke,  Stücke  über 
1  Lot  bis  ^  Pfund  schwer.  Das  Brauns- 
berger  Kreisbl.  1864,  No.  37,  mochte 
Schasch  etc.  auf  orientalischen  Ursprung 
zurückführen,  durch  jüdische  Bernstein- 
händler  eingeschmuggelt. 

Schascha,  m.,  Mehlfladen,  in  einer 
Pfanne  oder  auf  dem  bloi'zen  Feuer- 
herde gebacken.  Mühling.  Nach  einer 
Mitteilung  aus  Korschen  Schascher  - 
Flinsen. 

Schäsche,  /*.,  Schüssel.     Mühling. 

Schascher,  (?),  s.  Schascha. 
Schaschke,  in  Dzg.  Scharschke,  m.    1 . 

Spitzname  für  einen  Infanteristen;  von 
dem  russ.  schaschka  kurzer  Säbel.  2. 
Bernstein,  s.  Schasch. 

SchHse,  /.,  Verdeck  wagen;  frz.  chaise. 

schäsen,  schlsen,  sw.^  tanzen;  gehen. 
Wir  haben  gestern  auf  dem  Ball  tüch- 
tig geschäst  Nu  wöll  wt  man  schdse, 
nun  wollen  wir  nur  gehen,  machen, 
dafz  wir  vorwärts  kommen,  ück  eck 
schehst  ihligst  hinderher.    Nowack,  51. 

schassen,  sw.^  fortjagen,  entlassen; 
frz.  chasser,     Sie  haben  ihn  geschafzt, 

Schätel,  Schatte!,  /.,  Schüssel. 

Schatomik,  m.,  Hausierer,  s.  PlUnder. 

Schatolz.  Ueber  (unter?)  ein  Wand- 
brett nagelt  der  Tischler  eine  Stütze^  die 
er  Schatofz  nennt,    Egsbg.  Hart  Ztg. 


Schatachke  —  Schaube. 


261 


vom  12.  Dezbr.  1872.  No.292.  Haupt- 
blatt. 

Schatschke,  m,  1.  alte^  gebrechliche 
Person.    2.  Bernsteinstück.   S.  Sciiasch. 

Schättel,  /.,  s.  SchäteL 

Schatten,  m.  Schatten  machen  ^  nach 
Sperber,  27,  in  der  Gaunersprache: 
einen  beabsichtigten  Diebstahl  ver- 
stecken^ kaschieren.  Mehrere  Gauner, 
die  z.  B.  einen  Laden  betreten,  be- 
schafitigen  das  Personal,  „machen  Schatr 
ten^,  während  andere  den  Diebstahl 
auszufuhren  suchen. 

Schätter,  Schatter,  Schotter,  m.    1. 

Durchfall,  Diarrhöe.  Das  Wort  ist  ton- 
malend. Vgl.  DUnne.  2.  das  Exkre- 
ment selbst.      Wek  wl  Schatter, 

Schätter,  Schatter,  Schätterkott,  -iTse, 

-lotte,  -trtn,  /.,  plapperhaftes  Frauen- 
zimmer. Man  bezeichnet  mit  diesen 
Namen  auch  schwatzhafte  Männer.  Das 
Geschwätz  solcher  Personen  nennt  man 

Ge|€hatter,  n.,  Schätterei,  /. 

schätterig,  schatterig,  schetterig,  adj. 
1.  wie  Schütter  beschaffen.  2.  viel  be- 
schäftigt thun,  schnell  von  Natur  sein 
oder  sich  so  stellen;  schnell  laufen, 
wie  einer,  der  den  Schütter  hat;  gern 
und  viel  umhergehen.  Er  rennt  sich 
schätteing,  3.  plapperhaft,  verleumde- 
risch. Hosius^  der  Bischof  zu  JSeibperg 
gewesen  y  hat  Jesuiten  gen  Braunsperg 
gesetzt^  die  da  eine  Schule  halten  vnd 
mit  ihrer  Ileucheley  vnd  glatten  warten 
viel,  auch  im  Fürstenthv/m  jrre  machen^ 
sonderlichen  mit /rem  schetterischenHahn^ 
den  sie  Wetterhan  nennen^  welchen  sie 
a.  1590  alda  mit  schöner  schriff%  auf- 
legen vnd  nachtrucken  lassen.  Hennen- 
berger,  485. 

Schätterling,  m.,  einer,  der  schättert. 
Heidi ^  frevi  dll  Schätterling  wöll  danze, 

schättern,  schattem,  schettem,  m.  1. 

dünn    exkrementieren.      Von   Schatter, 


Hiervon  übertragen :  2.  oft  und  unnutz 
hin  und  her  laufen.  On  alles  schetterig 
weil  keiner  ruhig  wachte  woU.  No- 
wack,  24.  S.  perzeln,  3.  viel  und 
unnütz  schwatzen,  schänden,  verleum- 
den. In  dieser  Bedeutung  auch  schmat- 
tem.  Sie  hat  in  einem  fort  zu  schättern^ 
sie  hört  nicht  auf  zu  reden,  leidet  an 
der  Maul-Diarrhöe.  verschättem,  leicht- 
fertig ausgeben,  verbringen.  Creld  ver- 
schatteten. 

Schatullbaiier,m.,scharwerkspflichtiger 

Lehnsbauer,  der  gerodetes  Land  be- 
safz  und  dessen  Abgaben  der  könig- 
lichen Schatulle  zufielen.  Vgl.  Bock, 
Nat  I,  170. 

Schatullgut,  n.,  Gut,  dessen  Erträge, 
resp.  Abgaben  der  königlichen  Scha- 
tulle zufliefzen. 

SchatullkSllmer,  m^  nicht  zum  Schar- 
werk verpflichteter  Eölmer  etc.  Vgl. 
Schatullbauer.    Bock,  Nat.  I,  174. 

Schau,  /.  1.  Besichtigung,  mit  ge- 
wissen Förmlichkeiten  vorgenommen. 
Biet^chau^  Brautschau,  Wollschau.  Auf 
die  Schau  gehn,  von  Dienstboten,  die 
sich  zeigen,  um  sich  zu  vermieten.  Dzg. 
Klein  U,  108.  2.  früher  „ein  solches 
Kollegium  hier  zu  Königsberg,  welches 
den  Fabrikanten,  die  auf  den  Markt 
kommende  Wolle  aufkauft,  sie  prüft  und 
nachher  in  kleinen  Quantitäten  wieder 
verkauft".    Hennig,  226  u.  335. 

Schaube,  /.,  mantelartiges  Oberkleid 
für  Frauen  und  Männer.  Zum  vierden^ 
Sol  eine  yede  ehrliche  frauw  vber  ij 
marck  lötiges  schwer  an  yhren  rocken 
oder  schauben  sglbeme  koUer  nickt  tra- 
gen bey  fünf  marck  bues^  so  oft  sie 
mit  eim  vbrigen  beschlagen.  Kleider- 
ordoung  a.  d.  J.  1529—1553.  Pr.  Prov.- 
Bl.  a.  F.  VII,  372.  Latinisiert  schuba, 
ital.  giubba,  franz.  jupe  Weiberrock; 
^tszubä^szübas  kostbares  Kleid,  Frauen- 


•   I  ' 


schaubeu  —  schäwig. 


pelz,  lett.  schuhbe  Sommerkitte],  poln. 
82uba  ein  mit  Pelz  gefutterter  Ober- 
rock, russ.  szüba  Pelz.  Schmeller  Ilf, 
306.  Weigand  II,  554.  Ns8lm,Th., 
221.    Hennig,  226. 

schauben,  pltd.  8chQwe(n),  «e.,  schie- 
ben. Wir  wollen  Kegel  %chauben.  sich 
schaubeny  mehr  pltd.  sock  schvfjce^  aus 
Faulheit  träge  gehen,  vorwärts  kommen. 
Na  schuw  dl  doch  e  betke!  Se  schofft 
90cky  wt  dat  natte  Weddet\  Hennig, 
227.  250. 

Schaublade,  pltd.  SchQf-,  SchQwlad  (a 

=  a),   /.,    Schublade.     Ein  Schaf  mit 
Schaublahden.     Die  Zünfte^  12.     Nach 
Sperber,  27,  auch  Schauflad'. 
Schauer,  pltd.  SchQr,  m.  u.  n.   1.  ein 

nicht  lange  anhaltender  Regen,  Hagel, 
Schnee,  Sturm.  Regenschauer  etc.  Bei 
Jeroschin  wiederholt  schür  u.  schüre 
als  starkes  Fem.  Vgl.  Pfeiffer,  217. 
Bildlich :  Sie  hat  ein  Schauet*  abgeweint^ 
sie  hat  ihre  reichlich  fliel'zenden  T bra- 
uen bald  gestillt.  Es  war  nur  ein 
Schauer^  die  heftige  Schelti*ede  nahm 
schnell  ein  Ende.  2.  Wetterdach,  Re- 
gendach, Schuppen;  auch  Scheune.  Und 
wie  der  Nachbar  oft  auf  unsre  Schau- 
ren  zielt  Cai'm.  nupt  H,  35  c.  Ein 
Wagenschauer  j  Schuppen  zur  Unter- 
bringung der  Wagen,  Wagenremise. 
Seine  Margelle  ist  alle  Augenblicks  un- 
term Schauer  und  bringt  Briewe  gebrocht 
Soph.  R.  I,  260.  In  Königsberg  hat 
man  unter  die  Schauer  vieler  Häuser 
Mauern  gezogen,  „wodurch  die  Strafzen 
sehr  enge  worden^  dcch  nennt  man  die 
Dächer  solcher  ausgerückten  Gebäude 
(die  Vorbauten,  welche  gegenwärtig 
eingezogen  werden)  annoch  Schauer^. 
Hennig,  227.  3.  ehemals  eine  schauer- 
artig das  Gesicht  überragende  Unter- 
haube des  weiblichen  Gesindes.  Das 
Schauer  erhielt  seine  Festigkeit  durch 


einen  gebogenen  Draht;  man  nannte 
diese  Haube  ihrer  Gestalt  wegen  auch 
Mondschein,  m.  Einen  Schür  über  die 
Augen  haben  ^  mörrisch,  finster  aus- 
sehen, trübe  Augen  haben.  Bock,  62. 
Hennig,  249.  SprwJ,  3422.  4.  Schirm 
an  der  Mutze.  Metz  an  ken  Schüerke 
dran.  VolksL,  34,  22,  2.  Vgl.  Brem. 
Wb.IV,717.  Dähn.,418b.  Schamb., 
187b.  Schmeller  HI,  386.  Vilmar, 
573.     Anton,  12,  14.    Hupel,  202. 

Schauer,  tt».,  s.  Stauer. 

Schauertuch,  n.,  Tuch,  das  als  Schauer 
zum  Schutze  des  Gesichtes  und  Kopfes, 
besonders  im  Sommer,  getragen  wird. 
Ermland.  Litauen.  Die  Arbeiterinnen 
setzen  etwas  darin,  das  Tuch  so  weifz 
und  fein  als  möglich  zu  haben.  Müh- 
ling. 

Schauflad',  /.,  s.  Schaublade. 

schauken,  sw.^  bellen;  sehallnach- 
ahmend.     Saalfeld. 

Schaumseher,  m.,  bei  den  heidnischen 
Preufzen  Puttone,  Zauberer,  welcher 
aus  dem  Schaume  wahrsagte.  Die  Put- 
tonen setzten  eine  Schale  mit  Bier  auf 
die  Erde  und  verkQndeten  aus  dem 
auf  demselben  stehenden  Schaum,  an 
welchem  Orte  das  gestohlene  Pferd 
oder  gestohlene  Gut  zu  suchen  sei. 
Pierson,  Matth.  Prätor.,  43.  Hennig, 
227. 

Schäwe,  Schabe,  SchCwe,  Schtfe,  /., 

Rest,  Splitter,  Abfall  des  Flachses  beim 
Brechen  desselben;  Abgeschiefertes 
überhaupt.  Ygl.  Schinn,  Von  schawen^ 
schaben.  In  Hessen  Schibbe,  Schebbe^ 
Schüwe.  Vilmar,  348.  Hennig, 
228. 

schaweln,  sw.^  s.  scheiweln. 

Schawemak,  m.,  s.  Schabernack. 

Schäweschtter,  m.,  Schäwenscheifzer, 
alter,  gebrechlicher,  geiziger  Mensch. 

acbSwig,  schäbig,  schfiwig,  a^'^  Schä- 


schawitern  —  Schßfel. 


263 


wen  enthaltend.    Der  Flach»  ist  schäwig 
geblieben.     Vgl.  gnittig. 

schawitern,  8w.^  plappern,  schwatzen; 
besonders  von  Frauen.  Dzg.  W.  Seidel, 
34. 

sehe,  interj.^  Scheachruf^  namentlich 
zu  Hühnern,  Federvieh  überhaupt  Lit 
8ze^  8zia.  Nsslm.,  Wb.,  520  a.  Ru  hig, 
lit.  Lex.,  hat  diesen  Ruf  auch  zu  Hun- 
den. S.  Volksr.,  64,  242i.  Vgl.  Flan- 
dern. In  Litauen  ist  8ch6  iqispomen- 
der  Zuruf  zum  Kinde.  Volksr.,  63, 
242  b. 

-sehe,    weibliche   Endung  -m,    auch 
bei  Eigennamen.    Judsche^  Kadreierache, 
Kdksche^    Kaselaterschey    Komödiantsche 
(Schauspielerin),    Schaf  ersehe^    Sehen- 
kersche^  de  Frii  Graf  sehe  (Frau  Gräfin); 
de  Wittrinsche  (Frau  Wittrin),  de  Sachr 
rausche^  de  Audehmsche^  de  Katrvmssche^ 
de  Brasilfache,  de  Sipplietsche.    Zugleich 
zur    Illustration    der    Eigentümlichkeit 
der  litauischen  Namenbildung  wie  des 
Volkscharakters  der  Litauer  diene  der 
nachfolgende   Reim  aus  Eieselkebmen^ 
Kr.  Gumbinnen  (vgl.  Korrespbl.  V,  49): 
Wet  sCy  Schwester  Robeleitsche, 
Gistem  —  bt  de  Merteneitsche  — 
Un  da  wer  de  Abromeitsche, 
Bibereitsche,  Butgereitsche^ 
Christopeitschey  Danieleitsche, 
Ehrenteitsche,  Cfrigoleitsche^ 
Mischej^eitsche,  Kennigheitsche, 
Kämmereitsche^  Losereitschey 
Skribuleitsche,  Schneidereitsche 
Un  de  schwarte  Jodeleitsche  — 
Wet  sey  on  de  Aterteneitscftey 
Ingesdpe,  un  wat  deit  sef 
üp  de  Jodeleitsche  geit  se 
Möt  dem  ölen  Bessern,  schleit  se^ 
Bet  de  Standdr  (Gendarm)  kommt  un 

leit  se 
In  de  Kalüs;  em  Tor  kies  geit  se, 
Hinner  dren  de  Abromeitsche, 


BibereitschCy  Butgereitsche  (u.  s.  w.  wie 

oben  bis) 

U71  de  schwarte  Jodeleitsche. 

Wet  se^  Schwester  Robeleitsche, 

Schand!  hadd  da  de  Merteneitsche! 

Schecht,  Schechte,  m.  u.  /.  1.  Stiefel- 
schaft, gewöhnlich  im  Plur.  Schechten. 
Hohe  —  kurze  Schechten.  Schechten-- 
Stiefel.  Hennig,  228.  2.  Schaft,  Stange, 

s.  Schacht 

Schechtchen,  n..  Dem.  von  Schechte, 
Schechtchen  schlagen,  tanzen,  weil  oft 
der  lustige  Tänzer  mit  den  Stiefeln  zu- 
sammenschlägt    Samland. 

schechten,  sw.,  schnell  laufen,  hurtig 
gehen,  kräftig  ausschreiten,  die  Schech- 
ten rühren.  Der  kann  gut  schechten. 
ausechechten,  davonlaufen,  „ausreifzen". 
wegschechten,  heimlich  sich  aus  dem 
Staube  machen.     Hennig,  228. 

Scheddeldraf ,  auch  Schedder-  und 
Schetterdraf,  m.,  Schütteltrab,  kurzer 
Trab.  Hei  geit  e  Scheddeldraf  er  be- 
eilt sich.     Friedland  Ostpr. 

scheddeln,  scheddern,  schiddem,  sw., 

schütteln,  wackeln.  JEr  scheddelt  — 
scheddert  mit  dem  Kopf.  Er  schiddert 
sich  vor  Frost 

Schedderkopf,  Schidderkopf,  m.,   aus 

scJieddern  und  Kopf  zusammengesetzt. 
1.  alter  Mann,  der  schon  mit  dem 
Kopfe  wackelt.  Er  ist  ein  alter  Sched- 
derkopf 2.  Gefängnis  in  Danzig.  Sie 
gehen  mit  ihm  in  den  Schedderkopp. 
Vgl.  Sprw.  I,  159.  1132. 

scheddern,  sw.,  s.  scheddeln. 

SchedeHahrt,  pltd.  SchedeHar(t)  (a  ^  d), 

/..  Scheidefurche,  weil  sie  Stücke  Lan- 
des scheidet,  trennt.     Mühling. 

SchMelzaun,  SchMelzaun,  pltd.  Schftdel- 

ftn,  m ,  Scheidezaun,  Grenzzaun.  Hen- 
nig, 335.    Vgl.  das  vor. 

Schftfel,  /.,  Strohbündel  zum  Dach- 
decken.    Schirwindt. 


264 


ScbefTelkopf  —  Scheiber. 


Scheffelkopf,  ]>ltd.  Schftpelkopp,  m., 
Kobold  mit  scbeffelgrofzem  Kopfe,  mit 
dem  man  Kinder  ängstigt.  De  had  Oge 
tot  Senfscketäe  (Senfschüsseln)  an  Täne 
wt  Leddenprete  (Leitersprossen)  on  sat 
ömmer  an  die  Hüsei^  op  e  Lucht  under 
de  Okle.  Krm  nu  ener  rop^  on  de  Ko- 
bold  sach  op  ent  möt  stnem  grote  Kop 
under^t  Schurmur  ver^  denn  war  gdt  to 
grifse,  Awerscht  hei  ded  macht,  man 
de  klene  Kinder  lewt  hei  to  buichre^  dat 
se  Mt  Bedd  ginge.  Daher  sagt  man 
noch  jetzt  zu  einem  Kinde,  das  nicht 
ruhig  schlafen  will :  Wacht^  de  SchepeU 
kapp  kommt!  N.  Pr.  Prov.-Bl.  II,  378. 

Scheffelmeister,  m,^  s.  Kornmeister. 

scheffeln,  pltd.  8cheple(n),  sw,^  scheffel- 
weise messen,  reichlich  zuteilen,  hfa 
nicht  gescheffelt^  so  ist^s  doch  geleffelt, 
drückt  die  Zufriedenheit  mit  dem  aus, 
was  das  Schicksal  zugeteilt  hat.  Pltd. 
os^t  nich  to  scheple^  ös^t  doch  to  läple. 

ScheffelplatZy  m.,  ausgerodete  Acker- 
fläche in  einer  Forst,  die  eiuen  oder 
mehrere  Scheffel  Aussaat  aufnehmen 
kann.     Mühling. 

Scheibchenwerfen,  n.,  s.  Butterbrot. 
Scheibe,  /.,  s.  Schtwe. 
scheibeln,  sw,^  s.  scheiweln. 
Scheibenreitergasse,  /.,  Stralzeuname 

in  Danzig;  auch  Scheibenrittergasse. 
Nach  unsicheren  Vermutungen  soll  sie 
einst  Sammelplatz  einer  Gesellschaft 
gewesen  sein,  die  sich  mit  ritterlichen 
Übungen  beschäftigte.     Löschin,  44. 

Scheibring,  Pflzn.,  knotenblütiger 
Scheiberich,  Sium  nodiflorum  L.  Ha- 
gen, 323. 

Scheide,  /.  1.  Teil  des  Wirkgestells, 
Webestuhls.  Vier  Scheiden  halten  die 
beiden  Seitenstücke  des  Gestells  oben 
und  unten  zusammen,  resp.  geschieden. 
S.  Das  Wirkgestell,  124.  2.  Maul,  lo- 
ser Mund.    Wenn  die  weiter  Schwerter 


im  maul  führen  und  weidlich  hei^mth- 
hawen^  so  krigen  sie  eins  auf  die  scheid. 
Stein,  Peregrinus  XIII,  91.  W.  Mtsbl. 
VI,  173. 

Scheike,  /.,  kleine  Wittinne. 

scheilärschen,  scheinärschen,  sw.,  s. 
aufscheilärschen. 

schellen,  sw.^  scheinen  lassen;  schie- 
len. 

scheiren,  sw.^  scheuern.  Zinnerne  oder 
kupferne  Gefafze  mit  Ziegelstaub  blank 
putzen.     Bock,  56. 

ScheirzmSII,  pltd.  SchTtmell,  Pflzn.,  s. 
Mill. 
Scheifzrekel,  -reget,  -reger,  -rTgel,  m,, 

grauer  Reiher,  Ardea  cinerea.  Er  nimmt 
zu^  vrie  der  Scheifzregel  im  Abnehmen- 
licht.  Sprw.  I,  4185.  Mühling,  Tiern., 
177. 

Scheit,  Pflzn.,  spitzkantige  Segge, 
Carea  acuta  L. 

Scheiwel,  n.,  s.  scheiweln. 
scheh^reln,  scheibeln,  sw.^  schleppend, 

watschelnd,  unsicher  und  ungeschickt 
gehen,  so  daCz  man  öfter  mit  den  Fufzen 
zusammenschlägt  und  sich  dadurch  die 
Beinkleider  beschmutzt;  die  Stiefel 
schief  gehen.  Auch  Pferde  scheiweln^ 
wenn  die  Hinterbeine  am  Knie  anein- 
ander reiben.  Auch  schweimeln,  schwa- 
mein;  nach  Mühling  auch  schäweln. 
bescheiweln,  durch  Scheiweln  sich  die 
Kleider,  namentlich  Beinkleider,  be- 
schmutzen. Davon:  Scheiwel,  7n.,  einer 
der  scheiwelnd  gebt.  Ol  Scheiwel!  Vgl. 
Baichel.    Bock,  56.    Hennig,  229. 

Scheiber,  Schälber,  Schilber,  pltd. 
Schelwer,  /.,  Dem.  Schelberchen^  ScheU 
werchen.  1.  Schuppe,  Plättchen,  Blätt- 
chen^  das  von  der  heilenden  Wunde 
sich  abschält,  ablöst.  2.  Blättchen, 
das  sich  vom  Anputz  der  Wand,  vom 
Blätterteig  etc.  loslöst.  3.  Scheiben-, 
schuppenartiges  Stückchen.   EXn  Sehet- 


schelberig  —  Schein  per. 


265 


beruhen  Brot  —  Fleisch.  Von  schelle 
Schale,  HQlse,  engl,  shell;  angs.  scylle 
Schappen,  hoU.  schelfer,  schüfet*.  Im 
Götting.  schüwer,  schilfere^  schelwere. 
Brem.  Wb.  IV,  631.  Schamb.,  183a. 
schelberig,  schilberig,  pltd.  schelwerig, 

adj.,  schieferig,  blätterig,  schuppig. 
Schehoerige  Haut.  Im  Götting.  scAtY- 
iver^g,     Schamb.,  183b. 

schelbem,  schilbern,  pltd.  schelwern, 

*M?.,  schiefern,  abblättern,  in  kleinen 
Blättern,  Platten,  Schuppen,  Schalen, 
sich  ablösen;  wie  schälen  2,  daher 
auch  schälbem,  schdlwem;  in  der  Zu- 
sammensetzung abschälbem,  abschilbem. 
In  Bremen  schelfern,  schilfern,  schulfem, 
im  Götting.  schilwem,  in  Hessen  schü-- 
bem,  in  Posen  schul fe»m,  in  Bayern 
Schelfen.  Brem.  Wb.  IV,  631,  Schamb., 
183b.  Bernd,  277.  Sclimeller  III, 
356.     Vilmar,  348.     Hennig,  229. 

ScheldOk,  n.,  s.  Scherdeltuch. 

8ch6len,  sw.y  unterschieden  sein,  un- 
gleich sein,  differieren.  Es  schelt  nicht 
viel,  gewöhnlicher:  Es  verschelt  nicht 
viel,  es  ist  kein  grofzer  Unterschied, 
es  fehlt  zur  Sache  nicht  viel.  Davon 
Verechei,  Verechill,  m.,  Unterschied, 
Differenz.  Holl.  scheelen,  schulen  unter- 
schieden sein,  dän.  skille,  angs.  scylan,  isl. 
skilia  =  distinffuere,  discemere.  Brem. 
W.  IV,  628.  Hennig,  225.  290, 
schreibt  schälen,  ebenso  Richey,  225, 
SchützelV,  21,  Dähn,  403a,  »rA^fen 
und  schälen,    Schamb.,  182a,    schalen. 

S.  Verechill. 

Schellak,  m.,  Kalb,  von  dem  poln. 
cielak  Bullenkalb.     Sperber,  39. 

Schelle,  /.,  Waldglockenblume,  Cam- 
panula  persicifolia  L. 

schellen,  sw.,  s.  schälen  u.  schSllen. 

Schellen,  /.,  Figur  in  der  deutschen 
(polnischen)  Spielkarte,  Carreau  in  der 


französischen.  Nach  Klein  II,  140, 
in  Danzig  Schollen. 

Schellenberg,  Ortsn.,  Dorf  im  Kreise 
Gerdauen.  Die  Bewohner  werden  mit 
ihrem  Wirkmuster  geneckt.  Schwärt 
on  icitt  ÖS  rödbunty  dat  schellebargsche 
Master.     Sprw.  I,  3434. 

schellig,  adj.,  wütend,  wild,  aufge- 
bracht; unsinnig  tobend.  Ist  Clement 
scheUigk  worden  vnd  vbel  geflucht  vnd 
ein  brotmesser  genommen  heimlich  vom 
Tische  vnder  den  Rogk  etc.  Aus  1532. 
Die  Zünfte,  50.  Vgl.  Mnd.  Wb.  IV, 
66  b. 

schelllg,  adj.  von  Schelle ^  Schale. 
In  Zusammensetzungen :  dickschellig, 
dönnschellig,  mit  dicker,  dünner  Schale. 

Schelmvolk,  -zeug,  pltd.  Schelmttg,  n., 

durchtriebenes,  unnQtzes  Volk,  Pöbel, 
Pack,  vei'sapnet  Schelmenvolk.  Dorr, 
1.  Wiew.,  11.  Schelmzeug  schlägt  sich, 
Schelmzeug  verträgt  sich.  Sprw.,  1, 
3279. 

Schelwer,  /*.,  schelwerig,  adj.,  schel- 
wern,  sw.,  s.  Scheiber  etc. 

Schelwip,  m.,  Ekelname/md  Schimpf- 
wort. Stein,  Peregrinus  XII,  82. 
W.  Mtsbl.  V,  191. 

Schemmer,  m.  1.  Schimmer.  2. 
Schatten.  Es  graut  ihm  vor  seinem  ei- 
genen Schemmer.  3.  s.  v.  a.  Schimme- 
rung. 

Schemper,  m.,  Dünnbier,  Nachbier, 
Halbbier,  zweiter,  selbst  dritter  Absud 
des  Malzes.  In  manchen  Gegenden 
auch  selbständiges  Gebräu  aus  Wa- 
cholder, Wacholderbeeren,  Malz  und 
Sauerteig;  oft  nur  Wasser  auf  Brot 
gegossen.  Pierson  in  den  Lit.  Aeq., 
21,  leitet  das  Wort  von  Zemberys  (der 
Erdbestreuer),  dem  heidnischen  Erd- 
gott, ab,  zu  dessen  Festen  um  die  Oster- 
zeit  ein  ihm  geweihtes  Bier,  ^emberin- 


\>*- 


2ß^ 


Scbeinperdienst  —  schenen. 


nü  ahis^  getranken  wurde.  Dies  Bier 
war  aas  verschiedenem  zosammeiige- 
worfeDen  Getreide  gebraut,  jedoch  so, 
dafz  die  Gerste  überwog;  da  nan  um- 
Berti  zasammenwerfen  heüzt,  so  yer- 
drängte  diese  IdeenverbindoDg  die  ur- 
sprünglich mythologische.  Daher  findet 
sich  für  das  Emtefestbier  aach  sanbe- 
rrnnü  alus.  So  klar  nun  die  Abstam- 
mung des  Wortes  erscheint,  so  ist  sie 
es  doch  nicht  Zemberinnü  alus  hat 
seinem  Gehalte  nach  mit  dem  Schemper 
keine  Ähnlichkeit,  jenes  ist  ein  kraf- 
tiges Bier,  dieses  ein  fader  Absud. 
Dazu  kommt  das  Auffallende,  dafz  der 
Litauer  für  den  wirklichen  Schemper 
zwei  andere  selbständige  Namen  hat: 
dänM»,  m.  und  girrä  /.;  er  scheint 
also  wenigstens  Scheu  gehabt  zu  haben, 
den  Namen  der  Gottheit  für  das  elende 
Getränk  zu  verwenden.  Aber  auch 
das  gute  Bier  nennt  er  nur  ahu  Der 
Pole  dagegen  hat  das  Wort  Schemper 
übernommen  und  in  szetnper  sich  mond- 
gerecht  gemacht,  während  der  eigent- 
liche polnische  Name  für  dies  Getränk 
cienkusz  ist  Mrongovius  II,  644b. 
In  den  Pr(yoerb.  ccnnm.  411:  scherpbier. 
Hoffioiann  von  Fallersleben,  Tunnicius, 
150,  Nr.  585.  Bock,  56,  Bock,  Nat 
I,  271,  und  Hennig,  229,  sehen 
Schemper  als  Schaumbier  an,  weil 
Schemper  „die  letzte  Kraft  des  Malzes 
ist  und  vom  Bier  fast  nichts  mehr 
als  der  Schaum  übrig  geblieben*'.  In 
den  Hütor.  marbi  <uadem.  Regiom. 
1649  von  Bekherr  findet  sich  der  Name 
Schenkbier,  flennig  a.  a.  O.  Eane 
handschriftliche  Anmerkung  in  meinem 
Exemplar  von  Bock,  Nat  I,  271,  über- 
setzt: SchempermitS  c  h  e  i  n  b  i  e  r ,  welcher 
Name  auch  in  Steins  Peregrinus  (III, 
3)  aufbitt:  Scheimper  vel  Scheiribier. 
Da  das  Getränk  moussiert,  so  liegt  es 


nahe,  Schemper  scherzweise  durch 
Champagner  zu  erklären,  wie  solches 
Passarge,  Balt^  160,  thnt  Gericht: 
Schempereuppe  mit  grauen  Erbten,  v. 
Au  er.  Schemper  mit  Meerrettich!  mft 
man,  wenn  im  Solospiele  bei  der  Frage 
zu  einer  schlechten  Farbe  ein  schlechtes, 
d.  h.  ein  anderes  als  Treff-As  gerufen 
wird.     TreicheL 

Schewperdientty  m,  Pfarre  mit  ge- 
ringen Einkünften.    Hennig,  229. 

Scbenperfrewie,  /,  Freude  von  kur- 
zer Dauer  und  kraftloser  Wirkung,  an 
Wert  dem  Schemper  vergleichbar. 
Bock,  56.     Hennig,  229. 

SebempergasWy  zu  Hennigs  Zeit 
korrumpierter  Name  für  die  Schön- 
bergeigasse  in  Eönigsbei^.  Hennig, 
229. 

S-chen,  n.,  Kuchen  in  Form  der  Ma- 
juskel ^'.     Danzig.    TreicheL 

Schfine,  Sddne,  Schttne,/.   I.Schiene, 

Schienbein.  Angs.  scyne,  sctnion,  engl. 
sAf'n,  dän.  skinne,  schwed.  skeefi^  holt. 
scheen.  In  Bremen  Schene,  im  Hol- 
steinischen Scheen^  in  Pommern  Seltene, 
im  Gotting.  schene^  im  Osnabr.  schennCy 
in  Bayern  Schin^  lit  ssyna^  szenis,  poln. 
szyna.  Brem.  Wb.  IV,  634.  Schütze 
IV,  30.  Dähn.,  403b.  Schamb., 
182b.  Schmeller  lU,  367.  2.  aUes, 
was  Ähnlichkeit  mit  einer  Scheue  hat 
Die  Scheue  am  Rade,  Die  Scheue  auf 
der  Achse^  das  Acbsenblech.  Die  zwei 
ScheueUy  Schienen^  am  Wirkgestell;  sie 
halten  die  Fäden  des  Aufzuges  in  wech- 
selnder Lage  und  regeln  die  gleich- 
mälzige  Hebung  und  Senkung  der  Fä- 
den. Das  Wirkgestell,  125.  Voc.  361: 
Vuenchene  Feuerschene,  das  Nsslm., 
Thes.  191,  mit  Feuerschaufel,  Feuer- 
schirm übersetzt    Hennig,  230. 

schfinen,  schSnen,  mo.,  schienai,  et- 
was mit  Scheuen  versehen,  einen  Arm- 


SchenldUch  —  Scherdeltucb. 


267 


oder  Beinbrach  durch  angelegte  Schie- 
nen verbinden  und  befestigen.  Das 
Bein  war  nicht  gut  geschent^  wenn  die 
Heilung  der  Knochen  nicht  glatt  erfolgt 
ist    Hennig,  230. 

Schenkftich,  Schankafeh,  f,,  Geschenk, 
Schenkung,  Trinkgeld,  Biergeld.  Wat 
gewH  Schankdtchf  Eck  bedank^  ml  fa 
de  SchenhSnch.  Jerrentowitz.  Volksr. 
83,  339.  Auch  adjektiv:  hei  as  schan^ 
kdichy  er  ist  freigebig.  Von  schenken^ 
mit  franz.  Endung:  age.  Bei  Yilmar, 
346:  Schenkdsche, 

Schenke,  Schenk,  /.,  Speiseschrank; 
Schrank,  worin  irdene  Geschirre,  Glä- 
ser etc.  aufbewahrt  werden.  Muh- 
ling. 

schenken,  eigentlich  ein  schwaches 
Verb,  doch  lautet  das  pari,  geschonken. 
Er  hat  mir^B  geschonken.  1.  schenken, 
dofiare.  Schenken  und  schei/zen  wird 
mit  einem  (Anfangs-)  Buchstaben  ge- 
schnebeuj  als  ablehnende  Antwort  auf 
die  Bitte  um  ein  Geschenk.  Spr.  I, 
3283.  2.  schenken,  schänken,  Getränke 
verkaufen.  Bier  schenken  Bier  ver- 
kaufen. S.  einschenken.  Hennig,  230. 

Schenker,  Schanker,  m.  1.  Geber  ei- 
nes Geschenkes.  De  Schenker  ös  ge- 
storwe^  de  Grwer  ös  verdorwe^  als  Zu- 
rückweisung einer  Bitte  am  ein  Ge- 
schenk. Sprw.  I,  3284.  2.  Schenk- 
wirt, Grastwirt.  Biei^schenker^  Bierwirt, 
Bierhöker.     Hennig,  230. 

Schenkersche,  Schänkersche,  /.,  Schen- 

kerin,  Kellnerin.  Schenkersche^  noch  e 
Glas  Bier! 

Schfinnagel,   Schtn-,   Schinnagel,  m., 

Nagel  in  der  Radschiene.    Vgl.  SchSne. 
SChSp,  cuij,^  schief.    Saalfeld. 
Schepp,  Scheppe,  SchSpfe,  /.,  Dem. 

Schopfchen^  Scheppche,  Scheppke  Löffel, 
kleines  Schöpfgefalz  von  Holz  oder 
Blech  mit  Stiel.    Na  nü  noch  tackten- 


tig  Scheppkens  Grött^  jetzt  (nachdem  die 
Hauptspeise  verzehrt)  noch  80  Lö£Fel 
GrQtze  als  Nachspeise.  (Das  Volk 
pflegt  die  Suppe  zuletzt  zu  essen). 
Sprw.  T,  3389.  Vgl.  SchOpe,  auch 
Stippel. 

Scheps,  971.,  Schöps;  das  Tier,  aber 
auch  bildlich  der  Mensch.  Öck  armer 
Scheps! 

Scherapke, /.,  s.  Przerabka. 

Scherbel,  pitd.  Scharwel,  m.  1.  Scher- 
ben. Oawasch  denn  fleege  Depp  (Töpfe) 
on  Scharwel  ön  de  Schtoaw.  Boldt, 
12.  2.  irdenes  Geschirr,  namentlich 
Teller,  weil  es  leicht  in  Scherben  bricht, 

daher  auch  Scherbelzeug,  pltd.  Scharwel- 
ttg,  n.  Eine  kostbare  Tasse  ist  ein  tettres 
Stück  Scherbelzeug,  Auch  ein  bereits 
beschädigtes  Geschirr  heifzt  Scherbel. 
Ein  Scherbel  hält  langer  als  ein  Topf. 
3.  alte,  kränkliche  Person,  m.  wie  w. 
Geschlechts.  E  61  Scharwelke.  Sche- 
mionek,  36:  SchörbeL 

Scherbelkopf,  m.^  Schimpfwort.  De 
Dtwel  soll  se  hale^  De  öle  ScharweVcopp! 
Aus  einem  Volksreim. 

Scherbelzeug,  n.,  s.  Scherbel. 

SchSrboot,  n.,  Eüstenboot.  Gustavus 
Adolphus  ging  von  Tygenhof  durch  die 
Tye  und  Haf  mit  etlichen  Scheer-Böten 
und  Galeen  ungehindert  nach  PUlau. 
Hartwich,  377f. 

schfirdätsch,  adj,^  widerwillig,  dumm, 
nicht  anstellig.     Schemionek,  34. 

Scherdeltucb,  ScherKuch,  pltd.  Scherdei- 
dOk,  ScherldOk,  n.,  SchQrze,  lit  szerdo- 
kaSy  serdokas  Brustlatz.  Nsslm.,  Forsch. 
2,  meint,  daüs  bei  dem  Dök  auch  nicht 
entfernt  an  Tuch  zu  denken  sei.  Man 
hört  auch  ScheldOk  und  vhchd.  SchVrtel-, 
SchVrdeKuch.  Natangen;  im  Ermlande 
SchUrteltuch;  in  Westpr.  Schurztuch;  in 
einigen  Gegenden  des  Werders  SchCfdtk 

dök;  in  der  Dzg.  Nhg.  ScherWaack:  en 


268 


scheren  —  Schettel. 


koltdruckschet  Scherklaack  (Schürze  von 
blaugefarbter  Leinwand  mit  weifzen 
Blumen  bedruckt).  Viol^t,178.  Hen- 
nig, 248,  schreibt  SchUrltuch.  Klein 
IT,  139,  hat  für  Dzg.  SchSddeldOk, 
SchifrldOk  und  SchürteldOk.  Stund  em 
(dem  Adebär)  nich  stn  Schardeldok  sau 
schanf  Volksr.,  52,  196.  ^gl.  SchVdel. 
Se  drägt  wat  ungerm  Scherdeldok,  sie 
trägt  etwas  anter  der  Schürze,  sie  ist 
schwanger.     Sprw.  I,  69. 

schüren,  st  l.  kahl  schneiden,  mit 
Messer  oder  Schere.  Das  Schaf  schert 
5  Pfundj  die  von  ihm  bei  einer  Schur 
gewonnene  Wolle  beträgt  5  Pfand. 
Marold.  2.  in  übertragener  Bedeu- 
tung: übervorteilen,  prellen.  Hei  (der 
Gastwirt)  scJiert  stne  Gast,  dat  enne 
de  Oge  dwergäne.  Er  versteht  den  Beutel 
zu  scheren,  3.  zum  besten  haben,  auf- 
ziehen. 4.  sich  scheren.  Ich  habe  mich 
den  ganzen  Tag  geschoren^  ich  habe 
mich  den  ganzen  Tag  ruhelos  gequält. 
5.  Seile,  Leinen,  von  einem  Orte  zum 
andern  spannen,  um  etwas  darauf  zu 
hängen.  6.  das  Garn  scheren,  den  Auf- 
zug, die  Kette,  die  Schering  machen. 
7.  schüren.  Fewr  zu  fewr  thun,  Oel  zu- 
gissen,  zuscheren,  zusammenhetzen,  übel 
erger  machen.  Stein,  Peregrinus  XII, 
123.  W.  Mtsbl.  V,  192.  Brem.  Wb. 
IV,  639  ff.  Bock,  56.  Hennig, 
230. 

Scherheck,  n.,  SchSring,  /.,  s.  Schfi- 
rung. 

Scherke,  /.,  s.  Schirke. 

scherken,  sw,,  s.  schirken. 

ScherldOk,  -tuch,  n.,  s.  Scherdeltuch. 

SchSrleiter.  /.,  s.  Pfeifengestell. 

Schernäkel,  -neckel,  Pflzn.,  s.  Sau- 
nickel. 

Scherp,  m.,  Vögeln.,  s.  Scharp  und 
Graner. 

Scherpenter,  m»    Er   ist  ein  elender 


Scherpenter,  ein  armer  Teufel.  Stein, 
Peregrinus  I,  6.  W.  Mtsbl.  V,  94. 
Vgl.  Schorb.  Bei  Schmid,  459:  Scher- 
pfer  Gerichtsdiener,  Scheine;  bei 
Schmellerin,403:ScÄ^rp^r^Schmied. 
Hingewiesen  sei  auf  engl,  carpenter, 
franz.  charpentier  Zimmermann. 

SchSrralimen,  m.,  s.  Sclifining. 

Schfirung,  Schfiring,  m.,  auch  das 
SchSrheck,  der  SchSrrahmen,  pltd.  SchSr- 
rftme(n)y  das  Gestell,  worauf  das  auf 
den  Laufspulen  befindliche  Garn  für 
den  Aufzug  gewunden,  geschoren, 
d.  i.  geschart,  in  Gänge  geordnet  wird. 
Vgl.  Das  Wirkgestell,  127,  wo  sich 
auch  die  Beschreibung  des  Gerätes  be- 
findet. In  früherer  Zeit  wurden  die 
Haspel  und  Scherrahmen  jährlich  re- 
vidiert. S.  Bock,  NatI,  646.  Sche- 
rung, Schering  und  AnschSmng  sind 
auch  Namen  für  den  Aufzug  (s.  d.). 
Hennig,  231. 

scherwenzeln,  sw,,  s.  scharwenzeln. 

SchfiSy  m,  u./.,  Milchnapf.  Sensbui*g. 
Bei  Saalfeld  Schfisch,  /.,  in  Natangen 
Schliche,  /.,  Milchtopf  ohne  Henkel, 
Milchschüssel.  Natangen.  Nsslm.  Th., 
220.  Pierson,  A.  W.,  40.  Mit  poln. 
czasza  Napf,  Schale  verwandt. 

Scheschke,  m.,  Hänfling,  s.  Tschezke. 
schtoen,  sw.,  s.  schäsen. 
Schfiske,  n.,  s.  SchSfzchen. 

schfiteln,  SchVteln,  sw,,  scheiteln.  Von 
scheden  scheiden,  teilen.  Hennig,  231, 
335. 

Schfitelzaun,  m.,  s.  Schfidelzaun. 

Schetschke,  m.,  Hänfling,  s.  Tschezke. 

Schettel,  Schfitel,  /.,  in  der  Eonitzer 
Gegend  Schifttel,Dem.£)cA^f^M:ß,Schüssel, 
Teller.  Jedei*  schrdpt  stn  SchetteVce  al- 
len, jeder  hat  mit  sich  zu  thun.  K6le 
Schettel  on  warme  Teller.  Antwort  auf 
die  Frage:  Was  gab's?  wenn  man  von 
einem  Besuche  zurückkehrt  und  schlecht 


Schettelbänk  —  scbichern. 


269 


oder  gar  nicht  bewirtet  worden  ist. 
Sprw.  I,  3429.  Häl  (hole)  e  Schettel, 
de  Darmek  kame^  komischer  Schreck- 
trost, wenn  ein  Kind  sich  in  die  Finger 
geschnitten  hat.  Memel.  Königsberg. 
Vgl.  KrOs. 

Schettelbänk,  /.,  Schasselbank,  Bank, 
Schrägen  zur  Aufstellung  der  Schössein 
und  Teller,  'ne  Schettelbänk  opsetten^ 
verdriefzlich  die  Unterlippe  vorschieben, 
niiizmütig  aussehen,  schmollen.  El- 
hing. 

Schetter,  m.,  und  Ableitungen  s. 
Schätter  etc. 

Schetterdraf,  m.,  s  Scheddeldraf. 

Scheucher,  7n.,  der  Schenchende.     S. 

Flatterer. 

Scheucheel,  n.,  Vogelscheuche.  Von 
icheuchen,     Natangen. 

Scheuersonnabend,     pltd.     Schlrsonn- 

ftwend,  7n.,  Sonnabend  in  der  Karwoche, 
weil    an    ihm   die  Wohnung  gründlich 

gescheuert  wird.    Vgl.  Blaumontag. 
Scheundiele,  pltd.  SchlndSI,  /.,  Tenne. 

Scheune,  /.,  pltd.  Schin^  allein  üblich 
für  Scheuer,  Gebäude  zur  Aufnahme 
von  Getreide,  Stroh,  Heu. 

Scheusei,  7n.,  hoch  aufragende,  körner- 
lose Ähre.  Und  ist  noch  das  Sprich- 
wort under  de  Nadraven:  Roggsa  (Rog- 
gas)  tarp  pupn  keip  welnas^  wenn  sie 
einen  Scheusel^  der  vor  dem  Getreydig 
heroorraget^beschreiben wollen.  Pierson, 
Matth.  Prätor.,  12. 

Schfiwe,  /,  schfiwig,  od)'.,  s.  Schäwe 
etc. 

Schlbbel,  m.,  penis.  Eimland:  Gut- 
stadt, Wormditt.     Möhling. 

ochibber,  m.  1.  langer  Kienspan, 
Splitter  aus  glatten,  fetten  Fichten- 
scheiten  zur  Leuchte.  Nach  beendigter 
Feldarbeit  werden  sie  vorrätig  gespal- 
ten. Hennig,  335.  2.  kürzere,  der 
Länge    nach    blätterartig    geschnittene 


Holzstacke  zum  Anbrennen  beim  Hei- 
zen. 3.  Holzsplitter  überhaupt,  selbst 
der'  kleine  Splitter,  den  man  sich  in 
die  Haut  reifzt.  Für  1  und  2  lit. 
ziburys.  In  Bayern  Scheiben  spalten, 
klieben  (das  Holz),  engl,  shiver  Splitter. 
Vgl.  SchmellerlH,  310.  Brem.  Wb. 
IV,  649.  Vilmar,  207. 
ichlbberig,  auch   ichlbrig,  adj.y  em- 

pfindh'ch,  leicht  gekränkt,  verdrierzlich, 
mürrisch;  auch  frostig,  Frost  verur- 
sachend. Mühlin g  schreibt  schieberig. 
Vgl.  schubberig. 

ichibbem,  sw,  1.  Schibber  spalten, 
schneiden.  2.  schlecht  leuchten.  Das 
Licht  schibbert  nur^  es  brennt  trübfe, 
leuchtet  mangelhaft  wie  ein  Schibber, 

Schlbe,  /.,  s.  Schtwe. 

schlbelig,  schlbelicht,   pltd.  schlwelig, 

adj.^  einer  Scheibe  gleich,  scheiben- 
artig^  kreisförmig,  rund.  Jeroschin: 
nach  schibelechtir  crwmme,  Pfeiffer, 
215.  Der  schtbelichte  Turm^  ehemals 
Volksname  des  Buttermilchturmes  in 
Marienburg,  von  seiner  runden  Gestalt. 
Vgl.  Buttermilchsturm. 

schlbrig,  adj.,  s.  ichibberig. 

Schieber,  m.  1.  Hintergetreide,  die 
leichten  Kömer,  welche  beim  Ausharfen 
des  Getreides  abfallen.  Dönh.  Von 
schichem^  weil  die  Körner  vom  Zug- 
winde geschichert  werden.  Gewöhnlich 
nennt  man  dies  Getreide  Hinterst,  m. 
2.  nach  Mühling  Franenhut  oder 
Haube  mit  grofzem  Strich,  d.  i.  Borte, 
Besatz.  Wohl  weil  ein  derartiger  Kopf- 
putz geeignet  ist.  Scheu  zu  erregen. 

schichem,  schichtern,  schlichtem,  sw. 

1.  scheuchen,  jagen,  verjagen,  Angst 
machen.  Die  Hühner  aus  dem  Garten 
schichem.  Die  Diebe  sind  verschichert^ 
verjagt  worden.  Sperber,  27:  wr- 
schickern.  Hennig,  247.  2.  sich 
scheuen,  fürchten.     Vgl.  schUen. 


270 


Sebicb'rer  7-  Schielxprogel. 


Schich'rer,  Sohttch'rer,  m.,  einer,  der 
9ckücherty  scheacht. 

Schicht,  /.  1.  von  schichten  teilen, 
Teil  einer  Erbschaft,  aber  auch  Hand- 
lang des  Teilens.  Nach  Absterbung 
eines  Ehegattens  soll  das  verbUebene 
Theil  nicht  eher  die  Schicht  und  Thei- 
hing  zu  thun  schuldig  seyn^  bis  nach 
verflossenen  6  Wochen,  U  artwich, 
331.  2.  Bei  Jeroschin:  Einteilung, 
Anordnung,  als  in  stnir  schichte  ei- 
schit  dizgetichte  3a.  dt  burc  gewandüt 
in  der  vrist  wart  an  der  büunge  schd^ht, 
dl  stat^  unde  doch  der  name  nicht  31b. 
Pfeiffer,  215.  3.  aufhören  zu  arbei- 
ten. Schicht  machen^  fertig  machen, 
mit  der  Arbeit  ein  Ende  machen.  In 
der  Oberpfalz  auch:  Ordnung  machen, 
Ruhe  herstellen.  Schmeller  III,  317. 
4.  Prügel,  Hiebe,  Schläge.  Es  giebt 
Schicht,  es  giebt  Hiebe.  Er  hat  Schicht 
bekommen,  HanSy  min  Sän^  du  krochst 
e  Schicht,  Volksr.,  256,  886.  Nach 
Adelung  lU,  1434  ist  Schicht  ur- 
sprünglich das  Intensivum  von  schehen^ 
schechen  und  ahmt  eigentlich  den  Laut 
einer  schnellen,  gelinden  Bewegung 
nach.     Vgl.  Schacht. 

schichten,  sw.  1.  einteilen,  abteilen. 
Jeroschin:  0U4:h  s6  htz  er  in  schichten 
dl  lant  in  vir  bischtüme  42  a.  nach 
predigSres  sitte^  der  sin  rede  in  stucke 
Schicht  2c.  Pfeiffer,  215.  2.  Dinge 
in  Ordnung  über  einander  legen.  Das 
Holz  unrd  geschichtet. 

Schiele,  pltd.  Schüclc,  n.  Er  ist  wie- 
der im  Schick^  er  ist  wieder  in  Ord- 
nung, in  betreff  der  Gesundheit  oder 
der  geschäftlichen  Einrichtung;  nach 
Schemionek,  34,  betrunken.  im 
Schick  sein  auch  fertig,  bereit  sein. 

8chicl(ern,  sw,y  s.  schichern. 
Schicl(8el,    n.,     Dem.     Schidaelche, 


Jndenmädchen ,  Geliebte.  Er  hat  e 
Schickselche.  Ebenso  in  der  Oberlaus. 
Anton,  12,  15.  In  S&ddeutschland 
das  nichtjüdische  Mädchen.  Ursprüng- 
lich von  dem  hebr.  srhekez  wovor  man 
Widerwillen,  Grauen  hat.  Vgl.  Wei- 
gand  II,  570. 

Schiddeiicopf,  m.,  s.  Scheddeiicopf. 

schiddern,  sw.^  s.  scheddeln. 

Schlder,  7?.,  Scheit,  Holzkloben.  Von 
scheiden  trennen,  spalten.  Hennig, 
231. 

schieberig,  adj.,  s.  ichibberig. 

Schiebeschräg,  /.,  s.  Schfweschrikg. 

schief,  adi.  Er  ist  schiefe  —  hat 
schief  geladen^  ist  angetrunken. 

Schielbock,  m.,  Mensch  mit  schielen- 
den Äugen.  Bovkchen,  Bockchen,  schiele 
nicht!  beliebtes  Gesellschaftsspiel. 
Sperber,  28. 

Schiene,  /.,  s.  SchSne. 

Schierling,  m.,  Hunds -Gleifze,  Ae- 
tkusa  cynapium  L.,  also  mit  dem  Namen 
von  Conium  L.  Weichseldelta.  Trei- 
chel,  Volksth.  lU. 

schieben,  pltd.  8chMe(n),  st.  1.  ei- 
len, schleunigst  sich  fortmachen.  Sei 
kam  as  wie  e  Wingd  bett  an  de  KSch 
geschahten.  Carm.  nupt.  I,  282,  6. 
Ijat  se  scheeteny  bring  se  op  den  Draf. 
Dorr,  1.  Wiew.,  18.  2.  aufgeben, 
fallen  lassen,  die  Freundschaft  kün- 
digen. La/z  ihn  doch  schief zen!  3. 
stehlen.  Em  Häske  schete(n)y  ein  Häs- 
chen schielzen,  einen  Kloben  (ein 
Scheit)  Holz  entwenden. 

Schief zhund,  m.,  Hund,  der  das  an- 
geschossene Wild  au&usuchen  hat, 
Hühnerhund,  Jagdhund.  Vom  auf- 
merksamen Menschen:  Er  pa/zt  auf 
wie  ein  Schie/zhund,  Sprw.  II,  158. 
Sperber,  28. 

Schiefzprligel,  m.,  Flinte.    Den  Schie/z- 


SohieÜEStobl  —  Schill. 


271 


prügel  nehmen  und  auf  die  Jagd  gehen. 
Ebenso  in  Liv-  und  Estland.  Hapel, 
205. 

Schiefzstuhl,  pltd.  SchStstöl,  m.,  trans- 
portabler Stuhl,  der  (wohl  nar  von 
Sonntagsjägern)  mit  auf  die  Jagd  ge- 
nommen wird.  He  stund  eegenüich  nich^ 
ne  he  satt  uinger  ^ner  gtvten  Beek  op 
so  'nem  Scheetstool^  wie  se  dat  nennen. 
Dorr,  Driewjagd. 

Schffe,  /.,  s.  Schäwe. 

Scbffer,  m.  Er  hat  einen  Schifer; 
Stein,  Peregrinus  XVllI,  17,  neben: 
Er  hat  einen  Sparren  zu  viel^  er  ist 
nicht  bei  rechten  Sinnen.  W.  Mtsbl. 
VI,  190. 

Schiffbier,  Schiffsbier,  n.,  Bier,  das 
ins  Ausland  verschifft  wurde,  zweiter 
Name  des  Danziger  Jopenbieres  (s.  d.) 
Schon  1379  genannt.  Hirsch,  245. 
305. 

Scbiffel,  SchUffel,  rein  pltd.  SchSffel, 

/'.,  Schaufel,  poln.  szußa^  lit.  szüpele. 
Aus  schieben^  pltd.  schuwen.    Davon: 

scbiffein,    schttffeln,    schttffein,    m.. 

schaufeln.  Hennig,  231.  247.  Kin- 
der schiffeln^  auch  schuffeln^  beim  Bohn- 
chenspiel  mit  dem  gebogenen  Zeige- 
finger die  Bohne  ins  LocL 

schiffen,  sw,  1.  Getreide  fahren,  sei 
es  zur  Einschiffung  in  den  Kahn,  sei 
es  zur  Ablagerung  in  den  Speicher. 
Der  dazu  besonders  eingerichtete  starke 
Wagen  heil'zt  Scbiffwagen.  Werder. 
Nach  Passarge,  220,  auch  zu  Markte 
schiffen,  selbst  wenn  es  zu  Wagen  ge- 
schieht. Ursprunglich  mochte  solches 
zu  Wasser  geschehen  sein.  2.  harnen, 
urinieren. 

Schiffer,  m.  Er  fäJ^H  für  Schiffer, 
er  kommt  in  seinem  Geschäft  vorwärts, 
es  gl&ckt  ihm  in  seiner  Nahrung.  Hen- 
nig, 231. 

ScUffermtttzchan,  Pflza.,  Ackerwinde, 


Conwlvulus  arvensis  L.  Kr.  Bereut. 
Weichseldelta    Treichel,  Volksth.  Hl. 

S.  Mandelblume. 

Schiffprilgel,  m.,  Nachtgeschirr.  S. 
schiffen  2. 

Schiffsabrechner,  -agent,  m.,  s.  Ab- 
rechner. 

Schiffsbier,  m.,  s.  Schiff bier. 

Schiffskinder,  plur,,  die  gesamte  Mann- 
schaft eines  Schiffes.  Danzig.  Hirsch, 
265. 

Schiffsmakler,  7/i,  $.  Abrechner. 

Schiffsreedebringgeld,  n.,  die  Abgabe, 
welche  Schiffe  entrichten,  die  zu  tief 
liegen,  um  mit  voller  Ladung  ein- 
oder  ausfliefzen  zu  können.  Sie  be- 
trägt in  Pillau  2  Mk.  Pr.  Prov.-Bl. 
XVU,  51.    Heute  aulzer  Gebrauch. 

Schiffwagen,  m.,  s.  schiffen  1. 

Scbtflftd,  /.,  s.  Schublade.     Saalfeld. 

icbiggeln,  sw.,  kratzend  hin  und  her 
fahren:  beim  Geigen  mit  dem  Bogen, 
beim  Schneiden  mit  dem  Messer. 

Schigger,  m.,  Pflzn.,  gelbe  Segge, 
Carex  flava  L. 

schigger,  schiggerig,  adj.,  betrunken; 

unwohl,  kränklich,  elend;  verrückt,  nicht 
recht  bei  Sinnen.  Er  ist  schigger,  er 
ist  betrunken.  Das  ganze  Jahr  schigger 
und  Purim  nüchtern,  Jüd.- deutsche 
Redensart.  Sprw.  I,  3290.  Er  sieht 
schiggerig  auSy  er  sieht  leidend,  kränk- 
lich aus.  Von  dem  hebr.  schichor  be- 
rauscht. 

Schildkröte,  /.,  gemütliches  Schimpf- 
wort. Mufz  nicht  die  Schildkröte  mich 
verrathen  haben,  die  Marie  f  Soph.  R. 
VI,  323. 

Schilf blume,  /'.,  Wasser- Schwertlilie, 
Iris  pseudacorus  L,  Weichseldelta. 
Treichel,  Volksth.  III. 

Schill,  Schill,  /.,  Name  und  Lockruf 
für  die  Ente;  B,ncli  SchiUersche!  Volksr., 
64,  242L    Nsslm.,  Th.,  220. 


272 


Schillebold  —  schimmern. 


Schillebold,  m.,  Libelle.  Mühling. 
Ebenso  in  Bremen,  in  Brandenburg. 
Brem.  Wb.  IV,  653. 

Schillerhaus,  n.,  Schilderhaus. 

schillern,  sw,y  schildern:  1.  warten, 
wachend  arbeiten.  Ich  habe  den  ganzen 
Tag  —  die  ganze  Nacht  schiUem  müs- 
sen. 2.  Schildwuche  stehen.  Hennig, 
231. 

SChillgemal,  adv.y  verschiedenemal, 
wiederholt.  Dctö  hat  dieser  alte  Kopf 
viel  schillgemal  erlebt.  Soph.  R.  lY, 
162. 

Schilling,  m.  1.  preul'zische  Münze 
seit  1351  bis  ins  18.  Jahrhundert  hin- 
ein, in  der  Gröfze  des  alten  5  Groschen- 
stückes, also  etwa  der  heutigen  Mark. 
Ihr  Silbergehalt  war  ursprünglich  - 
25  P%.,  wurde  aber  successive  ver- 
ringert und  fiel  bis  auf  5  Pfg.  Vgl. 
Hörn,  Vom  preul'z.  Gelde.  Altpr.  M. 
V,  51.  2.  späteres  Geldstück  im  Werte 
eines  Pfennigs.  S.  Wertvergleichungs- 
tabelle  vom  15.  November  1821  ^Ge- 
setz Samml.  1822,  S.  2  ff.).  Fttnfschil- 
linger,  ursprünglich  =  5  Pfg.,  hatten 
einen  Wert  von  7  alten  Pfennigen. 
Der  Schdüing  gut  nirgend  so  viel,  als 
wo  er  geschlagen  ist  Wer  zum  Schil- 
ling geschienen  ist,  wird  kein  Groschen 
werden.  Er  treibt^  schleicht^  stofzt  — 
sich  herum  wie  ein  schlimmer  (falscher) 
Schilling.  Er  ist  bekannt  wie  ein  schlim- 
mer Schilling.  Schölling,  stä  op  on 
lat  dem  Grosche  sötte,  Sprw.  I,  3292  f. 
Hennig,  23,  Sperber,  28. 

Schillinge,  plur,,  Pflzn.,  s.  Nimmerstill. 

schilpem,  schimpem,  sw.,  schwankend 
überfliefzen.  Übervolle  Schüsseln  schil- 
pem^  laufen  über.  Nimm  dich  in  acht, 
da/z  du  nicht  schilperst  Treichel. 
Für  Estland  bei  Sallmann,  39  b. 

Schimannsgarn,  n  ,  Shipmannsgarn, 
Garn   des    Schiffers,    Kautabak,    nach 


der  schnurartigen  Gestalt  seiner  Ver- 
arbeitung.    Treichel,  Volksth.  H. 

^himke,  oft  Dschimke  geschrie- 
ben, w.,  polnischer  Flolzknecht,  Wit- 
tinueüknecht.  Poln.  ziemek,  ziomek^ 
russ.  zemljak,  lit.  iemintnkas  Lands- 
mann. Nsslm.,  Forsch.  3;  Th.  164, 
meint:  wahrscheinlich  haben  diese 
Leute  hier  im  fremden  Lande  sich 
gegenseitig  ziemki,  Landsleute,  ange- 
redet, woraus  die  der  polnischen  Sprache 
unkundigen  Bewohner  der  Stadt  Kö- 
nigsberg und  Provinz  Schimke  gemacht 
und  dies  Wort  irrtümlich  als  Standes- 
bezeichnung gebraucht  haben.  Vgl. 
Bock,  56.     Hennig,  232.    S.  FITS. 

Schimmelreiter,  m,,  Sylvesterbelusti- 
gung. Um  den  Schimmel  zu  bilden, 
wird  ein  Pferdekopf  auf  eine  Stange 
gesteckt,  auf  der  ein  Knecht,  mit  wei- 
l'zen  Tüchern  bedeckt,  reitet;  hinten 
wird  an  die  Stange  statt  des  Rofz- 
schweifes  ein  Bündel  Flachs  angebun- 
den. Der  Schimmel  schlägt  entsetz- 
lich aus,  d.  h.  sein  Reiter  hat  einen 
Stock  in  der  Hand  und  prügelt  alle 
Mädchen,  die  sich  blicken  lassen,  ohne 
Barmherzigkeit.  In  der  Gesellschaft 
des  Schimmelreiters  befinden  sich  ge- 
wöhnlich ein  Bock  und  ein  bucklichter 
Kerl.  Der  Bock  ist  ähnlich  wie  der 
Schimmel  hergestellt,  nur  sitzt  der  Rei- 
ter auf  einer  Forke,  deren  Zinken  die 
Hörner  des  Bockes  vorstellen.  Na- 
tangen.  Oberland.  Volkskal.,  55.  Ge- 
naueres giebt  Treichel  in  Verhandlun- 
gen der  Berlin,  anthropol.  Gesellschaft 
V.  20.  Januar  1883. 

scbimmerieren,  sw,y  schattieren,  schim- 
mern, schillern.  Da»  schimmeriert  in 
allen  Farben.     Saalfeld. 

Schimmerlichty  n.,  s.  v.  a.  Schimme- 
rung (s.  d.) 

schimmern  y   schummern,   plt.   schem- 


Schimmening  —  Scbine. 


273 


merriy  aw.^  dämmern.  Zur  Bezeich- 
nuiig  des  Lichtes  nach  Sonnenunter- 
gang und  vor  Sonnenaufgang;  in  über- 
tragener Bedeutung:  klar  werden.  Es 
schummert  mir^  ich  fange  an,  mich  der 
Sache  zu  erinnern,  sie  taucht  in  mei- 
nem Gedächtnis  wieder  auf.  Sche- 
mionek,  37.  Sperber,  29.  Vgl. 
Scbimmerung. 

Schimmerung ,  pltd.  Schemmerung, 
Schemmering,  /.  1.  Dämmerung,  Däm- 
merlicht. Es  ist  zwar  wahr^  dafz  es 
Licht  werde^  ehe  die  Sonne  aufgehet^ 
aber  das  Licht  kann  nicht  der  Tag  ge- 
nannt  werden^  so  man  nicht  plumbs- 
weise  davon  reden  wolle:  Sondern  Mor- 
gen- und  Abend- Schimmerung^  weil  das 
rechte  physische  Licht  in  der  oberen 
Welt  noch  nicht  aufgestecket  ist.  Line- 
mann, A3a.  2.  Dämmerstunde,  Zeit 
während  der  Schimmerung,  und  wohl 
ausschliefzlich  der  Abend-Schimmerung, 

daher  Scbimmerstunde,  Schummerstunde, 
Schimmer-,  Schummerzeit,  pltd.  Schem- 
merstund,  -tTd,  gewöhnlich  im  Dem. 
Schimmerstundchen  etc.  Es  ist  die  ge- 
mütliche Plauderstunde,  in  der  man  auch 
gern  Besuche  macht.  Holl.  schemering^ 
schemerstond^  schemertyd,  3.  glitzerndes 
Glänzen,  Schimmern,  . , .  als  wenn  die 
Sonne  auf  einen  Stern  viel  Straten  wer- 
ffcy  und  dannenhero  unzehlig  viel  Durch- 
schneidungen derselben  entstehen^  welche 
in  unsere  Augen  fallen  und  alsdann  in 
selbigen  eine  Glintzerung  oder  Schimme- 
rung verursachen  solten.  Line  mann, 
Lla. 

Schimmerzeit,  /.,  s.  Schimmerung. 

schimmrig,  schummrig,  (zdj.  von  schim- 
mern, dämmernd,  dämmerig;  verworren, 
unklar.  In  zweiter  Bedeutung  beson- 
ders schummrig.    Sperber,  29. 

schimperig,  adj.y  dem  Schemper  ähn- 

Prifchbier,  W5rt«rbuob  II. 


lieh,  dünn  und  schlecht;  von  Getränken. 
Treichel. 

schimpem,  sw.,  s.  schilpem. 

Schimpf,  /.,  Schelte.  Nu  kri  wi  aUer 
Sch§mp.    Dorr,  1.  Wiew.,  24. 

Schimsche,  /.,  eine  Binsenart  im  Na- 
riensee. 

^chln,  /.,  w.  Vom,  s.  §chlne. 

schinden,  schingen,  st^  aus  der  ur- 
sprünglichen Bedeutung  des  Abziehens 
der  Haut:  L  quälen,  hart  anstrengen, 
pisacken  (s.  d.);  durch  harten  Druck 
ausbeuten,  in  Handel  und  Wandel  das 
Malz  der  Billigkeit  arg  überschreiten. 
Schinge  on  Schawe  gofft  doch  mehr  wie 
Haue    on    Grawe.      Sprw.    I,    3299. 

2.  auf  anderer  Leute  Rechnung  geniefzen. 
Bier^  Cigarren  etc.  schinden,  sich  frei- 
halten lassen. 

Schinder,  Schinger,  im  Ermlande  auch 
Schwidda,  Schwidder,  m.,  Abdecker, 
Racker;  Teufel.  Dem  Schinder  die 
Keule  abkaufen,  etwas  zu  teuer  bezah- 
len. Mewe.  Sprw.  H,  2328.  Den 
holt  der  Schinder  nicht,  er  hat  sich  gut 
eingewirtschaftet.  Ihn  hat  der  Schin- 
der geholt,  er  ist  zu  Grunde  gegangen. 
Sprw.  I,  3300  £  Na  wejz  de  Schinga 
dis  Joa  wd  wa^  denk\  kene  Wingta 
kr  ige.  Ermländ.  Freisch.,  12.  I  wo 
Schinder,    des   ös  je   domm!     Schaltj., 

3,  5.  /  wo  Schinder!  ist  ein  gewöhn- 
licher Ausruf  der  Überraschung,  des 
Ärgers,  der  Zurückweisung. 

Schlne,  ^chTn,  w.  Yom.,  Regine. 
Samland.  Hopp,  Ann-SchinkCy  hüpfe, 
Anna  Regine !  Auch  Zuruf  beim  Auf- 
heben einer  Last,  um  die  Gleichzeitigkeit 
des  Hebens  zu  bewirken.  Vgl.  Sprw. 
I,  91.  Ja,  Schin,  de  Tide  wäre  von 
Jär  to  Jär  schlechter.  Firmenich  I, 
101  a.   Broder  Frtd  on  Schwester  Dschin 

son  tom  Markt  na  der  Stadt  gekamen. 

18 


274 


Bchinen  —  Schippenbeil. 


Elbinger  Höbe.   N.Pr.Prov.-Bl.a.F.IX, 
241.     Firmenich  HI,  493a. 

schlnen,  sw.<,  schnell  fliefzen;  s.  schä- 
len 4. 

schingen,  st^  Schinger,  m.^  s.  schin- 
den etc. 

Schinkenbruder,  m.^  s.  Schinkenschwa- 
ger. 

Scbinkenschneiden,  n.,  Pfandaaslösong: 
Ich  steh'  und  achneide  Schinken,  Wen 
ich  lieb  hab\  toerd^  ich  winken,  Volksr., 
201,  742. 

Schinkenschwager,  m.,  derjenige,  der 
mit  der  Fraa  eines  andern  geschlecht- 
lichen Verkehr  hat.  In  Friedland  Ostpr. 
Schinkenbruder. 

Schinkenschwester ,  /. ,  Konkubine. 
Sprw.  I,  3303. 

Schinkenvetter,  771. ,  nach  H  e  n  n  i  g ,  233, 
derjenige,  der  statt  eines  andern  die 
Patenstelle  vertritt.  Bock,  57,  erklart: 
derjenige,  dessen  Ehefrau  bei  jemand 
die  Patenstelle  vertreten. 

Schinkraut,  Schinnkraut,  n.,  Schell- 
kraut, Chelidoniwnh  majus  L,  Bock 
Nat.111,423.  Hagen,  546.  Hennig, 
232.     Pritzel,  90. 

Schinn,  m,^  die  kleinen  Schuppen, 
welche  sich  von  der  Haut,  namentlich 
Kopfhaut,  ablösen.  Ursprünglich  Schinn 
Haut,  Fell,  wie  noch  jetzt  engl,  skin^ 
isl.  skinn,  dän.  skind.  Brem.  Wb.  IV, 
654.  Nach  Sperber,  28,  der  Kopf- 
grind.    Vgl.  Schäwe. 

Schln-,  Schinnagel,  m.,  s.  SchSnnagef. 

schinnig,  adj.  1.  mit  Schinnen  be- 
haftet; von  der  Haut,  auch  von  einer 
heilenden  Wunde.  Vgl.  schelberig.  2. 
räudig.  Schinnig  und  schäwig^  räudig 
und  krätzig.     Hennig,  232. 

Schinnkaule,  Schinngrube,  /.,  Schind- 
grube. Solche  Oerter  (wo  sich  Irrlich- 
ter zeigen)  mid  ingemein  sumpfflge  und 
maraatige  Plätze^   Kirchhofe^    Schinn- 


gruben,  oder  wie  unsere  Preussen  es 
nennen,  Schinkaulen,  GcUgenpldtze  etc. 
Linem.,  Uu2a. 

schlns,  ado.,  gerade,  aufrecht  Dat 
Kdm  steit  achtna. 

schipp,  eine  Art  Interjektion.  Schipp, 
achipp,  waa  Neu^a  vom  Jahr !  sagt  man, 
wenn  ein  Gericht  zum  erstenmal  im 
Jahre  auf  den  Tisch  kommt,  während 
man  den  Tischnachbar  am  vordem 
Haarzipfel  zupft.  Das  poln.  czub  Schopf, 
klingt  an.    Vgl.  Schuprtne. 

Schippe,  /.,  richtiger  Schuppe,  Schau- 
fel. Ein  Schippchen  ziehen,  —  machen 
kleine  Kinder,  wenn  sie,  dem  Weinen 
nahe,  die  Unterlippe  schaufelartig  vor- 
schieben. Treichel.  Nach  den  Ge- 
daniamen  bezeichnet  Schippe  auch  eine 
einfaltige,  dumme  Person.   Vgl.  Schöpe. 

schippen,  aw,,  stofzend  werfen,  schie- 
bend fortschnellen,  werfen  überhaupt. 
Den  Ball  schippen,  Bohnchen  achdppen, 
Einderspiel  mit  Bohnen,  wobei  ea  dar- 
auf ankommt,  die  eigene  Bohne  durch 
geschickten  Stofz  des  gekrümmten  Zeige- 
fingers schiebend  nach  einer  gemein- 
samen Grube  zu  schnellen.  Die  kleinen 
Gegner  suchen  das  Geb'ngen  des  Wur- 
fes durch  die  Zauberformel:  Hexe  pro- 
fexe,  e  Kriz  ver't  Loch!  zu  verhindern. 
Wehlau.  In  Hessen  nennt  man  dies 
Spiel  bonaen,  bunaen,     Vilmar,  48. 

Schippenbeil,  Städtchen  am  Einflüsse 
der  Guber  in  die  Alle,  Kr.  Friedland. 
Der  älteste  Name  des  Ortes  ist  Schiffen- 
bwy,  woraus  sich  Schippenburg,  Schdp- 
penpil  (pil,  altpr.  Burg,  Berg)  und 
/ScrAipp^^allmählich  bildeten.  Voigts 
(Gesch.  I,  495)  Erklärung  des  Namens 
als  „Wohnburg  der  Richter  oder  Schop- 
pen", die  Preufz  (Landes-  u,  Volksk., 
513)  wiederholt,  ist  unzutreffend.  VgL 
Liek,  11  ff.  Die  Bewohner  von  Schip- 
penbeil    heifzen     spottweise    Erbsen- 


Schipper  —  Schirk. 


275 


schmecker.  Die  Lokalsage  erzählt  von 
ihnen,  daTz  sie  einem  Bauern  eine 
ganze  Fuhre  Erbsen,  die  er  nach  der 
Stadt  zum  Verkaufe  brachte,  in  ent- 
nommenen Proben  aufgeschmeckt  haben. 
Das  Erbsenschmeckerlied  erzählt  hier- 
von ausführlicher.  N.  Pr.  Prov.-Bl.  I, 
15  ff.  VolksL,  66,  44.  Sprw.  I,  744. 
Die  Schippenbeiler  heifzen  aber  auch 
noch  Bärenstecher,  weil  sie,  wie  die 
Sage  erzählt,  ihren  Bürgermeister,  der 
in  Königsberg  sich  einen  Bärenpelz- 
angeschafft  hatte  und  in  dem  neuen 
Winterkleide  prangend  heimkehrte,  für 
einen  Bären  ansahen  und  mit  Spiefzen 
und  Stangen  überfielen.  Reusch,  Sa- 
gen, 114.     Sprw.  I,  744.    Liek,  283. 

Schipper,  Schifpper,  m,^  Schiffer,  Eahn- 
führer.  .  .  .  daz  au/z  des  Monds  auf 
und  Untergang  von  den  Schtppem  Ta- 
bulen  gemacht  fjoorden.  Linem.,  Aa2a. 
Ako  da/z  die  Schipfer  gewisse  Regeln 
darüber  (über  Ebbe  und  Flut)  verfer^ 
tiget  haben.  Ibid.,  Aa  1  b.  Im  Werder 
und  auf  der  Danziger  Nehrung  Schop- 
per  die  Aufkäufer  von  Obst  oder  Päch- 
ter der  Obstgärten.  Sie  werden  Schopper 
genannt,  weil  sie  das  Obst  in  Kähne 
verladen  und  in  diesen  zum  Verkauf 
in  die  Städte  führen.  Vgl.  Viol^t,  90. 
SchoppeTy  Schopper^  Ul  öm  Mast,  hSl 
de  Katt  bVm  Zagel  fast!  Neckreim. 
Volksr.,  84,  344. 

schippig,  adj.y  dumm,  einfältig.  Ge^ 
danismen.    Vgl.  Schippe. 

Schipprin,  Dem.  Schipprtnchen^  s. 
Schuprine. 

schipsen,  sw.,  dem  Tone  nachgebildet, 
den  Küchlein  hören  lassen,  die  man 
danach  auch  Scbipser  nennt.  Friedland 
Ostpr, 

SChtr,  adf.  1.  unvermischt,  lauter, 
klar,  hell,  rein,  glatt.  Schtrer  Speck. 
Schires  Fleisch,  Fleisch  ohne  Knochen; 


auch  tautologisch:  das  reine ,  schiere 
Fleisch,  Sahiren  Safer  futtern,  reinen 
Hafer,  ohne  ihn  mit  Häcksel  zu  ver- 
mischen. Der  Safer  steht  recht  schir, 
recht  rein,  ohne  dai'z  er  mit  Gras  durch- 
wachsen ist.  Sahire  Butter  essen,  wört- 
lich reine,  klare  Butter  essen;  doch 
hört  man  die  Redensart  schon,  wenn 
die  Butter  dick  aufs  Brot  gestrichen 
ist.  Das  sind  ja  schire  Knochen,  lauter 
Knochen,  sagt  die  Köchin  zum  Fleischer, 
um  das  Fleisch  im  Preise  zu  drücken. 
Ein  schires  Brett,  glatt  gehobeltes,  ast- 
freies Brett  Sie  hat  eine  schire  Saut, 
eine  glatte  und  weil'ze  Haut  ohne 
Flecken.  2.  glatt  und  gerade,  hart  und 
fest  gewachsen.  Schires  SolZy  schires 
Stroh,  Holz  und  Stroh,  das  die  an- 
gegebenen Eigenschaften  hat.  Alts. 
skiri,  skir,  ags.  sctr^  ^^S^-  ^heef*,  altfr. 
sktre,  Vgl.Brem.Wb.IV,659.  Scham b., 
184a.  Vilmar,  350.  Schade,  798a. 
Hennig,  252.  336. 

scblr,  cuiv.,  beinahe.  Öak  st  schir 
verhungert,  Öck  wet  schtr  nich  utnoah 
ön.    Mhd.  Sahir;  s.  Schade,  791a. 

Schtr,  m.,  feine,  lose  gewebte,  klare 
Leinwand,  feines  Kammertuch.  Die 
Wohlhaienden  tragen  von  Schier  aus 
dem  Krahm  ihre  Schleyer,  L  e  p  n  e  r ,  66. 
Von  schir  1.  Das  lit.  szyras  feine  Lein- 
wand ist  aus  dem  deutsch.  Sahir  ge- 
bildet; sie  heifzt  sonst szydas,  Mi elcke, 
411a.  Unter  Sahiertuch  verstand  man 
aber  auch  das  grobe  Kammertuch,  durch 
welches  man  Flüssigkeiten  filtrierte. 
Brem.  Wb.  IV,  660. 

schirgeln,  sw,,  zur  Bezeichnung  1.  der 
ersten  Gesaugsübungen  junger  Vögel, 
2.  der  ersten  Übungen  im  Geigenspiel. 

Vgl.  quirksen. 
Schirk,  m,,  Schirke,  Scherke,  Schurke, 

f.,  auch  Tsch  anlautend,  1.  Hausgrille, 
Heimchen,     GryUus    domesticus,     Lit. 

18* 


276 


Bchirken  —  ScUTz. 


zirke^  leti.  zirzenSy  poln.  iwiercz^  hdei^szcz^ 
swierszczek^  böhm.  cwrcek^  russ.  Bwer-- 
czök.  Nsslm.  Forsch.  3;  Th.,  164.  Das 
Volk  schont  diese  Tierchen,  weil  sie 
dem  Hause  Segen  bringen.  Bock, 
61.  Hennig,  243.  Mühling,  Tiem., 
177.  S.  Mauerechirk.  2.  kleiner,  schwäch- 
licher Mensch.  Pierson,  Altpr.  M. 
Vni,  367.  In  Friedland  Ostpr.  Schirks. 
schirken,  schirksen,  scherken,  schttrken, 

8tr.,  achirkj  schirks  hören  lassen,  schril- 
len, zirpen;  von  dem  eigentümlichen 
Ton,  den  Grillen  und  Heuschrecken, 
hin  und  wieder  auch  die  Sänger  unter 
den  Vögeln  hören  lassen.  Den  un- 
melodischen Gesang  der  Vögel  nennt 
man  vorzugsweise  schirksen.  Lit.  czlrsz- 
kiüj  cdrksztiy  lett.  tschirksteht  Nsslm. 
Forsch.  3;  TL,  164. 

Schirks,  m.,  s.  Schirke. 

schirks,  interj.^  der  zirpende  Ton 
der  Grillen  und  Heuschrecken,  des  Fin- 
ken, Kanarienvogels  u.  a.  Sänger.  Vgl. 
schirken. 

schirksen,  sw.y  s.  schirken. 

Schirrarbeiter,  tw.,  Arbeiter,  welcher 
Geschirre:  Wagen,  Leitern,  Pflüge  etc. 
fertigt  und  auszubessern  hat.  Er  heilzt 
im  Netzedistrikt  Schirrknecht 

schirren,  ««?.,  das  Geschirr  den  Pfer- 
den auflegen,  überhaupt  das  Fuhrwerk 
bereit  machen.  Bildhch:  sich  reisefer- 
tig machen.  Ihickt  sock  en  Dickkopp 
op,  so  kannst  dt^  Bür^  man  schörre,  Gä 
af^  renn  sti*amm  Galopp,  Lhrztg.  4, 
355  a. 

Schirrholz,  n.,  Holz,  aus  welchem  die 
ländlichen  Geräte  gefertigt  werden.  Hier- 
nächst  theüet  man  es  (das  Holz)  in  Bau- 
holz . . . ;  171  NutZ'y  oder  Wirk-  und  Schirr- 
holz, so  von  Müllern,  Böttchern,  Tisch- 
fem,  Schirr-  und  Rademachem,  Drechs- 
lern u.  cL  g,  verarbeitet  wird.  Bock, 
Nat.  m,  23. 


Schirrkammer,  /.,  Kammer,  in  welcher 
die  ländlichen  Geräte  (Geschirre)  ge- 
arbeitet oder  aufbewahrt  werden. 

Schirrknecht,  m.,  s.  Schirrarbeiter. 

Schirrmacher,  m,.  Verfertiger  der  länd- 
lichen Geschirre,  Geräte  =  Schirrar- 
beiter. 

Schiich,  /.,  weibliche  Haube,  s.  Hiich. 

Schischke,  auch  mit  T  anlautend 
Tschischke,  m,  u.  /.,  Tannen-  oder  Fich- 
tenzapfen, Kienapfel.  Poln.  szyszka, 
russ.  sztszka,  böhm.  ssysska^  wend.  ^ka^ 
lit.  czyszka,  czeczka,  Nsslm.  Forsch. 
3 ;  Th.,  164.  öck  war  dt  lh*e  op  Schischke 
danze!  als  Drohung.  Sprw.  I,  2387.  Im 
Oberlande  Schischken  auch  die  hakigen 
Samenköpfe  der  Kletten. 

Schischkebauer,  m.,  Spottname  für 
einen  Bewohner  des  Dorfes  Metgethen 
im  Samlande.  Er  ist  ein  Schischke- 
bauer,  ist   aus   Metgethen.     Vgl.  Kar- 

toffelhengsL 

Schischkefichf ,  /.,  verkümmerte  Kie- 
fer.    Sperber,  43. 

Schischkewasser,  n.,  unreines  Wasser. 
Dorr,  1.  Wiew.,  67:  Du  schmoddliget 
Schischkewater !  als  Schimpfwort. 

Schischmen,  plur,,  ungarische  Halb- 
stiefel.    Mühling. 

Schisser,  m.,  s.  Schifz. 

Schifz,  m.,  Yon schei/zen;  übertragen: 
hochgradige  Bangigkeit,  Besorgnis, 
Angst,  Furcht.  Er  hat  Schifz,  hat 
solche  Angst,  dal'z  er  sich  fast  in  die 
Hosen  macht.  Davon:  Anschifz,  m..  Be- 
trug, arge  Täuschung;  nach  Treichel 
auch  Moralpredigt,  ernstes  Wort,  Es 
gab  einen  gehörigen  Anschifz,  einen 
Wischer,  anscheifzen,  st,  täuschen,  be- 
trügen, und  wohl  auch  in  zweiter  Be- 
deutung. Verschifz,  m,,  Miizachtung,  Ver- 
ruf. Verschifz  machen,  Fiasko  machen. 
Er  ist  in  Verschifz  erklärt  Sperber, 
33.    Schisser,  m.,  ängstlicher  Mensch, 


SchiCzmagratzki  —  Schlabber. 


277 


Mensch,  der  dem  Leben  abgestorben 
ist.  Bierschisser,  m.,  der  beim  Bier  in 
Verschifz  erklärt  ist.  Treichel.  schifz- 
rig,  ad;.,  farchtsara,  ängstlich.  Sperber, 
28.  Die  meisten  dieser  Wörter  sind 
Studentenausdriicke. 

Schifzmagratzki.  ErütSchifzmagratzki, 
in  Verlegenheit,  weifz  sich  nicht  zu  hel- 
fen. Gilgenburg.  Sprw.  I,  3305.  Viel- 
leicht aus  dem  poln.  mohrzyc  harnen, 
von  mohro  nafz:  die  gröfzte  Verlegen- 
heit ist  wohl,  von  solchem  Bedürfnis 
gequält  zu  werden. 

schifzrig,  adj.^  s.  Schifz. 

Schitte,/.,  Weberschiffchen,  s.  Schutt 

Schittermus,  /*.,  Milch-  oder  Wasser- 
suppe mit  Weizenmehl.    Sperber,  35. 

Schlttobje.  Schittobje  is  e  Walfisch! 
beim  Überstechen  einer  Karte;  auch 
als  Zurückweisung  einer  Behauptung. 
Das  Wort  ist  Zusammensetzung  aus 
dem  deutschen  Schit  und  dem  poln. 
dobic  vollends  totschlagen,  den  Rest 
geben:  dobic  w  grze  überstechen  im 
Kartenspiel.     Sprw.  I,  3306. 

ScbTtwabbel,  t».,  Rofzkäfer,  s.  Wabbel. 
ScbTwe,  SchTw,  Scbibe,  Scheibe,  Scheib, 

/.,  Dem.  Schtwke^  Schtwchen  etc.  1. 
alles  Flache  und  Runde.  Schiefzscheibe^ 
Ap/elscheibey  Wurstscheibe  etc.  2.  Tel- 
ler, weil  er  flach  und  rund  ist.  Der 
hchd.  Ausdruck  Scheibe  für  Teller  ist 
ungewöhnlich,  wo  er  gebraucht  wird, 
geschieht's  irrtümlich,  indem  msmSchiwe 
für  pltd.  hält.  Lit  szywe\  um  Memel 
skywe'.  So  schone  Schtwkes^  blotzeblank^ 
On  Teppkes,  Pannkes  klene.  Samland. 
Firmenich  III,  177a.  Scheibclien,  auch 
TeUerclien  werfen  =  Butterbrot  (s.  d.) 
werfen.  Im  Werder  Schtwe  auch  Tasse : 
e  Schiwke  Koffee.  3.  es  verliert  sich 
der  Begriff  des  Runden  und  bleibt  nur 
noch     der    des    ausgedehnt    Flachen: 


Fensterscheibe,  Nsslm.  Forsch.  2;  Th., 
165.    Hennig,  228. 

schTwelig,  adj.^  s.  schTbelig. 

SchTweschräg',  /*.,  schiefe  u.  schräge, 
d.  i.  geneigte  Ebene  im  elbing- ober- 
ländischen Kanal;  es  giebt  deren  fünf. 
Dönh.  Schemionek,  34:  schiebe 
Schräg. 

ichhA^Oy  adj,y  lustig,  flott,  munter,  pohi. 
iywo.    Er  lebt  schiwo. 

Schlabak,  Schlabauks,  Schlabauchs,  m., 

Nichtsnutz,  Taugenichts,  Tölpel,  Herum« 
treiber,  ungeschickter,  ungeschlachter 
Mensch ;  auch  blofzes  Schimpfwort  für 
einen  lümmelhaften,  unreifen,  hoch  auf- 
geschossenen Burschen.  Das  ist  ein 
rechter  Schlabdk.  In  Westpr.  auch 
Schiabacks.  Bock,  57,  Hennig,  233: 
ScMabatichs.    Gleich  im  Begriffe  sind 

Schlabammel,     Schlabommel ,     Schlftlos, 

Schläzu,  m.,  und  die  unter  Laband  auf- 
geführten Namen.  Holl.  slabakken  träge 
sein. 

schlabftksch ,     schlabauksch ,      schla- 

baucbscb,  adj'.  von  Schlabdk  etc.,  was 
einem  solchen  eigen  in  Wesen,  Haltung, 
Sprache;  namentlich  von  lotterigem 
Gange.  Potz  Idöftl  öhst  (ist  es,  das 
Buch)  wo  Lecktins  (lateinisch),  ok  woll 
Schlabaacks  geschrehwen?  Carm,  nwpt, 
m,  50  d. 

Schlabbe,  seltener  Schlappe,  /.  1.  Yor- 
tuch,  Latz,  Serviettchen,  das  man  Kin- 
dern umbindet,  damit  sie  sich  beim 
Essen  nicht  beflecken  und  gewöhnlich 
im  Dem.  Schlabbchen,  n.  Sperber, 
28:  Schlappchen.  2.  Schürze.  Dönh. 
Im  Oberland  heifzt  eine  Schürze   mit 

Latz  Schlappschurze,   SchlappenschUrze. 

Holl.  slabdoeky  slabberdoekje^  in  Pommern 

Slabtasche.    Dähn.,  425  b.   Brem.  Wb. 

IV,  795.    Bock,  57.    Hennig,  233. 

Schlabber,  m,    1.  flüssiger,  breiartiger 


278 


Schlabberlise  —  schlackern. 


Strafzenschmutz.  2.  schleimartiger  Spei- 
chel, Geifer.  Der  ScJdahber  hangt  ihm 
zum  Maul  heraus,  Holl.  slabber.  In 
ersterm      Sinne     noch:      Schlabjunter, 

Schmadder ,  Schionter,  Schiubber,  m,   3. 

schlaffes,  weiches,  hautartiges  Fleisch. 
Der  reine  Schlabber.  4.  Mund,  Maul; 
m  Posen  Schiabbey  Schlappe.  Bernd, 
258.  Davon  schlabb(e)rig,  adj\  in  allen 
Bedeutungen;  von  4:  schwatzhaft.  Ein 
schlabberiges  Weib. 

Schlabberlise,  -michel,  m.,  Schwätze- 

riu,  Schwätzer. 

Schlabbermaul,  m.,  Tautologie  für 
Schwätzer.     Vgl  Schlabber  4. 

schlabbern^  sw,  1.  mit  hohler  Zunge, 
läppend  und  schlürfend  saufen  oder 
eine  flüssige  Speise  genicfzen;  zunächst 
von  Hunden,  dann  aber  auch  vom  Men- 
schen. Es  gab  viel  zu  schlabbern.  Schlab- 
ber die  Suppe  aus!  Hans,  komm  Botte- 
melk  schlabbre!  Volksr.,  263,  916.  2. 
geifern ;  beim  Essen  das  Genossene  aus 
dem  Löffel  oder  aus  dem  Munde  fliei'zen 
lassen.  3.  schnell  und  gedankenlos  re- 
den, schwatzen,  plappern.  Das  achlab- 
bert  er  nur  so  hin.  In  Bremen,  Ham- 
burg, Pommern  1.  slabben  von  labben 
lecken,  im  Götting.  slabbem^  in  Bayern 
schlappen;  in  den  andern  Bedeutungen 
slabbem.  Holl.  slabben,  slabberen^  engl. 
to  slabber  nal'z  machen,  begeifern.  Brem. 
Wb.  IV,  794.  Richey,  256.  Dähn., 
425b.  Schamb.,  192b.  Schmeller 
in,  454.  Vilmar,  351.  Bock,  57. 
Hennig,  233.  Vgl.  sabbern  u.  icbab- 
bem. 

Schlabjunter,  ?n.,  s.  Schlabber. 

Schlablauer,  m.^  Weste.    Kl.  Werder. 

Scblabommel,  m.  In  gleichem  Sinne 
wie  Labommel  und  Schlabäk.    Davon 

8chlabomm(e)lig,  adj. 

Schlachnutke,  m.,  Bauch.    Treichel. 
schlachten,  sw,^  ähneln,  ahnen,  nach- 


arten, nachschlagen,  gleichen.  Das  Kind 
schlachtet  nach  dem  Vater.  Ene  Figur  ^ 
die  den  Eenik  vorstellt  on  och  ganz  na 
em  srhlacht  Schalt).  3,  10.  He  schlackt 
em^  wt  e  Molketewer  dem  Henerhawhe. 
Kgsbg.  Firmenich  I,  103a.  Er  («) 
schlachtet  nach  dem  Klaffke,  sieht  hä(z- 
lich  aus.  Ahd.  slahta,  mhd.  slahte 
Geschlecht,  Herkunft;  Gattung,  Art 
Schade,  818a.  Schlachten  hat  also 
zunächst  die  Bedeutung:  verwandt  sein, 
in  die  Art  schlagen.  Was  aus  der  Art 
schlägt,  ist  ungeschlacht.  Bock,  57. 
Hennig,  233.  Vgl.  schlagen;  auch 
lachtig. 

Schlachtwurm,m.,  eine  Assel  (Onts^^us)- 
Art,  die  den  Fischen  gefährlich  sein 
soll.     Danzig.    Bock,  Nat.  IV,  736. 

Schlack,  m.,  schlacken,  sw.^  schlackig, 
adj.^  Schlackwetter,  n.,  s.  Schlagg  etc. 

schlackeidem,  schladelkern,  sw.^  unstät 

umhergehen,  in  weiten,  schwingenden 
Kleidern;  vielen  Raum  beanspruchend 
hin  und  her  spazieren.  Oberland.  Vgl. 
schlackern  2. 

Schlacker,  /.  1.  Raum  eines  Bauer- 
wagens hinter  dem  Gesäfz,  Packraum. 
Einen  in  die  Schlacker  Uiden^  ihn  in 
den  Hinterteil  des  Wagens  aufnehmen. 
In  Bayern  der  Schlotter.  Schmeller 
lU,  461.  2.  flüssige  Speise,  die  sich 
schlackern  läfzt.  SchlackergrütZj  eine  sehr 
wässerige  Grütze.  3.  flüssiger  Stralzen- 
schmutz,  dasselbe  was  Schlabber.  Von 
schlackern. 

schlack(e)rig,  adf.,  schlaff,  schlapp, 
ohne  Halt.  Schlackerig  gehn.  Es  sitzt  alles 
schlackrig  an  ihm,  seine  Kleider  hängen 
weit  und  schlaff  um  seinen  Körper. 
Nach  Mühling  auch  schläkerig,  nach 
Bock,  58,  schlekrig,  nachlässig.  Von 
schlackern. 

schlackern,  8U7.  1.  schaukelnd  wackeln, 
schwanken,  schüttehid  etwas  bewegen. 


schlackig  —  Schlafstellen 


279 


schlenkern.  Die  Teerpaudel  schlackert 
am  Waffen.  Mit  dem  Kopfe  schlackern^ 
schütteln.  Amte  und  Beine  srhlackemy 
hin  und  herwerfen.  Die  Medizin  in 
der  Flasche  schlackern^  darchschütteln. 
Vgl.  schlickern.  2.  zwecklos  gehen.  B>r 
schlackert  hin  und  her  —  schlackert  die 
Strafze  auf  und  ah.  Besondersch  hiede 
micht  eck  geeme^  du  schlackerscht  met. 
Nowack,  60.  3.  essen,  meist  mit 
schlurfendem  Ton.  Die  Mus  schlackern. 
abschlackem ,  abschütteln.  Der  nasse 
Hund  schlackert  sich  ab.  Sich  eine 
Tracht  Prügel  abschlackem.  ausschiak- 
kern,  1.  aasschütteln.  Einen  Staub- 
lappen ausschlackem.  2.  die  Suppe 
ausschlackem.     Wie  schlackern  3.     bc- 

schlackern,  sich  (s.  d.).    verschlackem, 

durch  Schlackern  eine  Flüssigkeit  ver- 
schütten. Bock,  57.  Hennig,  234. 
Sprw.  n,  1294. 

schlackig,  adj.,  s.  schlaggig. 

Schlacknik,  (?),  eine  Art  Kalteschale 
aus  dem  grünen  Kraut  des  Dimke^  aus 
Blättern  von  frischen  roten  Rüben  oder 
Sauerampfer.  Litauen.  Bock,  Nat  I, 
273;  er  schreibt  Chlacknik. 

schlacksch,  adj.  u.  adv.,  s.  schiagsch. 

schladeikern,  sw.y  s.  schlackeidern. 

Schlaf blume,  Pflzn.  1.  Frühlings-Kuh- 
schelle, Pulsatüla  vemalis  MiU.^  wahr- 
scheinlich, weil  sie  ihren  Kelch  zur 
Nacht  schlielzt.  Soll  nicht  ins  Hans 
gebracht  werden,  wenn  die  Gänse  brü- 
ten, weil  sonst  die  Embryonen  im  Ei 
ersticken  würden.  Wahlendorf.  Trei- 
chel,  Yolksth.  2.  Wiesenschaumkraut, 
Cardamine  pratensis  L.  Friedland  Ost- 
preuizen.     Kgsbg.     Mühling. 

schlafen,  st  schlafen  schlief  ich  nicht 
—  eine  preu/zische  Redensart  für  die 
nichts  bessere:  schlafen  that  ich  nicht 
Soph.  R.  VI,  346. 

Schlaffke,  m.^  s.  v.  a.  Bressem  (s.  d.). 


Schlafittchen,  n.,  Zipfel  des  Kleides, 
Rockes^  Ärmel,  Kragen,  in  Litauen  so- 
gar die  BeflFchen  der  Prediger.  Einen 
beim  Schlafittchen  kriegen.^  ihn  am  Rock- 
zipfel, Ärmel  etc.  festhalten.  Wenn  du 
nicht  gleich  artig  bisty  nehm'  ich  dich 
am  Schlafittchen  und  werf*  dich  hinaus! 
Richey,  57,  erklärt  zutreffend  SlafiMje 
mit  Schlag-Fittich^  Flügel  mit  den  Schlag- 
oder Schwingfedem.  Vgl.  Brem.  Wb. 
1,385.  Dähn.,426b.  Mi,  79b.  Bernd, 
259.  Anton  12,  16.  Schmeller  IH, 
444.  Vilmar,  351.  Danneil,  194a. 
Abweichend  von  Schlagftttich^  erklärt 
S allmann,  39b:  Schlafitt  Schulter. 
S.  Klafittchen  u.  KlafFSz. 

Schlafkomode,  /.,  Kommode,  die  aus- 
einandergeklappt als  Bettgestelle  dient. 

Schlafkunz,  auch  kurz  Kunz,  m.,  apfel- 
artiger Auswuchs  auf  Hagebutten  und 
wilden  Rosen,  verursacht  von  Schlupf- 
wespen. Mühling.  In  Bayern  der 
KuenZj  Schlafkuenz  Schlafapfel.  Man 
legt  ihn  dort  unter  das  Kop^issen,  um 
den  Schlaf  zu  befördern.  Schmeller 
n,  314. 

Schlaflaus,  /.,  Laus,  die  den  Schlaf 
bringt.  De  Schldplües  bite^  sagt  man 
zum  schlaftrunkenen  Kinde.  Sprw.  I, 
3205. 

SchlafratZy  /.,  zur  Bezeichnung  eines 
Menschen,  der  gern  und  viel  schläft. 
Schlafratz  ist  ursprünglich  ein  Name 
des  Murmeltieres  oder  auch  der  Hasel- 
maus, welche  beide  ihres  langen  Win- 
terschlafes wegen  bekannt  sind.  Vgl. 
Ratz. 

Schlafstelle,  /.,  Stelle  zum  Schlafen, 
Nachtquartier.  Unverheiratete  Arbeiter 
und  Handwerker  mieten  bei  kleinen 
Leuten  eine  solche  Stelle  zur  Nacht- 
herberge.    Kgsbg. 

Schlafsteller,  m.,  Inhaber  einer  Schlaf- 
stelle.   Sie  haben  ihre   Wohnung  noch 


280 


Schlag  —  Schlakanter. 


an    drei   Schlafsteller  vermietet.     Vgl. 

Bettsfäter. 

Schlag,  m.^  Donner,  Donnerschlag; 
aber  auch  Schlagflafz.  Wat  Schlag  on 
LdchHng  o/z  dat  fer  enLarmf  Spook, 
470.  In  interjektionalen  Ausrufen,  Er- 
staunen und  Überraschung  ausdrückend^ 
und  in  Fluchen,  im  Sinne  von  Donner- 
wetter. Chti's  Schlag^  Friede  wo  kommst 
du  herfl  Krtz  Schlag!  Wat  Schlag! 
Schlag!  dockt  he,  wat  böst  du  fa  e  domme 
Klot(z)!  —  Schlag!  de  Bff  ös  hinga 
onsj  on  woU  dt  hole,  Rastenburg.  Fir- 
menich I,  109b.  W&r  Schlag!  Schlag 
noch  ent!  In  Zusammensetzungen: 
Schlagmargelly  Schlagherl^  Schlagbeskrät, 
ähnlich  wie  Blitzmädchen,  Blitzkerl, 
Blitzkröte.  Auch  in  dem  Sinne  von 
Henker,  Teufel:  Qaut  mt  ndm  Schlag 
met  jvgem  Theebü^  geht  mir  zum  Hen- 
ker mit  eurem  Theebau.  Deutsch- 
Krone.  Firmenich  HI,  501b.  Wat 
ock  nich  mag,  dat  dräggt  de  Schlag,  wat 
ock  begehr^  dat  kömmt  nich  her.  Sprw. 
I,  2646. 

Schlage,  f.,  Behälter,  worin  Kalk  oder 
Lehm  zum  Bau  präpariert  wird. 

schlagen,  st^  ähneln,  nacharten  = 
schlachten.  Hei  schieit  na  stnem  Väder^ 
er  schlägt  nach  seinem  Vater.  Tiegen- 
hof. 

Schlagg,  Schlack,  m,,  nasser  Schnee- 
£all,  Schneeregen.  Nach  dem  Donner, 
Blitz  und  Regen,  nctch  dem  Hagel, 
Schlagg  und  Schnee  geht  die  Sonne  auf, 
Carm,  nupt  1,  176.  Die  Zwölften  sind 
in  lauterem  Schlagge  zu  Ende  gelaufen. 
Linem.,  B  3  b.  Im  December  haben  wir 
insgemein  unbeständiges  Wetter,  viel  Re- 
gen, Schlacke,  westliche  Sturme  etc. 
Bock,  Nat.  I,  315. 

schlaggen,  schlacken,  sw.,  schneien  und 
regnen  zugleich.  Es  schiaggt.  Hen- 
nig, 234. 


schlaggig,  schlackig,  adj.  von  schlag- 
gen. Es  ist  schlagg^ ges  Wetter,  In  den 
Zfwölfften  finden  sich  bisweilen  gantz 
schlaggigte^  bisweilen  gantz  schöne  Tage. 
Linem.,  B3a.  In  Hessen  ist  solch 
Wetter  schlackerig.    Vilmar,  352. 

Schlagg-,  Schlack-,  Schlackenwetter,  n., 

Wetter  mit  Schlagg.  In  Hessen  Schlac- 
kerwetter.   Vilmar,  352. 

schlägig,  adj.  von  schlagen.  Ein  schldr 
giger  Weg,  Weg  mit  ausgefahrenen 
Löchern,  in  die  der  fahrende  Wagen 
schlägt  oder  stofzt.    v.  Au  er. 

Schlaglos,  m.,  s.  Schlälos. 

schlagsch,  adj.  u.  adv.,  ungewöhnlich, 
absonderlich,  sehr;  Mühling  esklärt: 
ungeheuer,  erschrecklich.  De  Kröga 
mach  schlaggsche  Oge  gemäkt  hebbe,  cUs 
he  opwächt.  Natangen.  Firmenich  I, 
110b.  Dat  hebbe  de  schlagsch  Kinder 
gedäne,  sagt  man,  wenn  man  eine  Schuld 
von  sich  abwälzen  will.  Dönh.  He 
sdd:  Wt  send  doch  schlagschen  domm. 
Dzg.  Nhg.  Parad.^  2S.  Es  is  schlagsche 
warm.  Ermland.  Schemionek,  34, 
hat  för  Elbing:  schiacksche  kalt.  Das 
is  schlacksche  viel,  ist  sehr  teuer.  Wie 
ons  Frind  önnet  HoachOetshus  keem,  geit 
et  au  schlagsch  lostlg  to.    Boldt,  6, 

Schlagtot,  pltd.  Schlädöt,  m.,  grolzer, 
plumper  und  fauler  Mensch.  Ebenso 
in  Liv-  und  Estland.    Hupel,  206. 

Schlagtuch,  n,  s.  Slagdök. 

Schlagwachtel,  /.,  Wachtel,  Perdix 
cotumix.  Bujack,  380.  Mühling, 
Tiem.,  177. 

Schlagwasser,  n.,  Medik.,  Wasser  ge- 
gen den  Schlag,  Aqua  aromatica. 

Schläjän,  m.,  Johann,  der  schlägt, 
täppischer  Mensch.     Treichel. 

Schlakanter,  m.,  Herumtreiber,  Mensch 
in  schmutzigen,  zerrissenen  Kleidern. 
Mühling.  Davon  schlakanterig,  adj. 
und  schlakantem,  sw.  Wohl  von  schlak- 


schl&kerig  —  Schlampe. 


281 


kern  in   der  Bedeutung  hin   und    her 
gehen.    Vgl.  schläkern. 
schläkerig,  adj,^  s.  schlackerig. 

schläkern,  sw.^  nachlässig  gehen,  über- 
haupt nachlässig  hin  und  her  bewegen. 
Marold.    Ygl.  schlackern. 

schl&kzig,  aä;.,  ohne  Haltung.  Oeh 
nich  90  Bchläkzig!    Saalfeld. 

Schläios,  m,y  buchstäblich  ein  Schlag^ 
losy  roher^  plumper,  ungesitteter  Mensch, 
Nichtsnutz,  Taugenichts,  Herumtreiber, 
der  sich,  nach  Bock,  57,  ^ weder  durch 
Schläge  noch  durch  Worte  bessern 
läfzt,  der  gleichsam  los  von  aller  Zucht 
ist,  bei  dem,  wie  man  hier  sagt,  Hop- 
pen und  Malz  verloren  ist".  Davon 
SChlälosig,  adj,,  schlälosen,  8w.  In  glei- 
chem Sinne  Schlflzu,  Schlädöt,  ScUagzu^ 
Schlagtot    S.  Schläjftn  u.  SchlOlos. 

Schlammkasten,  m.  1.  Kasten  an  den 
Ausgängen  der  Rinnsteine,  der,  mit 
einem  Kost  versehen,  den  Schlamm 
zurückhält  und  nur  das  Wasser  ab- 
fliefzen  läfzt.  2.  Nach  Mühling  der 
Abgufz  an  der  Tabakspfeife.  Dieser 
heifzt  jedoch   gewöhnlicher  Schwamm- 

dose. 

SChlammotHg,  adj,^  schmutzig.  Sche- 
mionek,  34.  Tautologie  aus  Schlamm 
und  Mott, 

Schlammpiezker,  -pelzker,  m.,  nach 
Sperber,  28,  die  Kaulquappe,  doch 
auch  jedes  in  schlammigen  Gräben 
lebende  Amphibium,  oder  jeder  der- 
artige Fisch.    Vgl.  Ptsker. 

Schlammsack,  m.,  s.  Schnappsack. 

Schlamp,  m.,  Schlamm,  Strafzen- 
schmutz,  flüssiger  Kot^  Schleim  im 
Halse:  Er  mufz  somel  Schlamp  aus-- 
spiLcken. 

Schlampamp,  m.  1.  ekelhaftes  Ge- 
menge von  Speisen.  Den  Schlampamp 
kann  öck  nich  ete,    2.  Stralzenschmutz, 


Schlamm.  Das  ist  guter  Schlampamp. 
In  Pommern  und  im  Götting.  slampamp. 
Dähn.,  428a.     Schamb.,  193a. 

Schlampampe,    /.,    zunächst    wohl 

Frauenzimmer,  das  seinen  Besitz  ver- 
prafzt  hat;  doch  auch  altes  Weib.  Ein 
Hospitalsmütterchen  nannte  sich  selbst: 
alte  Schlampampe. 

schlampampen,  sw.  1.  schlemmen, 
prassen,  gut  und  reichlich  essen,  schwel- 
gen, verschwenderisch  leben.  Aus 
schlemmen  und  pampeln.  Dat  heet  ik 
schlampampt^  ma£r  betaalt  sali  et  wer^ 
den,  das  heifz'  ich  geschwelgt,  aber  be- 
zahlt soll  es  werden.  Soph.  R.  IH, 
486.  Er  hat  alles  verschlampampt,  er 
hat  das  Seinige  verschwelgt,  durchge- 
bracht. In  Bremen^  Holstein,  Pommern 
slampampen,  in  Bayern  schlampampen. 
Brem.  Wb.  IV,  800.  Schütze  IV, 
113.  Dähn.,  428a.  SchmellerlH, 
450.  Hennig,  234.  2.  durcheinan- 
der rühren,  z.  B.  Speisen,  s.  Schlam- 
pamp  1. 

Schlampamper,  m..  Schwelger,  Schlem- 


mer. 


Schlampamperei,  /.  1.  Schlemmerei, 
Schweigerei.  In  Bayern  Schlamp. 
S  c  h  m  e  1 1  e  r  III,  449.  S.  Geschlampamp. 
2.  Unreinlichkeit.    Mühling. 

schlampampig,  adj.  l.  schwelgerisch. 
Nach  Schemionek,  35:  schlampam- 
puserig.  2.  schmutzig,  unreinlich,  un- 
ordentlich. 

Schlampe,  Schlampe,  f.  1.  dünne, 
schlechte  Suppe.  2.  Branntweinspülicht. 
Von  Schlamp.  3.  nachlässige,  unor- 
dentliche, schmutzige  Frauensperson. 
Mühling.  In  letzter  Bedeutung  auch 
in  Bayern.  SchmellerlH,  449;  in 
Hessen.  Vilmar,  353.  Vgl.  Schlumpe 
u.  Schiunze.  In  1.  u.  3.  Bedeutung  auch 
in  Posen.    Bernd,  261. 


282 


schlampen  —  schlarren. 


schlampen,  8ti?.;  schlingend,  schlürfend, 
mit  Geräusch  essen.    Davon  ausschlam- 

pen. 

Schlampern,  «to.,  im  Schlamp,  Kot, 
schlenkern,  nachlässig  gehen,  so  dafz 
man  sich  die  IQeider  beschmutzt.  Aus 
Schlamp  und  schlenkern  zusammenge- 
zogen. Lett.  schlampohtj  auch  ScUimpu 
^chlampu  eet  dasselbe;  nchlampa  einer, 
der  also  im  Schlampe,  Kote  geht;  lit. 
azlapus  feucht,  nalz,  szlampu^  szlapti 
nafz  werden,  Idampöti  im  Sumpfe  wa- 
ten, kUmpatUj  kUmpti  in  weichem  Bo- 
den einsinken.  Nsslm.  Forsch.  3;  Th., 
165. 

schlampig,  adj.  von  Schlampe^  dünn, 
schmutzig,  nachlässig;  im  Aui'zern  un- 
ordentlich.   Müh  1  in  g. 

Schlampumper,  9n.,  weites  Morgen- 
kleid, bequemer  Haüsrock.  Er  geht 
den  ganzen  Tag  im  Schlampumper  um- 
her.   Friedland  Ostpr. 

SChlampumpem,8u?.,  unordentlich,nach- 
lässig  gekleidet  gehen.  Yon  Schlamm 
pu/mper. 

Schlänge e),  /.,  schlängen,  «to.,  s. 
Schienge  etc. 

Schlangenäuglein ,  Pflzn. ,  liegendes 
Scharfkraut,  Asperugo  procumbens  L. 
Pritzel,  47.  Garcke,  275.  Hagen, 
207:  Schlangenauge. 

Schlangenfett,  n.,  Medik.,  Oleum  Je- 
corü  flavum. 

Schlangenmord,  m.,  Pflzn.,  s.  Natter- 
milch. 

Schlängtuch,  n.,  s.  Schiengtuch. 

schlankweg,  adv.,  ohne  Hindernis. 
Den  Weg  kannst  du  schlankweg  fahren. 
Sa^  es  nur  schlankweg^  ohne  Besorgnis, 
dalz  ich's  übel  nehme. 

schlapp,  adj^  u.  adv.  1.  schlaff,  welk, 
weich.  Schlapper  Hut  Old,  koldj  shpp 
cnm^wedderUchemSchmeerbuk.  Dorr, 
1.  Wiew.,  125.    2.  flau;   vom  Wetter. 


Woher  ist  vergangener  Winter  so  gar 
schlapp  und  Regenhaft  gewesen?  Li- 
nemann, Ii4b.  Ist  also  .  .  .  daraus 
ein  schlapper  Winter  zu  prognosOciren 
gewesen.     Ibid.,  Kk  1  a. 

Schlappchen,  n..  Schlappe,  /.,  s. 
Schiabbe. 

schlappen,  sw.^  schlürfen,  lecken  wie 
ein  Hund.     Davon  ausschlappen. 

Schlappen-,  SchlappschUrze,  /.,  s. 
Schiabbe. 

Schlapper,  w.,  Würfelbecher,  weil  er 
meist  aus  Leder  gefertigt  ist  und  durch 
den  Gebrauch  schlapp  wird. 

Schlapperment,  Fluchwort,  als  Ent- 
stellung und  Verhüllung  von  sa^ramenn 
tum^  allgemein  üblicher  Sapperment^ 
Sackerment.  Du  warst  potz  schlapper- 
ment  vehl  nües  von  Er  köre.  Carm. 
nupt  V,  48  d.  Potz  dusendfehe  Schlap- 
perment!   Ibid.,  145  b. 

Schlappermentstag,  m.  ].  der  31.  Mo- 
natstag, für  welchen  das  Militär  kein 
Traktament  erhält.  Der  Geldbeutel  ist 
an  diesem  Tage  schlapp,  er  ist  im  Ge- 
gensatze zu  den  Traktamentstagen  ein 
Schlappermentstag,  an  dem  man  „auf 
dem  Ladestock  pfeift".  2.  Übertragen: 
jeder  Tag,  an  dem  man  knapp  und 
kärglich  leben  mufz.  Heute  ist  Schlap- 
permentstag. 

Schlaps,  m.,  grolzer,  unbeholfener, 
namentlich  junger  Mensch.  Treichel. 
In  Bedeutung  und  Klang  verwandt  mit 
Flaps  u.  Laps. 

schlapsen,  sw.,  mit  Geräusch  essen. 
Der  Hund  schlapst  sein  Futter.     Vgl. 

schlauksen. 

Schlarr(e),  /.,  s.  Schlorre. 

schlarren,  sw.,  schleifend,  schlarfend 
gehen;  namentlich  in  losen,  niederge- 
tretenen Schuhen,  Panto£Peln,  Schlarren; 
auch  schlorren  und  schlurren.  In  Bre- 
men  und  Hamburg   slarren^   im  Hol- 


Schlarrfatz  —  Schlaf. 


288 


steinschen  slaaren^  in  Pommern  slar^ 
pen,  im  Götting.  slarwen,  in  Bayern 
schlarfen^  schlarfeit,  schlarfeln^  scUar- 
pfen.  Brem.  Wb.  IV,  816.  Richey, 
260.  SchützelV,  lU.  D ahn.,  428b. 
Schamb.,193b.  Schmellerlll,  457. 
Bock,  57.  Hennig,  234.  236.  S. 
Schlorre. 

Schlarrfatz,  f.,  aus  Schlarr'  =  Schlorre 
(s.  d.)  und  Fatz  (s.  Fdta)  zusammen- 
gesetzt, Schimpfwort  für  das  weibliche 
Geschlecht.     Ermland.     Sperber,  28* 

Schiarze,  /.,  Schimp&ame  für  ein 
nachlässiges,  unordentliches,  träges 
Frauenzimmer.  Von  scfdarren.  In 
Bremen  Slarrhacke^  Slarke^  Slartge. 
Letzteres  im  Hannöv.  auch  eine  Kuh. 
Im  Götting.  slarZy  m.  ein  sehr  schlech- 
tes Stück  Zeug,  ein  Lumpen.  Brem. 
Wb.IV,  816  Schamb.,  192b.  Vgl. 
Pflaumenschlarze. 

Schlasaky  7n.,  s.  SchKsak. 

Schlaube,  pltd.  SchlOw(e),  /,  Hülse, 
namentlich  die  grüne  Schale,  worin  die 
Erbsen,  Bohnen,  Nüsse  etc.  sitzen. 
Nach  Sperber,  28,  auch  die  Schalen 
der  Kernfrüchte.  Er  hat  Schlauben 
vor  den  Ohren^  er  will  nicht  hören. 
Sprw.  I,  2842.  Zu  dem,  der  über  je- 
des kleine  Unwohlsein  Klage  erhebt, 
sagt  man  ironisch:  E»  hat  sich  ihm 
(beim  Erbsenessen)  eine  Schlaube  vors 
Loch  gesetzt  Jerrentowitz.  Schlaube 
und  Scfduwe  als  Bemsteinsorte,  s. 
Stein  2. 

schiauben,   pltd.   schlOwen,   sw.^   die 

Frucht  aus  der  Schlaube  nehmen,  ent- 
hülsen. De  Schu/Uke  schluhwd  de  Mang- 
deUKarmel.  Carm.  nupt  I,  282,  7. 
ausschlauben,  dasselbe.  Die  Erbsen  — 
Bohnen  ausschlauben,  sie  aus  den 
Schlauben  auslösen.  . . .  Dat  ek  mi  den 
Handschke  utsc/Uuuwdy    eigentlich   die 


Hand  aus  dem  Handschuh  zog.  Dorr, 
Driewjagd. 

Schlauberger,  m,  zur  Bezeichnung  eines 
schlauen  Menschen. 

Schlauderpreia ,  m. ,  Schleuderpreis, 
von  schleudemy  unter  dem  Preise  ver- 
kaufen. 

Schlaufen,  sw.^  streifen,  etwas  Weites 
überziehen,  aufziehen,  aufstreifen:  ei- 
nen Schiauf y  d.  i.  eine  Hülle,  Decke 
etc.  überziehen.  Schlaufsleien,  Geschirr, 
das  den  Pferden  leicht  aufgelegt  wer- 
den kann.     Mühling. 

Schlauks,  m.j  einer,  der  durch  Dick 
und  Dünn  geht.     Von  schlauksen  2. 

schlauksen,  sw.  1.  schlampen,  flüs- 
sige Dinge  mit  ausgestreckter  Zunge 
massig  hineinschlingen,  so  dalz  die 
Speise  umherschlägt  und  die  Thätig- 
keit  des  Essens  hörbar  wird.  Zu- 
nächst von  Hunden,  dann  aber  auch 
von  Menschen,  welche  flüssige  Speisen 
mit  Geräusch  verzehren.  Das  Wort 
ist  schallnachahmend.  Vgl.  SChlapseiL 
2.  durch  eine  Pfütze  kräftig  waten, 
so  dafz  das  Wasser  umherspritzt  und 
ein  platschender  Ton  hörbar  wird. 

Schlftzu,  m.,  s.  Schlabak. 

schlecht,  adiy  krank,  stark  unwohl 
Atir  ist  so  schlecht^  ich  fühle  mich  sehr 
unwohl.    Er  ist  schlecht^  ist  sehr  krank. 

Schlecker,  m.,  fette,  schlüpfrige  Thon- 
erde,  Schlick.    Hennig.  235.    Davon: 

schleckerig,  adj,^  schlüpferig. 

Schledfohak,  m.,  s.  Schlesak. 

Schilf,  Schleif,  m.  u.  /.  1.  grofzer 
hölzerner  Kochlöffel ,  AufschöpflöffeL 
Sie  {die  KaufzeUi)  werden  gefüllt  mit 
dem  Schlof  oder  Schöpflöffel,  Pierson, 
Matth.  Prätor.,  51.  Darauf  nimmt  er 
einen  Schlof  . . .  und  schlagt  den  Hahn 
. .  .damit  todt.  Ibid.,  62,  S.  75  u.  95: 
Schleef  MargeUes  sön  de  goldene  Poppes^ 


284 


Schlehen  —  Schiengtuch. 


Jungens  sön  de  Teerschleefs.  Volksr., 
49,  186.  S.  daselbst  87,  365:  GröU- 
schleef.  Wir  wünschen  der  Köchin  'ne 
eiserne  Schleife  da/z  sie  kann  rühren  die 
Knochen  zu  Fleisch,  Volksr.  213,  785. 
In  Westpr.  auch  SIeif,  hoU.  slef,  2. 
jedoch  nur  in  der  plattdeutschen  Form: 
Schimpfwort  auf  einen  einfaltigen,  trä- 
gen, unbeholfenen  Menschen.  Angs. 
slaew^  slaw^  sleaw  fetul,  träge,  engl. 
slow^  holl.  sloef;  im  Götting.  sleif, 
Brem.  Wb.  IV,  819.    Schamb.,  193b. 

Schiehen,  rote,  Pflzn.,  s.  Sanddom. 

Schlei,  SchlT,  Sly,  Schley,  Schleie,  Tin- 

ca  vulgaris^  die  Schleilie.  Altpr.  linis^ 
lit.  kur.  lynas,  mas.  kass.  lien^  lin. 
Benecke,  111. 

Schleicher,  m.,  schleichender  Bauch- 
wind, Fist.  Das  sollte  ein  Schleicher 
werden  und  wurde  ein  Q;aarrer,  Sprw. 
I,  3333. 

schleierhaft,  aä/.,  unklar,  verborgen, 
gleichsam  verschleiert.  Die  Sache  blieb 
schleierhaft. 

Schleif,  m.  u.  /.,  s.  SchKf. 

Schleifbaum,  pltd.  Schl§pböm,  m.,  zwei- 
beiniges, zirkelartiges  Gestell  mit  Deich- 
sel, auf  welchem  der  Pflug  zum  und 
vom  Acker  geschleift  wird.  Dönh. 
Auch  Deichsel  der  Schleife.  De  BuW 
de  kommti  denSchlepebom  nömmt  Volksl. 
36,  23,  4. 

Schleife,  pltd.  Schilp,  /.,  niedriger, 
unbeschlagener  Euffschlitten.  In  Bre- 
men Sleep^  Slepe,  im  Götting.  Slepe, 
poln.  szlufa.  Brem.  Wb.  IV,  823. 
Schamb.,  194a. 

schleifen,  st  1.  schärfen.  2.  ge- 
winnen. Hier  ist  nichts  zu  schleifen. 
3.  schleppen,  etwas  auf  einer  Schleife 
fahren.  4.  Den  Fuchs  schleifen^  Trink- 
art in  der  Danziger  Nehrg.  Violit, 
164. 

Schieifer,  m.y    alter  Tanz,   bei   dem 


man  sich  schleifend  foi*tbewegte.  Ge- 
schtoindschleifer^  Hopsaschlei/er  (s.  d.). 

Schleifern,  sw,^  einen  Schleifer  tanzen, 
machen,  tanzen  überhaupt. 

Schleif  harnen,  m.,  Fischergerät.  Pier- 
son, Matth.  Prätor.,  117. 

Schleim,  m.,  zähe,  leimige  und  schlüpf- 
rige Grütze:  Schleimgrütz^  Haferschlevni^ 
Hafergrütze. 

Schleimer,  tt».,  jüd.  Vorname,  Schlaume 
=  Salorao. 

Schleimgrlltz,  /.,  s.  Schleim. 

schlekrig,  adj,^  s.  schlackerig. 

Schlemper,  m.,  Schlemmer,  schiem- 
pern,  sw.,  schlemmen.     Treichel. 

Schieng,  /.,  ein  Stück  Wiese  zwi- 
schen zwei  Gräben.  Marold.  Nach 
Sperber,  28:  imErmlande  eine  Furche 
in  der  Wiese. 

Schienge,  Schlänge,  /.  1.  Schlinge. 
Der  Vogelsteller  vnrd  in  Schiengen  selbst 
bestrickt.  Carm.  nwpt,  I,  288.  2.  eng- 
maschiges Netztuch,  das  eigentliche 
Netztuch  im  Kurrennetze,  lit.  anka.  Die 
Schlenge\%\\v^Vig%x  als  ihre  beiden  Simmen 
(s.  d.)  und  liegt  zwischen  den  beiden 
Gaddem  in  lockeren  Falten.  Schienge 
auch  hier  =  Schlinge,  da  die  Fische 
in  den  zusammengezogenen  engen  Ma- 
schen wie  in  einer  Schlinge  gefangen 
werden.  S.  Benecke,  373.  Vgl.  Blatt 
und  Gadder. 

schiengen,  schlängen,  sw.^  schlingen, 

umschlingen,  mit  einer  Schienge  oder 
Schlinge  umspannen.  Bauhandwerker, 
Feldarbeiter  u.  a.  schiengen  Fremde, 
welche  den  Bau  oder  das  Feld  betreten, 
um  dieselben  in  Augenschein  zu  neh- 
men. Gewöhnllich  hält  der  Schiengen- 
de dabei  eine  Anrede.  Vgl.  binden. 
Hennig,  335. 

Schlengtuch,  Schlängtuch,  n.,  Tuch,  das 
man  um  den  Hals  schiengt,  schlingt, 
Halstuch.    Gedanism. 


schlenkern  —  ScU^tel. 


285 


schlenkern,  sm.  1.  unregelmäfzige 
schwingende  Bewegungen  mit  Armen 
oder  Beinen  machen ;  schlotterig  gehen^ 
schlendern,  müi'zig  gehen.  Er  kan 
nicht  mehr  ah  die  gössen  und  pflaster 
treten^  schlencketm  gehen  etc.  Stein, 
Peregrinus  XÜI,  87.  W.  MtsbL  VI, 
159.  2.  schleudern.  Schlenker^  /., 
Schleuder.  Jeroschin:  ouch  sul  tcir 
eine  slenkir  hdn  ob  vyir  zu  strtte  woUin 
gdn  20a.  Pfeiffer,  220.  Müller, 
Paraphr.,  43.  Vgl.  Brem.  Wb.  IV, 
822.  Schmeller  III,  453.  Vilmar, 
355.  Sallmann,  39b.  Weigandll, 
588. 

Schlensak,  m.,  s.  Schllsak. 

Schlenter,  m,  1.  langer,  schleppen- 
der Rock.  Danzig.  W.  Seidel,  34. 
2.  Haut,  welche  sich  auf  der  Milch  etc. 
absetzt.     Gedanism. 

schientern,  schlentrieren,  sw.^  schlen- 
dern, müizig  und  gemächlich  in  den 
Strafzen  umherspazieren.  Bock,  58. 
Hennig,  235. 

Schilp,  /.,  s.  Schleife. 

Schleppchen,  n.,  eine  Art  Kopfbe- 
deckung im  16.  Jahrhundert.  Sameten 
Schlepchen  vnd  Mardeme  Mützen,  IQd.- 
Ordg.,  370.  Vgl.  Adelung  III,  1523: 
Schleppe,     Friscli  II,  193b:  Schlappe. 

schleppen,  sw.  Sich  mit  einem  kran- 
ken Leibe  schleppen  —  sich  mit  dem 
Fieber  schleppen^  die  Krankheit,  das 
Fieber  nicht  los  werden.  Sich  mit  ei- 
ner Person  schleppen^  mit  einer  Person 
andern  Geschlechtes  in  unerlaubtem 
Verkehr  stehen,  aber  auch  eine  lange 
Brautschaft  haben.  Bock,  58.  Hen- 
nig, 235. 

Schlepplose,  n.,  das  gemähte  Getreide, 
welches  auf  dem  Felde  ungebunden 
liegen  geblieben  ist  und  geholt  wird, 
nachdem    schon   alles   in   Garben   ge- 


brachte Getreide  eingefahren  ist.  Saal- 
feld. 

Schleppsack,  m.,  ein  Mensch,  der  im 
Gehen  nicht  recht  fort  will  oder  kann 
und  sich  gleich  einem  Sack  schleppen 
läl'zt.  Bock,  58,  und  nach  ihm  Hen- 
nig, 235,  haben  in  gleicher  Bedeutung 
Schleppschink,  m.,  „der  nicht  so  wohl 
geht,  als  die  Schinken  nach  sich 
schleppet." 

Schleppschink,  m.  1.  Klätscher, 
Ohrenbläser.  Samland.  S.  Schwellen« 
Schlepper.  2.  nach  M ühli n g  das  Schin- 
kenfleisch  an   einem    Gansfufze.    Vgl. 

auch  Schleppsack. 

Schleppsel,  n.,  was  sich  auf  einmal 
schleppen,  tragen,  oder  fahren  lälzt, 
eine  kleine  Last,  ein  kleines  Fuder. 
Ein  Sleppsel  Sprock  —  Heu  —  Holz, 
Von  schleppen.    Hennig,  335. 

SChKren,  sw.^  zu  vorteilen  suchen, 
sich  bereichern,  an  sich  raffen,  viel 
Geld  einnehmen.  Natangen.  Franzos^ 
Kujon^  wt  karne  schon!  Wt  wäre  di 
schon  lehrCy  to  schlicke  on  to  schleere. 
Volkslied:  Wat  de  lettausche  Dragoner 
dem  Franzos  verteilt,  1870.  Fliegendes 
Blatt     Reyländer,  Tilsit. 

Schlteack,  Schiensack,  m.,  eine  Art 

Gebäck  in  Zwiebackform,  ursprünglich 
schlesisch.  Von  dem  poln.  ilqzak 
Schlesier.  Schmitt,  109;  Westpr., 
167.  In  der  Gegend  von  Kreuzburg 
und  Zinten  Schlasak,  bei  Sperber, 
40:  Schlunsak,  Schllnsak,  bei  Sche- 
mionek,  35:  Schledschak. 

Schlesinger,  m.^  Schlesier,  ursprung- 
lich der  schlesische,  jetzt  fast  jeder 
herumziehende  (Leinwand-)  Händler. 

Schilt,  n.,  Zaun,  Gatterthor.  Müh- 
ling.     Von  schUten  schliefzen. 

Schlltel,  SchlStel,  /.,  Stange  zum 
Deckenbelag  des  Stall-  oder  Schoppen- 


286 


schletsam  —  schlingen. 


raiimes,  worauf  Hea,  Stroh  etc.  ge- 
lagert wird.     Dönk  Friedland  Ostpr. 

schletsairiy  adj,^  gelassen,  phlegmatisch. 
Dzg.  W.  Seidel,  34. 

Schleuse,  /.,  grol'ze  Menge^  lange 
Reihe.    Mühling. 

Schley,  Schlf,  f.,  s.  Schlei. 

Schllbby  /.,  der  durch  Au&iehen  eines 
der  Bretter  hergestellte  Durchlafz  in 
einem  Bohlenzaun,  speziell  das  Brett 
selbst,  welches  aufgezogen  wird.  Sper- 
ber, 28.    S.  Schlipp. 

schlicht,  adj,  u.  adv,  1.  eben,  glatt, 
ohne  Höcker.  Angs.  sliih^  schwed. 
daet^  dän.  %lett^  altfr.  sliuckt^  holl. 
üuik.  Schlichtes  Majz^  nicht  gehäuftes, 
glatt  abgestrichenes  Mafz.  Schlichte 
Haare,  ungekrauselte  Haare.  2.  ein- 
fach. Er  trägt  sich  schUcht,  —  trägt 
ein  schlichtes  Kleid.  Er  ist  ein  schlich- 
ter Mann,  ein  Mann,  der  schlecht  und 
recht  lebt    Hennig^  235. 

schlichten,  sw.,  das  Garn  des  Auf- 
zuges steifen  (mit  Schlichtmus). 

SchlichtmQs,  /.  1.  dünnes  Mus,  das 
man  zum  Steifen  des  Garnes  gebraucht. 
2.  Mus  ohne  Klunkern.     S.  MOS. 

Schlick,  m.,  s.  Schluck. 

Schlicker,  (?),  Pilzart,  s.  Plebb. 

Schlickermildi ,  /.,  geronnene,  sauer 
und  dick  gewordene  Milch.  Nach 
Treichel  auch  Schlippermilch.  S.  d. 
folg.  ^ 

schlickern,  sw.  1.  schaukelnd  hin 
und  her  baumeln,  s.  y.  a.  schlackern. 
Auch  nennt  man  die  schaukelnde  Be- 
wegung der  dicken  Milch  schlickern 
und  schlippem.  Quid  est  vita  humanaf 
Was  is  menschlich  Lebben  f  Menschlich 
Lebben  is  Theerpvdel  am  Wagen".  schUk- 
ker  un  schlacker,  schlicker  un  schlacker:  — 
bums!  Hegt  auf  der  Erde.  Aus  der 
Leichenpredigt  des  Pfarr.  Pogorzelski. 


N.  Pr.  Prov.-Bl.  V,  187.  2.  ab  und 
zu  einen  Schluck  nehmen. 

Schlickgeschworener,77i.,  Geschworener, 
vereidigter  Aufseher  in  den  Niederun- 
gen, dem  die  Beaufsichtigung  der  Lfd- 
ken  zugewiesen  ist.  Von  Schlick  = 
Schlamm.  Der  Schlickgeschworene  hat 
also  vorzugsweise  darauf  zu  sehen, 
dafz  die  Laken  nicht  verschlammen. 
Vgl.  Uke. 

SChlickrig,  adj.,  nicht  bindig;  von  Sau- 
cen.    Schemionek,  35. 

schliddern,  sw.,  schlittern,  auf  der 
Eisbahn  hingleiten.  Treichel.  Vgl. 
schorren. 

schliefzen,  st,  schleifzen.  Federn 
schlief zen,  die  Fahne  in  kleinen  Flöck- 
chen  vom  Schafte  abstreifen:  geschlos- 
sene Federn.  Ebenso  in  Hessen.  Yil- 
mar,  355. 

Schltker,  m.,  Schleicher. 

schlimm,  adj.  u.  adn.  1.  böse,  er^ 
zömt.  Die  Mutter  ist  schlimm,  sie  ist 
aufgebracht  und  schilt  Er  sieht  so 
schlimm  aus,  er  macht  stets  eine  ern- 
ste Miene.  Sonst  ward  er  Vader  schl§mm> ! 
Dorr,  1.  Wiew.,  80.  Leefster  Gorg, 
si  nich  schlfmm!  Ibid.,  127.  2.  un- 
wohl, übel,  zum  Erbrechen  geneigt 
Mir  wird  so  schlimm.  3.  falsch,  un- 
echt     Ein  schlimmer  Schilling. 

Schlingelrock,  m.,  Rock  ohne  Klap- 
pen, mit  einer  Reihe  von  Knöpfen. 
Mühling. 

schlingen,  st,  abschwellen,  abnehmen, 
allmählich  schwinden^  sich  verringern, 
schlanker  werden.  Die  Geschwulst 
schlingt  —  ist  schon  sehr  geschlungen-, 
auch  vom  geschwollenen  Körperteile 
selbst:  Der  Fufz  ist  geschlungen. 
In  Pommern  slinken  vom  aufgegange- 
nen Teige,  der  wieder  dichtex  zusam- 
menfällt    Dähn.,  430a. 


Schlinkschlank  —  Schlodderkopf. 


287 


Schlinkschlank,  m,  1.  Faulenzer, 
Müfziggänger,  nachlässiger  und  lang- 
samer Mensch.  Hennig,  225.  E»  is 
ja  unausstehlich^  dafz  der  . . .  polizierte 
Student  ein  SchlinkscMank  unrd.  Soph. 
R.  I,  406.  Sperber,  28,  schreibt 
Schiingschlang  und  erklärt:  unersättlicher 
Mensch,  Vielfrafz.  In  Königsberg 
auch  gierig  schlingender  Hund.  In 
Bremen^  Hamburg,  Pommern,  Posen 
im  Sinne  Hennig  s  Slinkßsty  SUnh- 
fhtery  in  Bayern  Schlank  oder  Schlan^ 
ken,  m.  Brem.  Wb.  IV,  832.  Ri- 
chey.  262.  Dähn.,  430b.  Bernd, 
264.  416.  Schmeller  HI,  453.  2. 
schlankes  Frauenzimmer.     Natangen, 

schlinkschlanken,  »w.^  faulenzen,  m&- 
l'zig  gehen.     S.  d.  vor. 

Schlipp,  n.,  Schlippe,  /.,  aufsiehbares 
Stück  eines  Rickzaunes,  loser  Baum  im 
Rickzaun,  durch  dessen  Verschieben 
eine  Durchfahrt  nach  Belieben  herge- 
stellt werden  kann;  Lattenthür,  Gatter- 
thur,  durch  lose,  verschiebbare  Zaun- 
bretter geschlossene  Durchfahrt.  In 
Westpr.  Schlepp,  bewegliches  Heck, 
nach  Schmitt,  Westpr.,  168,  von  dem 
poln.  slup  Säule.  Das  Schlipp  aufma- 
chen —  zumachen.  In  Dönh.  auch 
Schlippbaum,  m.    Von  schlüpfen. 

Schlippe,  /.,  Faltung  des  Frauen- 
rockes, hervorgebracht  durch  Zusammen- 
nehmen der  vorderen  Rockbreiten,  na- 
mentlich beim  Sitzen.  Auf  die  Schlipp 
pe  geben,  Hochzeitsgebrauch.  Vor  Be- 
ginn des  Brauttanzes  nahen  Bräutigam 
und  andere  junge  Leute  und  werfen, 
sich  überbietend,  der  Braut  Geldge- 
schenke in  die  Schlippe,  den  Scholz, 
wodurch  sie  die  Ehre  des  nächsten 
Tanzes  erlangen.     Treichel. 

schlippem,  mo,,  s.  schlickern. 
Schlippke,  plur.,  die  Augen.    Dönh. 


schitprig,  adj.,  elend,  klagend.    Saal- 
feld. 
schürzen,  sw,,  s.  schnurzen. 

SChlitt,  3.  Pers.  des  Präs.  von  schla- 
gen. He  schlitt  mir  fast  de  Ogen  awim 
Kopp.    Oberland. 

Schlitbnann,  plwr.  Schlittmanns,  m., 
Fischer,  welcher  bei  der  Winterfische- 
rei das  Garn  auf  dem  Schlitten  führt 
und  zugleich  darauf  zu  sehen  hat,  dafz 
es  ordentlich  ins  Wasser  gelassen  wird. 
Bock,  Nat.  IV,  717. 

Schlitze,  /.,  der  Schlitz  im  Frauen- 
rock ;  Schlitz,  Rifz  überhaupt.  Spottend 
nennt  man  Mädchen  Schiltzdragoner, 
-husaren. 

Schltus,  77».,  Schnaps.  Einen  Schitus 
trinken.     Tiegenhof.     In   Ostpr.  SchnT- 

bus. 

Schiocker,  Schleckert,  m.,  langsamer 
Mensch  von  schlotternder  Haltung. 
ünjger  der  Gardü  hebben  se  ut  dem  gröt 
Schiocker  en  hübschen  Manschen  gemäkt. 
Elbinger  Höhe.  N.  Pr.  Prov.-Bl.  a.  F. 
IX,  241.  Firmenich  III,  493b.  Du 
langer  Schlackert!    Oberland. 

schiodderig,  adj.,  schlotterig,  los,  welk, 
schlaff,  nachlässig.  Schiodderig  in  der 
Kleidung  sein.  SchhddCrig  stricken,  los 
stricken.    Vgl.  schludderig. 

Schlodderkopf,  m.,  ein  Mensch,  der 
mit  dem  Kopfe  schloddert.  Der  sam- 
ländische  Bischof  Nikolaus  von  Schö- 
neck, um  1460,  hiefz  der  ciUe  Schlodder- 
kopf, weil  er  aus  Alterschwäche  mit 
dem  Kopfe  wackelte.  „Er  wulzte  die- 
sen Beinamen  sehr  wohl,  daher  er  nach 
Paul  Polens  geschriebener  Chronik 
p.  277,  oftmals,  wenn  er  von  Fisch- 
hausen nach  Königsberg  gereiset,  und 
in  der  Haide  still  halten  lassen,  zu 
seinen  Dienern  gesagt:  Heia,  heia! 
lieben  Kinder,   wie  werden  die  Königs- 


288 


schloddem  —  Schlolkhund. 


bergüchen  Fromen  sagen:  da  kommt  der 
alte  Scfdodderkop,  wird  aber  eine  neue 
Zeysse  (Accise)  aufbringen.  Hennig, 
236. 

schloddem,  sio.,  schlottern;  los  und 
schlafp  hin  und  her  schwanken.  Ihm 
schloddem  die  Kniee  —  scModdert  der 
Kopf,  Die  Kleider  schloddem  am  Leibe, 
Auch  schlorren.  Verhungert  sond  ju^ 
dadrum  schlorrt  cmit  lere  Liw  de  Weste  1 
Volkslied:  Wat  de  lettausche  Dragoner 
dem  Franzos  verteilt.  1870.  Fliegen- 
des Blatt.     Reyländer,  Tilsit. 

Schlomski,  m.,  s.  Schlumski. 

Schlonter,  m,,  s.  Schlabber. 

schlontem,  sw,^  sohlendem.     Donh. 

Schlepp,  n.,  s.  Schlipp. 

Schlorrchenglltschen,  n.  Am  Fast- 
nachts-Dienstage wirdnachmitt.  Schlorr- 
chen  geglitscht  oder  gefahren,  damit  der 
Flachs  gut  gerat,  d.  h.  es  wird  eine 
Spazier£ahrt,  namentlich  des  Gesindes^ 
veranstaltet.    Litauen.     Volkskal.,  74. 

Schlorrchenschmeirzen,  n.,  das  Schick- 
sal befragende,  in  Ostpreufzen  und  Li- 
tauen allgemein  beliebte  Sylvesterbe- 
lustigung. Man  setzt  sich  mit  dem 
Rücken  gegen  die  offene  Thür  auf  die 
Erde,  steckt  eine  Schlorre,  einen  Pan- 
toffel, an  den  Fufz  und  wirft  ihn  über 
den  eigenen  Kopf  hinweg.  Kommt  der 
Pantoffel  mit  der  Spitze  gegen  die 
Thür  zu  liegen,  so  kommt  die  Person, 
der  das  Orakel  gilt  und  die  vorher  be- 
stimmt sein  muiz,  im  Laufe  des  näch- 
sten Jahres  aus  dem  Hause:  sie  stirbt 
oder  heiratet.  Fallt  der  Pantoffel  jen- 
seits der  Thürschwelle  nieder,  so  stirbt 
die  Inhaberin;  ist  die  Hacke  aber  nach 
der  Thür  gerichtet,  so  bleibt  sie  im 
Hanse.  Zeigt  die  Spitze  des  Pantoffels 
nach  dem  Ofen,  so  wird  die  Person 
jahrüber  frieren  oder  überhaupt  frosti- 
ger Natur   sein;   steht   sie   gegen   das 


Bett,  so  droht  ihr  Krankheit  Um 
die  Zukunft  so  genau  als  möglich  zu 
erfahren,  wirft  man  für  jede  Person 
dreimal.     Yolkskal.,  26. 

Schlorre,  /.,  Dem.  Schlorrchen^  pltd 
Schlorrke,  1.  Pantoffel,  namentlich  alter, 
ausgeweiteter;  auch  niedergetretener  und 
so  zum  Pantoffel  gestalteter  Schuh,  lit. 
szlure.  Man  hört,  jedoch  selten,  auch 
Schlarre,  in  Westpr.  auch  hchlurre. 
Pantoffeln  aus  Holz  mit  Oberleder  hei- 
fzen  Klotzschlorren.  Ach  Herrje^  wt 
geit  et  nw,  Wat  sond  dat  fer  Ttdef 
Kein  Mönsch  lett  mer  Schlorre  mäke^ 
Wat  heft  dat  to  bedide!  Aus  einem 
Yolksreim.  Dönh.  Hennig,  236.  Auf 
die  Frage:  Was  giebt's  zu  Mittag?  er- 
halten Kinder  zur  Antwort:  Frikassee 
mit  Schlorren  (statt  der  fettreichen  Halb- 
mondkuchen). Überland.  S.  Korke. 
2.  übertragen :  Schimpfwort  auf  Frauen- 
zimmer.    Alte  Schlorr! 

schlorren,  s^o.^  in  Schlorren  schleifend 
einhergehen,  gewöhnlich  «cAZarr^n(s.d.). 
Die  Schuhe  anschlorren,  die  Schuhe  los 
anziehen,  ohne  dafz  die  Ferse  fest  drin 
sitzt  und  so  schleifend  gehen.  Hen- 
nig,   236.     Eine   zweite  Bedeutung  s. 

schloddem. 

Schlorrenkonzert,  n.,  Konzert,  das  die 
Schlorren  durch  ihr  Lärmen  machen; 
auch  schlechte  Tanzmusik. 

Schlorrenschlepper,  m.,  einer,  der  die 
Schlorren  herbeischleppt,  was  das  Kind 
gern  dem  Vater  thut,  wenn  er  die 
Stiefel  ausziehen  will.  Hei  ös  dem  le- 
we  Herrgott  stn  Schhrreschlepper^  der 
Liebling  Gottes.  Sprw.  I,  3343.  Auch : 
Schlorrenverschlepper,  also  einer,  der 
die  Schlorren  verschleppt,  gern  Schaber- 
nack macht.     Insterburg.    Tilsit 

SchlStzer,  m.^  Schlosser. 

Schlofzhlind ,  m.^  Hund  von  einem 
Schlosse,  herrschaftlicher  Hund.     Aus- 


Schlötel  —  Schlüder. 


289 


sehen  wie  ein  Schlo/zhund^  aafiPällig  er- 
scheinen.    Korrespbl.  III,  51. 

Schltttel,  /,  s.  Schl§tel. 

Schlotterblume,  /.,  gemeine  Küchen- 
schelle, Pukatilla  vulgaiHs  MilL  Ha- 
gen, 565.  Nach  Pritzel,  29,  Schlot^ 
tenblume. 

schlöweifz,  adj.^  ganz  weilz,  reio  weilz, 
weii'z  wie  die  Scblehdornblute,  wie 
Schlössen,  schneeweifz.  In  Bayern 
schlotteweifz  (&Äto<fer-Milch),  in  Posen 
schlcyi'weifZy  im  Götting.  sldtemtty  sloteuntt 
weiiz  wie  Schlössen,  ebenso  in  Hessen 
schlofzweifz.  SchmcUer  III,  461. 
Bernd,  264.  Schamb.,  193b.  Vil- 
mar,  357.  Anton,  12,  18.  Dan- 
neil, 196a. 

Schlubber,  ?n..  Dem.  ScMvhberchen^ 
pltd.  Schlvbberke^  Schluck,  Schlückchen, 
was  man  mit  einem  Zuge  einschlürft. 
Ein  SchlvhberchenBranntioein^  —  GrütZj 
—  Mus. 

schlubb(e)rig,  adj.^  schmatzig;  vom 
Wege.    Vgl.  schlabberig. 

schlubbern,  sw.^  schlurfen,  Dünnes 
essen;  wie  schlabbern  1.  In  Bremen, 
Hamburg,  Holstein  slvbbem,  Brem. 
Wb.IV,795.  Richey,  264.  Schütze 
IV,  122.  In  Zusammensetzungen  auf-, 
ausschlubbem.     Schlubber  die  Mus  aus! 

Vgl.  schlabbern,  schlurpsen. 

Schluchter,  m.,  ein  kurz  anhaltender 
Regen,  Regenschauer.     Mühling. 

Schluck,  ?n.,  auch  Schlick,  schlechter, 
unreiner  Bernstein.  Bock,  Nat  UI, 
218.  Hennig,  236,  schreibt  Schluk, 
S.  Stein. 

schlucken,  sw.,  schluchzen,  wiederholt 
aufstofzen.  Öck  mot  schlucke^  wer  mag 
an  mi  denke?  Ach,  öck  mot  schlucke, 
mm  Uwei*  Schdn  ward  an  mt  denke, 
Kgsbg.  Firmen  ich  I,  102  b.  Nach 
der  Volksmeinung   ist   das  Aufstofzen 

Friscbbier,  Wörterbnch  11. 


ein  Zeichen,  dafz  eine  dem  Schluch- 
zenden werte  Person  an  diesen  denkt. 
Rat  man  die  betreffende  Person,  so 
hört  das  Schluchzen  augenblicklich  auf. 

Schlucker,  Schluckert,  im  Oberlande 
auch  Schnucker,  m.,  wiederholtes,  krank- 
haftes Aufstofzen,  Schluchzen,  verur- 
sacht durch  krampfhafte  Zusammen- 
ziehung des  Zwerchfelles.  Öck  hebb 
den  Schlucker(i).  Im  Götting.  der 
Slucken.    Schamb.,  196a. 

Schluckerfafz,  n.,  Gefafz,  in  welchem 
sich  das  Wasser  zum  Anfeuchten  des 
Wetzsteines,  behufs  Schärfung  der 
Sensen  befindet.  Mühling.  In  Hes- 
sen Schlotterfafz.    Vilmar,  357. 

Schlucks-chen,   pltd.   Schluckske,   n., 

Dem.  von  Schluck.  En  Schluckske 
Finkeljochem  her!  Cai^m,  nupt  I,  282. 
15. 

Schludder,  m.,  s.  SchlQder. 

schludd(e)rig,  schlQdrig,  adj.  1.  schlot- 
terig. Sie  geht  schludderig,  ihre  Klei- 
der sitzen  nicht  fest  an.  2.  los,  nicht 
fest  und  dauerhaft:  von  einer  Hand- 
arbeit,  einem  Zeuge.  3.  unordentlich, 
nachlässig  in  der  Arbeit.  Die  Magd 
ist  schludderig,  sie  ist  in  ihrer  äufzeren 
Erscheinung  unordentlich  und  verrichtet 
ihre  Arbeit  nur  obenhin.  Und  machfs 
ein  Kerl  allzu  schludrig:  tant  pis  pour 
lui!  Soph.  R.  I,  621.  Ich  habe  welche 
(Jungfern)  gekannt,  die  des  morgens 
herzlich  schludrig,  ja  recht  latschig  aus- 
sehn.  Ibid.  VI,  477.  Die  Oper  ging 
im  Übrigen  recht  schludrig,  L.  Köhler, 
Königsberger  Hartg.  Ztg.  1874,  Nr.  262. 
Abendausgabe.  In  Bremen  slodderig^ 
sludderig  schlotterig,  faul,  träge.  Brem. 
Wb.  IV,  839.  Bock,  58.  Hennig, 
236.    Vgl.  schiodderig  u.  schlunzig. 

schluddem,  sw,,  s.  schlQdem.  In  zwei* 

ter  Bedeutung  scharren, 

19 


290 


scblüdem  -^  Schlunk. 


SchlQder,  Schludder,  m,,  loser,  schlecht 
gewebter  StofiF.  Das  Zeug  ist  ja  rei- 
ner Schludder.  In  Bremen  Slodde  ein 
Lnmpen.  Brem.  Wb.  IV,  838.  Nach 
Treichel  auch  abgetragenes  Kleidungs- 
stück.   Vgl.  schlodderig. 

schlQdem,  schluddern,  sw.   1.  fluchtig, 

liederlich,  nachlässig  und  schlecht  ar- 
beiten. Die  Arbeit  ist  g€schlvddei%  sie 
ist  nicht  fest  und  dauerhaft  gemacht. 
In  Bremen  ähnlich  luddem.  Brem. 
Wb.  IV,  839.  Vgl.  schloddem.  2. 
eine  Ware  unter  dem  Preise  verkaufen, 
verschleudern.  In  diesem  Sinne  vor- 
zugsweise schludern^  in  Bayern  schlau- 
dem.  Schmeller  III,  433.  Bock, 
58.  Hennig,  236.  3.  sich  herum- 
treiben. Efi*  schludert  den  ganzen 
Tag  herum,  s.  v.  a.  schländem  und  lü- 
defTi. 

SchlQderpreis,  m.,  Preis  unter  dem 
Werte,  Schleuderpreis.  Von  schlu- 
dern 2. 

Schluff,  bei  Hennig,  236,  Schlup, 
blauer  Thon,  Töpferthon;  schlechter, 
undurchlassender     Erdboden.       Davon 

schluffig,  adj. 

SchlQIOS,  m.  Herumtreiber,  Tauge- 
nichts. Davon  schlQlosen,  sw.  Vgl. 
Schlälos. 

Schlummerkopf,  ?n.,  Kopf,  der  schlum- 
mert, Dummkopf.     Schimpfwort. 

Schlummerpunsch,  m.,  Punsch,  den 
man  vor  dem  Schlafengehen  trinkt,  der 
den  Schlummer  herbeiführt. 

Schlump,  m.,  Haufen,  Menge,  z.  B. 
reicher  Fischfang.     Schemionek,  35. 

Schlumpe,  /.,  nachlässige,  unordent- 
liche   Fmuensperson;     wie    Schlampe, 

Vgl.  Schiunze. 

schlumpen,  sw.,  in  abgerissenen  Klei- 
dern, lumpig  und  schmutzig  einher- 
gehen. 


Schlumper,  m.,  alter,  bequemer  Rock, 
Hausrock,  Schlafrock.  In  der  älteren 
Sprache  ein  weibliches  Schleppkleid. 
Adelung  III,  1545.  Übertragen: 
nachlässiges  Frauenzimmer.  Sie  ist  ein 
rechter  Schlumper  —  eine  rechte  Schlum- 
perltse. 

schlumpig,  schiumprig,  schlumpsig,  adj.^ 

nachlässig,  unordentlich  in  der  Klei- 
dung; zerlumpt. 

Schlumpschlag,  m.,  Zufall,  ungefährer 
Schlag.  Mühling.  In  Bremen  Slump^ 
m.,  Zufall,  ungefährer  Glücksfall;  eben- 
so Slumpslag^  m,  Dat  was  so  en  Slump- 
slag,  das  gluckte  einmal  so.  Brem. 
Wb.  IV,  848.  Dan.  u.  schwed.  eben- 
falls slump.  In  Bayern  schlumpsweis 
zufälligerweise.     Schmeller  HI,  450. 

Schlumpschufz,  m.,  im  Schhimpschufz, 
im  grofzen  und  ganzen^  nach  unge- 
fährer Berechnung,  ohne  Genauigkeit. 
Treichel.     Gortzitza. 

SchlumskI,  Schlumpski,  auch  Schloms- 

ki,  m.,  Schlauberger,  dreihäriger  Mensch. 
Auch  Kosewort :  Na,  kleiner  Schlumski, 
was  willst  du  aUunederf  In  der  Ge- 
gend von  Friedland  Ostpr.  Schlumske 
dummer,  einfaltiger  Mensch. 

SchlumsItS,  /.,  schlunzige  Lise,  un- 
ordentliches Frauenzimmer. 

Schlunk,  Schlung,  m.  u.  /.  1.  Schlund, 
Rachen,  Hals,  Maul,  Gurgel.  Schäm 
dt  ön  dtne  Schlunk!  De  Schlunk  ös 
mt  angeschwoUe,  Wenn  so  de  Boll  ut 
stnen  Schlung  Met  enmal  an  to  reden 
fang.  Seelenw.,  71  f.  Gof  em  ent  un- 
dre  Schlung!  2.  gefräfziger  Mensch, 
und  zwar  in  den  Zusammensetzungen: 
ZwttKschlunk,  pltd.  Twelfschbink,  der  für 
zwölf  ifzt  und  Drachtschlunk.  Nach 
Muhling  statt  Schlunk  auch  Schlurk 
und  Schlurks.  Jeroschin  hat  slurcy 
Pfeiffer,    221.      In    Bremen    Sinke, 


Schlunte  —  Schmachen. 


291 


Slöke  von  schlucken.  Brem.  Wb.  IV, 
846.  schlingen  und  schlucken  sieht  das 
Volk  als  die  Wurzel  Wörter  an. 

Schlunte,  /.,  s.  Schlunz. 

schlunterig,  adj.,  s.  schlunzig. 

schluntem,  sw.,  s.  schlunzen. 

Schlunz,  /.  u.  m.^  unordentlicher,  un- 
sauberer, nachlässiger  Mensch,  nament- 
lich eine  Frauensperson,  und  dann  mehr 
Schiunze.  Nach  Mü  hlin g  auch  Schlunte, 
/.  In  Bremen,  Hamburg  und  Holstein 
Sluntje  nachlässiges,  schmutziges  Weib, 
im  Götting.  slum^  m,^  holl.  sluns^  engl. 
sluU.  Brem.  Wb.  IV,  849.  Richey, 
265.  Schütze  IV,  125.  Schamb., 
196a.     Hennig,  236. 

Schlunz,  /.,  in  der  Soldatensprache 
die  Frühstückssuppe  in  der  Kaserne, 
die  SchlichtmuSy  kleisterartiges  Mus,  in 
den  Lazaretten ;  auch  die  Kaserne  selbst. 
Königsberg. 

schlunzen,  nach  Mühling  auch  schlun- 
tem, sw.^  wie  ein  Schlunz  leben,  sich 
zeigen,  verschlunzen,  Kleidungsstücke 
in  nachlässiger  Weise  verderben,  zu 
Grunde  richten;  sich  selbst  vernach- 
lässigen und  verloddem.  Er  ist —  hat 
sich  ganz  —  ve9*schlunzt  In  Hessen 
schlunzen  in  tadelhafter  Weise  müfzig 
gehen,  nachlässig  gekleidet  gehen ;  ver- 
schlunzen  zunächst:  die  Zeit  unnütz, 
mit  Müi'ziggang  verbringen.  Vilmar, 
357. 

schlunzig,  adj.^  unordentlich,  unsau- 
ber, nachlässig  in  der  Kleidung.  De 
Königin  hefft  dat  schlunzge  Volk  nich 
geem.  Dorr,  1.  Wiew.,  121.  Müh- 
ling hat  noch  schlunterig.   Von  Schlunz, 

Schlunzmichel,  m.,  Unteroffizier  der 
Küche.     Kasemensprache. 

Schlup,  m.,  s.  Schluff. 

SChlQpen,  sw.^  schlüpfen,  verzögern, 
verweilen,  verschleppen.  Die  Sache 
schlupt  sich  von  einer  Zeit  zur  andern^ 


sie  verschleppt  sich,  zieht  sich  lange 
hin.  Bock,  58.  Hennig,  236.  S. 
durch-  und  verschlQpen. 

Schlupp,  n.,  Dünenschonung.  Trei- 
chel. 

Schluppenkohl,  m.,  fester,  strunkiger 
Kohl  (^Brassica);  von  dem  poln.  ship 
Säule.     Schmitt,  Westpr.,  168. 

Schlurk,  Schlurks,  m,  s.  Schlunk. 

schlurken,  schlurksen,  sw^  mitGcräusch 
trinken,  schlürfen.  Mühling.  Nach 
Treichel  bezeichnet  schlurksen  auch 
das  Geräusch,  das  Schuhe  verursachen, 
wenn  sie  nalz  oder  zu  weit  sind.    Vgl. 

schlurpsen. 

SChlurpsen,  sw.,  mit  Geräusch  Flüs- 
siges   essen,    schlurfen.      Lit.   szlurpti. 

Vgl.  schlabbern,  schlubbem,  schlurken. 

schlurren,  sw.^  s.  schlarren. 

SChlQsen,  aufschlQsen,  sw.,  die  Ohren 
aufrichten  und  spitzen.     Marold. 

SchlQsohr,  m.  u.  n.  1.  Tier,  nament- 
lich Pferd,  das  die  Ohren  spitzt.  2. 
Mensch,  verstellt  schwerhörig,  schlau, 
driftig,  verschmitzt,  dickfellig,  abge- 
brüht. Im  Samlande  korrump.  auch 
SchnOSOhr.  Aus  dem  nds.  slou^  schlü 
schlau,  klug,  verschlagen,  verschmitzt, 
holl.  sluw^  engl.  sZy,  schwed.  slug. 
Brem.  Wb.  IV,  841.  Davon  schiOs- 
Ohrig,  adj.  Das  ist  ein  schlüsohriger 
Racker. 

Schlüssel,  poln.  khic^  Gerät  bei  der 
Winterfischerei  in  Masuren  -  Zojzhaken. 

S.  Winterfischerei. 

Schlüssel,  97».,  penis.  Er  hat  sich  den 
Schliissel  verdreht^  er  ist  syphilitisch. 

SchlQwe,  /.,  s.  Schlaube  etc. 

Schmachen,  Schmftschchen,  Schrnftsche, 
Schnriftse,  Schmftschke,  nach  Uennig, 
218,  Schmftske,  n.  u.  /.,  fein  zugerich- 
tete Felle  von  ungeborenen  Lämmern 
mit  fein  gekräuselter  Wolle  und  ge- 
wöhnlich  perlgrau.     In    Westpr.    auch 

19* 


292 


Schmach  t  —  Schmackosterrute. 


SchmOchen,   SchmQs-chen,   SchmQtschke, 

Schmätschke,  in  Danzig  im  15.  Jahrh. 
Srnfts-cheriySchmös-chen.  Schmitt,  109; 
Westpr.,  168.  Hirsch,  260.  Poln. 
smusik^  smuzyk^  miuszek.  In  Bremen 
smaaskeriy  in  Pommern  smaschen.  Brem. 
Wb.  IV,  859.  Dähn.,  433b.  Bernd, 
266. 

Schmacht,  /.,  taubes,  schlechtes  Ge- 
treide. M  ü hlin g  mit  der  Bezeichnung : 
altpreufzisch. 

Schmachtlappen,  m.  1.  Hungerleider. 
2.  kleinlich  Eigennütziger.  3.  schmach- 
tender Liebhaber.  Mühling.  In  Bre- 
men und  im  Götting.  nur  in  der  er- 
sten Bedeutung.  Brem.  Wb.  IV,  856. 
Schamb.,  196b. 

schmack,  adj.^  s.  schmock. 

Schmacke,  Schmake,  /.,  kleines  Schiff 
von  etwa  50  bis  80  Last.  Es  hat  ei- 
nen hohen  Bord,  einen  Mast  ohne  Eorb, 
Bugspriet,  flachen  Kiel,  runden  Hinter- 
teil, bauchigen  Vorderteil,  ein  kurzes 
Gebäude,  höheres  Verdeck  und  ein 
breites,  schweres  Steuerruder.  Mron- 
govius  II,  658a.  Schmähe  findet  sich 
in  Pisanskis  Nachtr.  Über  die  Schma- 
ken  s.  Bock,  Nat.  I,  586.  In  Bremen 
Smack^  in  Hamburg  Smackey  holl.  und 
engl,  smack^  angs.  snacca^  isl.  sneckia^ 
poln.  szmaka.  Brem.  Wb.  IV,  856. 
Hennig,  237. 

Schmackedutschke,  Pflzn.,  Eolbenrohr, 
Typha.    Treichel,  Volksth.  U.     Vgl. 

Duderkeule. 

Schmackenfahrer,  -reeder,  m.,  Schiffer, 
JReeder  einer  Schmacke. 

schmackostern,  sw.^  eine  ziemlich  all- 
gemein verbreitete  Sitte,  die  darin  be- 
steht, daliz  am  Morgen  des  zweiten,  in 
manchen  Gegenden  des  ersten  Oster- 
feiertages  die  jungen  Bursche  die  Mäd- 
chen, und  umgekehrt  diese  die  jungen 


Leute  im  Frühschlafe  überraschen  und 
mit  eingegrünten  Birkenruten,  den  sog. 
SchmackosterruteUj  schlagen.  Auch  in 
den  Familien  ist  die  Sitte  des  Schmack- 
ostems  allgemein :  die  Hausfrau  streicht 
mit  der  Rute  Vater  und  Kinder,  Kinder 
schmackostern  Vater  und  Mutter,  ge- 
hen auch  wohl  Onkel  und  Tante 
oder  die  Paten  etc.  schmackostern.  Arme 
Kinder  und  alte  Frauen  machen  da- 
raus ein  Bettelgewerbe,  indem  sie  in 
die  Häuser  schnackostem  gehen.  Die 
Schmackostcrnden  erhalten  als  Ge- 
schenke: Fladen,  Speck,  Eier,  oft  bunt- 
gefärbt und  gekratzt,  oder  Geld.  Der 
Gebrauch  wird  als  ein  symbolischer 
dahin  gedeutet,  daiz  in  der  neu  er- 
wachenden Natur  auch  der  Mensch  aus 
dem  Schlafe  zu  erwachen  habe,  resp. 
zu  erwecken  sei.  Reim  beim  Schmack- 
osteim:  Ostre^  schmackostre^  gren  Ostre^ 
flf  Fldde^  sefz  Eier,  e  Stock  Speck,  denn 
gä  ock  gltk  weg!  —  Schmackostre,  gren 
Ostre,  flf  Eier,  sefz  SchoUing,  e  Stock 
Speck  etc.  Hennig,  175,  schreibt 
Schmeckostem,  Nessel  mann  schmag- 
ostem,    Treichel   schmagustem.    Lit. 

smagött^  smögti,  poln.  smagac,  lett. 
schmaugt  schlagen,  peitschen.  Unser 
Schmackostern  heil'zt  poln.  szmigas,  smtg- 
tLsa  dawac,  eigentUch  mit  Wasser  be- 
gielzen.  Mrongov.  H,  658a.  Nsslm. 
Forsch.  3;  Th.,  220.  Volkskal.,  94. 
Volksr.,  226,  797.  Pierson,  Altpr. 
M.  Vm,  367.  Sperber,  28.  Auch 
in  der  Niederlaus,  ist  der  Gebrauch 
des  Schmackostems  wie  der  Name 
{Schmeck-,  Schmackoster)  bekannt.  An- 
ton, 12,  20. 

Schmackosterrute,  /.,  Rute  aus  ein- 
gegrünten Birkenreisern  zum  Schmack- 
ostern. Die  Schmackosterruten  werden, 
wenn  Ostern  früh  fallt,  von  Landfrauen 


Schmacks  —  schmalhansen. 


293 


in  warmer  Stube  künstlich  ausgegrünt 
und  auf  den  Eönigsberger  Märkten  zum 
Kauf  ausgeboten. 

SchmackSy  m.,  Schmatz,  Eufz. 

schmacksen,  sw,  1.  beim  Essen  mit 
dem  Munde  schmatzen.  Auch  schmack- 
schen,  schmacken.  2.  mit  einem  Schmatz 
küssen;  gewöhnlicher  schmatzen.  In 
Bremen  smacken,  smaksen^  im  Götting. 
smackeriy  in  Bayern  schmackezen^  poln. 
smoktcLc.  Brem.Wb.  IV,  857.  Schamb., 
197a.  Schmellerlll,  463.  Mron- 
go vi  us  11,  658a. 

Schmadder,  m.,  dickflüssige  Unreinig- 
kcit,  Schmutz,  Strafzenschmutz.  Im 
Götting.  smadder;  in  Hessen  Schmaddere 
Schmetter,  Schmatter.    Schamb.,  197a. 

Yilmar,  359.    S.  Schlabber. 

Schmadderbuch ,  n. ,  Schmierbuch, 
Eladde.     Muhling. 

schmadd(e)rig,  adj.^  weiche  zu  dünn- 
flussig;  schmutzig,  schmierig;  von 
Schmadder,  Die  Butter  —  der  Brei  — 
der  Weg  ist  schmadderig.  Im  Götting. 
vom  Wetter:  schmutzig,  kotig;  in  Pom- 
mern sudelig,  schmutzig  überhaupt. 
Schamb.,  197a.     Dähn.,  433a. 

Schmadderkatze,  /.  1.  unreinliche,  in 
den  Eleidem  schmutzige  Frauensper- 
son. Mühling.  In  Bremen  Schmad- 
dergreetje.  Brem.  "Wb.  IV,  854.  2.  dün- 
nes langes  Talglicht.  Auf  dem  Tisch 
stand  ein  Lichtlein  . .  . ,  so  recht  eine 
SchmedderkatzCy  die  man  bei  uns  (in 
Pommern)  Fisselbt^mmken  nennt.  Soph. 
R.  I,  397.  Hennig,  335,  hat  Schmad- 
derkatz. 

schmaddern,  sw.^  verwandt  mit  Tnad^ 
dem  u.  schwaddem.  1.  in  einer  Flüssig- 
keit zwecklos  rühren,  umherwühlen  und 
diese  dabei  vergiel'zen.  Im  Essen  schmad- 
dern^ mit  der  Speise  spielen.  Im  Licht 
schmaddern,  im  Talg  des  Lichtes  rQh- 


ren.  Nach  Hennig,  237,  schmaddern: 
unnötigerweise  im  Fett  rühren  und 
sich  dabei  beschmutzen.  2.  stark  reg- 
nen ;  in  diesem  Sinne  doch  mehr  schwad- 
dem, 3.  liederlich  schreiben,  schmie- 
ren, sudeln.     4.  auch  s.  v.  a.  schmaden 

(s.  d.).  S.  abschmaddern,  ausschmaddem, 

ausschmieren.    Mühling. 

Schmadderwerk,  n. ,  schmieriges, 
schmutziges  Werk,  Schmiererei,  Sude- 
lei, Schmutz,  schlechte  Speise.  Müh- 
ling. 

schmaden,  sw.^  jüdisch-deutsch,  tau- 
fen; das  hebr.  schmadden  taufen.  Er 
hat  einen  geschmadten  Kopf^  er  ist  ein 
getaufter  Jude,  der  zu  der  ihm  ange- 
borenen Schlauheit  sich  noch  die  Elug- 
heit  des  Christen  angeeignet  hat.  Sprw. 
I,  212.    Auch  schmaddern. 

schmäg,  schm§g,  adj.  u.  adv,y  abge- 
dacht, schräg,  geneigt.  Ein  Feld  liegt 
schmäg  ab,  es  dacht  sich  nach  einer 
Richtung  hin  ab.     Natangen. 

schmählich,  adj.  in  der  Bedeutung 
überaus,  sehr,  sehr  viel,  grofz.  Das  ist 
in  diesem  Jahr  ein  schmähliches  Kom^ 
der  Roggen  ist  gut  geraten.  [Wort- 
spielend (mit  Schmele^  nennt  man  in 
Ostpr.  mit  Unkraut  durchsetzten  Rog- 
gen: schmähliches  (^schmeliges)  Korn, 
Marold.]  Er  hat  schmählich  viel  Geld. 
Das  war  ein  schmähliches   Vergnügen. 

Schmäke, /.,  s.  Schmacke. 

SChmäker,  adj,^  schlüpfrig,  zweideutig; 
von  der  Rede.     Samland.     Mühling. 

Schmalbier,  n.,  das  englische  small- 
beer,  schwaches  Bier,  Covent,  Schem- 
per. 

Schmale,  Schmäle,  /.,  die  Schmale. 
In  einem  Tiergespräch  ist  Frau  Schmäle 
die  Schlange.     Sprw.  I,  687. 

Schmalecks-chen,  n.,  s.  Schmeriecks. 

schmalhansen,  sw.,    von  Schmalhans, 


294 


Schmallecks-chen  —  Schmarge. 


dem  personifizierten Hangerleider(Hen- 
nig,  237.  Sprw.  I,  3350),  hungern, 
darben.     Er  mufz  schmalhansen. 

Schmallecks-chen,  Schmaiecks-chen,  n., 
8.  Schmerlecks. 

Schmalz,  n.,  Fett,  Vorteil.*  Der  hat 
das  Schmalz  abgeschöpft^  das  Beste  von 
der  Sache  genommen. 

Schmalzbengel,  m.^  Bengel,  der  das 
Schmalz  hat,  Spitzname  für  den  KqI- 
mer  (s.  d.).     Dönh. 

Schmalzblume,  /.,  s.  Kuhblume. 

Schmalzkeilchen,  n.,  s.  Schmalzkuchen. 

Schmalzkuchen,  m.,  rander  Pfann- 
kuchen (grofzer  Kugelkloiz),  in  sieden- 
dem Schmalz  gebacken.  Beliebte  Fast- 
nachtsspeise. Er  heil'zt  auch:  Schmalz- 
keilchen u.  Porzel.    S.  YolkskaL,  70. 

Schmand, Schmant, m.  I.Sahne,  Rahm. 
Bock,  59.  Hennig,  237.  Im  Göt- 
tingenschen STTiancf  die  Sahne;  in  Bayern 
Schmand  auch  dicke  Milch.  Poln.  smie" 
tana^  nmietanka^  lit.  sm^inta^  Sahne. 
Schamb.,  197a.  Schmeller  III,  471. 
Mrongo V.  II,  658b.  Pierson,  Altpr. 
M.  VIII,  367.  Schmand  und  Glumse 
sind  ein  provinzielles  Lieblingsessen. 
Wie  einigen  andern  der  Schmant  und 
Glums  schmeckte.  Soph.  R.  III,  237. 
Vgl.  Glums.  2.  nach  Klein  II,  126,  in 
Dan  zig  auch  Stralzcnkot,  wenn  er  recht 
weich  und  tief  ist.  Es  ist  ein  Schmant 
auf  der  Gasse;  auch:  es  ist  sehr  schman- 
tig.  Ebenso  im  Götting.,  s.  Schamb., 
a.  a.  O.    S.  abschmanden. 

SchmandbUxen,  plur,^  Büxen,  weifz 
wie  Schmand;  zur  Bezeichnung  einer 
weifzen  Sommerhose. 

Schmandfische,  plur.^  Gericht,  Schleie 
in  Schmand,  Dill  und  Butter  gekocht. 
Ostpr.     Treichel. 

Schmandfrau,  /.,  s.  Schmandmann. 

Schmandhcxe,  /.,  weil'zer  Nachtfalter. 

Vgl.  Hexe  u.  Moiket§we  . 


schmandig,  schmantig,   ad}.    1.  fett, 

rahmig;  von  der  Milch.     2.  kotig.     S. 
Schmand. 
Schmandkasten,  m.,  Kasten,  in  dem 

Schmand  aufbewahrt  wird.  Er  sitzt 
am  Schmandkasten,  an  der  Quelle,  es 
fehlt  ihm  nie.     Sprw.  I,  3508. 

Schmandkuchen,  m.,  kleines  Törtchen 
mit  Schmand-Greme.  Liegt  diese  oben, 
so  heifzt  er  offener  Schmandkuchen; 
umscUiefzt  der  Teig  die  Creme,  so  ist 
das  Törtchen  ein  zuener  Schmand- 
kuchen. 

Schmandmann,  m.^  Mann,  der  Milch 

und  Schmand  zum  Verkauf  nach  der 
Stadt  bringt.    Ebenso:  Schmandfrau. 

Schmandtopf,  m.,  Topf  zum  Schmand; 
er  darf  zu  einem  vollständigen  Kaffee- 
und  Thee-Service  nicht  fehlen. 

schmängelieren,  sw.y  s.  v.  a.  schmän- 
gen^  naschen.     Samland. 

schmängen,  schmengen,  sw.  1.  den 
Schmand  abschöpfen,  abrahmen.  Die 
Milch  schmängt  schlecht^  sie  hat  wenig 
Sahne  abgesondert.  2.  naschen,  herum- 
lecken, abessen.  Die  Katze  schmengt 
gern  den  Schmand  weg.  Er  schmängt 
Oberall  herum,  er  nascht  überall,  schma- 
rotzt; auch:  freit  umher,  sucht  Umgang 
mit  dem  andern  Geschlecht.  In  zwei- 
ter Bedeutung  auch  schmängem,  schmen- 
kem.  In  dem  Sinne  von  1.  auch  ab- 
SChmängen.  Nach  Mühling  dieses  auch: 
sich  einen  Vorteil  zuwenden.  Bock, 
60.    Hennig,  237. 

schmängig,  schmängerig,  adj.^  nasch- 
haft; wollüstig. 

Schmant,  m.  etc.,  s.  Schmand  etc. 

Schmardel,  m ,  s.  Schmargel. 

Schmarge,  /.,  kurzer  Frauenmantel, 
Pelzmantel,  der,  um  den  Hals  befestigt, 
bis  an  die  Taille  faltig  herabhing.  Sache 
und  Name  sind  heute  aui'zer  Gebrauch. 
Hennig,  237.  ActB(>rJ,60L  Nsslm. 


Schmargel  —  Schmeckbraten. 


295 


Forsch.  3;  Th.,  221.  Und  thut  mehr 
bey  solcher  Zeit  (im  Winter)  einer  Frawen 
das  Polnische  Schmarchen  als  bei  dem 
Mann  ein  unterzogenes  Futterhembd, 
Linem.,  Nn  2a. 

Schmargel,  Schmardel,  Schmeriing, 
Schmarling,    m.,    Schmerlein,   n.,    die 

Schmerle,  Cobitis  barbatula  L.  Aach 
Notfisch  (s.  d.).  Bujack,  395.  Be- 
necke, 145.    Mühling,   Tiem.,  177. 

Schmarlecks,  m.^  schmarlecksen ,  «u?., 
s.  Schmerlecks. 

Schmarling,  m.,  s.  Schmargel. 

Schmarfa'ng,  n.,  SegeltachhüUe  um  ein 
Ankertau  an  der  Stelle,  wo  es  die 
Reibung  zwischen  SchiflF  und  Bollwerk 
auszuhalten  hat.     Pillau. 

schmarotzen,  sw,,  klatschen,  verleum- 
den. Saalfeld.  Davon  Schmanitzer,  m., 
verschmanitzen,  sw. 

Schmäschchen ,  n. ,  Schmftsche, 
Schmftschke ,  Schmäse ,  Schmftsken, 
Schmätschke,  /.,  s.  Schmächen. 

schmastern,  sw,^  laut  plappern,  schwat- 
zen.    Mühling.     Nordenburg. 

Schmastersack,  m.,  Schwätzer. 

schmattem,  sw.^  s.  schattern. 

schmauchen,  pltd.  schmOke(n),  schmS- 
ken,  sw.  1.  Tabak  rauchen  und  zwar 
mit  sichtlichem  Behagen.  Er  schmaucht 
sein  Pfeifchen,  schmöken  mehr  in  West- 
preuüen.  Schmokten  Toback,  atten  Fläde. 
Ward.  Buur,  7,  5.  13,  2.  Uk  bruk  w! 
nt  mä  Tabak  kope,  Wi  könne  Tuffke- 
blader  schmöke,  Flatow.  Firmenich 
I,  120a.  2.  räuchern.  Da/z  die  Pe- 
tersche  dahin  gekommen  und  mit  Kraut 
geschmöckety  da  sey  es  (das  Viehsterben) 
stracks  auf  gehöret,  Hexenprozefz  zu 
Konitz  im  J.  1623.  Pr.  Prov.-Bl.  II, 
107.  3.  mittels  Rauches  einen  Misse- 
thäter  ersticken,  und  dann  schmauchen. 
Frisch  II,  205c.  Anno  1637  ist  ein 
grosser  Jung  zu  Ldndenau  geschmäuchet 


worden^  daruynb,  dafz  er  2  Höfe  muth- 
williger  Weise  .  ,  .  angestecket  hatte,  des- 
wegen  das  Stück  Äcker ^  wo  er  ist  ge^ 
schmauchet  worden  noch  bis  auf  den 
heutigen  Tag genennettoird^der Schmauch- 
PahV".  Hartwich,  529.  Hennig, 
238. 

Schmauchfeuer,  n.,  Feuer,  welches 
keine  Flamme,  aber  Schmauch^  dicken 
Rauch,  entwickelt. 

Schmauchpfahl,  m.,  Pfahl,  an  den  der 
Verbrecher  gebunden  wurde,  der  zu 
Tode  geschmäuchet  werden  sollte. 

schmauks,  interj.j  schallnachahmend; 
zur  Bezeichnung  des  Tones,  den  ein 
flacher  Schlag,  namentlich  eine  Ohr- 
feige, verursacht.  Schmauks  da  hat  er 
eins,  Bock,  59.  Hennig,  238.  Da- 
von Schmauks,  m.^  Hieb,  Schlag.  Es 
gab  Schmauks.    Mühling. 

schmausieren,  sw,^  schmausen.  Hen- 
nig, 238. 

Schmeckbier,  n.  1.  das  zur  Probe  aus 
den  Brauhäusern  geholte  Bier.  2.  „die 
Mahlzeit,  welche  ehemals  die  Landes- 
herrschaft zum  Andenken  des  Hans 
von  Sagan  (s.  Hans)  dem  kneiphö&chen 
Schuhmachergewerk  jährlicli  am  Him- 
melfahrtstage auf  dem  Schlosse  an- 
richten lassen."  Hennig,  36.  Der 
Orden  solt  geben  allein  Jährlich  auf 
Himmelfahrt  zu  trinken  Das  Schmeck-- 
bier  nebst  niel  Kost  und  Schinken,  ErL 
Pr.  1,  637;  s.  auch  ebd.  639.  In  bei- 
den Bedeutungen  jetzt  aulzer  Gebrauch. 

Schmeckbraten,  m.,  Rinderbraten, 
welcher  guten  Freunden  zur  Probe  vom 
eingeschlachteten  Vieh  vorgesetzt  wird. 
Er  ge/U  heute  auf  Schmeckbraten^  er 
geht  in  eine  Gesellschaft,  in  der  man 
den  Braten  vom  neugeschlachteten 
Ochsen  kostet.  Dzg.  Klein  II,  127. 
Diese  (Familien)  halten  fest  zusammen^ 
sprec/ien  plattdeutsch  und  geben  Famp' 


296 


Schmeckwarst  —  Schmerapfel. 


Uenschmäuse,  die  im  Herbst  Schmeck- 
braten  heifzen^  und  in  welchen  die  Spei- 
sen in  Portechaisen  zusammengetragen 
werden.  (Danzig.)  Soph  R.  III,  348. 
Schmeckwuret,  /.,  Wurst,  welche  nach 
dem  Einschlachten  und  Wurstmachen 
Freunden  und  Bekannten  ins  Haus  zum 
Schmecken  geschickt  wird. 

Schmedderkatze,  /.,  s.  Schmadder- 
katze. 

Schmeer,  n.,  s.  Schmfir. 

8Chm6g,  adj.  u.  adv.^  s.  schmäg. 

schmeidig,  schmTdig,  schmeifzig,  adj.  1 . 
geschmeidig,  biegsam,  weich.  Die  But- 
ter ist  schmeidig,  sie  läfzt  sich  leicht 
schmieren.  .  .  .  das  Eysen  so  lang  es 
noch  wegen  des  Fewers  schmeidig  ist  etc. 
Linem.,  Oo3a.  Bildlich  vom  Men- 
schen: sanftmütig,  nachgiebig,  demu- 
tig nach  gebrochenem  Starrsinn.  Er 
ist  so  schmtdig  geworden^  da/z  man  ihn 
um  den  Einiger  wickeln  kann,  2.  schlank 
und  doch  kräftig  gewachsen,  gelenk, 
biegsam,  beweglich;  von  Stammen  der 
Gesträuche,  Bäume,  vom  Menschen. 
EKne  schmeidige  Wede^  eine  biegsame 
Rute.  Eine  schmei/zige  Tanne,  eine 
schlanke  Tanne.  Ein  schmeifziges  Kerl- 
chen, ein  gelenker,  beweglicher  junger 
Mann.  Da  hot  so  e  befzche  lang^  Nas, 
adda  man  sonst  e  schmeisja  Kardel,  Ermld . 
Freisch.  Manuskript,  schmeifzig  tritt 
nur  in  der  Bedeutung  2.  auf.  Nds. 
smidig,  smtig,  smtg,  smedig,  srneig,  angs. 
smethe,  hoU.  smijdig,  smedig,  dän.  smi~ 
dig,  engl,  smooth.  Brem.  Wb.  IV,  864. 
Schamb.,  198a.     Hennig,  238 f. 

Schmeidigkeit,  /. ,  Geschmeidigkeit. 
Von  schmeidig. 

schmeifzen,  st.  1.  werfen.  On  dann 
schmiet  schwarte  Wasch  bawenop.   Dorr, 

1,  Wiew.,  70.    Die  Teller  hinschmeifzen. 

2.  schmieren,  schlagen.     Wat  golty  et 
fingt  seck  teer,  de  die  den  Puckel  schmeist. 


Carm.  nupt  IV,  324c.  2.  mit  Wurf 
trinken.  Einen  schmei/zen,  einen  Schnaps 
trinken.     Sprw.  I,  1532. 

schmeifzig,  adj.,  s.  schmeidig. 

Schmeifzigkeit ,  /. ,  Geschmeidigkeit. 
Von  schmeifzig.    Vgl.  schmeidig. 

Schmei,  Schmeie,  Schmll,  m.  o.  /., 

Dem.  Schmelctien,  pltd.  Schmelke.  1. 
Grashalm  überhaupt.  2.  Aira  cristata 
und  flearuosa  L. ;  auch  Perlgras,  Melica 
coerulea;  Ackerwindhalm  Agrostis  spica 
venti  L.  Friedland  Ostpr.  Ihm  geht 
keine  Schmtle  —  kein  Schmtlchen  mehr 
in  den  Arsch  ^  so  fett  ist  er.  Sprw.  I, 
127.  Altmhd.  smelehe,  nd.  smele^  in 
Bayern  Schmelchen  (hier  werden  scherz- 
weise dünne  Beine  Schmelchen  genannt), 
im  Alemannischen  Schmehle,  lit.  smü- 
gas,  poln.  »mialek.  Schamb.,  197b. 
Schmellerin,  469.  Hennig,  335. 
Vgl.  Rade. 

Schmelchenzagely  pltd.  Schmßlkezagel 

(a  =  ä),  m.,  hagerer,  elender  Mensch. 
2.  Pferd  mit  dunnhaarigem  Schweif. 

Schmelzer,  w.,  Wachsschmelzer,  der 
das  nach  Danzig  gebrachte  rohe  Wachs 
zum  praktischen  Gebrauche  zubereitete. 
15.  Jahrh.     Danzig.     Hirsch,  324. 

schmengen,  schmenkern,  m\,  s.  schmän- 
gen. 

Schmßr,  vhchd.  Schmier,  n.  1.  Schmer, 
das  Fett  auf  dem  Bauche  und  an  den 
Gedärmen,  der  Talg;  es  wird  zu  Schmalz 
ausgeschmolzen.  .  .  .  und  haben  (die 
Schweine)  einen  geschwinden  Flu/z  des 
Fetten  oder  des  Schmieres.  Linem., 
Tt4a.  2.  dickliches  Fett,  das  zum 
Schmieren  der  Wagen  gebraucht  wird, 
Wagenschmiere.  3.  Prügel.  Et  geiv 
Schmer.  Übertragen  aus  1.  in  gleichem 
Sinne:  Es  gab  Jackenfett. 

Schm6rapfel,  m.  1.  Bratapfel;  von 
schmoren.  2.  Apfel,  der  fettig  anzu- 
fühlen oder  ölhaltig  ist.    Hennig,  238. 


Schmerbel  —  schmieren. 


297 


Schmerbel,  m.,  Pflzn.,  s.  Mill. 
Schmergel,  Schmirgel,  m.,  Pflzn.    1. 

Feigwurzel,  Ranunculus  ficaria  L.,  poln. 
szmergiel  Hagen,  580,  2.  Feldspark, 
Spergula    arvensis  L.     Nach   Hagen, 

492,  Spergel. 

schmergeln,  si^.,  s.  schmirgeln. 

SchmCrhSker,  m.,  Höker,  Handler, 
mit  Schmer ;  nach  M  ü  hli n g  Yiktualien- 
handler  überhaupt.     Hennig,  238. 

Schm6rkram,  ttz.,  Kram,  Handel,  mit 
Schmer  und  fetten  Waren  überhaupt. 
Hennig,  238. 

Schmerlecks,  Schmarlecks,  m.,  ge- 
wöhnlich im  Dem.  Schmerlecks -cherij 
Schmarlecks-chenj  Leckerbissen,  wohl- 
schmeckender ImbiCz  als  unerwartete 
Zugabe  zur  Mahlzeit.  Da  hast  du  ein 
Schmerleckschen,  Es  ist  aber  nur  ein 
Schmerleckschen^  nur  ein  Weniges  zum 
Schmecken.  Das  gab  heut  bei  Tisch 
eiih  Schmerleckschen^  eine  kleine  Nasche- 
rei als  Dessert:  etwas  Mehlspeise,  Eis 
etc.  Tar  Ttd  möt  klene  Brocke  on 
klen  Schmerlecksert  död  man  em  (den 
Lehrer)  unedei^tocke.  Lhrztg.  4,  355  b. 
Schemionek,  35:  SchmaUeckschen^ 
von  schmal  und  lecken  ^  Bissen  zum 
Kosten,  z.  B.  Probewurst.  In  der  Ge- 
gend von  Saalfeld  Schmaleckschen,  Vgl. 

Schmerlecksen. 
Schmerlecksen,    schmarlecksen ,    sw., 

leckern,  von  einer  kostbaren  Speise 
(ein  wenig)  genielzen;  nach  Muhling 
in  der  Danziger  Gegend  schmausen, 
gut  leben.  Ootts  Lichting!  nu  gin^t 
ar!t  Üchmerlexen,  Dzg.  Nhg.  Parad., 
49.  Wl  wätert  mt  dat  Mül,  ön  bätke 
to  schmarleae!  Carm,  nupt  I,  282,  14. 
In  Bayern  Schmarren^  m.y  Brocken, 
Stück,  Bissen  (Geiler  von  Kaisersb.). 
Schmeller  III,  472.  Es  würde  mit- 
hin schmeiiecksen  bedeuten:  ein  Bröck- 
chen,  einen  Bissen  geniefzen. 


Schmerlein,  Schmerling,  m.,  s.  Schmar- 
gel. 

Schmfirpaudel,  /.,  Pandel,  welche  die 
Wagenschmiere  enthält,  s.  v.  a.  Teer- 
paudel.     Von  Schmer. 

Schmfirsel,  n.,  s.  Schmiersei. 

schmerzlich,  adv.,  bedeutend,  gewaltig, 
ungeheuer.  Er  ist  schmerzlich  reich  — 
hat  schmerzlich  viel  Oeld.     Natangen. 

Schmicke,  /.,  s.  Schmitze. 
schmTdig,  adj.,  s.  schmeidig. 

Schmied,  m,  1 .  faber  ferrarius.  Nach 
ihm  sind  genannt  in  Königsberg  die 
Schmiedebrücke,  die  Schmiedestraf ze; 
eine  solche  giebt  es  auch  in  Elbing, 
während  Danzig  eine  Schmiedegasse 
hat.  2.  Strich,  den  man  beim  Scheren 
auf  die  Kette  des  Garnes  (den  Rand  des 
Aufzuges),  von  8  zu  8  Ellen  meistens 
mit  Kohle  macht;  er  dient  als  Marke 
und  heii'zt  seiner  Schwärze  wegen  der 
Schmied.  Nach  Marold  heil'zen  die 
Striche  im  Aufzugsgarn  Schmitze  und 
stehen  in  Entfernungen  von  je  5  Ellen. 
3.  als  MaTz:  Leinwandlänge  von  8  Ellen 
(von  Schmied  zu  Schmied)  oder  Stock, 
Die  Wirkersche  Jiat  schon  3  Schmiede 
(gesprochen  Schmidte)  abgewebt  Fünf 
Schmied  machen  ein  Stück. 

schmieg,  schmTg,  adj,^  schräge,  schief. 
Marold. 

Schmier,  Schmiere,  Schmfir,  /.  1.  Prü- 
gel, Schläge.  Schmier  bekommen^  — 
besehen^  —  kriegen.  Es  liegt  bei  die- 
sen, wie  bei  andern  Prügelwörtem,  wie 
z.  B.  gerben^  vnchsen,  der  Gedanke  zu 
Grunde,  als  bearbeite  man  ein  abge- 
zogenes Stuck  Leder  und  nicht  einen 
lebendigen  Körper.    E.  Förstem. 

Schmieräich,  /*.,  Schmiere  (zum  Ein- 
schmieren von  Stiefeln,  Wagen,  Ma- 
schinen); nutz-,  wertlose  Sache.  Sper- 
ber, 45.    Vgl.  Schmiersei. 

schmieren,  pltd.  schmftren,  sw.   1.  Zi- 


298 


Scbmierhaus  —  Schmifz. 


nere.  Ein  Butterbrot  schmieren,  2.  be- 
stechen. Du  motst  em  man  c/öt  schmP- 
ren.  Das  Sprichwort:  Wer  gut  schmertj 
der  gut  faJirt^  bringt  die  Erfahrung  für 
die  Richtigkeit  der  Bedeutungen  1.  u. 
2.  zum  Ausdruck.  3.  prügehi,  schla- 
gen. In  diesem  Sinne  schwed.  smora. 
zerschmieren,  einen  durchprügehi;  ebenso 
ab-,  auf-,  aus-,  durchschmieren.  Hen- 
nig, 238. 

Schmierhaus,  pltd.  Schmftrhfls,  n.  1. 
Krankenhaus,  namentlich  die  Abtei- 
lung eines  solchen,  in  welcher  an  der 
Erätze  und  Yenerie  Erkrankte  mittels 
der  sog.  Schmierkur  behandelt  werden. 
Von  Schmiere^  Schmer  Salbe.  2.  Sauf- 
haus, Schnapskneipe.  Von  Schmir 
Trunkenheit. 

Schmierotelc,  m.,  unsauberer  Mensch. 
Gedanism. 

Schmierp6sel,  m.,  ein  in  hohem  Grade 
schmieriger  Mensch.  Ebenso  Schmier- 
pott u.  Schmutzpfisel,  m,    Muhling. 

Schmiersei,  pltd.  SchmCrsel,  n.  1.  Salbe, 

die  zum  Schmieren,  zu  Einreibungen 
gebraucht  wird.  2.  Wagenschmiere. 
Vgl.  Schmer  2.  Von  schmieren.  Hen- 
nig, 238.    Vgl.  Schmieräich. 

schmlg,  adj,^  s.  schmieg. 

Schm?!,  m,  u.  /.,  s.  Schmei. 

SchmTr,  7n.,  Trunkenheit.  Er  ist  im 
Schmtr.  Preufz.-poln.  szmyr  Dusel, 
szmer  Sausen  im  Kopfe.  Davon  Schmlr- 
bruder,  wi.,  Trunkenbold.  Vgl.  SchmOr 
und  schwTsen. 

Schmirgel,  Schmergel,  SchmSrgei,  m. 

1.  ein  Stück  Speck,  das  schmirgelt. 
Im  Samlande  Spirl(el,  im  Ermlande  Kri- 
§chei;  sonst  auch  Schurr,  m,  2.  eine 
geschmirgelte  Sauce  aus  Mehl,  Wasser 
und  etwas  Speck,  welche  zu  Kartoffeln 
gegessen  wird.  Sie  heifzt  auch  Pracher- 
suppe.   3.  nach  Sperber,  28,  Schmir^ 


gel  auch  die  Tabaksjauche  im  Pfeifen- 
abgulz. 

schmirgeln,  schmergeln,  schmSrgeln,  sw. 
1.  Schmer,  Fett,  Speck  in  der  Pfanne 
schmelzen,  braten  lassen,  wobei  der 
eigentümlich  zischende  Laut  zu  hören 
ist;  daher  auch  in  Fett  braten,  braten 
und  schmoren  überhaupt.  Sie  hat  den 
ganzen  Tag  zu  schmörgeln,  2.  nach 
schmirgelndem  Fett  riechen.  Wenn  ein 
Scherben  Fett  einzieht^  so  schmirgelt  er^ 
wenn  er  auch  alt  ist  Sprw.  H,  3144. 
Davon  schmirg(e)lig,  im  Samlande  auch 
SChmurg(e)lig,  adj.^  nach  »Schmirgel  rie- 
chend. 3.  sich  schmirgeln^  am  heifzen 
Ofen  sitzen  und  sich  den  Rücken  wär- 
men, einprägein.  Oes  hier  kein  Funkke 
Füer^  dabt  ock  schmörgle  kann?  Carm. 
nupt.  I,  282.  Hier  wohl  auch  s.  y.  a. 
schmauchen.  4.  Schemionek,  35: 
schmörgeln^  beschmOrgeln,  sich,  trinken, 
sich  betrinken,  aufschmirgeln,  aufbraten. 
ausschmirgeln,  ausbraten,  einschmirgeln, 
einbraten  lassen,  verschmirgeln,  ver- 
braten. Im  Götting.  smorgeln  schmo- 
ren, in  Bayern  schmirkeln  nach  Fett 
riechen,  ranzig  sein.  Scham  b.,  198b. 
SchmellerlU,  475.  Bock,  60.  Hen- 
nig, 239. 

schmirksen,  sw.,  klecksend  schmieren, 
schmutzen,  namentlich  in  beschmirksen, 
beschmutzen. 

Schmlrl,  m.,  kleinste  Falkenart,  Zwerg- 
falke, Falco  aesalon.  Nach  Bujack, 
367,  auch  SmiriU,  Schmerl;  nach  Bock, 
Nat.  IV,  279,  Schmirle;  ahd.  smirl, 
mhd.  smirlinc,  smirltn.  Schade,  834a. 
Vgl.  Kohl. 

Schmirring,  m.,  der  gelbfüfzige  Strand- 
läufer, Sandläufer.  Mühling.  Der 
System.  Name  ist  nicht  angegeben. 

Schmifz,  m.  von  schmeifzen.  1.  Hieb, 

Schlag.     Es   giebt  Schmisse.     Ich  hohe 


Schmitz  —  Bchmorgen. 


299 


ihm  auch  so  ein  Dutzend  Schmisse  zu- 
zählen lassen.  Soph.  R.  II,  356.  Und 
krigte  unterwegs  noch  so  einige  Schmisse. 
Ibid.  m,  218.  Hennig,  239.  2. 
Währungseinheit  beim  Knopfspiei  An- 
schmeifzen  (s.  d.)  der  Knaben.  Der 
einfachste  Knopf  gilt  1  Scbmifz,  und 
so  giebt's  nun,  je  nach  dem  Werte  der 
Knöpfe  Zwei-  bis  ZwOlfschmisse,  jedoch 
nur  in  geraden  Zahlen  steigend.  Der 
ausgehöhlte  Knopf,  mit  dem  angeworfen 
wird,  heifzt  Anschmifz,  Ausschmifz. 

Schmitz,  7n.,  Schlag,  kurzer  Schlag 
auf  die  Fingerspitzen. 

Schmiize,  /.  1.  Schmicke,  Klatsch- 
ende der  Peitsche.  2.  nach  Marold 
s.  V.  a.  Schmied  2. 

schmitzen,  sw.  1.  mit  der  Peitsche 
klatschen,  knallen.  2.  eine  Belustigung, 
bei  welcher  man  gegenseitig  mit  den 
Spitzen  der  gestreckten  Zeige-  und 
Mittelfinger  auf  die  ebenso  dargehalte- 
nen beiden  Finger  des  Gegners  schlägt. 
Vgl.  Volksr.,  205,  762. 

schmock,  schmack,  adj.,  schmuck, 
hübsch,  zierlich.  Das  steht  schmeck^ 
das  läfzt  schön,  kleidet  gut.  Hier  kömmt 
de  schmecke  Jumfer  Anne.  Dorr,  1. 
Wiew.,  14.  So^n  schmücket  Feld,  Dorr, 
1 3.  Mi  Dochter ^  nu  goa  schmeck  (hübsch, 
adv.)  to  Bedd.  Ibid.,  66.  Goht  GWck, 
gy  löwe  Kästings- Gäste ^  öck  seh  ju 
schmackcke  (Dem.  von  schmack)  oppet 
beste,  Carm.  nwpt  V,  145  c.  Engl. 
smv>g^  wendisch  smu^^  dän.  smvk.  Brem. 
Wb.  IV,  872. 

SchmOdbot,  m.,  schmutziger,  unsaube- 
rer Mensch;  Ekelname,  Schimpfwort. 
Stein,  Peregrinus  XII,  82.  W.  Mtsbl. 
V,  191.    Vgl.  SchmOdsack. 

schmoddelig,  adj,,  s.  schmuddelig. 

schmSdigen,  sw.^  „lindem,  besänftigen, 
schmeidig  machen.  Die  Salbe  schmö- 
digt,  sie  macht  die  verwundeten  Glie- 


der weich  und  gelenk''.  Hennig,  239. 
Vgl.  schmeidig. 

SchmOdkoch,  Schmuddelkoch,  m.,  un- 
sauberer Koch;  Mensch,  der  mit  Speisen 
nicht  reinlich  umgeht.     Hennig,  239. 

SchmOdsack,  m.,  unsauberer  Mensch, 
namentlich  ein  schmutziges  Frauen- 
zimmer. Bock,  60.  Hennig,  239. 
Schmod  Schmutz,  in  Bremen  smitte, 
engl,  smut^  holl.  smette.  Brem.  Wb.  IV, 
867. 

SChmOlen,  sw.^  sich  in  der  Stille  über 
etwas  freuen,  schmunzeln,  lächeln.  Hei 
schmSld  en  böfzken.  Engl,  to  smile^ 
schwed.  smale^  mhd.  smielen. 

SchmSlen,  sw.,  mit  Rauch  und  ohne 
Flamme  brennen,  gewöhnlich  schwelen. 

SchmOr,  m.^  Trunkenheit.  Er  ist  im 
Schmor^  er  ist  betrunken.    Vgl.  SchmTr. 

Schmorbraten,  m.,  gedämpftes  Fleisch, 
das  nachträglich  noch  gebraten    wird. 

S.  Schmorfleisch. 

SchmOrbruder,  -fink,  m.^  Saufbruder, 
Trunkenbold. 

schmoren,  sw.  1.  dämpfen,  Fleisch  in 
verschlossenem  Topfe  kochen.  2.  sich 
stark  erhitzen.  In  der  Küche  schmoren 
müssen,  am  Herde  die  Hitze  aushalten 
müssen.  Er  schmort  guty  ein  solcher, 
der  am  Herdfeuer  steht  oder  warme 
Kleider  in  der  Sonnenhitze  trägt.  Sich 
am  heifzen  Ofen  schmoren.  3.  kneipen, 
saufen,  stark  Schnaps  trinken.  Er 
schmort  gut,  —  hat  sich  beschm69%  ein- 
geschmört  4.  stark  Tabak  rauchen. 
Sperber,  28.  Bock,  60.  Hennig, 
239.    Vgl.  schmirgeln. 

Schmorfleisch,  m.,  Fleisch,  das  ge- 
schmort ist. 

SchmSrgei,  m.,  schmSrgeln,  sw.,  s. 
Schmirgel  etc. 

schmorgen,  sw,,  s.  sich,  sich  Sorge 
machen,  vor  Sorge  abzehren.  Trei- 
chel. 


300 


Schm6rpfanne  —  schmostem. 


Schmorpfanne,  /.,  Pfanne,  worin 
Fleisch  geschmort  wird.  Von  schmo- 
ren 1. 

SchmOs-chen,  /„  s.  Schmächen. 

Schmfl,  m.^  Vorteil,  Nebengewinn, 
Profit,  Lohn  für  eine  Unterhandlung, 
mit  dem  Nebenbegriflf  der  Unredlich- 
keit. Von  dem  hebr.  schmuah  Gerücht, 
eitle,  alberne  Rede,  in  der  Bedeutung: 
was  kommt  dabei  heraus.  Sich  einen 
Schmu  machen.  In  Danzig:  einen  Schmül 
machen;  in  Bayern  Schmus.  Schmel- 
1er  III,  477. 

SchmOchen,  /.,  s.  Schmächen. 

Schmuddel,  m,^  Schmutz,  Unreinlich- 
keit;  unreinliche,  schmutzige  Person. 
Für  Posen  Bernd,  269;  für  Oberlaus. 
Anton,  12,  20. 

Schmuddelbart,  m,^  Scheltwort  auf  ein 
Kind,  das  nach  dem  Essen  ein  be- 
schmiertes Gesicht  hat.  Du  bist  ein 
kleiner  Schmuddelbart 

Schmuddelei,  /.,  Unsauberkeit,  etwas 
milder  als  Schmtiddel. 

Schmuddeler,  m.^  schmutziger,  unsau- 
berer Mensch.     Mühling. 

schmuddelig,  oc?/.,  schmutzig,  sudelig, 
unsauber,  unordentlich.  Schmuddlige 
Monde.  Ein  schmuddeliges  Frauenzim- 
mer. Eine  schmuddelige  Wirtschaft. 
In  Westpr.  auch  schmoddelig.  Wacht 
man^  du  schmoddliget  Schischkewater ! 
Dorr,  1.  Wiew.,  67.  Nds.  smuddelig^ 
in  Pommern  muddelig.  Brem.  Wb.  IV, 
871.    Schamb.,  198b.     Dähn.,313b. 

Schmuddell(Och,  m.^  s.  SchmOdIcoch. 

schmuddeln,  sw.,    schmutzen,   sudeln. 

Davon  verschmuddeln,  beschmuddeln. 
Schmul,  SchmU'l,  Schmfl.    1.  m.  jud. 

Vorname,  der  sehr  häufig  auftritt  = 
Samuel,  nach  jüdischer  Aussprache 
SchmueL  2.  zur  Bezeichnung  für  einen 
Schacherjuden. 

Schmflmacher,    m.,    Gewinnsüchtiger, 


Plusmacher.  Mühling.  Von  Schmu. 
In  Bayern  Schmuser.  Schmeller  HI, 
477. 

Schmunzel,  /.,  Braut,  Geliebte. 

Schmunzelmus,  /.,  dünnes,  mit  Speck 
abgemachtes  Roggenmus.    Nordenburg. 

Vgl.  Schmunzelsuppe. 

schmunzeln,  schmuzeln,  sw.  1.  wohl- 
gefällig lächeln.  In  den  Bart  schmun- 
zeln. Beim  Wort  Liebeshistorch^en  schmu- 
zelte sie.  Soph.  R.  IV,  130.  2.  lieb 
haben,  lieben.  Sie  schmunzeln  sich, 
sie  lieben  sich.  Samland.  Schmel- 
ler III,  479:  schmutzein. 

Schmunzelsuppe,  /.,  Suppe,  die  man 
lieb  hat,  die  man  gern  ilzt;  Fettsauce. 
Von    schmunzeln   2.      Samland.      Vgl. 

Schmunzelmus. 

schmurgelig,  oc?/.,  s.  schmirgeln. 

Schmurl(S,m.,  der  einzelne  Entleerungs- 
schufz  bei  Diarrhöe.  Das  Wort  ist 
tonnachahmend.  Davon  schmurksen, 
sw. 

schmflscheln,  schmflsern,  sw.,  s.  schmO- 
stem. 

Schmfls-chen,  m.  u.  /.,  s.  Schmächen. 

SChmUserig,  adj.,  mühselig,  elend. 
Mühling.    Vgl.  misrig. 

Schmflsterice,  n.y  das  Lächeln.  Hei 
IH  en  Schmusterke,  er  lächelte  ein- 
mal. 

schmflsterlachen,  82^.  =^«r^m?/sto/7^.  Ober- 
land.   Mühling. 
schmflstern ,    schmflfzem ,    schmflsern, 

schmflscheln,  sw.,  mit  Wohlbehagen  und 
Selbstgefälligkeit  lächeln,  in  sich  hin- 
ein lächeln,  schmunzeln,  besonders  über 
eigenen  Vorteil.  Im  Dustem  ist  gut 
schmustem.  Se  deedy  as  heeid  se  nich 
en  Woort^  On  schmusterd  doch  mench- 
moal.  Dorr,  23.  Vgl.  glmen.  In 
Bremen  smunstem,  smunsterlachen,  in 
Holstein  smustem,  smusterlaclien,  in 
Pommern  sviustem  und  smustem.  Brem. 


Schmütschke  —  Schnappsack. 


301 


Wb.  IV,  873.  Schütze  IV,  133. 
Dähn.,  435b.    Hennig,  240. 

Schmfltschke,  n  und  /.,  s.  Schmä- 
chen. 

Schmutzhammel,  m.,  schmutziger,  un- 
reinlicher Mensch. 

schmuzeln,  sw.^  s.  schmunzeln. 

schnabbeln,  sw,,  eigentlich  schnäbeln 
von  Schnabel;  auch  schnibbeln.  1.  es- 
sen. Habt  ihr  was  zu  schnabbelnf 
Das  ging  schnibbel^  schnabbel^  da  war 
die  SchUssel  leer.  Vgl.  Sprw.  II,  2386. 
2.  reden,  sprechen.  Er  schnabbelt  in 
einem  weg,  er  plappert  unaufhörlich. 
Sich  verschnabbeln,  sich  in  einer  Rede 
versprechen,  etwas  Verkehrtes  sagen; 
wider  den  eignen  Willen  ein  Geheimnis 
ausplaudern.  In  der  Bedeutung  von  2 
auch :  schnobbeln ,  verschnobbeln,  ver- 
schnabbelieren,  verschnubbeln,  verschnap- 
pen. In  Pommern  snvbbeln  straucheln; 
sick  versnubbeln  einen  Fehler  im  Spre- 
chen machen.  Dähn.,  439b.  Bock, 
75.    Hennig,  241.  291. 

Schnabel,  ^.,  Mund.  Er  redete  wie 
ihm  der  Schnabel  gewachsen  ist 

schnab(e)lieren ,    auch   schnabulieren, 

sw.,  zunächst  von  der  Ente  und  an- 
dern Vögeln,  welche  beim  Fressen 
gierig  und  hurtig  den  Schnabel  be- 
wegen; übertragen:  schmausen.  Do  he 
met  Appetit  dat  Gänfzken  schnabbeleret 
Carm,  nupt.  I,  298,  1.  Hei  kann  hier 
manchet  schnabelehre^  wat  hei  so  fien 
noch  nargends  sähch  (sah).  Nowack, 
72.    Hennig,  240. 

Schnabelkraut ,  n, ,  randblättriger 
Storchschnabel,  Geranium  rotundifolium 
L,  Auch  schierlingsblättriger  Reiher- 
schnabel, Erodium  cicutarium  UHerit 
Hagen,  718.     709. 

schnäblig,  adj.,  vorlaut,  zudringlich, 
seinen  Schnabel  in  fremde  Angelegen- 
heiten stecken.    Friedland  Ostpr. 


schnabulieren,  sw.j  s.  schnabelieren. 

SChnacksch,  adj.^  possierlich,  wunder- 
lich, lustig,  seltsam;  von  Schnack 
Scherzrede,  lustiger  Einfall,  Posse. 
Ein  schnackscher  Mensche  Dat  sit 
schnacksch  vt.  Ich  bin  eine  Canaille^ 
wo  das  nicht  schnackisch  war.  Soph. 
R.  V,  146.  Et  ofz  verwahrlich  recht 
met  ju  en  schnackschet  Wesen,  Carm. 
nupt,  lU,  50  d.  On  plapperd  pure 
schneaksche  Seaken.  Dzg.  Nhg.  Parad. 
45.    Hennig,  240:  schnakisch. 

Schnftk,  (?)^  Schlange.  Treichel. 
In  Bremen  Snake^  engl,  snake^  dän. 
snog.    Brem.  Wb.  IV,  873. 

Schnalle,  /.,  Hure. 

schnallen,  sw.^  übervorteilen,  prellen. 
Mühling.    Auch  schnellen. 

Schnäpel,  m.,  einer,  der  seinen  Schna- 
bel überall  hinsteckt,  überall  mitredet, 
ein  Grünschnabel,  Gelbschnabel.  Im 
Götting.  snappenlicker^  m.  Schamb., 
199  a. 

Schnäpel,  Schnepel,  Snepel,  beiHen- 
nenberger,  29,  Schneppel,  m.,  der  Ost- 
seeschnäpel,  Coregonus  lavaretus  L.; 
auch  Seemaräne,  lit.,  kur.  sykas^  kass. 
brzona^  brzoL    Benecke,  150. 

Schnäpelpant,  /.,  Pant  zum  Fange  der 
Schnäpel.  Eurisches  Haff.  Beschrei- 
bung und  Abbildung  in  Benecke,  393 f. 
Fisch. -Ordnung  f.  d.  kur.  Haff  §  28: 
Schnepelpant 

schnappein,  sw.y  verstärktes  schnobbeln^ 
mit  dem  Schnabel  durchsuchen.  Die 
Enten  durchschnappeln  den  Sumpf. 

Schnäpper,  m.,  s.  Schnepper. 

Schnappern,  sw,,  die  Spitze  der  Gänse- 
kielfeder abknipsen,  abschnappen.  Im 
Rätsel  sagt  der  Gänsekiel  von  sich: 
Man  schnippert  mich^  man  schnappert 
mich.     Tierräts.  86. 

schnapps,  interj'.^  g.  Schwapps. 
Schnappsacky  m.,  Brotbeutel,  Ränzel, 


302 


Schnapsböker  —  Schnauzhahn. 


Reisesack  zur  Aufbewahrang  trockener 
Speiseo.  Kinderreim :  A-b  ab^  min 
Schnappsack  etc.  Volksr.,  112,  466. 
Im  Samlande  Schlammsack.  Vgl.  Ko8- 
sack. 

Schnapshäker,  m^  Höker  mit  Schnaps, 
Spitzname  für  den  Apotheker.  Trei- 
chel. 

schnarken,  sw,  1.  schnarchen.  2. 
schwatzen,  s.  v.  a.  schnarren  2.  Da- 
von: Schnarker,  fn.,  Schnarcher;  leicht- 
fertiger Schwätzer.  Und  ward  der 
Schnarcher  seinen  armen  und  betrübeten 
Nachbahm^  nach  vieler  Müh  und  Ar- 
beit, gleich  recht  Linem.,  Kk  3a. 
Schnarkerei,  /.,  Geschoarche,  leichtfer- 
tige Rede,  Schimpfrede.  Au/z  dem 
Cholerischentemperament  entstehen  Eh/ ff  er ^ 
Jäher  2^om:  . .  aufz  diesen  entstehen  alle 
Effecta  Cholericay  als  Krieg^  Empörung, 
Tyranney,  Trotz  ^  Widersetzlichkeit, 
Schnarckerey ,  Stoltz,  übermuht  etc. 
Linem.,  Aaa  2b. 

Scbnarp,  m.,  s.  Grasser. 

Schnarrabacky  m.,  im  Volksrät^el  der 
Storch.     S.  Tierräts.  90. 

Schnarre,  /.  1.  Enarre  der  Nacht- 
wächter. Zu  Hennigs  Zeit  wurden 
in  Königsberg  mit  der  Schnarre  noch 
die  Stunden  angezeigt,  jetzt  wird  diese 
nur  bei  entstehendem  Feuer  in  Bewe- 
gung gesetzt.  Hennig,  240.  335. 
2.  Er  hat  sich  die  Schnarre  eingeudchst 
—  gut  geschmiert,  er  hat  sich  einen 
Rnusch  angetrunken  Sprw  I,  445. 
In  gleichem  Sinne :  Er  hat  die  Schnarr 
im  Gang,     Tiegenhof. 

schnarren,  sw.  1 .  eine  Schnarre  in  lär- 
mende Bewegung  setzen.  2.  laut  und 
viel  reden  und  dabei  lärmen  wie  eine 
Schnarre;  über  eine  Sache  sprechen, 
die  man  wenig  oder  gar  nicht  versteht, 
^r  ist  ein  Schnarrhans,   ein  Schwätzer. 


Welch£s  dann  nicht  anders,  als  durch 
die  Edle  Trigonometria  und  Geometria 
mag  verrichtet  werden,  so  mancher 
Sphaerische  Schnarrhans  nicht  einsten 
von  aussen  angesehen.  Linem.,  R  4a. 
Linemann  hat  für  schnarren  2  auch 
schnarken.  Oder  welcher  (Landmesser) 
sich  keiner  jv^sten  und  genawen  Instru- 
menten und  Ketten  gebrauchet,  und  den- 
noch schnarchende  sich  vernehmen  lasset. 
Er  habe  das  seinige  gar  genaw  und 
accurat  verrichtet.     A.  a.  0,  Yy3a 

Schnarrwachtel,  /.,  s.  Grasser. 

Schnäsel,  m.,  junger  angeblasener 
Mensch;  ebenso  StTsel.  Er.  Neustadt. 
Treichel. 

Schnatter,  /.,  Mund,  Maul;  von  schnat- 
tern.    Die  Schnatter  halten. 

Schnatterhans,     -maul,     -Ilse,     etc., 

Schwätzer,  Schwätzerin.  Vgl.  Bernd, 
271. 

schnauben,  pltd.  schnüwen,  st,  schnup- 
fen, eine  Prise  Tabak  nehmen.  Sehnt f- 
ke  schnüwe  schnöfft  hei  nich,  man  Brann- 
wtn  süpe  söppt  hei  sehr.  Wer  schnappt, 
der  söppt,  der  Schnupfer  ist  ein  Trin- 
ker. Sperber,  29,  hat  für  schnupfen 
schnoben.  2.  schneuzen.  Schnaub  ein-- 
mal!    Schnavh  dir  doch  die  Nase. 

schnausen,  pltd.  schnOse(n),  »w.   1.  zur 

Bezeichnung  des  eigentümlichen  Sau- 
sens  der  Luft,  das  durch  eine  schnelle 
Bewegung  hervorgebracht  wird.  Das 
ging,  da/z  es  man  so  schnaubte.  2.  nach 
Mühling  s.  V.  a.  schnaufen. 

schnauzen,  sw.,  von  Schnauze,  grob 
anfahren,  daher  gewöhnlich  anschnau- 
zen, mit  harten  und  heftigen  Worten 
jemand  anfahren.  Ich  schnauzte  sie  an: 
„Sie  sind  vielleicht  Braut  oder  so  was  ?^ 
sagte  ich.  Soph.  R.  I,  638.  Hennig, 
241. 

Schnauzhahn,   m.,  junger  Bengel  mit 


Schoecke  —  Schoepfe. 


303 


groberSchnauze,Grobian,Grünschnabel, 
Gelbschnabel.  Pr.-poln.  snösek^  miokos, 
Mrongov.  11,  662b. 

Schnecke,  /.  1.  Wasserschraube. 
2.  in  der  Niederung  Windmühle  zum 
Abmahlen,  d.  i.  Ausschöpfen  des  Was- 
sers mittels  einer  Schnecke.  P as- 
sarge, 222. 

Schneeblume,  /*.,  gemeines  Schnee- 
glöckchen, Galanthus  nivalis  L,  Auch 
Schneetropfen.  Hagen,  354.  Im 
Weichseldelta  Schneeguckerchen,  -kucker- 
chen.     Treichel,  Volksth.  III. 

schneeen,  sw.y  schneien.  Es  schneet 
Es  hat  diese  Nacht  tüchtig  geschneet 
Es  ist  alles  verschneet 

Schneeguckerchen,  n.,  s.  Schnee- 
blume. 

Schneesieber,  m.,  Mensch,  der  den 
Schnee  siebt,  Bummler.     Treichel. 

Schneevogel,  Schneeammer,  Emberiza 
nivalis.     Bujack,  376. 

Schneffel,  m,^  Hornhecht.  Danzig. 
S.  Homfisch  2. 

Schneidebraten,  m.^  Braten  aus  der 
Garküche.  Ehedem  hieizen  die  Gar- 
köche Bratenschneider.  Danzig.  Klein 
II,  134. 

schneiden,  pltd.  schnTde(n),  st  1. 
lügen.  Der  schneidet  gut.  Davon  auf- 
schneiden. He  schnitt  möt  dem  Gren- 
schalge,  er  schneidet  mit  dem  grünscha- 
ligen  (Messer),  d.  h.  er  lügt.  Sprw. 
I,  3368.  2.  sich  schneiden,  täuschen, 
irren,  übel  anlaufen.  Der  hat  sich  ge- 
waltig geschnitten. 

Schneiderabend,    m.^    s.    Schneider- 
stunde. 
Schneiderfisch,  m.,  s.  GSselitz. 
Schneiderkarpfen,   m.,   Hering,  weil 

ihn  arme  Schneider  häufig  zur  Mahl- 
zeit haben. 

Schneiderkourage,  /.,  Erätze.  In  ei- 
nigen Gegenden    des  Königr.  Sachsen 


heiizt  sie  heimliches  Wohligen.    Müh- 
lin g. 

schneidern,  sw.,  „als  Schneider  arbei- 
ten, ohne  das  Meisterrecht  zu  besitzen." 
Hennig,  241.  schneidern  gehen,  von 
Nähterinnen,  die  in  Familien  Frauen- 
kleider anfertigen,  Wäsche  nähen  oder 
ausbessern. 

Schneiderstunde,  /.,  Dämmerstunde, 
s.  V.  a.  Schimmerstunde,  Sie  heil'zt 
auch  Schneiderabend.    Mühling. 

Schneiderzeche,  /.,  die  Zeche  zu  glei- 
chen Teilen  bezahlen.  Wir  wollen  keine 
Schneiderzeche  machen^  sagt  derjenige, 
welcher  für  die  ganze  Gesellschaft  die 
Zeche  bezahlt. 

Schneidung,  Schneiding,  /.,  schmerz- 
hafte Empfindung  des  Schneidens. 
Leibschneidung,  Leibschneiden.  Schnei- 
ding in  den  Au^gen,  Augenschmerzen. 

Schneiz,  /.,  ein  durch  den  Wald  ge- 
hauener Weg.     Samland. 

schn6kem,  sw,,  in  aUen  Ecken,  an 
allen  Enden  umhersuchen.  Er  schnekert 
überall  'rum,     Treichel. 

Schnellemachfort,  /.,  Diarrhöe.  S. 
Dünne. 

schnellen,  sw.,  s.  schnallen. 

Schnellerung,  /.,  Beschleunigung  (der 
Bewegung,  Fallgeschwindigkeit).  Au^h 
mag  solche  Schnellerung  nicht  gefunden 
werden  im  Dinge,  das  beweget  wird. 
Linem.,  I  2b.  Weil  nun  zur  Schnel- 
lerung eines  fallenden  Gewichtes  etwas 
eufzerliches  zustofzen  müsse  etc.  , .  ,ich 
spreche,  dafz  im  L/ufft- Revier  eine 
Schnellerung  der  Bewegung  vorhanden 
sei  etc.    Ibid.,  I3a  u.  ö. 

Schnepel,  Schneppel,  m.,  s.  Schnäpel. 

Schnepfe,  Schneppe,  /.,  Hure,  die  auf 
der  Strafze  Kundschaft  sucht.  Früher 
die  Schnepper  der  Schnappgalgen;  Hu- 
renschneppe  (später  kurzweg  Schneppe) 
besonders  deshalb,  weil  Huren  an  den 


304 


Schnepper  —  Schnifchen. 


Schnappgalgen  yorzugsweise  zu  kom- 
men pflegten.  Yilmar,  362.  In  Za- 
sammensetzungen:  Schnepfen jagd,  -strich, 
-zug. 

Schnepper,  m,  1.  Werkzeug  zom 
Aderlassen.  2.  schnappender  Thürver- 
schlufz,  Riegel  über  dem  SchloCz.  3. 
Schlüssel  zur  Öffiiung  diesesYerschlosses. 
Poln.  sznypeTy  szneper. 

Schneppern,  ai£?.,  schnappend  schliefzen. 
Die  Thür  schneppert  gut^  fallt  passend 
ins  Schlolz.  Bis  hat  geschnepperty  hat 
gnt  gepafzt. 

schneppsch,  adj.  u.  adv.^  s.  schnippsch. 

Schnerz,  m.,  im  Voc,  749,  Snerker 
für   altpr.  droanse^   Schnarrwachtel,  s. 

Grasser. 

Schnewe,  /.,  Kunde,  Witterung.  Von 
etwas  Schnewe  kriegen^  etwas  verlauten 
hören,  von  einer  Sache  Wind,  Witte- 
rung bekommen.  Altpr.  sinnaty  lit. 
zinöti,  lett.  sinnaht,  poln.  znac^  russ. 
znaf  wissen,  kennen;  poln.  znawca 
Kenner.  Nsslm.,  Forsch.  3;  Th., 
166. 

Schnibbe,  pltd.  SchnObb,  Schnebb,  f. 

1.  Schnabel,  Mund.  Halt  die  Schnibh\ 
halte  den  Mund!  2.  Nase.  Bir  mufz 
seine  Schnibb  überall  haben.  3.  die 
vordere  schnabelartig  auslaufende  Tail- 
lenspitze an  Frauenkleidem.  4.  früher 
„ein  spitzig  herablaufendes  Läppchen 
von  Flor  oder  feiner  Leinwand,  auf 
Drath  gezogen,  welches  das  Frauen- 
zimmer in  tiefer  Trauer  vor  der  Stime 
trägt'*.  Hennig,  241.  Im  Winter  tru- 
gen fi'üher  die  Frauen  der  Dzg.  Nhg. 
Schneb  on  Kapp,  Schnibbe  und  Kappe, 
auch  Stimtuch  genannt.  Viol^t,  173. 
Li  Bremen  Snibbe^  Snippe,  in  Pommern 
Snippy  im  Götting.  snippe,  holl.  snebbe, 
in  Posen  Schnippe.  In  Hessen  Schnippe^ 
f,  u.  7».,  Vorderteil  des  Kopfes,  Ober- 
teil der  Nase  bei  Tieren.    Bremu  Wb. 


IV,  889.  Dähn.,  438b.  Schamb., 
200a.     Bernd,  271.     Vilmar,  363. 

Schnibbel,  m.  1.  Schnabel.  2.  penis 
kleiner  Knaben. 

schnibbeln,  sw.^  s.  schnabbeln. 

schnibbem,  sw.  1.  umherriechen;  die 
Nase  voraus,  dem  Gerüche  nachgehn, 
spürend  suchen,  schnüffeln.  2.  Bild- 
lich: sich  in  alles  mischen,  sich  um 
alles  bekümmern,  die  Nase  überall  ha- 
ben, alles  besehen  und  untersuchen 
wollen.  Er  schnibbert  überall  umher  — 
schnibbef*t  alles   durch.     Auch:    schnip- 

pern,  schnUppern,  schnOpem.  Hennig, 
241.  beschnuppern,  beriechen,  beschnüf- 
feln, neugierig  besehen. 

Schnlbe,  /.,  Schnupfen,  s.  Schnlwe. 

schnTben,  schnlfen,  sw.,  s.  schnOwen. 

Schnlbus,  m.,  Schnaps.    Vgl.  SchlTus. 

SchnTfchen,  pltd.  Schnifke,  SchnUwke. 

1.  m.  Schnupftabak.  Hol  mir  für'n 
Groschen  Schniefke.  Schnifke  schnüwe 
schnofft  hei  nich  =  er  schnupft  nicht, 
ist  kein  Schnupfer.  On  Schniefke 
schnuwe,  schnuw'  öck  ok,  Volksl.  56, 
38,  5.  Erseht  Näs'  denn  Schnifke, 
Sprw.  I,  2754.  Gotts  Schock  Schnifke! 
scherzhafter  Fluch.  2.  w.,  eine  Prise 
Tabak.  Und  nun  nahm  Herr  Z.  ein 
Schniefchen.  Schaltj.  1,  438.  Zahl- 
reich in  volkstümlichen  Redensarten: 
E  Schnifke  on  e  Schnaps,  dat  ös  Hand- 
werker Maner.  Sprw.  I,  3376  ff.  Bock, 
60.  Hennig,  242.  3.  Gifthahnenfuiz, 
Ranunculus  sceleratus  L.  Dönh.  In 
Zusammensetzungen:  SchnTfkebart,  m , 
Bart  in  dem  Schnifke  sitzt,  auch  auf 
die  Person  übertragen.  SchnIfkedOs,  /*., 
Tabaksdose.  Schnlfkenas',  wie  Schnifke- 
bart.  Schnlfkefarbe,  /.,  Farbe  mit  der 
des  Schnupftabaks  übereinstimmend. 
Schnlftabak,  w.,  Schnupftabak.  Heft 
de  Näs  voll  Schnieftabak.  Volksr.,  240, 
846. 


Schnife  —  SchDipp-schnapp-schnarr. 


305 


Schnife,  f..,  schnifen,  9w.^  schnflig,  adj.^ 
s.  SchnTwe  etc. 

Schntfke,  m.  a.  n.,  s.  SchnTfchen. 

schnigger,  adj,  u.  ado,  1.  hurtig, 
munter,  lebhaft,  schnell,  schlank. 
E  sehnigere  Jungfer,  Schnigger  gehn, 
2.  nett.  Ein  schnigger  Mädchen^  ein 
nettes  Mädchen.  Das  läfzt  ihr  schnigger^ 
das  steht  schön.  Hennig,  241.  In 
Bremen  snigger^  im  Götting.  snicker^ 
snecker  reinlich,  sauber,  in  Osnabrück 
snögger^  holl.  snogger  und  snuggei\  in 
Pommern  snügger.  Dan.  snog  hübsch, 
artig.  Brem.  Wb.  IV,  892.  Schamb., 
200a.     Dähn.,  440a. 

SchnTpel,  m.,  Frack,  von  den  schnabel- 
artig auslaufenden  Schöfzen. 

SChnTpeln,  sw.^  sich^  den  Frack  an- 
legen, überhaupt  sich  festlich  kleiden. 

Schnippergeld,  n.,  Schnippchen,  Hohn, 
Spott.  Und  ob  die  Tage  gleich  viel 
kürtzer  als  die  Nacht^  Will  er  bey  trü- 
ber Nacht  doch  süfze  Stunden  zehlen. 
Doch  wer  zu  ndschrich  ist,  bekommt  oft 
Schnipper-Geld,  Wer  um  ein  Mädchen 
will  wie  auf  dem  Pferd-Marckt  dingen^ 
Und  die  Verpflichtungen  en  bagateü 
nur  hält^  Den  pfleget  man^  so  wie  die 
Katz  vom  .  Speck  zu  bringen,  Carm. 
nupt,  HI,  61c. 

schnippern,  sw.  1.  in  kleine  Stück- 
chen schneiden,  s.  v.  a.  schnipseln  (s. 
d.).  Vgl  Schneppern,  2.  s.  v.  a.  schnib- 
bem  (s.  d.). 

SChnipps,  intefj.^  schallnachahmend; 
zur  Bezeichnung  des  kurzen,  schnippen- 
den Tones,  den  ein  Schnitt  mit  der 
Schere  verursacht  Ein  Messer  her^ 
ich  schneide  das  Band  schnips  ent- 
zwei! Soph.  R.  I,  349.  Schnips  war 
der  Nagel  weg.  Vgl.  brdz,  bums^  par- 
dauz^ plavJcsch^  schmauksj  schnurr^ 
schwaps, 

SchnippSy   7/1.,    Dem.    Schnipps-chen, 

Friscbbier,  W6rt«rbaeh  ü. 


Schnipsel  y  in  weiterer  Verkleinerung 
Schnipselchen,  kurzer  Schnitt;  von  der 
Interjektion  schnipps.  Ein  Schnips  und 
die  Geschichte  ist  ab.  Ein  Schnipschen 
Bandy  Zeug^  Brot.  Auch  zur  Bezeich- 
nung eines  kleinen  Restes :  Ein  Schnips- 
chen Licht,  Ein  Schnipselchen  Papier. 
Vgl.  Ekd^  3. 

schnippsch,  auch  schnibbsch  (Hen- 
nig, 241),  schnSppisch,  pltd.  schneppsch, 
SchnSppsch,  adj,  u.  acfo.,  schnippisch, 
vorweg  spitzig  kurz,  keck,  frech  in 
Rede  und  Gebärde;  vorzugsweise  von 
Mädchen  und  Frauen.  Sie  ist  ein 
schnippsches  Ding^  —  hat  ein  schnipp- 
sches  Wesen^  —  antwortet  schnippsch. 
Schnöppisch  mit  dem  Maul^  sonst  stin- 
kend faul.  Die  junge  Frau^  die  frei- 
lich etwas  schnippsch  ist^  konnte  das 
Gichem  nicht  lassen,  Soph.  R.  Hl, 
386.  Die  schnippsche  Frau  Malgri. 
Ibid.  VI,  535.  Wortspielend  sagt  ein 
Mädchen,  dem  eine  Prise  Tabak  an- 
geboten wird:  Ich  bin  nicht  schnippsch^ 
soll  heilzen :  ich  schnupfe  nicht.  Sprw. 
I,  3381.  In  Berlin  heifzt's  in  diesem 
Falle:  Ich  bin  nicht  schnuppsch.  Vgl. 
Brem.  Wb.  IV,  881.  Dähn.,  438b. 
Schamb.,  199b.  Bernd,  273.  Wei- 
gand  U,  620. 

Schnippschen,  n.  1 .  Dem.  von  Schnipps 
(s.  d.)  2.  Nasenstüber,  Knipschen. 
Den  Lorbeer  für  das  Haar  und  Schnipps- 
chen für  die  Nase.  Soph.  R.  I,  238. 
Vgl.  Knips. 

Schnipp-schnapp-schnurr,  n.,  Karten- 
spiel, namentlich  im  Kreise  von  Kin- 
dern, nach  der  Formel:  Schnipp! 
Schnapp!  Schnurr!  Baselorum!  Die 
niedrigste  Karte  der  niedrigsten  Farbe 
(die  Sieben  in  Karo)  wird  mit  dem 
Rufe  Schnipp  ausgespielt;  die  Acht 
sticht  jxnt  Schnapp;  sie  wird  gestochen 
mit  Schnurr;   mit  Baselorum  wird  der 

20 


306 


Schnippse]  —  schniwig. 


Stich  eingezogen.  Zar  ersten  Toar 
sind  somit  die  Karten  Karo  7  — 10 
verbraucht;  für  die  zweite  folgen  Babe, 
Dame,  König,  As.  So  hat  jede  fol- 
gende Farbe  (Coeur,  Pik,  Trefi)  ihre 
zwei  Touren.  Der  Hauptreiz  des 
Spieles  liegt  in  der  Schnelligkeit,  mit 
der  ausgespielt,  gerufen  und  gestochen 
wird.  Sieger  ist,  wer  die  meisten 
Stiche  hat,  oder  seine  Karten  zuerst 
los  ist.  Die  niedrigste  Zahl  der  Spie- 
ler ist  vier.  Baselarum  ist  eine  Kor- 
rumpierung von  Apostolorum;  das  Spiel 
ist  mithin  das  Schnipp-Schnapp-Schnurr 
der  Apostel,  welche  zunächst  als  die 
Spielenden  gedacht  sind.  Sehr  oft 
hört  man  noch  hinter  Schnurr  das  (un- 
gehörige) Reimwort  BtMrr^  durch  dessen 
Einfügung  die  Kegelmäfzigkeit  der  Tou- 
ren unterbrochen  wird.  Vgl.  Vi  1  mar, 
363,  unter  Schnipp.  Weigand  II, 
620. 

Schnippsei,  m.  u.  n..  Dem.  von 
Schnippe  (s.  d.),  Schnitzel. 

schnippsein,  sw.^  schnitzeln,  nament- 
lich mit  der  Schere  in  kleine  Stücke 
schneiden:  abschnipseln.  Nd.  snippeln^ 
snippem^  holl.  snippelen^  snipperen.  In 
Bayern  schnip/en^  schnipfeln  aufzer 
dieser  Bedeutung  noch:  mit  leichter 
flinker  Bewegung  nehmen,  entwenden; 
mit  kurzen  Zügen  trinken.  Brem.  Wb. 
IV,  893.    Schmeller  lU,  493. 

schnirgeln,  at^.,  saufen,    beschnirgeln, 

sich^  sich  betrinken,  berauschen.  Trei- 
chel. 

Schnirkel,  m.^  unzuverlässiger  Mensch, 
der  „bald  so,  bald  so^  ist,  der  im 
Schnörkel,  in  gewundener  Linie,  geht, 
handelt. 

schnirkeln,  sw,^  Schnörkeln,  Schnörkel 
machen. 

schniricsen,   schnirzen,    »w,,    Wasser 


durch   die   Zähne   schnellen,    s.    v.    a. 
nitten  (s.  d.).     Treichel. 

schnirzen,  str.,  s.  d  vor. 

Schnitt,  ?w.,  Rausch.  JSr  hat  einen 
Schnitt.     Sprw.  I,  445. 

Schnitt,  Pflzn.,  s.  Saueramp. 

Schnittchen,  pltd.  Schnttttke,  n.  1.  Dem. 
von  Schnitt  (schneiden),  2.  nach  Müh- 
ling  ein  Backwerk  von  Blätter-  oder 
Butterteig,  das  in  länglich- viereckige 
Form  geschnitten  ist.  Dasselbe  bei 
Schemionek,  86:  Schnödehen.  Vgl. 
KriUizchen. 

Schnittgras,  n.,  spitzkantige  Segge, 
Carea  acuta  L,     Hagen,  981. 

Schnittke,  /.  1.  rote  Rübe,  Bartsch 
(s.  d.)  Sclinittkensuppe,  /,  Bartsch- 
suppe, auch  Betensuppe,  Zwickelsuppe, 
BotscIiwTn.  Nsslm.  Th.,  166,  fragt: 
etwa  zu  russ.  sntY,  poln.  initka  Aego- 
podium?    Vgl.  Schnitzel. 

Schnittloch,  n ,  Schnittlauch.  S.  Prfs- 
loch. 

Schnitzel,  plur,^  zerquetschte  Reste 
der  Runkelrübe,  ein  gutes  Viehfut- 
ter. Treichel,  Volksth.  III.  Vgl. 
Schnittke. 

Schnitzger,  w.,  Tischler.  Dzg.  W. 
Seidel,  34. 

Schnitzker,  pltd.  SchnOtzker,  ?n.,  Messer 
des  Böttchers.     Oberland. 

SchnTwe,    Schnlbe,    Schnlfe,    SchnSf 

(statt  *  auch  w),  /".,  Schnupfen;  Rotz- 
krankheit der  Pferde.  Hennig,  242: 
8chnüve,  Er  hat  die  Schnüve.  In  Pom- 
mern Snowej  Snäwe  zunächst  der  Ge- 
ruch. Dähn.,  439b. 
schnTwen,  schnfben,  schntfen,  sw,^  mit 

pfeifendem    Tone     atmen,     schnaufen. 
Von  Schntwe. 

schniwig,  schnTbig,  schntfig,  adj.  von 
Schntwe,  verschnupft;  bei  Pferden  rotzig. 
In  Pommern  snowsch,    Dähn.,  439b. 


SohDobbd6k  —  Schnubbeltuch. 


807 


Schnobb-,  SchnobbeldOk,  n.,  s.  Schnub- 
beltuch. 

schnobbeln,  »w.,  s.  schnabbeln. 

schnoben,  sw.^  s.  schnauben. 

Schnodder,  m.,  Nasenschleim,  Rotz. 
Er  weint  Schnodder  und  Rotz,  Wosch 
dl  den  Schnodder  von  de  Back,  sonst 
denkt  de  Bvr^  et  glddtst  Sprw.  1, 285. 
Ausruf:  Schnodder  und  Rotz!  in  dem 
Sinne  von:  Donnerwetter!  Königsberg. 
Nds.  SnottCj  angs.  snot,  engl.  u.  hoU. 
snoty  dän.  snaty  snot,  in  Pommern 
i>nodde,  Snodder.  Brem.  Wb.  IV,  899. 
Dähn.,  439a.  In  Posen  der  Schnuder, 
Bernd,  273.  Bock,  60.  Die  Göttin 
Snotra^  die  Geschneuzte.  Simrock, 
Mythologie,  5.  Aufl.,  S.  400.  Grimm, 
Myth.  II,  843. 

Schnodderbartel,  m.,  s.  Rotzbartel. 

Schnodderdorf,  Ortsn.,  s.  Brandwe- 
then. 

Schnodderhyazinthe,  /.,  Stembyazinthe, 
Endymion  non  scriptus  Garcke^  wohl  der 
weii'zen  Blüte  wegen.  Kr.  Neustadt. 
Treichel,  Volksth.  lU. 

Schnodderjan,  m.^  Schimpfwort 

Schnodderlappen,    m.y    Schnupftuch. 

Mühling. 

schnoddem,  stc.,  den  Schnodder  aus- 
werfen; damit  besudeln;  mit  einer  vol- 
len, schnupfigen  Nase  Geräusch  ma- 
chen. 

Schnoddemase,  pltd.  -näs,  /.,  unsau- 
bere Nase ;  aber  auch  Schimpfwort  auf 
einen  vorlauten,  mokanten  Menschen. 

schnodderrotzfett,  adj^  zur  Bezeichnung 
grol'zer  Fettigkeit.     Kgsbg. 

schnoddrig,  adj.  1.  voll  Schnodder, 
rotzig.  2.  übertragen  zur  Bezeichnung 
eines  unreifen,  naseweisen  Menschen. 
Er  ist  ja  man  noch  ein  schnoddriger 
Junge.  3.  verwerflich,  überflüssig. 
Eine  schnoddrige  Bemerkung^  Redensart^ 


eine  überflüssige,  dumme  Bemerkung 
etc. 

SchnSf,  m.,  Schnupfen,  s.  Schnlwe. 

SchnSffel,  m,  etc.^  s.  SchnUffel  etc. 

schnOpern,  sw.^  s.  schnibbem. 

SchnSppeldock,  n.,  s.  Schnubbeltuch. 

schnoppratzig,  od)'.,  naseweis.  Ma- 
rold. 

schnOppsch,  adj.^  s.  scbnippsch. 

Schnorgel,  SchnSrgel,  Schnurgel,  /., 
Nase,  Mund,  Schnauze.  Hol  de  Schnor- 
gel^ halte  den  Mund!  Bock,  60.  S. 
beschnorgeln.    Vgl.  SchnUffel. 

Schnorgel,  m.^  unreife,  vorlaute  Per- 
son, welche  überall  die  Schnorgel  hin- 
einsteckt, mitredet. 

schnorgeln,  schnSrgeln,  schnurgeln,  sw., 
durch  die  Nase  laut  atmen;  mit  der 
Nase  den  Schnodder  hochziehen ;  schnar- 
chen; nach  Sperber,  86,  schnurfein, 
nach  Treichel  auch  schnorken.  Ygl. 
schnüffeln  1. 

schnorren,  sw.^  schnurren,  umherzie- 
hend betteln.  Davon  Schnorrer,  m.^ 
Schnurrer.  Klingt,  als  stamme  es  aus 
dem  Hebr.,  rührt  jedoch  nicht  daher; 
es  kommt  nach  der  Ansicht  vieler 
daher,  dafz  die  polnischen  Bettler  ihren 
Wohlthätem  „Schnurren**  zum  besten 
gaben  und  deshalb  Schnurrer^  Schnor- 
rer, genannt  wurden. 

schnSrren,  schnurren,  sw.,  schrumpfen, 
faltig  oder  uneben  sich  zusammenzie- 
hen, durch  Hitze,  Dürre,  Alter.  Ge- 
schnorrtes Obst.  Der  Alte  ist  recht  zvr 
sammengeschnurrt 

SchnOrrhHze,  pltd.  -hStt,  /.,  glühende, 
drückende  Hitze,  welche  den  Boden 
ausschnörrt.     Elbinger  Ndrg. 

schnSrzen,  sw,,  s.  schnurzen. 
SchnOrzkuchen,m.,  pfannkuchenartiges 
Gebäck.     Vgl    Kröpfen^  Porzel^  Bah. 

Schnubbeltuch,     pltd.    SchnobbeldAk, 

20* 


308 


schnabbern  —  Scbnurgel. 


SchnobbdAk,  n.,  Schnapftuch,  Taschen- 
tuch. In  der  Dzg.  Nhrg.  SchnSppeldock. 
VioUt,  104.    Hennig,  242. 

schnubbem,  sw.^  schnuppem. 

schnucken,  schnucksen,  sw.j  krampf- 
haft schluchzen,  aufstofzen,  schlucken, 
den  Schlucker  haben.  Mielcke  II, 
212b.    Schemionek,  36. 

Schnucker,  971.,  s.  Schlucker. 

Schnfldel,  m.y  Dem.  Schnudelchen^ 
Kosewort  für  Hunde  und  kleine  Kin- 
der.  Nach  Sperber,  29,  auch  Schnfl- 
ter  und  SchnOterchen.    Vgl.  SchnOt, 

SchnUfe,  /.,  Schnupfen,  s.  ScbnTwe. 

Schnufer,  m.,  Ekelname  und  Schimpf- 
wort. Stein,  Peregrinus  XII,  82.  W. 
Mtsbl.  V,  191.    Vgl.  Schnüffler. 

SchnUffel,  pltd.  SchnSffel,  m.  1.  Nase. 
Er  mufz  seinen  Schnüfel  überall  haben. 
Er  hat  überall  den  Schnüfel  voran, 
2.  Mund.  Halt'  den  Schnüfel!  3.  eine 
Person,  welche  schnüffelt;  namentlich 
ein  unreifer  junger  Mensch,  der  vor- 
laut und  altklug  in  der  Gesellschaft 
älterer  Personen  auftritt.  Das  ist  ein 
rechter  Schnüffelt    Vgl.  Schnorgel. 

SchnUffelmarkty  m.,  Platz  in  Danzig, 
auf  dem  früher  Schaufeln^  pltd.  Schüffel^ 
verkauft  wurden.     Löschin,  43. 

schnüffeln,  pltd.  schnSffeln,  sw.  1. 
schnaufend  atmen.  In  diesem  Sinne 
auch  schnorgeln,  schnorgeln^  schnurgeln, 
2.  herumriechen,  oft  und  viel  riechen, 
wie  Hunde  solches  thun;  die  Nase  über- 
allhaben, spionieren.  Davon  aus-,  durch-, 
herumschnüffeln.  Hennig,  231.  E}r 
schnüffelt  überall  herum,  er  forscht  und 
wühlt  in  zudringlicher  Weise,  sucht 
nach  Heimlichkeiten.  Eck  schnoffeld 
driest  herom  as  wie  de  Muhs  na^m 
Schwoart,  Carm.  nupt.  I,  282,  14. 
Bücher  durchschnüffeln,  sie  durchstö- 
bern. 

Schnüffler,  pltd.  SchnSffler,  m.,  einer. 


der  schnüffelt.  Ekelname  und  Schimpf- 
wort; bei  Stein,  Peregrinus,  neben 
Schnufer. 

SchnOfkatt,  /.,  dünnes  Licht  von  or- 
dinärem Talg  mit  Gamdocht.  Hen- 
nig leitet  den  Namen  von  dem  schnau- 
benden Geprassel  her,  den  dieses  Licht, 
brennend,  hören  läTzt:  es  gleiche  einer 
schnaubenden  Katze,  oder,  wie  er  sagt, 
einer  Katze,  die  den  Schnupfen  hat. 
Der  Name  ist  auch  noch  heute  üblich. 
In  Pommern  ist  Snuvkatt  (auch  Snuv^ 
rott)  Schimpfwort  auf  ein  vorwitziges 
Mädchen.  Dähn.,  441a.  Bock,  60. 
Hennig,  242. 

schnupfen,  sw,,  schluchzend  weinen. 
Da  ist  nun  das  Hertzeleid  reckt  unter 
ihnen  (den  Frauen)  angegangen,  haben 
gen  Himmel  geseufftzet,  ihre  Hände  ge- 
rungen, geschnupft,  und  öffentlich  mit 
grossem  Wehklagen  ihre  Noht  beweinet, 
Act,  Bor,  I,  183.  In  Bremen,  im 
Holstein.,  in  Pommern,  im  Göttin^. 
snucken,  Brem.  Wb.  IV,  900.  Seh  ütz  e 
IV,  148.  Dähn.,  440a.  Schamb., 
200b. 

schnuppen,  sw,,,  schnupfen.  Tabak 
schnuppen. 

schnuppern,  sw.,  s.  schnibbern. 

schnuppig,  adj,,  schnupfig;  rotz- 
krank. 

Schnupptuch,  pltd.  SchnobbdAk,  n., 
Taschentuch.  Euphemismus  für  A.  wisch. 
Vgl  Sprw.  I,  2871. 

schnüren,  sw,  1.  mit  einer  Schnur 
umspannen,  binden.  Zimmerleute  bin- 
den den  Fremden,  der  einen  Neubau 
betritt,  um  ein  Trinkgeld  zu  erhalten. 
Hennig,  335.  Schemionek,  36. 
2.  eine  Schnür weste  anlegen.  Sie  ist 
nicht  geschnürt^  sie  hat  kein  Schnürleib- 
chen an. 

schnurfein,  sw.,  s.  schnorgeln. 
Schnurgel,  /.,  etc.  s.  Schnorgel  etc. 


Scbnarling  —  Schobbjack. 


309 


Schnllrling,  m,^  Schnürfaden,  Mariein, 
auch  SchnUrtein.  Die  Schnürlingagrabeiv- 
gasse  in  Königsberg;  früher  der  Schnür- 
leinsdamm  in  der  vorderen  Vorstadt 
Bock,  Nat.  I,  62.    Vgl.  Mariein. 

SchnUrpinne,  /.,  Stahlnadel  mit  stum- 
pfer Spitze  und  sehr  breitem  Öhr,  durch 
das  man  Band  zieht,  mit  dem  roan 
die  Bezüge  der  Betten  beschnürt; 
Pinne  (s.  d.)  an  den  Enden  des  Schnür- 
senkels. Schlank  wie  W  Schnürpinne, 
Sprw.  1,  3331.  In  Bremen  Snarptpe^ 
in  Hamburg  Nestelpipe.  Brem.  Wb.  III, 
321.     Richey,  185.    Hennig,  186. 

Schnurr,  /.,  von  schnurren^  umher- 
ziehend betteln,  buhlen.  Auf  die  Schnurr 
gehen;  von  Mädchen,  welche  zur  Spinn- 
stube gehen,  wo  die  Wockenräder 
schnurren,  aber  auch  von  solchen,  die 
an  den  Abenden  auf  der  Strafze  nach 
dem  Manne  suchen.     Sprw.  I,  1189. 

schnurr,  schnurz,  interj.^  schaUnach- 
ahmend;  zur  Bezeichnung  des  Tones, 
den  das  Zerreifzen  eines  gewebten 
Zeuges  verursacht.  Schusta^  Kapusta^ 
Drahtdrella^Pöchfhta — schnurz!  Volksr., 
334. 

Schnurre,  /.  1.  lustiger  Einfall,  Posse. 
2.  kleiner  Rausch.  Er  hat  eine  Schnurre^ 
er  ist  ein  wenig  betrunken.  Hennig, 
242. 

schnurren,  sw.^  s.  schnSrren. 

Schnürsenkel,  m.  u.  n ,  s.  Senkel. 

schnurzen,  schnOrzen,  sw,^  von  schnurz^ 
schnurrend  reifzen.  Das  gerissene  Sei- 
denzeug  schnurzt  Ihm  schnurzen  die 
Büaeny  er  läfzt  einen  fahren.  In  Westpr. 
in  beiden  Bedeutungen  auch  schürzen. 
Treichel. 

Schnflsohr,  m.  u.  n.,  s.  Schlflsohr. 

Schnflt,  SchnUt,  /.,  Schnautze,  Mund. 
Auf  die  Schnute  bekommen.  Sonst  kreag 
he  är  stracks  bi  ne  Schnüt.  Parad.,  9. 
Das    Dem.    SchnQtchen   ist   in  Danzig 


Kosewort    für    Lieblinge.      Gedanism. 

Vgl.  SchnOdel. 

SchnOter,  m.,  s.  SchnOdel. 

schnOwen,  schnTben,  schnlfen,  m., 
schnupfen,  Tabak  schnupfen.  Schntfke 
schnüwen. 

schnllwen,  sw.^  schnüffeln,  beschntt- 
wen,  beschnüffeln:  So  let  he  alles  em 
beschnüwen.    Dzg.  Nhg.    Parad.,  62. 

sehe,   interj.^    Scheuchruf;    üblicher 

sehe. 

Schobbel,  /.,  Dem.  Schobbelke,  Fufz- 
bank.  Dzg.  Nhg.  Violöt,  103.  Gr. 
Werder.  Schieben^  pltd.  schüwen  ist 
die  Wurzel. 

Schobben,  vhchd.  schubben,  «u?.,  krauen, 
kratzen,  wobei  mit  der  Hand,  den  Fin- 
gern, schiebend  und  schabend  hin  und 
her  gefahren  wird  (s.  schauben).  Den 
Uund^  das  Pferd  schobben.  Sich  schob- 
ben,  mit  Griff  in  die  Kleider  die  Haut 
schaben,  oder  an  einem  Gegenstande 
juckende  Korperteile  reiben,  sich 
scheuem.  Der  Lausige  schobbt  sich. 
Das  Schwein  schobbt  sich  an  einem  Pfahi.  • 
Fi/fer,  schobb  dt!  Sprw.  I,  812.  WmCt 
jäkt^  dei  schobb  sock.  Nds.  schubben, 
Brem.  Wb.  IV,  701.  Hennig,  243. 
Schemionek,  36.     Sperber,  29. 

Schobbig,  adj.^  schäbig,  unordentlich^ 
unsauber.  SchobVger  Kerl,  Verhchd. 
Schubbig. 

Schobbjack,  Schubbjack,  Schubjack,  m. 

1.  in  Kleidern  nachlässige,  bettelhafbe 
männliche  Person,  Lump;  schlechter^ 
sittlich  verkommener  Mensch  überhaupt, 
selbst  wenn  er  gut  gekleidet  ist;  nach 
Schemionek,  36^  auch  ein  Mensch, 
der  jedem  im  Wege  steht,  an  dem  man 
sich  also  unfreiwillig  reibt  Er  ist  ein 
rechter  Schobbjack,  Zunächst  wohl  Zu- 
sammenziehung aus  schobben  u.  Jacke^ 
also  ein  Mensch,  der  sich  infolge  der 
Unreinigkeit  beständig  mit  seiner  Jacke 


310 


Schobbig  —  Schonfeld. 


schobbt.  2.  Pfahl,  den  man  in  baum- 
armen Gegenden  auf  der  Weide  in  den 
Erdboden  schlägt,  damit  das  Vieh  sich 
daran  schobben  kann,  Danziger  Nhg. 
VioUt,  104.  Weichselniedrg.  P as- 
sarge, 221.  Sperber,  29.  43.  Ein 
Küster  hatte  eine  Injurienklage  ange- 
strengt, weil  er  „Schubjack  der  Fröm- 
migkeit« genannt  worden  war. 

schobenweise,  adu.y  s.  schOwweise. 

Schock,  w.,  eine  Zahl  von  60  gleich- 
artigen Stücken.  Ein  Schock  Eie>*  etc. 
Ein  Schock  =  4  Mandel  k  15  Stück. 

Schockel,  /.  u.  m.,  schockein,  s. 
Schuckel. 

schocken,  9tr.,  laufen.  Treichel.  Vgl. 
socken. 

Schockschwerenot,  /.,  Fluch. 

sohodder,  Zuruf  an  Zugtiere,  s.  schwod- 
der. 

schVddern,  m.^  s.  schuddern. 

SchOdel,  /.,  Schürze.  Danzt^  dat  Rock 
on  Schödel  schwunkt!  Schlochau.  Fir- 
menich I,  118b.  Volksr.,  222,  790. 
Vgl.  Scherdeltuoh. 

Schot,  /.,  n.  u.  m.y  s.  SchOw. 

Schotelzeug,  n.,  von  schofel,  armseliges 
Volk,  Pack,   Plebs,  ungesitteter  Pöbel. 

Schott,  Värschott,  /.,  Vorderteil,  Brust- 
kasten; beim  Vieh.  De  Os  fät  (falzte) 
0718  Kd  under  de  Värschoft  on  schmet 
er  6k  glik  op  de  RUgg,  auf  den  Rücken. 

Schollen,  /.,  s.  Schellen. 

schollen,  schellen,   st.y  prds,  scholl; 

prät  schuU  {scholl);  part  geschoHe^ 
schelten.  Madamke,  schölle  se  nich, 
schelten  sie  nicht,  werden  sie  mir  nicht 
böse.  Herrkey  wt  se  wolle,  wenn  se  man 
nich  schölle.  Dei  söck  schoUcy  dei  söck 
wölk.    Sprw.  I,  3280. 

Scholler,  /.,  Schulter,  pltd.  SchuUer. 
Saalfeld. 

Scholliken,  n.,  Scholle,  s.  Platteis. 


Scholz,  m.y  Schulze,  Ortsvorstand. 
Ermland. 

schompeln,  schampeln,  schumpeln,  str., 

unbehilflich  langsam,  schleppend,  lahm 
gehen;  vor  Alter  oder  Schwäche.  Vgl.  ' 
hOmpeln.  Er  schompelt  nur  noch  herum^ 
es  geht  mit  ihm  nur  sehr  langsam. 
schumpeln  ist  nur  Verhochdeutschung. 
Scheraionek,  37. 

SchOnbergergasse,  Strafze  in  Königs- 
berg, in  welcher  „der  blinde  Magister 
Schönberger  gewohnt  haben  soll,  dessen 
merkwürdigen  Lebenslauf  Hartknoch 
in  seinem  A.  u.  N.  Preufz.,  401,  aus- 
führlich erzählt".    Hennig,  229. 

Schone,  /.  Nach  Simon  Grünau, 
Tract.  I,  cap,  III,  ein  Fisch  in  Preufzen. 

SchOne,  /.,  s.  SchOne. 

SchOneberg,  Ortsn.  1.  Dorf  bei  Mühl- 
hausen a.  d.  Ostbahn.  Er  hat  die 
Schöneberger  Universität  besucht y  sagt 
man  von  Menschen^  welche  eine  über- 
spannte Meinung  von  ihren  Kenntnissen 
haben.  Gelehrt  wie  ein  Schöneberger, 
Tolkemit.  Sprw.  J,  3387.  1222.  2. 
Dorf  an  der  Weichsel,  durch  Tabaks- 
bau bekannt.  Der  Spott  nennt  den 
dort  gebauten  Tabak  Schönberger  Gra- 
benkant.     Elbing.      Tiegenhof.      Vgl. 

Drilngsel. 

SChOnen,  sw,y  schön  werden ;  vorzugs- 
weise in  der  Zusammensetzung  mit  aufi 
autschOnen,  vom  Wetter.  Das  Wetter 
schönt  aufy  der  Himmel  wird  klar.  Bei 
Jeroschin  schönen  schön  machen,  mit 
^swaz  zirheit  suln  geschont  dt  meide  von 
dir  werdinf  24c.     Pfeiffer,  216. 

SChOnerig,  adj.y  zum  Schonen  geneigt, 
sparsam.    Der  Junge  ist  sehr  schonerig. 

SchOnteld,  Ortsn.,  Dorf  im  Oberlande. 
Hei  ÖS  wt  de  Bure  ut  Schönföld.  Man 
sagt  diesen  neckend  nach:  Haben  die 
Schönfelder  die  Scheunen  voll,  so  sitzt 


Schonferfzel  —  Schorr. 


311 


jeder  auf  zwei  Stühlen;  sind  die  Scheu- 
nen nur  halb  gefüllt,  so  sitzt  jeder  auf 
einem  Stuhle,  sind  sie  leer,  so  sitzen 
zwei  auf  einem  Stahle. 

Schonferfzel,  n.,  Schönfahrsegel^  das 
Grofzsegel  am  Hauptmaste.  15.  Jahrh. 
Hirsch,  265. 

schön  machen,  dch^  sich  in  gunstiges 
Licht  stellen,  sich  von  der  besten  Seite 
zeigen,  sich  rein  brennen  von  einer 
Schuld.  Er  weifz  sich  stets  scfton  zu 
machen.  Bei  Jeroschin:  sich  schöne 
machin.    Pfeiffer,  216. 

schOnner,  adf/.,  comp,  von  schon.  Dais 
noch  schonner. 

schonst,  adv.y  schon.  Ich  war  schonst 
da.    Vgl.  allschOnst. 

SchOpe,  SchOp,  /.,  kleine  Schaufel. 
Gr.  Werder.  Nach  Hennig,  243,  ist 
Schope  eine  „Schöpfkelle,  womit  man 
beim  Bierbrauen  das  Wasser  in  die 
Pfanne  schöpft".  In  Danzig  hiefz  der 
eigentumliche  Schöpftrog,  dessen  sich 
die  Brauer  zum  Übergiefzen  des  heifzen 
Wassers  über  das  Malz  bedienten, 
Schliffe,  Schuppe,  Schippe.  Unzweifelhaft 
nach  diesem  GefaCz  hiefzen  die  Brauer, 
welche  das  nach  dem  Auslande  gehende 
Schiffsbier  fabrizierten,  Schilpen-  oder 
Schoppenbrauer;  ihr  Fabrikat  hiefz  Scho- 
pen-  oder  Jopenbier  und  wird  noch  jetzt 
in  Danzig  gebraut.  Hirsch,  305. 
Nach  Hennig,  a.  a.  O.,  hiefzen  Scho- 
penbrauer  „diejenigen,  die  den  Brauern 
um  einen  gewissen  Lohn  beim  Brauen 
helfen;  sie  machen  hier  in  Königsberg 
eine  besondere  Zunft  aus^.  Dieser 
Name  ist  in  Königsberg  nicht  mehr 
üblich;  die  Braugehilfen  heifzen  hier 
gewöhnlich  Helfer  (s.  d.).   Vgl.  Scbeppe. 

Schopenbier,  n.,  -brauer,  m.,  s.  das 
vor. 

SchOpfgut,  n.,  Bernstein,  der  durch 
Schöpfen  gewonnen  wird.    Man  bedient 


sich  dazu  der  Koscher^  die  an  laugen 
Stangen  befestigt  sind.  S.'  Bock,  Nat. 
n,  169. 

SChVppen,  au? ,  verkaufen.  Dzg.  Nhg. 
Viol^t,  104. 

Schoppenbrauer,  m.,  s.  SchOpe. 

Schoppenbull,  m ,  Bulle,  der  im  Schop- 
pen steht,  dem  es  an  guter  Nahrung 
nicht  fehlt.  De  Broch  stund  mi  so 
stramm  as  wie  en  Schoppen-Boll.  Carm. 
nupt.  I,  282,  14. 

SchOpper,  m,  s.  Schipper. 

SchVpsenkeule,  /.,  Ärmel  im  Frauen- 
kleide älterer  Zeit,  dem  Hinterschenkel 
eines  Schöpses  ähnlich;  sie  hiei'zen 
auch  mit  der  franz.  Bezeichnung  Gigot- 
ärmel.    Viol^t,  177. 

ScbVpsnase,  /.,  Nase  des  Schöpses, 
zur  Bezeichnung  eines  naseweisen  Men- 
schen. 

schorilwer,  adv.^  gegenüber. 

Schorb,  m.  Armer  teüfel^  elender 
Schorb  und  Scherpenter.  Stein,  Pe- 
regrinus  I,  6.  W.  Mtsbl.  V,  94.  Wohl 
s.  V.  a.  Schorfe  vielleicht  auch  verwandt 
mit  Scherbel  3. 

SchOrbel,  m.,  s.  Scherbel. 

SchOrbock,  m.,  s.  Schärbock. 

schorcheln.  sw.,  s.  schurgeln. 

SchOrdeltuch,  n.,  s.  Scherdeltuch. 

SchOren,  /.,  die  durch  andere  Farbe 
des  Wassers  auffallende  Stelle  einer 
„untiefe"  d.  h.  einer  grolzen  Wasser- 
tiefe. Nariensee.  Auch  wohl  sonst  im 
Oberlande  gebräuchlich.  Da  ist  die 
Schoren^  da  ist,  beginnt,  die  Tiefe. 

SchorfkrVt,/.,  schorfige  Kröte,  Schimpf- 
wort. Sich  aufblasen  wie  eine  Schorf- 
krote.    Vgl.  Korrespbl.  IH,  52. 

Schorfrabe,  m.,  junger  Schorf  auf  einer 
Wunde.    Vgl.  Rab. 

Schurke,  /.,  s.  Schirke. 

Schurken,  sw.^  s.  schirken. 

Schorr,  SchorrO}  /.,  s.  Schorrbahn. 


312 


Schorrbahn  —  schoseln. 


Scborrbahriy  selten  vhchd.  Schurrbahn, 
/.,  Bahn  zum  Schurren,  Eisgleitbahn. 
Die  Kinder  stellen  sich  die  Bahn  her 
auf  dem  Eise,  auf  zugefrorenen  Kinn- 
steinen, beeisten  Strafzen,  durch  wieder- 
holtes Schurren.  Sie  heifzt  auch  Schorr, 
Schorre  (Eönigsbg.  Samland),  Scburgel 
(Ermland),  /.    Komm  op  de  Schorr! 

schorren,  vhchd.  schurren,  sw,  1.  glei- 
ten mit  eigentOmlich  scharrendem 
Rauschen,  mit  scheuerndem  Geräusch 
sich  bewegen.  Der  Schnee  achorrt  vom 
Dache.  Mühlsteine  schurren^  —  laufen 
schurrend.  Die  Jugend  schorrt  (gleitet) 
auf  dem  Eise.  Für  diese  Winterbe- 
lustigung 'der  Jugend  ist  das  hchd. 
schurren^  wenigstens  in  Egsbg.  kaum 
gebrauchlich.  Er  kann  noch  nicht  ein- 
mal schorren.  Dieses  Gleiten  heifzt  hier 
auch  schluddern,  schurgeln;  in  Schlesien 
kdschelny  in  der  Mark  schlittern^  slid- 
dem,  in  Mecklenburg  schliddern,  in 
Pommern  slidderken  und  gliddem,  glad- 
dem,  glidderken,  gladderken,  in  West- 
falen schlindem,  am  Rhein  Bahn  schla- 
gen. Bahnchen  schlagen^  im  Götting. 
schurren,  in  Posen  schundem  (die  Bahn 
Schunder),  in  Hessen  gldnem,  glängeln^ 
glanzern,  schuhen,  schaweiten,  schabeiten, 
schaweien,  scharweiden,  reideln,  rtten, 
riden.  Vgl.  Dähn.,  430a  und  153. 
Schamb.,  187b.  Bernd,  278.  Vil- 
mar,  128  fiF.  2.  bildlich:  von  einer 
Speise,  die  nicht  recht  munden  will. 
Sie  will  nicht  recht  schorren,  gleiten, 
rutschen  (zum  Magen  hinab).  Bock, 
61.  Hennig,  244.  abschorren,  -scbur- 
ren.  1.  abgleiten;  sterben.  Er  ist  ab- 
geschorrt.  ausscborren,  -scburren,  aus- 
gleiten; zu  schorren  anfangen. 

Scborrmorr,  Scburrmurr,  m.,  altes  aus- 
rangiertes, durcheinander  geworfenes 
Gerät,  in  Kammer  oder  Bodenwinkel 
zurückgestellt    Bock,  62,  u.  Hennig, 


249,  schreiben  Schurre  murre.  Vgl. 
Krftfzel  u.  Scbeffelkopf.  S.  W.  Seidel, 
34.  Schemionek,  36.  Nsslm.,  Th., 
221. 

Scborscbt,  m.,  Schornstein;  Eamin- 
ofen,  in  welchem  gekocht  wird.  Saal- 
feld. Auch  Scborstein,  und  davon  Scbor- 
steinfeger. 

ScbOrteltucb,  n.,  s.  Scberdeltucb. 

ScbVscbe,  /.,  irdene  Milchschüssel. 
Schemionek,  36. 

ScbOse,  /..   gewöhnl.  plur.  ScbOsen, 

Späfze,  alberne  Scherze,  Possen,  das 
franz.  chose.  E  lausige  Keerl,  sone 
Schosen  onNarrenstäg  ze mache!  Dorr, 
1.  Wiew.,  75.  Sond  dat  nich  man  pure 
Schosef  Carm.  nupt.  I,  241.  Dröm  umll 
öck  man  on  MuhVce  voll  mot  enne  davan 
goren  kose,  von  ähren  domme,  dwatsche 
Schose.  Ibid.  V,  216  b.  Was  ist  denn 
das?  y,Korbchen  mit  Rosen."  Das  sind 
nur  Schosen.     Volksr.,  200,  736. 

Scbösel,  m.,  Mensch,  der  Schosen 
macht,  schöselt;  loddriger,  alberner, 
dummer,  halbverrückter  Mensch.  Sper- 
bers Erklärung,  S.  43:  „unanständiger, 
ruppiger  Mensch"  trifft  nicht  zu.  In 
Danzig  Scbüsel;  in  Bayern  die  Scho/zel, 
Gescho/zel  eine  allzu  lebhafte  und  dabei 
gedankenlose  Person  und  scho/zeln  ge- 
dankenlos hin  und  her  rennen,  die 
Schu/zel  eine  übereilt  handelnde  Per- 
son, schufzlig  voreilig.  Schmeller  HI, 
411  f.     Vgl.  Bernd,  279. 

Scböselei,  /.,  dummer,  läppischer, 
närrischer  Streich;  auch  Gescbösel. 

SCböseln,  sw.,  dumme,  alberne,  när- 
rische Streiche,  Schosen ^  machen.  In 
Danzig  scbüseln.  Wat  sull  dat  Renne 
on  dat  Döslef  Man  plegt  je  hier  nich 
so  to  schösle.  Volksl,  29,  19,  2.  From- 
mann VU,  218.  Davon  scböslig,  scbüs- 
lig,  adj.,  albern,  läppisch,  närrisch,  ver- 
wirrt, dumm.    Ist  das  aber  'ne  schosliye 


schosieren  —  Schotte. 


313 


Margeü^  ein  dummes,  verwirrtes  Mäd- 
chen! Was  son  schosdiger  Gelehrter 
nicht  schwaddert.  Die  Such  is  ganz 
andersch.     Schalt].  1,  438. 

schosieren,  «tr.,  mit  Frauen  schon 
thun;  liebeln;  von  dem  franz.  choser. 
Er  ist  ein  gewaltiger  Schofz^  ein  grofzer 
Scho/zbartel  und  Scho/znarr^  der  allent- 
halben schossiret.  Sie  schossiren  nur  mit 
einander.  Stein,  Peregrinus  XIV,  14. 
16.     W.  Mtsbl.  VI,  184  f. 

schöslig,  adj.y  s.  schösen. 

schössen,  9w^  Geld  freiwillig  zusam- 
menschieizen,  zusammenlegen;  von 
Schofz  Geldabgabe,  Steuer.  Wollen  wir 
schössen j  wollen  wir  auf  gemeinschaft- 
liche Kosten  etwas  trinken,  geniefzen? 

schossieren,  «tr.,  s.  schosieren. 

Schofz,  m.,  Menge.  Da  steht  e  Schofz 
Leute.    Saalfeld. 

Schofz,  Schufz,  m,  Neigung,  Liebe. 
Der  Schofz  und  die  unzeitige  Lieb  hat 
ihn  gar  eingenommen.  Er  hat  ein  Schofz 
zu  ihr  und  sie  zu  ihm.  Stein,  Pere- 
grinus XIV,  14.  15.  Sie  sind  in  ein- 
ander verschossen.    Vgl.  schosieren. 

Schofzbalg,  m.,  ßalg,  Hülle  des  Schos- 
ses,   des  Triebes;    beim  Getreide.     S. 

Bremsenicopf. 

Schofzbartel,  m.,  Weiberfreund,  der 
zum  schosieren  neigt;  auch  einfältiger 
Mensch,  der  zu  Possen  geneigt  ist.  In 
Oberhessen  Schasterbartel.  Vi  1  mar, 
374.     S.  Schmeller  UI,  411. 

SchOfzchen,  pltd.  SchOfzl(e(n) ,  plur.^ 
die  Kockschöl'ze,  namentlich  am  Frack. 
Rock  on  kein  Schofzke  dran.  Volksl., 
88.  Nach  Schemionek,  36,  nennt 
man  die  Spediteure,  welche  die  an 
Land  steigenden  Schiffskapitäne  zu  ka- 
pern suchen,  SchVfzIcengreifer. 

Schofzforke,  /.,  s.  Forice. 

Schofzicelle,  /.,  s.  Kelle. 

Schofznarr,  m..  s.  v.  a.  Schofzbartel. 


Schote,  /.,  die  Hülse,  der  Balg,  wo- 
rin die  Erbse  sitzt,  aber  auch  die  Erbse 
selbst.  Schoten  pulen ^  Erbsen  lüften. 
Nach  Klein  U,  140,  heifzen  in  Dan- 
zig  die  frisch  gelüfteten,  grünen  Erb- 
sen SchotenkVmer,  die  getrockneten  aus- 
schliefzlich  Erbsen.  Letzterer  Name 
ist  für  die  getrocknete  Erbse  allgemein. 
Schotengemllse,  n.,  grüne  Erbsen,  oft 
noch  mit  zerschnittenen  Gelbmöhren 
gemischt.    Königsberg. 

SchVtelfahr,  /.,  Scheitelfahr,  Scheide- 
furche, Grenzfurche,  auch  Grenzrain. 
Samland.    Natangen. 

schVteln,  sw.,  s.  schSteln. 

Schotelzaun,  m.,  Scheidezaun,  Grenz- 
zaun.   Hennig,  335. 

Schotengemllse,  -kVmer,  s.  Schote. 

SchVtt,  /.,  Weberschiffchen,  s.  Schutt 

Schotte,  Schottenkrämer,  m.,  Hausie- 
rer, herumziehender  Krämer,  der  mit 
seinen  Waren  namentlich  die  Jahr- 
märkte in  kleinen  Städten  besucht. 
Ebenso  in  Pommern,  in  der  Neumark, 
in  Bayern,  Tyrol.  Lit.  szdtas  Hausie- 
rer, wandernder  Krämer,  russ.  szatäjui, 
szatäfy'a  umherlaufen,  sich  umhertrei- 
ben, szatun  Umherläufer,  Vagabund. 
Bei  Danzig  Dorf  Schottland^  von  dem 
Hennig,  244,  den  Namen  dieser  Hau- 
sierer irrtümlich  ableitet;  wahrschein- 
licher ist's,  dafz  die  dort  ansäfzigen 
Hausierer  {Schotten)  dem  Orte  den 
Namen  gegeben.  Auch  im  Kr.  Königs- 
berg, bei  Neuhausen,  giebt  es  ein 
Etablissement  Schottland^  und  an  der 
Weichsel  im  Kr.  Marienburg,  desgl.  im 
Kr.  Kulm  einen  Schottenkrug.  Dähn., 
412b.  Schmeller  HI,  416.  Nsslm. 
Forsch.  3;  Th.,  167.  Hirsch,  230, 
erwähnt  die  Schotten  neben  den  Nüm- 
bergern  und  Spaniern  als  sogenannte 
Landfahrer  unter  den  mit  Danzig  han- 
deltreibenden   Fremden.     Wir    wollen^ 


314 


Schottenfrau  —  Schräge. 


dojz  die  fremden  Krämer^  desgleichen 
Schotten^  die  alüiie  im  Lande  sa/zhaf- 
tig^  so  sie  in  eine  Stadt  ankommen^  nach 
Gelegenheit  der  fümehmen  Märkte^  voie 
es  in  der  Stadt  gebrauchlichy  ihre  Waa- 
ren  öffentlich  und  ungehindert  feil  haben 
sollen  und  mögen,  mit  diesem  Bescheide, 
da/z  sie  über  solclie  Zeit  au/zerhalb  der 
geordneten  Jahrmärkte,  in  derselhigen 
Stadt  keinen  öffentlichen  Markt  halten 
sollen.  Im  Oberland  aber  und  nach 
der  Masaw  soll  den  Schotten  ihre  Waa- 
ren  allenthalben  feil  zu  haben  unver- 
boten sein,  LandesordnuDg  von  1640. 
Warte,  bis  die  Schotten  kommen,  d.  h. 
bis  es  Gelegenheit  giebt.  Op  em  Sämer 
op  em  Sinndag,  wenn  de  Schotte  käme, 
Samland.  Sprw.  I,  3532.  Morgen  kom- 
men die  Schotten,  als  Trost,  aber  auch 
als  Aufmunterung,  das  Heute  zu  ge- 
niefzen. 

Schottenfrau,  /.,  Frau  eines  Schotten, 
doch  auch  jede  Hausiererin. 

Schottenhandel,  m,,  Handel^  den  die 
Schotten  treiben,  über  den  in  früherer 
Zeit,  namentlich  von  den  Eaufleuten 
Danzigs,  grol'ze  Klage  gefuhrt  wurde. 
Hennig,  244. 

Scbottenhändler,  m.,  s.  v.  a.  Schotte. 

Schottenkram,  m.,  Eram  eines  Schot- 
ten, 

Schottenkrämer,  m.y  s.  Schotte. 

Schotter,  m.,  s.  SkotL 

Schottk,  Pflzn.,  Silbergras,  Weingärt- 
neria  canescens  Bemh,  Treichel, 
Volksth. 

SchOw,SchOf,/'.  u.n.  I.Schar, Schwärm, 
Haufe.  E  Schow  wilde  Gäns\  Am 
End  kämm  he  an  eenen  See^  of  dem 
eene  grojze  Schoow  schlohweifze  Schwan' 
herommerschwomm,  Schaltj.  1,  439.  E 
Schow  MargeUens.  Schemionek,  50. 
Na,  wraftig,  en  godet  Schwof, . .,  §k  lad 
juaüerpi.  Dorr,  1.  Wiew.,  63.   Bock, 


61.  Hennig,  245.  2.  Schaub,  Bund 
des  besten  Strohes,  das  zum  Dach- 
decken benutzt  wird.  Aus  schob,  dem 
Prät.  von  schieben,  also  s.  v.  a.  (Zu- 
sammen-)GreschobeDes.  Hennig, a.a.O. 
Weigand  H,  554. 

schOwweise,  schobenweise,  adv,,  scha- 
renweise, in  Haufen.  Don  ginge  schow- 
wis  Gast  na^r  Staaw  on  Taafel  hen. 
Catm.  nupt.  I,  282,  13.  Da  waren  veele 
hundert  Menschen  gebeten;  se  kämmen 
ömmer  schobenweis\     Schaltj.  3,  9. 

schrackeln,  sw.,  s.  schraggeln. 
schräd,  schräds,  schräts,  schrdts,  adj. 

u.  adv,,  schräg,  schräg  gegenüber,  in 
diagonaler  Richtung.  En  schrdder  Weg. 
Schrdds  äwer,  Mühling  hat  in  glei- 
cher Bedeutung  noch  schräm,  schrem. 
Wenn  aber  das  Eysen  schrats  oder  queer 
glOende  ins  Wasser  geschossen  wird  etc, 
Linem.,  Oo  3a.  Wer  eine  hochrotlie 
Farbe  gerade  ansiehet,  wird  befinden, 
wenn  er  sie  bey  gleicher  Erleuchtung  des 
Budes  schrats  oder  Schräge  anschawet, 
dafz  sie  braunlicht  fallen  wird.  Ibid., 
Oo4b.  In  Bajern  scfträm,  sehr  em,  adj, 
schräge,  schief,  nds.  schrem,  S  c  h  m  e  1  - 
1er  m,  510.  Brem.  Wb.  IV,  695.  ab- 
SChrädsen,  sw,,  abschrägen,  schräg,  in 
halbem  rechten  Winkel  abschneiden, 
abhobeln.  Hennig,  245.  Nsslm. 
Forsch.  3;  Th.,  221. 

Schrädsel,  n.,  s.  SchrOdsel. 

Schradsweg,  m.,  Nebenweg,  der  quer 
über  Felder  und  Wiesen  geht.  Hen- 
nig, 245. 

schrädwärts,  schrädswärts,  adv ,  schräg 
gegenüber.     Mühling. 

Schräge,/.,  Schrägen,  m,   1.  hölzernes 

Gestell  mit  drei  oder  vier  Füizen,  worauf 
Waschgefäfze,  Backtröge  etc.  gesetzt 
werden;  das  Stangengestell  über  Öfen, 
auf  welchem  nasse  Wäsche  oder  nasses 
Holz  getrocknet  wird.    2.  der  Schrägen 


Schraggel  —  Schraper. 


315 


die  Bank.  Einen  am  (auf  dem)  Schra-- 
gen,  den  andei^n  am  Kragen^  sagt  die 
Witwe.  Sprw.l,  3393.  Henoig,  245. 
Fleücfischragen  Fleischbank ,  Fleisch- 
bade. 

Schraggel,  m.^  Dem.  Schraggelchen, 
pitd.  Schraggelkey  Schritt.  Fahr  Schräg- 
gelke,  fahre  in  langsamem  Schritt. 

ScbraggeKufz,  pltd.  -fOt,  m.,  gemütlicher 
Spottname,  vorzugsweise  für  einen  alten 
Mann  oder  ein  kleines  Eind.  Du  Schräg- 
gel'Foot  wötst  vehl^  wat  eck  my  hebb  er- 
kohre.     Carm.  nupt  V,  190  c. 

scbraggeln,  schrackeln,  sw,  1.  mit  ge- 
spreizten Beinen  unsicher  gehen,  schlep- 
pend, schwankend  gehen,  mit  der  Nei- 
gung, die  Arme  and  Hände  zur  Hilfe 
zu  nehmen.  Kleine  Kinder^  alte  Leute 
schraggeln.  Etwas  beschraggeln  und 
bekraggebij  auch  begraggeln^  es  mit  allen 
Vieren  (von  Kragge  Pferd?)  anter  sich 
kriegen  und  an  den  Erdboden  drücken. 
Oberland.  In  Bayern  schrackeln^  schrä- 
gein, srhregeln.  Schmeller  lU,  509. 
In  Hessen  schrdgeln,  Vilmar,  367. 
Vi  1  mar  hält  schraggeln  für  eine  Ver- 
balbildang  von  schräg  =  schrdgeln  schräg 
gehen.  Bock,  61.  Hennig,  245.  2. 
langsam  und  ungeschickt  tanzen.  Eck 
sung  on  schrackeld  doch,  Carm,  nupt  I, 
282,  16.  3.  beim  Nähen  weite  und  an- 
gleiche Stiche  machen. 

Schraiiser,  Scbraiter,  m.,  Abart  des 
Kaulbarsch.    Bock,  Nat  IV,  576. 

schräm,  ad^.,  s.  schräd. 

schrämen,  schrämen,  »w.^  schrägen^ 
schräge  machen,  hauen,  schneiden. 
Mühling.  Ebenso  in  Bayern  und  im 
Nds.;  in  Bayern  noch  8cÄra?w^n.  Schmel- 
ler III,  510. 

Schranel,  /.,  Dem.  Schranelchen.  Altes 
Schranelchen^  kleine  alte^  zusammen- 
geschrumpfte Frau  mit  trippelndem 
Gange.     Gordack. 


Schranitz,  Pflzn.,  s.  Studentennelke. 

schränken,  schrenken,  sw,^  kreuzen, 
kreuzweise  über  einander  legen.  Die 
Beine  schrenken.  Bei  Jeroschin:  des 
heilegin  crüzis  zeichin  {st)  mit  andacht 
vor  sich  schrenktin  152a.  Pfeiffer, 
216.  Ahd.  screnchan^  mhd.  schrenken. 
Die  Säge  schränken^  die  Zähne  einer 
Säge  kreuzweise  richten.  Das  dazu 
gebrauchte  Instrument  von  Eisen  heifzt 
Schränkeisen. 

Schräpe,  /.,  Werkzeug  zum  Schaben 
und  Eratzen,  namentlich  Pferdestriegel; 
mhd.  schröpfe,  poln.  szropa.  Wir  wün- 
schen dem  Jungen  eine  Schrape  in  die 
Hand^  dafz  er  kann  schrapen  den  Schim- 
mel blank.  Samland.  Hennig,  245. 
Muhling  hat  noch  die  Bedeutung: 
schlechtes  Saiteninstrument. 

schrapen,  sto.  1.  mit  festem  Drucke 
kratzen,  schaben,  abschaben^  abkratzen, 
Gefaize  durch  Eratzen  rein  ausscheuem, 
putzen.  Kartoffeln  schrapen^  von  rohen 
Eartoffeln  die  Schale  abkratzen.  Poln. 
skroba(fy  pr.-poln.  szropowac  konie.  In 
gleichem  Sinne:  ab-,  aus-,  ein-,  nach-, 
zusammenschrftpen.     Ejt  hat   Geld  in 

Menge  eingeschrapt.  Er  hat  sich  ein 
hübsches  Vermögen  zusammengeschräpt 
2.  bildlich:  einem  durch  List  und 
Betrug  Schaden  zufügen.  Den  hat  er 
gut  geschrapt.  Hier  giebfs  nichts  zu 
schrapen.  3.  schlecht  geigen.  Hen- 
nig, 245. 

Schraper,  m.,  einer  der  schrdpt:  un- 
geschickter Barbier,  schlechter  Geiger. 
Schraper^  Stümper  und  Vaganten  tau- 
gen nicht  zur  Liebesmusik.  Carm.  nupt. 
I,  112.    Bock,  61.    Hennig,  245. 

Schräpsel,  n.  1.  das  als  Kest  Zu- 
sammengeschrapte:  daher  Überrest  über- 
haupt. Abschrftpsel,  n.,  Ausschrapsel, 
das  Abgekratzte,  Ausgeschabte;  bild- 
lich:   das   Er  vorteilte.    Im    Oberlande 


316 


Scbräpsel  —  Schriofen. 


nennt  man  auch  das  letzte  Kind  Aus- 
schrapsely  namentlich  wenn  es  schwäch- 
lich und  unansehnlich  ist.  Vgl.  Nach- 
scbrap.  2.  Ein  Schrdpsel  Kartoffeln^ 
eine  Quantität  Kartoffeln,  welche  mit 
einemmale  geschrapt  und  gekocht  wird; 
s.  V.  a.  Kochsei  (s.  d.). 

schräts,  adv,,  s.  schrftd. 

Schraube,  /.,  aUe^  zur  Bezeichnung 
einer  alten  Jungfer,  eines  alten  Weibes. 

schrecklich,  adf,  u.  adv.,  zur  Bezeich- 
nung eines  Steigerungsgrades.  Das  ist 
ein  schreckliches  Geld!  Er  ist  schreck- 
lich reich.    Er  schreit  schrecklich. 

Schreckpulver,  n.,  Medik.^  Pulv.  tem- 
perans. 

Schreckwasser,  n.,  Medik.,  Aqtuz  aro- 
mat, 

schrägen,  schrSgen,  sw.^  sengen,  dör- 
ren, durch  Hitze  zusammentrocknen. 
Hennig,  246,  schreibt  schrOjen.  Er 
hat  sich  die  Hand^  den  Finger  geschregt^ 
die  Haut  versengt;  daher  gewöhnlicher 
verschregt  Davon  SChr6g,  adj.^  ver- 
trocknet, ausgedörrt,  so  daTz  die  Ober- 
fläche Runzeln  hat.  In  Bremen  und 
Pomm.  schroien,  im  Osnabrück,  schrög- 
gen^  in  Hessen  schröggen,  verschröggen^ 
holl.  schroeyen^  engl,  sear^  scorch.  Brem. 
Wb.IV,  698.  D ahn.,  415a.  Vilmar, 
370. 

schreiben,  pltd.  schrtwe(n),  st  Er 
schreibt  sich  Neumann  =  er  heil'zt  N. 

schreien,  pltd.  schrle(n),  st^  laut  wei- 
nen. Nu  schreit  die  Margell  schon  wie- 
der.   Tgl.  brüllen j  greinen. 

Schreier,  pltd.  Schrler,  m.,  Choralist 
im  Dome  zu  Frauenburg.  Handwerker, 
welche  im  Dome  den  lateinischen  Cho- 
ralgesang zu  absolvieren  haben  und  dies 
gewöhnlich  in  lauter  und  roher  Weise 
thun,  werden  vom  Volke  die  Schreier 
genannt.    Sprw.  I,  3403. 

Schrein, 9n.,  Dem.  Schreinchen^  Schach- 


tel. Bock,  61.  Hennig,  246.  In 
dieser  Bedeutung  von  mir  nie  gehört 

schrell,  adf;.,  scharf  von  Geschmack. 
Wein,  Bier  und  Obst  sind  schrell,  wenn 
sie  die  Zunge  scharf  angreifen.  Hen- 
nig, 246. 

schrfim,  adj.,  s.  schräd. 

schrfimen,  sw.,  s.  schrämen. 

schrenken,  sw.,  s.  schränken. 

Schrewein,  m.,  bei  Stein,  Peregrinus 
III,  3,  unter  den  Namen  für  Seeleute. 

Vgl.  Pedker. 

Schriebt,  n.,  s.  GeschrichL 

Schricke,  /.,  Pfahl  von  12  bis  16  Fufz 
Länge,  zunächst  ein  solcher,  welcher 
auf  den  Holztraft^n  mitgefuhrt  wird, 
um  diese  beim  Anhalten  daran  zu  be- 
festigen. Die  Schricken  werden  zu  dem 
Zwecke  in  das  Ufer  eingeschlagen.  Mhd. 
schricken  springen,  ist  noch  heute  See- 
mannsausdruck. YgL  Breusing,  17. 
Die  Schricken  machen  wohl,  wenn  sie 
durch  Hiebe  losgeschlagen  werden,  einen 
Sprung. 

Schrickzaun,  m.^  Zaun  aus  Schricken, 
Palissadenzaun.     M  ü  h  1  i  n  g. 

Schrlkachel,  /.,  Kachel  mit  unglasier- 
ter Aulzenfläche.     Muhling. 

Schrile,  /.,  Fisehemetz,  dessen  Be- 
nutzung in  der  Fischerordnung  von 
1589  verboten  war.     Vgl.  Aalwäde. 

schringen,  sw.,  schmerzhaft  brennen; 
von  heilenden  Wunden,  zersprungener 
heilender  Haut.  Es  schringt  man  noch 
so,  es  schmerzt  nur  noch  ein  wenig, 
wenn  man  sich  leicht  verbrannt  hat 
und  der  Schmerz  fast  verschwunden 
ist.  Oberland.  Wohl  aus  schrinden 
aufspringen,  berstend  Bisse  bekommen. 
Vgl.  Brem.  Wb.  IV,  697.  Schmel- 
1er  HI,  517.  Vilmar,  370.  Anton, 
12,  22. 

Schrtofen,  m.,  Ofen  aus  Schrikacheln, 
unglasierter  Ofen.     Muhling. 


Schrittschuh  —  8chr6den. 


317 


Schrittschuh,  pltd.SchröttschaUyimWer- 
der  ScbritscbO,  m.^  der  richtige  Name 
für  deD  jetzt  allgemein  gewordenen 
Schlittschuh.     Hennig,  246. 

Schrobbel,  m,  u.  /.  1.  Wollkratze, 
Kardätsche.  2.  nach  Mühling  die 
Lage  Wolle  oder  Hede,  welche  mit 
einemmale  geschrobbelt  wird. 

schrobbeln,  vhchd.  scbrubbeln,  sw.^ 
mit   einer   Schrobbel   Wolle    kämmein. 

Ygl.  kämmein. 

schrubben,  vhchd.  schrubben,  in  Dan- 
zig  Schrubbern,  »w.^  mit  einem  Schrob- 
her  den  Ful'zboden  scheuem.  Das 
Wort  ahmt  den  eigentumlichen  Ton 
nach,  den  das  Scheuem  mit  steifer 
Bürste  hervorbringt.  Reiben  ist  als 
ursprüngliche  Wurzel  anzusehen.  Den 
Mägden  kommet  zu  das  Stuhcken^  Schrob- 
ben^  Bohnen,  Carm.  nupt.  H,  266c. 
De  Keke  schtrt  dem  Kätel  blank  On 
schrobbt  det  ganze  Hüs  entlang.  Volksr., 
225,  796.  In  Hessen  schruppen^  schrob- 
ben^  schruvnoen.  Vilmar,  371.  Engl. 
scrub^  schruby  hoU.  schrobben^  schwed. 
skmhbay  irländ.  scriobam,  Brem.  Wb. 
IV,  698.  Adelung  in,  1667.  Hen- 
nig, 246.    Danneil,  187b. 

Schrubber,  vhchd. Schrubber,  im  Volks- 
munde (Königsbergs)  allgemein  Schrob- 
bert,  m.,  und  so  auch  bei  Hennig, 
246,  Scheuerbürste,  Scheuerbesen.  Der 
richtige  Schrobbert  ist  an  langem  Stiele 
befestigt. 

Schrobbhubel,  /.,  Hobel,  womit  das 
Holz  aus  dem  Groben  behobelt  wird. 
Hennig,  246.  Von  schroden  und  da- 
her richtiger  Schrodhobel  Schrothobel. 

Schrobbkodder,  n.  Eodder,  Lappen, 
zum  Scheuem,  Scheuertuch.  In  Dan- 
zig  Feideltuch  (s.  d.) 

Schrobrett,  n.,  „auf  die  Strafze  hin- 
ausgeschobener unbedeckter  Sommer- 
aufenthalt vor  dem   Wohnhause,   mei- 


stens von  Bäumen  überschattet  und 
durch  ein  Geländer  eingefafzt).  Die 
Schrobretter  sind  der  Stadt  Marienburg 
eigentümlich  (ich  habe  sie  auch  in 
ermländischen  Städten  gefunden,  nur 
ist  hier  für  diese  Einfriedigungen  der 
Name  nicht  üblich)  und  sind  von 
Fremden  Erbbegräbnissen  verglichen; 
Einheimische  nennen  sie  auch  Klatsch- 
kasten  (weil  man  in  ihrem  kastenartigen 
Raum  zum  Plaudern  —  vgl.  klatschen  — 
sich  zusammenfindet).  Vielleicht  kommt 
der  Name  von  Schaubrett  her."  Ostpr, 
Ztg.  vom  16.  April  1872.  Nr.  88.  Bei- 
lage. Die  aus  dem  Margenschlummer 
gestörten  Bürger^  welche  zuerst  neugie- 
rig  die  K&pfe  zu  den  kleinen  Fenstern 
der  Hängeboden  und  Laubenstuben  her- 
ausgestreckt  hatten,  erschienen  im  Fest- 
anzuge in  den  Schrobrettem  und  auf 
der  Strafze  (bei  der  Occupation  Westr 
preufzens,  in  Marienburg).     Ibid. 

SchrOde,  Schrote,  /.,  Schnitt  oder 
Stück  Fleisch,  wie  es  die  Fleischer 
zum  Verkauf  schon  zugeschnitten  ha- 
ben. Danzig.  Klein  H,  143.  In 
früherer  Zeit  mufzte  eine  Schrote  Fleisch 
ein  Pfund  vriegen.  Well  man  en  Schrot- 
ken hdlen  —  de  Flescher  schnitt  so 
locker  op.  Volkslied.  N.  Pr.  Prov.-Bl.  a. 
F.  XI,  159.  In  Bayem  der  Schrot. 
Schmeller  HI.  520. 

scbrdden,  schroten,  sw.  1.  schroten, 
schneiden,  in  Stücke  teilen.  Ebenso 
in  Pommern,  Bayern.  Dähn.,  415a. 
Schmeller  III,  520.  Bei  Jeroschin 
verschroten  in  Stücke  hauen:  ik  wil 
üwir  Ubin  dne  vrist  voi*schr6tin.  der 
rittir  was  in  nStin  70  d.  mit  tode  — 
man  daz  lebin  im  vorschrtt  112  c. 
Pfeiffer,  259.  2.  stark  essen.  Der 
kann  gut  schroden  —  schroten.  3. 
wälzen,  schieben,  rollen.  Davon  der 
Schröder  y    Bierschröder  y    Weinschrödery 


318 


Schrodsel  —  Bcbrumpeln. 


weil  er  die  Fässer  in  die  Keller  und 
aus  denselben  schrotet.  Vgl.  Ade- 
lung III,  1665.  Weigand  II,  643. 
Hennig,  246.  335. 

Scbrddsel,  Schrädsel,  n.,  geschrotetes 
Getreide  für  das  Vieh.  Hennig, 
246. 

schrOgen,  sw.,  s.  schrSgen. 

Scbrolle,  Schrulle,  /.,  wunderlicher 
Einfall,  verkehrte  Ansicht,  manische 
oder  böse  Laune,  Grille,  fixe  Idee,  An- 
fall von  Verrücktheit  Er  hat  Schrol- 
len  im  Kopfy  er  hat  wunderliche  Ein- 
falle, die  er  eigensinnig  festhalt  Er 
kriegt  imeder  seine  SchroUen^  er  wird 
närrisch,  wunderlich.  Wenn  de  öle 
SchroUe  käme^  denn  ös  alle  Freud  be- 
näme.  Samland.  JSt  mucht  sone  Schrol- 
len  nich  em  Kopp  hebben.  Dorr,  1. 
Wiew.,  74.  Hennig,  246.  Nach 
Treichel  ist  Schrulle  auch  ein  altes 
und  wohl  auch  meist  wunderliches  Mäd- 
chen.   Vgl.  Flage. 

Schrompel,  m.^  s.  Scbrumpel. 

schrompen,  schrompeln,  sw.,  s.  schrum- 
pen. 

Schrote,  /.,  schroten,  su).,  s.  SchrO- 
de  etc. 

Schröter,  m.y  Schneider.  Danzig. 
14.  Jahrh.     Hirsch,  326. 

Schröter,  m.,  s.  schrOden. 

SchrOts,  adj.  und  adv.^  s.  schräd. 

Schrotschwein,  n.,  einjähriges  Schwein, 
das  beim  Schlachten  schon  geschrotet^ 
in  Schrote  zerstücket  wird.    Vgl.  Brllh- 

fing. 

Schrotte,  /.,  Spitze,  „oder  was  aus- 
geschnitten isf.  Weil  auch  in  weni- 
gen Jahren  die  grofzen  Gekröse  sehr 
eingerissen,  so  soll  allen  Dienstmägden 
die  grofzen  Gekröse  von  Schrotten  gänz- 
lich verboten  seyn,  Landordnung  von 
1640.  Von  schroden  schroten,  schnei- 
den.    Hennig,  246. 


Schrotwurm,  m.,  Wurm,  der  die  (Wur- 
zeln) abschrotet,  abnagt,  Maulwurfs- 
grille, Gryllus  Chyllotalpa.  Sie  heifzt 
auch  Erdkrebs^  Rttwurm,  Werre,  Twerre, 
Warre^  Werl,  Worbel.  Vgl.  Bock, 
Nat  V,  64. 

schrubbein,  sw.,  s.  schrobbeln. 

schrubben,  sw.y  Schrubber,  m.,  s.  schrob- 
ben  etc. 

Scbruckigwerden,  n.,  s.  Dreb. 

schrucksen,  sw,  1.  gewinnen,  im 
Kinderspiel.  Der  schruckst  seine  Boh- 
nen, seine  Knöpfe  etc.  zurOck,  2.  einen 
tüchtigen  Schritt  gehen,  schnell  gehen. 
Der  schruckst  seinen  Stiefel  ^runter. 
Übertragen:  sich  fördern,  vorwärts 
bringen.     Nordenburg. 

Schruddel,  /.,  dickes  Reggenmus,  Klun- 
kermus, mit  Milch  oder  auch  mit  Speck 
abgemacht.     Nordenburg. 

Schrugge,  /.,  Pferd.  Gr.  Werder. 
Se  geewen  de  Schruggen  de  Sparen,  on 
weg  weeren  se.    Dorr,  1.  Wiew.,  110. 

Schrulle,/.,  s.  Scbrolle. 

Scbrumpel,  plld.,  aber  auch  von  Hoch- 
deutschen gebraucht,  Schrompel,  /.  1. 
Runzel,  Falte,  namentlich  Falte  im 
Gesicht.  Alte  Leute  haben  Sckrompeln 
im  Gesicht  Welke^  Kartoffeln  haben 
Schrompeln.  Ebenso  in  Posen  und  in 
Hessen.  Bernd,  276.  Vilmar,  370. 
Hennig,  247.  2.  alter,  zusammenge- 
schrumpfter Mensch.  Er  ist  ein  alter 
Schrompel. 

schrumpelig,  pltd.   schrompelig,   adj., 

runzelig,  faltig,  zusammengeschrumpft. 
£}in  schrumpeliges  Gesicht.  Ein  schrum- 
peliger Apfel. 

schrumpeln,  sw.,  s.  schrumpen. 
schrumpen,  schrumpeln,  pltd.  schrompen, 

schrompeln,  »w.  1.  schrumpfen,  ein- 
schrumpfen, zusammenschrumpfen;  in 
letzterer    Bedeutung    gewöhnlich    ver- 

schrumpeln,  verschrompeln.   En  ohl  ver- 


Schrutz  —  schüchtern. 


319 


schrompeU  Wiew.  Cann.  ntip^.  VI,  242b. 
. .  bit  §k  so  fhopgesehrumpelt  weer^  vne 
'ne  gedreegde  Ber.  Dorr,  1.  Wiew., 
]11.  In  Bremen  und  Pommern  auch 
schrumpen^  dän.  skrumpe.  Vgl.  krum- 
pen.  2.  schrumpeln  auch  schlecht  ge- 
hen, schwach  auf  den  Füi'zen  sein. 
Alte  Leute  und  Kinder  schrumpeln.  In 
Bremen  schrumfumfeln.  Brem.  Wb. 
IV,  700. 

Schnitz,  /.,  alte  Stute.  Friedland 
Ostpr. 

8ChO,  adj,  scheu.  Ein  schüer  Mönsch^ 
ein  blöder,  schüchterner  Mensch.  On 
schu  dat  Wild  vom  Brak  opflicht. 
Dorr,  34. 

ScbQ,  SchOschO,  SchQdel,  SchQter, 
ScbQtsch,  SchOtscheck,  m.,  Schmeichel- 
name und  Lockruf  für  den  Hund.  Der 
Anlaut  klingt  auch  Tsch.  Dem.  SchU 
cfiej  Schuke  etc.  Lewer  ös  vor'n  Wewer, 
Huz  ÖS  vor'n  Schütsch.  Sprw.  I,  2370. 
Lit.  szu  Hund.     Vgl.  sehe. 

SchUbbchen,  n.  Een  Schübbctien 
ziehen^  s.  v.  a.  eine  himpe  (s.  d.) 
ziehen, 

Scbubbe,  /.,  Schuppe.  Hennig, 
247. 

scbubben,  siw,^  s.  scbobben. 

scbubberig,   adj,     1.   frostig,    kühl; 

vom  Wetter.  Es  ist  ein  schtibbriges 
Wetter,  2,  fröstelnd,  jämmerlich,  er- 
bärmlich, elend;  vom  Menschen.  Mir 
ist  ganz  schubberig^  ich  fröstle.  Mir 
ist  ganz  schubberig  zu  Mute^  ich  fühle 
mich  sehr  unwohl,  fiebere.  Vgl.  bllb- 
berig  u.  scbibberig. 

Schubbjack,  m,,  s.  Schobbjack. 

Scbubit,  m.y  s.  Schuwut 

SchubrQn,  n.,  s.  SchQprfne. 

Schubs,  Schups,  m.  1.  Schopf^  poln. 
czub^  Haarbüschel  auf  der  Stirn,  Feder- 
busch auf  dem  Kopfe,  Haube,  daher 
Schubslerche ,    Haubenlerche,    Alauda 


cristata.  Vgl.  Bock,  Nat.  IV,  408. 
S.  Schuprtne.  Schemionek,  37: 
Schups  AbguCz    an  Topf   oder  Kanne. 

2.  schiebender  Stofz.  Einem  einen 
Schubs  geben   —    auch   Schups   gd>en, 

3.  Nach  Mühling  auch  kurze  Strecke, 
Ende  Weges,  kleines  Stück  von  einer 
Sache. 

Scbubsch,  9n.,  Dem.  S^huhschchen^ 
Schluck.  Lafz  ihn  ein  Schubschchen 
trinken,  Friedland  Ostpr.  Aus  Schub 
von  schieben, 

schubsen,  schupsen,  sw.^  mit  Schub 

fortstofzen.  Sie  schupsen  ihn  umher^ 
wie  einen  schlimmen  Schilling,  In  die- 
sem Sinne  auch  blofz  schuppen,  ab- 
scbupsen.  1.  abstofzen.  Er  schupst  ihn 
von  Sich  ab^  stöfzt  ihn  zurück.  2,  ab- 
gehen, abziehen.  Er  hat  abschupsen 
müssen  y  er  hat  un verrichteter  Sache 
abschieben,  abziehen  müssen.  3.  steh- 
len; in  dieser  Bedeutung  doch  mehr 
beschupsen.  Sie  haben  ihn  gut  be- 
schupst, 

Schubslerche,  /.,  s.  Schubs. 

Schubut,  m,y  s,  Schuwut 

schuch,  interj,y  Scheuchruf  zum  Schaf. 
Samland. 

Schuch,  /.,  der  Fichtenzapfen.  Saal- 
feld. 

Schuchchen,  n.  1.  wolliges  Blüten- 
kätzchen, Blütenschäfchen  mancher 
Bäume,  z.  B.  der  Weiden.  2.  Schmei- 
chelwort für  ein  Schäfchen.     Dönh. 

schUcbem,  sw,y  s.  scbichem. 

ScbUch'rer,  m.,  s.  Schich'rer. 

SChuchrig,  ad;.,  scheu,  ängstlich,  ver- 
schüchtert. 

Schucbter,  m.  1.  Regenschauer,  kur- 
zer Regen.  Das  war  nur  ein  Schuchter, 
Mühling.     2.  grobes  Brot.     Saalfeld. 

schuchterig,  od;.,  s.  schüchtern. 

schüchtern,  adj.  u.  adv.  1.  schüch- 
tern,   scheu^    blöde.      Das    Pferd    ist 


320 


schüchtern  —  schden. 


schttchtem.  2.  flatterhaft,  flachtig,  un- 
stät,  wild,  wie  gescheucht  hin  und  her, 
von  einem  Ort  zum  andern  fahren.  In 
diesem  Sinne  Bock,  61,  und  Hen- 
nig, 247,  auch  schucbtrig.  Vgl.  schuch- 
rig. 

schüchtern,  sw.,  s.  Schiebern. 

Schuck,  97}.,  Dem.  Schuckchen^  Kuf- 
und  Lockname  für  den  Hund.  Yon 
dem  poln.  suka  Hundin? 

Scbucke,  /.,  Schucken,  plur.  1.  Ear- 
toffehi.  Ermland.  In  der  Gegend  von 
Tolkemit  schon  Schocke  (bei  Frauen- 
burg noch  Schucken);  ebenso  bei  El- 
bing.  Auf  der  kur.  Nhg.  Schocke, 
Erdschocke.  De  dömimt  Lau  hae  de 
schönste  Schocke^  die  dümmsten  Leute 
haben  (bauen)  die  schönsten  Kartoffeln. 
Ermland.  K(ynmC  Schocke  peUet^oWsT,^ 
73,  276.  Mtn  Mutter  gaff  mt  Schocke 
on  let  de  dödge  Sü  räwer  renne^  sie 
gab  mir  Kartoffeln  mit  Spirkeln,  ge- 
bratenem Speck.  Einlage  bei  Elbing. 
Vgl.  Bullen  u.  Tucblen.  2.  nach  Sper- 
ber, 41,  Schucken  auch  die  Kätzchen 
der  Erlen  und  Weiden.  Vgl.  Schuchchen. 

Schuckel,  Scbockel,  /.,  Schaukel. 

Schuckel,  ^chuggel,  m.,  Dem.  Schuckel- 
chen^  'ke,  Schuggelche,  kurzer,  leichter, 
schaukelnder  Trab;    daher  auch  Schu- 

ckeltrab,    -draf,    ^cbuggeldrab.     Fahr 

Schuckelke.     Die  Königsberger  Drosch- 
ken fahren  meistens  im  Schuggel. 
scbuckelig,   adj,y   schaukelig,   wacke- 

lig. 

scbuckeln,scbockeln,9tr.  1.  schaukeln, 
wackeln.  2.  in  kurzem  leichten  und 
schaukelnden  Trabe  reiten,  fahren.  In 
letzterem  Sinne  auch  §cbuggeln.  Lafz 
die  Pferde  man  blofz  (nur)  ichuggeln. 
hat  (die  Pferde)  sachike»  ichuggle^  fahre 
in  langsamem  Trabe.  Der  Kerl  (Po- 
stillion) ist  hier  heut  ohne  Gesang^  ohne 
Klang   durchgezuckelt      Soph.    R.   HI, 


43.  Übertragen  auf  den  Menschen: 
wackelnd  laufen,  eilig  gehen,  nachlau- 
fen, folgen.  Sie  kommt  angeschuckeU. 
Der  Magister  zuckelte  Tag  und  Nacht 
umher.  Soph.  R.  V,  586.  Lieschen 
zuckelt  aUenthalben  hinterdrein.  Ibid. 
VI,  230.  Vgl.  die  Bemerkung  über 
8ch  und  z  unter  ichabbem, 

^cbud,  Schutt,  auch  Szud,  /*.,  Dem. 
Schudcfien,  1.  w.  Vorname,  Elisa- 
beth, s.  Eis.  2.  ein&ltiges,  dummes 
Frauenzimmer.  (Schemionek,  37); 
überhaupt  Mensch  ohne  Witz,  Einfalts- 
pinsel. Na  so^ne  dämliche  Schutt 
Geh,  geh^  du  dumme  Schutt,  Volksr., 
227,  798. 

scbudder,  Zuruf  an  Zugtiere,  s.  scbwod- 
der. 

Scbuddergaffel,  /.,  s.  ScbUttergaffel. 

ScbUdderkopf,  m.  1.  alter  Mann, 
dem  vor  Schwäche  der  Kopf  wackelt. 
2.  Name  eines  Gefängnisses  in  Danzig. 
Wann  Ihr  Mann  jemals  vdeder  klagte 
so  lafz  ich  ihn  in  den  Schüdderkopp 
setzen.  Soph.  R.  III,  125.  Hennig, 
247. 

schuddern,  schliddern,  pltd.  scbVddem, 

sw?.,  schütteln,  schüttern, beben,  erzittern, 
erschüttern;  umschütteln,  aufschütteln. 
Mit  dem  Kopf  schuddern.  Er  schlägt 
die  Thür  zu^  da/z  das  ganze  Haus 
schuddert  Schodder  nich  mot  dem 
Dosch!  Er  schuddert  vor  Kälte.  Das 
Stroh  aufschüddem^  nach  dem  Dreschen 
es  mit  einer  Schuddergabel  schütteln, 
damit  die  ausgedroschenen  Körner  auf 
die  Tenne  fallen. 

ScbOdel,  771.,  s.  ScbQ. 

scbQen,  schUen,  scbUwen,  sw.^  scheuen, 

füi'chten,  Bangen  oder  Ekel  haben. 
Sock  voi^m  Dod  schuen.  Dorr,  54. 
Ee  schOet  sock  s6^  wt  de  Pracher  ver'm 
Ächtehalwer.  In  der  Gegend  von 
Insterburg    in    gleichem    Sinne     auch 


schüerig  —  Schulz. 


321 


SChUchem.  He  schüchert  9ick  wt  de 
Pracher  ver  e  Lus.  Hennig,  250, 
hat  SChQven,  das  sich  bei  Jeroschin 
ebenfalls  findet:  daz  werdin  lichte 
schütcin  an  üch  di  ungetrutmn^  und 
also  dt  erge  lan  135c.  Pfeiffer, 
218. 

schlierig,  SchUwerig,  adj ,  scheu,  furcht- 
sam, ekel.  &ie  ist  sehr  schüwrig  — 
thut  sehr  schüiorig^  sehr  wählerisch,  es 
steht  ihr  nicht  leicht  etwas  an.  Hen- 
nig, 250. 

Schliffe,  /.,  s.  SchOpe. 
SchUffel,  /.,  8.  Schiffel. 
schuffeln,  schUffeln,  sw.,  s.  schiffein. 
SchOflad,  /.,  s.  Schublade. 

schuften,  sw,^  mit  Anstrengung  ar- 
beiten. 

Schufut,  m.,  s.  Schuwut 

Schuggel,  Schuggeldrab,  m.,  s.  Schuckel. 

Schuhsenkel,  m.  u.  n.,  s.  Senkel. 

Schuhwisch,  m.,  Lappen,  Strohwisch 
zum  Reinigen  der  Schuhe.  Eir  behan- 
delt die  Leute  wie  Schuhunsche^  sehr  ge- 
ringschätzig. 

Schuiling,  /.,  Schutz.  Bier  gah  §k 
(Falstaff  umarmt  Frau  Forth)  uinger 
Schuiling^  hier  schütze  ich  mich.  Dorr, 
L  Wiew.,  119. 

SchQl,  Dem.  Schulkey  w.  Vorname, 
Ursula.  Ermland.  Werder.  Hart- 
wich, 55.     Vgl.  schlauben, 

Schulchenläufer,  m.,  Schüler,  der  die 
Schule  schwänzt,  Schwänzer  überhaupt. 
Vgl.  schulen. 

Schule,  plur.^  Schwämme,  aphtae^ 
Bräune.     Soph.  R.  IV,  335. 

schulen,  sw.^  lauem,  lauschen,  von 
der  Seite,  milztrauisch  oder  verstohlen 
nach  etwas  spähen  oder  horchen,  schie- 
lend sehen.  Nhd.  schulen  verborgen 
sein,  lauem,  holl.  schuilen^  6ngL  sctUk^ 
schwed.  skiolka,  dän.  skulke.  Im  Altr 
friesischen  ist  schiale^  scule^  schule  ein 

Friicbbier,  Wörterbuch  If. 


Obdach,  eine  Hütte.  Schulen  laufen^ 
in  ein  Versteck  laufen,  sich  verber- 
gen, schwänzen  und  zwar  zunächst  die 
Schule.  Die  Redensart  ist  also  ur- 
sprünglich nicht  von  schola  herzuleiten. 
Bei  uns  gewöhnlich  Schulchen  laufen^ 
im  Götting.  schulen  gdn  die  Schule 
schwänzen,  in  der  Mark  schulaiken^ 
bei  Minden  schOlken.  Brem.  Wb.  IV, 
708.    Schamb.,  186b.    Hennig,  724f. 

SchulkinlS,  m.  Sie  (die  Nadrauer) 
machen  auch  ein  Gerichte  von  Haber- 
grütze^  so  gemahlen  und  mit  Wasser 
eingerühret  wird^  so  sie  Czulkinys  nen~ 
nen,  Pierson,  Matth.  Prätor.,  110. 
Nach  Nsslm.  Wb.,  166a,  bei  den  Li- 
tauern ein  Gericht  von  gekochten  Erb- 
sen und  Mohn,  die  zusammengestampfb 
und  dann  als  Brei  gegessen  werden. 

Schulmeister,  m.  1.  Lehrer.  2.  dreieck- 
artig auslaufendes  fjidnetz  an  jedem 
Flügel  des  Eurrennetzes,  lit.  szulmis- 
reis.  S.  Beschreibung  und  Abbildung 
in  Benecke,  334f. 

Schulz,  Schulze,  pltd.  Schulte,  m., 
Vorsteher  der  Dorfgemeinde.  In  Dör- 
fern, die  deutschen  Einzöglingen  ihren 
Ursprung  verdanken,  war  das  Amt 
erblich,  und  gehörten  2-— 5  Freihufen 
dazu.  Der  Schulze  war  der  erste 
richterliche  und  polizeiliche  Beamte  des 
Dorfes  und  vertrat  die  Rechte  und 
Angelegenheiten  der  Gemeinde  bei  der 
Landesherrschaft  und  gegen  die  Nach- 
barn; er  nahm  den  Zins  der  Bauern 
ein,  erhob  und  führte  den  Zehnten  ab^ 
übte  die  niedere  Gerichtsbarkeit,  von 
der  er,  so  wie  auch  von  der  hohen, 
obgleich  er  sie  nicht  selbst  verwaltete, 
den  dritten  Teil  der  Gefalle  erhielt. 
Für  seine  Person  leistete  er  den  Lehns- 
dienst auf  einem  Rosse.  In  den  preu- 
fzischen    Dörfem    dagegen    verwaltete 

die  Polizei  ein  Kämmerer,  der  über  einen 

21 


322 


Schalzenbock  —  Schuppinne. 


gewissen  Distrikt  gesetzt  war;  er  er- 
hob den  Zehnten  und  sorgte  für  die 
Erfüllung  aller  übrigen  Leistungen. 
Gottschalk,  Preulz.  Gesch.  I,  144; 
vgl.  auch  das.  S.84.  De  Schult  mot  stne 
Näs  allenthalwe  voran  hebbe.  Vgl. 
Scholz. 

Schulzenbock,  -keule,  -zeichen,  s. 
KriwQle. 

Scbulzenbott,  pltd.  Schultenbott,  m., 

Versammlung  der  Dorfeingesessenen, 
auf  Bott  (Ladung)  des  Schulzen.  Gr. 
Werder.    Vgl.  KriwQle  u.  verbotten. 

Schulzenhilfe,  /.,  die  zum  Schulzen- 
amte gehörige  Freihufe. 

Schulzenstab,  m.,  Amtsstock  des 
Schulzen,  aus  Rotbuchenholz,  4  Fufz 
3  Zoll  lang,  mit  grol'zem  neusilbemen 
Knopfe,  auf  welchem  der  Name  der 
Ortschaft  eingraviert  ist,  und  mit 
schwarz  weif zen  Schnuren  und  Quasten 
umwickelt.  Als  Zeichen  der  amtlichen 
Wurde,  bei  festlicher  oder  amtlicher 
Veranlassung  vom  Schulzen  getragen. 
Dzg.  Nhg.    Viol^t,  38.   Vgl.  KriwQle. 

Schulzenzettel,  m.,  in  der  Dzg.  Nhg. 
der  Zettel,  vermittelst  dessen  die  Ge- 
meindeglieder ins  Schulzenamt  vorge- 
laden werden.  Er  enthält  den  Zweck 
der  Versammlung.     Violet,  37. 

Schulz  von  Tharau  —  Tbierau  —  Tiro, 

Name  des  Pirols.  Mühling,  Tiem., 
177.    S.  Bierhol. 

^humm,  m.y  Dusel;  vom  poln.  szum 
Saus,  Sausen,  Brausen,  und  dieses  von 
dem  dtsch.  summen  (sausen).  Schmitt, 
110.  Er  ist  im  Schumm.  Auch  ad},: 
er  ist  Schumm. 

Schummel,  /.,  Schmeichelname  für 
ein  wildes,  listiges  Mädchen,  wie  Hum- 
mely  das  sich  kein  Gewissen  macht, 
aUenfalls  auch  zu  schummeln.  Trei- 
chel. 

schummeln,  sw.,  trügen,  betrögen.   Ge- 


wöhnlich beschummein.  Davon  Schum- 
melei, /.,  listiger  Betrug,  Falschheit 
Schummler,  m.,  Betruger,  namentlich 
im  Kartenspiel.     Vgl.  fuchern. 

Schummer,  7n.  1.  Schimmer,  Glanz. 
2.  Dämmerung:  Schummerstunde.    Vgl 

Schimmerung. 
schummrig,  adj,^  s.  schimmrig. 
schumpeln,  sw,,  s.  schompein. 

Schupauk,  7n.,  kleiner,  dummer  Junge. 
Ermland.     Mühling. 

Schupenbrauer,  m.,  s.  SchOpe. 
Schupertn, /.,  s.  Schuprine. 

§chupp,  interj,^  schallnachahmend,  zur 
Bezeichnung  eines  schnellen  Ruckes; 
eines  kurzen,  kräftigen  Sprunges, 
schneller  Thätigkeit;  auch  ichupptig. 
On  schupp!  tom  Fenstet*  'rut  VoUcsl. 
14,  6,  6.  Das  geht  so  Schupp  schupp^ 
sehr  schnell. 

Schuppe,  /.,  s.  SchOpe. 
Schuppen,  /.,  s.  Schuppinne. 

schuppen,  sw.^  die  Schuppen  des 
Fisches  schabend  entfernen.  Davon 
ein  rohes  Kinderspiel:  der  entblöfzte 
Arm  des  Gegners  wird  mit  scharfer 
Handkante  als  Fisch  geschabt  und  ge- 
schlagen; letzteres  soll  die  Zerlegung 
andeuten.    Samland  (Wilgaiten).    Vgl. 

schupsen. 

Schuppenbrei,  m.,  Brei  aus  weiizen 
Erbsen  mit  der  Schuppe,  Hülle.  Vgl. 
Schuppinne. 

Schupphan,  ^n..  Wams.  So  wahr,  as 
dit  minSchupphun  §s.  Dorr,  1.  Wiew., 
10. 

Schuppinne,  m.,  Brei  aus  weiizen 
Erbsen  und  Graupe  oder  Grütze;  er 
wird  mit  gebratenem  Speck  und  Zwie- 
beln und  einem  besonderen  Aufgusse 
gegessen.  Besonders  als  Fastnachts- 
gericht üblich,  doch  an  einigen  Orten 
auch  als  Ernte -Festessen.  Der  lit. 
Name   ist   szuppinys,   m.     Si  fdie  Na- 


schuptig  —  Schajche. 


323 


drauer)  haben  auch  ein  Essen^  so  sie 
Szuppinnen  nennen^  wird  gemcusht  von 
Erbsen,  Speck  und  Gerstengrütze.  Pier- 
son, Matth.  Pr&tor.,  110.  Vgl.  Bock, 
Nat.  I,  267.  Pisanski  in  den  Nachtx. 
nennt  das  Gericht  Schuppen.  Vgl. 
Scbuppenbrei. 

ichupptig,  interj,^  s.  ichupp. 

Schuprine,  Zuprtne,/.,  Dem.  Schuprin- 
chen^  auch  bloiz  Schupp,  m,^  Haarbü- 
schel, Haarschopf  am  Yorderkopf, 
StirDScfaopf,  lit.  czupryna^  czuprynas, 
poln.  czuprynay  russ.  czuprun;  poln. 
czub  Schopf,  Federbusch^  lett.  tschuppis^ 
zuppis  Zopf.  In  Polen  bestand  früher 
die  Sitte,  das  Haar  bis  auf  diesen 
Büschel  abzuschneiden,  der  dann  czt^ 
prina  ordinska  Hordenschuprine  hiefz, 
weil  man  ihn  nach  Art  der  tartarischen 
Horden  wachsen  liefz.  Lelewel, 
Gesch.  von  Polen.  Schmitt,  109. 
Einen  beim  Schuprinchen  kriegen^  wört- 
lich: ihn  beim  Schopf  fassen,  übertra- 
gen: ihn  gefangen  nehmen.  Im  Sam- 
lande  auch  Schuperfn ;  sonst  noch  Schi- 
prfn,  Schairran,  SchubrQn.  Nsslm.^ 
Forsch.  2;  Th.,  168.  Bock,  62. 
Hennig,  248.  Vgl.  Bernd,  254. 
Anton,  12,  22. 

Schups,  m.,  schupsen,  sw.y  s.  Schubs 

etc. 

SchQr,  m,  u.  n.,  s.  Schauer. 

schQrfigeln,  sw.y  schurigeln. 

Scbürek,  m.,  der  Fliegenschnäpper, 
Muscicapa  grisola,  Pierson,  A.  W., 
40,  hält  den  Namen  für  onomatopoe- 
tisch, nach  dem  Geschrei  des  Vogels; 
Nsslm.,  Th.,  168,  fragt:  etwa  scherz- 
hafte Benennung  von  pohi.  szurek  Schelm- 
chen? 

Schurgel,/.,  Eisbahn.   Sperber,  36. 

schurgeln,  sw.  1.  scheuem,  hin  und 
her  reiben.  Mit  den  Füfzen  schurgeln^ 
auf  dem  Boden  geräuschvoll  hin  und 


her  fahren.  Davon:  Geschurgel,  n. 
Nach  Treichel  auch  schorcheln.  2. 
s.v.  a.  schorren  (s.d.).  Schemionek, 
37.     Sperber,  36. 

Schurk,  91}.,  Hundename.    Treichel. 

Schurkenbauer,  m.  Wer  nicht  ganze 
Halben  und  Stofe  auf  einmal  aussaufen 
kannj  der  ist  ein  Schurkenbauer^  der 
mufz  hinter  der  Thür  sitzen  bleiben. 
Werder.  17.  Jahrhundert.  Passarge, 
218. 

SchUrHuch,  n.,  s.  Scherdeltuch. 

Schurr,  m.  s.  Schmirgel. 

Schurrback,  m.,  Fastnachtsgebäck. 
HerzensmuttCj  fiöe,  Däu  de  DSg  to  Gäe, 
Mutst  uns  Schurrback  make.  Schlochau. 
Firmenich  1,  118a.  Volksr.,  222, 
790. 

schurren,  sw.  etc.,  s.  schorren. 

Schurren,  plur.  Der  Obriste  Fititghof 
postirte  sich  mit  1000  Musquetiren  und 
1000  Schurren  in  Graf z- Lichtenau. 
Hartwich,  381. 

Schurrmurr,  m.,  s.  Schorrmorr. 

SchUrteltuch,  n.  s.  Scherdeltuch. 

SchUrwurz,PflzD.,  Blutwurz-Gänserich, 
Tormentiüa  erecta  L.  Auch  Dormentill. 
Hagen,  542. 

Schürze,  /.,  zu  Hennigs  Zeit  in 
Königsberg  Name  für  eine  Vereinigung 
von  Mälzenbräuem,  die  einander  bei 
ausgegangenem  Biervorrat  aushalfen. 
In  der  Schürze  sein^  dieser  Vereinigung 
angehören.  Ich  habe  aus  der  Schürze 
das  Bier  genommen  ^  ich  habe  dem 
Schenker  nicht  von  meinem  Gebräu 
geben  können,  sondern  mul'zte  das 
Bier  für  ihn  von  einem  Mitgliede  der 
Schürze  entnehmen.    Hennig,  248. 

SchUrzkuchen,  m.,  s.  Raderkuchen. 

Schurztuch,  n.,  s.  Scherdeltuch. 

^huiche.  Dem.  Schuschelke^  w.  Vom., 

Susanne.    Drock  an,  min  Schuschelkcy 

passe  war  Öck  dt  wol.    Dönh. 

21  • 


324 


schüschen  —  SchulzwasBer. 


ichQichen,  «tr.,  schlafen,  sanft  schla- 
fen. Vorzugsweise  in  der  Sprache  zu 
Kindern.  Kindchen  wird  nun  Schüschen 
gehn  —  Schüscfichen  machen^  sich  schla- 
fen legen.  Wenn  das  Kind  nicht 
schlafen  will:  Schüich^  de  Bar  kömmt! 
Statt  schlichen,  jedoch  selten,  auch 
sOsen.  einichQichen,  8w,y  einschläfern, 
durchsingen  eines  Schlummerliedes  oder 
auch  nur  des  Wörtchens  schü  oder 
schtUchj  oder  schüiche^  siise  ein  Kind 
in  den  Schlaf  bringen.  Vgl.  die  mit 
diesen  Wörtern  beginnenden  Wiegen- 
lieder in  den  Volksr.,  31  ff. 

ochQichkehmen,  fingierter  Ortsname 
mit  der  provinziell  üblichen  Bindung 
kehmen  aus  ichüichen.  Nach  Schüich- 
kehmen  reisen,  schlafen  gehen. 

^chQichd,/,  Wiege,  Kinderbett  über- 
haupt.   Vgl.  Hahä,  Wi§che. 
SchQschQ,  m.,  s.  SchQ. 
Schüsel,  m.y  8cbd8eln,  sw.,  schdslig, 
adj.y  s.  Schösel  etc. 

SchUS8eldainm,  m.,  Strafzenname  in 
Danzig,  eigentlich  Schüttel  (aufgeschüt- 
teter) -Damm.    Löse  hin,  45. 

SchUsselpfennig^m.,  Geizhalz.  Schimpf- 
wort. Stein,  Peregrinus,  neben  Drück- 
Pfennig  (s.  d.) 

Schustaky  m.,  ehemaliges  Zwei-Silber- 
groschenstöck,  Sechser.  Das  poln. 
azöatak.  Die  beiden  Arbeitsleute,  die  sie 
gebraucht  hatte,  foderten  jeder  zwei 
Schustak.     Soph.  R.  I,  17. 

Schuster  (u  kurz),  m.  1.  Schuh- 
macher. Neckreime  auf  ihn  s.  Volksr., 
82,  334  f.  Sie  hat  ihm  den  Schuster 
gegeben,  den  Abschied.  IJeber  dem 
Schuster  ab  dem  Apotheker.  Sprw.  II, 
2431.  2.  Maikäfer,  Mehlaniha  vulga- 
ris, wenn  er  schwärzlich  gefärbt  ist. 
Ist  er  rotbraun,  so  heii'zt  er  Rotgerber; 
Müller  wird  er  genannt,  wenn  er  weifz- 
lich  aussieht  und  mit  feinen  weilzlichen 


Haaren   bedeckt   ist.     Mühling.      3. 
Schabe,  Schwabe  oder  Franzose. 

Schusterblume,/.,  s.  Lebensbaum. 

Schusterjunge,  m.y  Salzfladen,  das  or- 
dinärste Fladengebäck  zu  einem  Pfen- 
nig. Der  Name  rührt  wohl  daher, 
dafz  es  von  Schusterjungen  vorzugs- 
weise gekauft  wurde  (wird?)  Königs- 
berg. 

schustern,  sw,  1.  als  Schuster  arbei- 
ten. Nach  Hennig,  249,  noch  mit 
dem  Zusätze:  „ohne  das  Meisterrecht 
gewonnen  zu  haben."  2.  durch  Flicken 
und  Zusammenstecken  ein  Gerät  fertig 
machen;  daher  oft  auch  zusammenachu- 
stem.  3.  Einen  schustern,  ihn  bald 
hierhin,  bald  dorthin  schicken.  Ma- 
rold.  4.  nach  Mühling  schlecht  fort- 
kommen, sich  stümpern,  Verlust  haben. 
Daher:  einscbustem.  Brem.  Wb.  IV, 
667.  In  Hessen  zuschustern  ZubuCze 
thun.     Vilmar,  375. 

SchusterOrt,  m.,  Schusterpfriem. 
Schusterstuhle,    plur,,    die    mit    der 
Sense    abgemähten    Stiele    der   Binse, 
Juncus  L.    Treichel,  Veiksth.  HI. 

Scbusterwurzel,  /.,  Wurzel  von  Bal- 
drian, Valeriana  (offidnaiis  ?  H  e  n  n  i  g , 
249,  hat  sävestris,  welchen  Namen 
Garcke  und  Leunis  nicht  aufiFuhren). 
Schutz,  m.  1.  Rausch.  Er  ist  im 
Schufz,  er  ist  betrunken.  Er  hat  einen 
Schuf z  weg,  dasselbe,  oder  auch:  er  ist 
nicht  bei  gesunden  Sinnen;  er  ist  ver- 
liebt. Er  nahm  die  Tochter  mit,  und 
das  war  sehr  gut;  denn  ich  glaube,  dafz 
ich  schon  im  vorigen  Jahr  einen  Schus 
weghatte,  Soph.  R.  I,  645.  Vgl.  Schofz. 
2.  Schufz  und  los,  mache,  dafz  du  end- 
lich zustande  kommst!  Bildlich  für: 
Gieb  einen  Schui'z  ab  und  dann  laufe. 
Treichel. 

Schufzwasser,    n.,    Medik.,    Mixtura 
vtdnerum  acida. 


Bchüte(n)  —  schwabbendig. 


325 


SChOtefn),  üblicher  8chete(n),  st,  schie- 
izen,  engl,  to  shoot     Gordack. 

SchOter,  m.,  s.  SchQ. 

schutem,  sw.,  tauschen,  kuppeln  (s.  d.) 

SchOisch,  m.,  s.  SchQ. 

Schutt,  /.,  s.  Schud. 

Schutt,  Schutt,  Schütte,  SchHte,  SchStt, 
Schutz,  Schutze,/.,  WeberschiflPchen.  Von 
schiefzen, 

SchOttel,  m,,  das  kalte  Fieber,  nach 
Muhling  die  Epilepsie.  Da/z  dich 
der Schüttel  schände !  Hennenberger. 
In  Bayern  Schüttler*.  Schmeller  III, 
420. 

schütten,  pltd.  schSdden,  sw.  1.  Ge- 
treide auf  den  Fruchtboden,  in  die 
Schüttung j  bringen.  2.  zur  Bezeichnung 
desKömerertrages:  der  Roggen  schüttet 
in  diesem  Jahre  gut 

Schütter-,    SchUdder-,   Schuddergaffel, 

/.,  aus  Holz  gearbeitete  Strohgabel.    S. 

Gaffel. 

schUttern,  sw,,  schütteb.  Feststehen- 
des in  zitternd  schwankende  Bewegung 
bringen.  Am  Tisch  —  mit  dem  Tisch 
schüttem,    • 

SchUthing,  /.,  das  Aufgeschüttete;  in 
Speichern  und  Scheunen  der  Raum,  in 
dem  man  das  ausgedroschene  Getreide 
aufschüttet. 

Schutz,  /,  s.  Schutt. 

Schutze,  /.,  s.  Schutt  u.  Schutzerei. 

Schutze,  /.,  das  Schützbrett,  durch 
das  man  das  Wasser  in  einem  Gerinne 
staut  oder  abfliefzen  läfzt.  Die  Schütze 
an  Mühlenschleusen. 

schützen,  sw,y  das  Wasser  in  einem 
Gerinne  anstauen,  andämmen. 

Schutzerei,  /.,  früher  ein  Gefängnis 
in  Königsberg,  nahe  am  Nordwestturme 
des  königlichen  Schlosses.  Es  hiefz 
so,  weil  ursprünglich  Hakenschützen 
dort  die  Wache  fahrten;    auch  später 


noch  hiefz  der  Gefängniswärter  Schutze. 
Bock,  61.     Hennig,  250. 

schüwen,  schUwen,  ^.,  s.  schOen. 

schUwerig,  adf.y  s.  schUerig. 

Schuwit,  m.,  s.  SchuwuL 

Schuwut,  Schufut,  Schuwit,  Schubut, 
Schubit,  m,y  Eule,  vornehmlich  der 
Uhu,  Stria  Bubo,  franz.  chouette.  Vgl. 
Bock,  Nat.  IV,  280.  Nsslm.  F.  2, 
fragt:  Etwa  zum  poln.  sowa,  russ. 
sowä  Eule  gehörig,  mit  einer  der  lit. 
-üte\  -yii  entsprechenden  Deminutiv- 
Endung?  Nach  Hennig,  247,  &Aw- 
but  auch  ein  in  den  Kleidern  unordent- 
licher, häfzlicher  Mensch. 

Schwabbelei,  /.,  Geschwätz;  unver- 
ständliches, unnützes,  weitschweifiges 
Gerede.    Von  schwabbeln. 

Schwabbelhans,  m.,  Hans,  der  schwab- 
belt, Schwätzer.     Von  schwabbeln. 

schwabbelig,  adj.  1.  schwatzhaft  Von 
schwabbeln.  2.  zitterig,  bebend.  Von 
Schwabben.  Nach  M  ü  h  1  i  n  g  auch  unwohl. 
Mir  ist  so  schwabbelig.    Vgl.  wabbelig. 

schwabbeln,  sw,  1.  schwatzen,  viel 
und  dabei  meist  Dummes  reden,  unver- 
ständlich und  weitschweifig  reden.  Dem 
Sinne  nach  verwandt  mit  ichabbem,  sab- 
bernySchlabbern,schwaddern.hesc\XH9bh^\nj 
beschwatzen.  Endlich  hebV  vn  en  be- 
schwabbelt  Nowack,  41.  2.  Flüssig- 
sten überlaufen  lassen.  Schemio-  Ji- 
nek,  37.     3.  s.  v.  a.  schwabben. 

Schwabben,  9U7.,  beben,  zittern,  schwan- 
ken, dem  Druck  nicht  widerstehen;  von 
fetten,  weichen,  feuchten  Körpern,  sum- 
pfigem Boden.  Mühling.  Er  hat  in 
diesem  Sinne  auch  schwabbeln.  In 
Bayern  schwatten,  schwattig,  schwättig, 
Schmeller  HI,  552. 

schwabbendig,  adj.,  voll  bis  zum 
Überlaufen;  von  Flüssigkeiten.  Der 
Eimer  ist  schwabbendig  voll. 


326 


schwach  —  Schwager. 


schwach,  adj.^  onbemittelt.  DatS  si 
ock  to  schtoachy  das  geht  über  mein 
Vermögen,  das  kann  ich  mir  nicht  an- 
schaffen. 

schwachöwo,  polonisiertes  zchwach. 
Das  ist  man  schwachdtoo, 

Schwad,  Schwaty  m.  u.  n.,  der  Schwa- 
den. 1.  so  viel  Gras  oder  Getreide, 
als  mit  einem  Sensenhiebe  gemäht  wird. 

2.  die  niedergelegte  Reihe  von  Gras 
oder  Getreide,  welche  dem  Mäher  zur 
linken  Hand  zu  liegen  kommt.  Das 
Ghras  liegt  auf  dem  Schneid.  Er  mäht 
ein  tüchtiges  Schwad^  er  ist  ein  tüch- 
tiger Mäher.  Wenn  ein  solcher  die 
Binderin  seines  Vordermannes  über- 
holt, so  rott  hei  e  BoU  op.   Vgl.  bullen. 

3.  die  Breite,  die  der  Schnitter  beim 
Mähen  mit  der  Sense  bereichen  kann. 
—  Übers  Schwad  hatten^  über  die  Schnur 
hauen,  in  der  Rede  aus  Übereilung  zu 
weit  gehen.  Im  Götting.  swad  und 
swed;  im  Nds.  ist  swade  eine  Sense. 
Brem.  Wb.  IV,  1107.  Schamb.,  220a. 
Hennig,  250. 

Schwadder,  m.,  der  durch  Regen 
gebildete  flüssige  Stralzenschmutz.   Vgl. 

Quadder. 

schwaddern,  sw,  1.  überschwanken, 
überfliefzen,  vergiefzen;  von  Flüssig- 
keiten. Davon  Über-,  verschwaddern. 
Geschwadder,  n.  2.  stark  regnen. 
Es  schwaddert  nur  so,  es  regnet  hef- 
tig, giefzt.  3.  unüberlegt  schwatzen, 
schwadronieren,  unnützes  Zeug  reden. 
Doch  worto  schwadder  eck  von  dynar 
Lotke  hyf  Carm.  nupt  V,  48c.  Öhner 
kroch  öm  Huy  fiux  Lost  dissem  hübsche 
Paar  wat  västoschwaddre.  Ibid.  145  a. 
In  Bayern  in  der  Bedeutung  von  1 
und  3:  schwadern,  schwedem,  schwidem, 
Schmeller  IH,  529.  Bock,  62. 
Hennig,  251. 

Schwaddemarech,  m.,  Narsch,  Arsch, 


der  schwaddert.  Schimpfwort.  Schwad- 
demarsch  os  min  Sinndagmord.    Weh- 
lau. 
Schwade,  Zuruf  an  Zugtiere,  s.  SChwod- 

der. 

Schwaden,  m.  1.  Samen  des  Enten- 
grases, Poa  fluitans  L.  2.  das  Gras 
selbst.  Der  Same  wird,  mittels  eines 
Siebes,  geschöpft,  gereinigt  und  zur 
SchwadengrUtze  gestampft.  Bei  Volks- 
festlichkeiten (Hochzeit,  Kindelbier, 
Zarm)  war  früher  dickgekochte  Sckwor 
dengrütze  mit  Kaneel  und  Zucker  all- 
gemein stehendes  Gericht;  jetzt  ist,  in- 
folge der  Trockenlegung  der  Sümpfe, 
in  denen  der  Schwaden  vorzugsweise 
gedeiht,  die  Schwadengrütze  knapper 
geworden,  und  nehmen  Gerstengrütze 
und  Reis  ihre  Stelle  ein.  Poln.  heilzt 
der  Schwaden  manna,  lit.  sorca.  Hier 
ist  nicht  vorbei  zu  gehen  das  Manna 
Prussicumy  so  man  preussisch  mannu 
oder  Schwadengrütze  nennt  Pierson, 
Matth.  Prätor.,  111.  .,.die  nahrhafte- 
sten Klee-  und  Grasarten  und  darunter 
die  Schwade  als  das  preussische  Manna. 
Bock,  Nat  I,  534.    Hennig,  250. 

schwadig,  schwatfa'g,  adj,,  einen  Schwat 
breit.  Won  Schwad  S.  Nach  Mühlin g 
gehört  zur  Stadt  Graudenz  ein  Acker- 
feld, das  die  Elfschwatten  heii'zt,  also 
eine  Breite  von  11  Schwat  hat.  In 
dortigenSubha8tations-Anzeigen(Quelle 
nicht  angegeben)  heiüt  es :  Ein  Grund-- 
stück,  bestehend  aus  einem  Hause,  einem 
Stalle,  einem  Ackerstücke  in  den  Elf- 
schwatten,  soll  etc. 

Schwager,  m.  1.  PostiUion.  Auch 
hat  der  Schwager  (^denken  Sie!  so  nennt 
man  den  Postillon)  seinen  Achtehalber 
richtig  verzehrt,  Soph.  R.  I,  5.  2. 
Kouleur  mit'm  Schwager.  Beim  Karten- 
spiel, wenn  der  Kouleurspieler  sich 
Pik- As  zu  Hilfe  ruft.    Treichel. 


schwäken  —  Schwann. 


327 


schwäken,  su?.,  schwanken,  unsicher 
und  schwankend,  wie  ein  Kranker,  ge- 
hen.    Er  schwäkt 

Schwalbenäugchen,  pltd.  SchwalmOgken, 

Pflzn.,  Stiefmütterchen,  Viola  ti^olcr 
L.  Treichel,  Volksth.  IIL  Na- 
tangen. 

Schwalbenkraut,  n.,  kleines^  stinkender 
Storchschnabel,  Geranium  robertianum 
L.    Hagen,  720. 

Schwalbenzagel,  pltd.  Schwälkenzagel, 

?w.,  unechter  Ehrenpreis,  Veronica 
spuriaL,  Hagen,  16.  NachPritzel, 
433,  auch  V.  spicata  L, 

Schwälchen,  pltd.  Schwälke,n.,  Schwal- 
be. Im  Samlande  und  in  Westpr.  auch 
Schwalm,  Schwalmke.  In  Bayern  eben- 
falls Schwalm.  Schmeller  UI,  536. 
De  Schwälke  drog  den  Dreck  herut. 
Volksr.,  52,  198.  Vergnogt  de  Schwalm 
sickbut  Viol^t,  197.  Volksl.,  1,  1,  3. 
Elck  häbb  de  Schwohlkes  flöge  sehn\ 
Nowack,  82.  Ahd.  swalmody  swalwd^ 
mhd.  swalewe^  swalwe.  swai^  angs,  swale- 
tvCy  engl,  swallowy  holl.  zwalwuo^  dän. 
suale^  schwed.  swala.  Brem.  Wb.  IV, 
1110.  Schade,  900b.  Bock,  62. 
Hennig,  251. 

Schwalk,  m.y  Schwärm.  Sperber, 
29. 

schwalken,  sw.,  wallen,  umherziehen, 
sich  aufhalten.  Wo  mögen  die  jetzt 
schwalken^  wo  mögen  die  jetzt  umher- 
ziehen, sich  aufhalten?  Pillau.  Bei 
Jeroschin  swalc,  m.  -  Welle,  fluctus^ 
undae.    Pfeiffer,  230. 

Schwalm,  m,  1.  Schwann.  Bienen- 
schwalm.  Ebenso  in  Bayern.  Schmel- 
ler UI,  536.  2.  Schwalbe,  s.  Schwäl- 
chen. 

schwalmen,  sw.^  schwärmen.    Dönh. 

Schwalmke,  n.,  s.  Schwälchen. 

schwameln,  schwammein,  suu^  s.  schwei- 
meln. 


Schwammdose,  /.,  AbguTz  an  der  Ta- 
bakspfeife.   Vgl.  Schlammkasten. 

Schwammklopper,  m,^  Klopfer  des 
Feuerschwamms.  Scherz- und  Neckwort. 
Königsberg. 

Schwanz,  tt».,  Teil  der  Zoche  (s.  d.) 

schwänzen,  sw,^  betrügen.   Bock,  62. 

Schwanzkowski,  7n.,  mit  poln.  Endung 
gebildeter  Name  für  einen  einfältigen, 
albernen  Menschen. 

schwappendig,  adv.  Schwappendig  voll, 
voll  bis  zum  Uberfliefzen ;  auch  schwab- 

bendig,schweppendig,schwibbendig,  schwip- 
pendig.   Vgl.  rappelndig. 

Schwapps,  interj.y  schallnachahmend; 
zur  Bezeichnung  des  Tones,  den  ein 
scharfer  kurzer  Schlag  hervorbringt; 
schnell,  hurtig,  behende.  Schwapps 
bekam  er  eins  hinter  die  Ohren,  Schwapps 
schlug  er  ihm  die  Thür  vor  der  Nase 
zu.  Hennig,  238,  bezeichnet  das  Zu- 
fallen des  Schlosses  durch  die  Interj. 
schnapps  (von  schnappen).  Schnapps 
war  die  Thür  zu. 

Schwark,  Schwärk,  Schwärke,  Schwerk, 

/.  1 .  dunkle  Wetterwolke,  Regen-  oder 
Gewitterwolke,  namentlich  eine  plötz- 
lich   aufsteigende,    lit.    szwerkis.      Ge- 

witterschwark;  Windschwark;  Laufschwark, 

eine  eilende  Regenwolke.  On  weinich 
schint  de  Sinnke  dorch  de  Schwärke. 
Königsberg.  Firmenich  I,  101a. 
Lät  de  Schwärke  undergäne,  Lat  de 
Sonnke  wedderkäme!  Volksr.,  48,  184. 
Bock,  62.     Hennig,  251:  Schwärke. 

schwanken,  schwanken,  schwenken,  sw. 

Es  schwarkty  es  ziehen  sich  Schwärke 
zusammen,  der  Himmel  bewölkt  sich 
und  droht  mit  Regen. 

Schwankenschieben,  m.y  wie  Wolken- 
Schieber^  zur  Bezeichnung  eines  hohen 
Cylinderhutes,eines  unförmlichenFrauen- 
hutes.     Oberland. 

Schwanm,  m.,  Bienenschwarm.    Ein 


328 


Schw&rte  —  Schwauks. 


Schwann  im  Mai  gleicht  einem  Fuder 
HeUj  ist  ein  Fuder  Heu  wert.  Ober- 
land. 

Schwerte,  /.  1.  dicke  Haut,  nament- 
lich der  Schweine:  Schweineschwarte. 
Bei  Jeroschin  auch  Menschenhaut: 
üf  des  houbtis  swarte  128d.  Pfeiffer, 
231.  Mauen^  da/z  die  Schwarte  knackt 
2.  die  schmalen,  plan-konvexen  Seiten- 
bretter eines  der  Länge  nach  zerschnit- 
tenen Baumstammes.  Lit.  szworta  die 
Brettschwarte.  3.  Binde.  Ji  Keesschwart 
(Käseschwarte)!    Dorr,  L  Wiew.,  8. 

schwarz,  adj.j  unrein,  unsauber. 
Schwarze  Wäsche,  unreine  Wäsche. 

Schwarzball,    m.,     ELienrufz.     Nach 

Mühling  auch  Paudelschwarz,  n. 

Schwarzbauch,  m.,  Fischn.,  s.  Nase. 

Schwarzbier,  n.,  s.  Bier. 

Schwarzbrachen,  n.,  eine  wiederholt 
durch  Haken  und  £ggen  vorgenommene 
Bestellung  des  Ackers  in  der  Niede- 
rung, wodurch  das  sich  zeigende  Grün 
entfernt  wird  und  der  Boden  in  reiner 
Schwärze  erscheint.  Vgl.  Bock,  Nat. 
ni,  1012. 

Schwarzbrot,  n.,  s.  Brot 

Schwarzgrundel,  /.,  Gobius  niger  L. 

Schwarzhaus,  m,,  der  vom  Rauch  ge- 
schwärzte geräumige  Hausflur  in  den 
alten  Häusern  der  Litauer,  denen  meist 
der  Schornstein  fehlt.  Der  Raum  dient 
im  Sommer  als  gemeinsamer  Aufent- 
halts- und  Speisesaal.     Vgl.  Hau«  1. 

Schwarzkümmel,  ?».,  gemeiner  Küm- 
mel, Carum  carvi  L,    Hagen,  334. 

Schwarzlachs,  m,,  s.  Lachs. 

SchwarzOrt,  Dorf  auf  der  Spitze  der 
kurischen  Nehrung;  wörtlich:  schwarze 
Spitze,  von  dem  dunkeln Kiefemwalde. 
Vgl.  Ort 

Schwarzrock,  m.,  Spottname  für  den 
Geistlichen,  nach  der  Farbe  der  Klei- 
dung  gewählt.     .  .  .  und  ich   bin  der 


Schwarzrock,  den  dies  Hohngelachter  un- 
fehlbar treffen  würde.    Soph.  R.  D^  150. 
Gut,  gut:  der  Schwarzrock . . .    Ibid.  V, 
161. 

Schwarzsauer,  pltd.  SchwarisQr,  n.,  Ge- 
richt, Gänseklein  mit  Keilchen  (Klöizen) 
in  Gänseblut  gekocht;  man  bereitet  es 
auch  aus  dem  Geschnörr  der  Enten. 
Attrap4,  Monsieur  Schwarzsauer!  Kö- 
nigsberg. Diese  Redensart,  die  hin 
und  wieder  noch  gehört  wird,  basiert 
auf  folgender  Erzählung.  Zur  Zeit  des 
unglücklichen  Krieges  wurde  in  der 
Provinz  einem  Franzosen  ein  Gericht 
Schwarzsauer  vorgesetzt,  das  man  aus 
dem  Keller  heraufgeholt  hatte.  Auf 
seine  Frage  nach  dem  Namen  der 
Speise,  erfahrt  er  denselben.  Während 
des  Essens  hüpft  ein  Frosch,  der  in 
die  Speise  geraten  und  völlig  über- 
schwärzt  war,  aus  derselben  hervor. 
Der  Franzose,  fürchtend,  daTz  ihm  ein 
fetter  Bissen  entwische,  gabelt  den 
Flüchtling  mit  den  Worten:  Attrapi^ 
Monsieur  Schwarzsauer! 

Schwarzsonnabend,  m.,  der  Sonnabend 
vor  Ostern.  Wahrscheinlich,  weil  er 
der  letzte  Tag  ist,  an  dem  Altar-  und 
Kanzelbekleidung  schwarz  sind.  An 
diesem  Tage  werden  alle  Hausgeräte 
gereinigt.  (Im  kathol.  Ermlande  ge- 
schieht solches,  oft  mit  Ostentation  ge- 
gen die  Protestanten,  am  Karfreitage.) 

Vgl,  Blaumontag. 

Schwarztanne,  /.,  s.  Tanne. 

Schwarzwurzel,  Pflzn.,  Wallwurz,  Sym- 
phytum  offidnale  L,  T  r e  i  c h  e  1 ,  Volks- 
thümliches. 

Schwat,  m.  u.  n.,  s.  Schwad. 

schwattig,  adj,,  s.  schwadig. 

Schwätzchen,  n.,  von  schwatzen,  Plau- 
derei, gemütliche  Unterredung.  Ein 
Schwätzchen  machen.    Treichel. 

SchwaukSy  m.,  Gulz,  der  mit  gewissem 


schwauksen  —  schweiuigelD. 


329 


Schwünge  and  plötzlich  fallt.  StoFzt 
mau  an  einen  gefüllten  Wassereimer, 
so  überstürzt  sich  ein  Teil  des  Wassers 
mit  einem  Sckwauks.  Das  Wort  be- 
zeichnet den  eigentümlichen  Ton,  den 
eine  derart  vergossen c  Flüssigkeit  her- 
vorbringt.   Vgl.  Plauksch. 

schwauksen,  stv  ,  Flüssigkeiten  iiu 
Sckwauks  vergiel'zen.  Ebenso  Über-, 
verschwauksen.  Ein  ungeßchickter  Was- 
serträger schwankst^  verschwauht 

Schwebsei,  n.,  die  im  ausgedroschenen 
Getreide  zurückgebliebenen  Stroh-, 
Ähren-,  Hülsen-,  Mutterkomieste.  Sie 
werden  zunächst  mittels  einer  Harke 
entfernt  und  heilzen  dann  auch  Ab- 
harksel;  die  feineren  Überbleibsel  sind 
das  eigentliche  Schwebsel^  weil  sie  mit 
einem  gestielten  Gänseflügel  abgeschwebt^ 
leicht  abgefegt  werden.     Treichel. 

Schwedenschanze,  /.,  wallartige  Er- 
höhung, die  irrtümlich  den  Schweden 
zugeschrieben  wird.  Von  slav.  9vet^ 
lit.  szventas  heilig.  Vgl.  Passarge, 
Balt.,  28. 

Schwefellicht,  n ,  Licht  von  Schwefel, 
Schwefelfaden  zum  Anzünden  des  Lich- 
tes. Als  noch  die  Paherzeuge  (s.  d.) 
in  Gebrauch  waren,  wurden  ä\Q Schwefel- 
lichte  in  Königsberg  auf  den  Strafzen 
ausgerufen.  Aus  jener  Zeit  stammt  der 
nachfolgende  Reim: 

Sckweflichty  Schwef  licht,  Wockeseide, 

Schwe flicht,  Schwe flicht,  Hüsgerat! 

Hadd'  öck  nich  e  Mann  gename, 

Brukt  öck  nich  möt  Schwe flicht  gäne. 

Schwe flicht,  Schwe  flicht,  Wockeseide! 

SchwSfspOn,  m.,  s.  SchwenkspOn. 

Schweike,  /.,  Pferd;  Stute?  1401  eine 
Schweyke  3  ML  1408  ein  Hengst  16  Mk. 
Hirsch,  259. 

schweimeln,  sw,,  s.  scheiweln. 
Schweimer,  m.,  Vogelname,  s.  Kohl. 


schweinedreist,  pltd.  schwtndrTst,  adj., 

dreist  wie  ein  Schwein.  Dat  os  Schwin- 
dristigkeit,  das  ist  rücksichtslose,  un- 
verschämte Dreistigkeit 

schweinedumm,  adj,,  dumm  wie  ein 
Schwein.  Zur  Bezeichnung  grol'zer 
Beschränktheit. 

Schweinegras,  n.,  Vogelknöterich,  Po- 
lygonum  aviculare L,  Treichel,  Volks- 
thümliches  II. 

Schweinejagd,  /.,  das  Marktrecht  für 
den  Auftrieb  von  Schweinen  zum  Ver- 
kaufe.    Treichel. 

Schweinekest,  /.,  s.  Kest. 

SchweinenUsse,  Pflzn.^  Knollen  an  der 
Wurzel  von  Equisetum  palustre  und 
arvense.  Sie  werden  ihres  süfzen  Ge- 
schmackes wegen  von  Kindern  gegessen; 
aach  die  Schweine^  welche  sie  durch, 
den  Geruch  unter  der  Erde  entdecken 
sollen,  sind  darnach  begierig.  Hagen 
hält  die  Nüsse  für  eine  Art  von  Trüf- 
feln. S.  Hagen,  1080.  Treichel, 
Botan.  Not.  II;  Volksth. 

Schweinepriester,  m.,  Schimpfwort. 
Treichel. 

Schweinevesper,  f,  u.  n.,  Imbil'z  zwi- 
schen Vesper  und  Abendbrot,  etwa  um 
die  6.  Stunde,  in  welcher  die  Schweine 
vom  Felde  nach  Hause  getrieben  wer- 
den. Einen  zum  Schweinevespet'  be- 
suchen, 

Schweinhund,  m.,  Schimpfwort. 

Schweinichen,  Pflzn.,  s.  Gänsichen. 

Schweinigel,  m.  1.  Sauigel,  Erincu;eus. 
2.  Stachelschwein,  Hystrix,  3.  ein  in 
hohem  Grade  unreinlicher,  unsittlicher 
Mensch.  Sich  zum  Schweinigel  machen^ 
sich  betrinken.  Als  Schimpfwort  be- 
liebt;  ebenso:    Schweinhund,  Schwein- 

pelz.    Vgl.  SaunTgel. 

schweinigeln,  sw.,  wie  ein  Schweinigel 
thun^  obscön  reden,  Zoten  reilzen. 


330 


Schweinkraut  —  Schwenker. 


Schweinkrauty  n.,  Calla  palustris  L., 
weil  es  von  Schweinen  gern  gefressen 
wird.     Hagen,  406.     Pritzel,  73. 

Schweinsbohne,  /.,  Vicia  faba  L.  Man 
steckt  am  Neujahrstage  zwei  Schweine- 
bohnen für  sich  und  die  Geliebte  des 
Herzens  (oder  das  Mädchen  für  den 
Liebhaber)  unter  den  Balken  der  Stu- 
bendecke. Grünen  beide  aus,  so  folgt 
Hochzeit;  verdorren  beide,  so  tritt  der 
Tod  zwischen  das  Paar;  grünt  eine 
aus,  und  die  andere  verdorrt,  so  stirbt 
einer,  der  andere  aber  heiratet  ander- 
wärts.    Volkskal,  49. 

Schweinsdreck,  7n.,  Exkremente  des 
Schweines.  Pai^  Pui^  Schwtnsdreck! 
Besegnende  Redensart  bei  herannahen- 
dem Wirbelwinde,  wobei  man  ausspeit. 
.Im  Wirbelwinde  fahrt  nach  dem  Volks- 
glauben der  Teufel  und  bringt  allerlei 
Krankheiten  mit;  durch  obigen  Zuruf 
verekelt  er  sich  an  dem  Ausrufenden 
und  läfzt  ihn  unbelästigt.  Vor  Schweine- 
dreck soll  der  Teufel  überhaupt  Furcht 
haben.  Es  existiert  der  Glaube  noch 
vielfach,  dal'z  Nervenfieberkranke  vom 
Teufel  besessen  seien.  Man  lege  nur 
Schweinedreck  ins  Krankenbett  und  der 
Teufel  wird  weichen.     Sprw.  I,  3448. 

Schweinskopf,  m.  1 .  Kopf  eines  Schwei- 
nes. Zu  Fastnacht  Mittag  giebt's  ge- 
räucherten Schweinskopf  mit  Sauer- 
kraut. 2.  Dummkopf.  3.  liausch.  Ei* 
hat  sich  einen  Schweinskopf  gekauft^  er 
hat  sich  einen  Rausch  angetrunken. 
Sprw.  I,  445.  4.  bei  Stein,  Peregri- 
nus  UI,  3,  ist  Schweinskopf  unter  den 
musikalischen  Instrumenten  aufgeführt. 

Schweinstall,  m.  Der  SclmeinstaU  ist 
ofen^  wenn  die  Hose  vom  oflPen  steht; 
namentlich  in  früherer  Zeit  üblich,  als 
man  die  schmale  Kiapplatze  trug. 

SchweHzblut  n.,  s.  SchweizbluL 
Schweifzwurzel,  Pflzn.,  grofzblättriger 


Huflattich,  Tussilago  petasites  L.  Vgl. 
Lottchenblatt,    Hagen,  867. 

Schweizbfut,  richtiger  wohl  Schweifz- 
blut,  n.,  das  geronnene  Blut,  welches 
man  beim  geschlachteten  Schwein  in 
der  Nähe  des  Herzens  tindet. 

Schweizertuch,  n ,  angeblich  Tuch, 
wie  es  die  Schweizer  tragen;  dreiecki- 
ges, rotes,  bedrucktes  Halstuch,  das  im 
Werder  von  den  Mädchen  getragen 
wird,  das  Schwtzei'dök. 

SChw6l(en,  sw.,  schwanken,  wanken, 
taumeln.  Schweken^  as  wenn  Iie  besä- 
pen  es.     Dorr,  Driewjagd. 

Schw6l(sp0n,  m.^  s.  SchwenkspOn. 

SChwSlen,  sw.  1.  glimmen^  versteckt 
glühen,  ohne  Flamme  brennen,  s.  v.  a. 
schmolen.  Lit.  swelinti.  In  den  Raucher- 
kaulen auf  der  kurischen  Nehrung  wer- 
den Fische  über  schwelenden  Kiefer- 
zapfen {Schischken')  geräuchert.  2.  trin- 
ken und  trunken  sein.  Er  schwelt^ 
glüht  trunken.  Hennig,  251.  336.  3. 
im  Geiste  dämmern,  hell  werden.  Ei 
schwelt  em.  Auch  in  dem  Sinne :  bange 
sein.  anschwSlen,  zu  schwelen  beginnen, 
zu  glimmen  anfangen. 

Schwellenschlepper,  m,^  Klätscher,  der 
Tagesgeschwätz  von  Haus  zu  Haus 
trägt.     Auch:  Schleppschinic 

schwellenschlepperig,  adj,,  klatschhaft. 

Schwellenschlepprige  Sau!  Schimpfwort 
auf  ein  klatschsüchtiges  Weib,  oder  auf 
ein  solches  mit  übennäizig  grol'zen 
Brüsten,  die  gleichsam  bis  auf  die 
Schwelle  reichen  und  nachschleppen. 
Königsberg. 

Schwellinen,  Ortsn.,  Vorwerk  im  Kirch- 
spiel Mühlhausen,  Kr.  Pr.-Eylau.  He 
ÖS  de  Farr  von  SchwelUne,  als  Fopp- 
wort gegen  eingebildete  und  wichtig 
thuende  Leute. 

Schwenl(er,  m.,  von  schwenken^  einer, 
der  schwenkt  oder  das,  was  geschwenkt 


Schwenkspon  —  Schwim. 


331 


wird.  In  letzterer  Bedeutung  ein  Klei- 
dungsstück für  Frauen  und  Männer. 
Der  Frack  heilzt  im  Volksmunde  Qua- 
drillenschwenker.  Auch  zu  den  (Jon- 
tuschen  und  Schwenkern  (mul'z  noch 
Zeug  zugekauft  werden),  denn  sie  sind 
jetzt  kürzer  in  der  Taille  und  im  Gan- 
zen eine  gute  Elle  länger.  Soph.  B. 
VI,  560.  Für  Posen  s.  Bernd,  282. 
Vgl.  Flatterer. 

Schwenkspon,  SchwekspOn,  QuSkspOn, 
SchwSwspOn,  Schwtepon,  m.,  der  schwen- 
kende, schwebende  Span^  Teil  am  Wa- 
gen: der  die  finden  der  Deichselarme 
verbindende  Holzarm,  welcher  unter 
dem  Langbaum  die  nach  rechts  und 
links  schwenkenden  Bewegungen  der 
Deichsel  regelt.  Weil  er  dabei  hin 
und  her  rutscht,  heii'zt  er  auch  Rutsch- 
holz. 

Schwentgeschworener,  m.,  s.  LAke. 

schweppendig,  adv.^  s.  schwappendig. 

schwer,  pltd.  schwär  (a  =  ä)^  adv.  u. 

adj.^  sehr,  erheblich,  bedeutend.  Er  ist 
schwer  betrunken.  Ich  werde  mich  aber 
schwohr  wachten  (sehr  hüten),  ihm  mor- 
gen vor  Augen  zu  kommen,  Soph.  R.  V, 
612.  Dat  deit  ml  schwär  let  Königs- 
berg. Firmenich  I,  102a.  Et  ös  all 
schwoa  sea  lang  hä^  es  ist  all  schwer 
sehr  lange  her.  Boldt,  10.  Wat  for 
ne  schwere  (grol'ze)  Meng  von  garstgen 
Fehlem.    Dorr,  1.  Wiew.,  77. 

Schwereangst,  /.,  schwere  Angst^  als 
Ausruf  der  Verlegenheit,  Verwunde- 
rung. Ebenso:  Schwerebrett,  Schwere- 
noL  Schwere  Not  in  Hessen  die  Epi- 
lepsie.    Vilmar,  378. 

Schwerenöter,  m.^  Person^  die  einem 
schwere  Not  gemacht  hat,  Taugenichts, 
miserable.  Ists  denn  aber  nun  mit  dem 
Schwemöther  zu  Ende?  Soph.  li.  VI, 
212.    Meist  doch  in  scherzendem  und 


wohlwollendem  Sinne  von  einem  Mun- 
tern, Anstelligen,  Kunstfertigen. 

Schwerenotnägel,  plur.,  als  Fluch. 
Den  Schlfissel  hcTj  und  den  Augenblick^ 
oder  die  schweren^nothndgel  sollen  .  .  ./ 
Soph.  R.  VI,  208. 

Schwerk,  /.,  schwerken,  au?.,  s.  Schwark 
etc. 

SchwtopOn,  m.,  s.  Schwenkspon. 

Schwetz,  Ortsn.,  Stadt  an  der  Weich- 
sel mit  einer  Irren-Heilanstalt.  Er  ist 
reif  für  Schweiz.     Sprw.  I,  3113. 

SchwSwspOn,  m.,  s.  Schwenkspon. 

schwibbendig,  adv.^  s.  schwappendig. 

Schwibschen,  n.,  s.  Schwipps. 

Schwidda,  Schwidder,  m.^  s.  Schinder. 

schwieren,  sio.,  s.  schwtren. 

Schwierigkeit,  m.,  s.  das  folg. 

Schwieriichkeit,  Schwierigkeit,  /.,  Mög- 
lichkeit, Vermögen,  Kraft^  Können. 
Aber  ich  fege  sie  (die  Advokaten)  nach 
der  Schwierlichkeity  nach  der  Möglich- 
keit. Soph.  R.  V,  583.  Nach  der 
Schwierigkeit  essen,  trinken,  tanzen,  sich 
amüsieren. 

SchwTm,  SchwTmel,  m.  1.  Schwindel, 
Ohnmacht.  Schwtm  haben.  Em  kern 
de  Schwtm  an.  S.  Nif.  Einen  SchwU 
mel  bekommen.  2.  Trunkenheit.  Im 
Schwtm  sein  —  einen  Schwtmel  haben, 
beschwtmelt  sein,  betrunken  sein,  aber 
auch:  ein  Schwtmel  sein,  ein  liederlicher 
Mensch,  ein  Säufer  sein.  In  diesem 
Sinne  auch  SchwTmler;  in  gleicher  Be- 
deutung SchwTmelfritze.  Davon  schwT- 
melig,  adj.y  schwindelig,  schwtmen,  sw., 

matt,  kraftlos,  wankend^  halb  ohnmäch- 
tig einhergehen;  in  Ohnmacht  fallen, 
letzteres  gewöhnlich  beschwTmen,  be- 
schweimen.  In  erster  Bedeutung  auch 
schwTmefn;  dieses  doch  auch:  wie  ein 
Schwtmel  liederlich  und  ausschweifend 
leben.     verschwTmeln,    sein   Geld   mit 


332 


Schwimmbauni  —  schwirbeln. 


Schwtmeln  durchbringen;  durch  Schwt- 
mein  herunterkommen,  verderben.  B}r 
ist  ganz  verschmmelL 

Schwimmbaum ,  m. ,  schwimmender 
Baumstamm,  Rundholz,  am  Lachswehr, 
der  die  obere  Simme  des  Netzes  tragt 
und  worüber  die  Fahrzeuge  mit  Leich- 
tigkeit hinweggehen.     Benecke,  381. 

SchwimmbrQch ,  m, ,  schwimmender 
Bruch,  wandernde  Insel  aus  leichtem 
Erdreich,  „die  aus  Wurzeln,  Sprock, 
Schilf,  Rohr,  Blättern,  Gras  und  allerlei 
Vegetation,  aber  aus  wenigem  Erd- 
stoff zusammengesetzet  ist.^  Bock, 
Nat.  I,  423. 

schwTmschlachten,  m,^  s.  schwtmschla- 
gen. 

SchwTmschlag,  m.  1.  Schwindel,  Hsm- 
mel  =  Schwtm.  2.  Mensch,  zur  Ohn- 
macht geneigt,  vom  Schwindel  befallen, 
schwankenden,  taumelnden  Ganges.  3. 
Trunkener.     Er  geht  im  Schmmschlag. 

schwTmschlagen,  st^.,  nach  Gordack 
auch  -schlachten,  schwindelig  oder  trun- 
ken hin  und  her  wanken,  in  Ohnmacht 
sinken.  Ok  schwimschlagt  de  arme  Jung 
ommer  hen  on  her.  Kgsbg.  Firme- 
nich I,  102a.  Li  der  Gegend  von 
Saalfeld  schwTmschwanken. 

SChwTmschlagig,  adj.,  vom  vor.  Auch 
schwTmschlagerig.  Mi  ös  so  schwtmschla' 
gerig  to  Atod.  Hennig^  2b2:  schvnmm- 
schlagig. 

Schwindelhede,  /.,  s.  SchwingelhMe. 

Schwinge,  /.,  flacher,  länglicher,  offe- 
ner Futterkorb.     Schemionek,  38. 

Schwingel,  /.,  Flachsschwinge,  Gestell 
mit  messerartigem  Schwingholz  zur 
Flachsreinigung. 

Schwingelhede,  /.,  die  gröbsten  Teile 
des  geschwungenen  Flachses,  Werg. 
Auch  SchwinghSde  und  SchwindeIhSde. 
Sie  haben  statt  Betten  ein  Bund  Stroh 


und  von  grober  Schwindelheede  ein  La- 
ken  und  eine  Zudecke.  Pierson,  Matth. 
Prätor.,  113. 

schwingein,  sw.^  von  schmngen:  den 
Flachs  mit  der  Schvnngel  schlagend 
reinigen. 

SchwinghMe,  /.,  s.  SchwingeIhSde. 

schwippen,  sw,^  wippen,  elastisch  be- 
ben;  vom  Boden.    Das  Moor  schwippt, 

schwippendig,  adj.^  s.  schwappendig. 

SChwipps,  interj.,  schnell,  behende, 
geschickt.    Vgl.  Schwapps. 

Schwipps,  m,y  Dem.  Schujippschen, 
kleiner  Bausch.  Er  hat  einen  Schwipps, 
ein  Schwippschen,  Bock,  63,  u.  Hen- 
nig, 251,  schreiben  Schuoibschen. 

Schwipser,  m.,  Fehler.  Schwipser 
machen. 

SchwTr,  m.  1.  Wendung,  Schwung; 
sehr  häufig  aber  gewöhnlicher  Gang 
einer  Sache.  Einer  kommt  hinter  den 
Schmtr^  er  lernt  den  gewöhnlichen 
Gang  der  Geschäfte  kennen,  gewinnt 
Routine.  Er  hat  seinen  eigenen  Schwir 
in  einer  Sache^  er  hat  seinen  eigenen 
Gang,  seine  eigene  Methode  und  Wen- 
dung, z.  B.  beim  Klavierspiel,  im  Tan- 
zen. Danzig.  Klein  II,  150.  In 
gleichem  Sinne  in  Bremen  Swier,  hell. 
zwier,  Brem.  Wb.IV,  1124.  2.  Rausch. 
Er  ist  im  Schwtr^  er  ist  trunken.  Vgl. 
schwtren  2.  Im  Holstein,  ist  Schwtr 
ein  Trinklied.     Schütze  IV,  238. 

SchwTrbel,  m.  1.  Wirbel,  verworrene 
Menge,  Schwärm,  konfuser  Lärm.  2. 
Rausch.  Er  ist  schon  toieder  im  Schwir- 
bei.    Vgl.  Schmeller  HI,  548. 

schwirbeln,  sw.  1.  wirbelnd,  in  wirrer 
Menge  sich  bewegen.  Li  einer  unru- 
higen Schulklasse  schwirbeln  die  Kinder 
umher.  Ihm  schwirbelfs  im  Kopfe,  seine 
Gedanken  bewegen  sich  wirr  durch- 
einander, er  ist  konfus,  weifz  nicht  aus 


scbwirbelig  —  schwul. 


333 


noch  ein.  2.  trunken  umherschwärmeD.  In 
Bayern  auch  schvmrbeln,  Schmeller 
III,  548. 

schwirblig,  adj.  vom  vor.,  wirr,  wild, 
konfus,  trunken,  schwindelig. 

Schwtrbrader,  m.,  s.  SchmTr  und 
SchwTrer. 

schwTren,  schwüren,  8t£7. 1.  seitwärts  glei- 
ten ;  vorzugsweise  von  Schlitten  auf  glatter 
Schnee-  oder  Eisbahn.  Der  Schlitten 
schwtrty  schleudert  seitwärts  in  flGchtigem 
Schwünge.  Fischerkähne  schwtren^ 
schwüren^  wenn  sie  mit  vollem  Segel 
oder  Winde  fahren  und  das  Keitelnetz 
ziehen.  Ygl.  Keitelfischerei.  2.  herum- 
schweifen, schwärmen,  von  Wirtshaus 
zu  Wirtshaus  taumelnd  ziehen.  Er 
hat  diese  ganze  Woche  geschmrt  Vgl. 
SchwTr.  Lit.  smyruju^  suyr&ti  schwan- 
ken, taumeln ;  holl.  zwieren  schwärmen, 
dän.  mr^,  in  Bremen,  in  Pommern, 
im  Götting.  swiren.  Brem.  Wb.  IV, 
1125.  Dähn.,  480b.  Schamb.,  223a. 
Nsslm.,  Forsch.  2.  Bock,  63.  Hen- 
nig, 252. 

SchwTrer,  SchwTrbrader,  m.,  Schwär- 
mer, Bummler,  Saufbruder.  Müh- 
ling  hat  auch  SchWtrgeisL  Von  schwi- 
ren  2. 

SchWlt,  /.,  Menge,  Masse,  frz.  suite. 
Es  ging  uns  gestern  eine  ganze  Schwtt 
(Menschen)  vorbei.  Eine  Schwtt  Taur- 
ben  etc. 

schwitisieren ,  sw.^  suitisieren^  flott 
leben,  tolle  Streiche  machen.  Aus  der 
Studentensprache;  ebenso  Schwitjeh,  m., 
Suitier^  Kneipgenie,  Durchgänger. 
Sperber,  46. 

schwitzen,  sw,,  im  Gefangnisse  sitzen. 
Für  den  rothen  Hahn  sollt  Ihr  mir 
noch  ein  Jdhrchen  langer  schwitzen. 
Marsch  ins  Zuchthaus!  Soph.  R.  I, 
616f. 

8chwodder,8chwodde,8Chwod,8chwudde, 


in  der  Elbinger  Niederung  schodder, 
in Masuren  czoder,  nach  Hennig,  251, 
auch  Schwade,  Zuruf  an  Zugtiere,  wenn 
sie  sich  links  wenden  sollen;  ebenso 
ks6,  z6.  In  der  Niederlaus,  schwoide. 
Anton,  12,  26.    Vgl.  hot 

SChwSgen,  »w.  1 .  plaudern,  klatschen, 
übermäfzig  loben.  Die  vier  Weiber 
schwögen  da  was  rechts  über  das  gute 
Aussehen  des  Magisters  und  über  Kikel 
und  über  Kakel.  Soph.  R.  V,  587  f. 
2.  stöhnen,  klagen,  hin  und  her  schwan- 
ken.    Muhling. 

schwollen,  sw.  Bost  du  verröckt  om 
Koppf  wat  schwolst^  eck  soch  em  an^ 
hei  had  ön  Arfte-Topp,  onn  fratt  so 
braw  darop.    Carm.  nupt.  V,  190  c. 

Schwomigatz,  Ortsn.,  Dorf  im  Kreise 
Eonitz.  Spott:  Gä  na  SchwangatZy 
Hinne  fohle.    Sprw.  I,  1152. 

Schwuchtbnider,  ?».,  Sauibruder,  Säu- 
fer, Bummler.  Von  schvmchten.  Vgl. 
SchwTrer. 

schwächten,  sw.^  saufend  und  schwel- 
gend umherziehen,  ein  liederliches  Le- 
ben führen,  durchgehen.  beschwilChten, 
sich^  sich  betrinken,  verschwuchten, 
durch  Schwuchten  vergeuden.  VgL 
schwtren  2. 

schwudde,  Zuruf  an  Zugtiere,  s. 
schwodder. 

schwuddern,  sw.^  nach  Treichel  s. 
V.  a.  schwtmeln. 

SChwQI,  odf;.,  schwül;  vom  Wetter, 
von  der  Gemütsstimmung.  Schwule 
Luft.  Den  10.  Julii  {1636)  die  Nacht 
zuvor  hat  es  sehr  geregnet^  worauff  den 
Tag  über  klares  und  schwules  Wetter 
ge folget^  den  11.  und  12,  Julii  war  es 
sehr  klar  und  heftig  schwul  etc.  Line- 
mann, E2b.  Mir  ist  schwul  ums 
MerZj  ich  fühle  mich  beklommen,  ich 
fürchte  ein  Unheil.  Hennig,  252. 
VgL  Brem.  Wb.  IV,  1127.     Schütze 


334 


schwulen  —  Seekatz. 


IV,  240.  Dähn.,  480b.  Schamb., 
223a.     Weigand  II,  673. 

schwulen,  sw,^  von  der  Seite  sehen, 
scheel  sehen.    Treichel. 

Schwulstfresser,  m.^  Fresser,  der  bis 
zum  Schwellen,  Platzen  frilzt,  Vielfrafz, 
Friatt  (frefzt)  dän  Schioolht  an  june 
Möge!  Pr.  Prov.-Bl.  XXVII,  51. 
Volksl.,  99. 

Schwung,  m.  1.  Eommis.  S.  Ladens 
Schwengel.  2.  Einen  auf  den  Schwung 
bringen^  ihn  gründlich  abfertigen.  Sper- 
ber, 29.     Berlinisch. 

schwüren,  sw.^  s.  schwlren. 

se,  pron.,  sie.  Hören  se  mal!  WoWn 
se  sich  nich  setzen  f 

si  (e  kurz),  imperativisch:  nimm 
hin,  da  hast!  Wenn  man  einem  andern 
etwas  darbietet.  Ebenso  in  Bayern. 
Schm eller  III,  180.  Das  lit.  cz^  da, 
hier,  klingt  wohl  nur  zufällig  ähnlich. 

S6,  /.,  das  Vogel  Weibchen,  s.  Sie. 

Sealschmer,  m.,  Seehundschmer.  Im 
15.  Jahrh.  Handelsartikel  in  Danzig. 
Hirsch,  248. 

Sech,  /.,  Pflugmesser,  s.  Zech. 

S§chen,  n.,  Fischerboot,  s.  Sau  2. 

Sechser,  pltd.  Sesser,  m.,  Einfunftel- 

Thalerstück,  so  genannt,  weil  es  6  Vier- 
pfenniger  (24  alte  Pfennige)  galt.  Durch 
Gesetz  vom  30.  September  1831  all- 
mählich eingezogen.  (Vgl.  Achtzehnef\) 
E  Messer  kosft  e  Sesser^  als  Antwort 
auf  die  Bitte  um  ein  Messer.  Sprw. 
I,  2628. 

Sechsgr8scher,m.,  Schimpfwort.  Stein, 
Peregrinus  XII,  82.  W.  Mtsbl.  V, 
191. 

SechsknSpfer,  m.  Denn  haben  Sie 
eine  Tharheit  gethan^  Sie  haben  bei  den 
Sechsknopfem  Dienste  genommeny  ohne 
mit  edlem  Stolz  eine  Stelle  bei  der  Garde 
begehrt  zu  haben,    Soph.  R,  I,  550. 

sMen,  sSden,  s^.,  sieden.     Utgesädnet 


Flesch^  ausgesottenes,  durch  Sieden  ent- 
kräftetes Fleisch. 

Seebär,  m.^  Schimpfwort.  Er  ist  ein 
Seebär  —  ein  alter  Seebär.  Er  brummt 
wie  ein  Seebär. 

Seebab,  (?).  Nach  Hennig,  252, 
Name  für  eine  Gattung  von  Steinen, 
die  lat.  Alga  marina  petrefacta  heifzen. 
Helwing,  Lithogr.  Angerb.  II,  94a. 

Seebeck,  Ortsn.,  Seeburg,  Stadt  im 
Ermlande,  Er.  Rössel.  Da  Schnaps 
OS  von  Seebeck  vom  aJde  Gräwna.  Erm- 
ländische  Freisch.,  7.  Said  ea  atis  da 
seebecksche  Gegend.     Ibid.,  6. 

Seebull,  m.,  s.  Donnerkrttte. 

Seechen,  n.,  Fischerboot,  s.  Sau  3. 

Seedistel,  Pflzn.,  Erebsscheere,  Stror- 
tiotes  ahidesL.  Er.  Lauenburg.  Trei- 
chel, Volksth. 

Seegras,  n.,  auch  Seegrasblume  und 
Meergrasblume,  gemeine  Grasnelke,  Ar- 
Tneria  vulgaris  Willd.  Pritzel,  39. 
Hagen,  346.  Nach  Hagen  aucli 
noch  MeergrasneUce^Meemägelchen^  Berg^ 
nelke^  Grasblume,  Seenelke^  Wiesenkraut. 
Seegras  s.  auch  Sandhaber. 

Seehaber,  m.,  s.  Sandhaber. 

Seehahn,  m.^  Fischn.,  Cottv^s  scorpius, 
Hennenberger,  29.     S.  Donnerkrttte. 
Seehase,  m.,  Fischn.,  s.  Bauchsauger. 

Seehund,  m.,  Schimpfwort.  Alter  See- 
hund. 

Seehundsfett,  n.  Fett  vom  Seehunde 
wird  als  Medikament  in  den  Apotheken 
gefordert;  dafür  wird  Schweineschmalz 
gegeben. 

Seejumfer,  Seejungfer,  /.,  s.  Jungfer. 

Seekalb,  n.,  Schimpfwort  auf  einen 
dummen  jungen  Menschen. 

Seekante,  /.,  Secküste,  Strand.  Das 
Dorf  liegt  an  der  Seekante.  Hennig, 
253.  Bei  Stein,  Peregrinus  lU,  3, 
kurz  Seekant. 

Seekatz,  f.  u.  m.^  der  Seehund  in  der 


Seekaulbarsch  —  S^. 


335 


Fischersprache.   Königsberg.  Vgl.  Ro- 
senkranz, Egsbg.  Skizzen  I,  201. 

Seekaulbarsch,  m.,  s.  Bauchsauger. 

Seekolben,  m,^  Fflzn.,  Eolbenrohr, 
Typlia  L.,  auch  Marienkolben.  Ostpr. 
Pritzel,  418.    Vgl.  Duderkeule. 

Seekreuzdorn,  m.,  s.  Sanddorn. 

Seelader,  n.,  s.  SSIader. 

Seele,  /.,  die  cylindrische  Blase  im 
Hering,  Strömling.  Sie  wird  an  die 
Zimmerdecke  geworfen,  wo  sie  kleben 
bleibt.     Natangen. 

Seeiengreifer,    pltd.   SeelegrTper,   m,, 

einer,  der  die  Seelen  greift,  Frömmler, 
Mucker;    namentlich    von    Geistlichen. 
Dat  ÖS  e  rechter  SeelegrTper.     Wehlau. 
In  gleichem  Sinne  Jesugreifer. 
seelengut,  pltd.  seelensgOt,  adj,^  von 

Seele,    von  Herzen    gut.     Es    war  ein 
seelengutes  Kind.     Soph.  R.  HI,  134. 

Seelenkleister,  w.,  grober  Mehlbrei. 
Et  gef  hyde  Seelekltster. 

SeelentSter,  m.,  s.  Seelenverkäufer. 

SeelentrSster,  m ,  Tröster  der  Seelen, 
als  Bezeichnung  für  Branntwein.  FrötZy 
mot  de  blanke  MötZy  bringt  mt  den 
Seelentröster  möt.     Kgsbg. 

Seelenverkäufer^  m.,  kleiner  Kahn, 
aus  einem  Baumstamm  gehöhlt,  Ein- 
bäum.  Die  polnischen  Flöfzer,  ^chim- 
ken,  bringen  diese  Seelenverkäufer  mit, 
in  welchen  die  Fahrt  nicht  ohne  Ge- 
fahr ist.  Königsberg.  In  Danzig  heifzt 
ein  solcher  Kahn  SeelentOter,  in  Elbing 
schneller  Tod.  Gedanism.  Schemio- 
nek,  36, 

Seelenwärmer,  m.,  gestrickte  wollene 
Frauenweste. 

Seelglocke,  /.,  das  Läuten  in  der  Ver- 
scheidestunde. Westpreul'zen,  nament- 
lich in  der  Gegend  von  Danzig.  Die 
Gemeinde  soll  durch  das  Läuten  zur 
Fürbitte  für  die  Seele  des  Verstorbenen 
aufgefordert  werden.     Uintz,  83. 


seelzagen,  pltd.  seeltägen,  sw.,  in  den 

letzten  Zügen  liegen.  Er  seehagt  schon, 
er  ringt  mit  dem  Tode.  Hennig, 
253,  erklärt  nach  dem  Brem.  Wb.  IV, 
748,  tagen  =  ziehen,  die  Wohnung  ver- 
ändern^ so  daCz  seeltägen  den  Zustand 
bezeichnet,  in  dem  die  Seele  bereit  i^ 
ihre  bisherige  Wohnung  zu  verlassen. 
Näher  liegt  die  Zusammensetzung  aus 
Seele  und  zagen,  wie  denn  auch  die 
heutigen  weitem  Bedeutungen  des  Wortes 
das  Verzagtsein  der  Seele  bezeichnen; 
Mühling  erklärt:  grofzen  Kummer 
haben;  doch  drückt  das  Wort  über- 
haupt Sorge,  Besorgnis,  Bangigkeit, 
Bedrängnis,  ja  sogar  Verlegenheit  aas 
Gordack  bezeichnet  mit  s^^i^o^^n  den 
Zustand,  in  dem  man  nicht  aus  dem 
Schlafe  sich  zu  ermuntern  vermag, 
nicht  aufwachen  kann,  auch  den,  in 
dem  man  schlafen  möchte,  aber  aus 
Schicklichkeitsgründen  nicht  schlafen 
darf.  Nu  (nach  dem  Tode  des  Mäd- 
chens) seehagt^  de  Frau  Motter  sehr,  on 
ehr  word  bang,  dafz  das  Prenzche  och 
drufgehe  mucht.  Schalt).  1,  441.  Für 
Liv-  und  Estland  bei  Hupel,  216. 

Seemannstreu,  /.,  Pflzn.,  s.  Mannstreu. 
Seemaräne,  /.,  s.  Schnäpel. 

SeemSve,  /.,  Möven,  die  sich  an  der 
See  aufhalten,  Larus.     Vgl.  HaffmSve. 

Seenadel,  /.,  Fischn.  1.  die  groi'ze 
Seenadel,  Syngnathus  typhle  L.,  lit.  kur. 
juros  adata.  2.  die  kleine  Seenadel,  S. 
ophtdion  L.,  auch  Sturmfisch,  lit.  kor. 
ebenfalls  juros  adata.  Benecke,  1 89f. 
Bujack,  391,  hat  noch  eine  dritte  Art, 
S.  acus  L.,  die  in  der  Provinz  auch 
Sacknadel  heifzen  soll.  Vgl.  Mühling, 
Tiern.,  176. 

Seenelke,  /.,  s.  Seegras. 

Seepuppe,  /.,  Seerose,  Nymphaea. 

Seequappe,  /.,  s.  Aalquappe. 

S6g,    S8g,    /.,    Sau,    das    weibliche 


336 


Sega  —  Seifenwurzel. 


Schwein.     He   »petzt  de  Ohren   wi  de 
Seg    on   de    Arften.      Sprw.    I,    2849. 
Vgl.  Brem.  Wb.  IV,  Schamb.,  201b. 
S6ga,  971.,  s.  SSger. 

segeln,  sw,^  in  Zusammensetzungen: 
absegeln,     abreisen,     abziehen,     eine 
Sache  aufgeben,  von  ihr  lassen;  sterben. 
drauf  los  segeln,  einer  Sache  oder  Person 
geradezu  und  unbeirrt  entgegentreten. 

sSgen,  sw,  1.  seihen,  durchseihen, 
ahd.  sihan^  mhd.  sthen.  2.  säen,  ahd. 
sajarij  mhd.  8(iefen.  Wi'  hebbe  geseegt, 
frosch  Hawersaat  Volksl.,  61,  40  IIL 
In  dieser  Bedeutung  auch  seien.  On 
wenn  de  Bur  heft  utgeseit.  Seelenw., 
107. 

seger,  SSga,  SSger,  7n.,  Seiger,  Uhr. 
De  Sega  sc/Uog  ent  Volksr.,  101,  450. 
De  Seger  ös  e  Lüedbedreger,  Sprw.  I, 
3462.  Wieveel  mach  doch  de  Seegei* 
sSnf  Volksr.,  264,  922.  Möt  Hot  on 
Tascheseger  De  Lehret'  vär  dt  steit 
Lehrztg.  4,  355  b.  Nu  geit  de  Seger 
rechty  wenn  etwas  verkehrt  ausgeführt 
wird.  Wie  den*  Seger  gehet,  so  gehet 
das  Regiment  Stei  n,  PeregrinusXVII, 
14.  W.  Mtsbl.  VI,  189. 

Segg,  Segge,  /.,  Mund,  Mundwerk, 
Redefertigkeit.  He  heft  ne  gdde  Segg^ 
er  versteht  flieizend  zu  reden.  Von 
s^gen  sagen.    Vgl.  Sprw.  11,  2458. 

Segg,  /.,  das  Vorschneidemesser  an 
dem  Werderpflug.  Dieser  hat  ein 
Vordergestell,  auf  welchem  der  Balken 
ruht,  mit  dem  Vorschneidemesser  und 
einem  langen,  weniggewundenenStreich- 
brette.     Prov.  Priz.,  478. 

Seheke,  /.,  Dem.  von  die  Sehe,  Pu- 
pille.    Dönh. 

sehr,  adv.^  findet  im  Pltd.  nur  be- 
schrankten Gebrauch;  man  sagt  zwar: 
en  sehr  gdder  Herr^  viel  lieber  jedoch: 
en  gewaltig  etc. 

sehrchens,   adv.^    verstärktes  sehr  in 


Deminutivform.     Die  älteste  war  sehr'- 
chens  hqfzlich . . . ,  die  jüngste  aber  war 
sehrchens  hübsch.     Schaltj.  1,  439. 
Sehr  chens  gutt.     Dorr,  1.  Wiew.,  58. 

Sehrkerl,  m.,  vorzuglicher  Mensch,  gan- 
zer Mann .  So  ein  Sehrkerl  bin  ich  nun  wol 
nichts  da/z  ich  denkwürdigste  Mann  heifzen 
konnte,  Soph.  R.  IIT,  23.  Es  gehört 
ganz  gewi/z  das  Herz  eines  Sehrkerls 
dazUy  mit  einer  Schwiegermutter  es  zu 
wagen.    Ibid.,  383. 

Sei,  /,  s.  Sie. 

sei,  1.  Person  des  Präs.  Indik.  von  sein^ 
bin.  Ich  sei  em  nichts  schuldig,  Erm- 
land.  Ich  sai  ja  von  Pöss^  (Pissau)  da 
Ghraif,     Eiml.  Freisch.,  6. 

Seiche,  /.,  Urin. 

seichen,  sechen,9t6\,mtn^^^.  beseichen, 

sich.  Und  für  gi^ossem  Leid  beseycht 
sie  (die  Braut  bei  den  alten  Sudauem, 
wenn  sie  in  ihres  Vaters  Hause  von 
allem  Lieben  Abschied  nimmt)  sichy 
und  wenn's  die  Freunde  sehen^  so  um-- 
pfahen  sie  die  Braut  und  sprechen'. 
OhOy  mein  liebes  Freundlein^  mühe  dich 
nicht  so  fast  und  hart,  siehe^  dein  Bläs^ 
lein  mochte  dir  zerbersten^  da/z  du  nickt 
tüchtig  wärest  deinem  Männlein.  Von 
den  alten  Sudanern  und  ihrem  Bock- 
heiligen.    Erl.  Pr.  V,  714. 

Seichsack,  ?n.,  Sack,  der  seicht;  als 
Schimpfwort.     Kgsbg. 

seien,  str.,  s.  sSgen. 

seiern,  str.,  lebhaft  und  viel  sprechen, 
namentlich    klagend,    scheltend.      Vgl. 

Geseier. 

Seifenwurzel,/.,  Wurzel  des  gebrauch- 
lichen Seifenkrautes,  Saponaria  offi-- 
cinalis  L.,  weil  sie  zum  Waschen  von 
buntem  Zeuge  verwendet  wird.  Trei- 
chel,  Volksth.  III.  Nach  Hagen, 
452,  das  langstielige  Gipskraut,  Gypso- 
phäa  fastigiata  L.,  weil  die  Wurzel 
bei  der  Wäsche  als  Seife  dienen  soll. 


Seige  —  Seiler. 


337 


Seige,  /.,  s.  Sau  3. 
Seigner,  m,,  s.  Seuner. 

Seike,  n,,  das  SiecheD,  s.  Sie. 

Seil,  n,y  LängenmaCz,  10  Kak'n  ent- 
haltend. JO  Mefzruthen  machen  ein  Seil, 
Bock,  Nat.  I,  688.  Man  soll  tcissen^ 
dafz  die  gemeinen  offenbaren  Mafze^  die 
mr  gebrauchen  im  Lande  Preufzen  zu 
messen  den  Acker  mnd  Seil^  Ruthen^ 
EUen^  Fufze  und  Handbreit  mit  ihren 
Stücken.  Pr.  Prov.-Bl.  VIII,  357. 
Die  Entfernungen  für  die  Arbeiten  am 
Damme  werden  meist  nach  Seilen^  sei- 
fener  nach  Ruthen  bestimmt  Passarge, 
340. 

Seilenschlissen,  (?),  bei  Stein  III,  3, 
unter  res  nauticae, 

seimig,  sämig,  sßmig,  or//.,  dickflüssig 

wie  Honigseim,  bind  ig,  schleimig,  bei 
Saucen  und  Suppen.  Di£  Ob8tsupj)e  ist 
so  seimig, 

sein,  sindar  Lassen  sie  mich  sein^ 
lassen  sie  i&ich  in  Ruhe,  in  Frieden! 
ruft  ein  Mädchen  dem  zudringlich  Zärt- 
lichen zu.    Du  läfzt  mir  sind! 

seindäg,  seintäg,  pltd.  slndäg,  sSnndAg, 

adv,^  während  seiner  Tage,  während 
seines  Lebens.  Das  geschieht  seindäg 
nichts  niemals.  Rätsel:  Vor  Jungfern 
gripen  sick  dagdäglich  on  kriegen  sick 
siendäg  nich.  Die  vier  Mühlenflügel. 
Viol^t,  199.  S.  anmuten.  Vgl. 
meindäg. 

Seine,  pltd.  Sine,  /.,  seine  Frau. 
Sine  tröU  je  nich,  seine  Frau  will  ja 
nicht.  Ebenso  in  der  Oberlausitz. 
Anton,  12,  26. 

Seite,  /.  Auf  die  Seite  gehn^  sich 
entfernen,  um  ein  natürliches  Bedürfnis 
zu  befriedigen. 

Sftke,  /.  1.  seichte  Stelle  im  Wasser, 
Untiefe,  lit.  sekis^  sekU^  sekliSy  let.  ^ekh; 
lit.  senku^  sekti  seicht  werden;    nd.  sek 

Priscbbier,  W6rt«rbach  II. 


seicht.  Auf  den  flachen  Stellen  des 
Haffes^  den  {Seeken)  . . ,  darf  keine  Art 
von Segelßschereibetneben  werden,  Fisch .- 
Ordg.  f.  a.  kur.  Haff  §  17.  Vgl.  Fläche. 
2.  nach  Hennig,  253,  SSken,  SSchen, 
ganz  kleine  Fischerböte,  s.  Sau  3.  3. 
nach  Mühling  Sßk,  STk,  /.,  kleine 
Pfütze.  Vgl.  Nsslm.,  Forsch.  3;  Th., 
158. 

s6ke(n,)  sw.^  suchen. 

sßkerig,  adj.^  nalz;  vom  Holz.  Seke- 
riges  Holz.  Samland  (Korkehnen). 
Der  Einsender  deutet  auf  „sickern^  hin 
und  schreibt  sSkerig. 

Sifl,  n.,  s.  Siel. 

S6I,  gewöhnlich  sSlle,  adv.^  selten. 
Doch  ofz  et  mehr  als  wahr,  dat  sock 
sehl  Lydkens  finde^  by  welken  Erbark^t 
de  rechte  Wahnung  holt.  Carm.  nupt. 
IV,  59  c. 

Sßlader,  n.,  Kücheni:>chürze;  Scheuer- 
tuch, Wischlappen.  Westpr.  Lo/z  dich 
ehrscht  möt  dem  Seelader  deeg  abf^beln. 
Schaltj.  3,  5.  Bring  se  urschend  e 
Seelader  rauffei*t.     Schemionek,    52. 

Vgl.  Seischurz.    S.  sälen. 

selbstmachend,  adj.  von  selbst  machen. 
Selbstmachendes  Zeug,  im  Hause  ge- 
webter Stoff  zum  Kleide.  Der  Rock 
ist  aus  selhstmachendem  Zeug  gemacht. 
Marold. 

sSlen,  sw.y  schelten,  ausseien,  aus- 
schelten.   Dönh. 

sSlen,  dir.,  sicli^  s.  Sälen. 

selig,  adj,y  trunken,  betrunken.  Er 
ist  selig.     Vgl.  Sälen. 

seilen,  «u?.,  Trödclhandel  treiben,  trö- 
deln; engl,  to  selly  schwed.  sälja^  dän. 
saelge.  verseilen,  verkaufen,  Kleinhandel 
treiben.  Über  die  Verbreitung  des 
Wortes  s.  Korrespbl.  II,  28.  59.  Hen- 
nig, 253. 

Seiler,  m.,  von  seilen^  Trödler.    Kleider- 

22 


338 


Seilerbude  —  serig. 


seller,  Händler  mit  alten  Kleidern. 
BUcherseller,  Antiquar. 

Seilerbude,  /.,  Bude  eines  Seilers, 
Trödlerbude. 

Sellerin,  /.,  Trödlerin.  Bock,  63, 
Hennig,  253. 

SSISChurz,  /.,  Schürze  mit  Brustlatz, 
der  durch  eine  Halsschnur  festgehalten 
wird,  Euchenschürze,  die  zum  Schutz 
des  Kleides  getragen  wird.    Natangen. 

Vgl.  SSIader  u.  sälen. 

sSmig,  adj,^  s.  seimig. 

sSmisch,  adj.^  s.  sämisch. 

Semkuhnen,  Ortsn.,  Dorf  bei  Inster- 
burg.  Semkuhner,  de  Fupp  brennt! 
Sprw.  I,  1026. 

SemmelkrSst,  m.,  Verunstaltung  von 
Seminarist.     Pr.  Eylau. 

SSmschblStter,  plur,^  Sennesblätter. 

Semse,  Pflzn.,  Simse,  Juncus  L, 

Send,  /.,  s.  Säd. 

Sende,  Pflzn.,  s.  Rutsche. 

Senf,  TW.,  Ansicht,  meist  verkehrte. 
Nun  giebt  er  seinen  Senf  dazu.  Du 
motst  6k  noch  dtnen  Senf  dato  gewen. 
Einen  langen  Senf  machen^  von  einer 
Sache  viel,  aber  Unbedeutendes  sagen. 
Von  der  aus  den  Körnern  des  Senfes 
bereiteten  breiartigen  Tunke  zum  Fleisch. 
H e n n  i  g,  253.  Wilder  Senf,  Raukensenf, 
SisymbHum  sophiuL.  Die  Samenkörner 
werden  gegen  Übelkeit  eingenommen. 
Saalfeld. 

sengein,  sw.^  s.  sangein. 

sengen,  sw.^  schlagen,  dal'z  es  schmerzt, 
brennt.  Einem  eins  sengen^  ihm  eine 
Ohrfeige  geben.  Sprw.  1,  3485.  Vgl. 
brennen. 

Senk,  /.,  von  senken^  Vertiefung  inj 
Acker;  Thal;  flache  Stelle  in  einem 
Gewässer.  Im  Ermlande  Sitting,  STting, 
STtig,  /.,  von  sid  (s,  d.).  Sperber,  20. 
Vgl.  Soll  u.  STdnis. 

Senke,  /.,  s.  Senknetz. 


Senkel,  m.  n.  n.  1.  Schnur  mit  Metall- 
spitze; Riemen,  gewisse  Kleidungsstücke 
damit  zusammenzuschnüren.  Daher 
Schnürsenkel,  Schnur  zum  Verschlusse 
des  Frauenmieders,  poln.  zankieL  Hen- 
nig, 253.  Schuhsenkel,  Schnur  zum 
Zuschnüren  der  Schuhe.  2.  Schnur  an 
ländlichen  Thürklinken,  woran  diese 
angezogen  werden.  Über  Nacht  zieht 
man  den  Senkel  ein.  3.  Figürlich: 
dünner,  junger  Aal,  Senkelaal.  Er  i$t 
so  dünn  vne  ein  Senkel, 

Senkelaal,  m.,  s.  Senkel  3. 

senken,  sw.^  beim  Kartenspiel:  1.  das 
Spiel  eines  andern  umwerfen.  2.  statt 
der  aus  dem  Talon  (Skat)  gekauften 
zwei  Karten  zwei  andere  fortlegen; 
dies  auch  senkenbergern.    Treichel. 

Senker,  m.,  Senkgam,  n.,  -harnen,  m.. 
s.  Senknetz. 

Senknetz,  Senkgarn,  n.,  auch  der 
Senker,  die  Senke,  das  Hängenetz  oder 
Hebenetz,  einfaches  Netztuch,  das  mittelst 
eines  hölzernen  Kreuzbügels  oder  Rah- 
mens ausgespannt  erhalten  wird.  Es  wird 
freihändig  oder  mittelst  einer  Hebel- 
stütze ins  Wasser  gesenkt  und  aus 
demselben  gehoben.  Der  Senkhamen, 
auch  Setzhamen  in  den  lit.  Binnenge- 
wässern hat  gröi'zere  Dimensionen. 
Bock,  Nat.  IV,  726.    Benecke,  362f. 

Senktornftrsch,  m.,  Schnupftabak  aus 
den  P'abriken  in  St.  Omer  in  Frank- 
reich; auch  Sentemßr,  SanktomCL  So 
la£  öck  mi  doch  Senktamersch  Woll  ut 
de  Stadt  mötbringe,     Volksl.,  56,  38,  5. 

Sensendraht,  m ,  Pflzn.,  s.  Harmus. 

SentemCr,  m.,  s.  SenktomSrsch. 

§epar6re(n),  sw,  1.  sich  trennen,  von 
Eheletiten,  Se  hebbe  sock  geseparert,  2. 
ausscheiden  aus  der  Bodengemeinschaft. 
Das  franz.  s^parer, 

sSrigi  ad/.^  schmerzhaft,  empfindlich; 
schwärig.     Mühling.    Bei  Jeroschin 


Sesser  —  Sicherheitfikoromissarius. 


339 


srr,  adj,^  wund,  sei'de^  scre  Versehrung, 
Schmerz.  Pfeiffer,  219.  Im  Brem. 
schmerzhaft,  verletzt  an  der  Haut,  ver- 
wundet, grindig.  Von  seer,  wi.,  Schmerz, 
Hautverletzung,Aus8chlag,Grind.  Angs. 
sar,  isl.  und  dän.  saaVy  schwed.  sär^ 
holl.  seer.     Brem.  Wb.  IV,  754. 

Sesser,  m.^  s.  Sechser. 

sefzhaft,  adj,^  von  der  Se/z  Sitz, 
Wohnsitz,  Besitztum.  Es  ist  ein  sefz- 
hafter  ManUy  ein  Mann  mit  Grundbe- 
sitz in  seinem  Wohnoi*te.  Hennig, 
254. 

SSterke,  n.,  das  Sui'zerche,  Suize,  ein 
Bonbon.  Wenn  ock  nau  de  Stadt  fär^ 
war  öck  di  ok  e  Seterke  moibnnge. 
Sprw.  I,  3505. 

Sett,  sott,  m.^  Sitz.  De  Höhner  sSnd 
schon  op  de  Sett^  gah  ligge!  zu  Kindern, 
welche  nicht  zu  Bett  wollen.  Von 
setten,  sötten  sitzen. 

Setthen,  Pflzn.,  s.  Setzhin. 

setzen,  sm?.,  prafen.  „Der  Weinver- 
kauf war  in  Danzig  bestimmten  Be- 
schränkungen unterworfen.  Wer  in 
der  Stadt  Wein  verkaufen  wollte,  mul'zte 
ihn  zuvor  auf  das  Rathhaus  bringen 
und  dort  setzen^  d.  h.  prüfen  und  seinen 
Preis  feststellen  lassen**.  1 5.  Jahrhundert 
Hirsch,  261. 

Setzhftmen,  m.,  viereckiges,  tuchartig 
geformtes  Netz,  an  dessen  Ecken  sich 
über  Kreuz  Bandstöcke  befinden,  die 
es  gespannt  halten.  Die  Mitte  der 
Bandkreuzung  ist  an  einer  langen  und 
festen  Stange  befestigt,  die  von  einem 
Fahrzeuge  aus  mit  dem  Netze  ins 
Wasser  gesenkt  wird.  Der  Setzhamen 
wird  vorzugsweise  bei  der  Fluizfischerei 

benutzt.    S.  Senknetz. 

Setzhin,    gewöhnlich  pltd.    Setthen, 

Pflzn.,  Setze  dich  hin,  Buschanemone, 

Anemona  nenwrasa  L,  Dönh. 


Setzling,  m.  1.  junger  Fisch,  der  zum 
Auswachsen  in  den  Teich  gesetzt  wird. 
2.  junge  Bäume,  die  aus  der  Baum- 
schule versetzt  werden.  Hennig, 
254. 

Setzzeit,  /.,  Zeit,  in  der  Hühner, 
Enten,  Gänse  und  wilde  Vögel  nisten, 
brüten.  Die  Jagd  dieser  Vögel  ist 
während  dieser  Zeit  verboten.  Bock, 
63.     Hennig,  254. 

Seile,  Sewe,  /.,  Fischerboot,  s.  Sau  3. 

Seufzer,  m.,  Blähung.  Einen  Seufzer 
fahren  lassen,  Stille  Seufzer  fahren 
lassen. 

Seuner,  Seugner,  Seigner,  STgner,  m., 

von  Seue  etc.,  Fischer.  Die  Ufer  der 
Radaune  in  Danzig,  an  welchen  die 
Seuner  wohnten,  werden  noch  jetzt  die 
iS^^n  genannt.  Hirsck,  307.  Klein 
n,  154:  Siegner ^  Seugner^  Karpfenver- 
käufer    Vgl.  Karpfenseugner. 

ST,  Sieh,  /.,  Seihe,  Milchseihe.  Da- 
von sten^  sw.^  seihen. 

sibberig,  adjy  s.  sibbern. 

sibbem,  sw  1 .  sickern,  durchtröpfeln, 
Feuchtigkeit  absetzen.  Die  Wunde 
sihbert^  sie  setzt  das  sogenannte  Glied- 
wasser ab.  Sibbriges  Wetter^  nebeliges 
Regenwetter.  Leck  gewordene  Gefalze 
sibbetm.  Nds.  sipen^  sipem^  zipem. 
Brem.  Wb.  IV,  792.  Dähn.,  424b. 
Schamb.,  192b.  Vilmar,  385:  «q?- 
pet^.  Bock,  68.  Hennig,  279.  Beide 
schreiben  sUbbem,  und  Hennig  hat 
noch:  2.  in  kleinen  Zügen  trinken,  im 
Trinken  oft  absetzen.  Sie  sibbert  nur^ 
sie  leckt  nur  vom  Getränke.  3.  sachte, 
bei  Nebel  regnen:  ein  solch  leichter 
Regen  heilzt  Sibberregen.  Es  sibbert  so 
weg.    4.  s.  v.  a.  sabbern  (s.  d.) 

Stbnis,  n.,  s.  STdnis. 

Sichelkraut,  n.,  s.  WassersSge. 

Sicherheitsicommissariiis,  m.,  einer,  der 

22* 


340 


sichten  —  Sielennagel. 


in  seinen  Unternehmungen  sehr  sicher 
gehen  will,  alles  sehr  genau  überlegt. 

sichten,  sw.^  sieben,  vermittelst  eines 
Siebes  reinigen.     8.  absiebten. 

sichtig,    pltd.  süchtig,    adj.    und  adv. 

1.  sichtbar.  Ein  sichtiger  Scliaden^  eine 
sichtige  Wunde.  Sichtiges  Fetty  Fett, 
das  sichtbar,  sichtlich  zerflieizen  mochte. 

2.  nal'z.  Ein  sichtiger  Boden,  ein  nasser, 
sprindiger  Boden,  ein  Boden,  auf  dem 
man  das  Wasser  sieht.     VgL  sUchtig. 

sichtlich,  adj.  von  die  Sicht,  Wahr- 
nehmung mit  den  Augen.  B/r  mird . . . 
vor  meinen  sichtlichen  Augen  das  Mäd- 
chen so  einnehmen,  da/z  ich  lieber  nicht 
daran  denken  mag,     Soph.  R.  IV,  555. 

Sicice,  /.,  Fischerboot,  s.  »Sau  3.  Be- 
necke, 373  und  Schemionek,  38, 
haben  Sicicen,  H.  Das  Sicken  folgt  den 
treibenden  Netzen  langsam  rudernd  nach. 
Garnsicice,  Sicke,  welche  das  Fischer- 
garn, das  Netz  trägt. 

Sld,  sTt,  adj,  und  ado.,  niedrig,  tief 
gelegen,  seicht;  dän.  sid,  Stdet  Land, 
sidet  Water,  en  slder  StoL  Ock  huck 
Sld,  ich  sitze  niedrig.  De  Born  hat 
Site  Ast\  Das  Dach  ist  zu  sld,  es  ist 
zu  niedrig,  zu  flach,  nicht  steil  genug. 
In  Hessen  side,  Vilmar,  383.  STÖg, 
/.,  Vertiefung,  s.  Senl(.    Hennig,  270. 

Slde,  /.,  Häcksel.  Netzedistrikt.  Side 
schneiden,     Treichel. 

Sldnis,/.,  Niederung,  niedrig  gelegene 
Stelle  im  Felde,  Thal.  Von  std.  Nach 
Treichel:  nasse  Ackerstelle  (die  Nässe 
hält  sich  der  tiefereu  Lage  wegen); 
auch  Stbnis.  Hennig,  270.  Vgl. 
Senl(. 

Sie,  pltd.  Sei,  S6,  /*.,  Dem.  Siechen, 
pltd.  Seike,  Scke,  1.  Frau,  Hausfrau, 
Frauensperson  überhaupt.  2.  Vogel- 
weibchen. Gewöhnlich  im  Deminutiv 
Kanarjensie,  Sperlingssiechen,    Ist's  ein 


Hahnchen  oder  ein  Siechen  f  Nabersch 
Si,  Nabersch  Hdn,  Gingen  ön  onse 
Garden,     Volksr.  53,  201. 

Siebengestirn,  n.,  grofzes,  Sternbild 
des  grofzen  Bären. 

Siebenmonatsidnd,    pltd.  SSwemonftts- 

Icind,    ein    von    der  Mutter  nur   sieben 

Monate  getragenes  Kind.    Vgl.  FrUhkind. 

Siebensinn,  pltd.  SewesOnn,  m ,  Mensch 

mit  sieben  Sinnen,  zur  Bezeichnung 
einesUberklugen,Verschmitzten,Schlau- 
en,  doch  oft  auch  eines  eingebildet 
Gescheuten,  eines  Kribbelkopfes.  Du 
wedderhoorger    Säwesänn!      Nowack, 

19.  Auch  Siebensinniger,  und  davon 
siebensinnig,  adj,  Dat  ös  e  Setcesönnger^ 
den  bedregt  (betrügt)  man  nich. 

Siechen,  n.,  s.  Sie. 

Siegelgarn,  n.,  Bindfaden.    Gedanism, 

Sieh,  /.,  s.  Sl. 

Siel,  STI,  pltd.  sei,  Säl,  n.,  Siele,  /, 
gewohnlich  im  Plur.  Sielen,  pltd.  Sülen, 
und  Sielenzeug,  pltd.  Stietig,  n.,  Ge- 
schirr, Riemenwerk,  für  Zugvieh,  ahd. 
silo,  mhd.  sile,  sil.     Gleichen  Stammes 

mit  Seil.    Vordersiele,   pltd.  Värsgl,   /., 

Siele  für  ein  Pferd  des  Vordergespan us. 

Hintersiele,  pltd.  Hindere»,  /.,  Siele  für 

ein  Pferd  des  Hintergespanns.  Hals- 
siele,  pltd.  HalssSI,  /.,  Siele  um  den 
Hals,  s.  Halsel.  TragsSI,  n.,  Tragriemen, 
Traggurt,  den  Lastträger  über  den 
Schultern  haben.  Bildlich  in  Redens- 
arten: Man  kommt  den  ganzen  Tag 
nicht  aus  den  Sielen.  He  mot  Ihnmer 
ön  e  Säle  ligge.  Vgl.  Brom.  \Vb.  IV, 
582.  SchmellerHI,  229.  Vilmar, 
385.     Hennig,  252. 

sielen,  sw,,  sich,  s.  sälen. 

Sielennagel,   pltd.  SSIenagel,  vi,     1. 

Nagel, Stiftinden Sielen.  2.Sielcnslrang, 
der  das  lederne  Brustblatt  an  den 
Schwengel  heftet.    Samland(Wilgaiten). 


Sien  —  Sipkathrin. 


341 


Vgl.  Sprw.  I,  3948.  3.  Nagel  im 
Stalle,  woran  die  Sielen  aufgehängt 
werdeo. 

Sien,  8w.,  s.  St. 

Signer,  m.,  Fischer,  s.  Seuner. 

STk,  /.,  s.  Stke. 

Sil,  n.  1.  Schleuse,  Abzugskanal. 
Vgl.  Richey,  254.  Brem.  Wb.  IV, 
786.     Vilmar,  385.     2.  s.  SieL 

SilberblUmchen ,  n. ,  Bertramgarbe, 
AchiUea  ptarmica  L,  Weichseldelta. 
Treichel,  Volksth.  III. 

Silberkraiii,  n.,  gemeiner  Gänserich, 
Potentiüa  anserina  L,  Ostpr.  P ri- 
tze 1,  304.  Nach  Hagen,  536,  P.  ar- 
yentea  L.     Vgl.  Gnimsing. 

Silberlachs,  vi.,   s.  Lachs-  und  Lachs- 
forelle, 
stien,  sw.,  sich^  s.  Sälen. 
Silla,  Silier,  m.,  s.  Stiller. 
Silwette^  /.,  s.  Saljett. 

Simme,  /.,  starke  Leine,  früher  aus 
Lindenbast,  jetzt  gewöhnlich  aus  Flachs 
gefertigt,  als  Einfassung  der  Flügel  des 
Fischernetzes.  Nach  Adelung  IV,  38, 
Seime,  /.,  Leine,  as.  stmo,  m,,  Strick, 
Seil,  Fessel,  Schlinge,  ags.  stma;  ndfs. 
sem  Band,  Schnur,  altn.  stmi,  dän. 
sime.    Schade,  764b. 

simmelieren,  pltd.  stimmeltre(n),  auch 
sinnieren,  pltd.  stinntre(n),  sw,,  nachsinnen, 
sinnend  erwägen,  grübeln.  Wie  öck 
6k  simmeler,  öck  krieg't  nick  rüt.  S§- 
m§leert  de  fule  Kopp,  Dorr,  1.  Wiew., 
123.  En  rtkej*  Spötzbub,  wo  dräwer 
sörmnelert,  vne  hei  de  Lü'd  äwert  Ohr 
haue  kann.  Königsberg.  Firmenich  I, 
101b. 

SimmeIsQrie,  /.,  s.  v.  a.  das  allgemein 
verbreitete  i>ammekunum,  Simmekam-- 
rtielsüriumy  Mischmasch,  Gemenge, 
Durcheinander. 

Slnchen,  w.  Vorn.,  Keginchen.  Hart- 
wich,  55.    Vgl.  Schfne. 


stndäg,  adv.j  s.  seindäg. 

Sindau,  9n.,  Pflzn.,  Sonnentau,  Dro- 
sera rotundifolia  L,  Die  Pflanze  heifzt 
auchSonnenlöffel.  Hagen, 351.  Pritzel, 
138. 

Sinde,  Singde,  m.^  Sonntag,  öm  Sinde, 
am  Sonntag.     Samland. 

Singbeutel,  pltd.  SingbUdel,  m.,  Rausch ; 
Delirium  tremens.  He  heft  den  Sing- 
büdel. 

Singde,  m.,  s.  Sinde. 

Singe,  /.,  lange  Angelschnur  zum 
Aalfang.  Hennig,  255.  Vgl.  Aalwäde. 
Davon: 

singen,  sw,y  mit  der  Singe  Aale  fangen. 

Singer,  conf.y  sondern.  Mir  langfs 
Geld  nich  zum  Jehannscfie  Markt,  singer 
ich  bleiU  noch  in  deiner  Schuld.  Saal- 
feld. 

singerlich,  adj.  u.  adv.,  einzeln,  ab- 
gesondert.   M  ü  h  1  i  n  g. 

Singgörge,  m.,  Werwolf.  Samlaud. 
Natangen. 

Sinnasium,  n.,  Eorrump.  von  Gymna- 
sium.    Sperber,  45. 

sinnen,  st,  träumen.  Schloap  scheen 
gesund  on  sonn  sehr  nett    Dorr,  66. 

sinnieren,  ^w.y  s.  simmelieren. 

sinnlich,  adj.,  äufzerst  reiulich.  Ein 
sinnlicfier  Mensch,  ein  solcher,  der 
sehr  auf  Reinlichkeit  hält.  Eine  sinn- 
liche Farbe,  eine  solche,  welche  sehr 
zart  und  leicht  zu  beschmutzen  ist. 
Man  braucht  auch  Sinnlichkeit  statt  Rein- 
lichkeit.    Dzg.     Klein  II,  156. 

sintern,  sw.,  sickern,  langsam  tropfen- 
weise rinnen.     Schemionek,  38. 

Stpen,  »w.,  weinen.  Er  stpt  aUvnedei\ 
Er  kann  nichts  als  sipe7i.  Bock,  68, 
und  Hennig,  270:  sUpen.    Vgl.  gran- 

sen. 

Sfpkathrfn,  /.,  Katharina,  die  stpt, 
zur  Bezeichnung  einer  weinerlichen 
Person,  auch  mäuulichen  Geschlechts. 


342 


8ipp  —  socken. 


Er  ist  eine  reckte  S^kathrin.  In  gleichem 

SiDBe  Sipkessel,  pltd.  -kttel. 

sipp,  adj,,  zierlich,  zimperlich,  affek- 
tiert.    MuhliDg. 

Sirachy  m.^  Braach,  Herkommen,  Ge- 
wohnheit. Das  ist  Werderscher  Siracliy 
Werderscher  Usus. 

Sirm,  m.y  s.  Zarm. 

STting,  f.y  s.  Senk. 

Sitl,  w.,  Sitz  der  Huhner,  Huhner- 
stiej^e. 

Sitting,  /.,  s.  Senk. 

sitzen,  s^.,  in  Haft  sein,  Gefängnis- 
strafe verbülzen.     Er  mufz  sitzen, 

Sitzleder,  n.  Er  hat  kein  SitzUder^ 
er  sitzt  nicht  gern  lange  auf  einer  Stelle, 
bei  der  Arbeit. 

SitzstUck,  n.,  Ursitz,  alter  Besitz- 
sland vor  den  Gemeinhoitsteilungen.   S. 

Dorfslage. 

Sjärtel^  (?),  Rinde  des  frischen  Flach- 
ses.    Donh.     Barten.     Muhling. 

sk  wird  anlautend  sclik:  Schkandal^ 
Schkrupel,  Schkelett,  Scfikribent 

Skalichenhof,    pltd.    Kalixtenhof,    m., 

Grundstuck  auf  dem  Tragheim  in  Kö- 
nigsberg, in  dem  der  fürstliche  Rat 
Paulus  Scalichius  gewohnt,  der  den 
Herzog  in  Preufzen,  Markgraf  Albrecht, 
durch  Schwindeleien  zu  tauschen  und 
so  für  sich  einzunehnien  verstand,  dafz 
er  ihm  nicht  nur  den  Hof  auf  dem 
Tragheim,  sondern  auch  die  Stadt 
Kreuzburg  mit  vielen  umherliegenden 
Gutern  geschenkt.  Hennig  nach 
Hartknoch,  Preufz.  Kirchen-Histor., 
dessen  Alt.  u.  Neu.  Preufzen  und  den 
Act,  Bor.  I.  Der  Name  verschwindet 
mehr  und  mehr;  ich  habe  in  meiner 
Jugend  noch  Kalitzkenhof  gehört. 

skaluren,  sw,^  lärmen,  spektakeln. 
Westpr.     Mühling. 

Skiaure,  /.,  kleiner  durchlöcherter 
Fischkasten    in  Gestalt  eines  Kahnes, 


der  neben  dem  Fischerkahn  schwimmt 
und  in  dem  man  die  lebendigen  Fische 
mit  sich  fuhrt.  Ragnit.  Litauen.  Nsslm. 
Wb.,  475  a. 

Skorpionkraut,  n.,  gemeines  Salzkraut, 
Sakola  kali  L,;  auch  Hirschhorn.  Ostpr. 
Pritzel,  357.     Hagen,  289. 

Skott,  Skotter,  Schotter,  m.,  alte  preu- 
fzische  Rechnungsmünze,  Vj4  der  eben- 
falls nicht  ausgemünzten  Mark ,  letztere 
entsprechend  dem  Werte  eines  halben 
Pfundes  Silber.  Hochmeister  Winrich 
von  Kniprode  (1351—1382)  liefz  Halb- 
Schotter  =  V45  Mark  ausprägen,  im  heu- 
tigen Werte  von  etwa  35  Pfg.  Hern, 
Vom  preul'z.  Gelde.  Altpr.  Mtsschr. 
V,  50 f.    Hennig,  255. 

SlagdOk,  n.,  Schlagtuch,  wollene  Hülle, 
Decke,  worin  jedes  aus  der  Fremde 
konmiende  Stück  Laken  oder  Tuch 
eingeschlagen  sein  mul'zte.  Danzig. 
Hirsch,  250. 

Slappholt,  n.,  hölzerner  Efzlöffel.  Vgl. 
SchlM. 

SIeif,  m.  u.  /.,  s.  Schleif. 

Slusim,  Slusym,  Slusem,  Sluszen,  (?), 

Dienstgeld,  Dienstgut.  In  Urkunden 
eine  Abgabe  zum  Zweck  des  Kriegs- 
dienstes. Toppen,  Altpr.  Mtsschr.  IV, 
150  f.  Altpr.  scldüsit  dienen,  schlusien 
Dienst,  lit.  sluziti  dienen,  sluznia  Dienst. 
Lit.  Aeq.,  21.  Nsslm.  Forsch.  2. 
Sly,  /.,  s.  Schlei. 

80,  adv,^  ungefähr,  etwa;  in  der  Weise. 
So  gegen  Abend.  So  um  neufi  Uhr. 
Se  ÖS  so,  sie  ist  so  =  schwanger.  Sprw.  I, 
69.  80  wie  80.  Ich  hyniine  so  wie  so 
scium,  unaufgefordert.  Ich  viu/z  so  wi£ 
so  (pflichtschuldigst)  dort  hingehen. 

Sobiechen,  Ortsn.,  Dorf  im  Kreise 
Angerburg.  He  ös  ut  SobtcJie^  tvo  se 
den  Dag  möt  Stange  anbreke.  Sprw.  I, 
3523. 

socken,  sw.^  laufen,  gehen,   abziehen 


Sod  —  Soll. 


343 


sich  auf  die  Socken,  auf  den  Weg 
niaclien.  Er  kann  gut  socken,  tüchtig 
laufpii.  Auch  Sockeln.  Enem  näsockeln, 
ihm    nachgehen.     Nowack,  51.     Vgl. 

absocken. 

sod,  m.  1.  die  brennende  Empfindung 
im  Schlünde,  welche  von  verderbter 
Magensfmre  herrührt^  gewöhnlich  das 
Sodbrennen  genannt,  mhd.  s6te,  m.  Man 
kann  einem  Kinde  gar  keinen  Begriff 
davon  geben,  und  doch  klagt 8,  ihn  brenne 
der  Sod,  Soph.  R.  IV,  333  f.  Ich  habe 
Sodbrennen.  Hennig,  255.  2.  Brun- 
nen, namentlich  Ziehbrunnen.  3.  bei 
Jeroschin:  Lache:  do  er  lac  besuiwit 
tot  in  smis  blütU  sudde  125  d.  P  f  e  i  f f  e  r , 
230.  4.  in  dem  Sinne  von  Gebrechen, 
Elend  bei  Hermes:  So  lasse  man  die 
Provinz  in  ihrem  Sode.  Soph.  R.  VI, 
549. 

soddem,  »w.,  fein  regnen.  Es  soddert, 
der  Regen  fallt  fein  wie  Staub.  Davon 
Sodderregen.  Sodderregen,  Kleckerschul- 
den und  Querrkrank  sönd  dre  Ding,  de 
man  schlemm  los  ward,  Westpr.  Dzg. 
Nhg.    Sprw.  I,  3526. 

SOddistel,  f.y  s.  Stechwait 

SOdd'rig,  adj.  von  soddem^  zur  Be- 
zeichnung naizkalten,  regnerischen  Wet- 
ters.    Danzig.     W.  Seidel,  34. 

SOde,  /.,  ausgestochenes  Rasenstück; 
in  der  Elbinger  Ndrg.  Erdscholle. 

stfden,  st.^  s.  stden. 

SBdhering,  m.,  ausgewässerter,  gekoch- 
ter Hering.    Von  söden.   Hennig,  255. 

Stfffski;  m.,  Söflfling,  von  Soff  mit 
poln.  Endung. 

Sog  (das  g  =  cA),  m.  1.  Säugemilch, 
Nahrung.  Die  Amme  hat  einen  guten 
Sog^  sie  hat  gesunde  und  reichliche 
Milch;  auch  vom  Vieh.  2.  das  Saugen 
selbst,  der  saugende  Zug.  Vom  sau- 
genden   Kinde,    Tier;   auch    von    dem 


Wellenzuge  der  See  nach  der  Höhe. 
Rtde  heft  de  See  e  starke  Sog^  sie  zieht 
nach  sich,  in  sich.  In  Zusammen- 
setzungen: Sogfohlen,  -füllen,  pltd.  Sog- 
fälle, n.,  Füllen,  das  sich  noch  von  der 
Muttermilch  nährt.  He  ös  munter  wie 
e  Sogfälle.  Ebenso  Sogferkel,  Sogkalb. 
Hennig,  256. 

Sog,  /.,  8.  Stg. 

Söger,  m.,  s.  Stger. 

Sohnchen,  pltd.  Sänke,  n.  Dem.  von 
Sohn,  San.  1.  Söhnchen.  2.  oberer 
Abschnitt  des  Brotes,  das  Köpfchen, 
Käppchen.  Das  SohncJie  kriegt  die  Frau. 
Sprw.  I,  3528.    Vgl.  Kampen. 

Soi,  n.,  Zeug  von  Halbwolle,  s.  Zäg. 

solche,  Pronominaladj.  in  der  Bedeu- 
tung grolz,  stark,  heftig.  Ich  hatte 
solche  Kopfschmerzen,  —  solclie  grofze 
Zahnschmerzen.     Vgl.  sOne. 

Soldaten,  plur.,  im  Kindermunde  die 
Blütenkolben  von  Plantago  L.  Saal- 
feld. 

Solders,  (?),  in  früherer  Zeit  in  Dan- 
zig ein  besonderes  Malz  für  Salz,  pltd. 
Sold,  das  in  Verlots  (Verlot  wäre  pltd. 
für  Vierlot)  und  Bullen  geteilt  war. 
15.  Jahrh.     Hirsch,  120 

sOlen,  sw.,  lügen.     Treichel. 

Solge,  /.,  s.  Soll. 

Solinger,  m.,  Stahl warenhändler  aus 
Sohngen,  der  hausierend  umherzieht; 
doch  auch  jeder  andere  hausierende 
Händler  mit  Stablwaren. 

Soll,  /.,  nach  Treichel  w..  Dem. 
SolcIie,  Solkcy  f,  tief  und  naiz  gelegenes 
Wiesenstück,  umgrünte  Vertiefung  im 
Acker,  worin  sich  das  Regenwasser 
ansammelt  Samland.  Natangen.  West- 
preulzen.  Nach  Nsslm.,  Th.,  221,  in 
Natangen  Solge,  wohl  nur  Deminutiv- 
form von  Soll.  In  Pommern  stehendes 
Wasser  in  Vertiefungen  auf  Kornfeldern. 


344 


Söller  —  Soiinabendseife. 


Dähn.,  443a.   Ahd.  sol,  mhd.  soly  sol^ 
n.  u.  m.y  Kotlache.     Schade,  842a. 

Stiller,  m,  1.  Bodenraam,  Lucht,  in 
Westpr.  Bon,  Bän.  Ratsei:  Eh'  de 
Väder  jung  wardy  sott  de  San  op  em 
Söller.  Im  Ermland:  Silier,  Silla.  Vil- 
mar,  387:  Solder.  2.  kleines  Regal 
nahe  der  Stubendecke.     Gordack. 

stfllem,  JKc.,  auf  den  Söller  bringen, 
aufspeichern;  daher  auch  aufsBllem. 
Das  Getreide  söUem.  HoU.  zolderen. 
Hennig,  256. 

Solo,  n.,  beliebtes  Yolks-Eartenspiel, 
gewöhnlich:  Solo- Vierzig  genannt. 

Sommer,  m.  1 .  St  Marien-Gam,  u.  dann 
auch  fliegender  Sommer.     Von  welchen 
Fäden  man  pflegt  zu   sagen,   da/z   sie 
im    Vorjahr    (Frühling)    den    Sommer 
bringen;  im  Herbst  aber,  dafz  der  Som- 
mer mit  ihnen  wegfliege .  .  .  sonsten  halt 
man  es  für  ein  Grifft^  welcfies  wenn  es 
die   Küfie   häuffig    fressen  y    sie   kranck 
mac/iet  und  ertödtet.    Linem. ,  G2b. 
Diese  jetzt   als  unschädlich  erkannten 
Faden   heii'zen    auch   Altweibersommer, 
weil  sie  gewöhnlich   in   schönen,    den 
alten  Frauen  angenehmen  Herbsttagen 
fliegen.    Doch  versteht  man  unter  Alt- 
iveibersommer  späte  warme  und  schöne 
Herbsttage  überhaupt.    Es  kommt  noch 
der  Alteweibersommer,  Im  EngL  heii'zen 
diese  Fäden  samar  Schleppe,  Schlepp- 
kleid,   gossamar   Gottes   Schleppkleid, 
was  Weigandl,  38,    zu   der   Frage 
veranlafzt:  Alieweibersommer  gleichsam 
Schleppe  für  alte  Weiber?     2.  Säure, 
Schalheit   des   Bieres.    Das   Bier  Jiat 
den  Sommer^    es    fängt   an    matt    und 
säuerlich    zu  werden,    was   früher   im 
Sommer  bei  grol'zer  Hitze,  da  man  das 
Bier  nicht  mit  Eis  behandelte,  leicht 
geschah.     Hennig,  256. 

Sommerfeld,  7i.     Sie  ist  ins  Sommer- 


feld gesprungen^  ist  vor  der  Ehe  schwan- 
ger geworden.     Sprw.  I,  69. 

Sommergam,  n.,  Zuggarn  zur  Fischerei 
während  der  eisfreien  Zeit,  des  Som- 
mers; es  heifzt  auch  grofzes  Klapp-  oder 
Kleppnetz,  poln.  kleppa^  auch  WCte, 
Wethe,/.  Masuren.  S.  Be necke,  352. 
Vgl  auch  Soliargarn. 

Sommergerste,  /.,  zweizeilige  Gerste, 
Hordeum  distichum  L.  Auch  Futter- 
gerste.    Hagen,  1064. 

Sommericom,  n.,  Getreide,  das  nicht 
in  der  Erde  überwintert,  sondern  im 
FrühUng  ausgesäet  wird. 

sommern,  sw.^  schimmern,  aufdäm- 
mern, klar,  erinnerlich  werden.  Ja,  nu 
sommert  et  mi.     Dorr,  L  Wiew.,  24. 

Sommervogei,  m.,  der  Schmetterling; 
nach  Treichel  auch  die  Mücke. 

Sommerwall,  m.^  niedriger  Damm  in 
den  Weichsel-Niederungen,  der  nur  ge- 
gen das  Sommer wasser  Schutz  gewährt. 
Er  heifzt  auch  Stauwaii.    Vgl.  Einlage. 

SVmpelfrag'  /.,  Simpelfrage  beim  Solo- 
spiel; jede  Frage,  die  nicht  in  TrefF  ist. 

sOne,  Pronominaladj.  =  solche.  Es 
giebt  sone^  auch  sone  Menschen,  solche, 
auch  solche :  im  Charakter  verschiedene. 
Em  Mensch  läivt  noch  enmal  so  froh  Bi 
sone  leckre  Traktementen,  Dzg.  Nhg. 
Parad.,  53.  Auch  in  der  Bedeutung: 
stark,  heftig.  Soiie  Zahnschmerzen^  — 
sone  Leibschmerzen.  Das  sind  sone  Blu- 
men^ Blumen,  deren  Namen  man  nicht 
kennt.  Min  Jahn  lacht  äwer  sonem 
Schnak.     Seelenw.,  25. 

Sonnabendseife ,    pitd.   SQnnawendstp, 

/.,  grüne  Seife,  welche  Dienstmädclieu, 
Kinder  und  schlichte  Leute  an  Sonn- 
abenden in  den  Gewürzladen  sich  zur 
Sonntagswäsche  erbitten  und  auch  er- 
hallen. Empfangt  der  Einzelne  auch  nur 
ein    kleines    Quantum,    so    verursacht 


sonndag  —  Spachheister. 


345 


diese  Sitte  in  grolzen  Geschäften  nicht 
unbedeutende  Ausgaben. 

sönndäg,  adv.y  s.  seindäg. 

Sonnenblume,  /.,  einjährige  Sonnen- 
rose, Heliantitus  annuus  L.  Auch  Son- 
nenglanz, m.    Treichel,  Volksth.  III. 

Sonnenlöffel,  m.^  Pflzn.,  s.  Sindau. 

sonnentrocken,  od;.,  die  durch  die 
Sonne,  eigentlich  die  Luft,  erzeugte 
Trockenheit.  Die  Flundern  werden  erst 
an  der  Luft  getrocknet  —  sonnenirocken 
—  und  dann  geräuchert^  weü  sie  sonst 
leicht  zerfallen.    Passarge,  Bai t.,  299. 

Sonnenwirbel,  m,^  Pflzn.,  rundblättri- 
ger Storchschnabel,  Geranium  rolundi- 
foliuviL.  Hagen,  718.  NachPritzel, 
163,  für  Ostpr.  Ger.  columbinum  L, 
IIa  gen  hat  Sonnenwirbel  noch  für  das 
gemeine  Rapünzchen,  Fedia  olitoria 
VahL,  die  kleine  Wiesenraute,  Thalic- 
trum  minus  L.,  und  den  binsenartigen 
Krümling,  Chondnlla  juncea  L,  Ha- 
gen, 41.  571.  808. 

Sonntag,  7n.,  grofzer^  der  Sonntag,  an 
Avelchem  das  heilige  Abeudiuahl  ge- 
nossen wird;  kein  allgemeiner  Kom- 
munionstag,  sondern  jeder  benennt  den 
seiuigen  so.  Jungfer  bei  Elbing.  Auch 
der  Trinitatissonntag.  Schippenbeil. 
Paaris.  Trunz.  Elbing.  Hintz,  31.  53. 
C>p  ern  grute  Sinndag^  wenn  Uve  ön 
tnem  sö?i^  als  Versprechen  ins  Unge- 
wisse.    Natangen.     Sprw.  I,  3531. 

sOnt,  pron.y  solches,  dieses,  das,  so 
was  (etwas).  Sont  kann  eck  gar  nich 
lawen.  Seelenw.,  50.  Wenn  soont  sick 
möglich  kann  geboren^  wenn  so  was 
sich  möglicherweise  könnte  zutragen. 
Ibid.,  68.  De  lewe  Gott  nennt  sont  un- 
schuldig,  Dzg.  Nhg.  Parad.,  29.  Wöll 
jü  sont  emmersch  eok  geneten.  Ibid.,  65. 
Vgl.  sOne. 

.  sOr,  at//.,  dürr,  trocken,  saftlos,  ver- 
dorrt,    abgestorben.      Mühling.      In 


gleichem  Sinne  bei  Jeroschin  wieder- 
holt s6r  und  versoren  dürr  werden,  ver- 
trocknen. Pfeiffer,  222.  260.  In 
Pommern  auch  sur^  im  Götting.  sdr 
und  8ar,  holl.  zoor^  angs.  sedr,  Brem. 
Wb.IV,924.  Dähn.,443b.  Schamb., 
179a.    SchmellerHI,  280. 

sOren,  sw,,  nach  Hennig,  256,  in 
alten  Urkunden  s.  v.  a.  einen  unfrucht- 
baren Wald  ausroden,  aushauen.  In 
Nds.,  Pomm.,  Götting.,  Bayern:  ver- 
trocknen, dürr  werden.     Von  sor. 

Sorge,  /.,  Pflzn.,  blaue  — ,  unnütze 
ISorge^  dreifarbiges  Veilchen,  Viola  tri- 
color  L.  Hagen,  271.  Nach  Pritzel, 
441,  in  Ostpr.  1654  frembde  Sorge. 
Die  Pflanze  heilzt  hier  auch  Stiefmütter- 
chen und  GedenkblUmchen.  Pritzel  u. 
Hagen,  a.  a.  0. 

Sorge,  /.,  neue^  s.  Neuesorge. 

Sorgstuhl,  m.,  Stuhl,  in  dem  man  die 
Sorgen  vergessen  soll,  bequemer  Polster- 
stuhl mit  Rücklehne  und  Armlehnen; 
beliebtes  Geschenk  für  Jubilare.  Ich, 
mit  ffröfzter  Höflichkeit  präsentire  ilim 
den  Sorgstuld,  Soph.  R.  II,  455.  Hen- 
nig, 256. 

Sorte,  /.,  Sorte.     Von  dieser  Sorte, 
Sortement,    7i.,    in   Bezug   auf  den 
Bernstein,  sortiertes,  ausgewähltes,  vor- 
zügliches Stück;  daher  auch  Sortements- 
Stuck.    Vgl.  Stein. 

Söster,  9n.,  schadhafte,  fehlerhafte 
Stelle  in  einem  Gewebe,  entstanden 
durch  ein  falsches  oder  mangelhaftes 
Einziehen  der  Fäden  in  den  Kamm. 

SVster,  /.,  Schwester.  De  Brooder 
öfz  buuten,  De  Söster  to  kleen.  Dorr, 
38.     In  Ostpr.  überwiegend  Schwester. 

Söfzling,  m.,  Sechspfenniger,  halbes 
Düttchen.  Sö/zling,  std  up,  Idt  Dütken 
Sitten.     Danzig.     Sprw.  I,  3294. 

SStt,  7/1.,  s.  SetL 

Spachheister,  m.    1.  Elster,    und  in 


346 


Spachtel  —  Spalk. 


diesem  Sinne  auch  Spochheigster.  Spach- 
heister  mit  dem  langen  Schwanz^  BracM 
der  Braut  einen  gelben  Kranz.  Volksr., 
57,218.  2.  hagerer,  langbeiniger  Mensch. 
Er  Vit  ein  rechtem*  Spachheistei\  —  ist 
luiger  wie  e  Spachheister,  Bei  diesen 
Redensarten  denkt  das  Volk  zwar  an 
die  Elster;  doch  ist  SpachJieister  Zu- 
sammensetzung aus  spach  von  mlid. 
spache  aus  ahd.  spachd^  spachlia^  spaeho 
Reis,  Holzspan,  Holzstecken,  in  Bayern 
Spachen  und  Spachten,  m.  u.  /.,  Holz- 
span stärkerer  Art,  wie  sie  z.  B.  in 
Zäune  geflochten  werden,  und  Jieister, 
hester^  mnd.  junger  Baum,  namentlich 
von  Eichen  und  Buchen.  Schade, 
846a.  Seh  melier  IH,  553.  Mnd. 
Wb.  n,  228b.  Ein  Spachheister  ist 
mithin  ein  Mensch,  dürr  wie  ein  Holz- 
span und  aufgeschossen  wie  ein  schmäch- 
tiger junger  Baum.  Mehr  noch  tritt 
diese  Bedeutung  bei  dem  Adj.  spach- 
heisterig  hervor,  womit  man  schlanke, 
geil  in  die  Höhe  geschossene  Bäume 
und  Menschen  bezeichnet,  letztere  na- 
mentlich, wenn  sie  knöchern  oder  ver- 
magert sind. 

Spachtel,  /.,  Spatel  —  des  Apothe- 
kei*s,  des  Farben  reibers,  spatula^  böhm. 
spachtle,     Schmellerlll,  554. 

SpachteKarbe,  /.,  schnell  trocknende 
Farbe,  welche,  stark  aufgetragen,  der 
eigentlichen  (Deck-)  Farbe  untergelegt 
wird. 

spachteln,  sw.,  mit  einer  Spachtel  auf- 
heben, rühren,  thätig  sein;  Spachtel- 
farbe auftragen,  aijfspachteln,  auf  die 
Spachtel  nehmen,  mit  der  Spachtel  auf- 
legen. Einern  etwas  auf  spachteln  y  ihn 
durchprügeln. 

Spachtfaden,  Spochtfaden,  ?/}.,  Spagat, 

Bindfaden.  Mühling.   Nach  Trcichel 

auch  SpaggerL 
spack,  adj.y  s.  späk. 


spaddeln,  sw,  1.  den  Mund  auf  and 
zu  machen,  jappen.  2.  sich  sträuben, 
sperren,  widerstreben.  Der  Vogel  spad- 
delt^  wenn  er  zur  Verteidigung  den 
Schnabel  sperrtund  das  Gefieder  sträubt 

Vgl.  sparteln. 

Späde,  Spadem,  pltd.  SpOdem,  m.,  Spa- 
ten, Grabscheit,  Werkzeug  zum  Graben. 
Hennig,  256. 

Spaggert,  m.,  s.  Spachtfaden. 

Späk,  Sptk,  m.,  Stab  zum  Drehen 
der  Winden.     Kgsbg. 

späk,  in  Westpr.  auch  spack,  aJ/., 
leck  vor  Dürre,  Trockenheit.  Tonnen 
und  Fässer,  Eimer  und  Kübel  werden 
in  der  Sommerhitze  rissig  und  leck, 
späk,  späken  oder  verspäken,  sw.  Bild- 
lich: Ich  bin  ganz  verspdkt^  ich  bin  sehr 
durstig.  Davon:  späkig,  adj.,  leck,  aus- 
getrocknet, rissig,  zerborsten. 

späkbeinig,  cuij,^  dünn-  und  langbeinig. 
Schemionek,  38.    Vgl.  Spachheister. 

späken,  sw.j  späkig,  at//.,  s.  späk. 

Spal,  Spall,  n.^  durch  sors^  pars^  do- 
natio übersetzt.  Vgl.  Monmn.  histor. 
Warmiensis  H,  S.  208:  Verschreibung 
von  1354,  und  S.  332:  Handfeste  von 
1361.  Nach  dem  Brem.  Wb.  ist  Spal, 
Spall  ein  gewisser  Teil,  ein  gewisses 
Mafz  Landes.  In  einigen  Gegenden 
des  Herzogtums  Bremen  sind  die  Län- 
dereien in  durchstreichende  Spall  Lan- 
des eingeteilt.  Dazu  gehören  auf  der 
Geest  21  Himpten  Saatland,  in  der 
Marsch  für  eine  Kuh  Weide,  auf  den 
Wischen  6  Fuder  Heu,  in  den  Gemein- 
heiton die  Viehtriften  mit  Pferden,  jun- 
gem Hornvieh,  Schafen,  Schweinen 
und  Gänsen,  und  ferner  ein  Gewissos 
in  Heide,  Weide  und  Moor,  nichts  aus- 
genommen. Brem.  Wb.IV,  932.  Nsslm. 
Forsch.  2.     Altpr.  Mtsschr.  VIH,  367. 

Spalk,  97i.,  Lärm,  Kumor.  Mühling. 
Nach   Richey,  280,  und   dem    Brem. 


spalken  —  sparteln. 


347 


Wb.  IV,  932,  noch:  uDgestümes  Ge- 
schrei, Gepolter;  in  Pommern:  Streit, 
hitziger  Wortwechsel.    Dähn.,  444b. 

spalken,  sw,^  scherzen,  lustige  Streiche 
angeben.  Im  Nds.  lärmen,  toben.  Brem. 
Wb.  IV,  933.  Bock,  63.  Hennig, 
256. 

spallern,  sw.y  voneinander  spalten. 
Treichel. 

Spann,  w  u.  w.,  Teil  der  Metritze 
(s.  d.). 

Spannbett,  n.,  zusammenlegbares  Bett- 
gesteli,  Bettlade  ohne  Matratze  mit  aus- 
gespanntem Leinwandboden.  S.  Ha- 
gen, Norika.     Leipzig,  1872.  S.  84. 

SpanntI,  m.,  kleiner  Mensch  von 
schmächtigem  Körperbau  und  windiger 
Natur.     Elbinger  Ndrg. 

Spannsei,  n..  Seil,  Strick,  womit  die 
Vorderfülze  des  weidenden  Viehes  ge- 
koppelt werden.     Von  spannen. 

spannsein,  sw.^  Pferde,  Vieh,  mit  einem 
Spannsei  koppeln. 

spänsch,  a(/;.,  spanisch,  ungewöhnlich, 
seltsam.    Das  kommt  ihm  spanisch  vor. 

Vgl.  bShmisch. 

sparbtster,  adj,^  zur  Verstärkung  von 
b ister  (s.  d.). 

sparen,  sw.^  schnell  und  mit  Erfolg 
arbeiten;  überhaupt  etwas  schnell  thun 
und  dabei  vorwärts  kommen.  Diese 
Arbeit  spart  gut.  Dem  spärfs^  dem 
geht  seine  Arbeit  schnell  von  der  Hand. 
Dir  spart's  nichts  du  kommst  nicht  vor- 
wärts. Das  Ersparte  ist  wohl  die  Zeit. 
Scherzweise  sagt  man  auch  von  dem 
Schnellesser:  dein  sparfs,  Oberland. 
Sperber,  29:  Es  spart  =  es  geht  nicht 
viel  drauf,  oder:  es  geht  nur  langsam 
vorwärtxS. 

spargeln,  sw.^  spreizen,  gewöhnlich 
in    der   Zusammensetzung   auselnander- 

spargeln.    Marold.    Vgl.  sparteln. 


Sparkalk,  m.  Nach  Hennig,  256, 
aus  Gips  gebrannter  Kalk,  oder  solcher, 
in  den  viel  Sand  gemischt  wird.  Aus 
sparen  und  Kalk  zusammengesetzt. 

sparken,  sw.^  sprühen,  Funken  stäu- 
ben.    Mühling. 

Spamas,  9n.,  Flügel  am  Sacknetz  oder 
Wenter,  lit.  Flügel  überhaupt.  Nach 
Sperber,  29,  Spamay. 

sparr,  adj.^  weit  geöfGuet,  aufgesperrt. 
Sparre  Augen,  Hennig,  257.  Vgl. 
Sparren. 

Sparre,  /.,  Pflzn.,  doldenblütige  Spurre, 
Holosteum  umbellatum  L,   Hagen,  147. 

Sparrei,  n.,  kleines  Hühnerei.  Nach 
allgemeinem  Aberglauben  bringt  es 
dem  Hause  Unglück;  man  steckt  das 
Ei  daher,  um  das  Unglück  zu  bannen, 
unter  einen  Sparren;  daher  der  Name. 
Mühling. 

Sparren,  sw.y  sperren,  aufsperren;  s. 
sparr. 

Sparmiaul,  n.,  s.  Sperrmaul. 

sparrweit,  adv.^  sperrweit,  angelweit. 
De  Dähr  steit  sparrwtd  äpe. 

sparteln,  sparteln,  sperteln,  in  der  Saal- 
felder Gegend  auch  sperkeln,  »u\,  sich 
sträuben,  sperren,  zappeln,  mit  Händen, 
namentlich  jedoch  mit  Füizen,  unfüg- 
sam widerstreben.  Von  sperren^  ahd. 
sparran,  sperran^  praet  sparta^  sparte. 
In  Hamburg  spaddeln^  spafreln^  spatteln, 
Richey,  280.  He  spartelt  sock  wie  e 
Pogg  ön  e  Teertonn,  Sprw.  I,  3548. 
Se  quiekt  on  sparteld  seck.  Carm. 
nupt  I,  282,  5.  absparteln,  sw.^  ab- 
zappeln, das  Deckbett  abwerfen.  Sich 
absparteln^  sich  durch  Widerstreben, 
Sträuben  mit  Händen  und  Füfzen  ab- 
mühen, ermüden.  Nsslm.,  Th.,  173, 
weist  vergleichsweise  hin  9,\dX\i.spdrdyti^ 
lett.  spahrdiht  mit  den  Füfzen  schlagen, 
lit.  sfpinu^  sptrtu,  lett.  spert,  sich  gegen 


348 


Späfz  —  Speilenbrot. 


etwas  stemmen,  mit  den  Fufzeu  schla- 
gen. Bock,  63.  Hennig,  257:  spär- 
teln, 

Spftfz,  m.  Auf  Spa/z^  im  Scherz, 
ohne  ernste  Absicht.  Knaben,  welche 
sich  balgten,  sagen,  die  Unart  beschö- 
nigend: Es  war  ja  man  auf  Spafz. 
In  diesem  Sinne  spafzen,  sw,,  tändeln, 
nicht  ernstlich  handeln.  Er  »pafzt  ja 
man  blqfz. 

Spätlinde,  /'.,  kleinblättrige  Linde, 
auch  Winterlinde,  Tum  microphyUa  Vent. 
Hagen,  555. 

spazifizieren,  »w.^  scherzende  Korrump. 
von  spazieren, 

SpScher,  m.^  Schimpfwort  auf  einen 
dürren,  magern  Menschen.  Sperber, 
30. 

Spechtholz,  Speichtholz,  n.,  kleine  Äste 
und  Zweige.     Muhling. 

Speck,  n.,  der  Speck. 

Speckboden,  m,^  Boden  wie  Speck, 
fruchtbarer  Boden. 

Speckfink,m.,verächtIicheBezeichnung 
eines  Adligen.  Stein,  Peregrinus  XVI, 
8.  W.Mt8bl.VI,187.  In  gleichem  Sinne 
Speckhecker,  ein  Besitzer,  der  mit  Speck 
hökert,  oder  Speck  heckt,  d.h.  Schweine- 
zucht betreibt. 

Speckflinder,  /.,  fette,  speckige  Flun- 
der, doch  richtiger:  geräucherte  Flunder. 
S.  spick. 

Speckhecker,  7n.,  s.  Speckfink. 

Speckkäfer,  m,y  reicher  und  behäbiger 
Landwirt.     Er  ist  ein  Speckkäfer. 

sptgen,  sw,^  spähen. 

Speibutte,  /.,  Bütte,  in  die  man  speit, 
Spucknapf.     Gedafiism, 

Speichel,  Pflzn.,  Knäuel,  Sclera^it/ius 
L,     Treichel,  Volksth. 

Speicherdohle,  /.,  Spitzname  für  ein 
Mädchen,  das  auf  Speichern  arbeitet, 
namentlich  für  ein  solches,  das  dabei 
gelogentlieh  unsittlich  ist.     Treichel. 


Speicherratte,  /.,  Ratte  im  Speicher; 
Speicherdieb.  Eine  SpeicherraUe  fan- 
geny  einen  Speicherdieb  ergreifen,  einen 
Schlaukopf  überlisten. 

Speichtholz,  n.,  s.  Spechtholz. 

speien, pltd.  8ple(n),su7.,  vomieren.  Über 
die  Zang^  speien.  Bei  Jeroschin: 
späten :  ...  also  vol  trankiSy  daz  st  spten 
28d.     Pfeiffer,  223. 

Speile,  SpQle,  pltd.  SpTl,  /.,  Holzstift, 
wie  ihn  die  Schuhmacher  gebrauchen, 
Schuhzweck;  zugespitzter  Pflock  zum 
Verschlufz  der  Wurstenden,  zum  Aas- 
einandersperren der  Därme  beim  Worst- 
stopfen^  des  Rachens  geschlachteter 
Tiere;  erster  zarter  Federkiel  junger 
Vögel,  oder  im  Fleische  zurückgeblie- 
bener Kielrest  eines  gerupften  "Vogels; 
Spreusplitter.  Die  Gänse  bekommen 
SpeUen^  wenn  einem  jungen  Manne 
die  ersten  Barthaare  wachsen.  Hen- 
nig, 258. 

speilen,  pltd.  sptlen,  sw.,   doch  tritt 

die  pltd.  Form  spilen  auch  hchd.  auf. 
1.  etwas  mit  einer  Speile  aufspen'en, 
auseinander  bringen.  2.  aufsperren, 
spreizen  überhaupt.  Der  Notleidende 
mulz  die  Zä/i7ie  in  die  Sonne  speilen. 
lle  spilt  de  Täne  wl  e  Werwulf,  Wenn 
de  See  de  Täne  ^ilty  lieft  se  den  Rache 
af>ey  von  der  stürmisch  bewegten  See. 
Sprw.  I,  3269.  auf  speilen,  aufsperren. 
Den  Mund^  —  die  Augen  aufspeilen^ 
weit  aufreilzen.  ausspeilen,  ofi*en  zei« 
gen,  cntblölzen:  den  Busen,  die  Zunge, 
den  Hintern.  Se  sptlt  alles  üty  wat  se 
lieft ^  sie  trägt  sich  stark  entblölzt. 
H  e n  n  i  g ,  258,  hat  sich  spielen^  ausspie- 
/^i=spiegeln,  „wenn  sich Frauenzinmier 
oft  an  der  Thür  oder  am  Fenster  zei- 
gen, um  sich  sehen  zu  lassen,  oder 
sich  sonst  unanständig  eutblölizen." 

Speilenbrot,  7i.,  Brot  mit  Speilen .  S. 
Brot. 


Speil  flick  —  spick. 


349 


Speilfiick,  pltd.  Sptifitick,  n.,  Leder- 
fleck, der  dem  Absatz  der  Stiefel  oder 
Schuhe  mit  Speilen  angeheftet  wird. 
Ei7i  Speilfiick  außegen  lassen, 

Speilzahn,  SpTIzahn,  pltd.  Sptttän,  m., 

einer^  der  die  Zähne  »peilt,  fletscht. 
1.  Schreckgestalt  für  Kinder.  DeSptU 
tän  kommt!  Vgl.  KoiTimutter.  2. 
Spötter,  Witzling,  der  andere  gern 
neckt,  hänselt,  hechelt,  durch  die  Zähne 
zieht.  Erst  Ohm^  on  denn  Ohm  Sdhn^ 
on  denn  du  Sptltän,  Elbinger  Ndrg. 
Hennig,     258:    Spielzahn.      Davon: 

speilzahnen,  sio.   und  speilzahnig,  adj 

Worbi  he  mi  grad  so  lestig  ankickd^ 
OS  wenn  Schmedts  Chrestian  spieltdhnen 
deit     Dorr,  Driewjagd. 

Speischal,  pltd.  Sptschai  (a  =  a),  /., 
Spncknapf. 

Sptk,  /.,  Speiche;  Stab  zum  Drehen, 

s.  Späk. 

Spell,  /.,  Stecknadel.  Wer  Strtt  sekt, 
fingt  de  Spell  em  Feder  Heu.  Gr. 
Werder. 

Spendierhosen,  pltd.  SpendSrbVxe,  plur. 

Die  Spendiei*hosen  anhaben^  traktieren, 
frei  halten. 

spengern,  sir,  s.  spenkem. 

spenkern,  spengern,  fi?o.,  jagen,  fort- 
jagen, vertreiben,  verscheuchen.  Die 
Hühner  aus  dem  Garten  spenkem.  Ich 
tcerd*  dich  spenkem  !  als  Drohung,  auf- 
spenkern,  aufjagen^  aus  der  Ruhe  auf- 
stören. Die  Kinder  aus  dem  Bette  auf- 
spenkem^  sie  unsanft  zum  Aufstehen 
nötigen,  herausspenkern,  polternd  mit 
Stock  oder  Peitsche  hinaustreiben,  hep- 
umspenkern,  mitGcpoltcrin  allen  Winkeln 
umherfahren ;  einen  andern  umherjagen ; 
Sachen  unwirsch  umherwerfen,  letzteres 
jedoch  mehr  spinge/m  (s.  d.)  Er  spen- 
kert  überall  hei*um,  Se  spenkert^  und 
schmefz  emvi  sich.  Schaltj.  1 ,  439. 
wegspenkern,  fortjagen.  Uennig,  257. 


Spennenftrsch,  m ,  s.  Spinnenarsch. 

SpftP,  wi.,  Zeiger  an  der  Uhr.  Von 
ISpeer^  Spiel'z. 

Sperenzchen,  Sprenzchen,  plur.,  Um- 
stände, Weitläufigkeiten,  ablenkende 
Albernheiten  und  Scherze,  hinhaltende 
Winkelz&ge.  Mach  keine  Speremchen! 
Auch  Sperenzen,  Sperenzien^  im  Ober- 
lande Sporenzches^  bei  Weigand  II, 
759,  Speranzien.  Aas  mlat.  speranci^y 
sperantia  Hoffnung,  von  sperare  hoffen. 

Spergel,  m.,  Pflzn.,  s.  Schmergel. 

Sperkel,  m.^  s.  Spirkel. 

sperkeln,  su?.,  s.  sparteln. 

Sperkucks,  m.,  sperkucksen,  su?.,  s. 
Spirfcucks  etc. 

Sperlingsschlucker,  plur.,  Spottname 
für  die  Eönigsberger.     Vgl.  Japper. 

Sperrhaken,  m.,  Haken,  der  die  auf- 
gesperrten Fenster  festhält.  Uennig, 
257. 

Sperrholz,  n.,  -stock,  m.,  Hol/,  oder 
Stock,  mit  dem  die  ausgeweidete  Bauch- 
höhle und  die  Hinterbeine  eines  ge- 
schlachteten Viehs  auseinander  gehalten 
werden.    Hennig,  257. 

Sperrmaul,  Sparrmaul,  n.,  aufgesperrtes 

Maul.  Ein  Sparrmaul  machen,  mit 
offenem  Munde  neugierig  dreinschauen. 
Vgl.  Alaulgesperr. 

Sperrstock,  tti  ,  s.  Sperrholz, 
sperteln,  «tr.,  s.  sparteln. 

Sptt,  m.,  Spiel'z,  Speer,  spitzer  Stab, 
Wo  hei  sehet,  let  hei  sirin  Spot,  Vom 
Vergel'zlichen.  Sprw.  I,  3273.  Fisch- 
sptt,  pltd.  Föschsptt,  spitzer  Stab  an 
dem  man  die  Fische  aufspiofzt  und 
zum  Trocknen  oder  Räuchern  aufhangt. 
Heikesptt,  m.,  Spiefz  an  der  Heike  (s.  d.) 

SpetAl,  n.,  Spital,  Hospital.  Om 
Spetal  nä  Bräde  fragen,  Vergebliches 
thun. 

Speznickel,  m.,  s.  Spitznickel. 

spick,  adj,^  geräuchert;  von  Speisen. 


350 


spicken  —  SpieEzmann. 


Von  mir  nur  in  Zusammensetzungen 
gehört:  Spickgans^  Spickaal^  Spickflun- 
der,  gewöhnlich  Speckflunder  genannt, 
wenn  sie  recht  fett  ist.  In  Pommern 
auch  Spickhering,  Dähn.,  447  b. 
Dan.  spikken  gesalzen. 

spicken,  pltd.  spticke(n),  sw.  1.  ste- 
chen; stolzen.  Mit  der  Nadel  spicken. 
Mit  Fufzen  spicken.  Es  spickt  mir  im 
Atige.  Mühling  hat  auch  sptken.  an- 
spicken,  anstechen,  aufepicken,  aufste- 
chen, durch  Stich  öffnen.  Ein  Geschwür 
aufspicken.  ausspicken,  ausstechen. 
Spöck  dem  lewe  Gottke  nick  de  Ogkes 
ut!  sagt  man  zu  dem  Kinde,  das  nach 
den  Sternen  zeigt,  einspicken,  einst^ 
chen.  Ein  Loch  einspicken,  zerspicken^ 
mit  Stichen  durchlöchern:  ein  Blatt 
Papier  zei*spicken;  erstechen,  durch 
Stich  töten.  Loat  doach  nich  den  Mann 
taschpocke!  Bold t,  6.  2.  schnell  lau- 
fen oder  reiten:  Dei  spöckt  got  Jung^ 
gehy  lauf^  renn^  spick  so  doli  ah  du 
kannst!  Sperber,  30.  Nach  Müh- 
ling im  Samiande  auch  s.  v.  a.  her- 
ausschütten. 3.  Bildlich:  durch  Ge- 
schenke und  Geld  jemand  zu  gewinnen 
suchen  (wie  man  den  Hasen  mit  Speck 
spickt).  Seit  der  Zeit  ist  das  ganze 
Haus  voll  Advokaten^  und  die  werden 
geschmeichelt^  gespikt^  angebetet.  Soph. 
R.  V,  583. 

Spicker,  Spickert,  m.,  allgemein  ein 
spitzes  Instrument,  mit  dem  man  spik^ 
ken,  stechen  kann;  scharfe  Eisenspitze 
an  Piken,  Schultintentassern  etc.  Nach 
Hennig,  258:  Sptker,  eine  Art  klei- 
ner Nägel,  auch  Klammspeicher  (s.  d.) 
Mühling  hat  neben  Sptker  noch 
SpTkerL 

Spickflunder,  -gans,  /.,  s.  Spick. 

Spickgi,  SpTkVI,  SpicknardenSI,  n.,  Med., 
Oleum  spicae, 

spidderig,  adj.^  s.  spilierig. 


Spiel,  n.,  Satz  als  Malz.  Ein  Spid 
Stricknadeln  =  5  Stück. 

Spielbier,  n.^  Bier,  das  den  Spielleaten, 
Musikanten,  für  ihr  Spiel  gespendet 
wird;  in  früherer  Zeit  in  Königsberg 
ein  bestimmtes  Deputat  an  Bier,  das 
in  den  Höfen  und  Gärten  den  „Instru- 
mentisten"  zu  liefern  war.  S.  Die 
Zünfte,  29. 

spielerig,  pltd.  spöllerig,  adj.,  spiel- 
lustig, zum  Spiel  aufgelegt,  zu  mun- 
teren Streichen  geneigt  und  sie  aus- 
führend. Junge  Hunde  sind  spielerig. 
De  Schpook  (ßpuk)  wea  mankmoal  so 
schpölleng^  dat  fie  dam  Margellke  den 
Todeck  wech  riete  wuU,     Boldt,  12. 

spielrädig,  adj,^  von  einem  regendorch- 
weichten  Wege,  welchen  ^die  Kader 
gleichsam  spielend  schneiden^.  Müh- 
ling. 

Spieiratze,  /.,  zur  Bezeichnung  eines 
leidenschaftlichen  Kartenspielers. 

Spielschule,  /.,  Schule,  in  der  eigent- 
lich gespielt  werden  sollte,  Kleinkinder- 
Bewahranstalt.  Sie  ist  schon  in  die 
Spielschule  gegangen  und  kann  schöne 
Gebete,     Königsberg. 

Spieltag,  m.,  Tag  zum  Spiel,  ganzer 
oder  halber  Ferientag.  Haben  icir 
morgen^  —  heute  Nachmittag  Spieltag? 
fragen  die  Schüler  den  Lehrer.  Erm- 
land.  Herr  Direktor,  ich  7nache  ihm 
einen  demüthigen  Fuj'zfall,  er  wolle  dem 
Grobianclien  Spieltag  geben.     Lustspiel. 

Spielverderber,  w.,  Störenfried.  . . . keen 
Klatschmui,  keen  Sp§lcerdarwer.  Dorr, 
1.  Wiew.,  23. 

Spielzahn,  m,,  s.  Speilzahn. 

Spielzeug,  pltd.  Sp^itlg,  n.,  Klavier. 
Gr.  Werder. 

Spiefzmann,  m.,  Spiel'zbürger.  E 
Spesmann  hadd  sock  schons  de  Hut 
Ganz  erlich  voll  gesäpe.  Samland. 
Firmenich  IH,  115b. 


Spiefemöwe  —  Spinkelwinkel. 


361 


Spiefzmöwe,  f,^  die  schwarzgraue  See- 
schwalbe, Stcftia  nigra.  Mühling, 
Tiern.,  177. 

Spikant,  Pflzn.,  nördlicher  Kippenfam, 
Blechnum  boreale  Sw,     Hagen,  1106. 

spikellren,  8<i7.,  höhnen,  spotten,  sti- 
chehi.  In  Posen  apikliren.  Bernd, 
288.  Spikeleer  nu  fiich,  PistoL  Dorr, 
1.  Wiew.,  20.    Vgl.  spuingen. 

Sptker,  SpTkerty  m.,  s.  Spicker. 

SptkVI,  n.,  Medik.,  s.  SpickVI. 

Sptle,  /.,  spTlen,  sw.^  s.  Speile  etc. 

Spilly  n.y  Spiel;  auch,  nach  Sper- 
ber, 30,  häufiger  Familienname. 

Spille,  pltd.  SpVir,  /.,  gelbe,  frühreife 
Pflaume,  Sommerpflaume;  nach  T rei- 
che 1,  Volksth.  II,  auch  die  Schlehen- 
pflaume, Prunus  insititia  L.  Auch 
nennt  man  den  Spillenbaiim  kurzweg 
Spille,  Nds.  Speljcy  Spelt  ^  Speltje. 
Brem.  Wb.  IV,  941,  das  den  Namen 
von  der  Spalte  herleitet,  welche  diese 
Pflaume  hat.  Hennig,  258.  Vgl. 
Agtapfel. 

Spiller,  w.,  Dem.  Spillerchen.  1.  un- 
bedeutender, dünner,  schwanker  Zweig, 
wenig  versprechender  Schöfzling.  2. 
hagere  Person. 

spill(e)rig,  adj.^  hager,  dürr,  mager, 
spindeldürr,  namentlich  von  Armen 
und  Beinen.  Nach  Gordack  auch 
geil  aufgewachsen.  Was  hat  der  für 
spillrige  Beine!  Was  spillerig  ist^  wird 
schwer  fett.  In  Nds.  spille  die  Spindel ; 
ebenso  in  Posen.  Brem.  Wb.  IV,  960. 
Bernd,  288.  In  gleichem  Sinne  auch 
spidderig. 

spillern,  verspillem,  sw ,  verschwenden. 
Dönh. 

spillig,  adj.,  leicht  spaltbar.  Zwei- 
spillig,  vierspillig,  zweigespalten,  vierge- 
spalten.  Von  Holzstammen,  die  in 
zwei  oder  vier  Stücke  gespalten  sind. 
Hennig,  336. 


Sptizahn,  m.,  s.  Speilzahn. 

Spinal,  7n.,  Garn  zum  Strumpf- 
stricken. Dzg.  W.  Seidel,  34.  Im 
Augsburgischen  der  fein  gesponnene 
Faden.    SchmellerlH,  570. 

Spinat,  m,y  wilder,  s.  Mill. 

Spinatwachtel,  /.,  altes  grimmig  aus- 
sehendes Weib.     Danzig.     Treichel. 

Spind,  n ,  Schrank.  BOcher"^  Essen-^ 
Kleiderspind. 

spingem,  sw.^  poltern,  lärmen,  umher- 
fahren, kleine  Gegenstände  im  Eifer, 
in  Erregung  und  Ärger  umherwerfen, 
namentlich  wenn  man  nach  einem  Ge- 
genstande sucht.  Be  Spingert  wat  he 
find^  on  hefft  den  Kopp  voll  Grolle. 
Carm.  nupt  IV,  59  b.  ^e  (die  Magd) 
spingert  as  tüie  doli,  on  well  eck  eer  dat 
leggen,  so  prust  se  stracks  herut,  den 
Deenst  my  optoseggen.  Ibid.  V,  264b. 
Auch  spinken:  aber  de  älste  Schwester 
spinkt  on  schmofz^  weil  se  keene  Kinder 
krähk  (kriegte).  Schalt).,  3,  9.  Sche- 
mionek,  38.  Lit.  spengiu^  sp^ti  und 
spengeti  gellen,  klingen.  Nsslm. 
Forsch.  3;  Th.,  173.  Bock,  64.  Hen- 
nig, 258. 

Spinke,  /.,  Sommerfleck,  Sommer- 
sprosse. Entspricht  dem  poln.  piega 
Sommersprosse  (das  s  ist  vorgesetzt). 
Nsslm.  Forsch.  3;  Th.,  173. 

Spinkelwinkel,  n.,  Versteckspiel  der 
Kinder.  Eines  der  Kinder  winkt,  d.  h. 
stellt  sich,  die  Hände  über  die  Augen 
deckend,  in  eine  Ecke  (einen  Winkel) 
des  Males  oder  gegen  dasselbe;  die 
übrigen  suchen  in  der  Nähe  des  Spiel- 
platzes Verstecke.  Auf  den  Ruf  der 
Versteckten:  Ist  all!  oder  Kuckuck! 
verläCzt  der  Winkende  das  Mal  und 
beginnt  die  Genossen  zu  suchen.  Diese 
bemühen  sich,  von  den  Verstecken  ans 
das  Mal  zu  erreichen.  IJer  zuerst  Er- 
griffene hat  bei  Wiederholung  des  Spiels 


352 


spinken  —  Spirkel. 


za  tcinken.  Dies  Winken  heifzt  auch 
lugen  und  plinzen  (s.  d.).  In  der 
Schweiz  heifzt  das  Spiel  Gugehtein^ 
Anschloffigs  y  Blinzimus,  Rochholz, 
403  f.  Sie  spielen  mit  einander  Spinkel- 
winkely  Versteckens,  wollen  sich  nicht 
verstehen.  Königsberg.  Volksr.,  191, 
713.     Bock,  64.     Hennig,  258. 

spinken,  sw.^  s.  spingern. 

Spinne,  pltd.  Spenn,  /.  Wat  Spenn! 
als  Aasruf  der  Verwunderung.  Carm. 
nuptY^  190d.  Pfui  Spinne!  Abscheu 
ausdrückend. 

spinnefeind,  adj.  u.  adv.^  stark  ver- 
feindet, feindlich  gesinnt  wie  gegen 
eine  Spinne.  So  fordert  Ihr  von  mir^ 
ein  frohes  Lied  zu  singen^  So  Spönne- 
feind  und  gram  mir  meine  Muse  ist 
Carm.  nupt.  I,  125.  So  spricht  der 
Zagende:  Gott  sei  ihm  Spinne-feind. 
Ibid.  m,  282  c. 

spinnen,  pltd.  8penne(n),  8p»nne(n),  «f., 

essen.     Der  spinnt  gut^  Uzt  tüchtig. 

Spinnenarsch,  pltd.Spennenar8cli(a==a), 

7».,  Podex  der  Spinne,  zur  Bezeichnung 
eines  alten,  hageren  Mannes. 

Spinnenfresser,  pltd.  Spennefrfiter,  m., 

Kleinigkeitskrämer.  Spinnen  fresserneam- 
ten  die  Insassen  eines  Hospitals  den 
Direktor  der  Anstalt,  weil  er  bei  seinen 
Besuchen  es  zunächst  auf  die  Spinnge- 
webe abgesehen  hatte. 

Spinnensommer,    pltd.    Spennesamer, 

(a  =  a),  m.,  die  Zeit  kurz  vor  dem 
Alteweibersommer,  wenn  die  Spinnen 
ihre  Fäden  über  die  Stoppeln  gezogen 
haben. 

Spinnhaus,  n.,  Zuchthaus,  namentlich 
für  weibliche  Verbrecher.     Veraltet. 

Spinnkarre,  pltd.  Spennkarr,  /.  u.  9n., 

Spinnrad.  Bim  Spenkar  set  de  Mitsch 
on  spennt.     Dzg.  Nhg.     Violet,  194. 

Spinnstock,  m.,  Stock  im  Wocken, 
Uberwücken.  In  einem  masur.  „Gesprach 


zwischen  vier  Ehefrauen^,  das  mir  ans 
Marggrabowa  eingesandt  ist,  heifzt  es: 
Gestern  gab  er  (der  Mann)  mir  eins 
mit  dem  Spinnstock  (jprzQsUcct)  in  den 
Fufz, 

Spinnwocken,  m.^  jedoch  meist  nur 
Wocken  (s.  d.),  Spinnrad. 

spinterig,  adj.^  hager.  Schemionek, 
38. 

spintisieren,  spintestren,  sw.^  grabein, 

nachdenkend  auf  Spitzfindigkeiten  ver- 
fallen, ersinnen,   erklügeln,   aasdofleln. 

Auch  ausspintisieren,  lierausspintiaiereiu 

Hennig,  258. 

Sptr,  m,  u.  n.,  Dem.  Sptrchen^  pltd. 
Sptrke,  1.  Spitze,  besonders  Gras- 
oder Eomspitze,  die  aus  der  Erde 
kommt;  aber  auch  ein  vollständiger 
Halm,  mehr  jedoch  Hälmchen.  2.  ein 
Weniges,  Geringes  von  einer  Sache. 
Nicht  ein  Sptr  Schnee.  Ein  Sptrchen 
Eolz^  ein  Sptrchen  Milch.  Herr^  too 
Sophie  ein  Spihrchen  Liebe  gegen  Ihn 
hat,  so  bin  ich  ein  Schelm!  Soph.  R. 
II,  459.  Vgl.  Richey,  282.  Brem. 
Wb.  IV,  954.  Schamb.,  205a.  Mi, 
85a.  Danneil,  204a.  Vilmar,  393. 
Anton,  13,  3.     Hennig,  258. 

sptrig,  a(f;.,  dünn  wie  ein  Halm;  auch 
vom  Menschen.     Von  Sptr. 

Spirkel,  pltd.  Sperkel,  Spörkel,  in 
Westpr.  auch  Spörke  u.  Sprekel,  m.    1. 

gebratenes  Stückchen  Speck,  das  zu 
Klölzen,  Brei,  Kartoffeln,  in  Mus  etc. 
gegessen  wird.  Wenn  mtne  Motter 
Spörkel  brät,  denn  lacht  mt  de  Bart. 
Ömmer  von  bdwe  drop,  KtUce  keirC 
Spürkel  drop.  Sprw.  I,  2816.  Dat  ös 
e  goder  Spöi^kel  ön  e  Pann,  von  einem 
Korpulenten.  De  geit,  as  wenn  de  Dticel 
Spöi*ke  frett.  Mockrau  bei  Graudenz. 
Auf  der  Dzg.  Nhg.  Sprekel.  Sprw.  I, 
1166.  Lit.  spirgas,  poln.  szperka  das- 
selbe   und   auch  Ch^iebe  (s.  d.)     Hen- 


spirkeln  —  Spitzkopf. 


353 


nig,  257,  sclireibt  Spärkel.  2.  Schorf- 
pustel, weil  sie  einem  Speckspirkel  ähn- 
lich sieht.  Ehr  hat  Spirkel  gegessen^  er 
hat  einen  aasgeschlagenen  Mund. 

spirkeln,  sw.^  Speck  braten;  Speisen 
mit  Spirkeln  abmachen.  Muhling. 
Lit.  sjnrginti^  spirgyti.  Nsslm.  Th., 
173. 

Spirkucks,  Sperkucks,  SpUrkucks,  m., 
ein  Überall  und  Nirgend,  Pfiffikus, 
Schlauberger,  der  alles  sieht,  merkt, 
spurt;  in  der  Elbinger  Niederung  win- 
diger, kleiner  und  schmächtiger  Mensch; 
auch  Schmeichelwort  für  kleine  muntere 
Kinder.  Spürkucks^  merkst  du  watf 
Sprw.  I,  3582.  Hingewiesen  sei  auf 
den  Spiruks  der  Litauer,  ein  drachen- 
artiges Wesen,  das,  durch  die  Luft 
fliegend,  Getreide  und  Geld  eines  an- 
dern den  Seinen  zuträgt.  Bezzen- 
berger,  Lit.  Forsch.,  66. 

spirkucksen^.,  aufmerken,ausschauen, 
nachspüren. 

Spitalqualst'rer,  m.,  s.  Qualster. 

spitig,  adj.y  keck,  widersprechend, 
höhnisch,  spottsüchtig,  boshaft,  geärgert, 
stichelnd.  Nds.  sptt  Hohn,  Spott, 
Kränkung,  Yerdrui'z,  den  man  andern 
anthut,  oder  der  uns  angethan  wird; 
spitig  verdrierzlich,  was  kränkt.  Brem. 
Wb.  IV,  954  f.    Vgl.  spHsch. 

spHsch,  ad/,  u.  adv.j  spitz  in  der 
Rede,  spöttisch,  schnippisch,  kurz  an- 
gebunden, frech,  naseweis.  Er  kam 
mir  spitsch^  d.  i.  höhnisch.  In  Danzig 
spTtsch;  in  Nds.  spttaky  in  Pommern 
spitisk,  spttsch^  im  Götting.  spttsch. 
Brem.  Wb.  IV,  955.  Dähn.,  449a. 
Schamb.,  205a.  Hennig,  259.  Vgl. 
spitig. 

Spittakel,  m.,  Spektakel. 

Spittelbrot,  n.,  Brot,  Speisung  im 
SpitteL,  Hospital,  über  dem  Thor  des 
Löbenichtschen    Hospitals    in   Königs- 

Prisohbier,  Wörterbuch  11. 


berg  standen  ehemals  unter  andern  fol- 
gende Reime:  AUe^  die  nach  Gottes 
Willen  Durch  Spittelbrot  ihren  Hunger 
stillen,  Sollen  vor  die,  so  sie  speisen, 
Täglich  beten^  Gott  loben  und  preisen. 
Hennig,  259. 
Spittelhahn,  m,,  s.  Spöttelhahn. 
Spittelkorb,  m.,  Fischergerät.  Pier- 
son, Matth.  Prätor.,  117. 

Spittler,  m.,  zur  Ordenszeit  ein  Auf- 
seher über  ein  Hospital.  Hennig, 
259:  „Nach  Waisseis  Chronik  setzte 
der  zwölfte  Hochmeister  Siegfried  von 
Feuchtwangen  einen  Oberspittler,  der 
die  Aufsicht  über  die  gemeinen  Spittler 
hatte  und  ihnen  vorschrieb,  wie  sie 
die  Einkünfte  der  Hospitäler  am  be- 
sten verwalten  sollten.  Er  war  unter 
den  Gro/zgebietigem  im  Lande  der 
dritte  und  hatte  seinen  Hauptsitz  ge- 
wöhnlich in  Elbing.  In  der  Folge 
wurde  ihm  ein  Unter^cnttler  zugeordnet, 
der  theils  die  Reisen  im  Lande  über- 
nehmen, theils  in  des  Oberspittlers 
Abwesenheit  die  Amtsverrichtungen 
bestellen  mufzte.* 

SpHz,  •  m.,  Dem.  Spitzchen^  Rausch. 
Er  hat  einen  Spitz  —  er  hat  ein  kleines 
Spitzchen.  Sprw.  I,  445.  Bock,  64. 
Hennig,  259. 

spitz,  adj.  u.  adv,  spitzig;  frostig. 
Ich  kann  die  Sache  nicht  spitz  kriegen, 
ich  kann  damit  nicht  zum  Ziele,  zum 
Zweck  kommen.     Hennig,  259. 

SpHzbubentag,  m.  Einen  Spitzbuben- 
tag  leben,  einen  Herrentag  leben,  ein 
gutes  Leben  führen.     Königsberg. 

Spitze,  /.,  satirische,  beifzende  Rede. 
Ich  danke  für  die  Spitzen,  Dei  Spötze 
kannst  dt  an  e  Underrock  nege,  Sprw. 
I,  3578.    Davon  spitzen  u.  spitzeln. 

spitzklug,  od)*.,  scharfklug.  Beleg- 
stelle unter  Püfel, 

Spitzkopf,   m,     1.  spitzfindiger  Kopf. 

23 


354 


Spitznickel  —  Splitterkopf. 


2.  Im  BrCisbartBpiel  Ereozdame,  in  der 
deatschen    Karte    mit    spitzem    Hat. 

3.  Spottname  für  deo  Gendarm.  4. 
die  Haubenlerche,  Alauda  crütata. 

SpHznickely  pitd.  Spötznöckel,  m.    1. 

junges  Mädchen  (Kind)  als  Braut- 
führerin an  der  Spitze  des  Hochzeits- 
zages. N.  Pr.  Prov.-Bl.  IV,  51.  Nach 
Bock,  63,  hiefzen  ursprünglich  Spitz- 
nickel  die  Jungfern,  die  bei  dem  Trauer- 
gefolge in  dem  ersten  Paare  gingen. 
In  der  Niederlaus,  heil'zen  diese  Trauer- 
mädchen Spitzemädchen.  Anton,  4, 
12.  In  den  Lit.  Aeq.,  21,  wird  auf 
die  lit.  Wurzel  spit^  specz^  umringen, 
umgeben  (nämlich  die  Braut)  hingewie- 
sen. Hennig,  257,  schreibt Speznickel 
2.  unerwachsenes,  niedliches  Mädchen 
überhaupt  3.  die  Haubenlerche.  4. 
Nymphaea  lutea  u.  alba.  Drausensee. 
Mühling.    Vgl.  Nickel. 

spiftren,  sw.y  sperren,  aufsperren,  ge- 
wöhnlich aufsplftren.  Spldr'  den  Mund 
auf!  thue  den  Mund  auf.  Der  Vogel 
spldrt  den  Schnabel  auf.  Die  ITiür 
aufspldren.  Als  Gegenteil  verspl&ren. 
Den  Weg  verspldren.  Davon  in  der 
Zusammensetzung : 

spiftrweit,  adj,  und  adv.j  sperrweit, 
aufgesperrt.  Die  Thür  stand  spldrweit 
offen^  sie  war  weit  geöfiPnet.  T rei- 
ch el. 

spielten,  8^.,  s.  spllten. 

spIStig,  adj.^  grobfaserig;  vom  Kind- 
fleisch, Fleisch  des  Aales.  Müh- 
ling. 

Splint,  m.  u.  n.  1.  plattes  Eisen  mit 
einer  Feder,  das  man  durch  Riegel 
oder  Bolzen  steckt,  um  dieselben  fest- 
zuhalten. 2.  Span,  Splitter,  nament- 
lich wenn  ein  solcher  gleich  einem  ei- 
sernen Splint  gebraucht  wird.  Engl, 
und  schwell,  splinty  holl.  splenter^  splin- 


ter^  dän.  splinde.    3.  das  weiche,  erste 
Holz  zwischen  Rinde  and   Kern. 

spllnter,  acf;.,  ganz,  völlig.  Als  erstes 
Glied  in  der  Zusammensetzung:  splinttf- 
nackt,  adj.^  so  nackt  wie  Holz,  dem 
die  Rinde  abgezogen  ist,  wie  ein  Splitter. 
Wt  08  80  splontemäkt  er  Lt/^  De  nick 
mal  Hemdkes  drege!  Samland.  Fir- 
menich III,  499a.  In  Pommern  aach 
modemaketj  nackt,  wie  ein  Kind  von 
der  Mutter  kommt.  Dähn.,  309b. 
Hochd.  hört  man  gewöhnlich:  splitter- 
nackt Vgl.  spOnnackt«  In  Posen  spUt- 
terfasemackt.  Bernd,  290.  Hennig, 
259.  Bock,  64,  hat  auch  splintemeo. 
Bjin  splint^rneues  Kleid. 

splissen,  spllfzen,  «o.,  ein  Tan  durch 
Zusammenflechten  der  zerrissenen  Teile 
ausbessern.  Schemionek,  38.  Breu- 
sing,  19. 

Spllfz,  m.,  s.  SpiTte. 

SpITte,  Spitst,  m.  u.  /.  l.  Spalte,  Ri(z. 
Schlitz,  Riize.  2.  ein  zerspaltenes 
Stuck,  ein  Holzscheit,  Span.  Nach 
Mühling  ein  Dachspan,  den  man 
bei  Biberschwanzdächem  unter  die  Fu- 
gen in  Kalk  legt.  Im  Nds.  Splete; 
im  Götting.  splete  Splitter.  Brem.  Wb. 
IV,  958.  Schamb.,  205a.  Hennig^ 
260. 

spITten,  spielten,  st.^  spleil'zen,  spalten; 
sich  spalten,  abtrennen;  reil'zen,  zer- 
reifzen.  Das  Holz  splttet  guty  lälzt 
sich  gut  spalten.  Federn  spltten.  Lakens 
wt  ut  em  Ei  gespleite,  so  zart  und  weüz. 
Dönh.  Engl,  split^  schwed.  spUta,  holl. 
splijten.  Oft  mit  riten  verbunden.  Hei 
mot  alles  territe  on  terspltte.  Hennig, 
260. 

Splltnagel,  m.,  Nietnagel,  Niednagel; 
Hautsplitter,  der  sich  abgetrennt,  ab- 
gesplietet  hat ;  er  heü'zt  auch  Rttnagel. 

Splitterkopf,    pItd.    SpIVtterkopp,   m.. 


Splittholz  —   Spreh, 


355 


Schreckgestalt  für  Kinder,  mit  einem 
Kopf  aus  Splittern.     S.  Kommutter. 

Splittholz,  n.,  1777  von  Meiuel  aas- 
gegangen :  i^plittholz  291  Faden.  Bock, 
Nat.  I,  608. 

spluderig,  adj,^  undicht,  dünn,  unvoll- 
kommen. Muhliug.  Wohl  dasselbe 
was  scfdüdetng. 

Spochheigster,  m.,  s.  Spachheister. 

Spochty  m.  1.  gemeine  Taube,  Feld- 
taube; nach  V.  Au  er  auch  Specht. 
2.  hagerer,  dürrer  Mensch.  Hennig 
hat  für  diese  Bedeutung  SpuchL  Sie  (er) 
ist  ein  7*einer  Spocht^  —  mager  wie  ein 
Spocht.  Er  hat  Beine  vne  ein  Specht^ 
dünne  Beine.  Das  Brem.  Wb.  IV,  977, 
welches  Sptigt  schreibt,  erinnert  für 
die  Ableitung  auch  an  das  nds.  Spook 
Gespenst  und  an  Spacht  und  Spagen 
Bindfaden.  In  der  Gegend  von  Fried- 
land Ostpr.  ist  Spocht  wirklich  =  Spoky 
Spuk,  Gespenst.     Hennig,  261. 

spochtelriy  sw,,  mit  Behagen  speisen, 
löfiFeln,  von  einer  Lieblingsspeise  essen, 
Was  giebfs  zu  spachteln?  Friedland 
Ostpr. 

Spochtfaden,  m.y  s.  Spachtfaden. 
Spöckelerbse,  /.,  s.  krellen. 

SpOk,  m,  u.  n.j  Spuk,  Gespenst.  Öm 
blingen  Brooks  Da  wankt  dat  Spook, 
Spook,  471.  Auch  Gespok  (s.  d.)  Da- 
von spOken,  sw.^  spuken. 

SpOn,  m.,  plur,  Spöner^  Spener^  Span. 
Mit  Spon  hobeln,  in  der  Richtung  ho- 
beln,  wie  das  Holz  spaltet  über  Spon 
hobeln,  gegen  die  Spaltrichtung  hobeln. 
In  Zusammensetzungen:  spOnnlichtem, 
spOnnackty  s.  v.  a.  vollständig,  also 
völlig  nüchtern,  ganz  nackt. 

Spondy  m,y  Pflock. 

SpOnkalb,  n.,  Kalb,  das  noch  saugt. 
Spon,  Zitze  des  Kuheuters.  Brem. 
Wb.  IV,  963. 


SpOnklappe,  /.,  s.  Gomolka. 

Spore,  /.,  ein  zur  Gattung  Karpfen 
gehöriger  Fisch,  der  sich  vorzugsweise 
im  kurischen  Haff  findet,  die  Zope, 
Abramis  ballerus,  lit.  sparis^  sporis,  kur. 
spare.  Bock,  Nat.  IV,  682.  Be- 
necke,  122. 

Sporenzches,  plur.,  s.  Sperenzcehn. 

Sporgeln,  Ortsn.,  Dorf  im  Kr.  Fried- 
land Ostpr.  Spott:  Du  kannst  gäne 
bt  'ne  Sporgelsche  Kuijel !  zu  einem,  der 
wegen  Untauglichkeit  von  einer  Be- 
schäftigung fortgejagt  wii*d. 

Spott,  n,  Spiei'z?  Sonst  kommt  de 
Schmödt,  Schielt  jü  möt  dat  Spott. 
Volksr.  135,  564 

Spöttelhahn,  Spittelhahn,  m.,  untaug- 
licher Hahn,  Hühnerzwitter.  Hei  kregt 
wt  e  Spöttelhahn,  er  spricht  (scheltend) 
mit  hoher  Diskantstimme. 

spottleicht,  adj.,  sehr  leicht,  den  Spott 
herausfordernd  leicht.  Die  Rechnung 
ist  spottleicht. 

spöttsch,  adj,,  spöttisch,  rauh.  Glup- 
sches,  spettsches  Wedder,  unfreundliches, 
rauhes  Wetter.     Dorr,  1.  Wiew.,  58. 

Sprachheistern,  sw,,  über  einen  Dritten 
im  geheimen  sprechen,  schänden,  ihn 
verleumden.     Nordenburg. 

sprachlos,  adj.,  baufällig,  dem  Zu- 
sammenstürzen nahe;  auch  von  einem 
Menschen,  der  durch  Krankheit  ge- 
beugt seinen  Körper  schwer  aufrecht 
erhält.     Marold. 

Sprechan,  d.  i.  sprich  an,  Name  für 
ein  Gasthaus  vor  dem  Steindammer 
Thor.     Königsberg.     Vgl.  Legan. 

sprSen,  sprSgen,  sw.,  sanft  regnen. 
Es  hat  ein  wenig  gespret,  es  hat  sachte 
geregnet.  H enn ig,  260,  schreibt  spro^ 
Bock,  64,  spreen. 

Spreh,  Sprehe,  Sproh,  /.  1.  Star, 
stumus.    Ahd.  sprd,  hoU.  spreu/w.    Im 

23* 


356 


sprehhalterig  —  Sprind. 


Samlande  auch  Spren.  M  u  h  1  i  n  g ,  Tiem., 
177.  2.  ein  hagerer  Mensch,  iki  ös 
verdregt  w'tn  Spreh. 

sprehhfttterig,  adj.^  hager,  dünn,  lang. 
Muhling. 

Spreite,  Sprfite,  pltd.  SprSde,  /.^  von 

spreiten^  Ausbreiten  des  Flachses  zum 
Trocknen,  wenn  er  aus  Aqt  Rete  kommt; 
Trockenboden.  Was  sagte  dei'  IJopfen, 
Liegend  auf  der  Spreite f  Nsslm., 
Dainos,  142. 

spreiten,  sprSten,  pltd.  sprfiden,  sprS- 
sen,  8w,^  etwas  seiner  ganzen  Flächen- 
ausdehnung  uach  ausbreiten,  hinlegen. 
Wäsche  auf  die  Bleiche  spreiten,  Nsslm., 
Dainos,  194. 

Spreittuch,  n.,  s.  SprStuch. 

Sprengsei,  m.,  Heuschrecke,  weil  sie 
springt.    Kr.  Berent.     Treichel. 

Sprenzchen,  plur,^  s.  Sperenzchen. 

sprSsen,  sw.^  s.  spreiten  u.  sprSfzen. 

SprSrze,  SprSse,  /.,  Spreize,  Strebe- 
holz, Strebepfeiler,  Stütze.  EineSprefze 
untersetzen.  Die  Sprefze  einer  Brücke 
—  eines  baufälligen  Hauses,  Uenuig, 
260.  Ahd.  spriuza^  mhd.  spriuze. 
Schade,  858b.  Sp*efzen  heii'zen  auch 
die  gespreizten  Arme  der  Deichsel 
und  des  Laugbaumes  am  Wagen ;  diese 
im  Oberlande  auch  Heichen.    S.  Spriese. 

sprSfzen,  sprSsen,  sw,^  Sprefzen  setzen, 
stützen.     Ahd.  spriuzan, 

SprSte,  /.,  sprSten,  sw,,  s.  Spreite  etc. 

SprStuch,  Spreittuch,  n.,  grofzes,  vier- 
eckiges wollenes  Tuch  von  grüner 
Farbe  (nach  Hennig  aus  weifzer  Lein- 
wand),  einst  beliebter  bequemer  Über- 
wurf für  Frauen,  namentlich  Dienst- 
botinnen während  des  Spreens  (s. 
spreen).  Es  hing  in  der  Gesindekummer, 
und  wer  der  schützenden  Hülle  be- 
dürftig war,  langte  danach.  Der  Schirm, 
der  sonst  nur  das  Haupt  der  Herr- 
schaft deckte,  hat  das  SprStuch  in  Ver- 


gessenheit gebracht.  J.  F.  Lausons 
„Erster  Versuch  in  Gedichten**  (Kgsbg. 
1753)  enthält  eine  Apostrophe  auf  das 
Spretuch^  welche  dasselbe  als  einen 
Deckmantel  der  Unordentlichkei t,Iieicht- 
fertigkeit  und  Hinterlist  bezeichnet;  sie 
beginnt:  Da  fast  die  halbe  Stadt  in 
einem  Spreetuch  gehty  Kein  Wunder ^ 
wenn  es  auch  in  meinen  Versen  steht. 
Der  zweite,  später  auftretende  Name 
ist  aus  spreiten  und  Tu^ch  zusammen- 
gesetzt, bezeichnet  also  ein  Tuch,  das 
man  über  (sich)  spreitet,  umwirft.  Das 
Spretuch  lebt  jetzt  noch  im  Sprichwort: 
Wenn^s  Mod!  ist^  so  geht  auch  die  Katze 
im  Spretuch.  WenrCs  arg  kammt^  so 
gehen  die  Katzen  mit  Spretüchem  her^ 
u/m.  Es  geschieht^  wenn  die  Katze  ein 
Spreittuch  trägt.  Vgl.  N.  Pr.  Prov.-Bl. 
H,  361.  Sprw.  I,  2644.  1236.  Hen- 
nig, 260. 

Spreubauer,  m.,  Bauer,  der  in  der 
Stadt  Spreu  kauft;  oft  mit  übeler  Neben- 
bedeutung, indem  statt  der  behaDdelten 
Spreu  betrügerisch  Getreide  eingesackt 
wird.     Kgsbg. 

Spreufericel,  pltd.  Sprtfarlcel,  n ,  Ferkel, 

das  mit  Spreu  (Hinterst,  Hintergetreide) 
gefüttert,  also  nicht  auf  die  Mast  ge- 
stellt wird.  Es  wird  zum  Faselschwein 
grol'z  gefüttert.  He  ös  dem  lewe  Gottke 
Sin  Sprtfarkel,     Sprw.  I,  1352. 

Spriese,  Spriefze,  /.,  Sprosse,  Stange, 
womit  der  Sack  oder  Wenter  im  Wasser 
befestigt  wird,  Pricke.  Welchem  kann 
dargethan  werden^  da/z  er  Sackspriesen 
habe  stehen  lassen^  soll  bestraft  werden, 
Haff-  und  Fischerordnung  v.  J.  1640. 
Bock,  Nat.  IV,  696.    Benecke,  295. 

Sprind,  Springd,  Spring,  Sprinl(,  n.  u. 
m.,  Quelle.  Ahd.  spring.,  mhd.  sprinc^ 
engl,  spinng.  Dei"  Sprint  in  dem  Amte 
Ffiedrichsberg  , . .  führet  zwar  kein  stark 
mineralisches^  aber  doch  schweifztreiben-- 


sprindig  —  Spudder. 


357 


des^  klares  Wasser  .  .  .  Noch  beträcht- 
licher ist  der  Sprint  bei  Kiauten  etc. 
Bock,  Nat.  I,  504.  Wer  den  Magnet 
vnU  haben  und  einen  süfzen  Sprind,  den 
matten  Geist  zu  laben,  sucht  beedes  in 
der  Orub!  Carm.  nupt  II,  80 d.  Vgl. 
MSske. 

sprindig,  springdig,  springig,  adj,^  quel- 
lig, quellreich.  Sprindiger  Boden,  nasser, 
feuchter  Boden.  In  Westpr.  auch  sprin- 
kig.  Es  kommen  aus  einer  sprinkigen 
(d.  h.  quelligen)  Stelle  ei^t  die  Köpfe, 
dann  das  ganze  ülnige  Gerippe  der 
Pferde  zum  Vorschein.  Treichel,  See 
bei  Alt-Grabau.  Verhandig.  d.  Berlin, 
anthr.  Ges.  1881,  S.  399. 

Sprindwasser,  n.,  Quellwasser,  hartes 
Wasser,  Trinkwasser. 

Spring,  Springd  etc.,  s.  Sprind  etc. 

Springkraut,  Springsamenkraut,  n.,  s. 
Rehehirschen.  Hagen,  500,  hat  auch 
für  die  kreuz  blättrige  Wolfsmilch, 
Euphorbia  lathyris  L.,  deren  Samen- 
kapseln mit  Heftigkeit  aufspringen,  die 
provinziellen  Namen  Springkraut,  Spring- 
kOmer. 

sprTslich,  adj.,  empfindlich,  leicht  ge- 
reizt^ aus  Eitelkeit,  Überspanntheit. 
Ein  sprisliches  Mädchen.  Friedland 
Ostpr. 

Sprit,  m.,  Baum  oder  Stange,  die  ga- 
belig gewachsen  oder  gespalten.  Har- 
kensprtt.  Stiel  an  einer  Harke.  Hen- 
nig, 260.    Vgl  Sprftfze. 

Spritzenholz,  n.,  bei  Pratonus  Sprützen- 
holtz  unter  den  Gesträuchen  Preufzens. 
Pierson,  Matth.  Prator.,  13. 

Sprock,  n.  u.  m,  1.  Leseholz,  ver- 
dorrte Baumäste,  welche  sprock,  leicht 
zerbrechlich,  sind.  Sprock  lesen,  dürre 
Äste  im  Walde  sammeln.  Sprockholz, 
dünnes  Astholz,  im  Gegensatz  zu  La- 
gerholz. Sprockholz  nennt  man  auch 
die  ausgebaggerten  Holzreste  und  Bor- 


kenstückchen, welche  die  nach  Bern- 
stein schöpfenden  Bagger  mit  zutage 
fördern.  Schwarzort.  Klebs,  Gewin- 
nung etc.,  19.  2.  zur  Bezeichnung  schlech- 
ter Ware,  des  Ausschusses  einer  Ware. 
Die  Ware  ist  lauter  Sprock.  Hennig, 
260. 

sprock,  adj,  spröde,  brüchig,  mürbe. 

SprOckelerbse,  /.,  s.  krallen. 

Sprockheister,  9n.,  Strauchelster,  grauer 
Würger,  Lanius  excubitor.  Na,  du 
kleener  Sprockheister,  wat  bringst  du 
Niet?  Dorr,  1.  Wiew.,  66.  Vgl.  Kad- 
digheister. 

SprockhOmske,  /.,  Sprockameise,  weil 
sie  Sprockrestchen  trägt.     Saalfeld. 

Sprockwurm,  m.,  Larve  der  rauten- 
fleckigen Köcherjungfer,  Phrygaena 
rhomboida.  Sie  wohnt  in  einem  Ge- 
häuse von  holzigen  Stümpfchen;  daher 
der  Name.    Mühling,  Tiem.,  177. 

sprOen,  sw.,  s.  sprSen. 

Sproh,  /.,  s.  Spreh. 

Sprott,  m,  Überfracht,  welche  auf 
Schiffen  durch  betrügerische  Mittel 
(Annässen  der  Ladung  etc  )  erzielt  wird; 
sie  heifzt  in  der  Schiffersprache  auch 
der  Oberkahn.    Mühling. 

SprUtzern,  m.,  Faulbaum,  Rhamnus 
frangula.    Hagen,  258. 

Spucht,  m.,  s.  SpochL 

Spuck,  m,,  Spucke,  /.,  Speichel.  NOch- 
temei^  Spuck  hält  gut  Man  giebt  scherz- 
weise den  Rat,  etwas  Zerbrochenes  mit 
nüchterner  Spucke  zu  kleben.  Davon 
spucken,  sw.y  speien. 

Spucklocke,  /.,  gekräuselte  Haarlocke 
in  der  Nähe  des  Ohres.  Sperber, 
30. 

Spuckschale,  /.,  Schale,  in  die  man 
spuckt,  Spucknapf. 

Spudder,  m.,  schwächlicher,  dabei 
hoch  angewachsener  Mensch.  Norden- 
burg. 


358 


spudderig  —  Stab. 


spudderig,  adj.^  dünn,  schlank,  ma- 
ger. 

spQden,  8w.^  späten,  eilen,  etwas  schnell 
und  geschwinde  besorgen.  Sich  spttden^ 
sich  beeilen.  Spud  dich^  beeile  dich! 
Ock  hebb  ml  deg  gespot,  ich  habe  mich 
sehr  beeilt.  Hastig  gespot  ös  nemig  göt 
Sprw.  I,  1497  flF.  3584.  Vom  Spuden  ist 
die  Katz  gestorben^  Entschuldigung  des 
Langsamen. 

spQdig,  spDtig,  adj.  von  spuden^  eilig, 
schnell.     Mühling. 

spuingen,  »w,^  zanken,  ausschelten. 
Se  hefft  so  doli  m^  ere  Lied  gespuingt. 
Dorr,  1.  Wiew.,  83.  Se  spunjgen  ju 
on  spikeleem.     Dorr,  14. 

spQken,  sw,  1.  unstat  umherwanken 
wie  ein  Spvk^  keine  ßuhe  finden.  Er 
sptikt  immer  herum.  2.  unrichtig  im 
Kopfe  sein,  falsche  Ansichten  haben. 
Bei  dir  spuMs  wohlf  Herr^  in  seinem 
Kopf  spuhkt  es!  Soph.  K.  II,  459.  3. 
über  Zu  künftiges  in  Vorahnung  sprechen. 
Böses  durch  Erwähnung  desselben  her- 
beirufen: vorspQken.  4.  Mit  Feuer  spu- 
ken^ mit  dem  Feuer  unvorsichtig  um- 
gehen.    Hennig,  261. 

SpUlung,  /.,  das  regelmäfzige  Wogen 
des  Meeres  am  Strande,  anschwellend 
und  weichend ;  das  überspülte,  zum  Gehen 
feste  Strandufer.  Wir  verlassen  nicht 
gern  die  Spülung,  weichen  den  Wellen 
aus  und  sehen  lächelnd,  wie  unsere  Fufz- 
stapfen  verloscht  werden.  Passarge, 
Balt.,  98. 

Spülwasser,  n.  1.  Spülicht.  2.  schlechte 
Brühe  oder  Suppe;  fades  Getränk. 
Das  ist  ja  reines  Spulwasser.  Hennig^ 
261. 

Spundgeld,  n.^  Trinkgeld,  das  den 
Brauknechten,  die  das  Bier  in  Fässern 
anfahren,  von  den  Gastwnrten  gegeben 
wird. 

Spundmichel,  m,^  FaCzkellner,  der  den 


Spund,  den  das  Spundloch  verschliefzen- 
den  Zapfen,  aus  dem  FaPz  schlägt. 

Spur,  /.  Nickt  die  Spur^  nicht  das 
geringste. 

spQren,  sw.,  die  Spur  suchen,  ver- 
folgen, der  Spur  nachgehen;  zunächst 
in  der  Jägersprache.  EXn  guter  Jäger 
spurt  genau,  Mädchen  in  dem  Rure, 
Lasse  dich  nicht  spüre,  Der  Jäger  schief  zt 
dich!  Volksr.,  207,  768.  Auch  ver- 
spQren.    Vgl.  erspQren. 

SpUrfrafz,  m.,  Mensch^  der  im  Essen 
verwöhnt  ist  und  vieles  nicht  mag. 
Marold. 

SpUrkucks,  m.,  spUrkucksen,  9tr.,  s. 
Spirkucks  etc. 

Spot,  /.,  Eile,  Geschwindigkeit.  Hast 
und  Spüt  ihut  niemals  gut.  Sprw.  I, 
1496.     Engl,  speedy  holl.  spoed, 

sputig,  ad].,  s.  spudig. 

Srasi,  poln.  zrazg,  poln.  Nationalessen, 
gerolltes  PfeflFerfleisch ,  PfefiFerklops. 
Sperber,  40.    Mrongov.  I,  663b. 

srafzen,  sw.,  in  den  poln.  Gegenden 
Westpr.  für  cacare,  von  dem  gleichbed. 
poln.  srac. 

Srogen,  Ortsn.,  s.  StonupOhnen. 

staatsch,  pltd.  slatsch  (a  =  ä),  adj.  u. 
adv,,  stattlich,  ansehnlich,  prächtig, 
mit  schönen  Kleidern  geputzt,  im  Staat 
Sie  geht  sehr  staatsch.  Es  geht  in  dem 
Hause  sehr  staatsch  zu,  es  wird  vor- 
nehm gelebt.  Mien  Nahber  Japp  de 
möhnt,  et  rook  noch  von  der  Klaatsch, 
De  hei  en  Pingste  gaw.  Dat  was  wol 
alto  Staatsch!  Carm.  nupt  TV,  324b. 
Hennig,  263. 

Staatsschlitten,  pltd.  Stddsschlede,  w., 
Schlitten,  mit  dem  man  Staat  macht, 
Spazierschlitten.    S.  Arbeitsschlitten. 

Stab,  pltd.  Staff,  m.  1.  Stiel.  Flegel- 
staff,  Stiel  am  Dreschflegel.  2.  Eisen- 
stange. Ein  Stab  Eisen.  3.  Fal'zdaube. 
Hennig,  261.    S.  Pfpenstäbe. 


stäbig  —  Stäkbalken. 


359 


sttbig,  adj.y  8.  stäwig. 

Stachater,  m. ,  grofz  gewachsener 
laogbeiniger  Mensch.  In  früherer  Zeit 
auch  Spitzname  für  den  Exekutor  und 
Gerichtsboten.  Davon  stachatem,  9w.y 
aufklettem^  suchend  umhersteigen.  Kin- 
dern, die  auf  Stuhle  und  Tische  stei- 
gen, ruft  man  zu:  Stachater  nicht! 
herumstachaterny  vom  Langbeinigen^  der 
geschäftig  umherlauft,  stachatrig,  adj.^ 
lang-  und  steifbeinig.  Schemionek, 
38. 

Stachbetely  Stachelbauch,  m.,  s.  Stach- 
linski. 

stacheln,  9w ^  quälen,  pisacken;  auf- 
hetzen, aufstacheln  durch  Keden.  Dar- 
aus stachClen.    Treichel. 

Stachelschwein,  pltd.  -schwTn,  n.,  ge- 
meiner Igel,  Erinaceus  europaem, 
Mühling,  Tiem.,  178. 

stachelschweinig,  ad/.,  mit  Stacheln, 
wie  ein  Stachelschwein,  ausgestattet. 
Stark  mit  Ästen  besetztes  Holz,  na- 
mentlich von  der  Kiefer,  wird  von 
Uolzhändlem  stacheUchweinig  genannt. 
Treichel. 

Stächet,  n,  p.  Staket 

Stachgarn,  n.,  Fischernetz.  Pierson , 
Matth.  Prätor.,  117. 

Stachlinski,  Stichlinski,  Stuchlinski,  Stech- 
beutel, Stichbeutel,  SteckbUdel,  Steckbedel, 
Stachbetel  (Ermland),  Stfikbedel,  Stech- 
bUttel,  Stechbuttel,  StechbUgel,  Steigbügel, 
Stechert,  Stecherling,  Stachelbauch,  m., 
der  gemeine  Stichling,  Oasterosteus  neu- 
Uatus^  lit  u.  kur.  stegü^  streffü^  masur. 
stacklack^  kaU^  kass.  stekbydel.  Hen- 
nenberger,  29,  schreibt  SteckbOtel. 
S.  Benecke,  73.  Mühling^  Tiern., 
178.  Bujack,  398^  hat  noch  als  pro- 
vinziell Wolf.  Vom  leicht  erregten  Men- 
schen: Er  ist  borstig  wie  e  Steigbügel. 
He  ÖS  krus  wt  e  Stachlinski, 

Stack,    adj.     Selbige    (Körper^    so   da 


neben  der  Durchsichtigkeit  farbicht  oder 
gefärbt  fallen)  wenn  sie  zerstossen  oder 
zermcdmet  werden^  zeigen  sie  sich  in  der 
Stackesten  Farbe  weifzy  so  dafz  die  weisse 
Farbe  die  andern  überwindet  Linem., 
Ii3a. 

stackern,  sw.^  s.  stäkem. 

stäckem,  sw.^  s.  stSkern. 

Stackneb,  n.,  s.  Stftknetz. 

stacksen,  sw.^  stolzen,  niederstofzen, 
zurech tstofzen.  Treichel.  Vgl.  stuck- 
sen. 

Stad',  Stade,  /.,  s.  Sted. 

Stad Jesus,  Staziosus,  m.^  Studiosus. 
Königsberg. 

Stadöll,  Stodöll,  /.,  Ein&hrt  am  Dorf- 
kruge, in  welcher  Pferde  und  Wagen 
der  Reisenden  Obdach  finden.  Lit. 
stadolS,  lett.  staddeles^  poln.  böhm.  sta- 
dola^  ahd.  stadal  Scheune.  Nsslm. 
Forsch.  3;  TL,  174. 

Stadtkind,  n.,  Person,  die  unter  Vor- 
mundschaft der  Stadt  steht.  Der  Aus- 
druck: jemand  wird  pro  prodigo  erklärt, 
lautet  in  Danzig  gewöhnlich:  jemand 
wird  zum  Stadtkind  gemacht.  Klein 
II,  166. 

Stagge,  Staggin,  /.,  letzte  Abteilung 
eines  Sackes  oder  Wenters. 

Staggertuch,  n.,  s.  PIBtzentuch. 
Staggin,  /.,  s.  Stagge. 

Stagutt,  m.,  von  dem  lit.  staguttas^ 
m,,  ein  bei  Memel  gebräuchlicher  Pflug. 
Vgl.  Bock,  Nat.  III,  668,  wo  das  Wort 
n.;  Bd.  V,  512 f.:  die  Stagutt.  Daselbst 
ist  eine  Abbildung  dieses  Pfluges  ge- 
geben. 

Stak,  m.,  s.  Stftke. 

Stakbein,  Stftkelbein,  Stakerbein,  Stecker- 
beill,  n.  u.  m.,  Bein,  so  dünn  wie  ein 
Stecken.  Spitzname  fQr  einen  lang- 
beinigen, hagern  Menschen;  auch  Name 
für  den  Storch.     Von  Stäk^  Stake. 

Stakbalken,  m.,  Bodenraum,  in    wei- 


360 


stakbeinig  —  Staknetz. 


chem  Stroh  and  Heu  aufgestakt  wird. 
Er  reicht  vom  Stdkbalken  Heu  zu  fressen^ 
er  ist  sehr  groiz.  Jerrentowitz.  Sprw. 
n,  2173. 

stftkbeinig ,  stakelbeinig ,  stftkerbeinig, 
steckerbeinig,  adj,y  lang-  und  dünnbeinig. 

Stftke,  /.,  Staken,  auch  kurz  Sttk,  m. 
1.  Stecken,  Stab,  Stange,  dünner  Pfiahl, 
Zaunpfahl,ge8paltene8  Holz8cheit,Pflock. 
Ahd.  stecchOy  steckOy  stecho^  mhd.  stecke^ 
angs.  staca  u.  sticca^  ei^l-  u.  schwed. 
stake^  holl.  Uaak.  Richey,  285.  Brem. 
Wb.  IV,  985.  Schamb.,  207a.  Vgl. 
Lehmstäke.  2.  nach  Hennig,  261,  in 
figurlichem  Sinne  eine  hagere  grofze 
Frauensperson.  Bock,  65,  hat  für 
hagere  Personen  überhaupt  Staks. 

Stäke,  /.,  Berg  von  Getreidegarben 
oder  von  aufgeschütteten  Kartoffeln. 
Westpr.    Vgl.  MTte  u.  Niedau. 

Stakel  (a  kurz,  auch  lang),  m.,  Tan- 
nen- oder  Fichtenast,  den  man  als  Zaun- 
stab benutzt     Zäune  aus  solchen  Sta- 

kein  heii'zen  Stakelzäune,  Stakenzäune, 
Steckerzäune. 

Stäkelbein,  n.  u.  m^  s.  Stäkbein. 

stäkelbeinig,  adj,^  s.  stakbeinig. 

Stakelzaun,  m.,  s.  Stakel. 

Stäken,  97}.,  s.  Stäke. 

stäken,  dw,  1.  mit  einem  Staken  ar- 
beiten: stolzen^  stechen^  schieben,  rei- 
chen. Daher  auch  reichen  überhaupt. 
Heu  stäken^  Garben  stäken^  mit  einer 
Stdkfoi'ke  die  Bündel  vom  Wagen  auf 
den  Boden  oder  umgekehrt  reichen, 
auf-,  abstäken.  Wi  stoaken  boold  de  Oole 
(s.  Alte  3.)  ab.  Dorr,  44.  2.  auf- 
schichten,  Getreide,  Kartoffeln  in  Std- 
ken  bringen.  3.  ausstäken,  Zäune  aus 
Stäken  herstellen,  mit  Staken  ausbes- 
sern; auch  Stäken  (Pricken)  stocken, 
vrie  es  die  Fischer  thun.  4.  s.  stan- 
kern. 


Stäkenzaun,  m.,  Zaun  aus  Staket^  s. 
Stakel. 

Stäker,  m.  1.  Mann,  der  ttäkt^  Gar- 
ben, Heu-  oder  Strohbündel  ladet 
2.  Werkzeug,  mit  dem  man  stäkt;  der 
Stocher.  Tdnstäker,  Zahnstocher.  Nur 
die  zweite  Bedeutung  hat  Hennig, 
262.  3.  nach  Treichel  alter,  gebrech- 
licher Mann. 

Stäkerbein,  n.  u.  m.,  s.  Stäkbein. 

stäkerbeinig,  adj.^  s.  stakbeinig. 

stäkerig,  odf;.,  wackelig,  lose;  nach 
Mühling  auch  dünnbeinig.  Das  ist 
ein  stäkeriges  Ding^  z.  B.  eine  Kiste, 
die  nur  lose  zusammengestiftet  ist. 

stäkern,  stackern,  sw.  1.  stochern, 
stochernd  suchen,  stochernd  nach  einer 
Sache  langen,  gleichviel  ob  mit  oder 
ohne  Stäken.  Ek  segg  ju^  wi  stakem 
den  Fo88  ut  dem  Bu  rat  Dorr,  L 
Wiew.,  72.  2.  zu  erreichen  suchen,  stre- 
ben^ forschen.  Danach  hal>  ich  lang 
gestäkert,  das  habe  ich  lange  zu  be- 
sitzen gewünscht,  durchstäkem,  str., 
mäkelnd  wühlen,  durchsuchen,  dorch- 
schnippem,  forschen,  klauben.  Vgl. 
stänkern. 

Stakst,  Stachst,  n,  1.  gewachsener 
oder  geschnittener  Zaunstab,  Latten- 
stab; nach  Hennig,  262,  Steckstaken. 
2.  Zaun  aus  Lattenstaben,  gewöhnlich 
Staketenzaun,  StachStenzaun.  Aus  Stake  1 . 

Stäkforke,  /.,  Forke  zum  Staken.  S. 
Forke. 

Stäknetz,  n.,  Netz^  von  gleicher  Ein- 
teilung und  Einrichtung  wie  das  Treib- 
netz, nur  mit  engeren  Maschen.  Diese 
dürfen  jedoch  in  der  Ledering  nicht 
enger  als  4.^  Zoll  und  in  der  Schlänge 
nicht  enger  als  IJ  Zoll  im  Quadrat 
sein.  Die  Stäknetze  werden  wie  die 
Kaulbarschnetze  vermittelst  Stangen, 
Staken y  Pricken,  in  gerader  Linie   auf 


Staks  —  Bt&ndig. 


361 


einer  bestimmten  Stelle  festgesetzt  und 
bleiben  sodann  mehrere  Tage  stehen, 
bevor  sie  aufgezogen  und  gelichtet  wer- 
den. Fisch..Ord.  f.  d.  fr.  Haff,  §  25. 
Die  Fisch.-Ord.  f.  d.  kur.  Haff  giebt 
(§  26)  die  Länge  des  Stdknetzes  auf  12, 
die  Breite  desselben  auf  2  Faden  an. 
S.  auch  Bock,  Nat  IV,  722  f,  wo  es 
stets  Stacknetz  heüzt.  Vgl.  Beneck e^ 
373. 

Staks,  971.,  Stich.  Staks  geben^  stechen. 
Stakse,  p/ur.,  heifzen  die  feinen  Gräten 
der  Fische,  namentlich  der  Kaulbarsche. 
Auch  kleine  Fische  selbst  nennt  man 

Stakse,  Stakswerk. 

Staks,  m,  u.  /.,  s.  Stftke. 

Stftksel,  m.,  s.  Stecksei. 

Stackswerk,  n.,  s.  Staks. 

Stallbruder,  m.,  Genosse,  Kamerad. 
Muhling. 

stallen,  aw.  1.  in  den  Stall  thun,  ein- 
stellen. 2.  stehn  bleiben;  harnen.  Die 
Pferde  stauen^  sie  stellen  den  Lauf, 
Gang  ein,  bleiben  stehn,  harnen.  Bei 
Jeroschin:  stne  ros  und  sine pfert  Uz 
er  zu  den  statin  stallin  57a.  Pfeiffer, 
224.  Ahd.  stcUljan,  stellan^  as.  steUjan^ 
mhd.  stellen  eine  Stelle  geben,  stellen, 
einstallen,  zum  Stehen  bringen,  im 
Laufe  innehalten.  Schade,  862b.  Vgl. 
Schmeller  UI,  627. 

stallen,  sw.^  sich^  sich  stellen,  sich  ver- 
tragen, friedlich  verkehren.  Sie  stallen 
sichy  sie  leben  friedlich  mit  einander. 
Hennig,  262. 

Stallratz,  /.,  verächtliche  Benennung 
eines  Landedelmannes.  Stein,  Pere- 
grinus  XVI,  8.     W.  Mtsbl.  VI,  187. 

stftmerig,  adj.^  s.  stimem. 

stimern,  stammem,  sw,^  stammeln, 
stottern.    Hennig,    262.     Davon   stft- 

merig,  adj.,  stotternd.  Stämerer,  St&m- 
ler,  St&merbock,  Stainmerbock,m.,  Stamm- 
ler, Stotterer.   Bei  Stein  Stammerbock 


unter  den  Ekelnamen.  Peregrinus  XH, 
82.     W.  Jtftsbl.  V,  191. 

stammern,  sw.^  s.  das  vor. 

Stammklotz,  m.^  Klotz,  aus  der  Mitte 
des  Stammes  geschnitten.  Von  einem 
kräftigen,  kernigen  Mann  sagt  man: 
Das  ist  ein  echter  Stammldotz.  Sprw.  I, 
3588. 

Stampelken,  Ortsn.,  Dorf  im  Kreise 
Wehlau.  £h*  ist  aus  Stampelken^  wo 
die  Hunde  mit  dem  A.  bellen.  Vgl. 
AugstupOhnen. 

stampen,  sw.,  stampfen,  stofzen.  Pfef- 
fer stampen.    Mit  den  Fü/zen  stampen. 

Stamputt,  m.  Er  ist  ein  Stamputt; 
vom  kleinen  drallen,  kräftigen  Kinde. 
Samland  (Korkehnen). 

Stand,  m.,  Stelle,  Platz.  Stand  in 
der  Kirche^  fester  Sitzplatz  in  einer 
Earchenbank,  für  den  man  eine  jähr- 
liche Miete  zahlt;  diese  wird  nach 
Hennig,  262,  Standgeld  genannt. 

Standftr,  m.^  Gendarm.  Do  wäre  je 
of  mänge  Därper  solch  abgetakelte  Stan- 
dars  Schulmostasch,  Ermland.  Fir- 
menich lU,  103  b.  Auch  Schandftr. 
Nu  mujzt  dat  groad  so  treffen^  dat  en 
Schandar  doar  reet  (ritt).     Dorr,  27. 

Standart,  Pflzn.,  s.  Standhart. 

Stande,  /.,  Voc.  394,  altpr.  standis 
Stellfafz;  lett.  standa.  Nsslm ,  Th., 
175. 

Ständer,  m,  1.  Stutze,  Balkenpfeiler. 
.  .  .  zwei  fast  in  der  Mitte  des  Schul- 
Zimmers  befindliche  Stander,  Lhrztg. 
1871,  196a.  2.  stehender  Bienenstock. 
S.  Lieger.  3.  Bein.  Sie  hat  ein  Paar 
gute  Stander  am  Leibe. 

Standgeld,  n.,  s.  Stand. 

Standhart,  Standart,  Pflzn.,  zweiblätt- 
riges Knabenkraut,  Orchis  bifolia  L. 
Auch  Nachtlilie,  Nachtschatten.  Pritzel, 
254 f.    Hagen,  907. 

ständig,  adj.^  beständig,  stets.    Er  ist 


362 


stanesfods  —  stapeln. 


ständig  auf  der  Strajze^  er  ist  selten 
zu  Hause,  viel  auf  der  Stral'ze,  auf 
Reisen.     Hennig,  262. 

stftnesfOdSy  acfo.,  stehenden  Fulzes, 
sofort.     Du  suüst  stanesfods  käme. 

stangeln,  sw,  1.  verstärktes  angeln^ 
nach  einer  Sache  eifrig  streben,  trach- 
ten. Nach  einer  Stelle,  einem  Ehren- 
posten stangeln,  2.  s.  v.  a.  ampeln  (s.  d.). 
Mit  den  Beinen  stangeln.     Treichel. 

Vgl.  stänkern. 

Stankarius,  m.,  latinisiert  aus  Stank, 
Stanker,  Stänkerer,  Person,  die  Un- 
wahrheiten aussprengt,  Thatsachen  ent- 
stellt und  dadurch  Stank,  Verdrufz, 
Unannehmlichkeiten  verursacht. 

Stänker,  m.,  Birkenteer,  weil  er  stinkt 
Vgl.  Dagget. 

stankerbfinsch ,  adj. ,  stankerbeinig, 
schlackerbeinig,  schlotternd  im  Gange. 
Elbinger  Ndrg.     Vgl.  stftkbeinig. 

stänkerig,  adf.  u  adv.  von  Stank.  1. 
stinkend.  2.  verdriel'zlich,  unangenehm, 
verwickelt.  Die  Sache  sieht  stänkerig 
aus,  läfzt  einen  Übeln  Ausgang  be- 
fürchten, stänkerig  in  erster  Bedeutung 
gilt  beim  gemeinen  Mann  als  sehr  be- 
liebtes Schimpfwort:  stänkeriges  Aas 
—  Gerippe,  stänkerig^  Kerl  etc. 

Stänkerkäse,  m.,  stinkender  Käse, 
barscher  Zwerg,  Bierbruder.  S.  Katzen- 
fisch. 

stankern,  sw.  1.  steigen,  aufsteigen, 
klettern.  Stanker  nicht!  ruft  man  Kin- 
dern zu,  die  auf  Stuhl,  Bank  oder 
Fenster  steigen  wollen.  2.  mit  den 
Beinen  zappeln,  stofzen.  sich  at)Stan- 
kern,  sich  im  Bette  durch  Zappeln  ab- 
decken. Vgl.  stangeln  und  ampeln.  3. 
nach  etwas  eifrig  streben,  begehrlich 
verlangen,  sich  um  eine  Sache  bemühen, 
sie  gern  erreichen  woUen,  verwandt 
mit  jankem  (s.  d.).  Er  stänkert  nach 
einem  Mädchen  —  nach  Oeld  —  nach 


einem  Orden.  Nach  dem  Konzert  hob 
ich  schon  immer  c/estankert.  In  diesem 
Sinne  nach  Treichel  auch  stäken.  In 
Bayern  ankern.  Schmeller  I,  83. 
Nsslm.  Forsch.  3;  Th.,  175,  weist  auf 
das  lit.  stSngiu^  stSngti  sich  anstrengen 
hin.  In  Zusammensetzungen:  aufstan- 
kem,  aufspüren,  aufsuchen,  ausstankem, 
durch  Suchen  ermitteln,  ausfindig  ma- 
chen. In  Posen  ausstankem  ausspüren, 
auskundschaften,  „gleichsam  durch  den 
Stank  (Geruch)  geleitet.**  Bernd,  10. 
durchstankem,  sw.,  durchsuchen,  durch- 
forschen. Eine  Bibliothek,  ein  Kabinet 
durchstankem.  —  herumstankern,  sw., 
müfzig  umhergehen  oder  laufen,  omher- 
suohen.     Bock,  65.     Hennig,  262. 

stänkern,  sw.  1.  einen  übeln  Geruch 
von  sich  geben,  Gestank  machen.  Stän- 
ker nicht!  ruft  man  Kindern  zu,  welche 
z.  B.  Papier  oder  Späne  anbrennen. 
Von  stinken.  Hennig,  262.  2.  Hän- 
del, Verdriefzlichkeiten  bereiten,  aus- 
stänkern,  nach  Mühling  mit  Gestank 
erfüllen;  ausspionieren,  aufsuchen,  oft 
aus  blolzer  Neugierde;  auch  durch  Ge- 
stank vertreiben. 

Stanze,  w.  Vom.,  Konstanze. 

Stanzet,  m.,  hoher  Leuchter  von  Holz, 
auf  den  Fufzboden  zu  stellen.  Natan- 
gen.  Im  Nds.  stensel  Stütze,  Fufz, 
worauf  etwas  steht,  holl.  steunsel.  Brem. 
Wb.  IV,  994. 

stänzeln,  sw.  Einen  stänzeln,  ihn  derb 
abführen. 

Stapel,  m.  Auf  den  Stapel  setzen, 
schwängern.  Hei  heft  er  wat  op  en  Sta- 
pel gesett. 

stapeln,  sw.  1.  in  geordnete  Haufen 
legen,  aufspeichern.  2.  nachgraben. 
Karto  fein  stapeln,  nach  beendigter  Ernte 
nach  den  im  Acker  zurückgebliebenen 
Kartofi^ln  graben,  was  arme  Leute 
thun.     Westpr.     Mühling. 


Stappen  —  stauen. 


363 


stappen,  9w,^  stapfen,  schreiten,  gehen. 
Stappt  äwer^  Frü^  schreitet  darüber 
hinweg,  Frau!  Dorr,  1.  Wiew.,  31. 
Ek  stappd  op  den  Wittmantel  to.  Dorr, 
Driewjagd.  Nu  mofz  vdr  man  stappen, 
Oberland. 

stapsen,  su?.,  druckend  stoizen,  mit 
der  Nase  auf  oder  in  etwas  stofzen, 
wie  man  junge  Hunde,  die  zur  Rein- 
lichkeit erzogen  werden  sollen,  ehe 
man  sie  hinauswirft,  in  den  eigenen 
Urin  etc.  stapft.     Treichel. 

starchelig,  adj.j  ungesdiickt,  langsam, 
in  Absätzen,  vorsichtig  suchend  gehen. 
Treichel. 

stftrfastig,  adj,^  aus  starr  und  fest, 
unbeweglich,  stumm  vor  Schreck. 
Schemionek,  38. 

Stärke,  /.,  junge,  ein-  oder  zweijäh- 
rige Kuh,  die  noch  nicht  tragend  ge- 
wesen. Nach  Hennig,  263.  auch 
Starke. 

starken,  stärken,  sw.,  stark,  d.  i.  steif 
machen.  Die  Wäsche  starken,  sie  mit 
Kraftmehl,  Stärke,  steifen.  Bock, 
65. 

Starost,  9n.,  poln.  und  russ.  starosta. 
Die  Starosten  waren  die  Beamten  der 
Krone  in  Polen  in  einem  bestimmten 
Distrikte,  Starostei,  für  die  Polizeiver- 
waltung und  die  Erhebung  der  öffent- 
lichen Abgaben  in  demselben.  Sie  er- 
hielten dafür  lebenslänglich  den  Niel'z- 
brauch  gewisser  Güter  gegen  Abgabe 
des  vierten  Pfennigs^  Quarte,  vom  Er- 
trage, welcher  bei  jeder  Besitzverände- 
rung, in  der  Folge  aber  periodisch  er- 
mittelt und  festgestellt  (lustriert)  wurde. 
Bei  der  Wiederbesitznahme  von  Westpr. 
wurden  die  vormaligen  starosteilichen 
und  geistlichen  Güter  eingezogen  und 
daraus  königliche  Domänen -Vorwerke 
gebildet.     Beitr.  z.  Kde.  Pr.  IV,  339. 

Start,  Stät,  Stört,  m.^  Sterz,  Schwanz, 


Steifz,  Hinterer.  In  Nds.  steerd,  in 
Pommern  starty  im  Götting.  stert,  angs. 
steort,  holl.  sieert,  staart,  schwed.  stiert, 
Brem.  Wb.  IV,  1028.  Dähn.,  458a. 
Schamb.,  210a.  Denn  öne  Hörnern 
Klauen,  Start,  Sat  he  em  Garden  en- 
gespart,   Parad.,  19  f. 

Stfts,  m.  Vom.,  Stanislaus^  s.  Stenzel. 

statisch,  Stätsch,  stMsch,  adf.;  von 
Reit-  und  Zugtieren,  wenn  sie  nicht 
von  der  Stelle  zu  bringen  sind.  Er 
ist  stätsch  wie  ein  Pferd,  der  eigensin- 
nige Mensch.  Im  Nds.  stedig,  stedisk, 
stäisk,  in  Pommern  steedsch,  in  Bayern 
stettig,  stettisch,  holl.  stedig,  Brem.  Wb. 
IV,  1012.  Dähn.,  458b.  Schmeller 
III,  672.  Hennig,  263:  stätig  und 
stätsch, 

stattfinden,  sty  stehen,  eine  Stelle, 
Stätte  finden  oder  haben.  Ich  erinnere 
mich,  dafz  im  Garten  des  zweiten  Pre- 
digers der  Altrossgärtschen  Kirche  im 
Jahr  1762  zwei  sehr  starke  Mandelbäume 
(Amygdalus  communis)  stattfanden,  die 
eine  solche  Menge  Früchte  trugen,  da/z 
sie  täglich  mehrere  Finger  hoch  an  der 
Erde  angehäuft  lagen,  Beitr.  z.  Kde. 
Pr.  I,  158. 

statts,  präp,,  statt.  Das  habe  ich 
statts  Dank, 

Stau,  m.,  die  Hemmung,  der  Aufent- 
halt; das  Anschwellen,  Steigen  des 
Wassers.    Vgl.  RUckstau. 

stauen,  sw,  1.  hemmen,  stehen  ma- 
chen. Hennig,  263.  Zunächst  vom 
Wasser;  doch  sagt  man  auch:  Die 
Menschen  stauen  sich,  wenn  bei  groCzem 
Gedränge  das  Vorwärtskommen  ge- 
hindert wird.  Dat  Woater  staut  noch 
ommer  op.  Dorr,  20.  2.  anschwellen, 
steigen,  wie  das  gestaute  Wasser;  da- 
her gewöhnlich  anstauen.  3.  kunstrochi, 
fest  und  gedrängt  verpacken,  nament- 
lich Schiffsladungen.    Die  Lohnaibeiter, 


364 


Stauke  —  SteckseL 


die  aus  dem  vorsclirifts-  und  ordnuugs- 
mäfzigen  Beladen  der  Schiffe  ein  Ge- 
werbe machen,  heifzen  Stauer  und  bil- 
den gewöhnlich  eine  Genossenschaft 
unter  Führung   eines  Oberstauers    oder 

StauerkapitänSy  der  auch  den  Stauerlohn 

mit  den  Schiffseignem  akkordiert  und 
an  die  Stauer  auszahlt.  Die  Gehilfen 
der  Stauer  heifzen  Schauer.  Kgsbg. 
Mühling. 

Stauke,  pltd.  StOke,  /.,  Stauche, 
Flachsbündel  mit  kopfartigem  Knoten, 
das  mit  dem  offenen  Ende  ausgebreitet 
aufgestellt  wird,  damit  der  trocknende 
Wind  es  gehörig  durchziehe.  Müh- 
ling. Im  Brem.  Stuke  Haufe,  Bünd- 
lein, z.  B.  Stuke  Tarf'y  im  Holstein, 
wird  der  gemähte  Buchweizen  in  Sta- 
ken zum  Trocknen  gesetzt.  Brem.  Wb. 
IV,  1075  f.  In  Hessen  Stauche.  Vil- 
mar,  396. 

Stauken,  sw.^  s.  stOken. 

staukem,  9w.,  s.  stQkern. 

Staukkartoffeln ,  plur.,  s.  Dulkskar- 
toffeln. 

Stauwall,  m.,  s.  Sommerwall. 

Stauwasser,  n.,  gestautes  Wasser.  Im 
Pregel  ist  jetzt  viel  Stauwaaser^  durch 
starken  Wind  gegen  den  Strom  auf- 
gestautes Wasser.    Hennig,  263. 

stäwig,  stäbig,  adj,^  stämmig,  kräftig, 
steif  wie  ein  starker  Stab.  Ein  stä- 
wiger  Kerl^  ein  kräftiger  Mann. 

Staziosus,  m.,  s.  Stadjosus. 

Stebel,  m.,  Stiefel,  s.  Stiebel. 

stebem,  sw,y  s.  stSwem. 

StechbUgel,  -beutel,  -buttel,  -bilttel,  m,, 
8.  Stachlinski. 

Stechdorn,  m,  s.  Sanddom. 

stechen,  sty  mit  spitzem  Instrumente 
eindringend  fassen,  halten.  Den  Bern- 
stein  stechen^  mit  langen  Stangen^  an 
denen  zwei  krumme  Zinken  sich  be- 
finden, die  Steine  auf  dem  Meeresgrunde 


umkehren  (und  den  darunter  liegen- 
den Bernstein  mit  Drahtkeschem  schöp- 
fen).   Vgl.  Pas  sarge,  Bali.,  373. 

stechen,  st,  stecken.  Das  Schnupf- 
tuch in  die  Tasche  stechen.  Wo  hat  he 
denn  gestoche,  da/z  em  de  Böaen  so  ju- 
xig  sindf  Schaltj.  1,  437.  anstechen, 
anstecken,  anzünden:  das  Licht,  ein- 
stechen, einstecken:  das  Geld,  ver- 
stechen,  verstecken,  verbergen:  einen 
Gegenstand  oder  sich  selbst.  Er  ver- 
stach sich  im  Strauch.  Gegen  den  vKufz 
er  sich  verstecken,  vermag  er  nicht  auf- 
zukommen.    Hennig,  263. 

Stecherling,  Stechert,  m.,  s.  Stach- 
linski. 

Stechwart,  Stichwurz,  gemeine  Eber- 
wurz, Carlina  vulgaris  L,  Dönh. 
Hagen,  847.  Pritzel,  82.  Nach 
Hagen  auch:  Dreidistel,  wüder  FeM- 
safran,  Saudi^el,  SOddistel. 

SteckbSdel,  -bOtel,  -bUdel,  m.,  s.  Stach- 
linski. 

Steckel,  m.,  s.  Stecksei. 

stecken,  sw.  1.  heimlich  hinterbrin- 
gen, verraten.  Das  war  ihm  schon  ge- 
steckt worden.  2.  Ich  stecke  nicht  drin, 
—  kann  nicht  drin  stecken,  Entschuldi- 
gung des  Verkäufers  einer  schlechten 
Ware.  Ebenso  in  der  Oberlausitz. 
Anton,  13,  6.  3.  stechen;  doch  in 
dieser  Bedeutung  mehr  spicken  (s.  d.) 

Steckerbein,  n.  u.  m.,  s.  Stäkbein. 

Steckerzaun,  m.,  s.  Stakel. 

Stecksei,  pltd.  StOcksel,  auch  Steckel, 

Sticksei,  Stäksei,  m.,  kleiner  Riegel  von 
Holz  oder  Eisen,  den  man  vor  die 
Krampe  einer  Thür  steckt,  uro  diese 
zu  schlielzen.  Davon  stecksein,  stick- 
seln  etc.,  mit  einem  Stecksei  ver- 
schliefzen;  nach  Treichel  auch  coire. 
'nen  Steckel  värschuwen,  einer  Sache 
entgegentreten,  ihre  Ausführung  unmög- 
lich  machen.      Dorr,    1.    Wiew.,    50. 


Steckstaken  —  Stein. 


365 


Öck  wa  (werde)  jü  e  Steckelke  stöckle^ 
da  suU  ju  to  klaue  hebbe!  aU  Drohung 
mit  Rache,  Zauberei.  Natangen.  Hen- 
nig, 264. 

Steckstaken,  m.,  s.  Staket 

StM,  Stede,  auch  Städ,  Stade,  /.  1. 
Statte,  Platz,  Stelle.  Ek  hedd  U  (das 
Haus)  op  'ne  falsche  Städ  hensett.  Dorr, 
1.  Wiew.,  47.  Bettetede,  Bettstelle.  2. 
Amt,  Stellung.  Ene  gode  Sted  —  e 
ffode  Brotsted^  eine  einträgUche  Stelle. 
Hennig,  263. 

Stedegeld,  n,,  Stattegeld,  Standgeld, 
Zins  für  eine  Stelle,  auf  der  Waren 
feil  gehalten  werden.     Hennig,  264. 

Steder,  Stehder,  Stöder,  m.  1.  Stfick 
Rundholz  von  etwa  2  m  Länge  an  der 
Schlufzschnur  des  Achtergarns  (s.  d.), 
das  als  weithin  sichtbare  Boje  schwimmt, 
wenn  das  Netz  ausgeworfen  ist.  Be- 
necke, 372:  Stoder.  £r  zeigt  die 
Sted^  Statte,  an,  wo  das  Netz  sich  be- 
findet 2.  schwerer  Stein  zum  Fest- 
stellen der  Pricke  am  Eaulbarsch- 
netz  (s.  d.) 

StMigkeit,/.,  Stätigkeit,  Beständigkeit, 
Ausdauer.  Er  hat  keine  Stedigkeit^  er 
bat  bei  der  Arbeit  keine  Ausdauer,  Ge- 
duld.    Hennig,  263. 

stedsch,  adj.^  8.  statisch. 

Steffen,  m.  Vorn.,  Stephan.  Hart- 
wich, 54. 

Stehboje,  /.,  Flottholz  von  Flaschen- 
form am  Storgam,  dessen  dickeres 
Ende  durch  eine  Schnur  an  der  Simme 
befestigt  ist.     Benecke,  377. 

Stehder,  m,  s.  Stöder. 

stehen,  st  1.  von  fliefzenden  Ge- 
wässern, wenn  sie  sich  mit  Eis  bele- 
gen. Der  Pregel  steht  —  die  Weichsel 
steht.  E.  Förstern.  Klein  H,  169. 
Vgl.  gehen.  2.  von  der  Kuh,  wenn  sie 
keine  Milch  giebt,  weil  sie  trächtig  ist. 


Starwt  de  Fru  on  steit  de  Kok,  kommt 
ommer  mehr  dato.     Sprw.  I,  947. 

Steiem,  pltd.  StTren,  StUren,  n.,  ver- 
botene Art  des  Fischens,  auch  Intern 
(s.  d.)  genannt.  In  der  Fisch. -Ord. 
f.  d.  kur.  Haff,  §.  46,  heifzt  diese  Fang- 
art das  Streben,  Streven,  Streiven,  Streu- 
ven,  StrOven.    Vgl.  Benecke,  410. 

Steig,  pltd.  Stfg,  m.  1.  Steg.  Der 
Steig  über  den  Graben,  Bohlenweg.  2. 
treppenartige  Leiter,  gewöhnlich  pltd. 
St  ig:  Hehnersttg,  Hühnersteige. 

Steigbügel,  m.,  s.  Stachlinski. 

Stein,  TW,  plur.  Steiner.  1.  Felsstuck. 
Er  schmeifzt  immer  mit  Steiner.  —  2. 
volksübliche  und  amtliche  Bezeichnung 
des  Bernsteins,  den  die  Ostsee  als 
Strandsegen  auswirft,  welchen  man 
durch  Schöpfen  fischt^  durch  Stechen 
(s.  d.)  hebt,  durch  Graben  und  berg- 
männische Anlagen  zutage  fördert. 
Die  Sonderung  des  Bernsteins  geschieht 
heutzutage  zunächst  in  reine  und  in 
Stucke  mit  fremden  Beimengungen. 
Die  ersteren  werden  dann  nach  der 
Struktur  in  kernigen,  Kemsteln,  und  in 
schalig  geflossenen  Bernstein,  Schlauben 
(SchlQwen)y  geteilt.  Der  Kemstein  zer- 
fallt nach  der  Gestalt  in  Stücke  zur 
Cigarrenspitzenfabrikationgeeignet:  Flie- 
sen und  Platten;  zur  Perlenfabrikation: 

Bodenstein,    Rund,   Grundstein,    Knibbel. 

Aus  diesen  Suiten  stellt  man  nach 
Gröfze  und  Farbe  eine  Menge  Unter- 
abteilungen her.  Als  Stamm  des  Bern- 
steins ist  der  klare  Stein,  das  Klar,  an- 
zusehen; der  getrübte  heifzt  BastarL 
Erscheint  die  Trübung  im  Innern  des 
klaren  Harzes  als  feiner  Staub,  nicht 
in  rein  gesättigter  Farbe,  so  heifzt  der 
Stein  flaumig  (ßomicht,  Flomiger,  Flo- 
^^^)>  j^  nachdem  das  Ausgangsmate- 
rial  für    die    weiteren   Umänderungen 


♦WO 


Steio. 


ein  wMMerheüer  oder  gelber  Bernstein 
war,  erfaiek  auch  dtr  Bastart  ¥erschie- 
deoe  Xöanceo:  in  ersterem  Falle  Perl- 
farfce,  im  andern  Kntttfarbe.  (VgL 
Kumst).  Je  nachdem  einerseits  trabe 
and  klare  Flosse  vermischt  mit  ande- 
rerseits traben  allein  abwechselten  and 
durcheinander  geschoben  and  gerollt 
warden,  entstanden  die  Farben,  welche 
wir  ab  wtftigefl  Baslart  bezeichnen. 
Ein«;  andere  2^rsetzang  des  Bernsteins 
i*9t  der  andorchsichtige  and  je  nach 
dem  Grade  der  Zersetzang  weniger 
polltarfahige  Knocben,  bei  dem  man 
reinen  and  tfhaMwigcn  (diesem  Stein 
Ton  geringer  Härte  fehlt  die  Politar- 
fahigkeil  gänzlich)  onterscheidet  Darch 
die  zufälligen  Kombinationen  der  vor- 
her aufgezählten  Sorten  erhalt  man 
bei  der  Knocbenbildang  eine  grol'ze 
Mannigfaltigkeit  von  Bernsteinfarben, 
die  anter  dem  Namen  bantknochiges 
Klar  und  bonlknecbigerBasiart  zusammen- 

gefafzt  werden  und  wobei  oft  prach- 
tige Interferenzerscheinungen  entstehen. 
Bernstein  im  Mittelstadium  zwischen 
Bastart  und  Knochen  nennt  man  Halb- 
bastarL  Bernstein,  welcher  fremde  Bei- 
mengungen enthält,  sowie  der  rissige, 
wird  gehackt  und  zersprengt,  bis  nur 
gesunde  und  reine  Ware  übrigbleibt, 
die  man  den  entsprechenden  Handels- 
sorten zuteilt.  Viele  Stücke  sind  jedoch 
so  von  eingeschlossenem  Mulm  und 
Erde  durchsetzt^  dal'z  sie  durchweg 
schwarz  erscheinen;  dieser  sogenannte 
Schwarzfimis  sowohl,  als  auch  die  Ab- 
gänge und  die  von  vornherein  durch 
Siebe  getrennten  kleinsten  Stücke, 
Grtttzstein  genannt,  werden  in  verschie- 
dene Fimissorten  geteilt,  deren  Verwen- 
dung zu  Räuchorpulvem  und  Lacken 
bekannt  ist  (Nach  Richard  Klebs^ 
Der  Bernstein.    Königsberg  1880.    Ge- 


winnung and  Yenurbeitang^  des  Bexn- 
steins.  Königsberg  I8S3}.  AnasgAHefa- 
lieh  nach  der  Farbe  onterscheidec  man 
in  absteigender  Güte:  Kaamtifmhi, 
Kinchfarbe^  gdbem  Stein,  yrwmem  Sikm 
(im  VoIk:»mande  nach  Kuharkeifzfoihi^ 
Die  General-  Strand-  and  Bemstdn- 
Ordnung  von  1693  ontersclieid^H  nach 
der  Güte:  1.  Haapiatam;  2.  Uarer 
Stein;  3.  tteißzer  Stein;  4.  mMfzer  Ba- 
Start;  5.  Kmmstfarbe;  6.  Wolkenfarbe; 
7.  weijzbunter  Stein;  8.  Basiart;  9. 
Drehstein;  10.  gemeiner  Stein.  SpilCT 
unterschied  man  6  Klassen:  1.  Sorte- 
mentstück;  2.  TonnenstOck;  3.  JjioM 
oder  Knobel;  4.  Fimisstem;  5.  Sddmek 
oder  Schlick  (Bastart);  6.  Scmdstein. 
Eine  noch  spätere  Einteilung  begnügt 
sich  mit  5  Stufen:  1.  Sarteaneni  (keia 
Stück  unter  8  Lot);  2.  Tonnensiein;  3. 
Firnis;  4.  Sandstein;  5    Schluck,     VgL 

Bock,  Nat.  U,  316  01     GnmMein  ist 

der  in  der  blauen  Erde  liegende  Stein ; 
der  in  der  See  gefundene  Stein  heiizt 
Seestein,  der  bei  Brüsterort  gewonnene 
Seestein  wird  RHbtein  genannt^  und  deo 
fem  von  der  Meeresküste  mitten  im 
Lande  gefundenen  Bernstein  bezeichnet 
man  als  Ackerstein.  —  3.  Bickebtein,  wi^ 

Stein,  der  mit  der  Bicke  aas  dem 
Boden  gehauen  werden  mufz,  groizer 
Stein.  Ich  reise  und  wenn's  Bickel- 
steine  regnet.  Treichel.  —  4.  Bofsten- 
stein,  wi.,  groizer,  geborstener  erratischer 
Block  in  der  Nähe  des  Strandes  bei 
dem  Bade  Neukuhren,  auf  dem  Wege 
nach  Tikrehnen.  Er  wird  von  den 
Neukuhrener  Badegasten  fleüzig  be- 
sucht. Nach  der  Sage  barst  der  Stein, 
weil  ein  Mädchen,  welches  bei  demsel- 
ben Treue  geschworen,  diese  nicht  ge- 
halten. S.  Reu  seh,  Sagen,  105.  — 
5.  Brotsteiiiy  m.,  Stein,  der  Yormals 
Brot  gewesen.    Man  zeigt  solche  Steine 


Steinbeifz  —  Steinpietzker. 


367 


in  der  Marienkirche  zu  Danzig  and  in 
der  Kirche  des  Klosters  Oliva.  Die 
daran  sich  knöpfenden  Sagen  s.  Tet- 
tau und  Temme,  208 f.  —  6.  Der 
heilige  Stein.  Grolzer  erratischer  Block 
im  frischen  Haff  in  der  Nähe  von  Tol- 
kemit,  etwa  18  Fulz  lang  und  eben  so 
breit.  Passarge,  ßalt.  87,  meint, 
der  Stein  habe  seine  Bezeichnung  als 
„heiliger"  wahrscheinlich  davon,  dalz 
die  alten  Prealzen  auf  demselben  ihrem 
Gotte  Knrche  die  Erstlingsopfer  des 
Fischfangs  brachten.  Die  Regierung 
hat  jede  Beschädigung  des. Steines  aus- 
drücklich untersagt.  An  den  heiligen 
^tein  knöpft  sich  folgende  Sage:  In 
jener  Zeit,  als  Riesen  die  Erde  be- 
wohnten, hauste  einer  derselben  auf 
der  frischen  Nehrung,  ein  zweiter  am 
gegenüber  liegenden  Ufer  des  frischen 
Haffes  bei  Tolkcmit.  Beide  hatten 
nur  ein  Beil,  welches  sie  sich  zum 
Fällen  des  Holzes  gegenseitig  zuwarfen. 
Als  einmal  der  auf  der  Nehrung  woh- 
nende Riese  das  Beil  haben  wollte,  der 
andere  aber  sich  weigerte,  es  ihm  zu 
geben,  ergriff  jener  den  mächtigen  Stein 
und  warf  nach  diesem.  Der  Stein 
glitt  aber  an  dem  Daumen  um  etwas 
ab,  und  so  erreichte  er  nicht  ganz 
das  diesseitige  Ufer.  Passarge,  a. 
a.  0.  —  Ein  anderer  heiliger  Stein 
lag  auf  dem  Rombinus,  einer  Anhöhe 
am  Memelufcr,  der  Stadt  Ragnit  gegen- 
öber.  Als  ehemaliger  Opferstein  war 
er  den  Litauern  wert  und  teuer.  Nä- 
heres: Tettau  und  Temme,  162  ff. 
Über  die  heiligen  Steine  vgl.  Grimm, 

Mythologie  I,  611.  —  7.  Teufelsstelne, 

d,  h.  Steine,  welche  Ab-  oder  Ein- 
drucke von  Gliedern  des  Teufels  tragen, 
giebt  es  in  Ost-  und  Westpreulzen  ver- 
schiedene: im  Samlande  bei  Kraam, 
Lapöhnen,    in    der    Wamicker    Forst, 


bei  Schlakalken,  Tenkitten;  in  Westpr. 
bei  Marienburg,  bei  dem  Dorfe  Gr. 
Stoboy  unweit  Elbing.  Vgl.  Reusch, 
Sagen,  94 f.  Tettau  und  Temme, 
212.  199.  Über  die  Teufelssteine  s. 
Genaueres  Grimm,  Myth.  II,  974. 
Steinbeifz,   Steinbifzker,  Steinpietzker, 

m  ,  Stein beifzer,  Cobitis  taenia  L.  Bu- 
jack,  395.     Benecke,  147. 

steinbrllcken,  sw.y  s.  brücken. 

SteinbrUcker,  m.^  Handwerker,  der  die 
Strafze  mit  Steinen  brückt^  pflastert. 

Steinchrist,  pltd.  StfinkrBst,  m.,  zur 
Bezeichnung  eines  kerngesunden  Alten. 
He  08  e  61er  Stenkröst    Sprw.  I,  3621. 

Steineiche,  /.,  gemeine  Eiche,  Quer- 
CU8  robur  L.  Auch  Wintereiche,  Trau- 
beneiche, Viereiche.    Hagen,  999. 

Steiner,  m.,  der  Stehende,  Beiname 
für  den  Storch,  weil  er  vorzugsweise 
der  stehende  Vogel  ist:  Storch^  Storch 
Steiner^  Mit  de  lange  Beiner!  Volksr. 
50,  192.  Rochholz,  85.  Vgl  ROder 
u.  Nester. 

Steinfischer,  m.,  Fischer  nach  Steinen. 
Kurisches  HaflF.  Die  Steinfischer  holen 
mittelst  einer  Art  Zange  die  Steine  herauf^ 
welche  auf  dem  Damm  zwischen  Ros- 
sitten und  der  Windenburger  Ecke  in 
reichlicher  Zahl  abgelagert  ruhen.  Vgl. 
Passarge,  Balt.,  188. 

Steinfletscher,  Steinpatscher,  m ,  Stein- 
schwätzer, Scucicola.  Nach  Bujack, 
373,  der  schwarzkehlige,  nach  Müh- 
ling,  Tiem.,  178,  der  braunkehlige. 

Steinkraut,  pltd.  StönkrOt,  n.,  scharfe 
Fetthenne,    Sedum  acre  L.     Samland. 

Auch  Ohnblatt,  Blattlos.    Vgl.  Anblatt. 

Steinobel,  m.y  grofzer  Stein,  Stein- 
haufe.    Treichel. 

Steinpatscher,  m.,  s.  Steinfletscher. 
Steinpicker,  m.,  Fischn.,  Ägonus  cata- 
phractus  L.    Benecke,  72. 

Steinpietzker,  m.,  s.  Steinbeifz. 


368 


SCeinpoffliichel  —  Stepke. 


m.,  Fischn.,  Dorsch, 
der  sich  onter  SteincD  aufhält.  Ba- 
iack,  396. 

Stein  cizte,  n.  o.  m^  s.  Rtzchcfi. 

StMUMj  /.,  Schiefertafel,  wie  sie 
Schäler  gebrauchen. 

SteMn,  m..  Tao  mit  Ankerstem  und 
Boje  alsZefltralteil  der  Lachsangel  (s.d.). 

SttkMdei  m,  s.  Stiehimld. 

sttkeniy  sttkem,  «it.,  stochern,  mit 
einem  Stecken,  Stocke,  einer  Stange 
stoiiEen,  stofzend  stechen,  schlagen.  Da- 
Ton  abititanir  durch  gtekem  abstofzen, 
abschlagen,  abschattein.  z.  B.  Obst 
Ton  einem  Baom.  Im  Götting.  afvto- 
kein.  Scham b.,  5a.  In  zweiter  Be- 
deatnng:  mit  einem  Stocke  ansagen, 
jagen,  forttreiben.  DaTon  Mfattkern. 
Treichel  hat  in  dieser  Bedeatong 
sBdttm,  sUhem  =  stochernd  Schmatz 
entfernen,  ein  Geschwür  offnen ,  die 
Erde  los  machen  (durch  den  Pfhigrilker) ; 
^uc\k=€oire,    YgL  pCkem. 

SMI,  auch  WHsidl,  WHgesfeU,  n., 
Weberstahl.  Sie  hat  ein  schone»  Wirk- 
gertell  Da$  Suü  wirkt  (webt)  gut. 
Hennig,  264.     Vgl.  SteHwark. 

SIeR,  m.  ...  Zwei  sdnmche  Beutel, 
unter  welchen  einer  einen  Stell  (wahr- 
scheinlich eine  Art  Schloiz)  gehabt. 
Konitzer  Hexenprozefz  t.  Jahr  1623. 
Pr.  Prov.-BL  H,  121.  Ebendaselbst 
onten  wird  Stel  geschrieben,  S.  127 
wieder  SteeL 

Sielttiehe,  /.,  Gestell,  Gerüst  für 
Handwerker,  die  in  der  Höhe  arbeiten; 
(jestell  als  Ersatz  far  eine  Bettstelle; 
Staffelei  etc.  \on  stellen.  Hennig,  264. 

Stelle,   /,    Gestell,   Aa&tellung.     S. 

Ladisttelle. 

Stellfischerei,  /*.,  jede  Art  der  Sack* 
fiscfaerei,  bei  welcher  Pricken  gestellt 
werden.     Mühling. 

Stelhfittte,/.,  darchgeschalmter  Wald- 


weg,   Schlag,    Jagen;    im    westGchen 
Deatschland  die5rfai«iis^.  Heiinig«336. 

Steflwark,  Ji.,    WebstnU.     Ifatangen 
ön  dissem  Ogehldck  sdeprimgt  e  adkratt 
Katt  tarn  SdoOtwork  ap  de  Ead,   dat 
et  knalü.     Boldt.  14. 

StiüMrinj,  m..  hoher,  schwarzer  Hot. 
Sett  9Ödk  dei  Krät  dem  Stemmritng  cp, 
Oft  denn  steit  hei  wie  en  Ap.     Kgsbg. 

Steapekl,  nr.,  za  etwas  bestimmen, 
überreden.  >^tif  haben  den  Zeugen  ge- 
stempelt^ ihn  bestimmt,  za  ihren  gnnst^i 
aaszosagen. 

StCfibelt,  Bett,  /.,  Steinbutte,  Rhomha 
majrimus.  Lit  aiis^  kor.  aUy  kass. 
skarpj  Mtenbuta.  Benecke,  93.  Ba- 
jack,  396. 

Stengel,  m.  Vom  Stengel  faüen^  über- 
rascht, erstaunt,  Terwondert  sein. 

Stengelein,  n..  Dem.  von  Stengd^ 
Trinkart  in  der  Danziger  Nehrung. 
Violet,  165. 

Stenzei,  Stfts,  m.  Vorname,  Stanislaa& 
Uartwich,  54. 

stenzen,  «it.,  unterweisend  zustutzen, 
drillen,  eintrichtern.  Der  Rekrut  wird 
gesternt.  Sien  Frind^  de  Luddwig^ 
mujzt  em  steme^  Wie  man  als  Kocpnumn 
seck  bedrdggt  (betragt).    Nowack,  36. 

Stenzmarie,  Medik.,  Stincus  nuxrinus, 

Stefizmarietropfen,  Medik.,    Tinctura 

aromatica. 

Stecke,  m.  1.  AmtsYogt,  Büttel, 
Profofz,  Bettelvogt,  Ratsdiener,  Polizei- 
diener. Poln.  stopka  Profolz,  von  stopa 
Fulzsohle,  weil  der  stopka^  Stepke^  den 
Schelm  dreimal  mit  dem  Falz  vor  den 
Hintern  schlägt.  Mrongovius  H, 
591  a.  Poln.  stepke^  das  N sslm. ,  Forsch. 
3;  Th.,  176,  vor  stopka  anfuhrt,  ist 
nicht  nachweisbar.  In  Danzig  ist 
Steppke  Bettel vogt  (Altpr.  M.  XV, 
585) ;  nach  den  Gedanism.  heilzt  Steppke 
sein  =  jemand    antreiben,    hinter    einer 


steppen  —  Stei'Dicksel, 


369 


Sache  ber  sein.  Die  ostpreiiTzischen 
Soldaten  nennen  aach  den  Feldwebel 
Stepke,  0ns  Stepke  ommer  vöran^  unser 
Feldwebel  immer  vorauf,  an  der  Spitze! 
Erinnert  werde,  dafz  Stepke^  Stopke 
euphemistische  Benennung  für  Teufel 
ist,  in  der  Gaunersprache  Steppche^ 
Stepches  in  der  Maingegend  Stebchen, 
Stäbchen^  obersächsisch  Stebgen^  Stob^ 
gen  etc.  Vgl.  Grimm,  Myth.  II,  955. 
In  Hessen  Stäppchen^  n.,  halb  scherz- 
hafter Name  des  Teufels.  Vilmar, 
395.  —  Der  Stepke  als  Vogt  lebt  noch 
heute  in  dem  Stepkespiel^  das  in  Ostpr. 
Herr  Amtmann  genannt  wird.  In  dem- 
selben werden  durch  die  Karte  Amt- 
mann (Pik -König),  Dieb  (Pik- As), 
Stepke  (Pik-Bube)  und  Kläger  (Karo- 
Acht)  bestimmt;  die  übrigen  Mit- 
spielenden sind  Bauern.  AUe  halten 
die  ihnen  zugeteilten  Karten  verdeckt, 
nur  Amtmann,  Stepke^  der  einen  Plump- 
sack führt,  und  Kläger  legen  die  ihrigen 
auf.     Der  Kläger  beginnt: 

Herr  Amtmann,  ich  komm*  klagen. 

^über  was  dennf* 
Über  ihre  schelmischen  Bauern. 

^Was  haben  sie  denn  gethanf* 
Sie  haben  mir  (ein  Lachen  erregen- 
der Gegenstand  wird  genannt)  ge^ 

stöhlen, 
^Soüte  das  unter  meinen  ehrlichen 

Bauern  seinf* 
Ich  hof*  es. 

^Stepkcj  ruf  die  Bauern  ins  AmtF 
(Stepke  mit  dem  Plumpsack  aufschla- 
gend.) 
Bav£m,  ins  Amt!  Bauern,  ins  Amt! 
Alle    schieben    die    Karten    nach    der 
Mitte  des  Tisches  und  rühren  sie  durch- 
einander.    Der  Kläger  hat  das  Recht, 
drei    Karten    aufzudecken.     Findet    er 
den  Dieb  (Pik -As),    so    erhält   dieser 
die  vom  Amtmann  oder   von   der  Ge- 

FrUchbier,  Wörterbuch  11. 


Seilschaft  ihm  zuerkannten  Hiebe;  ent- 
gegengesetzten Falls  bekommt  diese 
der  Kläger  für  die  unerwiesene  Be- 
schuldigung. Die  Stärke  der  Hiebe 
bezeichnen  die  Bestimmungen :  Aus  dem 
Schmalz  —  aus  dem  Salz  —  aus  dem 
Pfeffer.  —  Die  Karten  werden  von 
neuem  gemischt  und  ausgegeben  und 
so  zur  Wiederholung  des  Spieles  die 
Würden  neu  verteilt.  In  diesem  Spiele 
ist  der  Stepke^  ebenso  wie  der  Amt- 
mann in  seiner  ursprünglichen  Würde 
geblieben :  er  ist  der  Amtsvogt,  Büttel 
etc.  Der  Stepke  des  Spiels  klopft  mit 
dem  Plumpsacke  auf,  wie  das  derPro- 
foi'z  mit  dem  Stabe  that  und  teilt  auch 
wie  dieser  die  Hiebe  aus.  Vgl.  Volksr., 
204,759.  Korrespbl.  V,  32.  51  f.  Trei- 
chel,  Verhandl.  d.  Berl.  anthrop.  Ges. 
V.  20.  Jan.  1883.  2.  kleiner  Junge. 
Na  du  Stepke,  wie  gehfs? 

steppen,  sw.y  stopfen,  zustopfen. 
Strümpfe  steppen,  die  Löcher  darin 
stopfen,  stopfen. 

sterbendes,  adj.  in  sterbendes  Wort. 
Da/z  bis  diese  Stunde  ich  kein  ster- 
bendes Wort  davon  geum/zt  habe.  Soph. 
R.  IV,  155. 

Stern,  m.,  zum,  als  Beteuerung, 
Fluch.  Und  zum  Stern,  Julchen,  jetzt 
fällt  mirs  ein.  Soph.  R.  VI,  454.    Vgl. 

Frauensmensch. 

Stemchekicker,  m.,  Sterngucker,  zur 
Bezeichnung  eines  Überklugen. 

stemdick,  adj.  Er  ist  stemdick  be- 
trunken, zur  Bezeichnung  eines  sehr 
hohen  Grades  der  Trunkenheit.  Müh- 
ling.  In  Posen  stemvolL  Bernd, 
293. 

Stemicksel,  Stomicksel,  Stumicksel,  m. 

1.  Stoi'z  ins  Genick.  Er  gab  ihm  einen 
Stemicksel,  er  stiel'z  ihn  ins  Genick, 
dafz  der  Kopf  nach  vorn  schnellte. 
On   oft   ward  em  (dem  Rekruten)   de 

24 


370 


St^rt  --  Sdchlingsklippe. 


iMmttkopp  warm  Von  dei  Slomixeb  etil 
GenöcL  Xowack,  33.  Hennig, 
264:  ^temülael.  Sperber,  43:  Stur- 
niehel.  Davon  stemickselfiy  nr.,  6e- 
nickstolze  austeilen.  2.  nach  Mäh- 
ling  die  Brombeere,  Rvbus  eaenusL.; 
nach  einer  Mitteilung  ans  DönL  die 
Erdbeere.  Stomükselkraut  Erdbeer- 
kraaL 

StMy  m.,  s.  SttrL 

Siert,  /.,  Dem.  Stertke,  Störze  auf 
Topf  oder  Pfanne.  Jedet  Topke  trifft 
$in  Stertke.  So  Topke,  so  Stertke  (das 
altrömische:  Diffnum  pateüa  operculum). 
Sprw.I,  3804.  3806.  Bei  Jeroschin: 
Sturze,  Pfeiffer,  229.  Muhling  nennt 
eine  StQrze  von  Eisenblech  Stlilze. 

Sterzen,  plur,,  die  beiden  aufrecht 
stehenden  Gabelhömer  des  prenlzischen 
Pfluges,  auch  Hdmer  genannt.    S.  Zoch. 

ftetssQUidig,  adf.  u.  oJv.,  fortwährend, 
aosdaaemd.    Natangen. 

ttetsw^reml,  adj,  a.  adv,  1692  hat 
der  Ehrbare  Hans  Grojzke  unserer 
Kirche  auf  der  Kanzel  einen  mernnff- 
sehen  gegossenen  Leuchter  zum  stetweh- 
renden Geddchtni/z  verehret.  Viol^t, 
140. 

steuern,  steuren,  pltd.   stUre(n),  sw.^ 

gehen,  weggehen.  Nun  wolFn  icir  nur 
steuern.  Auch  hin  und  her  schwanken, 
einem  Schiffe  gleich.     Mühiing. 

Steven,  m.,  Fal'zdaube;  nach  den /Ste- 
rin des  Schiffes  benannt.     Oberland. 

stSwen,  etöwen,  sw,,  stäuben,  s.  sti- 
wem. 

Stewer,  StBwer,  StVber,  vi,^  Abstäuber, 
Werkzeug  zum  Abstäuben.  Hennig, 
265. 

stiwem,  stVwem,  stebem,  stSbem,  sw., 

von  stewen,  1.  stäuben;  Staub  machen; 
vom  Staube  reinigen:  ab-,  ansstiwem. 
Rogge  sege,  dat  hei  stewt,  Koggen  soll 
in    trockenen,   stäubenden  Boden    aus- 


gesäet  werden.  Sprw.  I,  3155;  II,  1937. 
Dat  geit.  dat  et  stewert  on  rokt,  eine 
schnelle  Fahrt.  Einem  die  Jache  am- 
st^em^  ihm  Stockprügel  geben.  Bild- 
lich: prügeln:  einen  wegtreiben  durch 
Schläge,  wie  man  den  Staob  wegklopft, 
kurz  und  scharf  zorückweiseo.  Ock  war  dt 
sihcre^  ich  werde  dich  abfahren!  Noch 
letztens  prob^'rd  öck  (am  dn  Mädchen 
anzuhalten)  —  se  stheerde  m«/  Tikit 
Firmenich  I,  106b.  2.  sich  schnell 
fortmachen,  fortlaufen,  aas  dem  Staabe 
machen.  Da  stetcert  hei  hen,  da  jagte 
er  hin,  fort  Don  stoottd  sei  €U  en 
Blocks  davon.  Carm,  mtpt,  l,  282,  6. 
3.  suchen,  nachforschen,  dorchsachen, 
wobei  es  ebenfalls  stäubt;  gewöhnlich 
hemmetfewem.  Er  stewert  überall  her- 
um^ durchsucht  alle  WinkeL  4.  fein 
regnen.  Es  stöbert,  steuert  etc,^  es  fallt 
ein  Staubregen  oder  feiner  Schnee. 
Bock,  67.    Hennig,  264. 

stfbHzen,  strtbHzen,  strebHzen,  air.,  li- 
stig und  gewandt,  stehlen.  Bfm 
Striebitzen  mook  h£t  wie  en  ongeschfckter 
Sönger^  he  hild  nich  Takt.  Dorr,  1. 
Wiew.,  19.  ab-,  wegstTbitzen,  wegsteh- 
len. On  se  hotten  em  (dem  Monat  Fe- 
bruar) nach  keenen  Tag  nich  abstibitzt 
(er  hatte  noch  30  Tage).  Schaltj.  1, 
440.  wegstibitzen  auch:  schnell  weg- 
laufen, was  Diebe  gewöhnlich  thun. 
Davon  Stibitzer  etc.,  m.,  Dieb. 

Stich,  9n.,  Auf  den  Stich  kommen^ 
plötzlich,  unangemeldet  kommen.  Müh- 
iing. 

Stichbeutel,  m.,  s.  Stachlinski. 

Stichkraut,  n.,  Berg-  Wohlverleih, 
Amica  montana  L,  Gegend  von  La- 
biau.  Sonst  in  Ostpr.  auch  WoHfeiein 
(1590),  Woiferley  und  bei  Danzig  Wolv. 
Pritzel,  40. 

Stichlingsklippe,  /.,  -sack,  -wenter,  m., 

Gerät  zum  Stichlingsfauge. 


Stichlinski  —  Stim. 


371 


Stichlinski,  m,^  s.  Stachiinsid. 
Stichwurz,  /.,  Pflzn.,  s.  Stecliwart. 

sticicen,  sw,y  ersticken.  Es  ist  zum 
Sticken,     Gedanism, 

sticicseln,  sw.,  s.  Stecicsei. 

Sticicstaclc,  77».,  Fachwerkbau,  bei  wel- 
chem die  Fächer  mit  darin  befestigten 
Stecken  und  Lehm,  worin  Stroh  ge- 
knetet, ausgefüllt  werden:  die  Fächer 
werden  verstickstackt^  die  Füllungen  sind 
Stickstack. 

Stiebel,  Stiefel,  pltd.  Stiwel,  m.,  plur. 

Stiebeln^  Stiefeln^  pltd.  Stewle.  Er  kann 
einen  guten  Stiefel  trinken  —  vertragen. 
Es  ist  bei  dieser  Redensart  an  den 
Schaft  des  Stiefels  zu  denken,  der  eine 
lange  Röhre  bildet  und  einem  hohen 
Trinkgefäfze  gleicht.  Vgl.  StSber.  Ähn- 
lich: Eine  Stange  Bier,  worin  ebenfalls 
das  Hohe,  Lange  ausgedrückt  ist. 

stiebein,  stiefeln,  pltd.  stewie(n),  »w., 
schnell  gehen.  Ton  Stiefel.  Er  kann 
gut  stiefeln.  Drop  treck  ock  mie  den 
Trurock  an,  Mott  nah  de  Pölzmötz  fate, 
On  stewel  watt  ock  stewle  kann.  Kam 
just  noch  recht  to  Mate.  Lehrztg.,  1878, 
S.  57  a. 

Stiebei-,  Stiefelschecht,  m.,  Schecht, 
Schaft  eines  Stiefels.    Vgl.  Schecht 

Stieber-,  StUbemase,  /.,  Nasenstüber. 
Kgsbg. 

stief,  pltd.  st(f,  adf,j  hchd.  nur  noch 
in  Zusammensetzungen  lebendig:  Stief- 
vater etc.  Hier  in  einer  Redensart: 
Stef  ÖS  nich  lev,  Sprw.  I,  3630,  aber 
auch  wohl  nur  als  Ablösung  zu  be- 
trachten. 

Stiefmutterchen,  n.,  Pflzn.,  s.  Sorge. 

Stiege,  Stige,  /.,  zur  Bezeichnung  von 
20  Stück  gleichartiger  Gegenstände, 
z.  B.  Lachsangeln,  Garben.  Jedes  Boot 
nimmt  gewohnlich  im  Winter  15  bis  20, 
im  Sommer  30  Stiegen  Lachsangeln  an 
Bord.      Benecke,    401.     Eine  Stiege 


Roggen  =  20  Garben.    Vgl.  Brem.  Wb. 
IV,  1033. 

Stiegiitzk,  m.  1.  Stieglitz,  Distelfink, 
FringUla  carduelis.  Sperber,  30.  2. 
in  früherer  Zeit  Stieglitz  Spottname  für 
die  Eönigsberger  Stadtsoldaten,  nach 
den  gelbroten  Kragen,  die  ihre  Uniform 
hatte. 

stier,  adj.y  betrunken.  Er  ist  stier, 
weil  der  Trunkene  stier  vor  sich  hin- 
blickt. 

Stift,  m,,  Kautabak.  Einen  Stift  neh- 
men, ein  Priemchen  nehmen.  Sperber, 
30. 

stiften,  sw,    1.  Tabak  kauen,  priemen. 
Vom  vor.     2.  coire. 
Sttg,  m.,  s.  Steig. 
StTge,  /.,  s.  Stiege, 
stillchen,  pltd.  stSilke,  Dem.  von  stUl, 
Aufforderung  zum  Schweigen. 

Stillfreitag,  pltd.  StKllfrtdag,  m  ,  der 
stille  Freitag,  Karfreitag. 

Stfm,  seltener  StUm,  m.,  Unwetter,  in 
welchem  der  Wind  den  losen  Schnee 
wild  umherfegt  and  umherscUägt.  Ott 
toor  en  Stüm,  a/z  wenn  onser  Herr  Gott 
öm  Himmel  de  Bedd  utschodden  leeL 
Spook,  472.  S.  sttmen.  Das  engl. 
steam  Dampf,  Brodem,  Dunst,  gehört 
nicht  her;  berechtigt  wäre  dagegen 
vielleicht  Jeroschins  steim  und  st  Im 
heranzuziehen.  Nu  wart  nach  des  strt- 
tis  steim  (also  nach  des  Kampfes  wil- 
dem Wetter)  brudir  Ludewtc  von  Bai- 
dinsheim  meistir  ubir  Pruzinlant  87  c. 
Pfeiffer,  224.  Die  Änderung,  Ver- 
hochdeutschung,  steim  aus  Sttm  (man 
hört  in  der  Provinz  nur  Sttm)  ist,  wie 
augenfällig,  nur  des  Reimes  (:  Baldins- 
heim)  wegen  geschehen.  Sus  ist  üch 
offinbdre  wurdin  der  materien  sttm  {irirn) 
2d.  Zur  Erklärung  dieser  Stelle  ist  auf 
die  vorhergehenden  Verse  Rücksicht  zu 

nehmen.     Jeroschin  erklärt,   dafz  er 

24* 


372 


sHmen  —  StintheDgst. 


den  „vierten  Teil"  seines  Werkes  y,wä 
mischin  den  andren  teilen  zwiscfUn  inr- 
hant  der  rede  ein  stucke  vlechtinde  in 
ein  Iticke^y  und  wenn  er  in  seinem  Vor- 
trage auch  „an  gever*^  die  chrono- 
logische Folge  der  Thatsachen  einhal- 
ten werde,  so  solle  andererseits  durch 
solche  Mischung  auch  wieder  „offen- 
bar" werden  y^der  materien  «rfm",  die 
Verteilung  des  Stoffes,  ungleichmäizig 
und  ungeregelt  wie  die  der  Schnee- 
masse beim  Stimwetter,  welche  eben- 
falls „Lücken"  ausfüllt.  Für  Liv-  und 
Estland  bei  Hupel,  228:  Steim;  bei 
Sallmann^  130a:  Stüm.  —  In  über- 
tragener Bedeutung:  im  Stirn  sein,  stark 
angetrunken  sein.  In  dieser  und  mehr 
noch  in  der  von  Schemionek,  39,  an- 
geführten Redensart  Stirn  geben^  Dampf 
geben,  auf  jemand  losgehen,  ihn  in  Wor- 
ten anfahren,  auch  ausreii'zen,  liegt  das 
engl,  steam  zu  Grunde. 

sttmen,  seltener  stUmen,  sw ,  schneien 
bei  starkem  Winde,  wobei  der  oft  regen- 
feuchte Schnee  das  Gesicht  peitscht; 
Aufjagen  und  Hin-  und  Ilerfegen  des 
trocknen  Schnees  durch  heftigen  Wind, 
wodurch  oft  gewaltige  Schneehaufen 
zusammengejagt  werden.  Davon  ver- 
sttmen,  sw,^  durch  zusammengejagte 
Schneemassen  versperren.  Die  Wege  sind 
verst/mt,  sie  sind  an  einzelnen  Stellen 
durch  Schneewälle  unpassierbar,  wäh- 
rend andere  Strecken  vom  Winde  völ- 
lig kahl  gefegt  sind,  einstfmen,  sw.y 
mit  Schnee  überdecken.  Das  Garten- 
haus ist  eingestimt  Auf  der  kurischen 
Nehrung  nennt  man  auch  das  Peitschten 
des  Dünensandes  durch  den  Wind  Sti- 
rnen. Wie  heifzt  jener  Bergf  fragte  ich 
einen  der  Schiffsleute,  y^Die  stiemen 
immer  höher !^  lautete  die  Antwort  Pas- 
sarge, Balt,  125. 


Stimm',  /.,  Melodie.  Das  Lied  hat 
e  hübsche  Stimm.     Saalfeld. 

stimmowatschen,  «tc.,  stimmen,  in  der 
Rechnung  richtig  sein.  Das  stimmo- 
watscht  Komponiert  aus  stimmen  and 
der  poln.  Verbalendung,  also:  stimmo- 
vaC\    Treichel. 

StTmwetter,  n.,  stiemendes  Wetter, 
Schneetreiben.  Wer  im  Norden  gebaren 
ist,  der  weifz,  was  ein  Schneesturm^  ein 
sogenanntes Stiemioetter  ist  DerReisende^ 
seihst  sein  Pferd  wird  mit  vollkommener 
Blindheit  geschlagen,  denn  der  liegende 
Schnee  fährt  wie  Stecknadeln  in  sein 
blinzelndes  Auge.  In  wenigen  Minuten 
ist  jeder  Pfad,  jede  Spur  verweht  etc. 
Passarge,  Balt,  65. 

Stink,  m.,  s.  Stint 

Stinkflieder,  Pflzn.,  schwarzer  Holun- 
der^ Sambucus  nigra  L.  Weichseldelta. 
Treichel,  Volksth.  III. 

Stinknessel,  /.,  s.  StUcknessei. 

Stinkpeter,  m.,  Pflzn.,  Goldlack,  Chei- 
ranthus  Cheiri  L,     Gedanism. 

Stinkromei,  m.,  stinkende  Hundska- 
mille, Anthemis  cotula  L.  Hagen, 
896. 

Stint,  Stink,  m.,  Osmerus  eperlanus  L., 
altpr.  maikis,  lit.  stinta,  mas.  stüika, 
kass.  stgnt,  mutka.  Der  Litauer  unter- 
scheidet: kleiner  Stint,  grofzer  Stint^ 
Seestint',  mazoji  stinta,  didoji  stinta, 
juros stinta.  Be necke,  155.  Hennig, 
264. 

Stintgam,  -keitel,  -klippe,  n.,  Netz  zum 
Stintfange.     S.  Benecke,  341.  379. 

Stinthengst,  m.,  zur  Bezeichnung  eines 
besonders  grofzen  Stintes.  Wenn  du 
nicht  gehorchen  willst,  kriegst  du  so  wie 
der  Stinthengst  von  Nikolaiken!  Anger- 
burg. Treichel,  Preulz.  Vexirfabeln. 
Verhandig.  der  Berl.  anthropol.  Ges. 
1881,  S.  26.     Vgl.  Sprw.  I,  3789.  524. 


Stiiitring  —  Stobbling. 


373 


Stintring,  m.^  Fang  des  Stintes  in 
einem  Kreise  (Ring)  unter  dem  Eise, 
wo  der  Fisch  gerade  in  Menge  steht, 
mittelst  der  Stintklippe.  Der  Ring  wird 
durch  Löcher,  die  ins  Eis  gehauen 
werden,  markiert.     S.  Benecke,  361. 

Stintstecher,  pltd.  Stintst8l(er,  m.  1. 
Fischer  in  der  Nähe  der  beiden  Haffe. 

2.  Spottname  für  den,  der  mit  seiner 
Kraft  prahlt  und  ein  Schwächling  ist. 

3.  Spitzname  für  die  Bewohner  von 
Tolkemit.  Sprw.  I,  3640.  Vgl.  Tolke- 
mit 

StTp,  Stipe,  StUpe,/,  Schelte,  Schimpf- 
rede. Er  hat  Stip  bekommen^  ist  hart 
ausgescholten  worden.  Ursprünglich 
stupe  Schandpfahl,  auch  Rute  zur  öffent- 
lichen Züchtigung,  Staupenschlag.  Brem. 
Wb.  IV,  1080.  Weigandll,  803. 
Voigt,  Gesch.  der  Marienburg,  525. 

stTpen,  stUpen,  sw,^  stäupen ;  schimpfen, 
schelten.    S.  aussttpen. 

Stipiter,  n.,  pltd.,  das  franz.  chapitre 
Kapitel,  Rede,  Materie.  Op  dat  Stipp- 
ter  heft  ml  recht  dat  gnädge  Freileinke 
gebrächt,     v.  Auer. 

Stipp,  m.,  s.  Stips. 

Stippel,  pltd.  StKppel,  m.^  kleines  höl- 
zernes Gefafz  mit  aufrechtstehender 
Handhabe  zum  Wasserschöpfen;  in 
ärmlichen  Haushaltungen  auch  Nacht- 
geschirr. Von  stippen.  Bock,  66. 
Hennig,  264.  Sperber,  30.  Nsslm. 
Forsch.  3;  Th.,  177.  In  Königsberg 
giebt  es  eine  Stippelgasse ^  in  der  in 
früherer  Zeit  wohl  die  Stippelmacher 
wohnten. 

stippen,  8W.J  tippen^  tupfen;  tunken, 
eintunken,  tauchen^  eintauchen,  auf 
und  niedertauchen.  Nach  Treichel 
zur  Verstärkung  stUppen.  Die  Wäsche 
stüppen. 

Stips,  m.  1.  das  plötzlich  Auftretende, 
nur  kurze  Zeit  Andauernde.     Auf  den 


Stips  (auch  Stipp)  kommen.   2.  unreifer, 
vorlauter  junger  Mann.     Treichel. 
stipsen,  sw,^  fein  und  listig  stehlen. 

S.  bestipsen. 

Stipstap,  Medik.,  ünguentum  pedicu- 
lorum.  Togemäkt  (zugemachter)  Stip^ 
stap  Das  Gleiche  fordert  man  auch 
als  togemäkt  Stoffsaat. 

stTren,  sw,^  s.  stUren. 

Stirnen,  plur,  . . .  man  soü  weder  zu 
den  Korken  noch  zu  den  Trippen  „Styr- 
nen^  verarbeiten,  Rolle  der  Kork-  und 
Trippenmacher  aus  1439.  Dzg.  Hirsch, 
317. 

Stimtuch,  pltd.  StKmdölc,  früherer 
Kopfputz  der  Frauen  auf  der  Dzg.  Nhrg. 
Violöt,  173. 

StTsel,  972.,  s.  Schnäsel. 

Stobbel(opf,  Stobbenl(opf,  Stubbenicopf, 

77»,  stumpfer,  stubbenharter  Kopf,  der 
schwer  begreift.  Davon  stobbelcopfsch, 
-Icopsch,  ad)'.,  hartköpfig,  schwer  von 
Begriff.    Vgl.  Stobben. 

Stobben,  Stubben,  m.  1 .  Stumpf,  Stock, 
Stammende  eines  gefällten  Baumes. 
Angs.  steby  stybb^  engl,  stub^  schwed. 
stubbe.  Verwandt  mit  Stoppel^  stumpf, 
Adelung  IV,  461.  Solte  (soll)  aber 
der  Bawn  einen  Stobben  über  der  Er- 
den lassen^  als  wirds  nöthig  sein  etc, 
Linem.,  Gc  3b.  2.  zur  Bezeichnung 
eines  unbeholfenen,  wortarmen  Men- 
schen. Er  ist  ein  rechter  Stobben  — 
steht  da  wie  ein  Stobben.  Richey,  297. 
Brem.  Wb.  IV,  1074.  Vilmar,  405. 
Bock,  67.    Hennig,  264. 

stobbig,  adj.  von  Stobben,  mit  Stob- 
ben bestanden.  Einen  stobbichten  Acker 
zu  roden  haben  sie  an  einigen  Orten 
eine  gewisse  Art  Pßug.  Pierson,  Matth. 
Prätor.,  117. 

Stobbling,  m.,  kleiner  Pilz  mit  weifzem 
Hut,  der  an  Stobben  wächst  Mdh- 
ling. 


374 


Scüber  —  stofen. 


SHber,  m.  -  1.  Bjt  kann  einen  guUn 
StSber  vertragen^  er  kann  tächtig  trin- 
ken.   Mahling.     VgL  StiebeL    2.  s. 

sUbcniy  nc^  s.  siiwcrn. 

Stock,  m.,  Stab,  Stecken.  Ift^  ^fan 
S^MTit  kriegen,  eine  Einladang  zor  L*ber- 
nähme  eines  Patenamtes  erhalten.  M  ä  h- 
ling. 

Stock,  171.  1.  froheres  LangenmaTz  in 
PreoTzen:  zwei  Stock  ungefähr  eine 
Elle.  ErL  Preufz.  III,  438.  Im  Volks- 
mnnde  ist  Stock  die  Lange  zwischen 
den  beiden  Bäumen  des  SchSrhecks, 
2  Ellen.  Dam,  Make,  dam,  Wt  wag- 
geld  dl  din  rodet  Bockke,  Fif  Ele  6k  e 
Stockke,  Dam  etc.  Volksr.,  42,  163, 
Yar.  2.  Gefängnis;  Retirade.  Doi 
Beste  war  abo,  die  drei  Grazien  in  den 
Stock  werfen  zu  lauen.  Soph.  R.  I, 
617  ...  derselbe  (Freund)  wunderte 
sich,  wie  das  Haufz  Balga  sehr  schoen 
gAawet,  und  dafz  in  Sonderheit  der  Stock 
(wird  das  vomembste  und  festeste  letz- 
tere Gebäwde  genennet,  konte  tcol  die 
reterade  geheissen  werden)  so  glat  und 
sauber  gemawret  were.  Line  m.,  Zz  2  b. 
3.  die  Schutze  an  der  Schleuse,  oft 
auch  die  Schleuse  selbst.  4.  die  Nässe 
an    und    in    den    Wänden;    Schimmel, 

Moder.    S.  Peitschenstock. 

Stockbreity  n.,  englisches  Tuch.  Ein 
1430  von  Danzig  nach  Keyal  verlade- 
nes Schiff  enthielt  unter  anderm:  eng- 
lische Laken,  Stockbreit,  Hosen,  Lein- 
wand etc.    Hirsch,  197.  253. 

stocken,  sw.,  feucht,  nadz  und  faul 
werden.  Es  stockt  in  dem  Hause,  die 
Wände  sind  feucht  und  naiz.  Davon 
stockig,  adj.  Ein  stockiges  Zimmer,  an- 
stecken, verstecken,  durch  Feuchtigkeit 
verderben.  Die  Leinwand  ist  verstockt, 
verrottet.    Hennig,  264. 

Stockfisch,  m.    1.  einfältiger,  dummer 


Mensch,  wobei  an  den  gedorrten  Kmbd- 
jan  gedacht  ist.  2.  Prägel,  Hiebe  mit 
dem  Stock,  Stecken.  Ek  gab  Stock- 
ßuX.    YgL  Kloppfiscbe. 

Steekgetste,  /.,  sechszeilige  Grerste, 
Hordeum  hexastichon  L.  Aach  WMer- 
gersle.    Hagen,  1063. 

StockfiMer,-poie,m^  Mensch,  derkdne 
andere  Sprache  als  die  titanische,  pol- 
nische kann  und  versteht.  Der  letztere 
heiJzt  gewöhnlich  StockpoUack. 

stockrig,  adj.  1.  holperig.  Oberland. 
2.  stammelnd,  stockend  in  der  Rede. 
Mahling. 

Stockrose,  /.,  Gartenmalve;  Eibisch, 
Althaea  L. 

stOcksinnig,  adj.,  starr-,  eigensinnig. 
Elbinger  Ndrg. 

Stoder,  StOder,  m.,  s.  SIehder. 

Stodöll,  /.,  s.  StadML 

StAf,  pltd.  StSp,  n.,  Hohlmaix,  der 
90.  Teil  einer  Tonne,  der  120.  eines 
Ohms,  ungefähr  ein  Liter.  Untre 
Brauertonnen  sollen  sein  92  Stauffe, 
und  die  Vaj'ze  zweimal  so  grojz.  Wer- 
den sie  kleiner  befunden,  man  soll  ihnen 
den  Boden  ausschlagen.  Danziger  Will- 
kür von  1369  und  1455.  Bock,  67. 
Hennig,  265.  94  Staufe  soll  eine 
Tonne  Bier  halten,  aber  96  Staufe  eine 
Tonne  Meth  und  132  Staufe  ein  Rhei- 
nisch Fafz  Wein.  Landes  Ordnung  (1307). 
Bock,  Nat.  I,  688.  Ahd.  stouph,  stouf, 
stauf,  mhd.  stouf  Becher,  angs.  stedp, 
altnord.  stäup,  holl.  stoop,  engl,  stoop, 
schott.  stoup,  in  Thüringen  Stübchen, 
Vgl.  Schade,  876b. 

stöfen,  stowen,  sw.,  Früchte  oder  Ge- 
müse dick  einkochen;  Fleisch  dämpfen, 
oder  in  zugedecktem  Topfe  in  eigener 
Brühe  einkochen;  schmoren;  nach 
Schemionek,  39,  und  Sperber,  30, 
auch  Obst  einmachen.  Oestdfte  Bru- 
ken,  —  Möhren^  —  Pflaumen  mit  Rind- 


Stoff  —  Störbude. 


375 


fleisch.  Gestufte  ZfwiAeln^  —  Preifzel- 
beeren.  Als  scherzhaftes  Mittagsgericht: 
Gestowte  Nachtwächter  mit  gehackten 
Fensterladen,  Sprw.  I,  2640c.  Hen- 
nig,  265.  Hupel,  229.  Sallmann, 
41b. 

Stoff,  m.,  leichtes  Zeag  aus  Wolle, 
Seide,  Halbseide,  vorzugsweise  zu 
Sommerkleidern  benutzt  Die  Nimphen- 
schaar^  so  sich  gezieret  mit  Flor  und 
Stoff,  Carm.  nwpt,  II,  1 17  b.  Vgl.  Brem. 
Wb.  IV,  1040. 

Stoffsaat,  /.,  s.  Stipstap. 

stOkem,  sw,^  s.  stikem. 

Stollen,  9n.,  feiner  Kuchen  mit  Ro- 
sinen in  Brotform.     Treichel. 

Stollschwamm ,  m,^  Hornwarze  am 
Schenkel  der  Pferde  in  der  Nähe  des 
Knies.  Gegen  Zahnschmerz  hilft: 
Katzendreck  mit  Dagget  und  vom  renn- 
schen  Pferd  vom  Stollschwamm,  Ran- 
tau, Dorf  im  Kirchspiel  Pobethen,  Kr. 
Fischhauseu. 

Stolpertiln,  /.,  Trine,  Katharine,  welche 
stolpert,  zur  Bezeichnung  eines  unge- 
schickten Menschen. 

stolz,  adf;.,  von  der  Butter,  wenn  sie 
im  Winter,  steif  geworden,  sich  schwer 
streichen  läi'zt.  Bock,  67.  Hennig, 
265. 

StKIze,  /.,  spannende  Holzstelze  zu 
beiden  Seiten  des  Einganges  am  Keitel- 
netz,  lit.  botelUs.   Benecke,  339.    Vgl. 

Keitel. 

Stonupifhnen,  Ortsn.,  Dorf  im  Kirch- 
spiel Friedrichswalde,  Kr.  Pillkallen, 
im  Volksmunde  Srogen.  Lit.  sragus 
grimmig,  grausam ;  poln.  srogi,  N  s sl m. , 
Wb.,  496  b. 

stöpeln,  sw.^  studentischer  Ausdruck: 
einen  Paukanten  wegen  Feigheit  oder 
inkommentmäfzigen  Betragens  von  der 
Mensur  verweisen.  Sperber,  30.  Einen 


stopeluy  ihn  fortjagen,  aus  seiner  Stel- 
lung entlassen. 

stopfen,  stoppen,  letztere  Form  auch 
plld.,  ^w,  1.  stark  und  viel  essen.  2. 
aufhören  Torwarts  zu  gehen,  anhalten, 
und  in  dieser  Bedeutung  vorzugsweise 
stoppen^  engl.  tx>  stop.  Stopp  =  Hult! 
Die  Fahrt  stoppen^  anhalten. 

Stopfzu,  Stuppzu,  rein  pltd.  Stopptö, 
?n.,  Ackerklee,  Trifolivm  arvense  L. 
Hagen,  779.  Wegen  seiner  konstrin- 
gierenden Wirkung. 

Stoppelgans,  /.  1.  Gans,  die  auf  den 
Stoppeln  weidet.  Doch  kein'  Stopfel- 
Ganfz  Er  wehlt,  Die  im  freien  Feld 
venoüdet,  Carm,  nwpt,  I,  205.  De  Lied 
(Leute)  krien  äre  (ihre)  Stoppelgans, 
Dorr,  16.  2.  Gastmahl,  das  zum  Emte- 
abschluTz  den  Knechten  und  Mägden 
an  einem  Sonntage  gegeben  wird.  Nach 
-dem  Hauptgerichte  genannt.  Westpr. 
Hintz,  136. 

Stoppelhengst,  m,  1.  Hengst,  der  auf 
den  Stoppeln  weidet.  2.  in  Pr.  Eylau 
Benennung  der  Seminarzöglinge,  an- 
geblich, weil  sie  Michael,  zur  Zeit  der 
Stoppeln,  in  die  Anstalt  eintreten. 

stoppeln,  sw,,  von  Stoppel,  zusammen- 
tragen, legen  in  wirrem  Durcheinander, 

daher  gewöhnlich  zusammenstoppeln. 

Stöpsel,  m.,  Stöpsel;  auch  kleiner,  un- 
geschickter Mensch. 

Stop'sloch,  m,y  rundblättriges  Hasen- 
öhrchen,  Bupleurum  rotundifolium  L. 
Hagen,  219.     Vgl.  Stopfzu. 

StKrbude,  /.,  in  früherer  Zeit  Häus- 
chen zu  Alt-Pillau,  in  dem  der  Stör  ma- 
riniert, und  sein  Rogen  zu  Kaviar  ver- 
arbeitet wurde,  den  man  nach  Frank- 
reich, England,  Litauen  und  Bulzland 
ausführte.  Stein,  Peregrinus.  Act 
Bar.1,200.  Benecke,  302.  Hennig, 
265. 


376 


Storchblume  —  Sträk. 


Storchblume^  /.,  Wasserliesch,  Buto- 
mu8  vmfibeüatus  L.,  wohl  weil  die  Dolde 
von  einem  langen  Stiele  getragen  wird. 
Weichseldelta.  Treichel,  Volksth.m. 
Nach  Hagen,  568,  heifzt  die  Busch- 
anemone, Anemone  nemorosa  L.,  Storche 
blume. 

storchen,  str.,  einhergehen  wie  ein 
Storch,  mit  langen  Beinen  vorsichtig 
oder  suchend  einherschreiten. 

Storchenfett,  n.,  s.  y.  a.  Adebarfett, 

Storchklapper,  /.,  Schachtelhalm.  Nach 
der  Mitteilung  aus  Dönh.  Eqaüetum 
vulgaris^  bei  Garcke  und  Leunis  nicht 
zu  finden,  also  wohl  arvense. 

Storchschnabel,  Pflzn.,  GQrtel-Eranich- 
schnabel,  Pelargonium  zonaleW,  Weich- 
seldelta.   Treichel,  Yolksth.  III. 

Stordel,  m.,  s.  Sturgel. 

Stifrgarn,  n.,  Garn  zum  Störfang.  Es 
werden  dazu  groize  Netze  von  starkem 
Bindfaden  (Marling)  gebraucht,  welche 
mit  Pricken  in  der  Tiefe  des  Haffes 
aufjgestellt  werden,  und  deren  Maschen 
nicht  enger  als  6  Zoll  im  Quadrat  sein 
dürfen.  Fisch.-  Ord.  f.  d.  fr.  Haff  §  35. 
Benecke^  376. 

Storge,  /.,  unnütze  Grille,  sonderbarer 
Einfall.  Er  hat  rechte  Storgen  —  wahre 
Storgen.  Ermland.  Mühling.  Von 
atorgen. 

Storgel,  m.,  s.  Sturgel. 

storgen  y  aw.^  ungestüm  anklopfen, 
Lärm  verursachen.  Ermland.  Müh- 
ling. Ahd.  storjan,  störran^  storan^ 
mhd.  stoeren,  zerstreuen,  zerstören,  un- 
terbrechen, stören.     Schade,  876a. 

StOrlanke,  /.,  s.  StUrlanke. 

Stomicksel,  m.,  s.  Sternicksel. 

storr,  ac^'.,  s.  sturr. 

Stolz,  pltd.  Stot,  Stut,  w.,  als  Zeit- 
und  Wegbestimmung.  Wt  speie  no  e 
Stöt,  wir  spielen  noch  eine  kurze  Zeit, 


Wi  welle  en  Stdt  gän^  wir  wollen  eine 
Strecke  gehen.     Werder. 

Storzbrache,  /.,  Brache  des  Flachses 
durch  Stolzen.     S.  puchen. 

Stofzbrot,  n.,  durch  Stolzen  zerklei- 
nertes Brot,  das  gleich  dem  Reibbrot 
in  Klops-  oder  Wurstfleisch  gemischt 
wird. 

Stofzkantey  /.  1.  der  kantig  hervor^ 
stehende  Rand  an  einem  SchifFe,  durch 
den  dasselbe  bei  einem  Stolze  gesichert 
wird.  2.  die  innere  untere  Randein- 
fassung an  Frauenröcken.  Hennig, 
265. 

Stotterbock,  m.^  Stotterer,  Stammler. 
Als  Einderschimpfwort.    Vgl.  stftmem. 

stowen,  sw.y  s.  stewen,  u.  stAfen. 

StKwer,  m.,  stSwem,  sw,  s.  Stewer  etc. 

strackSy  strack,  adv.,  sogleich,  unver- 
züglich, sofort,  geradeswegs.  Kamm 
stracks  wedder,  komm  ohne  Aufenthalt 
zurück.  Se  antword  stracks.  Ml  as, 
OS  sulld  ock  stracks  vergane.  Volksl., 
4,  411,  1.  Ech  mu/z  stracks  reite. 
Ermland.  Freisch.,  9.  Ek  gleew,  ji  beid 
vmdden  ju  strack  wedder  befrien  (ver- 
heiraten). Dorr,  1.  Wiew. ,  62.  De 
lewe  Sonnke  ward  strcxks  undergäne. 
Bei  Jeroschin  strac  als  adj.i  mit 
strakin  eidin,  Pfeiffer,  226.  Wat 
hanthert  he  da  straJcs;  'ka  doch  hie  wol 
staonf  Soph.  R.  IV,  450f.  Hermes 
übersetzt:  Warum  lärmt  er  gleich?  ich 
kann  doch  wohl  hier  stehen?  Schwed., 
dän.  u.  holl.  straa,  stracks^  engl,  straighty 
mhd.  strac.  Vgl.  Weigand  II,  828. 
Hennig,  265. 

Strafer,  m.,  Bettler,  der  nicht  abzu- 
weisen ist.  Nu  kommt  wedder  e  Strafer. 
Samland. 

Sträk,  m,  1.  Strich,  Streifen,  Lage. 
Dat  Föld  liggt  ön  drei  Sträk.  Dat  Be- 
tag  (der  Bezug,  Überzug,  des  Bettes), 


Sträk  —  Strandreise. 


377 


heft  drei  Sträk.  2.  Dohne.  Sträk' 
stellen,  Dohnen  zum  Vogelfang  auf- 
stellen.    Vgl.  Strik. 

Sträk,  n.,  Streicher  zum  Wetzen  der 
Sense.     S.  Strich  5. 

strftken,  sw,,  streichen.  Davon  stra- 
kein,  streicheln. 

Sträken,  plur,,  die  Saugwarzen, 
Zitzen,  am  Euter  der  Kuh.     Marold. 

Sträm,  m.y  Strich,  Strieme.  Sträm 
halten.  Strich,  Richtung  halten.  Vadder 
Vofz,  hSl  Sträm !  Zuruf  an  einen  Trun- 
kenen. 

stramm,  adj.  1.  straff,  gespannt,  fest 
angezogen.  Stramme  Boxe,  straffe, 
enge  Beinkleider.  Eine  Saite,  ein  Seil 
stramm  ziehen.  Stramm  gehen,  in  stei- 
fer Haltung  gehen.  Hennig,  265. 
Sich  stramm  haken,  sich  gut  halten, 
sich  anstrengen,  seine  Kräfte  anspannen. 
2.  wohlgebaut,  schmuck,  hübsch;  aus- 
geschmückt; aufjgeputzt.  En  strammet 
Make,  ein  schmuckes,  hübsches  Mäd- 
chen. Sie  hat  stramme  Kleider,  wohl- 
schmückende. Dat  lett  em  stramm,  das 
kleidet  ihn  gut.  Dat  sond  stramme 
Maden,  gut  geratene,  wohlschmeckende. 
Ein  strammes  Pferd.  Wer  woll  stramm 
rede,  de  mot  6k  Itde,  zu  Kindern,  welche 
beim  Kämmen  klagen,  dafz  es  weh 
thue.  Wer  wöll  stramm  gäne^  mot  vel 
ütstane.  Stramm  on  barwt,  stolz  und 
barfufz.  Sprw.  I,  3654  f.  Vgl.  Belege 
zu  Bröch,  Butzer  und  schirren.  3.  schnell, 
sofort,  stracks.  Gd  af  (Bauer^,  renn 
stramm  Galopp.    Llirztg.  4,  355  a. 

strammbulstrig,  adj,,  widerspenstig, 
ungebärdig,  aufsässig,  schwer  regierbar, 
eigensinnig.  Nach  Mühling  und 
Sperber  auch:  aufgeblasen;  nach  er- 
sterem  noch  geckenhaft,  übermäGzig 
geputzt.  Er  ist  gleich  strammbulstrig. 
Doch  wenn  du  (Napoleon)  so  strambulr 
strig   best,   Met   luter   Krieg   on   Löge, 


Dann  warst  du  dt,  dat  gl6w  du  fest. 
Am  Ende  solwst  bedröge.  Dat  Danziger 
Vollblod.  Wohl  Zusammenziehung  aus 
stramm  (stremmen)  und  balstürig.  Im 
Goitiug.  strambiUsterigYeTstbTt^  verwirrt, 
schlaftrunken^  unwohl.  Schambach, 
212.  Schemionek^  39.  Sperber, 
31. 
StrammbUxensaat,  /.,  Saat,  aus  der 

stramm  sitzende  Büxen  erwachsen. 
Man  schickt  danach  am  1.  April.  Sam- 
land.    S.  Blauzwirnsaat 

strampein,  sw.,  die  Füfze  lebhaft  tre- 
tend bewegen,  was  im  Auftreten,  aber 
auch  im  Sitzen  und  Liegen  geschehen 
kann;  kurze  Tritte  machen.  Das  Kind 
strampelt  im  Bette  —  auf  dem  Mutter- 

schofz.    Vgl.  ampeln. 

Strandamt,  n.,  früher  Amt  am  Strande, 
auf  welchem  der  am  Strande  gesammelte 
Bernstein  aufbewahrt  wurde.  Hennig, 
266. 

Strandbauer,  m.,  Bauer,  der  am 
Strande  wohnt.  Hennig,  266,  hat 
noch  den  Zusatz:  und  den  Bernstein 
schöpft. 

Strandboot,  n.,  scharf  auf  Kiel  ge- 
bautes Boot  für  den  Fischfang  am 
Strande. 

Strandgam,  n.,  das  an  unserem  See- 
strande gebrauchte,  groize  Wadegam 
(s.  d.).  Beschreibung  s.  Be necke, 
254. 

Strandinspektor,  m.,  Oberaufseher  über 
den  Seestrand  und  den  gesammelten 
Bernstein.    Hennig,  266.     Veraltet. 

Strandlachs,  m.,  s.  Lachs. 

Strandrecht,  n.,  das  Recht,  nach  wel- 
chem die  gestrandeten  Güter  dem  Be- 
sitzer des  Strandes  zufallen.  Hennig, 
266. 

Strandreise,  /.,  Reise  durch  Samland 
nach  und  längs  dem  Ostseestrande  zu 
Fulz  und  zu  Wagen.   Es  Uegt  in  dieser 


378 


Strandreiter  —  strebig. 


Freude  der  Städter^  die  sich  durch  eine 
zweitägige  Strandreise  für  die  Entbehrung 
des  ganzen  Sommers  entschädigen^  ein 
eigener  Reiz,    Passarge,  Balt,  32. 

Strandreiter,  m.,  Aufseher  zu  Pferde, 
welcher  den  Straod  bereist,  um  die 
Uulerschlagung  des  au^efundenen  Bern- 
steins zu  verhindern.  Hennig,  266. 
Veraltet.  Vgl.  Bock,  Nat.  II,  222. 
In  Estland  berittener  Soldat  zur  Ab- 
wehrung des  Schmuggels.  S all m  ann , 
72  b. 

Strandsegen,  m,  der  in  losgerissenen 
Tangtnassen  (s.  Kraut  1)  durch  die 
Wellen  ans  Ufer  getragene  Bernstein 
des  Ostseegrundes. 

stranzen,  sw.^  sich,  sich  dehnen,  auf 
der  Lagerstätte  wälzen  (aus  Faulheit). 
In  Bayern:  sich  ranzen  und  siranzen. 
Schmeller  III,  687. 

strapzieren,  sw.,  strapazieren,  durch 
andauernde  Strapazen  ermüden;  ge- 
wöhnlich abstrapzieren,  abmatten,  ab- 
quälen, müde  machen.  Seine  Pferde 
strapzieren  —  abstrapzieren,  Sper- 
ber, 5. 

Strafzenkifter,  m,j  grofzer  Hund,  der 
viel  auf  derStraize  liegt.  Nach  Müh- 
ling  auch:  Strafzenhure. 

Strafzenräuber ,  m, ,  Haubenlerche. 
Alauda  cristata, 

Straubhuhn,  n.,  s.  Kraushuhn. 

Strauch,  pltd.  StrQk,  Struck,  m,  u.  n., 
Reisig.  Strauch  lesen,  Reisig  sammeln. 
Einem  Strauch  zu  riechen  geben,  ihn 
durchprügeln.     Sprw.  I,  1. 

Strauchbesen,  m,,  Besen  aus  Birken- 
reisem.  Er  sieht  vne  ein  Strauchbesen 
aus,  hat  wirres  Haar,  ist  ungekämmt. 

strauchig,  adj,,  strauchartig.  StraiL- 
chiges  Haar. 

Strauchschlepper,  pltd.  StrQkschlepper, 

m.,     langsamer     Walzer.      Musekante, 


speit  e  mal  den  Strukschlepperi  Dafzs 
im  Wald  dunkel  ist!    Samland. 

Strauchteufel,  m.,  Teufel,  der  im  Ge- 
sträuch auf  Beute  lauert  (wie  Strauek- 
dieb),  überhaupt  wilder  und  in  den 
Kleidern  abgerissener  Mensch.  Er  sidU 
aus  wie  ein  Strauchteufel. 

Strauchzaun,  m.,  Zaun  aus  dem  Ab- 
fall von  Ästen  und  Zweigen  gefallier 
Bäume  hergestellt;  doch  verwendet  man 
zu  dem  Flechtwerke  oft  auch  junges 
Gezweig  von  Fichten,  Tannen,  Birken, 
Espen  und  Erlen. 

Straufzklang,  pltd.  StrOlzkiang,  m.,  klin- 
gender StrauCz,  ein  mit  bunten  Bändern, 
Papierstreifen,  Enasterblank  (Rausch- 
gold) etc.  beputzter  kleiner  Tannenbaum. 
Die  Tannenhändlerinnen  führten  ihn, 
Gaben  sammelnd,  in  der  Fastenzeit 
und  begleiteten  damit,  ihn  rhythmisch 
bewegend,  ihren  Gesang:  h&p  an  de 
hinge,  de  Strvfzklan^  klinge  etc,  Sam- 
land.    Vgl.  Volksr.  225,  796. 

Streben,  Str&wen,  n.,  eine  besondere 
verbotene  Art  der  Sommerfischerei,  bei 
welcher  das  Garn  von  zwei  vor  dem 
Winde  segelnden  Böten  an  den  Enden 
desselben  mit  gröl'ztmöglicher  Geschwin- 
digkeit durch  das  Wasser  gezogen  wird. 
Der  Fang  ist  zwar  auf  diese  Weise 
beträchtlicher,  als  geschähe  er  vor  fest- 
liegenden Böten,  die  mitgefangenen 
kleinen  Fische  aber  finden  keine  Ge- 
legenheit zu  entweichen  und  werden 
durch  den  starken  Druck  getötet.  Bock, 
Nat  IV,  720.  742.     Benecke,  410. 

strebig,  strSwig,  adj\,  kräftig,    straff, 

ziemlich  grofz,  rüstig,  strebsam,  aufstre- 
bend, widerstandsfähig.  Ein  strebiger 
Hecht  Ein  strebiger  Junge,  ein  kräf- 
tiger, starker  Junge.  Ein  str ewiger 
Mensch,  ein  strebsamer  Mensch,  der 
eifrig  um  sein  Fortkommen  bemuht  ist. 


strebitzen  —  Streimel. 


379 


Bei  Jeroschin:  strSwen^  sw,^  in  dem 
Sinne  von  kraftig  und  mutig  vorwärts- 
dringen: 81  strewin  vor  sich  sam  dt  le- 
win.  Pfeiffer,  226.  Strebiges  Haar^ 
hartes  Haar,  das  sich  nicht  leicht  krau- 
seki  läf'zt.  Hennig,  266,  schreibt 
strebicht.  Von  streben,  womit  strafe 
sträuben  etc.  verwandt. 

strebitzen^  sw.^  stehlen,  s.  sttbHzen. 

Streck,  m.,  auch  Strecker,  m.,  zur 
Bezeichnung  von  Earpfenbrut.  S.  Be- 
necke, 494. 

Strecke,  /.  1.  Werkzeug  zum  Strek- 
ken;  in  früherer  Zeit  die  Folter.  2. 
gröl'zerer,  sich  in  die  Länge  erstrecken- 
der Raum.  Im  Löbenichtschen  Hospital 
zu  Königsberg  beii'zt  das  längste  und 
gröfzte  Gebäude,  in  dem  sich  nur  zwei 
grolze  Säle  für  die  Kranken  befinden, 
die  Strecke:  die  Männer-  und  die 
fratienstrecke.  Von  strecken,  H  e  n  n  i  g , 
266. 

Streckteich,  m.,  Teich,  iu  den  junge 
Karpfen  eingesetzt  werden,  um  sich 
zu  strecken,  d.  h.  heranzuwachsen.  S. 
Benecke,  493.     Vgl.  Streck. 

Streckung,  Streckungswake,  /.  s.  Winter- 
fischerei. 

Stregfische,  plur.  Item  man  fürt  aus 
Preussen  mancherlei  fische  yn  fessir  ge- 
saltzeny  getreuget  von  oele,  von  stüre, 
von  laxin,  von  heringen^  von  hechtin, 
von  rontfischen  und  von  bressem  und 
diese  nennett  man  stregfüsse  von  der 
SteUcy  do  man  sie  erst  hott  in  der  luft 
getreuget.  Simon  Grünau,  Tract.  I, 
cap.  IV.    Perlbach,  47. 

Streichbrett,  n.,  Teil  der  Zoch  (s.  d.). 

Streichbrut, /.,  Karpfenbrut.  Benecke, 
494. 

streicheln,  sw.  Einen  streicheln,  ihn 
prügeln. 

streichen,  strichen,  st,  laichen,  im 
Laichen  begriffen  sein. 


Streichteich,  m.,  Laichteich,  Teich  zur 
Vermehrung  der  Karpfen. 

Streichtuch,  n.,  kurz  Tuch,  Netztuch, 
längs  dem  die  Fische  hinstreichen,  das 
Verbindungsnetz  zwischen  den  Säcken; 
es  heifzt  auch  Leidings  und  Uldings.  An 
der  Öffnung  der  Säcke  befinden  sich 
zwei  wenigstens  drei  Klafter  grolze 
AufhaltflUgel.  Fisch.-Ordg.  f.  d.  fr.  Haff 
§  28.    Vgl.  Wenter. 

streifen,  pitd.  strfipen,  sw.  1.  abziehen, 
abstofzen,  schinden:  die  Haut,  den  Bast 
etc.,  dann  gewöhnlich  abstreifen;  auf- 
schlagen, zurückschlagen:  den  Ärmel, 
aufstreifen.  2.  überziehen.  Einen  Rock 
—  eine  Bluse  überstreifen.  Eine  weite 
Leinwandsjacke,  die  bei  der  £mte 
über  die  leichte  Kleidung  gezogen  wird, 
heifzt  nach  Müh ling  StrSprocl(,  Streif- 
rock. 3.  hart  behandeln,  als  wolle  man 
die  Haut  abziehen.  . .  .june  kattestree- 
perge  Keerls.  Dorr,  1.  Wiew.,  8. 
Manche  Herrschaft  streift  das  Gesinde  — 
mancher  Fuhrmann  die  Pferde,  er  über- 
lastet sie,  verlangt  von  ihnen  mehr, 
als  sie  nach  ihren  Kräften  leisten  kön- 
nen. Sind  schwere  Abgaben  zu  zahlen, 
so  hört  man  die  Klage:  Da  word  man 
je  glik  gestrept.  Hennig,  267,  hat 
noch  als  Frequent.  von  strepen\  strippen, 
oft  durch  die  Finger  ziehen. 

Streifer,  pltd.  Strfiper,  m.,  einer,  der 
streift,  Schinder,  Tyrann.  Er  ist  ein 
Pferdestreifer  —  ein  Menschenstreifer, 
er  behandelt  Pferde  und  Menschen 
hart.     Von  streifen.    Hennig,  267. 

Streimel,  Strfmel,  pltd.  StrSmel,  m.  u. 

n.y  Dem.  Streimelchen,  Stremelke.  1. 
langer,  schmaler  Streifen;  kleines  Stück 
als  Abschnitt,  Ende.  Ein  Streimel 
Papier  —  Tuch  —  Leder  —  Land. 
Ein  Streimel  Wurst.  Vom  Mond  ist 
nur  ein  Streimel  zu  sehen.  Ein  Streimel 
Aaly  —  Lachs  (s.  d.  folg.).    Hennig, 


380 


Streimelaal  —  Stremnaiz. 


266.  He  sack  doch  mot  der  Tiet  so 
enen  daher  kahmen^  de  hingen  op  dem 
Rigk  en  schwartet  Streimel  drooch  (eiDen 
Advokaten).     Carm.   nupt    III,    50  b. 

2.  5  Gebinde  Elunkergam.     Natangen. 

3.  ein  Stuck  Leinwand. 
Streimelaaly   m.y    der  in  Streimel  ge- 
schnittene nnd  dann  geräucherte  Aal. 

Streimeliachs,  m.  Die  Lachse  von 
mittlerer  Gröfze  werden  hier  im  Lande 
aufgeschnitten^  ausgenommen^  in  sehmale 
Stucke  (Streimel)  von  Kopf  bis  zwm 
Schwanz  in  die  Lange  zertheilet^  besaU 
zen  und  einige  Tage  geräuchert,  welche 
Stucke  Striemellachs  hei/zen  und  unter 
diesem  Namen  in  Königsberg  auf  den 
Straf  zen  häufig  zum  Kauf  angetragen 
werden.  Bock,  Nat.  IV,  591.  Bock, 
67.    Hennig,  266. 

sireiplich,  adj.,  sterblich.  Veraltet. 
Mühling. 

Streibei,  /.,  s.  Stiifzei. 

Streitvogely  m.,  s.  Brausehahn. 

Streiven,  n.,  s.  Steiem  u.  Streben. 

StrSk,  m,  u.  n.,  Strich,  Stück  unbe- 
arbeitetes, rohes  Ackerland.  Vgl. 
Sträk  1. 

StrSmchen,  n..  Striemchen,  Streimel- 
chen.  Streifchen;  ein  wenig,  etwas. 
Haben  etwa  die  grofzen  offenen  Augen 
da  durch  ein  Strehmchen  Gold  sich  blenden 
lassen?    Soph.  R.  III,  221. 

stremmen,  sw.  1.  drängen,  mit  Kraft 
entgegenstemmen.  In  Königsberg: 
BöhnkCy  stremm  dt!  InDanzig:  Karlke 
—  Anton,  stremm  dt!  als  anspornender 
Zuruf.  S.  Sprw.  1,418.  2,  sich  stremmen, 
sich  stramm  halten,  stemmen,  mit  An- 
strengung nach  etwas  streben.  Stremm 
dich,  nimm  dich  zusammen!  Sperlj^er, 
31.     3.  coire, 

Strempei,  m.,  Dem.  Strempelchen, 
Stumpf^  kurzes  abgebrochenes,  abge- 
schnittenes oder  übrig  gebliebenesEnde; 


holziger,  oder  verholzter,  mit  der  Wurzel 
zusammenhängender  Stengelteil ,  vei^ 
trockneter  Wurzelrest.  Auch  Stnilll|iel 
und  Stummel.  Ein  Strempel — Stummel 
Licht  —  Zahn  etc.  Scherzweise  aoch 
von  untersetzten  alten  Personen:  aber 
Strempel, 

strempein,  sw,y  Arme  und  Beine  leb- 
haft und  unregelmäfzig  bewegen,  wie 
ampeln;  davon:  thätig  sein,  sich  gegen 
die  eindringenden  Widerwärtigkeiten 
stremmen,  vorwärts  zu  kommen  streben. 
Du  armer  Bür  blowst  Biir,  du  magst 
dt  noch  so  strampele  Möt  Kraft  on  möt 
Bravour,   Lhrztg.,  4,  354.    Vgl.  streHh 

men. 

streng,  adj.,  vom  Boden,  Idunig. 
Der  Boden  ist  sehr  streng,  hat  harten 
Lehm. 

Strenz,  f.,  hageres,  langes  Franen- 
zimmer.  Wenn  es  sich  „schlecht  und 
schmutzig  trägt'',  wie  Hennig,  266, 
anführt,  auch  Strunz,  Strunze.  AUe  ge- 
sellen, alte  Jungfern,  alte  bock,  alte  zigen, 
alte  pferd  und  alte  strenzen  sind  in 
gleichem  wert  Stein,  Peregrinus  XI V, 
9.  W.  Mtsbl.  VI,  184.  Man  nennt 
auch  hagere  männliche  Personen,  na- 
mentlich lange,  hagere  Jungen  Strenze. 
In  Bayern  Strenz  stolze,  faule  Dirne, 
Strenzen  faule  Weibsperson.  Seh  mel- 
ier III,  688.  In  Hessen  Stenz,  m,, 
grolzer,  unbehilflicher,  plumper  Mensch. 
Vilmar,  399.     Vgl.  Bakbtet 

Strenzel,  m.,  Pflzn.,  s.  G&rsch. 

strfipeHy  sw.,  Strfiper,  m.y  Streprock,  m., 
s.  streifen. 

Streumafz,  n.,  die  Vergütung,  welche 
dem  SchiflFer  bei  Getreideladungen  be- 
willigt wird;  sie  beträgt  pro  Last  ge- 
wöhnlich ^  SchefiFel,  und  wenn  die 
Reise  ausnahmsweise  lange  gedauert 
oder  die  Ungunst  der  Witterung  eine 
besonders    sorgfaltige  Bearbeitung  des 


Streapalver  —  Strilzel. 


381 


Getreides  erheischt  hat,  sogar  einen 
ganzen  Scheffel  pro  Last.  Altpr.  Mtschr. 
IV,  346. 

Streupulver,  n.,  s.  Biitzpulver. 

Streusel,  m,  a.  n.  1.  was  gestreut, 
aufgestreut  wird.  Gestofzener  Zucker, 
Kanel  etc.  sind  Streusel.  Mühling. 
2.  nach  Gordack  im  Oberlande  Rute, 
mit  der  Kinder  gestraft  werden. 

Streuven,  Streven,  n,  s.  Steiern  und 
Streben. 

Strewe,  /.,  seitwärts  gestellte  Stütze, 
die  entgegenstrebende.  Die  Strewen^ 
lit.  szarp  kulai^  des  Lachswehrs.  Be- 
necke, 381. 

str&wig,  adj,^  s.  strebig. 

Striwzargke,  n.  Aus  strewen  streben 
und  Zargen  zärgen,  necken,  zusammen- 
gesetzt. Strewzargke  reifzen^  den  Gegner 
an  den  in  einander  gehakten  Fingern 
(einhändig  oder  zweihändig)  ziehen; 
als  Kraftprobe. 

strlbitzen,  sw.^  stehlen,  s.  stibitzen. 

Strich,  m.  von  streichen.  1.  Borte, 
Besatz.  Der  Strich  an  Hauben  und 
Frauenkleidem.  2.  die  Laichzeit,  die 
Zeit  des  Streichens  der  Fische,  auch 
Stilch.  BHne  Tonne  "  der  besten  Fische 
soll  theurer  nicht  denn  5  Mark,  und 
da  es  gutei*  Fang  wäre^  daruntei\  und 
im  Strieche  halb  so  viel,  Prfz.  Fisch- 
ordnung, 16.  Hennig,  267.  3.  Name 
für  junge,  höchstens  einjährige  Karpfen; 
auchStrecku.Bnit  Benecke, 494.  4.1n 
Redensarten:  Au f  den  Strich  gehen^  am 
Abende  Mädchen  nachstellen.  Noch 
auf  dem  Strich  gehen  können^  auf  der 
Dielenritze,  zum  Zeichen,  dafz  man  nicht 
betrunken  ist.  Das  Gehen  geschieht, 
indem  man  dicht  Ful'z  vor  Fufz  setzt. 
Mit  einem  Strich  halten^  Gleiches  leisten, 
z.  B.  im  Marschieren,  Trinken.  Einen 
auf  dem  Strich  haben^  ihn  scharf  beob- 
achten, ihn  hänseln,  scheren.    5.  Werk- 


zeug zum  Streichen,  Brettchen  mit 
Teer  und  Sand  bestrichen,  zum  Schär- 
fen der  Sensen,  auch  Streich,  Strilk  ge- 
nannt.   Mühling.    Schemionek,  39. 

strichen,  sw.y  s.  streichen. 

Strick,  n.,  durchtriebener,  munterer 
Mensch.  Ein  lustiges  Strick.  Vgl.  Gal- 
genstrick.  Er  ist  besoffen  wie  ein  Strick. 

Strickdreller,  m.,  Strickdreher,  Seiler. 
Ermland.     Mühling. 

Striffel,  m.  u.  n.,  s.  StrVffel. 

Strlme,  /.,  s.  Strip. 

StrTmeliachs,  m.,  s.  Streimellachs. 

Strink,  m.y  Strunk,  kurzer  dicker 
Stengel.  Davon  strinkig,  adj.^  strunkig, 
holzig,  zähe  Ruben^  Spargel  sind  oft 
strinkig^  strunkig. 

Strip,  77».,  Streif,  namentlich  ein  sol- 
cher, der  durch  Schläge  mit  ejner  Rute, 
Peitsche  etc.  auf  dem  Körper  entstanden. 
Auch  Strime,  /.  Op  jedem  Hei  e  Stttp^ 
auf  jeden  Schlag  eine  Strieme.  Davon 
stripig,  gestreift.  Stripige  Leinwand. 
Vgl.  steifen. 

Strippe,  /.,  Schleife  zum  Anziehen 
an  Stiefeln.     Hennig,  267. 

strippen,  sw.y  s.  streifen. 

Strips,  9n.,  kurzer  streichender  Schlag, 
Rutenhieb.  Es  gab  Stripse^  Hiebe  auf 
den  Hintern.     Davon  stripsen,  sw. 

Strifzel,  Streifzel,  /.,  Strifzeistock, 
Drifzelstock,  DrSIzelstock,  m.^  aus  Ruten 
gedrehter  oder  geflochtener  Peitschen- 
stock. Gewöhnlich  wird  eine  junge, 
gerade  gewachsene  Eiche  bis  auf  den 
als  Handgriff  bestimmten  Teil  der  Länge 
nach  in  dünne  Ruten  geschnitten,  und 
diese  werden  alsdann  zusammengedreht. 
Besteht  die  Strtfzel  aus  12  Ruten,  so 
heii'zt    sie    ZwifK-,    pltd.    Twelfdrllzel. 

Strtfzel  ist  wohl  verwandt  mit  Straufz^ 
Dem.  Sträufzely  pltd.  Strü/zel;  Dr-fzel 
durfte  zur  Wurzel  drehen  haben.  Vgl. 
Schmeller  UI,  691.     Vgl.  Stritzel. 


382 


Stritze  —  strallen. 


Stritze,  /.,  8.  SterL 

Stritzel,  m.,  längliches,  brotförmiges 
Gebäck  aas  feinem  Weizenmehl,  in 
Schlesien  Strützel^  in  der  Niederlaas. 
Striezel^  in  Bayern  StrtzeL,  Strüzel^  mhd. 
strutzeL  Anton,  4,  14.  Schmeller 
III,  691.  Sallmann,  48.  S.  Wei- 
g and  II,  838.  Kanftbtritzely  Stritzel  mit 
Kanel  bestreut  Butterstritzel,  Stritzel 
aas  Butterteig.  In  der  provinziellen 
Geschichte  berühmt  sind  die  8  grolzen 
Königsberger  Stritzel,  deren  jeder 
4|  Ellen  lang  war  and  welche,  neben 
6  randen  Kringeln  von  entsprechender 
Gröfze,  von  den  Bäckern  im  Jahre  1601 
in  feierlichem  Aufzöge  durch  die  Stra- 
fzen  der  Stadt  getragen  wurden.  Das 
Quantum  des  Mehles,  das  zu  diesen 
Gebäckei}  erforderlich  war,  betrug 
12  Scheffel.  Erl.  PrJz.  I,  29.  Hen- 
nig, 267.     Vgl  Strtfzel 

stritzlig,  adj.y  steif  und  teilnahmlos. 
Schemionek,  39. 

strtzen,  sw,^  scherzhafter  Aasdruck 
für  stehlen.  In  der  Verstärkung  weg- 
strlzen.    Sperber,  31. 

Stroe,  auch  Mense,  /.,  Behältnisse  für 
rohes  Wachs.  14.  u.  15.  Jahrhundert 
Danzig.  Jedes  dieser  Gefafze  enthielt 
mehrere  Fastagen  oder  Bodeme^  in 
welchen  das  Wachs  in  grofzen  Stücken 
lag.     Hirsch,  255. 

Strotan,  plur.  Feh,  Strafen,  Klip- 
pen im  Meere.  Stein,  Peregrinus, 
3.  Teil,  3. 

Stritttel,  m.  u.  n.,  Strich,  Landstrich^ 
Gegend.  Et  wör  ön  dem  Ströfel,  es 
war  in  der  (bezeichneten)  Gegend.  Bei 
MühlingStriffel,  Streifen,  länglich  ge- 
formtes Stück,  und  StrUffel,  dasselbe 
und  auch  Strafze.  Letzteres  im  Erm- 
lande  üblich. 

Strohkobbely  /.,  groCzes,  häfzliches 
Frauenzimmer.     Samland. 


Strohwisclireciity  n.  Eis  vertrat  in  der 
alten  Danziger  GerichtsverfiEissiuig  die 
Subhastation.  Es  wurde  nämlich,  weon 
der  Pfennigzinsscbuldner  (s.  Pfenmiff- 
zins)  nicht  zahlen  konnte,  Tom  Gericht 
auf  Aussteckong  des  Strohwisches  er- 
kannt, und  wenn  der  Strohwisch  Tor 
dem  Hause  eine  gewisse  Zeit  aasge- 
steckt hatte  und  dennoch  nicht  bezahlt 
war,  der  Gläubiger  ohne  weiteres  in 
den  Besitz  des  Hauses  gesetzt.  W. 
Seidel,  34. 

Strem,  m.,  Name  des  Tiefs  bei  Pillao. 

StrVmling,  m.  1.  der  Hering,  Clupea 
harengus  L.,  auch  Ostseehering;  altpr. 
sylecke,  lit.  kur.  silke,  kass.  ileds^  iUc, 
sledzik,  estn.  silk.  Benecke,  169. 
Sallmann,  130a.  Geräuchert  heifict 
er  BSckiing.  2.  eine  Uckeleiart,  Alburmu 
bipunctatusL.  Heilsberg.  Benecke, 128. 
3.  Bildlich :  langer,  hagerer  Mensch.  Er 
ist  ein  rechter  Str&nüing.  Hennig, 
267. 

strompeln,  stnimpein,  str.^  strauchehi; 
durch  Straucheln  fallen,  auch  hinfallen 
überhaupt.  In  letzterer  Bedeutung  ge- 
wöhnlich hinstrompeln.  Der  strompeüe 
gut  hin.  Holl.  strompelen,  Bock,  67. 
Hennig,  267. 

strompig,    stnimpig,    stnimplig,    odf;., 

struppig.  Ein  strompiger,  —  strump- 
liger  Besen,  ein  fast  aufgebrauchter 
Strauchbesen. 

Stromsack,  m.,  das  im  Strome,  Flusse, 
benutzte  Sacknetz;  auch  Flufzsack, 
Strom-  u.  Flufzwenter.    S.  Haffsack. 

StrKven,  n.,  s.  Steiem  u.  Streben. 

Struckgaleer,  /.,  ein  groi'zer  Kahn. 
Elbing. 

struf,  adj.y  s.  struw. 

StrUffel,  m.  u.  n.,  s.  Strttffei. 

StrQje,  /.,  s.  StrQse. 

strullen,  sw.  1.  von  Flüssigkeiten, 
die  mit  Geräusch  und  im  Strahl  laufen. 


Strutnpel  —  Stuck. 


383 


Die  Müch  struUt  aus  dem  Euter  der 
Kuh,  Strully  strull^  strulU  strull  den 
Stippel  vull!  Alter  Reim.  2.  pissen; 
namentlich  in  der  Kindersprache.  Strahl 
und  Strudel  klingen  in  dem  Worte 
durch. 

Strumpel,  m.,  s.  Strempel. 

strumpelig,  adj.^  uneben,  rauh,  s.  v.  a. 
rumpelig.    Muhiing.     S.  strompig. 

strumpeln,  sw.,  s.  strompeln. 

strumpig,  strumplig,  adj.  s.  strompig. 

Strunz,  Strunze,  /.,  s.  Strenz. 

Struschke,  n.,  Bach^  Fliel'z,  kleines 
Flüizchen;  von  dem  gleichbed.  poln. 
struga,     Treichel. 

StrOse,  StrOje,  /.,  flaches,  plattes  Flufz- 
fahrzeug  für  den  Transport  von  Ge- 
treide, Holz,  Sand,  Steinen  etc.,  be- 
sonders in  Rul'zland  in  Gebrauch.  Die 
Striism  laden  60  — lOOLast  ä  60Schfl. 
bei  3—5  Fulz  Tiefe.  Ihre  Länge  be- 
trägt 170  Fulz,  die  Breite  oben  25, 
unten  24  Fufz,  die  Höhe  5 — 6  Fufz.  In 
Ostpreufzen  nennt  man  derartige  Fahr- 
zeuge Witinnen  (s.  d.)  Russ.  stt^uffy 
poln.  strug^  Struck^  lett.  struhja,  Ns s Im. 
Forsch.  3.  Bock,  67.  Hennig,  268. 
Bock,  Nat.  I,  585.  Hirsch,  163. 
FurLiv-  und  Estland  beiHupel,  231. 

Stnitz,  m.^  Blumenstrauf'z.  Trei- 
cheL 

strQw,  siruf,  adj.y  spröde,  rauh,  hart, 
struppig.  Struwe  Haar^  —  Haut 
Hennig,  268. 

StrUzern,  Pflzn.,  gemeine  Lonitzere, 
Lonicera  ayhsteum  L.  Auch  Zäunling 
und  Zaunkirsche.    Hagen,  240. 

Stubben,  -köpf,  m.,  s.  Stobben  etc. 

StubbOrsch,  pltd.,  Pflzn.  für  Stub(beny 
iarscÄ,  Wasserdost,  ÄMfensL.  Weichsel- 
delta. Das  Wort  erscheint  als  Zu- 
sammensetzung von  Stubben  u.  Barsch: 
das  Volk  hat  die  Widerhaken  des 
Stammes  der  Pflanze  zu  den  Stacheln 


der  Flofzen  des  Barsches  in  Beziehung 
gesetzt.  Treichel,  Volksth.  HI. 
Hagen,  848:  Stubifrsch,  Bidens  tripar- 
tita  L.  Nach  einer  Mitteilung  aus 
Dönh.  auch  Stukb&rsch.    Mühling  hat 

Stuckborsch. 

Stubchen,  pltd.  Stawke  (a^a),  n.,  Dem. 
von  Stube,  Spiel:  Stubchen  zu  ver^ 
mieten*!  —  Das  Stabchen  hinter  dem 
Ofen^  der  Raum  hinter  dem  Ofen,  zwi- 
schen Ofen  und  Wand,  als  Wohnung 
für  den  Altsitzer  oder  Ausgedinger  (s.  d.) 
Vgl.  Kachel  3. 

Stubchenvater,  m.,  s.  Altsitzer. 

Stube,  grofze^  /.,  bestes  Zimmer, 
Prunkzimmer.  Hier  §s  siene  grote  Staw 
etc.    Dorr,  1.  Wiew.,  107. 

Stubengebäude,  n.,  Hofgebäude,  Wohn- 
haus, Herrenhaus.  Es  Stöwegebaid  hot 
a  man  ver  e  p6a  JSa  gebaut.  Ermländ. 
Freisch.,  Manuskript. 

Stubenknochen,  m. ,  Zimmergenosse. 
Schulausdruck. 

Stubenmädchen,  n.,  Dienerin,  welche 
die  Zimmer  des  Hauses  —  im  Gegen- 
satz zur  Köchin  —  unter  sich  hat.    Vgl. 

Kleinmädchen. 

Stubenwaschtag,  m.,  Tag,  an  dem  die 
Stuben  gewaschen,  gescheuert  werden. 
Es  sei  morgen  Stubenwaschtag.  Soph. 
R.  in,  248. 

StUbernase,  /.,  s.  Stiebernase. 

Staibttrsch,  Pflzn.,  s.  Stubbifrsch. 

Stuchllnski,  m.,  Fischn.,  s.  Stachlinski. 

StUck,  w.,  plur.  Stücker^  Dem.  Stücker- 
chen.  Ein  StOcker  fünf;  auch  von 
Menschen.  Vgl.  Jahr,  Das  Glas  ist 
in  Granatstücker  zerbrochen , ...  es  (das 
Schiff)  müste  denn  in  Stück  stücken  zer- 
brochen werden,  Linem.,  H  3b.  zu 
Stück  gehn^  in  Stucke  gehen,  zerbrechen, 
zerreü'zen  (s.  U  hl  and,  das  Glück  von 
EdenhaU,  letzte  Strophe:  Die  Steinwand^ 
spricht  er,   springt  zu  Stück);   ebenso 


384 


StuckboTScb  —  stfikeo. 


zu  Stück  Tnachen.  Davon:  zustUcken, 
adj.  Ein  zustückenes  Kleid^  ein  zerris- 
senes Kleid.    Sperber,  31. 

StUckborsch,  Pflzn.,  s.  StubbKrsch. 

Stuckdorsch,  pitd.  StOckdersch,  m., 
nach  Bock,  Nat.  IV,  547,  der  besal- 
zene  and  aasgeDommene  Dorsch;  doch 
auch  blofz  der  ausgenommene.  Die 
Königsbei^cr  Handelsfrauen  rufen  ihn 
aus:  Frm^  Stockdersch! 

staicken,  mo.y  s.  stQkeru 
staickem,  sw.,  s.  stQkem. 
Stuckerwagen,  m.,  Wagen  ohoeFedenj, 
der   stuckert.     Gedanism.      In    Ostpr. 

Kiapperwageru 
StUcknenei,  StUknessel,  Stinknessel,  /., 

Wald-Ziest,  Stachys  sylvatica  L,  Ha- 
gen, 622.    Pritzel,  388. 

Stucks,  m,y  Stofz. 

StUcks-chen,  pItd.  StVckske,  n.,  Dem. 

von  Stuck^  Lied,  Arie.  Das  ist  ein 
hübsches  Stückschen, 

stUcksein,  sw.,  zerstückeln;  daher  auch 

zerstücksein. 

stucksen,  sw.^  stofzend  niederdrucken, 
zornig  ducken,  fortstofzen.  Saalfeld. 
Sperber,  36,  schreibt  stuksen. 

Student,  m.,  ein  abgelöschter  Feuer- 
brand, der  von  den  Brauern  Königs- 
bergs ausgesetzt  wurde,  wenn  sie  noch 
Tafelbier  zu  verkaufen  hatten.  Hen- 
nig, 268.     Veraltet. 

Studentenblume,/.,  spitzblättrigeMalve, 
Alalva  alcea  L.    Hagen,  725. 

Studentenfutter,  n ,  -haber,  m.,  Kosinen 
und  Mandeln.     Hennig,  268. 

Studentennelke,  /.,  Tagetes  patula  L. 
In  der  Saalfelder  Gegend  auch  Schranitz. 

Studentenrose,  /.,  Tagetes  erecta  L, 
Weichseldelta.   Treichel,  Volksth.  III. 

stuf  (u  kurz),  adj,^  stumpf,  abgestutzt. 
Im  Nds.  stauf.  Eine  stufe  Nase^  eine 
kleine,  stumpfe  Nase.  Stufnase,  eine 
Stutznase,     aber    auch    Mensch     mit 


stumpfer  Nase.  Hennig,  168:  Sts»- 
nase. 

Stufe,  /.,  Dem.  Stufchen^  Überrest 
von  einem  Stücke  Tuch,  ZeafZf,  Lein- 
wand. Hennig,  269:  Stave.  Üblicher: 
Stufende  (u  gewöhnlich  kurz),  die  Stufe, 
der  Rest  von  einem  Stücke  Zeug,  auch 
Rest  eines  der  Länge  nach  mefzbaren 
Gegenstandes  überhaupt  Soht  da!  en 
Stuwengd  Land  (Lunte).  Cami.  nupt 
I,  282,  3.    Hennig,  269.  59. 

Stuff,  m.,  eine  Art  Wollenzeag,  das 
früher  sehr  beliebt  war.  StllffUeid,  m., 
Kleid  aus  Stuf. 

Stufnase,  /.,  s.  stuf. 

Stuhlschreiber,  m.y  eine  Art  halbamt- 
licher Notar,  der  auf  dem  Artashofe 
über  die  gemachten  6eschäfi;e  schrift- 
liche Vertrage,  Wechsel  und  Urkunden 
ausfertigte  und  von  denselben  Abschrif- 
ten in  seinem  Amtsbuche  niederlegte, 
welche  im  Falle  eines  Prozesses  vor 
Gericht  Glauben  fanden.  15.  Jahrh. 
Danzig.     Hirsch,  231. 

Stuhltlügerin,  /.,  Begleiterin  der  Heb- 
amme, die  ihr  „den  Stuhl  nachträgt, 
der  bei  Entbindungen  gebraucht  wird*. 
Hennig,  268.  Jetzt  begleitet  die 
Stuhlträgerin  mit  dem  Stuhle  (Fufz- 
bank)  die  Hebamme  in  die  Kirche  zur 
Taufe  des  Kindes. 

Stukbgrsch,  Pflzn.,  s.  Stubbttrsch. 

stQken,  übel  vhchd.  stauken,  auch 
stucken,  sw,^  stauchen,  wiederholt  ab- 
wärts stolzen,  drücken,  stampfen.  Einen 
mit  der  Nase  auf  den  Tisch  stuken. 
Karte  fein  stuken^  zu  Brei  drücken.  Die 
Wäsche  stukeny  sie  durch  Stauchen  rei- 
nigen, sie  ausstQken.  einstOken,  unreine 
Wäsche  einweichen  in  Lauge.  Den 
Mägden  kommet  zu  das  Stuhcken^  Schrob- 
ben^  Bohnen,  Carm.  nupt  ü,  266c. 
Die  Hand  voll  Wäsche,  welche  ge- 
stuckt wird,  heü'zt  StQksei,  n.     Bock, 


Stükerfalz  —  sturen. 


385 


67.  Hennig,  268.  Sperber,  36. 
Schemionek,  39. 

SfOkerfafz,  n.,  hölzernes  Gefafz  mit 
Wasser  und  einem  Stück  Sandstein 
oder  Glimmerschiefer  zum  Schärfen  der 
Sensen,  das  in  manchen  Gegenden  bei 
der  Mahd  an  einem  um  die  Hüften 
gehenden  Riemen  über  dem  Hintern 
getragen  wird.     Von  atükem. 

stflkerig,  stuckerig,  adj\  holperig,  das 
was  stukert.  Der  stukerige  Weg  —  aber 
auch  der  stukerige  Wagen^  Wagen  ohne 
Federn.    Vgl.  Sfuckerwagen. 

stQkem,  stuckern,  abgeblafzt  vhchd. 
staukem,  auch  stuckern,  Frequent.  von 
stuken^  durch  Stofz  gestakt,  erschüttert, 
gerüttelt  werden.  Manches  Pferd  stu- 
kert. So  geschah  es  beim  Stukem  des 
Wagens.  Soph.  R.  VI,  525.  Die  Me- 
dizin stukem^  sie  durchschütteln.  In 
der  Zusammensetzung:  dUrchstOkem. 
Schemionek,  39:  stuckern  stofzen  im 
Fahren;  auch  wenn  es  mit  etwas  ha- 
pert. Bock,  67.  Hennig,  268.  Sper- 
ber, 36. 

StUknessel,  /.,  s.  StUcknessel. 

StOksel,  n.,  s.  stOken. 

stuksen,  sw.^  s.  stucksen. 

Stulpe,  /.  1.  gewölbter  Deckel  zum 
Zudecken  von  Gefafzen,  s.  v.  a.  Stürze 
(s.  d.).  Fine  Schüssel  mit  derartigem 
Deckel  heifzt  StUlp-,  StulpschUssel.  2. 
Stulpe:  Manschette;  steifer  oberer  Teil 
des  Stiefelschaftes. 

stülpen,  sw.  1.  eine  Stülpe  auf  etwas 
legen  oder  decken:  ZUStUlpen,  aufstUlpen. 
Die  Terrine  zustülpen  ^  einen  Deckel 
darauf  legen.  Den  Hut  aufstülpen^  ihn 
lebhaft  und  mit  Druck  aufsetzen.  2. 
umkehren,  umwenden  das  Unterste  zu 
oberst:  umstUlpen.  Den  Topf  umstülpen^ 
wobei  der  Inhalt  verschüttet  wird.  Die 
Kaffeemaschine  umstülpen^  damit  das 
siedende  Wasser  über  den  Kaffee  laufe; 

FriBehbier,  WÖrtorbaeh  II. 


daher  StUIpmaschfne.  In  diesem  Sinne 
auch  umstürzen,  umfallen,  mit  einem 
Fuhrwerk  umwerfen.  Mit  einem  Fuder 
Kumst  umstülpen.  Vgl.  Sprw.  I,  2147. 
3.  zurückschlagen:  aufetUlpen,  abstülpen. 
Die  Manschette^  den  Kragen  auf-  oder 
abstülpen.    Hennig,  268. 

StUm,  m.,  s.  StTm. 

Stump,  m..  Dem.  Stumpchen,  Stumpf, 
unteres  Beststück.  Zahnstump,  Stump- 
chen  lAcht.  Bei  Jeroschin  strumpf 
=  truncus.  Pfeiffer,  227.  Eogl.  u. 
schwed.  stump^  holl.  stomp,  dän.  stumpe. 
Hennig,  269. 

stump,  stumpig,  adj.j  stumpf,  abge- 
nutzt. Ein  stumpes  Messer.  Ein  stwnv- 
piger  Besen.    Hennig,  269:  stumpicht. 

stUmpern,  sw.y  sich,  sich  elend  durchs 
Leben  schlagen.  Man  stümpert  sich  so 
durch,  ist  ein  elender  Stümper. 

Stumpfschnepfe,/.,  s.  Fledermaus, 
stumpig,  adj.y  s.  stump. 

stumizen,  sw,^  schupsen,  stofzen. 

stunden,  sw.^  Glockengeläute  von  der 
Dauer  einer  Stande;  auch  substantivisch 
das  Stunden.  Das  erste  und  eigent- 
liche Stunden  geschieht  unmittelbar 
nach  dem  Verscheiden,  das  andere  und 
letzte  bei  dem  Begräbnis.  Der  Arme 
kann  dem  Verstorbenen  nicht  stunden 
lassen.  Er  Id/zt  sich  nicht  stunden^  es 
wird  ihm  nicht  nachgeläutet.  Hen- 
nig, 269. 

StUpe,  /.,  stUpen,  sw.,  s.  Stfp  etc. 

stUppen,  sw.,  s.  stippen. 

Stuppzu,  n.,  Pflzn.,  s.  Stopfzu. 

stOr,  adj.^  s.  sturr. 

Stur,  m.,  Pflzn.,  gemeiner  Amarant, 
Amarantus  blitum  L.  Ostpr.  Pritzel, 
23. 

Sturak,  m.,  Branntwein,  Schnaps. 
Sprw.  I,  1532. 

stUren,  stTren,  sw.  1.  steuern,  lenken. 
2.  wehren,  beschwichtigen,  beruhigen. 

26 


386 


Sturgel  —  Stusel. 


Dem  Unheil  stiren.  Er  ist  gar  nicht 
zu  stiren^  zu  beruhigen,  zu  lenken. 
Bei  Jeroschin  sturen.   Pfeiffer,  228. 

Ebenso  besteuern,    besttren,   bestUren. 

EfT  läfzt  sich  schwer  besteuern^  besänf- 
tigen, beruhigen,  versttren,  beunruhigen, 
belästigen,  stören.  Möt  Gonst^  myn 
lawer  Herr  Afcath^  myn  WoU  ös  nichy 
en  to  verstj/re,  tüihl  hey  hyd  Kästing 
heft  to  fyre.  Carm.  nupt  V,  216  b. 
Muhling  hat  zerstTren,  bewältigen,  be- 
zwingen, zu  Stande  bringen,  beseitigen. 

Sturgel,  SturI,  Storgel,  Stordel,  m.,  Stab 
mit  einer  Scheibe  oder  einem  zncker- 
hutförmigen  Knopf  am  Ende.  Der 
Scheibensturgel  ist  der  Stab  im  Butt^r- 
fafz,  derEnopfsturgel  dient  den  Fischern 
zum  Aufscheuchen  der  Fische  aus  dem 
Uferversteck.  Nsslm.^  Forsch.  2;  Th., 
178,  vermutet  in  Sturgel  und  Sturl 
preulzische  Wörter.    Vgl.  auch  Nurgel. 

Sturgel,  m.,  nach  Schemionek,  39: 
plötzlicher  Anreiz,  Anstofz,  Verlangen 
wonach.  In  der  Elbinger  Niedrg:  He 
krigt  den  Sturgel,  er  wird  staiT,  stör- 
risch, eigensinnig. 

sturgeln,  sw.  1.  mit  einem  Sturgel 
stolzen,  stoi'zend  auf  und  ab  fahren. 
Vgl.  kleppem.  2.  unsicher  gehen,  be- 
sonders von  kleinen  Kindern  gesagt, 
die  das  Gehen  erst  lernen.     Mar o Id. 

Stflrkopf,  m.,  s.  Sturrkopf. 

Sturl,  7n.,  s.  Sturgel. 

StUrlanke,  /.,  eine  Art  Fischernetz, 
von  Be necke,  269,  Störlanke  genannt, 
findet  sich  erwähnt  in  dem  Gründungs- 
Privilegium  der  Stadt  Fischhausen  vom 
Jahre  1305  (Voigt,  Cod.  dipl.  Pruss, 
II,  60),  das  den  Bürgern  freie  Fischerei 
im  HafiF  und  in  der  See  verleiht:  ea- 
cepto  tarnen  rethi  quod  Nywat  vulgari- 
ter  nuncupatur,  et  praeter  reihe  quod 
Stürlanke  dicitur.  Lit  Idnkas  Reifen, 
Bügel.      Nsslm.,    Th.,    179,    möchte 


Stürl4ankc  lesen,  am  eine  Zasammeo- 
setzung  aus  Sturl  (ßturget)  and  Idnkm 
zu  erhalten,  Sturllanke  w&re  somit  Stofz- 
Bügel  zu  übersetzen.  Vielleicht  ist 
Stur  die  Stammsilbe  von  Staren^  Steiem, 
der  noch  heute  verbotenen  Art  des 
Fischens.    S.  Intern. 

Sturmfisch,  m.,  kleine  Seenadel,  S/yng- 
nathus  ophidion.     Benecke,  190. 

Stumicksel,  m.,  s.  Stemicksel. 

sturr,  stQr,  adj.^  starr;  steif.  JBXn  star- 
res Gemüt,  ein  störrisches,  eigensinniges. 
Sturres  Zeug,  sturre  Leinwand^  steif 
gummiert,  gestärkt.  Nach  Marold 
auch  storr.^  Treichel  hat:  stiU  und 
stur  dasitzen^  still  and  stier,  anbekam- 
mert  dasitzen.    Davon  sturrig,  cuij.    Vgl 

stursch. 

Sturrkopf,  Stfirkopf,  m.,  Starrkopf, 
Eigensinniger.     Von  sturr. 

sturschy  stOrsch,  adj.  1.  störrisch, 
widerhaarig.  Er  hat  recht  stursehes 
Haar,  struppiges,  hartes  Haar,  das  sich 
schlecht  glätten  läi'zt.  Er  ist  ein  stur- 
scher  —  sturscher  Mensch,  er  hat  ein 
störrisches  Gemüt,  ist  mürrisch,  gräm- 
lich. Der  Eigensinnige  hat  einen  stur- 
sehen  Kopf.  2.  herbe,  hart,  starr,  steif; 
von  Getränken  und  Zeugen.  Sturschet 
Wand,  ein  hartes,  grobhaariges  Ge- 
webe; ebenso  stursche  Leinwand. 

Sturzacker,  m.,  Acker,  der  gestürzt 
worden  ist.     S.  stUrzen. 

stürzen,  m.,  den  Acker  mittelst  der 
Pflugschar  umkehren.  . . .  so  taie  man 
(in  I^eussen)  das  Stürzen  nennety  wenn 
man  das  Land  (im  Herbste)  umpflüget, 
welches  in  demselben  Jahr  Feldfrüchte 
getragen  hat  Bock,  Nat.  III,  680  f. 
Die  Braacke  stürtzen^  die  Brache  stür- 
zen.    Hartwich,  329. 

Stusel,  m.,  Stolz;  vom  Winde.  E 
Stusel  Wind  ret  em  den  Hot  af.  Fried- 
land Ostpr. 


stut^rsen  —  Sumpfaloe. 


387 


stuttreen,  sw.^  s.  kaisem. 

Stutz,  m ,  kleiner^  niedriger  Becher. 
Mühling. 

stutzen,  sw,  1.  tauschen.  WöU  wt 
stutze^  wollen  wir  tauschen?  Im  Han- 
del hat  man  das  bemercket^  Da/z  Stutzen 
selten  Vorteil  bringt  Carm.  nupt  II, 
238  c.  Hennig,  269.  2.  passen,  über- 
einstimmen, harmonieren.  Zu  den  Per- 
gamentbdnden^  die  ihr  (^der  Studenten) 
Handwerkzetig  sind^  stutzt  mir  die  seidne 
Jähe  nicht  so  recht.  Soph.  R.  I,  176. 
Die  übrigen  Bedeutungen  wie  hoch- 
deutsch: Da»  Pferd  stutzt^  es  bleibt, 
durch  eine  äul'zere  Einwirkung  befrem- 
det, stehen.  Eck  war  hier  ganz  ver- 
narrt^ wie  sei  so  kästUch  stutzt^  wie  sie 
so  köstlich  prangte.  Carm.  nupt.  I, 
282,  11.  Den  Hut  stutzen^  ihn  steifen 
und  ihm  neuen  Glanz  geben;  daher 
auch  putzen  überhaupt.  ausStutzen,  aus- 
putzen, ausstaffieren;  nach  Mühling 
auch  aufhören  zu  tauschen.  Das  Haar 
stutzen  —  einem  Hunde  den  Schwanz 
stutzen^  kurz  schneiden.  Der  gestutzte,  d.  i. 
gestoi'zene  Käse.     Vgl.  Stutzchenzwerg. 

Stutzchenzwerg,  pltd.  Stutzkedwarg,  m., 

ein  cylinderformiger  Zwerg  (Quarkkäse), 
dessen  Enden  durch  stutzen,  stolzen, 
platt  gedruckt  sind.     Vgl  Dwarg. 

sUbbem,  sw.,  s.  sibbem. 
Suchel,  /'.    1.  Blute  des  (roten)  Klees. 
2.  kurze  Pfeife. 

suchein,  sw..  s.  suckeln. 

Sucht,  /'.  1.  Krankheit,  von  stechen. 
Die  fallende  Sucht,  Epilepsie,  die  Gelb- 
sucht, Schvyindsucht ,  Wassersucht  Vgl. 
Schmeller  III,  195.  2.  von  saugen. 
Die  See  hat  heute  groj'ze  Sucht,  zieht 
in  sich  hinein. 

sUchtig,  pltd.  süchtig,  adj.,  schwärig, 
eiterig,  schwer  heilend ;  von  der  Haut. 
Er  hat  eine  süchtige  Haut,  eine  solche, 
die  bei  leichten  Verwundungen  schwärt, 


eitert,  schlecht  heilt.  Wir  (Kinder)  sind 
alle  süchtig,  leiden  an  Ausschlägen. 
Ebenso  süchtige  Wunde,  eine  schwer 
heilende  Wunde.  Von  Sucht  In  Bayern 
süchtig,  ansteckend.  Schmeller  UI, 
195. 

Suck,  /.,  Hündin,  s.  Zock. 

suckeln,  sucheln^  sw.,  saugen,  an  den 
Fingern  saugen;  auch  rauchen,  weil 
man  dabei  auch  suugt;  darben,  Not 
leiden.  Vor  euem  (der  Lehrer)  Petitio- 
nen bekam  Mühler  Respekt,  ging  fort 
und  läjzt  uns  weiter  suckeln.*  Lhrztg. 
f.  d.  Prov.  Preufz.  1872,  S.  76a.  In 
Bayern,  im  Göttingenschen  suckeln, 
sukeln  saugen,  im  Nds.  auch  kränkeln. 
Schmellerm,  198.  Schamb.,  218a. 
Brem.  Wb.  IV,  1090.    Vilmar,  407. 

SQdel,  m.,  das  galgenartige  Gestell 
aäi  Ziehbrunnen,  durch  welches  das 
Schöpfen  des  Wassers  ermöglicht  wird. 
Von  Süd  Brunnen. 

sUlen,  sw,  s.  Sälen. 

SUIzfulz,  m.,  s.  Knisch. 

SUme,  /.,  Fischer- Kolonie.  An  den 
Strömen  und  Küsten  des  frischen  Haffes 
und  der  Ostsee  hatten  sich  (zur  Ordens- 
zeit) Fischer-Colonien,  Sümen  genannt, 
angesiedelt,  die  jedes  Jahr  vom  Orden 
ihre  Keutelbriefe  kauften  und  darauf 
ihr  Gewerbe  betrieben.  Voigt,  Gesch. 
Pr.   VI,  636.     Benecke,  267. 

Summkauf,  m.,  Aufkauf,  Ankauf  eines 
ganzen  Vorrates.  In  der  Landesord- 
nung von  1640  ist  bestimmt,  dafz  der 
Summkauf  erst  gegen  Schlu(z  des 
Marktes  erfolgen  daif.     Mühling. 

Summs,  m.,  von  summen.  1.  Ort, 
wo  lautes  Wesen,  Getöse  herrscht, 
schlechterer  Verkehr  stattfindet,  s.  v.  a. 
Bums.  2.  Wortschwall,  überflüssiges 
Gerede,  unwillkommene  Rede.  Auf 
den  Summs  höre  ich  nicht     Treichel. 

Sumpfaloe,  /,  s.  Wassersäge. 

25* 


388 


SnmpfTeder  —  Szäken. 


Sumpffeder,  /.^  PAzd.,  aach  Wasser- 
garbe, Sumpf-Hottonie,  Hottonia  palustris 
L.    Hagen,  216.     Pritzel,  185. 

Sumpflilie,  /.,  s.  Teichlilie. 

sUndigen,  sw.^  sich  mit  jemand  sün- 
digen^ sich  mit  jemand  heramärgem 
müssen.     Treichel. 

SUng,  /.,  Sunde.  Jl/ma  Süngy  meiner 
Sunde!  als  Beteuerung,  Fluch.  S. 
Volksl,  68,  44,  11. 

sUnnen,  sir.,  sonnen,  an  die  Sonne 
legen.  Die  Betten  sünnen.  Hennig, 
270. 

sUpen,  sw.^  s.  sipen. 

Suppe,  /.  1.  rote  Supp\  Blut. 
Sperber.  27.  2.  in  übertragener  Be- 
deutung: Verlegenheit,  Klemme,  Nach- 
teil. Ef'  sitzt  in  der  Suppe^  in  der 
Patsche.  Er  mu/z  die  Suppe  bezahlen^ 
er  hat  den  Schaden. 

Suppen,  sw.  1.  Sappe  essen.  Wer 
lang  suppt^  lebt  lang,  za  Kindern,  welche 
die  Suppe  nicht  essen  wollen.  Dönh. 
2.  stark  träufeln,  sich  in  Tropfen  er- 
giefzen,  triefen.  Das  Blut  suppt  ihm 
aus  der  Nase.  Durchnäfzte  Kleider 
suppen.  durchsuppen,  durchtriefen,  ein- 
regnen.   Vgl.  Sappen. 

Supptopf,  m.  1.  Topf  zur  Au&ahme 
der  Suppe.  2.  unfreundlicher,  finsterer 
Mensch,  mit  der  Nebenbedeutung  der 
Beschränktheit.    Er  ist  ein  rechter  Supp- 

topf.    Vgl.  Sauertopf,  Sauermaul. 
Surinkimininker,  Susirinkimininker,  m., 

wörtlich  die  Versammelten,  Kon  ventikler, 
von  surinkimas,  Versammlung,  Konven- 
tikel,  Mitglied  einer  religiösen  Sekte  in 
Litauen.  Spottweise  heil'zen  die  Su- 
rinkimininker auch  Maldininker,  Malde- 
ninker,  Beter,  von  dem  lit.  maldä  Bitte, 
Gebet.  Hintz,  20,  Anmerkung:  Über 
die  Maldeninker.  Näheres  in  den  Pr. 
Prov.-Bl.  VI,  204  ff.  Vgl.  auch  Pas- 
sarge, Balt.,  261. 


surmeln,  sw^  summen.     Marold. 

Surrchen,  n.,  Treibballspiel,  8.  Sauchen. 

Sdrus,  m.,  grofzer  Käse,  Lart  and 
stark  gesalzen,  lit  suris.  Litauen. 
Bock,  Nat  I,  268. 

Susannenkraut ,  n.  ,  breitblättriger 
Ehrenpreis,  Veronica  latifoUa  Z/.,  auch 
Acker-Vergilzmeinnicht^  Afyosotis  ar- 
vensis  L,    Hagen,  25.  197. 

Suse,  /.  1.  weibl.  Vom.,  Susanne. 
2.  langsame,  unpraktische.,  träumerische 
Person,  auch  männlichen  Geschlechts. 
Er  ist  eine  rechte  Suse,  —  eine  Klatsch- 


suse. 


sQsen^  sw.  1.  sausen.  Hennig,  270. 
2.  schlafen,  einschläfern.  Vgl.  ichuichen. 

SQsewind,  m.,  Sausewind^  Windbeutel. 
Hennig,  270. 

Susirinkimininker,  m.,  s.  Surinkimininker. 

SUSt,  adv.,  sonst.  Stist  kam  ock  na 
Bus  to  spade.     Volksl.,  7,  51,  2. 

sUfz,  adj.,  s.  sauer. 

SUrzholz,  Tl.,  icildes,  sül'zholzblättrige 
Bäreuschote,  Astragalus  glycyphyllos  L. 
Hagen,  767. 

Sufer,  Sutter,  Dem.  Sutetrhen,  Suterke, 
SutterkCy  m.,  Sandaal,  Ämmodytes  to- 
bianus  und  A.  lanceolatus.  Lett.  suttis 
Aal,  st^f^m  Neunauge.  Der  Suter  heilzt 
auch  Tobies,  Tobieschen,  lit  und  kur. 
tubis,  poln.  tobijak,  auch  Seepeitzker 
und,  nach  Bujack,  Sandspirring. 
Hennenberger,  Anh.  29.  Benecke, 
99f.  Bujack,  397.  Nsslm.  Forsch. 
3;  Th.,  182.    Vgl.  6ru. 

Suiergarn,  n.,  s.  Hauschnur. 

Sutter,  m.y  s.  Suter. 

Szäken  (2  =  i),  Ortsn.,  Dorf  bei 
Tilsit.  Er  ist  aus  Szäken,  wo  der  He- 
ring an  der  Kette  liegt.  Für  sämt- 
liche Bewohner  des  Dorfes  war,  wie 
der  neckende  Volks witz  erzählt,  ein 
Hering  angeschafft,  der  im  Schulzen- 
hause  an   der   Kette   hing.      Um   die 


Szaw  —  Tabbert. 


389 


Mittagsstunde  versammelten  sich  die 
Hausfrauen  und  machten  an  ihm  ihre 
Kartoffeln  ab.     Sprw.  II,  2619. 

Szaw,  /.  s.  Sau  3. 

Szenfe,  vi ,  Schwiegersohn,  von  dem 
gleichbed.  lit.  ihitas.  Zu  Zeiten  wird 
ohne  Noth^  aus  Faulheit  zu  arbeiten  und 
ihre  Wollust  und  Kurzweil  zu  treiben^ 
gemacht^  dafz  sie  (die  Litauer)  entweder 
eine  Mariz%che  (s.  d.)  oder  einen  Szen- 
ten  vor  der  Zeit  auf  etliche  Jahr  ins 
Haus  und  Geschäfte  nehrnen,  Kirchen- 
Visitat.  Insterburgschen  Amtes.  Hen- 
nig, 270. 

szingersch,  adj ^  s.  zings. 

szings,  szingersch,  adv.^  augenblicklich, 
soeben.     Kastenburg.     Vgl.  Singer. 

Szittkehmen,    Ortsn.,    Dorf   im    Kr. 


Goldap.  Nach  Bock,  Nat.  V,  392, 
von  dem  poln.  zyto  Roggen,  „weil  da- 
selbst vorzüglich  der  reineste  Roggen 
wachset." 

Szud,  w.  Vom.,  s.  ^chud. 

Szupone,  /.,  Frau.  Von  dem  lit. 
Zupone  vornehme  Frau.  Nsslm.  Wb., 
550  b.  Gefallen  Dir  denn  die  Szuponen 
Hie  (in  der  Gegend  von  Tilsit)  besser 
als  sonst  anderwerts,  Carm.  nupt,  I, 
232.  SzuponCy  dat  ös  Fruke.  Volksr., 
114,  477. 

Szufzkehmen,  Ortsn.,  Dorf  im  Kirch- 
spiel Nemmersdorf  im  Kreise  Gum- 
binnen.  Er  geht  nach  Szufzlcehmen^  er 
schläft  ein,  geht  schlafen  Von  der 
Ähnlichkeit  des  Klanges  mit  schuschen 
schlafen.     Sprw.  I,  3'J05. 


T. 


t  harter  Zungen-  oder  Zahnlaut,  fällt 
in  der  Mitte  der  Wörter  und  auslautend 
im  Plattdeutschen,  besonders  hinter  Z, 
häufig  ganz  weg:  es  und  os  ist,  nich  nicht 
As  Axt,  61  und  oll  alt,  öler  alter,  hole 
halten,  selle^  solle  selten,  schelle^  schölle 
schelten,  spole  spalten;  oder  bleibt  auch 
am  Ende:  deit  thut,  heft  hat,  wird  abe^' 
dann  doch  gern  nahe  dem  d  gemildert. 
rod,  rot^  bred  breit.  Inlautend  wird  es 
d\  stride  streiten,  selbst  in  der  Verdop- 
pelung bleibt  es  ein  einfaches  d  und 
der  vorhergehende  Vokal  verlängert 
sich:  Bläder  Blätter.  Sonst  geht  tt  in 
dd  über:  bedden,  bödden  bitten,  Bedde 
Betten,  Gevadder  Gevatter,  redde  retten, 
hadde{n)  hatten.  Anlautend  wird  es 
regclmäi'zig  ein  d:  drägt,  drächt  trägt, 
drift^  dröft  treibt,  Düwel  Teufel,  done 
thun,   dal  nieder,  zu  Thal;    selbst  im 


ausgearteten  Hochdeutsch  zeigt  sich 
diese  Umlautuüg:  dausend  Dahler^ 
Deiwely  dolly  dichtig  (tüchtig).  Hinter 
n  klingt  es,  wie  auch  das  d,  gleich  dem 
Nasenlaut  in  Natangen  und  den  Nie- 
derungen: hinge  hinten;  dagegen  in 
Samland,  Litauen,  Oberland  etc.  eben- 
falls wie  ein  d:  hinde  hinten.  Die  zuerst 
bezeichnete  Bequemlichkeit,  das  auslau- 
tende t  wegzulassen,  zeigt  sich  auch  im 
Hochdeutschen,  indem  gesprochen  wird: 
is,  nich,  Ax  statt  ist,  nicht,  Axt.  Leh- 
mann, Volksmd.,  32. 

ta-,  Vorsilbe,  er-,  s.  ter. 

fä  (ja,  lang),  adj ,  zäh,  s.  tag. 

Tabarre,  /.,  Fischn.,  s  Dfbel. 

tabbern,  »w.,  s.  fobbern. 

Tabbert,  m.,  in  früheren  Zeiten  ein 
Schleppkleid  für  Frauen.  Mühling. 
In  Hessen:    Tabart^  Daphart,  Tapport 


390 


Tabelle  —  Tfigel. 


im    14.  und  15.  Jahrhandert    als  Be- 
zeichnung eines  langen  Gewandes.  V  i  1  - 
mar,  408. 
Tabelle,  /.,  Fischn.,  s.  Dtbel. 

fab'rig,  adj,^  ungeschickt,  plump,  zu- 
tappend, unnütz.    Davon  Tab'rigkeit,  /. 

Tach,  w.,  Decher,  mhd.  teclier^  aus 
dem  lat.  decuria  Zehent:  10  Stück 
Felle.    Mühling.    Weigand  I,  311. 

Tächerwerk,  n.,  s.  Däkerwerk. 

lacht,  locht,  Dacht,  m.  u.  w.,  Docht, 
Leuchte.  Im  Augenblick  meines  Falk 
war  das  kleine  Tackt  umyefaüen  und 
gab  nur  ein  ganz  schwaches  Licht. 
Soph.  R.  I,  73 f.     Sperber,  30. 

Tacht,  /,  Prügel.  Saalfeld.  Davon: 
Tachtel,  /.,  im  Samlande  Hieb,  Schlag, 
aberauch,wieandernorts,Ohrfeige.  Brem. 
Wb.  V,  3.  Schamb.,  223b.  Dähn., 
481b.  Hupel,  285.  Sallmann,  42a. 
Bernd,  36:  Dachtel. 

tachteln,  sw.^  von  Tachtel,  ohrfeigen, 
prügeln,  schlagen  überhaupt.     S.  matll- 

tachteln. 

tachtentig,  num.,  achtzig.  Ek  liew^o 
nu  all  tachtentig  Jahr  on  mehr  op  dem 
Riggen.     Dorr,  1.  Wiew.,  58. 

Tachter,  m.,  s.  Täter. 

Täckel,  m,  s.  Teckel. 

Tafel^  /.,  in  der  Schulsprache  die 
Schiefertafel. 

Tafelbier,  w.,  zweiter,  auch  dritter 
Absud  des  Bieres,  Dünnbier.  Auch 
Schemper  und  Trinken  genannt  (s.  d.). 
Ebenso  in  Bremen  und  in  Pommern. 
Brem.  Wb.  V,  4.  Dähn.,  483a.  Vgl. 
Bock,  Nat.  I,  271.  Hennig,  30.  271. 
In  Königsberg  auch  Tafeltrinken,  also 
ein  Bier,  das  an  der  Tafel  armer  Leute 
getrunken  wird.  In  Danzig  gab  es 
zur  Ordenszeit  drei  Arten  von  Bier: 
Joppen-  oder  Schiff bier^  gewöhnliches 
Bier  und  Tafelbier  oder  Covent. 
Hirsch,    245.     Der   Rheinsche    Wein. 


der  war  vor  ihm  zu  achten  teie  gerinfei 

TafeUner^  darnach  nickt  viele  trocken, 

Carm.  nupt.  IV,  13  b. 
Tafelläken,  n.,  Tafeltuch,  TischtacL 
Tafetetein,  m.,  Schieferstein,  Schiefer^ 

Stift.    Mühling. 

Tafeltrinken,  n.,  s.  TafeltNer. 

Tafelzeug,  n.,  Tischzeug,  Tischwäsche. 

Hennig,  271. 

Taft,  w.,  TaflFet.  Vgl.  Sprw.  1, 3688. 
3354;  II,  2366. 

Tag,  pltd.  Dag,  m.,  plur.  Tagner.  Se 
ÖS  mot  gode  Dag,  sie  ist  mit  guten 
Tagen,  ist  schwanger.  Sprw.  I,  69p. 
Es  ist  nicht  alle  Tage  Sonntag.  Ab- 
lehnend: In  den  ersten  Tagen  nächster 
Woche,  entweder  Freitag  oder  Sannabend. 
Am  hellen  Tag  Licht  brennen.     Dorr, 

I.  Wiew.,  32.     Vgl.  Sprw.  I,  3690  ff.; 

II,  2622  ff.    Ein  Tagner  zehn. 

tag,  tä,  adj.,  zähe.  Tages  Fleisch. 
Täet  Holt,  zähes  Holz.  Der  Aal  hat 
ein  tdges  Leben,  ein  zähes  Leben.  Auch 
vom  lehmigen  Wege.  Vgl.  bloilig. 
Angs.  toA,  engl,  totigh,  hoU.  taai,  ditm. 
taag,  im  Götting.  td,  brem.  tcui,  tae. 
Hennig,  306,  hat  auch  vhchd.  zage. 
Brem.  Wb.  V,  1.  Schamb.,  223a. 
Danneil,  220a.  Mi,  91a.  Hennig, 
271. 

tag,  adj.,  tüchtig,  s.  d§g. 

Tagbalg,  m.,  Balg,  der  tag  ist;  von 
einem  unfolgsamen,  ungezogenen  Kinde. 
Davon :  tagbalglg,adf/., ungezogen,  schwer 
lenksam.  Ein  tagbalgiges  Kind.  Nach 
Hennig,  271,  dickhäutig,  wörtlich  und 
bildlich. 

Tage,  /.,  nach  Treichel  eine  Art 
Schwengel  =  Bracke  (s.  d.). 

Tägel,  w.  1.  Zagel,  Schwanz,  engt 
tail,  Da  auch  penis  Zagel,  Taget,  hoüzt, 
und  die  getrocknete  Rute  des  Ochsen 
als  Prügelinstrument  dient  (vgl.  Peserik), 
80    ist  Ta^el   der  Ochsenziemer,    aber 


tagein  —  Tag  und  Nacht. 


391 


auch  die  aus  Lederriemen  geflochtene 
Feilsche,  das  zum  Prügeln  dienende 
Tauende,  der  kurze  Strick.  2.  Hiebe, 
Schläge^  Prügel.  Aus  der  ersten  Be- 
deutung. 

tägeln,  su?.,  mit  einem  Tdgel  schlagen, 
aber  auch  prügeln  überhaupt,  abtftgeln, 
abprügeln,    durchprügeln;    ebenso  auf- 

tägeln.    Vgl.  tachfeln. 
tagen,  tagern  (a  kurz),  «tr.,  sichy  sich 

zanken,  reiben,  streiten.  Er  tagert  sich 
mit  andeim,  fangt  mit  ihnen  Zank  und 
Streit  an.  Bock,  68.  Hennig,  271. 
Nach  Bock  wird  es  auch  „von  Per- 
sonen beiderlei  Geschlechts  gesagt,  die 
sich  mit  einander  wohl  verstehen  und 
gerne  leiden  können" :  —  was  sich  ta- 
gert (neckt),  das  liebt  sich.  Vgl.  tar- 
gen  unter  zargen. 

Tagg,  /.,  das  Schaf.  Westpr.  (Jer- 
rentowitz.) 

tagger,  adj.  u.  adv,^  tapfer,  tüchtig, 
wacker,  rührig,  rüstig,  ausdauernd,  em- 
sig, fleii'zig,  hurtig,  lebhaft,  munter. 
Er  hat  sich  tagger  gespüt^t^  er  hat  etwas 
hurtig,  eifrig  und  schnell  ausgerichtet. 
Er  ist  tagger  bei  der  Arbeit  Dat  geit 
möt  em  noch  ganz  tagger^  er  ist  noch 
recht  rüstig  und  kräftig,  trotz  seines 
Alters.  Als  Zuruf:  iVa,  tagger^  tagger! 
Man  immer  tagger!    Tagger  drauf  los! 

Vgl.  tanger. 

Täglichneti,  Pflzn.,  zweijährige  Nacht- 
kerze, Oenothera  biennis  L,  Auch  Wein- 
blume.   Hagen,  407. 

Tagntt,  im  Volksmunde  Königsbergs 
und  Danzigs  TangnM,  m.  u.  /.,  nach 
Hirsch,  211,  in  Danzig  1416:  Tendete, 
Verkaufsstelle  für  alte  Kleider  und 
altes  Hausgerät,  Trödelmarkt.  Ich  gab 
denn  also  einen  Rubel  auf  den  Hut  zu^ 
den  ich  auf  dem  Tagnet  um  einen  hal- 
ben Otdden  haben  konnte,    Soph.  R.  V, 


115.  Das  Danziger  Dampfboot,  Jhrg. 
1833,  No.  20,  S.  112,  führt  Tagnot  auf 
das  franz.  vendre  verkaufen  zurück. 
Hiervon  zunächst  la  vente  der  Verkauf, 
davon  das  Dem.  la  vendette  der  Klein- 
verkauf, Trödel.  „So  finden  wir  noch 
in  den  alten  hiesigen  Concessionen  der 
Trödler:  und  sollen  dieselben  mit  ihren 
Waaren  nirgends  anders  als  auf  der 
Vendette  aussitzen.  Aus  Vendette  macht 
der  Pole  wendeta  und  aus  diesem  das 
gebräuchlichere  tandeta^  aus  tandeta 
aber  macht  der  Kassube,  seinen  häufi- 
gen Nasentönen  gemälz,  tangneta.  Letz- 
teres hat  der  Plattdeutsche  angenom- 
men und  daraus  Tangnete  gebildet". 
Auch  Nsslm.  Forsoh.  2;  Th.,  184,  ver- 
mutet in  beiden  Wörtern  eine  Umge- 
staltung aus  dem  poln.  tandet^  tandeta 
in  derselben  Bedeutung,  von  tani,  tania 
wohlfeil,  oder  eine  Entlehnung  aus  dem 
mlat.  tenday  tendeta  und  weist  auch 
vergleichsweise  auf  kslav.  tenüta^  tenta, 
ngr.  tevra  tentorium  hin. 

Tagntter,  Tangntter,  m.^  Trödler,  An- 

tiquarius,  poln.  tandeciarz,  tandetnik. 
In  Danzig  giebt  es  eine  Tagnetergasse. 
Löschin,  43.    Klein  II,  185. 

TagnMer-,  Tangntterbude,  /.,  Trödler- 
bude. 

tagn§tern,  tangnttem,  sw.^  mit  alten 

Sachen  handeln.  Klein  II,  185,  der 
sich  allein  für  die  letzte  Wortform  er- 
klärt. 

Tagschlaf,  7n.,  Tagschläfer,  europäische 
Nachtschwalbe,  Capnmulgus  europaeus] 

auch  Hexe   und   Grofzmaul.    Bujack, 

369.     Mühling,  Tiern.,  178. 

tagtäglich,  adv.,  als  Verstärkung  von 
täglich^  jeden  Tag,  wiederholt,  unaus- 
gesetzt, ohne  Unterbrechung.  Das  lAed 
kort  man  tagtäglich, 

Tag  und  Nacht,  Pflzn.,  Hain-Wachtel- 


392 


Tähnkefuhrer  —  Talk. 


Weizen,    Melampyrum    nemarasum    L. 

Auch  Kuhweizen  and  Rinderweizen. 
Pritzel,  232.     Hagen,  645. 

IUhnkefUhrer,  m.,  s.  FähnkefUhrer. 

T4k,  m.,  Narr.  Dzg.  Nhg.  De  Mensch 
blef  awerscht  doch  en  Tenk,   Parad.,  80. 

Täk,  Täig,  plur.y  Streiche;  wohl  von 
Tdk.  Ek  donen  nik  leewen  dee  Täk 
(solche  Streiche).  Dorr,  1.  Wiew.,  24. 
Wenn  ju  miene  domme  Täig  besehnen. 
Ibid.,  46. 

Täkel,  n.  1.  Tauwerk  eines  Schiffes. 
2.  Gesindel,  Pöbel;  als  Verstärkung  in 
diesem  Sinne:  Täkelzeug.  Solch  Täkel! 
Das  i8t  einmal  rechtes  Täkelzeug!  Doch 
auch  gemütlich  als  Menge,  Volk:  Dat 
war  to  schüe  düsend  Spa/z^  Sich  mal 
dat  hsfge  Takel.  Samland.  Firme- 
nich lU,  498b.     Hennig,  271. 

Tftkel,  /.,  Lachsangel.  Danzig.  Von 
pommerschen  Fischern  seit  etwa  10  Jah- 
ren an  unserer  Ostseeküste  eingeführt. 
Benecke,  401. 

takeln,  sw.^  ein  Schiff  mit  Tauwerk 
versehen.  Holl.  takel  Zugrolle,  engl. 
tackle,  Zusammensetzungen:  betakeln, 
auftakeln,  abtakeln.  Letzteres  auch  in 
dem  Sinne  von  blofzstellen,  herunter- 
machen. Er  hat  ihn  gut  abgetakelt^  er 
hat  ihn  scharf  ausgescholten,  ihm  kein 
gutes  Haar  gelassen.  Er  ist  abgetakelt, 
er  ist  heruntergekommen,  unbrauchbar 
im  Dienste  geworden,  auftakeln,  sich, 
sich  auffallig,  überladen  herausputzen; 
namentlich  von  Frauenzimmern.  ^St^ 
hat  sich  gewaltig  aufgetakelt  Einem 
etwas  auftakeln,  ihn  durchprügeln. 
Sprw.  I,  1. 

Takelware,/., schlechte  Ware;schlechte 
Menschen.     Mühling. 

Täkelzeug,  n.,  s.  Tftkel. 

taktr,  adv.,  der  Quere  nach.  Taker 
gäne,  in  die  Quere  gehen;  auch  weinen, 
lamentieren. 


TakTsch,  TaUsch,  Takischa,  /.  u.  ts 

das  Lachswehr,  lit.  takisza.  Skirwi^ 
Beschreibung  und  Abbildang  in  Be- 
necke, 380ff.  Fisch.-Ord.  £  A  kor. 
Haff  §  23.    Sperber,  4L 

TftI,  (?),  Wurm  am  Finger,  Panari" 
dum.    Mühling. 

T&le,  /.,  s.  Talke. 

Talghacker,  m,,  Meise.  Aach  Talg- 
mttskey  Talgmeise. 

TalglUmmel,  m.,  Schimpfwort  für  einen 
groben  und  rohen  Menschen.  Bock, 
68. 

Talj,  n.,  s.  Tall. 

Talk,  m.,  Talke,  /.  1.  freiwillige  Hilfs- 
arbeit, die  man  dem  Nachbar  leistet 
und  welche  nicht  mit  Geld,  sondern 
mit  Speise  und  Trank  und  schliefzlich 
mit  einem  gemeinschaftlichen  Schmause 
vergütet  wird;  daher  auch  2)  ein  der- 
artiger Schmaus,  wobei  der  Tanz  nicht 
zu  fehlen  pflegt.  In  der  Landesordnong 
des  Hochmeisters  Konrad  von  Erlichs- 
hausen  von  1450  heiizt  es:  Ouch  sal 
man  am  fiertage  ume  talke  oder  bete 
(Bittej  E\n\sidang)  nicht  arbeyten,  Geb- 
ser  u.  Hagen,  Gesch.  d.  Domkirche 
I,  297.  Korntalk,  Arbeit  in  der  Roggen- 
ernte  und  Festschmaus  nach  Beendigung 
derselben.  Federtalk,  Reil'zen  der  Fe- 
dern auf  Talk,  gewöhnlich  in  der  Zeit 
der  Zwölften.  Fbenso:  Kartoffeltalk, 
Flachetalk.  In  diesem  Kirchspiel  (ELrau- 
pischken)  ist  ein  Pawer  geicesen,  der 
hat  auf  einen  Sonnabent  Talck  gemacht, 
das  Holtz  vom  Rodtacker  abzureumen, 
Hennenberger,  63.  In  den  Talk 
gehen,  i  tälkq  eiii,  zu  einer  derartigen 
Zusammenkunft  gehen.  Lit.  talkä,  lett. 
talka,  talks,  daher  lit.  talkimnkas,  lett. 
talzineeks  ein  solcher  Hilfsarbeiter,  lit. 
sU'tkUcti  die  Nachbarn  zu  solcher  Arbeit 
zusammenbitteo ;  poln.  tluka  Cmte» 
schmaus,    dagegen    tloka,    russ.    toloka 


TäJke  —  TannnedBeL 


393 


Scharwerk,  Frohn  dienst.  N  s  s  1  m.  Forsch . 
2;  Th.,  184.  Sallmann,  19a,  hat  für 
Estland  TaUcus  bäuerliches  Erntefest. 
Mühling  hat  das  Wort  auch  in  ad- 
verbialer Bedeutung;  die  Ermländer 
sagen:  ich  tau  ihm  talk^  ich  fahre  ihn 
umsonst.     Hennig^  272. 

T&lke,  T4le,  /".,  Dohle,  Corvu8  Trume- 
dula.  Def*  Redner  t/ieurste  Warf  ein 
Voi'trag  nur  der  Thacden.  Carm,  nupt 
m,  8c.    Hennig,  272. 

talken,  stü.,  im  Talk  arbeiten,  Hilfs- 
arbeit leisten;  in  der  Deklaration  des 
Herzogs  Albrecht  von  1564.  Hennig, 
272. 

Tall,  n,  Maiz  für  Garn,  Wolle:  10 
Gebinde  k  40  Fäden.  2  Tall  machen 
1  Stück  Garn  (ä  20  Gebinde).  2  Strei- 
mel  machen  1  Tall.  Von  tälen,  teilen 
zählen.  Nach  Muhling  hört  man  im 
Ermlande  die  Redensart:  Die  Sache  ist 
Ober  Tall,  sie  ist  unnütz,  überflüssig; 
also:  über  die  Zahl,  überzählig.  Sehe- 
rn ionek,  40,  hat  Talj,  \on  Zahl:  Zähl- 
stück vom  Hundert  oder  Schock. 

Tallpat,  m.,  tallpattisch,  adj.,  s.  Toll- 
patsch etc. 

talpsen,  ^;.,  s.  v.  a.  tapsen^  unge- 
schickt, schwer,  plump  auftreten.  Trei- 

chel.    Vgl.  trappsen. 

talierdequalfer,  adv.,  das  lat.  taliter 
qualiter.  Et  geit  so  talterdequalter,  es 
geht  so  so.  Auch:  hatterdequalter.  Westpr. 
Sprw.  I,  1137. 

Tambour,  m.,  feste  Lederdecke  an 
Halbwagen  und  andern  Fuhrwerkenzum 
Schutz  der  Beine  Wegen  der  Ähn- 
lichkeit mit  einer  Trommel,  auch  Trom- 
mel genannt.     Hennig,  336. 

fa-mit  -=  mit  einemmal,  plötzlich;  ist 
wohl  Kürzung  von  da  mit  {einemmal). 
Es  ist  alles  schon  und  gut  ,  ,  .  ich  seh 
meine  Kinderchen  um  mich  her;  ich 
mach  Suppe,   Thee,  Caffe^   was  ich  bei 


der  Seele  habe.     Ta-mit  geht  der  Tanz 
(der  Streit)  hs.     Soph.  R.  V,  589. 

Tamre,  w.  jüd.  Vorname,  Thamar. 
Flatow.     Schmitt,  115. 

Tannapfel,  m.,  Tannenzapfen.  S. 
Schischke. 

Tangelholz,  n.,  Holz  mit  Tangein, 
Nadelholz. 

Tanger,  m,,  Fichtenwald.  Ich  sah  mit 
herzlichem  Verlangen  nach  einem  Tan- 
ger hin,  dessen  Säuseln  mich  aufs  sanf- 
teste einlud.     Soph.  R.  IV,  509. 

tanger,  adj,,  frisch,  hurtig,  gesund. 
Bei  Jeroschin  ^aTi^^r  tapfer,  was  un- 
ser tagger:  ein  man  zu  strtte  zangir  49  a. 
Pfeiffer,  285.  Ein  tanger  Kind,  ein 
munteres,  gesundes  Kind.  Ebenso  im 
Brem.,  in  Pommern;  im  Götting.  auch 
danger.  Brem.  Wb.  V,  23.  Dähn., 
484b.  Schamb.,  39a.  224b.  Hen- 
nig, 272.    Vgl.  tagger. 

Tangnftt,  /.  etc.,  s.  TagnM  etc. 

Tank,  m.,  Tang,  Seegras. 

Tankgabel,  /,  gabelartiges  Fischerei- 
gerät. Aus  Tang  Zange  u.  Gabel  (?). 
S.  Winierfischerei. 

Tanne,  /.,  Fichte,  Pinus  abies  L.  Ich 
bemerke  noch,  da/z  man  in  Ostpreussen 
die  Fichte  stets  Tanne  nennt  und  die 
Kiefer  immer  Fichte.  Passarge,  Balt., 
109.  Nach  Hagen,  1010,  auch  Rot- 
tanne, Schwarztanne,  Pechtanne,  Harz- 
tanne.   Vgl.  Fichte. 

Tannenklee,  m.,  gemeiner  WaldUce, 
Anthyüis  vulneraria  L.  Treichel, 
Volksth.  II. 

Tannenweib,  pltd.  DannewTw,  n.,  Weib, 
das  Tannenlaub  zum  Verkauf  ausbietet. 
Ihr  Ruf  durch  die  Strafzen  ist:  Danne, 
recht  grene  Danne!  Kgsbg.  Der  Fast- 
nachtsgesang der  Tannenfrauen  und 
Kinder,  jetzt  nicht  mehr  klingend,  fin- 
det sich  in  den  Volksr.,  224,  796. 

Tannnessel,  /.,  weifze  Taubnessel,  La- 


394 


Tante  —  tarren. 


miwm  cJbum  L.  Saalfeld.  Nach  Ha- 
gen, 612,  auch  tote  Nessel  andWurm- 
nessel. 

Tante,  /.,  allgemeine  Benennong  für 
erwachsene,  namentlich  Respekts-Per- 
sonen weiblichen  Geschlechts  in  Fa- 
milien. Gieb  der  Tante  die  Hand! 
Majch  der  Tante  einen  Knicks!  Vgl. 
Onkel.  Nach  Treichel:  Tante  Meier 
=  Abtritt. 

Tanz,  pltd.  Danz,  Dangs,  m.,  Dem. 
Damkey  Dangske.  Beliebte  Tänze  frü- 
herer Zeit  waren:  Kinger ^  jagt  de  KU 
kel  üt  dem  Dömpel.  Carm.  nupt  l,  282, 
16.  De  Katt  klaut  an  e  Haibek.  Pro- 
vinzielle Tanzreime  vgl.  Volksr.,  271, 
940  ff. 

Tanzmeister,  plur.^  in  früherer  Zeit  bei 
Hochzeiten  die  von  dem  Bräutigam  mit 
der  Aufführung  der  Tänze  beauftragten 
Personen;  sie  hatten  allein  das  Recht, 
Frauen  und  Mädchen  zum  Tanzen  auf- 
zufordern. N.  Pr.  Prov.-Bl.  a.  F.  VII, 
377. 

Tapar,  ^n.,  Fischn.,  s.  Dfbel. 

Taper,  m.,  ungeschickter,  unbehoKener 
Mensch.     Sperber,  31. 

Tapiau,  Ortsn.,  Stadt  am  Pregel  mit 
einer  Korrektions- Anstalt.  Er  ist  reif 
für  Tapiau, 

Tapis,  n.,  Tapet,  Teppich,  gewirkte 
Tischdecke.  Etwas  aufs  Tapis  (Ta- 
pet) bringen,  vortragen,  zur  Sprache 
bringen.  Du  siehst,  wenn  von  solchen 
Dingen  was  aufs  Tapis  kommt,  so  freund- 
Uch  aus.    Soph.  R.  V,  3. 

TappebTter,  m.,  s.  Zapfenbeifzer. 

tappeln,  sw.,  häufig  gehen;  von  dem 
onomatop.  top  tap.    Marold. 

Täpper,  Tepper,  m.,  Töpfer. 

ttppern,  teppern,  sw.y  irdenes  Ge- 
schirr, Töpferzeug,  zerschlagen;  zer- 
schlagen, zerbrechen  überhaupt.  Sper- 
ber, 81. 


Tapp  in  die  Grlltz,  m.  Hei  os  e  Tapp- 
on-de-Grott,  ein  Einfaltspinsel.  Sprw. 
I,  3705.  In  Hessen  Tapch,  Dc^pch, 
plumper  Mensch.     Yilmar,  409. 

taprig,  adj.  von  Taper,  angeschickt, 
unbeholfen.     Sperber,  31. 

Taradei,  Taraday,  Tarradei,  /.,  Spazier- 
wagen, welcher  vor  den  Thoren  von 
Danzig  zur  Miete  bereit  steht;  an- 
dere Wagen  werden  nicht  so  benannt 
Klein  n,  186.  W.  Seidel,  35.  Pas- 
sarge, 142.  Nach  Treichel  auch 
im  Dem.  Taradeike.    Vgl.  DUttchenposL 

taradeien,  sw,,  von  Taradei,  ange- 
strengt arbeiten.  Ich  h^ibe  die  ganze 
Woche  getaradeit,  nun  mu/z  ich  dafür 
auch  eine  Bairische  im  Jäschkenthale 
trinken,    Danzig.    Passarge,  142. 

Tarant,  m,,  Pflzn ,  gemeiner  Enzian, 
Gentiana  pneumonantiie  L.  Bock, 
Nat.  III,  344.  Hagen,  296.  Pritzel, 
162.  Bock,  68.  Hennig,  273.  Das 
Kraut  wird  Kindern  in  die  Wiege  ge- 
legt, um  sie  gegen  das  Behexen  zu 
schützen.  Vgl.  auch  Hexspr.,  10.  Nach 
Bock,  Nat.  lU,  345,  heüzt  auch  Genr- 
tiana  campestris  Tarant,  In  der  Ge- 
gend von  Saalfeld  Dorant 

tären,  t§ren,  sw,,  s.  dßren. 

Targ,  m,,  Wochenmarkt;  von  dem 
poln.  targ  Markt,  Marktplatz.  Sper- 
ber, 40. 

targen,  sw,,  vhd.  zargen  (s.  d.). 

Tarn,  Tom.  /.,  Kreislauf,  Reihenfolge, 
tumus.  In  der  Seemannssprache.  Wenn 
mtn'  Tarn  ward  sön,  wenn  ich  an  die 
Reihe  komme.     Pillau. 

Tarradei,  /.,  s.  Taradei. 

Tarras,  m.,  dicker,  klebender  Schmutz, 
Straizenkot.  Danzig.  W.  Seidel,  35. 
Die  Hosen  sind  ein  Tarras,  sie  sind 
voll  dicken^  klebenden  Schmutzes.  El- 
bing.     S.  Schalt].,  3^  4.     Oberland. 

tarren,  sw.,    mit  Handstreicheln  hiu 


Tarterich  —  Taubenkraut. 


395 


und  wieder  Gesicht  oder  Leib  über- 
fahren; necken,  narren.     Treichel. 

Tarterich,  m.,  s.  Tattrich. 

Tartitze,  /.,  Fackel.  . . .  darnach  ztci- 
sehen  achten  vnd  neünen  mit  vier  vnd 
nicht  darüber,  yhrer  eygnen  tartitzen 
zuhaws  gebracht,  Kleid. -Ordg.,  376. 
In  Bayern  Tortzen  gewundene  Fackel, 
Pechfackel,  ital.  il  torchiOy  franz.  la 
torche,  span.  antorcha.  Schmeller  I, 
458. 

Tarluffel,  TartUffel,  /.,  Kartoffel.  A 
propos  bei  Kartoffeln:  wie  hei/zen  denn 
die  Dinger  recht  .  .  .  hier  sagten  die 
Leute  TaiiMffeln,  Soph.  R  V,  330.  S. 
Knollen. 

Tasch,  m.  Vom.  Tasch,  Peter,  Gre- 
ger  mag  dabei,  Was  Schlapperment,  was 
ist  dasf   sagen,     Carm,  nupt,  V,  26b. 

TAsche^  /.,  die  Brust  einer  Säugen- 
den. Daher  tAschen,  sw,,  säugen.  Dzg. 
Klein  II,  186. 

Tasehe,  /.  1.  kleine,  einem  gröfzem 
Hause  angebaute  Wohnung,  Taschen- 
gebäude,  Danzig.  Klein  II,  186.  2. 
sackartige  Falte. 

Taschendieb,  Pflzn.,  s.  Nimmerstill. 
Taschengebäude,  n.,  s.  Tasche. 

lassen,  sw,,  das  Getreide  oberfläch- 
lich, d.  h.  nicht  ganz  rein  ausdreschen, 
Yorklopfen,  vorschlagen;  es  in  die 
Fächer,  Tasse,  legen.     Mühling. 

Tafz,  m,,  Fach  in  der  Scheune,  wo- 
hin das  unausgedroschene  Getreide  ge- 
legt wird.     Mühling. 

Tatä,  Täte,  Tati,  m,,  Vater,  in  der 
Kindersprache.  In  Natangen  auch: 
Teita.  Poln.  tata.  In  Posen  der  TaU. 
Bernd,  307  ff. 

Tatarek,  m.,  s.  Tftter. 

Tftter,  m.  1.  wilder,  frecher  Mensch; 
ungeschickter  Mensch.  Von  Tatar 
(Tartar),  spät-mhd.  tater,  thater,  that- 
ter,  tatter,  tarter.     Vgl.  Weigand  II, 


879.  Wi  de  Täter  orit  Land  kern,  on 
wi  et  Kringel  regeni,  zur  Bezeichnung 
einer  längst  vergangenen  Zeit.  Wehlau. 
2.  Prugelinstroment  von  zusammenge- 
drehten Stricken,  geflochtenen  Riemen 
etc.,  Tauende,  auch  Ochsenziemer  und 
Peitsche.  De  Tatet  ward  wanken,  es 
wird  Hiebe  geben.  Sost,  wenn  dat  vor 
den  Voader  kommt,. Denn  weetst,  dat  he 
den  Toater  nommt.  Dorr,  67.  Volksl., 
13,  5,  4.  De  Schwinjung  dröft  met  st- 
nem  Tater  Pur  junge  Herrschaft  ut  dem 
Stall,  Seelen w.,  80  f.  Im  Oberlande 
auch  Tatarek.  Es  giebt  mit  dem  Tata- 
rek, Nach  Mühling  in  dieser  Bedeu- 
tung auch  Tachter,  von  Tackt, 

tftterig,  tatrig,  adj.,  zum  Prügeln  ge- 
neigt; in  der  Saalfelder  Gegend  unge- 
schickt. 

tfttem,  sw,,  von  Täter,  schlagen,  prü- 
geln. 

Tati,  m,,  s.  Tatft. 

Tattrich,  m,,  das  Zittern  der  Hand 
eines  Branntweintrinkers.  Er  hat  den 
Tattrich.  Sperber,  31.  Nach  Trei- 
chel Tarterich. 

tätzen,  sw,^  laufen,  öck  sich  (sah) 
em  tätze.     Von  Tatzef    Samland. 

Tau,  m.  Vor  Tau  und  Tag,  frühzei- 
tig.    Königsberg. 

Tau,  /.,  Bracke  (s.  d.)  mit  zwei 
Schwengeln.    Gr.  Werder. 

tau  bang,  Ruf,  durch  den  das  Vieh  im 
Stalle  auf  den  Platz  gewiesen  wird; 
also  soviel  als:  auf  den  Platz,  in  die 
Bahn,  in  die  Bande!  —  oft  auch  zu 
den  Kindern  in  ärgerlichem  Ton,  wenn 
sie  in  Unordnung  gekommen. 

Taube,  w.  jüd.  Vom.,  Übersetzung 
des  gleichbed.  hebr.  Joruif  Flatow. 
Schmitt,  115. 

Taubenkraut ,  Pflzn. ,  gebräuchlicher 
Eisenhart,  Fi^ri^naoj^na/tsL.  Pritzel, 
431. 


396 


Taubenmajor  —  Taxbier. 


Taubenmajor,  m.,  zur  Bezeichnung 
eines  Taubenliebhabers  und  Tauben- 
zuchters, der  diese  Vögel  mit  Eifer 
zum  Fliegen  antreibt.  In  Posen  Tau- 
henfeester,    Bernd,  312. 

Taubenschmiedy  m.^  ironisch  ein  Über- 
kluger, ein  Pfiffikus,  der  allenfalls  als 
Schmied  geschickt  genug  wäre,  den 
Tauben  Hufeisen  aufzulegen.  Trei- 
chel. 

Taubenschnabel,  Pflzn.,TaubeD-Storch- 
Schnabel,  Geranium  columbinum  L 
Hagen,  716. 

Taubert,  Täubert,  m.,  die  männliche 
Taube.  Sperber,  31.  WeigandH, 
881.     Vgl.  DifferL 

Taubhaber,  Pflzn.  1.  taube  Trespe, 
Bromtis  aterilis  L.  2.  Flughafer,  Avena 
fatua  L.    Hagen,  116.  124. 

Täubrich,  m.,  zur  Maskierung  des  Wor- 
tes Teufel.  Hol  mich  der  Täu-brichl 
Soph.  R.  VI,  210. 

faubschlaubig,  adj.^  s.  döwschlQwig. 

taubschneidig,  adj.^  Messer,  Schneide- 
werkzeug überhaupt,  mit  zu  weicher 
Schneide,  die  beim  Gebrauche  sich 
leicht  umbiegt.  In  der  Rastenburger 
Gegend  auch  soviel   als  tavhschlavMg, 

Taude,  /.,  s.  TOde. 

tauen,  sw,  1.  gehen,  fahren,  reisen. 
Nd  Heihbeck  taue^  nach  Heilsberg 
gehen  etc.  Sich  hintatie?i  sich  hinbe- 
geben, hingehen.  Ermland.  2.  eilen, 
Tau  dl!  beeile  dich,  spute  dich.  Sam- 
land.  Htde  tau  dt^  morge  rau  dt^  heute 
beeile  dich,  morgen  ruhe.  Sprw.  I, 
3708.    Vgl.  tau  bang. 

tauen,  sw^  gerben,  Leder  bereiten, 
Leder  tauen,  Engl,  taw^  angs.  tawian 
bereiten,  holl.  touwen  gerben,  bereiten, 
Tauer,  Ledertauer,  m.,  Gerber.  Uen- 
nig,  273. 

Taufeltenu  In  Masuren  die  beiden 
Eheleute,    welche    bei    der   Taufe    als 


Zeugen  gegenwärtig  sind.  Aofzer  ihnen 
ist  nur  noch  ein  dritter  Taa£Eeage,  ein 
Jüngling  oder  eine  Jungfraa,  geladen. 
Hintz,  76. 

Taufmutter,  /.,  die  Frau  Patin,  welche 
den  Täufling  in  die  Kirche  und  wieder 
zurück  ins  Haus  trägt;  sie  heifzt  aach 

Säugemutter.    Hintz,  76. 

Taugras,  Pflzn.,  gemeiner  Windhalm, 
Agf^ostis  spica  venti  L.  Auch  gro/ze 
Ackerschmele.    Hagen,  74. 

Taurel,  (?),  Trinkgef&fz,  Trinkhom. 
Aufzerdem  haben  sie  (die  Nadraucr) 
Homer  oder  Taurelen,  die  sie  insgemein 
von  Leinbaumholz  machen.  Pierson, 
Matth.  Prator.,  111. 

Tauschnarre,/.,  Yogeln.,  Wasserralle, 
Raüus  aquaticus,  Bujack,  384.  Nach 
Mühling,  Tiem.,  178,  auch  der  Wiesen- 
schnarrer,  Crex  pratensis. 

tausend  ja,  Ausruf  der  Verwunderung, 
des  Staunens.  Er  hat  dafür  2000  Mk. 
bekommen,     y^TausendJa^  das  ist  viel!^ 

Tausendschönchen,  n.,  Pflzn.,  aus- 
dauernde Malzliebe,  Bellis  perennis  L. 
Hagen,  888.    Vgl.  Marienblume. 

Tautudel,m.,lustiger,muntererBursche, 
der  seine  Umgebung  durch  pfiffige  und 
schlaue  Einfalle  unterhält.    Norden  bürg. 

tauzen,  sw.  Ein  Töchterlein,,  Das 
stoltz  geht  hrein^  Ihr  Eltern  fromh^ 
Anstehet  krumby  ^chimpßich  anscknautzt, 
Auch  offmals  tuutzt,  Viel  klappern  kan, 
Da  ist  nichts  an^  Dafür  sich  hütte  jeder^ 
man,  Anibr.  Lowasser.  Hennen- 
berge r,  360. 

täwern,  sw,^  zanken,  streiten,  lärmen. 

tawill,  tawills,  adv,  derweil,  derweilen. 
Taicillzwea  de  Krät  (Kröte)  vaschuninge. 
Natangen.     Firmenich,  lila. 

Taxbier,  n.  Bier,  das,  weil  es  um- 
geschlagen oder  sauer  geworden,  um 
geringeren  Preis  verkauft  wird.  Hen- 
nig, 30.    Jetzt  aufzer  Gebrauch. 


te  —  teil.  ' 


397 


te-  (Vokal  kurz),  Vorsilbe  er-, 
s.  ter. 

T§,  (?).  Sunst  ging  ock  äwer  He  on 
2V,  On  was  doch  stets  vergnoglich, 
Samland.  Firmenich,  III,  116  b: 
^über  alle  Berge."  Wohl  richtiger: 
über  Höhe  und  Thal. 

fechrig,  adj  ^  leicht  gebaut,  zerbrech- 
lich.    Elbinger  Ndrg.     Vgl.  däkerig. 

Teck,  (?),  Zieh -Leine.  Ungewohnt 
(ist  es  dem  Touristen  in  Antwerpen) 
die  zweispdnnigen  Wagen  mit  nur  einer 
Leine  —  in  der  Elbinger  Niederung 
nennt  man  sie  „  Teck*^  —  lenken  zu  sehen. 
Hausburg,  31. 

Teckel,  Tekel^Täckel,  Däckel,9n.,  Dachs- 
hund. 

Teerbltime,  /.,  gemeine  Pechnelke, 
Lychnis  viscaria  L.,  auch  Teemelke  und 
Mennonlienblume.  Treichel,  Volksth. 
III.     Hagen,  484. 

Teerbott,  w.,  Teerbutt,  Pleunorectes 
passer.  Danzig.  Mühling,  Tiern., 
178. 

TeerfUhrer,  m.^  Hausierer  mit  Teer. 
Hennig,  336.    Ebenso:  Teerjude. 

Teemelke,  /.,  s.  Teerblume. 

Teerpaudel,  /.,  Behälter  für  den  Teer, 
der  an  Frachtwagen  unter  der  Hinter- 
achse hängt    Vgl.  schlickem. 

feerschwarz,  adj.^  schwarz  wie  Teer, 
tiefschwarz.      Zur    Verstärkung    noch: 

pechieerschwarz.  Hennig, 336.  Vgl. kohl- 
rabenschwarz. 

Teerwasser,  n.,  figurlich:  schlechte 
und  unreine  Brühe,  schlechter  Kaffee. 
Hennig,  336. 

fehöp,  ZUhöf,  adv.^  zusammen,  zuhauf, 
E/n  mienem  Lewen  lach  §k  nich  so^  as 
ivenn  §k  m§t  dem  Atäken  fhop  si.  Dorr, 
1.  Wiew.,  29.     Vgl.  vontn. 

Teichert,  m.^  Teufel.  Da/z  da  Tai- 
chat  mufz  hole^  's  Ford  steht  noch  omma 


an  a  Dctchlötta.  Ermld.  Freisch.,  N. 
Pr.  Prov.-Bl.  IX,  397. 

Telchgiüber,  m.,  Gräber,  Arbeiter  mit 
dem  Spaten,  vorzugsweise  ein  solcher, 
welcher  Gräben  auswirft  und  instand- 
hält.    Mühling. 

Teichlilie,  Pflzn.,  Wasserschwertel, 
Iris  pseudacorus  L.  Auch  Sumpflilie 
und  roter  oder  falscher  Kalmus.  Ha- 
gen, 45. 

Teichrohr,  pltd.  Dfkrohr,  n,  gemeines 
Rohr,  8.  Deckrohr.    Hagen,  127. 

Teichwasser,  n,  Wasser  in  und  aus 
dem  Teiche,  letzteres  zur  Bezeichnung 
des  sog.  weichen  Wassers. 

Teidung,  /.,  Ansicht,  Meinung.  Zum 
andern  sprechen  sie  (die  Gegner  der 
Rotationslehre):  wegen  solchen  sehr  ge- 
schwinden Laufs  (der  Erde)  vmrden 
die  Thurme  und  Häuser  umgeworfen 
werden^  die  Thier  und  Menschen  würden 
den  Schmndel  kriegen^  die  Vogel  würden 
ihre  Nester  nicht  wieder  finden.  Aber 
zur  Antwort  auf  diese  und  dergleichen 
einfältige  Teidungen  kann  etc.  Linem., 
N3a.     Vgl.  Schmeller  I,  428  f. 

feig,  adj.y  mehlig.  Eine  teige  Birne. 
Treichel. 

Teigaffe,  w.,  pltd.  Degdp^  Spottbe- 
zeichnung für  den  Bäcker. 

Teine,  f.,  s.  TIne. 

Teita,  m,  s.  Tatä. 

Tekel,  m.,  s.  Teckel. 

T§le,  /.,  s.  Tbie. 

Teige,  /.,  Ast,  Zweig.  Dzg.  W.  Sei- 
del, 35.  Angs.  telga^  holl.  telg,  fries. 
tulg  u.  telge^  nds.  telge.  Brem.  Wb.  V, 
51. 

teil,  cuij.  y,Es  ist  nicht  teU^  nicht  lell^ 
sagt  mao  in  Preufzen,  wenn  man  auf 
eine  Anfrage  eine  Antwort  erhalten 
hat,  die  nichts  in  sich  enthält.^  Hen- 
nig, 273.  Hennig  weist  auf  das  nds. 
teilen  schwatzen,  plaudern  und  auf  lallen 


398 


Tellelkfl  —  Terling. 


hin,  „sodafz  es  also  ein  an  verständliches^ 
nichts  enthaltendes  Geschwätz  anzeigt.^ 
8.  303  schreibt  Hennig  toll  und  löU 
and  erklärt  in  Parenthese:  „ vielleicht 
nicht  taUter^  nicht  quaUter,^  Sprw.  I, 
3712.  In  Estland:  er  vei*steht  nicht 
Nül  noch  Tai,  d.  h.  gar  nichts.  Sall- 
mann,  112b. 

Tellelks,  TVIIellcSy  m,  1.  eine  Art  sehr 
fetter  Kuchen,  heute  nicht  mehr  be- 
liebt. Ein  gro/'zes  Stuck  Butter  wurde 
wie  ein  Braten  an  einen  hölzernen 
Spiel'z  gesteckt,  bei  einem  gelinden 
Feuer  geschwinde  umgewandt  und 
im  umwenden  schnell  und  ausreichend 
mit  geriebenem  Weilizbrot  bestreut.  2. 
Schimpfwort  auf  einen  Menschen,  der 
wenig  Witz^  Verstand  und  Manier  be- 
sitzt. Bock,  69.  Bock,  Nat.  I,  265. 
Hennig,  277. 

Tellergeld,  n.,  die  Gabe,  welche  bei 
Kindtaufen  dem  Prediger  oder  Or- 
ganisten auf  einen  Teller  gelegt  wird. 
Hennig,  274. 

Tels,  /,  Ortsn.,  Tilsit.  E  SchoU 
meister  st  eck  en  Tels  en  de  Stadt 
Firmenich  I,  105a. 

temide,  ad;.,  timide,  verzagt^  nieder- 
geschlagen. 

Temlitz,  /.,  s.  Temnitz. 

Temnitz,  Timnitz,  Temlltz,  TVmlifz,  /., 

Gefängnis,  besonders  in  den  Dörfern. 
Sie  gehen  mit  ihm  in  die  Temnitz.  Al- 
lein Jagal  hohe  seine  Bojaren  gefangen 
genommen,  si  mit  wasser  gemardert,  si 
in  Eisen  geschmiedet  und  in  Temeniczen 
gesetzt  Voigt,  Gesch.  Pr.  V,  534. 
In  der  Willkür  der  Stadt  Marienburg 
von  1365  im  Plural:  tymmeniczen. 
Voigt,  Marienburg,  525.  Bei  Gebser, 
Gesch.  d.  Domkirche  I,  143,  tyminicze; 
bei  Stein,  Peregrinus XVI,  12:  Tem- 
niss.     Lit.  temnyczä,   teininyczä,  kslav. 


ttminica,  russ.  ternntca,  poln.  ciemmea^ 
magyar.  tSnUocz;  von  kslav.  tinuty  mss. 
fma,  böhm.  tma,  poln.  cnuiy  sanskr. 
tamas  Finsternis,  kslav.  thnimi,  mss. 
thnnyi,  böhm.  temn^,  poln.  ciemfng  fin- 
ster, lit.  t^msta,  temo,  thniiGnster  wer- 
den, tamsiis  finster.  Nsslm.  Th.,  187. 
Bernd,  Einl.,  29,  fordert  die  sla?i- 
schen  Wörter  als  germanische  zurück, 
denn  ags.  ist  dim  (thimm),  dima,  dim^ 
gend,  dimlic,  engl,  dim,  isl.  dinrnir  noch 
jetzt  dunkel,  finster,  und  ags.  dimneL, 
isl.  dimna  Dunkelheit,  Finsternis,  vor- 
mals auch  im  Deutschen  Thimstemisse 
etc.  Vgl.  auch  Schade,  99a,  anter 
demerunga.  In  Braunsberg  gab  es 
frQher  eine  TymmenytzcegoMe^  Gefang- 
nisgasse.  Braunsberger  Rreisbl.  1864, 
Nr.  19.  Sprw.  I,  1132.—  TemUtz  auch 
s.  V.  a.  Gericht,  Kichterstuhl.  Ek  Idi 
ihn  vor  mien  gerechte  TemUtz  forddere 
s.  die  Stelle  vollständig  unter  kreppefC). 

Tendele,  /.,  s.  Tagnet 
Tennenklatsche,  /.,  s.  Klatsche. 
Tennis,  Tönnigs,  Dens,  NTs,  m.  Vom., 
Dionysius.     Hartwich,  54. 

Tepper,  m,,  teppem,  sw.,  s.  TMpper  etc. 

ter-,  Vorsilbe  ät-,  oft  auch  ta  und  fe. 
ferfrösen,  st,  erfrieren,  s.  frtsen.  ter- 
futtem,  sw,,  ernähren.  Möt  wot  ter- 
futter'  m  söckf  Volksl.  3,  3,  4.  ter- 
köwern,  sw.,  s.  erkowem.  ferkriegen,  sw., 
sich,  s.  erhiegen,  terl§wen,  sw?.,  er- 
leben, termindern,  termingem,  sw.,  sich, 
sich  erholen,  s.  mindern,  femähren, 
sw,y  ernähren,  terobem,  sw.,  erübrigen, 
ersparen,  s.  erobern,  tafahren,  sf.,  er- 
fahren, Kenntnis  sammeln.  Na,  sdd 
de  Mutta,  gah  ok  hen.  Denn  warscht  et 
woll  tefaJvre.     Lhrztg.  1878.  S.  57  e. 

tßren,  sw.,  s.  dßren. 

Terling,  m.,  Ballen  Tuch.  Das  Tuch 
kam    atis    der  Fremde    in   grojzen    Pn- 


Terloch  —  tewern. 


399 


keten^  welche  TerUnge  hiefzen,  Danzig. 
Hirsch,  250.  Terling^  TerKnk  zu- 
nächst Würfel.    S.  Mnd.  Wb.  IV,  535b. 

TCrioch,  n.y  Zehrstelle  im  Eise.  El- 
binger  Niederung. 

lernen,  9w.^  ein  Holzflofz  (auch  eine 
Wittinne)  mit  dem  Tempfahl  ankern, 
anhalten;  lit..  temauti.  Ein  Schiffer 
springt  mit  dem  durch  ein  Tau  an  das 
Floi'z  befestigten  Tempfahle  ans  Land 
und  st<>izt  die  Spitze  desselben  in  den 
Boden.    Nsslm.  Wb.,  10a.  97b. 

Terner,  Holztemer,  plur,^  Ankerleute, 

die  für  die  Sicherheit  der  Holzflöl'ze  zu 
sorgen  haben.  Sie  begleiten  die  Trauen, 
haben  bei  dem  Transport  derselben  für 
die  Sicherheit  der  Schiffbrücke  bei  Til- 
sit zu  sorgen  und  schliefzlich  die  Flöi'ze 
vor  ihrem  Eingange  ins  Haff  hafftüch- 
tig zu  machen.  Vgl  Egsbg.  Hartung- 
sche  Ztg.  1866.  Nr.  211,  Uauptblatt. 

Ternpfahl,  m.,  Pfahl  zum  Temen.  In 
Danzig  Wurfpfahl. 

Tfirsch,  TSreche,  /.,  Hexe.    Alte  Ter- 

sehe.    Vgl.  tfiwem  u.  Ttwerhexe. 

terschaken,  «u?.,  durchprügeln.  Bock, 
69.    Hennig,  274.     Vgl.  dreschaken. 

f erwachten,  str.,  erwarten.  S.  ver- 
wachfen. 

Teschäcke,  /*.,  Taschenpistol^  TerzeroL 
Es  soll  kein  Scholar  auf  der  Gasse  oder 
in  den  Schulen  keine  Wehr^  es  sey  2V- 
schaken,  Rappier,  Dolch  etc.  tragen^  bei 
Verlust  der  Wehr.  Fund.  d.  Kgsbg. 
Akademie  vom  24.  Oktober  1541. 
Gleiche  Benennung  hatten  auch  die  in 
Teschen  gefertigten  Büchsenröhren : 
Teschinen  oder  Teschinken.  Hennig, 
274.     Adelung,  IV,  558. 

Test,  77».,  Milchnapf.    Saalfeld. 

Tetfg,  n.,  s.  Theezeug. 

fStschelny  sw.,  in  Zärtlichkeit  strei- 
cheln.   Er   hetschelt  und   tetschelt  das 


Kind  zu  sehr^  verwohnt,  verz&rtelt  es. 
Treichel. 

tSt8Chen,  sw.^  ein  Boot  durch  sanften 
Kuderschlag  fortbewegen;  auchpSfschen, 
pStscheln  Wohl  onomatop.  Bildungen. 
Treichel. 

Tttschk,  Pflzn.,  s.  Tubchk. 

Teufebblume,/.,  grofzblumiges  Vogel- 
kraut, SteUaria  holostea  L.  Pritzel, 
389. 

Teufebhand,  /.,  Pflzn.,  Orchis  maculata 

L.    S.  Gotteshand. 

Teufebkind,  n.,  Iltis,  Mustela  putorius. 
Hennig,  275.  Für  Liv-  und  Estland 
Hupel,  237. 

Teufebkralle,  /.,  Werkzeug  zum  Ste- 
chen des  Bernsteins,  lange  Stange  mit 
kräftiger  eiserner  Kralle. 

Teuf elszu jager,  m.,  einer,  der  dem 
Teufel  Seelen  zujagt.  Hei  ös  Dtweh" 
träger.  Sprw.  I,  3751.  B}r  hat  Teufels- 
zujager^  Helfershelfer. 

T6we,  Tif,  /.,  Hündin.  Ebenso  in  Nds., 
holl.  teef  schwed.  tafoa;  im  Götting. 
tifte,  tife,  die  Hündin,  tewe  der  Hund. 
Brem.  Wb.  V,  57.  Schamb.,  229  b. 
230  a.  In  Hessen  Zkjowe;  im  Fulda- 
schenZopp.    Vilmar,  471.    Vgl.  Zock. 

ftwen,  sw.^  s.  fVwen. 

TCwerhexe,  /.  1.  Hexe.  2.  altes, 
hexenartiges  Weib.  Da  qoohm  en 
Tover-Hex  tom  Onglock  en  den  Wech. 
Carm.  nupt.  I,  282,  5.  Komm  ' runder ^ 
du  Teewerhexy  du  schlechtet  Wie f stock! 
Dorr,  1.  Wiew.,  100.  Auch Tewersche, 
Ttrsche.  Kinder  jagt  man  mit  dem 
Rufe  in  Furcht:  Die  alte  Tersche  kommt! 
Bock,  68.  Hennig,  274.  Sprw.  H, 
2641.  Vgl.  Volksr.,  181,  694.  S. 
MoJkentewer. 

tftwem,  sw.y  zaubern.  Er  kann  te- 
wem,  er  versteht  zu  zaubern.  Se  ggft 
sik  m^  Teewem,   m§t  Beschwäreny  m^ 


400 


Tew8  —  Thnniudit 


Tahlenberekning  on  9Cne  Konstxtockaka 
af.  Dorr,l.  Wiew.,  100.  Holl.  tooveren, 
Bock;  68.  Hennig,  274.  Davon:  be- 
ttwem,  behexen. 

TSwSy  m.  Vorn.,  Matthäos.  Hart- 
wich, 54.     ErmlancL 

Oialem,  »it.,  dem  Vieh  eine  Kennung^ 
Erkennungszeichen;  Marke,  selbst  ein- 
brennen ;  vielleicht  weil  die  Marke  un- 
gefähr von  Thalergröfze  ist.    Tr  eichel. 

Tharau,  Ortsn.,  Kirchdorf  im  Kreise 
Pr.  Eylaa.  Bekannt  durch  „Ännchen 
von  Tharau.  ^     S.  Annke. 

Theaterspiel,  n.,  Theatervorstellung, 
Theater.  Wie  et  nu  Oawend  wea^  doa 
warre  de  grote  Frind  mött  dem  AfeUa 
Pölz  goane  dat  TheoataschpoU  beseeke. 
Boldt,  6. 

Thebald,  m.  Vom.,  Theobald.  Hart- 
wich, 54. 

Thechen,  pltd.  Theke,  w.  Vom.,  s.  DoröL 

Thedor,  m.  Vom.,  Theodor.  Hart- 
wich, 54;  doch  ist  die  Kürzung  all- 
gemein 

Thee,  m.  Er  ist  im  Thee^  hat  einen 
Kausch. 

Thee,  m.,  wilder^  gebräuchlicher  Stein- 
same, Lithospermum  offidnaU  L.  Ha- 
gen, 199. 

Theebrett,    w.,    Präsentierteller,    Ta-* 
blettc. 

Theezeug,  pltd.  TMlg,  n.,  Tassen. 
Dzg.  Nhg.     Viol^t,  104. 

ThCrsche,  /.,  s.  TCrsche. 

ThSs,  m.  Vom.,  Matthias,  s.  ThTs. 

Thierenberg,  Ortsn.,  Kirchdorf  im 
Kr.  Fischhausen.  Bei  steit  hinde  toerst 
op  wi  de  Tharenbarger,  Sprw.  I,  3759. 
Die  Thierenberger  stehen  hinten  zuerst 
auf.  Das  Rindvieh  (Thiere)  erhebt 
beim  Aufstehen  den  Hinterteil  zuerst, 
welche  Eigentümlichkeit  der  Lokalspott, 
durch  den  Nameo  veranlafzt,  auf  die 
Bewohner  von  Thierenberg  überträgt. 


ThUy  Thte,  m.  Vom.,  Matthias.  Hart- 
wich, 54.  In  der  Daiiziger  Nehnmg 
auch  Tben. 

TbOms,  Tome,  m.  Vom.,  Thomas. 

Thom,  Ortsn.  Bei  Jeroschia:  To- 
run:  eine  burc  Torun  genant,  25  d. 
Pfeiffer,  233.  Glühen  wie  die  intern 
Ddeher  von  Thom.  Müller,  Handb. 
d.  Prov.  Preofz.,  S.  85. 

Tborwagen,  m^  Jouraaliere,  welche 
an  den  Stadtthoren  halt  und  far  ein 
Billiges  nach  den  vor  der  Stadt  ge- 
legenen Vergnügungsorten  fahrt.  Egsbg. 

Dauzig.    Vgl.  DDttchenpost,  TaradeL 

Thorweg,  n    Das  Thorweg  steht  ofen. 

Tbrftn,  Thrftne,  /.,  Dem.  Tkranehem, 
Thrane,  Tropfen,  Fettauge.  Auf  der 
Suppe  ist  kein  Thrdnchen  Fett  zu  sekm. 
Mühling.  Bei  Jeroschin:  trän^  «i. 
Vgl.  Pfeiffer,  236. 

Tbran,  m.  Im  Thran  sein,  betranken 
sein.  In  kühner  Metapher  das  Ein- 
schmieren der  Stiefel  verglichen  mit 
dem  ^Einschmieren  der  Gurgel*.  Da- 
von thranen,  sw.^  fleilzig  denoi  Glase  za- 
sprechen;  beOiranen,  sich^  sich  betrin- 
ken. 

Thrantrichter ,  m. ,  Thranentricht^, 
schwarzer,  hoher  Hut 

Thrftn-TrTne,  /.,  Tbränen-Katharine, 
Spitzname  für  ein  weinerliches  (larmo- 
yantes)  Frauenzimmer.  So  sali  sAr 
frintlichj  kehn  Trahn-  Thrin^  ddby  hübsch^ 
rieck  on  tcörüich  syn,  Carm,  nupt  V, 
145c. 

Thres,  TrSs,  w.  Vom.,  Therese. 

Thiim,  m.,  Dom,  s.  TQm. 

thun.  Man  mu/z  etwas  dafür  thun, 
gegen  die  Krankheit  ein  Heilmittel  an- 
wenden. Einem  etwas  thun  =  leihen. 
Thu  mir  dein  Messei\     Treichel. 

Thunuscht,  m.,  der  Thuenichts,  Faul- 
pelz, Müfziggänger.  In  Posen  Thu- 
nischt,     Bernd,  314. 


Thunasditgat  —  tillem. 


401 


Thunuschtgilty  m.y  der  Thuenichtsgat, 
Taugenichts. 

ThUpgericht,  «.,  Thürgerüst,  Thür- 
pfosten.  ,, .  die  Bände  und  Krämpfen 
9ind  van  den  Thürgerichten  abgesprun- 
gen gewesen.    Linem.,  £  3a. 

TT,  /*.,  Name  des  FlaTzchens  Thiene 
in  der  Elbinger  Ndrg. 

Tibberangel,  /.,  aus  Blei  geformtes 
Fischmodell  mit  2  Angelhaken.  Die 
blankgeputzte  Angel  tibbert  den  Fisch, 
d.  i.  reizt  ihn,  lockt  ihn  herbei. 

tibbem,  no.,  reizen,  ermuntern.  Einen 
Schlummernden  auftibbem. 

Tick,  m.,  Eigensinn,  Grille.  Er  hat 
seinen  Tick  Davon  ticMsch,  adj.^  eigen- 
sinnig.    Vgl.  Sallmann,  42a. 

TTder,  TUder,  vhchd.  Zeider,  /.,  Strick 
an  kurzem  Pflock,  womit  man  Yieh 
und  Pferde  an  einem  Fufze  auf  der 
Weide  fesselt,  damit  sie  nur  eine  be- 
stimmte Strecke  im  Kreise  abweiden. 
Nds.  auch  Uer^  engl,  tedderj  holl.  und 
fries.  tudder.  Brem.  Wb.  V,  63.  Hen- 
nig, 275. 

ttdem,  tUdem,  vhchd.  zeidern,  sw.   1. 

ein  Tier  mittels  einer  Ttder  anpflöcken. 
Nds.  auch  ttren  und  tuddem;  in  Han- 
nover toddem.  2.  verwickeln,  verwir- 
ren. Der  Zwirn  ist  ganz  verttdertj  die 
Fäden  sind  wirr  verwickelt  3.  fest 
stricken.  Du  h<ist  wieder  gut  gettdert, 
4.  wegschieben.  Er  tidert  die  Läuse 
weiter,  sagt  man  in  Natangen,  wenn 
jemand  sich  am  Leibe  kratzt.  Sämt- 
liche Bedeutungen  lassen  sich  auf  ltder 
zurückfuhren:  das  getiderte  Tier  ver- 
wickelt sich  leicht  in  der  Ttder  (2), 
vertTdert,  verzeidert  sich,  zieht  sie,  so- 
bald es  den  ihm  zugänglichen  Kreis 
abgegrast,  straff  (3)  und  strebt  über 
die  Peripherie  des  Kreises  hinwegzu- 
kommen (4).  Im  Götting.  toder  in  iip- 
toder  verwirren.  Schamb.,  231a.  Brem. 

Prlfdibitr,  Wftrtwboek  IL 


Wb.  V,  63     Hennig,  275.     Davon: 

anttdem,  vhchd.  anzeidem,  sw 

TTding,/.,  Nachricht;  Zeitung.  Dzg. 
Nhg.  Violöt,  104.  De  ded  wol  so, 
as  wenn  he  flttig  an  den  Tidingen  les. 
Elbinger  Höhe.  N.  Pr.  Prov.-BL  a.  F. 
IX,  243.    Firmenich  IH,  494b. 

Tief,  pltd.  D6p,  n.,  Durchbruch  der 
Nehrung,  durch  welchen  das  Haff  mit 
der  Ostsee  in  Verbindung  steht,  Wasser-» 
strafze.  Es  giebt  in  der  Provinz  deren 
zwei:  das  Pillauer  und  das  Memeler 
Tief.  Preufz,  Pr.  Land.-  u.  Volksk., 
11.  35.  Hennig,  275,  hat  noch  das 
Wogrammsche  Tief.  Das  Tief  (ß.  i. 
die  Einfuhr  aus  der  Ostsee  ins  frische 
Haff)  bey  Lochstädt  erfvUete  sich  und 
die  See  eröffnete  ein  anderes  bey  dem 
Schlofz  Balga.    Bock,  Nat.  I,  689. 

Tiemägelchen ,  -nägelein,  n.,  Pflzn., 

rauhe  Nelke,  Diantkus  armeria  L.  Ha- 
gen, 457.    Pritzel,  133. 

Tif,  /.,  s.  TÄwe. 

THfert,  m.,  Täuber.  Schemionek, 
40.    S.  DHfert. 

ttkem,  sw.,  suchend,  prüfend  fühlen, 
mit  einem  Stocke:  der  Blinde  thut's 
stets,  der  Sehende  im  Finstem.  Fried- 
land Ostpr. 

Fllk,  m.  u.  /.,  Pfütze,  auch  kleiner 
Landsee  mit  geringem,  schlammigem 
Wasser.  Li  Schlesien  eine  Tiefe,  ein 
enges  Thal.  Mühling.  Li  Posen 
Tüke,  f.    Bernd,  315. 

Tilken,  plur,,  Hintergärten,  von  dem 
poln.  t^ Hinterteil,  Kücken.  Schmitt, 
Westpr.,  168. 

Tille,  w.  Vom.,  Mathilde;  w.  jüd. 
Vom.     Flatow.    Schmitt,  115. 

Tiller,  m.,  penis.    Vgl.  Piller. 

tillern,  sw,,  die  Fülze  viel  und  ofi  un- 
willkürlich bewegen;  sich  selbst  hin 
und  her  bewegen.    Davon  aus  beiden 

Bedeutungen: 

26 


402 


tillfufzen  —  Tiechbier. 


tillfurzen,  pltd.  tfllttuten,  at^.,  mit  den 
FoTzen  tillem;  taumeln^  tarkeln.  Trei- 
chel. 

Tlls,  Tllse,  Tilsit,  Ortsn.,  Stadt  an  der 
Memel,  von  dem  Flufzchen  TiUe  be- 
nannt, lit.  Tilie.  So  ist  es  wenn  man 
Tih  mit  Koenigsberg  vergleicht  Carm. 
ntiptJl^  203  c.  Wol  dir^  du  scliones 
Tilfz!  Ibid.,  231b.  Über  Tüdt  ist 
auch  der  Himmel  schwarz,  S  chl  ei  eher, 
Lit.  Märchen  etc.,  182.  Sprw.  I,  3763. 
Nsslm.,  TL,  188. 

Tilz,  m.y  Ekelname,  Schimpfwort. 
Stein,  Peregrinus  Xn,  82:  Tiltz.  W. 
Mtsbl.  V,  191. 

Timmbrett,  n.,  von  den  zwei  oder  drei 
zusammengeschlagenen  (gezimmerten, 
pltd.  getimmerten)  Seitenbrettem  des 
Arbeits  Wagens  das  grölzere.  Tr  ei- 
chet.   S.  Tunkbrett. 

Timnitz,  /.,  s.  Temnitz. 

Timpf,  m.  1.  Nasenstüber.  2.  Ein- 
fQnftel-Thalerstuck,  Achtzehner  (s.  d.). 
Der  Name  ist  in  Westpreuizen  und  in 
Polen  üblich  und  rührt  daher^  dafz 
diese  Münzsorte  von  einem  Münzpäch- 
ter Andreas  Tympf  zuerst  geprägt  wor- 
den ist.  Bock,  Nat.  V,  383.  So  wel 
ek  nt  mtner  langen  Fikefi  JEnen  Timpf 
heruter  riken,  Volker.,  277,  966.  Be- 
käme sie  gleich  tausend  Timpf en,  Carm. 
nuptlj  127.  üntervi  Timpf  vrird  nicht 
geblasen  =  billiger  ist's  nicht.  Elbinger 
Ndrg.  Vgl.  Soph.  R.  I,  18.  167  und 
öfter. 

TTn,  TTne,  vhchd.  Teine,  /.,  hölzerne 
Bütte, Kübel, Wanne.  WaschttneyWasser' 
ttne.  Die  Brunnen  und  Wassertienen, 
welcJie  mit  Wasser  beständig  au/zer  im 
Winter  angefüllt  stehen  müssen  .  .  .  sol- 
len ,..  im  guten  Stande  erhalten  wer- 
den. Feuerordnung  vom  Jahre  1719. 
Bock,  69.  Hennig,  275.  Nds.  tine, 
lit.  ti/ne,  schwed.  tina^  ital.  tino.   Brem. 


Wb.  V,  71.  Lit.  Aeq.,  21.  Adelung 
IV,  604. 

TTne,  w.  Vom.,  Christine,  Emestine. 

Tink,  /.,  Zinke.  Harkednke^  die  Zin- 
ken, Zähne  eines  Rechens.     Eggetinke. 

Tinklas-Leidomassis,  -Mettomassis,  (?), 
s.  Leidomassis. 

Tinklasizaunamassis,  (?),  Netzwand  bei 
grofzen  Lachswehren ;  die  Maschen  dör- 
fen  in  derselben  nicht  enger  als  3  Zoll 
im  Quadrat  sein.  Fisch.-Ord.  f.  d.  kur. 
Haff,  §  23.  Lit.  tinklas  Fischemetz. 
Nsslm.,  Wb.,  105b. 

Tinkleitis,  /.,  Netz  zur  Sommer-  and 
Winterfischerei  im  kurischen  Haff",  erst 
seit  etwa  40  Jahren  eingeführt,  von 
einer  Länge  bis  zu  30  m.  Vgl.  Be- 
necke,  375. 

Tipp,  Name  und  Lockruf  für  das 
Huhu;  auch  Tipps,  Tschipp,  Tscbippa, 
Tschippchen,  Tschippeck.  Yolksr.,  64, 
242  i. 

Tippel,  m.y  Dem.  Tippelchen^  Tüpfel, 
Punkt.  E  Farkel  möt  e  untte  Tippd. 
He  trefft  em  grdd  öm  Tippel.  He  heffi 
den  Imktippel  getroffen,  er  hat  den  rich- 
tigen Punkt  berührt,  den  Nagel  auf 
den  Kopf  getroffen.  Sprw.  I,  3823. 
1801.     Hennig,  276. 

tippeln,  sw.,  Tippel  maclien^  punktie- 
ren.    Getippelte  Leinwand, 

tippen,  sw.  1.  tupfen,  tupfen.  Mit 
dem  Finger  tippen.  2.  picken.  Die 
Hühner  tippen.  Daher  tipp  tipp!  als 
Lockruf  für  Hühner.  Hennig,  276. 
Nach  Treichel  auch:  auf  eine  Karte 
setzen,  wohl  weil  dabei  mit  dem  Fin- 
ger darauf  getippt  wird,  und  coire. 

Tiptam,  Medik.,  Radix  DictamnL 

Tiras,  m.y  Hundename. 

tirren,  sm?.,  zerren,  reifzen.    Tr  ei  cheL 

tisch,  interj.y  Scheuchruf  zum  Feder- 
vieh.   Litauen.    Volksr.,  242  i. 

Fischbier,  n,  s.  Schemper. 


Titi  —  tocken. 


403 


ra,  /.,  8.  TiÄe. 

Titte,  /.,  Zitze.  1.  die  Warze  an 
der  Brast,  Brustwarze^  Mutterbrast.  2. 
die  Brost  selbst.  Ahd.  tuUd,  tutd^ 
tutto^  tutti,  mhd.  tutte^  tute.  In  der 
Kindersprache  Titf.  Gieb  ihm  die  Titi, 
Schwed.  dia  säugen,  isld.  titla. 

TlZ^,  m.  Vom.,  s.  ThTs. 

Tobak,  7n.,  Tabak;  scherzweise  auch 
Tobich.  Nach  Tabak  reiten^  in  kurzem 
Trabe  reiten.  Einem  solchen  Reiter 
rufen  die  Jungen  nach:  Nä  Tobak! 
Nä  Tobak!  Das  ist  von  Anno  Tobak^ 
aus  alter  Zeit,  die  sich  nicht  feststellen 
lälzt.     Sprw.  I,  90. 

tobbem,  tubbem,  sw,  1.  anreizen,  an- 
regen durch  Zureden;  beunruhigen, 
aufstören  durch  Stolzen;  stelzend  an- 
treiben. Daher  auch  antobbern,  antub- 
bem;  ~  auftobbem,  auftubbem.  Müh- 

ling  hat  in  gleichem  Sinne  auch  tab- 
bem.  2.  in  Natangen  auch:  aufhalten, 
zurückhalten  in  oder  bei  einem  Unter- 
nehmen. Friedland  Ostpr.  In  Ham- 
burg und  Bremen  tobben  und  toppen 
zupfen,  ziehen.  Brem.  Wb.  V,  83.  Vgl. 
tu/rbieren  von  dem  lat.  turbare.  Bock, 
69.    Hennig,  276. 

Tobian,  m.,  von  toben  gebildet,  wie 
Crrobian  von  groby  Tobender,  Wüterich. 
Treichel. 

Tobiasfisch,  m.,  Tobies,  m.,  Tobieschen, 
n.,  s.  Suter. 

Tobich,  m.,  s.  Tobak. 

Tobies-chen,  pltd.  TobTsIcen,  nach  Hen- 
nig, 276,  Spottname  für  die  ehemaligen 
Memeler  Stadtsoldaten^  weil  sie  kleiner 
als  die  Feldsoldateu  waren;  nach  dem 
Tobiasfisch. 

Tobies-chengarn,  n..  Gram  zum  Fang 
der  Tobieschen.     S.  Benecke,  356. 

tobig,  adj.  von  toben:  tobiges  Wetter^ 
ein  tobiger  (tobender)  Mensch,  Trei- 
chel. 


Tobolize,  /.,  Tasche.  Wer  ouch  stylt 
eynem  ledigen  knechte^  der  an  wip  ist^ 
US  syner  tobolizen^  daz  ist  syne  tasche  . . ., 
daz  her  dar  inne  hat^  her  buszet  ouch 
XII  mar g,  Volckmann,  ältest.  pok. 
Rechtsdenkmal,  13.  Kslav.  tobolici  = 
Saccus^  poln.  und  böhm.  tobota^  tobolka 
Ranzen,  Reisetasche,  lit.  tobelis^  tobnycza 
Klingsäckel.  Nsslm.  Forsch.  3;  Th., 
189. 

Toches,  m.,  der  Hintere.  Jüdisch- 
deutsch. 

Tocht,  m.,  s.  TachL 

Tochtbinse,  /.,  geknäuelte  Binse,  Jun- 
cus  conglomeraius  L,  Das  schwammige 
Mark  dient  als  Lampendocht.  Hagen, 
373. 

Tocic,  m,,  Tocice,  /:,  Dem.  Tockchm, 
Töckchen.  1.  Flachspuppe  am  Rocken. 
2.  kleines  Gebinde  Baumwolle,  Zwirn, 
Seide.  Hole  ein  Tockchen  Seide!  Ahd. 
tocchdy  mhd.  tocke  Puppe,  walzenför- 
miges Stück  Holz,  Zapfen  (so  bei  Je- 
roschin:  tocke.  Pfeiffer,  233);  nd. 
dockcy  schwed.  docka,  dän.  duJdke.  Vgl. 
Schmellerl,  356.  3.  Puppe,  zur  Be- 
zeichnung eines  Frauenzimmers.  Ich 
hob  ins  Haus  gefOhret  mein  eigen  ün- 
glikk^  ein  Spielvogel,  Spielpop  zu  tisch 
und  zu  bedt  hoffertige  Tock  die  alles  in 
die  neue  Muster,  Hauben,  KoUer,  Me- 
der,  Hembd,  Krencken,  Neden  und  an^ 
dere  Hofart  steckt.  Stein,  Peregrinus 
Xm,  86.     W.  Mtsbl.  VI,  159. 

tocicen,  sw.,  ziehen,  zupfen,  zucken; 
locken,  lockend  ziehen.  Möt  kUne 
Brocke . . .  död  man  em  voidertocke^  wei- 
terziehen. Lhrztg.,  4,  355b.  Aus  dem 
Prät.  von  tene  ziehen,  tog,  engl,  tug, 
isl.  toka,  Brem.  Wb.  V,  77.  In  Hessen 
eigentlich :  Fäden  ausziehen,  beim  Spin- 
nen; gewöhnlich  aber  gebraucht  für: 
F&den  verwirren.    Vilmar,  4lf.   Nach 

Marold  bildlich  auch:  einen  bearbei- 

26* 


404 


Tockenwerk  —  Tolkemit. 


ten  mit  Scheltworten  oder  mit  Schla- 
gen. 

Tockenwerk,  n.,  Puppen  werk,  Spiel- 
werk; von  Tocke.  WeÜ^  die  du  närrisch 
UA$t  der  Ekrmckt  Tocken-  Werck  !  Cann. 
nupt  in,  182  c. 

Tod,  m.  In  Redensarten:  I}r  sieht 
auSj  wie  der  Tod  von  Dirschatu,  —  tßie 
der  Tod  von  Kieioten^  —  loie  der  Tod 
von  Warschau^  —  wie  der  Tod  von 
Eylau^  —  wie  der  Tod  von  Gruntau^ 
alle  zur  Bezeichnung  eines  kranken, 
hagem  und  geisterbleichen  Menschen. 
Das  Genauere  s.  Sprw.  I,  202—204; 
n,  207.  208.  Hennig,  276.  —  Der 
Tod  lauft  über  mein  Orab^  —  über  den 
Rücken,  ein  Schauer  überlauft  mich. 
Er  hat  dem  Tod  ein  Pcuir  Schuhe  ver- 
sprochen^  ist  von  schwerer  Krankheit 
genesen.  Er  ist  gut  nach  dem  Tode  zu 
schicken^  er  kommt,  wenn  er  fortge- 
schickt wird,  gar  nicht  oder  sehr  spät 
wieder.  BJr  trägt  den  Tod  Huckepack, 
auch:  Der  Tod  sitzt  ihm  auf  dem  (im) 
Nacken,  —  auf  der  Zunge,  er  ist  ein 
Todeskandidat.  Für  den  Tod  kein 
Kraut  gewachsen  ist  Des  einen  Tojdy 
des  andern  Brot  Tweierlei  D6S  kann 
man  nich  starwe,  öck  hadd  mt  eher 
den  Dod  vergesteUt,  wenn  etwas  Uner- 
wartetes geschieht.  Ömmer  mehr!  seggt 
de  Dod.  Ver^m  Dod  6s  kein  Krvt  ge- 
wasse,    Sprw.  I,  3773  ff;  II,  2688  ff. 

Tod,  schneller,  s.  Seelenverkäufer. 

Toddehase,  m.,  nach  Hennig,  276, 
ein  nachlässig  ^kleideter  Mensch,  dem 
„Hosen  und  Strümpfe  herabhängen". 
Schemionek,  40:  Toddhaas,  Lum- 
pazivagabundus, Strolch. 

toddern,  sw.,  zögern,  langsam  handeln. 
Ygl.  zoddeln.    Davon  Todderei,  /. 

Todesgeruch,  Dodesgeruch,  m.,  Geruch 

nach    dim   Tode,   nach   Leichen,    zur 
Bezeichnung   eines    heruntergekomme- 


nen, verödeten  Geschfifites:  Hier  nt 
Dodesgeruch. 

todreif,  adj,,  s.  tot. 

Toff,  Ortsn.,  Tiegenhof  im  Werder; 
Kürzung  des  Namens. 

Toffel,  m.  Yom.,  Christoph.  Aodi 
blolz  Toff:  Der  Toff  hat  je  doch  aOt 
Jähr  Gebortstag.  Schaltj.  1,  438^  YgL 
Tusch. 

tohOp,  ado.,  wörtlich:  zuhaiif^  dem 
Sinnenach:  zusammen,  insgesamt.  ABe 
tohop,  alle  insgesamt.  He  hett  mät  der 
Wedfru  sock  tohop  verspräkej   verlobt 

Vgl.  versprechen. 

tojahr,  adv,,  im  vorigen  Jahr,  s.  ze- 
jahr. 

TVIe,  T6le,  /.,  Hündin;  aber  auch 
Hund. 

Tolk,  Tolke,  m.,  Dolmetscher  im  bür- 
gerlichen und  kirchlichen  Dienst  in 
frühester  Ordenszeit  and  später;  auch 
Mäkler.  Das  Wort  ist  altpr.  If rspnings, 
lit  iulkas,  lett  tulks,  tuikatnis,  estn. 
tuUc,  schwed.,  isländ.,  dän.,  hoU.  tolk 
Dolmetscher.  Das  Wort  ist  erhalten 
in  Ortsnamen:  ToUcs,  Tolksdorf,  Toi- 
keim,  Tolklauken,  und  als  Personen- 
name. Vgl.  Toppen,  Einige  Reste  der 
altpr.  Sprache.  Altpr.  Mon.  IV,  147  £ 
Nsslm.  Forsch.  2;  Th.,  189.  Bock, 
69.     Hennig,  276. 

Tolkemit,  Ortsn.,  Städtchen  am  fri- 
schen Haff.  Spott:  Er  ist  aus  Tolke- 
mit am  frischen  Haff,  alhco  der  Aal 
an  der  grofzen  Kette  liegt.  Toücemü, 
ein  Stedtlein  im  Hockerland,  da  man 
den  fürwitzigen  Leuten  den  gefangenen 
Ael  an  der  Ketten  im  Haff  wfeisset 
Hennenberger,  463.  In  ToUcemit 
wohnen  99  Töpfer,  taenn  det*  hundertste 
jung  wird,  stirbt  einer.  In  Tolkemit 
liegt  ein  grojzer  Stein,  und  wenn  der 
Hahn  kräht,  rührt  er  sich  (nämlich  der 
Hahn).    De  Tolkemitta  sene  sua  üt 


tolken  —  Topf. 


405 


sagt  man  in  Frauenborg,  wenn  im 
Westen  der  Himmel  sich  bewölkt. 
Sprw.  I,  3788ff.  — Tolkemit,  Mühl- 
hausen und  Domnau  sind  die  ost- 
preufzischen  Rivalen  Abderas.  Höhnend 
spricht  man  vom  Tolkemiter  „Hafen^, 
vom  Kirschbaum  auf  der  Kirche,  vom 
Aal  an  der  Kette,  von  der  Belagerung 
Tolkemits  durch  ein  Heer  von  Stinten. 
Seit  dem  siegreichen  Kampfe  mit  die- 
sen Fischen  heiizen  die  Tolkemiter 
StinUtecher.  Der  Aal  aber  bedrohte 
einst  die  Stadt  und  mufzte^  damit  er 
sie  nicht  ins  Verderben  brächte,  von 
derselben  gut  gepflegt  werden.  Als 
man  ihm  aber  von  dem  Tolkemiter 
Bier  (es  hiefz  Rorkatter^  Rarkater,  also 
BrQlikater,  s.  Bier)  gab,  starb  er  daran 
und  wurde  jubelnd  an  die  Kette  ge- 
legt. 

tolken,  9w ,  dolmetschen;  nach  Müh- 
ling  auch  hehlen  und  stehlen. 

Tolker,  m.^  s.  Holker. 

toll,  adj,y  stark,  schön,  br|v,  vorzQg- 
lich.     Mühling. 

Tolle,  /.,  Dem.  ToUchen.  1.  kleine 
Quaste  von  Wolle,  Seide  etc.  Die  Tol- 
len an  einer  Pfeif emchnur.  Bock,  69. 
Hennig,  277.  2.  quastenartig  aufge- 
rollte oder  natürlich  gekräuselte  Haar- 
locke. 3.  Krause  an  der  Halsöffhung 
des  Frauenkieides.  4.  beim  Schwein 
die  quastenförmigen  Warzen  am  Halse. 
Vgl  tullen. 

TVIIelks,  m.,  8.  Tellelks. 

tollen,  sw.y  s.  dollen. 

Tollkraut,  n.,  s.  DoHkrauL 

Tollpatsch,  Dollpatsch,  Tallpat,  m.^  der 
Fehlgreifende,  Linkhändige,  Unge- 
schickte, Tölpel.  Rochholz,  alera. 
Kinderlied,  137.  Nach  WeigandH, 
910,  TolpaUch  zunächst  ungarischer 
FuTzsoldat;  aus  ungar.  tcJ/pas  breit- 
fufzig,  von  ungai*.  talp  FuTzsohle.    In 


Posen    Talpa1»ch.    Bernd,  304.    Da- 
von: 
tollpatsohig,  dollpatsohig ,   tallpattlsch, 

adj,  u.  ocfe.,  linkhändig,  ungeschickt, 
plump. 

Tollterrollter,  m.^  s.  v.  a.  ToUpatach. 
Friedland  Ostpr.    S.  Toltorjan. 

Tollvater,  m.y  s.  Dollvater. 

tVlIvVten,  8W.,  in  Schmerzen  liegen. 
Dzg.  Nhg.    Violöt,  104. 

Toloster,  m.j  ungeschlachter  Mensch, 
der  mit  der  Thur  ins  Haus  fallt.  Sche- 
mionek,  40. 

toKerig,  adj.^  s.  toltem. 

Toltorjan,  m.,  ungeschickter,  plumper 
Jan,  Tollpatsch.    Samland. 

toltern,  sw.y  ungeschickt,  plump  sich 
bewegen,  unsicher  und  polternd  gehen, 
taumeln.  Davon  toHorig,  toHrig,  adj. 
Samland.     YgL  hoKorlg, 

TOmbank,  Tönbank,  /.,  Ladentisch, 
Zahltisch,  Krämerlisch,  auch  Lit,  Litt 
(s.  d.).  Von  dem  hoU.  toonen  zeigen, 
weisen,  sehen  lassen.  In  Hessen  Don- 
bank.     Vilmar,  78. 

TVmlitz,  /.,  s.  Temnitz. 
Toms,  m.  Vorn.,  s.  Thoms. 
Tön,    m.    Vom.,    Anton,    Antonius. 
Ermland. 

TOnbank,  /.,  s.  TOmbank. 
Tonnchenfuner,  m.,  Schimpfwort.  £1- 
bing. 

Tonnenband,  m.,  s.  Band. 

Tonnengift,  n.,  altes  Getreide,  das  als 
Gut  in  Tonnen  verschifFt  wurde.  Bock, 
Nat.  I,  689. 

Tonnenstein,  m.^  TonnenstUck,  n.,  Bern- 
stein besserer  Sorte,  der  nach  dem  Ton- 
nenmalz verkauft  wird.  Bock,  Nat.  U, 
218.    Vgl.  Stein. 

TVnnigs,  m.  Vom.,  s.  TonnTs. 

Topar,  m.,  Fischn.,  s.  DTbel. 

Topf,  m,y  Malz  beim  Flachsbinden, 
Bündel  von  40  bis  60  Händen  voll.    Es 


406 


Topfchenkicker  —  tot. 


soll  eigentlich  heifzen:  ein  Zopf  Flachs. 
Hennig,  277.    Vgl.  Glage. 

Topfchenkicker,  m.,  einer,  der  ins 
Topfchen  gockt,  ein  EJeinigkeitskrämer, 
der  sich  um  alles  kümmert,  ein  Kick- 
in-den-Topf.    Sprw.  I,  3807. 

TSpferguty  n.,  Töpferwaren:  Töpfe, 
Schusseln,  Teller  etc. 

TVpferiatein,  n.,  in  Dzg.  Topperiatein, 
in  Egsbg.  Tepperiatein,  pltd.  Tepper- 

latfnsch,  Sprache  der  Schaljagend,  in 
der  es  aaf  ein  eigentümliches  Bach- 
stabieren  ankommt,  wobei  jeder  Kon- 
sonant Tor  and  hinter  ein  kurzes  o 
gesetzt  wird,  während  der  Vokal  dem 
Klange  nach  angegeben  wird.  Mein 
Name  z.  B.  warde  wie  folgt  gerafen: 
fof  rar  i  scho^ch  hob  %  ror.  Das 
Topferlatein  wurde  in  meiner  Schulzeit 
von  der  Königsberger  Volksjagend  mit 
grofzer  Geläufigkeit  gesprochen,  scheint 
jetzt  jedoch  verklungen. 

tSpfem^  pltd.  teppem,  «u?.,  irdenes  Ge- 
schirr zerschlagen. 

Topfflicker,  m.^  einer,  der  Töpfe  flickt, 
ausbessert,  mit  Draht  bestrickt;  als 
Schimpfwort.  Wm  bistu  anders  ah  ein 
elbingscher  baünrer  vnd  ein  Dopfflicker 
vnd  ein  verloffner  Danzker.  Morgspr. 
anno  1532. 

toppen,  8w.^  wetten,  von  der  luterj. 
topp  =  es  gilt.  Nach  flennig,  277, 
auch  tauschen.  (?)  Bei  Hier m es  topp- 
machen  wetten:  Und  nun  . . .  wäre  denn 
Ihre  Wette  verloren^  wenn  Sie  hätten 
toppmachen  wollen.     Soph.  R.  HI,  22. 

Toppkestricker,  m.,  Slovake,  der  Töpfe 
mit  Draht  bestrickt.     Vgl.   LapHschke- 

Schwenker. 

Topptuch,  m.y  Lappen,  mittels  dessen 
man  den  Kochtopf  vom  Feuer  hebt. 

Torbe,  /.,  Tasche,  Bettelsack.  Von 
dem  gleichbed.  poln.  torba. 


Tordei,  m.,  Strudel,  WasserwirbeL 
Mühling. 

tordefn,  nr.,  vom  Wasser^  wenn  es 
sich  wirbelnd  dreht.     Mahling. 

Torf,  tn-  Bei  Torf  sein^  bei  Yeistand 
sein.     Treichel. 

Torfschweifiy  n..  Glück.    TreicheL 

Torfstecher,  pltd.  Torfsteker,  m.,  Spott- 
name für  Blinder,  deren  Nase  durch 
erhärteten  Nasenschleim  schwarz  ge- 
färbt ist.     Oberland. 

Torkel,  Türkei,  m.  1.  Taumel,  Zu- 
stand der  Trunkenheit;  von  torkeln.  Er 
ist  im  Torkel.  Bei  Jeroschin:  der 
turc.  Pfeiffer,  236.  2.  Branntwein, 
weil  er  torkeln  macht  ös  denn  gar 
kein  Torkel  op  em  Dosckf  3.  Glück, 
das,  nach  der  Volksmeinnng,  dem  Trun- 
kenen günstig  ist.  Er  hat  heute  den 
Torkel,  Glück  im  Spiel.    Sprw.  I,  3808. 

torkeln,  turkeln,  sw,,  taumeln,  wanken, 
meist  aus  Trunkenheit.  Ebenso  in 
Bayern.     Schmeller  I,  456. 

torlelderv^.,  jemand  abfahren.  Dzg. 
Nhg.  ViWlöt,  105.  leiden  =  leiten: 
jemand  zum  Thor  leiten,  ihn  dorthin 
ins  Ge&ngnis  führen,  das  sich  oft  in 
dem  Stadtthore  befindet  (?). 

Torn,  /.,  s.  Tarn. 

Tornister,  n.    Das  volle  Tornister, 

toröm,  adv.,  zu  Raum,  zum  Vorschein. 
To  rom  kommen,  hervorkonunen.  Na- 
tangen. 

torschen,  sw,,  dürfen,  wagen,  sich  ge- 
trauen. Wenn  ich  man  torscht!  Ober- 
land. 

Tort,  m.  Im  Tort  sein,  betranken 
sein.    Oberland.    Verwandt  mit  TarkeL 

Tosch,  m.  Vorn.,  Christoph.  Dönh. 
Mien  Broda  wör  mie  goth,  tvie  Krogen 
Tosch  der  Öw  (Eva).  Carm.  nupt.  III, 
77  c. 

tot,  adv.,  total,  völlig.    Das  Katm  ist 


Totenblume  —  tralfien. 


407 


totreify  ist  völlig  reif.  Dönb.  Marold 
schreibt  todreif. 

Totenblume,  /.,  Faulbaum,  Pruntcs 
padiis  L.    Treichel,  Volksth.  III. 

Totensand,  m.,  Sand  vom  Begräbnis- 
platze. 

Totenstroh,  w.,  Stroh,  das  bei  Begrab- 
nissen an  der  Grenzmarke  vom  Leichen- 
A^agen  geworfen  wird,  damit  darauf  der 
Tote,  wenn  er  sein  Heimatdorf  besuche, 
ausruhe.  Öm  blingen  Brock  Da  wankt 
dat  Spook^  Da  sott  et  op  em  Dooden- 
Stroh  On  schnort  ju  aWn  de  Oorgeln  to, 
Elbing.     Spook,  471. 

Totenwache,  /.,  Wache  zur  Ehre  eines 
Verstorbenen  am  Abende  vor  dem  Be- 
gräbnis. An  dem  mit  brennenden  Ker- 
zen umstellten  Sarge  werden  Sterbe- 
lieder gesungen,  später  giebt  es  Trank 
und  Speise.     Hennig,  293. 

totfUttem,  pltd.  dOtf uttre(n) ,  sw.^  zu 

Tode  füttern.  Hei  lätt  sock  dotfuttre^ 
er  lebt  im  Ausgedinge,  erhält  Nahrung 
und  Kleidung  bis  an  sein  Lebensende. 

Towarren,  ^/wr.,  nach  Bock,  70,  u. 
Hennig,  278,  eine  Anzahl  beladener 
Frachtwagen.  Lit.  taworä^  tawöras^ 
russ.  poln.  towar  Ware.  Nsslm.  Forsch. 
3;  Th.,  190. 

tSwen,  tCwen,  sw.,  warten,  verweilen, 
verziehn.  Eck  kann  nick  langer  towen^ 
ich  kann  nicht  länger  warten.  Töw\ 
Racker j  warte,  Racker!  On  wer  met 
syner  Wahl  plegt  altolang  to  thöwen, 
Dey  wiü  bohl  dit  bohl  dat.  Carm,  nupt 
111,  133  b.  Nu  teewt  man  bat  on  schwiet 
man  stoU.  Dorr,  60.  Volksl.,  97,  39, 
1.  Im  Götting.  ^i^^n,  holl.  toeven, 
schwed.  to/t?a.  Schamb.,  231b.  Hen- 
nig, 277. 

tSwern,  sw.^  s.  tCwem. 

Trabant,  m.,  wilder,  unnutzer  Junge. 
Er  ist  ein  rechter  Trabant, 

Traber,  m.j  s.  Dreher.  . 


trachaideln,  n^.,  zwecklos  herumziehen, 
sich  herumtreiben;  daher  auch  herum- 
trachaideln.      Friedland    Ostpr.      Vgl. 

rachaideln. 

Tracht,  /.,  s.  DrachL 

Trachtschlunk,  m,  s.  Drachtschlunk. 

Traft,  /.,  s.  Dritt 

Tragband,  m.  u.  w.,  Hosenträger. 

Trilger,  plur.y  zur  Ordenszeit  eine  be- 
sondere Zunft.  In  Danzig  unterschied 
man  die  Kohlen-^  Bier-j  Salz-  u.  Korn- 
oder  Sacktrager.  Sie  galten  als  „ge- 
schworene" Leute,  besorgten  den  Trans- 
port der  Waren  unter  Garantie  und 
vermittelten  wohl  auch  als  Mäkler  Ge- 
schäfte.    Hirsch,  219.  328. 

Tragheim,  m.,  Name  eines  Stadtteils 
von  Königsberg,  der  im  14.  u.  15.  Jahr- 
hundert noch  ein  Dorf  war.  Vgl.  Ge- 
naueres bei  Faber,  111  ff. 

Tragsei,  n.,  s.  Siel. 

Träkel,  /.,  weiter  Stich  beim  träkeln. 

Träkelfaden,  m.,  langer  Faden,  mit 
dem  man  trdkelt^  Heftfaden.  Den  Trä- 
kelfaden ausziehn;  es  geschieht,  wenn 
die  Nähterei  fertig  ist. 

trftkeln,  sw.^  mit  weifzem  Faden  die 
Richtung  der  Naht  vorzeichnen;  mit 
weiten  Stichen  das  Futter  an  das  Ober- 
zeug, oder  einzelne  Stücke  einer  Nähte- 
rei zusammenheften;  nach  Adelung 
lY,  644,  hchd.  anschlagen.  Engl,  to 
irace,  schwed.  träckla,  dän.  trokle.  an- 
trftkeln,  mit  Trakelstichen  anheften. 

Trakelstich,  m.^  Sticii  beim  Trakeln. 

Traktat,  n.  u.  m.^  Traktament,  Gast- 
mahl, Schmaus.  Er  hat  ein  grofzes 
Traktat  ausgerichtet^  ein  grofzes  Gast- 
mahl gegeben.    Auch  TraktemenL 

Tralä,  n.,  Aufheben,  Gerede.  Was 
machst  du  für  ein  grofzes  Trald  von 
der  Sache!    Vgl.  Trararum. 

traläen,  sw.^  trcUa  singen,  trällern, 
ludtig  und  munter  sein;  viel  reden. 


408 


Traljen  —  tranken. 


Traljen,  plur.^  eingemauerte  Eisen- 
stabe vor  den  Fenstern  der  Gefängnisse 
and  Kassen. 

Trame,  /.,  Leitersprosse.  Treichel. 
Der  Train  Balken,  mhd.  drchne^  trdme. 
Vgl.  Weigand  ü,  918. 

trampeln,  s/w^  trampen,  mit  den  Fa- 
fzen  stampfen,  stampfend  auftreten. 
TrampeV  mir  nicht  auf  die  Füfze;  Bei 
Jeroschin  als  starkes  Neutrum:  do 
wart  so  luite  ir  gebrach  unde  ir  tram- 
peln dd  vor  137c.  Pfeiffer,  234.  In 
Bayern  trappeln^  treppdn  und  trippeln, 
Schmeller  I,  497.  betrampeln,  . .  6^ 
lächelte  er  gar  höhnischer  Weise^  da  er 
sähe,  da/z  die  Fischer  Knechte  jhre  nasse 
Oewand' Handschuhen  in  dem  Schnee 
starck  betraten  und  (wie  wm  zu  nennen 
pflegen)betrampelten.  Wann  aber  dienasse 
Handschue  in  dem  Schnee  betreten  oder 
betrampeU  worden^  so  ziehet  sich  ...das 
Wasser  aus  denHandschuen  indenSchnee. 
Linem.,  Ttla.  Nach  Mühling  hat 
betrampeln  auch  die  Bedeutung:  über- 
treffen, gewinnen ;  also  einen  unter  die 
Füfze  bekommen,  heramtrampeln,  viel 
umhergehen.  Ich  bin  heut  viel  herum- 
getrampelt. S.  Küken,  zertrampeln,  zer- 
treten. 

Trampeltier,  n.,  Schimpfwort  auf  einen 
plumpen,  ungeschickten  Menschen  mit 
grol'zen  FüTzen. 

Trank,  m.^  s.  Drank. 
Tranktonne,  /,  s.  Dranktonne. 

Transch,  Trantsch,  m.,  Schelte,  Vor- 
wurf in  scharfer  längerer  Rede.  Einem 
einen  Transch  blasen  —  machen.  Trei- 
chel. 

Trappe,  /.,  Tritt,  Fulzspur,  von  trap- 
pen treten.  Ich  will  aber  auch  allhie 
den  Trappen  folgen  und  Augenschein- 
lich erweisen  etc.    Linem.,  U3a. 

trappeln,  sw^  von  trappen  treten,  oft 
auf  etwas  treten.   ^Hennig,  278. 


Trappen,  m.,  Muster,  Schema.  Ver- 
altet   Mühling. 

Trappier,  Trappirer,  m.,  der  vierte  anter 
den  obersten  Gebietigem  des  deatschea 
Ritterordens,  der  die  Montienmg  der 
Ordensbrüder  verwaltete.  Wn'  Bruder 
Günther  von  Schwarzburg  ^  ObrtMter 
Trappirer.  Franz.  drap  Tuch.  Hen- 
nig, 278. 

trappsen,  pltd.  drafeen,  atr^  beim  Ge- 
hen stark  auftreten.  Von  trappen.  Im 
Gotting.  draffen.  Schamb.,  46b.  hi 
Hessen  trappchen  und  trassen.  Yil- 
mar,  414.  abtrappsen,  abgehen^  ab- 
laufen. De  Schoh  aftrappae^  ablaufen, 
aufirappsen,  stark  auftreten. 

Traratrum,  n.,  Theater.  Doa  tcea  ok 
so  e  grotet  Traratrum  errecht  (errichtet); 
hier  s.  v.  a.  Kanzel.  Volksl.  36,  251, 
1.    Vgl.  Trijaler. 

Trararum,  m ,  der  ganze  Kram ;  grofz 
Geschrei  über  etwas  erheben.  Sehe- 
mionek,  40.    Vgl.  TralL 

Traste,  /.,  Witinne,  langer  flacher 
Kahn. 

Tratel,  Treltel,  m.  jüd.  Vom.  Flatow. 
Schmitt,  113. 

tratschen  (a  lang),  tratschen,  8tr.  1. 
viel,  lebhaft  und  breit  über  eine  Sache 
reden.  2.  klatschen,  schänden.  Da- 
von :  Trätscher,  m.,  Schwätzer,  Elatscher. 
Geti4t8Ch,  n. 

Trau,  pltd.  TrD,  /.,  Trauung.  Enge- 
segnet hefft  de  Paster  Jan  an  lAeüen 
en  de  Tru.  Dzg.  Nhrg.  Viol^t,  188. 
Gr.  Werder. 

Traubchen,  Pflzn.,  Muscari  Tm. 
Weichseldelta.  Treichel,  Volksth.  III. 

Traubenelche,  /.,  s.  Steinelche. 

Traufkraut,  7^,  gebräuchliches  Glas- 
kraut, Parietaria  officinalis  L.  Ostpr. 
Pritzel,  265. 

trauken,  sw.^  ziehen,  sich  mühsam 
fortschleppen,  faul  einhergehen.     Sam- 


traumnasig  —  Treibnetz. 


409 


land.  Mit  trecken  verwandt.  Davon 
traukisch,  adj.  Er  hat  einen  traukschen 
Gang.     MüLling. 

traumnasig,  pitd.  drömnäsig,  adj.,  schlä- 
ferig im  Wesen.    Natangen. 

Traut  Babichen  sieh  mich  an,  Pflzn., 

gemeine  Mondraute,  Botrychium  lunaria 
Sw.    Ostpr.    Pritzel,  61. 

trautst,  adJ ,  Schmeichelwort,  traut, 
wert,  innig  geliebt.  Trautster  Vater! 
Trütstet  Mutterke!  Mein  trautstes  Mar- 
geliehen!  Aw^  Mannke  trütstet.  Herrke^ 
trütstet,  kepe  se  doch!  Auch  substan- 
tivisch: Allerliebstes,  Trautstes!  was  ist 
Ihnen?  Soph.  R.  I,  348.  Aber  mein 
Trautster  —  meine  Trautste!  Trauster- 
chen,  wie  kannst  du  glauben  etc.  Hen- 
nig, 278. 

trawalgen,  sw,,  nach  Schemionek, 
40,    schwer   arbeiten;    s.    jedoch    dra- 

walgen. 

TreciCyTn.,  Zug,  das  Ziehen,  Schleppen. 
Von  trecken. 

Treckbanl(,  /.,  Reckbank,  Folterbank. 
M&hling.    Von  trecken. 

Treckelband,  n.,  G&ngelband.  Von 
trecken.    Mühling. 

trecken,  sw.  1  ziehen.  Die  Bauern 
sahen  mit  Staunen  und  Schrecken  die 
arme  Frau  Wirthin  (vom  Teufel)  van 
dannen  trecken.  Schottmüller,  7b. 
Draht  trecken,  schnell  fortlaufen.  EI- 
binger  Ndrg.  Vom  Ledder  trecken,  das 
Schwert  ziehen.  Dorr,  1.  Wiew.,  53. 
2.  eine  neue  Wohnung  beziehen.  Marbg. 
Ndrg.  anblecken,  austrecken,  eine  Woh- 
nung beziehen  oder  verlassen,  aber  auch 
aokleiden,  auskleiden,  weil  man  hier- 
für auch  an-  und  ausziehen  hat.  — 
abtrecken,  abziehen,  auffarecken,  aufisiehen, 
nachtrecken,  nachziehen.  Hew  nü 
schwärt  ml  angetrocke.  Ward.  Buur, 
5,  5.  3.  sich  in  der  Rede  keinen 
Zwang   anthun,    scharf  drein    fahren. 


Wenns  manchmal  ausrei/zty  so  treck  ich 
los,  da/z  es  eine  Art  hat  Soph.  R.  YI, 
534.     Hennig,  278. 

Trecker,  m.,  eine  Person,  die  etwas 
zieht,  oder  ein  Instrument,  mit  dem 
man  etwas  zieht.  Ein  Bärentreckerj 
ein  Mann,  der  einen  Tanzbären  hinter 
sich  herzieht,  leitet  Proppetrecker, 
Pfropfenzieher. 

Treckpott,  m.,  s.  Trecktopf. 

Trecksage,  /.,Ziehsäge,  welche  von  zwei 
Personen  gehandhabt  wird.    Mühiing. 

Trecksei,  n.,  das  hinten  Nachgehende 
oder  Nachgezogene.  Ein  Trecksei  Leute— 
ein  Trecksei  Heu.   Hennig,  279.    Vgl. 

Nachta^ecksel. 
Trecktopf,  pItd.  Trecktopp,   m.,   die 

Theekanne,  weil  in  ihr  der  Thee  trecken, 
ziehen  mufz.  Dzg.  Gr.  Werder.  Hen- 
nig, 279 :  Treckpott. 

Treibbaum,  m.,  der  treibende,  span- 
nende Holzstab,  der  als  Sprosse  zwi- 
schen die  beiden  Stolzen  (s.  d.)  ge- 
stemmt, dem  Eingange  des  Eeitelnetzes 
Spannung  und  rechtwinkelig-ovale  Form 
giebt.    Lit.  boms. 

Treibkeil,  pltd.  DrtwkTI,  m.,  zunächst 
Keil,  der  treibt,  dann  auch  zur  Bezeich- 
nung eines  durchtriebenen,  aufdring- 
lichen Menschen.  Hei  os  Steffen  Drlwktl. 

Treibleine,  Dripleine,  Drfwieine,  /.,  lange 
Zugleine  an  den  Fischernetzen,  die 
diese  treibt. 

Treibnetz,  n.,  Netztuch,  das  von  Wind 
oder  Strömung  getrieben  wird.  Es  be- 
steht aus  einem  dreifachen,  12  Klafter 
langen  und  4  FuTz  breiten  Netze,  an 
welchem  sich  an  der  oberen  Simme 
viel  Flofzwerk,  an  der  untern  kleine 
Steine  oder  Bleistücke  befinden.  Das 
Flofzwerk  erhält  die  Obersimme  auf 
dem  Wasser,  die  Steine  oder  Blei- 
stücke spannen  das  Netz  gegen  die 
Tiefe.     Die   Maschen   in   den   beiden 


410 


Treibnetzfischerei  —  Trent. 


äuizeren  Netzen,  die  Lederang,  auch  das 
Geleite,  dürfen  nicht  kleiner  als  6  Zoll 
und  die  in  dem  mittleren  Netze,  Schlänge, 
nicht  enger  als  2^  Zoll  im  Quadrat 
sein.  Jedes  Ende  des  Netzes  ist  mit 
einem  hölzernen  Klotze  (Boje)  ver- 
sehen. FiscL-Ord.  f.  d.  fr.  Haff  §  24. 
Treibnetzfischerei,  /.,  Fischerei  mit 
dem  Treibnetz^  wobei  man  die  durch 
Senker  und  Flotthölzer  in  senkrechter 
Stellung  schwimmend  erhaltenen  Netz- 
tücher von  Wind  oder  Strömung  län- 
gere Zeit  forttreiben  läfzt,  um  die  ihnen 
begegnenden  Fische  darin  zu  verstricken. 
Diese  Art  Fischerei  wird  in  unseren 
Provinzen  nur  in  beschranktem  Mafze 
ausgeübt  Nach  der  Fisch.-Ord.  f.  d. 
fr.  Haff,  §  24,  wird  sie  auch  mittelst 
zweier  Kähne  und  eines  Games,  ahn- 
lieh  dem  Keitel^  ausgeführt;  doch  dürfen 
beim  Betriebe  dieser  Fischerei  keine 
Segel,  sondern  nur  Ruder  gebraucht 
werden.      Die    Treibnetzfischerei    heil'zt 

auch  Brassen-  oder  Bressenfischerei. 

Treibstange,  /.,  poln.  chochla^  Gerät 
bei  der  Winterfischerei  in  Masuren  = 
Rute  auf  den  Haffen.    S.  Winterflscherei. 

Treideldamm,??».,  aufgeschütteter  Damm 
an  den  Ufern  schiffbarer  Flüsse,  wo- 
rauf die  treidelnden  Menschen  oder 
Pferde  einherschreiten.     S.  treideln. 

Treideler,  9n.,  s.  treideln. 

Treidelmarkt,  m.,  Trödelmarkt,  Markt 
der  Trödler.  Ihre  (armer  Leute)  hof- 
art  komt  zu  kaufen  auf  den  Treidel- 
markt  mit  hauffen.  Stein,  Peregrinus 
X,  13.  W.  Mtsbl.  V,  158. 

treideln,  str.,  ein  Schiff  an  einem 
Seil  ziehen.  Nach  Hennig,  280,  auch 
trudeln.  Nds.  treueln^  holl.  treylen.  Da- 
von Treideler,  m.  Nach  Marold  trei- 
deln auch  ohne  Grund  und  Ziel  lang- 
sam umhergehen;  hierfür  üblicher  trö- 
deln.   Vgl.  triddeln. 


Treidelweg,  w»..  Weg  längs  einem 
Flufzufer  für  die  Treidelnden. 

treife,  adj,^  unrein;  von  dem  hebr. 
trefa,    Schmitt,  111. 

treig,  treug,  odf;.,  trocken;  hager. 
. .  ,do  es  9o  getämmet  tcard,  und  die 
Werder  treuge  worden.  Hart  wich,  6. 
. . .  indem  ich  die  treuge  scacre  PSÜzkm 
für  ein  unhoffiiches  Essen  auch  nidA 
schätzen  toill.  Linem. ,  Sslb.  EA 
hat  a  ja  mot^  wt  wa  em  traige  Wal  m  ' 
AchteUiolz  füre,  Ermld.  Freisch.,  7. 
Hennenberger  redet  S.  412  von  einen 
treugen  Johr.  Se  os  wie  ^ne  treuge 
Zdrf^  ein  hageres  Mädchen.  Sehe- 
mionek,  40. 

TreilTn,  /.,  Leine  zum  Treideln;  bei 
Stein,  Peregrinus  III,   3:    JV^eyHn, 

Treis  (s  =/z)y  /.,  als  Zeitbezeichnimg. 
Er  mu/zte  eine  Treis  viel  arbeiten,  m 
einer  gewissen,  nicht  näher  bestimmten 
Zeit.     Friedland  Ostpr. 

Treitel,  m.  jüd.  Vom.,  s.  Tratel. 

treitschen,  sw.  1.  Wasser  verspritzen, 
spritzen.  Es  regnet,  da/z  es  treiischt, 
daCz  das  Wasser  in  Pfützen  von  den 
Regentropfen  umhergespritzt  wird,  ht- 
treitschen,  bespritzen.  Ich  unirde  vcm 
Wagen  betreitscht^  mit  Strafzenschmatz 
besprengt    Bei  Bock,   70,    in  diesem 

Sinne  betreutchen.    Vgl.  treuschen.    2. 

schänden,    Geklätsche  verbreiten,    also 
=  tratschen. 

Trent,  m,  nach  Hennig,  279,  Ge- 
gend, Schritt,  Gang,  Gewohnheit.  In 
diesem  Trent  haV  icKs  verloren  —  er 
wohnt  in  diesem  Trent,  in  dieser  Ge- 
gend. Er  bleibt  bei  seinem  Trent,  bei 
seiner  Gewohnhiet.  Als  Adverb  hat  es 
Mühling  für:  draul'zen,  aofzerhalb; 
ebenso,  vom  Raum  auf  die  Zeit  über- 
tragen, ist  das  Wort  noch  in  Natangen 
gebräuchlich:  trent  Pfingsten,  trent  Ja- 
kobi,  d.  h.  ungefähr  um  die  Pfingstzeit 


trenteln  —  Trinkemedder. 


411 


etc.  In  adverbialer  Form  und  in  der 
Bedeutung  von  ungefähr  auch  bei 
Line  mann:  Da  Jesus  umb  trent  (wie 
tcir  bei  uns  zu  reden  pflegen)  30  Jahr 
alt  war^  mehr  oder  *  weniger^  da/z  also 
daraus  keine  Gewi/zheit  des  30,  Jahres 
mag  geschlossen  werden,  L  i  n em. ,  LI  3a. 
Hennig,  283,  schreibt  umtrent  -  un- 
gefähr, beinahe:  Es  ist  umtrent  sechs 
an  der  Uhr,  Das  Wort  hat  sich  auch 
im  Lit.  erhalten;  man  sagt  um  Tilsit: 
i  tq  trentq  (statt  des  Lokativs)  in  der 
Gegeud.    Nsslm.,  Forsch.  2. 

trenteln,  sw.^  sich  mit  unerheblichen 
Beschäftigungen  abgeben,  zaudern,  zö- 
gern. Hennig,  337.  Bei  Adelung 
IV,  646,  trändelny  bei  Schmeller*I, 
493,  fy^endeln.    Vgl.  Weigand  11,  925. 

Treppe,  /.,  Teil  der  Zoche  (s.  d.), 
stufenartig  gesägtes  Eisenband  am  vor- 
deren Ende  des  Pflugbaumes,  zur  Ein- 
stellung des  Joches. 

Trts,  w.  Vom.,  s.  Thres. 

treschaken,  sw.^  s.  dreschaken. 

Trfiskammer,  m.y  s.  Drftskammer. 

Tresler,  m.^  der  Schatzmeister  des 
deutschen  Ritterordens.  Über  die  Ab- 
stammung vgl.  Dreskammer. 

Tresp,  Dresp.  m.^  Trespe,  Bromus; 
auch  Taumellolch,  Lolium  temulentum, 
Bock,  Nat.  III,  297.  Hagen,  135. 
Dresp  hoU  den  Bur  fest  Awer  Schmel 
schmett  em  von  e  DeL 

trespig,  adj.  u«  ado.,  s.  drespig, 

Tressen,  p/wr.,  Korrump.  von  Inter- 
essen, Zinsen.  Wenn  ock  min  Gold 
op  Tresse  gaff.  N.  P.  Prov.-Bl.  II, 
347. 

Tressenherr,  ^n.,  in  Danzig  der  Real- 
gläubiger, der  die  Zinsen  erhält.  W. 
Seidel,  35. 

tressieren,  no.,  mit  Härte  behandeln, 
prügeln.  Bir  hat  die  Frau  so  tressiert^ 
hart  behandelt.    Nu  wird  er  die  Pferde 


schon  tressiei^en^  die  ihn  abgeworfen,  er 
wird's  ihnen  mit  der  Peitsche  vergelten. 
Aus  dressieren. 

tretschen,  sw.,  s.  tratschen. 

treuartig,  pltd.  trllarUg,  adj.^  von 
treuer  Art.     En  trimrtger  Moriich. 

treug,  adj.  s.  treig. 

treuschen,  sw.^  stark  und  hörbar 
regnen.  Es  regnet^  dafz  es  treuscht^  so 
stark,  da(z  man  den  Schall  davon  hört. 
Holl.  druisschen  rauschen,  summen. 
Bock,  70.  Hennig,  279.  Davon 
nach  Bock,  a.  a.  O.  betreuschen  =  be- 
treitschen.    Vgl.  treitschen. 

tribuUeren,  sw.^  dringend  und  an- 
haltend um  etwas  bitten,  mit  Bitten 
quälen;  aus  dem  lat.  tribulare.  Im 
Samlande  auch  trimulieren. 

Trichterkuchen,  m.^  eine  Art  Napf- 
kuchen.   Vgl.  Porzel. 

triddeln,  sw.^  zögern,  lausem.  Saal- 
feld.   S.  ta*eideln. 

Trieitrappe,  /.,  Zwergtrappe,  Otis  te- 
trax.  Bujack,  380.  In  Muhling, 
Tiem.,  178,  fehlerhaft  Triebtrappe. 

Trift,  /.,  s.  Drift. 

triftig,  adj.,  s.  driftig. 

Trijäter,  w.,  Theater,  Bühne,  Orgel- 
chor. S.  Volksl.  38,  25  H,  2.  Vgl. 
Traratrum. 

triilen,  sw.^  s.  drillen. 

Trimmel,  m.^  Trommel.  Er  bläst  auf 
dem  Trimmel,  sagt  man,  wenn  jemand 
prahlt.     Kgsbg. 

trimpeln,  pltd.  trSmpeln,  str.,  trippebid 
gehen;  auch:  viel  gehen. 

trimulieren,  sw.,  s.  tribulieren. 

TrTn,  Trine,  /.,  Dem.  Trtnchen,  Trinke, 
w.  Vorn.,  Eatharine.  Dumme  Trtn. 
Trtn,  hal  de  Ltn!  Volksr.,  74,  283. 
Jy  Jungfer  Trthncke  on  gy  Liescke  sen 
to  kloock.    Carm.  nupt.  III,  136d. 

Trinkemedder,  /.,  Tante  Trinchen. 
Gr.  Werder. 


412 


Trinken  —  Trompeterdsch. 


Trinken,  pltd.  Drtnke,  n.  1.  Getränk 
überhaupt.  2.  Tafelbier,  Schemper 
(s.  d.).  HoV  Trinken!  Sie  spricht:  Er 
gebe  mir^  mein  SchatZj  doch  einen  Trunckj 
90  tritt  er  gleich  her  für,  und  vdrd  ihr 
gantz  'mbmiss  ein  Gläschen  Trincken 
bringen,  Caim,  nupt  I,  128.  Auf  den 
Eönigsberger  Jahrmärkten  rufen  Kinder 
dies  Bier  aus:  Na  LOedy  Drinke,  wem 
derscht  (wen  dürstet),  DrinkCy  Drinke! 
Hennig,  279. 

Trinkrecht,  n.,  preufzisches^  s.  Recht 

TrtniTse,  w.  Yom,  Zusammenziehung 
der  Vornamen  Tr!ne  und  Ltse^  Ka- 
tbarina Elisabeth.  Nun  wandte  ich 
mich  an  die  alte  Trinlise.  Soph.  R.  lY, 
151.  HansheftdeTrinliskelef.  VolksL, 
21,  13,  1. 

Trinort,  w.  Vom.,  Zusammenziehung 
der  Vornamen  Katharina  und  Dorothea. 
Dönh. 

trippen^  8w,y  das  vhchd.  drippen  (s.  d.). 

Trippenmacher,  m.,  Verfertiger  von 
Trippen^  Pantoffeln  mit  Holzsohle  und 
ohne  Hackenleder,  in  der  Provinz 
Klotzkorken  genannt.  Mnd.  Wb.  IV, 
613  a.  Sie  bildeten  zur  Ordenszeit  mit 
den  Korkenmachem  eine  Zunft.  Die  letz- 
teren scheinen  (Hirsch,  317)  ihre 
Pantoffeln  aus  Korkholz,  gewöhnlichem 
Holz  und  Leder  gefertigt  zu  haben, 
dürften  jedoch  vorzugsweise  Verfertiger 
von  Lederkorken  gewesen   sein.     Vgl. 

Korke. 

Trippstrill,  m.,  s.  Dripsdrill. 

Tripptrapptrull,  Medik.,  Unguent  By- 
drargyri  rubrum, 

Tripviole,  /.,  Pflzn.,  Lupine,  Lupinus 
L.    Friedland  Ostpr. 

trfseln,  sw.y  quälen.     Treichel. 

Tritt,  m.  Er  ist  im  Tritt^  ist  be- 
trunken. 

Tritze,  /.,  Rolle,  Winde,  zum  Heben 
von   Lasten.     Auch   die  Hewelten   am 


Webstuhl  hängen  in  Trüzen  and  wer- 
den mittelst  dieser  gehoben.  Altn. 
tnps.  Hennig,  280.  Sallmann, 
51b. 

tritzen,  sw.  1.  *an  einer  Tritze  auf- 
ziehen, aufwinden.  2.  Bildlich:  im 
Preise  in  die  Höhe  treiben,  steigern. 
Einen  in  der  Miete  trüzen.  3.  ein- 
sammeln, koUektieren:  Dann  tritzd 
he  (der  Lehrer)  sine  Flade^  Wors^ 
Eier  6k  dabt.  Lhrztg.  4,  355a.  ver 
tritzen,  im  Gegensatz  von  3:  Geld  leicht- 
fertig verthun.   Er  hat  sein  Oeld  vertritzt, 

trO,  num.  =  frz.  trois  drei.  Solo 
en  trö. 

TrSchel,  Trllchel,  m.,  der  hoch  auf- 
getriebene Unterleib  kleiner  Kinder; 
wohl  Dem.  von  Trog,    Friedland  Ostpr. 

Trockenifrilscherin,  pltd.  Dr6g8VlriiS€he^ 

sehe,  /.,  scherzhafte  Bezeichnung  für 
eine  Wäscherin.  '  Sprw.  I,  3839. 

Troddel,  /.,  Büschel  herabhängender 
Fäden  von  Wolle,  Seide  etc.,,  oben 
knopfartig  zusammengebunden.  Die 
Troddeln  an  der  Pfeife.  Die  Troddd 
an  der  Mikze\  daher  auch  TroddelmlHze, 
Schlafmütze  mit  Fadenquaste.  Hen- 
nig, 280. 

trudeln,  sw,^  s.  treideln. 

Trog,  m,y  Behältnis  für  Schweine- 
futter. 

trogschnautzig,  pltd.  trogschnQtzig,  adj.^ 

zudringlich,  frech  in  Rede  und  Wesen, 
dreist  wie  die  Schweine,  welche  mit 
der  Schnantze  voraus,  gierig  sich  zum 
T9*oge  drängen.     Samland. 

Troine,m.jüd.Yorn.  Flatow.  Schmitt, 
115. 

Trommel,  /.  Er  ös  de  Drommel  an- 
gehängty  sie  ist  geschwängert. 

trVmpeln,  sw,,  s.  trimpeln. 

Trompetertisch,  m,j  eigentlich  Tisch 
für  den  Trompeter,  und  da  den  Mu- 
sikern  allein  gedeckt  wird,   auch   der 


Tröilisnltö  —  trumpfen. 


413 


Tisch,  den  man  neben  einer  gröCzeren 
Tafel  aufgestellt  hat.  £V  mufz  am 
Trompetertisch  sitzen.  Kinder  gehören 
an  den  Trompetertisch, 

TrVmsnftS,  /.,  träumerische  Nase, 
Träumer,  Kopfhänger.  Schemionek, 
41. 

Tronig,  m.  „  Tronig  hiefz  vor  200  Jah- 
ren der  beste  Meth/  Pisanski, 
Nachtr. 

.     Trope,  /.,  s.  Aaltrope. 

Trüpfe,  /.,  Traufe;  Die  dem  regen 
enüauffen  wollen  kommen  gar  in  die 
tropf,  S4ein,  PeregrinusXIV,  6.  W. 
Mtsbl.  VI,  184. 

Trosse,  /.,  dicker  Strick,  mittels  des- 
sen die  Holztraften  und  Galler  am 
Ufer  befestigt  werden.  Dzg.  W.  S  e  i  d  e  1 , 
35.  Die  Trossen  der  Witinnen  (s.  d.) 
sind    aus    Weidenzweigen    gewundene 

Taue.    Ygl.  abtrossen, 
trossen,  herumtrossen,  »w.     1.  sich 

auf  den  Strafzen  herumtreiben.  In 
Bayern  trossiren^  herumtrossiren^  herum- 
ziehen, herumgehen,  der  Liederlichkeit 
nachgehen.  Schmeller  I,  500.  In 
der  Pfalz:  schlecht  reiten.  2.  ziehen. 
Bock,  70.    Hennig,  280. 

Trost,  m.,  Verstand.  -Er  ist  nicht  recht 
bei  Trosty  es  fehlt  ihm  am  Verstände, 
er  ist  nicht  recht  gescheut.  Hennig, 
280. 

trSsten,  sw,,  abtrttsten,  einen  Bitten- 
den zurückweisen,  mit  (leeren)  Worten 
abfinden.  Er  läfzt  sich  nicht  so  leicht 
abtrosten^  er  ist  dreist,  wiederholt  sein 
Anliegen  mit  Energie. 

TrVster,  m.  1.  altes  Buch,  Schmöker. 
2.  scherzweise  jedes  PrQgelinstrument. 
Der  Troster  kommt!  ruft  man  unge- 
zogenen Kindern  drohend  zu. 

trO,  adj.y  treu.  Wie  heft  den  Oüen 
se  geplächt  (gepflegt).    Wie  hartUch  on 


wie  tru.     Dorr,   30.     Nu  lacht  se  tru' 
on  greU.    Ibid.,  15. 

TrllbetUmpel,  m.y  trüber  Tümpel; 
bildlich:  unklarerEopf,  konfuser  Mensch. 
Je^  Puf^  du  Trübetümpel ..  .ich  dachte 
in  der  Vertoirrungy  ich  hatte  schon  alles 
mit  ihm  abgemacht.    Soph.  R.  VI,  137. 

TrUchel,  m.^  s.  TrVcheL 

Tnid,  Trude,  w.  Vom.,  Gertrude. 

trudeln,  siw,^  regellos  und  ohne  jeg- 
liche Ordnung  gehen,  rollen.  Der  eine 
trudelt  hier  hin,  der  andere  dort  hin. 
Da  trudeln  sie^  sagte  der  Bauer, .  als 
er  ein  Gefafz  mit  EohlrQben  umwarf, 
und  die  einzelnen  Häupter  fortrollten. 

Trüffel,  /.,  s.  Tuchel. 

TrUffeleiche,  /,  Traubeneiche,  X^^- 
cus  sessüiflora  Sm.  Bock,  Nat.  III, 
67. 

Trull,  Truller,  (?),  Benennung  für 
5  Gebinde  Klunkergam.     Mühlin g. 

Trumme,  /.,  s.  Dnimme. 

Trumpf,  m.^    korrump.  aus  Triumph. 

1.  die  siegende  Farbe  im  Kartenspiel. 

2.  die  tuschartige  Chormusik,  welche 
in  kathol.  Kirchen  ertönt,  wenn  der 
Priester  die  Monstranz  erhebt  Erm- 
land  Nach  Firmenich  I,  113:  der 
Marsch,  welcher  am  Schlufz  des  Gottes- 
dienstes  während  des  Verlasseng  der 
Kirche  geblasen  wird.  On  an  aKerch 
könne  se  nech  e  mol  Trumpf  mache^ 
wenn  da  Mechel  nich  Trompet  blast 
Ermid.  Freisch.,  7. 

trumpfen,  sw.^  Trümpfe  ausspielen, 
damit  stechen ;  in  Worten  aufbegehren, 
laut  auf  seinem  Rechte  bestehen,  einen 
beleidigen  und  kränken.  Heut  habe 
ich  einen  Kranken  erquickt^  den  Laste- 
rungen  getrumpft.  Soph.  R.  I,  366. 
Doch  fem  sei  es,  da/z  ich  hier  trum- 
pfen wollte.  Ibid.  VI^  395.  abtrumpfen, 
durch    derb»  Antwort  zum  Schweigen 


414 


trondeln  —  Tode. 


bringen,  aosschelten^  durch  energisches 
Auftreten  abfertigen.  Sperber,  5. 
aiitminpfefiy  Tmmpf  anziehen,  auftnim- 
pfen,  mit  kräftigen  Worten  för  eine 
Sache  eintreten,  wobei  oft,  wie  beim 
Aasspielen  der  Trümpfe,  aaf  den  Tisch 
geschlagen  wird.  Sperber,  6.  aiM- 
inimpfen,  Trampfausspielen,  aber  auch 
Trumpfe  abholen. 

tnindeln,  sw.y  sich^  sich  drehen,  um- 
herdrehen, wälzen,  besonders  von  kor- 
pulenten Personen;  auch  beim  Tanze. 
Trßichel. 

Trunkelbeere,  /.,  s.  Drunkelbeere. 

Trunkelpfeife,  /.,  Pflzn.,  s.  Drunkel- 
pfeife. 

Triinichel,  m.,  Bauch.    Samland. 

TrOnz,  771.,  Abtritt  Ermland.  MQh- 
ing. 

Trupp,  m.,  je  zwei  mit  einander  ver- 
bundene Netzhälften  des  Ziegennetzes. 
Gewöhnlich  werden  drei  Trupps  aus- 
geworfen, die  man  als  losgelassenen, 
Mittel-  und  Kahntrijpp  bezeichnet,  der 
letztere  deshalb  so  genannt,  weil  an 
seinem  Ende  der  Kahn  liegen  bleibt, 
der  den  Gang  der  Netze  beobachtet. 
Eurisches  Haff.    Be necke,  372. 

truppen,  sw.^  s.  abtnippen. 

Trusch,  Trufehe,  Tru§chel,  pltd.Truichke, 
n.,  Kaninchen.  Alle  Namen  auch  als 
Lockruf.  Lit.  truszkas,  triiszke;  lett. 
^rt^cA»n«cÄ  Eichhörnchen.  Die  gemein- 
same Wurzel  liegt  wohl  in  russ.  truszuy 
(rüfif  feige,  bange  sein,  poln.  trus, 
trusioL^  tmaka  feiger  furchtsamer  Mensch, 
auch:  unschuldiges  Geschöpfeben,  liebe 
Unschuld.  Nsslm.,  Forsch.  3;  Th., 
191.    Vgl.  Mocke. 

Tschappel,  m.,  /.,  Fischreiher,  pob. 
czapla.    Er.  Neustadt. 

Tschezke,  m  ,  Hänfling,  Fringilla  can- 
nabina.     Poln.    russ.    czeezotka,      Pi- 


sanski,  in  den  Nachtr.  schreibt 
Tschetzke.  Bock,  Nat.  lY,  429:  Tschf- 
tzschke;  in  Litauen  miindgerechter 
^etschke  und  Schesehte.  Hennig, 
280.  Nsslm.,  Forsch.  2;  Tli.,  191. 
Muhling,  Tiem.,  178. 

Tschimscherim,  m.,  muhseliger,  elender 
Mensch.    Mühling. 

Tschipp,  Tschippa,  s.  Tipp. 

Tschirfc,  m.,  Tschirke,  /.,  s.  SckirkE 

TschQ^  TschQscMI,  s.  ScbQ. 

Tschuprtne,  /.,  d.  Schuprtne. 

Tubbas,  m,^  grofzer  Kahn  =  IMai 
(s.  d.).    Elbing.  • 

tubbern,  sw.^  s.  tobbem. 

Tuch,  n.,  s.  Sb^efehtuch. 

Tuch  auf  Stutzen,  pltd.  Dock  op  StMkn, 

in  früherer  Zeit  Halstuch  der  Frauen, 
das  sie  beim  Tragen  so  geschickt  in 
Falten  legten,  dafz  das  gefaltete  Tuch 
weit  vom  Halse  abstand  und  das  (?#- 
nickstuck  (s.  N.)  sehen  liefz,  während 
zwei  Ecken  des  Tuches  auf  die  Brust 
und  eine  auf  den  Rücken  niederfielen, 
woselbst  sie  befestigt  wurden.  D^. 
Nhg.     Viol^t,  176. 

Tuchel,  Tuffel,  /.,  Kartoffel.  Tvchk 
scharren^  Kartoffeln  graben.  In  Na- 
tangen  auch  Trüffel.  In  Westpr.  TM- 
ken,  (Flatow.  Firmenich  I,  118  ff.) 
und  Tuften  (Treichel,  Volksth.  U). 

Tuck,  m.  1.  schmerzhaftes  Zucken. 
2.  ruckweiser  Einzellaut.  Er  sagt  nickt 
Muck,   nicht    Ttick.     Treichel.     Vgl 

hamin. 
tucken,  tuckern,  tucksen,  aw.,  zucken. 

Der  Puh  tuckt,  —  der  schmerzende 
Zahn,  —  die  Wunde.  Hennig,  281. 
Schemionek,  41. 

tUcksch,  pltd.  tScksch,  adj.,  tückisch, 
voll  Tücke,  Tücke  ausübend.  Tückscher 
Hund,  auch  als  Schimpfwort. 

Tode,  Tote,  /.,   vhchd.  Taude,   Dem. 


Toder  —  tuntek). 


415 


TOdche,  TQdke,  Dute.  Nds.  Tute,  in 
Hamburg  Tüte.  Brem.  Wb.  V,  134. 
Bock,  70.  Hennig,  280.  Davon: 
TQtchendreller,   pltd.   TOdkedreller,    m., 

Dutchendreher.  Spottbeneunung  für 
einen    Gewürzkrämer.     Auch  TQtchen-, 

TQdkeffster. 

TUder,  /.,  tUdem,  sto.,  s.  Tfder. 

Tuffel,  /:,  TUffken,  Tuften^  plur.,  s. 
Tuchel. 

Tugend,  n.,  Vieh,  Rindvieh.  Der 
Mann  hat  strammes  Tugend,  er  hat 
gutes  Vieh.     Wonnditt.    Mühling. 

Tulla,  Kosename,  den  Hebammen 
Säuglingen  gegenüber  gebrauchen. 
Sperber,  40. 

Tullacky  m,,  Landläufer,  Herumtreiber; 
von  dem  gleichbed.  poln.  tutacz,  tutak. 
Flatow.    Schmitt,  109;  Westpr.,  168. 

Tülle,  /.,  Name  für  ein  feiles  Frauen- 
zimmer: Das  ist  seine  TuUe.  In  zweiter 
Bedeutung  s.  Tolle. 

tullen,  tUllen,  »w,,  mit  einem  durch 
einen  glühenden  Bolzen  erhitzten,  run- 
den Eisen,  dem  sog.  Tullelsen,  TUllefsen, 
die  Bänder  und  Spitzen  einer  Haube 
runden  und  steifen.    Vgl.  ToUe  3. 

Tulpanenschuster,  m.,  Glückspilz.  Tie- 
genhof. 

Tulpok,  m.,  s.  V.  a.  ToUpatsch,  HeskoU. 

Tum,  ThOm,  w.,  Dom.  Der  Gutt- 
Städter,  der  Frauenburger  Thum,  Der 
Thum  zum  heiigen  Geist  . . .  den  5,  Maij 
in  der  Kneiphoffschen  Thum  Kirchen 
ehrlich  zur  Erden  bestaitet  worden, 
Linem.,  Oo3b. 

TQmherr,  ThOmherr,  m,,  Domherr.  Bei 
Jeroschin:  tumherre.    Pfeiffer,  236. 

Tummelchen,  n..  Dem.  von  Tümmler, 
kleiner  Becher  in  Form  einer  Halb- 
kugel, der  sich  schwankend  selbst  be- 
wegt, taumelt.  Engl.  ^um62er.  Hennig, 
337. 

Tümmler,  m,    1.  Kriegswerkzeug  nach 


Art  der  alten  Ballisten.  Schütz,  Pr. 
Chron.,  76.  Hennig,  281.  2.  Seil- 
tänzer.    Im  seihen  Winter   t?of  Fa;stel- 

« 

obendt  spute  ein  Tumler  zu  Dantzke  auf 
dem  König  Artus  hoffe  im  foüen  Rar- 
nisch  bei  Obents  Zeiten;  voi*  dem  Rat- 
stul  sprang  er  den  Mordsprung  und  bey 
Lichte  von  einer  Tafeln  vnd  hatte  2  De- 
gen auf  seiner  Kehle,  Ein  Holander^ 
der  ihm  zusach,  der  beschweimte.  Kaspar 
Weinreich.     Passarge,  68. 

Tundel,  m.  Tundel  kriegen,  im  Kopfe 
verwirrt  werden.     Treichel. 

Tunk,  Tunke,  /.,  Sauce,  in. die  man 
tunkt,  eintaucht. 

Tunkbrett,  n.,  Teil  des  Wagens,' hchd. 
Ausdruck  im  Voc.  304:  Tunkbret.  Nach 
Nsslm.  Thes.,  52,  bewegliches  Seiten- 
brett im  Bretterwagen.     S.  TImmbretL 

Tunke,  /.,  s.  Tunk. 

tunken,  sw,,  tauchen,  eintauchen;  in 
Berlin  stippen. 

TQnkeschllker,  m. ,  Zaunschleicher, 
Zaunkönig.     Natangen.  * 

TQnpe8t,j?/t^r.,Zaunpfosten,Zaunpföhle. 
Schemionek,  41. 

Tunte,  /.,  s.  Tuntel. 

Tuptely  /.  1.  Nase,  namentlich  wenn 
sie  grofz  ist  Er  hat  eine  gute  TunteL 
Er  hat  sich  die  Tuntel  begossen,  hat 
sich  betrunken.  2.  altes,  plapperhaftes 
Frauenzimmer;  auch  Tunte,  bei  Müh- 
ling Duntel. 

Tunteldose,  /.,  Zunderbüchse.  Ja, 
ja!  sehr  och  ok  on  grep  na  miner  Tunf- 
teldos,  Awer  da  wor  wat  to  tunjteln! 
Ptp  on  Toback  on  Dos,  alles  wor  weg. 
Spook,  474.  Engl,  tinderbox,  holL 
tondeldoosje.  Nds.  tander,  Zunder. 
Brem. Wb.V,  130.  Bock,  70.  Hennig, 
281. 

tunteln,  sw.  1.  verwickeln,  in  ein- 
ander schlingen.  2.  sich  aufhalten, 
zögern.   3.  Tabak  schnupfen.    4.  trinken, 


416 


Tuntelstock  —  Twöduster. 


sich  betrinken,   die  Tuntel^  (Nase)  be- 

gielzen:  sicAbetunteln.  vertunteln,  auchbe- 

tunteln,  sich  heimlich  verloben.  Sie  hat 
sich  vertuntelt,  sie  hat  sich  heimlich 
verlobt.    Hennig,  281. 

Tuntelstock,  m.y  Klöppel.  Möhling. 
Vgl.  Brem.  Wb.  V,  133. 

TupTn,  Turrlne,  /.,  Terrine. 

Turk,  m.^  Hundename.  'Turk^  nem 
dat  Lamm!    Volksr.,  143,  602. 

Türkei,  m.y  turkeln,  sw.,  s.  Torkel  etc. 

Türkischer  Bund,  Pflzn.,  Türkenbund, 
Lilium  martagon  L.    Hagen,  360. 

Turkopelier,  m.,  beim  deutschen  Orden 
der  Oberste  über  diejenigen  Brüder  und 
Soldaten,  die  nicht  Ritter  waren.  „G^t- 
bertuSy  lib,  3.  Hierosol.  c.  8  nannte  des 
Kaisers  Aleadi  familiäres  milites  (Leib- 
garde) Turcopolos.^    Hennig,  281. 

Turm,  m.  1.  blauer^  ehemals  stadti- 
sches Gefängnis  im  Kneiphof  zu  Kö- 
nigsberg. Er  geht  wie  der  Bauer  in 
den  blauen  Turm.  Sprw.  I,  1106. 
2.  grüner^  Turm  des  grünen  Thors  im 
Kneiphof  zu  Königsberg,  im  Jahre 
1864  zur  Erweiterung  der  Passage  ab- 
gebrochen. Hei  kickt  em  an^  wt  de 
Kau  dat  grene  Dor,  Sprw.  I5  93. 
Hennig,  275. 

Turmeule,  /.,  Schleier -Kauz,  Strix 
pxmmea,  Bujack,  369.  Mühling, 
Tiem.,  178. 

Turre,  /.,  älteres,  widerspenstiges 
Frauenzimmer.  &ie  ist  'ne  alte  Turre, 
Treichel. 

Turrlne,  /.,  s.  Turin. 

Tusch,  Dem.  Tuschchen,  pltd.  Tuschke, 
Tuichel,  w.  Vom.,  Dorothea;  auch  Ka- 
tharina. Schulte  Tusch^  du  trutste  Popp! 
Volksr.,  236,  832.  Seh  onse  Tuichel 
Ohrt  on  onsen  Toffel  an,  Carm, 
wtipe.IV,324b.  Bock,  70.  Hennig,  281. 


tuscheln,  str.,  heimlich  flüsternd  mit 
einem  andern  sprechen.  Aach  tob 
Friedrich  Wilhelm  I.  gebraucht  S. 
Gartenlaube  1863,  S  442.  Von  tuMhci 
zum  Schweigen  winken  und  rufen.    YgL 

betuschen. 

Tote,  /.,  s.  Tode. 

tutschen,  stc.,  sich  anscluniegen.  Dm 
Kind  lutscht  sich  an  die  Mutter.  Nach 
Treichel  auch  lutschend,  allmählidi 
trinken.  Er  hat  sich  einen  (Rausch) 
angetutscht. 

Tutschk,  Pflzn.,  Schweinekraat,  CaUa 
palusttns  L.  Er.  Carthaus.  Aach 
TCtschk  (Wahlendorf).  Treichel, 
Volksth. 

tuttem,  9U7.,  liebkosen,  herzlich  und 
mit  zärtlicher  Ängstlichkeit  behandeb. 
Kinder  tuttem^  an  ihnen  herumtuOem, 
ängstlich  besorgt  sie  pflegen. 

Tuttl,  n.,  in  der  Eindersprache:  das 
Trinken.  Tutti^  Tutti!  ruft  ein  kleines 
Eind,  das  zu  trinken  begehrt,  hnmer 
Tutti^  Tutti^  äwer  pappe  ntischty  zum 
Trinker,  der  gewöhnlich  wenig  iizt 
Sprw.  I,  3848.    Vgl.  pappen. 

Twalch,  my  a.  Dwalch. 

twalisch,   adj.y   s.   y.  a.    dwaUsch,   s. 

dwalen. 
Twarg,  m.y  s.  Dwarg. 
twatsch,  adj.y  s.  dwatsch. 

Twedlster,  Twttdilster,  n.,  Schimmer- 
stunde. Dzg.  Nhg.  Viol^t,  104.  Aus 
dem  2kcielicht  ist  ein  ZunedOster  ge- 
worden. • 

Twelfschlunk,  m,y  s.  Zwttlfechlunk. 
Twelfstrlfzel,  /.,  s.  Strfrzel. 

tw6r,  adj,  u.  adv.y  quer,  s.  dwftr. 
Twerg,  w.,  s.  v.  a.  Dwarg  (s.  d.). 
Twerre,  /.,  s.  Schroiwurm. 
TwttdUster,  n.,  s.  TwfidTster. 


0  —  über 


417 


u. 


U,  Vokal.    Das  gedehnte  u  wird  platt- 
deutsch am  häufigsten  ein  gedehntes  o, 
zuweilen    ähnlich    dem    ä:   BSk  Buch, 
Schol   Schule,    Stato    Stube,   god   gut 
Ä-Äfer  Bruder,  F6t  Fufz,  Sch6  Schuh, 
Stol  Stuhl,  Dok  Tuch,  RikdSm  Reich- 
tum, Blot  Blut;  auch  mit  einem  leisen 
Anstrich  von  vorgeschobenem  w:   guot 
gut;     selten    ein    geschärftes:     Bessern 
Busen;   zuweilen  geht  es  dann  vrieder 
in  au  über  (besonders  in  und  um  Dan- 
zig) :  Schau  (auch  im  Samlande)  Schuhe 
Faut  Ful'z,  und  in  Natangen  mit  vor- 
geschobenem j:   fjaut;    oder    in    den 
Umlaut  ö:  söke  suchen.     EndL'ch  geht 
es   auch    in    ei  über:    deist  thust,  deit 
thut.     Sehr  selten  bleibt  es  ein  u:    du 
du,  nu  nun.  —  Das  geschärfte  u  bleibt 
in:  bunt^  Hund^  hungre  hungern,  hun- 
nert   hundert.   Stund   Stunde^   gesund, 
unde  oder  unge  unten,    rund^   gefunge 
gefunden,  gesunge^  gesprunge^  geJdunge^ 
überhaupt  vor  nd^   nt  und  ng  mit  we- 
nigen Ausnahmen  (on  und);  geht  aber 
sonst  meist  in  ein  geschärftes  o  über: 
Bo^r Butter,  (2t>mmduDim,  iS^orm  Sturm, 
Po/z  Kufz,    Fofz  Fuchs,    Torrn  Turm, 
Woj'scht  Wurst,  tom  zum,  dorch  durch, 
ons   (auch  os)  uns   (in  Natangen  auch 
mit  vorgesetztem  ui  uonser  unser);  zu- 
weilen  auch  in  ein  gedehntes:    M6der 
Mutter,  F6der  Futter.     In  einigen  we- 
nigen Wörtern  hört  man  statt  desselben 
ein  e  oder  e  (ja):  derch  durch,  derschte 
dursten,  oder  auch  o,  besonders  in  der 
Vorsilbe  um:  omwende  umwenden,  öm- 
stölpen  umstülpen.     Die  in  der  Volks- 
sprache sehr  seltene  Endung  ung  hat 
ein    i:    Behring   Nehrung,    Wandetnng 
(gewöhnlich  Wanderschaff)  Wanderung, 

Fnsebbi«r,  Wörterbach  II. 


J?arM//t7i^  Handlung.  Echt  ermländisch 
ist  Blitt  Blut.  Lehmann,  Volksmd., 
22  f. 

U,  Umlaut  von  u,  wird  plattdeutsch 
häufig  e  oder  ö:  Fe%  Fot  Fülze,  Beker, 
Böker  Bücher,  se%  söt  süfz,  bleje  blü- 
hen, lege  lügen,  rore  rühren,  ewer  über, 
Schetel  (in  Königsberg ScA^^Z)  Schüssel, 
StrSmpe  Strümpfe,  und  klingt  auch  dem 
ä  ähnlich  oder  gleich:  Mal  Mühle, 
Fällen  Füllen,  Berscht  Börste,  Glacke- 
tärmke  (Ermland)  Glockenturmchen, 
Not  Nüsse,  dag  tüchtig.  Selten  wird 
es  ein  i;  beim  Num.  fünf  geht  es  in  i 
über:  fiWy  ftf^  bei  den  Zusammen- 
setzungen mit  fünf  entweder  gleichfalls 
in  i:  fifhundert^  ftfdüsend^  oder  in  e 
und  o:  föfftien^  fefftien  fünfzehn,  fofftiy^ 
fefftig  fünfzig,  also  nach  der  Analogie 
des  Hochdeutschen.  Zuweilen  wird  es 
o:  motte  müssen,  und  im  Natangischen 
sogar  äu :  Fiaut  Fülze,  staut  süfz.  Leh- 
mann, Volksmd.,  26.  —  Im  Hoch- 
deutschen wird  ü  meist  i  gesprochen: 
Mein  erst  Gefihi  etc. 

übelheit,  /.,  Übelkeit,  Neigung  zum 
Erbrechen.    Bock,  71. 

Übelnehmen,  st^  leicht  erzürnt,  erregt 
werden,  etwas  „krumm^  nehmen.  Da- 
von das  Adj.  Ubelnehmerig.  He  solwst 
wea  oawasch  sea  dwelndmerig.  Boldt^ 
12. 

Über,  pltd.  äwer  (a  lang),  prap.y  ade. 
1.  über  und  über^  pltd.  äwer  on  äwer^ 
auch*  über  un  düber ^  äwer  on  däwer^ 
vollauf,  mehr  als  zu  viel.  Das  ist  übe^ 
un  düber  genug^  dem  Worte  völlig  ent- 
sprechend. Er  rennt  ihn  über  und 
über,    über    den    Haufen.      2.    voraus. 

Öck  s!  dt  äwer,  ich  bin  dir  voraus,  bin 

27 


418 


uberärsch  —  überlfister. 


über  dich.  Awer  den  ock  kann^  s'  öck 
Mann.  Sprw.  I,  3849.  3.  Abkürzung 
von:  vorüber,  vorbei,  ü  ist  all  vber^ 
es  ist  schon  über:  die  Übelkeit,  das 
Unwohlsein,  die  Ohnmacht  ist  über- 
standen. 4.  elliptisch:  der  Kranke  ist 
aber^  er  ist  über  die  Krankheit  hin- 
über, ist  aui'zer  Gefuhr. 

Uberärsch,  pltd.  äwerärsch,  adv^  ver- 
kehrt, umgekehrt.  Den  Sarg  äwerärsch 
stellen^  das  Fuizende  dahin  stellen,  wo 
das  Kopfende  stehen  soll. 

Uberbollärschen,  sw.,  rasen,  tollen, 
sich  übereinander  werfen.  Müh- 
ling. 

Uberdilmpeln,  pltd.  äwerdttmple(n),  sw., 

einen  dahin  bringen,  dal'z  er  unserem 
Willen  folgt.  In  Pommern  öwerdum- 
peln.     Däbn. ,  334  b. 

Ubereins,  adv.j  überein.  Sie  sind 
abereins  gekommen, 

überfähr,  überfähre,  /*.,  Fähre,  Boot, 
zum  Übersetzen  über  einen  Flul'z;  auch 
die  Stelle,  wo  diese  Fähre  liegt:  an 
der  Überfähr, 

Übergang,  pltd.  Awergang,  m.^  kleine, 

nicht  sonderlich  Besorgnis  erregende 
Krankheit.  Das  wird  ^oohi  nur  ein 
Übergang  sein^  Herr  Doktor.  Dat  os 
man  so  'n  kleener  Awergang^  säd  de 
Fos^  wie  se  em  dat  Fell  äwre  Ohre 
streepte,     Sprw.  I,  3850. 

Übergeben,  od/.,  eingebildet,  hoch- 
mütig, anspruchsvoll.  Ein  Ohei^gebener 
Kerl  —  ein  Obergebenes  Frauenzimmer^ 
Personen,  die  sich  über  Vermögen, 
Wert  und  Können  geben. 

Übergeben,  st,^  sich^  sich  erbrechen. 

übergufz,  m..  aus  Obergiefzen,  Das 
kommt  mit  dem  Ubergu/Zy  eine  heftige 
Rede  voll  Zorn  und  Galle.  Hennig, 
282. 

überhftbschen,  plur.^  die  Bewohner 
jenseits   des    Haffes,    die    über   dem 


Haffe  wohnen.  Von  den  Keuteln  soübh 
nicht  allein  die  üebethacJwchenj  sondern 
auch  die  Vitien  20  Mark  Zinsen.  Fischer- 
ordnuog    von    1640.      Hennig,    282. 

Vgl.  Haff. 

Uberhapsen,  sw.^  voll  and  scUeimig 
mit  einem  Haps  (s.  d.),  etwas  abbeifzen, 
abmachen.  Das  Stück  Fleisch  war  so 
gro/z^  dafz  er^s  kaum  Uberhapsen  hmnii. 
Ich  mochte  gern  noch  einmal  uberhapsen^ 
einen  kurzen,  tüchtigen  Schlaf  thon. 
Treichel. 

Überhaupt,  adv.^  in  Danzig  and  an 
vielen  anderen  Orten  nicht  da  gebraocht, 
wo  man  vom  Speziellen  aafs  Allge- 
meine übergeht,  sondern  gerade  umge- 
kehrt den  Übergang  zum  Speziellen 
bezeichnend,  wird  also  dadurch  synonjm 
mit  vorzüglich  und  besonde»^:  er  ist  seit 
langer  Zeit  krank^  überhaupt  seit  drei 
Tagen.  E.  Förstern.  Das  Getreidi 
ist  gut  geraten^  überhaupt  das  Korn. 

Überholen,  sw.^  überset/.en  über  einen 
FluCz.  Man  ruft  dem  Bootsmann  za: 
Hol  über!    Hennig,  103.  282. 

Überkahn,  m.,  s.  SprotL 

Uberlangs,  adv.^  einige  Zeit  nachher, 
später.  Hennig,  337.  Schemionek, 
41. 

Uberlangs,  adv.^  nach  der  Länge.  Edi 
drängd  mie  äwerlängs  dortnu,  Carm, 
nupt.  I,  282,  7.  Oeck  must  mie  dag  io- 
schleppe^  bet  eck  mie  äwerlängs  scho/  na 
de  groote  Poort,    Carm.  nupt.  VI,  242b. 

überlast,  /.,  unbillige  Belastung,  Be- 
drückung, zuviel  Last,  Ungerechtigkeit, 
Unrecht.  In  der  Saalfelder  Gegend 
auch  überlafz.  Öck  wöU  keinem  Awer- 
last  done^  ich  will  keinem  Überlast  thun. 
Bei  Jeroschin:  ubirlast  Pfeiffer, 
238. 

überiftster,  m.,  seidenartiger  Stoff  von 
schwarzer,  glänzender  Farbe.  Violit, 
170. 


überlaufen  —  Udraro. 


419 


überlaufen,  pltd.  äwerlApe(n),  über- 
kommen, überfalleo.  Der  Ärger^  Zorn 
überlief  mich^  ich  wurde  heftig,  aus- 
fahrend. 

Uberlei,  adv,^  übrig,  überflüssig.  Es 
ist  von  der  Speise  7ioch  viel  uberlei^  noch 
viel  übrig  geblieben.  Er  hat  noch  Recht 
überlei^  noch  Recht  übrig.  Hennig, 
337. 

Übernehmen,  st^  überwältigen,  über- 
mannen. Ich  wollte  ein  bischen  von 
der  Leber  wegreden  ^  aber  es  übei^nahm 
mich;  mein  Herz  woUte  nickt  so  wie 
ich,    Soph.  R.  VI,  417. 

Uberreifzen,  st,  s.  reifzen  3. 

Uberschlächtig ,  adj, ,  oberschlächtig ; 
von  Wassermühlen,  bei  denen  das  Was- 
ser von  oben  treibend  auf  das  Rad 
fällt.  Aus  über  {ober)  und  schlagen  zu- 
sammengesetzt. Treibt  das  Wasser  das 
Rad  von  unten,  so  ist  die  Mühle  un- 
terschlächtig.  In  Pommern  öwerslägtig. 
Dähn.,  335b. 

überschlagen,  st,  überdenken,  beden- 
ken, überlegen.  Ich  werde  mir  die  Sache 
noch  überschlagen. 

überschnappen,  sw.,  den  Verstand  ver- 
lieren, närrisch  werden.  Der  vnrd  noch 
überschnappen.  Er  ist  etwas  überge- 
schnappt. Davon  das  Adjektiv  über- 
geschnappt, verrückt,  närrisch.  Hen- 
nig, 282. 

Überschte,  Oberste,   pltd.  Awerschte, 

m.,  der  Erste.  Er  ist  der  Überschte  in 
der  Klasse  —  de  Äwerschf.     Vgl.  ba- 

werste  unter,  bawen,  auch  ttpperscht 
überschwaddern,  sw.,  s.  schwaddern. 
überschwauksen,  sw,j  s.  schwauksen. 
übersichtig,  pltd.  äwersttchtig,  adj.,  über 

sich  sehend,  zur  Bezeichnung  eines 
Augenfehlers:  schlecht  sehen  oder 
etwas  gar  nicht  sehen,  aus  Kurz- 
sichtigkeit, Flüchtigkeit  oder  Unauf- 
merksamkeit.    Er  ist  übersichtig,  pltd. 


Hei  ÖS  äwenöchtig,  er  übersieht  Nahe- 
liegendes. . . .  ma/zen  die  Liebe  gemei- 
niglich übersichtig,  oder,  wie  sie  gemahr 
let  wird,  blind  ist    Cai^n,  nupt  I,  183. 

überspirkeln,  sw.,  mit  Spirkcln  be- 
legen. Bildlich:  Einen  Schnaps  über- 
spirkeln, ordinären  Schnaps  mit  besserm 
oder  mit  Rum  versetzen. 

überstudierter,  m.,  einer,  der  zuviel 
studiert  hat  und  dabei  etwas  überge- 
schnappt ist. 

überwams,  pltd.  Awerwams,  n.,  Ober- 
wams, blaue  Tucbjacke  mit  blanken 
Knöpfen.     Dzg.  Nhg.     Viol^t,  177. 

überwendlich,  adv.  überwendlich  nähen, 
mit  engen,  in  einander  geschlungenen 
Stichen  nähen,  schürzen. 

überwicht,  /.,  das  Übergewicht.  J)ie 
Wagschaal  wolte  schon  auf  jene  Seite 
schlagen  .  .  .  Die  schöne  Kienderin 
(Name  der  Braut)  macht  itzt  die  Ueber- 
vncht     Carm.  nupt.  I,  158. 

überwocken,  m.,  der  obere  Teil  des 
Wockens;  derWockenstock.  Vgl.  Spinn- 
stock. 

überwuichen,  Uberwutschen,  sw.,  s.  wu- 
schen. 

überziehen,  st  Einen  überziehen,  ihn 
über  das  Knie,  über  die  Bank  strecken 
und  ihm  den  Hintern  klopfen.  Einem 
eins  überziehen,  ihm  einen  Hieb  über 
den  Rücken  geben. 

Uckel,  Ukel,  /.,  im  Oberlande,  Erm- 
lande  und  in  der  Elbinger  Gegend  = 
Okel  (s.  d.).  Saalfeld.  Schemionek, 
41.     Sperber,  46. 

Uckelei,  Ucklei,  m.,  Fischn.,  Ukelei, 
s.  Ickelei  und  Nesteling. 

Udas,  (?),  s.  Dalkis. 

Udram,  Uderam,  m.,  Pflzn.,  Gunder- 
mann^ Glechoma  hederacia  L.  Hagen, 
610.  Pritzel,  166.  Bock,  71.  Hen- 
nig, 282.    Im  Samlande  auch  Undram. 

Nach  Milhling  auch  Udramb;   ebenso 

27* 


420 


Ukel  —  umschichtig. 


in:  Muller,  Bilder  ausMasaren.  Volks- 
schulfreund  1873,  S.  190  b.     S.  Gunde- 

ram. 
Ukel,  /,  8.  Uckel. 

Ul  (u  lang),  /.  1.  Eule,  Stria ,  ahd. 
ütoila^  rahd. iuwel^iule.  Das  ist  ^ne  ül.  Hei 
OS  wt  de  Ul  mank  de  Krege^  wie  die 
Eule  unter  den  Krähen.  Wat  dem  ine 
Sin  Ul  ÖS,  ÖS  dem  andre  sM  NachtgäL 
Sprw.  I,  771;  11,  676.  2.  Larve  der 
Neunaugen.  Die  Querder  (s.  d.)  des 
Bachr  und  Fitissneunauges  werden  in 
unseren  Provinzen  als  Uhle,  Angeritze, 
VingiUe  bezeichnet.  Benecke,  199. 
Muhling,  Tiem.,  178. 

QlepiQstrig,  adj.,  pausbackig,  aufge- 
blasen^ wie  eine  Eule(C/Ze)  aufgeplustert. 
Dönh.    Muhling  hat  ullenplusirig. 

Ulespfigel,  m.,  Eulenspiegel,  im  Erm- 
lande  Name  für  den  Teufel. 

Ulk,  7n.,  Iltis,  Marder,  s.  Duck. 

Ulke,  JQlke  (tr=t{),  w.  Vom.,  Julie. 
Hartwich,  55. 

ullenplustrig,  adj ,  s  QlepIQstrIg. 

uhnig,  adj,,  alt,  verwittert.  Danzig. 
W.  Seidel,  35. 

Ulrich,  m.  Vom.,  Huldaricus.  Hart- 
wich, 54. 

Umbitter,  m.,  in  den  Werdern  der 
Bote,  welcher  die  in  Form  einer  Kur- 
rende abgefaCzte  Einladung  zu  einer 
Hochzeit  oder  einem  Begräbnisse  herum- 
trägt. Die  Einladung  zur  Hochzeit  be- 
wahrt er  in  einem  Futteral  von  bunter 
Farbe,  die  zu  Begräbnissen  in  einem 
schwarzen  Futteral.     Pas  sarge,  216. 

Umgelder,  j?/ur.,  in  der  alten  Danziger 
Verfassung  Bezeichnung  für  die  direk- 
ten Abgaben.  W.Seidel,  35.  Klein 
II,  205:  Umgeld  oder  Ungeld  heii'zen 
alle  Abgaben,  welche  die  zu  Schiffe 
ankommenden  oder  abgehenden  Waaren 
zu   entrichten   haben.     Der   Abnehmer 


fährt  sie  in  seiner  Rechnang  onter  der 
Rubrik:    Umgelder,     Danzig. 

umgewandt,    pltd.   omgewendt,   a^^ 

Korrump.  von  unguentum  in  den  Na- 
men der  Medikamente:  UngenL  jUunh 
bicum,  Napoleon  etc. 

umherfliben,  sw.,  s.  flitzen. 

umhVren,  sw.,  sich,  sich  erknndigeD, 
umfragen,  umher  hören,  wie  es  am  eioe 
Sache  steht.  Danau  mot  ock  tnt  noch 
erseht  ömhöre. 

umkampeln,  -kantem,  str.,  s.  kanfem. 
umkeif  ein  etc.,  sw,,  s.  keif  ein. 
umklaftern,   sw.,   mit    ausgestreckten 
Armen  {ElafUr)  umfassen,    amannen. 

umkrämpeln,  sfm,  s.  kiümpeln. 
umkrllcken,   st^.,   mit   einer    Kracke, 
Ofenkrücke,  umrühren. 

umlangs,  pltd.  omiangs,  ado.,  so  weit 

als  man  langen  oder  reichen  kann,  als 
man  mit  einem  Gange  umgehen  kann; 
rings  umher.  Es  ist  umlangs  kein  Bier 
zu  haben,  es  ist  ringsum,  in  der  gan- 
zen Nachbarschaft,  kein  Bier  zu  haben. 
Hennig,  282.  Darbi  §s  he  met  siene 
Fasten  so  fluck  bi  der  Hand,  wie  om- 
lang  urschend  wer.  Dorr,  1.  Wiew., 
24. 

Umläufer,m.,Mond.  Sie  TnüssenhemaJf 
lauffen  lassen  ....  den  Jovem  mit  sei- 
nen vier  Umbldufem  etc.  Linem., 
Mlb. 

Umläuflein,  n.,  in  alten  Yerschreiban- 
gen  ein  kleiner  See  oder  Teich,  den 
man  in  kurzer  Zeit  umgehen  (amlaafen) 
kann.    Hennig,  282. 

umpummeln,«t/7., umwickeln,  einhüllen, 
s.  pummeln. 

umschichtig,  pltd.   omschiclitig,   adf., 

Schicht  um  Schicht,  eins  um  das  an- 
dere, wechselweise.  Umschichtig  eine 
giv/zere  Arbeit  ausftihren  lassen,  Mi 
fror  so  grulig,  dat  mi  de  Tähnen   öm 


amschlagen  —  un  beschrieen. 


421 


Mtd  klapperden  on  ek  omsc/Uchtig  op 
dem  eenen  on  dem  andern  Been  huppsen 
deed.    Dorr,  Driewjagd. 

umschlagen,  at  1.  verderben;  von  Ge- 
tränken: Bier,  Wein  etc.,  wenn  sie 
säuerlich  werden.  2.  im  Preise  fallen, 
zurückgehen.  Der  Kaffee  ist  umge^ 
schlagen  —  das  Getreide. 

umschmeifzen,  umwerfen,  st^  amfallen ; 
auch  bildlich.  Der  Wagen  wirft  um. 
In  der  Rede^  im  Gesänge  umwerfen^ 
stecken  bleiben.  Wie  ich  denn  im  Fran- 
zosischen manchmal  urnschmeifze^  sogings 
auch  hier,  Soph.  R.  I,  385.  Im  Ge- 
schäft umschmeifzen^  Bankerott  machen. 
Gewann  Thalei'  auf  Thaler  und  — 
schmifz  um.    Soph.  R.  VI,  556. 

Umstand,  9n.,  anderer^  zur  Bezeich- 
nung der  Schwangerschaft.  Sie  ist  in 
andern  Umständen. 

umstechen,  st.^  durch  Stechen  um- 
wenden, das  aufgespeicherte  Getreide 
mit  Schaufeln  umwerfen. 

umstülpen,  sw.y  s.  stUlpen. 

umtrelben,  gewöhnlich  rumtreiben, pltd. 
rttmdrtwe(n),romdrTwe(n),s^.,  sich,  zweckv 
los  herumschlendern;  in  bösem  Sinne: 
vagabondieren.  Gewöhnlicher:  sich 
herumtreiben.  Denken  sie  mir  doch  dran^ 
dafz  ich  ihn  frage^  wo  er  sich  gestern 
umgetrieben  hat  Soph.  H.  Hennig, 
283. 

Umtreiber,  Umtrift,  Rumtrift,  pltd.  Rom- 
drttft,  m.,  Herumtreiber;  Yagabond. 
Du  heegsche  (höhischer,  von  Höhe) 
Romdr§ft^  du!  Dorr,  1.  Wiew.,  10. 
Hennig,  283. 

umtrenty  adv.^  beinahe,  ungefähr.  Es 
ist  umtrent  sechs  an  der  Uhr.  HoU. 
omtrenty  ontrent.  Hennig,  283.  YgL 
trent 

Umtrift,  m.,  s.  Umtreiber. 

umwerfen,  st,  s.  umschmeifzen. 

umzech,  pltd.  omzech,  adj.  u.  adv,, 


der  Reihe  nach,  abwechselnd  einer  nach 
dem  andern,  ümzech  hüten.  Wir  wach- 
ten (wachen  bei  dem  Kranken,  warten 
seiner)  umzech.  Elwen  kniept  em  om- 
zech! Dorr,  1.  Wiew.,  122.  123.  Auch 
sollen  die  verordenten  tentz{-)  oder  platz- 
meyster  die  frawen  vnd  iungfrawen  vmbt- 
zecht  vf zuziehen  schuldig  sein,  Kleid.- 
Ordg.,  377.  Gortzitza  hat  umzelgs. 
Hennig,  283,  schreibt  umzechlg.  Sper- 
ber, 32,  erklärt  umzech  als  Zusammen- 
setzung von  um,  und  zechen^  im  Kreise 
herum  trinken. 

Unart,  pltd.  Onart  (a=d),  m,^  Mensch 
ohne  Art,  ohne  Anstand.  Sie  sind  ein  klei- 
ner Unarty  sagt  das  zudringlich  zärt- 
lich behandelte  Mädchen,  dem.  derartige 
Aufmerksamkeiten  aber  nicht  unange- 
nehm waren.  Sei  kein  Unart!  zum 
Kinde.  Vgl.  Unband,  Undocht  Hennig, 
283. 

Unftsel,  m.,  s.  OnnAseL 

unftsllch,  adj,y  s.  onnOselig. 

Unband,  m.^  s.  Onband. 

unbändig,  pltd.  onbändig,  cuij.  u.  adv. 
1.  ausgelassen,  lustig,  zügellos,  unge- 
zogen, aus  Rand  und  Band.  Es  ist 
ein  unbändiger  Junge,  2.  sehr,  sehr 
viel.  Er  hat  unbändig  zu  thun.  In 
diesemSinneauch:  ausbUndig.  Mielcke 
n,  56  b. 

unbebott,  odf;.,  ungeladen,  uneingela- 
den,  unberufen.  Mühling.  Vgl.  ver- 
botten. 

unbegamsch,  adj.^  ungeschickt,  unbe- 
holfen, tölpelhaft,  unangemessen.  Müh- 
ling, der  es  von  gehen  ^  begehen  her- 
leiten möchte. 

unbeholfen,  ad).^  unbehilflich^  unfähig 
sich  selbst  zu  helfen.  Ein  korpulenter 
Mensch  ist  unbeholfen.   Hennig,  283. 

unbeschrieen,  adj.  1.  untadelhaft,  recht- 
sch^en,  lobenswert.  Mühling.  2. 
nicht  zu  verrufen.    S.  unverrufen. 


422 


und^  —  unlieb. 


undfig,  adj,  u.  adv.^  Gegenteil  von 
deg  (s.  d.),  untüchtig;  krank,  uopäfz- 
lich.  In  der  Saalfelder  Gegend  auch 
substantivisch  in  allen  Geschlechtern 
Uncf^i^r,  das  Ungesunde.  Hennig,  284, 
hat  undägsch. 

Undererdschke,  -firske,  -hätschke, 
-hütschke,  n.y  s.  Untererdschke. 

Underpigge,  /.,  Unterjacke;  vgl.  Pigge. 

Underschaschke,  m,,  s.  Schasch. 

undersfiken,  m,,  s.  untersuchen. 

Undocht,  m,  s.  Ondocht. 

Undram,  m..  s.  Udram. 

unenglichy  adj.^  verdrierzlich,  unauf- 
geräumt, mürrisch.  Bock,  72.  Hen- 
nig, 284. 

Unfall,  pltd.  Onfall,  m.  Se  ös  to  On- 
fall  gekäme ^  sie  ist  schwanger.  Sprw. 
I,  69. 

unflätig,  pltd.  onflätig,  adj.^  von  un- 
gewöhnlicher Länge,  Gröize,  Stärke. 
Ein  unflätiger  Kerl^  ein  hochgewachse- 
ner Mann.  Ebenso  in  der  Niederlaus. 
Anton,  5,  9. 

unfrAdsch,  unfrOtsch,  adj,^  dumm,  un- 
verständig, unklug.  Ermland.  Müh- 
ling.    Vgl.  frOden. 

ungattllch,  adj,^  was  nicht  zusammen- 
pal'zt,  nicht  von  einer  Gattung  ist.  J7n- 
gattliche  Handschuhe  —  Strumpfe  — 
Schuhe.     Hennig,  284. 

ungebacken,  adj ,  roh,  unmanierlich, 
ungeschliffen,  gemein;  vom  Menschen. 
Ebenso  ungehobelt,  ungesalzen.  Stein, 
Peregrinus  XII,  82:  ungeschliffener^  un- 
gebackenei\ ungesaltzcfter Kerl.  W.  Mtsbl. 
V,  191. 

unger,  adt?.,  unter,  drunter.  Unger 
an  ewer^  drunter  und  drüber.  Dzg.  Nhg. 
Viol^t,  105. 

ungesalzen,  adj.,  s.  ungebacken. 

Ungeschickt,  m.,  aus  ungeschickt  per- 
sonifiziert.     Ungeschickt  läfzt  grüj'zen, 


wenn  jemand   etwas  fallen  läfzt   oder 
ungeschickt  ausführt. 

ungeschmack,  adj.,  schlecht  schmek- 
kend.  Mein  Vater  ungeschmack,  die 
Mutter,  so  mich  zeugt.  Schmeckt  allen 
trefflich  wohl.     Carm.  nupt  I,  225. 

ungewaschen,  adj.  1.  nicht  gewaschen. 
2.  Ungewaschenes  Zeug  sprechen,  zur  Be- 
zeichnung eines  unklaren,  unlogischen 
Geschwätzes. 

ungewiegt,  adv.,  ohne  Wiege,  ohne 
gewiegt  zu  werden.  Ich  werde  heute 
ungewiegt  schlafen,  ich  werde  vor  Mü- 
digkeit leicht  einschlafen  und  so  bald 
nicht  aufwachen. 

Unglück,  pltd.  Onglttck,  n.  1.  das 
Höchste,  die  Epilepsie.  2.  ein  krank- 
licher, elender  Mensch.  Dat  ös  en  wah- 
ret Hüpke  Onglöck,  ein  wahres  Häuf- 
chen Unglück. 

ungut,  pltd.  ongOt,  adj.  u.  adv.,  böse, 
schlecht,  übel.  Niehts  für  ungut!  als 
Entschuldigung  in  dem  Sinne:  um  Ver- 
zeihung! 

unkäsch,a£^'.,  krank, unpäf'zlich.  Bock, 
72. 

Unke,  /.,  Spinne.  Müh  ling,  Tiem.. 
178. 

unklar,  pltd.  onklar  (a  =  a),  ad}.,  un- 
aufgeklärt, zweideutig.  Die  Sache* ist 
unklar,  in  sich  nicht  richtig,  nicht  ehr- 
lich geraeint.     Hennig,  284. 

Unland,  pltd.  Onland,  n.,  unberührt 
gebliebenes,  unfruchtbares,  schwer  kul- 
tivierbares Land.  Mag  sie  (die  sam- 
ländische  Ebene)  nun  Heide  genannt 
werden  oder  Palwe^  immer  ist  es  das- 
selbe t^nste,  undankbare  Land,  dessen 
Humv^äure  nicht  zu  vertilgen^  das  der 
Landmann  mit  dem  einen  köstlichen 
Namen y^Unland^  bezeichnet.  Passarge, 
Balt.,  29. 

unlieb,  pltd.  onl6f,  adv.,  übel.    Nehmt 


Unlust  —  Untererdschken. 


423 


et  nich/ör  onleef,  nehmt,  deatet  es  nicht 
übel     Dorr,  1.  Wiew.,  12  f. 

Unlust,  pltd.  Onlost,  /.  1.  Eiter  in 
Geschwüren  und  Wunden.  Die  Un- 
lust mufz  heraus.  Auch  Unzeug,  pltd. 
OntTg.  2.  Unwohlsein,  Krankheit  über- 
haupt. Die  Hockzeit  in  dem  Herbst  ist 
selten  recht  vergniigt^  Weil  dessen  Witte- 
rung viel  Unlust  mit  sich  führet  Carm. 
nupt  I,  243.  Die  (Braut)  so  Leid  als 
Unlust  stillt.    Ibid.  II,  4c. 

Unlust,  m.,  Kehricht,  Schmutz.  Den 
Unlust  aus  dem  Hause  schaffen.  Bock, 
72.     Hennig,  284. 

unmak,  unmaklich,  adj.,  unwohl,  un- 
behaglich, das  Gegenteil  von  mak  und 
maklich. 

unmanierlich,  adj.  u.  adv.^  ohne  Ma- 
nieren. Sich  unmanierlich  aufführeny 
Blähungen  entlassen. 

unnot,  adj.^  unnötig,  ungem. 

UnOsel,  Unftsel,  Unnosel,  Unnus(s)el,  m., 
s.  OnnCsel. 
unnuselig  etc.,  adj.y  s.  onnOselig. 

unpaar,  adj.  u.  adv,^  in  ungerader 
Zahl,  ungleich.     S.  paar. 

unpaarig,  adj.^  nicht  zu  einem  Paar 
gehörig:  unpaarige  Strümpfe.  Ebenso 
in  Estland.     Sallmann,  131a. 

Unrat,  m.  1.  allerlei  schlechtes  Haus- 
gerät.  2.  Uberflui'z  in  Speisen  und 
Getränken.  Auf  der  Hochzeit  herrschte 
(war)  ein  reiner  Unrat.  3.  zur  Be- 
zeichnung der  Unrichtigkeit  einer  Sache, 
oder  der  Ahnung  einer  Ungebörigkeit, 
eines  bevorstehenden  Übels.  Sie  safz 
auf  einer  Bank  vor  der  Thür  und  schien 
Unratfi  zu  merken^  sobald  sie  mich  kom- 
Tnen  sah.  Soph.  R.  IV,  150.  Dafz  nic/U 
ein  Kluger  unrathmerken  sollte.  Ibid. 
V,  486.    Hennig,  285. 

unraumsch,  adj.,  unau%eräumt  Ma- 
rold. 

unrecht,  adj.^  falsch,  unrichtig.    Etwas 


in  die  unrechte  Kehle  bekommen,  in  die 
Luftröhre.  Es  i&t  ihr  unrecht  gegangen, 
sie  ist  vor  der  Ehe  schwanger  gewor- 
den. Stein,  Peregrinus  XIII,  48.  W. 
Mtsbl.  VI,  157.  In  dieser  Bedeutung 
auch  unrichtig.    Hennig,  285. 

unrilchtbar,  adj.,  untadelhaft,  von  gu- 
tem Ruf.  Landesordg.  von  1640.  Müh- 
ling. 

Unruh,  /.  1.  Balancier  der  Uhr;  auch 
zur  Bezeichnung  eines  unstäten  Men- 
schen, wilden  Kindes.  Er  ist  die  Un- 
ruh am  Seger.     2.  Pflzn.,  s.  Mestel. 

unses  =  unser.  Ach  du,  kick  (sieh), 
da»  is  ja  unses  Hennche  (Hühnchen)! 
Saalfeld 

unstUrig,  adj.,  unruhig.  Efi*  schlaft 
unstürig,  er  wirft  sich  im  Schlaf  von 
einer  Seite  zur  andern.  Bock,  73. 
Hennig,  285. 

unterbodmen,  sw.,  besohlen,  einen 
neuen  Boden  unter  die  Stiefel  legen. 
Sperber,  46. 

Unterdach,  n.,  Obdach.    Marold. 

Untererdschken,  Unterfirsken,  pltd.  Un- 
dererske(n),  jp/ur.  1.  die  Unterirdischen, 
Erdmännchen,  Heinzelmännchen,  Ko- 
bolde, die  unter  der  Erde,  oder  unter 
dem  Herde  ihren  Sitz  haben.  Bei  den 
alten  Preufzen  als  Hausgötter  gedacht 
und  gepflegt  und  Markopfiten,  Marco- 
peczei  (Bock,  71,  hat  Marcopelen,  der 
preufz.  Sammler  II,  1243:  Marop6ten 
oder  MaropOten),  auch  Koltki  und  Bar- 
stucken  genannt.  Heute  auch:  Unter- 
firdschen,  Unterherdschken,  Underfitschken, 
Underhätschken,  Underhtttschken.  Btdem 
fröere  Kreger  Hans  ön  Aleawange  .  .  . 
hadde  sock  de  Underhördscfikes  ange- 
wennty  ere  Teppkes  op  e  Herd  to  stelle. 
Samland.  Firmenich  I^  104a.  Die 
Untererdschken  vertauschen  gern  ihre 
Wechselbälge  gegen  neugeborene  Kin- 
der  der  Menschen,    können  dies  aber 


424 


uDterfadsen  —  Unzucht. 


nur,  so  lange  die  Kinder  ungetauft  sind. 
Vgl  Pisanski,  Überbl.,  §5.  2.  Bild- 
lich: ein  kleiner  Mensch.  Eir  ist  ein 
ünderetschke, 

unterfassen,   pltd.   underfate(n),   sw.y 

unter  den  Arm  greifen,  sich  jemand  in 
den  Arm  hängen.  B}r  fa/zte  sie  unter^ 
er  ergriff  ihren  Arm.  Sie  fa/zten  sich 
unter^  sie  gingen  Arm  in  Arm.  Scherz- 
weise auch  unterhaken. 

unterhollig,  adf/.,  hohl.    Muhling. 

Unterkauf,  m,^  Vorwegkauf,  Ankauf 
von  Waren,  auf  welche  bereits  ein  an- 
derer Kaufmann  Vorschüsse  gemacht 
hat.  Zur  Ordenszeit.  Danzig.  Hirsch, 
167. 

unterkütig,  pltd.  underktttig,  adj.^  eiternd, 

schwärend  von  innen  heraus^  von  einem 
Geschwür  unter  der  Haut.  Die  Wunde 
ist  unterkotig.  Doch  sind  auch  Torf- 
wiesen und  Moore  unterkötig,  wenn  ihre 
Kruste  über  Sumpf  (Kot)  steht.  Nach 
Schemionek,  41,  morsch  bei  Eis- 
und  Landweg.  Bildlich  von  einer  Sache, 
die  bedenklich,  nicht  anständige  ge- 
heuer, die  faul  und  schmutzig  bestellt 
ist.     Hennig,  285. 

unterkraufen,  st,  s.  krauten. 

unterkriegen,  culv.y  unterbekommen, 
niederbekommen.  Ek  war  den  Tolpatsch 
uingerkrien.    Dorr,  1.  Wicw.,  49. 

unterkrttig,  adj.,  fraglich,  gefahrlich. 
Treichel. 

unterh'egen,   pltd.    underligge(n) ,  st, 

sterben,  dem  Tode  erliegen.  Er  ist  un- 
terlegen,  gestorben.     Natangen. 

Untermittag,  m.,  Zeit  während  der 
Mittagsarbeitspause.    Treichel. 

unternäsig,  unternasig,  adj.,  die  Nase 

herabhängen  lassend ^  krank,  mutlos. 
Evne7i  unternäsig  machen,  ihn  in  Furcht 
jagen,  mutlos  machen.  Im  £rmlande 
ungana'sig.     Hennig,  285. 

Unteroffizier,   m.,    Frau,    Gattin;    als 


ScherzbezeichnuDg.  Mein  UnteroffiziBt 
ist  mit. 

unterschlächtig,  adj\,  s.  UberschBcMii, 
untersetzt,  adj,,  klein  von  Wachs.  jESm 

untersetzter  Mann. 

Unterspann,  n ,  der  vierte  Teil  eines 
Tagewerks.  Man  unterscheidet:  ersta 
und  zweites  ünterspann^  am  Vormittage, 
drittes  und  viertes  Unterspann  am  Nach- 
mittage und  Abend.     Hennig,  285. 

untersuchen,  pltd.  under-,  ungersekeCn), 

sw.,  besuchen,  ündersek  mt  doch  e  mal 
Samland.  Herr  Marizio  .  .  .  tcad  wol 
nascht  dawedder  hehben,  wenn  tct  encf 
en  Glas  Win  unjgerseken.  Elbinger 
Höhe.  N.  Pr.  Prov.-Bl.  a.  F.  IX,  241. 
Firmenich  III,  493a. 

Unterwart,  m.,  s.  Wart 

Untier,  pltd.  Ondfir,  Ondftrt,  n,  Woi£ 
£rmland.  ^Man  soll  den  Wolf  nicht 
beim  Namen  nennen,  sonst  kommt  er*", 
sagt  das  Sprichwort,  daher  nennt  man 
ihn  Untier.  Vgl.  Mühling,  Tiem., 
178.  Ek  war  ju  en  Ondeert  wiesen. 
Dorr,  1.  Wiew.,  64. 

unUbel,  pltd.  onäwel,  adj/.,  Qbel,  weh. 
Mir  ist  so  unübely  ich  verspure  Neigung 
zum  Erbrechen. 

unverrufen,  pltd.  onverrOpe(n),  st.,  als 

dem  Zauber  wehrendes  Wort.  Lobt 
man  ein  Kind,  so  hat  man  zu  sagen: 
es  ist  unverrufen  gesund,  starke  grofz  etc. 
Unterbleibt  dies,  so  murmelt  oder  denkt 
die  besorgte  Mutter:  Unverrufen,  Knob- 
lauch, gestern  war  es  besser!  Oder:  Un- 
verrufen,  Knoblauch,  Zwiebeln  und  Mohr- 
rüben.    Gedanism.    Über  das  Verrufen 

s.  Bexspr.,  3  ff.    Vgl.  unbeschrieen. 
unverzogen  Recht,  n.,  s.  Recht. 
Unwetter,   pltd.   Onwedder.    1.    sehr 

schlechtes  Wetter.  2.  Gewitter.  Da- 
von Unwettern,  pltd.  onweddem. 

Unzeug,  n.,  s.  Unlust 

Unzucht,  m.,   das  verhochd.   Undocht 


Ur  —  Utschek. 


425 


Du  bist  ein  Unzucht.  Auch:  Ungezo- 
genheit. Se  beschweade  seck  äwa  solk 
üontuachL     Natangen.    Firmenicb  I, 

110  a.    Vgl.  Ondocht 

Ur,  m.,  s.  Eisensand. 

Uren,  m.  jud.  Vorn.,  s.  Aarndt 

urgend,  adv.,  s.  urschend. 

Urinar,  7n.,  Brandstifter,  Mordbrenner. 
In  dem  Zeugenverhör  über  die  1331 
von  dem  Ordensheere  in  Polen  ver- 
übten Gewaltthätigkeiten  (Script  rer. 
Pruss.  11,  728)  heiizt  es :  Quidam  cru- 
cifer  presbyter  prapria  manu  incendebat 
domus  et  ponebat  ignem  in  eis  in  Pisdr 
(Stadt  Peisern),  dictus  Jacobus^  et  ex- 
tunc  vocatus  est  per  omnes  Vrinar, 
quod  dicitur  latine  incendiarius,  Nsslm., 
Th.,  22  J,  weist  auf  das  lat.  urere^  ver- 
brennen, hin,  woran  ürinar  stark  an- 
klingt. Hoffheinz,  Forsch.  3.  (Altpr. 
M.  VIII,  691)  giebt  dem  Worte  eine 
ganz  andere  Deutung;  er  sagt:  „urinar 
wahrscheinlich  aus  dem  hebr.  W  = 
iffnis^  incendium,  £s  scheint  dieses 
Wort  im  mittelalterlichen  Latein  eine 
Rolle  gespielt  zu  haben.  In  der  von 
Tempelherren  gegründeten  Uauptkirche 
zu  Hannover  findet  man  unter  der  Or- 
gel eine  Tafel  mit  folgender  Inschrift: 

Turris  principium   tria   CCC  nume- 

rant  L  et  aevum 

Gratia  romana  fuit  et  pestis  tinduanna 

Funera   flens  polis  luiec    tria   millia 

7nensibus  in  sex 

Tunc  Stimulus  Stoicos  fuit  VR  tor-- 

quens  et  Bebraeos. 
Das  VR  ist  hier  Feuer,  Scheiterhaufen 
(Verfolgung  der  Templer  und  Juden, 
welche  verbrannt  wurden),  und  es  ist 
etwas  Mystisches  im  Gebrauch  dieses 
grofz  geschriebenen  Bibelwortes.  Bei 
Vrinar  ist  auch  der  grofze  Anfangs- 
buchstabe aufiTallend.  Wahrscheinlich 
fallt  beides  in  eine  Zeit.     Es  ist  nicht 


zu  vergessen,  dafz  auch  der  Plural 
'urtm  gebraucht  wird.* 

urschend  y  adv.  1.  exprel'z^  eigens, 
besonders,  einzig  um  deswillen.  Weü 
mein  Mann  Fleisch  essen  wollfy  mujzi 
ich  urschend  zur  Stadt  laufen.  Eck  st 
urschend  dato  hergekämen.  Auf  der  Dzg. 
Nhg.  urgend.  Yiol^t,  105.  Sonst  auch 
urschends.  2.  sofort,  unverzüglich,  so- 
gleich. Du  geist  urschend  in  de  Stadt! 
Ehr  werdt  es  wschent  heere^  ihr  werdet 
es  sofort,  sogleich  hören.  Schaltj.  1, 
440.  Oberland.  Werder.  Elbing.  3. 
irgend,  urscliend  ener^  irgend  einer. 
Denn  w§Wk  er  frien^  wenn  dat  urschend 
vemonftig  §s.  Dorr,  1.  Wiew.,  13.  Ek 
kri  darbi  so  leicht  Striety  as  urschend 
eener.    Ibid.,  16.     Vgl.  umlangs, 

-USChke,  -USChe,  Endung,  welche  eine 
Verkleinerung  ausdruckt:  Mutteruschke^ 
MutteruschCy  Kleinuschkey  kleinusches 
Kind.  Diese  Deminutiv -Silben  sind 
wohl  aus  dem  poln.  ös  und  ösia  en^ 
standen;  vgl.  jedoch  auch  nutsch. 

UfzbaddoSy  plur.^  kleinere  Pfahle  im 
Lachswehr.     Lit.     Be necke,  381. 

Ufzgirren,  Ort^n.,  Dorf  im  Kirchspiel 
Friedrichs walde,  Kreis  PiUkallen^  im 
Volksmunde  Ganderkemen  Storchdorf: 
Lit.  gandras  der  Storch. 

Uterspann,  n.,  Gespann^  welches  die 
arbeitenden  Pferde  ausspannt,  ablöst. 
Uterspann  bringen^  neue  Pferde  bringen. 
Beim  Pfluge  arbeitet  das  Viergespann 
immer  nur  vier  Stunden.  Die  Redens- 
art wird  aber  auch  figurUch  gebraucht. 
Niederung.     Passarge,  221. 

Utkick  ( 27  =  ti)y  m.y  Altan ;  der  Aus- 
kuck, Platz,  von  dem  man  auskuckt, 
Aussicht  hat.  Dzg.  Nehrg.  Violet, 
105. 

Utfichek,  m.,  ein  Reifzaus.  Von  dem 
poln.  u^ciekac  entiliehen,  davon  laufen. 
Flatow.    Schmitt,  109;  Westpr.,  168. 


426 


üzen  —  ver-. 


Ozeriy  8w,,  necken,  verhöhnen,  vexie- 
ren, zum  besten  haben,  foppen.  Ebenso 
in  Bayern,  Hessen  etc.  Schmellerl, 
134.    Vilmar,  428.    Nach  Weigand 


II,  983,  aus  dem  gaunerischen  aod  ur- 
sprünglich jüd.  vze,  aus  hebr.  uz  enge 
sein,  einen  drangen. 


V. 


V,  hchd.  mit /gleichklingender  Laut, 
virird  pltd.  in-  und  auslautend  sanft 
gleich  w  gesprochen,  anlautend  stets 
wie  /:  Polwer  Pulver,  brawer  braver, 
Vader  Vater.  Lehmann,  Volksmnd., 
30. 

Vadder,  Vader,  m.  1.  Gevatter.  To 
Vadder  stan^  zu  Gevatter  stehen.  Ge- 
genstande, die  man  in  Versatz  gegeben, 
stehen  auch  Vadder.  Hennig,  286. 
Angs.  cumpaeder  =  compater,  mnd.  vad- 
dere^  schwed.  fadder^  nds.  vadder.  Brem. 
Wb.I,330.  Schamb.,255a.  2.  freund- 
schaftliche Benennung  jeder  männlichen 
Person.  Goden  Dag,  Vadder^  wt  geit 
et?  Ei^  Vader  Jost,  dat  ös  endSnt 
Seelenw.,  85. 

Vadderbriefy  m,,  Gevatterbrief,  Ein- 
ladungsbillet  zum  Patenstande. 

Vadderkosen,  n.,  Geplauder  über  gleich- 
gültige Dinge,  „wie  gemeine  Weiber 
bei  Kindtaufen  in  der  Wochenstube  zu 
thun  pflegen."     Hennig,  286. 

Vadderschaft,  /.,  Gevatterschaft.  Daf 
Kind  08  doty  de  Vaddei'schaft  lieft  e  Ena 
—  liggt  öm  Dreck.     Sprw.  I,  1991. 

Vaddersche,  /',  Gevatterin;  auch  Ge- 
vaddersche,  Göde  Morge,  tiHtste  Ge- 
vadderscfie^  w%  geit  etf  Kgsbg.  Fir- 
menich I,  101a. 

vader,  Vader  (a  =  ^),  Dem.  Vdderke, 
m.  1.  Vater.  Das  kann  Vater  und  Sohn 
essen^  zur  Bezeichnung  eines  guten  Ge- 
richtes. 2.  Anrede  des  Gesindes  an 
den  Hausvater;  auch,  veredelter,  VAder; 


sonst  noch  Herzväder^  Hartoäder^  Han- 
vader.  Diese  Anreden  sind  vielfach 
schon  durch  das  gens  Herrkey  gnädiges 
Herrchen,  verdrängt.     Vgl.  Moder. 

Vagäs,  m.,  s.  Fagäs. 

Vagotze,  /.,  Fotze,  cunnus.  Kr.  Neu- 
stadt. 

vanfir,  adv.^  wann.  Fots  oder  vaner^ 
sofort  oder  wann?  Oberland.  Vgl. 
fCrts  u.  wennfir. 

värfots,  färfots,  verfautsch,  adv.,  sofort, 

ohne  weiteres.  Nomm  man  vdr/ots  freg, 
nimm  von  vorne  herein,  gleich  vor  der 
Hand  weg. 

Värlfiw,  /.,  s.  Vorlaube. 
Värschoft,  /,  s.  Schott 
Vaterche(n),  n.,  Väterchen ;  s.  Mutte^ 
che(n). 

Vatsch  (o  =  a),  VOtsch,  w.,  Vater,  Vä- 
terchen. De  Lott  säd:  Vätschy  den  ioell 
öck  nick!    Volksl.,  19,  10,  8. 

Vedder,  m.,  Vater.  Anrede  Unver- 
heirateter an  Verheiratete.  Oberland. 
Vgl.  Medder. 

Veigel.  Vogel,  m.  jüd.  Vom.  Flatow. 
Schmitt,  115. 

Veit,  Vorname;  Teufel.  Bruder  Veit 
nimt  es  weg.  Stein,  Peregrinus  VIII, 
32.     W^  Mtsbl.  V,  142. 

VejOle,  /.,  Pflzn.,  W^aldanemone,  Ane- 
mone silvesti'is  L, 

ver-,  Vorsilbe  in  der  Bedeutung  fort, 
weg,  hin,  verloren;  daher  auch  als  Ad- 
verb: Das  ganze  Spiel  ist  ver  (zu  er- 
gänzen: loren).     ver  tritt  jedoch   auch 


veraasen  —  verbeutein. 


427 


als  er  auf:  verhitzen^  verkäUeriy  vermü" 
den^  verachrecken,  verspüren^  vertränken, 
verzählen  etc,  statt  erhitzen  etc. 

veraasen,  sw,^  s.  aasen, 
veraffenthalen  f zweites  a=ä)^  sw, 

einholen,  erreichen.  He  ward  em  schon 
veraffenthalen.     Pregelniederung. 

verallmachten,  sw.,  in  Unordnung  brin- 
gen, veraasen.  Die  Betten  verallmachr 
ten^  was  Kinder  thun,  die  im  Bette 
sich  balgen. 

veiiLndem,  8tr.,  sich^  sich  verheiraten, 
den  Zustand  der  Ehelosigkeit  ändern. 
So  wiltu^  mein  Jonathan^  jetzt  dich  ver- 
ändern?  So  tvillttu  erwählen  die  EKf 
Cai^m.  nupt.  III,  189  a.  In  Hessen  sich 
verändern,  andern.  Vilmar,  11.  Hen- 
nig, 286. 

verankern,  sw.,  Balken  und  Maaem 
mittels  eines  Ankers  fest  zusammen- 
fügen.   Vgl.  Anker. 

verarbeiten,  sw.,  einem  eine  d^rbe 
Lektion  geben  mit  Worten  oder  mit 
der  Faust.  Der  Geistliche  hat  ihn  ver- 
arbeitet., ernstlich  und  nachdrucklich 
vermahnt.  Hennig,  286.  Den  haben 
sie  gut  verarbeitet,  von  dem,  der  nach 
einer  Prügelei  Beulen  und  Wunden  im 
Gesichte  trägt. 

veräschern,  sw.,  sich,  mit  Anstren- 
gung, aber  ohne  Erfolg  arbeiten,  sich 
unnötige  Muhe  geben,  sich  atemlos 
laufen  oder  arbeiten.  Nu  liebb  öck  mt 
so  veräschert  on  os  doch  nuscht  drut  ge- 

worde.    Vgl.  abäschem. 

verbaggem,  »w.,  zusammenbacken  oder 
zusammenkleben;  eigentlich  verbackem. 
Haare,  welche  lange  nicht  gekämmt 
sind,  verbaggem;  der  Weichselzopf  ist 
verbaggertes  Haar.  Schadhafte  Wände, 
welche  nur  oberflächlich  ausgebessert 
wurden,  sind  nur  etwas  verbaggert  oder 
zusammengebaggert  Bock,  73.  Hen- 
nig, 286. 


verbauen,  su?.,  den  Ballen  des  Ful'zes 
beschädigen^  drücken,  dalz  ein  Hinken 
eintritt;  von  Pferden.  Das  Pferd  ver- 
baut sich  auf  hartem  Boden,  indem  der 
gedrückte  oder  beschädigte  Ballen  sich 
entzündet  und  anschwillt.  Friediand 
Ostpr. 

verballern,8K7.  l.zerschlagen,  und  zwar 
im  Gesicht.  Dem  haben  sie  die  Augen 
verballert,  blau  geschlagen.  Der  ist  gut 
verballert,  im  Gesicht  zerschlagen  und 
zerschunden.  2.  schwängern.  Sie  ist 
verbaUert  vxyrden.    Vgl.  verarbeiten. 

verbammeln,  verbummeln,  sw.^  durch 

unordentliches  Wesen  verlieren,  durch- 
bringen. Für  Estland  bei  S allmann, 
105  a. 

verbasein,  siw.,  «verwahrlosen.  Sche- 
mion ek,  41.    Vgl.  verwessein. 

verbei,  adv.,  vorbei.  Et  ist  verbei  mit 
ihm,  er  mufz  sterben. 

verbeifzen,  pltd.  verbTte(n),  st.  1.  einen 
Imbü'z  nehmen,  eine  kleine  Neben- 
mahlzeit geniefzen.  Wt  wolle  e  betke 
verbtte.  Veibeifs^  ein  Bi/zchen!  zum 
Gaste,  dem  man  einen  Imbil'z  vorsetzt. 
Es  gab  Brot  und  Heringe  zum  Ver- 
beifzen, sonst  aber  keine  Speisen.  E. 
Wiehert,  Heinrich  v.  Plauen  1,  109. 
2.  unterdrücken.  Den  Schmerz  — Ver- 
drufz  verbeifzen y  nicht  merken  lassen; 
ein  hartes  Wort,  das  man  aussprechen 
wollte,  zurückhalten.  Bock,  73.  Hen- 
nig, 286.  3.  reflexiv:  in  Streit,  Un- 
einigkeit, geraten,  sich  in  Worten  über- 
werfen,    nach    Mühling     auch    ver- 

beifzem. 

Verbesserung,  /.,  Benennung  derjeni- 
gen Kapitalien,  welche  nach  dem  Pfen- 
nigzins auf  ein  Grundstück  geliehen 
wurden  und  welche  zur  zweiten  und 
folgenden  Stelle  standen.  Dzg.  W. 
Seidel,  35. 

verbeuteln,  su;.,  durch  Unachtsamkeit 


428 


verbiegen  —  verbüffeln. 


verlieren,    nicht    aasschliefzlich    vom 
Gelde.    Vgl  verbuttern, 
verbiegen,  st.  s.  verbohren. 

verbieten,  st  1.  ein  Kinderspiel,  na- 
mentlich Greifchen,  durch  den  Ruf: 
Ich  verbiet^!  aufheben.  Gewöhnlich  als 
letzte  Rettung,  wenn  der  Greifende  ge- 
fährlich nahe  ist.  Vgl.  rein  ab!  unter 
rein.  2.  Einem  den  Mund  verbieten^ 
ihm  das  Reden  verbieten,  Schweigen 
auferlegen. 

verblstem,  sw.^  s.  bistem. 

Verblasen,  st,^  sich^  in  gewöhnlicher 
Sprache  sich  verpusten^  verschnaufen, 
durch  Ruhe  wieder  gleichmaizigen  Atem 
gewinnen.  Er  kam^  oder  vielmehr  sein 
Wanst  kam  vor  ihm^  ins  Zimmer . .  . 
Er  verbUes  sich^  zündete  sich  eine  Pfeife 
an  etc,  Soph.  R..  VI,  31.  Nach  Ma- 
rold  sich  Verblasen^  gewöhnlich  scherz- 
haft verblosen  (o  kurz),  sich  unmöglich 
machen. 

verbiecken,  sw.,  s.  blecken, 
verbochten,  sw.y  s.  bochten. 

verbohren,  sw.^  falsch  bohren,  durch 
Bohren  etwas  verderben.  Bildlich:  Ef* 
ist  verbohrt,  er  ist  nicht  recht  bei  Sin- 
nen. Derb  und  vielleicht  studentisch: 
IlA*  ist  im  Arsch  verbohrt,  er  handelt 
verdreht,  unsinnig.  In  diesem  Sinne 
auch:  er  ist  im  A,  verbogen, 

verbolgen,  sw.,  böse  machen,  erzürnen. 
Muhling. 

verbollärschen,  sw.,  sich,  sich  bei 
mühevoller  Arbeit  abquälen.  S.  boll- 
ärschen. 

verbollwerken,  sw.^  verhauen.  Tr ei- 
ch el. 

verbolzen,  sw.,  s.  bolzen. 

verbümen,  sw,,  anfaulen,  verstecken. 
Nur  von  vegetabilischen  Körpern  ge- 
braucht.   Muhling. 

verbotten,  sw.y  verboten,  durch  Boten 
vorfordem,    vorladen,   entbieten,    citie- 


ren.  Der  damit  Beauftragte  heiJzt  Vtf* 
botter.  Man  findet  VerboUer  nur  noch 
bei  den  Gewerken,  und  ist  dies  ge- 
wöhnlich ein  Junggeselle  resp.  Jung- 
meister.  Do  aber  Dusingk  vorbatet  ist 
worden  zur  Morgensprack,  Die  Zünfte, 
27.  Auch  bebotten.  Vortmehr  wemnSi 
AdlerUüte  die  Companey  bebotten.  Der 
(Königsberger)  Fischer  Rolle.  Be- 
necke,  288.     nennig,  287. 

verbrämen,  «tr.,  s.  brämeffL 

verbrechen,  st^  sich,  durch  Heboi 
schwerer  Lasten  sich  verrenken,  ver- 
heben, einen  Bruch  erleiden.  Sperber, 
32. 

verbrennt,  adj.  n.  ado.^  von  brennet^ 
entbrannt,  sehr  begierig  sein.  Er  ist 
une  verbrennt  aufs  Kartenspiel^  erpicht 
darauf.  Hennig,  337.  Nach  Muh- 
ling nichtswürdig,  gottlos,  dorcfatrie- 
ben.  (?). 

vQrbruddeln,  verbrQdeln,  s/w.    \.  dorch 

Ungeschick  verderben,  verpfuschen,  zu 
schlechtem  Ende  führen.  Schemio- 
nek,  42.  Nach  Treichel  aach  ve^ 
brudem.  Da»  Spiel  ist  verbrudert.  2. 
sein  Geld  verthun.  Vgl.  prfldeln  und 
pruddeln. 

verbrühen,  pltd.  verbrege(n),  str.,  s. 
brllhen. 

verbubanzen,  sw.,  schwängern.  Sie 
ist  verbubanzty  geschwängert.  Sprw.  I, 
69.  Nach  Treichel  im  Kr.  Neustadt 
auch  überhaupt:  etwas  in  Unordnung 
bringen. 

verbuddeln,  sw.,  verlegen,  durch  Un- 
ordnimg  abhanden  kommen  lassen. 
Muhling.  Nach  Sperber,  45,  ver- 
graben, verbummeln,    verderben.     Vgl 

buddeln, 
verbüffeln,  verpuff  ein,  verpSflfeln,  w., 

zum  BüJflfel,  Tölpel,  werden,  verbauern, 
rohe  Manieren  aünebmen.  Bock  73. 
Hennig,  287.     Schemionek,  43. 


verbumfeien  —  Verdung. 


429 


verbumfeien,  sw.,  s.  verfumfeien. 

verbumndeln,  sw,^  schwängern.  Sie 
ist  verbumfidelt  Aach:  verfumfldeln, 
verfomfideln  u.  verfomfädeln.  Friedland 
Ostpr. 

verbummeln,  m.,  s.  verbammeln. 
verbürgen,  verbürgen,   sw.   verbürget 

oder  verbürget  nehmen:  fest  halten  und 
nur  gegen  gestellte  Bürgschaft  vorläufig 
frei  lassen.  Die  Eiter-  und  Gertleute 
sollen  den  hof  tmd  Gai*ten  aksbalde 
schliessen  vnd  solche  vnrtihige  leute  vnd 
verbrechere  verbürget  nehmen^  auf  dass 
sie  femer  in  gebührliche  strafe  genomr- 
men  werden.  Abschied  der  Morgspr. 
im  Kneiphof  v.  J.  1608.  Die  Zünfte, 
26.  Do  aber  Jorge  sost  des  anderen  ta- 
ges  dy  beyden  hot  wollen  vorburgt  nemen 
vnd  vor  den  alterman  varbothen  lassen^ 
haben  sie  keine  Bürge  setzen  toollen. 
Eoni^uItuIn  aus  1531.    Ibid.,  27. 

verbuttern,  sw,  1 .  durch  unordentliche 
Wirtschaft,  unordentliches  Wesen  ver- 
lieren, einbülzen.  Er  hat  alles  verbut- 
tert. Den  Verlust  in  beschränkterm 
Sinne  drückt  einbuttern  aas.  Vgl.  ein- 
buddeln. 2.  verkümmern,  versiechen, 
elend  werden.    Mühling.    Treichel. 

verdäbbeln,  verdebbeln,  sw.,  durch- 
bringen, verschwenden.  Hennig,  287, 
schreibt  verdöbbeln,     S.  däbbeln. 

verdämmern,  «tr.,  durch  Dämmern, 
Lärmen,  Geräusch  betäuben.  Mir  ist 
der  Kopf  ganz  verdämmert^  benommen, 
mir  ist  ganz  wüst  im  Eop^  auch  wenn 
dieser  Zustand  von  Dunst,  Schnupfen 
etc.  herrührt.  Hennig,  287,  schreibt 
verdömem  und  verdommem^  Bock,  74, 
verdrömmem. 

Verdarf,  w.,  Verderb,  Verderben,  Un- 
glück. Dat  ÖS  Sfn  Verdarf  HoU.  ver- 
darf  schwed.  f Order f 

verdebbeln,  sw.,  s.  verdäbbeln. 

Verdeck,    n. ,  schützendes  Lederdach 


über   elegante  Wagen   und   Schlitten: 
Verdeckwagen^  -schütten.   Für  Liv-  und 
Estland  bei  Hupel,  246. 
verdeffendieren,  verdiffendieren,8f/7.,  sich, 

sich  verantworten,  verteidigen,  aus  dem 
lat.  defendere.  Da  hebb  ock  stracks  mt 
opgemäkt^  Om  hier  vor  disem  hochweise 
Rat  .  . .  Dem  Adebar  to  verdeßendere. 
Aus  einer  Verteidigungsrede  für  den 
Storch  in  der  Sitzung  des  Tierschutz- 
vereins zu  Kgsbg.  am  4.  Mai  1877. 
Kommunalblatt  1877,  No.  105.  Ver- 
difendder  dich  man  noch!  Sperber, 
45:  verdeffentieren;  ebenso  in  Posen. 
Bernd,  374. 

verdAden,  vertoten,  sir.,  absterben,  ein- 
schlafen.   Das  Bein  ist  mir  verdSt 

verdoktern,  sw.,  Geld  für  Arzt  und 
Medizin  ausgeben.  Er  hat  einen  Hau- 
fen Geld  verdoktert^  Arzt  und  Apothe- 
ker haben  ihm  bedeutendes  Geld  ge- 
kostet.   Vgl.  doktern. 

verdttmem,  verdämmern,  si^.,  s.  ver- 
dämmern. 

verdonnern,  sw.  1.  verurteilen.  Er 
ist  zu  drei  Jahren  2kichthaus  verdonnert, 
2.  adj.  u.  adv.  als  Verstärkung:  Das 
ist  verdonnert  teuer.  Ein^  verdonnerter 
Kerl.  Mühling.  Letzteres  auch  in 
Posen.  Bernd,  334.  In  Estland  auch 
ausschimpfen.     Sallmann,  105b. 

verdrellen,  8to.,  verdrehen.  Den  Schlüs- 
sel verdrellen.  Sich  den  Fu/z  verdreUen. 
De  Mensche  (werden)  van  Joa  ze  J6a 
vadreüta  on  gätüosa.  Ermland.  Fir- 
menich HI,  104b.  Davon,  nach  Trei- 
chel, verdrellig,  adj.y  verdreht. 

verdrVmmem,  sw.^  s.  verdämmern. 

Verdrufz,  m.^  Buckel.  Er  hat  (trägt) 
einen  kleinen  Verdrufz. 

verduften,  sw.^  verschwinden. 

Verdung,  Verdungs,  m.,  Akkord;  von 
verdingen.  Arbeiten  icie  auf  Verdungs. 
Memel. 


430 


▼erdu8cfaeln  —  verfiiinfeien. 


verdttfehebi,  verduseln,  mc.^  verwirrt, 
Terdreht  sein  oder  werden.  Mühliog. 
S.  dvseln, 

verdQstem,  sw  ,TerdaDkelD,  verfinstern. 
Muhling. 

verdwfts,  o^ft?.,  qaer.    Treichel.    Vgl. 

dwarsch. 
verdwftr,  adv.,  s.  verquer. 

verehren,  sw.  Einem  etwas  verehren^ 
ihm  eine  Ohrfeige  geben,  überhaupt: 
ihn  schlagen.    Dan.  faraere. 

verewigen,  sw.^  sich^  aof  Reisen,  Fahr- 
ten, Spaziergängen  seinen  Namen  auf 
Wände,  Tische,  Stangen  etc.  schreiben. 
Schuler  verewigen  sich  dadurch,  dafz 
sie  ihre  Namen  in  die  Schultische  ein- 
schneiden. 

verfahren,  «tr.,  sich,  lügen,  sich  durch 
Unwahrheit  in  der  Rede  festfahren. 

verfassen,  plid.  verfate(n),  sw.,  sich, 

sich  fassen,  sammeln,  zusammennehmen. 
öck  stell  mt  nü  so  recht,  an  verfdt  mt, 
an  zieP  an  zieV  mödden  an  de  ScMw 
henen.     Pommerellen. 

verfautsch,  ado.,  s.  värfofs. 

verfSren,  sw.^  s.  verfeuern. 

verfeuern,  pltd.  verfUren,  verfTren,  ver- 
fSren,  verfOren,  in  Pommerellen  auch 
verfOrden,  «tr.,  sich,  vor  Schreck  oder 
Scham  erröten,  sich  verfärben;  kurz: 
erschrecken.  Sie  verftrt  sich  an  sagt 
nuscht.  Schal  tj.  3,  7.  Daräwer  mott 
he  sik  gewaltig  verfeehren.  —  Wenn  he 
sik  uk  nich  verfeehrt,  gehuigt  ward  he 
doch  etc  Dorr,  1.  Wiew.,  118.  Da 
flogen  de  Rapfianer  op,  an  öck  verfard' 
ml  so,  dat  öck  ganz  bedämelt  stund. 
Die  pltd.  Form  ist  fast  ausschlielzlich 
im  Gebranch  Aufzcr  2i\ii  Feuer  dürfte 
für  die  Abstammung  auf  das  ahd.  fü- 
ren, fürchten,  hinzuweisen  sein.  Hen- 
nig, 287.     Sperber,  32. 

verfinstern,  sw.,  s.  finstern. 


verfinzein,  9w.,  s. 

verfipsen,  sw.,  s.  fi|»en. 

verfiren,  sw.,  s.  verfeaern. 

verflogen,  pari,  von  verfliegen.  Nach 
Mühling:  verflogenerwei»e  etwas  £jbm, 
auf  verstohlene,  listige  Weise. 

verfofflfSdeln,  -ftdeln,  str  ,  s 
ftdein. 

verfttrdem,  verfBren, 

verfressen,  st.  1.  verprassen  dorch 
Fressen  und  Saufen.  Er  hat  alles  ver- 
fressen. 2.  verfressen  sein,  stark,  viel 
essen. 

verfrieren,  st,  erfrieren.  Da  abdoam 
die  Ackersleute  sich  befürchtet,  das  die 
Blühte  vom  Schnee  würde  verfriereiL 
Linem.,  Ccc2a.  Particip  der  Verg. 
=  frostig.  Ein  verframer  Mensch,  ein 
solcher,  der  keine  Kälte  zu  ertragen 
vermag.     Du  bist  ja  ganz  verfroren, 

verfuchsschwänzen ,  aw.,  verleamdeo. 
Sie  haben  ihn  gut  verfucksschwdmt,  arg 
verleumdet.  Das  Verbum  fuchssckwan- 
zen  ist  hervorgegangen  aus  der  alten 
Redensart:  Einem  den  Fuchsschwanz 
streichen,  eigentlich:  Einen  mit  dem 
Fuchsschwanz  streichen,  d.  i.  ihm  eine 
^vohlthuende  Empfindung  machen, 
schmeicheln,  zu  Gefallen  reden.  Wei- 
gand  I,  501  f. 

verfucicem,  sw.,  Brot  oder  Braten  un- 
gleichmälzig  schneiden.     TreicheL 

verfumfeien,  sw.,  verpfuschen,  verder- 
ben, verhunzen.  Die  Sache  ist  ver/um- 
feit,  unrecht  angefangen,  schlecht  fort- 
geführt, so  dalz  sie  schwer  oder  gar 
nicht  mehr  in  Ordnung  zu  bringen  ist. 
Hennig,  287.  Bei  Schemionek,  42, 
verbumfeien,  ebenso  in  Estland.  Sall- 
mann,  42b.  105a.  In  Hessen  verfum- 
feien, verbornheisen  u.  veipopeizen.  Vil- 
mar,  111.  47.  305.  Vgl.  Weigand 
11,  91)2.     Im   ßrem.  Wb.  I,  467,  ver- 


verfumfideln  —  verhageln. 


431 


fumfeien  bei  Tanz  und  Musik  vertän- 
deln; wollüstig  verschwenden;  durch 
Unbedachtsamkeit  um  etwas  kommen. 

verfumfTdeln,  sw.^  s.  verbumftdeln. 
verfuntscheln,  verfunzeln,  verfinzeln,  m., 

zu  klein,  zu  kurz  machen,  verschnei- 
den. Das  Kleid  ist  verfuntschelt  etc. 
Treichel.  Üblicher  ist  verfipsen,  S. 
fipsen. 

verfUren,  «u?.,  sich^  s.  verfeuern. 

Vergftderung,  /.,  kirchliche  Versamm- 
lung der  Mennoniten  in  den  Werdern. 
Und  demnach  tat  es  auch  gescheiten^ 
da/z  sie  (die  Mennoniten)  nicht  allein 
in  Dantzig  und  Marjenburg^  sondern 
auch  in  den  Werdern  ihre  freye  Verga- 
derung  oder  Versammlung  jetzo  haben. 
Hart  wich,  279.  S.  auch  290  u.  f. 
Von  dem  hoU.  vergaderen  versammeln. 

vergaloppieren,  sw.^  sich,  sich  in  der 
Rede  vergessen;  etwas  sagen,  was  man 
eigentlich  verschweigen  wollte;  über- 
haupt sich  versehen,  irren. 

vergattern,  sw.y  vergittern,  etwas  mit 
einem  Gatter  einschliei'zen.  Hennig, 
288.    Vgl.  Gadder. 

vergeben,  pltd.  verg6we(n),  st  1.  etwas 
Falsches,  Unrichtiges  statt  des  Richti- 
gen geben.  2.  vergiften.  Er  machte 
ihn  mit  einem  Löffel  Wasser  vergeben^ 
so  hal'zt  er  ihn.  Dat  schmeckt  Katt  on 
Hund  to  vergewe.  Sprw.  I,  3352.  3. 
übertragen^  verleihen,  an  jemand  geben. 
Die  Stelle  ist  bereits  vergeben. 

vergehen,  st  1.  ergehen.  Sich  etwas 
vergehen^  sock  e  bitke  vergäne^  der  Ge- 
sundheit halber  sich  Bewegung  machen. 
2.  durch  Gehen  etwas  los  werden,  be- 
seitigen.    Sich  die  Grillen  vergehen, 

vergessen,  pltd.  verg6te(n),  st  In  den 
Tod  etwas  vergessen^  gar  nicht  daran 
denken.  Vergi/z  dein  Wort  nicht!  wenn 
man  die  Rede  eines  andern  unterbricht. 


Sich  vergasen^  sich  unmanierlich  auf- 
führen, pedere. 

vergischen,  sw.^  s.  gischen. 

verglären,  sw.,  verglühen,  allmählich 
in  der  Glut  ersterben.  Die  Kohlen  ver- 
gldren.  Nach  Hennig,  337,  dem  glä- 
ren  =  glühen,  fehlt;  nds.  glaren  glühen 
wie  Kohlen,  ohne  Flamme.  Brem.  Wb. 
n,  515. 

vergniddern,  »w.  Er  ist  vergniddert 
und  vergnatzt,  griesgramig.  Treichel. 
S.  gniddern. 

vergnurren,  str.,  sich,  sich  erzürnen, 
knurrend  schelten.  Treichel.    S.  gnor- 

ren. 

vergolden,  sw.  Du  kannst  deine  Hände 
vergolden  lassen!  zum  Ungeschickten. 
Lat  di  doch  vergolden  on  ent  Glasschaff 
setten!  zum  Arbeitsscheuen,  Zimperlichen. 
Elbinger  Ndrg. 

vergreifen,  st  1.  einen  falschen  Griff 
thun.  Sich  die  Hand  vergreifen  y  eine 
Muskel  der  Hand  verrenken.  2.  re- 
flexiv: eine  Respektsperson  angreifen. 
Er  hat  sich  an  seiner  Mutter  vergriffen. 

vergretzen,  sw.,  s.  gretzen.  Aulzer 
der  dort  angegebenen  Bedeutung  auch: 
sich  vergretzen,  sich  durch  Zank  ver- 
feinden, einärgern,  das  Leben  verbittern. 
Schemionek,  42. 

verhabbern,  verhappem,  sw.,  s.  hab- 
bern. 

verhackstecken,  sw.,  verabreden.  He 
heft  wat  to  verhcuikstecken.     Tiegenhof. 

verhäddem,  sw,,  s.  häddem,  heddem. 
verhftden,  verhftten,  vahftte  (joi=^a),  sw., 

verzehren,  verbrauchen.  Du  kannst  de 
Kartoffle  nich  verhdte,  nicht  in  deiner 
Haushaltung  verbrauchen.  Mühling 
hat  nur  verhftden  und  erklärt:  zu  sich 
nehmen,  verdauen,  beherbergen  kön- 
nen, 
verhageln,  sw.    Das  ist  ein  verhagelt 


432 


verhappern  —  Verkaotemng. 


Stuck  Arbeit,  ein  schwieriges,  verzwei- 
feltes Stuck  Arbeit.     MühÜDg. 

verbappem,  sw.,  s.  y.  a.  verhabbem. 

verhaspeln  y  sw.  1.  mit  einer  Haspe 
verschlietzen  Hennig,  288.  2.  den 
Faden  falsch  auf  die  Haspel  winden; 
daher  bildlich:  den  Faden  der  Rede 
Terlieren,  sich  in  der  Rede  verwickeln, 
konfus  sprechen.  3.  sich  verhaspeln^ 
sich  entzweien,  erzürnen.  Sie  haben 
sich  verhaspelt. 

verbaten  (a-^ä),  sw.,  s.  verbftden. 

verhauen,  sw.  Er  hat  ein  verhauenes 
Maul  —  eine  verhauene  Schnauze.,  ist 
frech,  beil'zig,  rücksichtslos  im  Reden. 
Hennig,  288. 

verheddern,  sw,  s.  heddem. 

verheuern,  <tr.,  vermieten,  s.  heuern. 

verhitzen,  sw..,  erhitzen.  Sich  ver- 
hitzen.  Verhiben,  n.,  Pferdekrankheit, 
erzengt  durch  Erkältung  nach  voran- 
gegangenem Erhitzen.     Mühling. 

verholen,  sw ,  sich^  sich  erholen,  aus- 
ruhen, Luft  schöpfen.  Lafz  die  Pferde 
sich  ein  bifzchen  verholen! 

Verholgeld,  n.,  Abgabe,*  welche  ein 
Schiff  entrichten  mufz,  wenn  es  seinen 
Ort  im  Hafen  mit  einem  andern  ver- 
tauscht, sei  es  freiwiJL'g,  sei  es  auf  Be- 
fehl der  Behörde.  Pr.  Prov.-Bl.  XVH, 
49. 

verholzen,  sw,,  tüchtig  durchprügeln. 
Sie  haben  ihn  gut  verholzt. 

VerhOr,  n ,  auf  dem  Lande  Benennung 
des  Konfirmations-Unterrichtes.  Danzig. 
W.  Seidel,  35. 

verhucken,  sw,^  sich.,  versitzen,  zu  an- 
haltend sitzen,  sich  steif  und  müde 
sitzen.      Ock    hebb   mi  ganz   verhuckt 

Vgl.  hucken. 

verbuddeln,  verhQdeln,  sw.,  Zeit  ver- 
trödeln.   Vgl.  huddeln. 

verhundflsen,   pltd.   verhungflsen,  .>m, 

eine  Sache  verderben,  durch  Nachlässig- 


keit za  schänden,  nnbraochbar  machwi, 
sie  gleichsam  anf  den  Hand  bringCB, 
zum  Hnndaase  machen.  In  gleichem 
Sinne  verhunzen. 

verbutzeln,  sw,y  s.  hutzeln. 

verTfem,  sw.,  vereifem.  JSr  ist  drauj 
sehr  vert/ert. 

verjachem,  sw.,  sich^  sich  durch  Um- 
herlaufen erhitzen;  s.  jacbern. 

Verjähr,  n.,  s.  Vorjahr. 

verjappen,  sw.  Er  sieht  verjappt  am, 
von  einem  Menschen,  der  von  grofzer 
Anstrengung  abmagert  und  elend  wird. 
Mühling. 

verjttscben,  sw.,  s.  gischeru 
verjuchen,  verjucheln,  sto.,  nach  Tr ei- 
ch el  auch  verjucken  u.  verjuppen,  leicht- 

siünig  das  Seine  durchbringen.  In  Est- 
land t?^r^Ä:^m.  Sallmann,  106a.  S. 
juch. 

verjüngen,  sw,,  sich.  Junge  werfen; 
bei  Katzen  und  Hunden.  Schemio- 
nek,  42. 

verkabbeln,  sw.,  sich,  sich  entzweien, 
s.  kabbeln. 

verkacheln,  sw,,  schwängern,  s.  ka- 
cheln. 

vertäHen,  pltd.  verkille(n),  verkDIIen, 

sw.,    sich,    sich    erkälten.     Davon    Ver- 

kältung,  pltd.  Verkillung,  VerkUllung,  /., 

Erkältung.  Zu  sehr  erhitzt  kam  er  nach 
Haus,  Verkdltung  folgte  drauf.  Aus 
einer  Grabschrift  auf  dem  Kirchhofe 
zu  Angerburg.     Vgl.  killen. 

verkantem,  sw.,  von  kantem  (s.  d.). 
Vgl.  auch  das  folg. 

Verkanterung,  /.,  Veränderung,  Wand- 
lung. Vgl.  kentern.  Auf  gleiche  Art 
zeigete  er  (der  Mond)  durch  solche 
Scheins  Veränderung  die  andere  helft 
seines  Laufs,  und  solches  that  er  Jähr- 
lich 12  bis  13  mahl,  woraufz  nothwen- 
digst  eine  sehr  ordentliche  verkanterung 
in    dem  Lauff  des  Himmels  .  .  .  konnte 


verkäschern  —  Terknüsen. 


433 


geschlossen  werden.  Linem.,  6g  3a. 
In  Danzig  Verkanterung  froher  die  Ver- 
tauschang  der  Amter  und  Fanktionen, 
welche  die  Mitglieder  der  drei  Ord- 
nungen jährlich  vornahmen.  Davon 
verkantern.    E 1  e  i  n  II,  213. 

verkäschern,  sw,,  mit  einem  Koscher 
jagen,  durch  käschem  vertreiben,  daher 
überhaupt  verjagen,  vertreiben. 

Verkehr,  m.^  s.  verkehren. 

verkehren,  sw,^  Umgang  haben,  Ka- 
meradschaft unterhalten.  In  einem. 
Hatise  verkehren^  als  Hausfreund  aus- 
nnd  eingehen.  Ich  verkehre  nicht  mehr 
mit  ihm^  ich  habe  meinen  Umgang  mit 
ihm  abgebrochen.  In  diesem  Sinne 
Verkehr,  m.,  nach  Hennig,  338^  n.  Er 
hält  starkes  Verkehr^  bei  ihm  ist  starke 
'  Verkehr^  er  liebt  Umgang  und  Gesell- 
schaft, oder  er  hat  als  Geschäftsmann 
zahlreiche  Kundschaft. 

verkeilen,  sw.^  sich^  sich  verlieben.  Er 
hat  sich  in  sie  verkeilt  Die  andern  Be- 
deutungen s.  ujiter  keilen. 

verkicken,  sw.  1.  versehen,  sich  durch 
Sehen,  namentlich  in  der  Dämmerung, 
die  Äugen  verderben.  Ve^^kick  dir  man 
noch  die  Äugen!  Ygl.  kicken.  2.  sich 
verlieben.  Hei  heft  sock  on  er  verkickt; 
auch  hchd. 

verkille(n),  sw,^  s.  verkälten. 
verkiicheln,  sw.^  s.  kiicheln. 
verkttem,  sw,j  s.  kttem. 

verklftmen,  sw.,  erstarren  vor  Kälte 
oder  Nässe,  namentlich  an  Händen  und 
Füfzen.  Ich  bin  ganz  verkldmt  Mi 
sönd  de  Fingre  verklamt^  vor  Kälte 
steif,  ungelenk  geworden.  Ei*  ist  ver- 
kldmt wie  ein  Schneider,  Sprw.  I,  3371. 
Worau;s  denn  folget^  dafz  die  Kälte  an 
die  Fäuste  der  Fischerknecht  gelangen 
kan^  und  also  dieselben  erstarrend  und 
verklamend  machet  Linem.,  Tt  la. 
HoU.  verkleumen  erstarren.    In  Posen 

Fritdkbier,  WdrUrbaoh  IL 


vet*klom7nen.  Bernd,  335.  Schemio- 
nek,  8,  hat  derkiftmen.  Hennig,  288. 
Vgl.  kiftmen  u.  klamm.  S.  Weigand  II, 
996:  verkldmen. 

verklarren,  sw.^  verklieren,  Papier  ver- 
schreiben, verschmieren.     Ygl.  klarren. 

verkleckern,  sw,  1.  verschütten^  von 
dickflüssigen  Speisen.  S.  kleckern.  2. 
sein  Geld  durch  Anschaffung  unnützef 
Kleinigkeiten  verschwenden.  Was  unUst 
du  mit  dem  Geld^  du  verkleckerst  es  ja 
doch  man.  Er  hat  all  das  Seinige  ver^ 
kleckert,     Bock,  74.    Hennig,  288. 

verkleiden,  pltd.  verkl6de(n),  m.,  sich^ 

sich  maskieren.  Die  Schauspieler  ver- 
kleiden sich. 

verkloppen,  sw.^  verkaufen  =  verkeilen, 

verklunkern,  sw.^  Garn  oder  dergl.  in 
Unordnung  bringen,  verwirren,  sich 
verklunkern  y  sich  zu  Klunkern  ballen^ 
wie  das  schlecht  gehaltene  Betten  thun. 
Ygl.  klunkern. 

verknacksen,  sw.^  s.  knacksen. 

verknallen,  sw.^  durch  Knallen  ver- 
puffen. Sein  Pulver  verknallt  haben^ 
zur  Bezeichnung  der  Impotenz.  Sie  ist 
verknaUty  geschwängert.    Ygl.  knallen  2. 

verknautsch'en,  sw.^  s.  verknQtschen. 

verkneifen,  st,  unterdrücken,  zurück- 
halten. Das  Lachen  verkneifen.  Sich 
einen  Wunsch  verkneifen, 

verkniddem,  sw.,  verknittern^  zerknit- 
tern, faltig  zusanmiendrücken.  Sali- 
mann,  106b.  Hupel,  247:  verknudr 
dem, 

verknillen,  sw,,  s.  knlillen. 
verknippeln,   sw.,   zusammenknüpfen. 
Das  ist  zu  sehr  verknippelt,  verknotet. 

verknlillen,  verknillen,  sw.,  s.  knlillen. 
verknuicheln,  sw.,   s.   v.  a.   verknOt- 
sehen. 

verknQsen,  »w.,  ertragen,  dulden,  aus- 
halten, leiden;  vorzugsweise  in  der 
Yemeinung.    Ich   kann  das   (erlittene 

28 


434 


rerioifitscben  —  Yeriafe. 


Unrecht)  gar  nicht  verkntuen.  Ich  iatm 
dm  Kerl  nicht  verhmuen^  niclit  leiden, 
ausstehen.  De  Fruesliedy  de  tonnen  se 
dtterhaupt  nich  verkmuen.  Dorr,  1. 
Wiew.,  16.  Dan.  forknuxe;  im  Götdng. 
verknusen  aach  yerdaaen  im  eigentl. 
Sinne;  in  Estland  bildlich.  Schamb., 
263a.  Sallmann,  106a.  Yg^  Vil- 
mar,  213. 

verknOtsehen,  nr.,  dorch  onregelmafzi- 
gen  Dmck  faltig  machen.  Die  Wäsche 
verkn&tschen.  Yerhchd.  veitaauhchefU 
So  in  Posen  nnd  verknütschen.    Bernd, 

335.    Vgl  knOiselieii  a.  knDllen. 
verkoddem,  mr.,  s.  koddem. 

verkolken,  no.,  stark  kolken  (s.  d.). 
Ich  bin  verkalkt^  mir  ist  schlecht  za 
Mate.     T  reich  el. 

verkommen,  ^.,  an  Geld  und  Gut, 
Gesundheit  und  Kraft,  Fröhlichkeit  und 
Munterkeit  abnehmen;  verwahrlosen. 
Der  arme  Kerl  verkommt  gam^  er  nimmt 
augenfällig  ab^  vermagert  etc.  Er  ist 
ein  verkommener  Mensch^  ist  verwahr- 
lost.   Bock,  74.    Hennig,  288. 

verkoppeln,  sw,^  verwirren,  verknüpfen. 
Mühling. 

verkramen,  sw.j  s.  kramen. 

verkribnpeln,  sw.^  s.  kriünpeln. 

verkriüigeln,  «tr.,  s.  krängein. 

verkraufen,  pltd.  verkrOpe(n),  st^  sich^ 
sich  verkriechen.     Vgl.  kraufen. 

verkrauten,  sw,^  voll  von  Kraut  wer- 
den. Der  Schlo/zteich  ist  dieses  Jahr 
ganz  verkrautet,    Königsberg.    YgL  auo- 

krauten. 

verkriicheln,  sw,^  verbraten,  zu  stark 
schmoren.    Ygl.  kriicheln. 

verkrfschen,  sw.^  verkaufen,  nament- 
lich heimlich.  Heft  hei  e  Pehrd  v^leicht 
schlecht verkrieschtf  Nowack,  55.  Der 
Dieb  hat  die  gestohlenen  Sachen   alle 

verkrischt.    Ygl.  verkeilen,  verkloppen, 
verkrtseln,  sw.^  durch  kreisendes  Dre- 


hen andere  oder  sich  sdbst  sckwimKg 
madien.  Packt  em  himde^  paekl  em 
vörcy  Bott  wuen  Fratske  ganz  verbrieutL 
Nowack,  42.  DerUeine Z€nU(?\aAi\ 
wpol  eine  halbe  Meü  mit  dem  Keutd  im 
Walser  heramb  gezogen^  wird  dadmtk 
im  Kopfe  verkrüsdt  und  mm/z  zu  nidä 
gdien.  Beschwerde  der  Sadcfischer 
über  die  Keutelfischer  aus  d.  17.  JahiL 
Benecke,  303.  Kinder,  welche  sick 
auf  der  Ferse  drehen,  vertrUebs  sid 
den  Kopf  Auch  sagt  man,  wenn  der 
Kopf  durch  Lärm  und  Greransch  ^be- 
nommen*'  ist:  ich  bin  gcmz  verkrUdL 
Bock,  74.  Hennig,  288.  Y^  bfi- 
sein. 

verkrUmeln,  »r.,  s.  toHmeto. 

verkrümmen,  sw.,  krumm  werden.  lA 
wiU  verkrummen  und  verlahmen!  ak 
Beteuerung. 

verkrunkeln,  verkrimecbebi,  verfcnniilii, 
Str.,  s.  kninicheln. 

verkuddeln,  str.,  kuddlicli  (s.  d.)  wer- 
den, s.  V.  a.  verklunkem. 

verkDmmeln,  sw.,  s.  kümmeln. 

verkuppeln,  sw.  1.  verhandeln,  ver- 
tauschen; namentlich  von  den  Tausch- 
geschäften der  Kinder.  2.  die  Yer- 
heiratung  einer  Person  vermitteln,  wo- 
bei meist  nicht  ^suiz  redliche  Mittel 
angewendet  werden.  .  .  .  dcu  will  auA 
Syrach  nicht  haben^  dass  EUem  ihre 
Töchter  öffentlich  Schau  führen,  auMe- 
then,  verkuppeln  etc.  Carm.  nupL  I,  liK). 
In   Posen    verkaupeln.      Bernd,    335. 

S.  kuppeln. 

verlaip8chelle(r)n,  sw.,  s.  kupscbeilen. 

verläbbem,  sw.y  s.  labbern. 

verlahmen,  sw.,  lahm  werden,  matt 
und  müde  werden,  erlahmen.  YgL  Vf^ 
krummen. 

Verlab,  pltd.  Veriftt,  m.,  Zuverlässig- 
keit, Yertrauen.  Op  dt  os  kein  Ver- 
lät 


verlatschen  —  vermaddern. 


435 


verlatschen,  m,,  s.  latschen, 
veriftwen,  verlOwen,  «u;.,  verloben.  He 
sett  flw  e  verläwte  Brut    Sprw.  I,  3517. 

Vgl.  I&wen. 

vSriftwen,  sw.^  s.  vorloben. 

VeriäwniSy  VerlOwnis,  /.,  Verlöbnis, 
Verlobung.     S.  Lftwe. 

veriebbem,  «u;.,  s.  labbern. 

verladen,  adj,  u.  adü.^  letzt  verflossen, 

unlängst,    neulich.     Verledenen   Harfst 

(Herbst)  vor  *nem  Jahr.    Dorr,  Driew- 

'jagd.     Ich  binjoerleeden  in   der  Stadt 

gewesen.     Hennig,  338. 

Verl6f,>.  s.  VeriBf. 

verlohnen,  pltd.  verl§ne(n)  u.  verlten, 

sw,^  verleilien,£  ausleihen.  Er  )fiat  aW 
sein  Geld  verlehnt    Vgl.  lehnen. 

vorlenzen,  sw.  1.  etwas  verderben. 
2.  schwängern.  Kr.  Neustadt.  Trei- 
cbel. 

verlesen,  st.^  durch  Lesen  aufrufen. 
Die  Arbeiter^  Schüler  verlesen^  ihre  An- 
wesenheit durch  Aufruf  feststellen. 
Wäsche  verlesen^  die  Richtigkeit  der 
abgelieferten  Wäsche  nach  dem  Wasch- 
zettel prüfen;  nach  Hennig,  289,  diese 
in  Ordnung  bringen  und  gehörig  zu- 
sammenlegen ;  letzteres  wohl  infolge  der 
Prüfung. 

vorliegen,  pltd.  verligge(n),  st^  sich^ 

durch  Liegen  versteifen,  in  den  Glie- 
dern absterben.    Kranke  verliegen  sich. 

verltsen,  st^  \  verlieren.  Emiland. 
Sperber,  46.  In  Natangen  vorlSson. 
S.  Beleg  unter  Büisenhaken.  Die  erm- 
ländische^Form  stimmt  überein  mit  dem 
mhd.  verliesen^^dem  alts.  u.  ahd.  farlio- 
San  verlieren. 

vorloddem,  sw.^  durch  Faulheit  und 
Nachlässigkeit  verderben,  zu  Grunde 
gehen.  Er  fangt  an  zu  verloddem^  lie- 
derlich zu  werden.     Vgl.  loddorn. 

VerlSf,  VerlM,  m.,  Erlaubnis.  Mot 
Verlöf]  mit  Erlaubnis.    Drom  ging  eck 


mot  verlohf  na  hinge.  Carm.  nupt  I, 
282,  15.  Eck  woU  Dy  mott  Verlow  man 
welke  Lehre  gäwe.  Ibid.  V,  48c.  Hen- 
nig, 289. 

verlosen,  sw.^  s.  verlTsen. 

Verlot,  n ,  s.  Solders. 

verlOwen,  su?.,  VerlSwnis,  n.,  s.  ver- 
Iftwen  etc. 

verIQdem,  sw.^  eine  Sache  oder  sich 
selbst  durch '  Trägheit,  Nachlässigkeit 
zu  Grunde  richten,  gleichsam  zu  Lu- 
der werden  lassen.     Vgl.  IQdom. 

vorluntrussen,  sw.^  von  Luntrus  (s.  d.^, 
ein  Taugenichts  werden,  verkommen. 

vorlustieron,  sw.y  belustigen,  amüsie- 
ren; auch  reflex.  Lat  dat  geile  Ver- 
losteem!  Dorr,  1.  Wiew.,  123.  Wie- 
der* (weiter)  fehlt  uk  nuschty  om  dat 
Verlosteem  on  Romdriewen  §m  ganzen 
Köninkrick  op  den  Hund  to  bringen. 
Ibid.,  125.  Ich  liabe  mich  gut  ver- 
lustiert. 

vorlufz,  prät  von  verlassen,  verlieJ'z. 
l)a  verlu/z  ihn  das  Fieber.  Und  da 
verlussen  sie  ihn.     Treichel. 

Vermach,  m.,  Verschlufz,  Kaum,  den 
man  vermachen,  verschlieizen,  kann. 

vermachen,  sw.  1.  verschliefzen,  ein- 
schliefzen,  einsperren.  Sie  haben  ihn 
in  der  Kafmmer  vermacht,  ihn  einge- 
schlossen. 2.  sich  vergnügen.  Danzig. 
W.  Seidel,  35. 

vormackeln,  sw.,  verwirren,  absicht- 
lich oder  unabsichtlich.    Marold.   Vgl. 

mackoln. 

vermaddern,  sw.  1.  etwas  durch  Mad- 
dem  verderben,  aus  der  richtigen  Lage, 
Stellung  bringen;  verderben  überhaupt. 
Er  hat  seine  ühr  vermaddert  Du  weerst 
vermaddert  all  em  Mutterliew.  Dorr, 
1.  Wiew.,  122.  2.  Geld  für  resultat- 
lose Versuche  ausgeben.  Er  hat  viel 
Geld  vermaddert  und  doch  nichts  zu- 
recht gebracht.    Bock,  74.    Hennig, 

28* 


436 


Vermahner  — -  vüiiuiiiiteni. 


289.  3.  Sieh  vermaddem^  sich  albern, 
läppisch  betragen.    Vermadder  dt  doch 

rUch  so!    Vgl.  maddern. 

Vermahner,  m.,  froher  Bezeichnung 
fär  den  mennonitischen  Prediger.  Dzg. 
W.  Seidel,  35.  „Woraus  zu  ersehen 
isiy  da/z  die  Mennordten  in  den  Wer- 
dem  ....  auch  ihre  absonderliche  Ver- 
sammlung und  Aeltesten^  welches  die 
Vermahner  sind^  haben  halten  können.*^ 
Hartwich,  278 f. 

vertnanienieren,  sw.^  sich^  sich  (mit 

Worten)  verteidigen.  Gedanism.  W. 
Seidel,  35. 

vermftsem,  suj.  1.  in  Unordnung  brin- 
gen, verwühlen,  verwirren,  verzausen. 
Ihm  sind  die  Haare  ganz  vermasert^ 
verwühlt  oder  gar  durch  Unreinlichkeit 
zusammengefilzt  Vgl.  mftren  und  ver- 
musem.  Übertragen:  anklar,  unrichtig, 
nicht  ganz  in  der  Ordnung,  schwer  zu 
entwirren:  De  Sach  de  mot  gi  wo  em 
Affohat  vehrbringen^  dat  Ding  körnt  my 
verwort  an  sehr  vermaasert  vehr.  Carm. 
nupt  ni,  50  b.  2.  vermaserty  stark  mit 
Masern  durchsetzt;  vom  Holz.  Vgl. 
maserig.  Schemionek,  42,  erklärt!?^- 
masem  =  herunterkommen.  VgL  Bock, 
74.    Hennig,  289. 

vennat8Chen,8to.,  durch  Matschen  (s.d.) 
verderben. 

vermauscheln,  sw.^  s.  mauscheln. 

vermeizen,  sw.  1.  mit  einer  Metze 
(Mafz)  messen.  Auf  der  Sacklucht  wird 
das  Getreide  vermetzt^  gemessen  und 
aufgeschüttet.  2.  mit  einer  Metze  vom 
Scheffel  den  Müller  bezahlen,  statt  des 
Mahlgeldes.     Oberland. 

vermickem,  vermiickem,  vermickert  etc., 
s.  mickern. 

vermtsen,  stv.^  von  mts  (s.  d.),  trau- 
rig stimmen,  betrüben,  einem  die  Freude, 
den  „Kram"  verderben.     Treichel. 

veitntsem,  sw.^  s.  misem. 


verniteeily  tw^  TerfeUen,  irre  gdwo. 
Den  Weg  vermissen.  So  dammUek  muß 
ock  send:  min  Gold  vergrawe^  de  Stdl 
vermesse^  kein  Pal  btsehläne.  Ab- 
Pillau.  Er  hat  e  ROffff'  vemdfzt^  beim 
Säen  ein  Ackerbeet  ans  Versehen  über- 
sprungen, ausgelassen. 

vermKzquimen,  mt.,  aofdaiiseii,  sidi 
kümmerlich  entwickeln.  Er  iti  ganz 
vermifzquimt.    VgL  qulmeiL 

vermttbeln,  sw.  1.  Möbel  Yerkaofeo. 
überhaupt  Sachen  verkaufen;  verbrin- 
gen. Er  hat  alles  vermöbelt.  2.  aos- 
schelten,  durchprügeln.  ^Br  hat  ihn  gut 
vermöbelt.  In  der  Niederlans.  mcbdn. 
Anton,  2y  12.  3.  dnrchbringen,  ver- 
schwenden. Geldvenndbeln,  Sperber, 
32. 

vermockeln,  sw.^  verschimmeln,  ver- 
modern.    Samland. 

vermOdbarachen,  sw.,  sich,  s.  nrid- 
barschen. 

vermoddem,  sw.,  zu  Moder,  SchlamiD 
werden.    Vgl.  Modder. 

vermoden,  sw.,  vermuten,  erwarten. 
Dat  weer  mien  Hasken  sik  denn  dod 
nich  vermoden  getoest     Dorr,  Dricw- 

vermSlen,  sw.,  s.  mBlen. 

vermolschen,  sic,  verüaalen,  s.  mobch. 

vermordsptpeln,  sw.,  verderben,  ver- 
lieren.    Treichel. 

vermOren,  sw.,  zu  Grunde  richten. 
Schemionek,  43. 

vermotteln,  sw,,  heimlich  aufbewahren. 
S.  Mottel. 

vermUden,  sw.,  ermüden. 

vermummeln,  sw,  dicht  einhüllen:  re- 
flexiv: sich  maskieren.  Hennig,  289. 
Vgl.  mummeln. 

vermuntern,  sw.,  ermuntern,  erholen, 
zur  Besinnung,  in  den  alten  Zustand 
kommen.  Ehr  ek  mi  awer  so  toiet  ver- 
muntert,   dat  ek  (nach  einem  Fall)  cp 


vermusern  —  verplaukschen. 


437 


de   Kneeen   to    liggen    keem.      Doir, 
Driewjagd. 

verrnuiern,  sw.y  s.  muiem. 

vermutbaren,  sw,^  des  Mates  bar  wer- 
den durch  angestrengte  Arbeit,  sich 
überarbeiten.     Schemionek,  43. 

vertnufzen,  sw.  1.  uneben  und  kurz 
Terschneiden.  Der  hat  ihm  das  Haar 
gut  vermutzt.  2.  einen  derb  abfertigen^ 
ausschelten,  zur  Rede  stellen.  £}r  hat 
ihn  gut  vermutzt.  3.  ohrfeigen,  Hiebe 
an  den  Kopf  geben.     Vgl.  Mutz. 

vernagelt,  adj\  von  vernageln.  Er  ist 
vernagelt^  beschränkten  Verstandes. 

vernaggen,  sw.^  verkommen,  ver- 
schmutzen. Hei  ÖS  ganz  vemaggt^  ver- 
saut. 

vernälen,  sw,y  durch  Ndlen  (s.  d.) 
versäumen,  vergessen. 

vemegieren,  sw.^  s.  vemeugieren. 

vernehlen,  sw.,  nicht  verzehren.  Dzg. 
Nhg.    Viol^t,  105. 

vemeugieren,  vemegieren,  su?.,  erneuem, 
ausbessern,  renovieren.  Der  Altar  mu/z 
vemegiert  werden.  Nach  Schemionek, 
43,  sich  verändern,  etwas  Neues  ver- 
suchen. 

vernifflig,  adf.^  naseweis,  übermütig, 
mit  der  Niff^  der  Nase,  voraus. 

Vernimm,  tt»..  Verstand,  Fassungsver- 
mögen. Er  hat  einen  guten  Vernimm, 
Hennig,  289.  In  Mecklbg.-Vorpom. 
und  in  der  Altmark  als  Adjektiv :  ver- 
ständig, klug.  Mi,  102a.  Danneil, 
238  b. 

Vemiitb'ng,  /.,  Vernietung,  feste,  un- 
lösliche, Vereinigung,  Verknotung  („  Ver- 
knotigung.^  Herder.)  Krankheit^  Ver- 
fälgung^  Bedröfnoa  on  PUm^  Sali  unse- 
rer Love  Vemottinge  syn,  Simon  Dach, 
Anke  von  Tharaw.   Volks!.,  27,  18,  5. 

Vemumft,  /.,  Vernunft. 

vernuicheln,  sw.^  s.  nuicheln. 

veroloien,  «c.,  verrotten,  vermorschen. 


F!?roZm^(abgestandener)i3at«m.  Sche- 
mionek, 43.    Vgl.  olmig. 

verpaddeln,  sw.^  s.  paddeln. 

verpaschen,  «u;.,  s.  paschen. 

verpftsern,  sw.^  unwirtlich  verbrennen. 
Viel  Holz  verpasem.    Vgl.  pflsern. 

verpassen,  sw.^  Kleidungsstücke  un- 
passend anfertigen.  Der  Schneider  hat 
den  Rock  verpafzt.    Hennig,  289. 

verpatschen,  sw.^  s.  patschen, 
verperzeln,  m.^  s.  verpirzeln. 
verpfisem,  sw.^  s.  pftsem. 
verpetzen,  sw.^  anklagen,  s.  petzen. 

verpicht  =  erpicht,  auf  eine  Sache 
mit  Leidenschaft  bestrebt  sein,  voll 
Eifer  losgehen.  Er  ist  aufs  Lernen 
verpicht  Eigentlich  zweites  Part,  des 
Verb,  verpichen  mit  Pech  überziehen. 
Vgl.  Weigandl,  409.    Bock,  74. 

verpimpeln,   verpUmpeln,   verpSmpeln, 

sw.^  verweichlichen,  verwöhnen,  s.  pim- 
peln. 

verpirren,  pltd.  verpSrren,  sw.^  vor- 
bauen, verhindern,  hintertreiben,  ver- 
wehren, verschliefzen,  versperren,  etwas 
in  den  Weg  legen,  verderben.  Ich 
werde  ihm  das  schon  verpirren^  ich  werde 
seine  Absicht  zu  vereiteln  wissen.  Das 
Vergnügen  /uxbe  ich  ihm  verpirrt.  Nds. 
verpurren^  durch  purren,  d.  i.  Stechen 
und  Bohren,  machen,  dalz  etwas  ver- 
stopft oder  verderbt  wird.  Brem.  Wb. 
UI,  380.  Pierson,  Lit.  Aeq.  9,  weist 
als  verwandt  auf  das  altpr.  perstlanstan 
Fensterladen  hin.  Schemionek,  43. 
Sperber,  24.  42.    Hennig,  289. 

verpirzeln,  verperzeln,  sw,^  verderben, 
verhudeln;  namentlich  von  Kleidungs- 
stücken. Das  Kleid  ist  verpirzeltj  es 
ist  zu  kurz  und  enge  gemacht.     Vgl. 

verfipsen,  verpassen, 
verpladdern,  mü.,  s.  pladdern, 
verplämpern,  sw.^  s.  verplempern, 
verplaukschen,  sw.,  vergielzen,  Flüssig- 


438 


verplempern  —  verquer. 


keiten  nüt  einem  Plauksch  verschütten. 

Vgl.  plaukschen. 
verplempern,  verplämpern,  'yerplimpem, 

8w.  1.  Flüssigkeiten  vergiefzen.  Wasser 
verplempern.  2.  Geld  leichtfertig  und 
nnnütz  ausgeben.  Se  hätten  den  schee- 
nen  Knups  Geld,  den  se  vom  Alten 
hätten^  schon  meist  verplempert.  Schaltj., 
1,  441.  3.  schwängern.  Sie  ist  ver^ 
plempert.  Vgl.  plumpem,  4.  sich  ver- 
plempern^  sich  in  ein  [geheimes  Liebes- 
verhältnis^einlassen,  sich  heimlich  ver- 
sprechen, zu  früh  und  übereilt  verloben. 
Was  soll  nun  der  machen^  welcher  sich 
schony  wie  m^n  sagt^  heimlich  verpläm^ 
pert  hatte?  Soph.  R.  I,  551.  Ebenso 
auch  im  Holst.,  in  Posen,  in  der  Nie- 
derlausitz, in  Estland.  Schütze  III, 
218.  Bernd,  337.  Anton,  14,  13. 
S  allmann,  107  b. 

verplengen,  sw,y  durch  Plengen  Schän- 
den, Verleumden,  zwei  Personen  gegen 
einander  erzürnen.     S.  plengen. 

verplicken,  sw.,  s.  plicken. 

verplimpern,  sw.^  s.  verplempern. 

verpiTsern,  sii;.,  etwas  zerzausen,  zer- 
zupfen.   Vgl.  piTsern. 

verplOmpem,  sw.^  s.  plumpem. 

verplurkschen,  sw.,  s.  plurkschen. 

verpOffeln,  m.,  s.  verbUffeln. 

verpOmpeln,  sw.,  s.  verpimpeln. 

verpompen,  sw,y  in  alten  Landesver- 
ordnuDgen  zu  Zeiten  des  Ordens  von 
Kleidern  gebraucht,  welche  man  aus- 
besserte und  nachher  für  neu  verkaufte. 
Pijsanski,  JSTachtr. 

verposamentieren,  sw.^  leichtfertig  Geld 

ausgeben,  durchbringen. 

verprachem,  sw,^  verarmen,  zum  Pra- 
cher  (s.  d.)  werden. 

verprudeln  (u  kurz  u.  lang),  sw.  1. 
unordentlich  nähen,  ein  Kleidungsstück 
schlecht  passend  anfertigen.  Das  Kleid 
ist  ganz  verprudelt    Hennig,  289.    2. 


übertragen:  eine  Angelegenlieit  dorn 
ausführen,  in  der  Behandlung  to^ 
pfuschen. 

verprOmen,  sw.j  nach  Schemionek, 
43,  schlecht  stopfen  und  nähen,  ve^ 
derben;  also  gleich  dem  vorigen.  V^ 
prflmen. 

verprunzeln,  sw.  1.  zusammenschrum- 
pfen, alt  und  schwach  werden.  Er  üt 
schon  recht  verprunzeU.  2.  vermuckeni, 
überfromm  werden;  namentUch  von  al- 
ten Betschwestern. 

verpUffeln,  sw.,  s.  verbUffeln. 
verpummeln,  sw.^  s.  v.  a.  bepuwmdm 

(s.  d.). 

verpumpelny^su;.,  steh,  sich  vermam- 
men.    Vgl.  Pumpel  2. 

verpUmpeln,  sw,  s.  verpimpeln. 

verpUngeln,  sw.,  s.  bepUngeln. 

verpQsten,  sw,,  sich,  s.  pQsten  u.  ve^ 
blasen. 

verputzen,  sw.y  s.  putzen. 

verquackeln,  sw.  1.  mit  seinem  Yer- 
mögen  nicht  haushälterisch  umgehen, 
es  durchbringen,  verthun.  Hell,  quak- 
ken,  quakkelen  wankelmütig  verschlea- 
dem,  verthun;  vom  Wetter:  veränder- 
lich sein.  2.  sich  wider  den  Willen 
der  Angehörigen  heimlich  verloben,  ver- 
kuppeln. In  Bremen:  sich  unbedachtsam 
und  leichtsinnig  in  eine  Ehe  einlassen. 
Brem.  Wb.  III,  391.  Bock,  74.  Hen- 
nig,  290. 

verquantschen,  sw.,  s.  quanischen. 

verquflsen,  sw.,  s.  quSsen  n.  quMen. 
Nach  Hennig,  290,  verquasen,  reflexiv, 
durch  Trunk  und  Völlerei  sich  zu 
Grunde  richten. 

verquelcheln,  sw.,  s.  queichein. 

verqueken,  sw.,  voll  Quecken,  wachsen. 
Der  Acker  ist  ganz  verquekt,  von  Quek- 
ken  durchwurzelt.  Vgl.  qufikeil.  Hen- 
nig, 290. 

verquer,  verdwir,  adv.,  qaer,  in  die 


▼erquimen  —  Terschättem. 


439 


Qaere,   verkehrt.     Mir  geht  ailes  ver- 
dwer.   Verquer  auf  dem  Pferde  sitzen. 

verqutmen,  verquTnen,  sw,^  s.  qutnen. 

verqirtsten,  sw.^  vergeuden.  S.  ver- 
quflsen. 

verrftben,  m.^  gewöhnlich  beraben 
(s.  d.). 

verrackem,  sw.^  sich^  s.  rackern. 

verrammeln,  sw.  1.  verrammen,  ver- 
sperren, verschliefzen,  unzugänglich 
machen.  2.  in  Unordnung  bringen. 
Betten  verrammeln,  3.  schwängern.  Sie 
ist  verrammelt     Vgl.  rammeln. 

verraben,  sw.^  sich^  s.  raben. 

verreden,  sw.y  durch  Drehung  des 
Gespräches  eine  Angelegenheit  unbe- 
sprechen  lassen,  etwas  zu  besprechen 
vergessen. 

verrommen,  su?.,  s.  rommen. 

verrostem,  sw,j  verrosten. 

verrotten,  «to.,  verfaulen,  vermodern, 
Verstecken.  Verrottete  Leinwand.  VgL 
RotL 

vemibbeln,  sw.^  scharf  tadeln;  von 
nibbeln, 

verrücken,  sw.  1.  durch  einen  Ruck 
erschüttern,  von  der  Stelle  bringen.  2. 
scharf  und  eindringlich  zur  Rede  stel- 
len, Vorwürfe  machen.  Den  hat  er 
(der  Vorgesetzte)  gut  verruckt 

verrufen,  st  1.  in  schlechten  Ruf 
bringen.  2.  behexen,  bezaubern.  Ge- 
naueres s.  Hexspr.,  1  fF.  Vgl.  Sprw.  I, 
3907.    Hennig,  290.    S.  unverrufen. 

vemihen,  sw.^  ausruhen.  Zu  Mause 
angelangt,  verruhten  wir  uns, 

vernimmen,  sw,,  verrammen.  Vgl.  ver^ 
rammeln. 

verningenieren,  sw.,  ruinieren,  ver- 
derben, zu  Grunde  richten.  Es  mufz 
alles  verrungeniert  werden! 

verruicheln,  sw,,  Glattes  in  Unordnung 
bringen,    namentlich    Haare.     Er   hat 


einen  verruichelten  Kopf.    H  e  n  n  i  g ,  290. 

Vgl.  niicheln. 

verrflsen,  sw.^  s,  rOsen. 

versäbeln,  sw.^  mit  dem  Säbel  verar- 
beiten; mit  gutem  Appetit  etwas  ver- 
speisen (das  Messer  als  Säbel);  nach 
Mühling  verschmeifzen,  verlieren. 

versacken,  sw.,  sich,   sich  verstopfen; 

s.  sacken. 

versäen,  sw.,  beim  Säen  ein  Acker- 
beet,  oder  auch  nur  ein  Stück  dessel- 
ben auslassen.  Wem  das  passiert,  der 
stirbt  in  dem  Jahre.    Hexspr.,  136. 

versauern,  sw.,  Sauerwerden;  davon: 
1 .  nicht  vorwärts  kommen :  Der  Beamte 
versauert  auf  seiner  Stelle.  2.  unver- 
heiratet bleiben:  Die  kann  versauern. 
Bock,  75.    Hennig,  290. 

versaufen,  pltd.  versQpe(n),  st,  er- 
saufen, ertrinken.  Er  ist  versoffen^  er- 
trunken. 

versaufen,  pltd.  vers6pe(n),  sw.^  er- 
säufen; ertränken.  Bei  Jeroschin: 
versoufen.  Pfeiffer,  260.  —  Die  jun- 
gen Katzen  versaufen.  Junge  Huing 
versepen.    Dorr,  1.  Wiew.,  81, 

Versäumereien,  plur,  von  Versäumerei. 
Man  hat  so  viele  Versäumereien^    wird 
aufgehalten,  von  dem  eigentlichen  Ge-   • 
Schäfte  abgezogen. 

verschalen,  sw.,  s.  schälen. 

verschalken,  sw.,  zum  Schalk  werden, 
sich  zu  mutwilligen,  bösen  Streichen 
verbinden.     Mühling. 

Verschalung,  /.,  s.  Schalung. 

verschampfieren,  verschampieren,  auch 
verschumpfieren,  sw,,  beschimpfen,  ver- 
anstalten, entstellen,  verunzieren.  Der 
Hut  verschampfiert  dich.  Ihr  Gesicht 
verschampiert  mir  die  ganze  Gesellschaft. 
Wer  sich  die  Nase  abschneidet,  ver- 
schampfiert sich  das  Gesicht. 

verschättern,  sw.^  s.  schättern. 


440 


Verschel  —  verschmören. 


VerschSI,  9n.,  s.  Verschill. 

verschllen,  sw.  1.  difPerieren,  unter- 
schieden sein.  2.  verschiefisen,  abneh- 
men in  Farbe  und  Glanz.  Selbst  Glantz 
und  Ldcht  verschelt.    Carm.  nupt  UI, 

8  b.    Vgl.  8ch§len  u.  Verschill. 

verschicherny  verschUchemy  bei  Sper- 
ber, 27,  auch  verschickern,  sw,  1.  ver- 
scheuchen, fortjagen.  2.  einschüchtern. 
Scheu  einflöfzen,  schüchtern  machen. 
Jü  motte  man  nick  de  Hener  venchicKre. 
Königsberg.  Ich  hab^  ihn  vei^schichert^ 
ich  habe  ihm  Furcht  eingejagt  und  ihn 
vertrieben.  Der  Junge  kriecht  venchichert 
der  Hütte  zu.    Vgl.  schichem. 

verschiefzen,  pltd.  verschfiten,  st    1. 

in  der  Farbe  ausbleichen.  Dos  Tuch 
ist  verschossen,  2.  versiegen,  zu  fliefzen 
aufhören,  verschwinden;  von  der  Milch 
nährender  Frauen.  Ihr  ist  die  Milch 
verschossen,  Bock,  75.  Hennig,  291. 
3.  verschnaufen,  den  Atem  verschiefzen 
lassen,  verpusten  lassen.  Lafz  die 
Pferde  ein  Bi/zchen  verschie/zen^  halte 
stille,  fahre  langsam. 

Verschill,  Verschal,  m.,  Unterschied, 
Differenz.  Ob  schon  bi/zweilen  die  Ostern 
newes  u.  altes  Calenders  auff  einen  Tag 
*  einfallen^  so  feilet  dennoch  auch  tin  Ver- 
Schill  oder  eine  Diferentz  ein  der  alten 
undnewen  Ostern^  bi/zweilen  auf  4  Wochen 
etc.  Linem.,  N  3b.  ...ist  ein  ver^ 
schiel  auff  vier  Jahr^  dafz  der  Herr 
Christus  ehe  gebom  ist,  als  wie  es  die 
gemeine  Jahr  Christi^  deren  wir  uns  ge- 
brauchen^ geben.    Ibid.  LI  2  b. 

Verschifz,  m.j  s.  Schifz. 

verschlabberrt ,  sw.^  sich^  sich  ver- 
sprechen, etwas  Unrichtiges  wider  Wil- 
len sagen.     Von  schlabbern  3. 

verschlackem,  sw.,  s.  schlackern. 

Verschlag,  m.  u.  n.,  Wirkung,  dauern- 
der Nutzen,  Zutraglichkeit.  Das  Geld 
hat  bei  ihm   keinen   (auch   kein)  Ver- 


schlag^ er  versteht  es  nicht  zusammen- 
zuhalten^  zu  sparen.  •  Vgl.  verschlafSR. 
verschlagen,  st.  1.  anschlagen,  ^ei^ 
fangen,  vorhalten^  lohnen,  von  Wirkung 
sein.  Die  Butter  verschieß  nichts^  hah 
nicht  vor,  macht  nicht  gat  ab.  Doi 
verschlagt  ihm  soviely  wie  dem  EUfanta^ 
eine  Hvnibeere.  Vgl-  Sprw.  I,  2827. 
2.  von  leicht  erwärmten  Getränken. 
Las»e  das  Bier  etwas  ver9chUigen^  stelle 
es  in  die  Ofenröhre,  damit  es  die  Ed- 
lerkälte  verliere. 

verschlagsam,  ad/.,  von  Kraft,  Nach- 
druck, Wirkung;  kompakt ,  nahrhafl 
Alte  Butter  ist  verschlagsamer  cUs  fritchey 
macht  gut  ab  und  hält  darum  länger 
vor.  Verschlagsame  MuSj  dick*  gekochte, 
mehlreiche.    Hennig,  290. 

verschlampampen,  sw.^  dorch  Schlem- 
merei verschwenden,  durchbringen.  S. 
schlampampen. 

verschlicken,  sw.,  mit  Schlick  über- 
decken. Die  Dämme  werden  verschiidd. 
Westpr. 

verschlucken,  sw.j  etwas  Speise  in  die 
Luftröhre  kommen  lassen.  Ich  hoif  mich 
verschltcckt     Vgl.  unrechte  Kehle.        • 

verschlQdem,  verschluddem,  sw.^  ver- 
lumpen; verschleudern;  verschwenden. 
Vgl.  schlQdem. 

verschlunzen,  sw.^  s.  schiunzen. 

verschlQpen,  sw.^  verschleppen,  ver- 
zögern. Der  Prozefz  verschlüpt  sidi 
von  einem  Jahr  ins  andere.  Bock,  75. 
Hennig,  290.     Vgl.  SChlQpen. 

verschmäden,  sw.^  verschmähen^  ver- 
achten. Hennig,  291.  Nds.  versma- 
den^  smadCf  die  Schmach,  hoU.  versmae- 
den.    Brem.  Wb.  IV,  853. 

verschmarutzen,  sw.^  s.  schmamtzen. 

verschmieren,  sw.^  den  Ofen  von  innen 
mit  Lehm  ausschmieren. 

verschmirgeln,  sw.j  s.  schmirgeln, 
verschmören,  sw.   1.  zu  stark  schmo- 


verschmaddeln  —  versitzen.  441 

ren.    2.  vor  Hitze  fast  ersticken,  ge-  verschrompelny   -schrumpeln ,    sw.^   s. 

schmort  werden.    Es  ist  heute  rein  zum  schnimpen. 

Verzchmoren.    3.  durch  Kneipen   sein  verschUcherny  sw,^  s.  verschichem. 

Geld  verthun.    Vgl.  schmoren.  verschumpfieren,  sw.^  s.  verschampfie- 

verschmuddeln,  «to.,  s.  schmuddeln.  ren. 

verschnabbeln, -schnabbelieren, -schnap-  verschurren,  mv,,  s.  verschorren. 

pen,  sii;.,  s.  schnabbeln.  verschwaddem,  bw.^  s.  schwaddem. 

verschneeen,  sw.^  s.  schneeen.  verschwauksen,  «tc.,  s.  schwauksen. 

verschnippem,  verschnip(p)seln,M(7.,zer-  verschwelen,  sw,,  vom  Holze,  das  ohne 

schneiden,  in  kleine  Stuckchen  zerschnei-  Flamme  glüht  und  unter  starkem  Rauche 

den,  zerschnitzeln;  vernichten,  verder-  verkohlt.     Von  schwelen  (s.  d.). 

ben.  Papier  verschnippernjverschnipseln.  verschwTgs,    verschwings,    ado.^    viel 

JEiy  den  schonen  Margen  mir  so  zu  ver-  weniger,  geschweige  denn.    Dat  hAV 

schnippem!    Soph.  R.  IV,    70.     Vgl.  ock  noch  sinn  Da^  nich  gesehne^  ver- 

schnippem  u.  schnip(p)seln.  schimegs  gegete^  das  habe  ich  noch  nie- 

verschnobbeln/   -schnubbeln,   sw.^    s.  mals   gesehen,    geschweige    denn    ge- 

schnabbeln.  gessen. 

verschonen,  sw.    Wenn  ich  nicht  mehr  verschwbneln,  sw.y  s.  Schwfm. 

versc/um\  hau  ich  Ihnen  eine  Ohrfeige!  verschwlngs,  ocfo.,  s.  verschwTgs. 

verschorren,  verschurren,  sw.^  aus  der  verschwTren,  «u;.,  mit  Schwtren  durch- 
richtigen Lage  weichen,  sich  schieben,  bringen.  JEr  hat  aU  sein  Geld  ver^ 
verschieben;  von  scharren.  Das  Hemde  schwtrt  Er  sieht  verschwtrt  aus.  Von 
ist  verscharrt.    Vgl.  schorren.  schwtren  2. 

verschossen  sein,  s.  Scholz.  verschwiben,  sw.^  vergessen.  Ich  hob* 

verschrecken,  st  u.  ato.    1.  erschrecken,  aüe  Geschichtsza/Uen  verschwitzt^  sie  sind 

Pui^   was  hab^  ich  mich  verschrocken!  meinem  Gedächtnis  entüallen. 

2.  von  einem  Vorrate  mehr  als  nötig,  verschwuchten,  sw.^  s.  schwuchten. 

mehr   als    vermutet,    abnehmen,    ver-  versehen,  st^  sich.    Sie  hat  sich  ver- 

brauchen,    auch  diebischer  Weise  ent-  sehen:  1.  sie  hat  sich  mit  einem' Manne 

wenden.     Na^   ihr  habt  das  Brot  gut  abgegeben,  ist  geschwängert.    Für  Liv- 

verschracken^  ihr  habt  tüchtig  davon  ge-  und  Estland  bei  Hupel,  249.     2.  sie 

gessen.    Die   BuMd"   ist  ziemlich   ver-  hat  in  der  Schwangerschaft  sich  über 

schreckt^  es  ist  mehr  davon  gebraucht  Mii'zgestaltetes  erschreckt,  entsetzt,  und 

worden,  als  erforderlich  gewesen  wäre,  dadurch  dem  Kinde,  das  sie  trug,  den- 

Ebenso:    Der   Knecht  hat  den  Eafej  selben  körperlichen  Fehler  angeheftet 

verschreckt.    Hennig,  338.  verseilen,  sto.,  s.  seilen. 

verschrfigen,  sw.^  versengen^  ausdör-  versitzen,  st  1.  durch  langes  Sitzen 
ren,  anbrennen.  Holl.  verschraeijen.  Ich  steif  werden.  VgL  verhucken.  2.  nach 
hab  mir  de  Hand  verschrtt,  verbrannt.  Bock,  75,  und  Hennig,  291,  von 
De  Kartoffle  sein  rein  verschrlt^  das  Mälzenbräuem,'  wenn  sie  das  ganze 
Kraut  ist  in  der  Sonne  gänzlich  ver-  Jahr  über  ihre  volle  Zahl  nicht  aus- 
dorrt. Sperber,  46.  Schemionek,  brauen  können.  Sie  haben  zweir^  drei^ 
43.   Rein.  Vos,V.  6640.   Vgl.  schrfigen.  mal  versessen^ 


442 


versohlen  —  versucheiL 


versohlen,  sw.y  prügeln.  Einem  den 
Fuckelj  —  das  Fell  versohlen. 

versAren,  sw.^  vertrocknen,  absterben, 
verdorren.  Mühling.  Ebenso  bei 
Jeroschin:  6  irdischiz  paradtSy  toi  gar 
ist  dlner  wunnen  prts  vorselwit  (be- 
schmutzt, verwelkt)  und  varsorit  und 
jemirlich  zustorit  149d.  Pfeiffer,  260. 
Vgl.  sOren. 

versorgen,  sw.,  verheiraten.  Die  äl- 
teste Tochter  ist  versorgt^  ist  verheiratet. 

verspftken,  sw.,  s.  spflk. 

verspftren,  sw.^  verstärktes  sparen,  auf- 
heben, bewahren,  aufschieben.  Das  ver- 
spür ich  mir  auf  morgen. 

V§rsp6ger,  m.y  von  spegen^  spähen, 
Vorspäher,  Verräter.  De  Verspeger 
schleppt  nich.  Samland.  Sprw.  II,  2793. 
Vgl.  Kläffer.   S.  Mnd.  Wb.  IV,  454a. 

verspielen,  sw.  1.  verlosen  durch  eine 
kleine  Lotterie.  Es  wird  eine  goldene 
Uhr  verspielt.  Ebenso  ausspielen.  2. 
verlieren,  unterliegen.  Die  Franzosen 
liaben  anno  1870  u.  71  verspielt.  Einen 
Prozefz  verspielen.  Der  verspielt^  der 
sich  erhebt.  Carm.  nupt.  IV,  44  b.  Ge- 
gensatz: gewinnen. 

Verspielung,  /.,  Verlosung.  AufVer- 
spielung  gehn^  zu  einer  Verlosung  gehen. 
Oft  giebt  es  nach  derselben  noch  Tanz. 
Königsberg. 

verspillem,  verspiltem,  sw.,  unnütz  ver- 

thun,  verschwenden,  sein  Vermögen 
versplittem.  Hei  heft  alles  verspillert 
Hennig,  291.  So  (sie)  schlachte  beyds 
nah  ähre  Ölhre,  dey  opp  wat  rönlichs 
Gold  oerspöllre.    Carm.  nupt.  V,  216  d. 

S.  spillern  u.  schlachten. 

verspitzen,  sw.,  sich,  auf  eine  Sache 
mit  Gewifzheit  rechnen.  Sich  auf  eine 
Erbschaft  verspitzen.     Bock,  75. 

verspiftren,  sw.^  s.  splären. 
verspQren,  sw,,  s.  spQreo. 


VIrstäksel,  n.,  s.  V§r8teek8eL 

Verstand,  9n.,  scherzweise  für  Haaie. 
El*  hat  sich  den  Verstand  ahschneidai 
lassen. 

verstandewO?  scherzhafte  französierte 
Frage:  verstanden  (^verstandez'vcus)i 
Sperber,  45. 

Verstandskasten,  m.^  Eop£   Er  hat  tid 

den  Verstandskasten  gestofzen. 

verstauken,  sw.y  s.  verstOken. 
Verstechche,  n ,  s.  Versteckchen, 
verstechen,  st,  s.  stechen. 
Versteckchen,  Verstechche,   pltd.  Ve^ 

stSckke,  n.,  Versteckspiel  der  Kinder. 
Wir  wollen  Verstechche  spielen!  Sper- 
ber, 33.    Hennig,  291. 

verstecksei,  Vfirstäksel,  n.,  weifze,  ge- 
stickte Bettdecke.  Dzg.  Nhg.  VioUt, 
105.  Im  Gr.  Werder  Bettdecke  über- 
haupt.   Aus  vorstecken. 

versteigen,  st.y  sich,  sich  betrinken. 
Er  hat  sich  verstiegen,  sich  betrankt. 

versteinern,  sw.,  versteinen,  wie  zu 
Stein  werden.  Ich  bin  wie  versteinert! 
durch  eine  unerwartete  Nachricht. 

verstellen,  sw.,  sich,  sich  äulzerlich 
anders  zeigen,  als  man  denkt  und  em- 
pfindet. Warum,  wie  man  hier  in 
Preufzen  sagt,  warum  verstellen  Sie  sich 
auch  sof  Sie  sind  aufgeboten,  und  da- 
mit holla.  Soph.  R.  III,  220.  Vgl.  plm- 
mein. 

verstickstacken,  sw.,  s.  Stickstack. 

verstTmen,  sw.,  s.  stlmen. 
,   verstTren,  sw.,  s.  stUren. 

Verstopfung,  /.  Verstopfung  im  Kopfe, 
Schnupfen.     Kgsbg. 

verstQken,  sw.,  verstauchen,  verrenken. 
Sich  den  Fu/z  verstüken.  In  Liv-  und 
Estland  verstucken.    Hupel,  250. 

verstUmpeln,  sw.,  verstümmeln,  ver- 
derben.    Muhling. 

versuchen,  pltd.  verseken,9tr.,  besuchen. 


versadeln  —  verwennen. 


443 


Nu  kSnrC  wi  oUe  Frind  verseeken  On 
moal  e  klooket  Woortken  spräken.  Dorr, 
13. 

versudeln,  sw.^  versäamen,  aufhalten. 
Dat  versudelt  söcky  versäamt  sich,  hält 
sich  auf. 

versusengen,  sw.^  Geld  verthun.  T  r  ei  - 
cheL 

vertestamentieren,  sio.y  sich^  sich  ein 
gegenseitiges  Testament  machen.  Die 
beiden  (^Efieleute)  haben  sich  vertestamen- 
tiert    Hennig,  291. 

vertrdem,  sw.^  s.  tTdem. 

vertoppen,  su?.,  jemand  verleiten.  Dzg. 
W.  Seidel,  35. 

vertrackt,  adj.  1.  unangenehm,  böse, 
verworren.  Das  ist  eine  vertn'ackte  Ge^ 
schicIUe.  2.  yerstockt.  Er  hat  ein  ver- 
tracktes Herz,  Dönh.  Nach  Mühling 
durchtrieben,  gottlos.  Nds.  vertrecken^ 
verziehen,  verzerren,  mhd.  hin  u.  her 
zerren,  durch  Zerren  abschwächen.  Vgl. 
Weigandll,  1008. 

Vertrag,  pitd.  Verdrag,  m.^  Eintracht, 
Friede.  Es  ist  kein  Vertrag  unter  ihnen^ 
sie  leben  in  Unfrieden.  Kein  Verdrag^ 
kein  Verschlag,     Sprw.  I,  3919. 

vertragen,  pltd.  verdräge(n),  st,  1.  er- 
tragen, aushalten^  dulden.  Das  kann 
ich  nicht  vertragen.  2.  reflexiv:  sich 
vertragen^  sich  verdingen,  durch  einen 
Vertrag  binden.  Er  hat  sich  als  Knecht 
vertragen,    Treichel. 

vertreten,  st.^  sich,  sich  ergehen,  gehend 
Bewegung  machen.  Sich  ein  bifzchen 
vertreten  —  die  Füfze  vertreten^  ein  we- 
nig umhergehen,  wenn  man  lange  ge- 
sessen hat. 

vertrinken,  st.  1.  ertrinken.  Eir  ist 
vertrunken.  Schon  bei  Jeroschin:  in 
der  vlut  st  vortrunkin  140  a.  Pfeiffer, 
311.  2.  verheiraten  und  zwar  beim 
Trinken.  Mich  hat  man  jung  vertrun- 
ken,    Litauen.    Nsslm.,  Dainos,  119. 


vertritzen,  sw.^  s.  tritzen. 

vertunteln,  sw,j  schwängern.  Auch  im 
Sinne  von  betunteln^  sich  heimlich  ver- 
loben.   Vgl.  tunteln. 

vertuscheln,  sw.^  s.  vertuschen. 

vertuschen,  sw,y  verheimlichen,  ver- 
schweigen, eine  Angelegenheit  durch 
Schweigen  unterdrücken,  verhehlen^ 
vergessen  zu  machen  suchen.  He  (der 
Lehrer)  lewd  blo/z  von  Geschenke^  — 
dat  het  (hat)  Tnan  so  vertuscht,  Lhrztg. 
4,  355a.  Schemionek,  43,  hat  ver- 
tuschein als  Frequentativ.  In  Hessen 
verdutscheln  heimlich  etwas  thun;  etwas 
verbergen;  etwas  heimlich  vernaschen. 
Vilmar,  81. 

verunwilligen,  sw.^  in  Unfrieden,  Zank 
und  Streit  geraten^  entzweien.  . . .  da/z 
sie  sich  unter  einander  verunwiüiget  vnd 
geschlagen,    Morgspr.  1608. 

veruraksen,  sw,y  s.  wurachen. 

verwachten,  sto.,  erwarten.  Ich  kann 
ihn  nicht  verwachten^  auch:  terwachten, 
Mühling. 

verwandt,  adj.  Zur  Bezeichnung  weit- 
läufiger, kaum  nachweisbarer  Verwandt- 
schaft: Verwandt  sein  auf  dreitausend 
Meilen  (Kgsbg.),  —  durch  Grofzvaters 
Peitsche  (Samland),  —  durch  drei  Schef' 
fei  {Erbsen-)  Aussaat  (Westpr.),  —  aus 
der  hundertsten  Tasche  (Sprw.  U,  2813). 
Er  ist  das  zehnte  Wasser  vom  Kissel 
(s.  d.),  —  die  neunte  Kachel  vom  Ofen 
(Kgsbg.    Sprw.  n,  1361). 

verwarken,  st,  verweben,  von  wirken^ 
warken  (s.  d.).  Sie  hat  viel  Garn  ver- 
worken, 

Verwatmtttze,  pltd.  Verwatmetz,  /.,  s. 
Mutze. 

verweilen,  au?.,  sich^  sich  die  Zeit  ver- 
treiben, verkürzen.  VerweiT  dich  mit'm 
Stückche  Brot!    Saalfeld. 

verwennen,  sw,^  verwöhnen.  Sehebbe 
dat  Kind  got  verwennt 


444 


Terwengt  —  Vesperkost 


verwengty  adj^  umgewendet,  Terkehrt. 
Er  gab  ihm  eins  mit  vermengter  (ver- 
wendeter)  Hand^  mit  der  Ruckseite  der 
Hand. 

verwerfen,  st,^  etwas  durch  Werfen 
schliefzen,  ausbessern,  ergänzen.  Das 
Dach  cerwerfen^  den  losgebröckelten 
Kalk  durch  Anwerfen  neuen  Mörtels 
ersetzen.  ha»s  es  (das  Haus)  bessern, 
verwerfen  und  teeren^  e  es  sincktj  durch- 
leichtig  und  durchsichtig  will  werden. 
Stein,  Peregrinus  XI,  13.  W.  MtsbL 
V,  159.    Bock,  75. 

verwesseln,  sw.^  verwahrlosen.  1.  von 
Personen:  aus  der  Art  schlagen,  aus- 
arten, in  Sitte  und  Wesen  zum  Nach- 
teil sich  verändern.  Die  Kinder  sind 
ganz  vencesseU.  2.  von  Wunden :  durch 
nachlässige  und  unsaubere  Behandlung 
eine  Wunde  verschlimmem.  Ebenso 
vergrdtzen.  Der  Stamm  ist  nach  Hen- 
nig, 291,  wechseln  oder  wesen  verwesen. 
Lit  weisle  Ghtttung,  Art,  Rasse,  lett 
waisla  Art,  Zuwachs,  Zuzucht,  vom 
Yieh,  is-waislotees  aus  der  Art  kom- 
men.   Nsslm.  Forsch.  3;  Th.  221. 

verwichsen,  sw.^  s.  wichsen. 

verwicicen,  sw.^  s.  wicicen. 

verwillert,  adj.  u.  ocfo.,  verwildert  Ver- 
lüillert  aussehen.    S.  pusten. 

verwissen.  sich  nicht  verwissen^  von 
Schreck  oder  Überstürzung  so  verwirrt 
sein,  dai'z  man  nicht  im  vollen  Besitze 
seiner  Verstandeskräfte  ist.  Marold. 
Mhd.  oerwizzen^  ahd.  farwizan  wissen, 
reflexiv  bei  Yerstandeskräften  sein. 
Schade,  169b. 

verwOgen,  sw,^  verwegen.  Verwegen 
wie  ein  Stint,  —  wie  ein  Leiermann. 
Sprw.  I,  3921. 

verzabbeln,  m^  s.  zabbeln. 

verzählen,  sw.j  erzählen.  Was  nun 
hiervon  mehr  zu  oerzehlen,  achte  ich 
niciu  nötig.    Linem.,  E  3a.    Selbiger 


(Plato)  verzeJdet  im  Namen  Crüiae  em 
sehr  Uhr  alte  Historiam,  Ibid.,  Aa4b. 
Auch  heute  noch:  Verzähl  doch  ein 
Märchen! 

verzeckett,  adj.,  s.  zickeln. 

verzeidem,  sw.,  s.  ttdem  a.  zeident 

verzickelt,  adj.y  s.  zickelru 

verziehen,  st,  die  Wohnang  oder  den 
Wohnort  wechseln. 

verzipst,  adj.,  übertrieben  ängstlich, 
blöde,  allzu  verschämt,  kindisch,  prüde, 
zimperlich.  Mühling.  YgL  Zippei- 
ztrke. 

verzoddem,  sw.,  s.  zoddem. 

verzUmen,  pltd.  vert8me(n)y  «c.,  erzur^ 
nen.  Sie  haben  sich  verzümt,  entzweit 
Ek  mucht  mi  om  aüet  Q^ld  fn  der 
Welt  m§t  er  nich  verteemen.  Dorr,  L 
Wiew.,  63.  Davon:  verzümt,  pltd.  ver- 
temt  als  adj.  . . .  wenn  se  nich  gebdden 
hadd,  doch  man  nich  vertemt  to  setu 
Elbinger  Höhe.  N.  Pr.  Prov.-BL  a.  F. 
rX,  244.    Firmenich  m,  495b. 

verzussein,  sw.,  s.  zusseln. 

verzwicicen,  sw.,  die  Fugen  und  Ritzen 
in  Mauern  fest  zustopfen.  Yon  Zwicke 
Zwecke.    Bock,  75.   Hennig,  291. 

verzwicict,  adj.,  verwickelt,  verwirrt, 
kritisch.  Das  ist  eine  verzwickte  Ge- 
schichte. 

verzwirnen,  sw.,  sich,  sich  erzümeD, 
veruneinigen.  Scherzweise  gebraucht 
Sie  haben  sich  cerzwimt.  Ebenso  in 
Posen,  in  der  Niederlaus.  Bernd,  339. 
Anton,  15,  4. 

Vesperbrot,  n.  1.  Brot,  das  zur  Vesper 
genossen  wird.  2.  Bündelchen  mit  Stei- 
nen an  einer  Schnur,  die  an  der  Mitte 
der  Schienen  des  Webestuhls  befestigt 
ist.  Das  Vesperbrot  verhindert  das  Rut- 
schen der  Schienen  gegen  die  Eamm- 
lade.    S.  Das  Wirkgestell,  125. 

Vesperkost,  /,  Speise,  welche  man 
am  spätem  Nachmittage,  um  die  Vesper- 


Vibranze  —  Vij6lche(n). 


445 


zeit  geniefzt,  Vesperbrot.  Essen  Sie  so 
spät  Ihre  Vesperkostf  sagte  ich,  y^Abend- 
essen  wollen  Sie  sagen^^  antwortete  die 
Mutter.  Soph.  RH,  181.  Läfzt  die 
Weberin  bei  der  Arbeit  die  Schütte 
fallen,  so  sagt  man:  De  Vesperhost  os 
weg.    Dönh. 

Vibranze,  m.^  s.  Wibranze. 

Vieh,  n.,  karze  Benennung  für  Rind- 
vieh. 

Viehgras,  n.,  einjähriges  Rispengras, 
Poa  annua  L.    Hagen,  94. 

Vielsamen,  PAzd.,  vielsamiger  Gänse- 
fnh^ChenopodiumpolyspermumL.  Ostpr. 
Hagen,  288.    Pritzel,  92. 

Vlerchen,  n.,  geprägte  Ordensmünze 
aus  der  letzten  Hälfte  des  14.  Jahr- 
hunderts, der  vierte  Teil  (daher  der 
Name)  eines  Hcdbschotters^  der  180.  Teil 
einer  Mark,  im  Silbergehalte  von  etwa 
10  Pfennigen.  Genaueres  s.  Hörn, 
Vom  preufz.  Gelde.  Altpr.  M.  V,  51. 
Vgl.  SkotL 

Vierdener,  Vieriner,  auch  Firdener,  m.^ 
Beamter,  der  von  den  zum  Fischmarkte 
kommenden  Verkäufern  die  Abgabe  des 
Vierten  einzutreiben  hatte.  Ordenszeit. 
Hirsch,  8.  210.  Die  vierte  Tonne  soll 
allerwege  der  Stadt  abgexetzet  und  dem 
Vicrdtner  gelief ert,  von  selbigem  der  Stadt 
zu  Gutt  verkauft  werden.  Elbinger 
Verordg.  von  1578.    Benecke,  292. 

Vierdung,  m.,  Rechnungsmüuze  in 
Preuizen  zur  Ordenszeit,  der  vierte 
Teil  der  Mark.    Vgl.  Skott 

Vierelche,  /.,  s.  Steineiche. 

Vierkant,  pltd.  Virkant,  n.,  Geviert, 
Quadrat.  Am  andern  Ende  aber  ist 
aufgerichtet  insgemein  ins  Vierkant . . . 
ein  dichtes  Schürtzwerk  etc.  Pierson, 
Matth.  Prätor.,  107. 

vierkantig,  pltd.  virkantig,  adj.,  vier- 
eckig;  übertragen:    vierschrötig,  derb. 


auffällig,  augen&llig.  . . .  damit  ich  ein 
vierkantiges  Eaempel  bringen  möge.  Li- 
nemann, G  2a.  ^ne  Verkant'ge!  zur 
Bezeichnung. einer  vierkantigen  Flasche. 
iDanzig. 

Vierkllwer,  m.^  s.  Kllwer. 

VierrSuberessig,  m.,  Medik.,  Acetum 
aromaticum  (  Vinaigre  de  quatre  voleurs). 

vierspillig,  adj.^  s.  spillig. 

.Viertel,  n.,  als  Hohlmafz  der  vierte 
Teil  eines  Scheffels.  Der  Scheffel  soll 
haben  4  Vtertheile^  ein  Viertheil  4  Metzen. 
LandesordnuDg  (1307).  Bock,  Nat  I, 
689.  Auch  Holzmafz :  vierter  Teil  vom 
Achtel  (s.  d.). 

Vieriner,  m.^  s.  Vierdener. 

VIerzehntageuhr,  /.,  Uhr,  die  nur  alle 
14  Tage  aufgezogen  werden  darf. 

Vierzigerleinwand,  /.,  Leinwand  von 
40  mal  20  Fadenbreite.    Vgl.  Gang. 

Viferitze,  /.,  s.  Fiberitze. 

Vigeletten,  plur.^  Levkojen.  Gr.  Wer- 
der. 

Vigeletvergnllgen,  n.,  Tanzvergnügen; 
von  Vigelin:  Es  ist  ein  Vigeletvergnügen. 
Kgsbg. 

VIgeltn,  VIgIfn,  /.,  Violine.  Dat  SchnU 
dake  hald  e  Vigltn  ungdm  Rock  vct. 
Rastenburg  Firmenichl,  109b.  Auch 
VijOI,  Dem.  VijSlke.  Dat  es  e  wahret  Lü- 
den^  wenrit  Vijolke  nich  geity  wenn  ein 
Werk  nicht  gelingt,  keinen  guten  Fort- 
gang hat.  Mockrau  bei  Graudenz.  A 
kann  Vijol  speie  on  Waldhorn.  Ermld. 
Freisch.    Manuskript. 

Vijölche(n),  auch  Vijllche,  Pflzn.,  Veil- 
chen, viola.  Doch  nennen  die  Land- 
leute oft  auch  jede  Frühlingsblume  Fi- 
jolche:  das  Gänseblumchen,  Bellis  pe- 
rennisy  die  Vogelmiere,  SteUaria  media, 
Achy  das  sein  wohl  schon  von  de  Vijol" 
chenf  Saalfeld.  Im  Weichseldelta  Ffo- 
letten,  Vijoletten^  pltd.  Vigeletten:    Chei- 


446 


yijolen  —  Vogeldiang. 


ranthus' Arten.  VioUce  Goldlack,  Ch. 
Chetri.  Treichel,  VolkstL.  ID.  S. 
Violen. 

vijölen,  8w.  1.  verlangend  sich  auf 
etwas  freuen,  auch  überhaupt  sich  freuen. 
Ihm  vijoü  der  Bart.  Sohd^  vne  vijohld 
mie  dau  de  Baart?  Carm.  nupt.  I,  282, 
14.  De  Näs  vijdlt  em^  er  verlangt  nach 
einer  Prise  Tabak.  2.  glühen.  Ihm 
vy oft d»€iVase,iiem Trunkenbold.  Bock, 
75.    Hennig,  292:  violen. 

Vijuchel,  77».  etc.,  s.  Fijuchel. 

vijuchelig,  adj.,  s.  jacheln. 

Vingille,  /.,  s.  Ul  2. 

Violen,  plur.^  blauem  Leberblümchen, 
Anemone  hepatica  L.  Ostpr.  P  r  i  t z  e  1 , 
28. 

vielen,  8w.,  s.  vijölen. 

Violenrumor,  Med.,  Theriaca,  Müh- 
ling. 

vir  —  vier,  in  Zusammensetzungen: 
virzehn^  virzig^  Virtel. 

visintieren,  pltd.  vi8fntere(n),  mc,  visi- 
tieren, durchsuchen,  untersuchen. 

VItle,  kurz  Vilt,  pltd.  Vött,  /.,  Ursprung- 
lieh  am  Seestrande  abgegrenztes  Fischer- 
lager, das  zur  Zeit  des  Fanges  der 
Fische  (Heringe)  die  Gestalt  einer  An- 
siedlang gewann,  diese  mit  der  Zeit  be- 
hielt und  sich  hin  und  wieder  allmäh- 
lich zum  festen  Wohnorte  ausbildete. 
Die  ältesten  Vitten  (der  Hansestädte) 
lagen  auf  Schonen;  die  preufzischen 
Städte  gewannen  hier  1368  Grund- 
eigentum zur  Anlage  einer  Vitte.  Die 
Vitte  bei  Memel^  ursprünglich  nur  von 
Fischern,  später  noch  von  Lotsen  be- 
wohnt, hat  sich  zu  einem  Teil  der  Stadt 
ausgebildet.  Die  Schaakensche  Vitt. 
Schwed.  vitte  Ufer,  Spitze.  S.  Hirsch, 
143.  Passarge,  Bali,  133.  Voigt, 
Gesch.  Pr.V,  221.  Dähn.,530a.  Mnd. 
Wb.  V,  263b.  Nsslm.  Forsch.  3, 
schreibt  Witt^   Witte   und  erklärt   nach 


Hennig,  292:  Bucht,  Hafßnbacht,  am 
kurischen  Haff  gebräuchlich. 

Vittner,  m.,  Bewohner  einer  FSCfe. 

Vibe,  /.,  Rute,  Zweig. 

Vllt,  Fiet,  Tl.,  Holzflofzy  nur  zur  Thal- 
fahrt geeignet  und  meist  belastet  mit 
andern  Holzstucken,  oder  Asche,  Pech, 
Teer,  Getreide.  Ordenszeit.  Die  da- 
mals leibeigenen  Führer  der  Vlete  hiefzea 
VUter  Flöizer,  jetzt  Füssen,  Danzig. 
Hirsch,  173. 

vodder  =  vorder.    VodderkcmSy  -stube. 

Voder-,  Foderhemde,  n.^  eine  Art  Jacke 
mit  kurzen,  spitz  zugeschnittenen  £d- 
tenreichen  Armein.  Über  der  Brust 
wurde  diese  Jacke  mit  einer  silbernen 
Eette^  an  deren  Ende  eine  Schnör- 
nadel  von  gleichem  Metall  befestigt 
war,  oder  mit  einer  seidenen  Schnur 
zusammengeschnürt  Die  Schnümadd 
wurde  dann  an  einem  Häkchen  au^e- 
hängt,  welches  an  der  rechten  Schulter 
angebracht  war.  Sechs  Rosetten  von 
dem  Stoffe  des  Foderhemdes  schmück- 
ten die  Seiten  und  den  Rücken  der 
Jacke,  die  jetzt  aufzer  Mode.  Dzg. 
Nhg.    Violöt,  182.    Vgl.  Oggagarrten. 

Vogel,  m.  De  heft  e  Vägel^  er  ist  über- 
spannt, hat  einen  Nagel.  Elbing.  Im 
Plur.  Läuse.  B}r  hat  VogeL  Sprw.  I, 
3933.  3930. 

Vogelbahn,  f.,  Milchstraize,  weil  die 
Zugvögel  nach  ihr  in  der  Nacht  ihren 
Flug  richten.     Dönh. 

Vogelfufz,  -klaue,  Pflzn.,  kleine  Klauen- 
schote, Omithopttö  perpusiUus  L.  Ha- 
gen, 763. 

Vogelmeier,  Pflzn.,  s.  Mfre. 

Vogelmilch,  geWe^  Pflzn.,  gelber  Grold- 
stern,  Ornilhogalum  luteum  L.  Hagen, 
361. 

Vogelszung,  Pflzn.,  gemeine  Kreuz- 
blume, Polygala  vulgaris  L.  Auch 
Milchblume  (s.  d.).  Pritzel,  295.   Nach 


Yogeltrittgras  —  vor. 


447 


Hagen,  430,  ist  Vogelzunge  derHecken- 
knöterich,  Polygonum  dv/metjorwm  Z/., 
Vogelzungenbaum  heifzt  die  gemeine 
Esche,  FrcMnu^  excehior.  Hagen, 
1077. 

VogeHrittgras,  -wegtritt,  Pflzn.^  Vogel- 
knöterich, Polygonum  aviculare  L,  Ha- 
gen, 427.    S.  JungferntritL 

VogeltrittholZy  n.,  jedes  Holz,  weil  der 
Vogel  jedes  Holz  betritt.  Auf  die  Frage 
nach  der  Holzart  hört  man  scherzweise : 
Es  ist  Vogeltrittholz.  Ghrün  Hoh^  rot 
Höh,  Vogeltrittholz,  Volksr.,  150,  640. 
Nach  Treichel,  Volksth.  H,  8,  bezieht 
sich  der  Name  besonders  auf  Faulbaum, 
Rhamnus   frangula   L,    Auch:    Vogel- 

bauertrittholz. 

VHgelzeH,  /.,  Zeit,  in  der  die  Vögel 
im  Herbste  von  uns  ziehen.  Er  ist  in 
der  Vogelzeit  entwohnt,  er  hat  ein  un- 
states,  fluchtiges  Wesen.  Das  Volk 
entwöhnt  Kinder  in  der  Zugzeit  nicht, 
da  diese  den  erwähnten  ungünstigen 
Einfluiz  auf  die  Kinder  ausüben  würde. 
Hennig,  292. 

Vogelzunge,  /.,  -zungenbaum,  m.,  s. 
Vogelszung. 

voll,  adj.  u.  adv.  1.  bis  zum  Rande 
gefüllt.  2.  auf  den  Menschen  über- 
tragen: betrunken.  Eck  was  von  erst 
noch  rommelduhn  on  voll.  Carm.  nupt 
1, 282, 2.  3.  unsauber,  unrein,  schmutzig. 
Ich  habe  mir  die  Hände  voll  gemacht 
Du  hast  dir  dein  Kleid  voll  gemacht. 

volläddich,  adj.,  mit  Eiter  angefüllt. 
Nu  OS  et  e  grötet  Geschwür,  ganz  Idar 
on  volläddich.  Kgsbg.  Firmenich  I, 
102a. 

Vollbort,  n.,  s.  VollworL 

vollbrllstig,  adJ.,  stolz.  Von  Menschen, 
die  sich  brüsten.     Hennig,  292. 

Vollhofer,  m.,  s.  Hofer. 

vollkaddem,  sw.,  beschmutzen,  beson- 


ders Zeug,  Wäsche.    Mühling.    Vgl. 
kaddern. 

vollkantig,  adj.,  von  einem  scharfkan- 
tig zugehauenen  Bauholz,  im  Gegensatz 
zu  baumkantig  (s.  d.).    Hennig,  292. 

vollkommen,  adj.,  völlig,  weit,  lang; 
von  Kleidern.  Der  Rock  ist  ein  bifz- 
chen  vollkommen. 

vollmachen,  sw.,  s.  voll. 

vollschlagen,  st,  sich.  Sich  das  Leib 
vollschlagen,  übermälzig  essen.  Sper- 
ber, 33. 

Vollwerk,  n.,  Vorwerk,  Nebengut. 

Vollwort,  n.,  Zustimmung,  Einwilli- 
gung. Einem  Vollwort  geben,  ihm  zu- 
stimmen, ihn  in  seinen  Ansichten  be- 
starken. Hennig,  338.  Sprw.  I,  3937. 
Ouch  sali  keyn  aldirman  vorba/zmer 
macht  haben  jn  sunderheit  gerdeleute  czu 
sich  czu  kifzen  an>e  wissen  vnd  volborth 
der  oJeri^^scAr.  (geschriebenen)  A^'n.  Aus 
der  Morgenspr.  von  1492.  Die  Zünfte, 
28. 

von,  präp.,  die  häufig  mit  dem  Ak- 
kusativ gebraucht  wird.  Er  ist  vons 
Land  —  vons  erste  Regiment 

vondag,  vondäg,  adv.,  heute.  Dzg. 
Nhg.  Viol^t.  Im  Werder  vondogn. 
Ek  kam  noch  von  Dag,  m§t  er  £hop. 
Dorr,  1.  Wiew.,  29.  On  von  da//  soWn 
wi  Bescheed  krien.  Ibid.,  64.  Es  von- 
dag keene  Schoolf  Ibid.,  88.  Sche- 
mionek,  44,  vondag  gestern.  (?) 

vonfin,  adv.,  auseinander.  Schemio- 
nek,  16.  44. 

von  weitem,  adv.,  ausholend,  neben- 
bei, scheinbar  absichtslos.  Er  kommt 
so  von  weitem.  Er  tcird  auch  von  weitem 
fragen  nach  ihrem  Leben  seine  Freunde, 
die  die  Magd  kennen.  Pierson,  Matth. 
Prätor.,  70. 

vor,  präp.,  für.  vor  mir,  für  mich^ 
meinetwegen.    Vor  mir  hanris  geschekn. 


448 


Vorarbeiter  —  vorkriegen. 


Ebenso  in  der  Niederlausitz.  Anton, 
15,  5. 

Vorarbeiter,  wi.,  Arbeiter,  der  an  der 
Spitze  der  Arbeiter  als  erster  thätig  ist. 

Vorderbauch,  m.,  erste  Abteilung  eines 
Sackes  oder  Wenters. 

Vordergesäfz,  n.,  s.  RUckgesäfz.' 

Vordergestell,  n.,  der  vordere  Teil  des 
Wagens,  die  Vorderachse. 

Vorderkranz,  7n.,  vorderste  Abteilung 
der  Metritze  des  kurischen  Wadegams. 

Vordersiele,  /.,  s.  Siel. 

VorderstUbchen,  n.,  cunnus.  Sie  hat 
ihr  VorderstübcJien  zur  Miete  gehetiy  ist 
eine  Hure.     Sprw.  I,  3938. 

Vorderteil,  n.,  vorderster  Abschnitt  des 
Eeitelgams.    S.  Herd. 

Vorderzeug,  n.,  Vorderbüste  der 
Frauen.  Sie  hat  ein  gutes  Vorderzeu^^ 
einen  vollen  Busen.  Allgemeiner:  Sie 
hat  einen  guten  Vortrag.   Sprw.  I,  3939. 

Vorflucht,  /.,  s.  Vorflut. 

vorflunkern,  -fluntem,  sw,^  s.  flunkern. 

varfluntem  in  Natangen. 

Vorflut,  auch  Vorflott,  /.,  Abfluli,  Ab- 
leitung der  Flut,  des  Wassers.  Klein 
II,  221,  hat  Vorflucht:  die  Ableitung 
des  Weichsel  Wassers  im  Werder.  Weil 
auch  der  Vorflott  halben  grofze  Irrunge 
und  Spaltungen  sich  oft  erregen^  so 
wollen  inir^  da/z  kinführo  ein  Nachbar 
dem  andern  umceigerlichen  die  Vor/lott 
zu  räumen  schuldig  sey.  Landesordnung 
von  1640.    Hennig,  338. 

vorhalten,  st^  ausreichen,  hinreichend 
sein,  von  Dauer  sein.  Das  Essen  halt 
vor^  liegt  lange  im  Magen.  Das  Zeug 
hält  vor^  ist  stark  und  dauerhaft.  Hen- 
nig, 95. 

Vorhängeschlofz,  n.,  Vorlegeschlofz. 
Vgl.  Knippschlofz. 

Vorhaube,  /.,  Fischergerät,  Pierson, 
Matth.  Prätor.,  117. 

Vorhauer,  m.^  der  Vorhauende.  Zween 


(Fischer)  mOssen  die  grofzem  undUeh 
nem  Eiswuhnen  mit  den  Eisäaten  komm 
und  werden  Vorhauer  genannt.  Bock, 
Nat.  IV,  717.  Dem  HoMskneeht,  Vor- 
häuer^  Ze/zer,  Schtede-Leute  und  Bof- 
knecht  jedem  wöchentlich  2JUk.  10  Gr. 
Pr.  Rolle  d.  Kgsbg.  Gildef.  von  1662. 
Ibid.  V,  559.  Auch  der  erste  Mäher 
in  der  Reihe  der  Schnitter  helTzt  Vor- 
hauer, 

vorigt,  adj.^  vorig.  Vorigte  Wock^  wh 
rigtes  Jahr, 

Vorjahr,  pltd.  Verjähr,  n.,  Frühjahr, 
Frühling.  Ist  es  gewifz^  wie  viel  unter 
den  Gelehrten  meinen^  da/z  die  Wdt  im 
Vorjahr  erschaffen,  Cartn.  nupL  1, 139. 
Auf  diese  Oedancken  bringet  mich  einef 
Theils  die  liebliche  Vofyahrs-ZeiL  Ibii, 
141.  De  Verjoahrschloft  weiht  Und  m 
an,  Dorr^  41.  .,  .vermeinen  aus  einer 
Schwalben^  so  irgends  ohngefehr  gesAeUj 
ein  Vorjahr  zu  erjagen.    Li  nem.,  H3a. 

vorkftkeln,  vorkäkeln,  sw.^  dummes,  an- 
Dützes,  albernes  Zeug  schwatzen.  Vgl 
kakeln. 

Vorkäufer,  m.,  Käufer,  welcher  eine 
Ware  ersteht,  bevor  sie  zu  Markte 
kommt,  holl.  voorkooper.  Der  Vorkauf 
geschieht  vor  den  Thoren,  indem  die 
Vorkäufer  die  zu  Markte  kommenden 
Vorräte  (namentlich  Getreide)  schon 
hier  für  ihre  Auftraggeber  kaufen.  Kö- 
nigsberg. Hennig,  339.  Vgl.  Proben- 
träger  u.  Buxer. 

vorklanelen,  sw,y  s.  klaneien. 

vorkolzen,  sw.,  vorschwatzen^  vorreden. 
Mühling. 

Vorkost,  /.,  Suppe  als  Vorspeise.  Bei 
Adelung  IV,  1276,  Speise,  welche  nach 
der  Suppe,  vor  dem  Fleische  gegessen 
wird,  also  das  Gemüse. 

vorkriegen,  sw.^  eine  Sache  oder  Per- 
son; sich  mit  ihr  beschäfidgen,  sie  mit 
Worten  oder  mit  der  That  angreifen. 


Vorland  —  vorspükeD. 


449 


Ich  mujz  Ihnen  sagen  ^  da/z  ich  diesen 
Mann^  wenn  ich  lustig  bin^  oft  varkrige. 
Soph.  K.  I,  377. 

Vorland,  n.,  das  vorliegende,  äuizerste, 
vordere  Land;  das  Land  zwischen  den 
Dämmen  (Deichen)  und  dem  Strom- 
bette der  Weichsel.  Durcrh  Anlage  von 
Querdämmen,  den  sog.  Buhnen^  oder 
durch  Legung  von  Faschinen  sucht  man 
ein  Abspulen  und  Unterwaschen  des 
Vorlandes  zu  verhindern.  Passarge, 
187.  Das  Vorland  wird  aui'zerdem  noch 
durch  Nesterpflamung  von  Weiden- 
strauch befestigt,  und  Gleiches  geschieht 
auch  mit  den  Strominseln  oder  Kam- 
pen. 

vorlangs,  vorlängst,  adv.^  nebenbei. 
Treichel. 

Vorlaube,  pltd.  Värlfiw,  /.,  Vorbau  auf 
Ständern  (Pfeilern)  an  der  Vorderfronte 
der  Wohnhäuser  in  der  Niederung;  die 
Ständer  reichen  bis  zur  Hohe  des 
Daches,  mit  welchem  die  Vorlaube  un- 
mittelbar in  Verbindung  steht.  Vgl. 
Passarge,  ^37.  Viol^t,  87.  De 
SchwalmkesonderVarleewbuu^n.  Dorr, 
58.    S.  Laube. 

vorlaudem,  sw.  Sie  laudert  mir  er- 
schrecklich viel  vor  (rompre  les  oreilles 
ä  force  de  prihes\  von  Sophien  nicht 
abzustehn.     Soph.  R.  VI,  229. 

Vorlauf,  97).,  der  dem  Angelhaken  vor-, 
d.  i.  voranlaufende  Teil  der  Lachsangel, 
die  eigentliche  Angelschnur,  oberhalb 
des  Angelhakens  mit  kleinem  Bleige- 
wicht beschwert.    S.  Benecke,  402. 

Vorläufer,  w.,  einer,  der  vorläuft,  er- 
ster Sackträger  (s.  d.). 

vorifiden,  adv.^  vordem,  einstmals. 
Schemionek,  44. 

Vorlegeschlofz,  n.,  Vorhängeschlofz. 
Ein  Vorleeg-Schlo/z  kan  zwar  jedermann 
zudrücken  und  zuschliefzen^  aber  er  hat 

PrLicbbier,  Wörterbach  II. 


nicht  sogleich   den  Schlüssel  es   vneder 
aufzumachen.     Carm,  nupt  III,    11c. 

Vgl.  Knippschlofz  u.  Vorhängeschlofz. 

Vorlegpferde,  plur ,  Pferde,  welche 
man  vor  ein  Fuhrwerk  legt,  wenn  die 
bereits  vorgespannten  Pferde  allein  den 
Wagen  nicht  fortzuziehen  vermögen. 
Nach  Mühling  im  Samlande  Vorleig, 

Verleig,  n. 

vorloben,  pltd.  Vfiriawen,  lobend  an- 
preisen, öck  wöU  ju  de  gode  Gawe 
(Erbsen),  De  mi  Gott  gegewe  heft,  Ju 
als  Nawersch  nich  verläwe,  Volksl,  67, 
44,  7. 

Vormeister,  m,^  Meister  vorauf  und 
voran,  einer,  der  überall  dabei  sein 
mui'z.  Er  ist  ein  Hänschen  Vormeister. 
Danzig. 

vorpalen,  vorpalern  (Hennig,  339), 
sw.^  s.  palern. 
Vorsatzfenster,  n.,  s.  Vorsetzfenster. 

Vorschnur,  /.,  die  eigeotliche  Angel- 
schnur an  den  Dorschangeln.  S.  Vor- 
lauf. 

Vorschubnetz,  n.,  vorgeschobenes  Netz, 
lit.  tinklojs^  am  Lachswehr.  Zu  seiner 
Befestigung  dienen  die  Vorschubpricken 
und  die  Ansteckpricken.  Vgl.  Benecke, 
381. 

Vorschubpricke,  /.,  Pricke  zur  Befesti- 
gung des  Vorschubnetzes. 

Vorsetzfenster,  n.,  inneres  (Doppel-) 
Fenster,  das  man  während  des  Win- 
ters dem  eigentlichen  Fenster  vorgesetzt 

hat;  auch  Vorsatzfenster. 
Vorspfiger,  m,,  s.  Vfirsplger. 

Vorsprung,  m.,  das  beste  Getreide, 
welches,  beim  Reinigen  durch  Werfen, 
auf  der  Tenne  seiner  Schwere  wegen 
am  weitesten  fliegt,  vorspringt.  Trei- 
chel. 

VorspQk,  w.,  Vorzeichen,  Omen. 

VorspQken,   sw.^    vorher  spuken,  „auf 

29 


450 


Vorstellnetz  —  Wachmeister. 


eine  ungewöhnliche  Art  etwas  Künf- 
tiges voraus  merklich  machen.^  Hen- 
nig, 339.    S.  i^uken  3. 

Vorstellneb,  n.,  das  quer  über  den 
ganzen  Flufz  vor-,  d.  h.  unterhalb  des 
Wehrs  gestellte  Netz,  lit.  tinklas  metta- 
maszü  oder  uszmettamagey  früher  beim 
Lachsfange  angewandt.  Benecke, 
382. 

vorstofzen,  st,  vorragen,  hervorragen. 
Das  vorgestofzene  NetZy  in  der  Fischer- 


sprache die  Ketzwand  in  deai  grofzen 
und  festen  Lachswehr  der  Flüsse.  Die 
in  einiger  Entfernung  von  dieser  Wand 
aufgestellte  zweite  Netzwand  ist  das 
ausgeworfene  Netz.     Vgl.    Vorechub-  o. 

Vorstellneb. 

Vortrag,  m.^  s.  Vorderzeug. 

Vöter,  m.,  s.  Vftder. 

Vötsch,  9n.,  Vater.    Dzg.  Nhg.    Vio- 
Ut,  105. 


W. 


Wy  aus  u  hervorgegangener  Halbvokal, 
klingt  plattdeutsch  wie  hochdeutsch. 

Wabbel,  m.,  s.  Wabel. 

wabbelig,  adj.  1.  flau,  widerlich  weich, 
ungewürzt;  von  Speisen.  Eine  wohin 
lige  Suppe.  2.  unwohl,  übel,  flau.  Mir 
ist  so  wabbelig  ums  Herz^  mir  ist  flau 
zu  Mute,  ich  spüre  einen  Reiz  zum 
Erbrechen.  3.  schlotterige  weich,  schlapp, 
flaccidus.  Bock,  76.  Hennig,  293. 
Vgl.  quabbelig;  auch  schwabbelig. 

wabbeln,  sw.y  schlottern,  beben,  wie 
es  weiche  oder  fette  Eirper  thun.  Vgl. 
Brem.  Wb.  IV,  158.  Hennig,  293. 
Vgl.  quabbeln. 

Wabel,  Wabbel,  m,  1.  Käfer,  in  Li- 
tauen jedes  kriechende  Insekt.  Ahd. 
wibH^  wipüy  mhd.  toibel  Käfer,  Kom- 
vnirm;  in  Bayern  ujibel^  wibhel,  altpr. 
webil  (Voc.  781),  lit.  wdbalas^  lett.  wab- 
boh.  Schmeller  IV,  8.  Nsslm., 
Forsch.  3.  Mühling,  Tiem.,  178. 
SchTtwabbel,  m.j  Schelizwabbel,  in  der 
Bischofsteiner  Gegend  der  Rofzkäfer, 
der  allgemeiner  Pferddreckskäfer  heiCzt. 
2.  nach  Gordack  Witz^i^Z  auch  junger, 
halbreifer  Bursche. 

Wachabendy  m.,  Abend,  an  dem  ge- 


wacht wird,  an  welchem  die  Leiche, 
eingesargt,  in  Parade  steht.  Die  Ver- 
wandten und  Nachbarn  finden  sich  ein, 
um  den  Verstorbenen  zum  letztenmal 
zu  sehen.  Im  Samlande  sieht  dicht 
neben  dem  Sarge  ein  Stuhl  leer,  wo- 
rauf der  Geist  des  Verstorbenen  aus- 
ruhen kann.    Vgl.  Totenwache. 

WachbUdner,  m.,  Inhabe^.einer  Wach- 
bude, bestehend  aus  Wohnhaus  und 
Stall  (zur  Aufnahme  verschiedener  Ge- 
rätschaften), der  für  die  Zeit  der  Eis- 
wachen oder  so  lange  am  Damme  ge- 
arbeitet wird,  die  Verpflichtung  hat, 
Ausschank  und  Hökerei  zu  betreiben. 
Passarge,  196.    Vgl.  Eiswache. 

Wache,  /.  Einem  die  Wache  ansagen^ 
ihn  zur  Rede  stellen,  ihm  mit  Strafe 
drohen.  Sprw.  I,  3950.  Wohl  aas 
militärischen  Kreisen:  mit  einer  Straf- 
wache drohen. 

wachen,  sw.^  s.  wachten. 

Wachmeister,  m.  1.  Wachtmeister; 
Exekutor.  Hei  nommt  em  wie  de  Wackr 
meister deWorscht.  2.Wiedehopfi  üpupa 
Epops.  Mühling,  Tiern.,  179.  S.Keil 
der^  Brettschneider,  der  auch  Warrkei 
heil'zt.     Muhling. 


Wacbsblome  —  WMegarn. 


451 


Wachsblume ,  /. ,  pfirsicbblättrige 
Glockenblume,  Campanula  persicifolia 
L,  Weichseldelta.  Treichel,  Yolks- 
thümliches  III. 

Wachsgiefzen ,  n.,  das  Gierzen  ge- 
schmolzenen Wachses  ins  Wasser,  um 
aus  den  zufällig  entstehenden  Figuren 
das  Schicksal  zu  enträtseln.  Nach 
Hennig,  293,  bei  den  alten  preul'zi- 
schen  Heiden  beliebt;  er  schreibt tTarA«- 
schmelzen.    Vgl.  Zinngieben. 

Wachte,  /.,  Sturm  welle  in  der  See. 
Samländischer  Ostseestrand.  Da8  waren 
keine  Wellen  mehr,  wie  wir  sagen,  oder 
Wogen,  sondern  Wachten^  wie  sie  die 
Schiffer  hier  nennen,  wtuihtende  Wasser- 
massen,  die  nicht  in  den  regelmäfzigen 
Linien  der  Rollinge  an  das  Strandufer 
schäumen.    Passarge,  Balt.,  374. 

wachten,  sw.  1.  warten,  verweilen, 
verziehen;  in  der  Saalfelder  Gegend 
auch  wachen.  Wachf  ein  Weilchen.  Öck 
kann  nich  so  lan^  wachte.  Wachi  man, 
öck  war  dl  schon  kr  ige!  Wachf  man, 
wachf,  seggt  jen  Jung^  ons  K6  ward  6k 
starwe,  dann  war  öck  june  Hund  6k 
davon  wegjage.  Sprw.  I,  3952.  WacV 
doch,  ich  mufz  dir  noch  was  sagen!  De 
Oäste  kerne  bold  hervor  On  lete  nich 
lang*  wachte.  Samland.  Firmen  ich 
III,  499  b.  Lat  ons  nich  lang  wachte, 
Wi  motte  htr  verschmachte!  Volksr., 
226,  14.  2.  beaufsichtigen,  pflegen: 
Kinder,  Kranke;  auch  abwachten.  ab- 
W€u:hten  auch  in  dem  Sinne  von  er- 
warten. He  kann  de  Ttd  nich  afwachte, 
er  kann  —  vor  Ungeduld  —  die  Zeit 
nicht  erwarten.  3.  sich  hüten,  in  acht 
nehmen.  Ich  werde  mich  aber  schwohr 
wachten  (sehr  hüten),  ihm  morgen  vor 
Augen  zu  kommen.  Soph.  R.  V,  612. 
Hennig,  293. 

Wächter,  m.  1.  grauer  Würger,  La- 
ntus excubitor;    auch  WUrgengel.    Bu- 


jack,   370.     Mühling,   Tiem,,    179. 
Vgl.  Kaddigheister.     2.  Wächter  auch 

Hundename. 

Wachtgeldy  n.,  s.  Wartgeld. 

wack,  adj.,  feucht,  weich;  vom  Ge- 
treide.   Mühling.    Schemionek,  44. 

wackeln,  sw.,  s.  waggeln. 

Wackelpeter,  m ,  Pudding  von  feinem 
Buchweizen-  oder  Grickenmehl,  der 
bei  leichter  Erschütterung  wackelt. 
V.  Au  er. 

Wackelstein,  m,,  kleiner  Fluizstein. 
Hennig,  66.    Vgl.  Feldwftke. 

wacker,  adv.,  viel,  wacker  tanzen,  — 
trinken^  viel  tanzen,  trinken.  —  wacker 
deg,  s.  deg. 

Wftd,  m.,  s.  Wand. 

Wadbaum,  m.,  hölzerne  Walze  am 
Ende  des  Flügels  der  Wadnetze,  an 
der  man  das  Netz  aus  dem  Wasser 
zieht.     Vgl.  Bock,  Nat.  IV,  715. 

Waddik,  Waddig,  Weddik,  /,  Molken, 
Eäsewasser;  nach  Hennig,  294,  auch 
das  Wässerige  in  nicht  genügend  aus- 
gedrückter Butter.  Im  Brem.  Waddik, 
Wattke,  im  Holstein,  auch  Waje,  im 
Osnabr.  Wacke,  im  Götting.  wdke,  f., 
angs.  hwaeg.  Brem.  Wb.  V,  161. 
Schamb.,  284a.  Man  bestreicht  mit 
Waddik  oder  auch  mit  Schlichtmus 
Bündel  von  Beifufz,  die  man  an  die 
Stubendecke  hängt,  um  darin  Fliegen 
zu  fangen;  bei  der  Abnahme  werden 
die  Bündel  mit  einem  Sacke  überzogen. 

Waddras,  m.,  Widerrist  des  Pferdes. 
Ermland.  Mühling.  Wohl  nur  mund- 
artliche Eorrumpierung  des  hochd. 
Widerrist. 

Wftde,  Wade,  /.,  s.  Wftdegarn. 

Wftdegarn,  Wfttegam,  n.,  auch  Wftde, 
Wade,  Wftte,  Wathe,  lit.  watultts,  f.,  Zug- 
netz aus  zwei  Flügeln  und  einer  Me- 
tritze bestehend,  das  vom  Lande  aus, 

oder,  wo  sehr  seichtes  Wasser  dies  un- 

29* 


452 


WÄdegarnfischerei  —  Wählbamn. 


thunlich  macht,  von  im  Wasser  wa- 
tenden Leuten  oder  aach  von  fest- 
liegenden Kähnen  aus  aufgezogen  wird; 
in  See  heifzt  es  Strandgam.  Das  Wade- 
gam  des  kurischen  Haffes  heifzt  auch 
Zuggarn  und  Zugneb,  das  des  frischen 
Landgarn  und  Ziehnetz;  das  Wadegam 
heifzt  auch  Klappe,  Klappe,  Klippe,  So^- 
mergarn,  Schargam  Bei  Prätorius: 
Wade^  die  zweierlei^  ohne  oder  mit  dem 
Sack.  Pierson,  Matth.  Prätor.,  117. 
Die  Wate  ohne  Sack  ist  auch  jetzt  noch 
im  Gebrauch.  Bei  dem  Fischen  auf 
den  Landteichen  bedienet  man  sich  der 
Klappen  und  eines  Sacknetzes^  das  man 
in  Preussen  eine  Wathe  nennet.  Bock, 
Nat.  IV,  711.  S.  Benecke,  348.  356. 
Die  Eassuben  nennen  die  Wate  rwadika. 
Fisch.-Ord.  f.  d.  kur.  Haff,  §  33;  f.  d. 
fr.  Haff,  §  27.    Hennig,  294. 

Wftdegamfischerei,  f.y  Fischerei  mit 
dem  Wadegam,  Sie  heifzt  auch:  Land- 
garnfischerei,Strandgarnfi8cherei,Ziehneb- 
fischerei.    Vgl.  Wftdegam. 

Wadel,  m  1.  Yollmondszeit,  auch 
der  Vollmond.  Ähd.  wadal,  wadil,  mhd. 
wadel  Phasen  des  ab-  und  zunehmen- 
den Mondes,  Vollmond.  Schade,  1071a. 
Vgl.  Adelung  IV,  1329.  2.  Zeitraum, 
zur  FälluDg  des  Holzes  am  geeignet- 
sten: 1.  Oktober  bis  1.  April.  Holz, 
aufzer  dieser  Zeit  geschlagen,  ist  als 
Brenn-  und  Bauholz  untauglich,  wird 
vom  Wurm  angefressen.     Mühling. 

Wftden,  Wftten,  sw,,  mit  Waden  fischen. 

Wftdmann,  m.,  s.  Wand. 

Wftdsack,  m.  1.  Sack  zum  Fischen, 
Wadegam,  2.  Felleisen,  Ränzel.  Müh- 
ling.    3.  korpulenter  Mensch. 

Wafel,  Wapel,  /.,  Waffel,  dünner,  wa- 
benähnlicher Kuchen,  zwischen  zwei 
Eisenblechen,  dem  Waffeleisen^  gebacken. 
Hennig,  294. 

Wage,/.,  s.  Bracke. 


Wagen,  m,^  Sternbild  des  grofzen  K- 
ren.    Es  heifzt  auch    der    grote,  der 

schiefe  Wagen,  das  groKze  Siebengetfin. 

Wagenschauer,  n.,  Wageoschoppen. 

Wagenschofz,  m,  1.  Planke  and  dicke- 
res Stück  aus  astfreiem  Eichen-SUuniii- 
holz  von  10 — 18  Fuiz  Länge  und  bis 
30  Zoll  Durchmesser,  frei  von  dem  in- 
nem  weichem  Kern  (Seele,  Peddik) 
und  richtspaltig;  engl.  watnscot-logL 
Die  beiden  gangbarsten  Artikel  des  Dan- 
ziger  Holzhandels  in  der  Ordenszeit  trom 
Wagenschofz  und  Klappholz.  Hirsch, 
215.  2.  zehnzoUige  eichene  Diele  in 
der  Stärke  von  7t  bis  zu  einem  Zoll, 
zum  Bootsbau  und  zo  Yerkleidongen 
verwendet     Hirsch,  a.  a.  O. 

Wäger,  ?n.,  vereidigter  Beamter,  der 
den  Stadtwagen  vorsteht.  Im  Dienste 
der  Wäger  stehen  die  SchalbeleknioL 
Schalknechte,     Königsbei^.     Danzig. 

waggellg,  adf,  s.  waggeln. 

waggeln,  sw.  1.  wackeln.  Davon 
waggellg,  adj.  Der  Tisch  tcaggelt,  — 
ist  waggelig,  steht  nicht  fest.  £}r  wag- 
gelt^  er  geht  wankend.  Dan£  ^  Mäkt, 
dan£,  wie  waggeU  di  diu  rodet  Rockte! 
Volksr.,  42,  163.  2.  prügeln.  Einen 
auswaggehiy  durchwaggelUj  gewöhnlicher 
durchwackeln  ^  ihm  ettvas  aufwackeln^ 
auswackeln  ^  ihn  tüchtig  durchprügeln, 
so  dafz  er  wackelt.  Allitterierend  mit 
wiggeln:  vnggeln  und  waggeln.  In  den 
Eönigsberger  Zeitungen  liest  man  oft 
Gratulationen,  so  herzlich  gemeint,  daiz 
Stralze  und  Wohnhaus  des  Beglück- 
wünschten „vnggeln  und  waggeln*^  sollen. 
abwaggeln  u.  abwackeln.  1.  wackehid 
abgehen.     2.  einen  durchprügeln. 

Wählbaum,  9n.  VomWählhaum  auf  den 
Faulbaum  fallen^  auch :  vom  Wählbaum 
auf  den  Nälbaum^  vom  Ndlbaum  auf 
den  Faulbaum^  durch  langes  Prüfen  und 
Zögern  (s.  nalen)  bei    der  Brautwahl 


wählig  —  wälig. 


453 


schliefzlich  unglücklich  treffeu,  „hinein- 
fallen". Sprw.  I,  3961.  Davon  wähl- 
bäumen, sw.  Er  wehJbäumt  vom  weht- 
bäum  auf  den  faulbaum.  Die  viel  wehi- 
bäumen  bekommen  hernach  di£  ergste. 
Stein,  Peregrinus  XIV,  6.  W.  Mtsbl. 
VI,  184. 

vAhlig,  adj.^  s.  wälig. 

Wahre,  /.,  Wahrheit.  Andere  haben 
die  Ursache  gesucht  und  auch  vermeinet 
die  Wahre  gefunden  zu  haben^  wenn  sie 
des  Monds  Licht  bi/z  an  die  Fixsterne 
geschicket    Linem.,  Aa2b. 

während,  adv.  Es  regnet  in  einem 
während,  ununterbrochen.     Egsbg. 

Wahrschauen,  sw.^  verwarnen,  in  der 
früheren  Gerichtssprache  Danzigs.  W. 
Seidel,  35. 

Wahrwolf,  m,^  s.  Werwolf. 

Waidehnen,  Ortsn.,  s.  Iwenberg. 

Waidelei,  Weidelei,  /*.,  Zauberei.  {Ein 
Weih  in  Wankallen)  war  eine  Bauchr 
rednerin  und  gebrauchte  diese  Kunst  zur 
Waidelei^  wie  ich  sie  selber  davon  über- 
führet    Pierson,  Matth.  Prator.,  18. 

Waideier,  Weideier,  m.^  s.  Waidelotten. 

waidein,  weidein,  sw.^  zaubern.  Im 
altpreui'z.  Katechismus,  in  der  Luther- 
schen  Erklärung  des  zweiten  Gebotes, 
steht,  keinem  Worte  des  deutschen  Tex- 
tes entsprechend,  das  Verbum  waid- 
leimai  wir  waidein.  Nsslm.  Forsch.  3. 
Abstammung    unter  Waidelotten.     Vgl. 

burten. 

Waidelotten,  in  deutscher  Bildung 
Waideier,  Waidler,  auch  Weidelotten  etc., 

plur,^  Priester  der  heidnischen  Preuizen. 
. . .  vmb  vnd  vmb  woren  hübsche  tuchir 
vorgezogen  ein  schrit  aber  3  von  der 
eichen  wol  7  elen  hoch^  do  mocht  nie- 
mandt  eingehen^  ag  der  kirwaito  vnd 
die  obirsten  waidolotten.  Grünau,  Tract. 
n,  Kap.V.  Perlbach,  78.  Hennig, 
295,    Weideier  oder  auf  Preusch  Weir 


duUi  oder  Weidulutten.  Pierson^  Matth. 
Prätor.,  43.  Hennig,  295,  weist  für 
die  Abstanmiung  hin  auf  das  preul'z. 
waidu  Wissenschaft,  waidas  Gesicht, 
weizdzu  ich  sehe^  waydis  Seher \  Nsslm. 
deutet  auf  die  preuiz.  Wurzel  und  wis- 
sen, hin:  waid^  Verbalstamm  von  der 
Wurzel  und^  davon  waist^  Infin.,  wissen, 
waiseiy  waisse  du  weil'zt,  waidimai  wir 
wissen,  waiditi  ihr  wisset,  auch  Imp. 
plur.  wisset.  Der  Zusammenhang  mit 
dem  sagenhaften  Waidewut  ist  unver- 
kennbar. Vgl.  Nsslm.  Forsch.  3;  Th., 
195.  Hartknoch,  A.  u.  N.  Preuiz., 
149  ff.  2.  Waideier  und  Waidler  später 
auch  s.  V.  a.  Zauberer. 

Waidler,  m.,  s.  das  vor. 

Waiting,  m.,  s.  WTting. 

Wftke,  /.  1.  ein  ins  £is  gehauenes 
Loch,  also  gleichbedeutend  mit  Wune 
(s.  d.);  doch  heii'zen  mehr  noch  die 
natürlichen  Öffuungen  im  Eise  Waken, 
gewöhnlich  Windwftken,  weil  der  Wind 
ihr  Zufrieren  (bei  nicht  aulzergewöhn- 
lichem  Froste)  verhindert.  Solche  Stel- 
len heifzen  auch  Blanken  (s.  d.).  2. 
kleiner  Feldstein.     Vgl.  Feldwftke. 

Waldburg,  Ortsn.,  s.  Kapustigal. 

Waldcy presse,  Pflzn.,  s.  Sadebaum. 

Waldgänger,  m.,  im  Volksrätsel  der 
Jäger.     Pflzräts.,  8. 

Waldglocke,  Pflzn.,  s.  Riesenglocke. 

Waldheelin,  Pflzn.^  weü'ze  Osterblume, 
Anemone  nemorosa  L.,  auch  Waldviolen 
und  Augenwurz.  Pritzel,  28  f.  Nach 
Hagen,  568,  Waldhähnchen. 

Waldläufer,  m.,  s.  Wart 

Waldviolen,  Pflzn.,  s.  Waldheelin. 

Waldwart,  m.,  s.  Wart 

Waldwolfsmilch,  Pflzn.,  s.  Rehehirschen. 

weigern,  sw.^  im  Boot  hin  und  her 
schaukeln.     Treichel. 

wälgem,  sw.,  s.  wVItem. 

wälig,  wählig,  wllig,  adj.   1.  jugendlich 


454 


Waligkeit  —  Wandpelz. 


übermütig,  mutwillig,  £röhlicli  und  aus- 
gelassen vor  Wohlgefuhl;  von  jungen 
Leuten  und  Tieren,  namentlich  von 
Pferden.  Angs.  welig^  ahd.  welak^  md. 
welic^  im  Brem.  Wb.  V,  223,  welig^  bei 
Schamb.,  284b,  wälig^  in  Hessen  ge- 
welig  heiter,  munter,  umgänglich.  Vil- 
mar,  447.  Holl.  weelderig,  2.  wähle- 
risch, mäkelnd  im  Essen.  Er  üt 
sehr  wählig  im  Essen  und  Trinken^  er 
ifzt  und  trinkt  nicht  alles,  was  ihm  vor- 
gesetzt wird.  Von  wählen.  Hennig, 
295. 

Waligkeit,  /.,  von  wdlig,  Wohlgefühl, 
Wohlbehagen.  Er  weifz  vor  Waligkeit 
nichtj  was  er  angeben  soll. 

Wali(,  m,,  Pflzn.,  eine  Art  Trespe. 
Mühling. 

wali(en,  sw.  1.  prügeln,  einer  Walke 
gleich  jemand  mit  den  Fäusten  bear- 
beiten. Philipp  y  komm  und  walk  mir 
diesen   Nichtswürdigen!    Soph.  R.  VI, 

111.  Einen  auswalken,  durchwaiicen,  ihm 

etwas  ailfwali(en.  Ich  werde  noch  einmal 
den  Puckel  ihm  auswalken.  Soph.  R.  I, 
508.  In  gleichem  Sinne:  Einen  in  die 
Wali(e  nehmen.  Bock,  76.  2.  nach 
Treichel  ein  Spiel,  in  welchem  meh- 
rere Paare,  die  sich  mit  verschlungenen 
Händen  nebeneinander  aufstellen,  je- 
mand in  die  Luft  prellen  und  wieder 
auffangen,  wobei  sie  singen:  Komm\ 
unr  wollen  walken^  Brüderchen^  waUc  ! 

Wallkasten,  m,y  in  der  alten  Danziger 
Verfassung  die  Fortifikationsbehörde. 
W.  Seidel,  35. 

Wallrutscher,  m.,  gemeine  Hure,  Sol- 
datendirne.    Königsberg.     Danzig. 

Walm,  /.,  in  Bayern  Atr  Walben^  die 
Einbiegung  des  Daches  schief  herab  an 
der  Giebelseite  des  Gebäudes.  S  ch  m  el- 
ler IV,  61. 

Waltelle,  /.,  s.  Handkahn, 
wältem,  svo.y  s.  Woltern. 


walzen,  sw.^  fechtend,  bettelnd  reisen; 
auch  sich  auf  den  Weg  machen:  nm 
wollen  wir  nur  walzen. 

Wams,  n.,  Jacke,  Eaniisol  der  Män- 
ner und  Frauen,  Ärmelweste.  Im  Wer- 
der die  Weste  meistens  von  dunkel- 
blauem Tuch  mit  Ärmeln  aas  blauer 
geblümter  Leinwand  oder  hellblanem 
Flanell.  Holl.  wambes^  wambais^  ahd. 
wambeis  aus  warmha  Banch.  DaJt  5$  t 
ander  Wams,  dat  heft  Scho/zkea,  Spnr. 
I,  3969.  Der  das  Wambs  bey  nadär 
licher  kühler  Lufft  anbehält,  verhindert 
die  warme  Aufzdünstung  au/zdem  menaA- 
liehen  Leibe^  weil  das  Wambsy  wegen  da 
dichten  Anliegens  gar  keinen^  oder  ja 
gar  zu  einen  kleinen  Platz  der  Aufzr 
dunstung  verleihet.  Li  n  em.  ^  Nn  1  b. 
Hennig,  296. 

Wamse,  /.,  Prügel.  JB^  giebt  Wa$nu, 
Mühling.  Einem  das  Wams  auskhpfei^ 
—  ausstewemy  ausstauben,  ihn  durch- 
prügeln. Bernd,  343,  schreibt  Wamfzi 
und  wamfzen, 

wamsen,  sw..,  aufs  Wams  klopfen,  prü- 
geln. In  Zusammensetzungen:  ab-,  auf-, 
aus-,  durchwamsen.  . . .  um  Ihnen  nad 
Herzenslust  den  Pelz  auszuwamsen.  SopL 
R.  II,  460.  Wie  manch  ehrlich  Mutter- 
kind  er  durchgewamst  hat.  Ibid.  Y, 
285.    Bock,  76.     Hennig,  296. 

Wand,  Want,  m,  u.  n.,  auch  Wad,  WIt, 
wollenes    Gewebe,    grobes    litauisches 
Tuch.     In    den    Ordenspapieren   wird 
Wand  stets  als  aus  England  eingefühlt 
bezeichnet.  Hirsch,  253.    Nach  Müh- 
ling auch  Wark,  nach  Hennig,  297, 
auch  Wftdmann.     Mnd.  wand^  want, 
Tom  Rock  kep  dt  Wand, 
Denn  blöfst  bi  Verstand; 
To  Boxe  kep  dl  Ledder^ 
Denn  krögst  dtn  Gold  du  wedder, 

Kgsbg. 
Wandpelz,  ?n.,   Wandrock  mit  Pelz- 


Wandrock  —  Wardßrer. 


455 


kragen  und  Pelzeinfassung.  Nebstdem 
gebrauchen  die  Weiber  im  Winter  einen 
ziemlich  langen  Wand-Pelz^  da  die  Kan- 
ten mit  Mardern  oder  Fuchs  benäht  sind, 
Pierson,  Mattb.  Prätor.,  112. 

Wandrock,  m.,  Rock  aus  Wand, 

Wand-,  Wantschaf,  n.  1.  Schaf,  aas 
dessen  Wolle  Wand  gewebt  wird.  M  ü  b  - 
ling,  Tiem.,  179.  2.  nach  Hennig, 
296,  adjektiv  wandschaffen  für  grob  und 
ungeschliffen,  dsiWandschafe  die  gröbste 
Wolle  haben.  Es  ist  dies  wohl  das  nd. 
wanschapen^  adj.  u.  odb.,  mhd.  wdn- 
Schafen^  wabnschaffen,  milzgestaltet,  in 
der  Bedeutung:  1.  einfältig,  albern,  thö- 
richt,  stumpfsinnig;  2.  halzlich,  unor- 
dentlich. Schamb.,  286a.  Mi,  105a. 
Danneil,  244b.  Schemionek^  44, 
hat  wandschäffen  =  unförmlich ,  unbe- 
holfen. 

Wandstreicher,  ^.,  vereidigter  Beamter, 
der  die  Aufsicht  über  alle  Gattungen 
Tuch  (Wand,  Laken)  und  Leinwand, 
die  in  der  Stadt  angefertigt  oder  von 
der  Fremde  her  eingeführt  waren^  führte. 
Die  Wandstreicher  mufzten  zum  Ab- 
schlüsse jedes  Tuchgeschäftes  im  grofzen 
hinzugezogen  werden;  die  Richtigkeit 
der  von  ihnen  geprüften  Stoffe  bezeich- 
neten sie  mit  dem  Stadtsiegel.  Ordens- 
zeit.    Hirsch,  219. 

Wange,  /.,  schlecht  bestandener  Eich- 
wald, halb  ausgerodete  Waldfläcbe;  von 
dem  gleich  bed.  altpr.  wangus  ^  Da- 
merau  (s  d.).  Häufig  in  einfachen  u. 
zusammengesetztenLokalnamen:  Wange^ 
Wangen^  Wangeninken^  Wangenkrug^ 
Wanghusen^  Wangitt,  Wangnick^  Abschn 
Wangen^  Aleawangen,  Kaltwangen^  Kin- 
Wangen^  Porwangen  etc.  Nsslm.  Th., 
199. 

Wangelstein,  m.,  behauener  Stein,  wel- 
cher den  Rand,  die  Wange  eines  Bau- 
werkes bildet.    Die  Beischläge  in  Dan- 


zig  waren  gegen  den  Graben  hin  durch 
eine  niedirige  Mauer  von  Wangelsteinen 
in  zierlicher  Form  begrenzt.  Passarge, 
52. 

wanken,  mi^.,  zunächst  schwanken; 
dann  sich  bewegen,  gehen,  herumwan- 
deln,  meist  ohne  Ziel  und  Zweck.  Es 
hat  noch  nichts  gewankt  auf  der  Strafze. 
Hier  wankt  selten  einer.  Er  wankt  über-- 
all  herum^  geht  suchend,  prüfend^  spio- 
nierend umher,  —  geht  ruhelos  aus  einer 
Stube  in  die  andere.  Gespenster  wan- 
ken. Der  Tater  wird  wanken^  er  wird 
über  die  Unnützen  geschwungen  wer- 
den. Elbinger  Ndrg.  Eine  Krankheit 
wankt  ^  zeigt  sich  hier  und  da  herr- 
schend.   Hennig,  296. 

Wankerblume,  /.,  s.  Wucherblume. 

Wanne,  /,  Waschkübel,  Bütte.  Ist 
sie  völlig  rund,  so  heifzt  sie  auch  TTne, 
Telne.   Ostpr.   Lx  Westpr.  Balge  (s.  d.). 

wannehr,  ocfo.,  s.  wennfir. 

Wanst,  m.  1.  der  Pansen,  Rinds- 
magen ;  AVLcliBansen.  2.  Bauch,  Schmer- 
bauch. Dem  ohne  gefft  se  wat  an  sinem 
Wan/z  to  ßhU.    Carm.  nupt.  IV,  59c. 

Want,  m.,  s.  Wand. 

Wanzen,  sw,,  als  überflüssiger  Mann 
ratend  beim  Kartenspiel  sitzen.  T rei- 
ch el. 

Wanzke,  Wanzk,  /.,  Wanzker,  m,,  Wanze. 

Das  eine  Haufz  kann  sich  von  den  Wantz- 
ken  nicht  erretten^  das  andere  Häufzehen 
aber  weifz  von  keiner  Wandlauf z  zu  sagen, 
Linem.,  Uu3b. 

WanzkebrVch,  m.,  s.  BrVch. 

Wapel,  /.,  s  Wafel. 

Warder,  ti.,  s.  Werder. 

Wardfirer,  ?».,  Pfleger,  Würdiger, 
Wertschätzer;  Nachbildung  von  War- 
dein. Dem  Wardeerer  von  de  platdOtsche 
Mundaart  dem  Herrn  Qemnasial- Di- 
recker  Lehmann  to  Marjewerder  den 
6,  Februarji  1842  äwerrekt.   Titel  eines 


456 


Wardiren  —  Warteweilchen. 


pltd.  Widmangsgedichtes  v.  Almonde: 
Fliegendes  Blatt    1842. 
wardfren,  pltd.  wardere(n),  sw.^  prüfen, 

schätzen,  dem  Werte  nach  würdigen. 
Vgl.  das  vor.  Bleibet  also  die  ürsach 
solcher  G-rofze  (der  zu  verschiedenen 
Tageszeiten  verschieden  scheinenden 
Gröfze  der  Sonne),  die  faka  aestimatiOj 
oder  die  falsche  Schätzung  oder  War^ 
dirung  der  Grofze.    Linem.,  S  ib. 

Warfauf,  m^  s.  Weriauf. 
Wark,  n.,  s.  Wand, 
warken,  sw,,  s.  wirken. 
Warkg^ll,  n.,  s.  Wirkgestell. 

warklichy  adj.^  wunderlich,  absonder- 
lich; aber  auch  einfaltig.  Ein  tcark- 
Ucher  Mensch,  Mutter  ( Fiufer),  st  doch 
nich  so  tcarklich,  sei  doch  nicht  so  wun- 
derlich. Böst  warklichf  bist  dumm, 
einfaltig,  verrückt?  Zur  Verstärkung 
auch  grundswarklich. 

Warkstell,  n.,  s.  Wirkgestell. 

Warmien,  Warmia,  n.,  ursprünglicher 
Name  des  Ermlandes.  V"gl.  Preufz. 
Land.- u.  Volksk.,  65.  Toppen,  Hist.- 
comp.  Geogr.,  16.    S.  Ermland. 

Warpenwagen,  m.,  Vt^agen,  der  von 
den  Erbkrügen  (Ereczem)  zum  Trans- 
port von  Kriegsgerät  gestellt  werden 
muizte.  In  des  „Ambtes  Sehestinn 
Jahres-Kechnungk ...  Abgehört  Königs- 
berg den  31.  July  1655  heiizt  es:  An 
ErbkrOgem  sind  ihrer  14  und  müssen 
einen  Warpenwagen  halten  und  104  ML 
zahlen,^  Das  b't.  wärpa,  lett.  icahrpa 
Ähre,  dürfte  auf  die  Erntewagen  deu- 
ten, welche  sich  zum  Transport  von 
Kriegsgeräten  wohl  eigneten.  Vgl.  N. 
Pr.  Prov.-Bl.  a.  F.  HI,  265.  Nsslm. 
Forsch.  2;  Th.,  201. 

Warpoten.  Des  so  sollen  sie  uns  van 
jeglichem  Krezmer  mit  seiner  Hufe  jähr^ 
lieh  auf  Lichtmejz  zinsen  und  geben 
3  Mark  gewöhnlicher  Alünze^  und  darzu 


warpoten  und  beleiten  ah  andere  icmm 
Krezmer  zu  Ilaiü  und  Lunenburg  Am. 
Primordial- Verschrei bung  von  Sehesta 
von  1401.  Toppen,  Altpr.  M.  IT, 
513.    Nsslm.  Forsch.  2;  Th.,  201. 

Warre,  Werre,  /.,  im  Samlande  auch 
Warwely  m.,  Maalwar£sgriUe,  GryOm 
GryUotalpa, 

Warrkeil,  m.,  s.  Wachmeister  3. 

WaKzke,  (?).  Sie  (die  Nadraaer)  ger 
brauchen  atu:h  noch  ein  Essen  WarJ^k 
genannty  welches  ist  saure  geromune 
Milchy  gepressP  mit  Salz,  Coriandsr, 
Senf  etc.  und  einigem  Schmand  Pier- 
son, Matth.  Prator.,    110. 

Wart,  wi.,  Wärter,  Wächter,  Höter, 
Au&eher,  in  WaldwarL  Man  unterschei- 
det Ober-  und  Unter(wald)warte  (Ober* 
und  Unterförster)  and  nennt  die  letz- 
tem auch  Waldläufer.     Mirhiing. 

Wärt,  m,y  Enterich,  mit  elidiertem  r 
auch  Wft'L  Wdt^  fcat  da  todtl  seggt  dt 
Wctt  on  trett  de  Renn.  Sprw.  I,  4030. 
Ebenso:  Ward,  wat  toardy  wat  ward^ 
wird,  was  wird,  etwas  wird.  Kgsbg. 
Vgl.  Wedik  u.  Erpel.  S.  Korrespbl.  VI, 
39.  51.  Muhling,  Tiem.,  179.  Hen- 
nig, 296. 

Warte,  /.,  neben  einander  aufgestellte 
Fischsäcke  oder  Wenter.  Wohl  Ton 
dem  lit.  wartas  Thor,  tcarte  Pforte  (pa- 
warte  Nebenthor,  Pforte  neben  dem  Hof- 
thor). Nsslm.  Wb.,  54b.  Man  unter- 
scheidet, je  nach  den  Fischen,  die  man 

mit  Warten  fangt,  Neunaugen-  a.  Quap- 
penwarten. 

Wartenburg,  Ortsn.,  Stadt  im  Kreise 
Allenstein.  Er  ist  aus  Wartenburg,  ist 
ein  Langsamer. 

Warteweilchen,  n.,  das  Warteeinweü- 
chen.  Auf  die  Frage  des  Kindes:  Was 
giebtes  zu  Mittag?  heiizt  es:  SUbemes 
Nivche  (Nichtschen)  und  goldenes  Warte- 
weilchen.    Sprw.  II,   1854e. 


Wartgeld  —  Wasser. 


457 


Wartgeld,  Wachtgeld,  n.y  Abgabe  zur 
Ordenszeit.  Es  wurde  von  jedem  Pfluge 
erhoben  und  diente  ursprünglich  zur 
Unterhaltung  von  Wachen  an  der  litaui- 
schen Grenze. 

Waiiklatte^.,wahrscheinlichWeichsel- 
zopf,  Kopfgrind.     Muhling. 

Warwely  m.  1.  Wirbel.  2.  s.  v.  a. 
Warre. 

waSy  1.  pron,^  fragend  =  wie.  Auch 
Deminutiv  was-che^  was-chen  =  wie  sa- 
gen Sie,  wie  meinen  Sie?  Sehern io- 
nek,  44,  hat:  wm  denn!  als  Entgeg- 
nung: wie  kann  es  anders  sein.  2.  Prät. 
des  Hilfsverbs  sein  —  war.  Ech  was 
dat%  ich  war  dort.  Vgl.  Weigand  11, 
686.  3.  Adv.  von  was  (wovon)  iourde 
gesprochen?  zu  was  (wozu)  brav^ckst  du 
dasf     Vgl.  was  ==  etwas  unter   Wärt. 

Wasche,  Waschke,  /.,  kleiner  Wagen 
oder  Schlitten  ohne  Eisen beschläge; 
nach  Bock  ist  der  letztere  aus  breiter 
Baumrinde  verfertigt.  Am  kurischen 
Haff  nennt  man  Wasche  auch  einen  auf 
einSchlittenuntergestellgesetztenKasten 
zum  Transport  von  Waren  und  anderen 
Gegenstanden.  Vgl.  lit.  wdzis  kleiner 
einspänniger  Schlitten  fiir  eine  Person; 
preuiz.  Voc.  '608  wessis  Spazierschlitten, 
lett.  waschus  Kinderschlitten,  waschini 
Kinderwagen.  Nssim.  Forsch.  2;  Th., 
201.  Nach  Mühling  versteht  man 
gegenwärtig  unter  Waschen  groCze  un- 
beschlagene Frachtschlitten^  welche,  mit 
vier  Pferden  bespannt,  vorzugsweise 
zum  Getreidetransport  gebraucht  wer- 
den.    Bock,  76.    Hennig,  297. 

waschen,  st  1.  schwatzen,  unnützes 
Zeug  reden.  „Da/z  Eltern  ihre  Töchter . . . 
nicht  verzärteln  oder  verziehen^  nicht  zur 
Ueppigkeit^  Hoffart  und  Faulheit,  nicht 
zum  Naschen,  Spielen  und  Waschen  etc. 
Carm.  nupt  I,  190.  2.  prügeln.  Er 
hat  ihn  tüchtig  gewaschen.     Ich  werd! 


dir  gleich  eins  um  die  Ohren  waschenf 

auswaschen,  durchwaschen,  ausprügeln, 

durchprügeln.     Davon : 

Waschhaftigkeit,  /.,  Schwatzhaftigkeit. 
. . .  das  verhafzte  Laster  der  Waschhafftig- 
keit     Carm,  nupt  I,  183. 

Waschholz,  n.,  platter  Holzschlegel 
mit  Griff  zum  reinigenden  Klopfen  der 
nassen  Wäsche.  Am  Sylvesterabend 
schlagen  heiratsfähige  Müdchen  mit  dem 
Waschholz  an  einen  Zaun  und  achten 
genau  auf  die  Richtung,  woher  der 
Schall  kommt;  von  ebenda  konmit  auch 
der  Bräutigam.  Ermland.  Volkskal., 
48. 

Waschke,  /.,  s.  Wasche. 

Waschkodder,  n.  1 .  Waschlappen.  Nu 
ÖS  negemäl  rund,  nü  ös  am  Waschkodder, 
beim  Kartenspiel^  wenn  eine  Pause  ein- 
treten soll,  in  welcher  die  Kreideauf* 
Zeichnungen  vom  Tische  abgewischt 
werden.  Vgl.  Sprw.  U,  2230.  2.  Mensch 
ohne  körperlichen  oder  moralischen  Halt ; 
Schwätzer,  Zuträger.  ImSamlande  heifzt 
ein  klatschhaftes  Weib  Waschkodder-, 
Waschlappenschlepperin.  Sprw.  I,  3978. 
Vgl.  Kodder. 

Waschleine,  pltd.  Waschlfn',  /.,  Leine, 
woran  Wäsche  zum  Trocknen  gehängt 
wird.  Der  schlechte  Reiter  sitzt  zu 
Pferde,  wie  die  Klammer  auf  der  Wasch- 
leine.   Kgsbg. 

Waschschild,  n.,  Bretter  (zwei),  zwi- 
schen welchen  die  unsaubere  Wäsche 
rein  geschlagen  wird.  Samland.  Müh- 
ling. 

WaschtTne,  /.,  Tine,  worin  Wäsche 
gereinigt  wird.     Vgl.  Wanne. 

waser,  pron.,  zusammengezogen  aus 
was  für  einer.  Aus  waser  Macht  fragen 
Sie?   Soph.  R.  V,  7. 

Wasser,  m.,  Hundename.  Hei  mot  op, 
wt  Heidmanns  Wasser.     Alt-Pillau. 

Wasser,n.,8cA/im7ne8,böses^denFischen 


458 


Waaserbekickcr  —  Waasersfige. 


gcfalirliches  Wasser,  speziell  Wasser 
des  Draasensees  gegen  den  Winter  hin. 
Die  faulenden  Wasserpflanzen  im  See 
schädigen  den  Gehalt  des  Wassers  und 
nötigen  die  Fische  zum  Abzüge  (nach 
dem  Haffe).  Sobald  das  schlimme  Was- 
ser eintritt,  verstellen  die  Fischer  den 
Ausgang  des  Sees  mit  Netzen.  Müh- 
ling. 

Wasserbekicker,  m.,  Wasserbeschauer, 
Arzt,  welcher  aus  dem  Urin  Krank- 
heiten erkannte  und  heilte.  Op  een 
Worty  Herr  Waterbekicker.  Dorr,  1. 
Wiew.,  53. 

Wasserblume,  /.,  doldenblütige  Schwa- 
nenblume,  Butomus  umbellatus  L.  Saal- 
feld. 

Wasserbrech,  m.,  Wasserdorchbruch, 
Wasser,  das  den  Damm  durchbricht. 
Westpr.  Niederung.    Mühling. 

Wasserfenchel,  Pflzn.,  Wasserhahnen- 
fufz,  Ranunctdus  aquatüü  L.  Ostpr. 
Pritzel,  324. 

Wassergarbe,  Pflzn.  1.  Tausendblatt, 
MyriophyUum L,  Ostpr.  Pritzel,  242. 
2.  Sumpf-Hottonie,  s.  Sumpffeder. 

Wasserherzgespann,  Pflzn.,  gemeiner 
Wolf strapp,  Ly<?opt«  «^ropo^i«  L.  Ha- 
gen, 36. 

Wasserhundi  m,^  Tauchkäfer,  Dyticus. 

wasserkalt,  adj  ^  von  der  Kälte  des 
Wassers.  Dat  öa  so  wätekölt  segt  jenner 
on  steckt  bet  an  e  Hab  öm  Samp,  Jer- 
rentowitz.     Sprw.  11,  2861. 

Wasserkunst,  /.,  Springbrunnen,  Fon- 
täne, künstliche  Wasserleitung.  Auf 
dem  Altstadtischen  Markt  ist  eine  Wasser- 
kunst. Die  Historiker  zweifeln  trotz  des 
noch  stehenden  mächtigen  Thurmes  an 
dieser  „  Wasserkunst^  (Hebung  des  Was- 
sers aus  dem  Baudekanal  auf  die  Höhe 
des  Domberges  zu  Frauenbnrg),  denn 
sie  finden  darüber  nichts  in  den  Urkun- 
den,   Passarge,  Balt.,  74. 


Wassermutier,  /.  1 .  Libelle.  De  TToo- 
termoodem  greepen  Sik  op  der  üoarm 
Floot  Dorr,  24.  2.  ein  mythisches 
Wesen,  wie  die  Kommutter,  Die  Wattr- 
moder  zieht  Kinder  ins  Wasser. 

wasserpafz,  adj.^  horizontal,  wa88e^ 
recht.  Und  schneidet  den  Strauch  redd 
Horizontal  und  Wasserpas  in  der  miUt 
abe.  Linem.,  Cc  la.  ...  damadi  m 
mufz  auch  der  Platz  (zum  Visieren) 
Wasserpafz  genommen  (gewählt)  werim. 
Ibid.,  Cc  3b.  Es  stehet  eine  stardu 
Fichte  oder  Danne  an  einem  Berge  dir 
steil  ist^  säget  jhn  ab  Wasserpafz^  so  be- 
findet jhr  die  wäre  grosse  seiner  Wadnh 
State,     Ibid.,  Ss4b. 

Wasserperlen,  plur.^  Pflzn.  1.  gemeine 
Ftachsseide,  Cuscuta  europaea  L.  Ha- 
gen, 180.  2.  Feldspark,  Spergula  ar- 
vensis  L.;  auch  Knebel  a.'  Marienspark. 
Ostpr.     Pritzel,  385. 

Wasserpole,  Wasserpollak,  m.^  polni- 
scher Ruderknecht,  Flölzknecht.  Man 
schimpf  hinführo  nicht  so  auf  die  Was- 
ser-Pohlen.  Carm.  nupt  UI^  llSd.  Ihr 
Idiom  nennt  man  im  Gegensatz  zam 
Hochpolnischen  das  Wasserpolnisch,  wo- 
mit man  jedoch  auch  das  ordinäre  Pol- 
nisch (Preufz.-Poln.)  bezeichnet,  das  in 
den  Provinzen  geredet  wird.  S.  Bock, 
Nat.  I,  122.    Vgl.  ^himke,  RTs. 

Wasserpollei,  Pflzn  ,  rundblattrige  Ly- 
simachie,  Lysimachia  nummtdaria  L. 
Ostpr.    Hagen,  220.    Pritzel,  227. 

Wasserrecht,  n.,  das  zu  Wasser  gül- 
tige Recht,  im  Gegensatze  zum  Land- 
recht. Nach  demselben  wurden  ge- 
richtet: aUerley  scheling  tuschen  Schip- 
pem  Copluden  vnd  Schepeskindem  van 
fracht  und  van  hure,  von  foringe^  von 
Inschepinge  vnd  vtschepinge.  15.  Jahrh. 
Hirsch,  77. 

Wassersäge,  -segen,  -sichel,  Pflzn.,  aloe- 
blättrige Krebsschere,  Stratiotes  aloida 


wasserstriemig  —  Wedendank. 


459 


L.  Hagen,  1050.  Pritzel,391.  Nach 
Hagen  auch:  Säckelkraiit,  Sumpf aloe; 
nach  Muhling  Säbelkraut  and  Sichel- 
kraut 

wasserstriemig,  adj,  u.  adv,  1.  wasser- 
streifig; vom  anausgebackenen  Brot.  2 
weich,  mürbe,  gerührt,  attendrir.  Ich 
wiU  mir  das  Herz  nicht  wieder  wasser-- 
striemig  machen.    Soph.  R.  VI,  247  f. 

Wassertanne,  /.,  gemeiner  Tannwedel, 
Hippuris  vulgaris  L     Hagen,  2. 

Wasserteufel,  m.,  das  Bläfzhahn,  Fun 
lica  atra.     Mühling. 

Wafze,  /.,  Dock  am  Lande,  auf  wel- 
chem die  Schiffe  ausgebessert  werden. 
Hirsch,  265. 

Wafzen,  Watten,  (?),  ein  Fi^chermalz^ 
das  zwei  Ausschläge  (s.  d.)  enthält  = 
zwei  Eäscher  voll.     Hennig,  297. 

Wftt,  771.  a.  Tl.,  s.  Wand. 

Wft't,  m ,  s.  wart. 

Wftte,  /.,  Wategam,  n.^  s.  Wadegam. 
waten,  8U7.,  s.  waden. 
Wathbaum,  tn.,  s.  BottknUppel. 
Wathe,  /.,  s.  Klippe  u.  Wadegarn. 
Watten,  (?),  s.  Wafzen. 

Wattendistel,  /,  Sumpf- Eratzkraut, 
Cnicus pabistre L.  Hagen,  839.  Leu- 
nis,  922. 

Wauwau,  7n.,  Hund  in  der  Kinder- 
sprache. 

Wechselniederung,  /.,  der  Teil  der  Til- 
siter Niederung,  welcher  sich  bei  feuch- 
ter Lage  hoch  genug  befinde^  um  ge- 
gen Sommerstau  geschützt  zu  sein.  Der 
Name  deutet  die  eigentümliche  Wirt- 
schaftsweise an,  welche  in  beliebigem 
Wechsel  dieselben  Stücke  zeitweise  als 
Acker  und  wieder  als  Wiese  nutzt.  Vgl 
Prov.  Preulz.,  293. 

Weck,  m.,  Wecke,  Wegg,  Wegge,  /., 

keilförmiges  Weizengebäck,  Semmel. 
Nach  Hennig,  298,  eine  Art  Weizen- 
brot in  der  Gestalt  eines  Sternes  oder 


Kreuzes.  Wecke  ist  ein  kleines  Weizen^ 
brodt,  so  an  den  vier  Ecken  vier  Zipfel 
hat.  In  vorigen  Zeiten  wurde  jedes  Weijz-^ 
brodtj  das  insgemein  Oesebrodt  hei/zty 
Wecke  genannt.  Bock,  Nat.  V,  390. 
Weck  ursprünglich:  Keil.  Das  gilt  — 
steht  fest  —  ist^  tbie  beim  Bäcker  die 
Wegg.  „Die  Wecke  behielt  immer  einer^ 
lei  Preis,  daher  man  von  allen  Dingen^ 
die  einen  festgesetzten  Preis  behalten, 
sagt:  es  gilt,  wie  beim  Bäcker  dieWecke.^ 
Bock,  a.  a.  0.  Sprw.  I,  225.  Kukuk 
stM  Wegge^  Nachtgal  touU  segge.  Volksr., 
56,  213.  Öck  ete  Wegg'  on  drinke  Wtn. 
Ibid.,  243,  854. 

Wfidasche,  /.,  Waidasche,  Asche  von 
gebrannten  Weinhefen.  Brem.  Wb.  V, 
207.  Unbrauchbare  Stämme  (von  Fich- 
ten und  Tannen)  könnten  zu  Pott-  und 
Weydaschbrennerey  genützet  werden, 
Bock,  Nat.  I,  626. 

wedderig,  adj.^  von  Stammholz,  das 
sich  seiner  ästigen  und  gewundenen  Tex- 
tur wegen  schwer  spalten  und  schneiden 
läizt.  Von  weddefT  wider.  Ermland. 
Mühling. 

Weddik,  m.,  s.  Waddik. 

Wide,  /.,  s.  Weide. 

Wededung,  Pflzn.,  s.  Wedendunk. 

Wfidehut,  m.,  JuDge^  der  das  Vieh 
hütet.  15.  Jahrh.  Er  bekam  jährlich 
3  Vierdung  Lohn.  Landes- Willk.  vom 
J.  1420.  Aus  weden  weiden  und  hüten 
zusammengesetzt.     Mühling. 

Wedem,  /.  u.  m ,  s.  Widdern. 

wfiden,  sw.^  Unkraut  ausziehen^  jäten, 
angs.  weodian;  engl,  weed  Unkraut. 
Nach  Treichel  auch  wSten,  wTten.  aus- 
wfiden,  ausjäten,  ausreuten,  nach  Hen- 
nig, 298,  auch  ausweiden,  das  Einge- 
weide herausnehmen. 

Wedendunk,  m.,  Pflzn.  1.  giftiger  Was- 
serschierling,   Cicuta  virosa  L,;   auch 

Bärstkraut  und  Witscherling.    Ostpreurz. 


460 


Wederik  —  Weibervolk. 


Pritzel,  99.  Hagen,  326:  WIHscher- 
ling.  Nach  Mühling  im  Ermlande 
auch  Weding.  Witscherling  heil'zt  auch 
die  Unndsgleilze,  Aetkusa  cynajnum  L, 

Vgl.  Grofzwedendunic  2.  Kleinwedendunk, 

Pferdekammel^  Oenanthe  pheUandrium 
Lmk.     Ostpr.     Pritzel,  250. 

Wederiky  m.,  s.  Wedilc 

WMewing,  W§dwing,  WMwinde,/.,Pflzn., 

Weiden  winde,  Winde,  die  sich  am 
Weidenruten  windet  (s.  Weide)y  Acker- 
winde, Convolvuius  arvensis  L,  Sam- 
land.  Friedland  Ostpr.  Aach  Feld- 
winde,  Windenkraut,  Anisblume.  Hagen, 
222. 

Wedik,  Wed'k,  Wederik,  m.,  Ente- 
rich. Lit  wedtkas  Führer;  im  Erm- 
lande auch  Wedig.  Nsslm.  Forsch.  3; 
TL,  202.    Vgl.  Wart  u.  Erpel. 

WSdwinde,  WSdwing,  /.,  s.  WSdewing. 

WM,  /.,  wSfen,  sw,^  s.  Weif. 

wSfzageln,  su; ,  s.  weifzageln. 

weg,  adv.^  hin.  wegbleiben,  in  Ohn- 
macht fallen.  Er  war  ganz  weg^  er 
war  aafzer  sich,  besinnungslos.  Hen- 
nig, 298.    S.  bleiben. 

Weg,  m.  Der  Weg  geht  mity  wenn  er 
so  erweicht  ist,  da(z  er  an  den  Eiadern, 
am  Schuhwerk  festsitzen  bleibt.  Müh- 
ling. 

Wegblatt,  Wegeblatt,  n.,  Pflzn.,  grofzer 

Wegerich,    Plantago   majar   L.;   auch 
WegetritL      Hagen,    168.      Hennig, 
298. 
wegbleiben,  s^.,  s.  weg. 

wegen,  präp.  mit  Dat.  wegen  mir  kann 

das  gescheiten,  wegen  meinthalben,  pltd. 

wegen  mtndalwen.   Elbing.    Vgl.  meins. 

Wegetritt,  m.,  s.  Wegblatt. 

Wegewirt,  m.,  Landwirt,  der  durch 
stärkere  Düngung  seiner  Acker  an  den 
Wegen  hier  einen  bessern  Stand  der 
Saaten  erzielt,  also  weniger  rationell 
als  blendend  wirtschaftet.     Treichel. 


Wegg,  Wegge,  /l.  s.  Weck. 

Wegkost,  /.,  Zehrkost,  MnndToml, 
den  man  auf  die  Reise  mitnimmt 

weglehnen,  »w.y  wegleiheiL,  s.  Mmm. 

wegpOsten,  «u?.,  wegblasen;  weg- 
schiefzen;  wegstehlen.     Hennig,  198i 

S.  pOsten. 

wegschediten,  sir.,  s.  schechten. 

wegstrlzen,  sw^  s.  stMzen. 

wegwutschen,  wegwutehen,  mt.,  s.  w 
ichen. 

Wehlau,  Ortsn.,  Kreisstadt  am  Ein- 
flüsse der  Alle  in  den  PregeL  Sprick- 
wort:  Wer  nicht  wagtj  kofmnt  nidd 
nach  Wehlau.  Die  alte  Wehlauer  Brücke, 
im  Jahre  1807  von  den  Rassen  abge- 
brannt, galt  als  überaus  gefahiüche 
Passage  und  war  dies  namentlich  in 
den  Tagen  des  groizen  Wehlauer  Som- 
mermarktes. S.  N.  Pr.  Prov.-Bl.  I,  399. 
Sprw.  I,  3955.  Im  Gegensatz  zu  die- 
sem Sprich  worte  heil'zt  e«:  Wer  zutid 
wagty  kommt  nach  Tapiau  (s.  d.). 

WehtagejoZwr.,pltd.ir<?MW^,Schmerzen, 
sowohl  am  Leibe  als  an  der  Seele.  Er 
hat  Wehtage.  Er  geht  mit  Wehtagen 
herum,  er  ist  kummervoll,  verstimmt, 
quält  sich  mit  Sorgen.  £r  hat  mAr 
Angst  als  Wehta^,  ein  Knabe  z.  ß.,  der 
sich  einer  kleinen  Operation  unterwerfen 
soll  und  vor  Angst  schreit.  Er  hA 
Leibwehtage,  er  hat  Bauchschmerzen. 
Ebenso:  Kopp-,  Magen-,  Zahnwehtagei 
bei  Linem.,  BbbSa  auch  Cfichtwdh 
tage.  Rein.  Vos,  5230.  5672.  SingoL 
nicht  üblich.    Vgl.  WohKage. 

Weibergnager,  m.,  Schimpfwort  aaf 
einen  bösen  Ehegatten.  Stein,  Pere- 
grinus  Xni,  88.     W.  Mtsbl.  VI,  159. 

Weibertr88ter,7n.  Er  ist  ein  aUer  Weiber- 
tröster,  ein  weibischer  alter  Mann. 

Weibervolk,  n.,  Weiber  in  der  Mehr- 
heit, doch  auch  die  einzelne  Frau,  Ar- 
beiterin, das  Mädchen.    Dat  Wtwervolk 


Weibsbild  —  weilerweid. 


461 


(die  Arbeiterinnen)  geit  op^m  KartoffeU 
acker!  D6r  geht  en  Weibervolk^  da  geht 
eine  Frau.  Oberland.  AUa^  wo»  e 
Waiwavolk  könne  suU,  kann  se^  sie  ver- 
steht jede  weibliche  Arbeit.  Ermländ. 
Freisch.,  7.    Vgl.  Frauenvolk  u.  Mann. 

Weibsbild,  n.,  Mädchen,  Fraa,  Frauen- 
zimmer. Ich  denk  immer^  die  beiden 
Weibsbilder  haben  mich  zum  Narren! 
Soph.  R.  VI,  121.  Wie  denn  die  We^s- 
bilder^  wenn  sie  auf  die  Gassen  kommen 
(in  Algier),  das  Angesicht  mit  zwey 
Tücher  bedecken.  Carm.  nupt  IV,  92c. 
Ebenso  WeibsstUck,  n.  . . .  allein  er  (der 
Vater)  vrird  sich  wegen  des  Weibsstückes 
(es  ist  -die  zu  wählende  Braut  des 
Sohnes  gemeint)  nicht  sonderlich  be- 
mühen, Pierson,  Matth.  Prätor.,  70. 
Datnarrsche  Wie f stock.  Dorr,  1.  Wiew., 
73.    Vgl.  Mannsbild. 

weich,  odfy.,  gelinde,  milde;  vom  Wet- 
ter. Et  ward  weket  Wedder.  Vgl.  kol- 
ken. Vom  Wasser:  Flui'zwasser,  im 
Gegensatz  zu  hartem  (sprindigem,  Quell-) 
Wasser.    Vgl.  hart 

Weichselkahn,  m.,  Eahn,  Schiff,  das 
die  Weichsel  befahrt;  im  15.  Jahrh.  die 
groi'zen  Kähne,  welche  von  Danzig  Salz 
nach  Kauen  (Kowno)  führten.  Sie  wur- 
den auf  dem  Weichselkahnfeld  auf  der 
Lastadie  gebaut.     Hirsch,  164.  269. 

Weichwanne,  /.,  Wanne,  worin  die 
Wäsche  erweicht,  eingeweicht  wird.  Er 
Mül  krusd  sock  bt'm  Knäkebesuge^  als 
war  de  Wekwann  voüEtik  gewese,  Kgsbg. 
Firmenich  I,  103b. 

Weide,  WTde,  WSde,  /.   1.  salia.    Die 

hohen  Weiden  heil'zen  Sturmweiden; 
die  buschartigen  Steckweiden;  die  ge- 
köpften Kopfweiden ;  die  8  bis  10  Fuiz 
hohen  Setzlinge  Pof^^ufen.  Treichel, 
Volksth.  III.  2.  dünne  geschmeidige 
Rute,  weil  sie  am  häufigsten  von  der 
Weide   geschnitten    wird.     Bei  Jero- 


schin  wide^  nach  Pfeiffer,  279,  aus 
Baumzweigen  gedrehtes  Band,  als  Strick 
zum  Hängen  gebraucht,  auch  wit.  Ibid., 
283.  Vgl.  Liswede.  In  Hessen  Wide, 
Widde,  ^u  einem  Strang  gedrehte  Gerte, 
mit  welcher  Reisigwellen,Getreidegarben 
u.  dergl.  zusammengebunden  werden. 
Vi  1  mar,  452.  3.  In  der  Bedeutung 
von  Baum:  Langwtde  (Voc.  301:  ar- 
warbs  =  Langun/t),  Langbaum,  Lang- 
wagen.    VgL  Nsslm.  Th.,  8. 

Weidedrtech,  n.,  Unland,  das  nur  als 
Viehweide  benutzt  wird.     Vgl.  drisch. 

Weidelei,  /.,  Weideier,  m,  weidein,  sw., 
Weidelotten,  plur.,  s.  Waidelei  etc. 
Weidenkäfer,  m.,   Maikäfer.     MQh- 

ling. 

Weidenröschen,  n.,  Schotenweiderich, 
EpHobium  L.     Hagen,  408  ff. 

Weif,  Weife,  WM,  /.,  Drehhaspel,  Hand- 
haspel. In  Bayern  Waif  Haspel. 
SchmellerlV,  35. 

weifen,  wSfen,  sw.,  schwingen,  drehend 
schwenken ;  haspeln,  Garn  auf  die  Weife 
winden. 

weifzageln,  wSfzageln,  sw.y  wörtlich: 
mit  dem  Zagel  (Schwanz)  weifen,  wie 
es  der  Hund  thut,  wenn  er  verlangend 
die  Hündin  umkreist,  schweifwedeln; 
daher  bildlich:  sich  um  eine  Sache  oder 
Person  viel  zu  schaffen  machen,  sie  in 
ängstlicher  Erwartung  und  eifriger 
Spannung  verfolgen.  Sie  hat  ihn  gut 
weifzageln  lassen  —  ehe  sie  ihm  Gehör 
schenkte.  Geschlechtlich  begehren; 
auch:  wehklagen.  Nun  kann  er  weif- 
zageln gehen  —  wenn  die  Frau  krank 
ist.  Be  weifzagelt  wie  de  Kuigel  on  de 
Sefzwäke.  Sprw.  I,  4008.  Schemio- 
nek,  44:  wefzägeln. 

Weih,  m.,  Huhnergeier.  Schemio- 
nek,  44. 

weilerweis,  adv,  zeitweise,  auf  Augen- 
blicke.     Ich   habe   Kopfschwindel   und 


462 


weimeni  —  Weitung. 


Ohrenbrausen^  so,  da/z  weiUneevt  die 
Augen  finster  tcerden.    Egsbg. 

weimem,  mr.,  wimmern,  wehklageD, 
jammeni.  Vielleicht  aas  dem  jQd.  o 
wai  o  weh.  • 

Weinblume,/.,  s.  Täglidineu. 

Weinbomer,Weinbumer,m.  Im  lö.Jhrh. 
durften  in  Danzig  vier  Weinbamer  ge- 
brannten Wein  feil  haben,  and  schei- 
nen diese  damit  eine  Art  ärztlicher 
Praxis  verbanden  za  haben.  Hirsch, 
262.  Daselbst  303  heii'zt  es  in  dem 
Abschnitt  „Barbiere *':  die  iceynbumer 
sollen  niemand  verbinden^  wenn  sie  nicht 
Werkgenassen  sind,  und  keine  Salbe  ver-- 
kaufen, 

Weindienst,  m.,  nach  Hennig,  298, 
„eine  sehr  eintragliche  P£arre,  wobei 
man  auch  ein  Glas  Wein  trinken  kann*'. 

Weinidc,  im  Yolksmande  Name  für 
das  Vorwerk  Wangnick,  za  Prassen  (bei 
Schippenbeil)  gehörig.     Dönh. 

Weinlaudi,  m.,  s.  Saatknoblauch. 

Weinmann,  m.,  Weinhändler.    Danzig. 
15.  Jahrh.    Hirsch,  261. 
WeinschrSter,  m.,  s.  schröden. 

weisen,  pltd.  Wl8e(n),  st ,  zeigen.  Weis' 
mir  doch  deinen  schlimmen  Finger, 

Weiser,  pltd.  WTser,  Wteer,  7n.,   die 

Uhr,  aber  aach  der  Zeiger  an  der  Uhr; 
\on  weisen.  Wieviel  ist  der  Weser  f  Ober- 
land.   Vgl.  SSger  a.  Klocic 

weifz,  pltd.  Witt,  adj,  u.  adv,  1.  rein, 
saaber,  unbefleckt.  Bjin  weifzes  Tisch- 
tuch —  weifze  Wäsche,  Sich  weijzbren- 
nen,  sich  entschaldigen,  schaldlos  hin- 
stellen, rechtfertigen.  2.  anentschieden, 
charakterlos.  Er  ist  die  reine  wei/ze 
Salbe. 

Weifzbauch,  m.,  Name  der  Pfeifente, 
Anas  Penelope.    Mahling,  Tiem.,  179. 

Weifzbrot,  n.,  Brot  aus  Weizenmehl, 
Weizenbrot:    Semmel^  Zuneback^  Krin- 


gel^ Frambroty  Milchbrot,  AmArötAm, 
Mundbrötchen^  Weck.     S.  BroL 

Weilzdienstag,  m.,  Dienstag  in  der 
Karwoche.    Vgl.  Btaumontag. 

Weifzfisch,  m.,  der  Gieben.  M fihling 
Tiem ,  179.    S.  Gieb'. 

¥veifzfl8terig,  adj.,  s.  fM'rig. 

Weiblcopf,  Pflzn.,  Acker -Steinsame, 
Lithospermum  arvense  L.  Weichseldehi. 
Treichel,  Volksth.  III. 

weifziachtig,  adj.,  s.  laditig. 

Weifzling,  m ,  s  WitUing. 

weifznatig,  pltd.  wTenSsig,  wittidUg,  o^f. 

naseweis.  In  Hamburg  und  Bremen 
wtsndsed.  Brem.  Wb.  V,  272.  Hen- 
nig,  298:  weisndsig.  » 

WetfznicMs,  n.,  Medik.,  NikÜMm  alr 
bum. 

Weifzzopf,  m.,  Name  f&r  eine  weifz- 
geschopfte  wilde  Ente,  wahrscheinlick 
A/ergus  albeüus.  Mühling,  Tiem^  179. 

weit,  pltd.  Wtt,  adü.  öck  s»  so  «/<; 
ich  bin  so  weit,  sagt  die  schwangere 
Frau.  In  gleichem  Sinne:  Se  össo  ir/t» 
als  de  Mutterke  sdd, 

Weitetuch,  n.,  das  weite  Tuch,  Ab» 
teilung  am  Flügel  des  Herbstgams  mit 
Maschen  von  9  bis  10  cm  im  Qaadrat 

S.  Windegam. 

Weiting,  m.^  s.  WTting. 

Weitung,  /.,  von  wetten  j  ausdehnen, 
Raum  geben,  lassen,  freier  Kaum.  In 
Bartenstein  hiei'zen  die  innerhalb  an 
die  Stadtmauer  gebauten  Hauser  die 
Weitung,  wie  noch  jetzt,  nach  dem 
Plane  der  Stadt  zu  Behnisch'  Ge- 
schichte von  Bartenstein,  der  grölzte 
Teil  der  alten  Ringstrai'ze.  Da  die 
Bürger  die  Stadt  mauerten^  da  liefzen 
wir  die  Stadt  weiten  mit  der  AfaMier^ 
und  dieselbe  Weitunge  geben  wir,  und 
verleihen  zu  HiUfey  der  Stadt.  Privi- 
legium von  1359  von  Jo.  Schindenkop, 


Weiz  —  Wengtiner. 


468 


Komtur  zu  Balge  and  Vogt  zu  Na- 
tangen.     Behnisch,  80.  503. 

Weiz,  /.,  der  Weizen.  Danzig.  Ur- 
sprünglich ist  dieser  Ausdruck  eio  apo- 
kopierter  Plur.  masc,  wie  man  kauf- 
männisch sagt  dieXuche,  die  Wollen  etc. ; 
dieser  Ursprung  wird  aber  später  ver- 
gessen und  das  Wort  mit  dem  Singul. 
konstruiert,  z.  B.  die  Weiz  ist  gefallen. 
E.  Förstern. 

Welch,  m.y  Fischn.,  s.  Welz. 

welche,  pronominales  Adj.,  etliche. 
Welche  Bäume  sind  ausgegangen.  Welk 
ole  Wiewa  schöddere  mott  dam  Kopp. 
Boldt,  8. 

wSlen,  sw.y  nicht  völlig  trocknen;  da- 
von wSllg,  adj. :  weUges  Chras^  nur  etwas 
gedörrt,  welige  Wäsche^  halb  trockene 
Wäsche,  auch  beweit.  Dat  Heg  (Heu) 
OS  weidreg  =  welk  trocken.  Im  Brem. 
welen  welk  werden.  Brem.  Wb.  V,  224. 
Vgl.  Dähn.,  544b. 

wSllg,  adj.y  8.  wälig  u.  das  vor. 

Welke,  Welk,  /.,  Pflzn.,   Wollkrau^ 

Verbascum  ihapsus  L.  Hagen,  241. 
Pritzel,  430.  Hennig,  299.  Nsslm., 
Th.,  202,  meint,  der  Name  würde  mehr 
auf  Wolfskrauty  Sedum  telephium  L.  hin- 
weisen :  von  poln.  wiÜCy  lit.  toilkas  Wolf. 
Der  ostpr.  Name  für  die  letztere  Pflanze 
ist  nach  Hagen,  478,  und  Pritzel, 
371,  Wolfsbohnen. 

wellen,  sw.,  kochend  aufwallen,  auf- 
sieden lassen.  Gewelltes  Fleisch,  das 
nicht  völlig  gar  gekocht  ist.  Angs. 
toellan,  wylan,  holl.  toellen,  schwed. 
waeüa.  Brem.  Wb.  Y,  225.  Hennig, 
299,  auch  verweilen. 

wellkomm  =  Willkomm,  willkommen. 
Na,  seie  se  wellkomm!    Oberland. 

welschen,  sw.,  wechseln,  tauschen. 
Sich  einen  Thaler  welschen,  sich  für 
einen  Thaler  Scheidemünze  einwechseln. 


Bock,  76,  hat  als  Beispiel:  Der  Hut 
istverwelscht,  vertauscht.  Hennig,  299. 

Welschling,  m.  1.  Wechselbalg;  von 
welschen.  2.  kleines  Kind,  das  sehr 
viel  schreit.  Nach  Mnhling  auch  ein 
verweichlichter  Mensch.  Ahd.  toihseling. 
Grimm,  Myth.,  437.  Hennig,  299, 
schreibt  Wesling;  Bock,  77:  WefzIIng. 

Welz,  WSIz,  nach  Mühling,  Tiem., 
179,  Welch,  m.,  Wels,  Süurus  glanis. 
Altpr.  kalis,  lit.  szamas,  kur.  szams, 
mas.  kass.  szum,  poln.  sum.  Benecke, 
103. 

wems  =»  wessen.  Wems  Tochterche  bist 
duf  y,Ich  bin  dem  Muschlin  seine. *^ 
Wems  Messer  ist  dasf  Auch :  Wem  seine 
Mütze  ist  dasf 

Wendfahr,  /,  das  Wendefahren,  das 
zweite  Umpflügen  des  Ackers  der  Quere 
nach.  Weil  der  gute  {gestürzte)  Acker 
bald  mit  Unkraut  bewächset,  so  erfolget 
nach  vier  Wochen  das  Wenden  oder  das 
P/lügen  des  Ackers  in  die  Quere,  welche 
zweite  Fahre  man  in  Preussen  die  Wena- 
fahre  nennet.     Bock,  Nat  HI,  680. 

wendig,  adj.  von  wenden,  munter,  ge- 
schäftig, geschickt.  Für  Liv-  und  Est- 
land bei  Hupel,  262.   Vgl.  karwendig. 

Wendum,  m.,  von  wenden,  umwenden. 
Du  verdreiter  Wengum,  du  verdrehter 
Wendum,  du  Ungeschickt! 

wengen,  st,  wenden.  As  'hei  den 
Braadewengd.  Carm.nupt.l,28i.  Vgl. 
hot. 

Wenger,  m.,  Kungstock  aui  Wagen, 
der  Wender.     Muhling. 

Wengschemel,  m.,  die  Unterlage  des 
Wagenkorbes  auf  der  Vorderachse,  mit 
dieser  nur  durch  den  Spannnagel  ver- 
bunden, um  den  die  Vorderachse  nach 
beiden  Seiten  durch  die  Deichsel  ge- 
wendet werden  kann.     Marold. 

WengtTner,  Wenkttner,  m.,  umherziehen- 


464 


wenner  —  Werk. 


der  Handwerksburscbe,  Bettler,  Strolch, 
Landstreicher.  Schemionek,  44:  Wen^ 
tiner^  von  trankt  einer? 

wennSr,  wennehr,  wannehr,  fanßr,  vanSr, 

adv,^  wann.  Hennig,  57.  299:  wenn 
eher.  Wennehr  soll  ich  kommen?  Ein 
oberlandischer  Knecht,  der  einen  Auf- 
trag aasrichten  sollte,  fragte:  Fots  oder 
faner,  sofort  oder  wann?  Das  holl. 
wanneer,  althoU.  hoeneei\ 

Wenniky  Wenning,  Wennig,  m,,  kurzer 
Rock,  Jacke,  nach  Schemionek,  44, 
Jacke  ohne  ÄrmeL  Dzg.  Nhg.  Wer- 
der.   Elbing.    Violöt,  177. 

Wenter,  m.,  der  Fischsack,  daher 
auch  kurz  Sack  genannt,  lit  wintara», 
wintaris,  wSnterü  (poln.  wi^cierz  Fisch- 
reuse), ein  im  wesentlichen  cylindrisches 
Netz,  das  klingbeutelartig  über  3  bis 
4  Bügel  ausgespannt  ist,  mit  einer  oder 
zwei  trichterförmig  gestrickten  Ein- 
kehlen  (s.  d.),  die  in  einander  gehen, 
und  zwei  vor  dem  ersten  Bügel  senk- 
recht stehenden  Netztüchem,  den  Flü- 
geln, Spamay.  Es  wird  an  drei  Pricken 
befestigt.  Der  zwischen  dem  ersten 
und  zweiten  Bügel  liegende  Netzteil 
heifzt  Vorderbauch,  lit.  pryszekkis,  der 
zwischen  dem  zweiten  und  dritten  ge- 
legene Mittelbauch,  lit.  vndmanta,  der 
Rest  Stagge,  Staggin,  lit.  stagginnisy  auch 
Kuli,  Kulle,  lit.  kullys.  Die  Stagge  ist 
an  ihrem  Ende  mit  einer  Schnur  zu- 
gebunden, nach  deren  Lösung  die  Fische 
hier  ausgeschüttet  werden.  Werden 
mehrere  Wenter  durch  StrelchtUcher 
verbunden,  so  heifzen  sie  Panten, 
Wenterpanten.  Benecke,  383.  Fisch.- 
Ord.  f.  d.  kur.  Haff,  §27.  Nsslm., 
Forsch.  3;  Th.,  203.    Hennig,  299. 

Wepe,  /.,  Decke,  die  von  Frauen  in 
Stelle  eines  Muntels  um  die  Schultern 
gehängt  wird.  Voc.  494  zur  Erklärung 
des  altpr.  pasta.  Lett.  weepe  dass.,  v}eept 


sich  verhüllen,  weepUs  Hülle.  Nsslm^ 
Th.,  203.  Die  Weiber  (in  ZalawnM} 
gebrauchen  Wepen,  das  sind  petcotimi 
tceijze  Decken^  die  sie  auff  die  Scknlkr 
hdnf/en^  so  da/z  eine  au^  einer,  dieoh 
dre  auf  der  andern  Schulter,  und  wi 
einem  silbernen  Pretzel  zusammengehefttiy 
hanget.  Pierson,  Matth.  Prätor^  112. 
Weppsterz,  m.,  Bachstelze.  Oberiaad. 
Schemionek,  44:  Weppsiarz,  S.Qrik- 

stert. 

wer,  pron,,  jemand,  einer.    Esistfur 

da^  es  ist  jemand  da. 

werden,  sL  Wir  tcerden  heute  »aek 
Juditten  (zu  ergänzen:  gehen,  f&hra). 
Ich  teer  (werde)  dir  was  braten.  Du 
wirscht  (pltd.  tcarschi)  zu  Mause  NeibaL 

Werder,  pltd.  Warder,  n.,  das  Marsdt- 
land  des  Weichseldeltas,  bei  Jeroschin 
werdir  und  wert  (P  f  e  i  f  f  e  r ,  278).  MM. 
wert,  werd^  ahd.  warid,  toerid  erhöhles, 
gegen  Uberschwemmang  und  Feuck- 
tigkeit  geschütztes  Land  in  Flüssen  oder 
zwischen  Sümpfen,  auch  im  oder  am 
Meere,  Werd,  Insel.  Schade,  1098b. 
Vgl.  SchmellerlV,  144.  Brem.  Wb. 
V,  236.  307.  Prov.  Preufz.,  470.  Eine 
Insel  im  Geserichsee  heiizt  das  heUigi 
Werder^  weil  hier  die  heidnisches 
PreuTzen  noch  lange  nach  ihrer  sog. 
Bekehrung  den  alten  Götzendienst  heim- 
lich fortsetzten.  In  alten  Handschriften 
werden  die  preufzischen  Werder  insdai 
Prussiae  und  Marienwerder  insula  Mo- 
riana  genannt.     Mühling. 

Werfauf,  pltd.  Warpop,  Wappup,  m.,  im 

Tierräts.  30  der  Maulwurf,  als  Erd- 
aufwerfer. 

Werft,  7n.,  Salweide,  Salix  caprea  L 
Bock,  Nat.  m,  134. 

Werg,  7n.,  nach  Schemionek,  44, 
der  Werch  schreibt,  gezupftes  altes  Taa- 
werk  zum  „Deichten"  der  SchifEe. 

Werk,  n.,  Handwerk.     j^Die  Bürger- 


Werkgestell  —  Wette. 


465 


Schaft  in  Danzig  sonderte  sich  in  zwei 
Klassen,  in  die  Amter  und  Werken  d.  h. 
die  Handwerker,  und  in  die  gemeine 
Bürgerschaft^  d.  h.  die  Eaufleute*'. 
15.  Jahrh.     Hirsch,  202. 

Werkgestell,  Werkstell,  n.,  Webstahl, 
8.  Wirkgestell. 

Werl,  m.,  s.  Schrotwurm. 

Wermutbler,  n.,  Getränk  aas  Wemiat 
bereitet.    Bock,  Nat.  I,  271. 

Werp,  7n.,  Wurf.  In  den  Fischer- 
dörfern am  Strande  üblich:  3  Fische  = 
1  Werp,  20  Werp  =  1  Schock. 

Werp,  n.,  Zeug  aus  Wolle  uod  Garn. 
Nur  des  einzigen  Wunsches  war  ich  fä- 
hig,.,, an  diesem  geliebten  Ufer,  in 
Werp  gekleidet^  bald  wieder  zu  sitzen, 
Soph.  R.  IV,  481. 

Werre,  f.y  s.  Schrotwurm. 

WSrtsche,  /,  Wirtio,  Wirtschafterin. 
Die  uf  'ne  Art  seine  Amme  §s^  oder 
seine  Kdksche^  oder  Weerthsche,  Dorr, 
1.  Wiew.,  17. 

Werwolf,  m.  1.  Mensch,  der  in  einen 
Wolf  verwandelt  worden  ist,  oder  sich 
in  einen  Wolf  verwandelt  hat.  Die 
geeignetste  Zeit  zu  solcher  Wandlung 
sind  die  Zwölften  (s.  d.);  Menschen, 
welchen  ein  kurzer  Wolfsschwanz  zwi- 
schen den  Schultern  gewachsen  ist  sind 
Werwolfe,  Hennig,  295,schreibtlVaAr- 
toolf.  Das  Wort  ist  zusammengesetzt 
aus  ahd.  u.  alts.  wer,  goth.  vair,  ags. 
ver  Mann,  Mensch  (lat.  vir),  und  aus 
Wolf.  Genaueres  über  den  Werwolf  s. 
Grimm,  Myth.,  1048  ff.  Pr.  Prov.-Bl. 
XXVI,  436.  2.  Bildlich:  ein  starker 
Esser.  Er  ist  ein  rechter  Werwolf  — ' 
frijzt  wie  ein  Werwolf  Auch:  böser, 
erzürnter  Mensch.  Hei!  da  war  er  (der 
Hofmeister)  toie  ein  Warwolf,  Soph.  R. 
lY,  221. 

WerZy  Werze,  /.,  s.  Hahnchenbier. 

Wtobaum,  m.,  s.  Wtsbaum. 

PrUehbitr,  Wftrttrbneli  IL 


Wtoehund,  -wolf,  m.,  NachtÜEdterraupe. 

wSsen,  s/w.  1.  nicht  fest  schlafen, 
schlafen  uud  doch  glauben,  man  wache. 
Ich  habe  nur  gewest,  ich  habe  halb  ge- 
schlafen, halb  gewacht.  2.  dummer, 
schlechter  werden;  von  Speisen.  Dönh. 
Vgl.  nachwisen.  3.  verwesen,  in  Ver- 
wesung übergehen.  Der  Tote  west  schon. 
Hennig,  339. 

Wesen,  n.  1.  nach  Klein  U,  231,  in 
Dzg.  zur  Bezeichnung  eines  weitläufigen 
Gebäudes,  mit  welchem  eine  Art  von 
Hantierung  verknüpft  ist.  Er  hat  ein 
Wesen  in  dem  und  dem  Dorfe,  er  hat 
eine  kleine  Landwirtschaft.  Er  hat  ein 
Wesen,  eine  Gastwirtschaft.  —  Nach 
E.  Förstem.  ein  gröfzeres  Grundstück 
mit  Nebengebäuden,  Hof,  Garten  etc. 
Das  Schmidtsche  Wesen^  das  Grundstück 
des  Schmidt.  Dähn.,  547,  giebt  aus 
Vorpommern  die  Redensart:  De  hett  een 
groot  Wesen  unner  sikk,  er  verwaltet  ein 
grofzes  Gut.  2.  Gerücht.  S.  aufbringen. 
3.  böses  Wesen^  s.  Höchste. 

wesenbar,  adj.,  wesentlich.  Das  ist 
ein  wesenbarer  Unterschied,    Treichel. 

Wesling,  m,,  s  Welschling. 

Wespe,  /.,  Pflzn.,  s.  Mestel. 

wesseln,  sw,,  s.  verwessein. 

W§st,  /.,  s.  Wiste. 

Westerfahrt,  /.,  FahrstraTze  zur  See 
südwestlich  der  Westerplatte.  Pas- 
sarge,  158.    Vgl.  NorderfahrL 

Wefziing,  m.,  s.  Welschling. 

wetche,  pronominal.  Adj.,  etliche, 
einige,  manche,  welche.  Wetche  trinken 
das  (z.  B.  Absud  von  Schafgarbe)  sehr 
=  mit  gutem  Erfolg.     Saalfeld. 

Weitdiener,  m.,  s.  Wette. 

Wette,  /.,  in  der  alten  Danziger  Ver- 
fassung diejenige  Behörde,  welche  das 
Polizei-  und  Handelsgericht  vorstellte. 
Eigentlich   hiei'z   es   Wettgericht,    doch 

war  die  Abkürzung  volkstümlich.    W. 

80 


466 


wetten  —  'Wiehert. 


Seidel,  36.     Hirsch,  202.     Davon: 
Wettdiener,  m.^  Diener  der  Weite,  nie- 
derer Polizeibeamter.    -Da  aber  E.  E. 
Raht  zu  Dantzig  solche  ütMlligkeit  er- 
fuhr^ hat  er  durch  den  Wett-Diener  die 
Butter  wiegen  lassen^  und  befunden^  da/z 
sie  nicht  voll  Gewicht  hatte  etc.    Hart- 
wich, 541.   Wettherr,  w.,  Gerichtsherr, 
Rat    aus    dem  Polizei-   und    Handels- 
gericht  der  Wette  ^    der    die  Aufrecht- 
erhaltong    der    Wettordnung    za    über- 
wachen   hatte,    nach   welcher  Fremde 
ihre  Waren  nur  an  Einheimische  ver- 
kaafen  durften.     Schrnerlenfänger  dür- 
fen  die  Fische  nicht  ohne  Erlaubnis  des 
Wettherm   von   der  Stadt  fortbringen, 
Schmerlenfanger-Ordg.  aas  1601  —  1610. 
Benecke,  300.     Vgl.  N.  Pr.  Prov.-Bl. 
H,  349. 

wetten,  sw.^  handeln,  Handel  treiben. 
Die  Wett-  und  Liegerordnung  galt  als 
Gesetz  für  einheimische  Eaufleute  und 
lAeger  (s.  liegen), 

Wetter,  n.    Vielfach  in  Sprichwörtern 
und  Redensarten:    Es  giebt  gut  Wetter^ 
die  Kälber   spielen  ^  wenn  Erwachsene 
sich  kindisch  gebärden.    Um  schon  Wet- 
ter bitten^   um  Nachsicht^    Verzeihung 
bitten.     Dem  guten  Wetter  ist  nicht  zu 
trauen.    Es   wird  schlecht  Wetter^    die 
Sau   trägt  Lager.     Wedder  wi   Speck^ 
fruchtbares    Wetter.     Elbinger    Ndrg. 
Wir  werden   schlecht  Wetter  bekommen^ 
die  Krähen  schreien.    Friedland  Ostpr. 
Mench  ener  ging  btm  schenen  Wedder 
fit  on  kern  bt  Regen  na  Hus,   Elbinger 
Ndrg.    Schlecht  Wetten*  ist  besser  vne  gar 
keins.     Sie  ist   auf  ander  Wetter,   ist 
schwanger,     über  das  kurische  Wetter 
s.  Küre.   Vgl.  Sprw.  I,  69.  4037  fiF;  H, 
2895  S. 

Wetterboden,  m.  Seit  der  Entzündung 
der  Thurmspitze  (in  Bartenstein)  durch 
den  Blitz  1815  und  besonders  durch  die 


Arbeiten  bei  dem  Wiederaufbau  dersAeiu 
war  die  Kupferhdeguruf  des  Wetterhoim 
an  vielen  Stdlen  schadhaft  ffewordOf 
dafz  alle  Nachhälfe  den  Bdag  nidi 
mehr  wasserdicht  machen  kannte^  in 
Gebälke  darunter  und  der  GlodumifH 
selbst  fingen  an  za  leiden.  Behnisek, 
320. 

Wetterlisch,  m.,  der  Ptsker  (s.  d.),  wd 
er  nahendes  Gewitter  dorch  nnrahiges 
Aufsteigen  vom  Grunde  des  Wassen 
anzeigt;  er  wird  deshalb  Yiel&ch  in 
kleinen  Gläsern  als  Wetterprophet  ge- 
halten.   Benecke^  145. 

Wettgeridit,  -herr,  -Ordnung^  s.  WUlt 

wibbeln,  siw.^  wimmeln,  haufenweise 
sich  lebhaft  regen  and  schDell  beweges. 
Der  Käse  wibbelt  von  Maden.  Es  wäh 
beU  von  Menschen.  Er  kribbdt  wd 
vnbbeU  voller  Läuse.  In  einigen  Ge- 
genden Deutschlands  noch  Wibbd  Käfer, 
ahd.  wipüy  wibil^  mhd.  wibeL  Ade- 
lung lY,  1530,  hat  wiebeln.  In  Hessea 
wibbeln  und  wvwweln.  Vilmar,  461. 
Bock,  77.    Hennig,  299. 

Wibranze,  m.  1.  Zeit^  oder  Erbpadi- 
ter  von  kleineren  Besitzungen  and  Go- 
tem .  in  Westpr.  und  Ernüand  zur  Zeit 
der  poln.  Herrschaft.  Von  dem  pob. 
wybraniec  der  Auserwählte,  weil  die 
Wibranzen  von  den  Geistlichen  und 
Starosten  zu  diesen  Besitzungen  aos- 
ersehen  wurden.  S.  Genaueres  über 
die  Wibranzen  (Vibranzen)  in  den  Beitr. 
z.  Kde.  Pr.  IV,  342  ff.  2.  nach  Hen- 
nig, 299,  die  Landmiliz,  weil  wybraniec 
auch  Rekrut  heiizt,  im  Plural  ansge- 
hobene  Mannschaften,  wybrai\  russ.  «^ 
brat\  vyybriaf  auswählen.  Sache  and 
Wort  gegenwärtig  aufzer  Gebraach. 
Nsslm.  Forsch.  3;  Th.,  222. 

Wiehert,  w.,  nach  der  Volksmeinang 
böses  Wesen  im  Drausensee,  das  die 
grolzen  Risse  im  Eise  verursacht   Es 


Wichse  —  Wickelpoppe. 


467 


ist  nur  zu  bannen,  wenn  man,  sobald 
es  losbricht,  kreuzweise  Löcher  dorch 
das  Eis  schlägt.  Der  Wiehert  ist  wohl 
nichts  anderes,  als  die  gasartige  Luft, 
welche  sich  in  dem  moorigen  Grunde 
des  Drausen  entwickelt  und  gewaltsam 
durch  das  Eis  bricht.  Der  so  gebildete 
Rifz  friert  nicht  mehr  fest  zu.  Müh- 
ling  nach  den  N.  Pr.  Prov.-Bl.  ohne 
nähere  Angabe. 

Wichse,  /.  Es  giebt  Wichse,  Prügel 
Denn  bei  solcher  Gelegenheit  habe  ich 
einst  gar  weidliche  Wixe  gekrigt  Soph. 
R.  I,  369..  Ygl.  Schmier  Hennig, 
304. 

wichsen,  sw.  1.  reichlich  Hiebe  aus- 
teilen, prQgebi.  Einen  unchsen.  Ja,  du 
sollst  gewixt  werden,  nach  der  Schwier- 
lichkeit!  Soph.  R.  II,  483.  In  gleichem 
Sinne  in  Zusammensetzungen :  ab-,  auf-, 
aus-,  durch-,  verwichsen.    Dafz  ich  den 

Burschen  nicht  abgewixt  habe,  das  thut 
mir  leid.  Soph.  R.  I,  176.  aufwichsen 
auch:  gut  und  reichlich  bewirten,  auf- 
tischen. Er  hat  heute  tüchtig  aufge- 
wichst,  gute  Speisen  und  Getränke  vor- 
gesetzt; vom  Glanz  hergenommen,  den 
die  Wichse  erzeugt,  verwichsen  auch 
durch  glänzendes  Prassen  seine  Bar- 
schaft, sein  Vermögen  durchbringen. 
Er  hat  all  sein  Geld  verwichst,  2.  re- 
flexiv: onanieren.  Er  wichst  sich,  ist 
Onanist. 

Wicht,  /.,  Gewicht.  Der  Pelz  hat  eme 
gute  Wicht;  ebenso  Wucht  Beides  von 
wiegen.  Hennig,  300.  339.  Danzig. 
W.  Seidel,  36. 

Wicicel,  m.  1.  das  Gewickelte,  das 
mehrmals  um  sich  selbst  Gewundene. 
Ein  Wickel  Flachs,  Hede  —  der  um 
den  Wockenstock  gewundene  Flachs  etc. 
2.  der  Gegenstand,  auf  den  etwas  ge- 
wickelt wird.  MacK  mir  einen  Wickel! 
Geschieht  am  einfachsten,   wenn  man 


etwas  Papier  zusammenfaltet,  oft  aber 
werden  die  Wickel  kunstvoll  aus  Pappe 
etc.  geklebt:  Wickehteme.  A\iA,wichüi, 
wiccheliy  mhd.  wicheltn^  wickel  eine  Hand 
voll,  pensum,  manipulus.  Schade, 
1154  b.  3.  Schopf,  Kragen,  Kopf.  Einen 
beim  Wickel  nehmen  —  kriegen, 
Jdkt  mi  de  Puckel,  bött  mi  e  Lus, 
Krieg  öck  em  bfm  Wöckel  an  schmiet 

em  Sn't  Hüs! 
Er  ist  nicht  recht  beim  Wickely  er  ist 
nicht  recht   im  Eopfe,    bei    Verstand. 
Vgl.  Sprw.  I,  490.    Bock,  77.    Hen- 
nig, 300. 

wiciceln,  «17.  1.  winden,  drehen  —  einen 
Faden^  eine  Schnur;  aber  auch  bild* 
lieh  Rede  und  Verhältnisse,  indem  man 
durch  Worte  oder  Thaten  aus  einer 
verwickelten  Lage,  aus  einer  Verlegen- 
heit sich  zu  befreien  oder  in  schweren 
Lebenslagen  sich  fortzuhelfen  sucht. 
Der  versteht  gut  zu  wickeln  —  heraus-' 
zuwickeln.  Der  hat  sich  gut  herausge- 
wickelt,  er  hat  durch  geschickte  Reden 
sich  aus  einer  kritischen  Lage  heraus- 
gearbeitet. Ich  mufz  mich  sehr  wickeln, 
um  allen  Menschen  gerecht  zu  werden, 
ich  muü  mir's  bei  der  Arbeit  recht 
sauer  werden  lassen  und  mich  in  mei- 
nen Ausgaben  sehr  einschränken,  um 
mein  Fortkommen  und  keine  Schulden 
zu  haben.  In  gleichem  Sinne:  Ich 
mufz  mich  durchwiclceln.  2.  Einen  unckelny 
zunächst  ihn  fassen  und  niederwerfen, 
dafz  er  sich  auf  dem  Boden  windet  und 
dreht;  überhaupt:  ihn  stofzen,  schlagen, 
zum  Hanse  hinauswerfen.  3.  schief 
gewickelt  sein^  eine  falsche  Ansicht  von 
einer  Sache  haben,  sich  in  einer  An- 
gelegenheit auf  falschem  Wege  befin- 
den. 

Wicicelpuppe,  /.,  Flachspuppe  am  Wok- 
ken ;  scherzweise  auch  kleines  Windel- 
oder Wickelkind. 

80* 


468 


Wicken  —  WieseDblome. 


Wicken,  plur.  In  du  Wicken  gehen^ 
verloren  gehen.  Das  Spiel  (in  der 
Karte)  geht  in  die  Wicken.  Treichel. 
Vgl.  WTke  1. 

Wfcken,  WTken,  Wieken,  Pflzn.,  rüster- 
blättrige Linde,  Tüia  ulmifolia  Scop. 
Ostpr.  Pritzel,  403.  Nach  Hagen, 
293,  Wieken  die  langgestielte  Ulme,  Ul- 
mtu  effusa  WiUd. 

Wicken,  verwicken,  «to.,  erzeugen. 

Wickentiolz,  n.,  von  Pratorias  unter 
den  Bäumen  Preuizens  aufgezahlt. 
Pierson,    Matth.    Piätor.,    13.     Vgl. 

Wicken. 

Wickerbninn,  m,,  wippender  Sumpf- 
boden.   Treichel. 

Widdern,  Widern,  Widim,  pltd.  Wedem, 

WBddem,  /.,  die  zu  einer  Püarrkirche 
gestifteten  nutzbaren  Gründe,  der  Pfarr- 
hof^  das  Pfarrhaus,  daher  auch  Pfarr- 
füiddem;  auch  Haus  für  die  Pfarrer- 
witwen, gewöhnlich  Pfarrwitwenkaus, 
Ahd.  toidamo^  tüidemo^  widimo^  mhd. 
iüideme^  widern.  Schade,  1137a.  Auf 
den  8,  Julii'dea  1706.  Jahres  in  der 
Auhwehnischen  Widdern  angestelltes  hoch- 
zeitliches Ehrenfest  Carm,  nupt AI^  277 A. 
Wie  dies  dir  mag  zu  Herzen  gehn^  Ob- 
gleich  die  KircK  und  Widdern  stehn  (nach 
einem  Brande  in  der  Stadt  Dt.  Eylau). 
Carm.  nupL  IH,  55  c.  Da/z  sich  all 
der  Priester-Segen  Mög  um  Eine  Wid- 
dern legen.  Ibid.  HI,  101  d.  Do  Wöd- 
dem  steit  my  bäter  an,  da  fing  ock  myhnen 
rechte  Mann.  Carm.  nupt  V,  145  c.  As 
öck  nu  awer  on  de  Wöddem  (hier  Pfarr- 
haus) köm^  on  de  WoUehrworden  mi  den 
Breef  reekt,  wurd  mi  doch  so  allerhanjd. 
Elbing.  Spook,  472.  Mühling  hat 
auch  Widum.  Zur  Widdern  gehen,  zum 
Konfirmanden-Unterricht.  Schemio- 
nek,  44.  Im  Brem.  Wedem^  in  Po- 
sen die  Widemut.  Brem.  Wb.  V,  215. 
Bernd,  350.   In  Estland  Widme  Frei- 


gut. Sallmann,  51b.  YgL  Heinel, 
Einige  Nachr.,  225.  Hartwich,  167. 
172  u.  o.    Hennig,  298. 

Wide,  /.,  s.  Weide. 

Widern,  /.,  s.  Widdern. 

Widertod,  Pflzn.,  Widertbon,  Haar- 
moos^  Polytrichum  L,    Ostpr.  Pritzel, 

300.    Auch  WieeemchafbeiL 

Widerwort,  91.,  Widerrede.  Hei  gmä 
Wedderword^  ^  er  widerspricht.  Efen 
hatf  de  Vater  was  befohlen^  förz  gab  u 
Wedderwort  Schalt).  3,  6.  Schon  bei 
Jeroschin:  dar  an  in  ffenügete  ntndk 
alle  widirwort  120c.     Pfeiffer,  282. 

Widim,  Widum,  /.,  s.  Widdern. 

wie,  im  Volksmonde  =  als,  das  in 
der  Bedeutung  von  quutn  dem  Volke 
in  Dzg.  gar  nicht,  in  dem  Sinne  Ton 
quam  nur  wenig  geläufig  ist.  Solcher 
Gebrauch  des  une  tritt  zaweilen  auch 
in  der  Schriftsprache  auf.  E.  Förstern. 
Fragend  am  liebsten  im  Dem.:  wieckeHi 
pltd.  unke  =  was  sagst  da?  In  dem 
Sinne  von:  welcher,  welche,  welches, 
was  für  einer  etc.  wtner^y  wtne^  wtnei, 
kürzer  wtns^  in  der  Mehrzahl  wm> 
Oberland.  Elbing.  Wien^s  (welches) 
§s  dein  Casus  accusaüvusf  Dorr,  L 
Wiew.,  90. 

Wiecken,  Pflzn.,  s.  Wicken. 
Wiedewol,  m.,  Pirol,  s.  BierhoL 
wiegeln,  «r.,  wiegen,    auf  der  Wage 
die  Schwere  prüfen.     Treichel. 

Wiegemeister,  9n.,  s.  Kornmeister. 

Wieicen,  Pflzn.,  s.  WTcIcen. 

Wienspamas,  m.,  einflügeliger  Sack 
des  kurischen  Haffs.  Litauen.  S.  Be- 
necke, 389  f. 

Wiese,  /.,  in  Kgsbg.  u.  Danzig  korxc 
Bezeichnung  für  Holzwiese^  Stapelplatx 
für  Brenn-  und  Nutzholz.  VgL  H  i  rs  ch, 
216. 

Wiesenbaum,  m.,  s.  WTsbaum. 
Wiesenblume,  /.,  gelbe,  s.  Kuhblume. 


Wiesenkasper  —  WillfaDg. 


469 


Wiesenkasper,  m,y  s.  Grasser. 

Wiesenkrauty  n.,  s.  Seegras. 

Wiesenschaf  heu,  n.,  s.  Widertod. 

Wiesenschnarre,  /.,  s.  Grasser. 

Wiesenwasser,  n.,  Wasser  auf  der 
Wiese.  Wesewäter  <m  Herregon&t  Mle 
nich  stand,     Dönh. 

wiggeln,  sw,^  wackelnd  hin  und  her 
wiegen.  Mit  dem  Stuhle  tviggeln^  sich 
auf  dem  Stahle  hin  und  her  wiegen. 
An  einem  Pfahl  wiggeln^  ihn  kräftig 
hin  und  her  ziehen,  um  ihn  los  zu 
machen.  In  der  Vereinigung  mit  wag^ 
geln  allitterierend:  wiggeln  und  waggeln. 

Muhling  hat  Wiggelwaggel,  m.,  eine 
Person  mit  wackehidem  Gange.  Er 
ist  ein  Wiggelwaggel.  Sprw.  I,  4046. 
InHessemoicken.  Vilmar,  454.  Bock, 
77.    Hennig,  300.    Vgl.  waggeln. 

Wiggelwaggel,  tt».,  s.  wiggeln. 

WTk,  f.y  Meerbusen,  Bai,  Bucht,  alt- 
nord.  vik  von  vi/^'a,  nd.  wtken  weichen. 
Das  Putziger  Wtk.  Blicken  wir  nach 
Westen^  wo  die  „schone  Wyk^^  Fisch- 
hausen  und  ein  kleiner  Saum  des  Mee- 
reSy  das  Auge  erfreut  Passarge,  Balt , 
33.  Vgl.  Weigandn,  1114.  Sali- 
mann,  43b.  52a. 

WTkbohne,  /.,  Pflzn.,  Saubohne,  Vicia 
faba  L,    Hennig,  300. 

WTke,  /.  1.  ein  ins  Eis  gehauenes 
Loch,  eine  Wake,  Hennig,  300.  2. 
Ulmus  efusa,  s.  WTcken. 

WTkfischerei,  /.,  Fischerei  in  den  Wt- 
ken^ besonders  in  denen  des  frischen 
Haffes.  Diese  Fischerei  wird  verzeit- 
pachtet.    Bock,  Nat.  IV,  721. 

wild,  adj.^  davon  das  Wilde.  Es  geht 
ins  Wilde y  ins  Ungeheure,  Unglaub- 
liche. 

Wildfeuer,  n ,  wildes  Feuer,  Ausschlag 
im  Gesichte.  Er  hat  Wild/euer.  Muh- 
ling. 


Wildkatzenfett,  n.,  Medik.,  Schweine- 
schmalz. 

Wildnisbereiter,  m.,  Waldaufseher, 
Förster.  Der  Titel  Förster  kam  nach 
Hennig  1739  in  Gebrauch,  „weil  S. 
Eon.  Majestät  keine  Wildnis  in  ihren 
Landen  erkenneten "  Die  studirten 
Schulmeister  sollten  aufzerdem  4,  die 
andern  3  Achtel  Höh  von  den  Wildnifz- 
bereitem  angewiesen  und  von  den  Kirch- 
spieUkindern  angeführt  erhalten.  Kogge, 
Gesch.  d.  Diöc.  Dark.,  35.  Hennig, 
300. 

WildschOr,  /.  u.  m.^  der  Wolfspelz, 
Pelz  aus  Wolfsfellen.  Das  poln.  wü- 
czuray  von  wiÜc  Wolf,  sh6ra  Haut,  Fell, 
Balg.  Wie  aber^  wenn  man  einen  an- 
genehmen und  liebenswürdigen  Mann  im 
Schlafrock  oder  im  Wildschur  sieht? 
Soph.  R.  H,  154.  Bock,  77.  Hen- 
nig, 301. 

Wilge.  /.,  Weide,  salix.  Ostpreufz. 
Pritzel,  352. 

Wilhellem,  9n.,  m.  Vorn.,  s.  Willem. 

Wilhelm,  Pflzn.,  sprossende  Felsnelke, 
Dianthus  prolifer  L.  Auch  Kopfnelke. 
Hagen,  458. 

Wilkie,  /.,  Wald  bei  Königsberg,  fast 
ausgerodet,  der  Wolfssitz;  von  lit  vÜ- 
kas^  poln.  wilk^  lett.  vriUcs  Wolf.  Frü- 
her begann  hier  die  Wilkie^  der  „  Wolfs- 
wald"^.  Passarge,  Balt.,  20.  Wilk 
tritt  hier  noch  öfter  in  Ortsnamen  auf. 
Vgl.  Nsslm.  Th.,  205. 

Wille,  Will,  /.,  Name  und  Lockruf  für 
die  Ente,  hockrui  Auch:  vnUewill!  Vgl. 
Volksr.,  64,  242  g. 

Willem,  Wilm,  W»lm,  m.  Vom.,  WU- 
helm,  breit  hochd.  in  Königsberg  Wil- 
hellem. 

Willfang,  t».,  Wildfang,  wilder,  ruhe- 
loser Mensch,  namentlich  J unge.  Bock, 
77.     Hennig,  301. 


470 


Willkomm  —  Windekus. 


Willkomm,  m.  1.  der  Willkommen, 
Grufz,  die  BegräfzuDg.  2.  die  Hiebe, 
welche  früher  ein  Verbrecher  bei  sei- 
nem Eintritte  ins  Zuchthaus  erhielt. 
3.  ein  Trinkbecher,  den  man  dem  Gaste 
darreicht.  Im  Kneiphöfischen  Gemeinde- 
garten wurde  nach  Hennig,  301,  der 
Willkomm  der  Schüizengilde  aufbewahrt, 
dessen  Inschrift  begann: 

Dieser  Willkomm  ist  dem  werthen 

Schützenorden 
Im  Kneiphof  Königsberg  zu  gut  ge- 
stiftet worden, 

Willkür,  /.,  Statut,  Gesetz.  Die  Satzun- 
gen der  Willkür  regelten  namentlich 
den  Geschäftsbetrieb  and  enthielten  die 
dem  lokalen  Bedürfnisse  entsprechen- 
den Polizeigesetze.  S.  Hirsch,  201. 
Hennig,  301.  Willkür  der  Stadt  Kö- 
nigsberg —  die  Danziger  Willkür.  Ahd. 
churiy  chure^  mhd.  küre^  kür  Prüfung, 
Überlegung,  Wahl. 

WTIos,  von  poln.  icylos^  Name  der 
Einlalzöffnung  bei  der  Winterfischerei 
mit  dem  Niewod.  Masuren.  Benecke, 
360. 

Wimmerholz,  /.,  Guitarre. 

Wimmerkasten,  tti.,  Klavier. 

wimmern,  sw.^  die  Nachbarschaft  be- 
lästigend singen  oder  ein  Instrument 
spielen. 

Wind,  m.,  Windhund,  schneller  Jagd- 
hund. Vier  Jagd-Hund  und  ein  Strick, 
gut  eingehetzte  Winde,  Die  sollen  heute 
Fuchs  und  Hasen  gratcsam  sein . . .  und 
ihn  der  rasche  Wind  mit  offnem  Rachen 
fängt     Carm,  nupt  IV,  56  b. 

Windbarg,  m.,  das  beim  Giebel  eines 
Gebäudes  dem  Strohdach  vorgeheftete 
Brett,  die  Windberge.     Treichel. 

Windegam,  Windgarn,  n.,  Fischernetz, 
bestehend  aus  einer  Metritze  von  nicht 
mehr  als   16  m  Länge  und  zwei  Flü- 


geln, deren  Länge  nicht  über  180«, 
deren  Höhe  nicht  mehr  als  6  m  be- 
tragen darf.  Nur  zum  Auswerfen  des 
Netzes  sollen  Kähne  benutzt  werden, 
es  ist  nicht  erlaubt,  das  Netz  hinter 
den  Kähnen  nachzuschleppen:  die  Be- 
wegung des  Netzes  geschieht  durch 
den  Wind;  erst  wenn  die  Kähne  Tor 
Anker  gegangen  sind,  dürfen  die  Zug- 
leinen mit  Hilfe  von  Winden  einge- 
holt werden.  Das  Windegam  des  ku- 
rischcn  Haffes  heifzt  auch  WindkarteB- 
garn,  -netz,  lit.  winkartelle^  das  des 
frischen  Haffes  FlUgelgam,  Grofziandgan 
und  Herbstgam.  Jeder  Flügel  des  Herbst- 
games hat  gewöhnlich  NetztQcher  tod 
vier  verschiedenen  Maschen  weiten,  und 
unterscheidet  man  nach  der  Weite  der 
Maschen:  das  Weitetuch,  das  Stagge^ 
oder  PIStzentuch,  auch  Pletzenzug,  das 
Fischertuch  und  das  Daumenfuch.  Die 
Metritze  hat  die  Maschenweite  des 
Daumentuches  von  2,5  cm  bis  auf  das 
letzte  Dritteil  derselben,  die  Hdckdung 
oder  den  Häckel,  Häkel,  dessen  Maschen 
2  cm  im  Quadrat  grofz  sind.  Beschrei- 
bung in  Benecke,  342 ff.  Fisch.-Ord. 
f.  d.  fr.  Haff  §  20.  Hennig,  80.  302. 
Winde-,  Windgamfischerei,  /.,  Fischerei 

mit  dem  Windgam.  Es  dürfen  bei 
derselben  weder  Ruder  noch  Segel  ge- 
braucht werden,  um  das  ausgebreitete 
Garn  in  der  Länge  vorwärts  zu  ziehen. 
Auch  darf  dieselbe  nur  in  der  Tiefe 
des  Haffs  stattfinden  und  weder  die 
Scharen  und  flachen  Strecken  dessel- 
ben, noch  die  Laichstellen  berühren, 
auch  nicht  in  den  Bezirk  der  Sack- 
fischerei eindringen.  Fisch.-Ord.  f.  d. 
fr.  Haff  §  20.  Die  Windgamfischerei 
heiCzt  auch  Grofziand-  und  Herbstgam- 
fischerei. 
Windel(us,  Windil(us,m.,  windiger^  leicht- 


Windeltreppe  —  winken. 


471 


fertiger  Mensch,  Windbeutel.  Im  Ober- 
lande windekusch,  adj,^  flüchtig,  unzu- 
verlässig.    Saalfeld. 

Windeltreppe,  /.,  Wendeltreppe.  Da- 
von das  Adj.  windeltreppig.  Es  sey  die 
Bewegung  spiralts  (dafz  üt  einfältig  zu 
sagen,  Windeltreppig  umb  eine  Kugel), 
Linem.,  Pp  3b. 

Windenkrallt,  n.,  s.  Wedewing. 

Windfang,  7n.,  Holzverschlag  in  Haus- 
fluren und  an  Stubenthuren  zum  Ab- 
halten des  Windes  und  der  Zugluft. 
Hennig,  302. 

Windfisch,  m.,  s.  Homfisch  2. 

Windgarn,  n.,  Windgamfischerei,  s.  Win- 
degarn etc. 

Windhauer,  m.,  eifernder  Redner,  leb- 
haftgestikulierenderSchwätzer.Schimpf- 
wort.  Stein,  Peregrinus  XII,  82.  W. 
Mtsbl.  V,  191. 

Windikus,  m.^  s.  Windekus. 

Windkartellgam,  -netz,  n.,  s.  Winde- 
garn. 

Windkeitel,  m.,  gröfzeres  Keitelnetz, 
das  vom  Winde  getrieben  wird.  Hen- 
nig, 302. 

Windkopf,  m.,  Gebilde  von  Wolken, 
woraus  die  Windrichtung  des  nächsten 
Tages  zu  ersehen  sein  soll.  Trei- 
chel. 

Windlage,  /.,  überdeckter  Vorbau  im 
Untergeschofz  eines  Kaufhauses,  worin 
die  Waren  zum  Verkaufe  ausgestellt 
wurden.  Kein  Kaufmann  durfte  mehr 
als  eine  Windlage  haben.  Dzg.  Ordens- 
zeit.    Hirsch,  232. 

Windlasche,  -latsche,  /.,  s.  Lasche. 

Windmamsellen,  plur.j  Medik.,  Morsuli 
contra  flatulentiam. 

windrig,  adj.^  was  sich  windet.  Win- 
drig  Uoh^  Holz,  dessen  Fasern  nicht 
gerade,  sondern  in  Windungen  gewachsen 
sind;  es  spaltet  daher  schwer.  Hen- 
nig, 302. 


Windsack,  9n.,  leichtfertiger,  leicht- 
sinniger Mensch,  Verstärkung  von  Wind- 
beuteL  Ich  weifzy  da/z  sie  den  Schulz^ 
den  Windsack^  hafzt,    Soph.  R  V,  602. 

Vgl.  Windekus. 
Windschwark,  /.,  s.  Schwark. 
Windsutter,  m.,  s.  Hornfisch. 
Windwake,  /.,  s.  Wake. 

WTne,2>Zwr.,  Weihnachten.  GreneWine 
—  untte  Ostre,  Lachte  Wine  —  düstre 
Schüne.  Helle  Nächte  in  der  Weih- 
nachtszeit verkünden  eine  reiche  Ernte. 
Rauschen.    Samland.    Sprw.  U,  2917  f. 

Vgl.  Zwölften. 

Wingille,/.,  Querder,  Neunaugenlarve. 
Litauen.  Bujack,  391:  Vtngille.  Nach 
Nsslm.  Wb.,  81a,  wingiUis  Peizker, 
besonders  eine  kleinere  Gattung. 

Winkel,  m.  1.  Platz,  Raum,  Abteilung 
in  den  Junkerhöfen.  Ihre  Zusammen- 
kunft halten  sie  (die  Fischer)  auf  dem 
altstädtischen  Junkerhofe^  an  welchem 
nicht  nur  Kaufleute  und  Mälzeribräuer^ 
sondern  auch  die  Fischer  einen  Aniheü 
oder^  nach  der  alten  Sprache^  ihren 
eigenen  Winkel  haben.  Bock,  Nat.  V, 
554.  Vgl.  Hölkenioinkel,  unter  Holke, 
und  Rosemoinkel,  2.  eckiges  Stück 
Land,  Landstück  überhaupt.  Nach 
Mühling  hat  das  grofze  Werder  fünf 
Winkel:  den  Montaner,  Schönauer^ 
Lichtenauer,  Neuteicher  und  Lesewitzer 
Winkel. 

Winkelknig,  m.,  Wirtshaus,  Gasthof 
niederen  Ranges,  der  gewöhnlich  in 
einem  Winkel  liegt.     Egsbg. 

winken,  sw.,  doch  fehlerhaft  auch  st 
1.  ein  Zeichen  geben  mit  Hand  oder 
Auge  (vgl.  plirücen).  2.  Einem  eins 
winken^  ihm  eine  Ohrfeige,  einen  Hieb 
an  den  Kopf  geben.  Scherzweise  auch: 
Er  hat  ihm  eins  gewunken.  3.  beim 
Versteckspiel  (s.  Spinkehoinkel)  sich  die 

Augen  zuhalten.  Vgl.  lugen  u.  plinzen. 


472 


Wianlatsche  —  Winterfisoherei. 


Winnlatsche,  /.,  s.  Latsche. 

winsch,  adj,^  windig,  ränkevoU.  Wohl 
ZasammenziehaDg  aus  toindüch.  En 
klüker  Kopp^  en  winscher  Brägen,  Brie- 
sen. 

Wintereiche,  /.,  s.  Steineiche. 

Winterfischerei,  /.  Zur  Betreibung  der 
Winterfiscberei  mit  grofzem  Gezeuge 
oder  mit  dem  grofzen  Wintergam  ge- 
hört zunächst  ein  mit  Pferden  bespann- 
ter Schlittten  zur  Beförderung  der  Ge- 
räte und  Personen  (15  bis  20).  A.  D  as 
Gerät.  1.  Das  Garn  (s.  Wintergarn), 
2.  Eisäxte  und  Eisstemmen  zum  Durch- 
hauen und  Durchstofzen  des  Eises.  3 
Ruten,  mindestens  zwei,  oder  Vorschiebe« 
Stangen,  lit.  parta^  lange  Stangen  zur 
Weiterbeförderung  der  Leinen  des  Gar- 
nes unter  dem  Eise.  4.  Zofzgabeln, 
lit.  szakisj  ebenfalls  wenigstens  zwei, 
Holzstangen  mit  stumpfer  Eisengabel 
von  zwei  auswärts  gebogenen  Zinken 
zum  Wenden  und  Weiterschieben  der 
Ruten  unter  dem  Eise.  5.  Zofzhaicen, 
lit.  kabü^  zwei,  Holzbugel  mit  eisernen 
Endhaken.  Sie  werden  gebraucht,  um 
die  unter  dem  Eise  in  Verwirrung  ge- 
ratenen Garnflugel  wieder  in  Ordnung 
zu  bringen  und  die  Ruten  und  Leinen 
aus  dem  Wasser  zu  holen.  6.  Die 
Tankgabel,  lit.  mina^  minella,  Sie  ist 
von  Holz  und  hat  zwei  nach  auswärts 
gehende  in  Kugelform  endigende  Zin- 
ken. Beim  Aufziehen  des  Garnes  wird 
mit  ihr  die  untere  Simme  zusammen- 
gehalten, damit  die  gefangenen  Fische 
nicht  wieder  entweichen.  —  B.  Die 
Ausführung  der  Fischerei.  Das 
erste  Geschäft  der  Fischer  ist,  eine 
grol'ze  Wune  in  das  Eis  zu  hauen,  den 
sog.  Einlafz  oder  das  Einlafzloch,  durch 
welches  später  das  Garn  ins  Wasser 
gesenkt,  eingelassen  wird,  lit.  illata. 
Kechts  und  links  vom  Einlafzloche  wer- 


den hierauf  in  der  Entfemung  je  emer 
Flügellänge  des  Games  zwei  kleinere 
Wunen  in  das  Eis  geschlagen,  die  Orl^ 
wftlcen.  Zwischen  den  Ortsw4ken  und 
dem  Einlafzloche  werden  sodann  in 
entsprechenden  Entfernungen  kleinere 
Eislöcher  aufgehauen,  die  man  Zoll- 
IScher  nennt,  lit.  wakai.  Diese  Reihe 
von  Zoi'zlöchern  nennt  man  dieStreckun|i 
lit.  strahote^  die  abschliefzenden  Ort&- 
wäken  auch  Stredaingswftken,  lit  tUain 
kampas.  Ihnen  gegenüber  yrerden  eben- 
falls Wäken  ins  Eis  gehauen,  die  un- 
gefähr rechtwinkelig  den  Streckongs- 
wäken  gegenüber  liegen  und  Zukehnings- 
wftlcen,  lit.  iszwalkos  kampas,  heifzen, 
weil  die  arbeitenden  Parteien  sich  von 
hier  ab  einander  zukehren.  Die  Strek- 
kungs-  und  Zukehrungswäken  werden 
ebenfalls  durch  ausgehauene  Zo/zlöcher 
mit  einander  verbunden,  welche  die 
Wände  heifzen,  und  ist  durch  diese 
Löcher  die  Regierung  des  Gamzuges 
unter  dem  Eise  ermöglicht.  Am  Ende 
des  Zuges,  dem  Einlalzloche  gegenüber, 
wird  eine  zweite  groCze  Wune  in  das 
Eis  geschlagen,  die  Holung,  so  genannt, 
weil  durch  sie  das  Netz  aus  dem  Was- 
ser herausgeholt  wird;  im  kurischen 
Haffe  der  Auszug,  lit  iszwalka.  Die 
Eisstrecke  zwischen  der  Holung  und 
den  letzten  Ortswdken  ist  ebenfalls  durch 
Zofzlöcher  unterbrochen,  welche  die  Zu- 
kehrung  heii'zen.  Während  dieser  Vor- 
bereitungen ist  das  Garn  in  das  Eih^ 
lafzhch  gelassen,  und  jeder  Flügel  des- 
selben wird  unter  dem  £ise  in  ent- 
gegengesetzter Kichtung  durch  je  eine 
Rute^  an  der  eine  lange  mit  dem  Rt^ 
dem  Ende  des  Garnflugeis,  verbundene 
dünne  Leine  befestigt  ist,  vermittels 
der  Zo/zgabely  von  einem  Zofzloch  zum 
andern  bis  zu  den  ersten  Ortawdken  ge^ 
zofzt^  d.  i.  gezaust,  gezogen.     Hierauf 


WintergarD  —  Wippelsümge. 


473 


wird  auf  jedem  Flügel  die  RtUe  ver- 
mittels der  2joJzgabel  nach  dem  der 
zweiten  Ortswdke  zulaufenden  Zo/zloche 
gewendet,  and  während  in  dieser  Rich- 
tung die  Ruten  von  Zofzbch  zu  Zofz- 
loch  nach  den  zweiten  Ortswdken  ge- 
zolzt  werden,  wird  zugleich  auch  die 
dünne  Leine  erfaizt  und  so  lange  aus 
den  ersten  Ortswdken  herausgezogen, 
bis  das  Ref  folgt  Durch  Menschen- 
oder Pferdekrafi;  wird  sodann  das  Garn 
gestreckt,  so  dafz  dessen  Flügel  in  die 
ersten  Ortswdken  treten.  Bei  den  zwei- 
ten Ortawdken  wird  ebenso  verfahren 
wie  bei  den  ersten,  und  werden  dem- 
nächst die  beiden  RtUen,  die  Leine^ 
die  Refs  und  die  hieran  befestigten 
Gamflügel  nach  der  Holung  gebracht, 
wo  dieselben  alsdann  mittels  einer  an 
einem  Schlitten  befindlichen  Winde 
herausgezogen  werden,  wobei  mit  der 
Tankgabel^  lit.  mtna,  mineUa^  die  un- 
tere Simme  des  Games  zusammen- 
gehalten wird.  Eurisches  und  frisches 
Haff.  Vgl.  Beschreibung  und  Bild  in 
Benecke,  357 ff. 

Wintergarn,  n.,  Zuggam  zur  Fischerei 
während  des  Winters,  unter  dem  Eise; 
es  besteht  aus  zwei  Flügeln  und  einer 
Metritze.  Fisch. -Ord.  f.  d.  kur.  Haff 
§40;  f.  d.  fr.  Haff  §  20.  Es  heifzt 
nach  Hennig,  80  u.  302,  auch  Sfa'nt- 
gam,  weil  damit  im  Winter  Stinte  ge- 
fangen werden.  Das  Wintergam  des 
Putziger  Wieks  heilzt  kass.  jadro. 

Wintergerste,  /.,  s.  Stockgerste. 

Winterkraut,  Pflzn.,  Preilzelbeere,  Vac- 
cinium  Vitis  idaea  L.,  wohl  weil  es 
beim  Volke  dem  Sinngrün,  Vinca  minor 
L,y  gleich  erachtet  wird.  Paleschken. 
Treichel,  Yolksth.     Vgl.  Borowski. 

Winterlager,  n.y  -teich,  7n.,  s.  Kammer- 
teich. 

Wintermonat,  m.,  nicht  einer  der  drei 


Wintermonate,  sondern  der  Dezem- 
ber. 

winterrieseln,  sw.,  s.  giadelsen. 

Winterung,  /.  1.  Wintersaat,  das  im 
Herbst  gesäete  Getreide.  Winterung 
einstehe  (einsteibe)^  Sommerung  einklebe 
(einkleibe)y  die  Winterung  gedeiht  ein- 
gestaubt, d.  h.  trocken  eingesäet ;  der 
Sommerung  schadet  es  nichts,  wenn 
sie  naTz  eingesäet  ==  eingeklebt,  einge- 
kleibt  wird.  2.  s,  v.  a.  Kammerteich 
(s.  d.). 

WTpe,  /.  1.  Strohbündel  als  Sitz  im 
Wagen.  Ich  war  auf  meinem  Korb- 
wagen  und  Strohtoihpen  sitzend^  ganz 
stillschweigend  dahin  gefahren.  Sopb. 
R.  IV,  244.  Hier  ausdrücklich  noch 
als  „Wagensitz  von  Stroh"  bezeichnet; 
in  Pommern  nennt  man  auch  die  Fu^ 
sen  u.  Fauden  Wlpen.  S.  LSper.  Vgl. 
Dähn.,  549b.  2.  Hagebutte,  Frucht 
der  weichhaarigen  Rose,  Rosa  viUosa. 
Hagen,  521. 

Wippauf,  pltd.  Wippup,  WSppup,  9n.,  im 
Volksrätsel  der  Frosch,  der  Hüpfauf, 
Hüpfer.    Tierräts.  30. 

Wippchen,  pltd.  WSppke,  n.,  Dem.  von 
Wippe  ^  von  wippen  auf-  und  nieder- 
schweben machen,  Ausflucht,  Zote, 
dummes  Zeug.  Mach  mir  keine  Wipp- 
chen  vor^  denn  ich  bin  vom  Schneider- 
char.    Vgl.  WeigandH,  1123. 

Wippe,  /.,  das  wippende  Ende  (z.  B. 
eines  Baumstammes);  das  Auf-  und 
Abschwebende,  die  horizontale  Schau- 
kel; diese  auch  Wippwapp.  Auf  der 
Wippe  stehen^  unsicher  stehen,  dem  Falle 
(Bankerott)  nahe  sein. 

Wippelstange,  /.,  Stange,  die  wippt 
öck  sH  op  ena  Wöppelstang^  WoppeU 
stang  wull  breke.  Volksr.,  120,  507.  In 
Danzig:  Wippenstang;  inPommerellen: 
Wipfelstang  woM  brechen,  Volksr.,  158, 
669. 


474 


Wippenzagel  —  Wirt 


r  Wippenzagel,  m.,  s.  QuSksterL 

wipperig,  pltd.  wSpperig,  adj.  von  wip- 
pen^  wippen  mit  Zittern.  Wdpperig  sin- 
gen.    Vgl,  Sprw.  I,  1170. 

wippquSksterten,  sw.^  s.  wippsterten. 

wippsen,  sw.^  von  der  gröi'zte  Schnellig- 
keit ausdruckenden  Inteij.  tmpps.  1.  ent- 
wischen. Sehern ionek,  45.  2.  be- 
trügen, im  Handel  wie  beim  Karten- 
spiel.    Bock,  77.     Hennig,  302. 

Wippstange,  /.,  s.  yVippstock. 

Wippstert,  -sterz,  m.,  Bachstelze.  In 
Hessen  Wipatert.  Vilmar,  455.  Da- 
von: 

wippsterten,  wippquSicsterten,  sw.,  ruhe- 
los sein,  nach  Art  der  Bachstelzen. 
Mühling. 

Wippstock,  m.y  auch  Wippstange,  /., 

der  senkrechte  wippende  Stock  am 
Wocken,  der  mit  dem  Fulztritt  und 
dem  Rad  in  Verbindung  steht  und  letz- 
teres in  Bewegung  setzt.  Ich  werde 
dir  für  den  Wocken,  atich  für  den  Wipp- 
stock  geben,  dir,  was  du  verdient,  mit 
einemmale  auszahlen  (Schelte,  Prügel). 
Donh.    S.  Wippelstange. 

Wippwapp,  /.,  horizontale  Schaukel 
primitivster  Art,  aus  einem  Brett  be- 
stehend, das  über  einen  querliegenden 
Gegenstand  gelegt  wird.     Treichel. 

Wipp-,  Wippenzagel,  m.,  s.  QuSksteit 

wirbelsUchtig ,  adj,,  verrückt.  Pi- 
sanski,  Nachtr.  Nach  Adelung  IV, 
1573,  schwindelig. 

wirgeln,  wurgeln,  sw,  1.  hin-  und  her- 
drehend einen  Gegenstand  losmachen, 
herausziehen.  Den  Zahn  —  einen  Stein 
loswirgeln  —  auswirgeln.  Nach  Sper- 
ber, 45,  auswurgeln,  einen  Stoff,  z.  B. 
Butter,  ausarbeiten.  2.  wirgeln  beim 
Gange,  den  Hinterteil  des  Körpers  auf- 
föUig  hin-  und  herbewegen. 

wirken,  pltd.  warke(n),  sw.  u.  st,  we- 
ben.   Wenn  du  den  Faden  knüptest,  als 


sie  Leinwand  wirkte.  Soph.  R.  Y,  391. 
Der  Unterleib  toird  bedeckt  mit  zwei 
roth  und  um/z  strichweise  geworkenen 
Decken,  Pierson,  Matth.  Prator.,  112. 
Du  motst  spönne  on  warke,  On  wasche, 
on  brav  starke.  Volksl.,  3,  3,  4.  Im 
Oberlande  auch  wSfken. 

Wirkgestell,  Wirkstell,  Warkgesteli,  Waik- 
stell,  Werkgestell,  Werkstell,   Steilwark, 

Stell,  n.,  Gestell  zum  Wirken,  Web- 
stuhl; er  fehlt  keiner  ländlichen  BLaos- 
haltung.  Die  genaue  Beschreibung  des 
Wirkgestells  s.  W.  Mtsbl.  VII,  124  bis 
128:  Das  Wirkgestell  und  das  Wirken 
(vgl.  Abkürzungen). 

Wirrwarr,  m.,  unruhiger  Kopf,  kon- 
fuser Mensch,  „einer,  der  im  Reden 
alles  durch  einander  mengt^.  Bock, 
77. 

Wirrwasch,  m.,  wirres  Gewäsche, 
Klatscherei.  S.  Beleg  unter  Hitze- 
patsch. 

Wirt,  pltd.  WSrt,  m.  1.  Vorstand  einer 
Gastwirtschaft.  2.  Vorstand  einer  länd- 
lichen Besitzung,  Bauer.  In  alten  Zei- 
ten hiefzen  die  kleinen  Landbesitzer 
Bauern,  dann  kam  die  Bezeichnung 
y,Wirth^  auf;  aber  auch  diese  genügt 
heute  nicht  mehr  und  sie  nennen  sich 
Gutsbesitzer,  oder  doch  etwas  verschämt: 
Gutseigenihümei*,  , . ,  Wirth  ist  nur  der 
Ein-,  Zwei-  und  Mehrhüfener.  Pas- 
sarge, Balt.,  39  f.  Die  Wirtin  nennt 
man  Wirtsche,  pltd.  WSrtsche.  Vgl.  -sehe. 
3.  Zeche,  Bewirtungsbetrag.  In  dieser 
Bey  Morgensprache  (8.  Januar  1597) 
hat  sich  erklaget  Steffen  HUdebrandt^ 
dohmals  Gerthman,  wie  er  in  den  Rosen- 
winckell  mit  dem  Beuitel  vmbgangen, 
die  Wirthe  abzufordern^  habe  Friedrich 
t>on  Ellen  nebenst  dem  Wolf  frühen  mä 
ihme  hader  angefangen.  In  der  Mar- 
gensprache  am  18.  Februar  1604  ist  „««- 
heUiglich  geschlossen,   da/z  ein  Iglicher 


Wirtschaft  —  Wischwasch. 


475 


fuf  seinen  Winh  iczigei*  teurer  Zeit  vnd 
gelegenheit  nach  drey  groschen  gehen  soll, 
S.  Die  Zünfte,  30. 

Wirtschaft,  /.,  Hoch/.eit.  Es  soll  auch 
ein  yedcTy  der  nicht  zur  wirtschafft  ge- 
laden . . .,  sich  derselbigen  gentzlichen  ent- 
halten. Wirtschaft  thun^  Hochzeit  ge- 
ben.    Kleid.-Ordg.,  376. 

WTsbaum,  Wtobaum,  pltd.  WTsbOm,  Wte- 

bOnriy  m,  Baum,  durch  welchen  das 
aufgeladene  Heu  und  Getreide  in  gera- 
der Richtung  und  Ordnung  festgehalten 
wird.  Yon  wisen  weisen,  in  der  Be- 
deutung von  dirigerCy  conducere.  Das 
hchd.  Wiesbaum  erinnert  an  Wiese,  und 
erklärt  daher  Weigand  U,  1115:  Baum 
für  das  Heimbringen  des  Ertrages  der 
Wiesen.  Es  wird  aber  auch  Getreide 
und  Stroh  durch  den  Wtshaum  zusam- 
mengehalten. In  Bayern  heilzt  das 
Gängelband  Weisband,  Schmeller  IV, 
178. 

Wisch,  pltd.  Wusch,  m,  u.  n..  Dem. 
Wischchen,  1.  eine  Handvoll,  soviel, 
als  man  mit  einem  Griff  erwischen  kann. 
Ein  Wisch  Heu^  Stroh,  Den  Pferden 
ein  Wischchen  Heu  gehen,  Masurisches 
Sprw.:  Von  den  Erbsen  ein  Wisch  (in 
der  Scheune),  so  sitze  des  Abends,  nach 
der  Erbsenernte  beginnt  die  Abend- 
arbeit. Sprw.  II,  3055.  Er  hat  ihm 
ein  Wisch  Haare  ausgerissen,  2.  eine 
grölzere  Menge,  ohne  daiz  diese  sich 
gerade  durch  einen  einfachen  Griff  er- 
reichen läl'zt,  doch  ebenfalls  von  er- 
wischen. Er  hat  mit  seiner  Frau  einen 
ganzen  Wisch  Geld  mitbekommen,  — 
Allgemein:  Werkzeug  zum  Wischen, 
Abwischen:  Federwisch^  Wischtuch^ 
WischJcodder.  Ebenso  bekannt:  Wisch 
als  Bezeichnung  einer  schlechten^  un- 
bedeutenden Schrift.  Bock,  78.  Hen- 
nig, 302. 

Wiiche, /.,  Wiege.  Yon  wiichen.  Nach 


Bock,  78,  auch  Wischice.  Hennig, 
303.    Vgl.  ^chuichQ,  Haha. 

wiichen,  sw.^  einwiichen,  einschläfern. 
Schwed.  vyssja.  Aus  dem  einlullenden 
umch  wisch  der  Mutter  und  Einder- 
wärterinnen entstanden.  Mit  dem  Kinde 
herumunschen.    Vgl.  ichiiichen. 

wischen,  pltd.  wif8Che(n),  sw.  1.  ohr- 
feigen, prügeln.  Einem  eins  wischen^ 
ihm  kurzweg  eine  Ohrfeige  geben.  An 
ihm  wischt  sich  jeder  die  Händ^^  eine 
verlassene  Waise  wird  von  jedem  ge- 
mifzhandelt  2.  schnell  laufen;  unbe- 
urlaubt  einen  kurzen  Besuch  machen, 
entwischen.  Wenn  de  Deppke  e  Wieüce 
Tied  haddy  wascht  he  bi  sien  Mutschke. 
Boldt,  19.  Renn,  Keerl^  w^ch^  boJk 
on  lärm.    Dorr,  1.  Wiew.,  111. 

wiichig,  adj.,  kopflos,  verwirrt,  kon- 
fus, vergefzlich,  zerstreut.  Er  ist  ein 
recht  wikhiger  Mensch.  Klein  II,  234, 
hat  für  Danzig  noch  herumwiichen,  zer- 
streut leben.  Sperber,  43:  wizig. 
Auch  Substantiv.:  Wiichiicus. 

WischJcewaschJce,  n.,  allgemein  üblicher 
Wischiwaschi,  leeres  Geschwätz,  Ge- 
wäsche. Fbigs  drinK  öck  mi  an  Schnapske 
satt.  Stracks  geit  et  wischke  waschke, 
VolksL,  57,  38,  7.  Vgl.  Ktkeilcftlcel. 
Bock,  78.     Hennig,  303. 

Wischlcodder,  n.,  Wischlappen,  s.  Wisch. 

Wischlcoii,  m.,  Kragen,  loses  Kleid  ungs- 
stuck,  Jacke.  Einen  beim  WischkoU 
kriegeny  ihn  beim  Koller  (Kragen)  er- 
wischen, überhaupt:  ergreifen.  Marold 
erklärt:  dichter  Lockenkopf.  Einen  beim 
WischkoU  kriegen,   ihm    in    die  Haare 

fahren.  Vgl.  Krafzfil,  Krepscholl,  Schla- 
fittchen. 

Wischleine,  /.,  Leine  an  der  Zeise 
(s.  d.)  mit  Strohwischen  besetzt«  durch 
welche  die  Fische  vom  Meeresgrunde 
aufgescheucht  werden.    Vgl.  LOper. 

Wischwaschy  m.^  Ge  wasche,  Geschwätz. 


476 


Wifinack  —  WitiDg. 


Dies  alles^  dünkt  mich,  ist  Wischwasch. 
Sopfa.  R.  VI,  229.   Ygl.  Wischkewaschke. 

Wisnack,  m.,  Kirschmet,  Eirschwein, 
poln.  loisniak,  von  wim,  wisnia  die 
Kirsche.  Der  polnische  Kirschmeth,  oder 
Wisnacky  Übertrift  alle  fremde  Getränke 
an  lieblichem  Geschmack.  Bock,  Nat. 
I,  677.    Vgl.  KirschmeL 

wTsnäsig,  adj.,  s.  weibnasig. 

Wispe,  PflzD.,  Mistel,  Viscum  dOmm 
L.  Samland.  Gewifz  ist  da  ein  Schatz 
verborgen,  wo  ein  HaseUmsch  Wispen 
trägt  Keusch,  Sagen,  S.  66,  Nr.  56. 
Treichel,  Volksth.     Vgl.  Mestel. 

Wispel,  ?n.,  Getreideeinheit  von  24 
Scheffeln;  12  Scheffel  machen  1  Malter. 

Vgl.  Last 

wissen,  pltd.  w(te(n).  Wat  fner  nich 
wet,  dat  wet  en  andrer.  Wat  twee  wc- 
ten,  wet  de  Welt.  Elbinger  Ndrg.  Wer 
kann  alles  weijzen^  sagt  der  Maurer 
und  streicht  mit  Wasser.  Königsberg. 
Nicht  aus  (hinaus),  nicht  ein  (hinein) 
wissen.  So  richtiger  als  eimoissen  (s.  d.J. 
Sich  wissen.  Mag  er  sich  tvissen,  sich 
selbst  raten  und  helfen.  Sich  mit  je- 
Tnand  wissen,  in  vertraulichem,  nament- 
lich geschlechtlichem   Verkehr  stehen. 

Wissowatten,  Ortsn.,  Dorf  im  Kreise 
Lötzen.  Die  Bewohner  v^erden  zum 
Spott  mit  dem  Rufe:  Hltsch!  begruizt. 
Über  die  Entstehung  des  Spottnamens 
s.  Sprw.  I,  1611. 

Wist,  Wiste,  pltd.  Wtst,  f.,  Schnur- 
leib, Korsett,  lit.  wyste.  Bock,  80,  u. 
Hennig,  306:  Wüste.  Nsslm.  Forsch. 
2;  Th.,  222.     Sperber,  33. 

WTfzel,  /.,  poln.  Wisla,  lat.  Vistula, 
Weichsel;  bedeutet  poln.  hängendes 
Wasser,  von  dem  starken  Gefalle  in 
ihrem  obersten  Laufe.  Bei  Jeroschin 
Wtzel.  Vgl.  Pfeiffer,  284.  Titel  einer 
Sammlung  plattdeutscher  Gedichte  von 
Robert  Dorr:  ^Twöschen  Wiessei  on 


M 

Noacht^  (S.  Anmerkungen).  Anno  £^ 
as  de  Wissel  brennd!  wenn  jemand  alte 
Geschichten  erzahlt.     Westpr. 

Witfrau,  pltd.  Wrtfrd,  WedfrO,  /.,  Witwe. 

Wfting,  Weiting,  Wuting,  m.,  in  älterer 
Zeit  im  Lande,  besonders  in  Samland, 
ansässiger  Stammpreafze,  der  wegen 
seiner  Treue  gegen  den  Orden  gewisse 
Vorrechte  genofz;  seit  dem  14.  Jab- 
hundert  Ordensdiener  oder  Orden»- 
beamter  preufzischer  Nationalität  Die 
Witinge  erscheinen  als  Wirtachafter, 
Fahrleute,  Vorreiter,  Boten^  Handwer- 
ker (besonders  Schneider),  nehmen  na 
Eönigszügen,  Verteidigung  der  Greof- 
burgen  etc.  heirvorragenden  Anteil  uad 
bilden  im  Felde  abgesonderte  Heeres- 
teile mit  eigener  Fahne.  In  Ragnit  er 
scheint  sogar  ein  Wttingsherr^  der  im 
dortigen  Ordenshause  sein  eigenes  Ge- 
mach hatte:  „der  Wittinffsherm  Ge- 
mach**. Vgl.  Ausführlicheres  bei  Top- 
pen, Altpr.  Mtsschr.  IV,  141ff.  Neo- 
mann  in  den  Script,  rer.  IVuss.  II, 
p.  455,  deutet  wMng,  indem  er  auf  ht 
untöti  einem  Gaste  zutrinken,  ihn  will- 
kommen heifzen,  hinweist^  als  „will- 
kommenerGastfreund**;  Nsslm.  Forsch. 
2;  Th.,  197,  verwirft  diese  Etymologie 
und  weist  hin  auf  das  poln.  tooi/t  (li- 
tuanisiert  waitas)  Vogt,  Schulze,  Dorf- 
richter, und  auf  das  preufz.  wcnddi  re- 
den, waite  (vgl.  wayde^  Ansprache, 
russ.  wjeUjä,  uitn  Redner,  so  dafz  tcei- 
ting  (etwa  in  preufz.  Form  tcaitinih) 
derjenige  wäre,  der  für  die  Gemeinde 
oder  in  derselben  das  Wort  fuhrt,  der 
Sprecher  des  Volkes.  Über  die  IVtHngt 
in  ältester  Zeit,  in  der  sie  als  bevoi^ 
zugte  eingeborene  Edle  und  Gutsherren 
erscheinen,  vgl.  u.  a.  Voigt,  GescL 
Pr.  III,  420ff.  Gottschalk,  Preuli. 
Geschichte  I,  82.  Weitere  Quellen  fuhrt 
Toppen,  a.  a.  O.  an.    Bei  Jeroschin: 


Witing  —  Wixe. 


477 


von  der  vestm  sich  her  ab  machte  bru» 
dir  Conrdt  Swdb^  genant  von  den  Ei- 
binge ^  und  mit  im  vü  toitinge  69  d. 
Pfeiffer,  283. 

Witing,  m.y  Fischn.,  s.  WitUing. 

Witinne,  Wittinne,  /.,  flaches  robgebau- 
tes Flai'zfabrzeug  bis  170  Fufz  lang, 
5— 6Fufz  hoch  und  von  einer  Ober- 
breite  von  25  Fuiz.  Memelflufz.  Wilia. 
Pregel.  Weichsel,  wo  jedoch  über- 
wiegend die  unter  Gefä/z  aufgeführten 
Namen  fOr  derartige  Kähne  im  Schwange 
sind.  Witinnen  werden  nicht  zur  Hei- 
mat zurückgeführt,  sondern  vom  Be- 
sitzer als  altes  Holz  verkauft,  während 
die  Witinniker  die  Heimreise  (früher 
vollständig  zu  Fu/z)  antreten.  Lit.  tci- 
1^ne\  poln.  wicina.  In  den  FlOssen 
au/zerhalb  des  Landes  haben  sie  die 
Wittinnen^  eine  uralte  Art  von  preu/zi- 
schenSchifen.  Pierson,  Matth. Prätor., 
118.  Vgl.  Nsslm.  Forsch.  2;  TL,  209. 
Altpr.M.IV,324.  Hirsch,  163.  Bock, 
Nat.  I,  585  f.  Bock,  78.  Hennig, 
303. 

Witinniicer,  m.y  Schiffer,  Knecht,  Füh- 
rer  einer  Witinne.  Vgl.  ^chimlce  und 
FITs.  Lit  witiinininkas^  abgek.  tciünin^ 
kas.  Vgl.  Nsslm.  Th.,  209.  Hennig, 
304. 

Wi^OI,  (?),  Milchsuppe.  Natangen. 
Hennig,  304,  hält  das  Wort  für  eine 
Zusammensetzung  aus  uitt  weifz  und 
Jol  Suppe. 

Witmann,  m.,  Witwer.    S.  Witfrau. 

witscheln,  sw.  1.  wedeb.  Der  Hund 
toitschelt  mit  dem  Zagel.  2.  vor  einem 
andern  hergehen,  herzageln.  Kinder^ 
witscheü  mir  nicht  immer  vor  den  Fiifzen. 
Saalfeld.  In  dieser  Bedeutung  gern  in 
Verbindung  mit  watscheln.  Das  Volks- 
rätsel nennt  die  Gans  Witschelwatschel. 
S.  Tierräts.  79. 

Witscheriing,  m.,  Pflzn.,  s.  Wedendunlc 


Witt,  Witte,  /.,  s.  VitL 

Witte,  Voc.  305,  hchd.  Ausdruck  für 
das  altpr.  greanste  (greauste)  Strick  von 
zusammengedrehten  Reisern.  Nsslm« 
Thes.,  52. 

Witteitag,  tti.,  die  kleine  Kaiende, 
welche  im  Werder  Geistliche  und  Schul- 
lehrer erhalten.  j^Sie  (die  kathol.  Kir- 
chen) bekommen  auch  bis  dato  noch  von 
den  Einwohnern  (der  Werder)  ihren 
gewissen  Decem,  Cedendo  und  Witteitag^ 
wie  auch  alle  Accidentien  gleich  den 
Lutherischen  Predigern  etc.  Hartwich, 
59.  Auf  Ostern  zum  Witteitag  dem 
Pfarr-Herm  15  Eyer  und  ein  Haufz- 
backen  Brodt^  dem  SchuUMeister  8  Eyer 
und  ein  Brodt.  Aus  einem  Instrument 
V.  J.  1677.  Ibid.,  93.  Das  Wort  ist 
wohl  aus  Vitcdis-Tng^  Tag  des  heil.  Vi- 
talis  (28.  April)  entstanden,  an  welchem 
Tage  ursprünglich  die  Osterkalende  ab- 
geliefert sein  wird.  Ebenso  in  Pom- 
mern. Nach  Dähn.,  554b,  soll  der 
Tag  von  dem  Dominica  in  albis  so  ge- 
nannt werden. 

Wittewald,  m.,  Pirol,  s.  Bierhol. 

WitUnne,  /.,  s.  Witinne. 

Wittice,  97».,  Fischn.,  s.  WitUing. 

WitUing,  Weifzling,  m.,  der  Merlan, 
Oadus  Merlangus ;  auf  Heia  Witing.  B  e  - 
necke,  88,  schreibt  Withing.  Bock, 
Nat.  IV,  550.  Ebd.  S.  687:  WitUing  u. 
Wittke  Name  für  ein  kleines  Fischchen, 
„das  sich  in  den  Earpenteichen  von 
selbst  finden  soll*'.  Mühling,  Tiem., 
179:   Weifzling,  WitUng. 

Witz,  m.  Es  ist  heute  gro/zer  Witz^ 
groize  Gesellschaft,  Versammlung. 
Schmitt,  Westpr.,  168,  leitet  dies 
Witz  von  dem  poln.  wiec  Gerichtsver- 
sammlung her;  nach  Mrongov.  I,  571, 
ist  udeCy  Adelsgericht,  jedoch  eine  Anti- 
quität und  jetzt  unbekannt. 

Wixe,  /.,  wixen,  sw.^  s.  Wichse  etc. 


478 


wo  —  wohnen. 


WO.  1.  relatives  Pronomen.  DieFrau^ 
wo  da  geht  Das  Geld^  wo  sie  heute 
eingenommen  hat^  ve>iubelt  sie  auch. 
Schwogersch  Jülke  er  Mann^  vyo  op  de 
Sptkersch  to  done  heft  Kgsbg.  Fir- 
menich I^  101b.  Eigentumlich  ist  das 
Auftreten  der  Genitiv-,  Dativ-  und 
Akkusativform:  wos^  wdm  (der  Dativ 
¥mrd  oft,  wie  auch  in  dem  folgenden 
zweiten  Beispiel,  mit  dem  Akkus,  ver- 
wechselt), was  der  Deklination  des  engl. 
Pron.  relat.:  who^  whose^  whom  ent- 
spricht. Se  seggt^  dat  wer  de  Bohmsche 
fdie  Frau  Böhm),  w6s  Emmre  (deren 
Eimer)  ick  suU  genome  hebte.  Da  ver- 
teüde  se  ok  von  dem  Mann^  wom  (dem 
«=  den)  se  hadde  hinderm  Tun  gefunde. 
Gegend  von  Schippenbeil.  2.  Adverb: 
wie.  Wo  helewt^  wie  beliebt?  etwa, 
vielleicht.  BA:k  sehd  de  Nahbers  an, 
of  hier  wohr  Kesting  weerf  Carm,  nupt 
IV,  324b. 

Woche,  /.  Die  stille  Woche,  Karwoche. 
Die  Namen  der  Tage  dieser  Woche  s. 
unter  Blaumontag.  Vgl.  Korrespbl.  II, 
26.  66.  92.  In  die  Wochen  kommen; 
in  den  Wochen  liegen,  von  der  Entbin- 
dung der  Wöchnerin.  Sie  ist  in  die 
unrechten  Wochen  gekormnen,  hat  ab- 
ortiert. 

Wochenttfipel,  m.,  Ekelname  und 
Schimpfwort.  Stein,  Peregrinus  XIJ, 
82.    W.  Mtsbl.  V,  191. 

WOchner,  m,,  der  Geistliche,  welcher 
für  die  Amtshandlungen  die  Woche  hat. 
Er  ist  jetzt  Wöchner.  Veraltet.  Hen- 
nig, 304. 

Wocken,  m.,  Spinnrocken,  Rocken. 
In  Hamburg  Wu^ken,  in  Brem.  Wocke, 
im  Götting.  wocken,  in  Hessen  Wocke 
und  Wocken.  Vgl.  das  slav.  vyracac, 
torodc  drehen,  wickeln.  Brem.  Wb.  V, 
284.  Schamb.,  303a.  Vilmar,  457. 
Bock,  78.     Hennig,  304.    Vgl.  Kor- 


respbl I,  77 ;  IT,  77.  S.  auch  Frisck- 
bier.  Der  Wocken  und  das  Spinno. 
W.  Mtsbl.  Vn,  205—207.  Fru  woii 
Wocke,  Make  mot  dusend  Locke.  Volbr.^ 
136,  570.  Mädchen,  bist  du  dritmeiif 
Komm'  mit  deinem  Wocken  'raus,  WH 
dir  helfen  spinnen,     Volksr.,  235,  826. 

Wockenbrief,  pltd.  WockebrSfy  m.,  das 
steife  Papier,  mit  welchem  der  zu  Ter- 
spinnende  Flachs,  die  Flachgpupfi, 
Wickelpuppe,  umbunden  wird.  Vgl 
Viol^t,  105. 

Wodke,  /.,  s.  Wotke. 

Wogram,  Ortsn.,  Dorf  bei  Alt-Pillao. 
Altpr.  wogrym,  wogrim  (jJcogrin),  «»• 
gerann,  ein  Wald  auf  der  Nehrung. 
Nsslm.  Thes.,  210.  AU-PiOau  wi 
Wogram  bilden  topographisch  nur  aRA 
einzigen  Ort  an  der  Spitze  der  Haf- 
bucht,  welche  die  beiden  Halbinseln,  dar- 
auf Pillau  und  Kamstigcdl  liegen,  ton 
einander  scheidet.  Passarge,  Balt,  57. 
Tritt  auch  als  Personenname  in  der 
Provinz  auf. 

wohl,  adv.  Er  wird  wohi  (mit  der  Zeit) 
kommen  Er  kann  wohl  (noch)  warten. 
Was  werden  wohl  (doch)  die  Leute  sa- 
gen. Hat  man  wohl  (jemals)  dergleichen 
gehörtf    Bock,  78. 

wohlschlafend,  adj.,  wohl  zu  schlafioL 
Ich  wünsche  ihnen  eine   wohlschlafendi 

Nacht.    Vgl.  nachtschlafend. 

Wohltage,  plur..  Tage,  an  denen  es 
uns  wohl  geht,  Freudentage;  Wohlbe- 
hagen, Lust,  Freude.  Als  mir  voUendi 
Herr  Gros  mein  Würmlein  JoJeob  schickt/t, 
da  wufzte  ich  gar  nickt,  tocts  ich  fir 
(vor)  Wohldage  beginnen  sollte.  Soph. 
R.  VI,  532.  He  kann  de  Wolldag"  nidi 
verdrage.  Elbinger  Ndrg.  Vgl.  Weil- 
tage. 

wohnen,  sw.  1.  verheiratet  sein.  Wir 
wohnen  schon  sieben  Jahr^  sind  schon 
sieben  Jahre  verheiratet.     2.  sich  an- 


Woilak  —  Wolm. 


479 


ierwegs  lange  aufhalten«  Die  bleibt  gleich 
wohnen^  sagt  man,  wenn  ein  Dienst- 
mädchen, das  fortgeschickt  wird,  lange 
aasbleibt.     Hennig,  304. 

Woilak,  m.,  wollenes  Laken,  Woll- 
decke. Das  poln.  woyhk  Filzdecke  an- 
ter dem  Sattel. 

Woifehe,  /:,  s.  Wuiche. 

Wola,  Wolka,  /.,  nach  Sperber,  40, 
Amtsfreiheit,  freies  Bauerngut;  nach 
Mrongo y.  I^  580,  uola  Ansiedelang, 
Kolonie,  wolka  freies  Eolonistendörfchen. 
WoUa  u.  Wolka  heifzen  mehrere  Dör- 
fer, Vorwerke  und  Güter  in  den  Re- 
gierungsbezirken Königsberg  und  Gum- 
binnen. 

Wolf,  m,  1.  ein  vom  brennenden  Licht- 
dochte sich  lösendes,  glühend  glänzen- 
des Fädchen.  Wannenhero  das  Licht 
einen  wolff  überkommen  kann.  Linem., 
Uu4b.  2.  ein  Wurzelschöfzling  oder 
Wildling  an  einem  Baumstämme,  den 
man  entfernt,  damit  er  der  Krone  die 
Kraft  nicht  entziehe.  3.  eine  Haut- 
entzündung, die  in  der  Kerbe  durch  Rei- 
bung vom  Reiten  oder  Gehen  entsteht. 
Ich  habe  mir  einen  Wolf  geritten.  Bock, 
78 f.  Hennig, 304.  4.m. Vom, Wolf- 
gang. Hartwich,  54.  5.  Fischn.,  s. 
StachlinskL    6.  Pflzn ,  s.  Nätsck 

Wolfen,  9w.^  von  Wolf^  hastig  fressen. 
Marold. 

wOlfen,  abwOlf en,  sw. ,  die  Wolfe  (2) 
abbrechen, entfernen.  Mühling  schreibt 

abwVIften. 

Wolferlei,  Wolffelein,  Pflzn.,  s.  SUcb- 
krauL 

Woifebohne,  /.,  grofze  Fetthenne,  Se- 
dum  telephium  L.,  auch  Bmchwurzel. 
Ostpr.  Fritz el,  37L  Hagen,  478. 
Die  Wolfsbohne  sucht  man,  wenn  in  der 
Johannisnacht  der  erste  Hahn  kräht 
und  steckt  sie  anderen  Tages  unter  den 
Balken  der  Stubendecke.     Wächst  sie 


aus  und  bleibt  bis  zum  zwölften  Tage 
frisch,  so  heiratet  die  betreffende  Per- 
son noch  in  demselben  Jahre,  ver- 
trocknet sie  aber,  so  ist  der  Tod  der 
Person  gewifz.  VolkskaL,  114.  Nach 
der  ihr  zugeschriebenen  Kraft,  Leben 
und  Tod  zu  verkünden,  heüzt  die  Wolfs- 
bohne  auch  Lebemhraut  (s.  d.). 

Wolfsdorf,  Chr.y  Ortsn.,  Dorf  im  Kreise 
Rastenburg,  führt  den  Namen  nach  sei- 
nem Erbauer  Konrad  von  Wolphes- 
dorff  (1361),  Komtur  des  Hauses  Leu- 
nenburg  bei  Schippenbeil.  Die  Aus- 
sprache der  Einwohner  von  Gr.  Wolfs- 
dorf verspottend,  ruft  man  ihnen  nach: 
Ringerer  Ddhä(r)  8td(i)t  e  JP(t)tulel  mot 
Täiä(r\  haol  se  hää{r)y  wt  wöUe  de 
Waoge  schmd({)rey  wi  wäre  noa 
Baor(i)te  on  e  Jaohrmarkt  faohre.  Hinter 
der  Thür  steht  eine  Pandel  mit  Teer, 
hol'  sie  her,  wir  wollen  den  Wagen 
schmieren,  wir  werden  nach  Barten  in 
den  (zum)  Jahrmarkt  fahren.  (Die 
eingeklammerten  Buchstabea  tönen  nur 
ganz  kurz  an).     Dönh. 

WOIger,  Voc.  396,  hchd.  Ausdruck  f&r 
das  altpr.  noploz;  nach  Nsslm.  Thes., 
114,  wahrscheinlich  RollfaPz,  Falz,  das 
gerollt  wird.  Wolger  wäre  sodann  ver- 
wandt mit  wSHem,  wälzen,  rollen,  wo- 
für auch  wälgem  vorhanden. 

Wolkenschieber,  m.  1.  ein  hoher  run- 
der Hut,  Cylinder.  2.  Spottname  für 
die  Musketiere.  Das  Tolk  nennt  sie 
Wolkeschütoersch. 

Wolkenwender,  tti.,  ähnlich  wie  WoUcen' 
Schieber  1,  doch  wird  vorsagsweise  da- 
mit ein  kleiner,  niedriger  Damenstroh- 
hut bezeichnet. 

Wolkog,  m.    Nach  Simon  Grünau, 

Tract  X,  cap.  HI,  ein  Fisch  in  Preufzen. 

.  Wolm,  m.   1.  Geländer,  Lehne.    Trep' 

penwolmy  Brückenwolmy  Wolm  an  den 

sog.  Bollwerken.   Bock,  79.    Hennig, 


4B0 


Wöla  —  Wndc 


305.  Wer  daz  Wauer  tna  den  TrSgem 
auf  die  SieMrieien  .  .  .  gieaet^  mmd 
nickt  über  den  WoUm  in  den  Pregel^ 
9oa  KK  Saik  ö  ML  abzugeben  sdbf2- 
dig  $ejfn.  Bolle  d.  Kgsbg.  Gildef.  tod 
1662.  Bock,  Nat  V,  561.  2.  Barriere 
an  den  Dorfkrögen,  woran  die  Pferde 
angebunden  werden.  Ock  bunt  (band) 
den  Ringgt  doar  faU  am  Wcifn.  Dorr, 
22.  3.  Yortreppe  mit  Geländer,  in  Dan- 
zig  Beischlag  (s.  d.).  Die  kndpböfisclie 
Langgasse  in  Königsberg  hatte  früher 
TOT  allen  Hansem  Wolme.  In  derSprache 
der  Banlente  heiizt  der  horizontale  Ober- 
balken eines  Gelanders  Holm.  Nsslm. 
ForscL  3:  TL,  222. 

WM«,  m.  Vom.,  s.  WiHaiL 

WotaiMcter,  m.,  in  Elbing  die  Ecken- 
steher, weil  sie  meist  aof  den  Brücken 
an  die  Wolme  gelehnt  stehen.  Sche- 
mionek,  45. 

WMprecM,  WMprecM,  w.  Vom.,  Wal- 
pnrgis;  Kalendertag  der  1.  Mai. 

wMem,  9ip,j  wälzen,  rollen.  Er  wöl- 
tert  nch  im  CrrasCj  im  Bette^  im  Schnee^ 
wälzt  sich  darin  omher.  Hei  fcoUert 
Mock  wi  Forschte  Su  dm  Lager,  Sprw. 
I,  2437.  Ebenso  in  Hamburg,  im  Brem. 
Wb.  V,  173,  tcdUem,  weitem^  tcoUem^ 
bei  Schamb.,  293b,  tceltem^  bei  Yil- 
mar,  446,  welgenty  holL  u.  ylamL  wen- 
telen^  eogL  to  tcelter,  schwed.  vdUra. 
Hennig,  296,  schreibt  nAHem,  Müh- 
ling  vAlgem. 

Wolv,  Pflzn.,  8.  StichkraiiL 

WMz,  m.,  s.  Web. 

WAfie,  /.,  9.  WOne. 

Wonzen,  p/ur.,  wonzig,  adf.,  s.  Wim- 
zen  etc. 

Woralzker,  m^  zur  Bezeichnung  einer 
schlechten  Biersorte.  Stein,  Peregri- 
nus  UI,  3.    Vgl  Bier. 

Worbel,  m.,  s.  Schrotwurm. 

wBrken,  nr.,  s.  wirkea 


Wim«,  Qrtso.,  StJMh  im  KreiR 
Braonsberg.  Die  Bewohner  heiizenqMttr 
weise:  Fleckdrescher.     Sprw.  I,  90Q. 

WeKzbrte,  /.  ...(das  Kmd)  haim 
dasdbet  unter  eine  War/zbaie  gestodim 
und  todtkungem  laasem.  KonitzerHexca- 
prozelz  T.  J.  1623.  Pr.  ProT.-BLII, 
116.  Das.  firagUch  als  GefiUz  mn 
Waschen  bezeichnet. 

WM,  m.,  Wort  Da»  igt  daek  en  Wart, 
das  ist  doch  eine  bestimnite,  eine  bin- 
dende EiUinmg!  Hennig,  306^  hat: 
Der  Prediger  predigt  ein  gckSnes  Wort, 
er  ist  ein  gnter  Redner. 

WOrihaken,  sar.,  far  wahr  halten,  zu- 
geben. Und  dafz  keiner  dergdben  (der 
Prediger)  es  vearthaben  artZI,  dag  Ver- 
derben sei  gOy  dafz  ihm  fttm  haid  ab- 
geholfen werden  mujz.  Soph.  R  IlL 
68.  Sie  mOte  dag  niM  wcrAaben,  dgfz 
gie  unrecht  gethan  hatte.    Ibid.  I Y,  349. 

Worusdikefi,  p&fr.,  eine  Blätterpilzart, 
in  B  ock ,  Natlll,622,  Agaricug  Georgü; 
aach,  seines  brennenden  Geschmackes 
wegen,  Beifzering. 

Wtsp,  /,  PflzD.,  8.  Nestel. 

WSspel,  /.,  Wespe.  Bie  on  Wotpd 
sölfn  nich  sehwarm' n,     Dorf,  57. 

Wotke,  Wodke,/ ,  Betschwester,  Schein- 
heilige. Von  dem  ^eichbed.  poln.  it- 
wotka.  Wieder  nach  einiger  Zeit  werdm 
noch  einige  Wodken  (so  nennen  wir  im 
Ermlande  die  Betschwestern^  begnadet 
Kgsbg.  Härtung.  Ztg.  1878.  No.  6.  Bei- 
lage. 

wotschen,  su?.,  nachlässig  nnd  schlep- 
pend gehen,  so  dafz  die  FaTsbekleidaiig 
ruiniert  wird.  Davon:  Wotscber,  pbr., 
aasgetretene  Schuhe  oder  Strümpfe. 
Marold.    YgL  Wiilsclim  u.  Wufebe. 

Wrack,  n.,  Aosschoiz  einer  Ware, 
fehlerhafte,  nntangliahe  Ware.  Grewöhn- 
lich  Brack  (s.  d.).     Hennig,  305. 


wrfiken  —  wuchten. 


481 


wrftkeny  sw.^  s.  v.  a.  brdken  (s.  d.); 
davon  Wrftker.  Asche,  Holz,  wurden 
gewrdkt  In  Danzig  hatte  der  Verkäufer 
Holz  auf  der  Wraker-  Wiese  zur  Prüfung 
vorzulegen  und  sodann  y^geringet  vnd 
gewraket^  dem  Käufer  zu  überliefern, 
Ordenszeit.     Hirsch,  178. 

Wrang,  /.,  Wrangel,  m.,  s.  wringen. 

Wrangen,  plur.^  Schiffsräume  zwischen 
den  Bodenhölzern.     Hirsch,  265. 

wrangen,  sw.^  sich^  nach  Treichel 
s.  V.  a.  rangen  (s.  d.). 

Wratt,  /.,  Warze.  Heft  de  gnadge 
Hen*  nich  'ne  Wratt  äwerm  Og?  Dorr, 
1.  Wiew.,  28.  29. 

wrebbeln,  sw.y  wedeln.  Die  Hunde 
tcrebbeln  mit  dem  Zagel.    Vgl.  Preblau. 

S.  wribbeln. 

wrSken,  sw.^  schwanken.  Mot  dem 
Stöl  wreken.  He  heft  sik  den  FSt  ver- 
vyrekt,  den  Fufz  vertreten,  durch  Fehl- 
tritt ist  der  Gelenkknochen  aus  der 
richtigen  Lage  gewichen.  Elbinger 
Ndrg.  Treichel  hat  hierfür  wricken, 
umwricken:  er  wrickte  mit  dem  Fu/ze 
um  und  konnte  lange  nicht  auftreten 
und  gehen.  Im  Brem.  Wb.  V,  298,  und 
VI,  422:  vyricken^  wrickeln  hin  und 
her  drehen  oder  bewegen.  Festes  durch 
Wackeln  los  machen;  unser  ujiggeln  u. 
waggeln. 

wribbeln,  »w.  1.  mit  den  Fingern  an 
einem  Dinge  zerrend  drehen.  Ich  .  .  . 
toribbelte  unterdessen  so  lange  an  meinem 
Hutknopf  so  in  Gedanken^  da/z  er  ab-- 
sprang,  Soph.  ß.  I,  639.  2.  nach 
Treichel:  vielfach  hin  und  her  bewe- 
gen, namentlich  Hände  und  Füfze;  ein 
kleines  Kind,  das  stark  mit  den  Beinen 
arbeitet,  hei/'zt  Wribbelmajor.  Vgl.  wreb- 
beln. 

Wrimmel,  Wrummel,  m,^  zusammen- 
geballtes Papier.    Treichel.   In  Meck- 

Friachbier,  Wörterbuch  II. 


lenburg-VorpouL  WriMnioel  kleines  zu- 
sammengedrücktes Stück.    Mi,  109  b. 

wringen,  8t,  ringen,  ausringen,  dre- 
hen. Das  Schlofz  an  der  grofzen  Stw- 
benthüre  hätte  er  abgewrungen,  Ko- 
nitzer  Hexenproz.  v.  Jahre  1623.  Pr. 
Prov.-BL  II,  120.  Die  Wäsche  wringen, 
Alts,  toringan  =  eaprimere^  engl,  to 
wring^  holl.  uringen.  Schamb.,  306a. 
Die  Kurbel  einer  Winde  heil'zt  Wrang, 
/.    (Dönh.),  in  Kgsbg.  Wrangel,  m. 

WrOse,  /.,  nach  Treichel  auch  FrAse, 
ein  Stück  ausgeschnittene  Grasnarbe, 
Rasenstück.  Der  kommt  auch  bald  un- 
ter die  Wrosen^  ins  Grab,  das  mit  Ra- 
sen überdeckt  wird.  .  .  .  (das  Geld) 
vergraben^  und  Strauch  und  Gras  erst- 
lich y  darnach  auch  eine  Wrose  darauf 
geleget,  Eonitzer  Hexenproz.  v.  J.  1623. 
Fr.  Prov.-Bl.  II,  128. 

Wrosen,  (?),  Heideland,  von  dem 
gleichbed.  poln«  wrzosy.  Schmitt, 
Westpr.,  168. 

Wrucke,  Wrflke,  /.,  Kohlrübe,  s.  Brflke. 
Der  Vollständigkeit  wegen  sei  ange- 
führt, daf'z  Wruke  nach  Leunis,  667, 
von  enica  abzuleiten  ist:  eruca  ent- 
weder von  erugerCy  dem  Stamm worte 
von  eructare  aufstofzen,  rülpsen,  oder 
von  eniere  aufwühlen,  oder  erodere  zer- 
fressen.    Ibid.,  S.  670. 

Wucherblume,  /.,  eigentlich  Chrysan- 
themum segetum  L.,  neuerdings  der  sie 
verdrängende  Frühlings- Baldgreis  Se- 
necio  vemalis  W.  K,  Das  Volk  nennt 
diese  Pflanze  Wankerblume,  weil  sie 
wuchernd  von  einem  Orte  zum  andern 
wankt  =  wandert,  durch  ihren  leicht  an- 
haftenden Samen.  Treichel,  Volks- 
thümliches  HI. 

Wucht,  /.,  s.  Wicht 

wuchten,  sw,    1.  mit  Kraft  wiegend 

niederdrücken,  durch  Wucht,  d.  i.  Ge- 

31 


482 


wuchtig  —  Wuppdich. 


wicht)  etwas  auf-  nnd  abschoelleD.  Ver- 
wegene Jangen  uruchten  auf  dem  jun- 
gen Elise,  daäs  so  lange  es  sich  elastisch 
auf-  und  abbewegt^  Woditeis  genannt 
wird.  2.  eine  schwere  Last  heben, 
mittels  eines  Hebels  machen,  dalz  die 
Last  das  C' berge  wicht  bekommt  und 
übt^rschlagend  sich  selbst  aus  der  Stelle 
bringt.      Gnyz^    Steine   tterden    b»^ 

WUChtil«  adj,.  böse,  gereizt,  grob. 
Wie  kamn  Man  pteicA  so  KucAtiff  tein! 
Friedland  Ostpr.  Gewöhnlich  fichG| 
(s.  d.). 

«Mit  M*^  wiederholt  die  Liteij.  mn 
aasstoizen^  klagen,  wehklagen,  jammern« 
lamentieren.  Er  tcmt  «i^n  ihtMzem  Tmj. 
SW  irw^  »M  ikren  Mamm.  ZV  ^maifpe 
Kram  $cmt  tceü  de  MufmueitcdteA  miek 
treitj  ¥r9rd.  Se  nUUn  dem  Kymik  zek^f 
cor  de  Fi»^  9cuäen  im  ij^ymsehem  so 
tami  ^\  Schale).  S^  7.  Selbs>t  klagende 
Tiertauce  nie&n;  maai  ^cuienz  de  KtMtz 
cw»:.    Sv'hwed.  rtvu  av,  en;ri.  *ctv.    YgL 


cw.«  raaben,  stehlen  wie   ein 

w.  ^  onx «  Sw  Vra^prccM. 
■ndt  .    ir^cJsch.  v-erssärk-jnc: 
^  Actmcc  icftjtder  trie  riet   :ewvmnei%  zu 

Mj»  *tT/i  ^ftrriL     Mir  ■:  1 1 

VmhrtoriL  «vtiztftk  v»iiäarT:£er  Wet- 
lecr,    T'-vic-»/»*   .vmtfViftcu!n  L.    Ha^*?ii, 

WMivshaftiii.   ^dc. .   Tifpsacas weisse« 
5tir  Prvoe.     Xasiaipfn. 

■fett.  ^,  ein  in  via£>  Elis  ier  Seen. 
Tetcäe  :md  Flus^  ^oiULeaH^  Loccl 
Wa^^s^uch«.  Lt>ca  sam  F^.2H.'anu2if.  Lufb- 
hich  är  oie  F^'oe.  Zar  W;ir^im^  im- 
jatik  aBBi  4fr  ^wOhmii:!!  mit  iea 
^irimftffin  'ind  •firicncec 
&  Turnfliw***   F'*st.    H-eai:.;. 


305,  hat  in  erster  Stelle  Wtae.  Ob 
zur  Erklärung  des  Wortes  herbeizu- 
ziehen lit  wandi,  dän.  vand^  lat.  wnia 
Wasser?    Vgl.  Wftke  u.  BBbihe. 

wttnen,  sir.,  Wunen  ins  Eis  hauen, 
das  Eis  anfwinen. 

Wunk,  m.«  scherzhafte  Umbildong  von 
Wink.  Einem  einen  Wunk  mut  dem 
ZaumspfaU  geben.  DaTonmnkn«  win- 
ken. Er  hat  mir  gewunken.  Er  kai 
war  eins  gettunien  (s.   tcinien  2). 

Wnzen.  Wmizm,  pher.^  Schnurrbart, 
Barthaare  bei  Tieren,  z.  B.  bei  der  Kaue. 
Hei  gr-y  nd  sine  rode  Wonse  undn 
Crurkendt.  Königsbg.  Firmenich  L 
103a.  Altpr.  wtnuo  der  erste  Bart 
poln.  rifs.  lit.  nun,  ktt.  uJkia  Schnurr- 
bart. Im  Flasower  ELreise  FbbHL 
Xsslm.  Forsch.  2z  Th^  210  (1»). 
Schmiit,  109:  Westpr..  168.  Heu- 
nig.  306.  In  Poeen:  Wume  n.  IFoaae, 
r\     Bernd.  3m. 

wmB§,wmB§,adf.Ton  Wumse.  WtmzL 
bArd;sr.  iLunendich  mit  st^arkem.  Schnurr- 
b«rte. 

«ippL  imien.  o.  stark,  m.  Als  Intei}. 
c«^n  Srhall  nah'hahiBtfnd,  der  i?nrsteki. 
wenn  mdn  mii:  einer  Geite  kurz  xnA 
kraäi:^:  viurck  iiis  Loa  «ohlaiet.  Wi^f, 
I^£  la.'z  yr.  if*r  Hieb.  Al<  Sabist-  ein 
kiTzer.  -schneller  Schlag.  Scoijt.  KoA. 
/Vö  vrttr  -fl»  TwiÄ-v/w  W^KPty.  Ut  bt- 
>?rTeitioa  erhdlr  3«:H:h  die  Endon^  -# 
:m<i  ^ricr  iann  in  ier  B^edeotonz  Toa 
^vroneiL  ^eschwimie.  kardt?  etc.  in  a^ 
jekäT-em  Sinne  aof.  wobei  all^diucs 
i:k>  S:äii«lendtf  ier  Bew^e^un^  bleibe 
Gebec:    WjäM  't'JCL  jwö«^  LttitL  Bok  a/. 

Zar  V  ir^iGarkum?  3£?ck: 


T»»»il    -fF    3UC   ^iineni    W»»»    iwnnka 


wri.     Einen 


würachen  —  Wurst. 


483 


Schnaps  trinkeii.  Etwas  mit  einem 
WuppHch  herausreijzen^  mit  scharfem 
Ruck.  In  einem  Wuppdich^  in  einem 
Nu,  im  Moment.  Sprw.  I,  1532.  Sper- 
ber, 33,  der  erläutert:  eigentlich  toiptp' 
dich  ==  dreh'  dich  um.  Vgl.  Weigand 
II,  1144. 

wQrachen,  9w.  1.  angestrengt  arbeiten; 
nach  Marold  mit  dem  Nebenbegriffe 
des  Nichtfertigwerdens.  Ich  habe  den 
ganzen  Tag  gewuracht  2.  mit  dem 
Pfluge  tief  in  die  Erde  greifen,  also 
auch  wieder  mit  Anstrengung  arbeiten ; 
eine  Vertiefung  oder  Öffnung  auswei- 
ten. In  Westpr.  und  Pommern^  nach 
Marold,  davon:  Wurach,  m.  Über- 
tragen: 3.  gierig  essen,  tief  in  die 
Schüssel  fahren.  Sperber,  43:  tcur- 
rächen  würgen;  'runterwurrachen  hinab-, 
hinunter  würgen.  Treichel  hat  noch 
veruraksen,  wohl  vencurachen^  mit  An- 
strengung vernichten,  zerstören:  die 
Hühner  haben  alles  verurakst  Kr.  Neu- 
stadt. Von  3.  das  Adj.  wQrachig,  gie- 
rig. herauswOrachen,  etwas  mit  An- 
strengung aus  der  Tiefe  bringen,  z.  B. 
einen  Stubben,  eine  Zahnwurzel. 

wUrfeln,  sw.,  worfeln,  das  Getreide 
zur  Reinigung  mit  der  Wurfschaufel 
gegen  den  Wind  werfen.  . . .  da/z  da- 
durch der  Wind  eingehen  kann,  wenn 
sie  das  ausgedroschne  Getreide  auswurfein 
wollen.    Pierson,  Matth.  Prätor.,  107. 

WurfnetZy  n.,  kreisrundes  Netztuch  von 
4 — 6  Tn  Durchmesser  mit  starker  Schnur 
im  Centrum.  Es  wird  mit  besonders 
geschicktem  Wurf  ins  Wasser  geschleu- 
dert. Beschreibung  und  Abbildung  in 
Benecke,  368 ff. 

Wurfpfahly  m.,  Pfahl,  um  den  die 
Schiffstaue  geworfen  werden,  um  die 
Schiffe  zu  befestigen  oder  weiterzu- 
ziehen.   Danzig.     Vgl.  Tempfahl. 


wurgeln,  su?.,  s.  wirgeln. 

wUrgeriy  st^.,  mit  Eifer  essen,  mit  An- 
strengung schlucken,  hotte  wergt  an 
dei  stibitzte  Flinse.     Nowack,  38. 

Würgengel,  m.,  s.  Wächter. 

Wurm,  pltd.  Worm,  m.,  plur.  Warm, 
Wermer.  I.Eingeweidewurm.  Der  Wurm 
hat  mir  das  Herz  bepifzt,  beim  „Zu- 
sammenlaufen des  Wassers"  im  Munde. 
2.  Wurm  am  Finger,  Finger-  oder  Nagel- 
geschwür, Umlauf,  Panaricium.  Vgl. 
Nagelwwrm,  Gegen  beide  Arten  Wv/r- 
mer  gab  es  früher  den  Wurmdoktor,  der 
vorzugsweise  Besegnungsformeln  an- 
wandte. S.  die  Besprechungsformeln 
gegen  Würmer  in  Hexspr.,  97  ff.  Rüt 
(heraus)  motte  se^  seggt  de  Wormdokter. 
Sprw.  1, 1573.  3.  jeder  wirkliche  Wurm, 
jede  Made,  Larve  etc.  S.  Kommade.  4. 
kleines  Kind  und  dann  gewöhnlich  n. 
Das  arme  Wurm! 

WUrmelmaus,  /.,  s.  MOrmelmaus. 

Wurmkraut,  n.,  eine  gewisse  Art  von 
Fetthenne,  Sedum  L.;  es  hält  von  Topf- 
gewächsen, besonders  Myrten,  Blatt- 
läuse (Würmer)  fem,  wenn  man  es  in 
die  betreffenden  Töpfe  pflanzt.  Trei- 
chel, Volksth.  III. 

Wurmnessel,  /.,  s.  Tannnessel. 

Wurmwurz,  Pflzn.,  gemeiner  Wiesen- 
knopf, Sanguisorba  offlcinalis  L.;  auch 

schwarze  Bibernelle,  Blutkraut,  Bluttrttpf- 
lein,  braune  Leberblume.  OstpreuTzen. 
Pritzel,  362. 

Wurre,  /.,  kleiner  Kreisel,  der  am 
einfachsten  aus  einem  Knopfe  gemacht 
wird,  durch  dessen  Mittelloch  man  ein 
Pflöckchen  steckt.  Beliebtes  Kinder- 
spielzeug. Davon  wurren,  nach  Müh- 
lin g  auch  wurreln,  sw.,  mit  einer  Wurre 
schnurren,  sie  drehen. 

Wurst,  Wurscht,  pltd.  Worscht,  /.  1. 
zur  Speise  gefüllter  Darm.    In  der  pro- 

31* 


484 


Wurstgicht  —  Wütscherling. 


vinziellen  Geschichte  bekannt  ist  die 
lange  Wurst,  welche  von  den  Eönigs- 
berger  Fleischern  1601  gefertigt  wurde; 
sie  war  1005  Ellen  lang  und  wog  23 
Stein  und  30  Pfund.  Sie  wurde  im 
Festzuge  aufs  Schlofz  und  in  allen  drei 
Städten  von  104  Mann  herumgetragen. 
S.  Erl.  Pr.  I,  847;  lU,  240.  Act.  Bor. 
II,  770.  Hennig,  305.  Vgl.  Strifeel. 
Das  ist  mir  man  Wurscht^  zur  Bezeich- 
nung der  Leichtigkeit,  mit  der  man 
eine  Arbeit  etc.  auszuführen  vermag. 
Die  Wursty  die  schmeckt  nach  Seife^  eine 
sonst  gute,  scheinbar  günstige  Sache 
zeigt  eine  unerwartet  unangenehme 
Seite.  2.  nach  der  Ähnlichkeit  mit  1 
penis.  Auch  eine  LutJiersche  Wurst  kann 
in  einer  katholischen  Pfanne  gebraten 
werden.  Ermland.  Sprw.  I,  4130.  3. 
Börse,  Geldkatze,  wenn  sie  gefüllt  ist. 
Einem  die  Wurst  anschneiden^  ihm  im 
Spiel  die  Börse  leicht  machen.  Ibid., 
4131. 
Wuretgicht,  /*.,  Wurstsuppe,  s.  Gicht 
Wurstkessel,  m.^  Kessel,  worin  die 
Würste  gekocht  werden.  Er  ist  im 
Wurstkessel^  —  ist  in  den  Wurstkessel 
gefahren^  sagt  man  zu  Kindern,  wenn 
sie  ängstlich  nach  jemand  fragen. 
Wurstkraut,  n.y  s.  PfefferkrauL 
wurzeln,  s«^.,  ringend  niederwerfen, 
den  Gegner  gleichsam  entwurzeln.  Einen 
hinwurzeln^  ihn  zu  Boden  werfen. 

Wu§che,  /*.,  ursprünglich  aus  Tuch- 
kanten (Eggen  =  Ecken)  geflochtener 
Schuh,  daher  auch  Eggenschuh,  jetzt 
auch  weiter  warmer  Filzschuh;  in  der 
Gegend  von  Friedland  Ostpr.  Woi§che. 
Dem  Laute  nach   wohl    identisch   mit 


dem  lit.  wyzos^  lett.  tvikscu  Bastschuh, 
Par^ke;  als  vyzud  aach  ias  Estnische 
gedrungen.  S.  NssIm.  Forsch.  2;  Th., 
213.    Ygl.  Nage. 

Wufehe,  /.,  Dem.  Wuichchen,  pitd. 
Wuichke,  Wufehely  Schmeichelwort  für 
Sophie  und  Luise.  Vgl.  Futoh  u.  LuiciNL 

wuichen,  wutschen,  mo.,  eigentlich  und 
zunächst  auf  Wuschen  gehen  oder  ko- 
fen,  daher  leicht,  leise,  unhörbar  gehen, 
laufen^  entwischen.  Er  wuschte  zum 
Zimmer  hinaus.  M§t  eenem  mal  dem 
umtschen  jenne  ut  'ner  Sandkul  vor. 
Dorr,  1.  Wiew.,  105.  Li  Zosammen- 
setzungen :  durchwu&chen ,  -wutschea, 
durchgehen  ohne  au%elialten  zu  wer- 
den, hinauswufehen,  -wutscheru  Uier- 
wutschen,  überspringen.  Wutsch  über! 
sagt  man  scherzweise  zum  schlechten 
Leser,  wenn  er  ein  Wort  nicht  zu  be- 
wältigen vermag.  ELier  seltener  uber- 
uMschen.  wegwuichen,  -wutschen,  en^ 
springen,  entweichen,  weglaufen. 

wUst,  adj.  1.  schwindlig.  Mir  ist  der 
Kopf  ganz  wüst  Die  Alte  ist  aU  9o 
blinde  da/z  se  ganz  wüst  unrd^  wenn  u 
^rum/wankt.  2.  leer,  öde.  Eine  wüstt 
Stube, 

wutsch,  interj.^  schallnachahmend,  zur 
Bezeichnung  einer  leichten,  kaum  hör- 
baren Bewegung  (s.  umsehen)^  aber 
auch  des  stofz(ruck-)weisen  Geraasches, 
das  ein  rollender  Wagen  verursacht 
Möt  de  gi'ote  Fönsterkutsch,  Denn  geit 
et  ömmer  wutsch  vmtsch  umtsch.  Volksr., 
120,  505. 

wutschen,  sw.,  s.  wuichen. 
wütscherling,  Pflzn.,  s.  Wedendunk. 


z  —  zageln. 


485 


z. 


Zy  es  bleibt  im  Plattdeutschen  in  eini- 
gen Wörtern:  Zocker  Zucker,  Zippel 
Zwiebel  und  Zipfel,  Zoch  Zoche,  zart 
zart,  Zägel  Zagel,  Zopp  Zopf,  Zieg  Ziege, 
Motz  Mütze;  geht  in  andern  Wörtern 
in  t  über:  to  zu,  tujesche  zwischen.  Holt 
Holz,  Solt  Salz,  twe  und  twei  zwei,  tene 
ziehen,  Tett  Zitze  —  hin  und  wieder 
auch  in  d:  Dwarg{ch)  Zwerg;  am  Ende 
wird  es  «:  Kräni  Kränze,  Schwänse 
Schwänze,  Tänse  Tänze.  Lehmann, 
Volksmnd.,  33. 

zS,  ze  (Vokal  kurz  und  scharf),  Zu- 
ruf an  das  Zugvieh  beim  Pflügen,  wenn 
es  links  biegen  soll;  auch  zä  weg!  Vgl. 

ksä. 

zabbeln,  sw.^  zappeln;  mit  kurzen,  un- 
sichem  Schritten  gehen,  wie  kleine  Kin- 
der. Bei  Jeroschin:  st  zabiltin  und 
krüchin  11c.  Pfeiffer,  284.  abzab- 
beln,  das  Deckbett  durch  Zappeln  ab- 
werfen. Hennig,  306.  herumzabbeln, 
zappelnd  herumgehen,  verzappeln,  sich, 
sich  mit  den  Füllen  verfangen;  aber 
auch:  in  der  Rede  stocken,  konfus  wer- 
den.   Vgl.  Hesse. 

zach,  adj,  1.  zähe;  nach  Bock,  80, 
und  Hennig,  306,  zage.  Das  Fleisch 
ist  zäh  und  zach.  2.  zach  zur  Bezeich- 
nung eines  leichten  Hinkens  der  Pferde. 
Oberland. 

zacheiem,  sw,,  streiten,  zanken.  Bock, 
80.    Hennig,  306.    Vgl.  zaggern. 

Zachudel,  m.,  unordentliches  Frauen- 
zimmer.   Saalfeld.    Schemionek,  45. 

Zackerlot,  allgemein  üblich  Sackerlot, 
Fluchwort,  nach  Weigand  II,  513, 
Kürzung  und  Nachbildung  des  franz. 
Fluches  sacri  nom  de  dien. 

Zackerment,  als  Fluchwort,  entstanden 


aus   lat.   sacramentum,    S.  Weigand 

II,  513.  Davon  Zackermenter,  m.,  ver- 
fluchter, pfiffiger,  geriebener  Kerl,  und 
zackermentsch,  adj.  Ebenso  Zapper- 
ment  etc. 

zackrieren,  sw.^  s.  v.  a.  sackerieren, 
Se  zahrirf  mit  em  (ihrem  Mann)  Tag 
on  Nacht    Schalt).  1,  441. 

Zadd,  Zadde,  /.,  Garten;  von  dem  poln. 
sad  Banmgarten,  Obstgarten.  Flatow. 
Schmitt,  109;  Westpr.,  168. 

Zäen,  ati;.,  zäunen,  einen  Zaun  setzen. 
Natangen. 

zag,  adj.,  s.  zagg. 

Zftg,  Zftge,  n.,  Zeug,  Wollenzeug; 
dasselbe  was  Rasch;  eigentlich  Sei;  da- 
her Soimacher,  Zagemacher,  m.,  Ver- 
fertiger von  Soi  oder  Zage,  Zeugmacher; 
in  Dzg.  Zoimacher.  W.  Seidel,  36. 
Vgl.  Bock,  Nat.  V,  408.  Bock,  80. 
Hennig,  307. 

zftg,  zftge,  adj.,  s.  tflg  u.  zach. 

Zagel,  m.,  Dem.  Zagelchen,  pltd.  Zä- 
gel, Schwanz,  Schweif;  jeder  schweif- 
artige Anhang,  daher  d^xicYipenis.  Kcymrri 
ich  über  den  Hund,  so  komm'  ich  auch 
aber  den  Zagel,  Sprw.  I,  1724.  Strei- 
chel  man  de  Katt,  glik  ringelt  sei  den 
Zagel.  Carm.  nupt  I,  282,  6.  Die 
Sache  hat  einen  langen  Zagel,  hat  noch 
viel  im  Gefolge,  yrird  sich  noch  lange 
hinziehen.     Hennig,  307.    Vgl.  Tagel. 

zageln,  sw.  1.  schwänzeln,  wedeln. 
2.  viel  hin  und  her  gehen  oder  laufen. 
Er  zagelt  in  einem  weg.  Bei  Jero- 
schin als  zogein  langsam  ziehen:  des 
drittin  tagis  st  gesen  wurdin  vurbaz  zog- 
len  in  das  gebtt  Eroglen  175a.  ver- 
zogein hinziehen,  in  die  Länge  ziehen, 
aufschieben.   Pfeiffer,  286.  263.   Da- 


486 


Zagemacher  —  zanDen. 


von  Gezagel,  n.  Was  das  für  ein  ewi- 
ges Gezagel  ist!  ruft  man  Ein  dem  zu, 
die  viel  aus-  und  eingehen.  Gezagel 
a.  s.  V.  als  zahlreiches,  überflüssiges 
Gefolge.  Da  kommt  sie  mit  dem  gan- 
zen Gezagel  an^  eine  Mutter  mit  all 
ihren  Kindern.  Das  ist  ein  langes  Ge- 
zagel^ ein  zahlreiches  Gefolge,  eiu  lan- 
ger Schweif,  nachzageln,  sw,^  nach- 
laufen. Davon  Zagelnach,  pltd.  Zagelnäy 
m.  Du  bist  ein  rechter  Zagelnachy  sagt 
die  Mutter  zum  nachlaufenden  Kinde. 
herumzageln  y  zwecklos  sich  umhertrei- 
ben. 

Zagemacher,  m.,  s.  Zftg. 

zager,  zagger,  adj.j  zag,  zaghaft,  mut- 
los, niedergeschlagen.  Er  ist  ganz  zag- 
gel*  und  toie  auf  den  Kopf  geschlagen. 

Zagg,  Zagge,  /.,  altes  Pferd,  Pferd 
überhaupt.  De  öle  Zagge  tene  (ziehen) 
nuscht  mehr^  weil  sie  zu  kraftlos  sind. 
Et  ÖS  e  dd^  Zagg^  es  ist  ein  tüchtiges 
Pferd.  Bock,  81,  Hennig,  307,  haben 
nur  kraftloses  Pferd.     Ygl.  Zock. 

zagger,  adj,^  s.  zager. 

zaggern,  m,^  s.  zargen. 

Zäglich,  adf;.,  was  wie  ein  Zagel,  Zipfel 
herabhängt.  Das  Kleid  ist  zaglich  ge- 
macht, es  wirft  starke  Falten,  schleppt 
nach.  Bock,  80,  und  Hennig,  307, 
schreiben  zäglich. 

zähbalgig,  adj.^  Yerhochdeutschung  von 

tagbalgig,    S.  Tagbalg. 

Zahlhecht,  w.,  Hecht,  der  in  seinem 
Erlös  der  Herrschaft  zu  gute  kam.  Weü 
aufs  Hechtsalzen  viel  Unkosten  gehen^ 
soll  der  ZahUiecht  frisch  verkaufet  wer- 
den^ aufs  theuerste  man  kann,  Amts- 
artikel von  1642,  No.  41.  Bock,  Nat. 
IV,  697. 

ZähnchenfUhrer,  ?n.,  s.  FähnkefUhrer. 

zähnebrecherig,  pltd.  tänebrikerig,  adj., 

spöttisch,  ironisch,  satirisch.    Natangen. 
Zahnensauger,  m.,  alter  Mann.  Stein, 


PeregrinusXIU,  44:  alter  Zanensauger. 
W.  Mtsbl.  VI,  128. 

Zahnwehtag',  pZur.,  Zahnschmerz.  Vgl 
Wehtage.  Nach  Mühling  auch  Zahh 
wUting. 

Zahnweide,  /.,  Purparweide,  Salii 
purpureaL.   Mühling.    Nach  Hagen, 

1021,  Zähweide,  Schufzweide,  Koralle»- 
weide. 

Zai,  m.j  früherer  Kleiderstoff.  Dzg. 
Nhg.  Viol^t,  178.  Vgl.  Soi  unter 
Zdg, 

Zaig,  n.,  Zeug,  das  zur  Ackerong  be- 
nutzte Rindvieh  in  der  Gesamtkeit 
Ermland.    Sperber,  33. 

zaicrieren,  sto.,  s.  sackerieren. 

Zaiat,  7n.,  Fischn.,   s.  R&p. 

zamatlem,  «o.,  raisonnieren.  Flatov. 
Schmitt,  109,  meint,  es  wäre  vielleicht 
korrumpiert  aus  dem  gleichbed.  poln. 
zam>arkota6,  Mrongov.  hat  für  rai- 
sonnieren rezonowac^  rozumou^ac, 

Zamel,  m.  Vom.,  Samuel.  Hart- 
wich, 54. 

Zamm,  Lockruf  zu  Schaf  and  Ziege. 
Volksr.,  64,  242  d. 

Zander,  m.  Vom.,  s.  Alex. 

Zander,  m.,  Fischn.,  s.  Zant 

Zangen,  n..  Emporheben  der  Steine 
von  dem  Meeresgrunde  mittelst  Stan- 
gen mit  zangenartiger  Eisenspitze. 
Brüsterort. 

Zanice,  /.,  Kralle,  Spitze,  Zacke.  Tier- 
räts.,  25:  Zwei  Blanke^  vier  Zanke^  ein 
Bratspie/z.     (Die  Katze.) 

Zanken,^Zt^r.,  Pfähle,  auf  welchen  in  der 
Niederung  die  Wirtschaftsgebäude  ste- 
hen, die  an  den  Ufern  der  Rinnen  lie- 
gen. Passarge,  236.  Engl,  shank 
Schenkel;  in  der  Gascogne  chanqm 
die  Stelzen;  in  der  Divina  commedia 
Yon  Dante  zanche. 

Zannat,  m.,  Fischn.,  s.  ZanL 

zannen,  sw.j  unterdrückt  wemen,  grei- 


Zanner  —  Zarm. 


487 


nen.    Gordack.    Vgl.  Seh  melier  IV, 
263. 

Zanner,  w.,  Grinser,  Greiner,  Weiner, 
von  zäunen.  Ich  frage  dich,  du  alter 
Zanner.     Nestler,  Bijb. 

Zant,  Zander,  Sandat,  Sannat,  in  Danzig 
auch  Zannat,  m.,  Sander,  Lucioperca 
Sandra.  Altpr.  starkü,  lit.  st^kas,  kur. 
sterks,  starkiSy  mas.  kass.  sendacz.  Be- 
necke, 63.  W.  Seidel,  36.  Bock, 
Nat.  IV,  652.  Bujack,  397.  Müh- 
lin g,  Tiern.,  179. 

zanteln,  zanzein,  stc.,  zaubern.  Sam- 
land.  Natangen.  zanzein  auch:  yiel 
unnutze  Reden  machen  (Gegend  von 
Schippenbeil).  Mühling  hat  letztere 
Erklärung  ebenfalls  und  noch:  durch 
Besegnungsformeln  heilen.  Beide  Er- 
klärungen ergänzen  sich:  Beschwörer 
machen  gern  viele  Worte,  bezanteln, 
bezanzeln,  bezaubern,  behexen,  beseg- 
nen. Davon:  Zantelei,  Zanzelei,  /.,  Zau- 
berei. . . .  ak  vnrd  die  Anna  Berg  au  in 
ihrer  grausamen  begangenen  und  aus- 
geübten Teuffeley  und  Zanteley  halber 
mit  dem  Feuer  vom  Leben  zum  Tode 
condemniret  und  verdammet.     Beitr.  z. 

Kde.  Pr.  IV,  69.    Zanteler,  Zanzeler, 

?n.,  Zauberer,  Wahrsager.  Endlich  hat 
man  auch  bei  dieser  Visitation  erfahren, 
da/z  die  Littau^r  ihre  Todten  durch 
Pracher  oder  Zanteler  besingen  lassen 
und  ihnen  an  Fleisch,  Brot,  Getreide, 
Kleidung  u.  a.  Sachen  mehr  geben,  ihren 
Aberglauben  zu  stärken,  als  sie  dem 
Schulmeister  geben  würden,  wenn  er  sie 
besingen  u.  belauten  umrde.  Insterburg. 
Kirchen -Receiz.  Vgl.  auch:  Grube, 
Corp.  Constit  Brut  I,  72.  Hennig, 
308.    Nsslm.,  Th.,  222. 

Zantklopa,  m.,  Klops  von  Zantfleisch. 

Zantkopf,  pltd.  Zantkopp,  m.  1.  Kopf 
des  Zantes.  2.  Schimpfwort  auf  einen 
einfaltigen  Menschen. 


Zantnetz,  -sack,  Zandersack,  m.,  Netz 

zum  Fange  der  Zander.  S.  Benecke, 
392. 

Zanzel,  m.y  Geronnenes,  Hautartiges, 
z.  B.  die  Haut  auf  der  gekochten  Milch. 
Treichel.     Vgl.  Plftster. 

zanzein,  sw.,  s.  zanteln. 

Zapfenbeifzer,  pltd.  Tappebtter,  Tappe- 

bita,  m.,  Kreuzschnabel,  Loaia  curvi- 
rostra, 

Zapfendezem,  m.,  Dezem  vom  Zapfen, 
den  in  früherer  Zeit  die  Kruger  an  die 
Kirche  zu  zahlen  hatten. 

Zapfenhopfen,  m.,  weibliche  Pflanze 
des  gemeinen  Hopfens.  Hagen,  1040. 
Vgl.  Fimmel. 

Zapke,  n.,  Bläfzhuhn,  Fulica  atra. 
Werder.  Von  Zapken  on  von  önten  ver- 
teUd  he  gruuUch  väl.    Dorr,  27. 

Zapperment  et<^.,  s.  ZackermenL 

Zargas,  m.,  Wächter,  Hüter,  in  den 
Fischerdörfern  die  Schulzen.  Litauen. 
Mühling.  Lit.  sargas  von  sergeti  be- 
wahren, behüten,  Wache  halten. 

Zargen,  zergen,  pltd.  targen,  sw.y  zer-» 

ren,  necken,  durch  Neckerei  zum  Är- 
ger reizen;  auch  zaggern  und  im  Ober- 
lande zärgeln.  Moder,  Peter  zargt  mt! 
Een  driestet  Buasdhnke  zarcht  sock  gean 
motfm.  Boldt,  12.  Bock,  81.  Hen- 
nig, 307.  Vgl.  SchmellerlV,  281. 
Brem.  Wb.  V,  26.    S.  zacheiern. 

Zärke,  w.  Vorn.,  Sara.  Hart  wich, 
55. 

Zarm,  m.,  Trauermahl  bei  Begräb- 
nissen, Begräbnis-Schmaus,  wobei  es 
schlielzlich  oft  munter  und  lustig  her- 
geht. Sie  gAen  einen  Zarm.  Ich  bin 
heute  auf  Zarm.  Bei  (auf)  dem  Zarm 
ging  es  sehr  vergnügt  zu.  Den  Zarm 
begrabet  ganz  der  frohe  Hochzeitschmaus. 
Carm.  nupt.  I,  125.  Hier  scheint  Zarm 
in  dem  Sinne  von  Harm  (dolor)  ge- 
braucht zu  sein.     Wat  ös  hier^   Zarm 


488 


Zarmsuppe  —  Zaunrück. 


oder  Larmf  Begräbnis  oder  Hochzeit? 
Wenn  es  bei  einer  fröhlichen  Gelegen- 
heit still  hergeht.  Sprw.  I,  4145.  Die 
Begräbnis -Schmause,  bei  den  alten 
Preufzen  sirmen^  heii'zen  bei  den  Litauern 
sz^rmens^  szh'menys^  szhmenes,  nach 
Passarge^  Balt.^  264,  bei  den  Euren 
ssürmints.  Item  czu  den  sirmeriy  dy 
die  prewsen  pflegen  czu  trinken  (halden)^ 
sal  ufs  hogeste  nicht  mehr  denne  eyne 
tonne  hier  getrunken  werden,  Landes- 
ordnung des  Hochmeisters  Konrad  von 
Erlichshausen  (Jacobson,  Gesch.  der 
Quellen  des  Kirchenrechts  I,  Anh.,  293.^ 
Vgl.  Toppen,  Gesch.  des  Heidenth.  in 
Pr.  Prov.-Bl.  I,  348.  Altpr.  M.  IV,  27. 
Nsslm.  Forsch.  2;  Th.,  161.  214.  Nach 
Mühling  wird  der  Zarm  nicht  allein 
am  Begräbnistage,  sondern  oft  den  3., 
6.,  ja  wobi  gar  am  40.  Tage  darnach 
ausgerichtet.  Sie  (die  Nadrauer)  hal- 
ten solche  jährliche  Gedächtniss  zum  we^ 
nigsten  drei  oder  vier  Jahre  hernach, 
da  sie  zu  Hause  Bier  haben,  bitten  sie 
ihre  Freunde  zusammen  und  halten  also 
Szermines  oder  Trau>ermahl,  ah  vne 
zuerst  beim Begräbniss.  Pierson,  Matth. 
Prätor.,  100.  Bock,  81.  Hennig, 
308.  Auch  Zärm  (Oberlaod),  Zenri 
(Elbiug).     Schemionek,  45. 

Zarmsuppe,  /.,  Biersuppe,  die  bei 
Leichenbegängnissen  den  Gästen  vor- 
gesetzt wird.     Schippenbeil. 

zarr,  interj.,  schallnachahmend.  Zarr! 
schlug's  in  den  Baum,  dafz  die  Stucken 
und  Splitter  nur  so  regneten,  Soph.  R. 
IV,  163. 

Zart,  /.,  die  Zärthe,  Abramis  vimba 
L,,  altpr.  szabre,  lit.  szobris,  kur.  sebre, 
kass.  certa.  Benecke,  120.  Hennig, 
310:  Zehrte. 

Zäse,  Ztfse,  /.  1.  gekämmelte  Wolle. 
2.   das  ganze  Schaf vliefz.     Mühling. 


Zaisen  {zaesen\  zaiseln  zaosen,  zupfen, 
besonders  Wolle  ^  ahd.  zeisan,  mhd. 
zeisen.  Schmeller  lY,  287.  Schade, 
1241b. 

Zftster,  m,y  Strick^  Tauende,  Peitsche. 
Den  Zaster  nehmen.  Natangen.  Da- 
von: zftstem,  sw,y  mit  einem  Zaster  prü- 
geln. Poln.  szastam,  Prät.  von  szastac 
peitschen. 

Zatrei,  Pflzn.^  Pfefferkraut^  Saturejc 
hortensis  L.    Hagen,   599. 

Zatzken,  Zacken,  pZt^r.,  alberne  Streiche, 
dumme  Geschichten,  Winkelzuge,  Al- 
lotria. Was  sind  das  für  Zatzken  !  Modi 
keine  Zatzken!    Vgl.  Sperber,  43. 

Zauberkraift,  n.,  rauhhaariger  Schoten- 
weiderich, EpHobium  htrsutufn  L.  Ha- 
gen, 409. 

zauen,  sw.,  eilen,  das  vhchd.  tanuh. 
Im  Schmalkaldischen :  zauen  —  zait 
dich!  Vilmar,  465.  Vgl.  Schmeller 
IV,  209. 

Zauke,  /.,  Pflzn.,  LilienconvaUie,  Om- 
vaüaria  majalis  L.     Mühling. 

Zaunblume,  /.,  Graslilie,  Anthericum 
L,    Hagen,  365. 

Zäunen-,  Zaunchenschleicher,  pltd.  TQn- 
keschlTker,  m,,  Schleicher  hinter  Zäunen, 
hinterlistiger  Mensch,  Spion;  Zaun- 
könig. 

Zaunkireche,  /.,  Zäuniing,  m,^  Pflzn.,  s. 
StrUzern. 

Zaunmorchel,  /.,  ein  neben  einem  Zaun 
hingesetzter  Haufe  Menschenkot.  Trei- 

chel.    In  Egsbg.  Zaunroulade. 

Zaunraute,  Pflzn.,  Knöterich  und  zwar 
Polygonum  convolvulus  und  dumetorum 
L.  Der  Same  heifzt  DreikanL  Weichsel- 
delta.    Treichel,  Volksth.  III. 

ZaunrUck,  /.,  oberste  Latte  eines  Boh- 
lenzaunes, der  Zaunrücken.  Sperber, 
33.  Gewöhnlich  Stecken  eines  Rücken- 
zaunes.   S.  RUcken. 


Zaunschleicher  —  zeidern. 


489 


Zaunschleicher,  m.^  s.  TOnkeschltker. 

Zaunwicke,  /.,  Wiesen-Platterbse,  La- 
thyrus  pratensis  L,    Hagen,  744. 

Z§,  pltd.  t§,  präp.^  zu.  Komm  ze  mir! 
Ich  bin  zefrieden.     Vgl.  auch  zä. 

Zfib,  Yoc.  346  Zeeh^  als  hehd.  Aus- 
druck für  altpr.  baytan^  ein  Gebäck: 
Wecke^  Vlade^  Zeeb.  Nsslm.,  Thes., 
14,  vermutet,  dafz  die  Brezel  gemeint 
sei,  mit  Hinblick  auf  kslav.  czepiy  russ. 
cgep'  Kette. 

Zebedäus,  m.,  penis,  S.  Sperber, 
45.     Ebenso  in  Posen.    Bernd,  359. 

zfibern,  sw.^  schelten,  sackerieren(s.  d.). 

zebest,  adv.  1.  gut,  best.  Ich  trag 
diesen  Rock  zebest^  als  Sonntagsrock. 
2.  gern.  Das  Vieh  frijzt  den  Sauer- 
ampfer nich  zebest     Saalfeld. 

Zech,  Zeche,  /.,  Reihe,  Ordnung,  in 
der  ein  Geschäft  abzumachen,  nament- 
lich das  Geschäft  des  Hütens  (vorzugs- 
weise während  der  Nacht);  daher  auch 
Herde  selbst.  De  fuU  bol  ut  der  Zech^ 
er  fiel  (kam)  aus  der  Ordnung.  Carm. 
nupt  I,  282 ,  5.  He  mot  bl  de  Zech 
stanCy  er  mul'z  die  Herde  beaufsichtigen, 
hüten.  Bei  Jeroschin:  want  in  do 
trat  dt  zeche  an  (die  Reihe  Wache  zu 
halten)  151  d.  Pfeiffer,  285.  Hen- 
nig,  346. 

Zech,  Sech,  f.  Im  Voc.  244  hchd. 
Ausdruck  für  Pflugmesser,  altpr.  wagniSy 
das  die  £rdschoIlen  vertikal  schneidet. 
Nsslm.,  Th.,  195.  Heft  kein  Zech  on 
kein  Schar  On  plegt  doch  sin  igen  Fär. 
Tierräts.  34. 

Zechner,  7n.,  Aufseher  über  die  Zeche. 
Mühling. 

Zecke,  /.,  Zeckel,  n.,  s.  Zicke. 

Zeddel,  m.,  Zettel. 

2edder,  adv,^  seit.  De  Lewark  singt 
zedder  gister  so  ruschkens  schmeck  ilst- 
bowen  en  de  Loft,  die  Lerche  singt  seit 


gestern  so  sehr  schön  dort  oben  in  der 
Luft.    Dzg.  Nhg.    Violöt,  98. 

Zefog,  w.,  Pflzn.,  Wirsing-,  Savoyer- 
kohl,  Brassica  oleracea  sabauda  L. 
Danzig. 

ZSg,  ZSge,  /.,  s.  Ziege. 

Zeg&n,  m,^  s.  Zig&n. 

Zeh,  m.,  die  Zehe.  Mir  ist  der  kleine 
Zeh  ang^roren. 

Zehenwasser,  n.,  schlechter  Kaffee. 
Oberland. 

Zehlau,  /.,  Name  eines  grofzen  Bruches 
bei  Friedland  Ostpr.,  nach  der  Sage 
Aufenthaltsort  unverheiratet  gestorbe- 
ner Mädchen.  Zu  wählerischen  Mäd- 
chen sagt  man  warnend :  Du  wirst  auf 
die  Zehlau  kommen!  Sprw.  I,  4135. 
Über  dieZ^A^uvgl.  Schumann,  Geo- 
logische Wanderungen  durch  AltpreuTz. 
Kgsbg.  1869,  S.  96  ff. 

Zehnebrot,  n.,  Brot,  das  um  10  Uhr 
(vormittags)  gegessen  wird,  zweites 
Frühstück,  das  man  gewöhnlich  um 
10  Uhr  geniel'zt.  Mama^  gieb  mir  doch 
mein  Zehnebrot  mity  bittet  das  Kind, 
das  zur  Schule  will  und  sich  für  die 
auf  10  Uhr  fallende  Zwischenpause 
vorsieht. 

Zehrte,  /.,  s.  Zart 
Zehse,  /.,  s.  Zeise. 

Zeichen,  n.,  angeborenes,  s.  Merice  N. 

Zeider,  /*.,  s.  TTder. 

zeidern,  sw.  1.  zaudern,  zögern,  ver- 
zögern, etwas  in  die  Länge  ziehen. 
Gezeider,  n.,  das  unnutz  in  die  Länge 
Gezogene,  Überflüssige,  wie  z.  B.  lange 
Bänder,  lange  Kleider.  Dat  ganze  Ge- 
zeider ÖS  dmrig.  2.  das  vhchd.  ttdem. 
Davon:  nachzeidem,  nachgehen,  wie 
solches  Kinder  thun.  Was  zeiderst  du 
mir  allenthalben  nach,  sagt  die  Mutter 
zu  dem  Rinde,  das  sich  gleichsam  an 
sie  anttdert.  Li  diesem  Sinne  bei  Bock, 


490 


Zeiger  —  zergreinen. 


82,  und  Hennig,  310,  die  zeudem 
schreiben,  verzeidem,  sich  in  der  Zei- 
der  verwickeln;  auch  s.  v.  a.  verzod- 
dem, 

Zeiger,  m.,  die  Uhr,  s.  Sßger. 

zeihen,  ein  Tier  an  den  Hinterfufzen 
fesseln,  also  gleich  zeidem^  ttdem, 
Treichel. 

Zeiner,  m,^  im  16.  Jahrh.  eine  Art 
Tanzes.  Schmeller  IV,  268.  Hiemit 
sollen  auch  die  neicen  vngetvonldcJien 
tentz^  ah  ßpizzenickel^  Jeger^  vnd  zeü- 
ner  tentze,  neben  dem  aushaltendt  gentz- 
liehen  .  .  .  verboten  sein,  Kleid.  -  Ordg., 
377. 

Zeise,  ZTse,  /.  1.  Kürzung  von  Ac- 
cise,  Steuer.  S.  Beleg  unter  Schloddet*- 
köpf.  Vgl.  ErL  Pr.  I,  69.  Hennig, 
310.  Schemionek,  45:  Zies.  2.  s.  y.  a. 
Zese  (s.  d.). 

zeisen,  sw,  1.  zinsen,  Zinsen  zahlen, 
von  Zeise  1.  Anno  1439  vor  Weihnach- 
ten die  Landschaft  und  die  Städte  des 
cölmischen  Landes  zum  Colm  versammelt^ 
sollten  10000  Fl,  ungar,  bis  zu  Ostern 
Zinsen,  Hennenberger  Landt.  2.  zei- 
sen, s.  zesen. 

Zeisener,  m.,  s.  ZSsener. 

Zeit,  /.  En  Weath  üt  Pobete  (Pobe- 
then)  het  enige  mal  vateUt,  dat  erC  Magd 
.  .  .  tom  Onfall  gekäme  on  anno  Tlt 
wea,  und  an  der  Zeit,  d.  h.  der  Nieder- 
kunft nahe  war.  Natangen.  Firme- 
nich I,  110b. 

z^jahr,  pltd.  tOjahr,  adv.^  im  vorigen 
Jahr.  S.  Beleg  unter  narren.  Vgl. 
Rein.  Vos,  3438.  5628. 

Zele,  (?),  Seehundsfett.  Hirsch, 
134. 

Zelleri,  Pflzn.,  gemeiner  Sellerie,  Apium 
graveolens  L,  Bei  Trauungen  trug  imd 
trägt  auch  noch  jetzt  das  Brautpaar, 
um  nicht  verrufen  zu  werden,   Wurzel 


oder  Kraut  der  Pflanze  in  Tasche  oder 
Schuh.    Treichel,  Volksth.  H. 

ZellzTre,  /.,  Dem.  Zellzirchen,  kleiner 
Beisatzteller;  nach  Schemionek,  45. 
Beisatzteller  mit  Abteiluiigen.  Wahr- 
scheinlich von  Saladtere.  On  ofm  Toid 
stunden  eberall  ScJieiben  on  Zellzeerdm 
met  Schnettchen  on  Kränzchen^  Zepp- 
chen^  Pohmely  PälchenkticJisn  ^  Zämpd- 
wecky  kleene  Zwieback ,  Butterplatz, 
Christorbeeren  y  Appel  on  Beeren  (Bi^ 
nen).     Schalt).  3,  9  f. 

zemmeln,  sw,,  zaudern.  Elbinger 
Niederung. 

Zempelpelz,  m.,  s.  Zimpel. 

z6mzu,  adv,,  gerade  über,  gegenüber. 
Ermland.  Hennig,  310,  deutet  auf 
schremzu  =  schräge  über,  hin. 

Zender,  m.  jüd.  Vorn.,  Alexander. 
Flatow.     Schmitt,  111. 

ZenOge  (beide  e  kurz),  (?),  altes  schwa- 
ches Pferd.     Dönh. 

Zeppchen,  n.,  ein  Backwerk.  Beleg- 
stelle unter  Zellzire. 

Zeppersamen,  m.,  Zitwersamen.  Ober- 
land. 

Zepter,  w.,  Lehrer.  De  niekomme 
Zepter  het  Abasch,  on  es  derüg  Jahr 
ohlt  Danzig.  Nhg.  Viol6t,  98.  In 
Litauen  Präzeptor. 

zerackern,  sw,  s.  ackern. 

zerarbeiten,  sw.,  sich,  sich  abquälen. 
Ich  bewirihe  sie,  so  gut  ich  kann,  zer- 
arbeite  mich  mit  soviel  Betten  y  Streu- 
Stroh;  thu,  maclie,  was  ich  kann,  Soph. 
R.  V,  589. 

zerb6ren,  sw,,  sich,  s,  b§ren« 

zerbochten,  sw,,  s.  bochten. 

zerbolzen,  sie,  s.  bolzen. 

zerdämmem,  sw,  s.  dämmern. 

zerfitzen,  zerfitzeln,  sw.,  s.  fitzen  4. 

zergen,  sw,,  s.  zargen. 

zergreinen,  pltd.  tergrTne(n),  «u?.,  sich, 


zerhaben  —  Zese. 


491 


sich  durch   Weinen   erschöpfen.     Vgl. 

greinen. 

zerhaben,  sw.^  sich^  sich  für  eine  Sache 
oder  Person  lebhaft  interessieren.  Ich 
zerhaV  midi  so  um  das  Viehzeug  und 
das  ist  mein  Dank!    Vgl.  haben, 

zerhacheln,  sw.,  s.  hachein. 
zerkeilen,  sw.,  s.  keilen, 
zerkniddern,  sw.,  faltig  machen.    S. 
kniddern. 
zerknüllen,  sw.^  s.  knüllen. 
zerknOtschen,  sw.^  s.  knOtschen. 
zerkoddern,  8t^.,  s.  koddem. 

zerkommen,  st^  erholen,  kräftigen,  zu 
Kräften  kommen.  Er  zerkommt  wiedei\ 
erholt  sich  von  seiner  Krankheit. 

zerkOwern,  sm.,  s.  erkobern. 
zerlaufen,   pltd.  terlOpe(n),  stc.,  sicA. 

Der  hat  sich  was  zu  zerlaufen^  er  läuft 
viel  hin  und  her,  ohne  etwas  zu  stände 
zu  bringen.     Marold. 

Zerm,  m.,  s.  Zarm. 

zermaddern,  sw,^  an  einer  Sache  so 
lange  herumarbeiten,  bis  sie  zunichte 
ist. 

zermarachen,  sw.^  s.  marachen. 

zermatschen,  sw,^  s.  matschen. 

zermOdbarschen,  sw,^  sich^  s.  mOd- 
barschen. 

zermUh'n,  pltd.  termttge(n),  sw,,  si<:h^ 

sich  krank  grämen. 

zerpaddeln,  sw.,  s.  paddeln 

zerpatschen,  su?.,  durch  Patschen  zer- 
drücken, zerwühlen.  Reife  Früchte  wer- 
den leicht  zerpatscht.    Vgl.  patschen. 

zerplästern,  »w.^  s.  plästem. 

zerplTsern,  sw.  1.  zerzupfen,  zerpflük- 
ken.  2.  reflexiv:  auseinandergehen,  sich 
selbst  zerzausen.  Die  Manschette  hat 
sich  schon  ganz  zerplisert^  hat  sich  an 
den  Rändern  in  Fäden  aufgelöst  Vgl. 
pITsem. 

Zerrbein,  n.,  s.  Mummeltäucher. 

zerrebbeln,  siü.,  s.  rebbeln. 


zerreifzen,  st.^  sich  eifrig  bemühen, 
etwas  mit  grofzem  Eifer  betreiben.  Er 
zerreif zt  sich  gleich.  Ich  kann  mich  doch 
nicht  zerreifzen^  mehr  vermag  ich  nicht 
zu  thun,  ich  kann  nicht  überall  sein. 
Ahnlich  wie  zerhaben  u.  zerwoUen. 

zerschiefzen,  pltd.  tersch6te(n),  se.,  er- 

schiefzen.     He  heft  sock  terschäte. 

zerschlagen,  st.,  in  Stücke  zerbrechen. 
Die  Ostseeschiffer  sprechen  von  einer 
zerschlagenen  See^  wenn  sich  die  Wellen 
mit  wildem  Ungestüm  in  der  Nähe  des 
Strandes  unregelmälzig  brechen.  Ygl. 
Passarge,  Balt.,  132. 

zerschmieren,  sw.^  s.  schmieren, 
zerspicken,  sw.,  s.  spicken, 
zerstechen,  pltd.  terstfike,  tastfike,  st, 

erstechen.  Wie  nu  dat  TheoataschpoU 
lossgeit,  doa  ös  ömma  so^  als  wenn  eena 
dam  angere  taschtäke  loöU.     Boldt,  6. 

zerstfren,  sw ,  s.  stUren. 

zerstücksein,  sw.,  s.  stücksein. 

zerstQken,  sw,,  zerquetschen.  Zer- 
stükte  Kartofieln,  Kartoffelbrei.  S.  stu^ 
ken. 

zerstQkem,  sw,,  durchrütteln.  Im  fe- 
derlosen Wagen   wird    man  zerstükert. 

Vgl.  stflkem. 
zertäppern,  -teppern,  s.  v.  a.  täppem. 

zertragen,  st,  ertragen.  Das  werd^  ich 
schon  zertragen!  Das  kann  er  nicht 
zertragen,  die  Last  ist  für  seine  Kräfte 
zu  schwer. 

zertrampeln,  sw,,  s.  trampeln. 

zerwollen,  sw.  1.  in  dem  Sinne  von 
zerhaben:  über  die  Kräfte  hinaus  wollen^ 
thätig  sein.  2.  einen  durchprügeln,  dafz 
gleichsam  die  Wolle  stäubt. 

zerziehen,  pltd.  tert6ne(n),  st,  fort- 
ziehen; einer  Last,  sie  ziehend,  Herr 
werden.  Ich  kann  es  nicht  zerziehn, 
fortziehen. 

zerzoddem,  sw,,  s.  zoddern. 

Z6se,  Zehse,  Zeise,  /.,  Netz  zum  Fisch- 


492 


a^sen  —  ziehen. 


fang  in  der  See,  aas  einer  Metritze  und 
zwei  Flügeln  bestehend.  Beschreibung 
s.  Benecke,  346  f.  Nach  Mühling 
BMch^Zesse;  vgl.  Bock,  Nat.  V,  560. 

zfisen,  zeisen,  sw.,  mit  einer  Zese 
fischen. 

Zteener,  Zeisener,  auch  Z6ser,  Zesser, 

Zessener,  m.  1.  Fischer,  der  mit  einer 
Zese  fischt.  2.  nach  Bock,  Nat.  IV, 
717,  derjenige  Fischer,  welcher  bei  der 
Winterfizcherei  (s.  d.)  die  Stangen  durch 
die  Wunen  unter  dem  Eise  fortschiebt. 
3.  Fischer  überhaupt,  und  dann  auch 
Zetter.  Dzg.  Nhg.  He  ös  besäpen  as 
en  Zetter.    Sprw.  I,  445. 

Z&senfischerei,  /.,  Fischerei  mit  der 
Zehse  oder  Zeise;  sie  liefert  vorzugs- 
weise Plattfische,  in  geringer  Anzahl 
auch  Dorsche,  Zärthen  etc.  B  e  n  e  c  k  e , 
347. 

Z6ser,  m.^  s.  Zfisener. 

Z6ske,  m.,  kleiner  Rausch.  Er  ist  im 
Zeske.     Vgl.  zTsen. 

Zesse,  /.,  s.  Z6se. 

Zesser,  m.,  s.  ZSsener. 

Zefzioch,  n.,  s.  Zofzioch. 

Zetschke,  m.,  Hänfling,  s.  Tschezke. 

Zetter,  m.,  s.  Zfisener. 

zeudern,  sw.^  s.  zeidern. 

Zeug,  Zeugs,  n..  Unbrauchbares,  Un- 
nützes aller  Art.  Das  Zeug  kann  ich 
nicht  braiLchen!  Was  soll  ich  mit  dem 
Zeugsf 

Zeuwe,  /.,  s.  Sau  3. 

zibb,  adj.^  s.  zipp. 

Zibbe,  /.,  Mutterschaf;  von  dem  poln. 
cabanka  schlechtes  Schaf.  Flatow. 
Schmitt,  109;  Westpr.,  168. 

Zibbel,  /.,  s.  Zippel. 

Zibock,  m.,  s.  Rehbock. 

Ziehe,  ZUche,  /.,  Zieche,  Bezug,  Über- 
zug eines  Bettkissens,  hin  und  wieder 
auch  des  Deckbettes.  Die  eigentliche 
Ziehe  brauchen  schlichte  Leute  auf  Rei- 


sen als  Tasche.  Masar.  Rätsel: 
Zichlein  ohne  Semm.  Das  Ei.  S.  Ha- 
gen, Nonka.  Leipzig,  1874,  84.  Sehe- 
mionek,  46:  Einem  emf  die  Ziehe  ge- 
ben^ ihm  derb  die  Wahrheit  sagen.  Vgl 
BUre. 

Zick,  m.f  Birkenteer,  gewöhnlich  Dof' 
gert.    Treichel,  Yolksth.  IL 

Zicke,  Zecke,  ZIgge,   Z6g,   /.,  Dem. 

Zickel^  Zeckel,  Ziggel.  1 .  die  Ziege.  Se  m 
verdregt  wt  e  Zigg.  Sprw.  I,  3920.  t 
Zicke  und  Zigge  auch  Perücke,  wd 
man  Perücken  vorzugsweise  aus  Ziegeo- 
haaren  anfertigte.  Bock,  82.  Hen- 
nig, 311.  Min  Meister  schof  de  Zigg 
op  ene  Std,  Königsberg.  Firmenich 
I,  103a.  Nach  Mühling  aach  Schlaf- 
mütze. Ziggeversaler  (a=a),  m.,  Spott- 
name für  Perückenmacher. 

Zickeln,  sw.^  Junge  werfen;  doch  nur 
von  den  Ziegen,  verzickelt  sein,  \e> 
liebt   sein.     Bock,   82,    schreibt  nr* 

zeckelt. 

Zfdelbär,  m.,  s.  ZTselbär. 

Ziegebein,  Pflzn.,  Kornblume,  Cen- 
taureacyanusL.  Kr. Berent.  TreicheL 
Bei  Pritzel,  87,  für  Schlesien:  Ziegen- 
bein, 

Ziegel,  /.,  der  Ziegel,  plur.  Ziegeln. 

Ziegenbart,  m,^  graues  Silbergras, 
Aira  canescens  L.  (  Weingaertneria  can, 
Bemh,)    Hagen,  85. 

Ziegenlauch,  m.^  gelber  Goldsteni, 
Gagea  lutea  Schult  Auch  ErdnUss'. 
Ostpr.     Pritzel,  156. 

Ziegennetz,  n.,  Treib-  und  Staknetz 
zum  Fange  der  Ziege,  Pelecus  culirtUus 
L.y  lit.  oszkinnis^  von  oszka  Ziege.  Be- 
schreibung u.  Abbildung  in  Be necke, 
371  f.  375  f. 

Ziegenpeter,  m.,  starke  Anschwellung 
des  Halses  und  Gesichtes.  Sperber, 
34. 

ziehen,  st    Sich  mit  jemccnd  ziehen^ 


Ziehgurt  —  zimpelich. 


493 


ein  lange  währendes  Verhältnis  haben, 
das  keinen  bräatlichen  oder  ehelichen 
Abschlufz  findet     Treichel. 

Ziehgurt,  m.,  Gurt,  an  dem  die  Zug- 
leinen des  Wadegaros  gezogen  werden; 
sein  Ende  trägt  ein  kurzes  Stück  star- 
ken Marieins  mit  ausgehendem  Holz- 
oder Bleiknopf^  das  um  die  Zugleine 
geschleudert  wird  und  sich  mit  dieser 
so  fest  verschlingt^  daCz  ein  Mann  mit 
dem  ganzen  Gewicht  seines  Körpers 
daran  ziehen  kann.  Benecke,  349. 
Der  Ziehgurt  an  den  Lachsnetzen  von 
Heia,  poln.  zeUcay  besteht  aus  einem 
handbreiten  gekrümmten  Stück  Holz 
und  zwei  Riemen,  an  welche  sich  ein 
Strick  mit  der  3 — 4  Zoll  grofzen  Holz- 
kugel anschliefzt.     Benecke,  355. 

Ziehnetz,  n.,  s.  Wadegam. 

Ziehnetzfischerei,  /.,  s.  Wadegam- 
fischerei. 

Ziehtag,  m.^  ^^g?  &i^  d^ni  gezogen 
wird,  aus  einer  Wohnung  in  die  an- 
dere oder  aus  einem  Dienst  in  den  an- 
dern. Ziehtage  für  den  Wohnungs- 
wechsel sind  in  Egsbg.  der  7.  April 
und  der  7.  Oktober.  Für  das  unver- 
heiratete Gesinde  ist  in  Ostpr.  Martin 
(11.  November),  für  das  verheiratete 
Michaelis  (29.  September)  der  Ziehtag; 
in  Westpreufzen  zieht  alles  Gesinde  am 
Martinstage. 

zielen,  zTlen,  sw.^  schielen.  Mit  einem 
Aug^  zielt  er  nach  Speck,  mit  dem  an- 
dern nach  Schinken.  Einen  Schielen- 
den nennt  man  Ziellcedreiaug,  auch  Ziellce- 
zimm.    Vgl.  2Tmen. 

zieren,  »w,^  sich^  stolz  thun,  schön  er- 
scheinen wollen.    Hennig,  311. 

Zigftn,  Zegftn,  Zig6ner,  m.^  Zigeuner; 
poln.  cygan^  böhm.  cykani^  ital.  zingaro. 
Vgl.  Sprw.  I,  1696. 

Zigeunericraut,  n.,  schwarzes  Bilsen- 


kraut, Byosciamus  niger  L.  Hagen, 
247. 

Zigge,  /.,  s.  Zicice. 

Zilcrfit,  n.,  Sekret,  geheimes  Gemach, 
Abtritt. 

Zimbel,  9n.,  Zimbelblume,  /.,  s.  Zim- 
pel  etc. 

zTmen,  »lo.,  einen  verstohlen  von  der 
Seite  ansehen,  anschielen.  Bock,  84. 
Hennig,  311.    Vgl.  zielen. 

ZTmen,  m.  Yom.,  Simon.  Hart- 
wich, 54. 

Zimkerlltzchen,  plur.^  nach  Marold 
s.  V.  a.  Kinkerlitzchen  (s.  d.). 

zimmeln,  sto.,  zaudern.  Danzig.  W. 
Seidel,  36. 

Zimmer,  w.,  Ziemer,  Hirsch-,  Reh- 
rücken.    Hennig,  311. 

Zimmermannshaar,  n.,  wörtlich  das 
Haar  eines  Zimmermannes,  hier  als 
Mafz,  scherzweise  =  7  FuGs.  jEs  stimmt 
um  ein  Zimmermannshaar  ^  es  stimmt 
gar  nicht.     Sprw.  I,  4174. 

Zimpel,  Zempel,  im  Ermlande  Zimbel, 

pltd.  Zttmpel,  m.  1.  Zipfel.  Ein  Zim- 
bel Land^  ein  spitz  zulaufendes  Stück 
Land.  Ermland.  Zimpelbrtttchen,  n., 
Zipfelbrötchen.  Vgl.  Kntst.  Zimpel-, 
Zempelpelz,  m.^  Zipfelpelz,  Schafpelz, 
an  dem  die  Schwanzzipfel  der  Felle 
als  Schmuck  hängen.  Vgl.  VolksL,  46. 
30.  Zimpelweck,  /.,  nach  H  e  n  n  i  g ,  3 1 1, 
eine  kleine  Semmel  von  Weizenmehl 
in  Form  eines  viereckigen  Sternes.  2. 
penis.    Vgl.  Zagel. 

Zimpelblume,/'.,ranunkelartiger  Frosch- 
löffel, Alisma ranunctUoides L.  Hagen, 

403:   Zimbelblume. 

Zimpelfi,  Pflzn. ,  Dach  -  Hauslauch, 
Sempervivum  tectorum  L.,  Verplattung 
des  lateinischen  Namens.  Treichel, 
Volksth.  n.    Vgl.  ZippeHeig. 

zimpelich,  adj.  u.  ocb.,  zimperlich. 


494 


zimpeln  —  Zioten. 


zimpelny  sur.,  s.  zimpern. 

ZimpelpelZy  m.,  -weck,  /'.,  s.  Zimpei. 

zimpern,  nach  Mühling  auch  zim- 
peln, 8w.y  zimperlich  than,  affektiert 
Diedlich,  zartfühlend.  Ich  dachte  es  wohl^ 
da/z  sie  nicht  maulen  oder  zimpern  wür- 
den.  Das  Zimpern  und  Blödethun  und 
Verschämtsein^  das  ist  mein  Tod,  Soph. 
R.  VI,  138. 

zingem,  sw,,^  brennen,  schmerzen,  mit 
Prickeln  verbanden.  Mühling.  In 
Hessen  bezeichnet  zingem^  auch  mit- 
unter zingeln,  das  schmerzhafte  Gefühl, 
welches  die  in  der  Kälte  erstari-ten 
Hände  durchzieht,  sobald  sie  plötzlich 
in  eine  warme  Temperatur  kommen, 
oder  wenn  die  Glieder  „eingeschlafen^ 
sind.     Vilmar,  470. 

zingSyZingersch,  zingerst,  zUngerst,  zingst, 
adv»^  vor  einem  Augenblick,  soeben, 
jüngst;  auch  sofort.  Do  heft  sock  zun- 
gerst  late  true  on  nömmt  Pfarrs  öhnzget 
Kind  tor  Frue,  Carm.  nupt  V,  145  c. 
Awer  Kinger,  öt  wör  doch  man  zingst, 
Sp5k,  470.  Zings  gef  ock  em  ent, 
Dönh.    Natangen.     S.  szings. 

Zinken,  m.,  Mund,  Nase.  Zinken  an- 
ziehen! den  Mund  halten,  schweigen. 
Wehlau.  Er  hat  einen  guten  Zinken^ 
eine  tüchtige  Nase. 

Zinngteizen,  n.,  Sylvesterbelustigung, 
s.  Bleigieizen  u.  Glück. 

Zinnober,  w.,  im  vorigen  Jahrhundert 
Name  eines  schwarzen  Doppelbieres, 
das  in  Insterburg  gebraut  und  nach 
auswärts  verschickt  wurde.  Bock, 
Nat.  in,  698. 

Zinsbauer,  m.,  s.  Hochzinser. 

ZInse,  /.,  Mietsgeld  für  Wohnungen 
und  Häuser.  Die  Zinsen  von  einem 
Kapital  heilzen  Interessen.  Klein  II, 
247.  Dzg.  Zinsmahner,  tt».,  Beamter, 
der  das  Geld  für  die  Wohnungsmieten 
oder  auch  die  Interessen  ausgeliehener 


Gelder  einforderte.  Hennig,  311. 
Zinsekailf,  m.,  wirklicher  Kauf  des  Un- 
terpfandes, der  unter  gewissen  Bedin- 
gungen auf  Wiederkaaf  geschieht  Ge- 
naueres hierüber  s.  in  Pr.  SammL,  131. 
und  Hennig,  311.     Veraltet 

Zinten,  Ortsn.,  Stadt  im  Kreise  Hei- 
ligen beiL  Zinten  wird  spott weise  das 
Ausland  genannt,  und  seine  Bewohner 
heilzen  Ausländer.  Nach  der  KonstitotioD 
des  Bischofs  Moritz  Ferber  vom  22.  Sep- 
tember 1526  durften  Nichtkatholiken 
nur  vorübergehend  sich  im  £rmlande 
aufhalten,  wie  es  hielz,  ^kein  ToUtä 
Jahr^  dort  irgendwo  bleiben;  nodi 
weniger  war  ihnen  gestattet,  Boden- 
besitz zu  behalten,  zu  kaufen  oder  n 
pachten.  Dennoch  hielten  sich  viele 
protestantische  Gewerbtreibende  in  den 
Städten  und  besonders  in  Braansberg 
au£,  wo  der  Stadtprafekt  Johann  tod 
Preuck,  selbst  heterodoz,  die  Lndie- 
raner  unterstützte.  Die  Mandate  des 
Bischofs  Hans  Flachsbinder,  und  seioes 
Nachfolgers  Tiedemann  Gieses  Lauheit 
änderten  darin  nichts;  der  Jesuiteo- 
freund  Stanislaus  Hosius  lag  mit  den 
Braunsbergcm  zeitlebens  im  Kampfe. 
Man  genügte  der  Konstitution  zum 
Scheine,  indem  die  in  der  Stadt  an- 
gesessenen Nichtkatholiken,  Handwer- 
ker, Dienstboten  etc.  zu  Weihnachtes 
in  jedem  Jahr  nach  dem  Herzogtum, 
gewöhnlich  nach  dem  nahegelegenen 
Zinten  reisten.  Nach  Neujahr  kehrten 
sie  aus  dem  ^Auslande^  zurück  und 
waren  kein  volles  Jahr  im  Ermlande 
gewesen.  Darum  heilzt  Zinten  das 
Ausland.  N.  Pr.  Prov.-Bl.  3.  F.  X 
160.  Vgl.  auch:  Hartknoch,  Kirch.- 
Hist.  Frankfurt  a.  M.  u.  Leipzig  1686, 
1049.  Pisanski,  3.  Hennig,  17 f. 
Sprw.  I,  191.  In  Zinten  bdUn  die 
Hunde  von  hinten.    Sprw.  I,  4176.  Kin- 


zipen  —  Ziske. 


495 


derreim:  Johann^  spann^  an^  Drei  Katzen 
voran^  Zwei  Ziegen  {vier  Hunde)  nach 
hinten^  Wir  fahren  nach  Zinten.  Volksr. , 
74,  281. 

zTpen,  BW,  1.  ziehen,  zapfen.  Was 
Neues  im  Jahrchen^  Zip  zip  am  Haar- 
chen! Vgl.  zubbeln.  2.  quälen,  peini- 
gen durch  Ziehen  und  Zupfen.  In  die- 
sen Bedeutungen  auch  zipsen,  zupsen. 
3.  nach  Sehern ionek,  4d:  zu  weinen 
anfangen.'     Vgl.  sTpen  u.  zippeln. 

zipp,  adj.  u.  adv,^  zimperlich,  affek- 
tiert sittsam,  prüde.  Sie  ist  so  zipp, 
da/z  sie  unausstehlich  wird.  Schemio- 
nek,  45:  zibb,  schüchtern,  verschämt; 
von  Mädchen; 

Zippel,  /.,  Zwiebel;  nach  Hennig, 
310,  Zibbely  lit.  ctbule\  ctbulis^  pobi.  ce- 
bukt.  Nach  Sperber,  34,  auch  ZwTfel. 
Er  ist  vne  eine  Zippel^  zur  Bezeichnung 
hoher  Trunkenheit.  Eine  Zwiebel  setzen^ 
poln.  cebul^  sadzir,  hinfallen.  Die  Re- 
densart deutet  auf  das  Hinhocken  beim 
Setzen  der  Zwiebeln.  Treichel,  Volks- 
thümliches  H.  Königsberg  wird  reich 
mit  Zwiebeln  versorgt  von  den  Zippel- 
kQren.    S.  KQre. 

Zippelfeig',  Pflzn.,  Aloe.  Als  Heil- 
mittel bei  Verwundungen.  Saalfeld. 
Völlig  pltd.  Zippelftg,  Zippelfi,  so  auch 
im  Weichseldelta.  Das  Wort  ist  Zu- 
sammensetzung aus  Zippel,  Zwiebel^  und 
Etg^  Feige;  die  Aloe  zieht  wie  diese 
die  Wandhitze  aus.  Treichel,  Volks- 
thümliches  HI.     Nach    Schemionek, 

45:  Zimpelfeige.    Vgl.  Zimpelfi. 

zippeln,  sw.,  wein^ü;  von  Kindern. 
W.  Seidel,  36. 

Zippelz6rke,  /*.,  affektiertes,  geziertes, 
zimperliches  Frauenzimmer.  Man  sagt 
von  einem  solchen:  Sie  thut  verzipsL 

Zippen,  sw,,  zurückhaltend  und  ver- 
schämt thnn,  geziert,  prüde  sein;  von 
zipp.     Hennig,  312. 


zipperig,  ad},^  zimperlich.  Gordack. 
Ebenso  zipperlich. 

Zippe,  m.,  Zipfel.  Davon  das  Dem. 
Zippschen,  ein  Zipfelchen,  ein  bifzchen. 
Vgl.  Schnippschen. 

zipsen,  zTpsen,  zupsen,  sw.    1.  ziehen, 

zupfen,  rupfen.  Einen  bei  den  Haaren 
zipsen.  Bildlich:  betrügen.  Er  hat 
ihn  gut  gezipst  2.  zipsen,  zupsen  quä- 
len. 3.  sitzend  schlafen,  nippen.  Bock^ 
84.     Hennig,  312. 

ZTrop,  TW.,  Sirup.     S.  Sprw.  I,  3844. 

Zfropshäker,  m,,  Höker  mit  Sirup, 
Schimpfwort,  zunächst  auf  einen  Ge- 
würzkrämer. „Probehr  bling  Zierops- 
Häker  f  Carm.  nupt  I,  282,  9.  Gah 
ZieropS'Häcker  fort!    Ibid.  V,  190b. 

ZT8,  /.,  8.  Zeise  1. 

ZTselbär,  Zeieelbär,  m.,  schwarzer  Bär, 
der  zur  Schau  umhergeführt  wird,  Tanz- 
bär. Weigand  H,  1165,  meint:  Zeisel 
=  gezupft  niederhängende  Haarzotte, 
von  zeisen  Verworrenes  auseinander- 
zupfen. Er  sieht  aus  wie  ein  Ztselbär, 
ihm  hängen  die  Haare  in  wilder  Un- 
ordnung. Er  brummt  wie  ein  Ztselbär^ 
der  Mürrische.  Die  Köchin  kam  end- 
lich; sie  war  erst  vne  ein  Zeiselbär  und 
ward  wie  ein  Ohrwürmchen,  als  ich  ihr 
einen  Gulden . . .  insinuirte.  Soph.  R.  I, 
411.  Grimmig  wie  der  Zieselbär,  wenn 
er  vom  Honigbaum  kommt  her.  Ibid.  III, 
217.     Bock,  83.    Hennig,  312. 

zTseln,  sw,,  körperlich  und  geistig 
quälen.  Er  (der  Stiefvater)  hat  mich 
genug  geziselt    Treichel.    Vgl.  trlseln. 

zTsen,  zteen,  sw,,  von  ziehen,  in  lan- 
gen Zügen  trinken,  stark  trinken,  na- 
mentlich Berauschendes.  Er  ztst  gut, 
er  ist  ein  starker  Trinker.  Davon  Ztser, 
Zteer,  m.,  Trinker,  und  Zle,  Zto,  m,, 
Rausch.  He  ös  öm  Zes.  bezTsen,  sich, 
sich  betrinken. 

Zleke,  m,^  Zeisig,  altpr.  czisia^  poln. 


496 


Ziske  —  Zoch. 


czyzyk^  böhm.  cziiek^  mhd.  ztse.  Nsslm., 
TL,  214.  Vgl.  Schade,  1286b.  Früher 
hielzen  in  Egsbg.  die  Stadtsergeanten 
Ztskes^  wegen  ihrer  buntfarbigen  Uni- 
form.   Vgl.  Stieglitzk. 

ZTske,  n.,  kleine  Wurst,  auch  ZTske- 
wurst;  von  Saucischen.  Idel  gebrädne 
Ziskes^  Dat  sond  andre  Müskes,  Volksr., 
25,  95.    Bock,  84.    Hennig,  312. 

Zitze,  pltd.  TBtl,  /.,  Saugwarze,  Mut- 
terbrust; übertragen:  Frauenzimmer, 
namentlich  altes.  Hei  grtnt  wie  e  Tott^ 
wie  ein  altes  Weib.     Friedland  Ostpr. 

Zitzensauger,  m.,  Ekelname,  Schimpf- 
wort. Stein,  Peregrinus  XU,  82.  W. 
Mtsbl.  V,  191. 

zttbern,  st^?.,  zaubern.  Schemionek, 
46.    Vgl  tewern. 

Zoch,  Zoche,  /.,  altpreufzischer^  pol- 
nischer Pflug,  ohne  Vordergestell  (Rä- 
der), gewöhnlich  von  Ochsen  gezogen; 
unter  Pflug  wird  in  Ostpreufzen  nur 
ein  Raderpflug,  von  Pferden  gezogen, 
verstanden.  Russ.  sochä  Pflug,  poln. 
socha  Gabelholz,  Pflugsech,  Pflughaken. 
Aus  diesem  socha  klingt  goth.  hßha 
Pflug,  sanskr.  koka  Wolf,  eigentlich 
Zerreifzer,  in  der  Sprache  der  altind. 
Veden  auch  Pflug  (als  Erdzerreifzer). 
Vgl.  Schade,  412b.  Nsslm.,  Th., 
214.  Dos  Volk  der  heidnischen  Preufzen 
war  nicht  bloa  ein  tapferes^  es  war  ein 
edles  und  fleifziges  Volk^  dem  vnr  Ost- 
preufzen das  unvergleichlichste  Acker- 
instrument verdanken^  von  eine)*  Genior- 
litdt  der  Erfindung,  die  selbst  unsere 
geistvollsten  Techniker  in  Erstaunen 
setzt^unsere  —  Zoche.  Passarge,  Balt, 
8.  —  Beschreibung  der  ZocJie:  Pflug- 
baum, Zochbaum  oder  Rogätsch,  lit. 
ragöcze^  ragöczus,  ragözius,  und  Sterzen, 
auch  Httmer,  bilden  ein  Ganzes,  unter 
einem  rechten  Winkel  zusammen- 
stofzend:   ein  junger  Tannenbaum  mit 


zwei  horizontal  laufenden  Wurzeln.  Der 
eigentliche  Pflugkörper,  die  GafM,  Gl* 
bei,  wird  vermöge  des  Schwanzes  m 
eine  am  Winkel  aDgebracbte  ent- 
sprechende Öffiiong  des  Pflogbaumes 
gesteckt  und  vermittels  der  Podtm-Kdk 
am  Pflugbaum  befestigt  Abgesehen 
von  dem  Winkel,  welchen  Gaffel  und 
Pflugbaum  bilden,  weicht  die  ersten 
auch  seitlich  von  der  Richtung  des 
letztem  ab,  so  dafz,  wenn  das  Instni- 
ment  arbeitet,  der  Pflugbaum  nicht  mit 
der  Pflugfurche  parallel  läuft,  sondern 
nach  dem  gepflügten  Acker  hinübe^ 
neigt.  Es  folgt  daraus,  daiz  der  Nebeo- 
ochse  auf  dem  gepflügten  Acker  geht 
wahrend  der  Leinen-Ochse,  ReHoctef 
auf  dem  abzuschneidenden  Erdstreifeo 
an  der  Kante  der  Furche  schreitet 
Prov.  Preufz.,  283.  —  Die  Homer  des 
Pflugbaums  sind  oben  durch  den  über 
das  rechte  Hom  hinausragenden  Que^ 
Steg,  der  als  Griff  dient,  Verbundes. 
Von  dem  linken  Hörn  geht  zum  eig^t- 
liehen  Pflugbaum  der  Bllgel,  ein  fester 
gebogener  Ast.  An  dem  vordem  Eode 
des  Pflugbaumes  ist  unten  zur  Ein- 
stellung des  Joches  ein  gesagtes  Eisen- 
band angebracht,  die  sog.  Treppe.  Das 
Joch  besteht  aus  dem  Jochbaum,  den 
beiden  Kaibaken  oder  JochviereckeD 
(nach  andern  heifzen  die  untern,  ge- 
krümmten Jochhölzer  Kalbacken,  Kol- 
balken, Kolpalk,  Kulpalk,  lit.  kulbökm) 
und  der  Jochkette.  Die  Gaffel  ist  ein 
gabelartig  ausgearbeitetes  Stück  Eichen- 
planke von  3  Fufz  Länge  und  3  Zoll 
Starke,  auf  deren  Spitze  die  beiden 
eisernen  Pflugschare,  Zocheisen,  auf- 
gesteckt sind;  häufig  ist  die  Gra£Fel  auch 
aus  3  durch  Bolzen  verbundenen  Tei- 
len zusammengesetzt,  damit  die  Be- 
schädigung eines  Homes  nicht  die  ganze 
Gaffel  unbrauchbar  mache.     Die  linke 


Zochbaum  —  zoddern. 


497 


Gaffelspitze  heüzt  Reithom,  weil  sie  auf 
der  Seite  des  Reitochsen  liegt,  ihre 
Pflugschar  Reiteisen  und  das  über  dem 
Hom  aufwärts  gekrümmte  Eisen  Pa- 
lltsch,  Politschy  nach  Mitteilung  ausDönh. 
auch  Kroik.  Die  rechte  Gabel  ist  das 
Nebenhorn,  ihre  Pflugschar  heii'zt  Neben- 
eisen und  das  über  dem  Hom  sich  aus- 
breitende gewölbte  Eisen  Sta*eichbretty 
nach  Mühling  auch  Budnlck.  Das 
eiserne  Band,  welches  Reithorn  und 
Nebenhorn  verbindet  und  mit  einem 
Haken  über  dem  letztem  endet,  heii'zt 
der  Podiem,  Poding,  auch  das  Podimke. 
Die  Podfmkette  verbindet,  wie  schon 
angegeben,  Gaffel  mit  Pfliigbaum  und 
hängt  über  letzterm  in  der  sog.  Zunge. 
Ein  unter  diese  getriebener  Keil  giebt 
der  Verbindung  gröfzere  Festigkeit.  — 
Die  Zoohe  ist  15 — 17  Fufzlang.  Bock, 
Nat.  HI,  664  ff  u.  V,  502  ff,  hat  stets 
der  Zoch;  s.  das.  Beschreibung  und 
Abbildung     Bock,  84.    Hennig,  312. 

Zochbaum,  m.^  s.  Zoch. 

ZochbaumnetZy  n.,  Netz  mit  zochbaum- 
ähnUchen ,  schlittenförmig  gebogenen 
Bäumen  als  Grundlage,  die  an  ihrem 
aotem  Ende  durch  eine  senkrechte 
Stange  im  Scharnier  verbunden  sind. 
Poln.  kosa^  auch  krzyicuiay  /.,  wörtlich 
Krummhom,  krummes  Blasehom.  Das 
Zochbaumnetz  wird  vorzugsweise  von 
unberechtigten  Raubfischem  angewandt. 
S.  Benecke,  353. 

Zocheisen,  n.,  s.  Zoch. 
Zochschleife,  /.,  Schleife  (s.  d.),  wor- 
auf die  Zoche  gefahren  wird. 

Zock,  Zocke,  Zogg,  Zogge,  in  Masuren, 

im  Oberlande  und  Westpr.  auch  Zuck, 
Zucke,  im  Ermlande  auch  Suck,  /.,  Hün- 
din, poln.  russ.  suka^  mbd.  zohe^  ahd. 
zohd.  In  Bayern  Zohe^  Zauch^  Zaup^ 
Zuppj  im  Götting  tache^  im  Fuldaschen 

Prifcbbier,  W5rterbacta  II. 


Zopp.  SchmellerlV,  218.  248.  277. 
Schamb.,  223a.  Vilmar,  471.  Vgl. 
Nsslm.  Forsch.  2.  Sperber,  40. 
Schemionek,  46.  Schmitt,  109; 
Westpr.,  168.  Hennig,  312.  Im  Ober- 
lande ist  Zugg,  Zuck  eine  Art  Hand- 
schlitten. Vgl.  Hund  4.  Übertragen: 
liederliches  Frauenzimmer,  Hure. 

Zoddel ,    /  ,    Zotte ,    Zottel.     Davon : 
Zoddelbär. 

zoddeln,  sw.,  Zodder,  /.  u.  n.,  Zodder- 
klops,  m.,  Zodderkopf,  m.,  s.  zoddern. 

zoddern,  hin  und  wieder  auch  zuddem, 
8w,  1.  zausen,  zerren,  reifzend  pflücken. 
Der  Hund  zoddert  an  der  Decke^  —  am 
Rock^  er  zerrt  ihn  hin  und  her.  Der 
eine  zoddert  ihn  hier^  der  andere  da. 
Einen  herumzoddern,  ihn  hin  und  her 
zerren,  reifzen,  ziehen,  schlagen.  2. 
durch  Zerren  und  Zausen  auflösen,  zer- 
reüzen,  und  dann  gewöhnlich  zerzod- 
dem.  Schüler  zerzoddem  die  Lösch- 
blätter,  Biicher.  Der  Unterrock^  das 
Hemde  ist  zerzoddert.  Zodder,  /.  u.  n., 
zerrissener  Fetzen.  Die  Zoddern  (eines 
Kleides,  Unterrockes)  hängen  beiher. 
Zodder^  auch  s.  v.  a.  Kleidungsstück 
(vgl.Kodder)  und  zähes,  sehniges  Fleisch, 
an  dem  man  beim  Genüsse  zoddern  und 
zerren  mufz.  Das  Fleisch  ist  eine  Zod- 
dei\  In  Zusammensetzungen:  Zodder- 
klops,  771.,  geklopftes  und  dadurch  zer- 
rissenes Rindfleisch,  gedämpft,  mit  ge- 
pfefierter  Sauce.  Zodderkopf,  Kopf  mit 
verzodderten  Haaren.  3.  verwirren, 
verwickeln,  verflechten,  in  verzoddem. 
Der  Zwirn  ist  verzoddert^  die  Fäden 
sind  durcheinander  gewirrt  und  in  sich 
verflochten.  Die  Haare  sind  verzodderty 
in  Unordnung.  Im  Götting.  intoder. 
Schamb.,  92b.  4.  zögern;  zotteln,  und 
daher  richtiger  und  auch  häufiger  zod- 

deln.    Wat  zodder  ji  dennf   Bringt  dat 

32 


498 


zoddrig  —  Zofzhaken. 


io  der  Waschfru.  Dorr,  1.  Wiew.,  71. 
Er  zoddert  auf  der  Strafze^  treibt  sich 
herum.  Daraus  nachzoddern  (nachzod- 
deln),  nachzotteln,  nachziehen,  beim 
Gehen  zurückbleiben,  aus  Müdigkeit 
oder  Lässigkeit;  vorzugsweise  von  Kin- 
dern, zoddrig,  adj.^  zerlumpt,  voll  Zod- 
dern  und  Zotteln,  in  Unordnung.  Zodd- 
riges  Haar.   Bock,  84.    Hennig,  312. 

zoddrig,  ad)'.,  s.  das  vor. 

zoff,  g>dj.^  betroffen.  Natangen.  Nach 
Mühling  ängstlich. 

zogen,  sw,^  ziehen,  fliei'zen.  Das  (ein- 
gedämmte) WaMei'  kann  nicht  zögert^ 
nicht  über  die  Dämme  fliei'zen.  West- 
preufzen. 

Zogg,  Zogge,  /.,  s.  Zock. 

Zoimacher,  m.,  s.  Zäg. 

zoings,  adv,y  sonnabends.    Dönh. 

Zoller,  m.,  Lutschbeutel,  Brot  und 
Zucker  in  einen  Leinwandlappen  ge- 
bunden, den  man  Säuglingen,  um  sie 
still  zu  halten,  an  Stelle  der  Mutter- 
brust in  den  Mund  steckt;  auch  Zucker- 
titt,/.,  Zuckerzitze.  Marold.  In  Bayern 
Zuller.     SchmellerlV,  255.    S.  Zulp. 

Zttls,  m.  Vorn.,  Cölestin.  Hartwich, 
54. 

Zttmpel,  m,  u.  Zusammensetzungen  s. 

Zlmpel. 

Zopf,  77».  I.Rausch.  Einen  Zopf  ha- 
ben^ einen  Rausch  haben.  Sprw.  I, 
445.  2.  beim  Flachsbinden  =  Topf 
(s.  d.). 

Zopp,  Zupp,  (?),  Wasserhuhn.  Na- 
tangen. Lett.  kuhpis  dass.,  während 
sonst  umgekehrt  preufz.- litauischem  k 
lettisches  z  zu  entsprechen  pflegt. 
Nsslm.,  Th.,  222. 

Zoppe,  /.,  Fischn.,  Zope,  Abramis 
ballerus,  Dzg.  Nhg.  Violet,  187. 
Sperber,  34:  Zop'. 

Zoppen,  seltener  zuppen,  sw,^  zurück- 
gehen, zurückschieben,  zurückweichen. 


Vielleicht  mit  zucken  verwandt  Jft 
dem  Fuhrwerk  zappen^  zurückzappen  — 
es  durch  die  Pferde  rückwärts  schie- 
ben. Bildlich  von  einem  Menscho, 
der  freiwillig  oder  gezwungen  von  sei- 
nem Vorsatze  oder  Vorhaben  abzustehea 
im  Begrifife  ist.  Er  fängt  an  zu  sof- 
peny  er  macht  Miene,  von  seinem  Vo^ 
nehmen,  Vertrage  etc.  zarückzaweicheo. 
Er  mufzte  zoppen,  er  mufzte  nachgeben, 
seine  Absicht  aufgeben.  Zopp!  als  In- 
terjektion. Zuruf  zu  den  Pferden,  zur 
Bezeichnung  der  Rückwärtsbewegmu^ 
überhaupt:  De  mot  zopp  zopp  herwder 
von  de  Ledder.  Seelen w.,  64.  Sper- 
ber, 34.    Bock,  85.     Hennig,  312. 

Zofe,  /.,  zofelig,  adj.^  s.  zoien. 

Zttse,  /.,  s.  Zäse. 

zofeln,  8to.,  s.  zoien. 

zofen,  zufen,  «u\,  zausen,  zerrend 
ziehen  und  reifzen,  ziehen,  reifzen  über- 
haupt; auch  zofeln.  In  der  Fiscbe^ 
spräche  zofen,  zofzen  die  Thätigkeit 
durch  welche  bei  der  Winterfiscberei 
unter  dem  Eise  die  Flügel  des  Netz- 
games (durch  Ziehen)  ausgebreitet  wer- 
den. Daraus:  Zofe,  /.,  Faser,  Zaser 
eines  au%ezausten, zerrissenen  Gewebe^ 
Bildlich:  ein  unordentliches,  abgerisse- 
nes Frauenzimmer.  Mhd.  Zuse  Haa^ 
locke,  zofelig,  zoilig,  zu&lig,  adj.,  ze^ 
zaust,  zottig,  ungeordnet;  vom  Haar. 
Was,  mit  so  zofzligem  Haar  wiüst  A 
auf  die  Strafze  gehen!  Hennig,  313: 
zusen, 

Zöser,  w..  Zauser,  Wolleznpfer,  von 
zOsen  zupfen.  Kein  Ttichmacher  muß 
dem  andern  die  WoUleser^  Zöser^  Kam- 
meler  und  Spinner . . .  ahspänsUg  machen, 
Bock,  NatV,  407. 

Zofzgabel,  /.,  gabelartiges  Fischer- 
gerät zum  Zofzen. 

Zofzhaken,  m.,  Bügel  mit  eisernem 
Haken,  Gerät  zum  Zofzen, 


Zofkloch  —  zuknefeln. 


499 


Zofzioch,  n ,  kleineres  Eisloch,  durch 
welches  die  Ruten  und  Leinen  der 
Garnflügel  weiter  gezofzt  werden.  P  a  s  - 
sarge,  ßalt.^  297,  schreibt  Zefzioch. 
Vgl.  Winterfischerei. 

Zotk,  /.,  Tante.  Westpr.  Von  dem 
gleichbed.  poln.  ciotka. 

ZU,  pitd.  tOy  tau,  als:  geschlossen, 
zugemacht,  verschlösse q;  verstopft.  Wir 
fuhren  im  zunen  Wageti^  im  geschlosse- 
nen Wagen.  Die  zune^  auch  ztcene, 
ja  sogar  zti'ffe  Thür.  Zune  Fenster,  Zue- 
ner  Schmandkuchen.  Er  leidet  am  zunen 
Leib^  an  Verstopfung. 

ZU  (u  lang  ausgehalten),  interj.^ 
Scheuchruf  zum  Schwein.     Samland. 

zubacken,  sw,^  s.  backen. 

zubbeln,  sw,^  zupfen.  Zubbel^  zubbel 
bt  de  Hm\  Wat  Niet  vom  Jahr!  Fried- 
land Ostpr.     Vgl.  zipen. 

Zubehör,  pltd.  TobehSr,  n.,  das  zur 
Sache  Gehörige.     Dorr,  1.  Wiew.,  92. 

zubiegen,  st^  zuwenden,  verdienen, 
gewinnen  lassen.  Man  mufz  dem  an- 
dern auch  etwas  zubiegen,     Treichel. 

zubringen,  st,^  verbringen,  verschwen- 
den, verderben,  vernichten.  Ebenso  in 
Hessen.  Vilmar,  472.  zubringerig, 
adj,^  verschwenderisch.  Weil  sie  och  eei* 
Mann  sehr  zubringrich  waren  ^  hadden 
se  all  veel  von  eet*em  Erbtheel  doi^ch- 
gebrocht,  Schaltj.  3,  10.  Schemio- 
nek,  46:  zubringrisch.  Zubringer,  m., 
Vei*sch Wender,  Durchbringer.  Er  ist 
ein  grojzei^  Zvhnngei\  Spiler  und  Döb- 
ler.  Stein,  Peregrinus  XIII,  87.  W. 
Mtsbl.  VI,  159. 

Zubrot,  pltd.  Tobrot,  n.,  Zuspeise,  das 
zum  Brote  Gehörige :  Butter,  Fleisch  etc. 
S.  Brot. 

ZUche,  /.,  s.  Ziehe. 

ZUChen,  sw.^  ziehen,  empfindliche  Luft- 
strömung veranlassen.  Es  zucht.  Da- 
von ZUChig,  adj.     Es  ist  zuchig. 


ZUchner,  w.,  Weber.  Ordenszeit. 
Hirsch,  320. 

Zuck,  Zucke,  /.,  s.  Zock. 

zuckeln,  m\,  s.  §chuckeln. 

Zuckerpuppe,  /.,  Puppe  aus  Zucker, 
auch  beliebtes  Seh meichel wort  zu  Kin- 
dern. 

Zuckertitt,  /'.,  s.  Zoller. 

Zuckung,  /.,  Epilepsie,  s.  Httchste. 

zuddern,  sw,^  s.  zoddern. 

Zudeck,  pltd.  Taudeck,  Tödeck,   m.^ 

Deckbett.  Wer  kein'n  Taudeck  heft, 
legg  sock  op  em  Buk  on  deck  sock  mot 
em  Arsch  tau.     Sprw.  I,  4182. 

zudecken,  sw,^  s.  decken. 
zQen,  adj,^  s.  zu. 

Zug,  m,  1.  antreibender  Zuruf:  vor- 
wärts; von  ziehen,  Zug,  Zug!  Zug  in 
die  Beine!  Kgsbg.  Sprw.  II ,  3014. 
2.  die  VerschifiFung  des  Getreides  see- 
wärts. Dzg.  Klein  I,  4.  Vgl.  Ab- 
kunft 3.  Stelle  in  Seen  etc.,  an  wel- 
cher das  grofze  Garn  erfahrungsmäizig 
gezogen  werden  kann,  ohne  an  Steinen, 
Holz  oder  dergl.  hängen  zu  bleiben. 
Sünse7*see  mit  16  zögen,  Grrossendorfsclie 
See  mit  9  zögen,  Rechnung  des  Amtes 
Heilsberg  von  1587.    Ben  ecke,  293. 

Zuggam.  n,,  s.  Wädegam. 

Zugift,  /.,  Zugabe.  Die  Zugift  ist 
bei  den  Bäckeim  abgekommen,  Bock, 
85.     Hennig,  313. 

Zugleine,  /'.,  Leine  an  den  Netzenden, 
durch  welche  das  Netz  fortgezogen 
wird.  Sie  heifzt  auch  Reef,  n.,  kassub. 
leper.    Vgl.  LOper. 

Zugloch,  n,y  masur.  vmrwakiy  bei  der 
masurischen   Winterfischerei  das  Zo/z- 

loch,    S.  Winterfischerei. 
Zugnetz,  n.,  s.  Wädegam. 
zuhause  kommen,  s.  Haus  4. 
zuhOf,  adv,j  s.  tohOp,  tehOp. 
Zakehrungswäke,  /.,  s.  Winterfischerei. 

zuknefeln,  sw,^  zuknöpfen.    Oberland. 

32* 


500 


zuknippen  —  Zuris. 


zuknippen,  sw.^  s.  knippen. 

zukOsen,  sw.y  zusprecheD,  ansprechen, 
anreden.  Ak  Chim  em  togekoosty  an  de 
Afkaat  vernahmen^  wie  sine  Sache  stund. 
Carm.  nupt  III,  50  c.    S.  kösen. 

Zukost,  pltd.  Tokosty  nach  Bock,  85, 
ZumOs,  /.,  die  Nebenspeise,  sonst  Vor- 
kost, Vorspeise  (Suppe),  weil  sie  dem 
Hauptgerichte  zugegeben  wird  und  in 
vielen  einfachen  Familien  heute  noch 
n a ch  demselben  genossen  wird.  S che- 
mionek,  46,  erklärt,  allgemein  ver- 
ständlicher, aber  nicht  zutreffend:  das 
Gericht,  welches  auf  die  Suppe  folgt. 
Hennig,  313. 

zukrampen,  sw.y  s.  krampen. 

Zukumft,  /.,  Zukunft. 

zulacken,  sw.^  mit  Siegellack  ver- 
schliefzen,  auch  mit  Oblate  (s.  Mund- 
kwk), 

zulegen,  sw.  1.  anschaffen.  Sich  einen 
Garten  zulegen^  eine  Frau  zulegen.  2. 
erziehen^  grofzziehen.  Sich  ein  Kalb, 
ein  Füllen  zulegen,  es  für  den  Gebrauch 
grol'zziehen. 

Zulp,  m.,  Lutsch-  oder  Saugbeutel. 
Gortzitza.  Für  Estland  bei  Sall- 
mann,  74b.    S.  Zoller. 

ZumalZy  pltd.  Tomat,  n.,  im  Getreide- 
handel Mafz  von  Geschäft  z  u  Geschäft 
in  der  Stadt,  wobei  das  Maiz  ein  ge- 
nau richtiges.  Egsbg.  Vgl.  Abmafz  u. 
Aufmalz. 

Zum&fZy  adv,  zumdjz  kommen ^  zur 
rechten  Zeit,  zu  passender  Gelegenheit 
kommen.  Af dinge  kommt  ommer  to- 
mät 

Zumft,  /.,  Zunft. 

zumpeln,  sw.,  hinkend,  schwerfällig 
gehen.    Mühling.     Vgl.  humpeln. 

ZumQs,  /.,  s.  Zukost. 

ZUndy  adv.,  jetzund,  gegenwärtig.  Ek 
hol  (halte)  zund  blot  (blolz,  nur)  noch 


dree  Mann  on  eenen  Jung.     Dorr,  I 
Wiew.,  15. 

Zunder,  m.,  von  zünden^  Mut  D 
hast  6k  ken  Zunder^  du  hast  auch  kd 
nen  Mut.    Elbing. 

zOner,  adj.,  s.  zu. 

zUnftlg,  pltd.  zttnflig,  adJ.vLiMdv.,  eigeni 
lieh:  zur  Zunft  gehörend,  Zanftred 
besitzend;  dann:  gut,  vollständig.  1 
stammt  zonftigy  es  stimmt  zunftig,  d. 
auffallend  gut,  vollständig.  König! 
borg. 

Zunge,  /.,  Teil  der  Zache  (s.  d.). 

Zungenpeitsche,  /.,  kletterndes  Lal 
kraut,  Galium  apctrine  L.  Hagei 
166. 

zungers,  ado.,  besonders.  Ermland.  ( 
Beleg  unter  frtdeln. 

zUngerst,  adv.,  s.  zings. 

zunichty  adv.,  zu  nichts  in  dem  Sini 
von  entzwei,  verderben,  vernichten.  Di 
Bengel  schlägt  alles  zunickt.  Die  Eä 
ner  haben  das  ganze  Beet  zunicht  j» 
macht. 

Zunzel,  /.,  altes  Weib.     Treichel. 

zupampsen,  sw,,  mit  Geräusch  zufull« 
Treichel.    S.  pampsen. 

zuplinken,  sw,y  s.  plinken. 

Zupp,  (?),  Vögeln.,  s.  Zopp. 

zuppen,  sw,,  s.  zoppen. 

ZuprTne,  /.,  s.  SchuprTne. 

zupsen,  sw.,  s.  zipsen. 

ZUiüumen,  sw,,  zuschliel'zen,  zumache 
Es  hat  uns  der  Tag  versäumt,  Det^ 
die  Thür  war  zugeräumt,  Aufschrift  g 
täusch ter  Diebe  auf  eine  Thür.  Spe: 
ber,  34. 

zurichten,  pltd.  torttchte(n)y  «tr.,  b 
schmutzen,  die  Kleider,  Gesicht  ui 
Hände.  Wie  hat  er  sich  wieder  zuj 
richtet?    S.  abrichten. 

Zuris,  m.,  eine  Art  groizer  Zwei] 
(s.  Dwarg),    Voc.  688:   mris,  lit.  sur 


zarücklernen  —  Zwäskezagel. 


501 


mss.  poln.  böhm.  syr  Käse.  Nsslm., 
Th.,  21.    Hennig,  313. 

zurUcklernen,  Str.,  Ruckschritte  machen. 
Wie  kann  eine  Stadt  zweifeln,  ob  ihr 
Prediger  zurücldemen  mu/Zy  wenn  er 
vom  Morgen  bis  zum  Abend  in  der 
Kirche  zu  sein,  gezwungen  ist.  Soph. 
R.  III,  475. 

zurückzahlen,  sw.^  heimzahlen,  wieder- 
vergelten. Wie  sali  §ck  em  dat  trigg- 
tahlenf  Denn  betahlen  w§ll  §k  em  dat 
Dorr,  1.  Wiew,  31. 

zusäen,  pltd.  to8ege(n),  sw.   1.  Die 

Aussaat  beenden.  , .  .in  Johannis^  wenn 
sie  zugesäet  haben,  pflegen  (sie)  oben  uff 
einer  langen  Stange  ein  Pusch  von  aller- 
handt  Kraut  anzubinden.  Pierson, 
Matth.  Prätor.,1^25.  2.  schwängern.  Bt 
er  OS  tugesegty  sie  ist  schwanger. 

zusälen,  8w.,  s.  sälen. 
zusammenbasteln,  sw.,  s.  basteln, 
zusammenfuchsen,  sw.,  s.  fuchsen, 
zusammenkrunzeln,  »w.,  s.  krunicheln. 

Sich  zusammenkrunzeln,  den  Körper  in 
eine  Lage  bringen,  in  welcher  die 
Glieder  völlig  eingezogen  sind.  Ma- 
rold. 

zusammenreifzen,    pltd.    tosamme(n)- 

rTte(n),  st.  1.  zur  Bezeichnung  von 
Geschwurbildung,  Vereiterung,  Gicht- 
knorren. Vgl.  Reifzung.  2.  in  bösen 
Streit  geraten.  Ich  bin  mit  ihm  heute 
gehörig  zusammengerissen. 

zusammenstoppeln,  sw.,  s.  stoppeln, 
zuschanzen,  pltd.   toschanze(n) ,  sw., 

zuwenden  (einen  Kunden),  zukommen 
lassen  (eine  Arbeit). 

zuscheln,  sfio.,  zischeln.    Treichel. 

Zuse,  /.,  Nachtanz,  Schlufztanz,  der 
orewöhnlich  über  Tische  und  ßänke 
ging.  Der  Nachtantz,  als  die  Zuse  Ober 
die  Bäncke  etc.,  sollen  ziemlicher  und 
gebührender  mcisse  gehalten  werden.    Altr- 


stadtische  Hofordnung  v.  J.  1544.  Erl. 
Fr.  I,  497.  Hennig  leitet  das  Wort 
von  zusen,  zausen,  ab.  Die  Zuse  hat 
sich  in  dem  Orofzvatertanz  („Als  der 
Grofzvater  die  Grolzmutter  nahm  etc.^ 
Volksr.,  273,  945)  erhalten.  Bock, 
85.     Hennig,  313. 

Zuseher,m.,  Aufseher,  welche  schlechte 
Ware  aus  den  Bänken  und  von  den 
Märkten  zu  entfernen  hatten.  Hirsch, 
310. 

zuien,  sw.,  zuilig,  adj.,  s.  zoten. 

zusseln,  sw.,  aus  zu^en  zausen;  nach 
Treichel  in  thätlichen  Streit  geraten: 
wenn  sich  zwei  Frauen  prügeln,  so 
zusseln  sie  sich.  Davon  Zusselei,  /., 
Ärgernis,  Zank,  Streit  verzusseln,  sw., 
verzausen,  in  Streit  geraten. 

zustecken,  sw.,  heimlich  zuwenden. 
Die  Köchin  steckt  ihrem  lAebhaber  et- 
was Braten  zu.  Bock,  85.  Hennig^ 
313. 

zustUck,  zustUcken,  adj.,  s.  StUck. 

zustUlpen,  sw,  s.  stUlpen. 

zuwas,  zu  was,  adv.,  warum,  wozu« 
Zuwas  hast  nicht  gehortf  Zuwas  fragst 
nicht? 

zwacken,  sw.,  im  Preise  drücken.  Ich 
hab  ihm  doch  noch  e  halben  Gulden  ab^ 
gezwackt,  ich  habe  die  Ware  um  50 
Pfennige  billiger  gekauft. 

Zwalchweizen,  m.,  nach  Pritzel,  68, 
in  Ostpreufzen  auch  Mattwisch,  s.  v.  a. 
Dwelch,  Dwalch  (s.  d.).  Nach  Hagen, 
135,  Zwalchweizen  Tanmellolch,  Lolium 
temulentum  L. 

Zwasel  (a  kurz),  m.,  Baumast,  Knüt- 
tel.   S.  Zwei  u.  Zwassel. 

Zwäske,  ZwSske,  n.,  Pärchen,  Zwillinge. 
Dönh.  InDitmarschenTti^escA^n.  Quick- 
born, 368. 

Zwäskezagel,  Zwtekezagel,  m.,  Zangen- 
käfer,   Ohrwurm,    Forßcula,   nach  der 


502 


Zwassel  —  Zwölften. 


Zange,  die  in  ihren  beiden  Gliedern 
ein  Pärchen  bildet,  also  eigentlich  Pär- 
chenzageL     Dönh. 

Zwassel,  m,^  kleiner  und  verwachsener 
Mensch.    Schemionek,  46.  S.Zwasel. 

zweispillig,  adj,,  s.  spillig. 

Zweitrüt,  m.,  Tanz,  bei  welchem  mit 
jedem  Falz  zweimal  nacheinander  auf- 
getreten wird.  Mäke^  lät  den  Wocke 
statte^  Komm^  wt  wolle  den  Tweitrött 
gäne,     Volksr.,  236,  831. 

Zw6l,  m..  Zweig,  Äst.  Natangen. 
Nsslm.  Forsch.,  3.     Vgl.  Zwasel. 

Zwile,  /.,  Handtuch.  Hagen,  No- 
rika,  84.  In  Hessen  u.  Bayern  2jweihle^ 
Zivehle^  Handzwehle.  Vi  1  mar,  474. 
Schmeller  IV,  304.  Hierher  gehörig: 
Zweltngf  Denkst  noch  an  'ne  Zweling? 
De  kosft  mt  manche  Schelltng.  Volksl , 
15,  7,  1. 

Zwerg,  tt».,  s.  Dwarg. 

Zweske,  n.,  s.  Zwäske. 

ZwSskezagel,  m.,  s.  Zwäskezagel. 

Zwiebel,  /.,  s.  Zwickel. 

Zwickel,  hin  und  wieder  auch  Zwichel, 
/.,  rote  Rübe,  Runkelrübe,  Beta  vul- 
garis L.  Lit.  swiklas  (bei  Pierson, 
Matth.  Prätor.,  149:  czivikla),  lett. 
hnklsy  poln.  iwikla.  Nsslm.  Forsch. 
3;  Th.,  214.  Er  hat  Hände  vne  ^ne 
Zwickel^  rot  von  Frost.  Ei*  ist  von 
der  elften  Zmckel  die  zwölfte  Supp\ 
zur  Bezeichnung  entfernter  Verwandt- 
schaft. Oberland.  S.  Pritzel,  58. 
Bock,  86.  Hennig,  314.  Vgl. 
Bete. 

zwicken,  sw,  1.  kneipen,  einklemmen. 
Jeroschin:  und  zwicten  in  (den  Na- 
bel) in  den  boum  62h.  Pfeiffer,  290. 
2.  übervorteilen.  Sie  haben  ihn  gut 
gezwickty  ihn  übers  Ohr  gehauen.  3. 
nach  Mühling  mit  klein  geschlagenen 
Steinen  oder  Ziegelstücken  etwas  aus- 
füllen.   Bock,  86.    Hennig,  314. 


Zwickholz,  Pflzn.,  europäisches  Pfaffen- 
käppchen,  Evonymus  europaeus  L,  Ans 
dem  Holze  werden  Schuhnägel,  Zwicken^ 
Zwecken  verfertigt.  Hagen,  259. 
Bock,  Nat.  m,  176.     Pritzel,  150. 

Zwieback,  9n.,  Taschenuhr;  Scherz- 
bezeichnung. 

zwiebeln,  sw.^  peinigen,  plagen,  quä- 
len, wie  die  Zwiebel  das  Äuge  zu 
Thränen  reizt.  Sie  haben  ihn  im  Examm 
gut  gezwirbelt  Ich  tcill  die  Meinigen 
so  lange  zwiebeln^  bis  sie  in  Aminen 
Eigensinn  einwilligen,  Soph.  R.  VI,  214. 
In  Hessen  auch  ztcibbeln.  Vilmar, 
474. 

ZwiedUster,  n.,  ^.  TwedTster. 
ZwTfel,  /.,  s.  Zippel. 

zwingen,  sty  überwältigen,  nieder- 
kriegen. Er  zmngt  ihn^  er  wirft  den 
schwachem  Gegner  zu  Boden;  auch 
bezwingen.  Er  hat  ihn  bezwungen.  Ich 
kann  es  nicht  (mehr')  bezwingen,  ak 
Ablehnung  beharrlicher  Nötigung  zum 
Essen. 

Zwirn,  w.,  blauer,  Kombranntwein. 
Hei  di  dittum,  blaue  Twem^  bost  mn 
Mann,  on  seh  dl  gern!  Volksr.,  251^ 
870.  In  gleichem  Sinne  auch  im 
Brem.  Wb.  I,  96,  und  bei  Schützel, 
112. 

Zwirnsfaden,  m.,  Zwimfaden. 

Zwirnwurm,  m.,  Fadenwurm,  der  das 
Ansehen  einer  Darmsaite  hat,  daher 
Saitenwurm, 6o7'rfM«.  Mühling,  Tiem., 
179. 

ZwOlfschlunk,pltd.  Twelf8chlunk,Twelfte- 

SChlunk,  m.y  Schlunk,  Schlund,  der  für 
zwölf  schlingt,  Vielfresser,  Nimmersatt. 

Vgl.  Schlunk. 

Zwölfstrlfzel,  /.,  pltd.  Twelfrtrifzel,  j\ 
s.  Strtfzel. 

Zwölften,  /.,  Zeit  der  zwölf  Tage 
zwischen  Weihnachten  und  dem  hol. 
drei    Eönigstage,    25.  Dezember    bis 


Zwölftenascbe. 


503 


6.  Januar.  Nach  der  Yolksmeinung 
entspricht  jeder  dieser  Tage  der  Witte- 
rung eines  Monates.  Lichte  Zwölften^ 
dunkle  (volle)  ScJieunen;  düstre  Zwölf- 
ten^\  lichte  (leere)  Scheunen.  In  den 
Zwölften  darf  nicht  gesponnen,  nicht 
gemangelt,  nichts  geliehen  werden,  sonst 
kommt  der  Wolf  in  die  Herde;  auch 
darf  der  Dünger  nicht  aus  dem  Stall 
und  der  Kehricht  nicht  aus  der  Stube  ge- 
schafft werden  (letzteres  namentlich  nicht 
in  dem  Hause  eines  Hirten).  Der  Keh- 
richt wird  später  zu  Asche  verbrannt, 
und  diese  ZwOlftenasche  ins  Saatgetreide 
gemengt,  wodurch  man  eine  gute  Ernte 
erzielt.  In  den  Zwölften  fahren  auch 
die  Wencölfe  aus.    Wenn  in  den  Zwölf- 


ten in  einem  Dorfe  jemand  stirbt,  so 
sterben  im  Laufe  des  Jahres  12  Per- 
sonen in  demselben  Dorfe.  Es  ist  in 
den  Zwölften^  man  darf  den  Wolf  nicht 
nennen.  Er  hungert  wie  ein  Wolf  in 
den  Zwölften,  Die  Winterkälte  treibt 
die  Wölfe  aus  den  Wäldern  in  die 
Nähe  der  Dörfer;  doch  treten  sie  gegen- 
wartig in  unserer  Provinz  nur  noch  als 
Gäste  aus  Polen  und  Rufzland  auf. 
Das  erstere  Sprichwort  gebraucht  man, 
wenn  man  Scheu  trägt,  den  Namen 
dessen  zu  nennen,  von  dem  man  Scha- 
den fürchtet.  Sprw.  I,  1763.  4196. 4197. 
N.  Pr.  Prov.-Bl.  VI,  214.  Hexspr., 
135.  143.  Bock,  86.  Hennig,  315. 
ZwOlftenasche,  /.,  s.  das  vor. 


Nachträge  und  Berichtigangen. 


Zum  ersten  Bande. 


A. 


a(la)  klingt  im  provinziellen  Hoch- 
deutsch oft  bmg:  arbeiten^  Arbeit^  arg, 
arm,  Arm,  Arzt,  Arznei  (davon  ärzt- 
lich mit  langem  ä);  bärmlierzi^y  darben^ 
erbarmen,  Garbe,  Gärriy  Gärten  (Plural 
GärteUj  auch  Gärte  —  d  lang  — ),  Ge- 
genwart^ Härm,  Gemäch,  karg,  Narbe 
etc.;  d  klingt  kurz  in:  schmal  (scbmall), 
davon  schviäller  statt  schmäler,  erschrack, 

a,  ä,  interj,,  auch  in  Verbindung  mit 
wo:  a  WO,  ä  WO,  Zweifel  oder  Verwun- 
derung ausdrückend,  in  dem  Sinne  von : 
ach  warum  nicht  gar,  nicht  möglich?! 
Üblicher  jedoch  i  wo.     Vgl.  ä  wo. 

ä  (1  b),  wird  hochdeutsch  auch  falsch- 
lich lang  gesprochen:  sätigen  statt  sd^- 
tigen,  nachlä/zig  statt  nachlässig,  gegen- 
wärtig, 

aalen,  sw.,  sich,  sich  wie  ein  Aal 
kräftig  und  wohlbebaglich 'winden  und 
wenden;  s.  älen. 

Aalschnur,  f,  1.  Schnur  mit  Angel- 
haken zum  Aalfange.  Vgl.  Aalangel. 
2.  Exkrementhaufen.  Er  hat  Aalschnur 
gelegt    Sprw.  I,  1098. 

Aaskaule,  /.,  s.  Schinnkaule  N. 

abarbeiten  (4b),  auch:  eine  schuldige 
Summe  durch  Arbeit  abtragen.     Ma- 

rold.    Vgl.  abspinnen. 

abbekommen,  st^  ausgescholten  wer- 
den.   Die  hat  dafür  gut  abbekommen. 

abbluten,  nltd.  afblOde(n),  sw.,  ver- 
bluten, veroluten  lassen,  schlachten. 
öck  war  de  Hener  altk  noch  aßlöde, 
ich  werde  die  Hühner  gleich  noch 
schlachten,  sagte  eine  ßäueriu  zur  Haus- 


frau, als  sie  ihre  Huhner  verkauft  hatte. 
Kgsbg. 

Abedillendok,  Med.,  Opodeldok. 

Abendbrot  (5  b),  oft  auch  AbenbroL 

Abendschlag,  m.,  s.  Letzte  N. 

aber  (6  a),  oft  auch  aberst,  abencM, 

awerscht,  awarscht  Verwechselung  mit 
oder  (s.  d.):  Wirscht  horchen  aber  nei, 
wirst  du  gehorchen  oder  nicht!  Finf 
aber  sechs  Stück. 

abgnupsen,  »w.,  s.  gnuffen. 

abgOnsfa'g,  od/.,  abgünstig,  neidisch. 

abhalsen,  sw.,  s.  aufhalsen  N. 

abhauen,  sw.,  das  Getreide  mähen. 

abkeilen,  sw.,  Schulerausdruck:  1. 
schriftliche  Arbeiten  absehen,  abschrei- 
ben. 2.  Zeichnungen,  Karten  durch- 
drucken, durchpausen.    Nach  Schmidt 

für  1  auch  abkloppen,  abklopfen;  nach 
Frey  tag  für  2  abknUllen,  durchknllllen, 
durchknailen. 

abklünzen,  sw.  1.  Böttcherausdruck: 
den  kranzartigen  Bodenrand  eines  Uolz- 
gefai'zes  (Eimer,  Tonne),  der  morsch 
geworden,  abnehmen,  wegschneiden, 
und  den  Boden  etwas  höher  in  einen 
neuen  Einschnitt  einfugen;  also  s.  v.  a. 
abkrösen  (s.  d.).  2.  nach  Marold  auch 
=  abgrenzen  (s.  d.);  doch  dürfte  in  die- 
sem*-Sinne  k  wohl  nur  sehr  vereinzelt 
gehört  "werden. 

abkratzen  (8a),  auch:  beschämt  da- 
von gehen.  Ebenso  in  der  Niederlaus. 
Anton,  7,  3. 

abkündigen,  sio.^  von  der  Kanzel  herab 
die    bevorstehende    Verbindung    eines 


ablaufen  —  allschoDst. 


505 


Brautpaares  kund  thun.  Wann  der 
Bteuügam  nach  alter  löblichen  gewonheit 
kostung  machen  icilly  sal  er  »ich  den 
Sontag  wann  er  abgekündiqet  tvirt  dem 
Bürgermeyster  anzeigen,  Kleid.-Ordg., 
375.     Gewöhnlich  aufbieten  (%,  d.). 

ablaufen  (9a),  durch  Lauten,  zahl- 
reiche und  wiederholte  Besuche^  andere 
müde  machen,  gleichsam  abnutzen;  für 
sich  etwas  zu  erreichen  trachten.  Er 
läuft  dem  Teufel  ein  Ohr  ab^  der  Stellen- 
jäger. 

abmergeln  (9  b),  in  der  gegebenen 
Bedeutung  richtiger  auf  nd.  marken 
(Schamb.,  138  b)  zurückzuführen.  Vgl. 
Weigandn,  77. 

abpftsern,  sw,^  s.  p&sem. 

abpfeifen  (10 a),  nach  Marold  über- 
haupt die  iStunde  durch  Pfeifen  an- 
zeigen; in  Kgsbg.  jedoch  nur  in  betreff 
der  letzten  Stunde. 

abplustem,  sw.y  s.  plustern. 

abpochlonschen,  sw.^  lungernd  um 
Speise  betteln;  von  dem  poln.  pochion 
Vielfrafz.     Oberland. 

abraizen,  sto.,  s.  ratzen. 

abrutschen,  str.,  sterben. 

abschieben,  st,  s.  v.  a.  abschauben  2. 
Er  mujz  abschieben^  un verrichteter  Sache 
abziehen.  Schieb  a6,  mache,  dal'z  du 
fortgehest! 

abschinden,  -schingen,  st,  sich,  sich 

eine  Hautwunde  zuziehen;  sich  abquä- 
len.   Vgl.  schinden. 

abschlubbem,  sw.,  sich,  sich  abschüt- 
teln, von  sich  schieben,  fem  halten. 
Sich  die  Arbeit  abschlubbem,  sie  von 
andern  ausführen  lassen.     Saalfeld. 

abschrecken  (IIb).  Beleg  zu  1:  Die 
Hühner  vom  Beete  abschrecken,  verjagen, 
indem  man  sie  erschreckt. 

absolut,  adv.^  durchaus,  schlechter- 
dings. He  (der  Eber)  umll  abs'lut  nich 
öm  Stall  rin.     Samland.     Vgl.  partQ. 

abspinnen,  st.  1 .  den  Vorrat  an  Flachs, 
Wolle  etc.  von  der  Puppe  fertig  spin- 
nen. 2.  durch  Spinnen  eme  Schuld  ab- 
tragen. De  Uwe  Gottke  ward  et  betäle 
on    de   Grofzmutterke    afsponne.     Vgl. 

abarbeiten  N. 
abstaken,  sw,^  s.  stäken. 

absund,  adv,^  absonders,  abgesondert, 
besonders.      Ich    mufz    den    Schorscht 


(Eaminofen)  un  auch  den  Oben  (Zim- 
merofen) absund  hitzen,    Saalfeld. 

abtreiben  (13a),  nach  Marold  auch 
intrans.  schnell  weggehen,  also  gleich 
dem  allgemein  üblichen  abziehen.    Vgl. 

abschauben. 

Achtehalber  (14a),  oft  auch  Achthalber, 
Achtalber. 

Achtzehner  (14b),  gewöhnlich  Ach- 
zehner. [Ebenso  spricht  man  a^hzig 
statt  achtzig.] 

Ackerpfrlenrien,  m.,  Pflzn.,Färber-Wau, 
Reseda  luteola  L.  Hagen,  497.  Pritzel, 
328. 

Ackerschnriele,  /.,  grofze,  s.  Taugras. 

adchfi  (15  b),  gewöhnlich  im  Dem. 
adcheche^  adgeche;  in  der  Kindersprache 
auch  adJdä. 

Adebar  (16a),  zu  lesen  ist:  ahd.  ode- 
bero,  mhd.  adebei*o,  ahd.  u.  alts.  beran. 

äderkauen  (17a),  nach  v.  Auer  im 
Samlande  auch  oderkauen. 

Adjudant,  m.,  Adjutant. 

adrett,  adj.y  aus  dem  franz.  adroit^ 
gewandt,  wohlaussehend,  propre,  stramm 
gekleidet.     Dat  ös  e  adretter  Kerl, 

Afkät,  m.y  Advokat.  Er  spuckt  wie 
ein  Afkät,  der  Verschleimte. 

Ahlkirsche,  /.,  s.  Faulbaunri  N. 

ahnden,  sw.,  ahnen.  Da»  ahnd  mir 
schon,  da/z  es  so  kommen  würde.  Vgl. 
Grimm,  Wb.  T,  193. 

Akebosade,  /.,  s.  Argepassarge  N. 

akkedieren,  sw,,  akkordieren. 

alart,  adj.,  aus  dem  frz.  alerte,  be- 
reit, auf  dem  Platze,  zum  Ausmarsche 
fertig. 

Alebasterpulver,  Medik.,  Conchae  prae- 
paratae, 

alen  (19  a),  1.  dien,  pltd.  dien, 

Alkirschbaunri,  m.^  s.  Faulbaunri  N. 

allgewalt,  adv.,  mit  aller  Gewalt,  un- 
ter allen  Umstanden,  durchaus.  Er 
vmll  partu  un  allgewalt  ins  Zimmer, 
Saalfeld. 

allmachten,  »w.,  im  Bett  sich  ruhelos 
umher  werfen.    Er  hat  die  ganze  Nacht 

feallmachtet ^    der    Kranke,    der   keine 
Luhe  fand.    S.  verallmachten. 

Allmodengasse,  /.,  Strai'zenname  in 
Danzig  =  neumodische  Gasse,  Strafze 
ä  la  mode     Löschin,  47. 

allschonst  (20  b)  steht  fehlerhaft  mit^. 


506 


allweg  —  Apfeldumke. 


allweg  (21  a)^  auch :  auf  alle  Fälle. 

almodisch,  adj.  ==  ä  la  mode,  neumo- 
disch. Bei  Stein,  Peregrinus  X,  5: 
almodische  J ecken,     W.  MtsbL  V,   158. 

alskalbern  (21  a),  für  die  Ableitung  s. 

kalbern. 

Alte  (21a)^  für  1.  auch  Altche. 

AltelOröl,  AntelOröl,  Medik..  Oleum  lau- 
nnum  unguinosum, 

Alter  (21b),  als  vertrauliche  Anrede 
der  Frau  an  den  Mann:  Alterchen. 

altern,  sw,^  altern.  Was  sind  sie  ge- 
altert! 

anriend  (23  a),  auch  ameng. 

ampeln  (23  a).  Nach  etwas  ampeln, 
begierig  nach  etwas  greifen,  streben. 
V.  Au  er.    Vgl.  angeln. 

Amizel,  /.,  Vögeln.,  Amsel. 

anbelken,  »w.,  anbölken,  laut  mit  hef- 
tigen Worten  anfahren  =  anbellen.     S. 

belken. 

anbraten,  st.,  leicht  braten  lassen; 
bildlich:  etwas  oberflächlich  behandelu, 
in  eine  Frage  nicht  gründlich  eindrin- 
gen.   Schmidt. 

angeben  (24  a),  auch  toben,  wüten. 
Der  giebt  so  an,  da/z  es  bis  auf  die 
Strafz^  zu  hören  ist.     Saalfeld. 

Angeritze,  /.,  s.  Ul. 

angewandt,  im  Volksmunde  =  unguen- 
tum  in  verschiedenen  Medikamenten. 

anhaggern,  sw.,  s.  haggem. 

Anhängsel,  7i.,  Anhangendes,  Gefolge. 
Eine  Witwe  ohne  Anhängsel,  kinderlos. 

Anlsftster,  m.,  Gewürzer.    Schmidt. 

ankolken,  sw.^  anreden;  von  einem 
lästigen  Menschen.     Schmidt. 

Ankumft,  wi.,  Ankunft. 

anlaufen  (27  a),  ursprünglich  militäri- 
scher term.  techn.  für  angreifen;  Gegen- 
satz ablaufen  =  zurückgeschlagen  wer- 
den.    Freytag. 

anleckern,  sw.,  si^h,  bestrebt  sein,  sich 
einzuschmeicheln.     Gortzitza. 

anmachen,  siv.  1 .  anlehnen,  zumachen^ 
schliefzen.  Di£  Thür  —  die  Fenster- 
laden anmachen.  2.  anzünden.  Fetter 
anmachen.  3.  herrichten.  Salat  an- 
machen. 

anmandOren,  sw.,  s.  einmandtren. 
anmelem,  sw.,  s.  bemeiem  N. 
Annmarie,  w.  Vom.,  Anna  Maria. 


anno  (27  b).    Im    letzten  Beispid  L 
Anno. 
anpesern,  sw.y  s.  päsem. 
anpettem,  anvettern,  9w.y  sich,  sich 

einzuschmeicheln  suchen.     Mar  cid. 

anplndeln,  -pingeln,  sw.,  s.  pUngeln. 

ansäfzig,  adj.,  die  ursprünglich  rich- 
tige Form,  ansässig.     S.  safzhafL 

Anschlfz,  m.,  anscheifzen,  sw.,  s.  Schib. 

Anschlag,  m.,  s.  Letzte  N. 

anschmeifzen  (29a).  Dies  Spiel  wird 
in  Königsberg  mit  Knöpfen  und  na 
Knöpfe  gespielt,  wobei  besondere  Fest- 
setzungen über  den  Wert  der  Abstände 
bestehen:  Spanne  und  Daumenbreite; 
berühren  zwei  Knöpfe  einander,  so 
brennt  es,  und  der  Besitzer  des  ge- 
troffenen Anschmisses  befindet  sich  in 
gröi'zerem  Verluste.  Stücke  von  Messer- 
klingen sind  in  Königsberg  zum  An- 
werfen nie  gebraucht  worden;  auch  ist 
der  Ausdruck  awpWnvmen  für  dies  Spiel 
hier  unbekannt,  Rosenkranz  wird  ihn 
von  seinen  Studenten  aus  der  Provinz 
überkommen  haben.  In  Gumbinnen 
wird  (vgl.  die  Rezension  der  1.  Liefe- 
rung des  Wb.  in  der  Kgsbg.  Härtung. 
Ztg.  1882.  No.  55.  Erste  Beilage.)  djß 
Anschmeifzen  mit  zerbrochenen  Messe^ 
klingen  genau  nach  der  Angabe  von 
Rosenkranz  gespielt:  die  Abstände 
sind  dort:  Spann  (die  ausgespannte 
Hand  ) ,  Daumchen  (  Daumenbreite ). 
Druffke  (eine  Klinge  liegt  auf  der  an- 
deren). In  der  Tilsiter  Gegend  heilzt 
das  von  Rosenkranz  anplimm^n  ge- 
nannte Spiel  Pinkerling  QKossinna),  in 
Westpr.  penschen  (s.  d.). 

anspafzen,  sw.  Einen  anspa/zeuj  ib 
um  eine  Kleinigkeit  in  Freundschaft, 
aus  Seherz  bitten:  um  eine  Cigane, 
ein  Schnäpschen  etc.     Vgl.  kiiUiken  N. 

anstaffieren  (30b),  s.  ausstaffieren  N. 

AntelOröl,  n.,  s.  AltelörOI. 

Antoniuskraui  Sankt,  Pflzn.,  schmal- 
blättriger Schotenweiderich,  Epilobium 
angustifolium  L.,  auch  Weidenrüscben. 
Pritzel,  139.     Hagen,  408. 

anvettern,  sw.,  sich,  s.  anpettem  N. 
Apfel,  Appel,  Appel,^77i.,  ApfeL 
Apfeldumke,  plur.,  Apfelklöize,  Eloiu 
worin  zerschnittene  Apfel   gethan  wer* 


äpfeldwatsch  —  aufreifzen. 


507 


den;  sie  werden,  mit  Zucker  und  Zim- 
met  überstreut,  in  zerlassener  Butter 
gegessen.     Treichel,  Volksth.  III. 

äpfeldwatsch,  pltd.  äppeldwabch,  ad}., 

nicht  recht  bei  Sionen. 

Apotheke  (31  b),  auch  hchd.  Aptheke ; 
ebenso  Aptheker. 
Appelquint,  Medik.,  Colocynthk, 
Aprillen,  n.,  auch  Aprilschicken,  April- 

{'agen.  Man  erlaubt  sich  am  1.  April, 
lin  und  wieder  auch  am  3.,  mehr  wie- 
der am  30.,  andern  unglaubliche  Dinge 
mit  der  ernstesten  Miene  zu  erzählen, 
oder  sie  nach  unmöglichen  Dingen  zu 
schicken:  der  Pregel  brenne;  Mücken- 
fett, Blauzwirnsaat  soll  aus  der  Apo- 
theke geholt  werden  etc.  Der  Ange- 
führte wird  mit  dem  Rufe  geneckt: 
April^  April!  oder  Aprils  April!  Ich 
kann  dich  nari*en^  vde  ich  itrill!  Vor- 
zugsweise in  Kinderkreisen  beliebt.  Vgl. 
Volkskal.,  76. 

Argepassarge,  Medik.,  Arkebusade, 
Mixtur a  vulneraria  acida.     Auch  Ake- 

bosade. 

^Arme,  plur,  von  Arm,  Mit  blofze 
Arme,     v.  Au  er. 

Armee  (32  b).  Zar  grojzen  Armee  ge- 
hen  =  sterben,  wohl  aus  dem  Jahre 
1812,  in  dem  la  grande  armee  in  Rufz- 
land  umkam.     Frey  tag. 

Armesin,  m.,  besserer  Kleiderstoff  in 
älterer  Zeit.     Viol^t,  178. 

arret6re(n),  sw,^  arretieren,  festnehmen, 
verhaften.  Se  hebbe  em  arretert^  nie: 
8€  hebbe  em  vei'hafft, 

Arschkerbe,  /.,  früherer  Strafzenname 
in  Königsberg,  s.  Burgfreiheit  N. 

Arwst,  w.,  Herbst,  engl.  Iiarvest,  Gor- 
dack.    Üblicher  ist  jedoch  pltd.  Harwst 

Äsche,  /.,  Fischn.,  s.  Nase. 

Aschenfett,  n.,  Medik.,  Oleum  Jecoris 
Aselli  flavum. 

Aschenpacker,  m.,  nach  Hirsch,  217, 
wohl  gleichbedeutend  mit  Aschbräker. 

Aschpflanze,  /.,  Cineraria  maritima  L. 
Weichseldelta.  Treichel,  Volksth. HL 

ätsch  (34  a)  in  2.  Bedeutung  wird 
vielfach  kurz  gesprochen. 

attackieren,  sw,^  sich  leidensöhaftlich 
benehmen,  wüten;  auf  jemand  einwir- 
ken wollen.    Saalfeld. 


Attan,  m.  jüd.  Vom.,  Natan.  S. 
NQ(zen. 

au  (34b):    Z.  1  ist  zu  lesen:    bleibt 

im  Plattdeutschen  au. 

aufbakebSren,  aufpackebSren,  sw,,  je- 
mand eine  Last  aufnötigen.  Saalfeld. 
Vgl.  BakebSren. 

aufbansen,  sw,y  aufschichten;  auch  re- 
flexiv:  sich  etwas  aufbansen^  aufladen. 

Vgl.  Banse. 

aufdrOseln,  »w,^  s.  v.  a.  aufdrisseln.  Im 
Oberlande  auch  auftröddeln. 

aufdrUcken,82^.,  durchprügeln.  Schmidt. 

Auferstehungsbaum,  m.^  verschieden- 
farbiges Schief  blatt,  Begonia  discolor  R. 
Br,     Treichel,  Volksth.  HL 

aufhalsen,  sw,^  sich^  sich  etwas  auf- 
bürden, auf  den  Hals  laden.  Da  hob' 
ich  mir  eine  gute  Geschichte  aufgehalst 
Gegensatz:  abhalsen,  entlasten;  ab- 
streifen: das  Pferd  hat  sich  abgehakt^ 
den  Halsriemen  abgestreift. 

aufkepsen,  sw,,  in  Kepse  (s.  d.)  setzen, 
häufen,  aufhäufen.  Keps  dir  nicht  so 
viele  Kartoffeln  auf  den  Teller,  Saal- 
feld. 

aufkniwein,  sw,^  durch  Kniwein  (s.  d.) 
Verwickeltes  entwirren,  einen  Knoten 
auflösen.     S.  aufpUngeln  N. 

aufkommen,  st.^  bestehen  im  Streit. 
Mit  de7ti  kann  er  nicht  aufkommen,  der 
wirft  ihn  nieder,  redet  ihn  nieder. 

aufmachen,  sw,,  herrichten,  in  Ord- 
nung briogen.  Ein  Bett  aufmachen, 
es  für  die  Nachtruhe  herrichten,  wobei 
das  Deckbett  zurückgeschlagen  wird. 

aufmintern,  sie,  aufioiuntem. 

aufpackebSren,  siv.,  s.  aufbakebSren  N. 

aufpäppeln,  sw.,  s.  pappen. 

auf pIQstern  (37  b);  auch  aufblasen :  vom 
Kalbfleisch  etc.     v.  Auer. 

aufpullen,  sw.,  s.  pullen, 
aufpulstern,  sw.,  s.  v.  a.  aufplustern. 
aufpUngeln  (37b),  nachMarold  auch: 
einen  Knoten  mühsam   auflösen.     Vgl. 

aufkniwein  N. 

aufputzen,  sw,,  s.  putzen. 

aufrabasteln,  sw,,  s.  rabasteln. 

aufreifzen,  st,  den  Mund,  das  Maul 
weit  öffnen  zu  Schimpf-  und  Tadel- 
reden. Er  rei/zt  sich  das  Maul  bis  an 
die  Ohren  auf. 


508 


aufruscheln  —  ausmergeln. 


aufruteheln,  sw.^  s.  ru§cheln. 
*  aufschmirgeln,  sw.,  s.  schmirgeln. 

auf  schönen  (38  a),  auch  reflexiv:  es 
schönt  sich  heute  noch  auf, 

aufstäken,  sw.^  s.  stäken. 

auftonnen,  sw.^  durchprügeln.  Ich  hab^ 
ihm  gehörig  was  aufgetonnt  Darkeh- 
men.     Schmidt.    Vgl.  aufdrucken. 

auftröddeln,  sw.^  s.  aufdröseln  N. 

auftubbern,  sw,^  nach  Marold  auch 
=  verzögern.     S.  tobbern. 

Augenbran,  /.,  Augenbraune.  So  schon 
bei  Herder.  Vgl.  Grimm,  Wb.  I, 
804.     Weigand  1,  92. 

Augennichte,  n.,  s.  Nichte. 

Augenwurz,  Pflzn.,  s.  Waldheelin. 

ausarbeiten,  sw,^  sich,  sich  müde  ar- 
beiten. Wenn  der  Mensch  sich  ausgear- 
beitet fuxt^  so  hat  er  auch  Appetit  zum 
Essen. 

ausbauern  (40  b),  im  Ermlande  und 
Oberlande  auspauem,  abwirtschaften. 

ausblasen,  st^  s.  ausklingem  N. 

ausbrUcken,  sw.,  pflastern.  Den  Stall 
au^sbrücken,  ihn  mit  Brettern  pflastern. 
Vgl.  Nsslm.,  Dainos,  196. 

ausdrehen,  sw.,  ausdrehen,  auswinden, 
ausringen,  auswringen;  die  Wäsche, 
nasse  Tücher. 

ausfenstern  (41a),  zunächst  jemand 
aus  dem  Fenster  Vorwurfe  machen. 
Vgl.  den  süddeutschen  Gebrauch  des 
fensteiTis.     Freytag. 

ausfeuern,  8u*.,  schlagen,  ausschlagen. 
Pferde  feuern  aus.  Ich  werd!  dir  gleich 
eins  '  ausfeuem^  eine  Ohrfeige  geben. 
Saalield.     Von  feueim  2. 

ausflammen,  sm?.,  prügeln.  Elbinger 
Ndrg. 

ausflitzen,  sw,^  einen  Ausflug  machen. 
Vgl.  flitzen. 

ausgeschlagen  in  ausschlagen   (45  a). 

Nach  Frey  tag  bezieht  sich  der  au^s- 
geschlagene  Tag  nicht  auf  das  Aus- 
schlagen der  Bäume,  wie  E.  Forste- 
mann  meint,  sondern  auf  das  Aus- 
schlagen der  Turm-  oder  Wandutr. 

ausgreifen,  st^  ein  Mädchen  lüstern 
angreifen;  auch  exgreifen.  Letzteres 
nicht  speziell  preulzisch. 

ausklären,  sw.^  sich,,  sich  aufklären, 
heller  werden;  vom  Himmel.  Nu  mird 
das  Wetter  besser^  es  klärt  sich  so  schon 


aus.  Saalfeld.  Vgl.  UAren  and  iri- 
schOnen  N. 

ausklauen,  sw.^  die  Klaue  (s.  d.)  zom 
Laufen  gebrauchen,  davonlaufen,  ent- 
fliehen. Der  Spitzbube  Idaute  auSj  ent- 
lief dem  ihn  transportierenden  Schutz- 
mann.    Kgsbg. 

auskleiden  (43  a),  nicht  allein  bei  E- 
bing,  sondern  auch  sonst  in  der  Pro- 
vinz gebräuchhch. 

ausklingem,  sw.^  amtliche  Yerordnnn- 
gen  dem  durch  eine  KUnger  (s.  d.)  zu- 
sammengerufenen Publikum  bekannt 
machen.  Je  nach  dem  Instrument  heilzt 
diese     Art    kleinstadtischer     BekaIm^ 

machung  auch  ausblasen,  austrommein. 
ausklOkern,  pltd.  Qtklttkere(n),  sw^  Ton 

klok  klug,  ausklügeln,  aushecken,  aa&- 
düfteln  (austüfteln).  Bei  Prozessen 
kommt  es  auf  richtiges  Ausidokem  an. 
Darkehmen.     Schmidt. 

ausklQwen,  st/?.,  s.  klOwen. 

auskobem,  sw.^  sich,  s.  v.  a.  erkowem. 

auskommen,  st  1.  entstehen,  aos^ 
brechen;  vom  Feuer.  Wie  ist  das  Feuer 
ausgekommenf  2.  verträglich  leben,  zu 
behandeln  sein.  Mit  dem  kann  num 
auskommen^  läfzt  sich  leben.  Es  üt 
kein  Auskomm^en^  oder  AtcskommenSy  mit 
ihm, 

auslatschen,  -lauischen,  sw.,,  s.  latschen. 

auslecken,  »w.,  sich.  Nach  dem  Hunde, 
der  seine  Wunden  durch  Lecken  heilt, 
auch  von  einer  zähen  Mensch ennatnr, 
die  sich  selbst  hilft.  Dem  schadet  das 
nichts,  der  leckt  sich  aus. 

auslenzen,  sw,,  s.  Lindstock. 

auslesen,  st,  lesen.  Ich  kann  das 
nic/U  auslesen,  ein  schwieriges  Wort 
nicht  fertig  bringen.  Schülerausdruct 
Lötzen.     Schmidt. 

ausmachen  (44  a).  3.  ausschelten,  aas- 
schimpfen, Verweise  geben  (wie  in  Po- 
sen). Öck  mook  er  uk  so  hd/zlich  vU 
As  dat  schwarte  Taschendook.  Dorr. 
65. 

ausmelden,  stt\,  abmelden,  entschul- 
digen. Ein  Schuler  meldet  den  andern 
at«,  wenn  dieser  die  Schule  versäumen 
muiz.     Lötzen.     Schmidt. 

ausmergeln,  sw,,^  kraftlos  machen:  den 
Acker,  sich  selbst.  Das  ist  ein  cats- 
gemergelter  Kerl.    Vgl.  abmergein  N. 


ausmastern  —  Bammlack. 


509 


ausmustern  (44  a),  sich^  sich  erb  ölen. 

auspauem,  sw.^  s.  ausbauem  N. 

ausplatzen,  aw.^  schlagen,  ohrfeigen. 
Snalfeld.     Erweiterung  zu  platzen  4. 

ausrTstern,  m\,  s.  rCstem. 
ausschechten,  »w.,  s.  schechten. 

aussitzen,  st^  einen  Stuhl,  ein  Sofa 
durch  Sitzen  bleibend  vertiefen.  Für 
Liv-  und  Estland  bei  Sallmann, 
92  b. 

ausspTlen,  sw.y  von  M>eäen  (s.  d).  Zum 
kranken  Kinde:  Sptf  doch  dem  Hei^m 
Doktor  das  Zungchen  aus! 

ausstaffieren,  sw.^  mit  Kleidern  aus- 
statten, zur  Reise  ausrüsten;  auch  re- 
flexiv.   Ebenso  anstaffieren.    Marold. 

Austletterwagen,  m,,  Erntewagen  mit 


hohen  und  langen  Leitern.  S.  Leiter- 
wagen N. 

ausverschämt,  adj,^  unverschämt.  Das 
wäre  zu  ausverschdmt 

auswundern,  sw.^  sich,,  sich  wundem, 
verwundem,  nicht  aufhören  können  sich 
zu  verwundern.  Ich  kann  mich  gar 
7iicht  auswundeim^  beruhigen. 

Aufzennehrung,  /.,  der  aufzerhalb  der 
Deiche  liegende  Teil  der  Nehrung.  Die 
auf  der  sogenannten  Aufzennehrung^  im 
Weichseldelta^  liegenden  Dörfer  hatten 
von  Versandungen  viel  zu  leiden.  Pas- 
sarge ^  Balt.,  103.    Vgl.  Aufzendeich. 

ä  wo,  inierj.  (47  b),  s.  a  N. 

ÄX  (47  b),  auch  Äxt.    Oberland. 

äxern,  sw.,  necken.     Marold. 


B. 


b  (47a)  wird  anlautend  auch  p: 
Buckel  Puckel^  Bündel  Pandel^  Pungel. 

baba  (48  b),  in  der  2.  Bedeutung  ruht 
der  Ton  auf  der  zweiten  Silbe. 

Babbichen.  TrautBabbiclien^  sieh  mich 
an^  nach  Pritzel,  61,  in  Ostpr.  Name 
für  die  gemeine  Mondraute,  Botrychium 
lunaria  Sw, 

Backel  (49  a).  Berichtigend  sei  er- 
wäbot,  dafz  Schabe  und  Keller  wurm 
nicht  zu  den  Käfern  gehören;  doch 
werden  beide  Backel  genannt. 

backern  (49  b).  auch  bakem,  bakerig. 

Backmull,  /.,  s.  Mulle. 

Badergasse,  /.,  Straize  in  der  Alt- 
stadt Königsbergs,  in  welcher  vorzugs- 
weise einst  Bader,  Barbiere,  Chirurgen, 
gewohnt  haben  mögen. 

Baga§ch  (50  a),  auch  Packa§che  (s.  d.). 

Bagatell,  n.,  Kleinigkeit,  ein  Leich- 
tes, das  franz.  bagatelle.  Dat  ös  mt 
man  Bagatell;  so  stets  und  nie:  das 
ist  mir  ein  Leichtes,     v.  Auer. 

baggern,  sw.^  eine  Wirtschaft  nach- 
lässig fuhren,  so  dafz  sie  in  Verfall 
gerät.     Marold.     Vgl.    baggern    unter 

backem. 

Balte  (50  b).  Zur  Ergänzung  der 
Ortsnamen  seien  noch  angeführt  Baiten 
im  Kr.  Memel  und  Baitkciven  bei  Lyck. 

bald,  adv.^    beinahe,  es  fehlte  nicht 


viel  daran.     Ich  war   bald   die'JTrepp* 
^runterge fallen^  in  einem  Haare. 

Baldgreis,  Pflzn.,  gemeines  Kreuz- 
kraut, Senecio  vulgaris  L.  Ostpreufz. 
Pritzel,    374.       Nach    Hagen,    869, 

Baldgreise, 

Balditi,  n.,  in  der  Fischersprache  am 
kurischen  Haff  das  Klopfen,  durch  wel- 
ches die  Fische  nach  den  Netzen  ge- 
scheucht werden;  es  geschieht  mittels 
der  Rimen  oder  Bootshaken^  oder  des 
Baldas^  eines  Stabes,  der  unten  mit 
einer  Scheibe  versehen  ist.  Lit.  baldyti 
stark  stofzen,  klopfen.  Mühling. 
Nsslm.,  Wb.,  326a. 

Baldrian,  griechischer ^  Pflzn,  blaue 
Himmelsleiter,  Polemonium  coeruUum 
L.     Pritzel,  294.     Hagen,  224. 

Balg  (51  b),  in  2.  Bedeutung  auch 
das  Balg. 

Balgen,  plur.  von  Balg,  die  zur  Orgel 
gehörigen  Blasebälge.  Davon:  Balgen- 
treter. 

Balinger,  vi.^  kleines  Schiff  zur  Ordens- 
zeit.    Danzig.     Hirsch,  2(3^. 

baller,  als  Teil  von  aller^  s.  aller- 
baller. 

Ballrose,  /'. ,  Schneeball,  Vibumum 
oüulus  L.  Weichseldelta.  Treichel, 
Volksth.  lU. 

Bammluck  (a  =  a),  m.^  Strohbündchen 


510 


Band  —  behitzen. 


als  Teil  der  imtern  (vordem)  Lage  des 
Strohdaches.  Schirwindt.  Lit.  bam- 
beluka%  bamblukai^  nach  Nsslm.  Wb., 
320b,  die  Strohbündchen,  welche  längs 
der  First  des  Strohdaches  angebracht 
werden. 

Band  (52  b).  Auch  schlanke  Birken- 
äste werden  zu  Bandstocken  gespalten. 

Bank,  /.  AUe  durch  die  Bank,  alle 
ohne  Ausnahme. 

Bank,  /*.,  kleinere  Genossenschaft  in 
der  Artus brüdorschaft  Danzigs.  Die 
Brüderschaft  sonderte  sich  in  den  klei- 
nen und  gro/zen  Hof^  jeder  von  beiden 
wiederum  in  Bake.  Die  Aufseher  und 
Diener  der  Bänke  hiel'zen  Bankmeister. 
Genaueres  s.  Hirsch",  202 ff. 

Bär  (54  a).  Peter  Bär  mit  der  langen 
Scher  scheint  in  der  ganzen  Provinz 
bekannt  zu  sein. 

Barabas,    m.,    grofzer  ungeschlachter 

Kerl.    Gortzitza.    Vgl.  Barabaus. 

Baranken  (54  a),  poln.  baran  Schaf- 
bock. 

Barb  (54  a),  Kürzung  von  Barbe. 

Barbuschchen,  7i.,  Name  für  die  Käfer 
der  Familie  Coccinella,  namentlich  C\ 
septetnpunctnta.   Gortzitza.   S.  bu§che. 

BarkhOlzer,  j^lur,,  s.  Pulpeinen. 

barnausch,  adj.,  nach  Marold  s.  v.  a. 
bemautsch  (s.  d.). 

Barnkraut,  Pflzu.,  gemeine  Bärenklau, 
Heracleum  sphondylium  L.  Ostpreul'z. 
Pritzel,  180. 

Barsch,  7W.,  Pflzn.,  Sumpf-Porst,  Le- 
dum  paltcstre  L.     Rössel.     Mühling. 

barschen,  barschen,  sw,  sich,  s.  pir- 
schen. 

Barse,  /.,   Schiff  zur  Ordenszeit,   ur- 

Srün  glich      von      geringerer     Grölize. 
irsch,  264. 
Bärstkraut,  n.,  s.  Wedendunk. 

Bartel  (56a),  nach  Gortzitza  Bart- 
scher Rekel. 

Bartlomä,  m.,  Kürzung  von  Bartho- 
lomäus. Op  Bartlomä,  am  24.  August, 
dem  Bartholomäustage. 

basseln,  sw.,  umherschlendern  und 
nichts  Rechtes  vorhaben.  Wie  ist  es 
blo/z  möglich,  so  'rum  zu  basseln  f  Saal- 
feld. 

bateijönsch,  ad/.,  aulzerordentlich,  vor- 
züglich.    En    bateljonsclier    Kerl,    ein 


Mann,  dessen  Leistungen  hervorragaid 
sind,  der  allenfalls  allein  leistet,  wss 
sonst  nur  ein  Bataillon  ausführt. 

Batze  (57b),  auch  Patze  (s.  d.). 
BauerknUppel,  m.,  s.  Knüppel. 
Bau§chan(59a).  Vielleicht  Entstelloog 

von  Sebastian. 

beaaseln,  sfio.,  beschmutzen,  s.  beaastti 

beda§eln,  sw.,  von  Schlägen  an  dea 
Kopf  (s.  Dasei)  betäubt  sein. 

bedeuten,  Sil?.,  deuten,  deutlich  madies, 
erklären.  Wart\  ich  werd^  dif^s  bednh 
ten,  sonst  weifzt  du  vom  hellen^  Uchtt^ 
Tag  nichts.     Saalfeld. 

bedrippt  (60b),  in  2.  Bedeutung  aach 
betreten,  verlegen. 

bedUstern,  sw.,  \om.  Düster^  dem  Aheni, 
der  Finsternis  erreicht  werd^i-  Wir 
müssen  machen,  da/z  wir  nach  Hause 
kommen,  sonst  bedOstem  tair  noch. 

befallen,  st  Sie  ist  befallen^  geschwän- 
gert.    Sprw.  I,  69  b. 

befimmeln,  von  fimmeln.^  hin  und  her 
fahrend  mit  den  Händen  betasten,  strei- 
fen, abstreifen.  Beßm^meV  doch  diete 
Kmmähren!  Wenn  der  Roggen  blüht, 
soll  man  drei  Ähren  stillschweigend 
pflücken  und  befimmeln  und  das  also 
Gewonnene  hinunterschlucken.  Gut  ge- 
gen Fieber  und  Krankheit  überhaupt 
feaalfeld. 

befingern,  sw.,  s.  fingern. 

befleidern,  st«?.,  geschmacklos  und  über- 
laden ankleiden.     Saalfeld. 

befreien  (61a).  Wovel  Jähr  war  eck 
noch    bltwe   onbef rieht    (onhefrigt)^    S- 

Kuckuck. 

begegnen,  sw.,  mit  dem  Akkusatir: 
Ich  bin  sie  gestern  begegnet, 

beglamsem,  sw.,  Frequent.  von  beglam- 
sen,  s.  glamsrig  N.  Es  tritt  namentlich 
im  partic.  auf,  auch  in  übertragener 
Bedeutung:  Sie  haben  ihn  gut  begUtm- 
sert,  beschmiert,  angeschmiert,  betrogen. 

beglarren,  sw.,  mit  grol'zen,  stieren 
Augen  besehen  =  beklaren.     S.  glarreiL 

begnupsen,  sto.,  uneben,  schlecht  be- 
schneiden, s.  gnupsen. 

begraggeln,  sw.y  s.  schraggeln. 

begrofzaugen,  sw.,  mit  grol'zen  Augen, 
verwundert  etwas  besehen. 

begrUfzen,  sw.,  bestehlen.     Marold. 

behitzen,  sw.,  hetzen,  behetzen.    Jt- 


Bein  —  besalzen. 


511 


mand   behitzen^    einen    Hund    auf  ihn 
hetzen.     Oberland.     S.  hitzen. 

Bein,  zubein  seiriy  pltd.  tobm  sön,  auf 
den  Beinen  sein.  Uorr,  Driewjagd. 
£V*  ist  noch  gut  zubein^  marschiert  tüch- 
tig. 

Beinwell,  Beiwahl,  Pflzn.,  gebräuch- 
liche Wallwurz,  Symphytum  officinale 
L.    Hagen,  205. 

BeKzerlinq,  m.,  s.  Woruschken. 

Beiwahl,  Pflzn.,  s.  Beinwell  N. 

beizu  (65  a),  auch  im  Überlande. 

bekitern,  »w,,  s.  kltern  (365)  und  N. 

beknappsen,  sic,^  durch  Abknappen 
etwas  beiseite  legen.  Sie  hat  dabei 
manchen  Groschen  beknappst 

bekraggeln,  sw,,  s.  schraggeln. 

bekrisehen  (67  a),  von  dem  in  der 
Pfanne  kreischenden  Speck:  bekreschte 
Kartoffeln,  Bildlich:  Er  loird  dich  schön 
bekreschen.  Jetzt  bist  du  gut  bekrescht^ 
angeführt,  schmerzlich  betroffen. 

belämmern  (67  a).  In  der  Bedeutung 
3  auch  von  Gordack  bestätigt:  jemand 
belästigen,  bedrücken,  quälen  durch 
Umhalsen.  Ebenso  in  Saalfeld:  Kin- 
der, belämmei^t  (belästigt)  mich  nicht 
immerwährend  ! 

beleidern,  ««?.,  von  Leid,  Klage  =  be- 
klagen. Sie  haben  ihn  sehr  beleidert, 
Saalfeld. 

belesen,  st^  s.  lesen. 

belupsen,  sw.^  rupfen.  Die  Gänse  be- 
lupsen.     Saalfeld. 

Bemberlepp,  /.,  s.  BImberlippe  N. 

bemeiern,  anmeiem,  sw.^  übervorteilen, 
betrügen.    S.  meiern. 

ben\ef\gef\jSw.^sichy  sich  hineinmischen, 
in  eine  Angelegenheit,  ein  Gespräch. 

bemerken,  partic.  von  bemerken. 

bemuttern,  sw.,  der  Mutter  gleich  für 
jemand  sorgen,  sich  mühen. 

benibbeln,  sw.^  sich^  sich  benebeln,  be- 
trinken.   S.  nippem. 

beniesen,  sw.^  durch  Niesen  bestätigen. 
S.  niesen. 

benittem,  8u\,  sichy  sich  beschmutzen, 
beflecken.  Wenn  die  Kinder  Blaubeeren 
essen,  benittem  sie  sich  das  ganze  Ge- 
sicht 

benötigen,  su?.,  notig  haben,  bedürfen. 
Geld  benötigen.  Ebenso  in  Estland. 
Sallmann,  97a. 


bepajen,  sta.,  s.  pajen. 
bepladdem,  stc.,  s.  pladdern. 
bepITsem,  st^*.,  bezupfen  etc.,  s.  pitsern. 
bepJOmpem,  sw,^  s.  plOmpem. 

bepuffen,  sw.,  mit  Puffen  aufbauschon; 
schlagen,  dafz  es  puflt.  Mäk  se  sock 
man  op  de  Strömpe,  sonst  bevuf  öck  er 
(ihr)  de  Flörr!  Aus  einem  Manuskript: 
„Die  Berliner  in  Königsberg.  "Schmidt. 

beputzen,  sw.,  s.  putzen, 
bequarksen,  sw.,  s.  quarksen. 

Berapfel,^?^.,  Birnapfel,  eine  Art  birn- 
förmiger  Äpfel. 

berappen,  stv.^  s.  rappen. 
berdauks  (71a),  s.  pardauz, 
bereden,  sw,,  verleumden. 
bereihern,  sw.y  s.  reihern. 

bSren  (71a),  sich,  auch:  schwer  tra- 
gen, engl,  to  bear.  Sei  bert  sick  met 
dem  Holt^  sie  plagt  sich  unter  der  Last 
Holz  ab.     Gordack. 

Berg,  m,^  schiefer^  Strafzenname  in 
Königsberg,  jetzt  Bergstrafze. 

.Bergerfische,  plur.^  Fische  aus  Ber- 
gen, welche  zur  Ordenszeit  von  dort 
nacn  Preufzen  eingeführt  wurden  und 
deren  es  mannigfaltige  Arten  gab.  Un- 
ter einer  Schiffsladung  aus  1423  be- 
finden sich  folgende  Bergerfische:  Halff- 
tcassen^  Cropelinge^  Lothßsche^  Langen^ 
Lubben,  Tydlinge,  Rakelfische  und  Ore. 
Danzig.     Hirsch,  154. 

Bergnelke,  /.,  Pflzn.,  s.  Seegras. 

Bernstein  (73  a),  im  Volksmunde  auch 
Bimstein. 

Bemsteindreher,  m.,  Bearbeiter,Drech8- 
1er  des  Bernsteins.  In  Danzig  nach 
ihnen  genannt  die  Drehergasse. 

berschten,  smj.,  bürsten;  bersten. 

Berstengras  (73  a).  Vielleicht  s.  v.  a. 
Bürstengras^  da  Kinder  die  Kolben,  so 
lange  sie  noch  fest  sind,  als  Bürsten 
benutzen.  Da  für  Typha  nicht  nach- 
weisbar ist,  dafz  dessen  übermäfziger 
Genul'z  das  Vieh  zum  Bersten  bringe, 
so  könnte  Berstengras  wohl  Name  für 
den  Wasserschwaden  Glyceria  aquatica 
Whlbg.^  sein,  der  blähende  Wirkung 
hat  und  in  der  Niederlausitz  Platzegras 
heilzt.    Treichel,  Volksth.  HI. 

besalzen,  pltd.   besolte(n),  sw.^   mit 

Salz    bestreuen;    doch    auch    ironisch: 
das  Brot  ist  gut  besalzen  y   wenn  man's 


612 


besammeln  —  bifzchen. 


auf  sandbestreuten  FnCzboden  hat  fallen 
lassen.  Bildlich:  Das  ist  ihm  gut  be- 
sahen worden^  er  hat  für  seine  That  ver- 
diente Unannehmlichkeit  gehabt. 

besammeln,  sw.^  benagen,  abnagen: 
das  Fleisch  von  den  Knochen. 

beschämen,  sw.^  vorhöhnen.  Sie  be- 
schämten mich  bei  jedem  Tritte,  Nsslm., 
Dainos,  196. 

beschicken,  sw.^  besorgen,  die  Ge- 
schäfte beenden ;  mit  einer  Sache  schnell 
fertig  werden,  sie  schnell  verbrauchen. 
Hast  all  die  Pferde  beschickt^  bedient? 
Das  Kind  beschickt  sich  bald  mit  seinem 
Weihnachtsteller^  bat  die  Näschereien  bald 
verzehrt.     Sperber,  27. 

beschlagen  (74  a),  in  2.  Bedeutung 
intrs. :  sich  mit  Feuchtigkeit  überziehen. 
Die  Fenster  beschlagen. 

Beschnitt  (74  b),  auch  im  Oberlande. 

beschraggeln,  sw.,  s.  schraggeln. 

beschreien   (74b),  in  2.  Bedeutung:  . 
bedrohen,  zur  Ruhe  weisen.    Lärmende,« 
zankende   Kinder    werden    vom   Vater 
beschrieen ^    wenn    die  Mutter  sie  nicht 
mehr    zu  bewältigen   vermag:  Beschrt 
se  doch  e  betke! 

beschwaddern,  sw.^  sich^   sich   beim 

Schwaddem  begiefzen. 

beseichen,  sw,^  s.  seichen. 

Besemer  (75  b),  auch  Besmer. 

bestoppen  (77a),  sich^  sich  langsam 
und  tüchtig  vollessen. 

Betengeher,  pltd.  Bedegäner^  m.^  Kon- 
firmand.   Vgl  beten  2. 

bethranen,  sw.^  sieh^  s.  Thran. 

bethun  (78 a\  pflegen,  hegen.  Ich 
bethV  meine  Kinde)\  wo  ich  nur  kann, 
Saalfcld. 

betoben,  sw,^  betäuben,  beruhigen. 
Das  Mittel  half:  die  Schmerzen  betobten, 
Saalfeld.     S.  das  folg. 

betoten,  pltd.  bed6de(n),  sw.  1.  ab- 
sterben. Das  Bein  betetet  in  unpassen- 
der Lage,  man  kann  beim  Aufstehen 
es  kaum  gebrauchen  und  fühlt  darin 
prickelnden  Schmerz.  Auch  vertoten, 
verdoden,  gewöhnlich  einschlafen.   2.  zu 

schmerzen  aufhören.     Zum  Kiude,  das 

sich  gestofzen  hat:  Laj'z  nur  betoten  (den 

Schmerz  aufhören),  dann  ijoird's  besser. 

betrappsen  (s.  betrabbeln)^   einen  bei 


der  That  betreffen,  erwischen,  attrappie- 
ren. 

Beutelmehl,  n.,  feines  Mehl,  weil  es 
durch  einen  Beutel  gegangen  und  so 
von  der  Kleie  getrennt  worden  ist 

Beutelschneider,  m.,  Schweinschneider, 
Kastrierer;  unter  Beutel  ist  hier  das 
scrotum  verstanden. 

bewunderlich,  adj.y  wunderbar. 

Bezug,  n.,  das  Bett-y  das  Kissenbezug. 

bezwingen,  st,,  s.  zwingen. 

Bibernelle,  /.,  schwarze ,  s.  Wurmwurz. 

Bibi,    m.,    Herrenhut,  zunächst  wohl 
Biberhut.     Berlinisch. 
Bierholtsche  Gasse,  jetzt  Beerholdsche, 

Name  einer  Strafze  in  Danzi^,  die 
Bierholtsche^  BierhaUsche  Gasse^  m  der 
Bierschenken  lagen.     Löschin,  44. 

Bierschisser,  m.,  s.  Schi/z, 

BijOn  (83  a),  auch  Bijone,  Bione,  im 
Weichseldelta  Bijonnle,  sonst  auch  noch 
Klatschrose.    Treichel,  Yolkstb.  m. 

blllewT  (83  b),  halbpolnisch,  nach  poln. 
byle  jako  erstwie.  Damach  aach  Dille- 
wer  (83a)  gebildet,  wie  poln.  byle  co. 
Gortzitza. 

Bimberlippe,  pltd.  Bemberlepp,  /.    Dt 

Bemberlepp  opsetten,  schmoUen.  Elbin- 
ger  Ndrg. 

bimsen  (83  b),  in  2.  Bedeutung  hauen: 
bims^  ihm  eins!  Kgsbg. 

Bimstein,  m.,  Bimsstein. 

bin  (83  b),  auch  im  Oberlande  darin, 
drinnen.  Du  sollst  bin  (in  der  Stabe) 
bleiben! 

Bindfzunen,  Ortsn.,  Dorf  im  Kr.  Dar- 
kehmen.  Da  kann  einer  Bindfzunen 
sehen!  von  einer  dünnen,  wässerigen 
Suppe,  die  man  schöpft  und  langsam 
aus  dem  Löffel  fliefzen  läfzt.    Schmidt. 

Birkenreizke,  Birkling,  s.  RTzchen. 

birschten,  sw.^  s.  bürsten  N. 

bischke  (84  b),  von  dem  poln.  bysuk 
(bys)  Ochse,  also  Zuruf  an  den  Ochsen: 
byska!   Gortzitza. 

bTsen,  sw.^  schnell  eilen.  Der  tXsen- 
bahnzug  bist.   W ohl = bisen,    Schmidt 

biizchen,  adv.  Das  ist  ein  bi/zchen 
wenig ^  zum  Verkäufer.  Weitere  De- 
minutivbildungen  von  bi/zchen:  bissut- 
chen^  bissuletzchen,  bissuletzulchen,  bis- 
sululchen.     Gortzitza. 


Blangschett  —  Bordschaben. 


513 


Blangschett,  n.,  Blankscheit,  das  franz. 
planchette.     Vgl.  Weigand  I,  203. 

Blanke  (86b),  kurz  Blank;  im  Ober- 
lande  aach  die  Eisfläche. 

Blatt,  n.,  1.  Blatt  des  Fufzes^  gewöhn- 
lich in  der  Zusammensetzung  Fufzblatt, 
die  Oberfläche  des  Fufzes,  der  Sohle 
entgegengesetzt.  Die  Stiefel  sind  im 
Blatt  zu  eng,  2.  Dativ  Blade,  Vom 
Blade  spielen, 

Blaugerber,  m.,  Scherzbenennung  für 
den  Lehrer.     Vgl.  gerben. 

Blech  (88  a).  1.  dünn  geschlagenes 
Geld.  2.  alberne  Rede.  Der  BegriflF 
des  Dünnen,  Geringwertigen  ist  das 
tertium  ccytnparationis.  Zu  den  dünnen 
Geldblechen  sind  die  Blockstucke  der 
Gegensatz.     Frey  tag. 

Bleichblume,  /.,  Pflzn.,  ausdauernde 
Malzliebe,  Bellis  perennis  L.,  weil  sie 
auf  Bleichen  wäcnst.     Saalfeld. 

Blick  (89  a).  3.  falscher  Blick,  das 
Schielen.  Er  hat  den  falschen  Blick^ 
er  schielt. 

BITse,  /.,  Windstofz;  zugleich  der  von 
stol'zweisen  Winden  plötzlich  gebrachte 
und  schnell  vorüberziehende  Regen- 
schauer^  oder  ein  derartiges  Schneege- 
stöber. Elbinger  Ndrg.  Wenn  sich 
eine  Bltse  erhebt,  fliegt,  nach  der  Volks- 
meinung, der  Teufel  über  den  Schorn- 
stein.    Gordack. 

blitzblau  (89  b).  Z.  9  v.  o.  1.  Blitz- 
blau. 

blofz  (90b),  auch  zur  Abschwächung: 
Das  ist  blofz  ein  Unteroffizier. 

blubbecn  (90  b).  Die  ursprüngliche 
Bedeutung  von  blubbern  ist  wohl  der 
eigentümbche  Ton,  der  entsteht,  wenn 
ein  Gegenstand  ins  Wasser  geworfen 
wird. 

blühen  (90  b).  Man  sagt  von  jedem 
Wasser,  es  blühe,  wenn  es  die  grünen 
Pflänzchen  trägt. 

Blutigel  (91b),  s.  Eule  N. 

Blutkraut,  -tröpflein,  n.,  s.  Wurmwurz. 

Bobas,  /.,  aus  dem  lit.  bobä.  Gen. 
bobos^  altes  Weib.  Wer  zuerst  fertig 
ist^  ist  Kaiser  und  König,  wer  zuletzt 
fertig  ist,  ist  Dobas.  Du  bleibst  Bobas, 
als  Letzter,  Alte.   Gambinnen.  Litauen. 

Bock  (92a).    4.  s.  KriwQle. 

Frischbier,  Wört«rboob  11. 


Bocksbeutel  (92  b),  in  2.  Bedeutung 
richtiger  Boksbeutel^  von  Bdk  Buch. 

BocKspeterlein,  m.,  gro/z^  Pflzn.,  grofzer 
Steinpeterlein,  Pimpinella  magna  L. 
Ostpr.  Pritzel,  276. 
.  Boddem,  Bodem,  ^.,  Boden,  der  innere 
Schiffsraum,  in  welchem  sich  die  La- 
dung befindet.     Hirsch,  264. 

Boddemwerk,  n. ,  ein  Rauch  werk. 
Danzig.     1438.     Hirsch,  260. 

Bohne,  /.  Bohnen  haben^  Furcht  haben. 
Schwarze  Bohnen,  Gewehrkugeln. 

BOIIan, m, Bauch.  Masuren.  Schmidt. 
S.  Bröch. 

Bollard,  »i.,  gröberer  Kleiderstoff. 
Ordenszeit.     Hirsch,  250. 

BollebUdel  (94  b).  2.  Pflzn.,  gemeiner 
Frauenschuh,  Cupripedium  Calceolus  L. 
Treichel,  Volksth.  HL 

Bollen,  Pflzn.,  Silber-Pappel,  Populus 
alba  L.  Ostpr.  Bolle,  Belle,  Beiz, 
wohl  von  beilen  =  spalten,  sansk.  phal, 
da  diese  Gattung  das  beste  Spaltholz 
liefert.     Pritzel,  300. 

Bollepeserick,  m.,  s.  Pesrick. 

bOlsterig  (95  a)  kurz  bOlstrig,  steif, 
hart,  besonders  von  Zeugen,  die,  zu 
Kleidern  verarbeitet,  bauschig  sitzen: 
verwandt  mit  sturr. 

Bolzen,  m.,  s.  Sfreiehbolzen  N. 

Bombasseng  (95  b),  bei  YioUt,  178, 
Bonriasin. 

Bonnitke,  /.,  eine  Art  Mütze.  1438 
kostete  1  Dutzend  davon2Mk.  12 — 18sc. 
Hirsch,  251. 

bonteheln  (96  b),  in  d^r  Elbinger  Ndrg. 
bun§cheln  und  junicheln. 

Bonske,  Bunske,  m.,  kleiner  Kerl^ 
Zwerg.     Oberland.     Vgl.  Bonsch. 

Bootsmannsgasse ,  Strafzenname  in 
Danzig,  Gasse  der  Bootsleute. 

Bordiert,  m.,  der  Jahrmarkt  acht  Tage 
vor  Weihnachten,  womit  der  gemeine 
Mann  den  24.  Dezember  bezeichnet. 
Eticas  auf  dem  Borchert  gekauft  haben. 
Saalfeld. 

Bordingsfeld,  n.,  in  Danzig  auf  der 
Lastadie  ein  Feld,  auf  dem  Bordinge 
(s.  d.)  gebaut  wurden.  Hirsch,  212. 
269. 

Bordschaben  (97  a),  im  Oberlande 
Bordschoben,  sing.  Bordschob. 

33 


514 


Borg  —  Bröch. 


Borg  (97  b),  plur.  BOrge. 

Borgemeister,  m.,  Bürgermeister. 

Borschdorfer  Apfel,  m,^  Borsdorfer 
Apfel;  nach  dem  böhmischen  Dorfe 
Borsdorf,  seiner  wahrscheinlichen  Hei- 
mat. 

Böshaken  (99  a).  Hände  tote  Bös- 
haken haben,  steif  und  blau  gefroren. 

Bössack,  m.,  Zusammensetzung  aus 
Bös  und  Sack,  wie  Giftsack j  s.  v.  a. 
Bofzhawmel. 

Botenge,  /.,  Pflzn.  =  Potenge.  Ostpr. 
Pritzel,  387. 

BotschwTn  (100  a),  auch  Botschwin. 

Bott  (100a),  nach  Freytag  in  Nord- 
deutschland allgemein  als  Bezeichnung 
für  die  Leine  am  Kinderdrachen. 

Bottchen,  n  ,  kleiner  Bottich  zur  Auf- 
nahme des  Spülichts.     Oberland. 

Brabank,  /.,  s.  Bragebank  N. 

Brache,  /.,  in  Branntweinbrennereien 
die  Maische,  nachdem  sie  zu  Brannt- 
wein ausgenutzt,  die  Schlempe.  Sie 
wird  als  Viehfutter,  namentlich  zur  Mast 
verwandt.     Sack. 

Brackan,  Brokan,  m.,  nach  YioUt, 
172  u.  178,  Tuchart  früherer  Zeit. 

Bragebank,  Brabank,  /.,  Platz  zum  Um- 
legen auszubessernder  Schiffe.  Danzig. 
Die  alte  Willkür  bestimmt:  Niemand 
soll  seine  Schiffe  „bragen^  odei*  „stürzen^, 
anders  als  auf  der  Bragebank,  die  von 
der  Stadt  dazu  gemacht  ist,  bei  10  Mar- 
ken.     Hirsch,  212. 

bräken  (102  a).  In  Danzig  gab  es 
zur  Ordenszeit  folgende  Brak-Institute: 
HolzbrakCy  Aschbrake,  Teerbrake^  Pech- 
brake,Hopfenbrake;  uneigentlich  Flachs-, 
Hanf-,  Kabelgam-,  Kaudelgam-  und 
Honigbrake.  Die  betr.  Bräker  hatten 
auf  dem  Platze,  auf  dem  die  Prüfung 
geschah,  ihre  Amtswohnung,  die  Bräker- 
bude.     Hirsch,  215  ff. 

Braksbrak  (Brack  101  a)^  n.,  die  schlech- 
tere Sorte  des  ausgebrakten  Holzes: 
gutes  Holz,  Brak  und  Braksbrak. 
Hirsch,  216. 

Brandlottchenblatt,  n.,  s.  Lottchenblatt. 

Branilge,  n.,  entstellt  aus  Brennöl. 
Gortzitza. 

br&schen  (103  a),  davon  Br&schhans, 
Schwätzer,  Renommist.     Gordack. 

Brätschchen,  brätschig  (104  b).    Hei 


geit  brätschig,  mit  aasgebreiteten,  ge- 
spreizten Beinen:  aus  Schwachheit,  wie 
das  kleine  Kind,  das  Brätschchen,  oder 
aus  Dummheit  und  Hochmut,  wie  der 
sich  überhebende  Mensch. 

Brausehe  (105  a),  auch  hchd.  BrOsch. 

Brach  (106  a),  als  Scheit-  a.  Schimpf- 
wort auf  ungezogene  Kinder  auch  im 
Oberlande;  ebenso  Brich. 

brechen  (106a),  sich,  sich   erbrechen. 

Brechung,  m.,  Schimpfwort  auf  Kinder, 
in  dem  Sinne  von  Schmierfink;  aaeb 
Brtling.  Oberland.  S.  Brech,  BrOch  and 
BrUhling. 

Breda  (106b)  nach  Gortzitza  Bre- 
dack. 

Brei,  /.,  statt  der  Brei. 

Bremsenkopf  (1 07  a).  Ehemänner, 
denen  die  Kinder  fehlen,  make  lAter 
Bremsekaop,  machen  lauter  Bremsen- 
köpfe.    Sack. 

brennen  (107  b).  Das  Partie,  zur  Be- 
ziehung der  Innigkeit,  heftigen  Ver- 
langens. Ich  bin  dir  brennend  gut 
Das  esse  ich  brennend  gem. 

Brennkraut  (107  b),  auch  knolliger 
Hahnenfufz,  Ranunculus  btilbosus  L. 
Ostpr.     Pritzel,  324.     Nach  Hagen, 

583,  auch  Krähenfufz  u.  RUbenhahnenfufL 
Brennsuppe,  f,  Suppe  aus  Wasser  und 
gebrannten  Mehlklümpchen;  feiner  zu- 
bereitet, mit  einigen  wenigen  Spirkel- 
chen  überbraten.     Sie  heilzt  ge^v^öhnlich 

Prachersuppe. 

Bresilgenholz  (107  b),  auch  kurz  Bre- 
silge. 

BrNing,  m.,  s.  Brechung  N. 

Brimm,  Pflzn.,  Pfriemen,  Sarothamnus 
scoparius  Koch.  Westpr.  Hier  auch 
die  Redensart:  Auf  den  Brimm  gehen 
—  kommen,  verloren  gehen,  d.  h.  auf 
eine  Stelle  kommen,  die  solch  schlechten 
Boden  hat,  dal'z  nur  der  Pfriemen  wächst. 
Treichel,  Volksth.  U. 

brTschen  (108  b),  in  2.  Bedeutung 
schlagen,  ohrfeigen.  Segg  hei  docK 
worom  sien  Ohl&r  em  georieschtf  No- 
wack,  55. 

BrOch  (109  a),  im  Oberlande  auch  die 
Prech.  Die  Prech  thut  mir  weh.  Willst 
schon  wieder  was  in  die  Prech  haben? 
In  Zusammensetzungen  noch  Dickbrttch, 
Speckbritch.    Der  Dickbröch  heilzt  auch 


BrockloBengasse  —  bfirsten. 


515 


Brüchling.  Dat  os  0  rechter  Bröchlina. 
Vgl.  Brechung  N. 

Brocklosengasse,  Stralzenname  inDan- 
zig,  von  Brak  Hose,  Beinkleid,  also 
die  Sansculottengassc,  wahrscheinlich 
Spottbenennung.     Löschin,  46. 

Brök  (109  b),  Z.  3  bis  Rock. 

Brokan,  m.,  s.  Brackan  N. 

brosch,  adj.^  spröde,  brüchig,[_  brockig 
(s.  d.);  wohl  aus  brechen,  pltd.  breken. 
Elbinger  Ndg. 

Brot  (110  a),  plur.  Brode. 

Brotknecht,  m.,  s.  Handelsknecht  N. 

browSren,  sw.,  aufbegehren,  räsonnie- 
ren,  zanken;  wohl  von  franz.  braver 
trotzen.  Se  (die  Dienstleute)  weeten 
nuscht,  as  bloot  broweeren.     Dorr,  14. 

Vgl.  bravieren. 
Brflch,  m.,  hchd.  Form  für  Brök. 
Bruchrelzke,  n.  u.  m.,  s.  RTzchen. 
Bruchwurzel,  Pflzn.,  s.  Wolfsbohne. 

Brflse,  /.,  von  bnhen,  brausen.  Scheibe 
aus  einem  Stück  Schiefertafel  .'geschnit- 
ten, in  der  Mitte  mit  zwei  Löchern, 
durch  welche  eine  Schnur  gezogen  wird, 
die  man  zusammenknüpft.  Durch  Dre- 
hung und  Zug  bringt  man  die  Scheibe 
zu  brausendem  Kreisen.  Spielzeug, 
das  die  Volkskinder  sich  selbst  fertigen. 
Im  Oberlande  auch  Brufehe. 

Brustlatz  (114a).  VioUt,  171,  hat 
das  Brustlapp,  Brostlapp^  westenartiges 
Kleidungsstück  ohne  Ärmel  und  Kragen. 

Brut,  /.,  s.  Strich  3. 

bubenzen,  sw.^  schmollen,  mucken, 
bocken  (Gordack),  wohl  auch  buban- 
zen,  wovon  das  Adj.  bvbanzig  (114  a). 
Gordack  erklärt  noch:  wie  ein  Popanz 
(Bubenz)  in  der  Ecke  stehen. 

Buche,  /.,  Buche. 

buddeln  (115  a),  in  3.  Bedeutung  von 
Gortzitza  oft  gehört. 

Budschwlng,  /.,  s.  v.  a.  Botschwin  2. 

bUffeln,  sw.,  ß.  pUffeln. 

Bulle,  /'.,  s.  Solders. 

Bullebaus,  m.,  ein  der  Figur  nach  un- 
geschlachter^Mensch.     Gortzitza. 

Bullenkalb,  n.,  s.  Kalb  N. 

bullern  (117b),  rollend  poltern,  ru- 
moren. Das  rollende  Fa/z  btUlert.  Es 
bullert  mir  im  Leib. 

Bums  (118  b),  auch  Bums-,  Bomskeller. 


Bundmacher,  m.,  Kürschner,  richtiger 
Buntmacher.  Hirsch,  318.  Das  Pelz- 
werk wird  unterschieden  in  Bunt-  und 
Grrauwerk. 

bunteheln,  sw.,  s.  bon§cheln  N. 
Bunske,  m.,  s.  Bonske  N. 

Buntzeug,  n.,  buntfarbiges  Gewebe, 
wie  es  namentlich  zu  Bettbezügen  her- 
gestellt wird.     Gortzitza. 

Burgfreiheit,  /.,  Stadtteil  in  Königs- 
berg, der  zum  Schlosse,  der  herzog- 
lichen Hofburg,  gehörte  und  aufzerhalb 
der  Grenzen  der  drei  Städte:  Altstadt, 
Kneiphof  u.  Löbenicht,  lag.  Die  Be- 
wohner der  Freiheit  (s.  d.)  waren  Be- 
dienstete der  Burg  und  hatten  gegen 
die  Städte  keinerlei  Verpflichtung.  Zur 
Burgfreiheit  gehörten:  der  Alünzplatz; 
die  Junkerstra/ze,  welche  mit  Einschlufz 
der  heutigen  Poststs'q/'ze  bis  an  den 
Steindamm  reichte,  als  Wohnsitz  der 
herzoglichen  Hof  bedienten ;  die  Theater- 
strafze,  in  älterer  Zeit,  als  ihr  noch  der 
Ausgang  nach  dem  Paradeplatz  fehlte, 
Kehrtoiederstra/ze^  vor  200  Jahren  Arsch- 
kerbe^  weil  der  Rinnstein  in  der  Mitte 
der  Stralze  lag;  die  französische  Straf ze^ 
Ansiedelung  der  französisch-reformierten 
Flüchtlinge,  welche  am  Ende  des  17. 
Jahrhunderts  hier  Aufnahme  fanden; 
der  Burakirchenplatz,  früher  der  refor- 
mierte oder  deutsch-reformierte  Kirchen- 
platz ;  die  Kasemengasse^  früher  Stallen- 
gasse, weil  den  Hofbedienten  daselbst 
rferdestalle  eingeräumt  waren;  der 
Königsgarten  (jetzt  Paradeplatz)  als 
landesherrschaftlicher  Garten,  teilsLust-, 
teils  Hetzp^orten;  die  Prinzessinstrafze^ 
in  der  die  herzoglichen  Damen  ihre 
Residenz  gehabt  haben  sollen.  Hoff- 
heinz, Strai'zenn.,  601  f. 

Burgkirche,  /*.,  die  zur  Burgfreiheit 
gehörige  deutsch-reformierte  Kirche, 
welche  seit  60  Jahren  den  Namen  Burg- 
kirche auf  hohem  Befehl  führt.  Hofi- 
heinjz,  Strai'zenn.^  601. 

Burjack,  m.,  hinterlistiger,  falscher 
Mensch.     Königsberg. 

burschtig,  adj.y  borstig,  ärgerlich. 

bürsten  (121a),  auch  bUrschten,  birsch- 

ten.    Ich  birscM  ihm  eins,  oder  (aber) 
da  strompeli  er  auch  forts. 

33* 


516 


Buse  —  Ddsel. 


Buse,  /.,  eine  Art  Schi£F.  Ordenszeit. 
1430  wird  eine  Brise  für  66  Mark  ge- 
kauft.   Hirsch,  264.    S.  Busse. 

Busem,  ^.,  Busen. 

Butte  y  w.  Vorn ,  Kürzung  von  Bar^ 
bara.     Vgl.  Barb. 

BUttelplatZy  m.,  früher  grofzer  Platz 
auf  dem  Steindamm,  nach  dessen  Be- 
bauung (seit  1811)  nur  noch  als  Reste 
Heu-  und  Strohmarkt  übrig  geblieben 
sind.  Von  Büttel^  Gerichtsdiener,  Hä- 
scher, Henker,  Scharfrichter,  da  der 
Platz  ursprünglich  der  Scharfrichterei 
diente.  Hoffheinz,  Stral'zenn.,  603. 
In  Elbing  giebt  es  eine  BütteUtrafze, 

Butterblume    (123  a);    vielfach   auch 


Name  für  gelb  blühende  Blumen  über- 
haupt. 
Butterfrauenfrab  (123  b).    Es  ist  dtr 

wahre  Butter frauentr ab ^  wenn  sie  » 
Markte  gehn.  Shakespeare,  Wie 
es  euch  gefallt.  Akt.  3,  Sz.  2.  Deutsch 
von  Schlegel. 

Butterstaff,  m.,  Stab  im  ButterfaTz. 

Buxäde,  /.  Einen  in  Btixdde  jagen, 
ihm  Furcht  einflöfzen  =  ihn  ins  Boda- 
hxym  jagen. 

buxen  (125  a),  in  2.  Bedeutung  stofzen. 
Schaler  buxen  einander  in  der  Sehd" 
bank,  geben  sich  Püffe. 

bUxen  (125  b).  Er  büate^  was  er 
bOxen  konnte. 


c. 


ch  (125a),  Z.l  statt  „mundartlich"  be- 
zeichnender :  plattdeutsch. 

Christäuglein,  vlur,^  vnlde,  Pflzn.,  ge- 
meine Lichtnelke,  Lychnis  dioica  L. 
Auch  MargenrOslein  und  weifze  Raden. 
Pritzel,  223.    Hagen,  485. 

Christenmensch  (127  a).  In  Z.  2  ist  zu 
lesen:  dies  fast  jeder.  Dem  angeführ- 
ten Beispiel  stellt  sich  entgegen  die 
Redensart:  das  kann  kein  Jude  aus- 
halten. 


Christiwundenicrauty  Pflzn.,du^chlöche^ 
tes  Hartheu,  Hypericum  perfaraüim  L^ 
auch  Jesuwundenlo-aut,  Unsers  Herrgotts- 
wundenlcraut  Ostpr.  Hagen,  791 
Pritzel,  187.  Im  Oberlande  Christal- 
blut Die  zerdrückte  Blumenkrone  färbt 
rot.     Vgl.  Treichel,  Volksth.  HI. 

Christophelsicraut,  Pflzn.,  ähriges  Ohri- 

stophskraut,^cto^asptcato//.,  auch  Felle^ 
kraut    Ostpr.     Pritzel,   10. 
Cikade  (359  b),  auch  Cikat 


D. 


dabei  sein,  gegenwärtig,  mit  thäüg 
bei  einer  Arbeit,  Sache  sein.  Ich  bin 
schon  dabei  gewesen^  als  Ablehnung  bei 
Nötigung  zur  Teilnahme  an  einer  Mahl- 
zeit. 

Dachreiter,  m.,  s.  Kappel. 

Dachsfett,  n.,Medik.,Schweineschmalz. 

däl  (129a).  Setzen  sie  sich  dal!  Na 
seit  di  dal!  übliche  Aufforderung  an 
den  Gast,  Platz  zu  nehmen. 

Däler,  w..  Thaler.     Zehn  Däler, 

Dalles  (130a).  Dalles  heil'zt  in  Frank- 
furt a.  M.  der  Platz,  auf  welchem  sich 
Arbeiter,  namentlich  die  von  auswärts 
gekommenen,  versammeln  und  warten, 
bis    sie  jemand   dingt;    der  Dalles   ist 


also  hier  der  Armen-,  der  Arbeitennarh. 
Sack. 

Damaschke,  Pflzn.,  gemeine  Nacht- 
viole,  Hesperis  matronalis  L.  Weichsd- 
delta.  Bei  Vil m  o  r i  n  DamaskerMumi^ 
franz.  Damas  u.  Julienne  des  Damn. 
ensl.  Dames  violet  Treichel,  Volksth. 
III. 

Damenspiegel,  Pflzn.,  Coreopsis  Hneto- 
ria  DC.  Weichseldelta.  Treichel, 
Volksth.  III. 

dämmern  (131a).  Mit  der  Tkir 
dämnieim^  sie  heftig  zuwerfen. 

Dammstrafze,  /.,  s.  Millionendamm  N. 

DAsel  (133  b),   auch    mit    kurzem  a: 

Da§el. 


da£z  dich  —  Dormos. 


517 


dafz  dich  (134a),  in  dem  Sinne  von: 
ich  werdl  dich!  Dich  soll  gleich!  Willst 
du  wohl!  auch  als  Ausruf  der  Verwun- 
derung, des  Unwillens  zu  fassen;  in 
letzterem  Sinne  ein  abgebrochener 
Fluch:  dafz  dich  (zu  ergänzen:  der 
Teufel  hole)! 

Daumchen,  n.,  s.  anschmeifzen  N. 

daweg,  adv.^  dorthin.     Saalfeld. 

Däz  (134b),  auch  DOz. 

deicht  (136  b).  DeichterKamm^  KAmm 
mit  engen  Zähnen. 

Deiwel,  Deuwel,  m.,  Teufel.  Eor  ihn 
der  Deiwel! 

Deiwelhol.  Zur  Bezeichnung  eifriger, 
aufreibender  Thätigkeit.  Auf  Deiwel- 
hol  fahren^  scharf  zufahren,  auf  die  Ge- 
fahr, dalz  die  Pferde  draufgehen,  dai'z 
sie  der  Teufel  hole.  Ein  rfarrer,  der 
mehrere  Brautpaare  nach  einander 
kirchlich  eingesegnet  hatte,  erklärte 
sogar:  auf  Deiwelhol  getraut  zu  haben. 

Deiwelszeug,  n.,  Teufelszeug. 

deigen,  »iv.^  s.  v.  a.  dalgen  (s.  d.). 

Schmidt. 

denken  (137a).  Als  Antwort  auf 
y^ich  dachte^  auch:  Ach  was^  Kurr 
(Kalkun)  denkt  auch !  oder  Dachte  sind 
keine  Lichte!   S.  Dacht 

dennä  (137a),  auch  dennfts,  Dat 
andre  denna,  später. 

Deputant,  m.,  s.  Kämmerer  N. 

d6pen(137b).  Z.  6  ist  das  erklärende 
„durfte"  zu  streichen,  da  durscht  wohl 
als  Umbildung  von  torste^  dem  mhd. 
prät  von  turren  aufzufassen  ist. 

Dermits  (137  b),  auch  DormOs,  im  Ober- 
lande auch  cunnu;s.     Vgl.  MOse. 

Desem  (138a^.  2.  Pnzn.,  Centaurea 
suaveolens  Hort.  Weichseldelta.  Trei- 
chel,  Volksth.  lU. 

DSwken  (138  b)  nennt  auch  der  Bött- 
cher die  Holznägel,  welche  die  einzel- 
nen Teile  des  Falz-  oder  Eimer bodens 
zusammenhalten. 

dick  (138  b).  Statt  er  thut  sich  dick 
auch  nur:  ^  thut  dick. 

Dickbröch,  m.^  s.  BrOch  N. 

Dickerchen,  n.  u.  m.,  s.  Dickus. 

Dickus  (139  b),  nicht  bloi'z  Gedanism., 
sondern  allgemein. 

Diebssack  (139b).    Gortzitza  kennt 


nur  Dibsack  (das  i  zwischen  Kürze  und 
Länge  schwebend)  =  Tasche. 

Diener,  m.^  Kompliment.  Mach  dem 
Onkel  einen  Diener! 

Dienergasse,  /.  Danzig.  Elbing.  Es 
sind  wohldie Ratsdiener  gemeint,  welche 
ehemals  in  diesen  Strafzen  wohnten. 
In lä^amhuTg Dienerreihe.  !Förstemann, 
StraCzn. 

Dingerchen,  Dem.  von  Dinger^  plur. 
von  Ding.,  zur  Bezeichnung  kleiner 
Kinder.  Das  sind  allerliebste  Dinger- 
chen. 

Dings,  n.,  Ding.  Was  willst  du  mit 
dem  Vingsf 

disch,  ad;\  müde,  abgemattet;  her- 
unter, abgetragen.  Ich  Bin  ganz  disch. 
Der  Rock  ist  disch.    Gordack. 

dischkorieren,  sw.^  diskurieren. 

disentieren,  pltd.  disentSre(n),  sw.,  aus- 
reii'zen,  fortlaufen,  fr.  d^serter. 

DTsling,  /*.,  Kopfschmerz.  Saalfeld. 
Vgl.  dOseln. 

disseits  (i  kurz),  adv.  u.  präp.  dies- 
seits. 

Dochtbinse,  /.,  s.  Ruteche. 

Dochtgam,  n.,  s.  Klatten  N. 

Dölge  (142a),  in  Mcklbg.  Teige,  Mi, 
93  a. 

doli  (142a).  Das  wird  imTner  doller. 
Als  es  gerade  am  dollsten  regnete. 

Dollpunkt,  m.,  Punkt,  in  dem  man 
toll  ist  oder  wird,  Kaprice.  Das  ist 
sein  Dollpunkt^  darauf  hat  er  seinen 
Kopf  gesetzt,  das  hält  er  eigensinnig 
fest. 

Donnernessel,  /.,  Pflzn.,  zweihäusige 

Nessel,  Urtica  dioica  L.  Ostpr.  Ha- 
gen, 991.    Pritzel,  420. 

doppelt  (144  a),  auch  hchd.  dobbelt 

Dorant,  Pflzn.,  Andorn,  Marrubium 
vulgare  L  ;  doch  irrtümlich  vom  Volke 
auch  farLychnis  gebraucht.  Ein  Büschel 
Dorant  wird  am  Johannisabend  (23. 
Juni)  über  die  Hausthür  gehängt,  um 
allem  Unheil  zu  wehren;  ebenso  bringt 
man's  gegen  Hexerei  in  die  Ställe  und 
legt  eine  Handvoll  davon  in  die  Krippe. 
Saalfeld.     Hagen,    629.     Vgl.  Tarant 

DorfknUttel,  m.,  s.  KriwQle. 

Dormentill,  Pflzn.,  s.  SchUrwurz. 

DormSs,  /.,  s.  Dermits  N. 


518 


dosig  —  düselD. 


do§ig    (144b)^    iai    Oberlande    auch 

dostig. 

dollig,  adj.^  dumm,  verwirrt,  s.  dOselig. 

döt,  dödig,  ad},^  tot.  Eine  dodige 
Krähe,    Man  hört  auch  toUg, 

Dottemessel,  /.,  Brennessel,  Urtica 
urens  L.,  auch  Itternessel.  Saalfeld. 
S.  Hedder-  und  Hettemessel. 

Drähn  (145  a),  in  3.  Bed.  Weüe,  an- 
dauernde Zeit.  Einen  guten  Drähn  ge- 
schlafen haben^  eine  lange  Zeit. 

di^meln,  sw.^  schlummern;  s.  drimmeln 
und  drömeln. 

dränen,  sw ,  in  der  Gegend  von  Nor- 
denburg s.  V.  a.  drämeln^  drimmeln^ 
drömeln. 

Dreckhäuser  (147  b),  Z.  3  1.  Rotzber- 
ger. 

Drehung,  w.,  gedrehter  Peitschenstock 
aus  jungen  Stammchen  der  Hainbuche, 
Hasel  oder  Eiche,  welche  in  Strähnen 
zerteilt  werden,  die  man  zusammen- 
flicht, während  das  Stammende  ganz 
bleibt.  Westpr.  In  Ostpr.  Drtjzel, 
Geifzel^  Strt/zeL 

dreibastig  (148),  dem  Wortsinne  nach 
dreifach  bastig  (s.  d.),  also  sehr  grob, 
plumi)  (Kossinna,  Gegend  von  Tilsit), 
gewöhnlich  jedoch  in  dem  Sinne  von 
überklug,  dummdreist  =  dreihärig  und 
si^bensinnig , 

Dreiblatt,  /*.,  Pflzn.,  dreiblättriger 
Biberklee,  Menyanthes  trifoliata  L. 

Dreidistel,  /.,  Pflzn.^  s.  StechwarL 
Dreikant,  ?/*.,  Knöterich-Same,  s.  Zaun- 
raute. 

drSmlachtig,  adj.^  gedankenlos,  träu- 
merisch;  von  drrw^w.   Gordack.    Vgl. 

lachtig. 
DrSmshaube,  /.,  s.  DrSmskasten  N. 

DrCmskasten,  tti.,  Schlafmutze,  Schlum- 
merkopf, von  dremen  träumen,  schlafen, 
engl,  to  dream.  Auch  DrSmshaube,  /., 
Gordack.    Vgl.  DermSs. 

DrSsch  (149  b),  auch  im  Oberlande 
versteht  man  unter  die  DmcA  die  Brache, 
das  Brachland. 

Drossel  (152  b),  in  der  Elbinger  Ndrg. 
Dro§el,  Ende  Band,  Schnur. 

Druffke,  n.,  s.  anschmeifzen  N. 

Dnimmel,  /.,  Trommel,  davon  dnim- 
nrieln. 


Drunkelpfeife,  pitd.  Oninkeiptp,  Pflzn. 

( 153  b  ) ,  auch  Wasserschachtelhahzu 
Equisetum  limosum  L.     Samland. 

DschSse,  Dschfis,  Dschttse,  Schüse,  ;. 

Schüssel,  Gefafz  zur  Aufnahme  von 
Milch.  Gortzitza.  Schmidt.  S. 
SchSs  u.  Sehitsche. 

Dschibber,  m.,  s.  v.  a.  Schibber. 

Dschitse,  /.,  s.  DschSse. 

du,  'pron,^  Dem.  du-chen^  pltd.  dike. 
Du  wird  in  anredender  Frage  häufig 
fortgelassen:  Verstehst?  Na  hommü 
nicht?  Weißt  noch  f  Willst  nicht?  Gtha 
schon?     Bleibst  nicht  noch? 

Ducker,  ^n.,  ein  Pelzwerk  (vom  DwA, 
Iltis?).  1435  ein  Zimmer  6  Mk.  Hirsch, 
260. 

Duderkeule  (^^^^i  io^  WeichseldelU 
auch  DTderkeule.  Treichel,  Volkstk. 
III. 

Dunrimbart,  m.,  als  gemütliche  Anrede 
bei  Zurückweisungen  9  Ablehnungen. 
Nein^  kleiner  Dummbart,  das  geht  mdL 

Dunrimlak,  m.,  s.  v.  a.  Dammlak. 
dUmpeln,  pltd.  ditmpeln,  »w.^  im  Wasser 

plätschernd  baden,  antertaucheo,  hoQ. 
dompelen.  Im  Sinne  von  ubervorteflen, 
schädigen,  betrugen  in  bedämpeln. 

Dunk,  m.  Ein  Dunk  Hede^  wohl  ein 
nach  Gedunken  gegriffenes  Quantom. 
Die  Uberliefet^ng  (eines  Geistes)  er- 
folgte gewöhnlich  in  einem  y,Dunk  Hedt 
eingewickelt  in  einem  Kober.  Tettaao. 
Temme,  264. 

dunnemals,  adv^  damals,  ehemals. 

Duntel,  /'.,  s.  Tuntel. 

durchknallen,  -knllllen,  s<o.,  s.  abkeiei 
N. 

durchsappen,  .^r.,  stark  durchsickera 
Vgl.  Suppen. 

durchträtschen,  sw,^  von  tratschen, 

Durchwachs,  m.,  gelber,,  RubenkoE 
Brassica  rapa  L,  campestris.  Ostpr. 
Pritzel,  66. 

Durscht,  m.^  Durst.  Davon  dursdiba 
sw,,  durschtig,  adj, 

duichig,  adj,^  schläfeig,  dumm,  träo- 
merisch  ---  du^chlig. 

DUselkopf  (160a),  auch  Dusettopf. 
0hl  Dusselkopp,  Hei  bindt  nU  doch  t 
Mährke  op!    Nowack,  55. 

dOseln  (160  a),  auch  onthätig  die  Zeit 


Düwke  —  einmandieren. 


519 


hinbringen,  ohne  Zweck  handehi.    NcLch  Dwatschhans,  m.,  dwatscher,  dummer 

dem  Frühstück  dthel  ich  so  herum,  Hans,  Spafzvogel.  EristvierallDwatsch' 

DQwke,  Dem.  von  DuWy  Duwe^  Taube,  fians.     Vgl.  dwatech. 
S.  Diffeit 


E. 


e  (163  a).  Zeile  4  statt  „in  der  Mund- 
art" bezeichnender:  im  Plattdeutschen. 
Im  provinziellen  Hochdeutsch  wird  kur- 
zes e  hin  !;md  wieder  Jang:  jeglicher , 
jedweder^  Ele  Elle,  Ege  Egge. 

ebend,  adv,^  eben.  Ebend  war  er  hier. 
Ebendso^  ebenso. 

£gde  (164  a),  auch  £gd,  £ge,  davon 
Sgen,  sw.^  £ger,  m. 

ehgestem,  orfi?.,  ehegestem,  vorgestern. 
S.  ehrgestern. 

ehrpu§chlig  (165  a),  nicht  blolz  in 
Danzig,  sondern  auch  sonst  in  der 
Form  ehrpuslig.    Gortzitza. 

ei  (165a).  Z.  1  bezeichnender  ^im 
Plattdeutschen"  statt  „in  der  Mundart". 

Ei,  n.  Ein  Eichen  legen^  Kinderspiel; 
eigentlich  nur  episodischer  Neck  beim 
Greif cheo  spiel.  Höhnend  rufen  die 
Freien,  indem  sie  sich  hockend  nieder- 
lassen, dem  Greifenden  zu:  Ich  le^ 
auch  noch  ein  Eichen^  pltd.  Öck  legg* 
6k  noch  e  Eike!    Kgsbg. 

Eierpläster,  w.,  grofzer  dicker  Eier- 
kuchen.    Oberland!     S.  Piäster. 

eigen  (165b).  1.  penibel:  er  ist  sehr 
eigen.  2.  sonderbar,  wunderlich:  ein 
eigener  Mensch  3.  auffallend:  das  ist 
eine  eigene  Art^  wenn  jemand  sich  auf- 
fallend benommen  hat.  4.  schwierig: 
das  ist  eine  eiaene  Sache.  Auch  in  der 
Niederlaus.     Anton,  8,  3. 

einbrägen  (1^6 a).  Könnte  das  Wort 
nicht  auf  Brdgen  zurückzuführen  sein 
=  in  den  Kopf  bringen,  klar  machen? 
Analoge  Bildungen  wären:  einbansen^ 
einkacheln.  Damit  wäre  eine  recht 
volkstumliche  Vorstellung  gewonnen, 
während  der  BegriflF  „einprägen"  mir 
in  dem  Beispiel  nicht  recht  zur  Sache 
zu  passen  scheint.     Gortzitza. 

einbrocken  C166a).  In  2.  Bedeutung: 
zu  schulden  kommen  lassen,  in  der 
Redensart:    Was  man  sich  eingebrockt 


hat^  mu/z  man  auch  ausessen.  Sprw. 
n,  615.  Ebenso  in  der  Niederlaus. 
Anton,  8,  3. 

einemweg  (166  b),  auch  in  der  Aus- 
sprache einemweck.  Die  Präp.  in  ge- 
hört notwendig  dazu. 

Einer,  Eyner,  m.,  ein  Schi£F.  Eyner 
bringen  1444 Holz  au;s England.  Hirsch, 
264. 

einfalTd,  od)'.,  invalid,  arbeitsunfähig. 
V.  Auer. 

einfeuern  (167  a),  in  3.  Bedeutung 
aus  1:  behende  machen,  Furcht  ein- 
flöfzen.  Ich  werdÜ  ihm  schon  einfeuern^ 
er  soll  aus  Furcht  und  Respekt  das 
ihm  Aufgegebene  schnell  verrichten. 

einfuppen  (167  a),  auch  einfuppern. 
Dar  mucht  woll  eener  von  de  Herren 
Schützen^  de  grote  Jagdtuschen  drogen^ 
dat  Hasken  en/uppert  hebben.  Dorr, 
Driewjagd. 

einbauen,  sw.,  von  dem  militärischen 
Angriff  übertragen  aufs  Essen,  tüchtig 
essen. 

einkommen  (168a),  in  2.  Bedeutung 
in  den  Sinn  kommen,  einfallen.  Wir 
reden^  vrie^s  uns  einkommt^  ohne  lange 
Vorbereitung. 

Einlailmpfung,  /.,  s.  krumpen. 
einlocben,  sw.^  s.  Loch  N. 
einmandieren,  pltd.  OnmandSre(n),  sw.^ 

einkleiden,  mit  vollständigem  guten 
Anzüge  versehen;  von  montieren.  Öck 
hebV  ml  g6t  önmandert^  sagt  der  Knecht, 
der  Bauer,  wenn  er  sich  für  den  Win- 
ter einen  tüchtigen  Anzug  angeschafft 
hat.  Ich  hab  den  Jungen  zur  Einseg- 
nung schön  einmandiert.  Marold  hat 
anmanduren  =  feine  Kleidung  anlegen, 
stattlich  ankleiden.  Die  Form  Mandur 
für  Montur  tritt  im  Volksmunde  wohl 
nur  sehr  vereinzelt  auf^  da  man  selbst 
in  militärischen  Kreisen  meist  Montie- 
rung braucht,    das   sich   der   gemeine 


520 


einmullen  —  etsch. 


Mann  in  Mandierung,  pltd.  Manderung 
mundgerecht  macht. 

einmullen,  sw,^  sich,  s.  mullen. 

einschachteln,  sw.^  s.  schachteln. 

einschlafen,  st,  s.  betoten. 

einschustern  (171a),  in  der  Bedeutung 
einschmeicheln  nur:  sich  einschuste)7i. 

einseifen  (171a),  reflexiv:  sich  be- 
trinken.    Er  hat  sich  gut  eingeseift. 

eintränicen,  sw.  Das  werde  ich  ihm 
eintränken,  zur  rechten  Zeit  böse  ver- 
gelten. 

eintrinicen ,  st, ,  Medizin  einnehmen. 
Gegen  Geschwulst  Werden  eingetrunken 
rosa  Katzenpfötchen,  Gnaphalium  dioi- 
cum  L.,  mit  sül'zer  Milch.     Saalfeld. 

einwamsen,  sw.,  von  Wams,  tQchtig 
essen,  unter  das  Wams  bringen. 

einwissen  (172  a).  Die  Redensart  lau- 
tet auch:  Nicht  aus,  nicht  ein  löissen. 
In  Zeile  1  ist  „der"  einmal  zu  streichen. 

einzelnd,  adv.,  einzeln.  Jeder  einzelnde, 

Eisblume,  /.,  s.  Feuericraut  N. 

ei§che  (172a),  auch  eisä,  mit  dem 
Ton  auf  der  zweiten  Silbe. 

eifzern,  sw,,  sich,  sich  graulen,  grauen. 
Vgl.  aifzen. 

eitsch,  etsch,  interj,^  s.  v.  a.  heitsch. 

Eicelname,   m.,   s.   Öicelname. 

El(lepa§ch(e),  /.,  Equipage,  vornehmes 
Fuhrwerk. 

£lge  u.  Ölge  (173  b)  wohl  allgemein 
in  der  Provinz. 

Elisabethicraut,  n.,  gemeiner  Sonnen- 
ffunsel,  Helianthemum  chamaecistus  Mill, 
Hagen,  556.     Pritzel,  178. 

Slitzig,  ad}.,  ehelos,  s.  einlitzig. 

Eltice,  m.;  wilder  Apfel,  in  vulgärem 
^o\n.eltka.  Treichel,  Volksth.  II.  Vgl. 

Hölzcl)en. 

£mer,  m.,  Eimer^  s.  Emmer. 

End'  (174  a),  Dem.  auch  Engehe. 

EngelschwUrz,  n.,  englisch  Gewürz. 

Entenflott  (175  a),  stellenweise  in  der 
Provinz  auch  Entengrütze  Treichel, 
Volksth.  IL 

Entspekter,  m.,  Inspektor. 

entwutschen,  sw.,  entlaufen,  mit  Leich- 
tigkeit, unhörbar  weglaufen.    Vgl.  wut- 

schen  u.  Wu§che. 

entzwei  (175a).  Vorzugsweise  pro- 
vinziell sind  die  Formen  inzwei,  enzwei 
und  die  Ableitungen  entzweig,  entzwein: 


entzweige,  entzweine  Stiefeln;  ebenso  m- 
zweige,  imweine,  enspweige^  enzweine. 
6nzeg,  adj.,  einzig. 

enzwei,  adv.  u.  adj..,  s.  entzwei  X. 

-er,  Endung.  Falsche  Mehrzahlbil- 
düngen  auf  eT\  Steiner  statt  &i^ 
Stücker  statt  Stücke^  HOscher,  Büscher, 
Flicker,  Ender,  Späner. 

erbarm',  von  erbarmen  (175  b),  auch 
als  adj.  sehr  beliebt,  namentlich  im 
Superlativ:  erbarmster  Himmel!  erbarm- 
stes  Gottchen!  Ebenso:  erbärmlich  = 
aul'zerordentlichj  vorzüglich,  absonder- 
lich gut.  Das  ist  erbärmlich  vieL  Den 
ist  erbärmlicher  Weizen .,  ganz  aaizer- 
ordentlich  gut  geratener. 

Erbse,  pltd.  Arft,  plur.  Arfte(n),  /.,  die 
der  Provinz  eigentumliche  Pflanze,  na- 
mentlich als  graue  Erbse  ^  Pisum  qua- 
dratum  Mill,  Die  Fracht  wird  ver- 
schiedenartig zubereitet:  gekrillt  und 
mit  Butter  durchgeschüttelt:  gestukU 
Erbsen;  gekrillte  Erbsen  mit  Heringen 
oder  Spirkeln;  in  sauerer  und  suJzer 
Sauce  mit  gebratenem  Speck:  sauer 
und  sü/ze  Erbsen.  Auizeraem  werden 
die  grauen  Erbsen  in  Biersappe  and 
in  Bouillon  gegessen.  Kinderoelusti- 
gung:  Sa^  einmal:  Graue  Erbsen  mü 
Speck!  Während  dies  geschieht,  wird 
der  Unterkiefer  des  Sprechenden  auf 
und  ab  gestofzen. 

Erdnufz,  Pflzn.,  s.  Ziegenlauch. 

Erdwender  (176  b),  auch  Erdwenger. 

ermindern,  ermingern,  sw.^  ».  mindenv 

Ermländische  MUbe,  /.,  s.  Milbe. 

Erpel  (177  b),  Zeile  7  lies  Wedik. 

£iichegrUtz,  /.,  Hirsegrütze,  s.  trse. 

erstens,  adv.,  vorhin,  vordem,  vor- 
her. Wo  bist  du  erstens  gewesen  f  Ich 
war  erstens  (vorhin)  auf  dem  Hof. 

eschapere(n),  sw.,  s.  schappieren. 

Eselsmöhre,  Pflzn.,  gemeine  Möhre^ 
Dav^uscarotaL,  Hagen,  306.  PritzeL 
131. 

Esping,  (?),  die  gröizte  Schaluppe 
eines  Kauffahrteischiffes;  eine  solche 
fafztUn  17 Mann.  Danzig.  Hirsch, 
264. 

estemere(n),    estimfiren,    sw..,    franz. 

estimer,  für  voll  ansehen.    Hei  estemtrt 
em  ver  gamuscht 

etsch,  intei^.,  s.  eitsch  N. 


etzlige  '—  Feuerflamme. 


521 


etzlige,  etzliche,  pronominales  Adj., 
etliche,  einige. 

eu  (178  b).  Zeile  1  ist  hinter  „wird« 
anzufügen:  im  Plattdeutschen.  Beson- 
ders betont  werde  noch,  daiz  auch  im 
preufzischen  Hochdeutsch  eu  ~  ei  ge- 
sprochen wird. 

Eule  (178b).  Schriftdeutsch  Egel 
(^Blutegel);  aus  Egel  wurde  im  Volks- 
munde Igel  (Blutigel)  ^  welche  Form 
jetzt,  nach  Weigand  1,  212,  die  all- 
gemein geläufige  ist.  Bei  uns  kürzte 
sich  Igel  pltd.  zu  //  (i  lang),  und  aus 
M  bildete  aer  Plattdeutsche,  es  verhoch- 


deutschend,  Eile  =Eule  (Bluteule).  Dafz 
er  weder  bei  Igel  an  das  Säugetier, 
noch  bei  Eule  an  den  Yogel  denkt, 
ist  selbstverständlich;  ersteres  nennt  er 
Stctchelschwtn^  letztern   Ul, 

Ewigkeit,  /.,  grüne^  besserer  Kleider- 
stoff älterer  Zeit.     Viol^t,   178. 

Exquerer,  Exquirer,  m,  Mensch,  der 
durch  unausgesetztes  Bitten  und  For- 
dern etwas  erlangen  will,  das  lat.  ea~ 
quirere.    Ygl.  Quälgeist 

exter,  adv.^  extra,  aulzergewöhnlich, 
besonders.  Oieb  ihm  noch  e  Düttchen 
exter. 


F. 


Facke,  /.,  der  Fock-  oder  Vorder- 
mast  des  Schiffes.  De  Facke  feUn^  das 
Grol'zsegel  am  Fockmaste  fallen  lassen. 
Hirsch,  265. 

Fähnkef Uhrer  (180  b),  verderbt  auch 
nnkefUhrer,  die  erste  Silbe  scharf  ge- 
sprochen.    Neidenburg.     Gertz  itza. 

Falbelan  (181a),  auch  Falblan  und 
Fabian. 

Färbe  (181b),  ^It  allgemein. 

Farsch  (181b),  in  Ostpr.  Farscht  von 
Fint  (gespr.  Pirscht).  Farschtpfanne^ 
Farschtein;  letzteres  Abschwächung  von 
Farschtstein  (Farschtschtein). 

Fasel  (182  a).  Dei*  Lenz  ist  endlich 
wieder  neu  für  alles  Fasel  kommen . . . 
Sieh^  Liebchen.^  bis  die  Fiühlingszeit  das 
Fasel  treibt  zur  Liebe.  Liebeserklärung 
eines  kalekutischen  Hahnes  an  seine 
Hennen  in  den  Gedichten  von  Ulr. 
Frcihr.  von  Schlippenbach.  Mitau 
1812.  S.  107.  110.  (Der  Dichter  hat 
längere  Zeit  in  Königsberg  studiert.) 
Vgl.  Grimm  a.  a.  0^.:  Unter  Fasel  ver- 
steht man  hin  und  wieder  das  Feder- 
vieh.   Für  Estland  s.  Sali  mann,  49b. 

Faselherrschaft,  /.  (182  a),  auf  dem 
Lande  die  Hausbedienten  im  Gegen- 
satz zu  den  Feldarbeiten!,     v.  Au  er. 

Fastelchen,  Pflzn.,  gemeine  Schmink- 
bohne, Phaseolus  vulgaris  L.  Ostpr. 
Pritzel,  271.  Der  daselbst  für Preufzen 
angegebene   Name   Schwabbelbohne  ist 


Schreib-  oder  Druckfehler  für  Schab- 
belbohne. 

Faulbaum,  m.^  Yogelpflaume,  Rrunus 
vadus  L.  Auch  Ahlkirsche,  Alkirsch- 
Daum.     Hagen,  507.     Pritzel,  317. 

Faxe  (183  a),  auch  Fax. 

fehlen,  sw.^  als  Ausdruck  des  Erfor- 
derns,  der  Notwendigkeit.  Die  Fenster 
fehlen  rein  zu  machen,  es  ist  nötig,  sie 
zu  putzen. 

feinscheifzerig,  adj.,  übertrieben  fein- 
fühlig. 

FeldkUmmel,  FeldkUmmelkraut,   Pflzo., 
Feld- Quendel,    Thymus   serpyllum   L,  . 
Hagen,  633.    Pritzel,  401,'  für  Ost- 
preulzen :  Feldkomelkraut,  die  pltd.  Form, 
richtiger  FeldkdmelknH. 

Feldsafran,  m.,  loilder,  s.  Stech  wart 

Feldwinde,  /.,  s.  Wedewing« 

Fensterkopf  (185  a),  man  hört  nicht 
selten:  das  Fensterhopf. 

Fensterpeter,  m.,  das  Holzkrenz  im 
Fensterrahmen. 

Fernabuk  (185  b),  auch  Fernebock. 

fSsch,  adj.y  adrett,  fein  gekleidet « 
forsch  2.    Ein  fescher  Kerl.    Gordack. 

Fettkausch,  Pflzn.,  glatter  Feldsalat, 
Valerianella  olitoria  Mnch.  Hagen, 
41.     Pritzel,  427. 

Feuer  (186b),  leichte  (unschädliche) 
Entzündungen  in  der  Mundhöhle  und 
im  Gesicht. 

Feuerflamme,  Pflzn.,  Lychnis  chalce- 


522 


Feuerkraut  —  Friüs. 


donica  L.     Weichseldelta.    Treictel, 
Yolksth.  III. 

Feuerkrauty  n.,  schwarze  Niei'zwurz, 
Helleborus  niger  L,  Weichseldelta.  Die 
Pflanze  heil'zt  auch  Eisblume,  weil  sie 
unter  Schnee  und  Eis  schon  im  De- 
zember ihre  weil'zen  Bluten  entfaltet; 
daher  sonst  auch  Christrose.  Treichel, 

Yolksth.  in.    S.  Christophelskraut 
ficheln  (187  a),   in  1.  Bed.   fächebi, 

wedeln. 

fiddem  (188  a),  auch  s.  v.  a.  ärgern. 

Das  fiddet^t  mich.     Oberland. 
fimmeln  (188  b},  auch  suchen,  wühlen. 

Was  fimmeUt  du  immer  in  den  Taschen? 

Saalfeld.    S.  befimmeln  N. 

Fingerling,  w.,  wie  Däumling  gebildet, 
Erdmännlein,  anderer  Name  für  die 
üntererdschken  u.  Barstucken.  S.  Tet- 
tau u.  Temme,  157:  Die  Braut  des 
Fingerlings.  Pierson  (Ztschr.  f.  preufz. 
Geschichte  u.  Landeskunde  XIV,  1877, 
S.  259)  findet  in  Fingerling  eine  Er- 
klärung des  Namens  Berstucken:  dieses 
sei  verderbt  aus  pirstukaSy  Dem.  von 
altpr.  pirstis  {pristis)  Finger.  Vgl. 
Nsslm.,  Th.,  129. 

Fiölkebaum,  w.,  die  Palmweide.  West- 
preul'zen.     Treichel,  Volksth.  HI. 

fipsig  (189b),  auch  fipsrig. 

Firdener,  m.,  s.  Vierdener. 

flren  =  fahren.  Sie  ftren  Gerscht^  sie 
fahren  Gerste.     Saalfeld. 

fi§lig,  adj.^  zimperlich,  penibel.  El- 
binger  Ndrg.     Vgl.  ff  selig. 

fi§rig,    ad)'.,    von    Fis.,    auch   s.  v.  a. 

pi§rig. 

Fitke  (in  Fitkehalloh)  =  Hure.  Kgsbg. 

Fitz,  /.  Den  Mund  in  die  Fitz  ziehen^ 
einen  schnippischen  Mundausdruck  an- 
nehmen.    Elbinger  Ndrg. 

Fitze,  Vitze,  Witze,  /.,  Rute,  Zweig. 
Memel.     Davon  fitzen  3. 

fitzendnafz,  od/.,  s.  v.  a.  fitze fasemafz. 

Flabbe,  /.,  feuchtes  und  nicht  steifes 
Zeug,  schlappe  Leinwand;  davon  flab- 
big,  schlaff;  engl,  to  fiap.     Gordack. 

Flachspuppe,  pltd.  Flafzpopp,  /.,  der 
am  Rocken  zum  Abspinnen  aufgebun- 
dene Flachs. 

Flackfisch.  ?n.,  Flachfisch,  im  Gegen- 
satz zu  Rund- (Voll-) fisch,  Stockfisch. 
Hirsch,  247. 


Flammplafz,  m.,  s.  Platz. 

flankieren  (195  a).  Bjt  mu/z  ibenä 
'rumßankieren, 

flattSre(n),9U7.,pltd.,  flattieren,  schm^ 
cheln. 

Flausch  (195  b),  zunächst  das  dicke 
Wollenzeug,  dann  der  Rock  aus  Flanutk 

Fleckfieber',  n.  Er  ist  wie  ein  FUtk- 
fi£ber^  aufdringlich,  schwer  los  zu  wct- 
den. 

Fleischmulle,  /.,  s.  Mulle. 

Flexibel,  n.,  an  den  langen  Tabab- 
pfeifen  die  biegsame  (flexibele)  Röbre 
zwischen  Spitze  und  Rohr. 

Flicht  (197b)  auch  im  Oberlande. 

Flickhecht  (195  b),  von  i^Turi  =  Lap- 
pen, Stück. 

Flieder,  m,,  wüder.,  s.  Madchenkraiit  N. 

fliegen,  sty  im  Präs.  flog  (p  kurz). 

Flirr  (199  a),  im  Oberlande  auch  nach- 
lässiges, unordentliches  Frauenzimmer. 

fliben  (199  b),  auch  tanzen. 

Fludder,  m.^  dünnes  Tuch^  leichter 
Kleiderstoff.  Der  reine  Fluddler.  Gor- 
dack. In  der  Saalfelder  Gegend  auch 
Lappen. 

fluschen  (202a).  Dat  fluscht  beterl 
nach  V.  Au  er  in  der  Schlacht  an  der 
Katzbach  (26.  August  1813)  von  den 
preufz.  Landwehrmännem  gesagt 

foddem,  sw,^  fordern. 

Foderhemde,  n.,  s.  Voderhemde. 

Forst,  /.  Die  statt  der  Forst  ist  selbst 
bei  Gebildeten  sehr  gebräuchlich. 

fo§eln  =  fosen.  Übertragen  auf  den 
Menschen:  er  foielt  rein  aus,  vrird  über- 
lustig. Foiel  man  nich  üt!  wenn  man 
befürchtet,  dafz  jemand  in  seiner  Laune 
über  das  Schickliche  hinausgehen  könnte 

Frafz  (204b).  Gortzitza  hörte  in 
der  Rastenburger  Gegend  Frissation. 

Frauenrose,  /•,  Hundsrose,  Rosa  ca- 
nina,  und  Weinrose,  Rosa  rtMginosa 
L.     Ostpr.     Pritzel,  338.  341. 

Frauenstreit,  w.,  Pflzn.,  Feld -Hau- 
hechel, Ononis  arvensis  L,  Ostpreufz. 
Pritzel,  252. 

frischmilch  (207  b),  auch  frischmilchend. 

Wenn  der  kalte  Herbst  Schnupfen  mit 
sich  fuhrt,  sagt  man  auf  dem  Lande: 
cfe  Näs  ward  fröschmelk, 

Friüs,  FrD's,  plur.^  Frauens  =  Frauen, 
Hausfrauen.    Negeöge,    fVius!     Neon- 


Fröse  —  Gelbchen. 


523 


äugen,  (kauft)  Frauen!  Fr&s,  Rewe^ 
Gelmäre y  Pastemack^  ^rüsche  Reddig^ 
Zipple^  Petitzuljick!  Vrauen,  (kault) 
Jßuben,  Gelbmöhren,  Pastinak,  preufzi- 
sche  (schwarze)  Rettige,  Zwiebeln,  Pe- 
tersilie! Königsberger  Strafzenrufe  der 
Handelsfrauen  {iSipvelweiber).  Vgl. 
Weiteres  Sprw.  II,  1636. 

Fröse,  /l,  s.  Wröse. 

Frü's,  plur,^  s.  FriQs  N. 

Fuchszagel,   nltd.    Foszagel   (a  =  a), 

Pflzn.,  Ackerschachtelhalm,  Equisetum 
arvense   L.     Samland.     Auch    Dninkel- 

pfeife  u.  Katzenzagel. 

FUder,  n.,  Fuder.  Ein  tucMges  Fu- 
der Heu,     Oberland. 

FMhre,  /.,  Furche,  s.  Fahr. 

Fuppsack,  m.  1.  Tasche,  Tautologie, 
da  jedes  Wort  der  Zusammensetzung 
Tasche  bedeutet.  De  Rock  ist  so  eng 
wie  e  Fuppsack,  2.  übertragen:  Dieb, 
der  das  Gestohlene  einfuppt,  einsackt. 
Samland. 


fUrmeinsparty  adv.,  für  meinen  Teil, 
meinetwegen. 

Fu§ch  (^11  a),  auch  Futehe. 

Füse  (211b).  Nach  v.  Auer  wurde 
früher  in  Preuizen  an  die  Fusenstange 
aufzer  dem  Strohwisch  noch  ein  Ton- 
nenreifen und  ein  ^Knippel"  gehängt. 
Das  sollte  andeuten:  der  Übertreter  der 
durch  die  Fuse  ausgedrückten  War- 
nung müsse  sich  entweder  mit  einer 
Tonne  Bier  auslösen,  oder  er  werde 
über  ein  Bund  Stroh  gestreckt  und  be- 
komme mit  dem  Knüttel. 

Fu§e,  /.,  s.  V.  a.  Fose, 

Fufzblatt,  n.,  s.  Blatt  N. 

Fufziing,  w.,  Füi'zling,  Teil  des  Strum- 
pfes, der  Socke,  der  den  Fuiz  umschlielzt. 

Futtergerste,  /.,  s.  Sommergerste. 

Flitterhemde, n.,  Eamisol,  früher  Tracht 
junger  Männer  in   der  Danziger  Nhi^. 

Violet,  175.    Vgl.  Voderhemde. 
futtern,  sw.^  futtern. 
Futterspark,  Pflzn.,  s.  Knirkraut  N. 


G. 


g  (213  a).  Z.  1  bezeichnender  platt- 
deutsch statt  mundartlich. 

GaidfS,  m,,  Schimpfwort,  das  lit.  gai- 
dys  Hahn.     Schmidt. 

Galeise,  Pflzn.,  Färber-Ginst,  Genista 
tincto^ria  L.^  auch  Genst.  Hagen,  733. 
Pritzel,  128. 

Galuschel,  Pflzn.,  s.  Gelbchen. 

Gänschen,  fettes^  Sedum  acre  und  S. 
sexangulareL.  Sie  liefern  einen  Thee  für 
Fieberkranke  und  werden,  oft  im  Ver- 
ein mit  Sempervivum  tectorum^  auf 
Gräber  gepflanzt.  Saalfeld.  Gänschen 
auch  das  Gelböhrchen  (s.  d.  u.  Päz). 

Gänsestfz,  ?/i.,  Käfig  zur  Gänsemast. 
Natangen. 

Gast,  w.,  Fremder.  T heilweise  als 
gefährliche  Nebenbuhler^  fÄeilweise  vyie- 
derum  als  gemnnbringende  Bändels- 
freunde  standen  den  einheimischen  Kauf- 
leuten  die  Fremden  oder  Gäste  zur  Seite. 
Danzig.     Ordenszeit.     Hirsch,  230. 

gaunern,  sw.^  unerträglich  betteln,  un- 
verschämt geilen  (s.  d.). 

geben,  st^  im  Ermlande  und  im  Ober- 


lande g6'e.  Geben  giebt  er  nichts^  aber 
nehmen  nimmt  ej\  wo  er  kann.  Eck 
wer^s  dir  gf'^e^  ich  werde  es  dir  geben. 

gebrauchen,  »w ,  coire.  Er  hat  sie  ge- 
braucht 

gefallen,  st^  sich.  Wie  gefällt  er  sich 
da^  wie  behagt's  ihm,  wie  geht  es  ihm? 

gehen  (222a).    GeK  wir^  gehen  wir! 

GehUsch,  w.,  Busch,  Gebüsch.  De 
Vegel  sunge  im  GehUsch,     Saalfeld. 

geilen  (223a),  auch  im  preufz.  Hoch- 
deutsch gTlen. 

Geiseler,  m,  Viehhändler,  aber  auch 
Schlächter  hiefzen  Geiseler  ^  weil  sie, 
z.  B.  auf  dem  Geisseimarkte  in  Danzig, 
geschlachtetes  Vieh,  das  sie  aber  nicht 
zerstücken  durften,  verkauften.  Elbin- 
ger  Tagefahrt  24.  Juni  1440:  Geiseler 
und  Fleischer  dürfen,  um  Vieh  zu  kaufen^ 
durch  das  ganze  Land  reisen^  das  Same- 
land ausgenommen,  S.  Genaueres 
Hirsch,  309. 

Geizmagen,  m,^  Geizhals. 

Gelbchen,  GelbVhrchen,  Gel  Vhrchen,  auch 
Galuschel,   Pflzn.,   PfefiPerling,    Speise- 


524 


Gelke  —  Olockchen. 


FaXtenschwskmixiyCantharelluscibarimFr. 
Elbing.  Kgsbg.  Treichel,  Volksth. 
II,  5.     S.  Leunis,  1900. 

Gelke  (erstes  e  kurz),  s.  v.  a.  Crilke. 
Pritzel,  72. 

Gemacht,  n.,  das  mäDnliche  ZeuguDgs- 
glied,  namentlich  die  Hoden.  £lr  hat 
ihm  eins  ins  Gemacht  gegeben^  bei  einer 
Schlägerei  einen  Stolz  mit  dem  Fufee, 
oder  im  Kingkampfe  einen  Druck  mit 
dem  Knie. 

Gemllllhaiifen,  m.,  s.  MUllhaufen. 

Genickstuck,  pltd.  GnVckstöck,  n.,  Hals- 
schmuck früherer  Zeit:  Seiden-  oder 
Sammetband,  woran  hinten  (im  Genick) 
eine  silberne  Platte  und  Schleifen  von 
demselben  Bande  angebracht  waren. 
Dzg.  Nhrg.    Viol^t,  176. 

Genst,  rflzn.,  s.  Galeise  N. 

GeprQdel,  n.,  schlechte  Näh-  und 
Strickarbeit;  schlechte  Arbeit  über- 
haupt, Pfuscherei.    Vgl.  prfldeln. 

Gepsch,  /.,  8.  V.  a.  Geps. 

Gepu§chel,  n.,  s.  puicheln. 

Gequatel,  Gequafehel,  n.,  s.  quateln. 

Gerift,  n.,  Gerippe.     Saalfeld. 

Geroch,  n.,  Geruch.     Saalfeld. 

Gerecht,  /.,  Gerste. 
iA^        Gerüst,  n ,  Bogen  an  der  z^m  Mähen 
ausgestatteten  Sense,  woran  die  fallen- 
den Halme  sich  lehnen  und   in  regel- 
mälziger  Lage  sich  zu  Boden  senken. 

Geschätter,  n.,  s.  Schatter. 
Geselle,  m.,  s.  Handelsknecht. 

Gesselblume,  /.,  Feigwurzel,  Ranun- 
culus  ßcaria  L.  Auch  Lämmerblume, 
Rapünzchen,  Klein -Schöllkraut.  Hagen, 
580.     Pritzel,  325. 

Gefzel,  /.,  die  Geifzel  (s.  d.).  Ober- 
land. 

gewaltig  (232  a).  Gewaltig  viele  Men- 
schen. He  schreg  gewaltig.  Ein  gewal- 
tiges Geld. 

Gewimmer,  n.,  Feldfrüchte  von  der 
Gerste  abwärts  bis  zu  den  Bohnen  und 
"Wicken,  vielleicht  für  Geivimmel^  weil 
sie,  gemäht,  unordentlich  durcheinan- 
derliegen und  sich  nicht  in  regelmäfzige 
Garben  binden  lassen.  Werder.  N. 
Pr.  Prov.-Bl.  II,  405. 

Gework'ne,  n.,  das  Gewirkte,  Gewebte, 
vorzugsweise  die  Leinwand.  Sie  zeigte 
mir  ihr  GewarUn£s, 


Gezarge,  Gezärge,  n.^  Neckerd,  g. 
zargeh. 

Gezodder,  n.,  das  Verzaaste,  Zer^ 
nssene. 

Gibbel  (232  b),  in  2.  Bedeatong  ma- 
geres Pferd.     Nordenburg. 

GTbel,  m.,  Fischn.,  s.   v.  a.  Gieb'. 

Gichtbeere,  /.  =  Bocksbeere.  Pritzel, 
335. 

Giftkraut,  n.,  gröfzeres  Schellknuit, 
Chelidonium  mapts  L.  Nach  Hagen, 
720,   auch  das  'Schwalbenhraut  (s.  d.). 

Giftsack,  m.,  s.  BAssack  N. 

Gigotärmef,  m.,  s.  SchOpsenkeule. 

Gils,  m.  Vom.,  Julias.  Elbinger 
Ndrg.     Vgl.  Gels. 

girbeln,   sw.^   den  Köder  der  Angd^ 
benagen,  ohne  anzabeilzen.    Bitnigit'' 
belt  schon  ener  (ein  Fisch).     Vielleicht 
verwandt  mit  gnibbeln.     Kgsbg. 

GTz  (235  a).  Unter  Qet2en  pltd.  Gr'- 
zen,  versteht  man  das  Ausbrechen  der 
sich  entwickelnden  Seitentriebe  der 
Tabakspflanze  (s.  Leunis,  813).  Glz 
heilzt  zunächst  der  aas  diesen  unaos- 
gewachsenen  Trieben  fabrizierte  Tabak. 

glamsrig  (235  b).  glcnnsrig  ist  auch 
glabbrig^  aber  mit  dem  ßegriff  des 
Glänzenden,  Blänkemden.  Daiz  etwas 
glabbrig  ist,  fühlt  man,  daJ'z  etwas 
glamsrig  ist,  sieht  man.  Ein  fettiger 
Mund,  ein  vom  Nasenschleim  über- 
zogener Ärmel,  den  man  als  Taschen- 
tuch gebraucht,  ist  beglamst,  beghm- 
sert.  Ungeräucherte  Wurst,  wenn  sie 
anfangt  zu  verderben,  die  wässerige 
Kartoffel,  die  beim  Druck  aus  der  Pelle 
gleitet,  ist  glabbrig^  glibbrig, 

gläsaugen  (236 a)^  auch  mit  verglasten 
Augen  sehen,  wie  sie  das  abgestochene 
Tier  im  Verenden  oder  der  mit  dem 
Schlafe  ringende  Mensch    zeigt.     Vgl 

glasen. 

glau,  adj ^  blank  und  voll.  Westpr. 
Marold. 

glauben,  dran  (236b),  d.  h.  an  den 
Tod,  an  das  Ende;  das  dran^  daran, 
träte  so  als  Euphemismus  auf. 

GI§dwaS8er,  w.,  Glied wasser,  Flussig- 
keitsabsonderung  bei  Gelenk k rankhei- 
ten;   es   heifzt   auch    Weggeleiswasser. 

Oberland. 
Glückchen,  pltd.  Klockke,    n.,    Name 


Glockenblume  —  Grabesgrün. 


525 


für   jede    Pflanze    mit    glockenartiger 
Blute,  namentlich  im  Kindermunde. 

Glockenblume,  /.,  nach  Pritzel,  415, 
in    Ostpr.    Trollius    europaetis   L.      S. 

Kugelranunkel. 
Glubskoper,  m.,  s.  Mütze. 

Gluch  (238  a),  auch  bösartiger,  räche- 
brütender  Mensch.  Davon  gluchsch, 
adj.  Er  ist  immer  so  gluchsch.  Ober- 
land. 

Glück  (238  a).  Das  Glück  blüht,  wenn 
sich  weilze  Flecken  in  den  Finger- 
nägeln zeigen. 

GlUhschlunk,  m.,  Mensch  mit  glühen- 
dem Schlünde,  Saufaus,  Nimmersatt. 

GlUhzecker  (239  a).  Im  Oberlande 
GlUhzeck  ein  racheschnaubender  Mensch. 
Vgl.  Gluch  N. 

Glums  (239  a).  Schmand  und  Glumse 
darf  als  provinzielles  Lieblingsgericht 
ohne  jede  Beschränkung  bezeichnet 
werden. 

glQpsch  (239  b).  Wie  man  einem 
glupsch  etwas  nimmt,  so  kann  man  ihm 
auch  glupsch  d.  h.  heimlich,  unbemerkt, 
etwas  zustecken,  geben  oder  darreichen. 

gnabbern  (240  b).  Übertragen :  in  Be- 
zug auf  eine  Arbeit,  mit  der  man  sich 
ungern  und  stückweise  beschäftigt :  An 
der  Arbeit  gnabberst  du  auch  nur  so 
herum. 

gnabbrig,  adj.^  benagt,  uneben.  Vgl. 
gnagen. 

gnägeln  (240  a),  auch  ans  dem  Ober- 
lande in  der  von  Hermes  angegebenen 
Bedeutung  bestätigt:  unaufhörlich  ta- 
delnd Milzfallen  und  Unzufriedenheit 
aussprechen. 

gnarren  (241  a),  auch  in  wimmerndem 
Tone  immer  dasselbe  fordern,  wie  das 
begehrende  Kinder  thun.    Davon  noch 

Gegnarre,  n.  und  Gnarrhans,  m.    Man 

spricht  auch  von  einemgnarrendenllusten. 

(jordack. 
Gnarrsack  (241  a),  Z.  2  lies  QuarrsacL 
gnatschen    (241a).      Die    Schweine 

f  latschen,  wenn  sie  kauen,  fressen, 
inder,  aber  auch  Erwachsene,  die 
ohne  Lust,  „mit  langen  Zähnen^  essen, 
gnatschen,  wenn  ihr  Kauen  gehört  wird. 

*Vgl.  ktlfretsch. 

gneddem,  sw.,  s.  v.  a.  gnoddeim  (s.  d), 
mit  den  Zähnen  knirschen,   zergneddem, 


in  kleine  Stücke  zerbeifzen^  mit  den 
Zähnen  zerreifzen. 

Gnick,  n.,  Genick. 

gnTtsch(242b).  Schimpfwort  auf  einen 
Mann:  gnttscher  Hund,  auf  ein  Weib: 
gnitsche  Zock, 

Gnitten,  plur,^  kleine  Mücken,  engl. 
qnats,  Gordack.  Im  Brem.  Grnid, 
Brem.  Wb.  11,  524. 

gnittem,  sw.,  nach  Gordack  s.  v.  a. 
gmddem, 

Gnorpel,  m.,  junger  unausgewachse- 
ner, nicht  mannbarer  Mensch.  Gor- 
dack. 

Gnorpely  Gnurpel,  m.,  Knorpel. 

Gno§el,   Gnu§el   (244  a).     Vgl.    poln. 

Susny  faul,  träge,  aasig,  feige,  nach- 
;sig. 

Gnuibock,  m.,  kleiner,  unschöner 
Mensch  =  Gnusely  GnoieL     Oberland. 

gödengenög  (245a).  göd^en-genog:  en 
=  Verkürzung  von  und,  wie  z.  B.  in 
Kdsenbrot  Vgl.  Schweizerisches  Idio- 
tikon von  Staub  und  Toblerl.  323. 

Goldblume,  /. ,  Saat  -  W  ucherblume, 
Chrysanthemum  segetum  L,    Vgl.  Gilke. 

Goldchen,  n.  Mein  Goldchen,  mein 
Trautster! 

golden,  adj.  Mein  goldener  Junge! 
Meine  Goldene!  Mein  goldenes  Herzchen! 
Superlativ:  goldenst 

Goldkarosse,  f,,  Laufkäfer,  Carabus 
canceUatus  ML    Gortzitza. 

Goldknöpf  chen ,  Pflzn . ,  kriechender 
Hahnenfnl'z,  Ranunculus  repens  L.  mit 
gefüllter  Blüte,  in  Gärten;  im  Weichsel- 
delta Krunkeln.  Tr  e ichel,  Volksth.  IIL 
Vgl.  Knopfchen. 

Gottesbäumchen,  n.y  Pflzn.,  Eberreis, 
Artemisiu  abrotanum  L.  Gottesbäum- 
chen, junge  Eberraute,  Wie  wächst  du 
im  Garten  unter  Rauten!  Nsslm., 
Dainos,  29.  194. 

Gotteshemdchen,  n.,  Pflzn.,  s.  Mandel- 
blume. 

Gottespfennig  (247b).  Nach  Hirsch, 
220,  auch  der  gesetzliche  Mäklerlohn. 
Danzig.     Ordenszeit. 

Gottheil,  Pflzn.,  gemeine  Brunelle, 
Pininella  vulgaris  L,  Ostpr.  Pritzel, 
69. 

Grabesgriln,  Grabesruh,  Pflzn.,  Fett^ 
henne,  Sedum^  weil  man  die  Grabhügel 


526 


Gramillje  —  haben. 


damit  besetzt.  Weichseldelta.  T rei- 
che!, Volksth.  III. 

Gramillje,  /. ,  unendliche  Tiefe.  (?) 
Schirwindt. 

Granssacky  m.^  Knabe,  aber  auchMano^ 
der  leicht  granst.     S.  gransen. 

Grasblume,  /.,  s.  Seegras. 

Gratelierung,  /.,  Gratulation. 

grätig,  adj,^  unnachgiebig,  fest  behar- 
rend, ausdauernd  im  Widerstände  ge- 
gen die  Meinung  anderer.  Klein  abet' 
grätig, 

gratulieren,  st6\,  mit  dem  Akkusativ: 
Ich  gratuliere  Sie, 

Grawenort  (251b),  richtiger  Grawen- 
orth,  nach  Sack  älterer  Name  Draskin. 

gr§n  (252  a),  auch  hchd.:  Mir  icurde 
ganz  grün  und  ^elb  vor  den  Augen. 

Grensel,  Grinsel,  n.,  Gerinnsel,  Ge- 
ronnenes, Zusammengelaufenes.  Die 
Milch  ist  ein  Grrensel.  Davon:  grenslig, 
grinslig,  a^'.,  unklar^  trübe;  von  Flüssig- 
keiten.    Oberland. 

Grick  (252  b).  Der  Name  bedeutet 
griechisches  Getreide,  d.  h.  ein  von 
Süden  gekommenes,  fremdes;  nachge- 
tragen sei  noch:  russ.  gre6a^  grecuchay 
greiicha^  kleinruss.  hrecka^  walach.  hrisk^ 
magyar.  haricska.  Hehn,  Kulturpflan- 
zen etc.    Vierte  Aufl.,  S.  416. 

Grlfe,  /.,  s.  Grope  N. 

griflachtig,  nach  Gordack  adj.  und 
adv,  von  griflachen. 

griggeln,  sw.,  s.  v.  a.  kriggeln. 

Grindmagen,  m.^  Pflzn.,  Klatsch  rose, 
Papaver  rhoeas  L.,  auch  Himschal.  Ost- 
preufzen.     Pritzel,  263. 

Srinzen,  sw.^  grinsen. 
iripsch,  w.,   s.  v.  a.  Grips  in  beiden 
Bedeutungen.     Oberland. 

grtseln  (253b).  Die  S.  254  mitge- 
teilte Redensart  auch:  Der  Tod  läuft 
übers  Grab, 

gilsmaulen  (254  a),  zu  ergänzen: 
schmollen.     Elbinger  Ndrg. 


Gritschan  (254  a)^  das  Gebäck  wird 
auch  einfacher,  ohne  Korinthen  und 
Zucker  bereitet. 

Grompel  (s.  Grumpel^  257  a),  die  pltd. 
Form  Grompel  tritt  auch  hchd.  *uf. 
Davon  gromplig,  cuij\ 

Grope,  /.,  die  Stelle  am  Schiffe,  wo 
der  Vordersteven  an  Deck  kommt  (jetzt 
Sponung),  Rodergat  (s.  d.)  u.  Spoma^ 
zusammen  heifzen  die  beiden  CMciL 
Hirsch,  265. 

Grofzschlunk,   pltd.    GrOtschlunk,  m., 

Mensch  mit  groi'zem  Schlonde,  Viel- 
fresser. 

grofzspQrig,  adj.y  von  i^nir  r=  Gelase. 
Ein  grofzsptmger  Mensch^  der  grolz 
thut,  sich  breit  macht. 

grottig,  adj,  von  Grott  (s.  d). 

urUnkraut,  n„  grünes  Kraut,  das  Grüne, 
das  man  in  Sup{)en  nimmt,  Gemäse. 
Davon  GrUnkrauthändlerin  =  GrimfroM 
(s.  d.). 

GrflS  (258  a)  ist  provinziell  hoch- 
deutsche und  plattdeutsche  Form. 

GrUtzblume,/.,  gemeines  Täschelkraat 
CapseUa  bursa  pastoris  Mnch.  Saal- 
feld. 

GrUtze,  /.  1.  nach  Pritzel,  298, 
Name  für  Buchweizen  in  Ostpr.  ans 
1590.  Vgl.  Grick.  2.  rote  Grütze, 
Amarant,  Amarantus  spectosus  Swa.. 
wohl  weil  der  Same  dem  Buchweizen 
ähnlich  ist.     Treichel,   Volksth.  IIL 

GrUtzschlunk,   pltd.   GrOttschlunk,  m., 

Vielfresser.     Elbinger  Ndr^. 

GUIdenklee,  m.,  gebräuchlicher  Stein- 
klee, MeUlotus  officinalis  Desr.  Ostpr. 
Pritzel,  233. 

Gutfreund,  m  ,  als  Erkennungs-,  Lo- 
sungswort (Parole).  Begehrt  jemand 
abends  klopfend Einlalie  in  eingeschlosse- 
nes Haus,  so  wird,  bevor  die  ÖfFnong 
der  Thür  erfolgt,  gefragt:  Wer  daf 
Lautet  die  Antwort  „Gfutfreund!^  so 
wird  der  Bekannte  eingelassen. 


H. 


haben  (261b),  Prät.  ich  hätt^^  Part. 
aehatt.  Ich  häk  grofze  WäscK,  Vgl. 
können,   sich  haben  auch  =  sich  zieren, 


sich  geltend  zu  machen  suchen  and 
dabei  sich  albern  benehmen.  Hab^  diA 
doch  nicht! 


Haber  —  Haugenblum. 


527 


Haber  (262  a),  m.  Langer  Haber ^  die 
Pferdepeitsche.   Treichel,  Volksth.  II. 

Hacke  (263b)  =  Ferse  und  Absatz: 
Sich  (nach  einer  Stelle)  die  Hacken  ab- 
laufen. Sich  (beim  Gänsemarsch)  die 
Hacken  abtreten.  Der  Hackenlose  be- 
kommt kein  Vesperbrot ,  sagt  der  Volks- 
mund. 

Hadderkraut,  Pflzn.,  Labkraut,  Galium. 
Die  Hausfrauen  kochen  damit  die  6e- 
falze  aus,  in  denen  Milch  aufbewahrt 
wird.     Saalfeld. 

Haferschleim,  m.,  s.  Schleim. 

Haferweihe,  /.,  sie  wird  am  zweiten 
Weihnachtsfeiertage  in  den  katholischen 
Kirchen  des  Ermlandes  durch  den  Prie- 
ster  vorgenommen.  Der  geweihte  Hafer 
wii'd  in  kleinen  Portionen  unter  anderes 
Getreide  gemischt  und  dadurch  Milz- 
wachs,  Unkraut  etc.  verhütet.  Volks- 
kal.    22. 

Hahä  (266  b).  In  die  Bdba  gehen  ist 
berlinisch  allgemein. 

Hahnenbalken,  m,^  s.  v.  a.  KeicheU 
baUcen. 

Hainbuche,  /.,  nach  Pritzel,  83,  der 
ostpr.   Name    für    Carpinus   betulus  L, 

Vgl.  Heibuche. 

haisch,  Zuruf  an  Zugvieh,  s.  heitsch. 

Hakelwerk,  n.,  Stadtteil  von  Danzig, 
ursprünglich  Ansiedelung  polnischer 
oder  danziger  Fischer.  Der  deutsche 
Name  Hakelwerk  scheint  nichts  anderes 
als  tabema  Erug  zu  bedeuten;  jedenfalls 
gab  es  in  jenem  polnischen  Ort«  nur 
ein  einziges  Grundstück,  und  dieses 
scheint  Hakelberp  geheifzen  zu  haben. 
S.  Genaueres  ifirsch,  8.  Vgl.  Lö- 
schin,  45. 

Halbkännche(n),  n.,  halbes  Kännchen, 
zur  Bezeichnung  eines  kleinen  Schnapses. 
Oberland. 

halbwachsen,  pltd.  half-  u.  hallwa88e(n), 

adj.^    noch  nicht  völlig  reif,    unausge- 
wachsen.    Ein  haüwassener  Mensch. 

halsen  (269  b).  Sie  halsen  und  küssen 
sich^  sie  umhalsen,  umarmen  sich. 

Halwander,  m.,  s.  Halbander. 

Hälzkäpple,  plur.^  Holzäpfel  ==  Hölz- 
chen.    Oberland. 

Hambott  (269b),  im  Oberlande  Ham- 

botk. 

Hamm  (270a).     Hamm   heüzt   auch 


der  eiserne  Ring,  der  die  Sense  mit 
dem  Sensenbaum,  kurz  Baum,  ver- 
bindet. 

hanbuchen  (270  b),  auch  hanbUchen. 

Händelkraut,  Hendelkraut,  n.  dreiblättri- 
ger Ehrenpreis,  Veronica  triphyUos,  L, 
Ostpr.     Hagen,  29.     Pritzel,  433. 

Handelsknecht,  m.,  Handelsgehilfe, 
Kommis;  auch  Brotknecht  und  Geselle. 
Danzig.     Ordenszeit.     Hirsch,  226. 

Handgemahl,  n.,  s.  Merke  N. 

Handschke  (271a),  auch  Handschk. 

hanebüchen,   hanebUchen,   adj.     Ein 

hanebüchner  Kerl,  ein  grobgebauter 
Mensch,  wie  aus  Hainbuchen  gezimmert. 

Vgl.  Heibuche. 

hängen,  st,  Prät.  hang.  Das  Hemd 
hang  auf  dem  Zaun. 

hantieren,  sw.,  laut  und  lärmend  sich 
zu  schajffen  machen.  Beleg  unter  stracks. 

Hardel  (273a),  nach  Sacks  Mitteilung 
nicht  die  Oberhaut  am  Flachsstenge^ 
sondern  der  Stengel  überhaupt.  Wenn 
der  Flachs  lang,  dick,  gerade,  ohne 
Seitensprossen  gewachsen  ist,  dann  hat 
er  sclione  Hardels. 

harmon6re(n),  stv.y  harmonieren,  über- 
einstimmen. Der  Plattdeutsche  braucht 
für  diesen  Begriff  nur  das  Fremdwort. 
V.  Auer. 

Harsch,  m.,  s.  v.  a.  Harres.  Violöt, 
178. 

Harztanne,  f..  s.  Tanne. 

Haselblume,  /.,  geWe,  gelbe  Osterblume, 
Anemone  ranuncuhides  L.,  auch  gelhe 
Waldviolen.  Hagen,  569.  Pritzel, 
30.    S.  Aprilblume. 

Hasenkohl,  m.,  nach  Hagen  (481. 
804.  831.)  Name  für  den  gemeinen 
Sauerklee,  Oxalis  acetosella  L.,  die  gem. 
Gänsedistel,  Sonchus  oleraceus  L.  und 
den  gem.  Rainkohl,  gem.  Milche,  Lamp- 
sana communis ;  nach  T  r  e  i  c  h  e  1 ,  Volkstt. 
in,  im  Weichseldelta  für  die  krause 
Malve,  Malva  crispa  L. 

Hasenpappel,  /.,  rundblattrige  Käse- 
pappel, Malva  rotundifolia  L.  Hagen, 
722.    Pritzel,  229.    S.  KatzenkBs. 

Hasenwurz,  Pflzn.,  Haselwurz,  Asarum 
europaeum  L.     Gortzitza. 

hauen,  sw.,  part.  gehaut  statt  gehauen. 
Er  hat  ihn  gehaut. 

Haugenblum,  /.,  s.  Romei. 


528 


Hauhau  —  hinechmieren. 


'     Hauhau,   m.^    Klangwort,    der  Hand. 
Der  Hauhau  wird  dich  beijzen! 
Hausmarke  (277  b),  s.  Merke  N. 

heben,  s^.,  rrät  hob  (p  kurz). 

heddern  (279  a),  davon  Hedderei,  /. 

Hede,  /.,  s.  Klunker  N. 

H§dechs,  /.,  s.  v.  a.  Heidechs. 

Heibek  f280a),  pltd.  auch  llabek, 
Weichseldelta.  Treichel,  Volksth.  III. 

Heiche,  n,  s.  Sprefze. 

Heideldei  (280  a).  Da  kommt  die  ganze 
Heideldei  an,  die  ganze  Sippschaft. 

Heidnäglein,  w.,Pflzn.,  Feldnelke,  i)Min- 
ÜIU8  deltoides  L.  Pritzel,  134.  S. 
Jungfernägelchen. 

heil  (281  b),  die  pltd.  Form  hei  auch 
hchd.:  aiLs  heier  Haut  Zur  1.  Bedeu- 
tung: Man  verkaufte  (in  Danzig  zur 
Oraenszeit)  im  Grofzhandel  das  Tuch 
in  der  Regel  in  ganzen  (^helen^)  oder 
halben  Stücken.     Hirsch,  250. 

Heilbaum,  m.,  Heilblatt,  n.,  s.  Hoffnung 
und  Liebe  N. 

Heinrich,  stolzer,  Pflzn.,  nach  Hagen, 
280,  Chenopodium  bonus  Heni'icus;  nach 
Treichel,  Volksth.  IH,  bunte  Garten- 
Lupine,  die  im  Poln.  Stolzer  Andreas 
heil'zt.  Im  Oberlande  heilzt  der  stolze 
Heimlich  auch  Stolzheinrich  und  Hochnas. 

heischen  (283a),  Z.  8  v.  o.  1.  Ver- 
käufer. 

heifzen,    st,  mit  dem  part  gehie/zen. 

helfen,  st  1.  als  Drohung  mit  Strafe: 
Ich  wercP  euch  ungezogenen  Jnngen  hel- 
fen! Wenn  du  das  noch  ein  einzigesmal 
thust,  dann  werd^  ich  dir  helfen,  dufz 
du  nicht  weifzt,  wo  du  hin  sollst!  2. 
eine  Behauptung  ablehnen,  zurück- 
weisen. Ich  kann  dir  nicht  helfen,  es 
ist  falsch,  was  du  sagst 

Helling,  (?),  von  Hirsch,  260,  unter 
den  Rauch-  und  Lederwaaren  aufge- 
führt.    Ordenszeit. 

Hempsaat  (284b),  auch  Hemfsaat. 
Hendelkraut,  n.,  s.  Händelkraut, 
herauskahnen,  sw.,  s.  kahnen. 
herauskomfeien,  sw.,  s.  komfeien 

Herbstaster,  /.,  Chrysanthemum  indi- 
cum  L.  Weichseldelta.  Treichel, 
Volksth.  HL 

Herbstflieder,  m.,  Phlox  pannictdata 
var,  hybrida  Hort  Weichseldelta. 
Treichel,  Volksth.  UI. 


Herbstnelke,  /.,  gebräuchliches  Seifen- 
kraut, Saponaria  ofßcinalis  L.  Trei- 
chel, Volksth.  Ul. 

Hermoos  (285  b).  Die  dem  Vieh  schld- 
liehen  Arten  von  Equüetum  (nament- 
lich paiustre)  heil'zen  Hermus  a.  Eer- 
mus,  die  unschädlichen  Kuhmus.  Trei- 
chel, Volksth.  III.  Daselbst  ist  Hn 
=  Herde  gedeutet,  weil  die  Pflanze 
dicht  verbreitet  Yorkoznmt. 

hernacher  (286  a),  aacb  hemft. 

Herr  (286  a).  Nach  dem  ostpreoüa- 
schen  Kalender  Mit  Bonifacius  (Märt) 
auf  den  14.  Mai;  die  drei  gestrengok 
Herren  folgen  somit  unmittelbar  auf- 
einander. 

Herrgottswundenkrauty  n.,  s.  Chrisi- 
wundenkraut. 

herrjeche  (286  b).  Für  die  Deatong 
ije  =  i  geh  sprechen  die  weiteren  For- 
men: ägeh  und  ei  geh!  Alle  drei  drucken 
nicht  sowohl  Staunen  und  Be Wanderung. 
als  Ablehnung  aus. 

Herrmohn,  m.,  Elatschrose,  Papaxer 
rhoeas  L.  Weichseldelta.  Treichel, 
Volksth.  III. 

herumstofzen ,  sich,  keine  bleibende 
Stätte  haben.  Er  hat  sich  in  der  WA 
herumstofzen  müssen,  es  ist  ihm  nie  gm 

fegangen,    er   hat  nie  ein  eigentliches 
leim  gehabt. 

herumtrossen  (287  a),  I.  s.  trossen. 

Herzisse,  /.,  Narzisse. 

Herzspann,  /.,  s.  Hartspann. 

hetzen,  sw.  Er  ist  mit  allen  Hunden 
gehetzt     Sprw.  I,  1716. 

Hijezint,  /.,  Hyacinthe. 

HimmelsschlUssel,  Pflzn.,  Gebirgs-Fett- 
henne,  Sedum  fabaria  Koch.  Weichsd- 
delta.  Treichel,  Volksth.  UL  Vgl 
HimmelschlUsselchen. 

hinge(n),  adv.,  hinten. 

hinhauen,  sw.,  mit  Vehemenz  fallen, 
hinfallen;  ebenso  hinsausen.  Vgl  hin- 
schmieren. 

hinplästern,  sw.,  sich,  sich  breit  hin- 
setzen; namentlich  von  Frauenzimmem, 
die  sich  beim  Sitzen  mit  ihren  Röcken 
weit  ausbreiten.  Sie  safz  da  hinge- 
pldstert     Vgl.  Pläster. 

hinsausen,  sw.,  s.  hinhauen  N. 
hinschmieren  (290a),  in  2.  BedL  etwas 
schlecht  hinschreiben. 


B[interge8&fz  —  hnsten. 


529 


Hintergesäfz  (290  b),  Z.  2  1.  Oesäfz. 

Hirnschal,  /.,  Pflzn.,  s.  Grindmagen  N. 

Hirschhorn,  n.,  PAzd.,  s.  Skorpionkraut 

Hirschtalg,  m.^  Medik.,  Sebum  (ml- 
lum, 

hitzen,  sw.^  heizen.   Beleg  s.  absund  N. 

HVbbel,  9n.,  s.  v.  a.  Hubbel.  Ober- 
land. 

Hochnase,  /.  1.  Monsch,  der  die  Nase 
hoch  trägt^  Hochmatiger.  2.  Hochnas^ 
Pflzn.,  s.  stolzer  Heinrich  N. 

Hoffnung  und  Liebe,  Pflzn.,  Steinbrech- 
art, Saxifraga  sarmentosa  L ,  weil  das 
Blatt  aaf  einer  Seite  grün,  auf  der 
andern  rot  ist.     In  der  Saalfelder  Ge- 

fend  auch  Heilbaum,  Heilblatt:  dieäufzere 
aarige,  grüne  Seite  wird  zum  Heilen, 
die  innere  rötliche,  nachdem  sie  ein 
wenig  geschabt  u.  raah  gemacht  wnrde, 
zom  Ziehen  aufgelegt.  Treichel, 
Yolksth.  III. 
Hofmarke,  /.,  s.  Merke  N. 

Höfner,  m..  Mann  vom  Hofe,  Herren- 
hofe. Herbeigeritten  kam  ein  junger 
Höfer  Vom  Hofe^  Betrachtete  die  Höf- 
nerin^  die  junge^  Im  Hofe.  Nsslm., 
Dainos,  72. 

hög,  adj.^  hoch.     Der  hoge  Baum. 

Heike,  (?),  von  Hirsch,  261,  unter 
den  Waffen  der  Ordenszeit  aufgeführt. 

Heike  (295a),  bei  Hirsch,  263,  der 
Holk. 

hell  (295  b),  auch  Imperativ  von  hal- 
ten:  holl  op^  halt  auf! 

HollHiiderei  (295  b).  Auch  bei  Willen- 
berg ^iebt  es  eine  Hoüänderei  u.  zwar 
ganz  m  der  Weise,  wie  sie  Bock  be- 
schreibt, etwa  eine  halbe  Meile  sich 
hinziehend.    Gortzitza. 

Holzmesser,  m.^  Aufmesser  von  Brenn- 
holz ;  früher  vereidigter  Aufseher  beim 
Verkaufe  von  Brennholz.    Hirsch,  219. 

Hopfen,  m.^  wilder^  hopfenartiger 
Schneckenklee,  Aledicago  lupulina  L. 
Ostpr.     Pritzel,  231. 

HopfenkUhn,  Pflzn.,  s.  Nesselhopfen. 

Horscht,  771.  Horst;  ebenso  horschten, 
horsten. 

Hotz  (299  b),  zu  2:  ein  besonders  in 
Schaf-  und  Pferdeställen  dicht  unter 
der  Decke  angebrachtes  Bett  für  den 

Fritchbi«r,  WörttrbachIL 


Schäfer  oder  Knecht,  zu  dem  man  auf 
einer  Leiter  aufsteigt.     Schippenbeil. 

Hub',  /.,  die  Hufe 

Hubschlag,  m.,  kleine  bäuerliche  Be- 
sitzung.    Saalfeld. 

Huf^  /.  Du  setzt  mich  auf  die  Hüft 
und  pust  mich  in  die  Luft.  Reim,  den 
Yernachlälzigte,  Zurückgesetzte  an- 
wenden.    Egsbg. 

Hut  (302  a;,  auch  Huinase. 

Hummel  (303  a),  ursprünglich  wohl 
das  bekannte  Insekt  Hummel  (Bombus). 

Hund  (303  b).  Hündchen^  als  Schmei- 
chelwort zu  Kindern.    Mein  Hundchen  i 

hundemüde,  adj.^  müde  wie  ein  Hund. 

hunderackermUde  (304  b):  müde  wie 
ein  Hunderacker^  wie  ein  Racker,  der 
die  Hunde  fangt.     Gortzitza. 

hundsgemein,  adj.^  sehr  gemein. 

Hundsjung,  m.y  als  Schimpfwort  hchd. 
u.  pltd.  Wo  de  Hundsjung  blofz  mag 
stocke f 

Hundsknoten,  plur.^  s.  v.  a.  Hunds- 
noten. 

Hundskott,  /.  1.  Kotte  der  Hündin. 
2.  nach  Viol^t,  178,  grober  Kleider- 
stoff älterer  Zeit. 

Hundskrät,  /.  u.  m.,  Schimpfwort.  S. 
Krät. 

Hundsmilch,  /.,  Pflzn.,  Wolfsmilch, 
Tiihymahis  Scop,,  nach  dem  bittem 
Milchsaft.  Ostpr.  Ha  gen,  501.  Pritzel, 
404. 

HundstUrkei  (305b),  nach  v.  Auer 
auch  in  Ostpr.  Bezeichnung  für  einen 
unfruchtbaren  Distrikt. 

HundwUrger,  m.,  Pflzn.,  Knäuel,  Scle- 
ranthus  L.  Ostpr.  Pritzel,  367. 
Nach  Hagen,  450,  Hundwirgel.  Auch 
St  Johannisblut 

huppaschen  (306  a),  gewöhnlich  hüp- 
fen. 

Hurenwirt,  m.,  beim  Kegelspiel  der 
Schütze,  der  auf  101  „Holz**  zu  stehen 
kommt;  auch  die  Zahl  selbst. 

hurr  (306  b).  Sehr  beliebt  ist  auch 
Hurrgott. 

Husch  (306  b),  plur.  HOscher. 

husten,  sw.  Einem  etwas  husten^  ihm 
das  Erbetene  oder  Gewünschte  nicht 
gewähren. 

34 


530 


i  —  Jungfer. 


I. 


I  (308)  wird  in  Imperativen  e:  les 
lies,  nehm  doch  Dimm  doch,  seh  sieh, 
stech  stich,  sterb  stirb,  werf  wirf!  I^e- 
fehl  ihm  doch!  Erschreck  man  nicht 
Efz  doch  noch  was!  Flecht  mir  einen 
Kranz!  Fr  efz  nicht  zu  viel!  Helf  mir 
auf!  Mefz  mal  die  Höhe!  Scheit  ihn 
ordentlich!  Schmelz  die  Butter!  Sprech 
lauter!  Treff  gut!  Tref  mir  nicht  auf 
den  Fufz!  Verderb  uns  nicht  die  Freude! 
VergeJ'z  uns  nicht!  Erwerb  erst  mein 
Vertrauen  !  Empfehl  mich  ihr  !  v.  A  u  e  r. 

Ilske  (310  b),  auch  lizke. 

indem,  adv.,  in  diesem  Augenblick, 
sogleich.  Er  mufz  indem  kommen^ 
warte  doch! 


ineins,    adv,^    ananterbrocheiL     Sit 

mufz  den  ganzen  Tag  ineins  kalbdcern, 

instrujieren,   pltd.    instnijereCn),  nc^ 

instruieren. 

Intresse,  n.,  Interesse.  Ebenso  b- 
tre^nt,  intressieren. 

\s  =  ist.  Is  wcts  is !  gewöhnlich  mit 
dem  Zusätze:  der  Mensch  freut  tiich  doA, 
auch  eine  kleine  Gabe,  einen  geringes 
Verdienst  empfangt  der  Dankbare  m^r 
di§.    Sprw.  I,  1811.     S.  just  N. 

it&ges  (312b)  aus  hiu  tctgu  an  diesem 
Tage  =  ahd.  hiutUy  kiuto^  hiuta^  mhi 
hiute  heute.    Ygl.  Schade,  403. 

Ittemessel,  /.,  s.  Dottemeswl  N. 


jabbern,  sw.,  s.  fehabbem. 

Jagehen,  n.,  von  jagen^  Kinderspiel, 
s.  V.  a.  Greif chen.  Wir  wollen  Jagehen 
spielen! 

jagen  (314a),  im  Prät.  statt  jagte 
auch  jyg. 

Jakobsholz,  Pflzn.,  Mandelweide,  Salix 
amygdalina  L.,  auch  Maiholz.  Hagen, 
1015.    Pritzel,  354. 

Jankel  (315),  s  Joschel. 

jedwede,  jedwide,  zählendes  Adjektiv- 
pronomen, jedweder,  jedermann,  ver- 
stärktes jeder.    Saalfeld.    Vgl.  jitw^der. 

Jerusalem,  m.  1.  Pflzn.,  gemeiner 
Friedlos,  Lysimachia  vulgaris  L,  als 
Gartenpflanze.  Rauschen.  Samland. 
2.  Der  Jerusalem  auch  Name  eines 
Hügels  in  unmittelbarer  Nähe  der  Stadt 
Lyck.     Gortzitza. 

Jesnitz,  Fischn.,  s.  v.  a.  Gfse.  Dzg. 
Nhg.     Viol^t,  187. 

Jesuwundenkraut,  n.,  s.  Christiwunden- 
kraut. 

jetsch,  interj,^  Abscheu  ausdrückend. 
Gordack.   Verstärkung  von  je  (s.  d.). 
JTper,  m.y  s.  V.  a.  GTper. 
Johannisblume,  /.,  s.  Rindsauge. 


zu 


Johannisblut,  St,  n.,  s.  HundwOrger. 

Johannisfeuer(317b),  nach  Gortzitza 
bei  Lyck  noch  ganz  gewöhnlicL 

Johannisroggen,  m.,  gemeiner  Roggen, 
Seeale  cereale  L.  Man  säet  ihn  am 
Johannis  oder  Jakobi.  Hagen,  137, 
Pritzel,  414. 

Jopenbier  (318  b),  s.  SchApe. 

Joschel,  Joschke,  m.,  jud.  Vom,  Joseph, 

gleich  s.  V.  a.  Jude.  Man  raft  diese 
Namen,  wie  auch  Jankel,  Ibig,  Sciifflil 
den  Juden  nach. 

Judenmyrte,  /.,  kleines  Sinngrün,  Vinea 
minor  L,  Weichseldelta.  Treichel, 
Volksth.  m. 

JQdke,  w.  Vom,  8.  Jäke. 

Jung  (320  b),  plur.  Jungens^  Junges. 
Nackte  Jungens^  Klöfze  aus  zerriebenen 
Kartoffeln,  auch  Klöfze  überhaupt,  in 
Milch  gekocht.     Saalfeld. 

Jungfer  aus  dem  Busch,  Pflzn.^  weiden- 
blättrige Spierstaude,  Spiraea  soäev 
folia  L.  Weichseldelta.  Treichel, 
Volksth.  III. 

Jungfer  kick  Obern  Zaun,  Pflzn.,  dass. 
was  Kick  Obern  Zaun  (s.  d.).   Treichel, 

Volksth.  n. 


Junker  —  kaldups. 


531 


Junker  (321a).  Nach  Sack  (Die 
Neue  Welt.  Illustr.  Usterlialtungsbl. 
Stuttgart  1883,  S.  600,  in  dem  Artikel 
„Preulzisches  Wörterbuch")  werden  von 
den  „gemeinen  Leuten"  in  Preu(zen 
die  Söhne  adeliger  Gutsherren  aus- 
scblielzlich  Junker  angeredet.  Die 
Dienstleute  auf  dem  Lande  mufzten 
noch  vor  wenigen  Jahrzehnten  eine  be- 
stimmte Titulatur-Ordnung  genau  beob- 
achten. Der  adelige  Rittergutsbesitzer 
mul'zte  gnädiger  Herr,  seine  Gemahlin 

Sädige  Frau^  die  Tochter  gnädiges 
äolein^  der  Sohn  gnädiger  Junker 
genannt  werden;  der  bürgerliche 
Kittergutsbesitzer  mul'zte  hochgeehrter 
Herr^  die  Gemahlin  hochgeehrte  Frau 
oder  Madam,  die  Tochter  MamseUchen^ 
der  Sohn  junger  Herr  angeredet  werden. 
Da  auch  „gewöhnliche  Frauenzimmer" 
sich  Mamsellchen  nennen  Uelzen,  und 
die  bürgerlichen  Gutsbesitzerdamen  den 
adeligen  nicht  nachstehen  mochten,  so 
wurde  wenigstens  für  die  Töchter  das 
Fräulein   angenommen.    Das    Beiwort 


gnädig  wurde  noch  vor  dreifzig  bis 
zwanzig  Jahren  in  bürgerlichen  Fa- 
milien mit  richtigem  Takt  als  eine 
Albernheit  erachtet.  Der  bäuerliche 
und  kölmische  Gutsbesitzer  hieiz 
geehrter  Herr  oder  auch  blofz  Herr^ 
pltd.  meistens  Herrke,  die  Frau  Madam^ 
Madamke,  die  Tochter  Mamsell^  Mam- 
sellke.  Den  Bauer  nannten  die  Dienst- 
leute Wirt,  die  Frau  Wirtin,  in  man- 
chen Gegenden  auch  Bür  und  Bursche. 
Der  Gärtner  (Instmann)  wurde  vom 
Scharwerker,  den  er  halten  mufzte.  He, 
Hei  =  Er,  dessen  Frau  Se,  t^ei  =  Sie 
genannt.  Die  Söhne  der  Bauern  wer- 
den mit  den  Vornamen,  die  Töchter 
mit  den  Vornamen  in  der  Deminutiv- 
form angeredet:  Hannke,  Gustke  etc. 
Die  Titulatur-Ordn  ung  wurde  den  Dienst- 
leuten vorgeschrieben. 

Junkerstrafze,  Strafzenname  in  Königs- 
berg, s.  Burgfreiheit  N. 

junfoheln,  sw,,  s.  bonicheln  N. 

just,  interj,  (321b).  Ist  all!  klingt 
echt  preui'zisch:  ts  all! 


E. 


Kabuse  (323  a),  1.  s.  Kabtse. 

Kachel  (323  a).  Beleg  zu  4:  Z>u  bist 
meine  alte,  gute  Kachel  —  m^in  trautstes 
Kachelchen! 

Icadfticschen,  s.  v.  a.  kaddksen,  von  dem 
Rufe  kadäksch!  den  die  Henne  hören 
läf'zt,  namentlich  wenn  sie  ein  £i  ge- 
legt hat  Übertragen:  das  Geschrei 
eines  erregten  Weibes.  Kadäksch  doch 
nicht  so!  ruft  der  Mann  zur  Beruhi- 
gung. 

Kaddig  (324a).  Pritzel,  196,  führt 
als  entstellte  ostpr.  Namen  noch  Kad- 
dichnestrauch  und  Kattick  an. 

Kaffe  (e  kurz),  w..  Kaffee. 

{(agtnen,  sw.,  s.  IcajTnen  N. 

kahnen,  sw,,  in  einem  Kahn  fahren^ 
gewöhnlich:  Kahnche  fahren,  Bootehe 
fahren.  Zusammensetzung:  herauskah- 
nen,  in  übertragener  Bedeutung:  mit 
einem  Löffel  etwas  aus  der  Suppe 
schöpfen.  Er  kahnt  sich  aUe  KeUchen 
WausI 


Kahntrupp,  m.,  s.  Trupp. 

Icajfnen,  Icagtnen,  sw.,  winseln,  winselnd 
klagen,  auch  s.  v.  a.  mtfen;  zunächst 
vom  Hunde.  Oberland.  Erweiterungen 
des  Wortes  sind  kaßnken  (I  326  a),  ko- 
jinken  (siehe  N.)  und  kujienen  (I, 
433  a). 

Kalb  (327  b).  Das  männliche  Kalb 
heii'zt  zunächst  Bulienlcaib,  pltd.  Bolle- 
kalw,  erst  wenn  es  kastriert  ist,  nennt 
man  es  Ochsenicalb. 

I(alb6l(en  (327  b).  kalbekem  nicht  nur 
in  Westpr.,  sondern  auch  im  Oberlande. 

Kälberbraten,  m.,  Kalbsbraten. 

Kälbersprock,  m,  Pflzn.,  Kälberkropf, 
Chaerophyllum  L.     Saalfeld. 

Kalbsbrägen,  m.,  -geschling,  n.,  -gesiebt, 
n.,  -köpf,  m.,  beliebte  Schimpf-  und 
Scheltwörter,  zunächst  auf  dumme  oder 
für  dumm  gehaltene  Menschen. 

kaldups,  käldups,  Klangwort  zur  Be* 
Zeichnung  stolzweiser  Bewegung.  Auf 
holperigem  Wege,  oder  wenn  man  einen 

84* 


532 


Kal^k  —  Ear^. 


nnebenen  Abhang  hinuntermtscht,  geht 
es  kaldups^  kaldups.     Schmidt. 

KalSky  n.,  a.  V.  a.  Kalet 

Kal6r,  /.,  Kouleur,  s.  Kolor, 

kaieschen,  sw.^  prügeln. 

Kalfönje  (329  b),  auch  Kalfönjum. 

KalTn,  w.  Vorn.,  Karoline. 

Kalinchen8trauch(329b).NachPritzel, 
435,  in  Ostpr.  auch  Kalinichen  u.  Ka~ 
ninchenbaum.  Der  pol.  Name  Kalina 
vielleicht  von  kal  Kot,  Schlamm,  Pfütze: 
die  wilde  Schlinge  pflegt  an  feuchten 
Stellen  unter  Gebüsch  und  in  Laub- 
wäldern zu  wachsen.  Treichel, 
Volksth.  III. 

Kalmus,  m.,  faUcher^  roter^  s.  Teich" 
lüie. 

Kaluppe  (330b),  auch  Chaluppe,  wie 
schon  126  a  aufgeführt. 

KalQs,  /.,  Gefängnis.  Litauen.  S. 
KIQse. 

Kamm6dje,  /.,  Komödie,  Theater.  Ich 
geh  heute  in  die  Kammedje. 

Kammer,  /.,  Kontor  zur  Ordenszeit. 
Hirsch,  231. 

Kämmerer  (331a),  gekürzt  wohl  all- 
gemein Kämmer,  selbst  Stadtkämmer. 
Auf  grofzen  Gütern  ist,  nach  einer  Mit- 
teilung von  Sack,  die  Rangordnung 
des  Personals  folgende:  der  Herr^  der 
Inspektor  oder  Wirtschafter;  der  Kchn- 
Vier;  der  Vorarbeiter;  die  Arbeiter  (Gärt- 
ner, Instleute  j  Knechte^  Scharwerker). 
Wenn  auf  dem  Hauptgute  ein  Kämme- 
rer angestellt  ist,  fehlt  gewöhnlich  der 
Vorarbeiter.  Der  Kämmer  vertritt  den 
Inspektor,  beaufsichtigt  eine  Arbeits- 
kolonne, arbeitet  nicht  mit  und  trägt 
vor  den  Leuten  hohe  Stiefel,  wie  der 
Herr  und  der  Inspektor.  Der  Vorar- 
beiter trägt  (trug?)  keine  Stiefel,  führt 
auch  Aufeicht,  mufz  aber  mitarbeiten, 
beim  Mähen  als  Erster;  sonst  geht  er 
größtenteils  mit  den  Scharwerkern.  Auf 
nicht  zu  grol'zen  Vorwerken  sitzt  in  der 
Regel  ein  Kämmer;  hier  darf  er  ein 
Reitpferd  halten,  und  hier  kommt  es 
auch  manchmal  vor,  da(z  er  unverhei- 
ratete Knechte  zu  speisen  hat.  Der 
Kämmer  gehört  zu  den  sogenannten 
Deputanten  (Handwerker,  Gärtnierer, 
Kutscher  —  wenn  er  verheiratet  ist  — 
Schäfer,  Brenner  etc) ;  sie  haben  einen 


besseren  Lohn  als  die  Gärtner  und  Inst- 
leute,  die  besten  Wohnangen,  brauchen 
oft  keinen  Scharwerker  za  steUen,  ihre 
Frauen  gehen  nie  zur  Arbeit,  sie  dür- 
fen zwei  Kühe  anf  Kosten  des  Be- 
sitzers halten  und  was  dergleichea  Vor- 
teile mehr  sind.  Der  VorarbeiUr  ge- 
hört nicht  zu  den  Deputanten;  et  hat 
weniger  Lohn  als  diese,  wenn  aodi 
mehr  als  die  Gärtner,  maCz  einen  Schai^ 
werker  halten,  und  seine  Frau  hat  maneb- 
mal  auch  mit  in  die  Arbeit  zu  gehen, 
namentlich  hat  er  nur  eine  Eoh  £rel 
Sparsamere  Besitzer  schaffen  darom  den 
Kämmer  ab  und  suchen  mit  dem  Fbr- 
arbeiter  auszukonmien. 

kammöd,  od)'.,  bequem,  das  franz. 
commode,    DcU6  os  he  vel  to  kammcd! 

Kampe,  Kämpe  (332a).  Das  Citat 
aus  Bock,  Nat.  III,  1022,  ist  Beleg 
zur  fehlenden  3.  Bedeutung:  aus  einem 
Bruche  hervorragendes  festeres  Erd- 
stück. 

Kampf erfolium,  Pflzn.,  Geisblatt,  Lo- 
nicera  caprifolium  L,  Weichseldelta. 
Treichel,  Volksth.  III. 

Kandftt,  Kundftt,  m.,  Kandidat. 

Kanditer  (332  b),  auch  Kanditter. 

kanöffeln,  sw,^  (333  a),  auch  von  den 
Pferden,  wenn  sie  sich  gnappend  jucken. 

Kantholz  (334a),  nach  Sack  vierkan- 
tig beschlagenes  Holz:  Balken,  Sparren, 
Riegelholz. 

Kaplan,  m ,  allgemein  übliche  Kürzmig 
von  Kapellan.  ' 

KapQse  (336  a),  kurz  KapQa,  die  unter 
Kappe  (335  b)  beschriebene  litcadtchi 
Mütze,  Nach  Sack  wird  in  Preuiz.- 
Litauen  die  Kapuze  niemals  Kceppe  ge- 
nannt; Kappe^  gewöhnlich  im  Dem. 
Käppchen^  neiCzt  nur  das  Klutchen; 
selbst  die  Mütze  ohne  Schirm  erhält 
nie  den  Namen  Kappe.  Ein  Kdppchen 
mit  einer  Troddel  heüzt  TroddelkSpp- 
chen,  -klutchen. 

Karäkul,  m.,  s.  Racköpel  N. 

Karamaus,  m.^  s.  v.  a.  Karmaiis. 

karassere(n) ,  pltd.,  das  frz.  caresser, 
den  Hof  machen. 

Karftte  (338  a),  in  der  Elbinger  Ndg. 
auch  ein  zerbrechliches  Fuhrwerk;  in 
der  Saalfelder  Gegend  Karet^  /.  u.  m., 
altes  Möbel  etc. 


Karr  —  Kir. 


533 


Karr,  /.,  Earre,  Spinnrocken.  Saal- 
feld.   Vgl.  Spinnkarre. 

karrjos,  adj,y  kurios,  seltsam. 

Karschty  Korscht,  Knischt,  /.,  Kr  aste, 
s.  Kirste. 

kaicheKre(n),  ka§choliere(n),  sw,^  lieb- 
kosen, franz.  cajoler,    v.  Au  er. 

Käschenkraut,  n.,  übersehene  Käse- 
pappel, Malva  neglecta  Wallr,  Weichsel- 
delta.   Treichel,  Volksth.  III. 

Kaschinnitz,  Pflzn.,  s.  Kattschinneck  N. 

kaicholiere(n),  sw.,  s.  kaicheiere(n). 

Katerlischen  (345  a)  1.  KaterlTschen. 

katern,  8w.^  von  Kater  =  coii^e. 

Katsch  (345  bj,  auch  kdtsch  als  Zuruf 
an  die  Enten,  wenn  sie  fortgetrieben 
werden.      Saalfeld.      Katschke   werfen. 

S.  Kaschke. 

Katsche,  Pflzn.^  weifze  Seelilie,  Nym- 
phaea  alba  L,j  wohl  weil  die  schöne 
weii'ze  Blume,  der  Ente,  poln.  kaczka^ 
gleich,  auf  dem  Wasser  schwimmt. 
Weichseldelta.  Treichel,  Volksth.  III. 

Katterschtnohen,  n.,  s.  v.  a.  KataschTn- 
chen. 

Kattschinneck,  Pflzn.,  Schweinekraut, 
Calla  palustris  L.,  auch  Kaschinnitz,  be- 
liebtes Schweinefutter.     Saalfeld. 

Katze,  /.,  als  Schmeichelwort  zu  Kin- 
dern, namentlich  kleinen  Mädchen. 
Kleine  Katze!  Mein  Katzchen! 

Katzenschwanz,  Pflzn.  1.  gemeiner 
Weiderich,  LyihrumsalicariaL,  Weich- 
seldelta. Treichel,  Volksth.  III.  2. 
Ackerklee,  Trifolium  arvense  L.   Ostpr. 

Pritzel,  407.    Vgl.  Katzenzagel. 

Katzensteig  (347  b),  auch  =  heimlicher, 
versteckter  Weg  für  gefallige  Frauen- 
zimmer. 

Kaudelgam,  n.     Flachs,  Hanf  Kabel- 

gam  und  Kaudelgam,  das  nach  Danzig 

gebracht  voird,  soll  zur  Brake  und  zur 

Wage  kommen.   Alte  Willkur.  Hirsch, 

218. 

Kaufgesell,  pltd.  Köpgesell,  m.,  Hand- 
lungsdiener, Kommis.     Litauen.     Vgl. 

kaisem. 

Kaufmannsmerke,  -marke,  /.,  s.  Merke. 

Kaulchenmacher,  m,y  s.  Kaul. 

KaulpOrschk,  m.,  s.  POrschk. 

Kavallierchen,  n.,  s.  Mütze. 

-ke,  Deminutiv-Endung,  im  Pltd.  von 
vielen* Wörtern  fast  untrennbar:  de  lewe 


Gottke,  fVeileinke,  Madamke,  Hdfke^ 
Hemske,  Hölike^  Häske,  Kruschke^  Duwkey 
llske. 

Kehrwiederstrafze,/.,  früherer  Strafzen- 
name  in  Königsberg,  s.  Burgfreiheit 

Kelchel  (351a).  Keichelbraten  mit 
gestowten  Christorbeeren,  gebratene  Hüh- 
ner mit  Stachel  beer-Kompott. 

Kennung,  /.,  s.  thalem. 

Keps  (355  a),  auch  Kepse,  plur.  Kepse 
und  Kepsen. 

Kersei,  m,,  nach  Hirsch,  251,  zur 
Ordenszeit  in  Danzig  =  Kergei, 

kibbicken,  sw.,  durch  leisen  Stofz, 
freundschaftliches  Kneifen  oder  sonsti- 
ges Angehen  machen,  dafz  jemand  sich 
re^t,  inn  reizen,  kitzeln,  necken,  sich 
mit  ihm  zergen;  aus  dem  gleichbed. 
lit.  kibbinii.  Junge  Burschen  und  Mäd- 
chen kibbicken  sich.  Einen  phlegmati- 
schen Ehemann  neckt  man  mit  den 
Worten:  Dt  mot  de  Mutter  (Frau)  ux>l 
ommer  erseht  e  bö/zke  kibbickef  Litauen. 
Sack. 

kickein,  kTkeln,  sw,,  mit  zusammen- 
gekniffenen Augenlidern  sehen,  wie 
solches  Kurzsichtige  tbun. 

Kicks,  m.^  Klangwort,  Fehlstoi'z  im 
Billardspiel,  der  nur  den  Ball  streift. 

Kienapfel,  m.,  Tannapfel,  Samen  zapfen 
der  Kiefer.  Kienapfel  und  Kühnappel 
(Mörder  des  Bischofs  v.  Hatten)  auch 
rersonennamen  in  der  Provinz. 

kfkeln,  »w.,  s.  kickein  N. 

Kinderfrag  (362  a).  Das  ist  man  Kin- 
derfrag,  die  Frage  l&lzt  sich  mit  Leich- 
tigkeit beantworten ;  die  Sache  ist  leicht 
=  kinderleicht 

Kindke  (H62a),  auch  hchd. :  er  will 
sich  lieb  Kindche  machen. 

Kindskopf,  m.y  Schimpfwort  für  einen 
einfaltigen,  albernen  Menschen.  Gort- 
zitza. 

Kindsmargell,  /.,  Margell,  Mädchen, 
zur  Aufsicht  über  die  Kinder,  Kinder- 
mädchen. 

KTpenkerl,  m.,  s.  PlUnder. 

kippig,  adj.  u.  adv,,  von  Kippe,  kippen. 
Das  Glas  ist  sehr  kippig,  —  der  Tisch 
steht  kippig  =  steht  auf  der  Kippe^ 
ist  dem  Umfallen  nahe. 

Kfr,  /.,  Einzahl  von  Kfre  (364a),  auch 
ungeduldiges    Wesen;    Laune.      Herr 


534 


kiren  —  klingenu 


Grott^  was  gieht  du  blofz  für  Ktren  an^ 
eK  du  einen  Löffel  Medizin  nimmst! 
Was  du  auch  aües  für  Ktren  hast!  nun 
setzt  du  dir  gar  den  Hut  verkehrt  auf. 
Saalfeld. 

ktren,  st^.,  von  Ktr^  ungeduldig  sein, 
übele  Laune  zeigen.  Wenn  die  Kinger 
Zdhnches  kriege^  ktren  sie  in  eins,  Saal- 
feld. 

Kirsche,  /.,  spanische^  Name  für  jede 
Sülzkirsche. 

Kiichak,  n.,  Pferd,  namentlich  kleines, 
junges.  Der  gewöhnliche  Lock-  und 
Schmeichelruf  für  Füllen  ist:  Kisch^ 
Kisch!  aulzerdem  die  Deminutivbildung 
Kischchen,  Masuren.  Gortzitza.  S. 
Kiichlak. 

ki§cheln  (364  b),  auch  schlecht  kochen. 
Sie  kischelt  alles  ab^  dafz  maris  kaum 
zur  SeeV  bringen  kann.  Saalfeld.  Auch 
in  Nataugen  kücheln  —  kochen,  und 
Ki§chel,  m.^  ein  stark  eingekochter 
Brei  aus  Brot  und  Milch. 

krtem  (365  b).  Sie  hat  die  Schwelle 
bekiterty  sagt  man,  wenn  die  jüngere 
Schwester  vor  der  älteren  heiratet. 
Werder. 

ktwig,  adj.,  auch  kühn,  keck,  feurig. 
Sich  ktwig  machen^  dreist  auftreten, 
wichtig  thun.     Oberland.     Vgl.  kTfen. 

Klackern  (367  a),  Z.  1  1.  klackem. 

Klafter,  w.  statt  f.    Das  Klafter  Holz. 

klämerig,  adj.  Es  geit  klämerig^  es 
geht  fast  schlecht,  noch  trüber  wie 
mittelmäCzig;  wohl  von  klamm.    Elbin- 

ger  Ndrg.    Vgl   klamerig. 

klammheimlich,  o^'.  Zusammensetzung 
aus  klamm  und  heimlich.  Sie  safzen 
ganz  klammheimlich  zusammen.  Ober- 
land. 

Klapka  (368b).  klapka  poln.  auch 
Brett  eben.  Bjt  hat  eine  Klapka  zu  viel 
vielleicht  analog:  Er  hat  einen  Sparren 
zu  viel^  verwandt  mit:  Er  hat  ein  Brett 
vorm  Kopf.     Gortzitza. 

klappern  (369  b).  Klappern  gehört 
zum  Handwerk^  Reklame  muiz  gemacht 
werden.    Vgl.  klippern. 

Klapperwagen  (;-i69b),  federloser  Wa- 
gen, der  beim  Fahren  klappert.  Er 
ist  nicht  nur  durch  Seitenleitem,  son- 
dern auch  durch  Vor-  und  Hinterleitem, 
die    sich  beim  Abladen  leicht  heraus- 


heben lassen,  abgeschlossen;  diese  sog. 
Leitern  haben  volle  Flächen,  während 
die  beiden  Seitenleitem  des  Leitenvi- 
gens  wirkliche  Sprossenleitern  sind  Die 
Klapperwagen  haben  stets  Beschlag- 
räder, während  die  Leiterwaaen  aadi 
auf  Piiffrädem  gehen.  Trägt  der  Klap- 
per wagen  Tritte,  so  heifzt  er  Spazie^ 
wagen;  hat  er  statt  der  Leitern  ein 
Geflecht,  so  nennt  man  ihn  K( 
Sack. 

Klatschkasten,  m.,  s.  SchrobretL 

Klatschrose,  /.,  s.  BijOn  N. 

Klatlen  (372  b).  Die  Klunkern  2  (s. 
d.)  heilzen  im  Weichseldelta  auch  Klalr 
ten;  daraus  Klattgärriy  KlatÜauend^  Ans 
Klattgam  werden  auch  Lichtdochte  ge- 
dreht, daher  heifzt  es  aach  Docktgam, 
pltd.  Dachtgäm.    Treichel,   YolkstL 

Klatterkamm  (372  b).  Der  Kamm  mit 
engen  Zähnen  heifzt  dichter  Komm. 
Lauskamm  wird  nur  in  grober  Sprache 
und  als  Ekelwort  gebraucht.     Sack. 

Klauen  (373  b),  auch  Klaun,  m.,  und 
Klein,  /.,  Dem.  das  Klaunche,  Klanch, 

Klebstake,  /.,  s.  Lehmstftke. 

Kleck  (373  b),  auch  n. 

Kleiderrump,  m.,  s.  Rump. 

Kleidrock,  Kiedrock,  m.,  Rock.  So  'n 
Kledrock  hab'  ich  auch  mal  gehatt 
Saalfeld. 

Klein,  n.,  s.  Klauen  N. 

Klein-SchOllkrauty  n.,  s.  Gesselbiume  N. 

Kleister  (376  a).  Das  pltd.  KUster  ist 
auch  ins  Hochdeutsche  gedrungen. 

klemmen  (376  a),  das  2.  part.  gewöhn- 
lich geklemmt. 

Klesemes,  (?),  ein  Pelzwerk.  Dts 
Tausend  1422  52  Mark.    Hirsch,  280. 

Kletsche,  /,  im  Oberlande  s.  t.  a. 
Klitsch. 

Klimbim,  Tn.,  Unsinn.  In  Berlin:  Mach 
keenen  Klimbim !  Nach  Schmidt  aach 
Musik. 

Klimmer,  plur.,  die  Finger.  Schüler- 
ausdruck. Er  hat  auf  die  Klimmer  be- 
kommen^ Hiebe  auf  die  Finger.  Königs- 
berg. 

kiTn,  klinn,  adj.^  klein.  Davon  Klfeier. 
KiTnerchen,  n.^  kleines  Kind.    Oberland. 

klingem  (378  a).  Sie  kUngem  «  es 
klingelt,  läutet 


Elinkerbaa  —  Enopfchen. 


585 


Klinkerbau,  m.,  AufzenbekleidaDg  des 
Schiffes,  bei  welcher  die  Bretter  mit 
den  Säumen  über  einanderfassen. 

Klipp  (378b),  gewöhnlich  im  Dem. 
Wir  woUen  Klippche(n)  spielen!  Das 
Hölzchen,  worauf  geschlagen  wird,  ist 
vierkantig  und  zugespitzt,  die  vier  Sei- 
ten sind  auch  numeriert 

Klipping,  (?),  von  Hirsch,  260,  un- 
ter den  Rauch-  und  Lederwaren  auf- 
geführt; 1428  ein  Hundert  5  Mk. 

kifstrig,  adj.  von  Kltster^  Kleister, 

KiTter  (379  a),  plur.  Klttem^  wird  auch 
in  Ostpr.  neben  Khmkem  gebraucht, 
aber  in  etwas  verschiedener  Bedeutung: 
jene  sind  fest,  diese  weich.  Gort- 
zitza. 

KIVbe,  /.,  das  mit  einem  Hobeleisen 
für  die  Drehbank  zugehackte  Bernstein- 
stück, woraus  Perlen  oder  Korallen  ge- 
dreht werden  sollen.  Elebs,  Gewin- 
nung etc.  des  Bernsteins,  32. 

kloppem,  sw.^  von  Klopper^  klopfen. 
Wer  klappert  daf 

kiugkolken,  sw.^  s.  kolken  N. 

Klunker  (383b).  Wenn  der  Flachs 
durch  die  Hechel  gezogen  wird,  dann 
feilt  Hede  (1,  279  b)  ab.  Bede  wird 
in  eigentümlicher  Weise  aufgeschüttelt 
(Hed  scheddre\  in  zwei  Sorten  geschie- 
den und  zu  dicken  Rollen  zusammen- 
gethan.  Aus  der  bessern  Sorte  wer- 
den Kratzen  (I,  424  a)  gemacht,  wie 
man  auch  die  auf  dem  Kamm  befind- 
liche Hede  nennt;  der  Rest  von  diesen, 
der  beim  Abspinnen  auf  der  Kratze 
liegen  bleibt,  heii'zt  Klunker:  er  wird 
abgenommen  und  im  Klunkersack,  auch 
Klunkerkrepsch,  angesammelt.  Ist  eine 
genügende  Menge  von  Klunkern  bei- 
sammen, so  werden  sie  gekämmeK  (wie 
Wolle)  und  versponnen,  häufig  auch 
mit  Wolle  vermischt.  —  Beim  ochwin- 
gen  des  Flachses  (mit  dem  Schwina- 
messer  auf  dem  Schwingblock)  giebt  s 
auch  Hede:  die  Schwingelhede  (n,332a); 
sie  ist  die  schlechteste  Sorte.  Nach 
der  Güte  des  Gespinstes  unterscheidet 
man  absteigend:  Flachsgam^  Kratzen^ 
gam^  Hedgam,  Klunkergam  u.  Schunn- 
gelhedgam;  ebenso  ordnet  sich  das  Ge- 
webe als  Leinwand.     Sack. 


Klutchen  (384b),  vorletzte  Z.  des 
Artikels  1.  bäwe. 

Klute  (385a),  Z.  3  v.  u.  L  Klüten- 
pedder. 

Kluwander  (385  b).  Dasselbe  Spiel 
(mit  einigen  Abänderungen)  lernte 
Bezzenberger  in  Gropischken  (Li- 
tauen) kennen  und  beschreibt  es  in 
den  Lit.  Forsch.,  S.  205.  Der  Ruf 
lautet:  klukhvhtderä. 

KiDwe,  /.  Hirsch,  252,  führt  „Mützen 
mit  4  und  2  Kluwen^  auf;  erstere 
kostete  1426  2  Mk.  6  sc,  letztere  12  sc. 

knacksen  (386  a).  Nach  dem  scher- 
zenden Volksglauben  hat  man  so  viele 
Bräute,  als  man  Finger  zum  Knacken 
bringen  kann. 

Knagel,  Knaggel,  m.^  s.  KriwQle. 

knarren  (387  b).  2.  Bedeutung  = 
gnarren. 

Knarrholz,  n.,  nach  Hirsch,  254, 
s.  V.  a.  Klappholz. 

Knasterbart,  -blank,  -gold  u.  knastern 

(388a),  auch  mit  geschärfter  erster 
Silbe:  Knasterbart  etc. 

knauen  (388  b),  gleichbcd.  mit  gnauen. 

Knebel  (388  b).  4.  Griff  am  Sensen- 
baum,   den  die  rechte  Hand  falzt     5. 

Pflzn.,  s.  Knirkraut  N.  u.  Wasserperlen. 

Knecht  (389  a),  dekliniert  im  Sing, 
schwach:  des^  dem,  den  Knechten.  Gort- 
zitza.  Vorletzte  Z.  1.  Eönigsberger 
Brauer. 

KnSfchen,  n.,  s.  Knopfchen  N. 

Knieling,  m.^  von  Hirsch,  260,  unter 
den  Rauch-  und  Lederwaren  zur  Or- 
denszeit aufgeführt.  Nach  Grimm, 
Wb.  V,  1429,  Kniebekleidung  von  Tuch 
oder  Leinen. 

Knipsgroschen,  m.,  von  knipsen  3, 
s.  V.  a.  Marktgroschen. 

Knirkraut,  n.,  Feldspark,  Spergula  ar- 
vensis  L,  Samland.  Auch  Knebel,  Ma- 
rienspark  u.  Futterspark.    Hagen,  492. 

KnSbel,  w,,  s.  v.  a.  Knebel  1. 

Knochenbrechen,  n.,  Krankheit,  Glie- 
derschmerzen im  Fieberfrost.  Ich  haV 
solch  Knochenbrechen. 

Knop  (o  kurz),  m.,  hchd.  Form  für 
Knopf,  namentlich  im  Oberlande. 

Knopfbinse,  /.,  s.  Rutsche. 

Knopf chen,    Knötchen,    pltd.   Knopke, 


536 


Enorrke  —  KoiiLe. 


Dem.  von  Knopfe  Enöpfchen,  Gesamt- 
name  för  Pflanzen  mit  knopfartigen 
Blüten  oder  Samenkapseln.  Aach  Name 
für  die  Samenkapseln  allein.  Die  Knef" 
chen  von  AlchemiUa  vulgaris  (s.  krause 
Marie)  werden  gern  gegessen;  ebenso 
sind  aie  Knefchen  von  Malva  rotundi- 
folia  eine  beliebte  Leckerei.  Vgl.  Gold- 
knVpfchen  N. 

Knorrke,  m,  u.  n.,  plur.  Knorrken^  in 
der  Gebend  von  Listerburg,  Darkeb- 
men,  Nordenbarg  die  Steinchen  oder 
Knöchel,  mit  denen  die  Elinder  fangen. 
S.  knöcheln  2.  Das  Spiel  heifzt  dort 
Knorrkespiel:  Wir  wollen  Knorrke  spie- 
len!  Sack.  Knorrke  wohl  Dem.  von 
Knorren  =  Knoten,  Knöchel. 

Knuiel  (397  b),  gleichbed.  mit  Gnuiel. 

kochendig,  adj,,  kochend,  siedend. 
Kochendiges  Wasser. 

Kogei,  /.,  eine  Art  Mütze,  Kappe, 
Kapuze.  Ordenszeit.  Hirsch,  252. 
Vgl.  Grimm,  Wb.  V,  1578. 

KOhlen,  stü.,  albernes  Zeag  reden,  von 
iCoAZ^  langweiliges,  dammes  Geschwätz. 
Vgl.  Weigandl,  835. 

KVhlerblume^.,  Schoten  weiderich,  Epi- 
lobium  angvstifolium  L.,  weil  sie  sich 
aaf  alten  Kohlen  brennstatten  häufig 
findet.     Treichel,  Volksth.  11. 

Koike,  Pflzn.,  Fichte,  Pinvs  Toum,^ 
von  dem  poln.  choyka^  choina  (Stamm 
cAo;a)  Fichte.    Treichel,  Volksth.  III. 

kojinken  (o  kurz),  winseln.  Elbinger 
Ndrg.    S   kajTnen  N. 

kOkeln,  sw.^  mit  dem  Licht  oder  Feuer 
spielen.  Wer  abends  mit  dem  Licht 
kokelU  pil'zt  nachts  ins  Bett.    Schmidt. 

KOIke  (403  b),  auch  kurz  die  KoUc. 
Auch  im  Oberlande  wird  die  Krank- 
heit auf  ein  im  menschlichen  Körper 
lebendes  Tier  zurückgeführt:  es  ist 
von  grauer  Farbe  und  mit  Fingern  aus- 
gestattet.    Saalfeld. 

kolken  (403  b),  in  erweiterter  und  wohl 
moderner  Bedeutung:  unaufgefordert 
seine  Meinung  abgeben,  namentlich 
beim  Spiel;  auch  klugkoiken  =  khig- 
kosen  (s.  d).     Schmidt. 

Kolkknecht,  m.  Seit  1421  waren  auf 
dem  Artushofe  dienend  ihätig:  ein  Keller- 
meister  mit  seinem  Knechte^  ein  Bank- 


meister^  zwei  Knechte,  vier  Jungen^  em 
KoVcknecktundein  Thorwächter.  Hirsch, 
206. 

KiUmerkind,  n.,  Tochter  eines  £a- 
mers  (s.  d.).  tun  kolmisch  Kind  out 
Kölmerkind  ist  bei  den  Bauern,  warn 
es  sich  ums  Werben  und  Heüfothen  ian- 
deU^  ungefähr  das,  was  man  in  anderm 
Kreisen  als  Goldfischchen  bezfiehuL 
Voss.  Ztg.,  No.  397,  Sonntags-Beflage 
No.  34.  1883,  bei  Besprechvng  des 
„Preufz.  Wörterbuches". 

Koltung,  /.,  der  Weicbselzopf.  Saal- 
feld. Es  ist  das  poln.  kaitun,  kass. 
klatan. 

Kommersch,  m,,  Kommers. 

KVnigsblume,  /.,  Königskerze,  VerbtES- 
cum  L. 

KVnIgsgarten,  m.,  Name  des  ^röfzten 
und  schönsten  Platzes  in  Königsberg, 
jetzt  ParadepUxtz.    S.  BurgfreiheJt 

Konsistorialvogel,  m.,  s.  v.  a.  Kaitun 
(s.  d.).  Der  nächste  Ursprung  des  Na- 
mens ist  auf  die  Inspektionsreisen  der 
Konsistorialräte  zurückzuführen. 

Konstantinopel,  Pflzn.,  Türkenbond- 
Lilie,  Lilium  martagon  L.  Weichsel- 
delta.    Treichel,  Volksth.  III. 

Konz,  m.  Vom.,  Konrad,  s.  Koneit 

Kopfschuster  (408  a),  c^e wohnlich  Kopp- 
schuster, nach  Schmiat  auch  Bezeich- 
nung für  einen  Lehrer. 

KorallenblUmchen,  n.,  Sommer-Teufels- 
auge, Ädonis  aestivalis  L,  Weichsel- 
delta.     Treichel,  Volksth.  III. 

Korallenkraut,  n.,  gemeiner  Spargel, 
Asparagvs  officinaUs  L.  Hagen,  367. 
Pritze'l,  47. 

Korallenweide,  /.,  s.  Zahnweide. 

Koreil,  Koreile,  /.,  Perle.  Von  Koralk. 
Saalfeld. 

Korinthen,  plur.,  wilde,  Pflzn.,  Gebirgs- 
Johannisbeere,  Ribes  alpinum  L.  Ha- 
gen, 263.  Nach  Pritzel,  336,  die 
rote  Johannisbeere,  Ribes  rubrum  L. 

Korke  (409  b).  Korke  ist  nichts  wei- 
ter als  der  edlere  Name  für  Schlorre; 
darum  nennt  man  zum  Unterschied  ron 
den  rein  ledernen  Schlorren  die  Sohlor- 
ren  mit  ledernem  Oberteil  und  hölzer- 
nen Sohlen  Klotzkorken,  Holzkorken, 
Klotzschlorren  etc.    Durch  Vorstehendes 


Korkholz  —  Ejreide. 


537 


wird  die  nicht  völlig  zatreffende  Be- 
zeichnung (Z.  31  y.  o.):  ^Pantoffeln 
von  Holz"  präzisiert. 

Korkholz  (410  a).  Nach  einer  Mit- 
teilung von  Sack  werden  Korken  aus 
Eichenholz  nie  gefertigt,  schon  weil 
dieses  zu  schwer  ist.  Das  beste  Kor- 
kenholz  liefern  Linde,  Erle,  Weide;  wo 
dieses  nicht  zu  haben^  nimmt  man  Es- 
penholz. 

Kornette,  /.,  s.  Mütze. 

Kornzwiebel,  /.,  s.  Saatknoblauch. 

Korscht,  /.,  Kruste,  s.  Kirste. 

koscher  (o  kurz),  s.  v.  a.  kauscher. 

Koschgeng,  tti.,  in  früherer  Zeit  Rock 
aus  hellbraunem  oder  blauem  Tuche, 
der  bis  an  das  Knie  reichte.  Der  Kosch- 
geng  hatte  keinen  Kragen,  engan- 
schliefzende  Ärmel  mit  grol'zen  Auf- 
schlägen, auf  der  Brust  zwei  Reihen  (je 
9)  grofze  silberne  Knöpfe,  bei  den 
Armeren  besponnene;  auf  beiden  Seiten 
waren  Taschen  mit  grol'zen  Patten  an- 
gebracht, welche  oben  mit  Franzen  be- 
setzt waren.  Unter  jeder  Patte  be- 
fanden sich  drei  silberne  Knöpfe;  auch 
die  Aufschläge  waren  mit  Knöpfen  be- 
setzt.    Dzg.  Nhg.     Viol^t,  170. 

Koichlaren,  plur,^  Landleute,  z.  B.  in 
der  Neidenburger  Gegend,  die  aus  Bast 
geflochtene  Schuhe  tragen.    Gortzitza. 

Koichlerk,  m.,  s.  Kulchiark  N. 
kowmel,  kownei,  Zuruf  an  Schweine. 
Saalfeld. 

kracheln,  sk?.,  viel  husten.   Vgl.  krak- 
kein. 
Krähenbeere,   Kränbeere,   /.,    Pflzn., 

schwarze  Rauschbeere,  Empetrum  ni- 

S^mL.    Hagen,  1036.    Pritzel,  139. 
ach    Hagen,  415,    auch    die  Moos- 
beere, Scholler a  oxycoccos  Rth. 

Krämpei  (420a).  Der  Krämpel  gefällt 
^^/"^  —  fängt  mir  an  zu  gefallen, 

Kränbeere,  /.,  s.  Krähenbeere  N. 

kränken,  8w,  Einen  um  eine  Mark 
kränken^  ihm  eine  Mark  im  Spiel  ab- 
nehmen.    Vgl.  anspafzen  N. 

kränkerllch,  adj.,  kränklich. 

Kraschel,/.,  die  Kinderklapper.  Ober- 
land. 

Kräten  (423  b),  sing.  Krate,  /.,  Sprosse, 
Gitterstange,  Gitterstab. 


Kratze  (424  a),  plur.y  Kratzen  und 
Kratzengarn,  n.,  s.  Klunker  N. 

kraulen  (424b),  krabbeln,  'romkrau- 
len, umherkrabbeln.     Elbinger  Ndrg. 

Kraut  (425  a).  3.  Man  wirft  auch 
den  aus  neunerlei  Kraut  gewundenen 
Kranz  auf  einen  Baum.  Bleibt  er  beim 
ersten  Wurf  hängen,  so  heiratet  man 
noch  in  demselben  Jahre;  jeder  miiz- 
lungene  Wurf  bezeichnet  ein  Jahr  des 
Wartens. 

KrawQI  (425b).  Z.  7  ist  nach  „nach 
dem  Abendbrote  zusammen^  einzu- 
schalten: „schleifzen  Federn  und^  etc. 
Der  Kravml  beginnt  am  ersten  Abende 
nach  den  Weihnachtsfeiertagen  (28.  De- 
zember) und  endet,  wie  die  Zwölften, 
mit  dem  Dreikönigstage:  am  Sylvester- 
abende wird  vorzugsweise  Glück  ge- 
griffen. Das  Schlui'zstuck  des  Krawuk 
ist  das  Begräbnis  des  Königs,  Vor 
Mittemacht  wird  ein  Bursche  als  Kö- 
nig gewählt.  Er  stirbt,  und  nun  trägt 
man  ihn  in  feierlichem  Zuge  zur  Be- 
stattung hinaus:  die  ganze  Erawul- 
gesellschaft  folgt.  Vor  dem  Dorfe  wird 
er  in  Schnee  gebettet,  wobei  man  na- 
mentlich das  Gesicht  überdeckt.  Alle 
umgehen  den  Begrabenen.  Auf  einmal 
springt  dieser  auf,  die  Gesellschaft  stiebt 
schreiend  auseinander,  und  jeder  läuft 
nach  Hause.  Damit  hat  der  Erawul 
sein  Ende  erreicht.  Gegend  von  Ger- 
dauen. Sack.  Zur  völligen  Richtig- 
stellung der  Schlul'zsätze  des  Artikels 
sei  darauf  aufmerksam  gemacht^  dal'z 
in  vielen  Gegenden  die  Dori^ugend  sich 
nur  ungern  an  den  Abenden  der  Sonn- 
tage und  zweiten  Feiertage  das  Ver- 
Siugen  des  Tanzes  entzieht,  an  solchen 
rten  wird  an  diesen  Abenden  selbst- 
verständlich kein  Krawül  stattfinden; 
die  Hauptzeit  für  die  Krawule  sind, 
wie  das  auch  am  Anfange  angegeben, 
die  Zwölften. 

Kreide  (426a).  Zu  Förstemanns 
Bemerkungen:  In  Frankfurt  a.  M.  nennt 
man  unsere  Kreide  2  Latwerge,  auch 
rheinisch  Krauts  am  Rhein  nur  Kraut. 
Es  wird,  namentlich  im  Winter,  den 
Kindern  und  Dienstboten  auf  Brot  (statt 
Butter)  gestrichen.     Sack. 


538 


Ejreier  —  Karnik. 


Kreier,  m.,  Seeschiff,  kleiner  als  die 
HoUce.  In  Seekriegen,  in  denen  die 
Kreier  den  Friedenskoggen  die  Lebens- 
mittel nachfahren,  z.  B,  1398,  erhalten 
sie  eine  Besatzung  von  10  Gewappne- 
ten, während  die  Friedenskoggen  selbst 
40  bis  100  Gewappnete  aoizer  dem 
Schiffsvolk  fassen.    Hirsch,  264. 

Kreolfn,  /.,  Krinoline. 

Kretizbaum,  m.,  gemeiner  Schindel- 
baiim,  Pfaffenhütlein,  Evanymus  euro- 
paeus   L,     Weichseldelta.     Treichel, 

voiksth.  m. 

Kreuzblume,  /.,  breitblättriges  Knaben- 
kraut, Orchis  latifolia  L.    Hagen,  913. 

Vgl.  auch  Vogeiszung. 

Kreuzholz,  n.,  Pflzn.,  gemeiner  Kreuz- 
dorn, Rhamnus  cathartica  L,  Hagen^ 
257.    Pritzel,  329. 

KreuzkUmmel  (428  b),  Z.  5.  L  quer- 
runzeligen Samen. 

Kreuznessel,  /.,  s.  Sauknoien. 

Krillvogel,  m,^  nach  Bujack,  382, 
s.  V.  a,  Grillvogel. 

Krisilnenkraut  (431b),  auch  Kerstin!- 
kenkraut,  KrVstInkenkraut  Pritzel,  191. 

Kroll,  /.,  Kralle,  Nagel  an  Hand  oder 
Fulz.     Saalfeld. 

Kronsbeere,  /.,  rote  Heidelbeere,  Vac- 
cinium  vitü  idaea  L.     Hagen,  418. 

KrVtenkraut,  n.,  s.  Jungfergras. 

Krücke  (434  b),  auch  kurz  Krack,  und 
in  dieser  Form  Schimpfwort  auf  ein 
altes  Weib:  alte  Knick! 

Krude  (435  a),  /.,  eine  Art  von  Ge- 
würzkuchen (hoU.  kruid  Gewürz),  ge- 
würztes Zuckerwerk,  Konfekt^  welches 
die  Apotheker,  Krudener,  bereiteten.  Es 
gab  Kubeben-y  Koriander-^  Anis-^  Kor- 
demom-  und  Kanel-Krude  ohne  bedeu- 
tenden Unterschied  des  Preises.  Man 
verkaufte  sie  pfundweise  oder  in  Laden, 
deren  jede  ^  Pfund  wog.  Ordenszeit. 
Hirsch,  244. 

KrullmulL  n.,  einDurcheinander.  Saal- 
feld.   Vgl.  Schorrmorr. 

Krunk  (436  b).  Das  Krunkspiel  wird 
auch  im  Oberlande  von  Knaben  ge- 
spielt. Die  von  einem  Rundholze  ge- 
schnittene Scheibe  wird  durch  Wurf 
ins  Rollen  gebracht  und  von  der  Ge- 
genpartei durch  Schlag  oder  Stolz,  wie 


sonst  Schlag-  oder  Warfball,  angehal- 
ten oder  zurückgetrieben. 
Krankein,  Pflzn.,  s.  GoldknBpfchen. 

Kraschke,  /.  Man  verlud  das  Wadu 
nach  Damig  nicht  nur  in  gereinigtem 
Zustande^  sondern  auch  in  rohem  Zur 
Stande  in  y^Krtischken^  oder  „Stöcken^, 
Hirsch,  166.  In  einer  Note  spricht 
Hirsch  die  Meinung  aas,  dafz  mit  die- 
sen Kruschken  der  litaaische  Honig 
(Lippitz  oder  Lindenhonig  —  s.  Lip- 
piz)  nach  Danzig  gekommen  sein  winL 

Krascht,  /.,  Kruste,  s.  Kirste. 

Kruschüks  (438  a),  yielleicht  richtiger 
von  Krth  =  Krug. 

Krazeck,  m.^  die  Wasserkäfer  Effdro- 
philus  piceus  und  aterrimus  Esek 
Gortzitza. 

Kubbus,  97».,  Flachsknoten  mit  abge- 
rissenem Stengelende.  Gegend  von  Zin- 
ten.     Gordack. 

kubern,  sw.^  kränkeln,  s.  köbem. 

Kuddeln,  plur.,  Kutteln,  Gedärme. 

kuddlich  (440  b),  in  2.  Bedeotong: 
leicht  erregt.  Ein  kleiner,  leicht  auf- 
gebrachter, zu  Streit  geneigter  Mann 
ist  ein  kudcUicher  Kerl.     Insterborg. 

Kuhfladen,  tt».,  die  Kotmasse  des  Kin- 
des auf  Weiden  und  Wegen. 

Kuhmus,  Pflzn.,  s.  Hgrmoos  N. 

KUhnblUmen,  plur.,  s.  MUnchshaupt  K. 

Kuhweizen,  m.,  s.  Tag  und  Nacht 

kujenieren,  kujonieren,  andere  Formen 
für  kuijonieren  (443  a).  Ich  toerd"  sdißu 
halten,  was  ich  versprochen  hab\  aber 
kujenier  mich  nicht! 

Kulas,  m.,  Knüttel,  krummer  Hakeo- 
stock,  im  Masurischen,  aber  auch  im 
Deutschen  gebraucht.  Dafs  en  guier 
Kulas!    Gortzitza. 

KQIke,  /.,  s.  V.  a.  KSlke  (s.  d.). 

Kullrad  (444  a),  auch  Kullerrad. 

Kundftt,  m.y  Kandidat,  s.  KandäL 

Kupscheller  (448a),  nach  Sack  auch 
in  Litauen  Pferdehändler. 

Kurnik,  m.,  von  dem  poln.  kumik 
Hühnerhaus,  Hühnerstall,  ein  Schlag- 
spiel für  zwei  Parteien.  Jede  hat  ihre 
fünf  Klötze,  Hühner  vorstellend,  v^relcbe 
mit  einem  Stocke  in  mannigfachem 
Wechsel  aus  den  fingierten  StalleD  ge- 
schlagen werden. 


kuschen  —  lichten. 


589 


kuschen  (451  b),  Z.  7  y.  u.  l.  poln. 
huczei^  kuczyc  hocken,  sitzen. 

Kuschinne,  /.,  s.  v.  a.  Kuijelfichte^  s. 
hui. 

Kuichlark,    Kofehlerk^   m.,   Kuhpilz, 


Boletus  bovinus  L.   Aach  Ptmke.   Ober- 
land.   S.  Glattling  u.  Kozelarke. 

Kutka  (451b),   auch   Kurtka  und   in 
beiden  Formen  auch  /. 


Zum  zweiten  Bande. 


L. 


Ladder  (4  b),  n.  1 .  hautartiges  Fleisch. 
Was  soll  ich  mit  dem  Ladder^  gieb  mir 
doch  wenigstens  ein  Stück  Fleischt 

Ladichohr,  n.  u.  m.,  Tier,  namentlich 
Pferd,  mit  hängenden  Ohren;  Schimpf- 
wort auf  einen  lässigen,  unansehnlichen 
Menschen.     Vgl.  Latsche  etc. 

Lahmschink,  m..  Hinkender.  Ma- 
rold. 

lakeien,  sw..  einem  Lakai  gleich  sich 
dienstwillig    zeigen.     Marold.     S.   la- 

keidem. 
Lämmerblume,  /.,  s.  Gesselblume. 

Lappen,  plur.  =  Koddem  (s.  d.),  Klei- 
der. Die  Lappen  vollgeschmiert  bekom- 
men^ ausgehauen  werden. 

Lasten,  plur ,  Wieselpelze.  Hirsch, 
260. 

Lauser  (13  b),  in  2.  Bedeutung  von 
lausem\  langsamer  Mensch,  der  mit 
seinen  Arbeiten  nie  zur  rechten  Zeit 
fertig  wird. 

Lausewenzel,  m.  =  Lauswenzel.  Vgl. 
Drängsei. 

Leberblume,  /.  1.  weifze^  Sumpfherz- 
blatt, Pamassia  palustris  L,  Hagen, 
345.  Pritzel,  266.  2.  trauTW,  s.  Wurm- 
wurz. 

Leberkletten,  Pflzn.,  gemeiner  Oder- 
mennig, Agrimonia  eupaUyiia  L.  Ha- 
gen, 513.     Pritzel,  13. 

Lebkraut,  n.  =  Lebenskraut 

leckerig,  leckrig,  adj.,  lecker,  lecker- 
haft. 


Leggat,  tt».,  s.  v.  a.  Laband,  Litauen. 
Schmidt.     Lit.  Ugotas  Lümmel. 

Leib  und  Leben.  Über  Leib  und  Le- 
ben,  über  den  ganzen  Körper. 

Leiterwagen,  im  Oberlande  Letter- 
wagen, m.,  s.  Klapperwagen  N. 

Leitsmann,  Lotsmann,  m.,  Lotse. 
Hirsch,  265. 

Leken,  tt».,  Leck  im  Schiffe.  Hirsch, 
265. 

lell,  oJ;.,  8.  teil. 

LSn  (22  a),  auch  LCne. 

LenOr  (22  a),  auch  LenOre. 

Les-chen,  n.,  von  lesen^  der  kleine 
Topf,  den  die  Beerenleser  vor  sich  in 
einem  Gürtelbande  tragen,  die  gepflück- 
ten Beeren  hineinzuthun.  Die  Leschen 
werden  in  die  grofzen  abseits  stehenden 
Gefafze  entleert.  Die  heimkehrenden 
Beerenleser,  meistens  Kinder,  singen: 

Ti'ull,  trtdl^  wer  hat  nich  voll? 

Dem  schei/zt  der  Boll  das  Lesche  voUl 
Oberland. 

Letzte  (23  b).  2.  Der  Schlag  wird 
auch  begleitet  von  dem  Rufe :  Anschlag^ 
Anschlag  ohne  Widerschlag!  Statt  des 
Rufes  Anschlaa  hört  man,  wenn  s  am 
Abend  geschieht,  auch  den  Ruf:  Abend- 
schlag!  und  darauf  bezüglich  den  höh- 
nenden Ruf  des  Getroffenen:  Awend- 
schlag,  Awendschlag  —  Biet  de  Katt 
den  Zagel  af!    Marold. 

lichten  (25b).  Vorletzte  Zeile  des 
Artikels  lies:    Sich  im  lichten  stehen. 


540 


Lichtzieher  —  M&asleiD. 


Uchtzieher,  m,^  Spottname  für  ein 
Kind,  dem  die  Nasenflussigkeit  aus 
der  Nase  hervorhängt, 

Lieberchen,  n,  u.  m.,  vertrauliche  An- 
rede. 

Liebrose,  /.,  roter  Fuchsschwanz, 
Amarantus  catulatus  L.  Dafz  weifz  ich 
würde  Und  roth  von  Antlitz^  Gleichioie 
meines  Vaters  Liebrose  blühet.  Nsslm., 
Dainos,  194. 

liila  (28a).  Zur  Bezeichnung  ge- 
schmackloser Farbenzusammenstellung: 
liüa  und  kumstfarben. 

Lischke  (30a).  Auch:  Kopf  ab,  Za- 
gel  in  die  Lischke.     Sprw.  1.  2139. 

Loch,  n.,  Gefängnis,  davon :  einiocheriy 
sw.^  ins  Gefängnis  stecken.  Sie  haben 
ihn  eingelocht     S.  KalQs  N. 

Lodderinski,  tti.,  von  lodderig  mit  pohi. 
Endung. 


LOpäwer,  /.,  s.  Schrotsuppe  N. 
Lorbläiter,  pltd.  Lorbläder,  pbtr^  Lo^ 

beerblätter. 

Lotl,  w.  Vom.,  Charlotte.  Dicke  LoU: 
die  Zahl  88;  nanoientlicli  beim  Kegelr 
spiel. 

LVwenfufz,  m.,  Pflzn^  gemeiner  Bär- 
lapp, Lycopodium  clavatwm  L.  Ostpr. 
Pritzel,  226.  Nach  Hagen,  178, 
heifzt  Lowenfu/z  der  gemeine  Sinnu, 
Alchemilla  vulgaris  L, 

Luck,  n.,  s.  Schlipp  N. 

Ludd  (39b),  auch  Name  für  jeda 
in  seiner  Kleidung  nachlässigen,  io 
seinen  Bewegungen  linkischen,  dazu 
einfaltigen  und  beschränkten  Menschen. 
Das  ist  ein  rechter  L/udd. 

lupsen,  sw.^  rupfen,  s.  belupsen  N. 


M. 


Mädchenkraut,  n.,  echtes  MädesuCz, 
Spiraea  ulmaria  L.,  auch  vrilder  Flie- 
der. Saalfeld.  Nach  Pritzel,  387,  in 
Ostpr.  Medkraut  {Mädkraut). 

Magdblum,  /.,  s.  Romei. 

Maiholz,  n.,  Pflzn.,  s.  Jakobsholz  N. 

Mandierung,  /.,  s.  einmandieren. 

MantelOrrock,  m.,  mantelartiger  Rock. 
Marold.     Vgl.  RocklOr. 

Maraun,  Pflzn.,  Mutterkraut,  Chrysan- 
themum parthenium  Bemh,  (Jstpr. 
Pritzel,  95. 

MargenrSslein,  n.,  s.  Christäuglein  N. 

Margenwerder,  Ortsn.,  Marienwerder. 

Margret,  scfiöne^  Pflzn.,  griechisches 
Heu,  Trigonella  foenum  graecum  L, 
Ostpr.     1590.     Pritzel,  409. 

Mariendorn,  Pflzn.,  Hundsrose,  Rosa 
caninaL,  Pritzel,  339.  Auch  Frauen- 
rose  (s.  d.  N.). 

Marienkolben,  m.,  s.  Seekolben. 

Marienspark,  m.,  s.  Knirkraut  N. 

Marke,  /,  s.  Merke  N. 

Markt  (52  b).  Z.  1  ist  die  Zifi^er 
zu  streichen. 

Marktknecht,  m  ,  Aufseher,  Ordner, 
auf  dem  Fischmarkt,  ursprünglich  Fisch- 


markts Wächter.  Dan  zig.  Ordenszeit 
Hirsch,  210. 

MarlTse,  w.  Vom.,  Marie  Elise. 

Mart,  m ,  der  Marder.   Elbinger  Ndrg. 

Vgl.  martig 

Martfn  (53  b).  Der  Martinsta^  ist, 
nach  Gortzitza,  der  Tag  des  Dienst- 
wechsels  auch  für  städtisches  Gesinde; 
er  heii'zt  gewöhnlich  Martini.  Yomame 
auch  Martin. 

Maschlaber,  Maschleber ,  Pflzn.,  nach 

Pritzel,  226,  in  Ostpr.  Name  för 
Lycopodium  selago  L.     S.  Mirsemao. 

masrig,  adj..,  elend  leidend.  Saalfeld. 
Gewöhnlich  miirig  (s.  d.). 

Masseln  (54  b).     Z.  6  1.  Wundmal. 

Mattwisch,  Pflzn.,  s.  Zwalchweizen. 

Matz  (54  b).  Eine  beliebte  Zusam- 
mensetzung ist  noch  Schei/zmatz. 

Matzebill,  /.,  Schimpfwort  für  eine 
schwerfallige,  korpulente  Frau.  Saal- 
feld. 

Mauerschirk  (57  b),  das  Wort  hat  a. 
a.  0.  ein  c  zu  viel. 

Matiseratzefaller,77t.,  Zusammensetzung 
aus  Mause-  und  Ratze  faller. 

Mäuslein,  n.   Dajz  dich  dca  MäusUw 


M&asschw&ozlein  —  Münchshaupt. 


541 


beifzt!  als  Ausruf  der  Verwunderung, 
des  Staunens.     Sprw.  I,  2589. 

Mäusschwänzlein,  Pflzn.,  Myomrus  mi- 
nimtis  L,     Ostpr.     Pritzel,  241. 

Mauter,  Pflzn.,  Mutterkraut,  Chrysan- 
themum parthenium  Beruh.     Saalfeld. 

Medewachs,  m.  Bei  Hirsch,  256, 
unter  den  Waldwaren  aufgeführt. 

Meerbrackdistel,  /.,  s.  Mannstreu. 
Meergrasblume,  -nägelchen,  s.  Seegras. 
Meerwurzel,  /,  s.  Mannstreu. 

Meyenschein,  m.^  Pflzn.,  knollen tragen- 
der Steinbrech,  Sdxifraga  granulata  L. 
Ostpr.     Pritzel,  364. 

Melifz,  Melisse,  Pflzn.,  einjähriger 
Ziest,  Stachys  annua  L.  Pritzel,  387. 
Hagen,  626. 

Menken,  plur.  Bei  Hirsch,  260, 
unter  den  Rauch-  und  Lederwaren  auf- 
geführt. 

Mennig  (61  a).  Marold  hat  die  Form 
Menning  für  Honigkuchen  im  Yolks- 
munde  häufig  gehört. 

Mense.  /.,  Behältnis  für  Wachs.  Vgl. 
Stroe.    Hirsch,  255. 

Merke,  /.,  auch  angeborenes  Zeichen, 
Hofmarke,  ursprünglich  Handgemahl,  aus 

einfachen  geometrischen  Strichen  zu- 
sammengesetzt, als  Besitzzeichen  ange- 
wandt, aber  auch  auf  das  bewegliche 
Eigentum  übertragen.  Sie  ging  später 
vom  Grundbesitzer  auf  dem  Lande  auf 
den  Bürger   und  Kaufmann    über  und 

wurde  zur  Haus-  und  Kaufmannsmerke, 

-marke.  In  Preufzen  war  nach  einer 
alten  Rechts^ewohnheit^  die  man  auf  ein 
ausdrückliches  Gebot  des  Hochmeisters 
Winrich  zurückführte^  jeder  Kaufmann 
verpflichtet^  seine  ^^Kaufmannsmerke^  in 
einem  Ringe  eingegraben  bei  sich  zu 
führen,     Hirsch,  223. 

Messer,  m.j  der  Messende.  In  den 
groi'zen  Städten  gab  es  und  ^ebt  es 
Kom^j  Holz-  u.  Kohlenmesser.  Danzig. 
Hirsch,  219. 

Metbrauer,  m ,  Brauer  von  Met. 
Hirsch,  305. 

mt,  adv.y  mehr.  Immer  mt^  immer 
mehr.     Saalfeld. 

Michei  (63  b),  in  1.  Bed.  mehr  noch 
Michel;  auch  zur  Bezeichnung  eines 
dummen  Menschen:    er  ist  ein  Michel^ 


—  ein  dummer  Michel.  Als  Kalender- 
tag auch  sehr  gebräuchlich  Micheli. 

Mike  (64  a),  wohl  Kürzung  von  dem 
pltd.  Marike. 

Miichbiume,  /.,  s.  d.  und  Vogeiszung. 

Milchkraut,  n.,  gemeine  Bachburgel, 
Peplis  portula  L.  Ostpr.  Pritzel, 
267.  Nach  Hagen,  389,  auch  Zipfel- 
kraut Unser  lieben  Frauen  Milchkraut 
ist,  nach  Pritzel,  319,  in  Ostpr. 
das  gebräuliche  Lungenkraut,  Pulmo- 
naria  ofßcinalis  L, 

Millionendamm,  m.,  früher  Strafzen- 
name  in  Königsberg,  jetzt  neue  Damm- 
gasse^  weil  der  Damm  aus  dem  Schutte 
des  grofzeti  vorstädtischen  Brandes  1769, 
welcner  Millionen  verzehrt  hatte,  auf- 
geschüttet war.  Hoffheinz,  Straizn. 
605. 

Millkohl,  m.,  Gemüse  von  MiU^  Melde. 

Mfs  (65  b),  auch  Mfse  u.  Mize. 

Miser  (66  a),  in  der  Gegend  von  Nor- 
denburg auch  Miseritz  u.  Miseritzki. 

Mite  (67  a),  auch  Name  für  Gruben 
zur  Aufbewahrung  von  Kartoffeln  und 
Gemüse. 

Mittelfrupp,  m.,  s.  Trupp. 

Mtze,  w.  Vorn.,  Marie;  auch  Katze. 
S.  M!8.    • 

Mompitz,  Mumpitz,  tt».,  wertlose  Sache, 
inhaltsloses  Geschwätz,  Unsinn.  Das 
ist  Mompitz.     Kgsbg. 

MOnkezebrer,  m.,  s.  v.  a.  Molkentewer, 
Oberland. 

Montwurm,  m.,  s.  v.  a.  Moltwurm. 
01)erland. 

Moppchen  (72  a).  Mopke  is^  wo^  wenn 
man  nich  hat,  auch  Bimstein  nehmen 
kann. 

Moppe,  Mopp,  /.,  Ohrfeige :  einem  eine 
Moppe  geben.     Gortzitza. 

mVrderlich,  adj ,  s.  v.  a.  mords,  mords- 
mäfzig.     Das  ist  mörderlich   viel^    eine 

frofze    Menge,    auch   ein   sehr   hoher 
reis. 

mSrdem  (72b),  auch  morderieren. 
Motte,  /.,  als  Drohung:  Da/z  du  die 
Motten   kriegst!   Du   sollst  die   Motten 
kriegen!   Sprw.  I,  2665. 
muckstill  (75a),  auch  muckchenstill. 
MUnchenhof  (79  a),  Z.  4  1.  Thum. 
MUnchshaupt ,    Pflzn. ,    gebräuchliche 


542 


marachen  —  nuzand. 


Kuhblume,  Taraasacum  officinaU  Web ; 
auch KUhnblUmen.  Ostpr.  Pritzel,  396. 

murachen,  sw,^  s.  v.  a.  marachen. 

Mursemau,  MUrsemau,  Pflzn.,  andere 
Formen  für  Mirsemau  (s.  d. ).  Pritzel, 
227. 

Muskat,  /".,  h*atise^  Topfoflanze,  Pelar- 
gonium  radula  roseum  W.     Saalfeld. 

müssen.  Ich  müfzte  noch  auf  'n  Sack- 
heim  gehn^  ich  hatte  noch  ein  notwen- 
diges Geschäft  auf  dem  Sackheim  ab- 
zumachen. 

mtitbarschen,  sw,^  sich,  im  Oberlande 
=  mOdbarschen. 


Mutter  (82  a),  zu  den  Schmeickd- 
formen  noch:  Muttretzchen,  Muttrezuir 
chen. 

Mutterkraut  (82b),  nach  Pritzel, 
432  f.,  in  Ostpr.  aach  Veranica  chamai- 
drgSy  latifoliay  teucrium  a.  prastraia  L. 

mutzen  (84  b),  in  der  Bedeatuog  maa- 
lend  trotzen  auch  bei  ans:  Warscht  m' 
woll  noch  vH  mutze  ^  wirst  wohl  noch 
aufbegehren!   Sack. 

Mutzkopf  (84b),  auch  aas  mutzen  in 
vorstehender  Bedeatang:  er  ist  ein  Mutz- 
kopf^  begehrt  leicht  auf,  mault,  räson- 
niert. 


N. 


n  (84).  Beispiele  für  die  Vertau- 
schung des  n  mit  m:  samft  sanft, 
Zumft  Zunft,  Sämfte  Sänfte,  Semf 
Senf,  Einkümfte  Einkünfte,  ATikumft 
Ankunft,  Zukumft  Zukunft,  fümf  fünf, 
Fümftel  Fünftel,  fumfzehn  fünfzehn, 
fumfzig  fünfzig.  In  den  beiden  letzten 
Wörtern  wird  das  n  auch  ausgelassen: 
fufzehn^  fufzig,  ja  sogar  m^t  o  ver- 
tauscht: fofzehn^  fofzig. 

Nachtskann'  (87  b),  die  Redensart 
auch :  Die  Nachtskann^  hat  ein  Ohr  be- 
kommen (zu  dem  eigenen,  das  ihr  schon 
der  Töpfer  gegeben). 

nachwSfzagein,  verstärktes  nachzageln 
(s.  d.).     Vgl.  auch  weifzageln. 

nachzockeln,  sw.^  s.  v.  a.  näsockeln, 
s.  socken. 

Nadelohr,  Natelohr,  n.,  Nadelöhr. 

Naxkopf,  m.^  verstärkter  Ausdruck 
für  Trotzkopf.     Gortzitza. 

nel  (94  b),  auch  =  nicht.    S.  aber  N. 

-ner  (94  b),  auch  hchd.  ein  Tagner 
acht  etc. 

NSschken  (95  a),  mehr  wohl  Umbil- 
dung des  plur,  von  Neige,  pltd.  Nege, 

Nessel,  /,  tote^  s.  Tannnessei. 

Niff  (99  b),  Z.  7  1.  Nif  ist  etc. 

nurgeln  (103  b),  in  3.  Bedeutung  auch 


coire.  In  1.  Bed.  auch  übertragen: 
nurgeln  und  purgeln^  fortwährend  in 
jemand  um  etwas  bittend  eindringen. 
Oberland. 

nuscht  (104b),  Z.  4  lies:  hchd.  nieks 
nicht. 

Nufzschlagen,  n.,  früher  beliebtes  Kna- 
benspiel. Jeder  Knabe  hatte  durch- 
bohrte Haselnüsse  auf  eine  lange  Schnur 
fezogen,  deren  Enden  geknotet  waren, 
line  Nufz  wurde  an  den  vordem  Kno- 
ten geschoben,  die  übrigen  Nüsse  gegen 
den  untern.  Diesen  Teil  der  Schnur 
wickelten  die  beiden  Gegner  am  die 
Hände.  Es  galt  nun  mit  der  vorderen 
Nufz  die  (auf  einer  Büchertasche  oder 
einem  Stuhlpolster  liegende)  Nufz  des 
Gegners  mit  einem  Hiebe  zu  zerschla- 

fen;    gelang*s,    so  war   der   Kern  der 
lohn. 

nuzund  (105b),  bezeichnender:  Bil- 
dung wie  jetzund  aus  nun  und  und  mit 
Eintreten  des  z  aus  jetz.  Gortzitza 
sieht  darin  ein  Analogen  der  Bildung 
von  (irjxBTi  nach  oixHi,  Eine  ^m- 
liche  Bildung  ist  Saunigel ^  Sauigel, 
durch  das  eingeschaltete  n,  das  sich  aus 
Schwein  (Schweinigel)  hinverirrt  hat 


o  —  Peischel. 


543 


0. 


0  (105a).  Beispiele  fQr  die  Dehnang 
des  kurzen  o:  Pforte  Pforte,  Dröfzel 
Drossel,  erdrofzeln  erdrosseln,  Lorbeer- 
bldtter^  Antw&rt 

Oben,  m.,  Ofen,     Beleg  unter  absund 

Obenruhr,  /.,  Ofenröhre,  Wärmloch 
in  der  vordem  Ofenseite.     Oberland. 

ob80iv(re(n),  pltd.  Form  von  obser- 
vieren, beobachten,  wahrnehmen.  Dat 
hff  ich  noch  nich   obsolvert.     v.  Au  er. 

oder  (107  b).    Beliebt  auch  als  Vor- 


wort bei  Anreden.  Oder  Herr  Leitnant^ 
uns  Rapp  will  nich  fressen, 

oderkauen,  &w.^  s.  v.  a.  dderkauen. 

Ofen,  m.  Der  Ofen  ist  eingefallen^ 
die  Frau  ist  entbunden. 

Ohr  (108  b),  auch  s.  v.  a.  Öhr. 

OhrwUrmchen  (109  b).  Der  Mangel 
an  Aufrichtigkeit  liegt  nicht  notwendig 
in  der  Freundlichkeit   des  „Obrwürm- 


chens 


..^ 


Ort  (o  lang),  w.,  Pfriem,  Ahle.    Zu 
Ort  (111b). 


P. 


Padöllak,  Podöllak,  m.,  ungeschickter, 
plumper  Mensch.  Von  padölchy  podölch 
(s,  AT), 

Palte  (llSa),  auch  bei  uns  als  grofzes 
Stück,  namenüich  grofzes,  unförmliches 
FleischstQck.  Das  Schwein^  das  vsir 
gestern  schlachteten^  hat  gehörige  Palten. 
Saalfeld. 

Panitschken  (119b),  das  Wort  ent- 
spricht mehr  noch  dem  poln.  panicz 
junger  Herr,  Junker. 

panjebrfttsch  (119b),  in  beiden  For- 
men auch  mit  kurzer  letzter  Silbe,  wie 
das  schon  aus  dem  Beispiel  hervorgeht, 
das  den  Sinn  hat:  er  sagt  zu  jedem 
gleich  panie  bracie. 

pftpern  (120b),  in  gleichem  Sinne 
wie  Paper  paper  im  ersten  Beispiel, 
auch  Pdpertapdp  und  Paperlapap 

pappein  (121  a),  kann  als  härtere  Form 
für  babbeln  angesehen  werden. 

Parchem  (121b),  auch  Parchim. 

Pardck, /.,  Perücke. 

Pftsiack  (124a),  Z.  5  y.  u.  1.  poskin- 
nik, 

Pastrangas,  m.,  wohl  aus  dem  poln. 
postronek  Strang,  zur  Bezeichnung 
übermäfzig  langer  Gegenstände.  Ein 
zu  langer  Faden,  oder  auch  Stock  ist 
ein  langer  Pastrangas,    In  zweiter  Be- 


deutung auch  penis,  Schmidt.  YgL 
Postronke. 

Patschak,  Patschsack,  m.,  einer  der 
patscht.     Schmidt.     Vgl.  patschen. 

Patschorken,  plur,.,  die  von  den  Geist- 
lichen abgehaltenen  Gebetverhöre,  poln. 
paciorki,     Gortzitza. 

Paukenstock,  m,,  Schinken  der  Gans; 
nach  der  Ähnlichkeit. 

Pausch,  m.  In  Patisch  und  Bogen^ 
allgemeiner:  in  Bausch  und  Bogen  im 
grolzen  u.  ganzen,  alles  in  allem.  Vgl. 
Weigand  I,  141. 

Pazuren,  Pazoren  (128b),  nach  Gort- 
zitza auch  Pasuren,  Pasoren. 

peddein,  sw,y  von  paddeln,  mit  den 
Fül'zen  kratzen,  wie  aas  Hühner  thun: 
sie  zerpeddeln  ein  Beet. 

Pedaig  (129  a).  4.  der  unreine  Rest 
von  Flüssigkeiten,  z.  B.  von  Bier  im 
Glase;  auch  die  Flüssigkeit,  die  sich 
beim  Rauchen  einer  Pfeife  vom  Tabak 
in  der  Schwammdose  ansammelt.  Gort- 
zitza. 

PSdehaken  (129bX  auch  Name  für 
die  Zahl  77,  weil  sie  zwei  (umgekehrten) 
Pedehaken  gleicht;  beim  Eegelspiel. 
Vgl.  pticldige  Freundschaft, 

Peischel,  m.,  Strohbündel  zum  Dach- 
decken.     Schirwindt.      Lit.    paiszlas^ 


544 


Pemke  —  pkunpen. 


nach  Nsslm.,  Wb.  281a,  die  kleinen 
Strohbündchen,  welche  die  Dachdecker 
bei  dem  Decken  eines  Strohdaches  zur 
Befestigung  der  First  längs  derselben 
anbringen.  Vgl.  Bammluck  und  Sch6- 
fei  N. 
Ptmke,  m.,  s.  Kuschlack  N. 

Perpelitze  (134a),  poln.  przepiörka, 
przepiöreczka, 

PeierzVIge  (136  a),  auch  Peterzilge, 
Petersifge. 

Petition  (136  a)  in  Masuren  ganz  ge- 
wöhnlich, aber  nicht  für  alle  Salende, 
sondern  nur  für  das  zu  liefernde  Ge- 
treide.    Gortzitza. 

putschen,  petschefn,  »w.,  s.  tetschen.* 

petzen  (136  b),  davon  der  Petzer. 

pf  (136  b),  es  wird  nicht  bloi'z  plattd., 
sondern  auch  hochd.  fast  regelmäi'zig 
durch  pp  oder  /  ersetzt. 

Pfarrin,  /.,  Pfarrerin,  Pfarrfrau. 

plkfein,  adj.^  hoch  fein,  vorzüglich. 

pillem,  «W7.,  von  Piller  (s.  d.),  coire. 

Pillkauer  (143b),  Druckfehler  für  Pill- 

kaner. 

Pilz  (144a),  im  plur.  auch  Pilsen. 

pimpeln  (144b),  Z.  2  v.  u.  1.  Pimpel- 
lise, 

Pinkerling,  m,,  s.  anschmeifzen  N. 

Pinokel,  beliebtes  Kartenspiel,  dem 
66  ähnlich.     Lötzen.     Schmidt. 

Pint  (146  a),  auch  Schimpfwort,  ver- 
stärkt Dammelpint 

Pfphahn  (147  a),  auch  hchd.  PIpan. 

Pirägge  (148  a),  nach  Gortzitza  Pje- 
rogge,  Quarkflinze. 

piichen  (149  a),  auch  Piichull  machen^ 
Pinchullchen  machen. 

Piicher  (149  a).  Püchei*  u.  Pischer- 
chen  auch  Namen  für  kleinere,  im 
Wachstum  zurückgebliebene  Bäumchen. 

Pischkachel  ('149a),  zwar  Schimpf- 
wort, doch  nicht  übel  gemeint.  Nach 
Gordack  rührt  der  Name  daher,  dafz 
solch'  junge  Mädchen  auf  dem  Lande 
eine  Ofenkachel  als  Nachtgeschirr  be- 
nutzen. 

PTsker  (150a),  Z.  3  1.  Auch. 

PTfzen,  w..  Bissen,  Stück.  Bau  Pifzen 
Brot.     Memel. 

Plachanske,  n.,  kleines  Schnapsmai'z 
von  Blech.     Insterburg. 


pladdern  (151b),  statt  abpladdern  sack 
auspladdem. 

plarrig,  adj.y  grofz  and  onförmlich, 
von  plärren  2.     Eine  vlarrige  Schleife, 

Platz  (154  b),  m.xi./.  Im  Oberlande 
flache  Koggenmehlkachen  in  nmder 
Jform,  hin  und  wieder  mit  Salz  be- 
streut, beim  Bäcker  käuflich.  Das  itt 
80  sicher^  wie  beim  Bäcker  die  Flatz^ 
zunächst  mit  Bezug  auf  den  festen 
Preis  einer  Ware.  Das  geht  wie  beim 
Bäcker  die  Platz,  die  Ware  hat  schnellen 
Absatz.  Vgl.  Sprw.  1,  225.  Nach 
Sacks  Mitteilung  Plätzchen  y  pltd. 
Plätzkes,  ganz  kleine,  sehr  dünne  Kochen, 
die  zum  Kaffee  oder  Thee  gebacken 
werden.  —  Plätzchen^  Plätichka  nennen 
in  der  Insterburger  Gegend  die  Kinder 
auch  die  flachen  Scherben,  Späne  etc, 
welche  sie  mit  Wurf  von  der  Wasser- 
fläche wiederholt  aufprallen  lassen: 
Plätzche,  Plätschke  scnmei/zen.  Vgl. 
Butterbrot  1. 

Piemper,  Plimper,  PIBmper,   PlQmper, 

m.,  dünnes  Getränk,  dünne  Sappe.  S. 

plumpem. 

Plenps\ plur,,  Hiebe.    Zu  Hause  giebii 

Ptenps.     Oberland. 

Plick  (157b),  nach  Gortzitza  auch 
kahle  Stelle  auf  dem  Schadet  Lit. 
plikas  kahl.     S.  plicken. 

plicken  (157  b)  sich.^  sich  rauf^, 
schlagen,  pflücken.  Eine  g^te  Mutter 
sagte  beim  Abschiede  zu  ihrem  Sohne, 
einem  strammen  Studenten  mit  vielen 
Schmissen:  Aber  Paulche^  plick  dir  mcA 
mehr!  Schmidt. 

plinken,  plinkem  (158  a).  Beliebte 
Unterhaltung,  namentlich  unter  Kindern, 
ist  es,,  den  andern  darauf  scharf  anzu- 
sehen, wie  lange  er  die  Augenlider 
offen  halten  kann,  ohne  zu  pUnken  oder 
plinkem. 

plinzen  (158a)=die  Augen  verdecken, 
auch  in  Masuren.     Gortzitza. 

PIfske  (159a),  Z.  2  1.  Dönh.  statt 
Dähn. 

Pludderhose  (160a),  auch  PllJdde^ 
bUxen,  pltd.  Pludderboxe. 

plumpen  (161a),  auch  stark  regnen. 
Das  plumpt  gut.  Es  regnet^  da/z  es  man 
so  plumpt 


Plompsack  —  Patzschere. 


545 


Piumpsack  (161b).  Mit  dem  Plump- 
sack  yi'wA  bei  maDchen  Spielen  auch 
auf  Schaltern  und  Rücken  geschlagen. 

pilischen  (163  a).  plauschen  ist  wie- 
nerisch: plauschen! s  nit  so  geschwollen. 
Wander,  Sprw.-Lex.  V,  1660. 

Poch  (1 63  b).  NiedlicheiuDge  Schwein- 
.chen  nennt  man  Pochel^  JPochelche,  pltd. 
Pochelke.  Auch  zu  Kindern  sagt  man 
kosend:  Mein  Pochelke^  mtn  Pochelke! 
namentlich  dann,  wenn  sie  sich  der 
Mutter  zärtlich  mit  unsauberm  Gesichte 
nahen. 

Podöllak,  97».,  s.  Padöllak. 

Polen  (166a).  PoUn  ist  ogenl  druckt 
wohl  ursprünglich  die  Freude  aus, 
welche  sicn  äiSzert,  wenn  die  Grenz- 
sperre gegen  Polen  angehoben  oder 
gemildert  wird.     Gortzitza. 

pOlsch  (167  b),  auch  polsch  (kurzes  o). 

Pompex  (168  b).  Der  Name  ist  in 
Ostpr.  allgemein  bekannt. 

ponfeheln,  su?.,  s.  v.  a.  bonichein. 
Oberland. 

Pürschke,  m.,  s.  v.  a.  Barsch;  ebenso 
KaulpSrschky  Kaulbarsch.  Oberland.  S. 
KQIbärsch. 

Pösew  (170  b),  in  2.  Bedeutung  auch 
in  Masuren  sehr  gebrauchlicji.  Gort- 
zitza. 

Post,  /.,  (170a).  Gortzitza  macht 
für  die  Herleitung  auf  das  näher  lie- 
gende   poln.  po4cic  fasten  aufmerksam. 

PotrschebowskI,  m.,  einer,  der  oft  in 
Verlegenheit  ist  und  Hilfe,  namentlich 
Geldhilfe  braucht;  von  dem  poln. jpo^2^ 
bowac  bedürfen,  nötig  haben,  brauchen. 
Masuren.     Gortzitza. 

Power  (173b),  nicht  blofz  im  Sam- 
lande. 

Pracherchen ,  plur, ,  Deminutivform 
von  Pracher  =  Bettlerchen ,  zur  Be- 
zeichnung der  Luftbläschen,  die  in 
gutem  Bier  aufsteigen.  Neidenburg. 
Gortzitza. 

Prils^pche,  Presipche,  Pros6pche,  /.  u. 

n.,  von  dem  lat  praesepe  Krippe,  Stall 
etc.,  Bett;  Gefängnis,  in  die  Präsepche 
gehen  ^  zu  Bett  gehen.  Sie  gehen  mit 
ihm  ins  Prosepche^  ins  Gefängnis. 

Priaehbier,  W6rt«rbadi  II. 


prflten  (177  a).  prdtschen  verstärktes 
brdschen. 

Prech,  m,  u.  /.,  verstärktes  Breche 
s.  BrVch.  Die  Prech  thut  mir  weh,  ich 
habe  Leibschmerzen.  Willst  schon  wie- 
der was  in  die  Prech  haben,  willst  schon 
wieder  essen?    Oberland. 

Pres6pche,  /.  u.  n.,  s.  Präsepche  N. 

prickeln  (180  a).  Als  Ausgestaltung 
der  3.  Bedeutung:  beim  Dominospiel 
solche  Steine  zurückbehalten,  die  es 
dem  Gegner  unmöglich  machen,  die 
seinigen  anzulegen.     Kgsbg. 

Prinzessinstraf ze ,  /.,  Strai'zenname  in 
Königsberg,  s.  Burgfreiheit  N. 
'    Prissel,  f.,  Zweig  von  Pinv^s  silvestris, 
Kieferzweig.     Saalfeld. 

Prifz,  /.,  schlechter  Kuchen.  Das  ist 
bhfz  e  Prifz.    Kgsbg. 

Prosfipche,  /.  u.  n.,  s.  PrHs^pche  N. 

prOst  (182b).  Pröst  de  Mälttt  auch 
hchd.  und  zwar  in  der  Form:  proste 
Mahlzeit!  als  wäre  'orSste  ein  Adjektiv 
«=  dem  damit  wecnselnden:  gesegnete 
Matdzeit,  koTTxnnmeri  gesehnte  MoMzeit, 
Sehntemahlzeit,  Sintemcthlzeit!  Gort- 
ZI  tz  a 

Pulle  (187  a),  letzte  Z.  1.  Buddel. 

pulstrig,  adj\,  verstärktes  buJstrig,  s. 

bultrig. 

Puppe,  /.  Die  Puppe  nehmen  und 
nach  Hause  gehen,  erzürnt  sich  ent- 
fernen.    Es  geht  tiber  die  Puppen. 

purgeln,  sw.,  s.  nurgeln. 

purr  (190b),  auch  Purrchen,  Purr- 
pferdchen. 

PUrzelftiche,  /,  s.  v.  a.  Perzelaiche, 

auch  als  Gangart  des  Pferdes.  Das 
Pferd  hat  eine  gute  Pürzelascfie. 

Puichel  (191b).    2.  auch  Puichellfse. 

Puschnägelchen,  n.,  Pflzn.,  bärtige 
Nelke,  Dianthus  barbatus  L    Saalfeld. 

PQster  (193b),  auch  Benennung  für 
den  Feuerrost,  unter  dem  eine  nach 
auizen  fuhrende  Öffnung  den  Luftzug 
für  das  Feuer  vermittelt.     Marold. 

Putzniaer  (g  weich)  statt  Putzruicher 
uDter  pulerig. 

Putnchere  (195  b),  auch  Putscher  (e) 
gesprochen. 

36 


546 


Qoackeler  —  Ratscb. 


Q 


Quackeier    (196a).    Ziffer  1.   ist   zu 
streichen. 

Quassement   (199  b).    Z.  3  1.  Verla 
dungsschein. 
Quatsch  (200  a),  in  2.  Bedeutung  /. 


qtiesten    (203  b).     Ziffer    1.    ist    zu 

streiciien 

QuHsche  (205b),  Z.  3  v.  o.  1.  QuHschel. 
Quitsche  auch  =  Quitschenbawm. 


R. 


Rftdbeil,  /.,  bösartige  Beule,  grofzes 
Geschwür,  namentlich  skrofulöses  äulze- 
res  lialsgeschwör,  das  in  den  meisten 
Fällen  geschnitten  werden  mul'z.  Ober- 
land. 

Ragnit  (210a),  im  Volksmunde  auch 
Rangnitz, 

Rahmen,  m.,  Rahmen,  s.  Räm. 

Raköpel,  m.^  Kuchenschabe,  Blatta 
orientalü;  auch  KardkuL  Masuren. 
Gortzitza.    Vgl.  Franzosen. 

Ramft,  m..  Dem.  Ramftchen,  n.,  erster 
Schnitt  vom  neuen  Brote,  das  Köpfchen 
Oberland.    Das  ahd.  ramft^  mhd.  ran/t, 
nhd.  Ranft.     Vgl.  Sohnchen. 

Rapünzchen,  n.,  Pflzn.,  s.  Gesselblume 
N. 

Rassel,  m.,  Rausch.  Er  ist  im  Rassel 
Oberland. 

Ratzkefaller,  m.^  s.  v.  a.  Ratzifaller. 

Raubritter,  m ,  zur  Bezeichnung  eines 
kleinen  Gutsbesitzers,  der  sich  aus 
bäuerlichem  Land  sein  Gütchen  gebil- 
det uud  meistens  unsicher  in  seiner 
Existenz  ist.     Gortzitza. 

raug,  pltd.  rüg,  adj.^  rauch  =  rauh. 
Rauge  Backen.  Ein  ratiges  Gesicht 
Gortzitza. 

Regimentsbefehl,  m.,  Geldtäschchen, 
welches  der  Soldat  laut  Regimentsbe- 
fehl an  einem  Bande  unter  dem  Rocke 
auf  der  Brust  zu  tragen  hat. 

regnen,  sw.    Es  regent  =  regnet. 

reifzen  (221b).  Rtt  dem  Kathrmke! 
noch  gewöhnlicher  Ritem  etc.  gespro- 
chen. 


Reifzung  (222  a),  auch  hchd.  =  Risse, 
Hiebe:  es  giebt  Reifzung. 

Rheinfahrt,    Pflzn.,    s.    Schlagwasser 

N. 

Ribbas,  m.,  s.  v.  a.  Rabbas  (s.  d.). 

RtthrVm,  /.,  s.  Schrotsuppe  N 

Rosemöck  (233a).  Gortzitza  hat 
als  Kind  in  Neidenburg  Rosemöck  oder 
vielmehr  Rosemockchen  in  ganz  anderer 
Weise  kennen  gelernt  WiUst  du  Rose^ 
niockchen  sehen?  wurde  gefragt  Na- 
turlich wollte  man  es,  wenn  man  mit 
der  Sache  noch  nicht  bekannt  war. 
Dann  wurde  eine  Schüssel  mit  Wasser 
hingestellt,  und  die  Neugierigen  mufzten 
sich  herumstellen  und  tief  gebQckt  hin- 
einsehen, um  die  Rosemockchen  zu  er- 
blicken. Der  mit  der  Sache  Bekannte 
machte  dann  allerlei  Manöver  und 
schlug  endlich  scharf  in  das  Wasser 
hinein,  dal'z  alle  bespritzt  wurden.  Der 
Name  Rosemockchen  für  diesen  Scherz 
findet  seine  Erklärung  in  poln.  oder 
masur.  rozmoknq6  nafz  werden,  durch- 
weichen. 

Roserock  (234  a),  auch  das  poln.  roz- 
ruch  wird  unverändert  gebraucht. 

Rotzkodder,  n.,  Taschentuch. 

RotziVffel,  97».,  Schimpfwort  auf  un- 
reife und  vorlaute  junge  Leute,  auf  un- 
ordentliche Menschen. 

'rumwanken,  sw.,  s.  wanken. 

Rutsch,  /.,  Bett   Jn  die  Rutsch  gehen. 

Oberland. 


a  —  Sdierdeltuch. 


547 


s. 


8  (240  a).  s  klingt  oft  Jz^  z:  emfzig 
emsig,  Perfzon  Person,  grinzen  grinsen. 

Sack  (242b).  Zur  Ergänzung:  1. 
Sprichwörter:  Eft  klopft  auf  den  Sack 
und  den  Esel  meint  er.  Die  Katze  im 
Sack  kaufen.  4.  als  Schimpfwort: 
BSsaack^  Fuppsack^  Giftsack,  Granssack, 
Patschsack,  Quarrsack. 

Sackträger  (243  b).  2.  Sack  hat  hier 
die  Bedeutung  scrotum. 

saggeln,  sw.,  mit  stumpfem  Messer 
sägend  schneiden.     Schmidt. 

Saloppe,  /.,  s.  y.  a.  Salupp.  Gort- 
zitza. 

safzen,  sich,  s.  v.  a.  sassen.  S.  an- 
säTzig  N. 

Sauerffst  (249  b),  Z.  4  L  sulphura- 
tum. 

Sauerkohl  (249  b),  Z.  3  ist  hinter 
Brassica  das  Komma  zu  streichen. 

Saunigel  (248b.  250b).  Über  die 
Bildung  des  Wortes  s.  nuzund  N. 

Schabbel  (251a).  Schabbein,  plur., 
für  Schabbeibohnen  auch  in  Ostpreufzen 
ganz  gewöhnlich. 

schabbeln  (251a),  beim  Schreiten 
andere  mit  den  Fulzen  stolzen,  sie  be- 
lästigen   oder    gar    verletzen;     davon 

Schabbelfufz  (u  auch  kurz)  u.  Schabbel- 
fritz. 

ochabraky  m.,  Mensch,  der  dummes 
Zeug  schwatzt.  Sperber,  40.  Poln. 
zabrac  glos  das  Wort  nehmen,  anfangen 
zu  sprechen.    Ygl.  fehabbem. 

Schaff  (253  b),  auch  Efzschaf  und 
Wäschschaf.  Für  Speiseschaff  auch 
Speischaf. 

Schappkenmtttze  (257  b),  Z.  3 1  Gegen- 
satz zur. 

schattern  (261a),  in  2.  Bed.  in  Ver- 
bindung mit  ^chcu)bem:  Sie  hat  unauf- 
hörlich zu  schattem  und  zu  4chMem. 

-sehe  (263a).  -sehe  tritt  bei  pol- 
nischen Namen  auf  -skii^Ti  dessen  Stelle: 
die  Brodowsche  für:  die  Brodowski. 
Gortzitza. 

^chebrak,  m.,  Bettler,  das  gleichbed. 
poln.  zebraJc.     Sperber,  40. 

Scheck,  Pflzn.   Die  Pflanze,  welche  ich 


in  Rauschen,  wo  mir  der  Name  zuerst 
entgegentrat,  nicht  habe  erhalten  können, 
soll  dem  Mir^chemau  (s.  d.),  Bärlapp, 
ähnlich  aussehen.  Sie  heilt  Wunden 
an  Menschen  und  Vieh,  ist  selten  und 
mufz  sofort  gepflückt  werden,  wenn 
man  sie  sieht;  geht  man  yorüber  und 
wendet  sich  nachträglich,  um  sie  zu 
pflücken,  so  ist  sie  nicht  mehr  zu  fin- 
den. 

scheffeln  (264a),  auch  intransitiv.  Das 
Getreide  scheffelt,  giebt  reichen  Ertrag. 
S.  schütten  2. 

Schelf z,  m.,  Scheifze,  /.,  pltd.  Schtt, 
m.  u.  /.,  Dem.  Scheifzche,  pltd.  Schttke, 
als  Wort  der  Verneinung,  Zurückwei- 
sung, Bekräftigung,  des  kurzen  ^Ent- 
schlusses, der  Kesignation,  des  Über- 
drusses; auch  blolzes  Flick-  und  Füll- 
wort. Scheifz!  Ach  was,  Scheifz!  Scheifz, 
komm!  Scheifz,  ich  geh  heui  ins  Thea- 
ter! Das  ist  eine  Scheifze,  einerlei. 
Beliebt  auch  im  Hochdeutschen  ist  das 
pltd.  Schttke.  Haben  vdr  heute  Kar- 
tofelflinzenf  „Ja,  Schttke^.  Euphe- 
mistisch: Scheibe!  Ja  Scheibe!  Scheibe! 
sagt  Neumann.  Von  Scheifz:  Schelf zer, 
m.  Alter  Scheifzer^  alter,  schwächlicher 
Mann.  Scheifzerel,/,  Diarrhöe.  In  Zu- 
sammensetzungen: Scheifzdreck,  Scheifz- 
haus,  Scheifzkeri,  Scheifzmatz  etc.  s.  264  b. 
Vgl.  Klugscheifzer. 

Schdnschbiätter,  plur.,  s.  v.  a.  Semsch- 
blatter,     Oberland. 

Schemfehe,/.,  Binse,  Juncus  L.  Ober- 
land. 

Schfimschleder,  n.^  s.  sämisch. 

schenken  (267  a),  Z.  2  1.  lautet  das 
part  .auch  geschoiücen. 

Scherdettuch  (267  b).  Für  den  Zu- 
sammenhang des  Wortes  mit  Tuch 
sprechen  die  reinhochd.  Zusammen- 
setzungen, namentlich  das  westpreulz. 
Schurztuch,  wie  denn  auch  die  Schürze 

Solu,  fartuch—  Vortuch  heilzt,  und  für 
as  verwandte  Schurzfell,  poln.  szurcfal 
(auch  fartuch  sk&rzany  Schürze  von  Le- 
der) das  Grundwort  ebenfalls  dem  Deut- 
schen entlehnt  ist. 

35* 


548 


Sch^  —  Schrotsuppe. 


Sches  (268  b),  s.  Dschfise  N. 

ichibberig  (269b),  auch  Gortzitza 
kennt  nar  SChieberig. 

Schiebern  (269b).'  2.  reflexiv:  sich 
schickem, 

SChichrig,  adj,^  s.  v.  a.  schuchrig. 

schief  (270b),  auch:  Er  ist  schief  ge- 
toickelt 

Schinnkaule  (274  a),  auch  Schinder- 
icaule und  Aaskaule. 

schipp  (274  b),  auch  tschipp.  Vgl. 
Volksr.,  32,  122:  Schipp^  schipp^  mein 
Hahnke,  hchd.  mein  Hähnchen.     I 

schirken  (276  a),  auch  tschirken. 

Schischkenkopf,  -kopp,  m,,  Kopf  mit 
wirrem  Haar,  wie  er  aussieht,  wenn 
man  das  Haar  durch  hineingeworfene 
Klettenköpfe  (s.  Schischke)  verfilzt  hat. 
Oberland. 

Schlachnutke  (278  a),  1.  Schlachuntke. 
Schlaggwetter  (280  b),  auch  Schlacker- 
wetter. 

SChlagrUhrend.  Sich  schlagrührend 
ärgern, 

Schlagwasser,  Pflzn.,  gemeiner  Rain- 
farn, Tanacetum  vulgare  L. ,  auch  rö- 
misch Rheinfahrt    Samland. 

Schiftlos  (281a),  nach  Gortzitza 
auch  Schlftlo. 

Schlensak  (285b),  in  Neidenburg  in 
Gortzitzas  Kinderzeit  ein  sehr  be- 
liebtes Backwerk,  das  nicht  die  Form 
des  Zwiebacks,  sondern  eines  Oblon- 
gums  hatte  und  auch,  ja  fast  gewöhn- 
lich, Schlinsak  genannt  wurde. 

Schlichtmehl,  n.,  Mehl,  in  dem  die 
Kleie  zurückgeblieben  ist;  daraus  be- 
reitet man  Schlichtbrot^  Schlichtmus. 

schlickern  (286  a),  auch  schlicker  di 
schlacker, 

Schlipp  (287  a).  Im  Oberlande  auch 
Schlupp,  von  schlüpfen^  und  Luck^  n., 
weil  durch  das  Autziehen  des  Baumes 
oder  Brettes  im  Zaun  eine  Lücke  ent- 
steht. 

Schlorrchenglitschen  (288  a).  I)as 
Schlittenfahren  am  Fastnachts- Diens- 
tage auch  in  Masuren  üblich,  der  Name 
dafür  nicht.     Gortzitza. 

Schlorre  (288  b),  Z.  6  1.  Schlurre.    S. 
Korke  N. 
Schlosse,  /.,  Scblofze. 
Schlumpschufz  (290  b),  im  deutschen 


Billardspiel  der  Stofz,  mit  dem  man 
gleichzeitig  die  Karoline  and  den  fol- 
genden Earambolball  in  das  Mittelloch 
und  das  Eckloch  macht  Nach  der  bei 
Schlumpschlag  angegebenen  Bedeatung 
wäre  es  also  =  Glücksschufz.  That- 
sächlich  ist  es  freilich  nicht  ein  solcher; 
denn  geschickten  Spielern  gelingt  er 
recht  oft.     Gortzitza. 

Schlupp,  m.,  s.  Schlipp  N. 

Schmftchen  (291b),  auch  Schmäsch- 
chen. 

SChmackostem  (292  a).  Das  Begiefzen 
mit  Wasser  ist  auch  in  Masaren  üb- 
lich.    Gortzitza. 

Schmackostemite  (292b).    Das  Aos- 

grunen  dor  Ruten  ist  allgemein  üblich. 

Schmäker,  m.,  Schmöker,  s.  Pl^  2. 

Schmandengel,  m.,  Mädchen  in  weifzem 
Kleide,  Knabe  in  weilzen  Beinkleidern 
(s.  Schmandbüaen), 

Schmelchenzagel  (296b),  1.  Schmfil- 
chenzagel. 

schmieren  (297b),  auch  schlecht 
schreiben. 

Schmurgeln,  sw,^  s.  v.  a.  schmirgeln. 

schnarren  (302a^.  He  geht,  dat  de 
Hacke  schnarre.    Elbinger  Ndrg. 

schntben,  sw.^  s.  v.  a.  schnOwen  und 
reflex.  sich  schneuzen.     Oberland. 

schnickern,  sw.,  s.  v.  a.  schnippsein. 

Schnipp -schnapp -schnurr  (305  b),  in 
Neidenburg  für  Baselorum  auch  Basi- 
lurr. 

schnTwen  (306  b),  auch  s.  v.  a.  schnQ- 
wen. 

Schnuppen,  971.,  Schnupfen. 

SchnDt  (309  a).  Schnutchen  als  Kose- 
wort auch  sonst  gebrauchlich. 

SchVIlkraut  {Klein-),  n.,  s.  Gessel- 
blume  N. 

SChVnen  (310b)^  auch:  das  Wetter 
schönt  sich  auf. 

Schrotsuppe,  /.,  Wassersappe  aus  Rog- 
gen-Schrotmehl mit  etwas  Milch  oder 
etwas  Fett  abgemacht.  Ist  sie  sehr 
dünn  gekocht,  so  heifzt  sie  Rohrom, 
Kührum,  dick  gekocht /ScA^WckZ  (s.  d.); 
zwischen  beiden  Arten  steht  als  Lop- 
äwer  (Laufüber)  die  mitteldünne  Schrot- 
suppe. Sie  führt  ihren  Namen  daher, 
dai'z  sie  beim  Kochen  leicht  überläuft, 
da  den  Leuten  meist  Zeit  zur  Aoüsicht 


schrumpen  —  StolzheiDrich. 


549 


in  der  Küche  fehlt.  Diese  Unterschiede 
gelten  in  Notjahren,  in  denen  die  tiuppe 
wohl  täglich  in  dreierlei  Gestalt,  wie 
angegeben,  morgens,  mittags  und  abends 
von  den  armen  Leuten  bereitet  und  ge- 
gessen wird.  In  besseren  Zeiten  wird 
die  Suppe  etwa  drei- bis  viermal  wöchent- 
lich gekocht.     Gerdauen.     Sack. 

schrumpen  (318b),  Z.  7  1.  fhopge- 
schrumpelt. 

schüchtern  (319b),  Z.  5  1.  zum  an- 
dern fahrend. 

Schuprtne  (323  a),  auch  Tschuprfne. 

Schufeheikopf,  nz.,  s.  v.  a.  RmcheUcopf. 
Oberland.    S.  verschufeheln  N. 

ichQfehen  (324a),  nach  Gortzitza 
auch  schu^chen  (u  scharf). 

^hQfehkehmen  (324  a),  kein  fingier- 
ter Ortsname,  wie  irrtümlich  angegeben, 
sondern  ein  wirklicher  und  S.  389  b  un- 
ter Szufzkehmen  richtig  aufgeführt.  Die 
mitgeteilte  Redensart  ist  durchaus  im 
Schwang. 

SchOichü  (324  a),  nxicAiSckaschüy  Schu- 
schlichen   machen  =  schlafen.     S.  §chQ- 

ichen  N. 

Schusterplatz,  m.,  im  Oberlande  = 
Schusterjunge.    Vgl.  Platz  N 

Schufzwelde,  /.,  s.  Zahnweide. 

SchQte(n),  st^  schiefzen,  engl  to  shaot 
Gordack. 

SchUttel  (325  a),  so  richtig  statt  Schot- 
tel. 

schwaddem  (326  a),  Z.  11  1.  värto- 
schwaddre. 

Schwammklopper  (327  b),  politisch  in- 
diflferenter  Mensch.  Das  Wort  ist  in 
der  ganzen  Provinz  bekannt. 

schwappendiq  (327  b).  Auch  das  Verb 
schwappen  übhch,  besonders  im  Eom- 
pos.  Überschwappen,  wie  das  Simplex 
sowohl  transitiv,  als  auch  intransitiv. 
Gortzitza. 

schwarken  (327  b),  das  vart  auch  6e- 
schworken. 

Schwingen,;».,  Schwingblock,  m.,  -messer, 
n ,  s.  Klunker  N. 

Sechser  (334  a),  Z.  1  1.  Einfünf zehntel. 

Sechserbrot,  n.,  Imbifz  um  die  sechste 
Abendstunde,  s.  v.  a.  Schweinevesper. 

Seele,  /.  Zur  SeeC  bringen  können  = 
geniei'zen  können,  s.  kifeheln  N. 

Sehntemahlzeit,  /.,  s.  prOst  N. 


seigen,  su?.,  s.  v.  a.  seaen  1. 

Sebhin  (339  a),  Z.  3  1.  nemorosa. 

Siebenzägliger,  m.,  Peitsche  mit  sieben 
Zägeln,  siebenschwänzige  Knute,  auch 
Ende  Tau  oder  Strick  als  Prügelinstru- 
ment. Kriegst  mit  dem  Siebenzägligen! 
Oberland. 

Siel  (340  b).  In  die  Hintersielen  kom- 
men^ im  Geschäfte,  in  der  Wirtschaft 
zurückkommen.     Sprw.  II,  1209. 

Sielenstrick,  n.,  Strick  an  den  ^Un. 
Im  Oberlande  als  Schimpfwort:  du 
Selenstrick  ! 

Sintemahlzeit,  /.,  s   prOst  N. 
Sommerung,  /.,  s.  v.  a.  Sommerkom. 
Spann,  /.,  s.  anschmeifzen  N. 

Spanschferkel  (a  =  a),  n.,  Spanferkel, 
noch  saugendes  Ferkel.     Oberland. 

sparteln  (347  b),  reflexiv  sich  sparteln^ 
sich  absparteln, 

Spazierwagen,  m.y  s.  Klapperwagen  N. 

Speckbrüch,  m.^  s.  Brttch  N. 

Spei,  m.,  Speichel.     Vgl.  Spuck. 

Spicker  (350a),  im  Oberlande  Spek- 
ker^  plur.  Speckers;  davon  speckem  =» 
spickem:  es  speckert,  spickert 

Spickpfahl,  «n.,  spitzer  Pfahl,  der  in 
die  Erde  getrieben  wird.  Von  spickenm 
Oberland. 

spikeltren  (351a),  auch  im  Hchd.  in 
der  ursprünglichen  Form  spekulieren. 

Spind  (351b),  auch  E/zspind, 

^innwocken  (352  b),  Rocken. 

Spirkucks  (353  a),  auch  Sperekucks. 

splinter  (354  b).  splitterfasemackt  auch 
in  unserer  Provinz  nicht  ungewöhnlich. 
Gortzitza. 

Stadtkämmer,  m.,  s.  Kämmerer  N. 

Stallengasse,  /.,  Strai'zenname  in  Kö- 
nigsberg, vorzugsweise  mit  Pferdeställen 
bebaut:  1.  auf  der  Laak;  2.  auf  der 
Burgfreiheit(s.  d.  N.).  Letztere  heifzt  jetzt 
Kasemengasse^  weil  später  eine  Schwa- 
dron Kavallerie  daselbst  ihre  Ställe 
hatte.    Vgl.  Hoffheinz,  Stralzn.,  601. 

Steckel  (364  b).  Ich  mufz  ihm  ein 
Steckelchen  spielen^  einen  Possen  thun. 
Oberland. 

stfb,  adj.^  steif,  stibstehen^  steif  stehen. 
Oberland. 

Stieglitzk  (371b),  nach  Gortzitza 
auch  Stiglitz. 

Stolzheinrich,  m.^  s.  Heinrich  N. 


550 


StorchkUpper  —  rerkloppeii. 


Storchklapper  (376  a),  L  Eqmetum 
vulgare. 

Streichboizen,  tt».,  Streichholz.  Berli- 
nisch. 

Strippe  (381b),  aach  aa  Beinkleidern 
zum  Straffziehen  derselben. 

Stück  (383  b),  plur.  auch  Stückner^ 
Stückne.  Ein  Stückner  drei.  Hatten^ 
da/z  die  Stücke  fliegen,  Gro/ze  Stücke 
auf  einen  halten. 


Stumskehuinpel,  m.,  kleine  unansehn- 
liche Person.  Schmidt.  VgL  Hum^ 
pel. 

stürzen,  mo.,  umlegen,  z.  B.  ein  Schiff; 

auch  bragen.    S.  Bragebank  N. 

Stuterei,  /.,  Gestüt. 

SUrzholz  (388  b).  Süjzholz  raspeln. 
Sprw.  11,  2618.    S.  raspeln. 


T. 


Talgliclit,  n.  Reden  wie  ein  Endclien 
Talglicht,     Vri.  Sprw.  1,  3082.  ^ 

Tambor,  in., Trommelschläger;  Spritz- 
leder am  Wagen.    S.  Tambour. 

tapsig,  adj.^  s.  v.  a.  (abrig  (s.  d.). 

Taschengebäude  (395  a),  auch  sonst, 

nicht  bloiz  in  Danzig  üblich. 
Thres  (400  b),  auch  Threse. 
Thunichgut,  m.  «=  Thunuschtgut 
Timpf  (402  a).    in    2.  Bed.    auch    in 

Ostpreufzen  üblich  gewesen. 


Tipp  (402b)  und  die  Nebenformen 
Name  und  Lockruf  nicht  bloiz  für  das 
Huhn,  sondern  überhaupt  für  Vögel. 

Tobak  (403  a),  o  lang  und  kurz. 

Trog  (41 2b),  auch  grol'ze  Mulde  zum 
Brotbacken:  Backtrog. 

tschapsen,  «tr.,  s.  v.  a.  schapsen. 

Tschippe,  /.,  Dem.  TschippclCsn^  Vopel, 
preul'z.-poln.  czykka.  Mein  Tschippchen! 
SchmeichelwortzuKindern.  Gortzitza. 
Vgl.  Tipp. 


ü. 


U  (417  a).  Gedehntes  tt  wird  im  pro- 
vinziellen Hochdeutsch  zuweilen  kurz: 
Betrug  statt  Betrüg^  Gru/z  statt  Grü/z 
(plur.  Grüfze);  kurzes  lang:  Geburt 

U  (417  b).  Langes  ü  wird  hin  und 
wieder  kurz,  kurzes  lang  gesprochen: 
Büste  (kurz),  Luke  statt  Lücke, 

Überschwappen,  sw.y  s.  schwappendig  N. 


Umlauf,  in.,  Anschwellung  am  Finger, 
Fingerwurm. 

unberufen,  st,  s.  v.  a.  unvemifen. 

unllbel  (424  b).  Das  ist  gar  nicht  un- 
übel =  nicht  übel. 

Utichek  (425  b),  auch  Utscheck  ge- 
sprochen. Einen  Utscheck  machen^  weg- 
laufen.    Masuren.     Gortzitza. 


V. 


Vaterche  (426  b),  auch  der  Vaierche. 
verbohren   (428a),   auch:   im   Arsch 

VCfTÜckt. 

verdienen,  sw.  Der  hafs  heute  ver- 
dient^  sagt  man,  weon  man  für  jemand 
ein  Stück  Brot  schneidet  und  das  Messer 
tief  in  das  Brot  hineinfahrt;  geht  der 
Schnitt  nach  oben  hinaus,  so  hat  der 
Betreflfende  es  nicht  verdient 


Verdung  (429  b),  auch :  arbeiten  wie  ver- 
dungen. 

verglaffen,  sw.^  sich,  sich  vergaffen, 
verlieben.     Er  hat  sich  in  sie  verglafft 

verhauen  (432  a),  bildet  das  2.  pari. 
stark. 

verjüngen  (432  b),  auch  verjüngen. 

verkloppen  (433  b),  auch  ^  verspielen, 
durchbringen.     Gortzitza. 


rerloch  —  worgeln. 


551 


verloch,  Ruf  der  am  Male  angelan^n 
Kinder,  in  dem  Sinne :  ich  bin  am  Mal, 
in  Sicherheit.  Gortzitza.   S.  verbieten. 

verrflgen,  aw.^  sich^  im  Oberlande  = 
sich  verruhen, 

verschuicheln,  sw^  s  v.  a.  vernUfcheln. 
Oberland. 

verschwingen,  st ,  verschwinden.  Ober- 
land. 


vertobbern,  sw.y  verleiten,  verfahren, 
verlocken;  von  tobbem  1.  Einen  zum 
Kartenspiel  vertobbem,    Elbinger  Ndrg. 

Vgl.  vertoppen. 

verwimmern,  sw.^  verwachsen,  ver- 
heilen.   Saalfeld. 

vonCn  (447  b),  im  Oberlande  auch 
entzwei. 

Vorarbeiter,  m.,  s.  Kämmerer  N. 


W. 


Wabbel  (450  a),  früher  anch  Name 
für  juDge  Lente,  die  von  Gymnasien, 
mitunter  von  Tertia,  abgegangen,  nach 
kurzer  privater  Vorbereitung  die  Ma- 
turitätsprüfung vor  einer  Universitats- 
Kommission  machten,  während  der  Vor- 
bereitungszeit. Die  Anforderungen,  die 
diese  Kommission  stellte,  waren  weit 
geringer,  auch  Unterschleife  leichter; 
davon  war  auch  das  Wort  wabbeln  =» 
als  Wabbel  sich  vorbereiten,  üblich. 
Mit  dem  Aufhören  dieser  Kommissions- 
prufungen  mag  auch  der  Name  Wabbel 
aufzer  Gebrauch  gekommen  sein,  wenn 
er  nicht  etwa  noch  üblich  ist  für  Schü- 
ler, die  sich  privatim  zum  Abiturienten- 
examen vorbereiten,  das  sie  dann  bei 
einem  Gynmasium  machen.  Gort- 
zitza. 

Wache,  /.,  Woge,  Welle.  De  Kröckent 
schockelt  op  de    Wachen,     Dorr,   21. 

Vgl  Wachte. 

Waddig  (451  b).  Zusammenstellung: 
Waddiffund  Wehdag^y  Wehtage.  Gort- 
zitza. 

Waldvioien,  gelbe,  s.  Haselblume  N. 

Weggeleiswasser,  n.,  s.  GlCdwasser  N. 

weglegen,  MI7.,  verlegen,  auf  die  falsche, 
unrechte  Stelle  legen.  Die  Hühner 
haben  die  Eier  weggelegt. 

W6r,  /.,  8.  V.  a.   Warre,    Oberland. 

WCrtke,  n.,  das  Wertchen,  Wertvolle, 
kleiner  Blumenstraul'z,  den  Land  trauen 


zur  Kirche  mitnehmen.  Das  Wertchen 
wird  in  gefalteten  Händen  auf  dem 
weil'zen  Taschentuch,  unter  dem  das 
Gesangbuch  rpht,  getragen.  Mtn  Sahn, 
ISp  on  e  Garde  on  mak  mt  e  WSrtke! 
Samland. 

Wessel,  fn.^  einfaches  Subst.  zu  ver- 
wesseln,  verwesselter,  verwahrloster 
Mensch. 

WichöpjCn,  m,,  vielleicht  richtiger  TTt- 
köpjen,  beim  Brotbacken  ein  Brötchen 
aus  den  Teigresten;  wohl  von  poln. 
mykopac  aus  dem  Brottrog  ausgegraben, 
zusammengegraben.  Neidenbnrg.  Gort- 
zitza. 

Wickhaus,  eigentlich  WTkhaus,  ein  der 
Stadtmauer  angebautes  Hinterhans. 
Wtkhäuser  gab  es  und  giebt  es  viel- 
leicht noch  in  Neidenburg.  Gortzitza. 
Ahd.  wtghus,  wichüs,  mhd.  mtchüs,  pro- 
pugnaculum,  Bau  oder  Turm  zur  Be- 
festigung und  Verteidigung.  Schade, 
1149  b. 

Wtk  (469),  ist  /.  u.  n.  Das  Putziger 
Wik  heifzt  auch  Pauzker  Wik. 

winken  (471b).  4.  einen  Schlafen- 
den durch  besondere  Manipulationen 
dahin  bringen,  dafz  er,  ohne  aufzu- 
wachen, sich  erhebt  und  schlaftrunken 
herumwandelt.     Gortzitza. 

Witze,  /.,  Rute,  Zweig,  s.  Fitze  N. 

worgeln,  sw.,  s.  v.  a.  wirgeln. 


552 


zecken  —  zosteckeln. 


z. 


zecken,  sw.^  zacken.     Saali'eld. 

zeisen  (490a),  Z.  6  1.  zeüen  st.  Zinsen. 
HeDDeDberger  Laodt.,  52. 

zerrackern,  sw,,  steh,  sich  zerarbeiten, 
darch  Arbeit  aufreiben.     Vgl.  rackem. 

zerschnippsein,  sw,^  verstärktes  schnipp- 
sein, 

Zigeunerkraut  (493  a),  1.  Hyoscyamm. 

Zipfelkraut,  n.,  s.  Milchkraut  N. 

zubein,  adv.^  s.  Bein  N. 

zudach,  adv.,,  in  zudach  kämmen^  nahe 
kommen  mit  dringendem  Anliegen,  zu- 
dringlicher Bitte,  unverschämtem  Ver- 


langen. Damit  komm'  mir  nickt  zu- 
dach! Saalfeld. 

zumessen.  Ihnen  nicht  zugemessen., 
pltd.  enne  nich  togemete^  als  abwehrende 
Formel,  wenn  von  einer  Krankheit  die 
Bede  ist.     Vgl.  nebbig. 

zupafz,  adv.^  passend,  gelegen,  ange- 
nehm.    Das  kam  mir  recht  zupafz,    VgL 

pafzmftt 
zusamsti  auch  zesamst,  adj.  u.  präp.^ 

zusammen;  mit.    Vgl.  mitsamts. 
zusteckein,  zustecl^eln,  sti?.,  mit  einem 

Stecket  oder  Stecksei  verschliefzen. 


Nachtrag  zu  den  Abkürzungen. 


Hirsch.  Danzigs  Handels-  und  Gewerbs- 
geschichte unter  der  Herrschaft  des  deutschen 
Ordens.    Von  Theodor  Hirsch.   Leipzig  1858. 

Klebs*  Der  Bernstein.  Seine  Gewinnung, 
Geschichte  und  geologische  Bedeutung.  Er- 
läuterung und  Katalog  der  Bernstein-Sammlung 
der  Firma  Stantien  u.  Becker.  Von  Richard 
Elebs     Königsberg  i.  Pr.  (1880). 

Gewinnung  und  Verarbeitung  des  Bern- 
steins. Mit  22  Lichtdruckbildern,  1  Lithographie 
und  3  Holzschnitten.  Von  Dr.  Rieh.  Klebs. 
Königsberg  1883.  [Zur  Erinnerung  an  das 
fönfundzwanzigjährige  Geschäfts -Jubiläum  von 
Stantien  u.  Becker.  Königsberg,  den  16.  Mai 
1883.] 


Mflller.  Über  die  mitteldeutsche  poetische 
Paraphrase  des  Buches  Hieb.  Ein  Beitrag  zur 
Geschichte  der  Sprache  und  Literatur  des 
Deutschordenlandes  von  Dr.  W.  M ulier.  Halle 
1883. 

N«    Nachträge  und  Berichtigungen. 

N88liii.9  Bainofiu  Dainos.  Litauische  Volks- 
lieder übersetzt  Ton  G.  H.  F.  Nessel  mann. 
Berlin  1853. 

Pritiel*  Die  deutschen  Volksnamen  der 
Pflanzen.  Neuer  Beitrag  zum  deutschen  Sprach- 
schatze. Aus  allen  Mundarten  und  Zeiten  zu- 
sammengestellt yon  Dr.  G.  Pritzel  und  Dr. 
G.  Jessen.    Hannover  1882. 


Schlufzwort. 


JJitwaA  später,  als  im  Prospekt  versprochen,  habe  ich  das  Preufzische 
Wörterbuch  zum  Abschlüsse  bringen  können.  Die  Abonnenten  auf  das 
Werk  werden  diese  Verzögerung  wohl  gern  entschuldigen,  da  sie  dem  Buche 
zu  gute  gekommen:  —  es  hat  durch  die  während  des  Druckes  eingegangenen 
Ergänzungen  an  Vollständigkeit  und,  wie  ich  hoffe,  auch  an  Wert  gewonnen. 
Dem  gröfzern  Umfange  nach  konnten  diese  Beiträge  in  das  Werk  hinein- 
gearbeitet werden,  und  nur  ein  verhältnismäfzig  kleiner  T<'il  davon  hat  in  den 
Nachträgen  seinen  Platz  erhalten. 

Ein  aufmerksamer  Blick  in  das  Werk  wird  darthun,  dafz  ich  vielfach  mit 
grofzer  Hingabe,  Ausdauer  und  Sachkenntnis  unterstützt  worden  bin.  Für 
diese  Unterstützung,  wie  für  jede  der  Sammlung  zugewandte  Förderung,  spreche 
ich  allen  Freunden  derselben,  den  neuen  wie  den  alten,  noch  besonders 
meinen  herzlichsten  Dank  aus.  Im  Laufe  der  Jahre,  von  Beginn  meiner  Samm- 
lungen bis  in  die  neueste  Zeit,  erhielt  ich  für  meine  Arbeiten  Beiträge  von 
folgenden  Herren  und  Damen: 

Lehrer  AIbi*en  in   Hohenbcrg,    Er.   Bagnit.     Lehrer  Alkewitz  in  Alt- 
Eattenau,  Er.  Stallupönen.    General  v.  Auer  in  Goldschmiede  bei  Eönigsberg. 
Rabbiner  Dr.  Bamberger  in  Eönigsberg  (Erklärung  judisch -deutscher  Aus- 
drücke).   Lehrer  A.  Blau  in  Ereuzburg.     Professor  Dr.  F.  A.  Brandstäter 
in  Danzig.     Lehrer  Brehm   in  Angerburg.     Lehrer  Browleit  in  Allenburg. 
Lehrer  Brüfz  in  Neudorf  bei  Graudenz.    Lehrer  Cabjolsky  in  Romeyken, 
Er.   Stallupönen.    Lehrer  Denskulz   in   Seikwethen,    Er.  Niederung.     Ober- 
lehrer Dr.  R.  Dorr  in  Elbing.    Lehrer  Dröse  in  Marienwerder.    Emeritus 
in  der  Gegend  von  Eonitz.     Pfarrer  Fabricius  in  Barenhof  im  Gr.  Werder 
(durch  Herrn  Oberlandesgerichtsrat  Passarge).    Lehrer  Festerling  in  Stab- 
lauken, Er.  Pillkallen.    Freiherr  Fragstein  v.  Niemsdorf,  Eönigl.  Hofliefe- 
rant in  Eönigsberg.     Lehrer  H.  Freytag  in  Mewe.     Dr.  Ludwig  Frey  tag 
in   Berlin,  (für  die  Nachträge.     Die  letzte,  nach  Beendigung  des  Satzes  ein- 
gegangene   Sendung   konnte   leider   nicht   mehr    verwertet    werden).     Lehrer 
Gall   in  Jerrentowitz   bei    Briesen   Westpr.     Fräulein    Alma  Gänike    aus 
Silberbach,  Er.  Mehrungen,  jetzt  in  Liebstadt.     Lehrer  Gast  in  Glabitsch  auf 
der  Danziger  Nehrung.    Lehrer  Julius  Gehrmann  in  Eönigsberg,  aus  Liebe- 
mühl.     Eantor  Gerhard  in  Ragnit,  früher  in  Eönigsberg.     Lehrer  Gerfz  in 


,    554  Scblufzwort 

Seeheslen,    Kr.    Sensburg.     Lehrer   Gohr   in  Danzig.     Sprachlehrer    Walter 
Gordack  in   Königsberg.     Gymnasial-Professor  a.  D.    W.  O.   Gortzitza  in 
Lyck,    geb.  Dezember  1811,    Neidenburger  bis  Ende   1823.     Kantor  Gutzeit 
in   Sensburg.     Lehrer    Harnack   in    Börgersdorf  bei    Wehlau  f  (Manuskript 
durch    Herrn    Tribunalsrat    Dr.  R.  Reusch).     Privatgelehrter  Robert  Hein 
in  Berlin,  geborener  Danziger.    Direktor  der  stadtischen  höheren  Töchterschule 
Heinrich    in    Königsberg    (Sammlung   aus    Tiegenhof  im    Werder).     Lehrer 
Hetz  in  Rominten,  Kr.  Goldap.    Kantor  Hilberger  in  Dönhoffstädt  *{-.    Lehrer 
Hildebrandt  in  Schönau  bei  Marienburg.     Küster  an   der  Ober -Pfarrkirche 
zu  St.  Marien  A.  Hinz  in  Danzig  f.     Geheimer  Medizinalrat  Prof.  Dr.  med. 
G.  Hirsch  in   Königsberg.     Privatgelehrter  Eduard  Hubaczek   in   Königs- 
berg f.    Fräulein  Anna  Jacobi,  Lehrerin  an  der  städtischen  höheren  Töchter- 
schule in  Königsberg.     Lehrer  Jasch  in  Wittenberg,   Ki*.  Pr.  Eylau  (Manu- 
skript  durch  Dr.  R.  Reicke   in  Königsberg).     Buchhändler   Paul    Jensen, 
früher  in  Königsberg.    Lehrer  Aug.  Kahler  aus  Nordenburg,  jetzt  in  Königs- 
berg.    Lehrer    Kalepky    in   Wehlau.     Karl  Käswurm   in  Darkehmen    (für 
die  Kreise  Stallupönen,  Gumbinnen,  Insterburg  n.  Darkehmen).     F.  Karsten 
in  Braunsberg.    Lehrer  Kerwien  in  Plimbailen,  Kr.  Ragnit.    Lehrer  Kirbnfz 
in  Plehnen,    Kr.   Rastenburg.     Kaufmann  Rud.  Knoppke   in  Königsberg  f. 
Lehrer  Kobbert  in   Insterburg.     Dr.  G.  Kossinna    in  Halle    a.  S.    (für    die 
Gegend  von  Tilsit).     Lehrer  K rafft  in  Rominten,  Kr.  Goldap.    Schuhmacher- 
meister Kratz  in  Königsberg.    Buchhändler  Eduard  Krause  in  Königsberg, 
aus  Dogehnen  im  Samlande.     Lehrer  Krömke  in  Neuendorf,  Kr.  Pr.  Holland. 
Lehrer  J.  Kutschki  in  Tolkemit.     Lehrer  Lau  in  Pillau.    Kaufmann  Ernst 
Lau  aus  Königsberg  (das  Manuskript  erhielt  ich    aus  Telok  Betong    auf    der 
Insel  Sumatra).     Regierungs-Sekretär  C.  A.  Laudien  in  Königsberg.    Fräulein 
Elisabeth  Lemke    in    Rombitten    bei    Saalfeld    Ostpr.     Rechtsanwalt  Otto 
Lewald    aus    Königsberg,    in    Berlin  f.     Seminarlehrer    G.    Liek    in    Löbau 
Westpr.,    früher    in  Königsberg.     Lehrer  Löhrke    in  Flatow.     Dr.    Wilhelm 
Mannhardt   in   Danzig  f.     Rektor   Marczowka    in    Grabnick    bei    Lötzen. 
Gymnasiallehrer   Dr.   C.   Marold    in   Königsberg.     Frau   Eveline  Mattern 
in  Rauschen,  Ej*.  Fischhausen.     Justizrat  H.  Meier  in  Königsberg  f.     Uaupt- 
lehrer  R.   Meier    auf   den    Hufen    bei  Königsberg.     Dr.   W.  H.  Mielck    in 
Hamburg.      Lehrer  Milke  in  Mockrau    bei   Graudenz.     Besitzer  Minuth   in 
Rauschen,  Kr.  Fischhausen.     Hauptlehrer  Rud.  Morre  in  Königsberg.     Lehrer 
Mortzfeld  in  Thiergart.    Rittergutsbesitzer  Müller  in  Bergfriede,  Kr.  Allen- 
stein.    Buchbinder  Fr.  Münch  in  Königsberg.    Herr  Paul  Muscatein  Brom- 
berg.    Landes  -  Hauptkassen  -  Rendant   K.    Nagel   in  Königsberg,    früher    in 
Marienwerder.    Professor  Dr.  G.  H.  F.  Nesselmann  in  Königsberg  -j*.     Leh- 
rer Nippa  in  Budweitschen,   Ki\  Goldap.     Kantor  Panzer  in  Tenkitten,  Kr. 
Fischhausen.     Oberlandesgerichtsrat   Louis  Passarge  in  Königsberg.     Maler 
Petzenburg  in  Königsberg.    Stadtschulrat  Dr.  O.  Pfundtner  in  Königsberg 
(für  Gumbinnen).     Lehrer  Polen z    in   Angerburg.     Fräulein  Elise   Prill    in 
St.  Lorenz,   Kr.  Fischhausen.     Ed.  Putzrath  in, Tolkemit.     Rittergutsbesitzer